Indiana Tribüne, Volume 15, Number 342, Indianapolis, Marion County, 28 August 1892 — Page 2
VuS dem Ledett eweS alten Krie-gerö.
In einen Bauerndorfe in der Nähe von Königsberg in Ostpreußen so erzählt der Bar" gewahrt man am Eonniaae nach dem Kirchaange in dem Kruge einen betagten Schäfer in feinem j SonntaaZstaate. bekleidet mit einer i Coldatenmütze und geschmückt mit meh reren Feldzilgsmcdaiöen und dem All gemeinen Ehrenzeichen, erzählend und teine Pfeife rauchend, gemüthlich im, U reise seiner lauschenden Zuhörer. Geführt von unserem Frik", hatte er cm 3. Juli 1866 die Umgehung der österrelchijchen Armee bei Könmarak mitgemacht und war euge der innigen Begrüßung auf dem Schlachtfelde p?i scheu dem damaligen König Wikyclm und Hinein Köiugllchen Sohne geiceicn; auf d:r Wahl statt war ihm von einem Granatschusse das rechte Bein zerschmet tert worden. Der siegreiche Krieg war beendet, und nachdem der Strieger von der Amputation genesen, kehrte er mit einer liCEiun PenZwn in sei Heimath' dorf zurück, wo er in Anbetracht seiner Auszeichnung die stelle emeS Gemein dehirten erhielt. Tann war der deutsche Erbfeind xu Bodm geschlagen, an unseres Heldeu Stelle war sein Söhn mit in Feld gezogen; ahre und Jahre waren verltn. ön'n, unseren Fritz" aber hatte der Alle n?c wieder zu Gencht bekommen. Da. lm Jahre 187V, sollte Kmserma' növer beim 1. Armee-KorpZ fein und der Haupt-Schlachtentag sich auf der Zveldmark des Heimathsortes unseres Alten abspulen. Was Wunder, day auch der Held es nch nicht nehmen ließ, in seinem Kneasschmuck humpelnd un ter die Zuschauer sich zu mischen, seinen treuen Kriegsgefährten von 18Ü0, sein Pfenchen m Munde mit sich führend. Wo der Kampf entscheidend war, stand auch er, die Bewegungen der Truppen intt kritischem Auqe musternd und seine Blicke auf die Heldengestalt des Krön Prinzen richtend. Der markirte Feind hatte die Lifiere des Torfes besetzt und der Angrelftr nur wenige hundert Schrnt davor hinter Hecken und (Sxci ben Deckung genommen. Da so pflegt der Alte zu erzählen ertönten die Signale zum Sturm und von allen Seiten stürmten die Angreifer auf die Dorflisiere an. Alle Zuschauer eilten schleunigst davon, er selbst aber, der mit seinem Stelzbein nicht o schnell folgen konnte, wurde von den Anstürmenden initgerissen und verlor dabei seine Pfeife. Das Ganze Hast! war aebla. fen der Invalid? suchte noch immer in der Umgebung des Hügels, aus dem er vorher gestanden hattefeine Tabaks pfeife, als der Kronprinz mit feiner Suite auf diesen Hügel zur Abhaltung der Kritik zugeritten kam. Den suchen den Alten erspähend, hielt er an und fragte ihn, seine Dekorationen und seinen Stelzfuß bemerkend, was er suche, und was ihn so betrübe. Ach, Kaiserliche Hoheit. erwiderte der Gefragte, Haltens zu Gnaden, ich habe meinen treue st en Gefährten im Kriege und auf dem Schmerzenslager verloren. Meine Pfeife wurde mir bei der Attacke entrissen, ich kann sie nicht wiederfinden sie ist gewin zertreten." Auaew dlicklich riß der Kronprinz seine noch brennende Manöverpfeise aus dem Munds und reichte sie. dem alten Kriegsmann freundlichst auf die Schul' iern klopfend, mit den Worten hin: yiun, Alterchen, wenn ich Ihnen hierdurch Ihre Ruhe wiederjchenken kann. 10 in mein unfey ersuut. AiS zu Thränen gerührt, nahm der alte In valide die ihm so huldvoll überreichte Tabakspfeife entgegen und bedeckte zum Danke die Hand feines einknotn Heeo führers mit heißen Küssen. Die andere Pfeife wurde dann unversehrt wieder' gefunden, und während diese unserem Akten beim Hüten Gesellschaft leistet. wird die vom Kmser Friedrich gleich einem Heiligthum aufbewahrt und findet nur Sonn und Feiertags eine Benukung. wo sie von dem Invaliden (Zinheimischen und Fremden mit gei ir it.. recgisni protze gezeigi wiro. Herrliche Bis Zte nk arten besitzt ProfessorAntmescu in Ploeifl iWumrrien Sis meiiVn tnip in Bukarest elscheiNendeConstitutionalul ausplaudert, folgenden umfangreichen Tert auf: Vrofeuor 5Zacbariä Anti. nescu. Pkocfli (Rumänien). Decorirt m der rumänischen Bene Mcrent! MedaiLe. Ehrenritter Ihrer Königl. omi Alane von uflgnau. Prin Zessin von Jerufalem, Cypern und Av menien. in Paris; Aitter des Mein sinenordens: actives Mitglied der rt. mänifchen geographischen Gesellschaft; Mitglied ocs rumanikchen Athenäums; Cbrcnmitalied der Gesellschaft Roma, nia literaru" in Bukarest: Mitglied der sievenburgischm ereinigunz für ni mZnitche Literatur und Wissenschaft, aiZ Pranoenl ver rumanllchen TOhei jung oer konigkiazen Akademie. Ter Stern Italiens mit der silbernen M dmlle: Ritter erster Klasse des weißen Kreuze Ja Uroco llianca) mit dem Lo!d?mn Kreuze; verdienstvolles (bene merito) Mitalied der bumanitären sife. ftllschaft Cänottieri Salratori; Eh, nnitnKi-'K W s&ttftt&nti fit T1T?. 4lltHtlVV VV. VVUlU(. Poesie und Lectüre (Societa lel Gabi netto die Lettura e Stanze popu airel vom sieüiaen Kren am Arna? Mitglied des Uircolo GiambatisU tr: : st?M..t v in iiiuyci, uyiciiuiugmu ücl Gesellschaft Unione operaja (Haiti) werkerverein Umberto J." in Neavck. Mitarbeitcr om w?Laro litteraire et lirtistique irt Paris ?c. :c." Uff! Aus der Schule. Lehrer' Wann starb Karl der Großes , Schüler (der nicht aufgepaßt hat. blickt verleaen um ffch. Lebrer: Wie. das weißt Du nicht? Schüler? .Ich rf-df & L " mauoe tcy glauoe. oamalZ war & . A j , . - geraoe irani, ttt octor." Taubstummenanstalten befinden sich siebzig in den Ver. Staa-ten.
wUJ:
?WS2W2W
EWFeriemAuZenthalt. Von Johanna WUhelmi. Ruth Watcrford saß in ihrer Hänge matte, und wiegte sich, die Süße auf den Nasen aestükt, leise hin und her. während ihre rechte Hand bemüht war. mit der Spitze eines zierlichen Sonnenschirme eine der vielen, ringsumher zwischen dem Grase aufspritzenden Mar yarethenblumen zu köpfen. Mehrere Schritte von ihr entfernt, stand an a neu Baum gelehnt, Curt Feldern, feit einigen Tagen Gast aus dem reizend. am Hudson gelegenen Landsitze ihres Vaters. Es schien fast, als betreib? die junge Dame nur deshalb ihr Zersto rungswerk so eifrig, um nicht zu dem vor ihr Stehenden aufblicken zu müssen. Um so aufmerksamer, und mit einem schwer zu desinircnden Ausdruck sab diescr dagegen auf die anmuthige Mädchcngeitalt herab. Wie arauzam unbarmherzig doch so eine kleine, zarte Hand zu sein vermag," fagte er nach einigen Äiinuten des Stillschweigens. Was hat Ihnen die arme Blume gethan. Miß Ruth? Sie zog kaum merklich die Schultern in die Höbe, während sie, ohne aufzublicken mit unverkennbarem Spott, gclassen erwiederte: Es ist allerdings jammerfchade um die eine Blume, wo es deren so viel Tausende gibt." Er schien ihren pott nicht sonderlich zu beachten, denn er erwiderte, volltommen gleichmüthig: Es scheint in der That bei flüchtiger Beurtheilung, daß unter so vielen Blumen eine einzige nicht in Betracht kommt. Und dennoch hätte vielleicht gerade diese das Auge eines Kindes erfreut, oder einem jun gen Madcyen als qmua gevlenr. Mit demselben Rechte könnten wir sonst auch sagen: Was liegt an einem Menschenleben, wo es deren so viel gibt. Sie hatte ihm aleichgiltia. fast gelangweilt zugehört; bei seinen letzten Worten jedoch hob sie plötzlich den Kopf und begegnete eine Sekunde lang feinem Blicke: es war derselbe prüfende, forschende Blick, der sie bei ihrer ersten Begegnung, und seitdem so häufig aus seinen Augen getroffen, derselbe, den er heute ?)!orgen', unten beim Fischerhausz. am Flösse auf sie gerichtet. Hatten seine Worte einen versteckten Hinweis auf die Scene am Morgen enthalten, oder war es Zufall, daß ihr dieselbe dadurch ins Gedächtniß zurückgerufen rouroe. ie fay aus einmal wieder ganz deutlich alle Einzelheiten derselben: Das kleine, ärmliche Fischer Mädchen am Flunufer, das arme, vor Angst und Schmerz halb wahnsinnige We:b, wie dasselbe die drei vor ihr stehenden Männer beschwor, doch um Gottes Barmherzigkeit willen nach dem Gatten zu forschen, der Tags zuvor in emem kleinen Boote hmausgerudert und. Von einem plötzlich losbrechenden orkanartigen Sturm überrascht, bi? heute nicht zurückgekehrt war. Das jämmerlich weinende vlcriän nge Töchterchcn der Frau, das. bei dem Anblick der wunderschönen, eleaan ten. jungen Dame plötzlich seinen Kum wer vergessend, die schmußig-scuchtcn Hände bewundernd und liebkosend über das zart weipe, fein wollene Ge wand derselben gleiten ließ. In dem r i ti . ,.f ' m i ciocn Auaenmia, wo xmu. oas m Gefahr gerathene Kleidungsstück da durch zu fchützen versuchte, da ue das Kmd haftig. etwas unsanft abschüttelte. hatte sie wieder den so eiaentbümlich forschenden, erstaunt fragenden Blick elderns auf sich ruhen gefühlt: Ist es möglich, daß Tu in diesem Moment, wo es sich um den wahr scheinlichen Verlust eines Menschen le bcns, eines Familienhauptes handelt, noch an etwas Anders denken kannst. als an den Schmerz dieses unglücklichen Weidest So unerträglich ihr stets dieses An blicken war, nie hatte er ihr ein solches Unbehagen verursacht, wie in ienem Augendliae. In einer aewi ten Er regthcit war sie zu ihrem Vater geeilt. Herr Waterford, der Eher einer der bedeutendsten Advocatenfirmen. war so eben aus der Stadt gekommen, sl? Ruth zu ihm ,n's Zimmer trat. Papa, bitte befreie mich von der Gefellschaft dieses Herrn Feldern." Herr Watersord hatte sie überrascht angeblickt. Was t ae chehen. Kind. hat er flch ungebührlich gegen Dich be nommens" ucuiy war zu nou. um durch eine Unwahrheit ihren Zweck erreichen zu . . . , . i . i . v Ivouen. man, yalle iie er wiedert, aber er ist mir unsympa Ihllch." Q. das bedaure ich aufrichtia" hatte die Entgegnung gelautet, denn ich chake Feldern seiner bttvorraam den Eigenschaften willen, hoch. Er ist un trettla die tuQNae Kra t. über die ich verfüge, und mem Vertrauen in , mm r " - - - t ihn geht so weit, daß ich mich mit dem Gedanken trage, ihn in Nicht all zu fer ner scii zu meinem Partner zu ma chen. Es wäre mir daher lieb, wenn Du Dich auf guten Fun mit ihm zu stellen suchtest, und ich zweifle nicht, daß Xx dies m näherer Bekanntschaft ge lingen wird." Ruth kannte ihren Vater zu gut, um noch weiter in ihn zu dringen, denn so sehr er sie auch als einziges Kind, da ran gewöhnt hatte, jeden ihrer Wünsche erfüllt zu sehen, so war er doch, sobald gezchaftliche Jntereffm in Frage ka men, von einer unbeugsamen 'Hart näckiakcit. , Während alle diese Bilder blitzartig an ihrem inneren Auae voruberalittcn. saß Ruth schweigend, das Gesicht halb abgewandt, und schaute, so weit das dunkle Grün schlanker Eedern und das Laubwerk hoher Eichen den Ausblick gestatteten, nach den gegenüberliegenden Ufern, wie hatte daher das Näherkam wen eines kleinen, etwa achtjährigen Knaben, der eilia den breiten Parkwc. hinauf auf sie zugeschritten kam. nicd I bemerkt. Erst das Knirschen des Kies
JWi.li
LWL
2ESS22ffi2CSE
sandcZ unter feinen Fußtritten, m da! sich schluchzend.' Laute mischten, veraw ; kalten sie. nch umzuwenden. ! Es war der Kieme aus-dem i scher hause, der. auf Felderns Bitte, ihn von dem Resultat der Nachforschungen in Kenntniß zu setzen, nun gekommen war, um ihm. unter Thränen und häu sia Von Schluchzn unterbrochen, mit zutheilen, daß das Boot leer aufgefun den sei. O, mein armer Vater, mein armer Vater!" jammerte das Kind einmal über das andere. Feldern strich ihm, trollend und be? ruhigcnd, über das braune Haar. Jch werde mit Dir gehen, mein "Junge." sagte er dann, vielleicht kann ich Dei ne'r Mutter von Nutzen sein." Er hatte sich halb zu Ruth mgc wendet. In seinem Blicke stand eine stumme Frage, und zugleich eine ge Heime Anaft. wie vor der Nicht crfüllung einer leise gehegten Ermartung. Das funge Mädchen schien . zcdoch nichts davon zu bemerken, da ihre Aiu gen, groß und ernst, auf das Gcncht des weinenden Kindes geheftet waren. ohne daß in ihren Mienen eine Spur von Erregung wahrzunehmen war. f In Feldern Zügen malte fich ein Ausdruck von Enttäuschung. Miß Waterford, Sie entschuldigen wohl mein Fortgehen," sagte er den Hut luftend und nch .zum Gehen wendend, nachdem sein Fuß noch eineü Moment gezögert hatte. Eine leichte Neigung des Kopfes war die einzige Erwiederung der jungen Dame. Der Fortgehende hatte, rüstig neben seinem kleinen Begleiter ausschreitcnd, in wenigen Minuten das Ende des Parkes erreicht und wanderte nun den durch dichtes Gehölz sich längs des Flusses hlnwindenden Flußpfad hrnav, so daß er nach etwa IQ Minuten seinZiel, das armselige Fifchcrhäuschen,' erreicht hatte. Der Anblick, der semer hier in der Verzweiflung des unglücklichen Weibes wartete, war herzzerreißend. Die Be-' dauernswerthe konnte nur mit Mühe daran verhindert werden, dem Gatten in die Fluthen des Stromes nachzufol gen. Feldern sah sehrIbald e,n, daß es hier sehr wenig zu trösten gab, den noch hatte er die Genugthuung, daß seme. ihm von wahrem Acitgesuhl ein gegebenen Worte doch nicht ganz ohne Wirkung geblieben waren. Um vieles ruhiger, ließ er die Frau, nachdem er versprvchen ihr mit Rath und That beistehen zu wollen, in der Obhut einer mitleidigen Nachbarin zuruz, um hier auf langsam den Weg nach der Water ford'schen Besitzung einzuschlagen. Nach einer kurzen, von der heißen Mittagssonne beschienenen Wegstrecke umnng ihn bald .die schattige Kuhle hochstämmiger Eichen und dunkler Na deldäume. Nun verlangsamte er sei nen Schritt, indem er. hochaufathmend mit dem Tafchentuche mehrere Male über das erhitzte Gesicht fuhr. Auf eincr, aus dünnen Baumstämmen zufammengefügtcn. schon halb verfalle nen. von dem grünen Schirmdach einer Weide beschatteten Bank, ließ er sich nieder um etwas zu ruhen. Seine Stimmung war eine tieftraurige, denn er gehörte zu jenen warmherzigen Naturen. die fremdcscid L zu ihrem cige nen machen. Und dennoch war ihm, als wäre es nicht allein das Unglück der Fischersfamilie, das diese Stimmung' verschulde, sondern als habe er selbst einen großen Verlust erlitten. Und verloren hatte er rn der That rilous: den Glauben an eine Menschensecke, an dem er sich bisher fast angstvoll geklammert hatte. Als er vor etwa sechs Wochen Ruth Waterford zum ersten Male gegenübergestanden, war er von ihrer Schönheit im ersten Augenblicke fast betroffen gewesen. Tann, als er gleich darauf die Dame des Hau ses vor sich gesehen, und in deren Ge sicht nur'daß dasselbe den Schmelz der Jugend vermissen ließ Zug um Zug, Linie um Linie das der Tochter wiedererblickte, war es wie ein leises Frösteln durch seine Gestalt gegangen und unwillkürlich hatte sich ihm die Frage aufgedrängt: Wäre es möglich, daß dieses liebreizende Antlitz sich nach zwanzig Jahren in jedes andere, kalte, seelenlose, hochmütige Gesicht verwandelt haben könnte?" Und wie in einer ihm selbst unerklärlichen Angst hatte er den Blick unbewußt, so forschend, prü send auf sie geheftet, als suche er bis auf den Grund ihrer Seele zu dringen. Erst durch die tiefe Unmuthsfalte,, die sich zwischen den tadellos gezeichneten Brauen auf der weißen Stirn der 1 jungen Dame gezeigt hatte, war ihm das Unstatthafte seines Benehmens zum Bewußtsein gekommen. Seit jener ersten Begegnung k war er unaufhörlich bemüht gewesen, die edle ren Satten ihres Innern erklingen zu machen, aber die innigen, warmen Töne, die er angeschlagen, hatten keinen WiederhaÜ in. ihrer Brust gefunden. Und doch war er nicht entmuthigt gcwesen. Mit der Hartnäckigkeit eines Schatzgräbers, der seines endlichen Erfolges sicher ist, hatte er sich seinen Glauben durch nichts erschüttern lassen. Er hätte es ja nicht fassen können und wollen, daß hinter dieser reimn Stirn kein schöner Gedanke, kein tiefes, warmes Empfinden wohnen sollte., Gewiß, er hatte nur die rechte Stelle noch nicht getroffen. Unbeirrt hatte er an seinem Glauben festgehalten. Seit heute nun war es vorbei damit. Ein namenlos bitteres Weh erfüllte ihm ' die Brust. Und , während cr, schmerzlich aufstöhnend dcn Kopf schwer in, die Hände sinken ließ, murmelte cr leise: Es war nichts eim Tauschung ein Traum." Mehrere Tage waren ' vergangen ohne daß esden Bemühungen der Leute gelungen war, die Leiche , des vcrunglückten Fischers aufzufinden. Eurt Feldern hatte während dieser Zeit der von so schwerem Verlust betroffenen Familie beliend und ratbend zur Seite .4:,. " '' j
gestünden. Es war daher wohl nrn infolge dieser selbst auferlegten Pf!ich ten, die einen großen Theil seiner Zeil in Anspruch nahmen, daß er fast nur bei den Mahlzeiten mit Ruth zusam mentraf, wenn es ihm aumanchmal scheinen wollte als ob die junge Damk ihm geflissentlich ausweiche. Aber tro ihres verhältnißmäßig seltenen irnt stelS nur kurzen Beisammenseins hattk er nicht umhin gekonnt, an Ruth cini auffallende Veränderung ivahrzunchmen. Nicht allein hatte ihre äußere Erscheinung an Frische eingebüßt, auch ihr ganzes Wesen hatte etwas Halt loses, seltsam Zerstreutes angenommen. Selbst Mrs. Wat?rferd hatte es nicht entgehen können, daß ihre Tochter bei Tische die Speisen kaum berührte, während auf ihrem Gesicht ein Zua von Ermüdung. Erzchlaffung, wie er durch langes Nachtwachen hervorgeru fen wird, deutlich wahrnebmbar war. Mrs. Wüterford hatte daher schon Ruth zu veranlassen gesucht, den Arzt zu consultiren, doch hatte das junge Madchen fthr entschieden erklärt, daß sie sich vollkommen wohl suhle und des ärzt' lichen Rathes nicht bedürfe. Inzwischen war die Ferienzeit Feldern's ihrem Ende nahegerückt. Nur noch wenige Tage sollte sein Landauf, enthalt auf der Watersord'fchen Befitzung dauern. 'Es war Nachmittags. Man hatk eben das Diner beendet. Herr Wata sord hatte sich mit einer Havanna zurückgezogen, während feine Gattin, Ruth und Feldern noch in dem. auf die Veranda führenden Speisezimmer beisammen waren. Die Dame des Hauses war gerade bemüht, ihrem Gaste die etwas verwickelten, verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen ihr selbst und der Gattin irgend eines Earls klar zu machenz als ein Geräusch von draußen her das Nahen eines Menschen ankündigte und gleich darauf ein Mann in Arbeiterkleidung die Stufen der Veranda heraufgeschritten kam. Feldern erhob sich hastig und eilte dem Manne, indem er den Schwager des Verunglückten erkannte, entgegen.um von demselben zu vernehmen, daß die Leiche endlich in der Nähe von St. Anthonys Nose aufgefunden sei. Als Eurt. nachdem der Mann sich wieder entfernt hatte, sich umwandte, stand Ruth, an den Rahmen der Thür zwischen Speisezimmer und Veranda gelehnt. Sie war ungewöhnlich bleich, während ihre Augen, weit geöffnet, mit einem halb angstvollen, halb flehenden Ausdruck auf Feldern gerichtet waren, als warte sie auf irgend ein Zeichen, einen Blick von ihm. Ter wieder in's Zimmer Zurückgetretene schien hiervon jedoch nichts wahrzunehmen. Er hatte
eiligst seinen Hut ergriffen, und vor Mrs. Waterford stehen bleibend, sagte er mit leichter Verbeugung: Die Damen gestatten wohl, daß ich mich entserne; ich möchte dort unten selbst ein wenig nachfehen." Die Worte waren, vollkommen kor reit in der Form an beide Damen gerichtet, trotzdem hatte es den Anschein, als wäre die ältere direct angesprochen. Feldern mußte die Anwesenheit des jungen Mädchens momentan vergessen haben, denn auch, als er, nach einem allgemeinen Grufz, das Haus verlajfcnd. an'ihr vorüberschritt, deutete nichts an, daß er sie bemerkte. Eine Sekunde später war Ruth zur sprachlosen Ueberraschung ihrer Mutter die Stufen oer Veranda hinabgeflogen und stand plötzlich neben Feldern, ihn so am Weiterschreiten verhindernd. Das eben noch so bleiche Gesicht war jetzt mit einer hellen Röthe übergössen. Darf ich mit Ihnen gehen kam kS hastig von ihren bebenden Lippen. Was war das? Wie ein blitzartiges Aufflammen leuchtete es plötzlich 'iu Eurts Augen aus. Aber nur em Mo ment lang, dann erwiderte er im Tone ruhiger Besonnenheit : Ich möchte Sie bitten, lieber davon abzustehen. Miß Ruth. Es ist ein unendlich trauriger Gang, um, den es sich hier handelt. Bleiben Sie lieber zurück." In demselben Augenblicke ließ sich vyn der Veranda her Mr. Waterford vernehmen. Aber Ruth, was fällt Dir nur ein; welche Caprice !" Die Getadelte wandte ssüchtig da! Gesicht, auf dessen Stirn sich eine tiefe Falte zeigte, uns sich sofort wieder zu Feldern wendend, entgegnete sie, scst entschlossen : Ich gehe mit." Es war. als ob sich Felderns Brust in einem tiesen Athemzuge hob. Doch seine stimme klang ruhig, acme,icn Nun wohl, wenn Sie es durchaus wünschen, kann ich Sie nicht daran hindern." Mrs. Watecford blickte den beiden sich Entfernenden kopfschüttelnd nach. Unbegreiflich ! Dem deutschen Schwor mer mußte man ja so manches nach sehen, aber daß Ruth, das war doch zu merkwürdig : Die Beiden schritten, schweigend neben einander bin. Es war ein prächtiger Sommernachmittag. Eine frische Brise wehte von der See her er quickende Küble. Durch da? Laubwerk der hzhen Baumkronen, durch die sich hie? und da die Sonnenstrahlen bra chen, ging ein aeheimnißvollcs Rau scheu, und dazwischen ertönte bin und wieder der sune Lockrus eines Vogels. Es war ein Gemisch der verschieden, artigsten Empnndunaen. das Feldern beseelte, während sie wortlos durch die lauschige Waloesstille wanderten. Wohl war eine tiefe Ergriffenheit, ein wehmuthvolles Andachtgefühl, wie es jeden empsindenden Menschen auf dem Gange . F." 1 L ..j-..! i.0 c ' !! ;. . ' , . .,! 1. , . nucu einem .ruueryaufe ersulli, vor harschend in seiner Brust. Aber da zwischen drängte sich eine andere, von zener, ganz vermiedene Empfindung Zwar ganz unklar noch aber unver kennbar doch ein frohes, wonniges Ge fühl, ähnlich dem. das nach dunklen. rauhen , Winlcrtagcn. bei den ersten Zeichen des erwachenden Lenzes über uns lommr. Sie waren inzwischen an dem Ziele
ihrer Wandlung angelangt. Eurt, der entschlossen war. seiner Begleiterin ,
um iedeii Breis den Anblick der Leichk zu ersparen, bat das. junge Mädchen, einige Augenblicke draußen zu vcrmei' en, während cr felbst das&ans betrat. Nach wenigen Minuten, nachdem er sich überzeugt, daf; man den Todten in dem als Küche benutzten Hinteren Raume gebettet, kam er zurück, um Ruth in das zu ebener Erde belesene Border zimmer zu führen. Obgleich ihr Fuß. beim Betreten desselben keinen Moment gezögert hatte, so hob fich ihre Brust doch in einem befreienden Athemzuge, da ihr der Anblick, auf den sie voll kommen gefaßt gemeien. erjpart blieb. Es war ein niedriges Zimmer von äußerst dürftiger Ausstattung, das trotzdem einer gewissen Ausschmückung nicht entbehrte. Die hier und dort aufgehängten bunten Aettamedüdcr, mit sklbstvcrfertigten Rahmen versehen, mehrere aus rohem Holz geschnitzte, mii alten Tuchreftcn bezogene Eckbrettchen und andere selbst producirte Artikel gaben Zeugniß ab von dem Bestreben der Bewohner, ihr bescheidenes Besitzthum nach Kräften zu verschönern. An dem nnnam Fenster des Raumes saß in einem bequemen Stuhle die so plötzlich ihles Gatten Beraubte, während ihre beiden Kinder ihr zur Seite standen. An Stelle des leidenschaftlichen Schmerzes, der angesichts der Leiche auf's Reue hervorgebrochen, war eine starre Ruhe, eim Art körperlicher, uri' seelischer Erschöpfung getreten. Feldern rückte etnen tuhl in m Nähe der Wittwe, und während Ruth sich mederlien, sagte cr, nch zu der !., - . . . t' örou ymavveugeno, in ucoi-eicncn Tom: Miß Waterford ist gekommen, um Ihnen ihre Theilnahme zu bezeigen." Ein stummes Kopfnicken nur deutet an, daß sie ihn verstanden habe. Ruth sä;;, m emem eigenthümlichem Wesühl von Beklommenheit, regungs' los. Es verging eine Minute, bis sie nur w . '.. l -... . Y- 1 - nn Wort uver w Kippen oraaue. Dann, plötzlich eine der Hände der vor ihr Sitzenden ergreisend, sagte sie fast chüchtern, bittend: ..Wollen Sie mir nicht sagen, was ich für Sie thun kann? Ich möchte Ihnen so gern helfen." Die Frau wiegte mehrere Male hinter kinander den Kopf. .?ie können mir nicht helfen," sagtc 1 iie, 30 oanie Zyncn, i'cib, aver mir i M, evv m kann Niemand helfen." Es lag eine so gönzliche Hoffnungs losigkeit in den Worten, daß Ruth, die zum ersten Male in ihrem Leben einem Schmerze gegenüberstand, dessen Größe sie kaum begriff, von dem aufrichtigen Wunfch bezeelt, hier trösten zu können. mit einer an ihr ungewöhnlichen Wärm' erwiederte: Nein, nein, so dürfen Sie nicht sprechen. Besitzen Sie doch zwei Kin der, die Ihnen zum Stolz und zur Freude gereichen werden. Es werden bessere .age für Sie kommen. Gewifj, Sie werden wieder glücklich fein.Ein irres Lächeln umspielte die Lip pender Frau: Glücklich! sagte sie, wie zu sich selber sprechend. Ja, glücklich, o so glücklich war ich. Er war so gut und hatte mich so lieb." Die letzten Worte waren fast flü sternd gesprochen. Dann versank sie wieder in Schweb gen. Auch Ruth war verstummt. Sie faß da, die Hände im Schooße ver schlungen, und blickte mit seltsam traurigem Äusdruck vor sich hin. Eurt fand, daß ihr Gesicht von einer schreckhasten Blässe war, und da wankte ZZe nicht jetzt? Ruth Miß Watersord, was ist Ihnen?" Er war an ihre Seite geeilt, und ihr llopf ruhte einen Moment lang mit geschlossenen Augen an feiner Brust. Sofort aber, wenn auch nicht ohne Anstrengung, richtete sie sich wie? t auf und sagte, auf seine Frage erwidernd: ES ist nichts ein plötzlicher Schwäche anfall; es D schon vorüber." Kommen Sie, ich führe Sie in's Freie hinaus," sagte Feldern. Sie ließ sich, gehorsam wie ein Kind, auf seinm Arm gestützt, nach der Thür geleiten. Kurz vor derselben blieb sie jedoch Plötzlich stehen, als habe sie etwas vergessen. Und sich umwendend, zog sie, unbe merkt, einen Gegenstand aus der Tasche, den sie dem Kleinen, der ihr neugierig gefolgt war, mit den leise geflüsterten Worten: Gieb das Deiner Mama," ir die Hand steckte. Draußen blickte Feldern mit ernster Vesorgniß in daZ bleiche Gesicht vor ihm. Ich hätte eZ wissen können." sagte kr. ich hätte es nicht zugeben sollen daß Sie mitkamen." Nein, nein," versetzte sie schnell das ist eZ nicht. ES ist es war wohl nur die ungewohnte Luft deS niederen Zimmers. Mir ist wieder ganz wohl. Bitte, kehren Sie sich nicht an mich, wenn Sie noch hier bleiben möch' ten." ' Ich hakte freilich die Absicht, noch in's Dorf zu gehen, aber " So gehen Sie, bitte," siel sie ihm ins Work. - Ich gehe inzwischen ganz langsam nach Hause." Ihr Blick drückte einen so entschiede nen Willen aus, daß Feldern sich schwelzend fügte. Er stand jedoch, nachdem sie gegangen, noch mehrere Minuten und ichaute ihr nach, bis der Waldpsad sie seinen Blicken entführte. Trotz ihrer Versicherung, daß ihr Bieder vollkommen wohl sei, schien dies doch nicht ganz der Fall zu sein... Sie hielt sehr häusig im Gehen inne. lehnte sich hier und da an einen Baumstamm und starrte minutenlang vor sich hinAlZ sie die Bank erreicht, auf der Fel. öern vor einigen Tagen gerastet hatte sie sich mit einem Seufzer der Erschöpf fung. nieder. Nun saß sie, regungs, los,' den Blick durch das Weidenlaubge' bänae auf den in der Nachmittags
sfeagggg
sonne glitzernden Fluß gerichtet. Aber ihre Gedanken wanderten zurück zu dem kleinen, ärmlichen Stübchen, zu der Frau, dte noch vor Kurzem so überaus glücklich gewesen. Und unbewußt be wegte sie leise flüsternd d Lippen: Er war ja so gut und brav, und er hatt mich so lieb, und wir waren so glücklich, so glücklich wie sonst Niemand auf der Welt." Diese Frau war bei aller Dürftigkeit so unendlich reich gewesen, und sie, Ruth Watersord, war so arm, so grenzenloZ arm. Und laut aufschluchzend barg sik plötzlich das Gesicht in den Händen und weinte bitterlich. . Ter Tag von Felderns Abnise wa, gekommen. Ruth saß in dem kleinen, von Wein umsponnenen Sommerhäus chen, das einen herrlichen Ausblick aus den Hudson gewährte und war beschäf tigt in ein kleines, in rothem Leder gebundenes Büchlein eine Anzahl Notizen einzutragen.. Mrs. Watersord würde ein höchst erstauntes Gesicht gemachi haben, wenn sie ihrer Tochter über du Schulter hätte blicken können. Stand doch da, mit einer Deutlichkeit, die sei nen Zweifel zuließ, zu lesen: Ein Dutzend Paar Kinderstrümpfe, seche Schürzchen, zwei Paar Schuhe, ein Knaben-,' ein Mädchen - Anzug. Hüte. Bilderbuch :c. Nach einem nochmaligen Ucbcrlefcn des Geschriebenen ließ sie das Büchlein mit offenbarer Befriedigung in ihr Tasche glcitm und saß eine Zeit lanp still vor sich hinträumend. Allmälig aber gab sich eine gewisse Unruhe in ihrem Wesen kund, als ob sie irgend etwas, oder irgend Jemand erwarte, und als sich bald ein bekannter Schritt auf dem Kiessande vernehmen lief;, flog einen Moment ein leises Roth über ihr Gesicht. Als Kurt Feldern gleich da raus in den Pavillon trat, war dasselbe wieder auffallend bleich. Nur noch eine kurze Frist von zwei Stunden", sagte er fcherzend. dann ade! Sommerfrische." Ruth versuchte zu lächeln, aber eZ ilückte ihr nicht recht. Sie war offen bar nicht wohl. Nicht nur die geradezu beängstigende Bläffe ihres Gesichts fprach dafür, auch eine eigenthümliche. nervöse Unrast in ihrem Wesen deutete darauf hin. Ihre schlanken, weißen Finger zitterten merkbar, während ihre Brust sich in schnellen Athemzügen hob und senkte. Feldern konnte dieser seltsame Zu stand nicht entgehen. .Sie sind krank. Miß Waterford sagte er, sie besorgt anblickend. Sie ichüttelte heftig verneinend den Kops. Nein, nein," versetzte sie hastig. ,nicht krank. Ich war es, nun bin ich zesund, oder auf dem Wege es zu werttn wenn Sie mir dazu helfen vollen." Feldern blickte in sprachloser Ver vunderung in ile Augen, die fast zngstvoll 'flehend" auf ' ihn gerichtet waren. Und nun brach es hervor, leiden schastlich, unaufhaltsam, wie aus un zcahnten Tiefen strömte cS hemuf. Ja, Sie! Ihnen danke ich es. Sie zaben mir geholfen. Ich war blind und taub, und Sie haben mich sehend und hörend gemacht. In mir war Alles öde, leer. Ich war keines großen Jedankens. keiner tiefen Empfindung 'ähiq. Der Anblick des, blauen Him mels, eines schönen Baumes, des geva'.tigen Meeres ließ mich kalt. Da !amen Sie und erweckten mich zum Leben. Das Beste in mir verdanke ich Ihnen. O. helfen Sie mir ferner, daß ich mich nicht wieder verliere: verlassen Sie mich nicht, lassen Sie mich Ihre Freundin sein, wenn Sie mich dessen v.'rth halten." Sie sank erschöpft in ihren Sitz zu tück. während Feldern, ihre Hand erzreifend, ihr mit unnennbaren Eefüh!en in's Auge blickte. Oh Ruth," sagte er mit vor Seligkcit bebender Stimme, ich wußte es, )aß das Gute und Schöne in Ihnen nur schlummere, nur geweckt zu werden brauche. Ihr Freund bin ich längst, und werde es immer sei. Aber ich möchte Ihnen noch mehr sein, Ruth. Sie sehen, daß auch ich nicht frei von EgoismÄ bin. Glauben Sie, daß das Befühl, das Sie für mich haben, tief und stark genug, ist. um Alles. waS das Leben an Glück und Leid bringen mag, mit mir zu lhülen?" Eine tiefe Gluth breitete sich über ihr Gesicht. Sie war einen Moment lang vollkommen verwirrt, bestürzt: Sie wollten Sie wollten mich ?" stammelte sie. Da begegnete sie feinem alucksfrah lendcn Auge und plötzlich schlang sie beide Arme um ihn und lag jauchzend und weinend an seiner Brust, während er seine Lippen auf ihre reine Stirne preßte. Als Ruth zwei Stunden später dem Vahnzuge nachblickte, der ihr den Celiebten auf kurze Zeit entführte, flüsterte sie wie im Traume vor sich hin: Er ist ja so gut und brav, und er hat mich sg lieb, und wir sind so glücklich, so über Alles glücklich." ' . Der leichte Trin ker. Vertheidiger (zu einem als Zeugen geladenen Wirth): Sie kennen also den, Angeklagten seit geraumer Zeit? Zeuge: Jawohl, denn seit Jahren besucht' er täglich meiüe Restautätiön. Vertheidiger: Und der Angeklagte ist Ihnen ferner bekannt als ein schwerer Trinker? Zeuge: Ein schwerer Trinker?,, Nein, wahrhaftig nicht, im Gegentheil! Verlhcidiger: Was. er war kein schwerer Trinker? Zeuge: Ich sagte es Ihnen ja schon, nein. Im Gegentheil. Ich habe noch niemals, einen Menschen gese hen. der so leicht getrunken , hätte,, wie der Angellaake! "!; - -i- V 's ff ' ' t L ' St ßil Nicht nöthig. Fr au:, Sie horchen doch nicht an den Tbüren, wenn icb Besuch habe? Dienstmädchen: Ach nein, ich habe ein so feines Gehör, daßich dit zu borchen brauche!
Qin HcxenstüSleiti.
In Manilla fvort. Insel) ist von einer Zigeunerin ein Schwinget verübt mm den, dessen Art auch anderswo wshlb:rornti ist, der sich aber durch die Größe der Beute auszeichnet. Die Frau des Herrn Iu!:s Lardmvlr. des Be:tzers eines großen GasthsfeS, war seit emiger Zeit krau!, und Niemand wußte ihr zu helfen. T a kam eine alte Zigcunenn in da? Gasthaus und erbot sich, die kranke Frau zu heilen. Sie verlangte zunächst ein schwarzes Huhn. drehte dem Thiere unter allerlei HokuSpokus den Hals um und verlanBe dann ein goldenes Halsband. Auch dieses wurde herbeigeschafft. Die Ziflcuncrin z?g nun das ioth Huhn unser verschiedenen Grimassen einige Meile durch das Halsband und forderte jetzt alles Geld, das sich im Hause' befinde; Hoch' dürfe lK nicht ein Frank verheimlichte wechenH wti! sonst die Heilung nicht gelingen' kknne. Man übergab der Here 40,000 Fr. Go!d-, Silber- und Papiergeld), ye sich in einer Schublade 'befanden die wundcrthätige Frau erklärte jedoch, es sei noch mehr Geld im Hausx. Und wirklich fanden sich Nvch Zu einem Kastcn übe? 7000 Fr, in Papier und einige hundert Fr. in Silber. Nach dem sie alles vorhandene Geld empfan gen. bat die Zigeunerin die anwesenden Personen gegen 70 Hotelgäste wohn ten dem Schauspiele bei sich im Kreise um sie zu seen. zog darauf eine Dose aus der Tasche, aus welcher sie zwei Eßlöffel eines Pulvers in einen Napf schüttete. Unter eintünigem Singfang steckte sie dann ,mjt cinetn Zünd. Hölzchen das Pulver in Brand; es verbreitete sich ein so angenehmer und tt rauschender Duft, daß Aie Anwesenden sofort narcotisirt wurden und in Schlaf versanken. 1 f U Ä !ch Als sie erwachten war natürlich pi Doktorin sammt 'dem Gelde und dem Halsband verschwunden und nur da todte Huhn war zurückgeblieben. Die Polizei entdeckte aber schon nach, kurzer. Zeit in dcr Mho der StM ein Zigeu nerlager und fand auch die Wunderfrau sammt Geld und Halskette. Alle Zigeuner wurden verhaftet, und man fand in ihren Zelten bedeutende SchD? Nur an baaru Gelde wurden mehr als 100,000 Fr. gefunden, außerdem auch viele Schmucksachcn. Unter den 50 verhafteten Personen befand sich auch eine etwa 17 Jahre ,alte,Portugiesin von großer Schönheit. Diese erklärte, in Oporto ihrer Familie von der Sande geraubt und vor drei Monaten zur Hcirath mit einem der Zi geuncr gezwungen worden zu sein. Man habe ihr mit dem Tode gedroht, wenn sie ihre Herkunft und ihr Schicksal verrathe. Sie nennt sich Arccina Vonceic?as und fagte aus. daß mPartugak eine noch größere und reichere Zigeuner, bände dieselben Geschäfte treibe. Wie Schiller sei eigenes Stück auszischte. Schiller hielt eine Zeit lang keines seiner Tramen so hoch, als, Die Braut' von Mcssina", auf welches er auch 'die äußerste Sorgfalt verwendete. Als das Stück in Weimar unter Lothes Regie zur ersten Aufführung kam, war der Eindruck redeutend. Schiller Mlbfl war durch die Vorstellung sehr befrie digt. Als in der letzten Scene der todte Prinz hereingetragen wurde fogle'er zu seiner Umgedung: 'Dies doch wirklich ein Trauerspiel!" Er erklärte, in der Vorstellung der Brau!. , von Mesfins" zum ersten Mäl dr'BWA druck einer wahren Tragödie bekommen zu haben. Und Göt'he,, mcjnte,,, ,,dcr thl'atrakifche Boden sei durch diese Jßx fcheinung u etwas Höherem eingeweiht worden. - Als das Slück zu Mndi'Äar?' mußte der Dichter eine damals noch Anstoß erregende Bcif'allööezeugung tu fahren. Ein junger Doctor der Phi losophie rief ihm vom Balkon ein kau., ies Leöehoch zu. Schiller gah -seiM Mißfallen durch vernehmliches Zischen zu erkennen und das Puhlikum sti'mmte mit ri- - ,r l ) i l I Der junge Gelehrte erhielt auf An laß des Hofe wegen dieser .unschicklich angebrachten . iBeisällsdeZcugÜNgkz lllüt Goethe nennt sie eine verwünschte Akklamation" von der Polizei einen Verweis. r'ent'chuldle'slffbMit. daß er versicherte er häbe dieses Mvat auf Ersuchen der im Schauspielhaus zahlreich anneienden Zenenscr S'uden ten ausgedrücht . In Berlin Mangle'" das Stück am 14. und 15. Juni zur Aufführung., Den Empfang des Wer - J- . . " . . . i ' i " W 1 1 ''' stlS w-tii iluiuu yu. vis? iilüjk für die Henge geschaffen, ,,w2ssi.Jhr Geist hat von. sich ausgehen lassen, und wie ich diesen Geist empfinde, soll die Vorstellung zu Tage legen, unbckümntttts vWe McgepwZrtLng!sM Menge? darbieten 'magl- Ueber 'bkzBbÄi! lung selbst berichtet er: Am U. und 16. ward die .Braut von Messina" mit Würde, Pracht und Bestimmtheit KgebeM Gegenfäßler? etliche! Tctal. effect? Der höchste, tiefste, chrwür digste! Die Chöre würden mcincrhaft gesprochenMd senkten wie ein Wetter sich über das LaMli Gott segne und erhalte Sie und Ihre ewig blühende Jugendfülle.- - :'Z''r Gin Borschlag zur Güte. ftanii ich mich auch darauf verlast, sen, holde Fce. daß Sie morgen pünkt lich zu dem IZvucksZü-vous erscheincu ? i ri y-! ' '' 1.. i ' i'1': " "L' ' ". ""V""1''1"1111t.ii. sC I7i wcnn teic ganz geyen moi len, leihen ,, Sie,, mir Ihren ,!Chrono meter. ! i ", 5i t.Vfi'4"t .;! il 15 lii; Ni '1 Nach, einem Mißlunge. ,ien Debüt in der Großstadt. Schau spiele? (der von dem Pfeifen der Fabrik ken morgens aus dem Schlaf geschreckt wird) : Zum Teufel! hört denn das verwünschte Auspseifen immer noch nickt aui l
les ane hinaus mir oen oncn an gezeigt: Die Braut von'Mefsina- ist eine erbabene'Tichtuna. die mein öan-
