Indiana Tribüne, Volume 15, Number 314, Indianapolis, Marion County, 31 July 1892 — Page 7

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WWWWWWL Set Tottnenbrndcr. !:3Jf den Zksra? ttdertt. ' Schleppenden und schwankenden Gsn tzeZ fast der Sonnenbruder näher. Ter vornehm und wohlhabend aussehende H?rr, anscheinend ein Fremder, welcher durch mehrstündiges Umherwandcln in men beim plötzlichen Anblick der zerlumpten Gestalt, die, bis dabin durch die tiesböngeuden Zweige rerborJen,mit einen: Male dicht vor ihm stand, lang und hager, in zerrissenen, tausendfach gestickten, kOthigen Kleidern, den fettigen, durchlöchetten Schlapphut tief in das hohlVanZiAe, schmutzige Gesicht gedrückt, d?sien Kinn und Lippen voiz, häßlichen Bartstoppeln starrten, dessen Knocken spitz Herrortraten, indejz die Augen in feuchtem, fahleni Glänze finunnen: der echte Sonnenbrnder.der erbeitsschene, obdachlose Großstadtgauner. Er torkelte dicht vor den müde , aus. gestreckten Füßen des Fremden vorüber. emen Dnnn'rels von iif mit CA 1 rjui mu iici 4 c ry - l a i r bnngend, der die Naie des Andern he , lndrgte. Nun hielt e? emen Augenblick ! inne, wie ermüdet.die wässerigen Aeugeb chen wandten sich verschmitzt zusammengekniffen zurück, er holte röchelnd Athem, dann machte er eine Wendung und ließ sich mit einem Seufzer der Ermattung auf die Bank niederfallen. Der Fremde wandte wie erschrocken sein Auge nach der unheimliszen Erfchei nunz und rückte unwillkürlich ein paar Fuß ab ; indessen, er war zu müde und zu trag, um sich zu erheben, er blieb sitzen bald streckt: er die Bcire wieder von sich, und der Kopf sank tiefer auf die Brust hinunter, indeß die Lider sich langsam schlossm. In ' dem Auge des Sonnenbruders leuchtete es ans. Der Abendmind raschelte m den Baumm und kühlte Stirn und Wangen, der goldene Schimmer der sinkenden Sonne übergoß die Gebüsche mit Feuerlohe, der nahe Springbrunnen plätscherte, und anö den Zelten" herüber drangen abgerissene Töne und Phrasen emes WalzerS. Te? Sonnenbruder Netz kein Auge von der schweren goldenen Uhrkette des Fremden, welche zu der schmalen Westenlasche herausfordernd hinaus baumelte. Er biß die Lippen auseinander. .Wird die Kanallje nicht bald einschlafen? dachte er. Es begann zu dunkeln, zwi schen das feine Gesiecht der Zweige schienen sich schwarze Lappm und Decken zu schieben, daI milde Grün ging in ein eintöniges Grau über. Der Sonnenbruder lehnte den Nacken zurück und gähnte laut und gleich darauf wieder holte es der Fremde. .Aha, er nickt ein,- dachte der Strolch. Aber der Fremde machte noch immer so weniz Miene einzuschlafen, wie auszustehen, er sog die kühlende Abeudlust mit Beha'gen ein. .Wenn Du jetzt nicht bald einnickst,- dachte der Strolch, so schlag' ich Dich, todt !...,. Er versuchte ein stärkeres Mittel, den Fremden zum Schlafen zu bringm: er legte seinen Arm über die Lehne, den Kopf darüber hin zurück und stellte sich schlafend. Er wußte, daß Schlafsucht ansteckt. Er ließ nach einiger Zeit röchelnde Laute aus, als ob er schnarche, und blinzelte dabei verstohlen nach den: Fremden hin. Doch der faß noch immer in derselben Stellung wie vorher, abgespannt, allein nicht schlafend. Und die Abcndluft wehte immer linder und schmeichelnder und die Fontaine schwatzte immer drolliger. . . . und die Töne lockten un scherzten immer lieblicher. Ach, eS war nicht angenehm, diefcZ Leben eines Sonnenbruders ! Den gan;en Tag batte er sich in der sürchterl'.djen Hitze von Haus &u Haus geschleppt in seinen zerrissenen Stiefeln. Er war wie gebraten. Hier .verhöhnt, da hinausgeworfen, und immer in Furcht oer dem wach stirbt Auge der Polizei, iu einen unaufhaltsamen, wasfenstill' ftandSloscn frr.tj mit seinesgleichen führte. Jede Straßenecke barg eine Gefahr! Äch. hie? wenigstens, in diesei: grünen Hallen war man sicher. ... hicr fühlte man sich wie in einem Asyl , . . . lner aus dieser Bank wollte er heute nächtigen., Wenn es nur fcha Nacht wäre . . . . Aber es war ja schon Nacht! .... Klles tot und finster und still rings um ihn! .... Dcch nem .... nicht Alles! hier hier war Licht! Hier strahlt? di" freundliche, altmodische Pe troleumlampe ihre erwärmenden roth gelben Flammen aus, das kleine, niedrige und doch fo gemütbliche Zimmer erhellend. Wie die ruhigen 'Lichtwellen , an den grünen, breiten Ofen enwsrleckten, an den alten, riesigen Schränken, an den verräucherten Tapeten derWände, bis hinan f zu der Kuckuksuhr! Wie sie das freundliche Gesicht der guten alten Bäuerin gleich eine? Sonne erglänzen machten, wie jede einzelne der vielen Nunzeln deutlich hervortrat! .... Und' vor ihr stand .... ja natürlich : er, er selbst war der junge Mensch, er, in dem Klumpen, unbehilflichen lkleide des Baukrnjungen, das nur die Rosenknosve im Knopfloch zierte. 'Und er hörte die liebe, mute Stimme der Alten ganz deutlich, in ihrer unverfälschten, harten Torf, mundart- Na denn in Gottes Eamen, Junge, bann geh' nach der Stadt. . . . geh' auf die Aagidimie. . . . wenn sie's Alle meinen, .h,aß,,,,s Aut sein wird für Dich ich hätte Dich lieber H?r ritt neigen, ebrlicki Kintcr hem -""" - r - 1-7- r -j - Vstuge hergehen, .... eber, der, Herr,' Pfarrer und der Herr'Ämtsmann müs-'' lcns ta den er t erneuen gen alo "-' und lern' malen .. .. und komme als"

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um iiafccn rrinuwi, tui ernige i nu , Hundertmarkschein, das Opfer der Muthier auf der Bazes Tiergartens , - H j . nmM MJl ML-iÄ A.-Ill 1 j- A 4. -hutaL (' A fr. V 111-1,' UM -I - , "

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Mchtig'Mind wieder zu DeinerP!utter! 4- Weil Sie ,von dem Besuche aller Tu ireißt, ich bin M'tw.frH , Höheßn Lehranstalten Äusgeschlossen, sieh' also aLein zu, wie Du Dich durch- "'isid.. . . Also bitte, zurück!" Magst drinnen in Dresden clkr"j" Qx taumelt seitwärts.. .. ein paar btöb',,7 . . !uinrI'ehemaligen Mitschüler, kommen dann! Zbrbci. Wie daben sie ihn einstmals komm nur Zurück nach Hause . . . . 5iar- 'zencidet um die Gunst desHrößcLMei toßeln und 'n Stück Schwarzbrot wird ters, , der ihn wie einen Sohn in fein Deine Mutier immer für Dich haben !7 haus ausgenommen! Und setzte . . . sie rf,,"- jp ll g , L.M,,:n.m-M .N.,,..,!,...!,,. ' -.

'IfiiSiiSi BaflgssTg Und setzt ßrtff dieÄitc nnt üirm schwarze, schwieligen Hangen in ihren Brustwtz: Da, hier .... die eine von tut sern zwei .frühen habe ich .zu Geld gemacht meljr sann ich Di? nicht mitgeben, dein besten Willen nicht, HanZ!Und sie steckte ein "blaues Papier z:vi sthcn jeine Flnger, und wie er es we:end einrollte, m$ er einen neuen denn die zwei Kühe waren die einzigen Ernährer der ganzen ammc gewesen! Und mit Geschrei drängten sich jetzt die sech Geschwister heran .... Was war das? Wie kam er ans ein mal in dieses große, prunkvolle Maler atelier ? Ueberall an teil Wänden echte s GobelmZ, herrliche alte Glas;enster, holzsteiÄnitzte Stühle, leuchtende Pur pnrgehänge, kostbareWaffen. feine Sticke reien. Ueberall herrlicke Geniälde be rühmte? Meister, in köstlichen Färber: prahlend, riesige Kartons, deren grauschwarze Unrrißtinien die Hand des tun eigen Meisters verriethen ! Und auf x'itn heri-licke nackte Frauenleiber in ' "d verschiedenen SteÄunaen und Wittifn, vsunp im .tuipt uci ;tf; -ex a ,r (, e. kssn Gruppen; das Ganze ein Tempel dn (.tvttwvtt 'wuivtiini. wl( uui tivii ' : kLJ w .J Q' Unt' nz r.;' uc z Smutjes diese LockenfüLe auf seinem Haupt? Woher der Pinsel in seiner Hand, die Stasselei vor ihm mit dem angefangenen Gemälde? Wie kam dieser Mann mit dem langen braunen Bollbart hierher, der doch eben noch im Thiergarten gesessen? Wie kommt er dazu, iöm auf die Schulter zu klopfen und väterlich gütig zu sagen: Bravo! Nur so fortgefahren, Hans! Dann wird noch ein mal was aus Dir! Aber denk' nur aLein an Deine Kunst und laß die derdämmten Weiber! Male sie, aber vergass' Dich nicht in sie: wie ich $ mache!" Und nun geht er hinaus. Was ist das Alles? Ja, recht, er ist ja der LieblingSschuler des berühmten Profefsors, der ihn um seines Talentes willen in sein Haus aufgenommen hat! Aber dieses halbentblößte, üppige, roth haarige Weib, das hinter der Stasselei aufspringend, jetzt plötzlich an feinem Halse hängt und ihn mit Küssen bedeckt? - Wahrhaftig, das ist ja die tolle Olly, das LieblingSmodell der Dresdener Künstler, die Lorcley, die Sirene unzähliger Bilder .... Hu, wie lzeiß ihr Athem geht, wie ihre wilden Küsse brc::en ! . . . . Wie sie leidenschaftlich flüstert : Hans .... entstieh' mit mir ! Hans. liebst Tu mich nicht? Möchtest Du nicht gern an meiner Seite leben? SUmi ajj uns nach, Italien reisen. ..." Aber, Olly wovon " m Narr. . . .mach' bei Deinem Gönner eine Anleihe eine unfreiwillige versteht sich ... . drinnen steh! die Kasse . . sie ist auf. ..." Olly, bist Du wahnsinnig .... mei nm Wohlthäter. . . . bestchlen ?...." Bah bah. ...nicht Du. . . .wenn Dir der Muth fehlt. . . .ich selbst. ..." .Halt. . . . das dulde ich nicht . . . . Hast Du mich denn nicht gern, Hans? " Ich kann nicht leben ohne Dich, Olln Gott, was habe ich gesagt .... Bleib',' ich befehle es Geh' .... bleib'.. ..thue, was Du willst ich mag nichts sehen, nichts hören " Hans, geh' mit mir nach Italien! ttom'm !.... Olln. Du weißt, ich bin arm wie eir Künstler!" Hier ist Geld .... ich habe Geld .. . ."frage nicht woher? Komm' nur." Fr fühlt Zwischen seinen Fingern einen Tausendmarkschein ... .die rothen Locken stattern. . . .die süße Stimme girrt. ... und diese Lippen schwellen fo verführe risch....so unwiderftchlich.... Sie sitzen auf der Bahn. .. .nachtschwarze Tunnels und das sonnenflim mernde, blaulcuchtende Meer wechseln iäh mit einander .... Jeyt liegen sie Arm in Arm an dem äufzersten Rande öZs Felsens von Eapri und küssen sich znd trinken Wein, unter sich die blaue Unendlichkeit, über sich Jetzt erhebt er sich schlaftrunken von seinem Lager, er eilt hinüber zu feiner Gefahr :in, sie durch einen Kuß zu wecken. . . . zroßer Gott, was ist das ? Das Bett ist leer!.... Er fliegt ans Fenster. ... ?ort der Nachen, der hinüber rudert, las Neapel zu!....O, er kennt diese rothe Locken, welche im Winde flattern! ....Und diese hagere, knochige Gestalt SKneben. ... ist das nicht der englische Nillionar. welcher unter ihnen gewohnt, md der Olly immer init so lüsternen yi.... i.-Ci-si je fi . : j imgc ixtjuigsc r . . . . Ä,, imum einen j K ahn .... ihnen nach ! Ein Königreich rar cm Boot! Er hat es mit übermenschlicher Kraft theilt er die Wo ;en. ...er fliegt dahin . . . .aber plötzjich thut sich der Abgrund auf.... der Strudel erfaßt ihn. .. .er stürzt in pit Tiefe .... bodenlos .... bodenlos .... it stöhnt, er ächzt, in Verzweiflung zrezft er nach rechts und links .... um wnst, umsonst .... Nacht und Abgrun Ziberall. ... , Jetzt steht er wieder vor der schweren, nchenen Pforte des alterthümlichen pauses seines Meisters, deren ehernen Klöppel er so vzt gerührt .... Wie kommt er nun auf einmal hierher ? ....Der Pförtner Zuckt die Achseln: .Der Herr Professor sind nicht p Hause." . Wann kann ich ihn sprechen?" Bedaure! Jchchabe auch Auftrag, P-it nickit vorzukanen. memt knni I en Entsetzen malt sich in seinen ,,,, Zügen. Ereilt nach der Akademie; "'Wn will er die schwelle überschreilen. m tritt ibm der N?d?ll Vifo ' -r- .-j)"' fff )arf Sie nicht hineinlassen, mein Herr) Litte zurück !" ' ' : i ' . . t : Ntcht herem aber weshalb den? ' I ' m J ' licht?

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venden die Köpfe zur Seite, "rndeß sie eintreten, nm ihn nicht zu sehen. ... Verloren! Alles verloren! Seine Zristenz vernichtet! Was beginnen? Wo arbeiten? Wovon leben? Er nuß noch Gott und dem Professor dan 'en. daß man Mitleid mit ihm hat und chn nicht ins Gefängniß wirft! Er zittert vor Angst. In jedem Vorübergehenden, der ihn fixirt, glaubt er einen Geheimpolizisten zu sehen, der ihn abholt.... Was idas für ein elendes, erbarm liches Dachstübchen, in dem er am halb zerbrochenen Tische sitzt! Die Fenster zerschlagen, der Ofen raucht, der Wind treibt Schnee und Eis herein. Diese ilenden Caricaturen, die er beim Licht öer Thranfunzel für das Vorstadtwitzblatt entwirst, diese Verhöhnungen deS Schonen und Edlen in der Welt find es, Hon dereu mageren Ertrag er leben soll. Leben ! ? Nicht gerade verhungern !. . . Was thun ? Zur Mutter zurückkehren? ?!ein! nein! nein! Er wäre in die Erde zcsunken vor dem Blick dieser ehrlichen treuen Augen! Sie darf nicht einmal wissen, wo er ist. ...sie würde ihn vielleicht aussuchen!.... Nein, er hat nur ein Lebensziel: das schöne, falsche Weib noch einmal wiederzusehen, das Schuld in einem Unglück trägt. ... er muß sie iviederfinden. . . .und dann wird er ihr ;u Füßen sinken und sie mit Thränen, mit Worten beschwören, bis sie mit ihm geht und sein Elend mit ihm theilt. ... Was ist das? Ein Brief? .... Hm, man schickt ihm seine Zeichnungen zu rück. Sehr talentvoll, sehr künstlerisch aber Ihnen fehlt der Humor." Der Teufe! habe Humor in seiner Lage! Die letzte Verbindung verloren! Kein Brot! Kein Feu?r! O, diese Qualen des Hungers ! Keine Arbeit, keine Auf träge! Wo er feinen Namen nennt, überall Achselzucken und Bedauern ! Und ob er Tagelang die Straßen durchirrt von Olly keine Spur. . . . Am Bettelstab ist er ... . warum die falsche Scham ? Warum es nicht ein gestehen? Warum nicht das Mitleid der Kollegen in Anspruch nehmen, die das Glück mehr begünstigt? Es ist ihre Pflicht, ihm zu helfen ! Er steht im Hausflur des berühmten Malers, dem feine platten, glatten Bildnisse der reichen Kommerzienräthe und deren Frau ein Vermögen eingetragen, dessen Aus treten stolzer ist, als das eines Fürsten Er klingelt .... die Thüre öffnet sicl . . . . Teufel und Hölle! Das Weib Das Weib! Ein ganzes Fegefeus lägt sie in il rm Atten. Olly! Endlich" . Schweigen Sie! Wir haben nicht! mehr mit einander gemein. Ich bii eine ehrbare Frau. Niemand wird mu

mißtrauen, wenn ich sie mcht kenne' mein greiser Gatte am allerwenigsten Aber ich habe Mitleid mit Ihnen. Hicr nehmen Sie, aber wagen Sie mir nim mcrmehr vor die Augen zu treten!" Und schon sühlt er zwischen feinet Fingern den trockenen, knisternde! Zwanzigmarkschein .... die Thür fäll in's Schloß .... er wirft ihr den Zed tcl nach.... Olly, Olly!" schreit e da faßt ihn der Diener am Kragen Ach. wie matt, wie zerschlagen! Nu: eine kleine aufrichtende Stärkung!.... Ha, daS rinnt durch die fehle wi, Feuer! Er füblt sich wieder stark, wie der frei. . . . Wer ist Olly? Wo ist sei, Elend? Vergessen, alles vergessen! Ei ist ein König, er ist reich reich, da ihi der Wirth aus der Wohnung weist, d ihn der Schutzmann aufgreift und n dem grünen Wagen fortführt. Zu Fuß nit zerrissene Stiefeln, als Land streiche?, trollt er nach der Hauptstadt. in dereu tiefem Schlamm er sich unbo hindert tu walzen hofft. . Er hat kein Heim, keine Verwandten, keine Kleidung, keine Speise, kein Feuei nichts! Obdachlos irrt er umher, nächtigt in Neubauten, in Heuschuppen in Tennen, in Pferdestäüen"; im ewig Kampf mit Schutzmann nnd Nacht Wächter. . . . aber da wirst ihm ein Spa ziergönge? einen Groschen in den Hnt, ode? er findet einen Fremden, der au einer Thicrgartenbank eingenickt ist, unl ans dessen Tasche das gefüllte Porte monnaie hervorlugt uud in fünf Mi nuten ist er ein berühmter gefeierte! Künstler, reich, verehrt, der Gatte des schönsten Weibes. Dann kommt der kalte, nüchtern Wintermorgcn, und klappernd, frierend, hungrig zieht er hinaus, ängstlich na jedem Fleckchen lugend, das die Sonn, descheint, in deren magerem Strahl u die steifen Glieder wärmt Dock, Gott sei Dank, das hat nun eil Ende! Gott fei Dank, jetzt ist er todl und er wandelt zwischen den Wolkek umher.... Und welch schonen Anzug ei anhat! Wie schmuck ihm die Sammet, jacke steht, mitderRoseimKnopfloch! Wii reizend die wehenden Locken! Und wü satt und behaglich er sich fühlt! Welch' enge:iehme Wärme rings um ihn! Und des Nachts dieses weiche, frisch überzogene Bett wie wohlig schläft cs fies darin! Wa was was war das? Wal sür ein Schlag? Er fuhr auf. . . .alles grau und düster um ihn!.... Wo war er? Wo befand er sich ?..... Hm Zweige.... da eine Bank. ... er allein er wollte doch . . . Ach so ? . Ach so ! . . Er hatte sich doch nur schlafend gestellt! War er wirklich. . War er jo müde gewesen ! Freilich, wenn man den gan zenTag noch nichts zu sich genommen. Wahrhaftig allein ! Der K erl von einem Fremden war ihm durch die Lappen gegangen 4 ...Ha, , was war das? 'Mas steckte da zwischen seinen Fingern?.. . . Ein Fünfmarkschein? ! Nanu! War der von dem. Herrgott, was war das für ein Gesicht, gewesen.!? Das kannte er Loch Da, da bog er eben um die Ecke der Allee.... Gott sirambach, der Bart ' i:w V Er erhob sich. Herr Prose " schrie er'"Äbcr'd,asWort,:M Kehle sMen lind kraftlos, wie von einem Hchwindel erfäßt, sank erAus die Bank zümck 7"anUächtM nifchlKnD!Zücktei die .nachste.Branntweinschmke suchen. ' ;

.'li'1 ,'V ir PariferJcituttgen üöer das Snett. In Paris ereifert man sich plötzlich anläßlich der Affaire Mores - Mey er gegen das Duell. Komifch be rührt es, wenn bekannte Ducllsportseilte, wie (sassagnac und Rochefort, sich heftig gegen das Duell aussprcchen. Ersterer schreibt, er wolle nun hoffen, oaf; die öffentliche Meinung nach dem letzten traurigen Ereignitz fernere Duelle verhindern werde: Nieder mit dcu Degen, in die Scheide mit ihnen! Die französischen Klingen müssen es als :ine Ehrenfache betrachten, nur noch gegen die deutschen gezogen zu werden. Es giebt, Gott sei Dank, so viel prcußifche Leibe? zu durchlöchern, daß man kein französisches Leben zu bcdrohen braucht." Dem Chauvinisten müssen eben alle Dinge zum Besten dienen, Rochefcrt, ebenfalls ein großer Duel laut vor dem Herrn, schreibt einen langen schmerzhaften und verständigen Artikel gegen das Duell, in dem er sagt, daß ein Gottcsurtheil. das man dadurch zu beeinflussen suche, daß man sich täglich vier Stunden snf dem Fechtboden aufhält, gemein, thierisch und unbegreiflich" sei. Er schlägt vor, das englische Verfahren anzuwenden, gas er folgendermaßen schildert: Thut wie die Engländer -und verbietet das Duell unter den strengsten Strafen, in dem ihr es dem Morde gleichstellt. Bei unsern Nachbarn wird angenom men. daß ein Mann, der einem anderen seine Zeugen schickt, die Absicht gchabt jai eine iciner Mitmenschen unter Mitschuld der Zeugen abzumurksen. Wenn dieser das Duell annimmt und dabei fällt fo werden die vier Zeugen und der Sieger schleunigst aufgehängt. - Das ist klar und logisch." Sehr viele an zere sagen auch ganz offen, daß die heutigen Duelle nur der Ausfluß kindi 'cher Eitelkeit seien und nur den Zweck ' zätten .die Namen der Duellanten und hrer Zeugen in den Blättern abdrucken zu lassen. Diese große Wahrheit spricht man aber jedesmal aus, wenn ein Duell schief geqanaen ist, und dann bleibt doch alles beim alten. Bei die ser Gelegenheit und da die Frage der jüdischen Ofsiciere zu den letzten fweikämpfen Anlaß gegegen hat, möge hicr einige Angaben über die Zaljl der jüdischen Officiere folgen, die in der französischen Armee dienen. Die Zahl der activen CÜiciere wird auf etwa 500 angegeben. In höheren Stellen sind unter ihnen der Divifiousgeneral Hin stin, Commandant von Verdun. nnd fünf Oberste, die meist der Artillerie angehören. Noch vor wenig Jahren war die Zahl der jüdischen Generale viel größer, doch sind die meisten in Folge Erreichung der Altersgrenze seit kurzem in die Reserve übergetreten. Von ihnen leben noch die Divisionsgeneräle Lambert, Levy und See. sowie die Brigadegeneräle Brisac und Abraham. Bon anderer Seite wird über das fa mose Duell geschrieben: Marquis U More ist ein Duellant von Profession. Er hat den ganzen Tag nichts zu thun und als Müßiggänger vertreibt erden Tag mit Wasjenübungen. Sein Fecht? meiner erkkärte'einem Interwiewer des Echo dc Paris", daß Marquis de Mores einige Trucs habe, die niemals fehlgehen, und einen solchen Truc hat er offenbar auch dem Geniecapitän Meyer gegenüber angewendet. Die atisemitisäM Lügner wollten die Sache verdrehen und daher behaupten sie, nm den Marquis de Mores zu entschuldigen. Meyer wäre Fechtmeister an d.'r Ecole Polytechnique gewesen. Sclbstvcrständisch ist es eine Lüge. Das Vorgeben des jetzt verhafteten Marquis de MorcS stellt sich nach diefem Sachverhalt mindestens als ein sehr gehässiges und muthwilliges dar. Uebrigens giebt Herr Trumont. der antisemitische Ch.'f, im Hinblick ans die Stimmung in Paris in seinem Blattc Lü libre Parole" klein bei. Er, der nicht genug Schimpsworte gegen die Juden aufdringen konnte, ist jetzt voll von Elogen für den gefallenen Capi tän. Wie gut aber fein antisemitisches Herz ist. beweist folgender Ausruf, den er mit Thränen in den Augen machte: Ich bin verzweifelt. Ich habe mein Journal zu Grunde gerichtet". Also um's Journal war es ihm zu thun. Daß seinetwegen ein Menschenleben verloren ging, das kommt erst in zweiter Reihet Die gesammte Presse, selbst die conservativen Journale äußern sich über die Antisemiten in den herbsten Ausdrücken. Der Radical. bei welchem Henry Maret und Sigismond Lacrom sKrzijanowski) mitarbeiten. sagt: Dös Land protestirt gegen die Rückkehr zum Religionskrieg, zu welchem es eine Eo teriewerleitcn möchte, die dunkle Com binationen verfolgt Alle kova len Menschen werden gegen das Treiben der Prosessionsdueüünten ihre Stimme erheben". Viel heftiger spricht noch der Voltaire: Es genügt eine Poli zcivcrordnung , gegen die wüthenden Hunde. Was immer nothwendig sein wird, um der Wuth der Drumont's und MoreZ ein Ende zu machen, wir sind bereit, es aufzuwenden. Es ist ein vaterkäNdifches Interesse, das uns befiehlt, mit diesen öffentlichen Feinden aufzuräumen." .' , . . ' " F atale Dr u ckfe h l e r. Bon der Grenzwache in Steckelberg wurde kürzlich eine Frau angehalten, "welche unter ihren , Kleidern für 5000 Mark Spatzen über die Grenze, schmuggeln nollke. ' ' Mit einem entsetzlichen Schrei brach sie , zusaminen'als sie 'vom Ufer aus in den ? leeren Aachen des fehnlichst fterer Miene, beide Hunde in dcn Hosen, laschen, ging der Gchcimrath in seinem 3immörl,il,nd 'Mtthiß.; r;$T$;W rift$ftt sident das Urttzcil vor: In Erwägung, daß es erwiesen ist, daß der Angeklagte sich, vergangen, hat, gegen das Strafgef ylniit'klanifr: araaravb jtnn(ii!nh?ri

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undeinu'ndfe.'büa. Herr Präsident!"

S&äf! SZLWLWLM LluS dem Leben eines Gelegen , heitsdichters. Tti. t"i Vaul tL Klrstcltt. Es war Gesellschaft beim Kommcrzienrath Wollheim : der Banquier Friede! ha-tte eben den Toast auf den Hausherrn ausgebracht, und nun allgemeine Aufstehen. Anstoßen mit den Gläsern, Scherzen und Plaudern." Aber, Herr Friedcl, das war ja reizend!" Ach, eine allerliebste Jmprovisa tion!" Haben Sie das wirklich allein ge macht. Herr Friedet?" Gewiß, meine Gnädigste." Ach, das war entzückend!" O bitte, bitte, nur bescheidene Versuche eines Dilettanten!" Aber, mein lieber Herr Friede!," warf eine Andere ein. daß Sie auch Verse machen können, wußte ich ja gar nicht!" Und noch dazu so geistreiche, humoristische Verse!" Ja. meine Damen, was thut man nicht sür einen so alten Freund," er drückte Herrn Wollheim zärtlich die Hand, was thut man nicht so einem Menschcnaües zu Liebe! Man macht sogar Verse." Na, warten Sie, Sie Heuchler! Für mich haben Sie noch nie welche gemacht!" ,,O, meine Gnädigste, schon das nächste Mal. wenn ich' die Ehre haben sollte, bei Ihnen eingeladen zu fein.." .Wirklich?" .Hand darauf!" 'Ach, das ist lieb von Ihnen." Nicht wahr, meine Gnädigste? O, seien Sie ganz unbesorgt; Sie werden eine Gesellschaft geben, nur um die Verse zu erhalten, und Herr Friede! wird Sie dämit nicht im Stich lassen. Warum sollte' er auch? Für zehn Mark bekommt er sie ja wunderschön da oben in der Mansarde im vierten Stock bei dem Gelegenheitsdichterz er ist ja jetzt Kunde, denn er kommt schon das zweite Mal. Und wenn nicht, was schadet's? Ww Haben's ja dazu. Ja, mein lieber. Roderich, wer hätte das gedacht, als du dich vor ein paar Jahren, die Brust geschwellt von sieges trunkenen Hoffnungen, unter die Dichter mischtest, daß du heute nach vielen .Entbehrungen das traunge Mlchäst eines Gclegenhettsdichters betreiben müßtest, und daß du froh bist, wenn du nur recht viele Bestellungen hast! Geldverdienen ist auch dein heiligster Beruf geworden. So will es das Leben, so will es die Noth, und für dich ist dies ja der gleiche Begriff. Und "auch heute sitzest du wieder da vor dem wackligen Tisch, frierend in dem ungeheizten Zsmmer, aber vor dir liet nicht das Papier, das den Ecdankenflug deiner bekümmerten Seele aufnehmen und dich unsterblich neben die Meister der Dichtkunst stellen soll, was heute vor dir liegt, ist etwas ganz Anderes. gar nichts Poetisches, nein, etwas sehr Prosaisches. Ein Mahnbrief! Herr Roderich. wenn Sie mir nicht binnen drei Tagen die restirende Miethe im B.r.lge von zehn Mark zustellen, mache ich von meinem Ermissionsrecht Gebrauch. E. Wende. War-chand-Tailleur." Hurrah, du kaufmännifchcr Schnei der. wirf mich nur um dieser elenden zehn Mark willen auf die Straße! Wie ein Thier gelebt, wie ein Thier gestor be; das ist der Lauf de? Welt! Zornig warf er den Brief bei Seite. Ja, mein lieber Freund, ein Idealist zu sein, heißt heute so viel wie unprak tisch fein! Verzweifelt stand er vom Schemel auf und ging auf der knarrenden Diele entlang ans Fenster, als wollte er sich den Fleck ansehen, wo er nach drei Ta. gen liegen sollte. Ta klopfte es plötzlich. Erfchrockcn wandte er sich um. Herein!" Der Briefträger brachte ihm. keu chend von dem' vielen Treppensteigen, einen Brief. Was enthielt der nun wieder? SoU der haben, daS ist jetzt die Frage." murmelte er ver sich hin, wahrfchetn!ich wieder ein Soll!" Langsam öffnete er und las. Aber min, das war ja eine Bestes iüng! Der Bäckermeister Munmann wünschte zum Jubiläum eines Geschäftsfreundes eiligst ein Tafellicd. Und schon heute um elf sollte er zur Besprechung hei ihm sein. Ein Blick auf den Kirchthurm belehrt ihn, daß es bald so weit ist.. Herrgott, da muß er sich ja eilen ! Rasch zieht er sich die Stiefel an, versucht Rock und Hut abzubürsten leider enthielt die Bürste nur noch sehr wenig Borsten und stürmt dann in rasendem Lauf polternd die vier Treppen hinunter. Erschreckt : schaut Herr Wende, der Hauswirth, ans feiner Thür, Rann, so wild? Sollte sich dieser Herr feinen Mahnbrief so zu Herzen genommen haben, daß er einen dummen Streich begehen will? Aber was kümmert's ihn? Jeder ist sich . selbst der ,n Schon nach kurzer Zeit betritt Roderich den Bäckerladen. Ringsum liegen die fnschelt Bickwaaren und die schönen Kuchen, noch dampfend von der Hitze des Ofens, Zahlreich, iurUeherffuß wer weiß, wie Vieles davon verderben wird! Und er hatte heute nichts gegessen, und gestern Abend.'. . .da wär, es ach nur wenig gewesen, denn er wollte sich ja noch etwas für das heutige. Mittag brod zurücklassen . . ö'r ? Ach, keine trüben Gedanken, jetzt bekam er ia wieder Geld. 1 : ;;V,. Geld? 1 Ja du lieber Gott, das würde wohl gerade. für die Miethe draufgehen. unh:,,bohn If'Sifeier er da plötzlich aus sehnn stillen Betrachtungen aufgestört. , ; .-..-Nr Schnell faßte er sich: Site !H

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Ich möchte Herrn Murrrnaun fpre chen!" , Ist in der Backstube, einen Augen blick. Damit ging die Verkäuferin nach bin ten. Herr Murrmann, hier ist Je mand," rief sie hinunter. Gut, komme gleich," schallte es aus der Backstube wieder herauf. Nach wenigen Sekunden stand bei dicke Bäckermeister breitspurig vor dem schmalen Poeten. Sie wünschen?" fragte auch er. Verzeihen Sie, mein Name ist Ro derich, ich bin hierherbcstellt." Roderich? Ach fo, Sie sind dez Verfemachcr! Na kommen Sie mal hier herein in die Stube, da wollen mir weiter sprechen", und damit ging cr ihm in das nedenliegende Zimmer voran. Da sah es freilich anders aus. als in seinem Heim da vier Stock hoch, dicht unterm Dach. Hier war es warm und behaglich. Schöne Möbel, blendend weiße Gardinen, frische Blumen, und Allesso fauber. so adrett. Ach Rode, rich, warum bist du nicht lieber Bäcker geworden? Also." hub Her? Murrmann wie der an, es handelt sich um das fünf undzwanzigjährige Geschäfts! ubiläum eines Freundes von mir. das durch cm großes Essen gefeiert werden soll. Da zu möchte ich gern ein Tafcllied ha, ben." Ein Tafellied, zum Singen? O, das kann ich Ihnen fehr.fchön machen." entgcgnetc Roderich. Gut, also dann bitte ich darum. Aber sagen Sie mal, was tostet denn so'n Ding eigentlich?" Ich denke, zwölf Mark werden Jhneu nicht zu viel sein," kam es ganz schüchtern heraus. Na, eigentlich doch, aber wissen Sie. ich bin kein Unmensch. Leben und leben lassen ist mein Primip. Ich will cs Ihnen zahlen, doch dürfen Sie es dafür dann auch nicht zu kurz machen, und wissen Sie. so eine rechte Menge fauler Witze muß herein, daß die Mensehen lachen können, das mach! Effect! Na, Sie werden mich ja verstehen." Jawohl, abcr wollen Sie mir nicht auch ein paar Andeutungen über

Ihren werthen Geichästsfreund gebe damit ich das Lied etn as anzüglich ma chen kann," sagte er und nahm sein Notizbuch heraus. Gewiß! Hm es ist ein alter, braver 5Zerl. mit gutem Herzen wis sen Sie. so einer, der sebr gern wohl thut: ein treuer Gatte und zartluber Familienvater, kurz, mit einem Wort gesagt, edler Menschenfreund, einer, der Interesse für seine Mitbürge? hat und ein Herz sür die Armen un'd Kran' ken." Und wie zur Erläuterung fügt er nol hinzu: Deshalb hat man ihn auch in den Gemeindevorftand ge. wählt." Und hat Ihr Freund im gewöhnlichen Leben nicht irgend eine besondere Angewohnheit?" Gott.... er spielt sehr gern Skat. Aber im Uebrigen, Sie müssen ihn ja kennen. Wonnen Sie nicht in der Wraße Nr. 4?" Allerdings." Na, dann ist es doch Ihr HausWirth!" Herr Wende?!!" Aber natürlich." Das war also der edle Menschenfreund, der so gern wohlthat, der ei Herz für die Armen und Elenden hattl und ihn zoyt wegen zehn Mark zu ermittlren drolite. nachdem er über zwei Jahre regelmäßig die Miethe gezahlt hatte. Roderich wurde plötzlich ganz befan gen. Schleunigst brach er die VerHandlungen ab, versprach das Lied am nächsten Tage abzuliefern, wofür er den a:ch gleich das Geld erhalten sollte, und verabschiedete sich. Es war ihn: zu heiß geworden da drinnen, wo man so begeistert das Lob einl's Meuschenfreudens" sang, der doch eigentlich nur ein ganz gewöhnlichor Protz war. Wo die Welt es hörte, großmüthig, and sonst hart bis zur Gransamleit. Langsam schlich er sich wieder nach Hause.' Herr Wende, der ihn kommen sah, war beinahe erstaunt, ihn noch am Leben zu sehen. Ja, so sind diese Lum pen! Selbst dazu find sie zu feige oder gar zu faul," brummte er in seinem schön gepflegten Bart. Roderich afcx setzte sich wieder in seinem kalten Zimmer an den Tisch und versuchte zu arbeiten. Es wollte ihm jetzt aber nicht gelingen. Immer wieder tauchte vor ihm diese bittere Ironie auf. Er sollt? den Mann als Wohlthat preisen, der an ihm so hartherzig hatt' deln wollte: die Hochherzigkeit dessen besingen, der ihn so rücksichtslos verderben würde! Verstimmt stand er auf und ging ans Fenster. Lange schaute er da hinaus, und Gedanken schwirrten ihm in Fülle durch den Kopf. Was hatte er gethan, daß es ihm fo elend, und Jener, daß et ihm so gut ging? Auch er hatte gestrebt und gerungen, das Höchste zu erreichen. Er wollte feinen Mitmenschen den Geist der ver!lä;enden Poesie bringen und sie us dem öden Alltagsleben' hinführen zur göttlichen Welt des Lichts. Auch das war doch ein Ziel, werth des menschlichen Lohnes! Und wenn er 'nicht so handeln um verhandeln konnte wie Jener, war daseine Schuld? Aber nun, das Ergeb niß! Wo blieb da die ausgleichende Ge. rechtigkeit? ' . , : , Doch trotz seines Elends beschloß er. den Antrag nicht auszuführen. S o weil war er doch noch nicht gekommen um !eferWramerstele'DilleirU Ueberzeugung zu handeln, etwas zu !oben. was doch nur des hc . -.( de!5 w Aber dann meldete si Witz t 'I Hr. w a s Hu nger ist, und waZ der Hunger verm ag HMA l;2arigföm fetzte er sich nieder und begann von Neuem zu arbeiten. Er brauchte ja daV, das eden ist hart 0" :-:";:;:ii-.i:-ihi!!:!:i:":?iiiii;:!':li'(i:!i:H:; ,,!?,r,",''W!,zsK,,,,,! !! - j- :.,

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"vliM! '!i,Ji;!iilf''l"j:!; IIHH: i'::i"ri--i!.h:Mi" i ;!'-:!;!!:-!;!;!!.,::,., iijii. Eacraaf &ffl&Qm&ws7! ;:- Und er dachte an den Menschen freund, wie er in seinem Ideale lebte. An einen Mann, der mit vollem Herzen und warmem Gefühl die Sorge zu Ihr dern und das Elend zu trösten bedacht war, der die Liebe und das Vertrauen ausstreute und den Gram verscheuchte, der im Geheimen und verborgen vor den Menschen feinen Liebeswerken nachging, damit ihn nur nicht der Dank seiner Schützlinge verfolge, und dessen einziger Lohn in dem Bewußtsein bestand, nach Kräften für das Heil seiner weniger glücklichen Mitmenschen gesorgt zu ha. ben. Und hingerissen von dieser Traum gestalt, sang er das Lied mit feurigem Vmvfinden und erquickendem Humor. Doch wenn auch Weh seine Brusl durchzog, als er nun bedachte, zu wessen Verherrlichung es beitragen würde, er hatte als Bürger seine Pflicht gethan, zu arbeiten, wenn ihm Arbeit geboten wurde; der Mensch freilich, der ging dabei zu Grunde. Am anderen Morgen lieferte er das Lied dann ab und erhielt sein Honorar. Eine Stunde später bezahlte er dem edlen Menschenfreunde" die zehn?ari Miethe. Nun blieben ihm noch zn;ef Mark ; für wer weiß wie lange. Nach acht Tagen fand unter großem Prunk das Festmahl statt. Man sang das Lied, und trotz der banalen Musik und der grölenden Stimmen drang es durch die wunderbare Macht seiner Worte den Menschen tief ins Herz, ud als dann noch mehrere überschwenglich: Reden die Verdienste des Jubilars gefeiert hatten, da fühlte sich Herr Wende ?ls großer Mann und erhabenes Mitglied der menschlichen Gesellschaft, und im Bewußtsein seines hohen Werthes gab er dem Diener zehn Mark Trinke geld. Ich glaube, es waren zufällig dieselbenzehn Mark, die dem armen Roderich in seine? Dachkammer so viel bittere Stunden bereitet hatten. Eine rabiate SÄwiegermutter. Eine rabiate Schwiegermutter, die ibren gutmüthigen aber willensschwa chen Schwiegersohn, dessen ihre Tochter überdrüssig ist, durch Pistolenschüsse zu beseitigen sucht, stand dieser Tage, des Mordversuchs angeklagt, vor dem Schwurgericht zu Freiberg. Die 45 Jahre alte Brettschneiders Ehefrau Auguste Ernestine Kaden geh Geifert inKleinnenlchönberg. ' überredete den Brett'chneider Paul Martin aus Hallbach Anfang des vorigen Jahres. ihre älteste Tochter zu heirath'n, die sich mit einem leichtsinnigen Schneider ein gelassen hatte, für Martin aber wenig Neigung empfand. Der junge Mann war gutmüthig genug, nicht nur über das frühere Verhältniß mit dem Schneider hinwegzusehen, sondern der Frau auch noch einen später begangenen Akt der Untreue zu verzeihen Er zog mit seiner Frau im December 1891 zu sei neu Schwiegeltern nach Kleinnenschoberg und arbeitete von Neuzah? 1892 an in der eine halbe Stunde entfernten Seifert'schen Schneidermühle in Hall bach. von wo er nur am Sonntag zu seiner Familie in Kleinnenfchönberg zu rückkehrte. Inzwischen übertrug sich die Mneigung feiner Frau auf feine Schwiegermutter, die- ihm vhne allen Grund Trägheit vorwarf, weil cr am Sonntag nicht auch noch in ihrer Wirthschaft mithalf. Die Kaden nahm schließlich eine ihrem Manne gehörige Pistole, lud sie mit Pulver und Schrot und feuerte sie, als sie am Abend des 5. April d. I. Martin in der Mühle besuchte, um Rinden zu holen, in nächster Nähe aus ihren ahnungslosen Schwiegersohn der ert ab, daß er im Racken getroffen wurde. Nur der Umstand, daß die Ladung eine zu schwache war und der Kragen den Hals schützte, verhütete ernstes Unheil. An einem der nächsten Abende hätte die Schwiegermutter, ihrem Schwiegersohn auf skinnn gewohnten Wege durch den Wald bei Hall bach auflauernd, beinahe einen Fremden, den Stuhlbauer Sattler, angeschossen. Am Sonnabend, den ,10 April, aber kam sie Abends wieder in die Seisert'sche Mühle, um Rinden zu holen und in Begleitung des Schwicgerfohnes nach Kleinnenschönberg zurückzukehren. Beim Eintritt in den Busch veranlaßte sie Martin, unter dem Verwand, sich indeß etwas Äeisig aus dem Walde zu holen, nach der Straße zu sehen und benutzte das, um wi? der fcie heimlich mitgenommene Pistal ius ihn abzudrücken. Wieder streifte ihn der Schuß nur, worauf er Ferfengeld gab. Wahrend der ersten Vernehmung und auch vor dem Schwurgericht behauptete die An geklagte theils, sie habe den Martin nur aufmuntern" und Eourage machen", theils, sie habe den Martin nur ein schüchtern" wollen. Während die Staatsanwaltschaft die Ansicht vertrat, die Kaden habe den ihr und ihrer Tochter lästig gewordenen Menschen durch Mord vorsätzlich und planvoll beseitigen wollen, behauptete der Vertheidiger, feine jZlicntin habe den SchMegerschn durch die abgefeuerten Schüsse nur äng stigen und zum Verlassen ihres Hauses zwingen wollen. Die .Cclchworenen neigten Ich aber der ersteren Anschaung tzu'nnd bejahten die auf Mordversuch gerichteten Schuldfragen, worauf die ..lebA-gefährliche Schwiegermutter" zu Aeben Jahren Zuchthaus, zehn Jahren' Ehrenrechtsverlust und Stellung nie Polizeiaufsicht verurtheilt wurde. Ein wirksames Mittel. Lieber Doctor, ichMußMnen noch süc Ihr unvergeßliches Mittel gegen In fluenza danken. So? Wie viel Flaschen mußten Sie denn brauchen, bis Ihnen geholfen war? O, nicht fpM Aber meMOnkel nahm eine und ich bin fein alleiniger Erbe! fp'SI i L 0. zwei Dr ti teln sämmtlicher britischer Üi.ider unter 10 Jahren ist lN,Z,erineNOdr"ändertN '!tri':'- ft -t. ! "f - - .1 i 1 'i ! ? i .'!! ""' '" . ; . , : , ,"! . : :-:iii..;1" , ajene verueoerr. i,:i:,,:!i':"aii'!:,ä- .! li:

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