Indiana Tribüne, Volume 15, Number 363, Indianapolis, Marion County, 18 September 1892 — Page 2
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TiegroKeVaßgetge.
f as ehemalige Bergstädtchen Alten fcercj im Kreise Schönau in Schlesien ist vor einiger Zeit durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Doch haben d'.e Be p?ohner einen kostbaren Schatz, ihre alte Chronik, glücklich aus den Flammen gerettet. In dieser Chronik befindet sich eine gewisse und wahrhaftige" Be schreibung von der großen Baßgeige", die Altenberg ehemals besessen. Die Chronik schreibt: Erstlich ist die UnuU dete Bagg-ige vierhundert Ellen lang, Ochtzig Ellen zn? und fünf SechZzehn tel breit. Zum anderen sind sechstausend siebenhundert und sechzig Stück Pfosten dazu genommen worden, denn zu dem Sattel sind allein fünfhundert und sieben und sechzig Stück gekorn jnen. Drittens haben hundert Gei genmacher, zweiundnfilnzig Tischler und achtzig Zimmerleute ganze neun Jahre darüber gearbeitet und dieses Jahr erst fertig geworden. Zum vierten sind zu denen Schrau Ita vier Schock große Eichenbäume kommen. Fünftens sind zum Ficdelbogen echt Schock Lorbeerbäume kommen. Zum sechsten sind von zwanzigtansend Pferden die Schweife rdcr Haare zum Fiedelbozen kamrr.cn, und haben 200 Leine ioebe? an den Haaren 2 Jahre lang kunstreich geknüpft. Zum siebenten 'sind zum Leime, damit die Geige festgemacht worden, von achtzigtauscnd polnischen Ochsen die Hörner gcnommtn worden, und haben 200 Personen 3 Jahr darüber in großen Braupfanen gesotten, wobei 50 Personen cm Unvorsichtigkeit in die Pfanne gefallen und todt geblieben sind. jZuni achten find zu den Schrauben be stellet sünfhundert Mann mit mächtig roßen Instrumenten, wenn die Geige jofl gestimmt werden, und wo man ?nit der Hand angreifet, da ist ein schwer Gewicht, das' man treten muß, b:e man wohl erachten kann daß eZ nicht zu greifen ist. Zum neunten sind zu der allerkleinsten Saite vier tausend siebenhundert undachtundscchzig ftärme von den edelsten und besten Schafen genommen worden. Zum zehnten, was aber die anderen Saiten anbelangt, nachdem es eine siebenfaitige Geige ist, so ist solches un tnöglich zu beschreiben. Zum elften wird die bcmeldcte Baß-Geize dreimal im Jahre gegeiget, als zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten, denn es giebt von einem Icste zum andern den Klang so lange, daß man nicht öfters geigen darf. Zum zwölften sind sechshundertundachtzig Personen bestellt, die nur den Fiedclbogen reqie xen. Zum dreizehnten, wenn der Fudelboaen soll aechmlert werden. rnuß man allemal achthundert Centner 5olcphonrum haben und müssen auch achtzig Personen von einem Feste zum andern Tag und Nacht den Ficdelbogen schmieren. Zum vierzehnten ii die ses Jahr am Östertage zum ersten Mal gegeigt worden, da denn nur d:e aller kleinste Saite abgesprungen, und hat dennoch drclhundertundachtzig Mann erschlagen, ohne welche beschädigt wur 3cn. . Zum ninszehnten, weil die groe ITlefe dieser Baßgeige nicht zu bechrei den, daß einer aus Vorwitzigkeit sich bemühet, auf diese Geige zu klettern. da er nun alles genau begucken wolle. und durch ein ternloch hrneinschaute. bekam er einen Strauche! oder Schwindel, und fiel gar hinein ; da er denn zwei Tage gefallen, ehe er auf den 33c den gekommen ist. woraus man leicht errathen kann, was für eine Tiefe eZ fein muh. Wie aber, und mit was für Kunst und Mühe derjenige wieder herausgezogen worden, davon wird mit Nächstem gründlichen Bericht ertheilt werden, welchen man mit verlangen erwartet. Zum sechzehnten, weil aber niemal die abgesprungene Saite wieder aufge zogen, und ordentlich gestimmt worden. so haben nwesende einen Versuch ae thau und den Ficdelbogen hin und he? gezogen, da hat es einen solchen scharfcn Klang gegeben, daß ein Thurm, fünfzig Klajtcr hoch, der eben nicht weit davon gestanden, sich erschüttert pnd emgkfavcn, jedoch keinen Menschen als einen Esel erschlagen. Es sind aber von solchem starken Klänge vier hundert Personen um das Gehör et kommen. Weil nun ein solches Wunderwerk Niemals aus Erden ae wesen, noch von Jemand gesehen, und nut großer Arbeit zusammen gebracht worden, nnd ein jeder, welcher der Kunst- und Naritäten. Liebhaber, kann sich nach dem Ort be geben, solches Wunderwerk zu beschauen. und er wird nicht nur allein sich damit vergnügt befinden, sondern auch aller Orten, wo er hinkommt, in Crzähluria dieser wunderlichen Baßgeige lieb und zvertb gehalten werden." Das Landeshuter Stadtblatt b? hauptet nun zwar, daß diese große r, " ' ., w , . ' r VaMeige" cei dem Altenverger Vrande glücklich gerettet sc,, die Breslauer In t . i , . . . . Vlung erfayr: accr aus sicherer uueue. da Dieses höchst merkwürdige Streich instrument leider ein Opfer der Jlam men geworden. Bedenkliche Sparsam keit. Ter bekanntlich außerordentlich f i . . w s fc vcrzqwenznucye Älcrande? uinal der Aeltcre lies sich ttniae Taae vor sei. nein Tod! zu seinem sehr sparsamen kokne brmaen und bearünte densel ben sofort mit den Worten: Ich komme zu Tir. um in Deinen Armen zu sterben." ' Kurz darauf rief er den wohn wieder zu sich und sagte zu ihm: iey',t Du. mem sobn, di Welt nannte mich stets einen tv schmender. und doch bin ich dies nicht denn kaum 18 Jahre alt kam ich nack PaüZ mit drei Louisdor in der Ta sche. und wie sparsam ich gewesen bin, geht daraus hervor, daß ich noch setz bei meinem Tode einen übrig habe.' Dabei zog er seinen schmalen Geld beute!, der in der That noch ein ein sames Goldstück auswies.
Aoravend deSVargerkrteges
Cul C St. HliZtuxt'l Wer! Lincoln sä Men o War Tuaes". Uebirsktt ton lKeorg veu ZtaU Als Abraham Lincoln am 23. Februar lSöl in Washington anlangte, war seine Stellnng wohl die schwierigste, die sich denken läßt. Wenn er das Bei raucn der Führer seiner Partei be esftn hätte, so wäre feine Aufgabe ihm bedeutend leichter geworden, aber es st Thatsache, da nur wenige viepu blikaner glaubten, Lincoln besäße die Fähigkeit, die ihm anvertraute Siel ung auszufüllen. Ich könnte ein Duzend Männer von nationaler Bedeutung nennen, deren offen zur Schau getragenes Mißtrauen den neucrwühlten Präsidenten nicht nur in ernstliche Verlegenheit fetzte, sondern icr schmerzte und demüthigte. tt Leute fühlten, daß der unrichtige Mann zum Präsidenten gewählt worden war. und nur die Bescheidenheit verbot jedem Einzelnen, den zu nennen. den die Nation mit dem hohen Amt hätte betrauen sollen. Lincoln fand cme Partei ohne ein politisches Programm: an Stelle von einheitlichem, harmonischem Zusammenwirken herrschte die furchtbarste Vcrwir rung. die bittersten Gcgenfäte spalteten die Republikaner und selbst in seinem Kabinet iand der Prändent weder cr trauen noch Unterstüyunq. Kaum zwei Mitglieder waren derselben Meinung. Scward machte die dce lachcrliQ, daß ein ernsthafter, andauernder Krieg möglich sei. und wlcderyoite unaviai.ng. der Conflict könne höchstens 60 Tage dauern; Cha'e verfocht trlcdliche Lö una und lien keine Gelegenheit vorübergehen, um dem Präsidenten seine Ansichten in dringlichster Weise ausein anderzu leiten; Wellcs, Smith, Batcs und Blair hatten keine Ahnung, wie ernsthast die Lage war, und verfolgten ihre eigenen Plane und nur ameron, dessen praktliche Lebensweisyeit ihm immer zur Seite stand, ließ sich durch leine sentimentalen Ideen irre führen und erkannte, daß der Krieg unver' meidlich war. Lincoln war aus;er Stande, nn Pro grämn: zu formulircn, außer das; er es wiederholt in Gemeinplätzen für seine Pflicht erklärte, die Unverletzlichkeit der Union aufrecht zu erhalten. Er mußte zusehen, wie die Südstaaten sich der Bundesbescstigungen bemächtigten, die Zeughäuser ihres Inhalts beraubten. sich von der Union lostrennten und zum Kneae vorbereiteten. Angesichts aller dieser Thatsachen war es ihm unmög l'.ch, emen einzigen schritt zu thun, der die Unfett für die Vertheidigung ihres eigenen Lebens vorbereitet haben würde. Washington war mit Stellenjägcrn an gefüllt und die einzige Beschäftigung der Staatsmänner und Politiker bestand darin, den Präsidenten Tag und Nacht um Aemter für ihre Schutzbefohlenen zu quälen. Ich werde nie den Aus brück der tiefen Niedergeschlagenheit vergessen, der über Lincolns an sich so wehmüthig blickendem Antlitz lag, als ick ibn eines Tages in seinem Bureau aufsuchte und er über die herzlosen Beutepolitlker sprach, dre mit vollständiger Gleichgiltigkeit die schweren, da) Vaterland bedrohenden Gefahren unbeachtet ließen. Er äußerte damals: Ich komme mrr vor, als ob ich in einem Palast fäße uns Zimmer unter eme Masse Gäste vertheilte, während das Gebäude in Flammen steht und in kurzer Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach in Schutt und Asche verwandelt fein wird." Wohin stch Lmcoln auch wenden mochte, kein Sonnenstrahl erhellte dcu mit gewitterschweren Wollen beoeckten Himmel. Im Senat fand er nur 29 Republikaner, 32 Demokraten und einen bitterlich opponircnden Amrn kaner". Vier den Südslaaten gehö rende leere Sitze wurden nie gefüllt. Nur durch den wahnsinnigen Entschluß der Südstaaten, sich loszureißen und thre Vertreter aus dem Kongrev zurück zuziehen, erhielten die Republikaner die Majorität. Und als Lincoln mit prü fendem Auge die Armee musterte, war er vollständig niedergeschmettert, als er sah, wie viele der Führer, welche ge schworen, die Union zu erhalten, sich auf die Seite des Südens geschlagen hatten. Wer ein lehrreiches, wenn auch schmerzliches Beispiel dafür sehen will, wie schnell die glänzenden Sterne der Führer erbleichten, auf welche sich das Volk beim Ausbruch des Krieges der ließ, der schlage Greeley's Ammca.n Conflict" aus. Der erste Band dieses Werkes, der geschrieben wurde, ehe die Feindseligkeiten begonnen, enthüllt eine Parteigruppe mit der Unterschrift: Generale der Unionsarmee-. Wir finden hier Scott, umringt von Fremont. Butlcr, McTowell, Wool. Halleck, VcElellan, Burnside, Hunter, Hooker, Buell und Anderson. Das warm die Männer, denen Lincoln und das Volk damals vertrauten. Der zweite Band desselben Werkes, der nach Schluß des Krieges veröffentlicht wurde, enthält ein ähnliches Gruppenbild. Hier finden wir in der Mitte Grant und ihn umgeben Sherman, Sheridan, Thomas. Meade. Hancock, Blair, Howard, Terry, CurtiZ, Banks , und Gilmore.' Tie Führer, welche die Union auf dem Schlachtfeld? retteten, waren erst im Kriege und durch den Krieg geschaffen worden, während die Generäle, aus welche sich der Präsident bei Ausbruch der Feindseligkeiten m lassen mußte, einer nach dem andern in die Bergcjsenheit versanten. ' Nichts kann die damaligen Zustände und die Ohnmacht der Regierung, sich gegen die Angriste der Consoderirten zu lchützcn, besser illustriren, als die Wiedttgabe einer Unterredung zwischen dem Präsidenten, General Scott, Gouver ncur Gurtin und mir unmittelbar nach der Uebcrgabe von Fort Sumter. Die selbe war am Sonnabend, den drei zehnten April 1801, erfolgt und da ennsvlvanien der den Südländern A
meisten erponirte Grenzstaat war, beriej Präsident Lincoln telegraphisch Gou verneur Curtin und mich, den Vorschen den des Scnatsausschusses für Militär angclcgenhciten, zu einer Confcrenz nach Washington, um.., über die von Pennsylvanicn einzunehmende Haltung zu berathen. Am folgenden Montag landen Gouverneur Curtin und ich uns im Wcipen Hause ein. Ich war noch nie' mit General Scott zusammengetroffen, aber die Schilde rungen seiner Erfolge hatten mich als Knabe mit Enthusiasmus erfüllt, denn er war Generalmajor, ehe ich geboren wurde; feine Thaten im mexikänischen Krieg hatten meine Verehrung für ihn nur erhvht. und wie alle Amerikaner hielt ich Winfield Scott für den größten Heerführer feiner Zeit. Ich glaubte, er müsse in allen militärischen Ange legenheiten unfehlbar sein und kam ihm mit einer Verehrung" entgegen, wie ich sie für wenige andere Sterbliche gefühlt habe. Curtin und ich warteten in dem Empfangszimmer, bis die Sihung des Kabincts beendet war. Wir saßen an einem Fenster, als die hohe Gestalt General Scott's eintrat. Er wurde von Curtin herzlich begrüßt, der mich ihm vorstellte. Scott war damals schon sehr leidend, konnte kein Pferd besteigen und langes Stehen war sehr schmerzhast für ihn, trokdem weigerte er sich standhast, einen unserer Stühle zu benützen, weil nicht drei leere Sihe vorhanden waren. Wir boten das lächerliche Schauspiel, dasj wir 3 Stunden lang standen, weil nur zwei Stühle vorhanden waren, ob gleich einer von uns schwach und krank war, und ohne Zweifel entse!)lichc Schmerzen ausstand. Daß legeres der Fall war. konnte der alte General trotz aller Anstrengungen nicht verbergen, aber er war zu würdevoll, um sich auch nur gegen die Wand zu lehnen oder auf eine Stuhllehne zu stützen. Nachdem wir zum Präsidenten gerll' fen worden waren, waren die Schritte, welche Pennsylvania einschlagen sollte, bald berathen und ich veranlaßte Gene ral Scott, sich über die Situation aus-
zusprechen, besonders darüber, ob er Washington gegen einen möglichen Angriff Beaurcqard's vertheidigen könne. Die erste Antwort war außerordentlich beruhigend, wenn man bedenkt, daß ,e von einem Bkann gegeben wilrde, der vor mir als die höchste Autorität in militärischen Fragen betrachtet wurde. Ich fragte, ob die Hauptstadt in Gefahr sel k 9tem," erwiderte General Scott, die Hauptstadt ist nicht in Gefahr, die Hauptstadt ist nicht in Gefahr." Ta ich wußte, daß General Scott nur über geringe Stremräfte verfügen konnte, daß Beaureaard mit einer starken Armee in Charlcston stand und diese in wenigen Tagen nach Washington trans Portiren konnte, so stiegen einige Zwei fcl in mir auf. ob der mir gegenüber fitzende alte Mann wirklich der Lage gewachsen war. ch fragte ihn daher. wie viel Mann zur , Vertheidigung Washington S disponibel seien: uns zehnhundert Mann und zwei Batte rien." Meine nächste Frage war, ob Wash ington sich in verthcidigungsfähigem Zustande befinde. Ein Schatten flog über das Antlitz des Veteranen, als er erwiderte: Nein, Washington befindet sich nicht m veriheidigungsfählgem Zu stand." Tann schien er es für nöthig zu halten, seinen Behauptungen betreffs der Sicherheit der Hauptstadt einigen Nachdruck zu geben, und er zeigte nach dem durch das Fenster sichtbaren Poto mac: Sehen Sie jenes Schiff? Das ist eine Knegsschaluppe, eine Kriegs fchaluppe." Ich sah das Fahrzeug und lounte mich des Gedankens nicht erwehren, daß ein oder zwei auf 'den Arlington Heights aufgestellte Batterien die Knegsschaluppe in einer halben Stunde vernichten könnten. Da Johnsion, Cooper und mehrere andere tüchtige Osficicre erst wenige Tage vorher in die Rechen der Eonsödenrten Armee getreten waren, fragte ich den General, wer die Trup pen in Washington commandire. Er gab mir ihre Namen und innerhalb drei Tagen hatten zwei von ihnen den Abschied genommen und befanden sich aus dem Wege nach Rlchmond. Ehe ich das Weiße Haus an jenem Morgen verlief, waren nrnne Zweifel erheblich gestiegen und einer meiner Abgötter lag in Scherben Ich konnte mich der Ueberzeugung nicht erwehren, daß General 'cott vollständig unbrauchbar geworden war. daß er kein annährcndes Verständniß für den uns bevor stehenden Kampf hatte und daß er der traucnsvoll in Washington saß, wäh rcnd jeder andere Osficier von durch ichnittlicher Intelligenz wußte, dan Beauregard die Hauptstadt innerhalb einer Woche einnehmen konnte. Älceine morgen überwanden mein Mitleid und ich kragte den General weiter, wieviel Mann Beauregard in Charlcston habe. Scott lentte den Kopf äuf die Brust und ein Ton der Berzwclslung klang durch seine Stimme, als er antwortete: General Beaure gard commandirt mehr Leute in Charleston, als ich auf dem ganzen Kontinent östlich der Jndianergrenze habe." Auf meine Frage, wie viel Zeit Beauregard brauchen würde, um seme Armee nach Washington zu transportircn, war die Antwort: .Drei oder vier Tage." , Tann wiederholte ich die Frage. Herr General, nt Washington rnch in großer Gefahr?" Der alte .Krieger richtete sich in seinem Stuhl auf und erwiderte mit wahrhast nicderschmet terndcr Energie: Ncin, die Hauptstad kann nicht gmommcn werden! Präs! dcnt Lincoln hatte der ganzen Unter dung aufmerksam zugehört, ohne ein "Bon zu sagen. Gc blickte unverwand auf General wcott und spielte mit sei ner Brille. Als der General die ent' schiedene Antwort gab, die Hauptstad könne nicht genommen werden, sagt Lincoln in der ihm eigenthümlichen Weise: Es scheint mir, Herr General,
daß ich Washington nehmen wurde.
wenn sch General Beauregaro wäre." Nochmals richtete sich der Veteran mt elektrisirt auf und rief: Herr Präs'ident. die Hauptstadt kann nicht genom men werden, sie kann nicht genommen werden!" Nach diese? Unterredung war nur ein Schluß möglich, daß nämÜch der Höchst kemmandirende der Aundcsarm-ce, der Held zweier blutiger Kriege, der größte Heerführer seiner Zeit, feiner zweiten Kindheit nahe und vollständig unfähig war, in dem bevorstehenden Konflikt eine Rolle zu spielen. Es ist bekannt. daß die Ereignisse diese Ansicht nur zu bald bestätigten. Derart lagen die Verhältniffe. als der Krieg bcaann. An der Spitze der Armee stand ein Mann, dessen einstige Fähigkeiten das unerbittliche Alter zerstört hatte und wir waren gezwungen. Wochen und Monate und selbst Iahn biudurch im Dunkeln zu tappen, biö sich neue Führer herausgebildet hatten, die unsere Armee zum Sieg? führen konnten. Es mxi'i auch in Acht genommen werden, das; die öffentliche Meinung damals nicht das geringste Verständniß sür die Opscr hatte, welche ein Krieg forderte. Ter Tod eines einzigen Soldaten, des Obersten Ellsworth in Alexandria, hüllte das ganze Land in Trauer und der, derbältnißmäßig geringe Verlust bei Big Bethet und Ball's Bluff erschütterte das Volk von Marne bis Cansornien. Kein Mensch hatte einen Begriff von den Opfern an Menfchenlcben, die ein blutiger Krieg for berte. Im December 1861 traf ich die Ge neräle Burnside und Heinhelmann und einige andere Offiziere der PotomacArmee in Willards Hotel. Das Wetter war ausnahmsweise schön gewesen, die Wege waren in vorzüglichem Zustände und allgemeine Ungeduld über McClellans Zaudern, auf Manassas und Richmond zu marschircn. machte sich bemerkbar. Auch meiner hatte sich diese Ungeduld bemächtigt und ich fragte General Burnside, weshalb die Armee nicht marschire. Er erklärte, es würde für McClellans Armee schwierig fein, Manassas zu erobern, nach Richmond zu marschircn und die Hauptstadt der Südstaaten zu nehmen, und fetzte hinzu, als ob dies der entscheidende Grund sei: ..Es würde 10,000 Mann kosten." Ich war von einem solchen Opfer derart überwältigt, daß ich überzeugt stille schwieg. Zehnmal zehntausend Mann und mehr fielen in den Schlachten zwischen dem Potomac und Richmond. ehe die confödcrirte Flagge auf dem Kapitol in Richmond gestn chen wurde, aber im Herbst 1861 wurde der mögliche Verlust von 10.000 Mann als Preis für den Best!) der Hauptstadt des Südens als zu ungeheuerlich betrachtet, um auch nur berücksichtigt zu werden. Wir waren eben nicht nur für den Krieg nicht vor bereitet, sondern wir waren auch gänzlich unvorbereitet sür die Opfer und Schrecken, welche er im Gcsolge hatte. I n einem Elberfelder Blatt war kürzlich folgende Anzeige enthalten: Packer gesucht, der Lust und Neigung bes,i)t. zugleich als Ge schästsreiscnder sich auszubilden. Kauf, männisch Gebildete erhalten den Vorzug. Offerten unter G. 317 besorgt die Expedition, Elbcrseld, Burgstraße 7." Die Firma bekam unter anderen folgende Offerte: Elberfeld, 11. Aug. 1892. P. P. Zur Besetzung der in Ihrem Hause vakanten Packerstelle, gestatte ich mir, Ihnen hierdurch meine Dienste ganz crgebenst anzubieten. Die einfache und doppelte, sowie auch die amerlkünlsche und naucrnsche Buchführung beherrsche ich perfekt, bin ferner, der Gabelsbergerschen und Stolzeschen Stenographie, sowohl in Correspon-denz-wie Dcbattcn-Schrift mächtig und habe auch ferner eine tüchtige Ausbildung auf der Nemingtcm und Ham mond - Schnellschieiblnäschine genossen. Außer dem Berechtigungsschein zum einjährig-frciwilligen Dienste, auf den hin ich nach Absolvirung meines Dienst jahres von den Bonner KönigsHusaren als Vicc-Wachtmeister entlasten wurde, besihe ich noch ein ausgezeichnetes Zeugiß einer Handelsschule in England. Sämmtlicher modernen Sprachen bin ich in Wort und Schrift mächtig und habe auch noch gute Borkenutnisse des Chinesischen. Malayischen und des Sanskrit. Ferner habe ich mich viel mit Maschinentechnik befaßt, kann gut mit Pferden umgehen und bin auch in der Gärtnerei ziemlich bewandert. In meinen Mußestunden würde ich auch gern das Haarschneidcn der Kinder und die amerikanische und hinterindische Correspoudenz übernehmen und möglichst auch noch Kinder und Hunde spazieren fahren. Obgleich ich mch rcre Jahre Frankreich. Spanien. England. Rußland, Skandinavien und die Battanftaalcn mit Erjola, bereiste, hab? ich doch noch Neigung, mich zum Ge schästsreiscnden 'auszubilden, und glaube ich besonders für den Hausirerposten mit Wichse und Zündhöl ;em Ihnen die passendste Kraft zu sein. Meine doch icdensalls bescheidencn Salair-Ansprüche betragen 45 M. pro Monat. Indem ich noch bemerke, daß ich von angenehmen Aeußern und zu Allem fähig bin, sche ich Ihren angenehmen Nachrichten gern mit dem größten Vergnügen entgegen und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung " Mgr die Unterschrift.) Er läßt sie nicht sitzen. Ncmpel: Na, Sie scheinen auch früher kin leichter Bruder gewesen zu sein! Krempel: Das will ich nicht bestreiten, gestehe soaar, daß ich zu gleicher Zeit vier Liebschaften hatte. Rempel: Tie Sie natürlich Alle sitzen ließen." Krempel: Ganz im Gegentheil! Die Erste ließ ich gleich wieder schwim men, die Zweite bald darauf fahren, die Dritte laufen und die Vierte schie en, sitzen aber ließ ich keine!"
Aus der Zeit vor Columvuö.
Schon lange vor Columbus wurde Amerika bekanntlich von Europäern, namentlich von Germanen besucht. Ueber die nordischen Lander und Inseln Shctland. Faröer, Island und Grönland ging die Fahrt nach den östlichen Gestaden Nordamerikas. Früher war es im Norden noch wärmer, die Küsten boten noch eine reiche Vegetation, woher ja auch Grönland (gleich Grünland) feinen Namen hat. Ueber diese Bczicbungen Europas mit Amerika vor der welthistorischen Fahrt deZ Columbus, hat der Präsident der Pariser Gesellschaft für Handelsgeographie". Herr Napoleon Ncy, eingehende Forschungen angestellt: das Ergebniß derselben wird er in einem Buche veröffentlichen, aus dessen Inhalt er vorlaufig dem Matin" EinigcZ mitgetheilt hat. Daß die nordischen Seefahrer Amerika kannten, geht insbesondere aus den isländischen Sagas" hervor, dafür sprechen aber auch archäologische Funde in Norwegen, Dänemark. Island, Grönland und in Amerika selbst. Schon vom Jahre 1000 unserer Zeitrechnung an besuchten die Normanen Vinland". d. i. Weinland, die Küste von Massachusetts bis zum Eap Eod und sogar darüber hinaus bis nach Florida. Ebenso sicher ist. daß die normannischcn Schiffer an der ganzen Westküste Grönlands Faktoreien und Kolonien gründeten ; diese bildeten zusammen ein Bisthum, von dem eine Lifte der Bischöse bis zum Jahre 1537 vorhanden ist. Einige normannische Schiffe sind sogar bis Brasilien hinabgesahren, doch scheint das dortige Klima von weitercn Unternehmungen abgehalten zu haben. Man wei auch, daß ein Kapitän der Handelsflotte von Dieppe an der Küste Südamerikas landete und dort die Ruinen einer Stadt entdeckte, die angeblich von Skandinaviern erbaut worden ist. Die Dokumente diescr Cxpeditioil sind im Jahre 1694 mit dem Archive von Dieppe verbrannt. Tagegen besitzt das ..Smithsonian Institüte" in 'Washington eine reiche SamnUung von Documcnten des vorcolumbischen Amerika. Herr Ncy hat ein gemauertes Grab gesehen, das am Ende des vorigen Jahrhunderts bei Boston gefunden wurde. Es enthielt ein Skelett und einen eisernen Schwer:griff. Das Skelett war das eines Mannes weißer Nasse ; der Schwertgriff stammte aus Europa und gehörte der Zeit vor dem 15. Jahrhundert an. Herr Ncy hat auch die Inschrift von Digston Writing Rock gefchcn ; sie zeigt Worte in Runenschrift und Zeichnungen. die sich auf die Abenteuer der Skandinavier im Weinland beziehen Die Inschrift besagt, in's Deutsche übertragen: Hundert ein und dreißig Männer des Nordens haben mit Thornfinn dieses Land besetzt." Noch wichtigcr ist die Inschrift ..Arrow Head" Mcilfpihc). die am Ufer des Potomac gefunden wurde. Es war der Grabstein der Frau eines normannischen Häuptlings, die durch einen Pfeil getödtet wuide. Die Jnschrist, ebenfalls in Runen, besagt: ..Hier ruht Syasi. die Blonde aus Weft-Jsland. Wittwe Koldr's, Schwester Dhorgr's, von Seiten des Vaters, al't 25Jahre. Gott sei ihr gnädig. 1051." In dem Grabe fand man drei Zähne, ein Knochenstttck, das in Staub zerfiel, verschiedene Schmucksachen in Bronze und zwei Münzen des oströmifchen Kaiserreichs. Die lchtercn können nicht auffallen, denn es'ist Thatfache, daß viele Normanncr. Dünen, Schweden und Norweger in Konstantinopel und .namcntlich in der kaiserlichen Garde dienten. Merkwürdiger Weise hat man im Jahre 1863 in Island, bei der Kirche, von Skalholt, ein lateinisches Manufkript aus dem Jahre 1117 gefunden, das unter dem Namen der skalhcLtSaga den Gelehrten bekanntwurde; es erzählt eben den Tod der Syast und beschreibt ganz genau den Ort, im Weinkand, wo ihr Grab sich befindet. Es kann also kein Zweisel darüber sein, daß Amerika Len seefahrenden Völkern des europäischen Nordens bekannt war. Diese Kenntnis scheint sich' allerdings nicht weit nach Süden verbreitet und sich allmälig sehr verfluchtigt zu haben. Ein kleines MitzverstSnvnisj. t .a?0 Twvr" 9l Herr (zu seinem neuen Diener): Franz. ich pflege mein Wein und (iigarrcnspind nicht zu verschließen; ich hoffe also, daß, wenn Sie ein Gelüste bekommen, Sie dasselbe bekämpfen wie ein MannlHerr: Aber Franz? Was muß ich sehen?" Diener: Ja, Herr, ich habe ge. kämpft wie ein Mann, und bin doch nicht ganz damit fertig geworden." DesMenschen Sclbstbetrachtung führt selten znr Selbstverachtung.
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Ein Prinz als Lebensretter.
Der Herzog und die Herzogin von Edinburgh haben mit ihrer Familie einen kurzen Sommeraufenthalt im sonnigen Devonshire genommen, der dem Prinzen Gelegenheit gab. seiner Schwester das Leben zu retten. An läßlich einer Landpartie hatte man sich am Ufer des oberhalb einer Mühle hoch aufgestauten Flüßchens Tary gelagert. Prinzessin Marie wollte eiuige auf dem jcnfeitigen Ufer entdeckte Bcrgißmeinnicht pflücken, und in der Hast, allen Anderen zuvorzukommen, lief sie über einen schwankenden, gcländcrlosen Steg, der dort von den Bauersleuten zur Ueberschreitung des Flusses benützt wird. Sie kam glücklich bis in die Mitte der primitiven Brücke; dort glitt sie aus und fiel mit einem lauten Aufschrei in da? Wasser, das über ihr zusammcnschlug. Prinz Alfred sprang im selben Augenblick nach und kam gerade zurecht, seine austauchcndc Schwe stcr mit starkem Arm zu erfassen und an das andere Ufer zu bringen, wo er sie in das Haus des Müllers trug. Cic Prinzessin erholte sich rasch von ihrem Schrecken und ihrem unfreiwilligen Bad. Es handelte sich aber um trockene Kleider und Wäsche für fie und l ihren Netter, und da mußte die Garde- ....- L . - . - - 1 ' T .!'.. k. . 5rooe oer erwacyzenen ötlnoer oes 'cuilers aushclfen. Prinz Alfred kam als r cw t f4 f . ? "- nrer Acu'.ierouriaze uno Prinzessin Marie in einem schlichten, aber hübschen Kattunkleide der Müllerstochter zu ihren Eltern zurück. Der Zwischenfall störte den Berlauf der Landpartie nicht wei ter, im Gegentheil, er erhöhte die frohliche Stimmung. Erst spät am Abend kehrte man heim und am nächsten Morgen ließ es Prinzessin Marie ihr Erstes sein, in dem besten Modewaarenlager von Plymouth Einkaufe zu machen, die der MüllcrZtochter zu einer Toilette verhalsen, wie ste sich nur immer wunschen konnte Kleid, Mantel. Hut. Sonnenschirm, Handschuhe. Alles war dabei. Der Müllerssohn erhielt seinen Anzug zurück, in dessen Rocktasche Prinz Alfred ein silbernes Cigarren - Etui vergessen" hatte; das dauerndste und beste Andenken an das Bad der Pnn zessin wird aber der feste, mit Gcländern versehene Brückenjtcg sein, den der Herzog an Stelle des jetzt bestehenden bauen lat. Die herrenlose Büste. Ende 1855 entdeckte der Sccrctör des jcromistischen Ausschusses bei einem Antiquitätenhändler eine Büste des Ko nias Ierome. Er hielt es für unwür diq. dies Bildniß in einem staubigen Laden zu lassen, und veranstaltete un ter seinen Parteigenossen eine Samm lunq, um dasselbe dem Prinzen Je rome anzubieten. 1800 Unterzeichner uesenen oie cnoroeruaze eumme: 1200 Fr. Im Besitz der Büste, be schlössen der Sccrctär und seine Freunde, sie dem Prinzen in seiner Wohnung in der Nue de Phalsbourg persönlich unter Trompetcngcschmetter zn überreichen. Der Prinz, der nichts so sehr hante, wie lärmende Kundge bungen, ließ den Herren sagen, er werde das Geschenk nur dann in Em psang nehmen, wenn man es ihm ohne Geräusch überbringe. Die Geber, ein wenig über diese Antwort verbukt, war teten ein paar Monate; darüber wurde der Prinz aus Frankreich verwiesen. Man mußte sich doch der Büste cntledidigen und wollte sie durch eine Teputation nach Prangins bringen lassen. wo Jcrome bekanntlich in der Bcroannunq lebte; aber für diese Reise war kein Geld aufzutreiben. Als die Prinzesstn Lactitia sich mit dem Herzog von Aosta vermählte, lies; Jeromc. der aller lei sonderbare Einfälle batte, die In haber der Büste auffordern, sie seiner Tochter zum Geschenk zu machen. Die Herren weigerten sich. Seither ist der Prinz gestorben, und die Büste hat noch immer keinen Eigenthümer gesun den. DaS Glück. Es zog des Wegs eine lärmende Schaar, Die das Glück zu suchen gegangen war. Ein Weib stand am Wege, verschleiert und stumm: Sie stürmten weiter und sah'n sich nicht um! Das Weib schlug lächelnd den Schleier zurück; Sie waren vorbei schon. Es war das Gluck. Alb. Noderich. Aufrichtig. Einem sehr mittelmäßigen Schauspieler an einer Sommerbühne waren zwei Benefize zugestanden. Beim ersten erschienen etwa zehn Personen und zischten ihn aus. Zum Schluß trat er vor und sagte: Meine Herrschaften, ich danke Ihnen sür Ihren Besuch. Wollen Sie mich wieder auszischen, so bitte ich nur, daß Sie in zehnfach größerer Zahl kommen!" Die B eton u nq. Zwei Ba ter verabschiedeten zugleich ein jeder seinen Sohn. Jakob," sagte der eine, geh' in die Welt und handle; dieHaupt jache bleibt immer, daß Du cht handelst! Na, Jakob, sagte der andere, geh' in die Wett, und handle, die Hauptsache bleibt doch immer, daß Dr recht handelst 1 Frauenalter. Bei der Frau kann man drei verschiedene Alter zu gleicher Zeit unterscheiden: das, welches sie zu haben vorgibt, das, welchcs sie zu baden scheint, und endlich dasjenige, welches sie wirklich hat. Doppelsinnig. Rath: .Ich habe gehört, Sie hätten geheirathet !" Funktionär: 'Ja, ich nahm mir die Freiheit!" Trost. Und wär' eine alteJung fer noch so alt,, so wird sie doch so bah sie HeiratHet, eine junge Frau.
Heidelbeeren als Heilmittel. Ein Heilmittel aus der Küche nenn!
Professor Winterni eine Abkochung von Heidelbeeren. Gegen eme ganze Reihe Erkrankungen der Mundschieim haut, besonders bei den durch Wuche rungen des Epithels verursachten lrchcn Verfärbungen und Fleitn derselben bewährte sich dieses Mittel wie derholt. dessen Gebrauch unter Umstän den Äksnate lang fIrtgejetzt werden mu. In zedem Fall beseitigt es schr schnell die chmerzhaftigkeit der SchruN' den und Risse in der ?!unaen- und Mundschleimhaut und bringt sie auch schnell zur eribellung. Auch andere Gefchwürsbildungen und Entzündungsvorgänge in der kitä und Rachenhohe und an den Tonsillen werden durch das genannte Mittel oft in der kürzesten Zeit überraschend gün. stig beeinflußt. Bei den verschiedenen Formen von Bräune leistet nach Pro sessor Winternip eine Hedeldeerab' kochung als Gurgelwasier ebenso viel, wie die sonst gebräuchlichen; auch als einfaches Mundwasser z. B. zr Vesei tiung des üblen Geruches aus dem Munde ist eö von vortresslicher Wir tung. Bei wirklichen Erkranlungen der 'Mundschleimhaut empnehit Prc sessor Winternitz, 500 Hramm Heide! beeren mit einem Liter Wasser zu 500 bis 600 Gramm einzukochen. Tiefe Abkochung muß namentlich in der heißen Jahreszeit zur Vermeidung der Gährung an einem kalten Orte aufbe wahrt und besser jeden zweiten oder dritten Tag frifch bereitet werden. Als Gurgelwasser eignet sich auch ein kalt bereiteter Aufguß. Man füllt zu diesem Zweck ein GlaZ bis zu drei Viertel seines Inhalts mit getrockneten Heidelbeeren, gießt frisches Trinkwasser darüber und laßt das Ganze gedeckt 21 Stunden lang stehen. Die von den gequollenen Beeren abgeseihte, tief burgundrroth gefärbte Flüssigkeit kann dann als Mundwasser und Gurgelwasser verwendet werden. Taß starke Heidelbeersuppen oder das Kauen von getrockneten Heidelbeeren ein tex zügliches und namentlich sür das kind liche Alter ein beliebtes Mitte! sind, um heftige Durchfälle zum Stillstand zu bringen, dürste bekannt sein. Ter Heilwerih dieses Mittels liegt jedenfalls zum großen Theil in dem Farbstoff, der ja eine außerordentliche Farbckrast hat und in die feinsten Lücken z. 23. des Zahnschmelzes eindringt. Zeilen, die krankhaft verändert sind, oder pflanzliche Schmaroer. die diesen Farbstosf aufnehmen, werden zugleich dadurch Zerstört und unschädlich gemacht. Feine Rache. Der belgische Graf d'Osmond weilte im Jahre 1849 in Dresden, wo er im Hotel de Saxe wohnte. Unter seinem Zimmer mußte ein e'friger Musiklied haber wohnen, denn es wurde fast den ganzm Tag gespielt, und zwar so stark, daß ihm ost der Kopf brumiuie. Tas genirte schließlich den Grafen doch und er miethete sich daher, da er selbst ein ausgezeichneter Klavierspieler war, ebenfalls ei Instrument und spielte hie und da. um wenigstens nicht immer das Spiel des unter ihm Wohnenden zu hören. Da trat eines Tages der Kellner bei ihm ein und w.eldete, der Herr, welcher seine Wohnung unterhalb der des Grafen habe. lasse diesen bitten, nicht mehr zu spielen, weil ihn sein Spicl geniere. Mit wclche:n 2!echkH" ricj dcr Graf. ,Jch höre ja doch auch des Herrn Spiel und dachte bisher nicht daran, mich darüber zu ht klagen." Nun ja, erwiderte der Kellner, Sie spielen eben zu Jhrcnr Vergnügen, der Herr unter Ihnen jedoch arbeitet. Es ist nämlich der gefeierte Componist Giacomo Meyer beer." ..Ah, das ist etwas Anderes," versetzte der Graf, und sein Justrument schließend, lauschte er von nun an mit Aufmerksamkeit dem Spiele McyerbcerS, der danials gerade an Im ..Propheten", einer seiner derühniZe stcn Cptxn, componirte. Einige Zeit darauf war Graf d'Osmond zu einer Gesellschaft geladen, zu welcher auch Meccrdcer karn. Im Laufe des Abends bat die Herrin des Hauses den großen Künstler, doch etwas zu spielen. Meyer beer wollte lange nicht,' und dann, als cr endlich nachgab, war sein Vcrtra nur kurz. Der Graf d'Osmond wurde daher ersucht, den musikalischen Genuß zu vervollständigen. Er schtc sich an'S lklavier und spielte, einer plöZUichcn Eingebuug folgend, den berühmten Prophetettmarsch". wie er ihn von de? ersten zur zweiten Etage gehört ud in sich ausgenommen hatte. Me'.zerbeer war entfett, starr und stumm da:üb:r, daß seine neuesten musikalischen Gedan ken schon bekannt feien, und erlangte erst dann seine Fassung wieder, als ihm der Graf das Räthsel löste. Von da an über hat sein Wahrspruch bcivt Componiren Pianissimo" gelautet. Fürstenlaunen. Bekannt ist die Thorheit des .erres, der den Hellespont mit Ruthen peitschen ließ, weil die wilden Wogen desselben seine Brücken zerstört hatten; in ähnlicherWeise hatte einst sein Vorgänger Cyrus den Fluß Gyndes abgraben lassen zur Strafe dafür, daß sein Streitro darin ertrunken war. Doch auch ist späterer Zeit gab es Fürsten, welche eine ebenso thörichte Sinnesart an den Tag legten so Karl VI. von Frank reich, welcher sich auf einem Maskm halle im Palaste der rerwittweten ü& Nigin Johanna vergnügte, als plöplich o....- ... i .JL ..V VI. t-i ... teueL uusüiuuj luu uit , . rn r;i Tanzen begriffenen Gaste ihr Heil i:r der Flucht zu suchen veranlaßtMEr? grimmt über diesen unglücklichen Zu. fall, der ihn nicht, nur in seinem Vergnügen gestört, sondern auch ihn), den mächtigen König von Frankreich,' zu fliehen gezwungen habe." befahl der Königs den ganzen Palast nieder zureißen und dem Erdboden gleich zu machen. . '
