Indiana Tribüne, Volume 15, Number 321, Indianapolis, Marion County, 7 August 1892 — Page 3
rsssaaasasssrwxfss Sin Verbrechen. EensatisnSrsVZ tca Kf jtnl5 Qsrntt. (G. Fortsenunz.) ; Sehr gut. Mr. Ssiint Alban wa, Zein Patient von Ihnen, u ich glaube?" Nein. Ich traf ihn aber häufig in tat Hause des Herrn Gallo." Tc? verstorbene Herr Gallo war sr befreundet mit Mr. Saint 1U San?",, Das kann ich nicht mit Sicherheit Zagen. Aber Mr. Saint Alban vcrkehrte oft in dein Hause und schien dort willkommen zu sein." .Sehr gut. Er war ein intimer Freund der Familie. Herr Gallo war ein Engländer, obgleich von italieni scher Abstammung, und ein sehr reicher Mann?" .Ja. er galt für sehr reich." Ihr Verkehr mit Eaint Alban wa son höfliche? und freundschaftlicher Art, Z'.icht wahr?" Wir sahen uns. wie ich Ihnen be ?eits sagte, in Mr. Gallos Haus. Mr. Gallo war sehr gastfreundlich und aus seine Einladung verlängerte ich oft Meine ärztlichen Besuche: wir saßen -dann in gemeinschaftlicher Unterhaltung beisammen." ..Und bei einer solchen Gelegenheit lernten Sie Mr. Saint Alban ten nen? Welchen Eindruck machte er aus Sie?" Er schien mir ein inteuV . Mann 311 sein und viel Unterhaltungsgabe zu defiken.Er glich keiner Person, die man für ?incn Mörder halten konnte?" Ein (belachter ging durch den Saal. Rodn! Power zuckte mit den Schulöern. .Was soü man darauf antworten?" fagte er. .Nun. - erwiderte Mr. Ford lächelnd, ich frage nur so im Allgemeinen. Aber während Ihrer Bekanntschaft mit Mr. Saint Alban haben Sie einige Briefe gewechselt ?" .Ja. er schrieb an mich, etwa drei Mal, glaube ich." Waren seine Briefe lang?" Stein, sie waren nur kurz und ent hielten einige Fragen." Und die Handschrift fiel Ihnen CUT?" Hie? erfolgte eine Unterbrechung durch den Präsidenten. Di:se Briefe sind bereits erwähnt worden. Ich glaube, es wäre sehr gut. wenn das Gericht über die Natur nnd den Zeck derselben unterrichtet wurde. " Ich habe diese Frage nicht gestellt. Mit ich sie für unbedeutend hielt." sagte Mr. Ford mit einer kaum merklichen Bewegung der Aufregung, jedoch soll darüber der hohe Gerichtshof sogleich aufgeklärt werden." Was enthielten die Briefe, welche Mr. Saint Alban an Sie richtete?" Sie handelten über Gifte." erwiderte Robert Power. Auf diese unerwartete Antwort erfolgte allgemeine Bewegung. DaWort .Gifte" schien eine eigene Wirkung hervorzubringen. Frau Saint Alban zeigte Spuren von Unruhe, aber ihr Mann blieb unbeweglicy. Ueber Gifte? Das in sehr unbestimmt. Erklären Sie sich ein wenig Deutlicher." Tie Briefe cnthickm Fragen über die Wirkung ceronfcr Substanzen und Tiste.Und Sie beantworteten diese Fre gen nach bestem Wissen?" Ja. Ich gab auch auf Mr. Saint AldanZ Ersuchen vcrschudene Sbetle an. welche ausführlich über Giftkunde hansein." Welch? Schlüsse zogen Sie aus diescn Fragen?" Mr. Saint Alban hatte im Gispräch mehrmals Interesse für die Wis. senschast gezeigt und schien über die Na-i tur v??ch'.cd?ncr Gute nch unterrichten zu wollen: seine Fragen schienen mir daher aus dem Wunsche hervorzugehen, seine interessanten Studien weiter zu verfolgen." ..Und Sie hielten diese Fragen für ganz natürlich bei einem Manne von umfassender Bildung und-czeistiger Regsamkeit, welcher das Feld seiner Kennt iste zu erweitern strebte?" Nun. es schien mir einfach, daß er "sich für die Lehre von den Giften beson öers intcressire. und ich glaubte, ich könne ihm dabei helfen. Ueber seine etwaigen Absichten machte ich mir keine Bedenken." Sehr gut, den einzig möglichen "Grund dafür hatten Sie sich ja selbst schon vorgestellt. Nun zur Handschrift. 'Diese siel Ihnen also auf?" .Ja, sie war außerordentlich dünn und spinnenartig. die Buchstaben der einzelnen Worte waren sehr eng nebeneinander gesetzt und standen ausrecht. Ich glaubte niemals eine so mertwür Dige Handschrift gesehen zu haben." So merkwürdig, daß. als Sie jenen 1ZZapi:rschniv.e! in der Villa Rob Roy am Morsen nack dem Ma?d fanden. Sie sich sogleich in die Meinung verbissen, sie erkannt zu haben, als die HandZchriZt eines Mannes, den Sie kannten?" Ja. Und meine Annahme wurde ?ioch bestärkt dadurch, daß.. .." Beantworten Sie meine Fragen und sprechen Sie nicht von Ihren An nahmen." knurrte Mr. froro schroff. Ist dies das Stück Papier, das Sie -in dem Zimmer der Ermordeten gcfunden haben?" fragte er dann, indem er Power den Gegenstand reichte, welchen die Richter während der Aussagen de5 junaen Beamten besichtigt hatten. Sehen Sie es genau an, glauben I Sie auch jetzt, daß Sie vor dem Gericht erklären können, Sie haben diese weni '( en Worte als die Handschrift dieses hochgeachteten, ehrenwerthen Herrn er sannt, welcher durch Sie schon so viel Werdru erlitten hat ? Seien Sie vor fj'f'-. ..' - MA.
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sichtig, überlegen Sie Ihre Antwort ge nau, sie kann ernste Folgen für Sie haben!" Ich habe bereits unter Eid ausg?" sagt," erwiderte Robert Power mit Nachdruck, daß ich sofort die Handschrift des Herrn Saint Alban erkannte, als ich dieses Stück Papier sah." Sie zweifelten also nicht daran?" Nicht im geringsten." Aber Sie können sich geirrt ha' den?" Daran kann ich nicht glauben." Seh? gut. Ich werde im Stande fein. Ihre hartnäckige -Behauptung zu gelegener Zeit ins rechte Licht zu seen, dessen bin ich sicher. Wann erhielten Sie jene Briefe von Mr. Saint Alban?" Der junge Sergeant überlegte einen Augenblick. Es können etwa fünf Jahre da rüber vergangen sein, soweit ich mich erinnere." Sie haben die Briefe vernichtet. Wann geschah das?" Wenige Monate später, als ich Manchester verließ. Ich zerriß sie mit anderen Papieren, deren Ausbcwah' rung ich für nutzlos hielt." (53 ist also schon fünf Jahre her, daß Sie zum letzten Male die Hand schrift Mr. Saint Albans gesehen haben, und doch erinnern Sie sich so deut, lich derselben? Ich gratulire Ihnen zu Ihrem außerordentlichen Gedacht niß," bemerkte Mr. Ford mit einem spöttischen Lächeln. .Ich habe schon gesagt, daß die Handschrift sehr auffallend war," er widerte Sergeant Power, .und deshalb war sie so leicht zu erkennen." &o sagten Sie. Im Interesse eines Unschuldigen, welchen man eines schändlichen Verbrechens anklagt, werde ich glücklicherweise im Stande sein, gerade das Gegentheil zu beweisen uud Sie zu beschämen. Sie können setzt gehen, aber halt, noch einen Augenblick," fügte Mr. Ford hinzu, als Sergeant Power die Zeugenbank verlassen wollte. Ich habe noch eine Frage an Sie' zu rich ten. Wir haben gehört, was Sie über die Handschrist aussagten. J.ft diese das einzige Glied, welches meinen Klien ten mit dem Verbrechen in Verbindung bringt?" Sergeant Power zögerte. .Warum antworten Sie nicht?" sagte Mr. Ford streng. Wenn Sie mich nicht verstehen, obgleich ich deutlich genug spreche, wie ich glaube. so will ich meine Frage in anderer Weise stellen. Würde es Ihnen ohne das Stück jenes Briefes, das Sie ge funden, oder gefunden zu haben be Häupten, eingefallen sein. Mr. Saint Alban mit dem Morde in der Villa Rob Ro? in Verbindung zu dringen?" Nein, natürlich nicht," erwiderte Robert. Ohne diesen Umstand rourt ich'nicht an ihn gedacht haben." Ich danke Ihnen, das ist Alles, was ich wissen wollte," erwiderte Mr. Ford. Wir können nun mit den an' deren Zeugen sortfahren." 16. Das Interesse für den Fall war im Wachsen Der große Advokat von Sandbank wandte sich selbstgefällig und triumphirend an Mr. Saint Äldan und wechselte flüsternd einige Worte mit ihm. . Die Frau desselben belohnte den Advokaten mit einem schwachen Lächeln. Ein Gemurmcl ging durch den Saal, denn die Zuschauer tauschten ht Minungen mit einander aus. Sergeant Pm'cr hatte sich indischen ernst und bleich neben den unerschütterlichen Tlr. Tom Brusel gestellt. Die nächste Zeugin war Frau Gre gory. yr vcrwnncs 'veun, oas aber chre Redseligkeit nicht beeinträch tigte. diente zur Belustigung der Zu schauer. Tie würdige Dame wurde zuerst von dem Inspektor Gadd befragt. welcher zwar daran verzweifelte, einen so mächtigen Gegner, wie Mr. Ford, zu besiegen, aber doch eine gewisse offi zielle Ruhe beibehielt. Sie sagte aus, was sie von Madeleine Faure wußte. Der Zwischenfall mit dem Brief, den die letztere um die Mittagszeit erhielt, wurde von ihr bestätigt, und dann er zahlte sie über das Eintreffen jener ge heimnißvollen Frau am Abend dessel ben Tages. Nachdem sie dann noch nähere Angaben über die Aussindung Mt Leiche am näMcn Moraen aemackt hatte, war die Dame mit i'hkcr Kennt' in von der ache zu Ende. Aber Mr. Ford hatte nun natürlich noch lerne Fragen zu stellen. Er erhob sich und zeigte jetzt ein ge winnendes Lächeln auf seinem blühen den Gesicht, denn er hatte es mit inr Dame zu thun. Nun. Frau Gregory," sagte er. Sie haben hübsckx, klare Augen, und ich dars wohl sagen, daß sie auch schars sind, glauben Sie, daß Sie eine Frau von einem Manne nnterfchelden kön nen, wenn Sie sie sehen?" Mein Himmel!" erwiderte die Dame, was für eine merkwürdige Frage! Natürlich kann ich eine Frau von einem Manne untertcheiden." Nun also, daS habe ich mir auch gedacht." sagte Mr. Ford trocken, wah rend im Publikum Heiterkeit cnt it and. Nrnt sehen Sie einmal diesen Herrn da drüben genau an," fuhr der Ver theidlger fort, mdem er aus den Ange Nagten deutete, halten Sie es für mög lich, daß Sie ihn mit einer Person Ihres Geichlechts verwechsln können?" Auf dem gewöhnlich glatt rasirten Gesicht Mr. Saint Albans war der Bert bereits etwas hervorgetreten, und als er mit einem humorlstizchen Lächeln seine weißen Zähne zeigte, hatte sein Anblick augenlcheml'.u, nichts Werb lichcs. Nein, mein Her?.- erwiderte Frau Gregor?, ich bin sicher, daß ich ihn Nicht verwechseln könnte, so wenig al meinen theuren, verstorbenen Mann, tf ....... .V - J , VW1 von weem ikver zzou m Mang war."
35C Sie haben aber doch gehört, daß dies der Herr sein soll, welcher als Frau verkleidet in Ihr Haus kam? Cljtu Zweifel winen Sie das beiier." bcmerkte Mr. Ford in verbindlichem -iu.u, wie iuu uu)i u uiwi 3U rauschen! Nun, Wie sah die Frau aus, welche Sie gesehen haben? Theilen r . T.A M ! 4rt sti4i lt 1t . Sie dem Gericht oncn mit, welchen (lndruck sie auf Sie macbte." Nun, was ihr Gesicht bctrint." erwiderte Frau Gregory, so konnte ich dasselbe nicht erkennen, denn sie war bis über das Nmn eingehüllt und hatte einen dichten Schleier vor: auch war es damals sehr dunkel im Flur." Aber dennoch erkannten Sie die Person als eine Frau und nicht als einen Mann, glaube ich?" Ja, mein Herr, q hielt ne entlchie. den für eine Frau, und was noch mehr ist, ich glaube nicht, dah das arme ermordetc'Wesen es gewagt haben würde, ein Haus, wie das mcinige. durch solche ichlcchtcn Streiche zu beleidigen. indem sie einen Mann hereingeführt hätte. Dessen halte ich sie nicht sür fähig." Sehr gut. Und Sie hätten sich auch durch ein solches Kunststück nichi täuschen lassen. Sie waren überzeugt, daß jene Person eine rau war mit kein Mann, sonst. . . ." Ich würde ihm schön heimgeleuchtet haben," unterbrach ihn Frau Grcgorl! mit bhaltigielt, darauf können u sich verlassen. Solch' dreiste, nichtswürdige GcscUschast'." Wir können also annehmen " er widerte Mr. Ford mild, daß ie übn die Sache, durchaus nicht im Zweifel sind. In jenem Herrn dort drüben erkennen Sie nicht die geringste Aehnlich keit mit der Frau, welche Ihr Haus in Gesellschaft der Ermordeten besuchte?Nein, mein 'Herr. Das kann ich mit gutem ('wissen sagen." Ich danke Ihnen, wir und Ihnen Alle sehr verbunden für Ihre kluge und aufrichtige Aussage." sagte Mr. ord, nch triumphirend gegen die Nichter wendend. Ich habe nichts mehr zu fragen." Noch einige andere Zeugen wurden kurz verhört. Die Nicht? der Frau Gregory. Mr.' Parkins vom öcoya! Hotel. Elisabeth Baker, das ZimmerMädchen. Wales, der Zimmermann. der Polizist, welchen Robert Power über den Ausgang der Ermordeten und über die Richtung nach dem Strande hin bcsragt hatte, dann auch Mr. Brusel. Ihre Aussagen berührten jedoch nicht unmittelbar den Fall, und Mr. Ford hielt es nicht sür der Mühe werth, ibnen fragen zu stellen. Der einzige Zeuge. welchen der Advokat befragte, war Tottor Allen, und seine Fragen bezogen sich auf einige Bemerkungen des letzteren, daß das Verbrechen nach seinem Dafürhalten von solcher Brutalität war, das; man schwerlich eine Frau der selben für fähig halten rönne. Da je doch der Arzt nicht behaupten konnte, es ser unmöglich, bau eme Frau die nöthige Krast besitzen könne, um ein so abscheuliches Verbrechen zu verüben, so gelang es Mr. Ford, den Eindruck dieser Zeugenaussage abzuschwächen. Die Anklage hatte jedoch noch eine Karte übrig u:?d spielte'sie aus, indem sie John Earr aufrief. Beim Erscheinen dieses Zeugen be trachtete Samt Alban denselben arg wöhnisch, als ob er nicht im Stande fei, die Tragweite desselben zu beur theilen. Aber d'.e Sache klärte sich bald auf. John Earr war ein Cehcr in der Buchdruckerei der Sandbanker Zeitung", ein Mann von mittlerem Alter und wohnte in St. Cutbbert. In der Nacht des 21. Oktober war er nach beendig' iem Tagewerk kurz vor ÄZntternacht nach Hause gegangen; sein Weg führte ibn durch die Hamiltonstraße. an der Villa Rob Roy vorbei, bis hinaus zu dem kleinen Torfe. Was haben Sie gesehen, als Sie in zener Nacht nach Hause gingen?" fragte ihn der Inspektor Gadd. Ich sah Jemand lausen, der etwas in der Hand hielt." War es ein Mann?" Ja. es war ein Mann. Sie haben keinen Zweifel daran?" Nein, mein Herr. Es war ganz sicher ein Mann." Wo haben Sie ihn gesehen?" Gerade aus der Höhe der Straße nach Cuthbert. Ich war auf dem Wege nach dem Dorfe, und der Mann, den ich sah. schien querfeldein nach der See hin zu eilen." Er hielt etwas in der Hand, sagten Sie? Wie sah das aus?" Ich konnte es nicht deutlich erken nen. aber ich hielt es für eine lederne Tasche." Wie weit ist der Punkt, wo Sie jenen Mann sahen, von der Villa Nob Roy enttcrnt?" Es kann etwa eine Viertelmeile sein." Hier stellte der Vorsitzende eine Frage. Haben Sie diesen. . . . diesen Mann genau bemerkt?" Haben Sie zum Benpm scm MM gejehen i" Nein, Euer Ehren, ich konnte sein Gesicht nicht sehen, ich war zu weit von ihm entfernt." Tann können Sie also sein Aeußc res nicht genau beschreiben?" Nein, mein Herr. Ich sah nur eine Gestalt, welche, wie ich glaube. eme Tasche vx der Hand hielt." Sie wären also nicht im Stande, drcse Personwleder zu erkennen?" Der Zeuge sagte aus," bemerkte Inspektor Gadd, zum Gericht gewendet. daß er nicht im Stande sei, die Per son, die er gesehen, wieder zu erkennen. Wir unterließen es daher, wie gewöhn lich. einen Versuch zu machen, ob er im Stande wäre, den Angeklagten' aus emer Gruppe von Leuten herauZzU' finden." ' Nun erhob sich Mr. Ford. . .Wirklich, HerrJnspektor, bemerkt.
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er, ich vermag niq: zu vegrelsm, warum Sie überhaupt diesen Zeugen vorgeführt haben! Er kann ja gar nichts aussagen. ES gibt eine Menge Leute, zum Beispiel Arbeiter. welche in jener Gegend, in der Nacht oder früh des Morgens mit einer Tasche gesehen werden, und Feldarbeit, Fa brikarbeitcr und dergleichen," fügte Mr. Ford spöttisch hinzu, tragen zu weilen Bündel, .afchen oder andere Sachen. in der Hand." Um welche Zeit haben Sie diesen Mann gesehen?" fragte der Inspektor, ohne auf den Advokaten zu achten. Ich verlief die Stadt etwa? vor zwölf Uhr." erwiderte John Carr; ich brauche etwas mehr, als eine, halbe Stunde, um bis zu der erwähnten Stelle zu kommen, es war also etwa halb ein Uhr, als ich den Mann sah. Es kann aber auch etwas später gewe sen sein." Sie kamen gestern zur Polizei und machten freiwillig die Angaben, welche Sie jekt vor Gericht wiederholten, nicht wahr?" Ja, mein Herr. Ich horte davon. daß ein Mann wegen des Mordes in der Hamiltonstrac verhaftet worden fel. und da crmncrte ich mich an das. was ich gesehen hatte. Ich ging auf die Polizei, weil ich dachte, meine Nach' richt könne von Nuhen lein." Inspektor Gadd bemerkte iekt, day er an den Zeugen keine Frage mehr zu stellen habe. Mr. Ford erhob stch. Obgleich es vielleicht kaum der Mühe werth ist," sagte er, will ich doch noch einige Punkte aufklären. Der Mann, den Sie sahen." wandte er sich an den letz' ten Zeugen, John Earr, trug, wie Sie sagten, eine Tasche? Sind Sie sicher, daß es eine Tasche war?" Ich kann es nicht bestimmt sagen. aber es schien mir so." Es kann auch ein Sack gewesen sein?" Ja. das ist möglich." Oder ein ttorb. in welchem Arbeiter ihre Werkzeuge tragen?" Ja.Kurz. es könnte alles Mögliche ae. wesen sein, nicht wahr?" Ich habe in meiner Angabe gesagt. daß er etwas in der Hand trug." er , -. r . j wlocrlcoynarr gereizt, weiter geye ich nicht." Ganz recht. Bleiben sie bei der Wahrheit, das ist das Beste. Was nun den Mann betrifft, so konnten Sie ihn nicht genau sehen?" Nem. ES war lehr dunkel und ich sah nur einen Schatten." Sie können nicht tagen, wie er ce kleidet war?" Nein, mein Herr." Vielleicht trug er Arbeiterkleidung? Das ist möglich, mein Herr." Noch etwas. Gehen Sie häusig pät in der Nacht nach' Hause?" Ich gehe zu allen Stunden nach Hause, je nachdem ich mit der Arbeit 'fertig werde." Abcr jedenfalls sind Sie zuweilen bis nach Mitternacht beschäftigt?" Q ja, mein Herr, und selbst noch später." Selbst noch später. Nun also, U gegnen etc zuweilen Leuten während Ihres ennwegs m den Morgenstun den?" Ja. zuweilen, aber meistens begegne ich keiner Seele, ausgenommen vielleicht einem eazukmann. ' Aber zuweilen kommt tl doch vor?" Ja. mein Herr, besonders im Som mer, m viele Fremde hier sind." Als Sie diesen Mann sahen, fiel Ihnen das nicht auf? Ich meine, Sie wunderten sich nicht darüber, daß Sie jemand den Kreuzweg hinabgehen lad? r Nein, mein Herr, das kann ich nicht jagen. Ich dachte erst wieder daran. als ich hörte, daß man einen Mann als den )Nörder sucht." Ganz richtig. DaS ist alles, waS ich wollte." ..Wir haben keine weiteren Zeugen meyr vsrzutuyren," erklärte der In spektor. Jetzt war wieder die Reihe an Mr. Ford. Er erhob sich mit wichtiger Miene. Niemals, so begann er, sei er während seiner vieljährigen juristischen irsahrung so sehr erstaunt gewesen. als be; diesem Fall. Eine Leichtfertig keit. wie sie hier zu Tage getreten. scheine ihm fast unglaublich. Und nun hielt der Advokat eme seiner glänzend sten Vertheidigungsreden voller Ent rüstung über sein verletztes Rechtsae fühl, voller Bewunderung für den Geist. die Menschenliebe, die Bildung seines Klienten, für den Fleiß, die Thatkraft und Nechtlichlkit. welche ihm seine an gesehene, hohe Stellung in der Gesell schast verschafft haben, voll bitterböser Seitenhikbe aus das ungeschickte Bev fahren der Polizei, voll milder Anev kennung für die unbefangene, klare Aussage und die Intelligenz iener wär digen Zeugin, Frau Gregory, deren Angaben allein schon genügten den auf so schnöde, unsinnige ytie beschuldig. ten Mr. Samt Alban von aller Schuld i .r. . srezzuipreazen. Aber ich bin zum Glück im Stande führte Mr. Ford weiter aus. dem Ge richtshvf noch bessere Beweise von der Unschuld. meines Klienten vorzulegen. Die Anklage gegen ihn beruhtauf einem ituck Papier, auf welches .einige fran zösische Worte geschrieben sind. Dann hat man zu behaupten versucht, der Mord sel nn so entsetzlich grausamer und brutaler, daß er nothwendigerweise von einem Manne begangen sem muije. Zch kann mich nicht damit aushalten. die Leichtfertigkeit einer so lächerlichen Behauptung hier klar zu stellen, ich habe nur Verachtung dafür, und ehe sogleich zu der Handschrift über. ; Der Erdoktor und PollzelZergeant, welcher als Zeuge auftrat hat auf seinen Eid erklärt, daß er die Handschrift' als'die des Herrn Samt Alban erkannt bade. Warum hat er das gethan? Ich bin nicht im Stande, mir dies zu erklären. , h
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Cs Ist nicht geleugnet worden, daß in früherer Zeit dieser medizinische Schutz mann einige Bekanntschast mit Mr. Saint Alban hatte, und daß der Letz tere, der sich für emen noch wenig aufgeklärten Zweig der Wissenschaft interes sirte, einige kurze Briefe mit ihm ge wechselt hat. Aber wenn der schützmännische Ezdoktor im Stande wäre, diese kurzen Briefe vorzulegen, so würde man auf den ersten Blick sehen, daß die Handschrift fehr verschieden von der der franzosischen Worte auf jenem Stuck Papier ist. Ich werde Zeugen beibrin gen," sagte Mr. Ford mit Nachdruck, .welche fast taglich Briefe von Mr. Saint Alban empfingen und die ihn wirklich an seinem Schreibtisch schrei ben sahen. Wenn es nöthig wäre. könnte ich selbst als beeidigter Zeuge in Bezug aufweine Handschrift auftreten. denn das Vertrauen, mit welchem er mich seit einiger Zeit beehrte, setzt mich rn den Stand dazu. Aber das ist Über flüssig! Ich werde überdies noch Zeu gen aufrufen, um zu beweisen, daß Mr. Saint Alban in der Nacht des 24. Oktober sich in seiner Wohnung, im Marinehotel befand und sich früh zeitla zum Schlafe des Gerechten nie derlegte. Die wichtigste Zeugin," fuhr Mr. Ford mit einer theatralischen Handbewegung fort, welche durch ein Wort beweisen könnte, daß mein Klient sein Zimmer nicht verlassen hat. nämlich seine Gattin, die Dame, welche hier sitzt und diese schweren Stunden so edel ertragen hat. darf nicht sprechen, wie Sie wiffen, ihre Lippen sind ver siegelt. Aber ich habe ein anderes, ganz ebenso überzeugendes Beweis' Mittel, welches Sie veranlassen wird, ihn ohne den geringsten Statten oder Flecken auf seinem Charakter der Frei helt zurück zu geben. Kem anderer Ausweg, wage ich zu sagen, bleibt den Richtern offen, welche ängstlich darüber wachen, daß die Gerechtigkeit siegt, und welche durch blöden Irrthum, oder vielleicht noch etwaö Schlimmeres, auch ihrerseits in eine ähnliche Lage, wie die gegenwärtige, kommen können. Ich y.lr. ..'ii . . ... weiy nilyr, oo mein Kiicnr, wenn er einmal von dieser abscheulichen Anklage befreit ist, beabsichtigt, Schritte zu thun, um Dieienlgen zu bestrasen. welche auf so unbedachte Weise die geheuigte Freiheit erneS britischen Unter thanen angetastet. haben. Das ist eine Sache, die von seinem Willen abhän gen und später in Betracht kommen wird. Für jetzt beanspruche ich in sei nem Namen die einzige Genugthuung, welche die Gerechtigkeit 'einem Un schul dtgen gewahren kann eme schnelle Freilassung und eine Erklärung, daß er zwar beleidigt, aber schuldlos und fleckenlos das Gericht verläßt." Der Bersall, welchen Mr. Fords glühende Beredtsamkeit hervorrief. wurde von dem Vorsitzenden streng zurückgewiesen. Als er verstummte. erschien Mr. MacGregor aus das Verlangen des Advokaten auf der Zeugen dank. Der Verwalter des Marine Hotels verschwendete keine Worte. Als er gefragt wurde, ov er Ttx. &aint Albans Handschrist erkenne, brachte er sofort emen ganzen Stoß von Briefen und Dokumenten zu Tage. Die Schrift auf diesen Papieren zeigte eine fließende, kaufmännischeHandschriftganzunähn ff v ...' . e . na) oen ounnen, aurreazren, Minnen artigen Zügen auf jenem Stück Papier, daS von Sergeant Power in der Villa Rob Roy gefunden worden war. Die Richter betrachteten dle Handschrlst 13c nau und schüttelten ernstdie Köpfe. MacGregor wurde befragt, ob er darauf schwören könne, daß dies die Handschrist Mr. Saint Albans sei. Er bejuhte diese Frage entschieden. Viele der SchrifstüÄe, welche sich auf das Marinehotcl bezogen, waren in sei ner Gcacnwarr qeschrreben worden und er bezeichnete mehrere davon als solche Beispiele. Ein Schreiber, der Gehilfe von Mac Gregor, machte eine ähnliche Aussage. Zwei Diener des Hotels sagten noch aus, am Abend des 24. Oktober sei Mr. Saint Alban nach dem Diner in sein Zimmer gegangen und habe es, so viel sie wüßten, in dieser Nacht nicht wieder verlassen. Der zweite Haus knccht, Sergeant PowerS Bekannter, erinnerte sich ganz deutlich, daß er schon vor Mitternacht die Schuhe des Herrn Samt Alban vor dessen Schlafzimme fortgenommen habe. Damit war der Fall entschieden. Die Verhandlung hatte lange ge dauert, aber daS Interesse war so leb hast erregt gewesen, daß die Richter nicht einmal daran dachten, die Ver Handlung zu unterbrechen, umzu.frühl stücken. Jetzt zogen sie sich in ihr Zim mer zurück, und wahrend ihrer Abwe senhcit besprachen sich die Zuschauer sehr ungezwungen, gav nur eine Meinung die Polizei hatte einen groben, unverzeihlichen Mißgriff ge macht. Mr. waint Alban war unschul diaer Weise beleidigt worden. Die Berathung der Richter wahrte nicht lange. Sie kamen zurück, und alsbald herrschte tiefste Stille, man hatte eine Nadel fallen hören können. Mr. aint Alban erwartete die Ent scheidung ohne, Spannung, mit spötti scher pattung. seine grau hielt ihre er loickcnen Auaen zu Boden aerichtet. Wir finden," sagte der Vorsitzende. lndvn er sich höflich gegen den Ange klagten wandte, daß kein Anzeichen vorhanden ist, Sie mit der schweren Anklage in Verbindung zu brinAen. Wir haben übrigens gesunden, da es ein großer Mißbrauch unserer Gewalt wäre, wollten wir die Leiden verlän gern, welche in Folge eines seltsamen, aber, wie wir glauben, unbeabsichtigten Irrthums. Ihnen auferlegt wurden. Die Klage, ist zurückgewiesen,' und Sie verlassen den Gerichtshof, ohne einen Flecken auf Ihrem Charakter." Donnernder Beifall begrüßte diese Worte und Mr. Sainr Alban rerneigtk sich höflich. ', I. i - , Ich kann noch hinzufügen," fuhr der Präsident fort, daß der Gerichts Hof es für seine Schuld hält, sein herz a-''-'
UchsteZ Bedauern darüber auszudrücken, daß Ihnen soviel Verdruß und Unan nehmlichkeiten verursacht wurden, weicht durch den unglücklichen Zufall noch er schwert worden sind, daß ein Sonntag zwischen Ihre Verhaftung und Ihr Er scheinen vor Gericht siel." Mit gesenkten Köpfen und düsteren Mienen standen der Inspektor. Gadd, Mr. Brusel und Robert Power bei sammcn, während die Zuschauer den Saal verließen. Sie waren Zeugen, wie Herr und Frau Saint Alban, um geben von gratulirenden Freunden, triumphirend den Saal verließen. Aber ein noch schwerer Schlag stand ihnen bevor. Ein Bote mit einem Telegramm für den Inspektor trat ein. Dieser öffnete es, und nachdem er es gelesen hatte, ries er aus: Gott sei uns gnädig! Da, lesen Sie einmal." Gespannt warfen die Detektivs und der junge Sergeant einen Blick aus dasselbe: Erstaunen und Verdruß malte sich in ihren Mienen. DaS Telegramm lautete, wie folgt: Dover, vom Detektiv Sprmgwell. Heute Morgen eine französische Dame verhaftet. Name Eharlotte Tuvivier. Sagt, sie sei Gouvernante bei Sir John Hunter. Shawl mit Blutflecken in einem ihrer Koffer gefunden. Habe Verdacht, daß sie mit dem Mord in der Hamiltonstraße in Verbindung steht, da sie Sandbank erst Sonnabend ver lassen hat. Senden Sie sogleich einen Beamten mit Verhaftsbesehl, welcher sie zurückbringt."
17. Die Nachricht von Samt Albans Anklage und Freisprechung durcheilte das Land. Das Verbrechen in der Villa Rob Roy hatte schon längst allge meme Aufmerksamkeit erregt und wurde in allen Zeitunaen desvrocben. Die öNentllche Meinung sprach sich sehr tnt schieden zu Gunsten des Freiaesvrocke nen aus und verurtheilte das Auftreten der Polizei. Bald ertubr man aued von der Ner. Haftung in Dover. Dieser Umstand wurde natürlich gleichfalls zum Schaden der Polizei ausgebeutet. Während die Polizei." dien cs ,n den .eitunaen. .ihre 5Zeit mit einer läcberlicken und unmöglichen Anklage vertrödelte, kam schon die Nachricht, dad eme Frau - dieses Mal also nicht ein Mann ver hastet worden sei, unter Umständen, welche schwere Anzeichen für ihre Schuld liefern. So lanae die Sache noch dem Gericht vorliegt, darf man natürlich noch nicht sagen, daß der Urheber des entsetzlichen Vervrechens entdeckt worden ist." In Folge des MißlinaenZ der Anklage gegen Saint Alban und des Be strebenö der Behörde, mit äußerster Vorsicht vorzugehen, um einen neuen Irrthum zu vermeiden, war eine kleine Verzögerung eingetreten. Aber endlich wurde die Gefangene nach Sandbank gebracht und m derselben Zelle einquar tirt, welche vor Kurzem der dttühmte Geldmann und Menschenfreund einae nommen hatte. ES war Abend, als Charlotte Duvivicr und ihre Wachter in den Bahnhof einfuhren. Power suchte sich eine Stelle auf, von wo aus er ihr Aussteigen beobachten konnte, und als er dort auf dem Posten stand, erschien em hochgewachsenes, schönes Mädchen. weicye vitteriicy weinte. 18. Die verhaftete Eharlotte Dudivier war nicht ohne Freunde. Sie hatte lhre Zelle kaum betreten, als ein Herr mit einer Dame und einem Kind in Kas Polizeigebäuds kam. , Der Herr hatte das Aussehen eines Landjunkers. jedoch em etwas vornehmes Wesen, welches bewies, daß er nicht nur in freier Lust aus dem Felde, sondern auch in anderen Krciien sich zu bewegen ver stand. Die Dame war elegant ge kleidet und gehörte augenscheinlich der vornehmen Welt an. Ich bin Sir John Hunter," sagte der Herr zum Inspektor Saunders., der von Dover hierher aesandt worden war. um Inspektor Gadd in der Untersuchung des Mordes in der Hamiltonstraße zu ersetzen. Das junge Mädchen, dos ete verhaftet haben, stand rn meinen Diensten als Gouvernante meines in des hier. Meine Frau und ich intercs siren uns außerordentlich für die Anae lcgenheit. Sobald wir die Nachricht erfuhren, eilten wir hierher und sind vor kaum einer Stunde angekommen. Wir sind fest überzeugt, daß hier ein Irrthum vorliegt." Inspektor SaunderS verbeugte sich vor dem Herrn und der Dame mit aroßer Höflichkeit und hörte ihre Aus' sagen ernsthast an. Ich. kann Ihnen nur wenia mit theilen," erwiderte er. die Verhastete wurde heuteAbend von Dover Gebracht, sie sagt aus. wie Sie sagen, daß sie in Ihren Diensten war, und sich auf der Reise nach Frankreich befunden habe. um ihre Verwandten zu besuchen, wozu ne vsn,ynen uriauv erhalten habe." (Fortsetzung folgt.) Warum sie einschlief. Mutter (die während eine? Besuches cjngenicks ist,, aufwachend): - Ach Par don! Ich bin etwas eingenickt. die große Hitze ! Herr: Bitte. gnädige Frau ich habe gar, nichts er merkt! iNachdem der Besuch fort ist). Mutter: Nun, hat sich der Reserendar endlich erklärte Tochter: N!in..das nicht, aber er hat mir so interessant von seinen Reisen erzählt! , Mutter:,, Sonst nichts? Na, wenn ich dos gemußt hatte, dann wäre ich nicht einztzchlaen! i-',. Selb stbewuß i se in., Lehrer (zu einem Schüler): Ssae mir. Karl, was ist Deine Mutter?, Karl: Kinnermadel. Lehrer: Und Dein Vu ter? Karl: Kegelbua. Lehrer: Und was bist denn Dui Karl: Brezel' mMmmmmM - $
Die Rache itteö?verschmähte f LiebtzakxrS. Aus Wien berichtet das dortig.
.Fremdenblatt": Am 14. Juli v. I. sollte in einer galizischen Psarrkirch die Trauung des Grundbesitzers Iwan Tobaczuk mit der Tochter emcs Guts besitzers, Augusticz, stattfinden. Alles war vorbereitet, die Kirche zum Er drücken voll, die Braut, die beidersern gen Beistände, der Priester wartete nur der Bräutigam erschien nicht. Die Trauung konnte nicht stattfinden, denn der Äräutigam wurde auch Nachmit tags nicht gesehen. Erst Abends wurde der Unglückselige von den überraschten Emwohnern bemerkt. Er lief athem los zum Gemeindevorstand, dem er das erzählte, was bald darauf Gegenstand einer Strafverhandlung vor dem Kreis gerjchte war. Em Nebenbuhler, deroiährlgc Jo hann Duriak, der von den Eltern der Emma Augusticz abgewiesen war, hatte an de'm bevorzugten Bräutigam Rache genommen, indem er ihn gewaltsam an dem Erscheinen zur Trauung verhin derte. Er war mehrere Stunden vor her bet Tobaczuk, dem Bräutigam, er schienen und meldete ihm, der Gemeinde vorstand wünsche ihn dringend zu sprc chen. Arglos folgte Tobaczuk dem Durial und auffällig erschien es ihm nur, daß Letzterer ihm sagte, daß der Bürgermeister erwarte ihn nicht in seiner Amts Wohnung, sondern in seiner (des Dur jak) Wohnung. Da indeß der Gemein bevorstand machmal den Durjak zu be suchen pflegte, so überwand Tobaczuk auch diesen Argwohn und folgte dem Durjak in seine Wohnung. Dort angelangt, schob Durjak seinen Begleiter in das Zimmer, sperrte die Thür mit emem Schlosse ab, steckte den Schlug zu sich und ging davon, nachdem er solchermaßen den Tobaczuk zum Ge fangencn gemacht hatte. Der Letztere erkannte bald, daß er seinem Neben buhler m die Falle gegangen war. Alle seine Versuche, sich aus der Gcfan aenschast zu befreien, waren vergeb lich. Das Haus gehörte früher zu einem Kloster und hatte solide Gitterstäbe an den Fenstern, und an der fest verschloß senen Thür ließ sich nicht rütteln. Äeme Hilferufe verhallten ungehörig und da die beiden Fenster des Zimmer in einen engen Luftraum mündeten, konnte er auch nicht gesehen werden verbrachte er viele qualvolle Stun den, während man in der Kirche ver gebcnS seiner harrte. Erst spät AbcndS erschien Durjak, öffnete die Thür und entltev feinen Gefangenen mit den höhnischen Worten: Eile in die-Kirche Du wirst sonst zn spät kommen! ' m r rt r- t . r- i ättiriai iioi ergriff vie lucyr uno konnte erst an einem der nächsten Tage ausgeforfcht und verhaftet werdend AuS der Heirath des Tobaczuk wurde nichts, die Braut und deren Eltern hatten aus Scham und Wuth den Ort verlassen nd wollten von der Sache nichts mehr wissen. Durjak wurde vom Kreisqerichte wegen Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit durch Einschränkung der persönlichen Freiheit zu zwei Jahren schweren KerierZ verur theilt. Er ergriff die Nichtigkeitsbe fchwerde. Der Kassationshof verwarf Slesclbe jedoch nnd bestätigte das erst' Urtheil. Sonderdare Gebräuche aus frühem ren Zeiten. Auf dem Württembergischen Schlosse bohentwiel herrschte währenddes Mit telalters der Gebrauch, daß alle sürstli chen Personen, welche die Festung sehen Vollten, Steine von 50 100 Pfund schwere vom Fuß des Berges bis' an sas Thor tragen mußten, worauf sie dort niedergelegt und mit dem Namen des fürstlichen Trägers bezeichnet wur den. Starb in Frankreich ehemals, :in Fremder, ohne naturalisirt zu sein, so beerbte ihn der König. Zu Blissingen wurde ein Strohwisch vor die Thüre des Hauses gelegt, in dem Je mand gestorben war; war aber em Kind gebvren worden, so wurde ein Stück Leinwand mit einem Püppchen vor die Thür gehangt und, wenn es ein Knabe war, noch ein Federkiel da ran gebunden. Die Polen mußten dem Papste. dasür, daß er ihnen im Jahre 1034 ihren Prinzen Kasimir aus dem Benediktmerkloster losgab, drer Dinge bewilligen, nämlich daß von je dem Hause in Polen außer denen der Edelleute jährlich ein Pfennig nach Rom zu dem ewigen Lichte in der Peterskirchtz sollte gesteuert werden; twcitens, daß alle Polen ihre Köpfe wie die Benediktiner sollten schecren lassen. und drittens, datz die Edelleute während des Gottesdienstes ein weißes Tuch um den'Hals hängen sollten. UebrigenS war es Gebrauch der pol nischen.Edclleute, so oft der Priester am Altar daS Evangelium verlas, ihre Säbel halb zu entblößen und nicht eher wieder einzustecken, als mS die Worte gesungen Gloria Tibi Domine!" um anzudeuten, das sie bereit waren, Gut und Blut für die Religion einzusetzen, daher kam die Redensart: In Polen werden viel Säbel gezogen und fließt doch kein Blut." Wollten die Polinnen Geld Von ihren Männern haben, sa mußten pe ihren Herrn Wohlthäter" knieend darum bitten. In Sicilien wurde ehedem scharf darauf geachtet. saß kein Frauenzimmer, ja nicht ein mal ein junger Mann, der noch keinen Lart hatte, in einem öffentlichen Wirthshause übernachtete, undes waren besondere Wächter sür die AufrechZerhal tuttg dieses Gesetzes adgestellt. In Un zarn durfte kern unverhelrathetcr Jung sing: in einem Federbett schlafen, in Lithauen galt das Liegen auf Betten überhaupt für Schande und selbst Wöch aerinnen begnügten sich mit einer har icn Ban'.' - Wer sich genau mit der Scschichtc älterer Zeiten beschäftigt, lönnte die Reihe solcher sonderbaren Ge brauche ins Unendliche ausdebnen.
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