Indiana Tribüne, Volume 15, Number 293, Indianapolis, Marion County, 10 July 1892 — Page 2

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SSE Verwendung wohlriechender Pflanzen für'S Haus. Die holden Kinder Flsras entfalten sich täzlich in reicherer Fülle und Herr lichkeit, sie prangen in lieblicher rf5:t heit und Farbenpracht und erfüllen die Luft mit süßetn Wohlgeruche. Da ist ks denn recht an der Zeit, etwas von diesem Ueberstich an duftigen Schätzen ;u sammeln, damit wir uns auch in den blumcnarmen Monaten leicht und so ftenlos iin Zimmer erfrischender Düfte .'rfreuen können. Diesem Zwecke ent spricht am besten ein Potpourri, ein Gefäß, das mit einem Gemenge von z?oh!ricchenden Blumen und Blättern angefüllt ist. Man hat diese Töpfe in sehr gefälligen Formen, meist mit einem surchlöcherien Deckel und darüber noch mit einem dichtschließcnden, fest aufge schraubten Deckel versehen. Geschickte grauen wissen ost einfache Vasen oder Töpfe aus Thon durch Malerei, am leichtesten mit Emaille- und Vronze färben, in Zicrgeräthe zu verwandeln, Sie einen reizenden Zimmerschmuck bil den. Das betreffende Gefäß erhält zunächst üne Lage von trockenem Salz, dann streut man duftende Blumen und Blät ker darüber, in der Reihenfolge, wie die Jahreszeit und die Gelegenheit sie bietet, wobei man stets jede Schicht mit ktwaZ Salz deckt. Alle duftenden Blu mm sind hierfür geeignet: Veilchen, Maiblumen, Reseda, Jasmin, Rosen, Lilien, Akazien und Orangenbküihcn, Lavendel; ebenso aromatische Krauter: Salbei, Rosmarin, Majoran, Thy knian, Basilikum, Melisse, Waldmei ster, Minze und die gewürzten Blätter von Myrten, einigen Gcraniumarten u. s. w. Selbstverständlich wird bei der Auswahl der persönliche Geschmack und die Vorliebe für bestimmte Gerüche maßgebend sein. Ebenso lassen sich nach Belieben Citronen- und Pomeran zenschale, Zimmt, Gewürznelken, , Vanille, Veilchenwurzel, Venzoe-Ocle bei fügen. Bis zum September werden die Bestandtheile täglich mit einem Holzlöffel oder Spatel gut umgerührt; sann geschieht dies seltener, auch wird von nun an das Gesäß verschlossen ge halten. So behandelt, bewahrt das Potpourri jahrelang sein Aroma; im merhin ist es zweckmäßig, wenn man alljährlich neue Blumen und Blätter zur Auffrischung hinzufügt. Der er zuickende, duftige Hauch, der das Zim mer beim Abheben des Deckels und Um rühren des Inhalts durchströmt, weckt mitten im Winter die Erinnerung an vergangene Lenzespracht und ihre Freuden, wie die Hoffnung auf künftige ueue Blüthcnfülle. Häufig finden wohlriechende Pflanzentheile auch zur Herstellung von Riech ki'sen Verwendung. Hierzu benujt fcian ebenfalls in beliebiger Auswahl duftige Blumen und gewürzige Blätter, die an einem schattigen, luftigen Orte unter häufigem Umrühren getrocknet, und dann zerschnitten oder gepulvert werden. Je nach ihrer Zusammen seßung und dem vorherrschenden Geruch sind diese Riechpulver unter verschiede nen Namen als Akazien-, Lavendel", heliotrop', Mille-, Fleurs-, Portugal Riechpulver bekannt. Man füllt die duftenden Bestandtheile in kleine Cäckchen, welche am besten aus farbigem Seidenstoffe hergestellt wnden, schließt sie durch einige Stiche und legt die Kissen dann zwischen Kleider und Wäsche, in die Handschuh- und Taschen tuchbehältcr. wo sie, ohne Staub zu verbreiten, alle Gegenstände mit feinem, lieblichem Wohlgcr'uch durchziehen, wie lose hineingeftreute Blüthen. Vorsorgliche Hausfrauen können noch auf eine andere einfache Weise die Blu mendüste einsangen und nutzbar ver werthen, indem sie die Pflanzenwohlze rüche durch Glycerin .ausstehen lassen. Duftende Blumen und aromatische Kräuter, nach Belieben nur eine Sorte oder gemischt, werden frisch eingesam melk, von Stengeln und allen geruchlo fm Theilen befreit, in eine weithalsige Flasche gethan und mit frischem, rei nem Glycerin übergössen. Dies besitzt die Fähigkeit, den betreffenden Wohlge ruch in hohem Maße auszuziehen, wenn das dicht verschlossene Gefäk einige Wo chen in warmer, möglichst gleichmäßiger Temperatur an einem dunklen Orte steht; zugleich hat das Glycerin die an genehme Eigenschaf), sich mit Waffer wie mit Spiritus mischen zu lassen. Daher kann die dustende Flüssigkeit, nachdem sie filtrirt worden, zu den ver Zchiedensten Zwecken dienen, als erfri schendcr,angenehmer Zusatz zumWaschwasser.als wohlriechendes, die Kopfhaut stärkendes Haaröl. als Beimischung zu Äackwerk und süßen Speisen und, in Weingeist gelöst, zu feinen Likören,welche dadurch das Aroma und den Geschmack von duftigen Blumen oder gewürzigen Kräutern crhaktem. Ein wunderlicher Sprach, reiniger war es, welcher an den Musi kus B., einen Fagottisten, wohnhaft am Monbijanplatz in Berlin unweit ver Pomeranzcnbrücke, einen Fried richsd'or sendete unter der Adreffe: .An Herrn B.. Vergnügling auf dem Ziesknüppel. wohnhaft an dem Mein Kleinodspkatz unweit der Bittern-Süd. srüchtebrücke. Hierin cm Goldfrik." Der Brief gelangte glücklich in 'di: Hände des Fagottisten. Oekonomie. Feldwebel: ie beiden Bauern von der ersten' Compagnie sind wieder um, Urlaub eingekommen. Sollen ihn haben, aber der cme acht Tage langer als der an d?re. Man kann doch nicht Alles üuj einmal essen, was die beiden mit-brmgen.-G u t e V 0 r f ä he, welche trnri Im Unglück laßt, gleichen den Knuten im ajcheutuch: man vergißt nur zu bald, weshalb sie gemacht wurden., Treffen d. A.: Wie ist nur berFenn !o heruntergekommen?" A.: Ganz einfach. tx andere zu tun hochleben leimt."

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Vruppirung und Tyaraner der rusflichen Staatsverbrecher. Von George Stern an. Man sollte endlich aufhören, die politischen Verbrecher Rußlands unter, schiedslos Nihilisten zu nennen. Die ses Wort ist für keim einzige Gruppe oder Abtheilung der Opposition bezeich nend; es bildet ein der großen Mehr heit der Regierungsgegner den Li beralen und den nichtterroristifchen Revolutionären angethanes Unrecht, führt die öffentliche Meinung des Aus landes irre und bringt die zahlreiche Klasse der vernünftigen, maßvollen, patriotischen Oppositionellen um die verdiente Sympatbie. indem er sie als Widersacher alles Bestehenden mit Aus nähme des Mordes und des Bomben Werfens erscheinen läßt. Wollte ein englischer oder unter itanU scher Zeitungsschreiber sich beifallen lassen, z. B. Justin M'Carthy. Patrick Egan, Parnell, O'Donovan Rossa, John Morley, Patrick Ford und die Mörder aus dem Dubliner Phönix Park unter der Bezeichnung ..Fenicr" in einen Topf zu werfen, so würde er selbstverständlich ausgelacht werden. Ebenso widersinnig ist es. die russischen sogen. Politischen" ohne weiteres Ni hilisten zu nennen. Die Bezeichnung Nihilisten hat nur den Zweck, die Gegner des russischen Regierungssystems sammt und sonders verächtlich zu ma chen; die Berechtigung, die er einst haben mochte als ein von Turgen jcw gebrauchtes Schlagwort zur Kenn zeichnung eines vorübergehenden, neuen Gesellschaststypus , hat er längst ver loren. Wir mögen die Ziele der russi sehen Opposition mißbilligen oder die Art ihres Vorgehens verurtheilen, wir dünen sie aber nicht für Zcihilisten halten.' d. h. Leute, die absolut nichts anerkennen und ihr Glück in der Ver nichtung alles Bestehenden suchen". Die 'Männer und Frauen, die seit etwa zwanzig Jahren mit der Regierung auf Kriegsfuß stehen, sind weit entfernt, Nihilisten zu sein, und deshalb sollten sie auch nicht so genannt werden. Die russischen ..Staatsverbrecher" lassen sich am besten in die drei feigen den Gruppen eintheilen: 1. L i d c r a l e. Sie sind im Gan zen klare Köpfe, hegen maßvolle Mei nungen und möchten eine allmähliche Ausdehnung der Grundsätze der Selbst. Verwaltung erstreben. Sie sind sür größere Rede und Prcßfreiheit, sür die Einschränkung der Macht des Beamten thums, für ein streng gesetzliches Vor gehen der BeHorden, sür die Hebung der Bildung und Gesittung des Bauern standes, aber gegen die Verfolgung An dersgläubiger' durch den Staat nnd gegen die Gleichgültigkeit oder Willkür der Bureaukratie. Den Umsturz der bestehenden Regierungsform halten sie Medenfalls in der Gegenwart für un I 3L lUUllttty. 2. A evolutionäre. Hierher gehören die Socialisten die Narodniki (Aauernfreunde"), die Narodowoltsi Anhänger des Volkswillens") und die übrigen Reformer, welche die Besciti gung der Willkürherrschast als so dring lich und wichtig betrachten, daß sie Verschwörungen und bewaffnete Auf stände für gerechtfertigt erklären. Von der nächsten Gruppe unterscheiden sie sich hauptsächlich durch ihre Abneigung gegen Raub und Mord. Sie sind be reit, ihr Leben auss Spiel zu setzen, wenn sie Gelegenheit zu kräftigem, aber offenem Handeln haben; allein sie- Ich" nen es ab, Beamte meuchlings zu er schießen, Hofzüge zum Entgleisen zu bringen, Regierungskaffcn zu plündern oder durch Fälschung kaiserlicher Kund gedungen Bauernunruhen hcrvorzuru sen. Im großen Ganzen sind ihre Ziele dieselben, wie die der Liberalen, nur möchten sie nachdrucklichere und rascher wirkende Mittel anwenden. In manchen Programmpunkten gehen sie weiter; so z. B. streben sie an: eine neue Verkeilung des Bodens, eine ge rechtere Vcrthcilung des Arbeitsertrages und eine noch größere Ausdehnung des in Rußland übrigens ohnehin sehr entwickelten Gcnoffenschastsmesens unter den Bauern. 3. Terroristen. Sie huldigen denselben Grundsätzen und haben dieselben Ziele, wie die Revolutionäre, schlagen aber andere Wege ein, indem sie alle Schritte gutheißen, von denen sie sich eine Schädigung oder Ein schüchterung ihrer Gegner versprechen. Der Terrorist ist nichts anderes, als ein in Erbitterung gerathener Revolutio när, der es angesichts der zahllosen Spione, Polizisten und Soldaten als unmöglich erkannt hat, die unZuZriedc nen Bestandtheile der Gesellschaft zu vereinigen und zu organisiren, oder der über die von ihm selbst, von seinen Ver wandten und Freunden durch die Be Horden erlittene grausame, ungesetzliche Behandlung empört ist. Wem jedesmal, wenn er eine Erklärung abgeben oder eine Beschwerde vorbringen'will, der Mund gewaltsam zugehalten wird, der wird sich schließlich, von namen losem Ingrimm ergriffen, der Schrek kenspartez anschließen. Die zahlreichste der drei Gruppen sind die Liberalen. Zu ihnen gehören u. a. etwa drei Viertel aller promovirten Universitätshörer, soweit sie nicht Be amte geworden sind. Die Revolutionäre zahlen nach Zehntausenden; ihre Ziffer bleibt hinter der der Liberalen erheblich zurück. Sehr klein ; ist die Schreckens Partei, doch sind ihre Mitglieder unge mein kühn und entschlossen; durch die tragische Rolle, die diese Opposition? gruppe im öffentlichen Leben Rußlands spielt, erregt sie die Aufmerksamkeit des Auslandes natürlicherweise in weit höherem Grade, ls die unvergleichlich stärkeren anderen Gruppen. Die Libe ralen können die Beachtung auswärtig ger Forscher schon deshalb minder auf sich lenken, weil sie einerseits freiwillig jedem gewaltsamen Eingreifen entsagen und andererseits durch die Censur wie durch die Polizei tücbtia im Scbacb ae-

halten werden. Die Terroristen dage? . i k .

gen rroen auen rnzcaraniungen, ira" gen ihre Haut stets zu Markte, führen ihre Sachen mit Bomben, Dolchen. Re volvern und machen daher, obgleich an ahl recht gering, am meisten von sich reden. In Sibirien habe ich viele Mitglieder aller drei Parteien kennen gelernt. Meine Eindrücke von ihrer Person habe ich in früheren Aufsähen geschildert. Heute will ich mich mit ihrem Charakter beschäftigen. 1. Die Liberalen. Meines Wissens hat noch niemand behauptet, daß die russischen Freisinni' gen schlechte Menschen oder Bürger seien. Die Regierung übt zwar einen starten Druck auf sie aus, verbietet den einen das öffentliche Sprechen oder den Aufenthalt in der Rcichshauptstadt, entzieht den anderen Professuren oder sonstige Stellungen, unterdrückt die von manchen herausgegebenen Zeitschriften, stellt diese unter strenge Überwachung und verbannt jene nach Sibirien: aber es fällt ihr nicht ein. sie dcrbrecherischcr Absichten zu beschuldigen. Sie behaup tet lediglich, die Leute seien ..politisch unzuverlässig" oder ihre Tendenzen" trügen den Stempel der Schädlichkeit" oder ihre Anwesenheit in einer bestimm ten Gegend gefährde die öffentliche Ruhe". Diese Redensarten besagen nur, daß die Liberalen den Tschinow niks. den Beamten, im Wege sind, weil sie diese einigermaßen verhindern möch ten, mit den Leibern, den Seelen und dem Eigenthum der Russen nach Willkür zu schalten. Ein wohlunterrichteter und gercch tigkeitslicbender Engländer hat uater dem Pseudonym Ein früherer Bewohner Rußlands" vor einiger Zeit Ei nige Wahrheiten über Rußland" veröffentlicht. worin er sich über die Li beralen folgendermaßen äußert: Die zahlreichen in Rußland ansässigen Ausländer, die ich kennen gelernt habe, gchören den verschiedensten Richtungen an, sympathisiren aber durchweg mit den Zielen und Bestrebungen der dor tigen Freisinnigen. Mit ihnen kann sich keine andere Menschengruppe im ganzen Zarenreiche vergleichen an wah rer und weiser Vaterlandsliebe, reifem Verständniß der brennenden Zeitsra gen, musterhafter politischer Manns zucht und herzlicher Würdigung der edleren Züge des Nationalcharakters. Die ausgezeichneten Denker und Schrift steller, deren Arbeiten in den Spalten der Rußkija Wedomosti und der Nuß kaja Mesl erscheinen, sind nicht nur für :ine noch halbbarbarische Nation eine Zierde, sie würden selbst den ältesten Culturländern Europas zur Zierde ge reichen." Dieses Lob ist vollauf verdient. Ich selbst bin z. B. ein ausrichtiger Schätzer und Bewunderer der vielen mir Personlich bekannten Mitglieder der Mos 'auer Liberalengruppe". Solche Män ner waren geeignet, in die Regierung ihres Landes segensreich einzugreifen, wenn sie nicht 'trotz ihres trefflichen Charakters und ihrer um fastenden Bi! dung vielfach verfolgt würden. Unter den Mitarbeitern der zwei genannten Zeitungen sind in den letzten 710 Jahren eingesperrt 'oder verschickt" worden: Schekgunom, Michailowski, Korokenko. Staniuckowitsch, Matschtck, Pctropawlowski, Goltsew, lauter Profcssoren, Romanschreiber und Publizisten von Ruf. 2. Die Revolutionäre. Ueber den Charakter dieser Partei sind die Meinungen getheilt. Zunächst will ich ein recht ungünstiges Urtheil, das der Regicrungskrcise, anführen, welches zugleich zeigt, wie und aus wek chen Grundlagen die Behörden gegen die Umstürzler vorgehen. Ich knüpfe dabei an den Fall eines jungen Man nes Namens Arsen Boguslawski an, der im Februar 1880 unter der Anklage, der Umsturzpartei anzugehören und aufreizende Schriften verbreitet zu haben, in Kiew vor,, ein Kriegsgericht gestellt wurde. General Strelnikow, der Staatsanwalt, begründete feinen Antrag, daß der Angeklagte verurtheilt werde, in einer offenbar wohlvorberei keten Rede, in der er u. A. die Ge schichte der russischen Umsturzbewegung erzählte, natürlich von seinem Stand punkte aus. Dieser ist, wie ich aus vielfacher Erfahrung bestätigen kann, im Großen und Ganzen derjenige der zesammten amtlichen Welt des nordi fchen Kolosses mit den thönernen Fü ßcn". In dem amtlichen Verhandlungsbe eicht heißt es von dem Vortrage Streln kows: Er wies nach,' daß diese Leute, die es freiwillig unternommen haben, ble Gesellschaft umzugestalten und die ganze Ordnung der Dinge abzuändern, meist erst 22 bi4 m Jahre alt und von niederer Bildung sind. Von allen Staatsverbrechern, mit denen das Kietver Kriegsgericht sich befaßte, hatte kein einziger an einer Hochschule promovirt und nur acht absolvirte , Mittelschüler. Ihre Ansichten sind sehr unreif und ihre Kenntniß des Volkes beschränkt sich ge wohnlich auf die Bekanntschaft mit einigen Gasthauskellnern. Endlich zog der Genera! die folgenden Schlöffe: I. Der Wunsch nach Beseitigung der Religion, der Familie Und des Staates ist für die socialistische Partei nur ein Mittel zur Ueberwindung der ihrem wirklichen Zweck im Wege stehenden Hindernisse? 2. ihr wahres Ziel ist durchaus nicht das VoZksmohl, sondern persönliche Habsucht. Er mochte die Mitglieder der .socialistischen Partei in drei Gruppen eintheilen: I. echte Schwärmer, deren Zahl scdoch so gering ist, daß sich unter den 49 in Kiew Angeklagten kein einziger befand; 2. Leute, denen der Wunsch lrgend eine hervorragende Rolle zu spielen, , über alles geht; diese, Personen deklamircn in Versammlungen und dergl.; 3. ge meine Räuber, üud das sind die meisten Mitglieder der Partei. , , General Strelnikow war ein begab ler Militär und ein glänzender Redner,

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aber auch ein erbitterter, rachsüchtiger Feind. In geheimer Verhandlung und ohne Kritiker zu gleichgesinnten Richtern lbrechend. ließ er sich von dem leidenschaftlichen Haß. den er gegen die Staatsverbrecher" hegte, hinreißen, in Unwahrheit und Unvernunft zu ver fallen. Er entwarf von den Angeklagt ten unkenntliche Zerrbilder. Als gei stig unreife Knaben" bezeichnete er Leute, die im Durchichnittt älter waren, als z. B. William Pitt zur Zeit, da er Premierminister von Großbritannien wurde, oder als Napoleon Bonaparte zur Zeit seiner Ernennung zum Bri gadegeneral nach der Einnahme von Toulon. Unter den Personen, die er als ..ganz ungebildet" bezeichnete, be fanden sich zwei Lehrerinnen (Frau Ka walewskasa und Frau Rossikoma). ein Professor und Schriftsteller (Florian Bogdanowitsch). zwei Berussüteraten und die in Westeuropa ausgebildete Astronomin und Mathcmatikerin Natalie Armfcldt. die Tochter eines Gene rals; mehrere andere, die ich kennen gelernt, verstanden zwei bis drei Syrachen und hatten die Werke von Herbert Spencer, John Stuart Mill. Lecky, Drapcr u. s. w. gelesen. Selbstverständlich war auch Bogus lawSki selbst, der die Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse im Volke an strebte, nichts weniger als ungebildet. Daß auch der angebliche Wunsch der Socialisten, die Religion zu beseitigen, nicht zutrifft, wird u. a. durch den Um stand bewiesen, daß derselbe BoguS lawski vor Gericht viele Vibclstellen anführte. Daß diese von Sanftmuth und Nächstenliebe handelten", Tugen den, die man dem russischen Beamten thnm freilich nicht nachrühmen kann, ließ den Angeklagten in den Augen des öffentlichen Anklägers vielleicht als Fanatiker" erscheinen. Der General erklärte, daß die Politischen", mit zwei Annahmen, bei ihren Verbrechen keinen Muth an den Tag gelegt hätten. Trokdcm behan delte er sie als so furchtbar gefährlich, daß er emvfahl. sie allefammt unnachsichtig hinzurichten auch dann, wenn sie kein ärgeres Verbrechen begehen, als Schriften zu vertheilen und Bibelstellen anzuführen! Er gab zu. daß sie auf dem Schaffot tapfer" sterben; thäten sie das, wenn sie wirklich, ungebildete, unreife Knaben" wären? Und was soll man zu dem Gedankengang sagen, durch den er dazu gelangt, sie als ,.gemeine Räuber" hinzustellen? Wer das nicht erfassen kann, ist wahrscheinlich politisch unzuverlässig" oder für di öffentliche Ruhe gefährlich" und thut Aut. dem russischen Reich möglichst fernzubleiben, wenn er will, daß er ..lange lebe und es ihm wohlcrgehe aus Erden". Es ist von den russischen Regierung;beamten ebenso falsch als thöricht, die Mehrheit der revolutionären Partei als geistig verächtlich und sittlich verworfen hinzustellen. In Wirklichkeit sind die Umstürzler weder das eine noch das andere. Im Punkte der Bildung übertreffen sie die meisten Beamten in hohem Maße. Trotz aller Entmuthignngen und Schwierigkeiten, gegen die sie anzukämpfen haben, trotz Geldnoth, Seelenangst, Gesangniß, Verbannung, Censur u. s. w. leisten sehr viele vön ihnen Bedeutendes im Reiche des Gei stes. Insbesondere in wissenschaftlicher Beziehung verdankt Sibirien ihnen nahezu alles. Ich erinnere an Michaelis, Andrejew, Klements, Belokowski, Tschudnowski, Leontiew. Dolgopolow. Lesewitsch, Horwitsch, Alexander Kra potkin. Korolenko, Matschtet, Stanjukowitsch, Mamin und Pctropawlowski ' lauter Staatsverbrecher, die sich theils in Rußland, theils in Sibirien durch ihre litcrarischen oder wiffenschaftlichen Leistungen hervorgethan haben. Und was die moralische Seite betrifft, so halten die mir persönlich bekannten Mitglieder der Revolutionsparte' den Vergleich mit fast sämmtlichen andern Menschen aus, die ich persönlich kenne. Zwar theile ich keineswegs die Anschauungen aller; manche von ihnen sehen ln ihren Hoffnungen zu rosig und sind in ihren Plänen zu nebelhaft. Einige haben arge Irrthümer und ver hängnißvolle Fehler begangen z'mehrere haben sich in schweren Stunden schwach oder unwurdia aezeiat. Aber rm aro ßen Ganzen vertragen die Anhänger drejer Partei,, sowett ich sie kenne, die Messung mit dem höchsten sittlichen Maßstabe und gehören zur Blüthe der russischen Gesellschaft. Ihre Reihen eisen die besten, tapfersten und edelßen Menschen auf, die mir je begegnet fad. 3. Die Terroristen. Vor kurzem las ich in der historischen Zcitschrist Rußkaja Starina die folgenden Bemerkungen über die Schreckens Partei und die Haltung des Volkes ihr gegenüber: Wir haben einem sonderbaren Schauspiel beigewohnt: einer Art Zweikampf zwischen der größten Macht vuf Erden, einer mit allen Mitteln der Gewalt ausgerüsteten Macht einerseits, und einem unbedeutenden, aus entlasse nen Telegraphisten, halbgebildeten Schuljungen. Universitätsstudenten, elenden kleinen Juden und leichtfertigen Weibern' bestehenden Häuflein an dcrerseits. In diesem anscheinend ungleichen Kamps war der Crsolg keineswegs bei der stärkern Partei. Die ungeheuren Volksmaffen, welche die erhabene Per son des Kaisers zweifellos innig lieben und an Ordnung, Gesetz und den monarchiichen Einrichtungen hängen, spielten die Rolle gänzlich unbethciligter Zuschauer. Es war das nicht nur ein seltsames, sondern geradezu ein schmähliches? Schauspiel. Zur schleus nigsten Beseitigung deS Geschwürs, das den Leib unserer Gesellschaft plagt, hatte eine Bewegung der Massen ge Niigt. -Diese Bewegung ist aber nicht erfolgt, Warum nicht? Wahrschcinlich weil die Anhäufung von Verbrechen, deren zedcs dem Gesellschastskörpcr einen beztigen Stoß vttsedte, schließlich iur

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Erschöpfung geführt hat. Es besteht ' die Gesahr, dafc die Fortsetzung jener verbrecherischen Thätigkeit den Volks organismus unrettbar schwächen und feine SelbstcrhaltungSkraft vollständig vernichten würde. An Zeichen verdächiigster Art fehle es durchaus nicht. Also die größte Macht auf Erden" wäre von einem unbedeutenden Häuflein Telegraphisten. Schulknaben. Studenken, elenden Juden und leichtfertigen Treibern beinahe aus den Fugen gebracht worden, welch außcrordent' kiches Mißverhältniß zwischen Ursache und Wirkung'. Kennt die Wcltgeschichte ein zweites Beispiel von Läh mung der Macht und Kraft eines Riesenreiches durch eine Handvoll unreifer Männer oder Jungen und loser Weibsbildcr? Gibt es äußerhalb Rußlands Telegraphenbeamte. Studenten. Schul knaben. kleine Juden und lockere Frauenzimmcr. die im Stande wären, die althergebrachten Verhältnisse, an denen hundert Millionen hangen", ernstlich ins Schwanken zu bringen? Gewiß nicht, und ich hege begründete Zweifel daran, daß es gerade im Zarenlandk einem unbedeutenden Häuflein gelingen könnte, dem Staat und der Gesellschaft gefährlich zu werden. t Die meisten Mitgliede? der russischer Schreckenspartei waren ursprünglich ge mäßigte Liberale oder höchstens sricdliche Socialisten und wurden erst dadurch, daß die Behörden alle ihre Recht! und Empfindungen in grausamer, ungerechter, ungesetzlicher WeisemitFüßcv traten, zu Revolutionären und schließlich zu Terrcristen. Ich bin weit entsernt, ihre Gewaltthaten in Schutz zu nehmen, abgesehen davon, daß mir Morde. Eiscnbahnentgleisungen. Kas feneinbrüche und Explosionen nicht all zweckmäßige Kampfmittel erscheinen. Aber ich vermag sehr wohl zu begrei' sen, daß man ein noch so guter "unt edler Mensch sein nnd dennoch in Ruß land ein Terrorist werden kann, wenn man sich, wie dies dort alltäglich ge sclücht. schütz- und wehrlos der uner träglichsten. empörendsten Behandlung preisgegeben sieht. Die Behauptung der russischen Regierung. daß die Schrcckcnsgruppk nach 1873 alle unter Culturmenschen geltenden Kampfrcgeln außer acht gelassen habe, entspricht freilich der Wahr beit; aber man bedenke doch, daß es im Leben und im Kriege, wie beim Schachspiet nicht angeht, selber alle Regeln beiseite zu setzen und dennoch zu foroern. daß der Gegner sie einhalte. EZ ist widersinnig, hinzuschießen, und über das Herschießen entrüstet zu sein. Ten Anfang mit dem Schießen hat die rufst sche Regierung gemacht: sie hat den Gleist der Ungcsctzmüßigkcit heraufbeschworen und genährt, indem sie rechtswidrige Verhaftungen vornahm, nicht verur theilte Personen bestrafte, die gerichtli chen Freisprechungen angeblicherStaatsvcrbrcchkr illusorisch machte, das Eigen rhum Verdächtiger, nicht blos Ueberführter, einzog, blutjunge Knaben und Mädchen nach Sibirien sandte, die Kinder Unzuverlässiger" und Ver bannte? gewaltsam in staatliche Anstal ten steckte. Gefangene ohne Verhör übermäßig lange in strenger Einzelhaft hielt und dadurch dem Selbstmord ode, dem Wahnsinn in die Arme trieb, du Leichen verstorbener Hästlinae nächt-. licherweise insgeheim begrub und jedcrk mann, der nach Gründen behördlicher: Vorgehens fragte, als einen Verbreche, behandelte. Unter solchen Umständen und mangels aller gesetzlichen AbhilfsMittel mit jeder zugänglichen Waffi Vergeltung zu üben, braucht noch sein wilder, blutdürstiger Fanatiker zu sein. Kirchweih-Küchezettel. (Asälzisch.) Z'erscht e' griene Kerne-Supp', Markklös' d'rin en ganze Trupp, Tann kummt's Rindfleesch an du Reih'. Senst tc6tra ist derbci, Mit der Gawwel In de Schnawwel, D'runne sitzt's Wie der Blitz Awwer jetzt kummt's schwere G'schütz.' Lummel-, Kalbs un Schweinebrate Un drei Sorte vun Salate, Hammelsrippe, griene Bohne Her nor gleich mit zwee Portione! Mit der Gawwel In de Schnawwel:' Krumbeerebrei, Schunkc, Ei, Schwartcmage aach derbci! Blutworst, Brotworscht. Lewerworschl Herrgott kriegt cker do cn Dorscht! Sauerkraut un Schweimknöchet, Gäns' un Ent' un ann're Vöchel, Mit der Gawwel In de Schnawwel , So, deß wär1 D' Hauvt-Affär, Jetzt nor noch e' lleen's Dessühr! Pannekuche, Äppelbrei ' Un' Kunfekt so allerlei. Quetsche-, Käs- un' Zimwetkuche, Jwwrall muß mer doch verluche, Trauwe. Nüßle, Käs' e' bissle, Owwedruff Kasse zwee Schüßle! , Awwer 's Bescht vum Esse doch Bleibt halt 's Trinke all'weil noch: Reingegosse, wird's, beim Blitz, G'rad wie in 'e Feuersptttz', Braucht kee Gawwel, Nor de Schnawwel, Bier un Wein, Alles 'rein , G ut un V iel nor muß es sein! ; Palatinus. , , ' ' 2 - ' - ? ' , ' ; Ueberflüssige Ent schul digung. Hausfrau: Was ist denn heut mit der Mach? Die sieht ja ganz ander aus als sonst!" Milchmann: Ach, entschuldigen Sie, es, ist nur vergessen worden, sie abzurahmen!" 1

SW2 Aus den Memokre eines Säug littgö. Es geht bunt zu in der Welt. Jedn glaubt, seine Memoiren schreiben zu müssen, wenn er auch nur durch über mäßiges Schreien Aufsehen erregt hat. Wer'tz nicht glauben will, der lese du nachstehenden' Memoiren eines Säug lingS. Ich war drei Monate alt, da karg ich mir vor wie ein ganz alter Mann, der keine Zähne im Munde und keim Haare aus dem Kopse hat. Ich konntk weder gehen noch stehen, noch sprechen, gerade daß ich liegen konnte und ich wal doch nicht betrunken! Welche Sorgen machte sich nicht meine gute Mutter we gen meiner, und wie vielSorgeZmachte sik mir erst. Ostmals, wenn mir nichtZ fehlte, drangsalirte sie mich, mit der Milchflasche, und hatte ich wirklich ein mal Hunger oder Durst, dann beküm merte sich keine Menschenfeele um mich.

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Und dann dieze nutzlojen wtreitigkeiten zu Haufe. Mein Vater meinte fast täg lich zur Mutter: ..Berthchen. Du und der Junge. Ihr ähnelt Euch wie ein Tropfen dem andern; und die Mutter antwortete regelmäßig darauf: ..Nein. Mann, der Junge gleicht Dir.als wenn er Dir aus dem Gesichte geschnitten sei." Beide wollten natürlich Recht haben und meine Mutter, die stets das letzte Wort haben mußte, meinte schließlich: Kurz und gut, er hat auf alle Falle doch die selben Haare wie Du." Das war eine ziemlich deutliche An spielung auf meines Vaters Glatze; denn ich hatte doch kein Haar auf de Kopfe. In diesem Lebensabschnitte, wo ich noch so gar unschuldig war. wurde ich nichtsdestoweniger behandelt wie der abgefeimteste Spitzbube; denn man band mir die Arme und Händk fest. Auch schien es mir oft zweifelhast. ob ich Mensch oder Thier war, denn man nannte mich bald: Mein Schäfchen. Uei nes Mäuschen, armes Würmchen, liebeZ Aeffchen u. f. w. Wenn mein Vater etwas sehr langt in der Kneipe war, dann bemächtigt! sich meiner Mutter eine Unruhe, dU kaum zu beschreiben ist. Alle Augen blicke erhob sie sich von ihrem Lager. zündete ein Streichholz an und schautt nach der Uhr. Warte, Du Nachteule, komme nm nach Hause," horte ich sie lispeln. Da wurde mir selber schon ganz schwül zu Muthe. Und ging dann endlich dik Thür leise auf, und meine Mütter ihr Mann kam um nicht zu stören auf den Strümpfen herein, dann rief sie : Bist Du schon da. Du Schwiemel ? Und über Alles das, was sich dann ereignete, entsetzte ich mich so. daß ich im Stillen den Schwur ablegte, nie zu heirathen. Aber es dauerte keine zwei Monate mehr, da schasste ich mir doch ein Mad chen an, nämlich ein Kindermädchen. Trine war ihr Name. Sie war ein frische, dralle Bauerndirne, und ich dürfte ordentlich stolz auf mem Mäd' chen sein. Sie war so zahm, daß sie mir meine Zuckerbrödchen aus der Haud aß, und sie war so besorgt, daß ich mir den Magen nicht überladen möge, daß sie die Milch aus der Flasche statt mci ner trank. Wenn ich dann ob diescl mütterlichen Fürsorge schreien wollte, steckte sie mir ihren Daumen in den Mund, da durfte ich dann dran sau gen. Aber andererseits verlebte ich auch wieder manche genußreiche Stunde mit meinem Mädchen. Wenn es drau. ßen regnete, dann promenirten wir Beide per Arm durch Zimmer, und Trine war augenscheinlich ganz verliebt in mich; denn zuweilen küßte sie mich, wie sie heißer ihren Herzallerliebsten nicht hätte küssen könne. Wenn dagegen draußen,, die Sonne warm schien, dann fuhr ich mit meiner Trine vor dem Thore in den Anlagen spazieren. Ich lag 'glücklich wie ein König und aller Sorgen bar im Kin derwagen, den die Trine vor sich her schob. Aber es dauerte nicht, lange, da wurde Trine mir untreu und übertrug ihre ganze Liebe auf einen strammen Musketier. Mit diesem trafen wir regelmäßig in den einsamen Anlagen zusammen, und wenn ich sah, wie er meinem , Mädchen Liebesgaben , aus den Mund drückte, meinte ich aus dem Wagen springen zu müssen vor Eifer sucht. Aber die Trine zeigte sich auch dankbar und schenkte ihm auch Liebesgaben für den Mund, die fehlten dann zu Hause regelmäßig im Küchenschranke und fanden ssch trotz emsigen Nach suchens meiner Mütter nwimermehr wieder. ' In der Nahe der Anlagen befand sich ein Tanzlokal, und die Töne der flotten Tanzweisen drangen gar verlockend zu uns herüber. Eines 'Mittags meinte Trines Schatz unverfroren: Laß den kleinen Wicht ein Aissel allein, komm', wir wollen drüben mal tanzen, das ist gescheidter." Und die verliebte Einfalt vom Lande brachte es thatsächlich übers Herz, dem bösen Rathe zu folgen und mich allein zu lassen.. Was wollte ich machen, zurückrufen konnte ich sie nicht, und so lag ich denn, allen Menschen preisgegeben, da. Zu erst nahte sich ein größer Köter meinem Wagen, er schnüffelte ein wenig herum, dann stellte er sich auf die Hinterbeine, wir schauten uns gegenseitig verwüst dert an, Keiner sprach ein Wort. und dann leckte er mir ein paar Mal liebkosend übers' Gesicht. Als ich hierüber-ein mörderliches! Gezeter an hub, ließ er von mir ab und trollte sich von dannen. ':.; (indlich nahte sich ein menschliches Wesen,' ein Schutzmann. Je? mm?, dachte ich, jetzt kommst Tu arme Unschuld unter Polizeiaufsicht. , JRa; kleiner Mann. , roie heißt Du denn", erkundigte er ' sich und bekam selbstverständlich keine Antwort.' ' ' Er schüttelte mit dem Kopf und wußte au genfcheinlich nicht was er mit mir be ginnen sollte. , ,! : . :; M,AZ

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W EPC Schließlich tauchte ein Bummler auf. der Schutzmann rief ihm barsch zu, nähe? zu kommen rnid befahl ihm hier auf den Wagen, in welchem sich meine Wenigkeit befand, weiter zu schieben. Dieser folgte othgedrungen dem Be fehl, und so ging's zurück Zur Stadt, gefolgt von d.'m Diener des Gesetzes. Durch die Stadt gab uns natürlich eine Menge großer und kleiner Kinder unter Gejohle Geleit,- und nach vielen Quer zügen landete man mich schließlich im, Waisenhauie. Meine allzugroße Ju gend bewahrte mich davor, als Obdach loser dem Gefangenen Depot überwiesen zu werden. Gegen Abe::d war die böse Trine blaß wie der Tod nach Hause gekommen und hatte iu unverschämter Weise ge logen, in einem unbewachteA Augen bücke sei ich ihr mit dem Kinderwagen eutivichen. Das muß eine schone Auf ngung bei uns zu Hause hervorgerufen haben! Am nächsten Morgen fanden sich im LocalblaNe der Stadt folgende Zeilen: Eil: Insasse nebst Kinderwagen ist abhanden gekommen. . Um gefällige baldige Kiickgabc wird' ersucht. Vo" dem Ankauf wird gewarnt. Hierdurch kam man auf meine Fahrte, und es gab ein, Wiedersehen zwischen meinen Eltern und mir, wobei Thränen der Freude in auZgiedigster Weise flössen. Die lieblose verliebte Trine aber wurde noch an demselben Toge mit Schimpf und Schande weggejagt. Hubert Ebeler. Gin verlorener Sohn. Die Chronik der Stadt Starcard in Pommern erzählt eine merkwürdigere, schichte von einem verlorenen Sohne.' ES war um das Jahr 1576, als daselbst der Bürgermeister Joachim Appel mann lebte, der in der ganzen Stadt eine s.clzchtctc und geliebte PnsLtttWeit war und dessen' unbeugsamer Rechtlichkeitssinn weit und breit bekannt war. Derselbe hatte indch nncn Sohn, der ihm von klein auf schon wenig Freude machte. Um thu zu mm tWigm Manne heranzubilden, ließ er es dem Knaben. nicht an Unterricht fehlen und sandte ihn, alZ er zum Jüngling heran gewachsen war. sogar auf die llntep iiit. damit er sich dem Nechlsstudinm widme. Hier aber gcricth der Leicht finnige vollends auf Abwege, ergab sich dem Trunk und verfiel in wüste Aus schweifn ngcn. Der bekümmerte Vater versuchte Alles, den Entarteten ans bessere Wege Zu bringen, alZ aber gar nichts helfen wollte, sackte er sich ganz von ihm los und überließ ihn seinem Schicksal. Die Folge war. daß der Verstoßene immer tiefer sank und bald baZ Weite suchen mußte. Da ihm sein Vater da; HauZ vcrbo ten hatte, blieb ihm nichts weiter übrig, als außer Landes zu gehen und Kriegs dienste zu nehmen. Aber die strenge Heeresmcht und die Strapazen des So!daten schmeckten ihm auch nicht. Nach dem er so eine Weile mit herumgezogen wa?, faßte er sich ein Herz, eilte zu jei nem Vater, that einen Fußsall und bat unter dem helligen Versprechen, sich zu bessern, um Aufnahme. Dieser ließ sich denn auch erweichen, bedeutete ihm aber gleich, daß dieZ der lchte Versuch mit ihm sei. Eine kurze Weile mochte es mit ihm gehen. Allein nur Zu bald gewann der Hang zur Liederlichkeit wieder die Oberhand, und da sich der Bürgermeister weigerte, dem Sohne zu seinen Schelmenstreichen noch Geld zu geben, so widersetzte sich dieser und drohte, seinem Vater das Haus anzuzünden. Die Nachbarn, welche die gehört hatten, wurden nun um ihre habe besorgt nnd drangen in den Bür ßcrmeisier, sie vor dem gefährlichen Menschen, den man auch der Thäter fchaft mehrerer schweren Verbrechen beschuldigte, zu sichern, und Joachim Ap pclbaum zögerte auch nicht länger, diesem Verlangen Gewähr zu leisten. Da er nicht wußte, wo der ungerathene Sohn sich herumtrieb, bot er d'ie Stadtwache auf. ihn zu suchen. Sein Entschluß war gefaßt. Als ihm nach einiger Zeit die Botschaft'über bracht wurde, daß man des Gesuchten im Dorse Bruchhausen habhaft gewor den und ihn gefangen halte, nahm er den Geistlichen und den Scharfrichter mit und ging selbst zn dem Gefesselten in's Gefängniß. Hier ließ er ihn durch den Prediger zur Reue und Buße ermahnen uns rertündete ihm' selbst sein Todesurteil. Als der Sohn sah, da es dem Vater Ernst war, bat er fle hentlich um Schonung und gelobte abermals Umkehr und Besserung. Mein ohne Erfolg. Du hast den Tod verdient,- sagte Joachim Appelmann, und mußt ihn erleiden, mW fcdcr Andere in dem gleichen fjallc! Sprach's, gab dem Sohne noch seinen Segen und ließ ihn zum Richtplatzführen. Auf dem Kirchhof zu Bruch, hausen zeigt man noch heute die Stelle, vo dieser Att unerbittlicher Stren, vollzogen wurde. ia, r i!;i;;T!!i!!l;;;i;';Hp!!t"''' , EincFrühlZngsidylle. Sluf einer Maifahrt durch den sprossenden Wald finden sich dieHcrzcn zweier funger MenZchenkinder: er istWrima ner, sie ein naiver Backfisch. Als der Ausflug beendet ist. geleitet der Primaner seine Dame nach Haus und flüstert vor dem Thore: Mein Fräulein, Sie würden, PMunHUsspxH!!chMlüÄNjh machen wenn Sie mir gestatteten. Jhnen beim Scheiden einen Kuß zu geben! Bitte, sprechen Sie, -ZdarfsichZ." Das Backiischchen errathet tief und stoU lcrt: Ach ja, wenn Sie so gut sein tnnV.tn vÄi'.i'sd :ti::i'"xM - j t ji!3 weldeuttg. !,imWs$ gehend Sie, Herr Doctor, mit Hren leeren Liebcsbcthcucrungen! Sie halten im mer ein ; paar Mädchen zum Narrend Doctor: -Aber, 0räulit, $tomrtfy schwör's Ihnen zu: tleZmal'KnZM'S

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nur allein."

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