Indiana Tribüne, Volume 15, Number 314, Indianapolis, Marion County, 31 July 1892 — Page 6
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!Ztttt7'm Pantoffel
Von 6. Reigerbberg. Pantosselheld ist eigentlich eine total irnrichtige Bezeichnung; denn wir unta lern Pantoffel, d. h. im schlimmen nicht im guten Sinne deZ Wortes, steht, der ist eigentlich kein großer Held, wenn uch die alten, ewig durstigen Ritter, fcas Woljl ihrer Schonen aus deren Pantoffeln getrunken haben und trotz dem Helden' blieben. Doch heut? ist daZ Alles anders, tecs wahrscheinlich daher kommt, daß die Füfechen unserer Damen so klein geworden sind, daß sie keinen Humpen edlen RheinnieineZ. sondern höchstens ein Gläschen parfeit cl'smour-Likör halten. ; Wie immer das sein. d. h. ob es a? der Größe der Pantoffel oder an den Männern liefen maz. die meisten der heutigen Pantoffelmänner sind keine He!ö?n mehr, sondern Ritter von der , traurigen Gestalt. Hei nicht einseitig zu werden, wollen wir hier gleich beifügen, daß ihre Zahl leider mindestens erreicht, wo nicht be deutend übrrtroffen wird durch Manner, welche aus ihren Frauen. um hn dem Vergleich mit Fußbekleidungs gegen standen zu bleiben, wahre Stie zelwichsheldinnen machen. Tie Frauen, welche das Unglück ge habt haben, an brutale Männer zu ge rathen, verdienen den Titel ..Heldin um" meist im vollsten Maße; denn es gzhört ein wahrer Heldenmuth dazu, um zur Vermeidung von Skandalen cder aus Rücksicht auf die Kinder zu tragen, was solche Haustyrannen derlangen. Ter Pantoffelheld wird-, eben weil er ein Man ist und sich nicht ganz von der Gesellschaft ausschließen kann, bald genug als solcher erkannt und von sei neu Freunden aufgezogen und gehänselt und über die ganze Sache, die doch eigentlich nur das betreffende Ehepaar angeht, wird so viel Lärm gemacht, daß man zuweilen denken muß.. die Welt sei voll von Simündeln", wie nan diese Sorte in Wien nennt. Die Stieselwichsheldin dagegen tritt naturgemäß weniger an die Oeffentlich seit. Ihr Leos, welches sie meist mit dewunderSwerther Geduld erträgt, wird daher euch weniger bekannt und die Folge davon ist, daß man in der Regel annimmt.es gäbe mehr tyrannische Ehemänner, als Frauen, wahrend das Berhältniß gerade umgekehrt ist. Eine kluge Frau kommt mit ihrem Manne, wenn er nur halbwegs rück sichtsvoll und freundlich gegen sie bleibt, so wie er es bei der Perheirathung ge schworen hat, fast immer zurecht, wenn es auch Anfangs keine Reibereien geben nag. Und ebenso kann ein vernünfti ger Mann seine Frau, wenn sie ihm init dem in der Ehe unumgänglich nothwendigen guten Willen entgegenkommt, mit der Zeit zn seinen eigenen Anschauungen heranziehen, wenn sie auch gewiss? Dinge in ihrem elterlichen Hanse anders und fccner gewöhnt war. Eine tiefe, ernste Neigung, gegenseitig aes freundliches Entgegenkommen und ein ve n nftige Rüäsich ! xv die bered ligten wünsche ocs andeni Theils sind jedoch unverlä ßliche Bedingungen zu einer guten Ehe und in ?mselben Maße, in welchem sie fehlen, vermin dern sich auch die Aussichten auf ein glückliches Zusammenleben. Tas Unglück ist in den meisten Fäl!en nur das, daß die Quantität, in welcher die genannten Eigenschaften vorhanden find, sich erst nach der Ver hei rathung herausstellt, also nachdem es zu spat ist, den fotgenschVerm Schritt köckglNis $i ttkchc, litt natürlich einestyeils in der Statur der Sache, anderentheils könnten sie die Leute, welche eine Verbindung für' Leben eingehen wollen, doch genau genug prüfen, wen sie nur wollen, so daß die Gefahr einer unglücklichen Ehe wenigstens auf ein Minimum reducir wurde. Mit absoluter Sicherheit zu vcrmei den ist sie natürlich nicht. Tenn es gibt fromme Taubenaugen mit einem MadonnaGesicht. welches sich nach der Hochzeit in ein wahres Mcdusen-ÄntliI verwandelt, und süßholzraspelnde Gi gerl.dic'als Bräutigam sogar dem Mops der Großmutter Eanoi) kaufen, später arer ihrer Frau cin paar Eents für ein Band oder was sie sonst brauchen mag. verweigern. Gegen eine solche hochentwickelte Heuchelei vor der Hochzeit ist natürlich kein Kraut gewachsen. Auch wollen wir nicht von Geld-, Konvemenz. Ver sorgungs- u. s. w. Heirathen sprechen. Tmn die meisten derselben sind einfache Rechenezempel. Soviel Hunderttau send Tollars zu soviel mehr gibt ein Wermögen von dem und dem Betrag, -von dessen Zinsen Ihr sehr bequem leben könnt. Das Kapital wird für die etwa sich einstellenden Kinder festgelegt und mit Euch selbst könnt Ihr machen was Ihr wollt." So unzczähr schickt man zwei reiche junge Menzchenkinde? in die Welt und die Resultate davon können wir fast an jedem Tage des Jahres unter den Ehe scheidungs-Berichtcn in den Zeitungen lesen. Tie Versorgung Heirathen. sei es, daß ein Mädchen sich an einen reichen Mann ode? ein junger Mensch sich an eine wohlhabende Frau verkauft, reden oft genug in derselben Weise, wie die anderen Geldheirathen, welche uns, wie gesagt, nicht weiter interessiren. Was uns aber interessirt und' eine Frag?, die nicht genug ventilirt werden kann, ist die, wie die große Mehrzahl der nicht mit großen Glückszütern ge . segneten Menschen heirathet.- Mnd da finden wir vor Allem einen Uebel st and, der sehr viel dazu beiträgt, spätere Pern toffelänner und Stiefe'lwichzheldinnm zumache, und das ist das überhastete und unüberlegte Heimthelk. Wir find durchaus nicht dafür, daß man, wie es in Deutschland vielfach Mode ist, zwei bis drei Jahre mit einander gehend soll, ehe man heirathet.
Mch ist dies hier, wo die junget' Leute sehr viel früher, als drüben, gs nirgend Geld verdienen, um eine Fa milie zu gründen, kaum nöthig. Aber eine gewisse Zeit, sagen wir dreiviertel oder wenigstens ein gute halbes Jahr sollte dem Verlobtenstande doch gegeben werden. Bei der Heirathkrei.fechs Ode? acht Wochen, nachdem man sich auf dem Picnic oder einer Tanzgesellschaft u. s. w. kennen gelernt hat, kann doch unmöglich auf ein dauerndes Glück gerechnet werden. In den meisten Fällen beginnt der Kampf schon kurz nach der Hochzeit und nach dem alten Naturge setz der Stärkere siegt." geht es dann , auch in der Ehe. Ist die Frau die Stärkere, so gibt es einen Pantoffel' mann, und ist es umgekehrt, eine Stiefclwichshcldin. Damit ist jedoch noch nicht gesagt, daß diese Eventualität nicht gelegentlich auch nach langer Bekanntschaft eintreten tann. Ja, wir gehen noch weiter und geben zu, daß sich solche Falle selbst dann ereignen können, wenn die beiden jungen Leute im Brautstände nicht, wie oben erwähnt, sich gegenseitig anheucheln. sondern verhältnißmäßig aufrichtig gegen einander und vollkom' men überzeugt 'sind, daß sie gut mit einander auskommen werden. Es mag anfangs ja auch Alles gut gehen, bis sich schließlich doch eine bedeutende Eharakterverschiedenheit zeigt, welcher die eine Ehehälfte in Nachtheil gegen die andere bringt. Wie gesagt, dies kann passiren. Wo jedoch genügende Vorsicht gebraucht und hinreichende Zeit gegeben wird, gehört thi gründliches Verrechnen in dein Charakter des einen oder des anderen Theils doch zu den Seltenheiten, während es fast gewiß ist, daß dieser Fall bei einer überstürzten Handlungsweise fast mit Sicherheit eintreten wird. Die beste Art. der Gefahr eines Pern tossel? vorzubeugen, ist eine möglichst gründliche, und volle Klarheit beider Theile über ihr künftiges Leben und unverbrüchliches Festhalten on dem. was sie einander für alle Zeiten versprachen haben. Wir haben kein sehr großes Vertrauen in die Aussprüche der Leute, welche man Fraucnkenner nennt oder vielmehr, die sich als solche aufspielen. Denn das weibliche Herz hat noch kein Mann ausftudirt und wird auch keiner je ausstudiren. nur diejenigen, welche sich vielleicht ein Urtheil erlauben dürften, schweigen. Immerhin ist etwas Wahres daran, daß eine an Geist und Körper gesunde Frau für gewobnlich eine höchst geringe Meinung von einem Pantoffelhelden hat. Die Frau verlangt vor Allem Eha rakterfestigZeit von dem Manne ihrer Wahl und weiß gut genug, daß' gerade diese Hauptcigenschaft nicht ohne gewisse Ecken und Härten ist. Ist sie klug, so wird sie die letzteren allmälig abzuschleifenksuchen, ohne an der Hauptfache zu rütteln. Ist der Mann klug, so wird er das stillschweigend dadurch anerkennen, daß er seiner Frau in Allem, was in ihren Wirkungskreis gehört, ihren Willen küßt und sie nicht als feine Haushälterin oder gar Stiefelwichsheldin, sondern als seine beste Freundin und sein Ein und Alles" behandelt. Wenn der Mann jedoch schwach ist und von keinem Tag auf den andern weiß, was er will, fo nimmt ihn ein kluges Mädchen überhaupt nicht. Hat sie sich iedoch, wie es zuweilen geht, von ihren Verwandten und Freunden dazu überreden lassen, es doch zu thun, so beherrscht sie ihn natürlich. Ob sie aber ihren ersten Unterthan und angeblichen Herrn in den tiefsten Tiefen ihres Herzen chtct oder nicht. das fvuen unb jene Frauenkenner sagen.
Wie es den Frauen mit ihren Männern, fo geht cs dem Mann mit feiner Frau. Der richtige Mann, der den Namen eines solchen verdient, sieht sich die sogenannten emancipirten Frauen als eine Art von Wunderdingen an, d. h. er wundert sich im Stillen, was mit der Zeit aus den Dingern werden wird, aber er heirathet sie nicht, wenn er nicht desselben Geistes Kind ist. Ein vernünftiger Mann will aber auch keine Puppe, die zu Allem Ja sagt, fondern cin Mädchen mit einem festen Ehara!:cr und klarem Kopf, und bringt sie einen sich in den Schranken der Weiblichkeit haltenden, dabei aber entschiedeneil Willen mit in die Ehe, fo wird er ihn achten nnd ehren. Und dann, aber auch nur dann -wird es mi! der Zeit zu dem schönsten Verhältniß kommen, welches in der Ehe überhaupt erreicht werden kann: daß nämlich ein Theil dem anderen das Le bm nach Kräften zu verschönern fncht,' Glück und Unglück treu mit ihm theilt und Beide sich stillschweigen) in ihre Eigenarten schicken. Es wird eine Art von gegenseitigem Pantoffel sein, aber einer, den sich ein Jeder gern gefallen läßt. iSeine Mittel erlauben eö. Tom: Aber wie in aller Welt. Sam. kommst Du denn dazu. Deine Pfeife so verrückt im Munde zu halten? Sam: Wie Tu siehst, ist die Pfeife schon ein bischen kurz geworden, und wenn ich sie jetzt so schräg zwischen die Zähne nehme, kann ich Mir nicht Mehr die Kippen verbrennen!
Die kleinste Oceanyacht.
Einer der kühnsten und erfahrensten Seeleute der Ver. Staaten ist Capitän Wm. J.Andrews in Boston. Er stammt nicht nur aus einerFamilie, deren männliche Mitglieder seit einem Jahrhundert fast ausnahmslos dem Seemannsbcruf gelebt haben, sondern zeichnet sich auch durch ein besonderes Glück in seinen Unternehmungen aus. Wenn der rufsische Dichter fingt: Mit vermorschten Brettern gebt mir, gebt mir, ach! ein schwankes Boot, Dessen Segel von den Wettern Tausendfältig find bedroht!" so trifft das mit Ausnahme der mor schen Bretter wörtlich auf Eapitän Andrews Fahrzeuge, zu, mit denen er kühn den Schrecken und Gefahren des atlantischen Oceans trotzt. Capitän Andrews und sein .Fliegender Holländer". Wenn der alte römische Dichter, der öoä) gewiß selbst keine furchtsame Land ratte war und auf vielen Meerfahrten und im Seekriege großen persönlichen Muth bewiesen hatte, seine Bewunde rung der Kühnheit des ersten Seefah' rers mit den charakteristischen Worten ausdrückt. ..daß seine Brust mit Eichen holz und dreifachem Erze gepanzert gewesen sein müsse", so kann Capitän Andrews dieses Lob für sich mit vollem Recht beanspruchen, um fo mehr. , als der selige Hofpoet des Kaisers Augustus an den Atlantischen Ozean gar nicht dachte, sondern nur an das Mittcllän dische Meer, auf welchem sich die Schifjskunst der kaukasischen Eulturvölker, wahrscheinlich auf dem Boden ihrer be rühmten phönizifchen Vorgänger, ent wickelte. Bereits drei Mal hat Andrews den Atlantic glücklich hin und her gekreuzt, und zwar auf kleinen Schnellseglern eigener Eonstruction. Das erste Mal, als er im Sommer 1876 auf seiner Yacht Nautilus- die Reise machte, be schästigten sich alle Zeitungen mit dem kühnen Wagnis;, und seitdem ist An drews ein 'berühmter Mann. Sein neues Segelschiffchen, .Der fliegende Hollander" genannt, ist nicht länger als 14 Fuß und besitzt eine größte Breite von 5 Fuß. Seine größte Segelflüche beträgt 15 Yards. - Der eigentliche Ballast besteht aus 300 Pfund Blei, welches auf dem tief' sten Theile des Bootes genau im Schwerpunkte niet- und nagelfest ver staut ist. Der fliegende Holländer" verjüngt sich auf beiden Enden zu einer scharfen Spitze, und ist mit einem völlig wasserdicht gefugten Deck von halb zölligen Brettern aus dem besten Ge birgstannenholz verschen. Aus dem sclbenMaterial besteht der Schisssrumpf. Das Ganze ist mit einem straff gespann ten Ueöerzuge von getheerter und mit Oelfarbe angestrichener Leinwand ver sehen. Für die Wahl dieses Ueberzuges war der Umstand entscheidend, daß Ea pitän Andrews auf seinen früheren Fahrten üble Erfahrungen mit See tang und Schmarotzern Bohrmuscheln, Krebsen u. s. w. gemacht hatte, welche den Schiffsboden dicht be deckten und die Schnelligkeit der Fahrt außerordentlich beeinträchtigten. Ge thecrte Leinwand soll dagegen von die scn unliebsamen Anhängseln ganz frei bleiben. Im Deck ist nur eine Oeffnung an gebracht, gerade groß genug, um einen Mann durchschlüpfen zu lassen.' Ter Proviant besteht ausschließlich aus Eon scrven in versiegelten Blechbüchsen und ist unter Deck in wasserdichten Abihei lungen fest verstaut. Natürlich bildet Andrews selbst die einzige Bemannung. Er steht jetzt im 49. Lebensjahre, und es ist beinahe überflüssig, zu bemerken, daß er ein Mann von muskulösem, sehnigem Kör verbau ist und mit der Führung seines kleinen Fahrzeuges, sowie dem Gebrauch? der nautischen Hülfsmittel Kompaß, Senant und Seekarte völlig vertraut ist. Die Dauer der Fahrt ist auf vierzig Tage berechnet, von Boston bis nach Queenstown. Bor wenigen Tagen ist der kühne See mann aus dem Bostoner Hafen bei schönstem Wetter und gutem Fahrwinde adgesezelt. Immer gewissenhaft. Zwei Gäste treten in ein Restaurant nd lassen sich an verschiedenen Tischen nieder. Kellner,", ruft der erste, dringen Sie, mir eine Portion Beats fische!" Mir ebenfalls' ruft 'der zweite Gast,, aber gut und frisch, hören Sie wohl. Kellner?" Der gewissenhafte Kellner eilt an das; unmittelbar . zwi schen den beiden Fischfreunden befind liche Sprachrohr und ruft in die Küche hinunter: Zwei Aratsisch. eine' davon gut und frisch!" - - - Z u r Be r e rb u ng 5 t heo ri Jüngling (zum Friseur) : Glauben Sie, daß ich je einen starken Bart bekommen werde? .Friseur: Schwerlich! Jüngling: Aber, 'mein Vater, hatte einen starken , Bart! Friseur: j Das beweist nichts, vielleicht sind Sie' nach der Mutter, gerathen! ,, . ,.,;,, ,;:- ' D er Glücklich Ättler: Ach. lieber Herr, helfen Sie doch einem armen Teufel, der kein Heim; keine Familie und keine Freunde bat! Alter Herr: Und da beklagen Sie sich nochSie Glücklicher! ' Seien Sie froh! Sie wissen gar nicht, was Sie bei den jetzigen Zeiten dadurch ersparen!
' - r wL-C-T : 'Ä? 'AJfj' wCSS gjr.j
Die Schlacht.
Ei? Erinnerung von H. . Iah. Wir schlichen dahin, matt und müde, die verrosteten Gewehre geschultert. Wir glichen mehr gespenstern, als menschlichen Wesen, unsere Gesichter waren mit Schmutz und Staub über klebt Schmutz und Staub lag auf den Uniformstückcn. . .. Ter Major, ein dicker, rothhaariger Mann, ritt auf seinem Braunen an der Spitze des Bataillons. Aus der Ferne ließ sich ein dumpfes Rollen, ähnlich einem sich beständig nähernden Gewitter, vernehmen. Die Leute wußten, daß sie der Schlacht ent gegengesührt wurden, darum waren die Gesichter auch so bleich geworden. Kein Witz erklang, kein Lachen, man sprach nur mit gedämpfter Stimme. Eine drückende Schwüle lag über dem Ba taillon. Einige der Mannschaften schienen heimlich zu beten, andere langten die zerknitterten Spielkarten aus dem Brot beute! hervor und warfen sie in den Ehausscegraben. Eine reitende Batterie jagte vorüber, sie protzte ab und eröffnete das Feuer. Jetzt erblickten wir auch die ersten Todten: in den verschiedensten Stellun gen lagen sie, auf dem Rücken, auf dem Bauch, die Beine heraufgezogen, die Hände in die Erde gekrampft: Blut auf den Waffenröckcn, Blut auf dem Boden überall Blut! Mit ihren weit offenen, unheimlichen Augen schienen sie uns anzustarren, als wollten sie sagen: Nür Geduld, heute Abend ruht Ihr Alle mit uns in einem großen, kühlen Bette, mit etwas Staub bedeckt!" Die erste Granate schlug in das Ba taillon ein. Ein augenblickliches Stocken und Drängen entstand. töuhig, Kinder, ruhig!" rief der Major. Die Granate hatte Franz Wohlge muth getroffen und ihn getödtet. ohne weiteren Schaden zu thun. Armer Kerl! Gestern noch hatte er mir von seiner kleinen ?!nna erzählt, und daß 'r sie. wenn der Krieg beendet sei, heirathen werde aus. Alles aus! für immer aus! Und Anna! Doch daran zu denken ist keine Zeit! Vorwärts! vorwärts! Das Pferd des Majors erhält einen Schuß. Es bäumt hoch auf und'über schlägt sich mit seinem Reiter. Einige Soldaten zerren den Ossicier unter dem im Todeskampf wild uni sich schlagen den Thiere hervor. Vorlvärts! vorwärts! Die Verluste mehren sich: Granate auf Granate schlägt in die Glieder ein, auch das Kleingemehrfeucr macht sich schon bemerklich. Die beiden ersten Compagnien werden auseinandcrgezo gen. während die beiden anderen als Halbbataillone sormirt folgen. Wir laufen und ducken uns hinter Steinen, selbst niedere Erdvcrtiefungen sind uns willkommen. Dann feuern wir wie der. Der Pulverdampf quirlt und. qualmt vor uns. hinter uns, um uns. Tie Schüsse vereinigen sich zu einem ohrenbetäubenden Ganzen: mir ist, als befände ich mich in einem riesigen Kessel kochenden Wassers, das siedet, und brodelt, und schäumt überall. Ein leichter, trockener Schlag, etwa wie das Klopfen eines Spechtes an der Baumrinde, dicht neben mir. läßt mich umschauen. Johannes Grau dreht sich einmal um sich selbst und füllt dann todt nieder, eine Kugel hatte ihn mitten in den Kopf getroffen. Seine arme, kranke Mutter! und er trug doch einen Himmeksbrief! Doch vorwärts! vorwärts! zum Grübeln ist keine Zeit! Wir dringen in das Dorf cin. Der Feind will es auf alle Fälle beHäupten, er führt neue Truppen vor, aber auch wir erhalten Verstärkung. Im Dorf entspinnt sich ein erbitterter Kampf. Unsere Pioniere schlagen die Wände der auf's Zäheste vertheidigten Gebäude ein und werfen Fackeln in dieselben; überall Nauch und Staub, Gluth und Verwüstung, und in dieser Hölle käm pfen die Menschen wie rasende Bestien, Haß und Mordlust in den Blicken, zitternd vor Aufregung und Wuth. Ein Schuß, aus d?m oberen Fenster eines großen, stattlichen Hauses abge feuert, durchschlägt mir den Helm und wirft meinen besten Freund Emil Wassow blutend zu Boden. " Unsere Kolben zertrümmern die Thür. , Hinauf die Treppe! Ein bleiches, junges Mädchen stürzt uns händeringend entgegen,' am offenen ' r...ri.- i-r.-l . ' ftii.' Kenner izjzu ein junger cuiin, oie noch rauchende Flinte in der Hand, ein svreis liegt mit , durchschossener Brust in der Mitte des Zimmers. Erbarmen! Erbarmen!" kreischt das Mädchen. iWir aber kannten kein Elbarmcn mehr, unsere Bajonette stießen den jungen Mann vor ihren Augen niedere MU einem Aufschrei, der. selbst in unserer 'Wuth und Erregung uns erbeben machte, warf das Mädchen sich über die verstümmelte Leiche. ' t Ich glaube diesen Schrei noch oft in bangen, Träumen zn hören, es war ein Schrei wahnsinniger Verzweiflung und Qual, o! ich werde den Schrei niemals vergessen ! ' :;' Y"; : r Vorwärts! vorwärts! : Wieder auf derGassebinich. ' " " ' Dicht neben mir platzt , eine Granate 1,N -in PttHtW Yifili,yt TiAiZnk " In1 " jlii;' ,-Vvvit jj mir das Gewehr m meinen . Händen. ich nehme mir, das eines, , Todten und feuere weiter.,,, " , : A;v''-,. lcberall erklingt der Sturmmarsch das Signal: - Avanciren. ; ,,, , -. Uebcrall lärmen die Trommeln und Hörner, krachen die Salven, schallt das heuere urrah! , .: ; :: An der Wand eines Hauses lehnte ein schwerverwundeter ' Füsilier,
Granatsplitter hat ihm den Leib auf gerissen, aus der zerfetzten Uniform quillen die Eingeweide hervor. Kamerad, erschieß mich." flehten seine Augen, ich kann es nicht länger ertragen, aus Erbarmen erschieße mich!" Vorwärts! vorwärts! kein Zaudern! Jede Kugel gilt dem Feind! Das Dorf ist erstürmt Die Gegner weichen ihnen nach': Die wenigen noch kampffähigen Füsiliere des Bataillons brechen aus dem Dorf hervor, wir müssen durch Blut lachen, über verstümmelte Menschen und Pferdeleichen. über zerschlagene und fortgeworfene Gewehre und Uni formstücke schreiten. - Hinter einem Eisenbahndamm, den oer Feind besonders hartnäckig vertheidigt hatte, lagen die Todten und Ver mündeten zu dreien und zu vieren aus einander geschichtet, einen Wall bildend; an den Böschungen des Dammes rann das Blut in kleinen, trägen Bächen herab, um am Fuße' desselben eine schmutzige Lache zu bilden. Wir mußten über die zuckenden Men schenleiber fortklettern. . . Etwas wei ter nach rechts von uns konnten wir verfolgende Kavallerie erblicken; sie jagte in rasendem Karriere dabin, und die Hufe der Pserde zerstampften die am Boden liegenden Verwundeten, gleichmäßig Freund oder Feind. . auch Geschütze sahen wir daherrollen. und sahen die verzweifelten Bemühungen der Verwundeten, nm den Rädern der selben auszuweichen; vergebens über sie fort ging es und ihr Blut spritzte in die Speichen. . . Es ward Abend. Die Wuth' und Aufregung des Kam. pfes legten sich, und eine stumpssinnigk Erschlaffung, eine dumpfe Müdigkeil trat ein, alle Gedanken schienen abgestor den, alles Fühlen. . wir warfen uns. wo wir gerade waren, zwischen Todten und Sterbenden zur Ruhe nieder. Es mochte Mitternacht sein, als ich vom Hunger gequält, erwachte. . . Dem Tornister eines gefallenen Feindes ent nahm ich ein Stückchen Brod und ver schlang es gierig. Die Gluth der brennenden Dörfer warf einen rothen, schaurigen Schein durch die Nacht und in diesem Augenblick sah man dunkle Gestalten lautlos sich hin und herbewegen, oft blitzte ein Licht auf, um gleich darauf wieder zu erlöschen Waren das Krankenträger? oder die schrecklichen Hyänen des Schlachtfeldes? Halbgeslüsterte Worte verwehen im Wind. Es ist etwas Unheimliches in diesem lautlosen Treiben, das man mehr ahnt als hört, mehr fühlt alZ sieht es ist. als führen Irrlichter einen Herentanz über einem großen düstern Moor Endlich wird cs hell! Ter schwache, gelbe Streifen dorl fern im Osten ist der Tag. Wie viele Tausende blühend? Leben,
die er gestern noch wach geküßt, wie er nie wieder lhre starren Augen schen ihn nie mehr, ihre kalten Leiber sühlen nie mehr seine belebende Wärme - vor bei vorbei sie sind verwelkt wie Blumen und können vergehen und zer fallen in ihre Urbestandthcile Nur einige Schritte von mir entfernt erblickte ich einen erschossenen Feind. dejlen kalte Hand eine Rote an die Brust drückte. . .war es ein Geschenk der Mut ter? oder der Braut? Sammeln ! Sammeln !" lärmten die Hörner, rasselten die Trommeln. Sammeln! Füsiliere hier! Jäger hier! Sammeln!" erscholl cs von allen Seiten Und die Sonne kam hervor, so schön, so schön Prompte Antwort. Bauer: Aber, Babett'. wie kanr Sie nur so Ihren Mann prügeln?" mc M ÄiW . w t?i:i; i ' J J Tn lh X 9ji Vif V V . !. MM ü; wa S Bäuerin (läßt ihren Mann loS und legt den Fragenden über'S Knie): So, das für die Fragerei! Ironischer Bescheid. Baron: Heda, , , Herr Wirth.' Ihr Wein schmeckt ja verdammt wässerig. . Wirth: Nun, Herr Baron, das müß, ten Sie doch schon gewohnt sein :'Sie trinken ja stets ge pumpte n-.f;. 'iDili tM el: en s a tz e. ' Hand' werksbursche: Bitte um eine Gabe.' mir fehlt es an Geld weiterzukommen. Student: Eigenthümliches Zusammen treffen! Mir fehlt es an Geld, hier zu bleiben. , ' ',: ,,::v' ,y, ''M
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Ferien.
V 5. NelgktSÄerg. Mit welcher Sehnsucht und Ungeduld haben wir in unserer Jugend um diese Zeit des Jahres die Wochen und Tage gezählt, welche uns noch vom Beginn der glücklichen Ferienzeit trennten. Und wenn endlich der gefürchtet? und doch fo heiß herbeigesehnte Prüfungstag vor über war. wie schnell wurden Schulbüchcr und Alles, was an die Schule erinnerte, in die Ecke gelegt, um daselbst bis zum Herbst zu schlummern. Wir aber stürmten hinaus in's frische, lebendige Grün, in die würzigen Wälder, aus unsere majestätischen Berge mit ihrer herrlichen Aussicht über die reichen Thäler zu unseren Füßen und an unsere lachenden Seen, um entwc der im flinken Boot darüber hinwegzurudern oder in ihren kühlen, klaren Fluthen mit den Fischen um die Wette zu schwimmen. Mit jedem Blick über unser schaues Heimathland, mit jedem Athemzug der frischen, reinen Luft, mit jedem Herzschlag der Freude über unsere momcutane' Unabhängigkeit, kurz mit jeder Faser unftres Daseins genießen wir die reichen Gaben der Natur. Vergessen sind all' die kleinen Leiden des dumpfen Schulzimmers, die strengen Censuren des wohlmeinenden, aber zuweilen doch recht langweiligen und unangenehm scharf beobachtenden Herrn Lehrers und vorläufig trübt unser Gemüth noch leine Vorahnung, dß all' diese Schrecken im Herbst wiederkehren. Ohne Erinnerung an die Bergan genhcit, ohne Furcht vor der Zukunft erfreuen wir uns unter dem schützenden Dach des Vaierhauses der Gunst des Augenblicks mit der ganzen Sorlosigkcit und Schnellkraft der Jugend. Und das Zusammenwirken aller dieser glück lichen Verhältnisse ist es. was die Fc ricnzcit in unseren Schuljahren zu dem macht, was sie sein soll; eine Erholung von gethaner und Kraitansammlung für neue Arbeit. Je mehr das Schicksal oder wir selbst uns von jenen GlüSumständen entfernen, desto geringer wird der geistige und körperliche Vor' theil, welchen wir aus unseren Ferien sieben. Was uns in den meisten Fällen zuerst von unserem damaligen Glück-bestand zenoinmen wird, ist daZ Vaterhaus. Die treuen und sorgsamen Eltern ha den keine Mühen und Opfer gescheut, um uns für dZs praktische Leben vor tudereiten. und behielten uns wohl .im liebsten auch fernerhin bei sich. iZIber einmal mun das Küchlein doch flüaae werden und selber fliegen. and' so geht cs denn, von den heißen Seaen-wünzcken von Vater und Mut ier, begleitet, hinaus in die große, weite Wobl dem. dem es auch dann noch gegönnt ist. in jedem Jahre wenigstens einige Wochen glücklicher Serien im ui ternbause luulbrinaen und die Freu den seiner Jugend wieder zu genießen. Doch nicht Jedem ist dies Glück gegönnt und bei so Manchem bedeutet das erste Scheiden vom Vaterhaus einen Abschied sür immer. Gleichzeitig damit und wir in Bezua auf die Ferien- und so manche andere' Freuden auf unsere eigene Spannkraft angewielen. miiunu denen wir, bis zu einem gewissen Grade wenigstens, die Art und das Ma un serer Gemüthsbewegungen bestimmen können. Dem ein Mensch, welcher währenddes ganzen Jahres, sei cs mit der Hand oder mit dem Kops, arbeitet, erien braucht, respective haben sollte, ist eben sn sZcker. als dan man die Scbue eines Bogens nicht immer gespannt lassen - . w. iv. i . rr. a.i (xs:i,i:j. oax, wenn o:e vunc niiyi nutzlos werden soll. Die Sonntags ruhe allein genügt nicht, denn die Zeit ist zu kurz, um sich die Erinnerungen an die jüngstvergangene und die Anfordcrungen der kommenden Woche, wie man zu sagen pflegt, total aus dem Kopfe zu schlagen. Sowohl die ver gangene, wie die kommende Woche wer fen ihre Schatten über den Sonntag, welcher zwar als eine kleine Pause in ocr Tretmühle des Alltagslebens, aber kcin vollkommener Ruhetag bezeichnet werden kann. Um die Ferien voll zu genießen, fo oaß sich nicht allein der Körper, sondern auch der Geist gründlich erholt, dazu gehört nicht allein das. wie es der Ber jiner nennt, süße Nichtsthun", son. oern auch geistige Ruhe, namentlich die größtmögliche Freiheit von trüben Er lnnerungen an die Vergangenheit und Sorgen für die Zukunft. Glücklich derjenige, deffen Ferien von keinem der beiden getrübt werden. Aber auch wenn sich weder die Erin nerungen. noch die Sorgen bannen las. scn. sind die Ferien nützlich, denn sie nehmen wenigstens für eine kurze Zeit die Last der Arbeit von 'dem ohnehin schwer genug Bedrückten, vorausgesetzt, daß eS keine erzwungenen, d. h. mit dem Verlust des täglichen Brodes gleichbedeutenden Ferien sind. Unsere Freude an den Ferien, mögen wir dieselben zu einer kleinen Reife oder einem kurzen Landaufenthalt benutzen, hangt wesentlich von dem Grade ab, in welchem wir uns in unsere Jugendzeit zurückversetzen d. h. wieder jung wer den können. Je bester es uns gelingt, Kummer und Sorgen für den Augenblick wenigstens bei 'cite zu lasten; die Natur zu genießen; uns über jede schöne Aussicht :c. zu freuen; uns so viel wie möglich - im Freien herumzutummeln; alle Unterhaltungen und Spiele, ja sogar die eine oder andere kleine Tum:nheil der hierzu immer ausgelegten Jugcnd mitzumachen; gelegentlich auch ein miserables Eountryfutter ! mit gutem Hrnnor zu verzehren und, wenn wir zum schönen Geschlecht , gehören, über einen verregneten Hut oder ein dito Kleid leine Woche lang Gesichter zu schneiden: desto mehr Ojennü werden wir von unseren Ferien haben. ' " - ': , ' - -;'( , ',',',, R"--:- . Wer aber an einen der sogenannten z.fashionablen" Geldprotzen.Plätze geht, 1 7 'i.i.M :,..;,JI.,', !?!!,!,'!,,!,!?!?'!!r, .i'f:;". ::,. .t,,a, ', ,!,:.!'".-.' ::,''
der sich durch nichts Anderes auszeichnet.
als dadurch, daß er zehnmal theurer ist, als andere, ebenso schön gelegene Orte, und der Gigerl-Gesellschaft Gelegenheit gibt, sich gegenseitig zehnmal per Tag in anderen Affenköstümen zu bewun dern. dem wünschen wir viel Vcrgnü gen; er wird s brauchen. Wir wollen damit nicht saacn. daß Ncwport, Saratoga und die anderen Nester, welche sich des Prädikats fashio. navel" erfreuen, keines fliegenden Be suches werth sind. Im Gcqcnthcil. sie sind für einen kurzen Aufenthalt ebenso interessant, wie Ostende, Wiesbaden, 5!izza und alle anderen Plätze, an wel chcn sich die reichen Leute zusammen finden; aber um daselbst unsere Fcnen nach guier alter deutscher Weise zuzu bringen, lieber nicht, liebe Taube! Dazu wünschen wir uns ein sauberes deutsches Farmhaus, von einer saube rcn deutzchen amilie bewirthichzftet; mit frischer Milch, Butter. Käz. Eier. Obst, Geflügel u. f. w., (notabcne zum eigenen Gebrauch, und nicht, um nach der Stadt" geschickt zu werden); mit einfachen, aber schmackhaft und gut ge kochtem Esten; schön gelegen in einer wirklich moslito und wanzenfreie ge birgigen Gegend; Wald, See und Fluß in der unmittelbaren Nähe, und ein paar gleichgesinnte. einfache deutfche Familien als Mitbewohner. Fünden wir einmal ein solches Haus, wir wären im Stande, die Adresse für uns und ein paar gute Freunde zu behalten. AuS dem Leben eines Zaren. Es ist gewiß nur wenig bekannt, daß einer der mächtigsten und reichsten Fürsten Europas sich gegen die Mitte dieses Jahrhunderts veranlaßt sah. Kost- zu gehen. Das war thatsächlich, wie ein Petersburger Historiograph meldet, mit dem Zaren Nikolaus der Fall. Die Sache hat sich folgender maßen zugetragen: Eines Tages ließ sich die Gemahlin des Zaren in einer Anwandlung von Hausfraucnlaune die SonderRechnun gcn über den Hofhaltungsetat vorlegen. Zu ihrem außerordentlichen Erstaunen bcgegnete'sie gleich auf der ersten Seite einem Posten, der lautete: eine Flasche Rum für den Thronfolger. Tie Zarin hatte keine Ahnung davon, daß sich ihr jugendlicher Sohn soweit dem nationa Zen Laster hingegeben haben sollte, daß er bereits bei dem stärksten Getränk angelangt war. Ihre Verwunderung wuchs, als sie Zurückblätterte und einen Tag wie alle Tage die fürchterliche Flasche Rum für den Thronfolger ge wisscnbaft gebucht fand. Das ging zu rück bis in die Kindheit, a, bis aurn Tage der Geburt ihres ältesten Eoh nes. Die Zarin war völlig verblüfft und forschte nun weiter. Sie sah. daß auch ihr Gemahl dem unseligen Trank gehuldigt haben mußte; denn auch vor seiner Thronbesteigung fand sich auf jeder Tagesrcchnung die Flasche Rum für den. Thronsolger. Nach eifrigem Suchen fand die Kaiserin schließlich den Tag. wo der Rum zuerst angeschrieben war Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts? Da stand aber auch die Erklärung, denn eine Margi nalnote bemerkte zu dem Posten: We gen heftigen Zahnschmerzes aus Anord nung des K. Hosmedikus einen Thee löffel voll mit Zucker zu nehmen!" Das ging der Zarin denn doch über den Spaß und sie theilte ihrem Gemahl die seltsame Geschichte mit. Zar Nikolaus hörte iksmerksam zu, ließ sich die ge sammten Hofhaltungsrechnungen der letzten Jahre vorlegen und unterzog sie einer genauen Prüfung. Tas Ergeb niß war überwältigend. Derselbe Zar, der spater einmal er klärte, er fei der einzige ehrliche Mann in ganz Rußland, faßte seinen Ent schluß dahin zusammen: Das ist stärker als ich; geht's so fort, muß ich mein Land versetzen, bloß um die Kosten meiner Tafel zu bestreiten. Dem Dinge will ich cin Ende machen: ich g?be mich in Kost!" Am folgenden Tage bestand keine Kaiserliche Küche mehr. Ein Pächter übernahm die gefammte Hof Haltung und verforgte den Hos vom Zaren bis zum letzten Stalljungcn. Tie Beköstigung wurde in Stationeneingetheilt.' Der Zar zahlte für sich und feine Gemahlin je fünfzig Rubel, für die Großfürsten und Großfürstin . rcn sowie für Alle, die an der Kaiserlichen Tafel mitaßen, se fünfundzwanzig, für die niedrigste Station je drei Rubel Verpflcgungsgelder. Im Ganzen waren sieben 'Stationen vorgesehen. Tie Maßregel bewährte sich ausgezeichnet. Nie hätte der Hof so vorzüglich gespeist: so reichhaltig und so gut. So volle Gesichter, so rundliche Formen wie da mals so!! cs.nie wieder am Pctersbur ger Hose gegeben haben und fo viel Ersparnisse sotten ebenfalls niemals gemacht sein. Und das Alles wegen der Flasche Rum für den Thronfolger. Aber 'alles Gute hat seine Zeit. All mählich wurde der Pächter dicker und die Hofgesellschaft magerer. Tas Esten fing an schauderhaft zu werden,' und der Zar mußte sich wieder zur Seldstdetösti qung entschließen. Tie GeschichZe klingt kaum glaublich. Abc? sie hat in allsrnmcster Zeit doch eine Art Seiten stück erfahren. Auch der jetzige Zar war,' als er zur Regierung kam, als sparsamer und ehrlicher Man empört über die ungeheuerlichen, Ausgaben sür herausforderte. Zudem verbot das Trauerjahr die Abhaltung jeder Hof fcstlichkeit. Als aber das Jahr zu, Ende war.'zclgte cs sich, d.lßidcr spar, samc, Alexander III. um eine Million mehr ausgegeben hatte, als sein prunkkiebcnderVütetj,m,Jahre ZUVdrHFZ . ' : V'Si ' -. . ' ' ' - i "u 'li ::t ; 'V f0 N ach ,org a I U g e n w x s-l scnschastlichcn Ermittelungen pflanzen sich die Erdbebeustoße in der Secunde. um Fuß weit fort. ,
ocn .Vor. nr ne& eine ,o einsame zaus. Haltung einführen, daß sie den Spott der ganzen Petersburger 'Gezellzchast?
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