Indiana Tribüne, Volume 15, Number 328, Indianapolis, Marion County, 14 August 1892 — Page 5
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Cln itar!snischcr H:,s ZNo.!. Man schreibt aus Bologna: In: Jr renhaus von Nccera ist dieser Tae Carlo Cafiero gestorben. Tc? Lcbcns lauf' des Verstorbenen nimmt sich aus wie ein Sternen. Cafiero stammt aus Barletto. Das Vermögen sci:ies Vcters zählte nach Millionen, und der junge Carlo genoß eine ungemein sorgfaltige, feine Erziehung. Er führte bis zu seinem 24. Jahre das galante Leben der meisten jungen reichen Jtallener. Ende der 60er Jahre unter nahm er eine Reise nach England und wurde dort mit Karl Marx bekannt. Von dieser Zeir an wandte er sich mit glühendem Eifer der socialistischen Agitation zu. Nach Italien zurückgekehrt, verwendete er seine ganze Kraft und seine reichen Mittel aus die Ausbreitung soclallftlschcr Ideen unter den italienischen Arbeitern. Er gründete in Neapel die Gam pana",' daZ erste Arbciterblatt in Jtalien. Ais dann im Schooße der In ternationalen Arbciterasscciation die beiannte Spaltung zwischen Socialisten und Anarchisten aufbrach, sagte er sich von ''stari ! Marr los und hielt zu Bakunin, deffcn schwärmerische Ergüffe seiner südlichen Phantasie mehr zusagten, als das vrosaisctc und nüchterne Marx'fche Tenlsystem. und der außerdem seine krankhafte Eitelkeit geschickt auszubeuten verstand, indem er ihn als eines der Haupte?" seine r Internationalen proclamirte. Er stiftete mit GambUM. Eovelli und Malatesta einen socialiftifchen Geheimbund und unterhielt lange Zeit enge Beziehungen zu Baku nin, für dessen unstillbare Geldbedürfmsie feine Börse jederzeit offen stand. Baku nin vcrhalf ihm dafür zu einer Frau. Es war freilich eine seltsame Ehe, die Caficro mit der jungen Nihi liftin Olimpiade Kutusosf schloß. Sie heirathetcn einander in Mailand auf dem Municipio, nachdem sie sich wenige Tage vorher zum ersten Male gesehen. Eine halbe Stunde nach der Vermahlung sagten sie einander Lebewohl, und ihre Wege haben sich dann länger aL ein Jahrzehnt nicht raechr gekreuzt Die Vermahlung war nur ein Mit. tel gewesen, um Olimpiade Kutusoff zur Italienerin zu machen und ihre etwaige Austicfcrung an Rußland zn verhindern. In den siebziger Jahren wanderte Easiero von einem italicni scheu Gefängniß in das andere. 1872 wurde er in Bologna verhaftet, 1874 in Tran:. 1870 in Benevent. Der ewigen Verfolgung müde und wohl auch entrnuthigt durch den mangelnden Erfolg semer Agitation, wanderte er nach Genf aus. Dort Wachte er sich mit den Werken Jean Jacques Rousjeaus bekannt, und des Genfer Philosophen .ttsvenons a la nataie!" ergriff ihn so mächtig, daß tt sich selbst von dieser Zeit ab der denkbar größten Bcdürfnißkosigkeit de fleißigte. Von den Rousseau'schcn Ideen gefesselt, gelangte er jetzt zu dem Glau den, daß das Heil der Menschheit nur in der möglichsten Vereinfachung der Lebensführung des Einzelnen zu suchen sei. Der Widerspruch, in welchen ihn diese neue Wandlung zu dem ganzen Inhalt seines Lebens fetzte, führte den Unglücklichen zum Wahnsinn. Er 4vurde nach Bologna gebracht und dort in ein Jrrenbaus eingeschlossen. So bald Olimpiade Kutusoff erfuhr, mtU ches Unglück ihrem Gemahle- zugesto ßen sei. eilte sie nach Bologna. Es gelang auch ihrer Energie, die Befreiung Easieros aus dem Irrenhause durchzusetzen. Sie Pflegte iljn etwa 2 Jahre mit unendlicher jfooauer und Geduld. aber da sich das Leiden des Unglück l'chen stetig verschlimmerte, mußte sie schließlich einwilligen, daß er dem Jrrenhaus wioer übergeben werde. Tort ih c: s anlangst gestorben. (Die Freunde Carlo Eafieros pflegten ihn als den Laffüüe Italiens" zu feiern; es fehlte ihm jedoch zu einer derartigen Rolle nicht weniger als Alles. Sein Eharakte?, sein Entwicklungsgang und feine Wirksamkeit lassen ihn eher mit Johann Most vergleichen.) Tie russischen ttosackcn. Man schreibt der Kölnischen Vol?5. zeitung" : Genaue Kenner der russischen Armee behaupten, daß die Kosacken viel von ihren früheren kriegerischen Eigen sch asten eingebüßt haben, wenn auch immerbin beute noch kriegerischer Geist in den Kosacken-Truppentheilen lebt, welcher durch die Ueberlieferungen der fritheren Zeit, durch die besonderen Bedingungen zur Ableistung der Dienstpflicht, sowie durch die eigenartige Ein richtung ihrer Verwaltung belebt und erhalten wird. Dieser kriegerische Geist und die gewissermaßen angeborene Reitkunst machen die Kosackentruppen zu iner unersclichen Quelle für die Bildung eine? zahlreichen Reiterei, welche an Zahl die gesammte Reiterei des Dreibundes übertrifft, und die besonsers zu Unternehmungen, wie der Parttigangerkrieg, der Sicherheitsdienst fc. s. w. sie mit sich bringen, geeignet erscheinen, dagegen im Reiterkampfeder Feldschlachten regulärer Reiterei nicht Stand zu halten vermögen. An kriegerischem Geist haben die Ko sacken dadurch eine namhafte Einbuße litten, daß seit Peter dem Großen bis cuf die neueste Zeit fortwährend völlig friedliche Elemente - den Kofackenhceren zugetheilt worden sind, so daß allein die europäischen Kosacken heute 7L2Sotmcn (Schwadronen) in'S Feld stellen können. Die NachZsmmcn jener ersten Kofackm. welche n den Grenzen des Reiche in steten Kämpsm mit den Muselmanen durch ihre Kriegsthaten glänzten, bi!. den gegenwärtig nur einen verschwin denden Bruchtheik der Kosackcnheere. Am meisten haben sich Zn den kaukastscheu Heeren kriegerische Tugenden erhalten, und zwar in Folge des bis in die neuere Zeit fortgesetzten Kampfes M den Bergodlkern aberLerade dich
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Kosackenhcere traben ihre Bedeutung für die russische Äcittrci durch dcn großen Mangel an dieusttallglichen Pferden eingebüßt. Nicht nur. daß durch den M angcl au - brauchbaren Pferden eine Aufstellung der Regimenter des dritten Aufgebotes beim Kuban- und Tarek-Hecrc vöLig in Frage gestellt ist. auch die Regimenter d zweiten Aufgebotes dieser beiden Heere werden mit Rücksicht auf Pferdemateria! kaum den Anforderungen eines Krieges genügen. In Woycnny Sbornik heißt es über die Gefcchtsausrüstung i der Kttban-Kolacken: Obgleich dieRe- ! gimenter zweiten Aufgebotes stets ihre VOU? Ausrüstung bereit haben ist ihr , ,j - - i V I Pferdemnterial dennoch ein derartia un.( genügendes, van es im Zvalle einer j Mobilmachung doch etwas gewagt wäre. ne an einem clozuge thettnehmcn zu lassen.- Unter solchen Verhältnißen erscheint auch die angeborene Reitkunst der Kosacken wenigstens bei diesen Heeren nur als ein scheinbarer Vorzug, und man braucht sich bei uns keine? 5e sonderen Kosackcnfurch! für den Kriegs fall hi.ViUgcdem Ungekiängte Hochverrüther. Einige ungehängte Hochderröth:?aus den Jahren 1843 u. '49 haben eS. troi der ihnen nachgefandtenSteckdriefe. im Laufe der Zeit doch zu Ehren unk Ansehen gebrocht. Aus dem Amtsblatt der Düsseldorfe Regierung werden jetzt in einer Zu schnft an die .RHeln..Westfäl. Ztg. die Steckbriefe reproducirt, welche im Jahre 1849 gegen den Dichter Gottfried Kinkel und seinen späteren Befreier Karl Schurz, den bei seiner Wiederkehr nach Europa hochwillkommenen Galt des Reichskanzlers Fürsten Vismara" erlassen worden. In No. 33 vom 2 Juni 184H 8. 253 steht zu lesen: De außerordentliche Professor Dr. Gottf. Kinkel ist Hierselbst wegen der Beschul digung an einem auf Bewaffnung ge gen 'die versassnngsmäßige Negierungs gewalt gerichteten Eomplot Theil gcnommen. sowie sich an die Spitze einer bewaffneten Bande gestellt zu haben, um die in dem öffentlichen Zeughause zu Siegöurg aufbewahrten Waffen zu plündern, zur Untersuchung gezogen worden, hat sich jedoch der Vollstreckung des durch den Herrn Jnstructionsnchter gegen ihn erlassenen Vorsührungsbefebls durch die Flucht entzogen. Unter Mittheilung des Signalements des pp. Kinkel ersuche ich daher sämmtliche Polizeibebörden. auf denselben zu wachen, ihn im VetrctungsfaLe zu verhaften und mir vorzuführen. Bonn, den 13. I Mai 1349. Der Staatsprocurator: Weyers. Signalement: Alter drciuüddreißig Jahre. Größe 5 Fuß 9 Zoll. Haare schwarz, Stirn gewöhnlich. Augen brauen schwarz. Augen braun, Nase länglich. Mund gewohnlich. Backen-, Kinn- und Schnurrbart schwarz. Kinn oval. Gesichtsdildung oval, Gesichts färbe gesund. Gestalt groß und stark." Den Steckbrief gegen Schurz bringt die No. 41 vom 14. Juni 1849. Der selbe steht auf Seite 278 und lautet wörtlich: Carl Schurz. Studios der Philosophie. un Friedrich Kamm, frü her Bürstenmacher, jetzt Wirth, beide zu Bonn wohnhaft, sind Hierselbst wegen der Beschuldiqnng an einem aus Be waffnung gegen die vcrfafsungsmäßigk Regierungsgewalt gerichteten Eomploi theilgenommen zu haben, zur linier such un g gezogen worden, haben sich jedoch der Vollstreckung des durch den Herrn Jnstructionsrichter gegen sie er kasienen Berhaftungsdcfehts durch Die Flucht entzogen. Unter Mittheilung des Signalements des pp. Schürz und des pp. KS?N!N ersuche ich sämmtliche Polizeibehörden, auf dieselben -zu wachen, sie im Bctrctungsfallc zu der haften und mir vorzuführen. Bonn, den 4. Juui 1849. Der Staatsprocu rator: Wehcrs. Signalcznent des Schurz: Alter 20 Jahre. Größe 5 Fuß 9 Zoll, Haare blond. Stirn frei, Au. gen brauen blond. Augen grau. Nase klein. Mund gewöhnlich. Schnurrbart noch sehr schwach. Kinn länglich und etwas hervorstehend. Gesicht länglich. Gesichtsfarbe gesund, Statur schlank und pflegte eine Brille zu tragen.- Das Signalement des Wirthes Kamm lassen Dlr als neoeniächlich weg. "X3T ie Monarchen ans den Gilvert Inseln. Der auf Samoa ansässige Amerikaner. A. L. Stevenson hat im Jahre 1891 verschiedene kleinere Inselgruppen der Sudjec besucht und darüber unter dem Titel Life under the Equa tor berichtet. Das im Nachstehenden nach dem Globus Mitgeteilte, welches die Zqjketumg des altheimischen Lebens durch den Einfluß der Weißen schildert, ist diesen Berichten entnommen. Ste venson nahm einen längeren Aufenthakt auf der Insel Butaritari. wo zwei Finnen aus San Irancisco, die Her ren Erawsord und Wightman Aro tbers. Handelsniederlassungen haben. Es und im Ganzen etwa 15 aanz I flache, mit Kokosnußvalmen bedeckte Jniekn. me:st Atolls, wodurch Nch auch der Untergang von 80 Eingeborenen, bei Gelegenheit oer im vorigen Jahre erfolgten Springfluth. erklärt. Von einem der kleinen Königreiche, Großund Klein'Makin. zu dem Butaritari gehört, entwirft der Reisende eine an ziehende Schilderung. Es umfaßt etwa ?000 Unterthanen und stand nach dem Tode Tetimarora'S unter vier Brüdern sie der Reihe nach einander aus dem I Throne folgten. Der eine dieser vier Brüder, Rakaeia. ar ein gemaltthätiger Herr, ließ seine Unterthanen als Kaufmann uud Pflan zcr kür sich arbeiten,! feierte auch gelegentlich Gelage mit rhnen. bei denen der Branntwein floß, hielt -sich einen ! Harem von Frauen, die , ihm" zugleich als Ruderinnen dienten und bei Todesstrafe von Keinem angesehen werden durften, galt aber bei Allen als vol!. kommener Gentleman wenn er nüch kern war. ... - .
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Nantälei. sein Nachfolger, ging stet mit' dem Revolver im Lederbeutel um her, vermietete seinen aus 17 Frauen bestehenden Harem auch zu Handwer kerdicnften an Weiße, wie denn die Maurerarbeiten an dem von der Firma Wightman erbauten Hafcndamm in Butaritari und der Veranda das Werk der 17 Königinnen war. Unter ihm ließen sich zwei hawaiische Missionäre daselbst nieder, die anfangs geduldet, später bedroht, dann wieder zurückberufen wurden und endlich Einfluß auf den König gewannen, so daß dieser mit seinem Hause zum Christenthum übertrat und seinen Harem auflöste. Durch die Entlassung von sechszehn Königinnen, von denen zwei späte! einen Matrosen aus Hawaii heirathe ten. nacheinander aber von ihm ver stoßen wurden, verlor der König seinen Wohlstand, seine Macht und die Freundschaft der Verwandten der Königinnen. was aber erst seinem Nach folgcr fühlbar wurde. Als Rantelei an Ehloroform starb, brach die Revolu tion aus. Tie Alton", ( die früher das Recht hatten, in dem ..SprechHause" mit dem König zu sitzen und zu debattircn. bis dieser Schluß machte), unzufrieden mit Nakacias Alleinherr schaft. mit den späteren Veränderungen und mit Mikas Einfluß, machten dem König seinen Anhang abspenstig und nahmen ihn gefangen. In der Zeit waren fast überall in der Gruppe die Könige ermordet, und auf Tapetuea hängt noch jetzt das Skelett des letzten Königs in dem Hauptsprechhause der Jnfel; Nabakatokia war glücklicher, be hielt sein Leben und Titel und verlor nur seine Macht, während die Altenein großes Sprcchfest feierten, die Ge setze änderten und den König in Schul im stürzten. Als er 1890 starb, sah man crwar tungsvoll auf den letzten der vier Brü der. den noch jetzt regierenden Teburci' moa. der einen erwachsenen Sohn Na tiata und eine dreijährige Tochter hatte, als Held der Familie galt und in frü heren Zeiten durch grausame Gewalt thaten sich den Beinamen Natemat. d. h. Leichnam, erwarb. Aber der einst so Gefürchtet? fürchtete jetzt, durch Opiumgenuß geschwächt, die Alten. Der Reisende traf ilm auf Matten am Boden liegend und in der Gilbertinfeln Bibel lesend. Da er außer dem Nieß brauch dcr wegen Geldstrafen gepfänoe ten Ländcreicn kein Land besitzt, er auch nicht mehr reiche Erbinnen heirathen kann, geht er sparsam zu Wege. Fremde' Händler zahlen ihm für ein Patent 100 Toll., seine 2000 Unter, thancn Kopfsteuern von 1 Toll, pro Mann, $ Doll. pro Frau, 1 Schill. pro Kind, so daß er mit seinen 300 Pfd. Sterl. Jahreseinkommen seine bcschei' denen Bedürfnisse befreiten kann, wit er denn seiner Frau ein Seidenkleid und einen Hut von unbekannter Mode, sich selbst für 300 Doll. eine Uniform kaufte, seines Bruders Photographie in San Francisco für 250 Doll. vergrö ßern ließ, dessen Schulden bezahlte unl doch noch Geld behielt. Als geschickte, ZMmermann arbeitet er gelegentlich am Holzwerk seines Palastes. Der Sitynev ersuch. Im Arbeitszimmer des mildgütigen alten Geistlichen, des Herrn Pastor K., befand sich das Schneider Grieskorn'sche Ehepaar, ültcre Leute schon, die auf Scheidung geklagt hatten. Pastor K. wollte als Seeelforger mit den beiden streitenden Parteien einen letzten Sühncvcrsuch machen. 'Es war Sonntag, nach der Predigt. K. fühlte sich ermüdet und abgespannt, aber nichtsdestoweniger redete er ernst und eindringlich und eifrig auf das grollende Paar ein. Seht!" sagte er unter Anderem: Wenn Ihr nur strenger schr wolltet gegen Euch selbst und nachsichtiger mit den Schwächen und Fehlern des An oern, dann würdet Ihr wie im Him mel leben. Der Verträgliche und Sanftmüthige vermag mit dem Zanksüchtigsten auszukommen, und es wird ihm das zu feinem zeitigen und ewigen Heile gereichen!" Je' ja. Herr Pastur. das is all' gut und schön," nahm nun der ehrenwerthe Schneidermeister das Wort. Ick möcht ooch woll geern sanftmäudig sin, wer ja dabei zeigte er mit dem Dau wen rückwärts über seine Schulter hin weg auf seine mißmüthig dreinschauende Lebensgefährtin sei will ja abslut urtmer und ewig das letzte Wort haben. und das brauche ich mir nicht gefallen zu lanen; das hab' ich satt." So! So?" rief die Frau dazwi schen. Ader ich. ich soll mir natürlich Alles gefallen laen. Alles! Borge stern erst oh, der Herr Pastor kann Alles Witzen vorgestern Mitten ln dem nun folgenden Rede schwall der Erregten öffnete sich leise und vorsichtig die knarrende Zimmer thür. Der offenbar vom Küchenfmer stärker geröthcte Kopf einer ältlichen Dunstmagd schob sich rn die Spalte, öffnete den zahnlosen Mund und bal mit schüchterner Stimme: Ooch, Herr Pastur." (Das doch soll Ach" heißen.) Makew Se doch een End! De Supp' sieiht all up'n Disch." Ja wohl, Mine! Schön, schön.. Ich werde sogleich kommen." sagte und dann, zu seinen Beichtkindern gewendet, fuhr er fort: Bedenkt doch, Ihr lieben Zwei, daß wir Menschen zu unserer Vervollkomm nung hier aus Erden sind, und vor Allein daß Denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Fin Jeder von uns hat sein Kreuz zu tragen; des Einen ist schwerer, des An deren leichter; aber es ist das rechte für Jeden, und wenn nur Mieder öffnete sich die Thür, etwas weniger leise und behutsam' und Mine ries hinein, ebenfalls in 'etwas geste! aertem Affekt: : Ooch. Herr Pastur! Ick bidd Sei .. ..'kamen's doch! Sei weten ja'.V.. uns'.Gaus!" lGanS - '
..GlttH, gleit?, Mine.- nickte K. anst hinüber zur alten Magd, die sich opfschüttelnd und mit unheilverkün
)end?m Gesichtsausdruck fchweigend zu rückzog. Nur wenige Worte noch, Ihr Lie ben," fuhr nun der Pastor in seinem Lersöhnungseiler fort. Laßt es mich kurz.machen: in Gottes Namen: ver tragt Euch wieder! Reicht Euch vor mir, wie einst vor dem Altar, die Hände und bleibt einander treu zur Seite, im Aück und Unglück, in Freude und in Leid, bis einst der Tod Euch scheidet. Ziott lhat Euren Bund reich gesegnet. Vier Kinde? habt Ihr zu braven, tüch' tigen Menschen groß gezogen. . .. sie sind alle selbstständig, ich weiß es. sie bedürfen Eurer nicht mehr.... aber anstatt Euch nu enger und enger an nnander zu schließen und dankbar auf Fuer Leben zurückzublicken, habt Ihr Fuch verbittern lassen, und wo einst varme Zuneigung wohnte in Euren herzen: da wollt Ihr Groll und Erbittprung Haufen lassen? Bedenkt. snas das hn&t. Geht in Euch, versöhnt Euck." Nee." sagte Grieskorn. ,.Sie is mir zu hitzig: geht immer los wie een sllet Schleggewehr. Das vertrag ich .ilch. L)azu bin ich schon zu sehr in öe Johren." ..So?" rief Frau Grieskorn. Und ich bin woll noch zun g und soll zu Allem immer den Mund halten und die Augen zumachen?" So ging es höchst unerquicklich ein Weilchen fort. Schon fürchtete K.. daß alle seine Bemühungen, das Paar versöhnt ans seinem Hauze gehen zu ehen. vergeblich sem würden, da önnete sich zum dritten Mal die Zimmerthür. Eine kräftige Hand hatte die Klinke niedergedrückt und den Flügel zu voller Weite geöffnet, so daß man in seinem Rahmen, einem Bilde gleich, eine große, stattliche Frauengestatt gewahrte, die mit funkelnden Augen auf Pastor K. uno e:ne criazroaenen elwilinver blickte und die Hände in die Seite stemmend ärgerlich ausrief: Na. zum Kukuk. Willem! Wirst Du d:nn nun endlich zum Esscn kommen? Du redest doch nur für die Ka'"! Wenn die GrieslornS sich nicht vertragen können, so ist das ihre Sache. Un ser Gänsebraten soll darum noch lange nickt verbrennen!" Einen Augenblick blieb Alles still nach dieser seltsamen Ansprache. Pastor K. röuspsrte sich wiederholk und sah ein wenig verduft aus. Ei überlegte noch, was er sagen sollte, als zum Glück der Schneidermeister schon das Wort ergriff. Heiteren Auges trat er vor seine Gat tin. streckte ihr beide Hände entgegen und sagte liebevoll: Na. Olle, laß gut sein, wollen uns vertragen! Nu weeß ick's. Tu bist die Schlimmste noch lange rnchr ' Und schluchzend fiel Frau Grieskorn ihrem Ehemanne in die Arme. Der Sühncversuch war glänzend ae lungcn. Die Grieskorns Haben nie wieder an Scheidung gedacht. Um ein Vtttterlsro's. Folgende Geschichte die, wenn nicht wahr, so doch jedenfalls niedllch erfunden ist, erzählt ein Berliner Be richterstatter. Vor etwa zwei Monaten wars. da saß ein ärmlich, aber sauber gekleideter Mann auf einer Bank der Gartenanlage in Berlin, in welcher das 3jährige Töchterchen nes Subaltern beamtcn alltäglich in den Vormittags stunden ihr Butterbrod aß und kind liches Spiel trieb. Der Mann erregte ibrc Aufmcrkfamkeit. Er blickte sc trübe und düster zu Boden gewiß. er hatte Hunger. Sie faßte sich ein Herz und trat auf ihn zu: Willst Du auch ein Stück Buttervrod?" und cnt. schloffen brach sie die Hälfte von ihrem Brode ab und reichte sie ihm. Er sah verdutzt auf ein Lächeln glitt über seine verhärmten Züge. Ich danke Dir. mein Kind" und er nahm das Stückchen Butterbrsd und aß es, und Beide lachten einander vergnügt an. Seither wurden sie gute Kameraden. Sie suchte, sobald sie in den Garten kam. scfort nach dem armen Manne", wie sie ihn nannte, und er war glück' lich. wenn das rosige Menschenkind mit ausgebreiteten Aermchen auf ihn zulief. Und ein Stückchen Butterbrod mußte er allemal mitessen wenn es noch so klein war. Vor einigen Tagen blieb er aus. Hcrminchen war untröstlich und zerbrach sich den Kopf, wo der arme Mann" nur sein möchte. Da bekam eines Tages ihr Papa einen Brief von einem Notar, der ihn zu sich bat. Tort erfuhr der Papa mcrlwür dige Dinge. Erstlich, daß der arme Mann" gar kein armer Mann war, sondern ein sehr wohlhabender. Zum Zweiten, daß er die kleine Hermine zu seiner Erbin gemacht habe. Zum Tritten, daß er einen Brief hinterließ, in welchem zu lesen stand: Ich hatt an aller Welt verzweifelt; denn die mir die Liebsten waren, haben Mich bctro gen. Ich hatte Allem entsagt; denn was ich wollte, konnte ,ch nicht haben. Ich habe mich dem Geize ergeben, denn meine Freigebigkeit hat mir nur Un dank eingebracht. Knapp vor dem Ende meines Lebens hat mich eine Kin deshanv -mit Macht gefaßt und dem Leben zurückgegeben. Nur für kurze aber wenn ich Millionen zu verae den hätte, wäre dieser Augenblick rnchl zu theuer bezahlt. Vielleicht frommt meiner kleinen Retterin meine Habe mehr als mir. der ich sie uie zu schätzen und zu verwenden wußte.- Und da? Alles um ein Buttcrbrod. Einer Vier neueren Uen füsberich!? gieb! über den Umsang der --I ..i . jf 4. rv-. Presoyieriaiier-nirHe in oen ner. Staaten Aufschluß. Danach giebt es 13,490 Presbyterianer-Gememden im Lande mit 1,278.815 Mitgliedern, ei nem Vermögen von 94.876.233 und 12.462 49jtf0 Kirchengebäuden. Die Presbyteriane? zerfallen in zwölf ver jchiedene Kirchenzemeinschasten.
Gin Stammtisch.Geschichtchett. Huvrk:e von R. v. Wekhenstkin.
In irqend einem kleinen Duodezsür ftenthümchen zwischen den Alpen und oer Nordsee regierte ein Fürstchcn weise und mild, und seine getreuen Untcrtha ncn er kannte sie alle auswendig dem Namen nach erfreuten sich sei uer edlen Negierung. um so mehr, als steuern in diczcm Land ein unbekann !cr Begriff waren den ganzen Mili tär-, Regierungs-, Vcrwaltungsapparat u. s. w. zahlte ja der ürst aus eigener Tasche. Aber da war halt doch Ein?-was nicht so war, wie es eben sein sollte, und was Durchlaucht schon oft irritirt hatte. Ein gemüthlicher und harmloser Prlvaner nämlich hatte von Geburt an die Arroganz, seinem Herrfcher furcht bar ähnlich zn sehen ein Verbrechen. wofür man im Strafgesetzbuch vergeblich einen Paragraphen suchen würde denn wenn heutzutage auch Alles unter den groben Unsug" fallt, das konnte man doch der Idee der lebendigen Gerechtigkeit zu Liebe kaum darunter subsummiren. Aber mißlich war die Sache, und alle Augenblicke kam es zu unangenehmen Verwechselungen. So war es z. B. für den biederen Privatier Müller . älterer- Linie zwar ganz ehrenvoll, aber doch im Allgemeinen unziemlich, daß alle Augen blicke vor ihm unterthänigst Front ge möcht wurde. Kam er bei der Wache vorbei, so wurde schleunigst die ganze Mannschaft in Gewehr gerufen gleichfalls eine hohe Auszeichnung für einen gewöhnlichen Sterblichen, der noch dazu Mülle? hieß; aber abgesehen von der entschiedenen Ueberflüssigkeit dieses Vorganges war es auch sehr störend für den Jour-Habenden Lieute nant, welcher eben solide mit den übn gen Officieren der Garnison Skat klopfte; ja Garnison-, staune nur, geliebter Leser! Tie Residenzstadt" enthielt nämlich eine ganze detachirte Compagnie, welche wahrscheinlich Obacht zu geben hatte, daß das Stadtchcn nicht aus Versehen zum Hauptthor hinausschlüpfe. Seine Excellenz, der Minister Frei' Herr von Haferlguck hatte eigentlich den ganzen Tag fast nichts zu thun, obwohl er in seiner Person eine Unmenge Mi nisterien vereinigte: Cultus (drci Psar rc? und sechs Schullehrcr), Finanz. Inneres. Aeußeres lDiners!). Krieg isiche oben) und öffentliche Arbeiten (die vier Straßen waren sämmtlich zu pflastern). Da somit Herr von Hafcrlguck im Dienste nicht sehr überangestrengt war. so kümmerte er sich cisrig um andere Geschichten gegenwärtig insbesondere um die fatale Müller'. Affaire. Geschehen mußte da etwas, darüber war Se. Excellenz sich im Kla ren; aber was? Man konnte dem gUP ten Privatier kaum verbieten, auf die Straße zu gehen, ebensowenig ging es aber an, ihn zum Tragen einer rothen Schärpe oder eines ähnlichen auffallenden DecorationsgcgenstandeS zu ve:an lassen; überdies haßte von Haferlguck die rothe Farbe; ich bitte dieS aber nicht falsch zu verstehen; er haßte diese Farbe nicht etwa, weil er in irgend welcher Hinsicht Ähnlichkeit gehabt hätte mit jenen Säugethieren, welche im AUgäu in so vorzüglicher Qualität vorkommen nein, er mußte nur bei der rothen Farbe unwillkürlich an Socialdemokrat ten und Barrikaden denken und das ist auch ganz richtig bei einem Staatsminister. Endlich kam dem gequälten Manne eine rettende Idee.- Ja, so mußte es gehen! Er wollte ihn" rufen lassen, und was er thun wollte ja, ja, das wußte er schon. In der Residenzstadt, von welcher ich erzähle, wußte jeder genau, wie viel Eier jeder Bürger jeden Mittag in seine Mehlspeise führen ließ, kein Wunder daher, wenn sich die Nachricht von dem Entschluß Seiner Excellenz sehr bald allenthalben verbreitet hatte. Die Kö chin des Ministers hatte es der Wäscherin erzählt, diese einigen anderen Mäg den u. s. w. Auf Nachmittags zweiUhr war Müller besohlen- oder um authentisch zu berichten höflich gebeten morden man bedenke: Höflich bitten," einen ganz gewöhnlichen Privatier! Der Minister hatte doch manchmal recht schwache Augenblicke! Bor dem v. Haferlguck'fchen .Palais hatte sich um die angegebene Zeit eine große Volksmenge" versammelt ich bitte aber, sich bei diesem Ausdruck kei ncn zu überschwenglichen Vorstellungen hinzugeben und mit Mühe vermochte die Polizeimannschast, welche in ihrer ganzen Stärke von drei Mann aufgeboten war ein vierter Polizist für vierte Straße sollte nächstens ..bcantragt werden" die Ordnung aufrecht zu erhalten. Endlich erschien die PscudoDurchlaucht.ühnlich wie immer; sogar der einfache graue Anzug war ähnlich." Se. Excellenz räusperte sich elegant und begann: Mein lieber Herr von Müller" für den Minister war jeder Mensch entweder von oder überhaupt nicht ,,Sie werden selbst einsehen, daß Ihre fatale Ähnlichkeit mit Seiner Durchlaucht unserem Allergnädigsten Fürsten und Herrn oft zu recht unangenehmen Verwechselungen führt; Sie müssen da irgend etwas thun, nun eben um Seiner Durchlaucht nicht mehr so srapyant gleich zu sehen." .,Wird schwer gehen." Na probieren wir's 'mal, meintb oer Minister mit nochmaligem Räu spern, das aber schon etwas Ungnädig klang, versuchen Sie's mal mit einem etwas anderen Barte. Wird schwer gehen, Excellenz; ich bin Familienvater, und da würden mich meine Kinder schön ouslachen, wenn ich plötzlich mit einem anderen Barte daherkäme." - . . , , Jta," klang d!e bereits sehr ärger?
liche Antwort von Seiten des Ministers, dann ziehen Sie sich doch nicht gar so .. ..einfach an!" Wird schwer gehen, Excellenz, ich
bin nicht in der Lage, mir alle Au genblicke einen neuen Anzug machen zu lassen; Seine Durchlaucht'kann sich viel leichter elegant costümiren, als ich; Sie wiZjen, ich bin Familienva. ter...." Ha. zum Kuckuck!" rief wüthend von Haferlguck, dann lassen Sie wenigstens das so dumme Nachhinken mit dein linken Beine bleiben!!" Ein Bericht über die Erstürmund der BastiUe. Man schreib! aus Paris: Ter .Temps" veröffentlicht eine Darstellung der Einnahme der Bastille, die den bis her noch nicht veröffentlichten Berichten des damaligen Botschafters von Neapel, des Grafen Circello, an seinen Minister entnommen ist. Ter Botschafter schreibt: Das Hotel de ViUs' wo in großer Anzahl die Commissäre der verschiede nen Sectionen vereinigt waren, diente als Hauptquartier, von welchem man die Ordres absandte. Die National garde war nuhlos, da sie weder Wasscn, noch Kanonen, noch Munition hatte. Man machte dem .Volke, welches sich Montag, den 13. Juli, erhoben hatte, den Vorschlag, die Kaserne der Jnvali den einzunehmen, um dort das nöthige Kriegsmaterial zu finden. Dienstag, den 14., um 8 Uhr Morgens, wurde dieser Vorschlag gemacht, und eine halbe Stunde später erschienen. 40,000 Perszncn von der Jnvalidenkaserne. bewaffnet mit Stöcken, Aexten und an deren unterwegs aufgegriffenen An griffsmitteln. Sie ließen dem Kommandanten den Befehl zukommen, die Thore zu öffnen. De? Kommandant weigerte sich. Da rauf kletterte das Volk auf allen Sei ten über die Mauern und in weniger als einer Viertelstunde war der Platz genommen. Das Erste, was man that, war, daß man sich der 16 Kanonen be mächtigte. Zugleich brach man die Thore des Magazins auf und vertheilte die dort gefundenen Feuerwaffen. Nachdem unterwegs noch einige andere Kanonen aus der Kaserne der französischen Garden genommen worden, begab sich der Volkshaufe nach dem Hotel de Ville zurück. Die Kanonen wurden auf den zwölf Straßen aufgestellt, welche den Zugang von Versailles her bildeten. Zu bemerken ist, daß neben der Jnvalidenkaserne zwei Schwcizerregi menter und ein Dragonerregiment kampirten, welche den Vorgängen ruhig zusahen. .Um 10 Uhr Morgens war das Volk bereits bewaffnet, die Battcricn waren abgeführt und man hatte Besatzungen an den wichtigsten Punk ten der Stadt aufgestellt. Herr de Fkesselles, der Prevot dn Munition, gab wohl oder übel etwas von letzterer her. ober so wenig als möglich und in großen Zwischenräumen. Um 2 Uhr Nachmittags beschloß das Volk die Einnahme der Bastille, um dort neue Waffen und Munition zu finden. Man ließ in der ganzen Stadt die Sturmglocke läuten, und das ganze Volk strömte zusammen und erschien vor der Bastille. Einige Tcputirte vom Hotel de Ville setzten sich mit der Parlamentärfahne an die Spitze. Der Kommandant der Bastille hißte dieselbe Fahne auf und erklärte sich bereit, sie zu empfangen. Die Dcpurirten thaten ihm den Befehl kund, die Burg zu über geben; der Kommandant antwortete ihnen, daß sie eintreten konnten. Das erste Thor wurde geöffnet, sechzig Per sonen waren bereits eingetreten. alZ plötzlich die Brücke aufgezogen wurde und die Kanonen der Bastille das Feuer auf die Nationalgarde eröffneten, welch aus der Esplanade zusammengedrängt war und nicht vorwärts noch rückwärts konnte. Dieses Verfahren brachte die Belagernden auf. Durch Kanonen schüsse brachten sie die erste Zugbrücke zum Niederfallen; dieselbe wurde mit einigen Brettern ausgebessert, und daZ Volk vereinigte sich mit den auf der Esplanade Eingeschlossenen. Mit den selben Kanonen wurde auch die zweite Zugbrücke zum Niederfallen gebracht. Und so bemächtigte, man sich der Be satzung, der schweren Artillerie, des Kommandanten und eines Majors. Das Volk schrie, man müsse sie erdolchen; aber Andere riefen, man solle sie aus dem Greveplatz hinrichten. DoÄ hing man denn auch ohne Prozeß drei Kanoniere auf, welche zuerst das Feuer eröffnet hatten. Man setzte die sechs Staats-Gefangenen in Freiheit. Das Volk verließ die Bastille, nachdem es dort eine starke Garnison gelassen und nachdem es sich aller Kanonen und son stigen Waffen bemächtigt. Alles das geschah in drei Stunden." Wie Heinrich Heine ge sichtet haben würde, wenn er zufällig Wcinreisender gewesen wäre : Du hast eine kräftige Blume ' Und bist so feurig und rein. Ich seh' dich ein mächtig' Dürsten Schlecht in die Kehle hinein. ' Mir ist, als ob an die Lippe Dich. Flasche, ich setzen sollt'. Wünschend, daß gut mir bekomme Deines Inhalts flüssiges Gold '. Ländlich, sittlich. Adew ges Fräulein (die mit einem ungari schen Edelmann verlobt ist): Aber Janos, wie ost soll ich es Dir noch sa gen: In der guten Gesellschaft ißt man nicht mit dem Messer!" 'Janos: Unsinn! Möcht ich emmol seh'n. was guter, Gesellschoft ansangen , that ohne Messer, wonn hätt' sie nix Onderes zu fressen wie Paprika-Speck und Brod!" Gedächtniß. Dieb (eine Uhr betrachtend): Tonnerwetter, diese Uhr, kommt die mir bekannt vor, die muß ich schön , mal irgendwo gestohlen ha den! :jv -iM;tk iSI;i!
Befalle wollen gefallen lassett.
Warum alle weiblichen Wesen das ausgesprochene Bestreben haben, hübsch u sein, das ist ein öffentliches Geheim?liß. Sämmtliche Frauen und Mäd hen. ohne Unterschied des Alters und Lermoaens. wünschen möglichst schon nd bcherzenswerth zu erscheinen, weil jie gefallen wollen; daher kommt es. daß man bisher fast ausschließlich von weiblicher Gefallsucht spricht. Warum alle männlichen Wesen das usgefprochene Bestreben haben, unabhangig zu sein, das ist ein öffentliches eheimniß. Sämmtliche Münner und Jünglinge, ohne Unterschied des Allcrs and Vermögens, wünschen möglichst nabhangig und seldstständig zu erschein aen und sich nichts gefallen zu lacn, öaher'kommt es, daß man bisher fast ausschließlich von männlicher Unabängigkeitssucht spricht. Ich glaube nun. daß wir Frauen wie zewöhnlich das schlechtere Theil erwählt zaben. und würde den Herren der Schöpfung einen kleinen Tausch vorschlagen. Von nun an wollen wir den Nän'nern die Sucht, zu gefallen, über lassen und uns dagegen diejenige der llnabhüngigkeit aneignen. Wir sind bereit, die Schönheit hinzugeben, wenn vir dafür Freiheit erhalten. Und wa :um sollten die Herren nicht einmal versuchen, uns gefallen zu wollen und vir Damen uns in dankbarer Bcschei zenheit damit begnügen, uns nichts gc Zaöen zu lassen. Welches Heer von erlaubten und ver versuchen Mitteln muß in's Feld ge sührt. welche Fülle von körperlichen und seelischen Gaben vorgespiegelt, welcher llufwand von brillanten Talenten uud modernen Kenntnissen gemacht, welcher Glanz mit gcschmack- und mühevollen Toiletten und kostspieligem Zierrath entwickelt, und dabei welche rührende Bescheidenheit und Unschuld geheuchelt vcrden. wenn die Weiber das Ziel ihrer Wünsche erreichen, d. h. gefallen vollen. Wie ganz anders die Mittel des Nannes. wenn er Unabhängigkeit an ärebt, sich also nichts gefallen läßt, besitzt er körperliche Kraft, Muth. Zlusdauer, wirkliche Talente und reelle kkenntnisse. dann braucht er nicht zu zlänzen zu scheinen und zu heucheln, Zondern nur Fleiß. Ehrlichkeit und Thatkraft zu entwickeln, und es wird chm kaum an Gelegenheit fehlen, sein Ziel zu erreichen. Und der -Lohn des Weibes, wenn sie zefallen wollte und hübsch, gut. gcistreich und gebildet, anmuthi'g und ge vandt. bescheiden und unschuldig genug ist. daß sie so Vielen zu gefallen ver mochte, bis sie schließlich Einrr davon zeirathet! Was dann? Ist dieses (Znd. stcl des Gefallcnwollens erreicht, dann ?ommt das Gefallenlasfen an die Reihe. Der Wille hört auf und an dessen Stelle hritt nicht gerade Lässigkeit, aber ein zewisses langmüthiqcs Gewähren und 'Sefallenlassen. Und doch bin ich über eugt. daß die Herren an allen Damen ziel mehr den Willen zu gefallen, als )ie erfolgte Thatsache zu schähen wissen, ja daß gewöhnlich, wenn die Damen in sem Bestreben, gefallen zu wollen, sich Ui viel gesallcn lassen, sie dann zumeist zuch in der Achtung der etwas ungerecht ten Männer schon gefallen sind. Und der Lohn der Manner. wenn sie ilch nichts gefallen lassen wollten, wenn ie kräftig, muthig. ausdauernd, ta !entvoll. tüchtig und klug gearbeitet haben, dann werden sie zumeist eine schöne, geachtete, selbstständige Stellung in erringen im Stande gewesen fein. llnd gerüde je weniger sie sich gefallen ließen, desto mehr steigen sie in der Ach tung Anderer, die sich dann bemühen werden, ihnen gefallen zu wollen. Wie ganz anders, besser, schöner und ersprießlicher wäre nun die Welt grdnunq. würden auch wir Frauen zushörcn, unsere kostbare Zeit, Krast und Geld mit dem Gefallenwollen zu vertändeln und uns lieber dem nichts Zefallenlassen zuwenden. Und wenn durchaus Jemand gefallen will, so lassen wir, doch die Männer versuchen, den Frauen zu gefallen; diese wären vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll, lvie die Herren, und würden ihre iln Abhängigkeit auch besser zu wahren wissen, sich nicht so leicht etwas von den Frauen gefallen lassen, wie diese eZ bisher von den Männern geschehn ließen. Mio scheinbar gibt es nur ein pnj bates Mittel, unsere Unabhängigkeit zu wahren und zu erreichen, wenn wir aufhören, gefallen zu wollen, dann brauchen wir auch nie mehr anzufan zen. uns Ungerechtes gefallen zu las. en. Diejenigen aber, welche auch lürderhin um jeden Preis gefallen wo! len. dürfen sich nicht beklagen, wenn man ihnen auch weiter zumuthct, .sich Alles gefallen zu lassen. Lehrer (unterrichtend): Und so hat das Volk die Eigenthümlichkeit, Namen seiner Herrscher mit bestimmten Vrädikaten zu schmücken, die die Eigen schaften der Herrscher auch für die Nach welt in knapper Weise veranschaulichen, lvie z. B. Friedrich der Große. Philipp der Schöne, Karl der Kühne; nun. sag amK..m ff 4i.m . .4 JOU lilli. mini uiivv utuym yillU;ll Mit einem Beinamen." Erster Schü !er: Ludwig der Fromme.- Lehrer: .Schön, nun Du." ' Jtzig Kotzn; .Gott der Gerechte. ,, , .":';,. 5if i n lllt -lirtf.v Irin V . ':' '" : ,. f i . - ? . V U IV ".-tfl U4tVV . wuuta.ivur ipn pinpn nfiirn Trnrnrrpn jtirn tph nhtr mn fnlln mir ifm fmiffn? ' UUlpSVUUVIltC ',. llt ivlUIVIt;,:; Wi Ai H , . Mlli. : ltn tr: tn.: :" ki ..uicvt. yft; . '-j, . Wt lllMIf VV) deimHestaPaleürMülle fteht er für 25 Cents ausgeschrieben: .Guter kräftiger, Mittagstisch füt 25 !cnt.t1iilli:!!::!!ji . '..:.-'.! 'k,?, H .'!: ; " 'i.:: ' llpetf !l lerer Herr umarmt und küßt die Zofe im Borzimmer, die ihn melden will. Zofe: Wen darf ich melden? Herr: Müller, Professor der Moral und Sit. tcnlehre
