Indiana Tribüne, Volume 15, Number 300, Indianapolis, Marion County, 17 July 1892 — Page 7

auflsassraiia

Unterwegs. Ksveücttt ten He? DupSSt. Geb denn," hatte er gesagt, eZ mag In der That auch besser sein für Dich und für mich, wenn Tu dich für einige Zeit wieder von der Großstadtluft um K?ehen läßt, zu Deiner Mutter zurück' kehrst, bis Er hatte nicht vollendet, fondern sich abgewendet und zum Fenster hinauf sehen. .Und Du zürnst mir nicht?" hatte sie zaghaft gefragt, weil sie denn doch zu geben mußte, daß. wenn er es that, er in Recht-dazu war. Ich Dir zürnen? Weil Du Dich täuschtest, als Du glaubtest, daß Deine Liebe Dir selbst den Aufenthalt in einer kleinen Landstadt erträglich machen würde? Und weil Du einsiehst, daß Tu Dir zu viel zugcmuthet hast? Kei neSwegS ! Ich hätte ja auch wohl darauf gefaßt sein müssen." Und so ruh?g, überlegen sagte er'S. daß er sie fast zornig machte und sie nun ihm zürnte. Ja, wenn er sie mit Wor teu der Liebe beschworen hätte, zu bleiben, wenn er das Recht des ManncZ geltend gemacht hätte, das Recht zu vorlangen, daß sein Weib da ausharre neben ihm. wo sein Beruf ihn hingestellt, sie hätte sich wohl gefügt. A!?e? so war sie im Trotz von ihm g?gangen. Und nun saß sie im dahinrollcnden Eisenbahnwagen und jede Minute brachte sie dem Ziel ihrer Sehnsucht, der großen Stadt, der Stadt ibrer Geburt. der Mutter, den Freunden cntgegen. Vor rier kurzen Monaten erst saß sie ebenfalls im Vahnwageu. Und Winter war's und Schnee deckte die Felder, auf denen es nun überall cmporkeimte und -sproß von junger lichrgrüner Saat. Damals aber faß sie nicht allein, soa dern dich! an den Mann geschmiegt, dem sie vor wenigen Stunden sich angelobt hatte für's Leben, für gute und böse Stunden. Der Frühling lebte damals in ihrem Herzen und nun.... Sie legte sich in daZ Polster zurück und schloß die Augen. Sie überdachte im Fluze die vergangene kurze Zeit ihrer Ehe. Anfönzlich schien sich Alles erfüllen zu wollen, was sie erträumt, ersehnte Wie ein Kind hatte sie sich gefreut, als sie zum ersten Mal die Schwelle ihres eigenen Heims überschritten. Von einem Entzücken war sie in's andere gefallen. Nicht einmal die Zeit nahm sie sich, die Relselleider abzulegen. Durch alle Zimmer war sie gelaufen und von fcovt in die Küche. Sie selbst hatte ja in Berlin die Möbel, die Teppiche, die Vorhänge gekauft. Aber hier wirkte das Alles mit dem Reiz der Neuheit auf sie. Man erkannte die liebevoll ord ende Hand, einen feinsinnigen Ge schmack in dieser Auf" und Zusammen stellunz. Sie war überzeugt gewesen, daß da5. was sie vorfände, nur den Charakter des Provisoriums an sich tragen würde und sie erst .Chic" in das Ganze hinüberbringen müsse. Und nun fand sie nichts mehr nachzuordnm, nichts mehr zu verändern; so wie es war, mußle Alles stehen und liegenbleiben, um über alle Begriffe behaglich und anheimelnd zu fein. Und sie war dem geliebten Mann in ihrer Herzensfreude um den Hals gefallen und sie hatten sich unter Lachen geküßt und gelacht unter Küssen, bis sie ruhiger geworden waren und sich Hand in Hand vor das lustig prasselnde Osenfeuer setzten und Träume hinüberfponnen in eine lange, glückqesegncte Zukunft. Dem schonen Abend folgte ein schonn Morgen. Wieder hatte sie aufgejubelt, als sie in das Wohnzimmer trat, durch dessen Fenster die leuchtende Wintersonne hineinstrahlte. Und diese Ausficht! Weit vor ihr hin, bis zum hügeligen Horizont dehnten sich weite, im Sonnenschein glitzernde Schneefelder? zur Rechten lag auf einer mäßigen Anhöhe eine uralte, graue Kirche mit spitzem Glockenthurm inmitten eingesunkener Grabhügel und zerfallener Denksteine. Und dahinter, in der Tiefe, die Dächer und Gibel des Städtchens. Das also war die kleine Stadt! Gewiß wird sie sich zurechtfinden. Sie würde sich sicher auch wohl hier fühlen ohne, den bösen Mann, der ihr so bange gemacht vor dem .Nest". Und nun gar mit ihm! Hier neben ihm zu leben, ist doch gar kein Opfer, selbst wenn man aus Berlin kommt. Sie wird sich gewiß nicht darnach zurücksehnen, nach dem nervenvdtendcn Straßenlarm und dem aufregenden Gesellschaftsleben. Und die Kirche! Natürlich wird sie die zeichnen: sie fordert ja geradezu dazu heraus. Er Zoll nun sehen, sie wird sich nicht langweilen. Und der erste Brief, den sie an die Mutter schrirb, sictz über tot Enthusiasmus für die kleine Stadt". Der Amtsrichter führte sein junges Weib rnit freudigem Stolz in die Ge sellfchast" ein. Allerdings die Gclellschaft! Es waren gar seltsame Menschen, deren Bekanutschaft sie da machte. Man mußte wahrhaft gut erzogen fein, um ihnen nicht hellauf in's'Gesicht zu lachen. Diese steifleinene Würde der Männer, diese breite, selbstgefällige Behäbigung der Frauen, diese Simplicität der jungen Mädchen! So engherzig waren sie in ihren Anschauungen, verknöchert in ihrer Klcinstädterei, so unsäglich nüchtern und geistesarm, U weiten! fremdet. Sie staunten das junge, lebendige, elegante Weib wie ein Fabelwescn aus eine? andern Welt an. einer Welt, ans der kein Verbindungsstcg zu der ihren hinüberkeitete. Sie athmete stets wie von einem Alp befreit hoch auf, wenn sie von solchen Visiten" m-ihr Zuhause zurückkehrte. Hier neben ihrem Manne war, sie wieder! e selbst. Und sie legte ihm denn wohl die Frage vor, wie er so lange unter und mit diesen Menschen habe leben können, ohne, wie setzt. Jemand in 6aben, mit dem er austauschen konnte,waS V w rtta :t ... . . I fim m !t tsakafcg 1

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sich PüÄen konnte, wcnnder'Tag hin ier ihm laz mit seiner Mühe und A. seit. Da hatte er denn stets fein gelächelt and über ihr Haar gestrichen uud dabei Zcfazt: Ich habe meinen Beruf und wo der mich hinstellt, da heißt es aushalten und sich zu schicken in die Verhältnisse und Menschen. Am Ende sind auch die Menschen nicht gar so unerträglich, wenn man den richtigen Maßstab an sie zu legen weiß." - Aber sie fand den richtigen Maßstab lcht. Sie konnte sich nicht davon frei machen, Vergleiche anzustellen zwischeu den Menschen, unter denen sie aufzcwachsen und denen, auf deren Verkehr sie nun anzewiefen war. Sie beschränkte m der Folge denfelben auf das noth wendigste Maaß. Und so kam es, fräs sie als hochmüthig verschrieen wurde. Sie lachte darüber. So vergingen die Tage, die Weckten der März war gekommen. Von den Feldern schmolz der Schnee und Frut lingsstürme brausten über sie hi?. Uud Die Sonne wärmte schon recht, rud rnentlich um die Mittagszeit. Ta zog es wie Heimweh durch dit Seele der jungen Frau. Wie schön hatte sie sich früher das intime Beobachtcn des werdenden Frühlings gedacht, wie wußten die Dichter davon zu singen. Und nun sab sie dieses allmälige Wiederaufleben der Natur vor sich ; sah wik die weiten Felde? sich mit lichtgrünem Schimmer bedeckten, wie die Sonne die ersten braunen Knöspchen an Baum uud Strauch herv)rküß!e, wie die erst Schwalbe kam. Aber sie wurde dock nicht recket froh darüber. Gewiß, sie liebte ihren Mann. Freudig war sie. das reiche verwöhnte Mad chen ibm gefolgt in die Stille des 5! leinstadtlebcns, tptte ohne ein Wort deZ Bedauern die Weltstadt mit ihren tansend und tausend Bewegungen. mit ihrem Reiz, ihrem brausenden Leben verlassen. Er war ihr Ersatz für Alles, was fie ausgab. So dachte sie noch vor kurzem. Ac nun sie an den langen Nachmittagen ellein an ihrem Fenster saß, nun stieg vor ihrem geistigen Auge die Vergan genheit auf, nun verglich sie das damals mit dem jetzt. Wann je frühe? hatte sie so viel Langeweile empfunden ? In der Wirthschaft gab es kaum etwas zu thun für sie. Die Küche besorgt du Perfekte" und das übrige das HauS' Mädchen. Lesen mochte sie auch nicht immer und die Berliner Zeitungen sie las deren drei waren mehr geeignet, sie in ihrem Unbefriedigtfein zu bestarken, als daraus emporzureißen. Was galt ihr die Beschreibung von alle dem, was sie mit durch zu leben gewohnt war? Und grade in dieser Saison" häuften sich die Ereignisse im Theaterund gesellschaftlichen Leben; zu ihr kam nur der Reflex, wie er sich in den Zeitungen wiederfpiegelte Uud ihr Mann? Sie liebte ihn noch immer unverändert, aber sie war unzufrieden mit ihm. Seine Art sie zu licben war ihr nicht die richtige. Er nahm es zu ernst mit seinem Beruf. Ach. dieser Beruf! Wie sie ihn haßte, der ihn ihr entzog, sich wie eine Scheidewand zwischen ihnen aafthurmte. Er schien es auch gar nicht zu bemerken, daß ihre natürliche Frohlaune allmälig sich in Mißvergnügtheit umgewandelt hatte. ' Wie sollte er auch? Brachte er sich doch häusig Akten mit nach Hause und saß bis in die Nacht hinein über ihnen. ' Und langsam verdichtete sich bei ihr das unbestimmte Heimwehgesühl zu dem Entchluzz: für einige Wochen zur Mut , . -k . f cr zurnicn. Immer vertrauter mach e 1 hu) nni ira mm, u uuy , M, ohne lhn zur Ausführung gebracht zu i;arui, ijUi iiuyi uieyt euiuycu zu iuu nen glaubte. Die vier Monate ihrer Ehe schienen ihr wie cbensoviele Jahre. Immer brennender wurde thre Sehnsucht nach dem, was hinter ihr lag. Trotzdem zauderte sie lange, ehe sie ihren Dkann mit ihren Wünschen bckannt machte. Sie war sich selbst nicht klar darüber weshalb. War es denn etwas Unrechtes, was sie erwünschte? Doch gewiß nicht. Nur einige tiefe Züge aus dem sprudelnden Quell des reichbewegten Lebens der gewaltigen Stadt wollte sie- thun, dann meinte sie wieder gestärkt und lebensfreudiger zu sein, von den ueugewonnenen Eindrücken geraume Zeit hindurch zehren $r können.... Ein schriller, langgedehnter Psiff bei Lokomotive.... das rasende Tempc des Zuges verlangsamte sich.... knlrschend zogen die Bremsen an.... die Maschine schnaufte und stöhnte noch ein Ruck der Zug stand. Groß-Heringen!" riefen die Schaffner und rissen die Thüren auf: Dre Minuten Aufenthalt." Die junge Frau schreckte jäh aus ihren Träumen empor. Hier mußte sie aussteigen. Eine dreiviertclstündige Wartezeit stand ihr bevor; erst der nächste Eil' zug brachte sie nach Berlin. Sie hing das Reisetäschchen UN uni verließ den Waggon. Und nun san sie im Wartesaal I. und II. Klasse" des kleinen Stationsgebäu des, während sich der Zug, mit dem u gekommen war, langsam wieder in Bewegung setzte. Dieser Wartesaalk Ein mäßtg großer Raum mit vom Alter geschwärzten Tapeten, darin einige Tische und Stühle vorsündfluthlicher Construction und ein schwarzes Ledersopha mit geschweifter Lehne, welches vor FI'orpulenz zu bersten schien. An der einen Schmalwand ein Büffet mit einem Servirtisch davor, aus welchem einige verdächtige belegte" Brötchen, Würstchen, Kuchenschnitte zwischen zwel Porzellanvasen mit grellbunten Kunstblumen ein wenig einladendes Stillleben bildeten. An den übrigen Wanden , Fahrplävc, der Profpekt des Norddentfchen Lloyd" und der irgend einer Provinzialindastrie Ausstellung. Ueber dem Spiegel eine GvpSbüste des ersten HohenzollernkaiserS. In einer halbdsnklen Ecke zwischen dem Büffet uuiMvunm awi racu tu vu n d ei?l kism Ok u-v ,

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sommersprossiger, rothhaariger ' Kellnerbursche, wie es schien aussichtslos, gegen die ihn übermannende Müdigkeit an. Vor sich den Kaffee, ein Konglomerat von heißem Wasser, sehr viel (licho rie und sehr wenig Bohnen, sah Hertha mit großen Annen auf die im Sonnenglänz weißleuchtenden Schien eng eleif hinaus, zwischen denen einige Bahnarbeite? Kies aufschütteten. Und nun kam mit dröhnenden Schritten der Herr Stations-Vorsteher herein, ließ sich von dem Hals über Kopf auffahrenden Kellnerburschen einen Cagnac geben, trank denselben auf einen Zuz hmunter, rieb sehr energisch mit dem Taschentuch das Schweißleder seiner rothen Mütze trokken und ging dann wieder. Auch der Kcllnerbursche nahm seine vorige 93e schäftigung wieder auf. Hertha seufzte auf. Noch dreiviertel Stunden! Und dann weitere drei im Eilzuge und sie ist in Berlin, und die Mutter ist auf dem Bahnhofe und erwartet sie. Was aber soll sie denn eigentlich sagen, weshalb sie kommt allein, ohne ihn ihren Mann? Ihr Mann! Ob er sie wohl vermiß scn wird ? Sie kräuselt die feingeschwungeuen Lippen. Wohl kaum! Seine Akten werden ihn schon über ihre Abwe fcnheit wenn ja sie ihm fühlbar werden sollte hinwegtäuschen. Er hatte es ja in seiner Hand gehabt, sie zum Bleiben zu bewegen; nur ein Wort hätte er zu sagen brauchen er hatte es nicht gesagt; nun wohl, sie hat auch ihren Stolz ! Liebt er sie wirklich, so wird es ihn nicht lange allein lassen, und er wird kommen und sie zurückholen. Wenn er aber nun nicht kommt ? Dano ja, was dann? Sie stützt den Kopf in die Hand. Es ist ihr mit einmal, als hätte sie irgend ein Unrecht begangen an dem Manne, den sie liebt, als freue fie sich gar nicht mehr auf Berlin, auf die Mutter, auf die Freunde. Und sie zürnt ihm nun fast, daß er fo bedingungslos ihrer Laune" nachgegeben. Sie ruft sich ihn in's Gedächtniß zurück. Und da steht er vor ihr, er mit feinen ernsten und outen Auaeu uud leine Läsbetn. Uud sie entsinnt sich all jener kaufend kleiner Zeichen von ihm, die nur die Liebe zu deuten weiß, und die in ihrer Schlichtheit mehr sagen, als ein Schwall schöner Worte. Wie er stets so wahrhaft liebevoll zu ihr gewesen, wie sie ihm eigentlich fo gar nichts vorzuwerfen hat. als die .kleine Stadt und seiue Berufstreue. So sinnt sie und sinnt und in ihrer Seele bereitet sich langsam eine Wand lang vor. Die NachmittagSfonne wirft schrägfallende Strahlen durch die Jen ster und überflammt die Schiesengeleise und das dahinter liegende kleine Nadel gehölz wie mit rothflüssigem Golde. Die Arbeiter draußen Hacken und Spa ten über die Schultern und entfernen sich plaudernd. Da sieht sie nach der Uhr. In zehn Minuten ist ihre Wartezeit abgelaufen. Sie ruft den Kcllnerburschen zu sich heran. Wollen Sie mir ein Depeschensornu lar besorgen?Sehr gern.Und fort ist der gute Junge, glühend vor Diensteifer und in der Erwartung eines guten Trinkgelde?, um in einer Minute mit dem Verlangte: wieder zu. rückzukehren. Und nach abermals einer. Minute trägt er die mit Bleistut geschriebene Depesche nach der Bahnpofl zurück. B?vor er sie aber am Schalter aufgicbt, hält er fie jener Wißbegierde, welche ein Erbtheil seiner Kaste r tfr-tlh VW VkV MUVt 14 entziffert mühsam - mit Bleistift Ge IM. feinend Dient vor Die X'luaen und schriebe,: zn lesen ist feine Stärke m bie ür. .Frau Professor Schliebcn. Berlin. Lützowstraße. Komme nicht. Briei folgt. Hertha.Herrgott, die gnädige Frau!" Still, still. Peuline! Freilich bin ich 3. Der Herr ist in feinem Zimmer ? Jawohl, gnädige ich...!" Nichts sollst Du krau .... wu weiter als still sein!" Und Hertha ging an dem verdntzt im Thürrahmen stehenden Mädchen vorbei über den Korridor und öffnete sodann die Thür zum 'Lalon. m welchem durch eine Portiere ein schmaler Lichtschimmer aus dem Arbeitszimmer ihres Eatteu heremncl. Tief athmete sie auf und preßte dr Hände auf das hochklopfende Herz. Nun war sie wieder zu Hause". Kein Mensch außer dem Mädchen hatte ihr Kommen bemerkt. Nur vier Stunden war sie fortgewesen, aber waö hatte sie währenddessen Alles durchlebt! Und er, was wird er zu ihrer Rückkehr sagen? Wie sie empfangen? Eben so ruhig wie er sie hat gehen sehen? Sie verwirft diesen Gedanken. Sie ist anders wiedergekommen als wie sie gegangen war. sie würde seine Glcichgiltigkcit jetzt nicht verwinden können. Aus ben Fnßsditzen nähert sie sich der Portiere und lugt mit verhaltenem Athem hindurch. Ihr H$ pocht zum Zerspringen : ihre Knie zittern. Da sitzt er am Schreibtsich, neben sich die brennende Lampe, vor sich einen Aktenstoß. Und doch anders wie sonst. Er blättert nicht in den Akten, sondern stutzt den Kopf in die Hände. Das Bild eines in tiefe Gedanken versunkene Mannes. Heiß steigt eS in ihre Augen her' auf. Rafch tritt sie vor. mit wankenden Schritten, bis in die Mitte des Zim mers. Conrad!" Er war aufgeschnellt. Der Scheit, der Lampe fiel nun voll auf ihre graziöse Gestalt. Ueber sein Gesicht flackert ti wie stürmisch hervorbrechende Freude ....im nächsten Augenblick ist er bei ihr und sie hängt an seinem Halse im wortlosen, überströmenden Glücksgefühl. Sie hat nur den einm Gedanken, daß sie geliebt wird und daß sie sterben müßte, weMdjeseLiee jfcr genvmmm würde.

Nun macht sie stck, loS von ihm und I 1 .1 :. i nt.-z v.a :i.u. 1

iuuji lyist luuti yiuutii in va-j juuylende Gesicht. Du hast mich am Ende doch wohl ein iischen lieb?" Seit heute weiß ich erst, wie sehr !" Sie lacht. Und es ist ein so klingendes, glückliches Lachen. Also so steht es mit Dir? Sag' mir doch. Du Lieber, tvenn ich nun nicht von selbst wiedergekommen wäre hättest Du mich geholt?" Er zieht sie an sich. Ich glaube nein! Wenn Dein Herz Dir nicht gesagt hätte, wo Dein Platz ist, hättest Tu mich ja nicht mehr geliebt! Unsere Ehe wäre ein Irrthum gewesen, den weiter aufrecht zu halten uns beide für immer unglücklich gemachi hätte!" Willst Du wohl still sein ! rief sie und hielt ihm die Hand auf den Mund. Nun, ich weiß, daß Du mich doch mehr liebst als Deinen abscheulichen Beruf, magst Du auch dreist in Zukunft den Actenstaub hier einschleppen. Dein Verstand Deinem Beruf, Dein Herz mir. Ich habe ja doch dann das Bessere!" Er küßte sie. Ich aber das Beste Dick !' Die (Sefchichte eines Morders. Der Deutsche Adolf Schicktanz, der Mörder des Bankiers Theodor Phelps in Rom, hat vor dem deutschen Conful, Herrn Kolb, ein umfassendes Gestandniß abgelegt und in ergreifender Weise erzählt', wie er, der Sohn hochachtbarer Eltern, dahingebracht worden sei, den Weg des gemeinen Verbrechens zu te schreiten. Mit den Worten: Ich bin der Mörder dcs Geldwechslers auf der Via Frattina. Excellenz! übergeben Sie mich dcn italienischen Behörden," stürzte Schicktanz in das deutsche Confulatsgcbäudc und warf sich dem Conful zu Fünen. Ich bin ein Unglücklicher; nachdem ich den ersten Schritt vom Wege gethan, riß mich das Laster mit sich fort, ich stürzte in den Abgrund und konnte mich an keinen Rettungsanker klammern, und jettt habe ich die größte Todsünde begangen." Dann erzählte Schicktanz mit schlichten Worten seine Lebensgeschichte: Ich bin 20 Jahre alt und zu Stolpcn in Sachsen geboren. Mein Vater, Ferdinand Schicktanz, ist Hauptmann der Infanterie in Königsberg. Meine Mutter ist eine geborene Hedwig Schneider. Ich bin der einzige Sohn meiner Eltern. Meine Jugend verlief sehr trau rig. Da mein Vater häufig versetzt wurde, genoß ich keinen regelmäßigen Schulunterricht, bis man mich endlich in ein Jnnsbrucker Gymnasium steckte, dort blieb ich bis zu meinem 15. Lcbcnsjahre. Der Aufenthalt in dem Institut war mir unerträglich, zu wiederholten Malen bat ich meine Eltern, mich aus der Anstalt zu nehmen, aber meine Eltern weigerten sich.meinenWunfch zu erfüllen, zumal der Tircctor des Gymnasiums jchlcchte Berichte über mich erstattete und meinen leichtsinnigen Lebenswandel und meinen Ungehorsam rügte. Es blieb mir nichts übrig, als aus Innsbruck zu slichen. Mit zwei Mark in der Tasche kam ich nach Berlin, wo ich mich zwei Uconat lang kümmerlich durchschlug und auf den Straßen Zündhölzchen derkauftc. Die Noth trieb mich endlich, an meine Mutter zu schreiben. Sie fechte mich zu bewegen, nieinen Vater lim Verzeihung zu bitten und nach Innsbruck zurückzukehren. Mein stolzer Sinn sträubte sich aber gegen eine 'olche Zumutbuna. Ich schrieb ihrd her noch einmal, sie möge mich mit Geld unterstützen; falls sie mich durch die Polizei aufgreifen lassen würde, würde ich mir das Leben nehmen. Zwei Jahre lang unterstützte sie mich: fünf mal kam sie während dieser Zeit nach Berlin, um mich aufzusuchen und nach Königsberg mitzunehmen. Aber stets wußte ich mich vor ihr zu vcrbcr gen. Ich hatte unterdeß in einer Fabrik lohnende Beschäftigung gefunden und lebte sehr gut. Leichtsinnige Mädchen, mit denen ich verkehrte, veranlaßten mich dazu, mein erstes Verbrechen zu begehen. Ich sollte Geld einkn'siren und stahl gegen 200 Mark. Acht Mo nate lang hielt ich mich in Berlin ver--borgen, um nicht in die Hände der Polizei zu fallen. Auf den Rath eini ger Freunde fälschte ich mein Geburtsattest und erhielt eine Briefträgerstelle bei der Post. Den brieflichen Verkehr mit meiner Mutter hatte ich natürlich abgebrochen. Fast zwei I ahre lang behielt' ich unter Anwendung der größten Vorsicht meinen Posten. Aber schlimme Gesellschaft brachte mich wieder an den Rand des Verderbens. Ich wurde nach meiner Heimath Stolven verfetzt. Dorthin folgte mir meine s Geliebte, Emma Kristfcm und ihre Freundin, die gleichfalls Mit ernem nach Stolpen versetzten Briefträger verkehrte. In Stolpen unterschlug ich Einschreibebriefe und Werthscndungen, um meine Schulden bezahlen zu konnen. Nach zehn Monaten erst wurden die Unterfchlcife entdeckt. Gegen 400 Mark hatte ich bei Seite gebracht. Ich floh1 nach Frankreich, blieb über zwei Monate in Paris und etwa drei Wochen in Litte. Mein Geld war unterdeß be- ( deutend zusammengeschmolzen, da ich sehr viel ausgab. Dann ging lch nach der Schweiz, weilte längere Zeit in Zürich und Luzcrn, wo ich den Rest mei nes Geldes mit Weibern verpraßte und im Kartenspiel verlor. Ich fuhr über die Alpm nach Italien, und als ich in Rom ankam,' hatte ich nur noch 20 Mark, die ich in wenigen Tagen gleichfalls ausgab. Wie ich dann in dem . Wechsclgejchäft von Phelps und Balzarino Geld stehlen wollte, wie ich dabei überrascht wurde und wie ich in meiner Aufregung zum Revolver griff, das ist Ihnen bekannt, Excellenz! Und jetzt der haften Sie mich, Herr Eonsul." Mit diesen Worten beschloß Schick tanz ieine trauriae Lebensaelckichte.

Der Reise.Club.

Humorctke vc Leopold v. achnV!asoch. Die Reiscmanie. welche alle Welt er griffen hat. hat sich epidemisch bis in die kleinsten Orte verbreitet und ist endlich auch in dem niedlichen Stadt chen Strulitz eingezogen. Auch hier fand sich eine Anzahl Begeisterter, die gern Alles aufgeboten hätten, um die Wunder fremder Länder und fernerer Wcltthcile zu ergründen. Aber leider sind die Kapitalisten in Strulik selten, und so kamen die Reisebedürftigen auf die glückliche Idee, einen Rcisc-Elub zu gründen, dessen Statuten dem erfinderisW Geiste der Strulitzer alle Ehre machten. Jedes Mitglied deZ ElubZ mußte sich den Satzungen bedingungslos unterwerfen, und der Hauptparagraph bestand darin, daß jedes Jahr' ein Mitglied des Elubs durch das Loos dazu bestimmt wurde, eine Reise zu unternehmen und dann im nächsten Herbst und Winter das Gesehene nebst sonstigen Reiseerlebnissen im tUnl zum Besten zu geben, so daß es dann an den Bersammluugsabendcn uicht an Stoff fehlte und der ganze Club gleichsam in der Person des einen Mitgliedes die Reise unternahm. Auf diefe Art waren won Mitatteoer des ulubs m Wien, Paris und London gewesen. Andere hatten Venedig und Florenz, Rom. Neapel, Madrid und Skandinavien besucht. Diesmal ergab das Loos als Reiseziel Konstantinopel, und bei dem zweiten Gange wurde der Gutsbefitzer Hans Gut durch die Laune des Zufalls dazu bestimmt, die Orientfahrt zu unternehmen. Alle Mitglieder des Clubs wünschten ihm Glück zu der schönen Aufgabe, die ihm geworden war. Hans Gut dankte mit einem verlegenen Lächeln. Er war noch jung und unverheiratet, aber fo sehr aneinbehaglichesJunggcsellenlcbon gewöhnt, so bequem und, wenn man seiner HausWlterin, der fünszigjährigen Jungfer Äherese Schmidt, glauben durfte, so 'träge, daß ihm schon eine längere Fahrt im Wagen unbequem war. Eine Reise im Eiscnbabncoupe erschien ihm als Tortur, und nun sollte er gar durch Länder, in denen selbst Expreßzüge überfallen wuröcn, nach Konstantinopcl fahren, wo die Hunde wild auf den Straßen umherliefen, noch dazu bei dieser Hitze, und während die Journale täglich CholeraNachrichten aus den asiatischen Provinz?n der Türkei brachten. Die Cholera schreitet schnell." dachte Hans Gut, es ist sehr wahrscheinlich, daß sie früher in Konstantinopcl sein wird als ich, und was dann?" Er behielt indeß seine trüben Gedanken, denn er fürchtete, das Stichblatt seiner Genossen zu werden. Aber ehe er die Reise antrat, machte er in aller Stille sein Testament, und dann fuhr er zuerst zu seinem Oheim, der katholischer Pfarrer am Fuße des ErZgebirges war, und dessen Erbe er einst sein sollte. Er wollte von ihm Abschied nehmen, denn er war überzeugt, daß cr ihn ebensowenig mehr wiedersehen werde, wie Strulitz oder den ReiseClub. Sein Oheim empfing ihn mit aufrichtiger Freude und erklärte sofort, daß er mindestens eine Woche bei ihm blciben müsse. Dann erst wollte er ihn entlassen, dann erst sollte er die große Fahrt antreten. Hans Gut ergab sich bereitwillig in sein Schicksal. Ter Ausenthalt im Pfarrhause war ja so recht nach seinem Geschmack. Das ge räumigc, einstöckige Haus sah gar zu freundlich aus mit seinen Rebenspaliercn und den grünen Fensterläden, umgeben von einem hübschen Gemüsegarten, einem prächtigen Obstanger,Blumenbeeten und Gruppen alter Laubbaume. Die Stuben waren nicht gerade clegant, aber mit allem altväterlichen Bedagen eingerichtet, und sein Onkel wetteiferte mit feiner Haushälterin, der alten Babctte, ihn zu pflegen und ihm den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu machen. Täglich wurden ihm zum Gabelfrühstück, Mittags und Abcnds die leckersten Gerichte vorgesetzt, der Keller mußte seine besten, dick mit Staub belegten Flaschen Weins hergeben, und der türkische Tabak des Herrn Pfarrers war geradezu großartig und ein Vorgeschmack Konstantinsvcls. Doch Tag für Tag verstrich, und die Wolke, die feit der Abreise von Strulitz auf der Stirn des unseligen Hans Gut lagerte, verfinsterte sich mehr und mehr, von Abend zu Abend, beim Skat, den cr mit dem Pfarrer und der Haushäl terin spielte, so daß endlich der gute Oheim beunruhigt wurde und ihn nachdrücklich um die Ursache seines Kummers befragte. Nun berichtete Hans Gut offen alle seine Bejorgnisse und Bedenken, und nachdem der Pfarrer ihn ruhig angehört, sagte er ebenso einfach als richtig: Mußt Tu denn eigentlich fahren?Hans Gut antwortete nur mit einem Achselzucken. Aber als, er cun uächsten Morgen erwachte, fragte er sich selbst: Muß ich denn fahren?" Und dann dachte cr nach, was er sonst nicht allzu gern that, und als er unten beim Kaf sce erschien, da leuchtete sein hübsches rundes Gesicht, und er erklärte dem Pfarrer, daß er eine glorreiche Idee habe und diefelbe auf der Stelle auszuführen beabsichtige Worin diese Idee bestand, verschwieg er vorläufig, aber noch an demselben Morgen ging ein Brief an eine Buch Handlung in Dresden ab, durch den mehrere Werke über die Balkanhalbinsel und Konstautinopel bestellt wurden. Beim Mittagessen eröffnete Hans Gut endlich dem freudig überraschten Pfarrer, daß er nicht reife, sondern die Zeit, die er zu der Fahrt gebraucht hätte, bei ihm zubringen wolle. Das hast Du klug gemacht," rief der Pfarrer und schloß seinen Neffen zärtlich an di Brust.

Nun fühlte sich HanZ Gut mit einem Male wohl, ja glücklich und wnrde sogar nnterneh'.nend, cr begann m'rt dem Förster auf die Jagd zu gehen, zu angeln, mit dem Netz Forellen zu fangen und die Gegend nach allen Richlilngen hin Zu Fuß und zu Pferde zu durchstreifen. Auf einem seiner Spaziergänge wurde er geradezu zum Helden. Er kam über eine Wiese, auf der einige Kuh.weideten, und erblickte plötzlich jenseits cincs hölzernen Zaunes 'eine junge Dame, deren rother Schirm offenbar einen jungen Stier, welcher zu der H?erde gehörte, angelockt hatte, und die sich jetzt halb verzweifelt mit dem Griff desselben gegen das zornige Thier vertheidigte, das mit seinen kurzen Hörnern den Zaun niederzuwerfen suchte in der zweideutige Absicht, die Unglückliche aufzuspießen. Hans Gut beschlcunigte seine Schritte, ergriff den Stier beim Schwanz und begann dessen Rücken kräftig mit seinem Stock zu bearbeiten. Sofort ließ das überrafchte Thier von seinem Opfer ab. Kehrt und galoppirte davon, so rasch, daß Haus Gut. welcher den Schwanz desselben nicht sofort losließ, ein paar Schritte weit mitgeschleift und schließlich zu Boden geworfen wurde. Nachdem er sich wieder erhoben und seinen Anzug in Ordnung gebracht hatte, näherte er sich der Dame, nahm feinen Hut ab und stellte sich ihr vor. Wie soll ich Ihnen danken," crwicdcrte diese, Sie sind in der That mein Lebensretter. Ich bin gewiß, daß. wenn Sie mich nicht so muthig vertheidigt hätten, ich das Opfer dieses Ungcthüms geworden wäre." Die junge Dame war sehr hübsch und sah recht vornehm aus. Ihre dunklen Augen ruhten so freundlich auf Hans Gut. daß er, der sonst Frauen scheu auswich, sich ein Herz faßte und sie um die Erlaubniß bat, sie begleiten zu dürfen. Nachdem er dieselbe erhalten hatte, schritten sie zusammen auf einem freundlichen Waldwege dem gräflichen Schlosse zu, baß jenseits des Forstes

lag. Die junge Dame hieß Marie Wahlbcrg unv war Erzieherin bei dem Grafen von Western itz. Das Gespräch, das Hans Gut mit ihr führte, war ziemlich gewöhnlich und gerieth wiederholt ins Stocken. Aber wie es eben geht, wenn man sich gegenseitig hübsch findet und gefällt, fo fand er sie trotzdem reizend, und sie war, als er fie verließ, der Ansicht, einen höchst geistreichen Mann kennen gelernt zu haben und einen Mann voll Muth, und das ist bei den Frauen die Hauptsache. Nur darüber war ste erstaunt, daß er nicht den Wunsch ausgesprochen hatte, ihr wieder zu begegnen, oder sie um die Erlaubniß gebctcn'hatte, sie besuchen zu dürfen. Tiefen Fehler beeilte sie sich jedoch bald wieder. gut zu machen, denn schon in den nächsten Tagen kam sie in den Pfarrhof mit ihren Zöglingen unter dem Vorwande, den Pfarrer zu bcsuchen, in Wahrheit aber nur, um ihren hübschen Retter wiederzusehen. Bei dieser Gelegenheit wurde das Gespräch in der That interessanter, denn Marie sprach von den verschiedenen fremden Ländern, in denen sie als Erzieherin geweilt hatte, und endlich zeigte es sich, daß sie sogar ein Jahr in Konstantinspcl im Haufe eine's Pafchas zugebracht hatte. Bei dem Worte Konstantinopcl sprang Hans Gut auf und begann laut zu jubeln. Marie fah ihn erstaunt an, aber ihre Verwunderung verwandelte sich bald in laute Heiterkeit, als der Pfarrcr in seiner gutmüthigen, humoristischen Weise die letzten Schicksale seines Neffen schilderte. Eigentlich ist er jetzt schien oben auf dem Balkan." schloß der Psarrcr, und das Beste von der Sache ist, daß er jetzt eifrig zwei gelehrte Werke über die Türkei und Konstantinopel studirt und, wenn er nach Hanse zurückkehrt, über seine Reise dem Club wird besser Auskunft.geben können, als wenn er wirk lich dort gewesen wäre." Um so mehr," rief jetzt Hans Gut, als ich hier in Fräulein Wahlbcrg ein drittes, lebendes Werk über den Orient entdeckt habe, das mir hoffentlich auch einige Aufschlüsse geben wird, und mit dem mich zu beschäftigen mir das größte Vergnügen sein wird." Marie lächelte und erklärte sich, gern bereit, ihn über die Verhältnisse in Konstantinopel, ja sogar über das intime Leben in türkischen Familien zu unterrichten. Ach, mein liebes Fräulein," erwicerte Hans Gut, da Sie schon so gnä big sind, sich eines armen, verlassenen Reisenden anzunehmen, so gehen Sie in Ihrer Großmuth noch weiter und geben Sie mir einige Lectionen im Ärabischen, denn ich 'bin sicher, daß Sie auch davon etwas verstehen." Fräulein Wahlberg lächelte wieder. In der That," sprach sie, ich habe wirklich in Konstantinopcl etwas Ärabisch gelernt, auch habe ich verschiedene Kleinigkeiten mitgebracht, die ich Ihnen gleichfalls zum Gcfchenk für Ihre Freunde, die Mitglieder des Clubs, zur Verfügung stelle." Nun war Hans Gut auf dem Höhe punkte irdischer Glückseligkeit ange langt. Da Fräulein Wahlberg es nicht für passend hielt, daß er zü ihr in das Schloß kam, so fand sie sich an freien Nachmittagen im Pfarrhaufe ein, um ihr Versprechen zil erfüllen. Es waren köstliche Stunden für Beide, wenn sie zusammen in der schönen Laube hinter dem Hause saßen oder an regnerischen Tagen im Salon, und Marie dem aufmerksam zuhörenden Hans von ihren Eindrücken am Bosporus berichtete oder ihn im Arabischen unterwies. Anfangs ging Alles gut. Aber rneh: und mehr begann Hans Gut' liebet H den schönen Äugen der schlanken Marie zu lesen, als im Koran, den sie vor ihm ausgeschlagen hatte, und wurde zerstreut t und unaufmerksam beim Unterricht. So aeschah es eines Taaes. daß. naü-

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dem Marie ihn wiederholt ermähne hatte, seine fünf Sinne beisammen vl halten, sie endlich erklärte, daß sie ihrr bei dem nächsten Versehen exemplarisch bestrafen werde, und wirklich. als HanS Gut fünf Minuten später wieder einen schlagenden Beweis davon gab. daß er absolut nicht auf die Auscinandersctzun gen seiner schönen Meisterin geachtet hatte, sprang diese auf und rief, wie sie es ihren Zöglingen gegenüber gewohnt war: Gut, jetzt gehen Sie aber sofort irr den Winkel!" Bitte, bitte," sagte Hans, yur dies mal lassen Sie Gnade für Recht er gehen." ,; Nein," erwiederte Marie. Si? müssen einmal Ernst sehen. Gehorchen Sie auf der Stelle." Und dann nahm sie Hans Gut beim Arm und stellte ihn in der That in den Winkel, wie einen ungehorsamen Knü" ben. ES währte nicht lange, so begann: der Verbrecher um Gnade zu bitten. Ich denke nicht daran," rief Fräu lein Wahlberg," im Gegentheil, da ich sehe, daß Sie die Strafe nicht ernst nehmen, so will ich dieselbe verschärscr, und zwar sollen Sie eine ganze Stunde kniecn." Seufzend ließ sich Hans Gut aus die Knie nieder und verhielt sich einen Augenblick wirklich still. Dann aber begann cr wieder zu flehen'. Fräulein Wahlberg!" rief er. und da sie keine Antwort gab, so rutschte er.auf den Knieen cm Stück weiter. Danm noch einmal: Fräulein Marie!" und! wieder ein Stück vorwärts. Und da sie ihm dauernd und schnöde den Rücken zukehrte, so war er endlich bei ihrem Stuhle angelangt, und jetzt vor ihr cnf oen Knien flüsterte er noch einmal: Liebe Marie!" Sie wendete sich um, um das Lacher zu verbergen. Wer erlaubt Ihnen, Ihren Wm!e5 zu verlsssen?" fragte sie. Sehen Sie denn nicht, einzige süß?Marie," fuhr Hans Gut fort, daß cZ mir unmöglich ist, aufmerksam zu seirr. und das arabifche Krix-Krar zu vcrfolgen. wenn Ihre fchönen dunklen Augen leuchten, wenn Ihre kleine, weiße Han auf dem Buch liegt? Sie haben cs mir angethan, und wenn ich wieder ver nünftig werden soll, dann muß cs her aus daß daß ich Sie liebe " Jetzt wendete sich Marie langsam unr, und sah ihn, die Arme auf der Brust gekreuzt, lächelnd an. Ist das Spaß oder Ernst, HerrGut?", fragte sie. Ernst, heiliger Ernst," erwiderte er noch immer vor ihr auf den Knien. Wie können Sie nur glairben, daß. ich es wagen dürfte, mit Ihnen zv scherzen?" Und was weiter?" Was weiter? Wenn Sie mir nur ein wenig gut sind, dann dann wn den Sie meine Frau, liebe Marie, und aus dem unglücklichen Orientreisendeu wird mit einein Male her ntihf liAstc Mensch der Erde. Wollen Sie?" Sie nickte ihm freundlich zu, und im nächsten Augenblick sprang cr auf, zog sie an seine Brust und schloß ihr den Mund mit einem kräftigen Kuß. Da trat zur rechten Zeit der gute Pfarrer ein, und so bekamen die Liebenden so fort auch den nöthigen väterlichen Ee gen. Die jungen Leute beschlossen,' ihre Verlobung nicht in den Journalen kundzuthun, denn der Reife - Clu! mußte ja glauben, daß HanS Gut feine Erwählte in Konstantinopcl entdeckt habe. Das gehörte zur Sache, das war ja der Haupttrumpf, den er auSzuspie len gedachte. Und Alles gelang über Erwarten. Als die Zeit um war. kam HanZGut gesund und fröhlich nach Struli zurück. Er wurde auf dem Bahnhofs von dem Reife-Elub mit Hurrah und Musik empfangen. Alle bewundcrwZ. sein strammes Aussehen und sein son nenverbranntes Antlitz, und als cr nun gar die verschiedenen Kleinigkeiten aus packte, welche ihm Marie reichlich mit gegeben hatte, da hatte das Erstaunen und die Freude keine Grenzen. Und wie er nun schließlich im Kreise der Freunde ab und zu arabische Floskeln in das Gespräch zu mischen begann, da? saßen Alle sprachlos da, und selbst jene die am fernsten gewesen waren, jen scits der Pyrenäen und in Norwegen wagten es kaum, ihm gegenüber mchr das Wort zu ergreifen. Zwei Monate später wurde das junge? Paar durch den guten Pfarre? in uNerr Stille getraut, und dann hielt Äariex von den Strulitzern nicht anders als. die Türkin" genannt, ihren glorreichen Änzug. Als die Neuvermählten noch znne Ueberfluß ein großes Souper gabcn5 und nach dem Dessert, als die echt tür kischen Tschibnks angesteckt rourdm, Frau Marie Gut in einem türkischen Harcmskostüm dicht verschleiert unter den Freunden ihres Gatten erschien, da hätte wohl jedes Mitglied des Reife ElubZ demjenigen den Dolch in dad Herz gestoßen, der es gewagt hätte, daran zu zweifeln, das Hans Gut wirk" 'ich in Konstantinopel gewesen war Ungleicher Klan g. Im Dienstbotenvermittlungsbureau.Minnk (zu ihrer Freundin Lma): Heut' ig die gnädige Frau gerade dazu gekom men, wie mich der gnädige Herr auf die Backen getätschelt hat." Lina: Nirrr und "Minna: Nun, diennäs Frau hat mich gleich daraus ebenfalls auf die Backen getätschelt. . . .aber etwa? stärker, als der gnädige Herr." Vrel werth. Frnmdm: Ich begreife nicht, daß Tu den alten Rentier heirathen konntestl Was hat er denn außer zemem Aeicyryumz" Junge Frau: Eine Herzverfettung!D och et wäö. A.: .ttanrr Deine Frau kochen?" B. : ja, kochen kann sie schon etwaö, aber.. zch kann'S nicht egen.