Indiana Tribüne, Volume 15, Number 335, Indianapolis, Marion County, 21 August 1892 — Page 6
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Stczept gegen Langeweile. 6r:jf son Grinst Hettdor. In einer Gesellschaft lernte ich sie 'ennen. Sie war nicht l?i:bsch. Außer einem früheren Tanzstuttde.anbetcr und ihrem Spiegel rjagte das euch Niemand zu behaupten. Ihr Spiegel aber belog sie. Da hcit. manchmal sagte er ihr auch die Wahrheit wenn die Beleuchtung gercoc günstiA war. Aber dann schnitt sie ihm ein Geficht. Reich war sie. Seh? reich. Sie wußte es und that sich etwas darauf zu gute. Und da 5 eben war ihr Verhnznisz. Was mich dZZ Alles anging? Sehr diel! Denn ich sollte sie zu Tisch sühren. Im Laufe der Unterhaltung sagte sie mir piquirt ich we'ch nicht mehr vorüber, sechs Jahre sind ja nun Zeitdem verflossen : .Ich lebe nur zu meinem Vergnügen. Ich habe leine Pflichten. Wenn ich mündig bin, dann lasse ich AlleZ hier liegen. wie'Z liegt, und reise." Das mich das damals ärgerte, finde ich heute noch ganz in der Ordnung. Taß ich ihr aber, während sie sich zierlich muhte, eine Hummerscheere zu öffnen, ton der Heiligkeit der Pflichten und van d?m Verhältniv der Arbeit zum Capital sprach, das finde ich unverzeihlich. Ich finde das lächerlich. Ur.d lächerlich fand fie's auch. Deshalb gab sie mir daS feinbehandschuhte Händchen nicht, als sie ging, sondern lächelte mitleidig auf mich herab. Ich versuchte auch zu lächeln, aber es gelang mir nicht so recht. Su' fand ihren Er. Er war sehr blond und trug die Kardedragoner-llniform mit viel Chic. Er war sogar adlig. Er kam, hörte von ihrem Reichthum und w2r besiegt. Obwohl das VerlobungZdincr in jeder Hinsicht vornehm war, löste sie die Verlobung nach kaum vier Wochen. Auf die Dauer wurde er ihr laugweilig. Und dann dieser Duft von Pscrvestal! und Ehanta7.t .... Sie war eben doch nicht so dumm. KZurze Zeit darauf starben ihre Fltcrn nicht an gebrochenem Herzen üöcr Die Entlobung. Er starb an Ghalcau La Ros?. Sie starb wohl eben nur, um ihm Gesellschaft zu leisten. Icht war sie frei. Sie konnte rci sen". Und sie reiste. Eine Pastorslochtcr vom Lande nahm sie als (.ÄscUschafterin mit sich. Ein Ting mit blondem Haar und grauen ousdrulos'n Augen. Ein Gcschovf. Das AllcS willig that. cinfeujum den Hals trug, keinerlei Ansprüche machte und nie etwas von selbst sagte. Ta geschah es. daß eine Gottheit sich ihrer annahm. Die große unbekannte Göttin! Die Athener hatten ihr einst einen Alter ge weiht. Aber sie wollten sie nichtkennen. Wir kennen siel Wir dienen ihr'läglich stundenlang. Manch' einer weiht ihr sein Leben. Aber Niemand nennt sie. Wir baeen ihr Kirchen. Paläste und Theater. Ader ein Jeder hütet sich, ihren Nam.'n auszusprechen. Denn wir fürchten sie Alle. . . .Ich meine die Göttin Langeweile. Langezveile begleitete sie auf ihrer Reise. Sie sah sie fortwährend aus den Augen der blonden Pastorstochter an. Langeweile blätterte mit ihr in der Reiselectüre. Langeweile war ihre Nach" dar in an der Tadle d'hote in der schwel zer Pension. Langeweile schaukelte mit ihr in der Gondel auf den Eanülen Ve ncdigs. Es war schändlich! Nicht einmal in Vom, trennte sich die Lanz? trcile von ihr. Und immerwährend blickte sie sie aus den graucn Augen der Pastorstochter an. Es war nicht zum Aushatten! Hals über Kopf reiste sie naö Berlin 'zurück. Sie entließ ihre Vescllschasterin. Die grauen Augen waren fort. Aber Langeweile blieb bei ihr. Eines schönen Vormittags kam eine gute Freundin zu ihr. Sie lag gerade auf der Ehaisclongue und las. Langeweile saß zu ihren Füßen und blinzelte. O b sie wohl ihre kleine Henny auf ccht Wachen zu sich nehmen wolle? Ihr Mann müsse zu einer Uebung, sie selbst ins Bad - Selzr aern." gähnte sie. Gewiß. Warum nickt?" Ta-te. was machst Du da?" Zragte die kleine HennvIch lese. Henny." Henna möchte auch lesen, Tante. Das war ein Gedante! Henny sollte ln den tcht Wochen bei ihr lesen lernen. Drts i:nis;ff amüsant werden! Und nun gleich an's Werk! Mit dcm A sing sie sn'. Immer bübich n?ct!zodischk Dann kam da? V und das (5. Und als sie beim D. war. batte die Hennv das A und das (S dergcsscn. Aber das half nichts. Lernen sollte sie'S jetzt. Sie hatte es sich einmal in den Kopf gescht. Langeweile schüttelt, bedenklich da graue Haupt. Sir wurde sehr traurra. Schen am dritten Tage Nieb sie ganz lort. Hub? WüS die Hcnns sich dumm anstellte! Selbst mit der Fibel wollte fie's nicht begreifen. Es war oder auch zu schwer. Hau u s : Hans ! Ha US, haus. Ha-UZ. Nein, doch! Haus". Aber die Hennu machte ftortfd: risse. Sie brachte eZ ihr bei. Sie wor eben fccdi nickt so dumm. Zu glltcl letzt wurde Henny noch trank. Ganz ernstlich. War daS eine Anqlt! Sie lief selbst zum Arzt und sorgte und wachte. wotttoll! Es ging vorüber. Und dann waren die pcht Wochen ver flössen. Und dann Um Langeweile w cder. Sie Harn Heimweh nach der! leinen Henny. Es ist lächerlich, der sie hatte wirklich Heimweh nach der dumme
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Henny. die Das Lesen so schwer be arisien hatte. Wenn Tir Dein alter, lieber HauZ! Hund gestorben, so kauf' Tir einen andern! So etwa mochte fi? auch denken. Sie lieg die kleine Tochter des Portiers täglich auf einige Stunden zu sich kommen, mit ihr zu arbeiten und zu spielen. (5s war räf,:nb, wie lieb da? kleine Mädchen ir ha! c! Langeweile fand das wenig cornrn il saut. Vollends entsetzt ober roaxl Langeweile, als sie auf den Vorfchlaa! eines Bekannten einging und in einem önentlrchen Kindergarten mit unterrichtete. In einem öffentlichen Kindergarten, in dem Kinder aus allen Stan den aufgenommen wurden! Es ist unglaublich, aber wahr, ihre neue Thätigkeit wurde ihr lieb. Sie scheute keine Mühe, keine Kosten. Und was das Wunderbarste, sie zeigte enu schieden Beanlagung dafür. Es wurde behauptet, es sei ihr Verdienst, daß das Unternehmen so gut gedeihe. Sie war eben doch nicht io dumm. Als ein befreundetes junges Paar sie im Frühsahr darauf aufforderte, an einer Neise in den Süden Theil zu nehmen, sagte sie: ..Ich habe keine Zeit." Sie hatte keine Zeit! Lächerliche Aber so kam es. daß die Blasirte ein thatkraftiges Menschenkind wurde. Kürzlich hat sie sich verlobt. Sie hat eben ihren zweiten Er gefunden. Wie er aussieht? Es ist mir peinlich, darüber zu reden ich bm es leihst. Präsidtitten-Ttudienköpfe. Ta es sich Heuer wieder darum han delt. wer in den nächsten vier Jahren Herr des Weißen Hauses sein soll, so dürften einige Streiflichter auf die frü heren Präsidenten, welche in den histo rischen Gemächern des Weißen Hauses sozusagen in effigi aufgehängt" lind. Viele lnteresiiren. Der erste Präsident, welcher in die sem ehrwürdigen Gebäude wohnte, war John Adams. Derzclbe trug, wie alle Personen von Rang ln jenen Tagen, stets einen Rock mit reichen Stickereien, seidene Strümpfe, riesige silberne Schnallen an den Schuhen und eine Puderperücke. Er war ein großer freund von häufigen glänzenden StaatsdinerS und Empfängen, persönkkch lebte er kedoch unaenmn einfach. führte einen sehr sparsamen Hanshalt. so daß er. als er das Weiße Haus ver ließ, sich ein hübsches Sümmchen von seinem Gehalt erspart hatte. Als die Schatzamts - Gebäude brannten, faßte auch Adams in der Löschbrigade Pgsto und reichte Die WaMnmer welter. Jffcrion. Viel einfacher, als Adams, kleidete sich Präsident Jefscrson. Besonders nel dies aus. als er vor dem EonareL erschien, um seine abresredeui balten. Er trug damals einen langen schlichten vlaucn Rock, nur mit vergoldeten Stno psen, blaue .Kniehosen und plumpe amerikanische" Schuh?, die mit Leder schnüren iusammenaedunden waren. Eewöhnlick bedeckte er sich mit einem großen, über die Augen gezogenen Zilchut. Wenn er nicht ni uw oina. ritt er au) tmem alten Ztlerper; von Eauipagen wollte er nichts wissen. Er war roiddaaria. battc soindeldürre Beine, liebte Pome und Eesa.iZunö ein gutks Bläschen. Madison unv Gattin. Der niedliche kleine Modlfon, der neben seiner viel größeren . Gottin Dolly sehr gelungen aussah, führte das Ceremoniclle wuder ein. das sein Vor gänger mißachtet hatte. Er trug wenigstens bet TmerS und Empsänsen
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EE3EEES33 einen prunkenden Anzug. Seine DoUy soll nrcht nur ihn, sondern durch ihn auch das Land regiert haben; sie wurde, besonders oft cie Königin" genannt. Präsident Monroe war cm schlanker, k ftrtHfisirfSir $11 irrti t(rtf& fp,43. vlfW ! IUIUIUV k l l I 11 IV l , VIIIUV .KAfJ (j"C hoch, und trug stets einen dunkelblauen Nock, Stulpenftiesel und einen aufge schlagenen Dreimaster im Stile deZ Nevolutionskrieges. der letzte Präsi d?nt, welcher sich einigermaßen an die Moden des vergangenen Jahrhunderts hielt. Er lahmte ein wenig an einem Bein und hatte beim Gehen stets die linke Seite voran. Ihm wiederfuhr die Auszeichnung, ohne nennenswerthen Widerstand zum zweiten Male gewählt zu werden, und in seinem zweiten Amts termin machte er sich durch die Monroe Doctrin" in der ganzen Welt bekannt. 1825 schied er aus dem Präsidentenamt aus und wurde später noch ein schlichter Friedensrichter im vlrginischen Eountz Loudon. John Quincy Adams wandelte in denselben Bahnen, wie früher sein Bater. Jackson. Die meisten auffallenden Eiaenthüm lichkeiten von allen Souveränen des Weißen Hauses hatte Jackson. Er haßte das Ceremomell noch mehr, als Jener son. Bei ihm standen die Thüren des Weißen Hauses für Jedermann offen. Mit Vorliebe erging er sich am Hause und der umgedung und rauchte eine Maiskolbenviene: Andere sollen es sich zu seiner .Zeit sogar hcvausgenommm haben, in den wlaatsztmmern zu rau chen. Alle seine Freunde rief er mit ihren Vornamen an, klopfte ihnen auf die Schulter und sagte ,n der ttntertzat' tuna alle zehn Minuten: .Beim Ewi gen!" Seme Gastsreundtichkeit war so gro, vag er mir i einem wann uno den Crträaninen seines Landgutes kaum auskam. ' ?in feinen Strümpfen war ackton über secks z,un bocd. dabei edr schmachttg und wog Nlqt mehr als 14U Viund. Cimack bis zur Nacklämakeit war seine Kleidung. Er hatte meist einen militärilckm Mantel an und trug einen dicken Stock, welchen er mit Vor liebe stark auk dem Boden au schlug. Mit Jedem, den er begegnete, knüpfte er gern ein Gesprach an. cr Lvylsly stand bei ihm in großer Gunst, und wahrend feiner Verwaltung roch es un Weißen Haufe stets nach Tabak nnd Spiritussen. Seine Pfeifensammluna winde jedem deutschen Eorpsstudenten Bewunderung abgenöthlgt haven. In erregtem Ge'jpräch schleuderte er gar manchmal, wenn er einem Sa beson deren Nachdruck verleiben wollte, seine Jbonvieise u Boden. 3 seinen son st i gen Liebhabereien gehörten: Auf schlagen von Hickory' und Walnunen aus den Knieen mit einem Plätteisen, Beiucken von .vabnenkämpfen in Bta densb urg und unermüdliche Anekdoten eriählen. Van Bmen. ftii Van Vuren war da? gNeine haus nichts Neues mehr, als er in das , , , . ...- t ....... r.n ,.,!f ieio? einzog' er.yane namnaj ia;i way rend des ganzen Termines von Jackson zl? Privatsecretär desielben sich dann ichsn häuslich gemacht. Man kann ober von ihm nicht sagen, daß kr seinem ßlttl stlWfltirfl habt, tot fr fisfi rstiiä pttte und Wie er spuckte-. Der lebbaste ,,,' , . . l . licine -nan zuren war Ole movinue FkMhcit und Glätte seZber KoMische i ebrittsteller stealen ibn den Smeri ! konischen TaLeorand" zu nennen. Er nar auch der erste Vrasidcn!. der nick! als orltllcher ilntcrtyan geboren war. General- William Senrv Harrilon war ein überaus tbatiaer alter Lcrr. der ungewöhnlich sruh ausstand, schon vor dem Fruhltuck zu Markte ging unö niemals einen Uebcrncbcr' krua. mocbte dos Wetter noch sa schlimm sein. Eincl
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schönen oder vielmehr eines schlechten Morgens wurde er bei einem Ausgang naß und weigerte sich, die Kleider zu wechseln. Er' kriegte die Lungencnt zündung und erlag derselben. Uebrigens hatte das Aemterzägeryeer auch ohnedies beinahe 'ausgereicht, ihn zu Tode zu quälen. Pole. Äuf den hochgebildeten, im Uebrigen durch nichts Besonderes ausgezeichneten John Tyler folgte James J.'Polk.weleher zugleich der kleinste und dünnste Mann war. der je den Präsidentcnstuhl eingenommen hatte. Ein. zeitgenössischer Schrissteller sagte von ihm, erlasse seine Kleider zwei- bis dreimal zu groß machen, damit es wenigstens aussehe, als ob etwas an ihm" sei. Eine wei tcrc Eigenthümlichkeit war seine Gattin, welche unter keinen Umständen das Tanzen im Weißen Haufe gestattete. Dahingegen nahm die Gattin von Zach" Taylor fast gar keinen Antheil an der Gesellschaft, sondern saß ruhig in ihrer Stube, stickte und rauchte ihre Pfeife. Taylor selbst, der sich durch feinen großen Kopf mit dem üppigen weißen Hazr auszeichnete, hat sich nie im 'Weißen Hause behaglich gefühlt. Die Präsidenten Mmore und Pierce waren Beide hübsche, wohlgeschniegelte Männer und in Gesellschaft sehr beliebt: Pierce hatte die anerkannt schönsten Augen aller amerikanischen Präsidenten. Bnchanan war der erste Präsident, de, Junggeselle war, trot einer Jugendliebe". Bon Lincoln an. deffcn ei'nzigt Erholung von den Amtssorgen dn Theaterbesuche bildeten, leben die Präsidenten noch frisch im Gedächtniß dei heutigen Generation. , LZlt-Züricher Sitten. In einer Studie über die Alt-Zün cher Sitten und Gebräuche, die in der N. Z. Z." veröffentlicht wird, gibt der Verfasser, H. Messikommer. folgende Schilderung: Als wirklich gutes Ueber bleibfel der ..guten alten Zeit- stellen sich heute noch unsere Bauernstuben dar. Lustig, wohnlich eingerichtet: in der Mitte der Stube ein ungeheure: Backofen mit dem Kunstbänkli: hinter dem Ofen die kleine Stiege, welche zu dem im oberen Stockwerke befindlichen chlasnmmer führt. Der Ofen bildet immer die Hauptzierde. In einem hart über ihm denn blichen Zimmei wurde eine Ecke mit Brettern von allen Seiten abgeschlossen, so daß ein Käm mcrchen von höchstens zwei Quadrat metern Grundflache entstand. Durch eine Thüre trat man in diesen raben dunklen Raum, in welchem als einziges Möbel eine rohgezimmerte Bank stand. Zwel verschiedene offene Rohre gingen zu dem Backofen. Hatte dieser die ge hörige Wärme während des Backens er langt, so blies der Benher in ein Horn und verkündete damit der Nachbar schaft, daß Gelegenheit geboten wäre. ein Schwikbad .zu nehmen. Nun kamen die schwiybcdürftigen Leute, Männer und Frauen, beide zusammen und setz ten sich im Urkostüm in das Schwip stübli. Durch das eine Rohr stieg fortwährend heiße Luft in das Stübli. san den aber die Schwitzenden den Raum noch nicht genügend warm, so konnte man durch Oessnung eines Schiebers auch durch das zweite Rohr die Kammer speisen. So bedürfte es natürlich nur einiger Minuten, um ein gründliches Schwipdad herzustellen. Heute ist die. ses Schwchstübli" in dem wir leicht den alten römischen Ursprung cr !ennen fast ganz verschwunden, nur noch ein einziges Ercmplar ist. so viel zekannk, im zürcherischen Oberkande in Lcdrauch. Kalt Wassee. Geck (geschmeichelt): Ich bin entzückt, daß gerade aus mich Ihre Wahl gefat lenl Mädchen (traurig): .Ja. mein! Mama bat es mir streng . verboten, einen der jungen Herren aujzuf dern! , P a r a l ! e l e. Wenn einem daS Gewissen drückt, daS muß schrecklich seilt I ..Hm, ich glaub' viel ärger drücken als meine neuen Stiefel kann'Z auch nit?!"
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Eine spaßige ..Militärgeschichte" ist kürzlich durch einen Zufall ans Tageslicht gekommen. Herr Director K. in Berlin besil)t eine Tochter, die den seltenen Vornamen ..Christel" erhalten hat. Das Fräulein hat nämlich am ersten Weihnachtstage des Jahres 1871 das Licht der Welt erblickt und war so zu ihrem eigenartigen Vornamen gekommen. Neuerdings nun rüstete sich die junge Dame zu einer Reise nach den Balkanstaaten, und der Vater' erschien persönlich im Revierbüreau. um einen Paß für seine Tochter zu besorgen. Richt wahr, für Fräulein Christel?fragte der Wachtmeister. Jawohl", erwiederte der Director. sichtlich erstaunt, daß der Beamte den Vornamen so aus dem Kopfe" wußte. Doch seine Ueberraschung wuchs, als der Wachtmeister bei der Ausfertigung des Passes bemerkte: ..Fräulein Christel ist ja wohl am 25. December 1371 geboren?" Allerdings", sagte der Vater, aber wie kommt 'es nur, daß Sie das auswendig wissen?.... Ja", erwiderte der Beamte schmunzelnd, Ihr Fräulein Tochter sollte nämlich zum Militär ausgehoben werden!" Nanu, meine Tochter?".... Jawohl", er. klärte der Wachtmeister, wir hielten Christel Alle für einen männlichen Vor namen. (Trot) der polizeilichen An Meldung?? D. Red.) Da nun bei Ucbcrschreitung des dienstpflichtigen Alters jegliche Meldung unterlassen war. so wurde der übliche Rapport an die vorgescjzte Behörde erstattet, die so fort zwangsweise Vorführung an ordnete. Nun aber kam uns die Sache doch etwas bedenklich vor; wir konnten uns nicht gut vorstellen, daß Sie, Herr Di rector, der eic in allen Dingen so gewissenhaft sind, der Mcldungspflicht nicht genügt haben sollten. Ich über nahm die Recherche. Da ich bei Jbnen persönlich wegen der Ansprache nicht vorsprechen mochte, so ging ich zu dem Kaufmann, der in Ihrem Hause wohnt. Ich fragte, ob er Ihre Familie kenne. und er meinte: ..Da kommt ja gerade die Augvsta von Director K.. die wird Ihnen jkcher die beste Auskunft geben." Also wandte lch mich an dlc Zosc: .Ihr Herr hat ja wohl zwei Kino, nicht wahr?" Det stimmt." sagte das Mädchen. ..Der Aelteste muß schon 25 sein." Janz richtig," bestätigte die Zofe. Und der Zweite, Christel rnil Namen, war am 25. December gerade 20 Jahre." Ja, aber der zweite Junge, wat Sie janz richtig Christel nennen." rief lachend die Juste, da U ja en Mächen!" Nun wurde na. türlich aus der zwangsweisen Vorführung nichts, die Sache war erledigt: den Geburtstag von Fräulein Christel aber werde ich wohl nicht vergessen. Die Geschichte ist doch wirklich gelungen, nicht wahr, Herr Director $" DaZ ist sie allerdings." meinte de, Vater, der sich vor Lachen kaum halten konnte, und er Dgte in guter Laurn hinzu: Sie hätten aber meine Tocht dreist zum Militär ausheben können, das Maß hat sie!" Saö Drama von Homettead, oder wie der Milizsoldat Jams an den Daumen ausgehängt wurde, weil er ein Hoch auf den Anarchisten Bergmann nach dessen Mordangriff aus Präsident grick ausgebracht hatte. to k Wr Seit fünf Jahren habe lch Sit nicht gesehen, mein lieber Herr Mascher! Was Ist denn aus Ihrem Uemen Ber hältniß mit Frl. Crusoe geworden, dii Sie damals so stramm poussirten? Frl. Crusoe ja. die hat aufge' hört zu eristiren. Ach. du mein Himmel! Doch ntchl etwa todt, das arme Mädchen? Nein, aber verheirathet. Und Sie haben das überlebt Hoffentlich , haben Sie ihr Ihre Freundschaft geschenkt? Keineswegs. Ste hat mich gehet rathet. Der kleine Verrätber. Onkel: Diese Nacht ,, habe, ich wieder kein Auae zuaetban!" DanS: Acb. dann bekommt Mama auch noch, kein neues Kleid!" ,, , Onkel: Wieso denn?" HanS?' Nun, Papa ? hüt doch gesagt. , m -, -'. . .. f. , w. i-, - , vas veiame ne niazi eyer, aiz viS mal die Augen zuthätest!-
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Eine (ZrvschaftSgeschtchte.
Vor der zweiten Civilkammer des Pariser Scine-Gerichtshofs ist diese? Tage ein wunderlicher Proceß zu Ende geführt worden. Es handelte sich um die Hinterlassenschaft einer Frau von ?)von. deren Unidersalerbe Herr von Grandchamp ist. Die Erbschaft wurde Von Frau von Tregomain. der Tochter der Frau von Vvon. dem Legtar, Herrn von Grandchamp, streitig ge macht. Bis zu ihrer legten Stunde,"ja sogar über das Grab hinaus, hatte Frau von Vvon bcstrittcn, die Mutter der Frau von Tregomain zu sein. Seit sünfpnddrcißig Jahren verfolgte sie diese mit einem unbesieglichen Haß, dessen lehter Ausdruck darin bestand, daß sie ihr gesammtes Vermögen einem Fremden vermachtz. Die lange Ge schichte der Processe zwischen Frau von Vvon und ihrer Tochter gleicht einem Roman. Im Monat Juli 1856 Frau von Vvon hieß damals noch Wittwe Smith nach ihrem ersten Gat ten flüchtete Fräulein Frcderica Smith aus dem mütterlichen Hause nnd schloß sich in ein Kloster von Picpu ein. Sterblich verliebt in einen armen Edelmann, Herrn von Tregomain, den die Mutter nicht als Schwiegersohn annehmen wollte, erwartete das junge Mädchen seine Großjährigkeit, um sich dem Widerstande der Mutter zu ent ziehen. Frau Smith verlor nachein ander zwei Proccste. Die Gerichtshöfe lehnten es ab, das junge Mädchen in das mütterliche Haus zurückzuführen und sie sprachen Fräulein Frederica Smith eine jährliche Pension von drei tausend Francs zu. Einige Monate später richtete das junge Mädchen die .achtungsvolle Aufforderung" an feine Mutter, und es kam endlich dazu, den Mann zu heirathen, den sie liebte. Fünfzehn Jahre gingen vorüber. Im Jahre 1671 wurde Herr von ,rego main in der Schlacht von Mans ge tödtet. Er ließ feine Wittwe in den allerdürftigsten Vcrhättnisten zurück Vergeblich erbat Frau von Tregomain von. ihrer Mutter eine kleine Rente, die ihr den nothwendigsten Lebensunterhalt gewähren sollte. Frau Smith, die in zwischen zum zweiten Male, mit einem Herrn von Vvon. sich verheirathet hatte. blieb allen Bitten taub und Frau von Tregomain mutzte sich an die Gerichte wenden. Der erneute Familienzwist brachte den Richtern eine thealermaßige Ueberraschung. Frau von Vvon tt klärte plötzlich, daß Frau von Trego main gar nicht ihre Tochter sei. Im Jahre 1832, so erzählte sie, sei sie mit ihrem ersten Gatten ln England gereist und habe in einem Arbeitshaufe von S ustcr ein Waisen Mädchen von vier bis fünf Monaten, das unter dem Namen Marie Anna Ehaple cingetra qen war, zu sich genommen. Frau von Vvon, welche kinderlos, auch nach dem van ihr beigebrachten Zeugniß mehre rer Aerzte niemals Mutter gewesen, sügte hin,, daß sie das Kind adoptirt habe, daß sie ihm die glänzendste Er ziehung gegeben und daß endlich die Undankbarkeit, die das Waiscnmädchen ihr gegenüber an den gelegt, sie zwinge. die romanhafte Geschichte, die sie sür immer für sich habe behalten wollen, vor die Gerichte zu bringen. Dieser Proceß, in welchem Frau von Vvon ihre Mutterschaft in Abrede stellen wollte, spielte im Jahre 1873. Frau von Vvon wurde in allen Instanzen zurückgewiesen. Das eineTnbunal. der Gerichts hos von Paris und der oberste Gerichts Hof entschieden übereinstimmend, daß Frau von Tregomain das legitime Kind der Frau von Vvon bleibe, da der an gebliche wieklichs Geburtsschein der Frau von Tregomain nicht beigebracht war und auch nichtbeigebracht werden könne. MedicinifcheS Gutachten gegen mediel nische Gutachten aufbietend, bezog sich Frau von Tregomain auf das Zeugnlö des Dr. PerkinS, der kurz vor ihrer Ge burt auf einer Reise ihre Mutter in dem Zustande vorgeschrittener Hoffnung ae sehen und von meier. die damals Frau Smith war, kurz darauf erfahren hatte, daß ie Mutter einesZwillingspaares ge worden, eine Knaben, der in der Wiege gqiuiuui, uiiu cuict -iinurc tfrcoauu. Frau von Tregomain brachte ferner in Erinnerung, dak Frau Smith zu der -In t. k cy ii,. Zeit, da es sich um den Widerspruch ge gen die Ehe der Tochter handelte, weit davon, die cqtmltat lyrer lzZeburr an zufechten, olle Rechte, welche die Mutter schast verleiht, m Anspruch genommen hatte. Um die Tochter wieder in ihr Haus zu bringen. Nach dreijährigem Streit entschied der oberste Gerichtshof, daß Frau von Tregomain dieTochtetder Frau Smith, der jetzigen Frau von Vvon, sei. Doch aus dem Herzen der alten Dame wollte der Haß, der sich th rer bemächtigt hatte.nicht weichen. Frau von Vvon lebte noch fünfzehn Jahre; sie weigerte sich, Frau von Tregomain wiederzusehen, weigerte sich, sie als ihre Tochter anzuerkennen, und als sie 1891 starb, fetzte sie als Universalerben einen Freund ihrer Familie, Herrn von Grandchamp, ein, unter vollständiger Enterbung Derjenigen.die sie für immer aus ihrem yauje verbannt hatte. Die ses Testament war es. welches dieEivil kammer des Seine-TribunalS soeben für nichtig erklärt hatte. Herr von Grandchamp machte den, Versuch, du allen Processe wlkderzil erneuttn,indcm er den Beweis anbot. daß1!e ngebllchi Tochter der Frau. Smith das Finde! lind aus dem Arbeitshause in d Grafschaft Süßer fci. , Der GeriÄtsho entgegnete, daß ros judioata votUege, daß gerichllich die Tochkerschast der Frau Treaomam seit fünfzehn Jahren ftae stellt sei. Das Gericht sprach Herr, von ' Grandchamp das Recht ab. 1 dit Erbschast anzutreten, so lange nicht Frau von Tregomain den VflichUbeit erhalte, aus welchen sie untere allen Umständen Anspruch habe., , 1 Schildkröten werben
über 250 Jahre alt.
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Die Pyramide zu HaWara. In einer Beschreibung de? Pyramide von Hawara erzählt Heinrich Brugsch in der Voft. Ztg." von einem from men Betrug vor vielen tausend Iah rcn: Die alte Pyramide mit ihrer schwärzlichen Färbung und ihren der' schwommenen Kantenlmlen macht heut zutage den Findruck eines gewaltigen ErdhauseS von pyramidaler Gestalt. Die Ziegel, aus welchen sie vor beinahk 4000 Jahren, aufgeführt worden ist, wurden aus Rilschlamm gebildet, der in Formen gestriche und an der onni getrocknet wurde. Auf der Höhe deß Wüstenplatcaus von Hawara gibt es weder Erde noch Wasier und wir wer den fast unwillkürlich zu der Annahm genöthigt, daß die ausgeschichteten ten massen des MörisSee. als dessen Ur Heber der Erbauer der Pyramide. König Amenemhe III.. genannt wird, das Material zum Bau der Pyramide her geliehen haben. Es wäre ein interessantes, leiG durchführbares Ncchenercwpel. den tu bischen Inhalt der Pyramide zahlen mäßig festzustellen und mit dem aus geschichteten Hohlum des Sees mit seiner Oberflüche von einer halben geo graphischen Quadratmcile in Verbin dung zu bringen. Äeine Annahme hat insofern ihren guten Hintergrund als der alte Herodot, welcher den Morissee mit eigenen Augen gesehen hatt?. in seiner Schilderung desselben die auffallende Bemerkung mit unterlsufen läßt, er habe an Ort und Stelle ge hört, daß der See von Menschenhand gegraben wäre, wunderte sich tedoch darüber, daß er nirgends eine Spur von. Schutthaufen an den Randern desselben wahrnehmen konnte. DaZ war natürlich, wenn man meine ausgesprochene Vermuthung berücksichtigen will. Das Besteigen der Pyramide bietet in der Gegenwart kerne schrote rigkeiten dar und kann auf ausgetrcte nem Wege in kaum zehn Minuten bis zur breiten Spitze zurückgelegt werden. Arabische Bauern und Bäuerinnen aus der Umgegend machen nicht selten eine Landpartie, deren Ziel das Erklettern der Pyramide ist. In langen Linien sieht man Männer nnd Weiber im Gänsemarsch den wenig steilen Erdhaufen hinaufzicben. um sich vou der Höhe aus des zu ihren Füßen liegenden Rundbildes zu erfreuen. Der Blick nach Norden hin sch:vcist weit über ein sandiges ziemlich glattes Ter rain, das nur an einzelnen stellen vmr welligen Höhenzügen und Hügeln unterbrcchm wird. Ich rechne dazu die ein wenig östlich in hzidztündiger Entscri'.unz gelegenen Sandketlcn, die in ihrem Innern die Grabstättt-n unzähli ge? einbalsamirter Krokodilleiber bcrzen. Der Mehrzahl nach s:nd es zunge Thiere, die man in einer Umhegnng oon kleinen Palmcnbaumstcnaeln an diesem Platze dem Boden der Wüste bergab. Emrne Ausgrabungen lieben mich die Beobachtung machen, daß sich in 50 Fällen statt des erwarteten ho kodilchens nur ein Haufen zusammen gebundener Lappen befand, deren Kern ein Zahn oder Knochenstück aus dem Rachen eines ausgewachzenen Thieres war. Es handelt sich offenbar um einen rommen Betrug, da sich ganz ähnliche Zrscheinungen bei den Jbi und Kahenmumien auf der memphitischen ?!ekropolis bei Salkarah wiederholten. Wer ein Gelübde zu erfüllen hatte oder ein verdienstliches Werk verrichten sollte, überlieferte einem Priester du kosten zur Einbalsamirung eines hei ligen Thieres in baarer Münze. Da der Leichnam eines sslchen nicht immer zur Stelle oder der Vorrath erschöpft war. so pahm man seine Zuflucht zu einer Täuschung, ohne das Gewnien des Opfernden dadurch zu belasten. Er wume eben nichts von dem untcrgezcho denen Zahn oder selbst von dem cinge schmuggelten Holzstückchcn. Das Krokodil stand bei den rbemal! aen Bewohnern des hentigen Fanum in dem Gerüche besonderer Heiligkeit. Auch der Schutzpatron der damaligen yrovknz (die späteren nannten nc Ar,'inoites) wurde mit. dem Kopfe eines Krokodils adgebildct und selbst die Hauptstadt und Hauptstätte feines Cultus, deren mächtige Trümmerhau fcn im Norden der heutigen Metropolis sUMedmeh zerstreut sind, nach dem . skrokodilgotte Crocodilpoli getauft. Die Hügelhaufen, welche in gerader Richtung nördlich von der beschriedMen . . . .r. . x . 'Mrannoc gelegen ymo, Myorien 3:1: ci zeitlich unterschiedenen Leichenäckern für verstorbene Bewohner der oben genann ten Hauptstadt und der Ortschaften in ihrer Umgebung an. Die Altere Re kropole, in unmittelbarer Nähe der Pyramide, bürg die Leichen der Gene rationen aus den Pharaomnzciten in sich. In , einer Seltenkammer tiefte in den Fels der Tiefe gemeißelter Schachte oder Brunnen, stand de?, Sarg mit der Mumie eines Werstorde nen. Die Brunnen wurden von, den ' nachkommenden Geschlechtern üusge,"' räumt und ihres Inhaltes beraubt. beuttge i Ausgrabungen .. an dieser Stätte sind deshalb nutzlos, denn sie' führen nur zu ausgeplündert.n Grad kammern. . "' " fi!! Das liebt ibm Sbnlicbl Seraeant: Was tbun Sie: EiniadriaerZ Mandelblüh', wenn Sie, auf , einer vchleichpatrouiUe plötzlich von allen Seiten vom Feinde,, angegriffen wer en?, Mandelblüh': Dann thu' ich mein Testament machen! Menschenwürde. Nicbter Dok Sie im Stande sein würden, die sen Diebstahl zu begehen, hatte ich nicbt geglaubt. :, vingeuagttr: ü. dkv Mensch kann Alles, wenn er nur den. rechten Willen dazu hat. Ku nst v er st ä nd n i ß. Haus srau: cun Nieie. wie hat Vn? denn lestern Abend Lobenarin aekallen? . I&iele: Ganz gut. Madame, aber durch ! -:. . i-v r: t : 1 rt I Sie ournrnc 'i'cuin yave icy tkln Looriz :- ': n -sfc'ii! si,. , . ...
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