Indiana Tribüne, Volume 15, Number 293, Indianapolis, Marion County, 10 July 1892 — Page 7

Nngatant u5er tvlrksam Es war im Jahre 1840. Jem) Lind war bereits im HSchstcn Grade sowohl ron der Kritik, wie vom Publirum in Stockholm gefeiert, aber die Künstlerin hatte hinlänglichen Verstand, um eiuzu sehen, daß sie bei Weitem noch keine vollendete Künstlerin sei. und beschloß aus diesem Grunde, nach Paris zu gehen, um bei der berühmten Garcia zu tu bircn. Das Glück, das sie bcim 'Publicum in Stockholm hatte, erweckte ihr naz, türlich Träume an entsprechende oder vielleicht noch größere Triumphe in der französischen Hauptstadt. Während eines Diners, kurz vor ihrer Abreise, war der Oberst 36., ein zu damaliger Zeit wegen seines feinen musikalischen Geschmacks wohlbekannter Herr, ihr Tischnachbar. Eie sprach nur von ihrer bevorstehenden Reife. Ihr einnehmendes Gesicht wurde nach und nach belebt, die seelenvollen Augen strahlten bei dem Gedanken nach Paris zu kommen. Sie wollte dort so singen, wie bisher niemand Anders gesungen hatte. Sie werde den Södlän dern die Huldigung für den Norden abzwingen, sie werde alle entzücken. Oder glauben Sie nicht, wie ich, Herr Oberst, daß meine Hoffnungen sich verwirklichen werden?" fragte sie ihren Nachbar. Mit Ihrer gütigen Erlaubniß nein!" Wie? Ab Alle, sogar Sie, sagen ja, dah meine Stimme ganz ungewöhnlich ist?!" ,Ja, sowohl ungewöhnlich wie schon aber aber ,Kaan ich vielleicht meine Rollen nicht spielen, ihnen nicht den rechten Character geben?" Ja, ganz gewiß, zweifelsohne aber aber." Nun, was für ein Aber? Sie wollen wahrscheinlich nur boshaft aegen mich sein, Herr Oberst ? 3ch? Öüein, das ist nicht meine Absicht, aber seien Sie nicht böse Sie gehen mit Nespect zu sagen rozeeine wie eine Gans!" Eine Bombe hätte nicht unerwarteter kommen können, als diese Antwort. Zorn war das Gefühl, ds5 sich zunächst der Sängerin bemächtigte. Die Freude am Diner war gestört, unberührt blieb das Weinglas, und als man sich endlich vom Tisch erhob, nährn sie den Arm eines Anderen, das höfliche Ersuchen des Oberste, sie aus dem Speisezimmer führen zu dürfen, nngnäbig abweisend. Heimgekehrt, hörte sie noch immer diese entsetzliche Wort in ihren Ohren wiedcrhailen: wie eine Gans!" Nein, das war denn doch zu arg, aber gesetzt den Fall, wenn wenn wenn er doch recht hätte? Diese Worte oerjagten den Schlaf wahrend der Nacht von ihrem Lager. Und r Tage darauf sah man sie nach :inem Spiegellagcr gehen, wo sie sich den zrößten Spiegel kaufte, den sie erlangen konnte. Nachdem sie denselben in ihrem Zimmer aufgestellt hatte, erfuchte sie den tüchtigsten Ballettmeister Stockholms, AU ihr. zu kommen, und begann, energilch !n diesem Falle wie in allen anderen, unter seiner Aufsicht sich die Kunst zu zehe und zu stehen anzueignen. Sie begann, den Gang der Personen zu studicen, die Art und Weise zu gestikuliren, sich zu kleiden u.' s. w. Und alS sie nach Paris kam, wurde dieses Studium fast ihre Hauptaufgabe. Wie bekannt, trat sie indessen nie in Paris auf. Wir sinden die Sängerin in Stockholm wieder. Sie trat wieder in den Rollen auf, durch welche sie ihre Landsleute entzückt hatte; aber man kannte sie kaum wieder, es war, als ob sie eine ganz andere Person wäre." Es war eine Elasticität, ein Geschmack, ein Behagen über alle ihre Äe iLezungen verbreitet, es war eine Stärke, eine Inspiration in ihrem Spiel, die die Zuhörer fast den schönen Gesang vor bem Spiel vergessen ließ. Das war ein pyramidaler Erfolg, von dem man sich heute kaum eine Vorstellung macden kann. Tags darauf fand ein großes Diner bei Excellenz Z. statt, zu dem auch Jenny Lind eingeladen war. Alles was die Hauptstadt Stockholm an Vornehmheit und Genie besaß, fand sich dort zufammen, aber Jenny Lind hatte kein Auge für die Gesandten, Ministe? sei Ohr für ihre Comxlimente. Ihre Augen suchten fortwährend eine Person mit viel weniger OrdenSstcrnen, als die hatten, welche sie umkreisten. AlS die Gesellschaft in den Speisesaal eintreten sollte, hatte sie, sonderbar genug, ffijr all die Hoheiten, die sich um ihren Arm bemühten, dieselbe, Antwort: Nein, ich danke, ich habe bereits meinen Ritter." Schließlich nun blieb Niemand anders im Zimmer übrig, als sie und der Oberst X. Wie lange werden Sie Ihre Dame warten lassen, Oberst I. ? fragte sie. .Ich? Ich wußte nicht ich glaubte ; dachte Ich habe nach diesem Augenblick mich gesebnt. um Ihnen für die Zurechtweisung, die Uin anderer meiner Freunde mir zu geben wagte, zu danken. Ich weiß, wie recht Sie hatten, und wenn ich auf meiner Reise nach Frankreich etwes, gewonnen habe, so ist es das, wofür ich Ihnen zu nächst zu danken habe." SerWefteJaik.

London, im Jum. Wir sieben abermals an der Schwelle eines Mordprocesses, der weit über die Grenzendes meerumgürteten England? hinaus Auffehen erregen durfte. Die blutigen Morde Jack des AufschlitzerZ im Ofiende fanden nämlich, wie es sich iefet herausstellt, ibre systematische Fort. setzung im Wertende. Die Opfer gehörIm derselben Klasse von Frauenzimmern uiif it urnitu HUI jungn, V"uluiu noch nicht so tief aesnnken. wie ihre un I. J.A tt.AW Hiihimj; glücklichen MUschmestern in Whitechapel und statt durchs Messer, überlieferte sie ihr geheimer Feind durch. Gift dem Tode. Die längste Zeit brachte aber das Publikum die verdächtigen Todesfälle" und selbst zwei offenbare Gift? morde in keinen Zusammenhang; der 'ganze Umfang dieser! Abschlachtungen war außerdem nicht ? besannt, da die meisten dieser Todcssalle auf natürliche Ursachen zurucklesuhrt oder als Meloit morde erklärt wurden, während sie in Wirklichkeit, wie man zetzt sagen kann. . das Werk ruchloser Mörderhand waren Die Polizei hatte allerdings ihren Ver dachtpsie hielt jedoch diesen, gleich ihre m auer Stille betrlebencn Nachtor scngeji: geh in,,, um steine Paikik. zu

erregen. Wie im au aa vticocn

ml, ,. n " aber alle Bemuyunaen, dem Thater aus die Spur zu kommen, erfolglos, und bn der Polizei wurde es endlich zum festen Glaubenssatze, daß der gehiim, nißvolle Giftmörder und der Aufschlitzer dieselbe Person fei und daß er nur den Schauplatz einer Thätigkeit verlegt un damit zugleich die Art der Procedur ge ändert habe. Ein sensationeller Doppelmord öff nete aber vor einigen Wochen auch dem Publikum die Augen. Zwei Mädchen, Emma Shrivell und Alice Marsh, die ihre Jugend nnd Tugend feil hatten, waren innige Freundinnen; sie theilten ihre Wohnung, ihre Schicksale, ihr Geld und ihre Liebhaber. Zu ihrem letzten Eroberungen zählte nn pitän", a sin Gentleman, der nach zweitägiger Bekanntschaft die beiden Schönen für einen Abend ausführte, den das sonderbare Kleeblatt auch sehr lustig zusammen verlebte. Die beiden Mädchen kamen wenigstens, des Lobes der Generosität ihres neugewonnenen. Ritters voll, um Mitternacht heim und ließen sich von ihrer Hauswirthin, zu der sie zwei Tage vorher durch ein un glückliches Verscyen" gerathen waren, da sie ihnen den Empfang von Herren besuchen nicht gestattete, noch einen Schlaftrunk holen. Die beiden Nacht fchwalbcn ließen es sich vortrefflich rnun den und waren luftig und guter Dinge, als sie die Hauswirthin verließ. Um 1 Uhr Morgens durchgellten plötzlich Schmerzens- und Hilferufe das Haus. Die Wirthin, die bereits ihre Äuhe aufgesucht hatte, sprang erschreckt aus dem Bette und fand die beiden Mädchen :m Hausstur aus dem Boden liegen. Sie stöhnten und wanden sich im Schmerz. Die Hauswirthin rief einen Polizisten herbei ; dieser sandte um einen Arzt, doch ehe dieser kam, war Alice Marsh gestorben ; das andere Mädchen wurde nach dem Hospital überführt, wo sie trotz aller Bemühun gen der Aerzte nachlttigen Stunden gleichfalls unter furchtbaren Schmerzen verstarb. Sie war jedoch noch im Stande gewesen, auszusagen, daß der .'eckap'itän", mit dem sie und ihre Freundin den Abend verlebt, ihnen zwei Gelatine-Kapseln gegeben, die er als ein besonderes Mittel pries und den Mädchen vor dem Schlafengehen einzunehmen empfahl. Die Sterbende vermochte noch eine genaue Pcrsmtalbcschreibung des See-capitänZ-zn geben, und diese stimmte auffällig mit jener überein, die eine andere, am 18. October v. I. mit Strychnm vergiftete Frauensperson von ihrem muthmaßlichen Mörder ge geben hatte. Es war dies Ellen Cods worth; sie hatte die Bekanntschaft eines Gentleman" gemacht, der sie zweimal zu einem Glase einlud, aus dem reg:l mäßig mehrere wurden. Als' er sich nach ihrer zweiten Zusammenkunft von ihr verabschiedete, bewog er sie noch einen Trunk aus einem Fläschchen zu nehmen, daß er aus feiner Rocktasche zog. Als sie ihm so Bescheid gethan. entfernte er sich rafch. und einige Augenblicke später brach das Unglückliche Frauenzimmer in der Straße zu sammcn. Binnen zwei Stunden war sie gestorben. Bald darauf starb ein anderes Mädchen. Matilda Clever, untcr verdächtigen Umständen. Der Arzt, der herbeigerufen wurde, erklärte je doch, es handle sich um einen Fall natürlichcn Todes, und Matilda Clever wurde, ohne Abhaltung einer Leichen zchau. in Tooting begraben. Die Polizei erfuhr jedoch, daß das Mädchen an feinem Todestage in der Gesellschaft eines Herrn gesehen worden sel. der eine große Aehnlichkeit mit dem Seekapitän" hatte; die Leiche wurde exhumirt und die Untersuchung ergab, daß die naturliche Todesursache", wie in den drei anderen Fällen, eine starke Dosis vonVrychnin undMorphium gewesen! Man begann nun einigen wei teren verdächtigen Todesfällen, die theils als Selbstmord erklärt, theiw auf natürliche Ursachen zurückgeführt worden waren, und die sich, gleich den anderen vier Fällen, in der Umgebung der Westminster Brücke zugetragen, nachzuforschen und das Ergebniß soll ein ganz überraschendes sein.' In sechs weiteren Fällen soll die gleiche Vergift tung mit Strychnin und Morphium festgestellt worden sein. Wo aber war der Mörder? Wo hielt sich der See kapitän" verborgen? Offenbar wohnte er in der Nähe des Schauplatzes seiner verbrecherischen Thätigkeit, seine Personalbeschreibung hatte man auch. Die tüchtigsten Tetectives wurden aufgebo ten und Jnspeetot Toubridge glaubte endlich, den Gesuchten in der Person eines Amerikaners, der sich Dr. Neillnannte, gefunden zu haben. Der bloße Verdacht genügte aber nicht; ehe man weiter vorging, mutzte man AnHalls punkte gewinnen, und Dr. Neill er wies sich schlau; er roch Lunte; er wußte sich beobachtet und war vorsichtig: statt don dem Dctectiv, der sich ihm anfreun dete, hinters Licht zeführt zn werden. führte er ihn hinters Licht. Man konnte ihm nicht beikommen. Inzwischen ereignete sich etwas Merk würdiges. Ein hochangcschener Land" arzt, Dr. Harper in Barnstaple, erhielt einen mit W.H. Murray" unterzeich neten Brief, in welchem er anfgefordert wurde. 1500 Pfund Schweigegeld, zu zahlen, widrigenfalls, sn Sohn Walter Joseph Harper. der m London m St. Thomas-Hosp'ital Medizin studirte, des Giftmordes an den beiden Mädchen Marsh und Shnvell angeklagt und überwiese werden würde. Dr. Har per übergab den Brief der Polizei, und diele fand nun. daß die Handschrift Murrays" dieselbe sct. wie die dcZ Ueecapitäns". von dem ein Brief in der Tasche der vergüteten Emma Ehr: bell gefunden worden war. ; ! Jetzt galt es Murran" auslufnrsck'en. Murray hatte wohl Geld verlangt; tt hatte aber Nicht angegeben, wie es ihm zuzusenden sei, und damit war das

Legen der Schlinge zu feinern Fange unmöglich gemacht. Man kann .sich jr.ä-fr '.' :i.'jä' s:. -: :

die Aufregung, der Detectivs denken, die dem edlat" Wild nachspürten. Alle Mühe schien vergeblich, als ihnen Murray selbst zu Hilfe kam. Er schien vergessen zu haben, daß er Dr. Harper keine Zahlungsftätte angegeben, und war wüthend, daß er das Geld nicht er halten. Er schrieb nun an den Todten befchauNichter, daß der Mint der beiden vergifteten Mädchen der junge Harper fei und daß er gegen entsprcchende Belohnung die erforderlichen, unwiderleglichcn Beweise erbringen wolle. Wenn der Nichter darauf ein zugehen geneigt sei, so möge er sich mit dem Privatdet'ectlv-Jnstitut von George Clarke in's Einvernehmen setzen. An Mr. Clarke schrieb Murray zu

gleicher Zeit und theilte ihm den Inhalt des Briefes an den Todtenbeschauer mit. Er instruirte Clarke weiter, eine steife Sumine" zu verlangen, und wenn diese bewilligt werde, im Daily Chronicle" unter der Etzissre W. H. M. zu annonciren Versprechen", er (Murray) würd? dann kommen. Die Hand schrist war dieselbe, wie die in den anderen Briefen. Man ließ einige Tage verstreichen, um Murray glauben zu machen, daz; Berhandlungen gepsto gen würden, und dann erzchten das Inserat. Murray" kam auch- zu Clarke nnd lief da in die Hände der Detectivs. die in ihm alsbald Dr. Neill" erkannten. Er wurde unter der Anklage der ver suchten Erpressung in Haft genommen. In seiner Wohnung fand man Glyce rin-Kapfeln, deren Inhalt noch nicht untersucht ist, den Entwurf eines Vric fcs in der Handschrift Murrays", und in einer Rocktasche auf einem Pa pierstreifen den Namen und die Adresse der Alice Marsh, von ihrer Hand ae schrieben. Die Behauptung Dr. Ncills", daß er das Mädchen nicht gekannt habe, von den Briefen Murrays nichts wisse, und nur zufällig, in einer anderen Angelegenheit zu Clarke ge kommen, hilft ihm daher wenig. Es stellt sich nun heraus, daß er mit dem jungen Harper in demselben Haus gewohnt hatte. Er erkundigte sich eingehend nach den Verhältnissen feiner Familie, und er wurde einmal in dem Zimmer des jnnge Mannes ertappt, m dessen Effekten er wahrscheinlich Be weisstücke" für die Giftmorde, deren er ihn beschuldigte, eingeschoben haben dürfte. Die Anklage wider Neill lautet jedoch bisher nur auf versuchte Er Pressung ; der öffentliche Ankläger hat aber bereits angedeutet, daß Neill. sich wegen schwerer Verbrechen zu vcrant Worten haben werde. Vor der Ver Handlung vor dem Polizeirichter wurden gestern plötzlich alle anwesenden Reporter gebeten, in den Gerichtshof zu kommen ;' es galt die Recogno-cirung ?ceil!s durch drei Persönlichkeiten, welche die zuletzt vergifteten zwei Mädchen in Gesellschaft des Scekapitäns" gesehen hatten. Die Reporter stellten sich in eine Reihe auf, Neill, der mit feinem Vertheidiger kam, blieb es überlassen, in der Reche Platz zu nehmen, wo er wollte: dann fand man, daß nur er eine Brille trug, was ihn auffällig machte, und man gestattete ihm die Brille abzunehmen. Nun endlich wur den die Zeugen nach einander vorgerufen. Zuerst kam ein Mann. Er fchritt schweigend die Reihe ab, prüfte zedes Gesicht und verließ schweigend den Hof; er hatte den Scekapitä'n" nicht gefunden! Dann kam die Hauswirthin der ermordeten Mädch:n, und dasselbe Schauspie! wiederholte sich. Die Sache war aufregend. undVlller bemächtigte sich eine unheimliche tim mung. Jetzt kam der dritte Zeuge, ein junger Mann, ein Freund" der beiden Mädchen, die ihn an ihrem Ich ten Lebensabend dem z,?ccapitän", mit dem sie ihm eifersüchtig machen wollten, vorgestellt hatten. Der junge Mann sah die Reihe entlang, schritt dann stracks auf Neil zu und sagte: Das ist der Mann!" Sind Sie Ihrer Sache sicher? fragte der Polizei - Inspector. Ganz sicher, obwohl er da mals eine Brille trug, die er jetzt abge legt hat." Damit endigte der Znri fchensall, und ein neues Glied war in der Kette von Beweisen gefunden, welche gegen den West end Jack" ge schmiedet wird, in dem die Polizei auch den OstendJack- vermuthet, der, wie sie glaubt, zum Gift gegriffen hat. als das Messer zu gefährlich wurde. Dr. Neil sitzt inzwischen hinter Schloß und Riegel und sieht wohl der weiteren Entivickelung der Dinge mit gleich großer Spannung entgegen, wie da' Publikum. f Emil Mario Vacano. f Kein großer, aber m merkwürdiger Dichter ist's, der jüngst in Karlsruhe sein viclbewegtcs Leben endete. Emi! Mario Vacanä konnte sich rühmen, er sei weit mehr als irgend ein Dichter befähigt und berufen, den Pegasus zu tummeln sprang er doch von der Eircus'Manege aus das, Gebiet der Literatur Berühmt und gefeiert war Emil Mario Vacano schon lange, ehe er die erste Zeile für den Druck schrieb. aber gefeiert nur als als Clrcusreitcrin. Im Damen Eoitüm und unter einem Frauennamen wirkte Vacano durch mehrere Jahre im Circus und sah manchen Cavalier zu seinen Füßen, der später beschämt erkannte, daß es ein Mann gewesen, dem er seine arten Huldigungen widmete. Auch ür den Circus war Aacano nicht ur prünglich bestimmt. Er sollte Geist, icher werden und wurde in einem mäh rischen Kloster für den Pricfterberuf vorbereitet, als gerade em wandernder Circus durch den Ort kam. Der Stall geruch lockte Vacano mehr als der Wcihrauchdqt, die Manege mehr als die Kanzel und kurz entschlossen lief er den Cinusleuten nach, um die Kutte mit dem Flitterstaat der Panneaureite' rin zu vertauschend Als Schriftsteller schilderte Vacano mit Vorliebe und mit begreiflicher Sach kenntniß das Circusleben das Leben

im Artistenwagen, Leid und Freud des fahrenden Völkchens. Der Eindruck der Wahrheit in diesen fesseknden Schilde rungm gewann den Schriften Va cano's, denen ein betäubender Pat chouli und Stallgeruch entströmt. In teresse. Die Lust am GcquältSensa. tionellen beeinträchtigte den literarischen Werth seiner Schriften nicht wenig, und als Vacano in den letzten Zeiten ernsthaste? zu scheinen versuchte, da verlor er auch das Publikum, das er vorher für seine überhitzten phautasti schon Circus und pikanten Liebcsgcschichten gewonnen hatte. Nicht eben in den glücklichsten Verhältnissen verbrachte Vacano seine letzten Lebensjähre in Karlsruhe. Das bewegte Leben hatte ihn früh aliern lasrcll et stand erst in der Mitte der fünfziger Jahre. Im Privatleben war Vacano ein scbr liebenswürdiger und gewinnend angenehmer Mann. An der Literatur wird er mehr als origi mlle Erscheinung denn durch den Werth seiner Schriften in Erinnerung bleiben. Llllerlci anö dem Vatikan.

Da die Sommerhitze auch in Rom frühzeitig cingetretell ist, siedelt Leo VIII. in diesen Tagen nach der Villa Paul's IV. im vatikanischen Garten um. Wird es noch heißer, so bringt er den größten Theil des Tages in einem alten kleinen Thurm zu, der am äußersten Ende des Gartens liegt und nur ein Zimmer hat, zu dem eine steinerne V-w . 1 " l- t Wendeltreppe suyn. Aas Zimmer yar nur zwei Fenster, die der heilige Vater offen läßt, um stets frische Lust zu haden. Hier ist er ganz allein und em pfängt Niemanden; er ruht aus und kann nachdenken, ohne von irgend Wem gestört zu werden. Für das Dienstpersonal bietet frei lich der Aufenthalt des Papstes in die sem Thurme keine angenehme Aussich ten. Für den Gehcimkämmcrcr, der nach der vatikanischen Etikette stets in der Nähe des Papstes sein muß, ist im Thurm kein Platz; er muß sich also mit einer hölzernen Hütte begnügen, die man neben dem Thurme aufschlägt. Was die Nobelgarden und die Schwei zer betrifft, so suchen sie Unterkunft, so gut es geht, in dem nächsten Gebüsch, wo sie wenigstens im Schatten sind, wenn sie auch viel von den Bremsen auszustehen haben. Die Garden haben sich indeß noch nie beklagt, und so weiß der Papst nicht.' wie übel sie darin sind, während er im küblen Thurmzimmer residirt. Der vatikanische Berichterstatter des i aaro" der dies meldet, erzählt auch man mache sich unnöthige Mühe, nach gebrauchten Garderobcstücken des heilt gen Vaters zum Andenken zu jagen. denn der Papst habe Beschl gegeben, alles streng verschlossen zu halten; Sou tanen, Käppchen. Pantoffeln u. s. w., alles bleibe in den sicheren Schränken, zu denen allein der treue Centra die chlüucl habe. Und das sei cm großer Vorrath, namentlich an Pantoffeln, die in unglaublicher Menge von frommen Händen sür den heiligen Vater gestickt werden. Leo der Dreizehnte, versichert Centra, könnte alle Tage neue anne hen. und hätte doch für viele Jahre bmaus Vorrakk aenua. Der Papst will aber nicht, daß mit solchen Dingen etwa Handel oder son siige Spekulation getrieben ivcrde. Ebenso hält er es mit den Autographen, um die man ihn häufig bittet. Er schreibt so wenig wie möglich, da seine Hand 'zittert; er dilnrt lieber. Tu größte Zahl der Autographen, die von ihm circuliren, ist daher falsch. Der Korrespondent kennt eine hervorragende Persönlichkeit, deren höchster Ehrgeiz es war, eine der zahlmchcn schnupf tabaksdosen des Papstes zu bekommen, von denen einige sehr kostbar sind und die alle von Centra in einem besonderen Schranke verwahrt werden. Leo XIII. ist nämlich ein starker Schnupfe? vor dem Herrn. Und zwar ein so starker, daß der Leibkammerdiener die größte Aufmerksamkeit nöthig hat. Denn so hellfarbig auch der Tabak ist, den Seine Heiligkeit schnupft, so fällt doch man chcs Körnchen auf die weiße Soutane und beeinträchtigt ihre schneeige Rcm heit. Wenn es also zu einer Audienz geht. so weiß der Kammerdiener stets dafür zu sorgen, oa an leue einer geiupselten Soutane stets eine solche zur Hand ist. deren blendende WeiLyett auch dem schärfsten Blicke keinen Anlaß zum Ta del aibt. In Bezug auf seine abae legte Garderobe ist Leo XIII. um so strenger, als er recht gut weiß, welcher Mißbrauch in dieser Beziehung unter seinem Vorganger, namentllch m den letzten Jahren des Pontisicats Pius IX., getrieben worden ist. Der Eor respondent fügt dazu folgende hierher gehörige Anekdote, die ihm im Vatikan erzählt worden ist. Zu Pius IX. kam einmal eine vornehme französische Dame; sie warf sich ihm zu Füßen und bedankte ,ich in überschwenglichen Wor ten dafür, daß er sie wieder gesund ge macht habe. Wte so denn?" fragte der Papst verwundert. Es ist mn? gelungen", antwortete sie, mir 'einen von den Strümpfen zu verschaffen, die Ew. Heiligkeit getragen haben." Einen Strumpf von mir?" rief der Papst aus. Ja,",, fuhr die Dame c-t iXx riia : f.. (u:n ..v. ini, uj tMiit nn uuiiua jtin unu konnte nicht mehr gehen. Da habe ich denn Ew. Heiligkeit Strumpf an da kranke. Bein angezogen und bin bald vollständig geheilt worden." Da erwi dcrte Pius IX. mit seinem malitiösen Lächeln: Nun, Madame, da haben Sie Glück gehabt, mehr Glück , als ich! Sie haben nur einmal einen meiner Strümpfe angezogen, und Ihr krankes Bein heilte, so daß Sie wieder gehen können, während ick alle Morgen meine beiden Strümpfe anziehe und doch kaum mehr gehen kann." "U"Ein sensNser slrl'zreus er, ein Beefsteak, aber ja nicht klein.! lrck bin schrecklich nervös mich reat ied Kleinigkeit furchtbar auf ,

Weisheit der Schwarzen

Ion 2t. Ludwig JakobowSkl. Das Märchen vom Paradiese, von einer Zeit, in der ein Geschlecht von Menschen ohne Sorge und Bedrängnisse lebte, ist fast o alt. als ich christliche Ueberlieferungen überhaupt erhalten haben. Jedes Culturvolk, jede primi' tive Race kennt einen Mythos, in dem em verfloyenes Zeltalter, ein unterge gangcncs Geschlecht als das allein und vollkommm glückliche hingestellt und ge feiert wurde'.' Den nachhaltigsten An stoß zur Bekräftigung des Glaubens, daß der Naturzustand der Menschheit der wahrhast glückliche fei, gab der große Genfer Träumer und Bürger Jean Jacques Rousseau, Ein ganzes Men schcnaltcr daraus stand die Geichichts Philosophie unier dem Einfluß Rousse aus, und die Poeten verfehlten nicht. threricits den Naturzustand der Wüden als das wahre Paradies auf Erden zu feiern, eine Periode, die ihren klassischen Ausgang in Scumcs Wilden" fand, dessen pathetisches Wort ..Seht, wir Wilden sind doch bessere Menschen" di rekt aus Rousseaus Herzen zu kommen schien. Dem machte die Ethnologie im Augen blick, wo sie wissenschaftlich betrieben wurde, ein schnelles Ende. Im Pnfang unseres Jahrhunderts, als die Culturvölker Europas sich anschickten, Afrika, Australien und Amerika genau zu durchforschen, mußten die Traume von dem Glück, der Naivetät und Zu fricdenhcit der Naturvölker vor der der ben, oft allzu derben Wirklichkeit wei chen. Nun trat eine Reaction ein. Jetzt, da man die afrikanischen, und australischen Neger kennen gelernt, da man die Indianer Amerikas, die Eski mos der nördlichen Zone ftudirt hatte. verfiel man in das Extrem und wußte nicht genug von der Faulheit, Dumm heit und Thierähnlichkeit der Neger zu berichten. Da erörterte man in der Mitte dieses Jahrhunderts ganz ernsthaft die Frage, ob die 5!eg?r dem Thier reich oder dem Mcnschcnreich zuzurcch nen seien. Glücklicherweise hat sich die Ethno' Mphie bald auch von dieser cltremen Anschauungsweise befreit. Namentlich mutzte man den Negern eine ganz Reihe guter Eigenschaften zuerkennen und durste ihre Culturstuse nicht alZ die tiefste ansehen. Das beweist na, mentlich die quantitativ stark entwickelte Poesie der Neger, von der ich an dieser Stelle nur Einiges erzählen will. Der Neger ist in seiner ganzen Eprech weife ungemcin geschwätzig. Er ist ein geborener, freilich auch ein ungemein langweiliger Redner, dessen Reden stun dcnkang dauern können. Dabei ist er Von cmer Weitschweisigkeit und Um siändlichkeit, die an die Erzählungen der Kinder erinnert. Er ist unermüd' lich im Erzählen von Fabeln und Ge schichten, unermüdlich im Anhören der selben. Die Tendenz einer Fabel muß ihm faustdick klar gemacht und immer von Neuem wiederholt werden, ehe er sie begreift. Deshalb sind ihm die moralifchen Erzählungen, die lehrreichen Fabeln am liebsten, an deren Schluß er stets eine Moral eines geflügelten Satzes oder Sprichwortes finden muß. Daher stehen auch die Fabeln und Sprichwörter bei ihm in hohem Ansehen, und die meisten Ncgerstämme kmnen deren eine große Anzahl. Der Missionar S. W. Krelle hat während eines fünfjährigen Aufenthalt tes in Cierra-Leone eine ganze Anzahl von Sprichwörtern, Sprüchen, Lako nismen und figürlichen Redensarten herausgegeben. Freilich entstammt die schwarze" Weisheit, die er uns bietet, einem Negcrvolke. das zu den intelli gentestcn und machtigsten Nationen Central-Asrikas gehört. Der Stamm der Kanuri zählt jetzt über ein und ein halb Millionen Köpfe. Sie gelten sür träge und furchtsam, aber für sehr gutmüthig und treiben ausschließlich Äckerbau. Diese friedliche Thätigkeit gibt auch ihrer Poesie einen milden? verträglichm. etwas hausbackenen Anstrich. Sie hat nichts Wildes, wie die anderer Neger. Von ihren Erzählungen sagt Krelle, dessen Verdienste um die Erforschung der cen tralafrikanischen Sprachen von dem be rühmten Sprachforscher Poit so h)chgcstellt werden, sie seien die Werke eines echten Negergeistes." Ein Theil ihrer Sprüche ist kurz und prägnant und enthält manche Perle von hohem ethischen Werth. Aus dielen spricht ein starkes Vertrauen auf die Allmacht des Herrn, den sie mit dem äußersten Fanatismus des Mohameda. ners verehren. Wenn Du mit Gewalt zu erreichen suchst, was unser Herr Dir nicht gege ben, erlangst Du es nicht. Wenn die Tage zu Ende find, hilft keine Me dicin." Am Ende der Geduld liegt der Himmel. Unter Anspielung auf die bekannte, relativ sehr große Gefrö ßiglcit der Vögel sagt ein anderes Sprichwort: Niemand kann den Hun ger von Vögeln tödten (d. h. befriedigen), nur der Herr allein." Auf der niedrigsten Stufe-stehen die Neger, die wie die Kinder niemals an das .Morgen" denken.- So gibt es eine ganze Reihe von Negerstämmen, von d?nen nichts Zeugnis dafür ab legt, vü und was für eine Vorstellung sie von" der Zukunft haben. Bei den Kanuri - Negern beschränkt sich alle Kenntniß von der Zukunft auf das ge heimnißöolle und uralte: Ich weiß nicht." Sie drücken das einmal in ei nem Sprichwort bildlich aus: Was zukünftig ist, das kann sogar ein Vogel mit langem Hals nicht sehen, nur der Herr allein!" -,',., . - - .h-.t. Bei aller Unkenntnis der Zukunft aber verfehlen sie doch nicht, davor zu warnen, den kommenden Tag und was er bringt, unvorbereitet zu erwarten. Da ermähnen sie sich: Du siebst, was vor, aber nicht was hinter (Dir) ist"; oder Im Voraus gerüstet sein, ist mebz

werth, als Ueberlegung hinterher!" oder Ter gebt nahe an's Feuer, dessen Fleisch rch ist." was heißen soll, wer etwas erlangen will, muß die crforder lichen Mute! anwenden. Indeß auch an Komik fehlt es den Sprüchen der Kanuri Neger nicht. Einer will bezahlen, wenn die Vögel Zähne bekommen", und ein blinder, alter Mann führt einen vorwitzigen Jüngling damit ab: Weisheit sitzt nicht im Auge, sondern im Kopse!" Wie mild und gutartig die Gemüths art dieser Bcwobner des Bornulandes ist, geht aus ihren Anschauungen her bor. die sie über Liebe, Freundschaft, Reichthum. Mildthätigkeit ic. haben. Das Herz ist es, das einen in Brand oder in den Himmel versetzt!" oder wenn Tu den Haß nicht kennst, kennst Du die Gleichgiltigkeit?", was Kölle folgendermaßen übersetzt: Weshalb siehst Tu nicht, daß ich Dich nicht liebe, obgleich Du nicht fandest, daß ich Dieb hasse?" Alte Leute stehen im hohen An sehen. .Wer nicht glaubt, was alte Leute sagen, glaubt nicht den Sprüchen des Koran, und wer das nicht thut, glaubt nicht, was der Herr sagt." Der Werth der Wohlthätigkeit wird in dielen ihrer Erzählungen gepriesen. Ihre Spruchweisheit sagt darüber: Wenn ein Mann einem andern eine Wohlthat weist, ist sie nicht verloren." oder das wunderschöne Wort, das eine goldene ethische Wahrheit enthält: Man liebt Einen nicht, wenn man nichts von ihm annehmen will!" Deswegen wird auch der bedauert, der keiner Wohlthaten theilhaftig wird: Da Du keinen Wohl thäter auf. dieser Welt hast, wirst Du tinen in der andern Welt haben, der um so besser sein wird." Von der is lamitischen Anschauung ausgehend, daß jede Wohlthat im Jenseits für den Wohlthäter reden wird, beruhigt ein Sprichwort diejenigen, die Wohlthaten Blinden angedeihen lassen. Es er mahnt: Wenn Du einem Blinden et was gibst, leg' es erst auf den Stab in seiner Hand, bevor Du es ihm gibst: in der andern Welt, wenn kr sagt: Du hast mir nichts gegeben!" wird der Stab in seiner Hand Zeugniß ab legen!" Freundschaft wird hochgeschätzt. Das Kanurisprichmort ermahnt: .Halt einen wahren Freund mit beiden Händen fest." Mehr werth aber ist ein jüngerer Bruder! ..Wer einen jüngeren Bruder hat. dessen Geheimnisse sind bewahrt." Bon der Mutter heißt es lakonisch: Wessen Mutter nicht mehr ist. den treibt Elend fort." und Niemand in der Welt liebt seine Jungen mehr, als eine Sklavin oder eine Eselin." Die Sklaven kommen in dem Kanuri Sprichwort schlecht weg: Wie auch die Vorzüglichst eines Sklaven sein mag, kr kommt einem schlechten Sohne nicht nahe," oder einem Sklaven traue nicht; wenn Du einem Sklaven traust, wird er Dich tödten!" . Von allen Reichthümern wird der Kinderreichthum am meisten geschätzt. ..Wenn der Herr einem Manne Reich thum giebt, und dieler hat keine Kin der, haben die Reichthümer keinen Werth,- oder der Mann, dem der Herr Kinder giebt, dessen Geheimnisse sgeheime. böse Thaten?) bedeckt Gott!" Ueber den vollen Werth des Reich khums hat der Kanuri-Neger die aller modernsten Anschauungen. Er weiß: j,we? kein Haus hat, deß Wort gilt nicht in Gesellschaft", daß Reichthum die Säule der Welt.'- oder Eigenthum die Stütze des Lebens- ist. Nicht minder svird der Arme bedauert und erhält weise Rathschläge. Feuer verschlingt den Menschen." sagt ein Sprichwort. ). h. die Armuth, das Elend, sitzt ihm ins dem Nacken. Ein anderes räth ver zünftig : Bist Du arm, mach nicht ?en Reichen zu Deinen Freund und .wenn Du in ein fremdes Land reifest, eig nicht in eines reichen Mannes Haus ab." Sarkastisch und boshaft wird aber Sie Weisheit der Schwarzen, wenn es sich um das Weib handelt. Da zeigt Zch der Einfluß des Mohamedanismüs im stärksten. Das Weib ist Sklavin ind als solche falsch, treulos, eitel und Ägnerisch. Wenn ein Weib zwei Worte 'pricht, nimm das eine und laß das andere ilaufen)",' räth ein Sprichwort doshast, und ein anderes warnt davor, lein Herz einem Weibe zu verschenken: .Gibst Tu Dein Herz einem Weibe, mrd es Dich tödten!- Ein Weib bringt nnen Mann nie auf den richtigen Weg," wenn ein Marm einem Weibe Ane Geheimnisse erzählt, führt sie ihn lf den Weg zum Satan!" Folgende Fragewurde einmal vorgelegt: Welche

sind der Zahl nach stärker, die Weiber oder die Männer? Antwort: Die Männer bilden die Minorität, die Wei ber die Majorität; der Grund, warum !s mehr Weiber giebt, ist, daß die ZNänner, welche darauf hören, was Weiber sagen, zu den Weibern gerechnet verden!" In einer ganzen Reihe lakonischer znd plastischer Redewendungen bewei' jen die BornuNeger ihre 'Fähigkeit, Übstraktes concret auszudrücken. UeberHaupt muß man als ein Criterium der tiaiven, primitiven Poesie die Fähigkeit ansehen,' Thatsachen durch ' Bilder, Gleichnisse ode? Symbole auszudrücken. Uo sagt das ,BornuSprichwort , von kinem Manne, dessen Kraft gebrochen toar. ehe er das Ziel seiner Wünsche er:eicht hatte: Es wurde Tag. während ie Hyäne noch umherstrich!" Von kinem anderen, der fo stark sein sollte, )aß er einen Elephanten in seiner Ta sche tragen konnte, ,, heißt es. er sei: .König Elephantentasche," von einem dritten, der ein Weib in früher Jugend heirathete und keine Kinder bekam, heißt ks symbolisch: Ich stand früh auf, aber der dämmernde Tag holte mich auf bem Wege ein'.", Ein Mädchen, das :inen,V!ann heirathen sollte, den sie i bezwingen konnte, hatte Aussicht, einen anderen zu bekommen, der stärker all sie war. Da sagte sie in einem Gleich eiß: Wenn ich einen kleinen Baum

sehe, soll ich ihn verlassen und einen großen nehmen?" Ein Neger, der einen anderen übertraf, sagte lakonisch: ..Ich stand aus seinem Kopfe!" Auch die deutsche Redewendung, mit einem Fuß im Grabe stehen" kennt der Kanuri Neger. Er hat einen Fuß in dieser Welt und einen in der anderen." Ein Neger, der sich durch einen bereits ge leisteten Eid sicher fühlte, sagte dafür concret: Ich werde hinter dem Koran schlafen'." ?camcntlich werden Krieg-erklärun gen entweder durch Gleichnisse cdcr durch Symbole ausgedrückt nnd legen Zeugniß ab sür den Scharfsinn der Neger, die jene Symbole oder Gleich nisse richtig auslegen. Als die Phula Neger die Kanuri bekriegen wollten, schickten sie folgende mysteriöse Botschaft an sie: Möge Sahras Sohn, der Herrsche? von Dadni, Pudding machen, bis wir kommen und ihm Milch brin gen und Alles zusammenführen, damit wir ihn gemeinsam trinken können!" Das war eine Anspielung aus das Verfahren der Phula. Pudding in Milch zu rühren und dann zu triulen. Der Herrscher der Vornu Neger ant wortcte auf gleiche bildliche Weise mit einer Kriegserklärung : Wemn sie Männer sind, mögen sie kommen; seht, ich habe Fleisch gekocht; mögen sie die Sauce bringen, damit ich und sie es essen können!" Oft ersehen auch die Neger durch symbolische Zeichen die fehlende Schrift. Ter englische Afrikarcisende Tncker (1656) berichtet beispielsweise von ei nem ?)oruba-Ncger, der von einem an dern Entfernten einen Stein, ein Stück Kohle, eine Pfefferbüchse, ein gedörrtes Korn Getreide und ein Stück Lumpen, zu einem Bündel vereinigt, erhielt. Die interessante und ungemcin scharfsinnige Auslegung ist folgende: Ich bin stark 'und fest wie Stein, aber meine Aussicht in die Zukunft ist schwarz wie Kohle; ich bin so voll Angst, daß meine Haut wie Psczzcr brennt und Körner auf ihr gedörrt wer den könnten; meine Kleidung ist ein Pumpen!" Berühmte Hunde. Ueber berühmte Hunde plaudert ein Mitarbeiter der Thiervörse" : Won den Regenten der Neuzeit war Kaiser Alexander 11 von Rußland ein besonderer Hundelicbhaber. Sein Jagd Hund Mylcrd" hatte das Vorrecht, den. Kaiser überall, selbst in die Sitzungen des Staatsrathes, zu bcglci ten. Nachts schlief das treue Thier vor dem Bette des Kaisers, denn es mußte seinen Gebieter athmen hören. um ruhig zu sein. Als der Zar 1807 zur Pariser Weltausstellung reiste, ließ er Mylord" in Zarsloje'Aclo zurück, weil man die Gefahr einer nachthnli gen Einwirkung des Klimawechsels für das kränkelnde Thier befürchtete. Von dem Augenblicke der Abreise seines Herrn angefangen, nahm Mylord keine Nahrung 'mehr zu sich; er starb an gebrochenem Herzen und die Nachricht da von mutzte auf ausdrücklichen Besch! des Thronfolgers, dem Zar bis zu des sen Rückkehr nach Petersburg vorent halten bleiben, damit man aus den düsteren Zügen des Gastes NavoZernZ III. nicht etwa auf geheime pslitische Sorgen schließe." Historische Berühmtheit erlangten die Windwiele Friedrich des Großen. Eines davon war der Günstling und durfte in des Königs Bett liegen. Ueberdies iourde es von ihm selbst gefüttert. Aber auch gegen die anderen war er sehr nachsichtig; ungestraft konnten sie Sessel und SophaS zerreißen, und gar oft behauptete der große Feldherr, Hunde hingen ihm mehr an, als die Menschen. Auch hätten sie keine Ne bensbfichtcn. Zwei von diesen Hun den, Bichc und Alemene, sind historisch. Die letztere wurde einst vom Feinde ge fangen, ging aber wieder durch, suchte ihren Gebieter auf und soll, auf den Tisch springend, an welchem dieser ar deitete, die Vorderpfoten zärtlich um dessen Hals gelegt haben. Von Biche dagegen wird erzählt, daß sie dem bis lief in die Nacht hinein arbeitenden NSnige zweimal die Jeder aus d j)eno genommen habe. Eine kostspielige Passion sür Hunde sesatz König Heinrich IN. von Frank" :eich, welcher jährlich Hunderttausend? sür solche Vierfüßler ausgab. Nie nals sah man ihn ohne seine Lieblinge, Sie den Bolognesern ähnlichen Lyoner Hündchen, und stets, hatte er einige von ihnen in einem Korbe am Halze hängen. Sogar in der Kirche nahm er jie mit. Für die besondere Werthschätzung, die zakob II., König von England, dem General Marlborough zu Theil werden !ieß. zeug! der Umstand, daß er während kines Seegurmes den Matrosen in sie Zendcm Tone zurief: Kinder, rettet mir meine Hunde und Marlborough!" Ln sich selbst dachte der gute Jakob erst jn dritter Reihe. Zu den am Hofe .einflußreichsten" Hnnden gehörte auch Lisette, Zar Peter des Großen Lieblingshündin. Einmal, als der Zar troh der fle hcndsten Bitten das über einen Staats verbreche? gesprochene Todesurthcilnichk aufheben wollte, kamZJcmand aus der Umgebung des Monarchen auf den Ge danken, Liseticn ein Begnadigungsge such an den Hals zu binden. Und siehe da, dies hatte Erfolg. Lachend schenkte der Zar im Namen der Hundhcit" dem Verurtheilten das Leben und die Frei. hc'ti ob'norein.' Sein Grund sah.,, Bankier? Herr Baron, es ist mir nicht cntgan gen, daß Sie meine Tochter licdcnk Ich will Ihrer Werbung zuvorkommen ich gebe Ihnen meine Zustimmung und meiner Tochter eine Mitgift von sünfzigtauscnd Mark!" Baron: Ich bitte viel taufendmal,, um Ent'chuldi flttna, über ich liebe 1 grundsätzlich nur

don 'hundcrttaulend . Mark an, aus, tetlli " .