Indiana Tribüne, Volume 15, Number 287, Indianapolis, Marion County, 3 July 1892 — Page 7
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Der sechste Welttheil. Hrtilrttä Lca Theodor Herzl.
J. 1864. Grgiimsni und verzweifelt sitzt :r r:; einer bestaubten Kiste in dem dämmert gen Stübchen. Gewöhnlich Ztumpels famcicr, dient jetzt als Gefängniß für den Fred!, der unreifes Obst von den Bäumen gerissen und verspeist hat. Vsn traußen herein, durch das mit wildem Wein überwachsene Fenster, schallt das Jubeln fpieltnder Kinder zu ihm und zwischcnd.ch mahnende, verweisende Rufe der Mütter und Gouvernanten. DaZ Fenster ist zu hcch. Selbst wenn er, auf der Kiste steycnd, sich auf die Fußspitzen erhebt, kann er nicht Skwah- ' n, was die da unten im Garten tut httt. An ihn , denkt natürlich keine? von den Egoisten. Nicht einmal Cousine Ca rolme, mit der er sich doch immer ahm geben Pflegt, cöwoh! sie um ein volles Jahr jünger und nur ein Mädchen ist. Ja,' er hat die Herablassung mit dieser neunjährigen Zierpuppe intim zu der'ehren ; er, dem die Gesellschaft der be rühmtesten Gassenjungen offen steht! Aber daI soll ganz ander? werden. Vorläufig ist freilich sein einziger, etwas mekanchelischer Zeitverkreiö : seine Beine zu betrachten, t . von den Knieen bis zu den Knöcheln nackt und glorreich übersäet sind, mit ehrenvoll gewonnenen blauen Flecken, rothen Schrammen und bräunlichen Schürfungen Da klint plötzlich im Vcrraum ein Schlüsselbund. Die Thür fliegt auf. Cousine Caroline! Die blonden Haarsträhnen wehen ihr um das erhitzte Gesichtchen, ihre süßen blauen Augen glänzen, und sie wirft sich dem Häftling freudestrahlend an den Hals. Darf ich vielleicht hinaus, Carlin ?" fragt er hoffnungsvoll, aber mit Hai tung. Nein, Hans. Ich möchte nur bei Dir bleiben." Er schüttelt sie heftig von sich ab: Vack Dich hinaus! Hörst Du? Ich will allein sein! Geh' hinaus! Ich mag Dich nicht!" Es thut ihm sehr Wohl, seinen angesammelten Zorn an einem schwächeren Wesen auslaffen Zu können. Er pufft sie, reißt sie bei den Haaren, bis sie an fängt, zu weinen. Da bernhigt er sich und geht, die Hände auf dem Nucken, wie er es von Papa geseben hat, mit großen Schritten auf und nieder. Sie blinzelt zwischen den vorgehaltenen Fingern nach ihm hin und heuchelt das - Schluchzen nur mehr, um ihn zu rühren. Denn sie betet ihn an. Er ist ihr offen bar überlegen an Kraft, Uebermuth, Einsicht und Thsrheit. Das laßt er sie auch gehörig fühlen. Er vergöttert sie, demüthigt sie, beherrscht sie. Und darum betet sie ihn an. Eine Pause. Hans wäre der Versöhnung nicht abgeneigt, aber er kann unmöglich den Anfang machen. So wan delt er denn mit finsterer Miene umher. Durch das Fenster spaziert ein rothe? Strahl der schrägen Sonne herein, da? Jauchzen und Zwitschern der Binderstimmen schwingt sich auf der warmen Luft zu dem Einsamen empor. Carlinchen saßt noch einmal Muth : Allein mußt Du Dich doch lan.iveilen, Hans?" 0 gar nicht!" Er bemüht sich, ein recht vergnügtes Gesicht zu machen, und fügt wegwerfend hinzu: il)!einetwegen brauchst Tu Dich nicht aufzuhalten. Ich habe mich keinen Augenblick ge. langweilt. Ich habe die ganze Zeit nachgedacht Schönes Vergnügen." Und er darauf nm abweisendem Ernst: Ueber den sechsten Welttheil." Das verstehst Tu natürlich nicht." Hans,. laß m:ch dableiben!" Sie bittet so flehentlich, daß er endlich nachgiebt; allerdings nicht, ohne hervorzubeben, welche Zunst er ihr damit erweise. Einträchtig sitzen sie nun Beide auf der stifte. Sie schlenkern mit den Beinen, und ihre Fersen,'die den Boden nicht erreichen, trommeln auf der senkrechten Wand der Kiste, was einen hübschen dumpfen Klang weckt. Dazu erzählt der Junge seiner Gefährtin von dem sechsten Welttheil, den er sich so eben aus dem kleinen Finger gesogen bat. Es giebt nämlich einen sechsten Welttheil. Der schlummert noch auf den Wellendes Stillen Oceans. Die Seegefahren sind an ihm bisher immer ahnungslos vorübergezogen. Die Menschen haben dort eine himmelblaue Gesichts färbe, drei Hände und drei Füße ; die Augen tragen sie rückwärts, so daß sie such sehen, was hinter ihnen vorgeht. Die Kunstprodukte wachsen dort m Freien, dagegen erzeugt man Pflanzen und Thiere in Fabriken, auf Bestellung, nach dem Tagesgeschmack. Kurz : eine sehr intereffante neue Welt. Hans wird an einem der nächsten Tage aufbrechen, sie zu entdecken. Er weiß, wo er sie zu suchen hat : auf der Seehohe,, in der Nähe des Aequators. Seine geographischen Vorarbeiten lassen hieran kernen Zweifel übrig. Und allmahlig beginnt er, an die Existenz des sechsten der Welttheile dirklich zu glauben. Es ist auch nicht abzuschen, warum es deren nur fünf geben solle ? Carlinchen ist von der Nichtigkeit feiner Behauptung überzeugt. Der sechste Welttheil leuchtet ihr um- , , somehr ein, als sie von den anderen auch blos eine sehr dürftige, .Vorstellung hat. Aber sie ist dagegen, daß HanS sich schon jetzt auf den weiten Weg mache. Er werde sie doch nicht verlaffen wollen! Hans ," hat zwar nicht übel Lust sofort aufzubre ' chen; doch weil sie gar so demüthig thut, bringt er ihr seinen wiffentschaftlichen , Ehrgeiz vorläufig zum Opfer. Die , Schlaue hat ihm freilich mitgetheilt daß morgen feine Lieblingspeise gekocht werde. Er bleibt also vorläufig ! Die Sache ist nur aufgeschoben...... llfc;' ll. - ... l3SI. . , ! Wieder ein Sommernachmittag. Diesmal in der Freiheit. Die Sonne steht schon tief. Längliche Schatten, fallen von den Bäumen auf den sattrünen Rasenvlatz, der mit neun eisernen Reifen im Ziazack besteckt ist. Die Erwachsenen plaudern und lachen dort drüben im Schatten des weiß-blsuen Zeltdaches. Hang und Caroline spielen Crocket, is W .skidenschÄftlich. Sie K am Zug.
Er schaut ihr, aufsden Hammerstock gelehnt, aufmerksam ja. Wie geschickt sie die Kugeln Ixw und quer durch die Nafen treibt! Das bat sie von ihm gelernt, und viele andere Fertigkeiten. Schade, dan sie kein Knabe ist i Bedauernd überfliegt sein Blick die zierliche Gestalt Carlinchens. Das heißt, eigent'' lich ist sie so ganz hübsch. Sehr hübsch sogar. Wenn sie ein Junge wäre, trüge sie ihr goldenes Haar nicht so lang und wallend. Wie ernSchleier umflattert es sie jetzt in den eiligen Bewegungen des Spieles. Ehe sie mit dem langstieligen ßammer zum Schlage ausholt, muß sie jedesmal den blonden Strom zurücköämmen, daß er ihr rosigeö Antlitz nicht überfluthe. Dabei ist sie so köstlich affektirt und von einer frühzeitigen Kokettttie in jeder Geberde, wie wenn sie sich don einem Heer von Bewunderern beobachtet wüßte. Hans ist ein wenig ver wirrt. Weshalb? Dr, Carlin, weißt Du ?" Was?" .SaDtt sehr hübsch bist." Sie lacht ihm übermüthig in'S Gesicht. ,,O, das weiß ich längst! So?" ES ist ihm nicht, recht IXir. warum ihn die Antwort verdrießlich stimmt. Sie ist und bleibt doch ein eingebildetes Ding, ein ein Mädchen l 'Er schüttelt die vorige Bezauberung resolut von sich. Sie spielen weiter. Er läßt sie wieder seine ganze Ueberlegenheit fühlen. Er ist sogar ziemlich gereizt : Du, beim Wendepflock warst Du mit der blauen Kugel noch nicht !" Ja, Hans." Ich sge. Nein!" Und ich sage. Ja!" - -Flugs ist der Spielerstrelt entseZsclt. Er stampft mit dem Fuß und Hammer heftig auf den Boden. Sie giebt nicht nach, sie weiß sich im Recht. Er glaubt, feine morsche Autorität bis zum letzten Blutstropfen vertheidigen zu müffen. Er ist schwer erbittert. Der Fall war schon häusiz da. Immer ist Hans Sieger ge blieben. Denn eS gibt eine letzte Dro hung, durch die er sie stets gebändigthat ; er werde seinen alten Plan verwirklichen. Er legt seinen Hammer mit scheinba rer Gelassenheit hin. Wir traben heute zum letzten Mal Crocket gespielt, CaroUn !" Sie erschreckt ein wenia, bleibt aber fest: Hm, mit wem Wust Du dem spielend" Mit Niemandem. Ich cehe ganz mt von bier. Ich habe EcheidtereI
zu thun, als mit ungezogenen kleinen Mädchen Crocket zu spielen !" Du willst doch nicht ?" Es zuckt unentschieden um ihre Mundwinkel. Ja,"sat er entschloffen, ich will jetzt auf die Entdeckung des sechsten Welttheiles ausziehen." Sie bat beide Händchen über ihr Ge sicht gebreitet. Ein lönvulsivischeS Zub ken geht durch den Leib, iind unartikulir te Töne ringen in ihrerKehle. Nun fühlt er sich doch von Rührung übermannt. So hat dieses starke Mittel noch nie gewirkt. Schon will er tröstend auf sie zutreten und ihr einen kleinen Aufschub seiner NeiK ankündigen. Da läßt sie die Hände sinken, und er sieht und hört statt schweren Kummers das ausgelassenste Gelächter! Sie lacht ihn in Grund und Boden, feine Wichtigthuerei und Herrschast lacht sie siegreich nieder, lacht das knabenhafte Märchen vom fech sten Welttheil für alle Zeit hinweg. Er steht verdutzt und fassungslos da. Wenn er seinen Hut ergrisse und fortginge, sie würde ihn höchst wahrscheinlich bereits an der nächsten Straßenecke schluchzend einholen; nach weisem Wiederstreben konnte er sich noch einmal erbitten lassen. Aber er bleibt; er zeigt ihr, daß er ohne sie nicht sein kann; sein Ansehen ist unwiderbringlich verloren Bon da an geht es mit ihm abwärts. Begönnert, gedehmüthigt, regiert wird jetzt er von ihr. In jedem Streit behält sie Recht. War seine veraanqene Herrsch. sucht täppisch, die thre ist rafsinirt. Der Störrige ist gebändigt. Wie ein Schoß Hündchen folat er ihr nach. Und als ihm zufällig ein Band voll Lyrik in die Hände gerälh, wird e? ihm vssenb : et liebt ! Bald reimt und träumt er selber. In einem schwungvollen Gedicht läßt er seine Sehnsucht gewaltig rauschen: es ist betitelt: Der sechste Welttheil!" darunter xt namltch die Liebe, die ntdeckr bat, verstanden. Won jenem At graphischen Hirnaesvinnst ist er gänzlich abgekommen. Aber wägt er, ibr zu aestehen, was 'ihn bewegt? Ach, sie hat so m r.. ri r ,. . Vr ... t r . rs. ' i. wenig esuyt sur ore )esume: wir elegisch, und sie beginnt daher, sich in feiner Gesellschaft zu langweilen. Sie verhehlt es ihm auch nicht. Wie ihn das kränkt und nur immer verliebter macht! Sagen kann er ihr dennoch nichts davon, theils auZ Stolz und theils aus Furcht. Als ob er nöthig hätte, eS ih, mitzutheilen! Die Schelmin durchschaut ihn längst. An ihm übt sie ja zum tx Uen Mal tbre Kokettene, dte Sammt pfötchen und die Krallen. Jeden Mor gen erhebt er sich mit dem Vorsatz, ein kräftig Wörtlein mit ihr zu sprechen: arolme, ich liebe Dich, und wenn B" iq mqt Irevjt, jo jo .. ' - ',m? 1374. Er hat eS ihr noch immer nicht ge sagt In der Kirche steht er, und eS ist ibm jämmerlich zu Muth. An einem Pfeil gelehnt, starrt er in'S Leere. Um ihn der schwätzen ' die Leute im schicklichen Flüsterton : über das Kleid der Braut und den Charakter des Bräutigam?. , Ein summendes, : frivoleS Geräusch flattert durch den ernsten Ataum. Bom hohen, farbig bemalten Fenster hinüber 'zur Kanzel fließt eme bunte Garbe gedampf ten Lichts. Oraelklänae. Anschwellen der Gesang. HanS ist von dem, Allen tief ergriffen. Er ist todestraurig", wie die Balladen sich ausdrücken : denn die schöne Braut ist seine Cousine. Und während daS kunstvoll aufgebaute Melo drama der Trauung sich vor ihm ab spielt, träumt er den gefühlvollen Traum oer Erinnerung ; an , fn , 6crchmahl ' Liebe ,. ' p'-. ,. - -r ' fj lVk.,.,, .lH, . , M, , ' V,. ' V ;!-.!! h'!;!!!;1 Sie war die schönste Rose im Lande gewordenÄ D Verehrer lagen ihr unzählbar m ftfifeen. Er stand in der al l ierletzten Reihe. Wenn Carolmk Wsal
lig mit ihm sprach, war er entseHlicy verlegen. , Er beneidete.und haßte viese eleganten Zicrbengel, mit denen sie so vertraulich verkehrte. Er wollte es ih nen nachthun, machte ebenfalls Anläufe zur Eleganz und Vlasirtheit. - Es miß lang Seine Bewegungen waren nicht kraftlos genug, seine Wangen zu roth. ?ie aber belustigte sich uur über ihn. Sie hänselte ihn mit seiner stillen Anbetung." Ja, sie berieth sich mit ihm, wen sie heirathen solle. Einmal nahm er seinen Muth in beide Hände: Mich!" sagte er. Da bekam sie wie der einen solchen Lachanfall, wie damals beim Croquet, als er ihr mit dem sechsten Welttheil drohte. Wieder stand er fas fungslos, beschämt und wüthend vor ihr. Und doch war die Hartherzige nie bezau bernder, als in diesen übermüthigen Augenblicken ! Sie konnte it)re verletzende Heiterkeit lange gar nicht bemei stern. Endlich rief sie, zwischendurch rmmer wieder von verspäteten Lachtön eN unterbrochen: Hans, entdecke mir erst den sechsten Weltchnl, dann wollen wi weiterreden I" Es war aus, für immer und ewig! Er fcog sich von ihr zurück: sie merkte es kaum. Aber er wollte sich an ihr rächen. Wie Indem er . eine Andere nähme oder ein berühmter Mann würde ? Er schwanke zwischen diesen beiden Mit teln. Da erfuhr er eines Tages mit ge brochenem Herzen, daß sie sich verloben werde. Sie stellte ihn ihremZukünstigen vor. Noch einmal wühlte sie mit lächeln der Grausamkeit in seiner blutenden Wunde, die Schlechte, trotz alledem Geliebte : Ich stelle Dir meinen Vetter Hans vor, seines Zeichens verschwiegener Anbeter und Entdecker des sechster Welttheiles" Die Leute strömen jetzt der Kirchenthür zu. Hans wird mitgeschwemmt. . Die Lkeuvermählte kommt an ihm vorüber, getaucht in weiße Wolken von Seide, Spitzen, Schleiern. Hat sie ihn wabrgenommen in der Menge? Ist dieses blitzschnell vorüberhuschende Lächeln ein spöttisches gewesen, oder daö des Glükkes ? O, in jedem Falle weiß er, was e: zu thun hat. Denn jetzt ist er zu einer neuen, richtigen Deutung des sechsten WelttheileS" gelangt: der sechste Welttheil, das ist der Tod. Er wartet nur einen recht geeigneten, recht auffälligen Zeitpunkt ab für seinen Selbstmord. Wann die HochzeitSgelgen tönen ? Oder bei der Heimkehr des jungen Ehepaares? Auch ist er noch unschlüssig, auf welch: Weise er dieses reizentölößts Dasein verlassen solle. Aber er wird sich todten. IV. 1335, Er hat sich nicht getSdtek. -Der Zufall hat ihn hier, im Seebade, mit Cousine Caroline zusammengeführt. Er weicht ihr längst nicht mehr auö. Wenn er just nichts Besseres oder Schlechteres vorhat, plaudert er nicht ungern mit ih?4 Sie ist so gut gelaunt, so mun ter, blühend, rosig und frisch, wU nur je. Und ganz verteufelt hübsch dazu ! Sie muß doch laß einmal sehen ! ihre dreißig Jahre zählen. Eine reizende, reizende Frau! Ah, er hat es immer gesagt! Halt, war er nicht auch einmal sehr verlieb: in sie ? Freilich, freilich! Die Ebb? ist da. Das Meer zieht si zurück. .Wo eben noch slache Wellen spielten, zeigt sich jetzt der feuchte, mattschimmernde Sand, auf dem verstreut ein paar weißliche Muscheln glänzen. Hans und Caroline sitzen nebeneinander in den Schilderhäuschen aus Srohgesiecht, die von hinten wie große Bienenkörbe anzusehen sind. Nach drei Seiten hin vor dem Wind geborgen, von den anderen Leuten völlig abgesondert, schauen die Beiden binauS auf die glänzbedeckte, goldige, blaue, endlos weite Wasserfläche, oder nach den jagen)ken Kindern am Ufersaum. Ein stürmischer Junge und ein schlankes Mädchen. Ds Mädchen ist Carolinens Kind. Die Kleine hat eine Art, sich die wehenden blonden Haarsträhne aus dem erhitzten Gesichtchen zu schütteln, die lebhaft an die Art ihrer Mama erinnert, wenn diese Crocket spielte in jener ander" Zeit. Mit einem verlorenen Lächeln lauscht HanS den Echerzreden seiner Cousine. Aber er hört die Worte nicht, sondern nur den Ton den warmen, lieben, fröhlichen.kichernden Ton ihrer Stimme. Beide Ellbogen auf die Knie gestützt, zeichnet er mit Spazierstöckchen kraus.
Lmien in den weichen Sand. Sie bat ihn ein wenig mit seiner letzten oder vorletzten Flamme man weiß das bei ihm nie genau mit Fraulein'JulieUe, vom Circus, geneckt. Da fragt er plötz 'ich, ohne ersichtlichen Zusammenhang; Wie alt ist Deine Tochter jetzt T Sie lacht: Zehn Jahre. Man wird lt!" Und wie heißt der hübsche Krauököpf, ihr Spielgenosse V Für was Alles Du Dich interessirst I Kurt oder Kuno beißt ttJ Armer Kurt oder Kuno !' r Er sagt eS mit einem sehr erheblichen Seufzer. Carvlme betrachtete ih erst eme We ergötzt, dann sagte sie: Erinnerst Du dich noch V Ich thue seit einer Viertelstunde nichts Anderes, Carolin Weißt Du, daß ich mir das Lebe nehmen wollte, weil Du einen Mann nahmst?" Du, eine solche Geschmacklosigkeit r . . , rrs'. . ',.:'.. J .'-m cjuuc in? an nie verzieoen i Haha, ich mir auch ! nicht! Na, eS war auch das letztemal, daß ich eine Sache nicht von der allerleichteste Seite genommen bade. Alle, diese Kinderwil len vergehen, verwehen.' Ich bin Sott ser Dank, gesund frivol Und verdaue vor tresslich. Svar ertappe ich mich noch zuweilen auf gefühlvollen Anwandtun gen ; aber io werde jedenfalls damit enden, daß ich irgend einem Cousin seine dielgeliebte Cousine erbarmungloSk vor der Nase veryeirathe." " - ip fr n Höre, Hank, was ist denn auS Dei nem berühmten sechsten Welttheil aewor den. Ach, Hans, wenn ich denke, wie fel sensest wir Beide an daS Borhandensein emes sechsten Welttheiles glaubten, lab relang :'' iiliiMM-iii::-' jin !hü- ü;., i;!; -!! ,,,I'!'z,i, i Nun, ich glaube noch jetzt daran !" ', Um Dich zu belustigen ,Z?MW ,Lm tiefsten Ernst, Caroline ! Der sechste Welttheil ist da traumhafte and, das wir in unserer Jugend mit der Seele suchen. Es fchlummert noth
auf den Wellen des Stillen Oceans. jov$ Seefahrer sind immer ahnungslos an ihm vorübergezogen Und solche Seefahrcr waren auch wir. Ich kann eS Dir jetzt deutlich zeigen. Siehst Du die beiden Kinder : Dein Töchterchen und den hübschen Jungen, der Kurt ode? Kuno heißt?, Sie stehen jetzt still, begleiten mit ihren Augen den Mövenflaz oder schauen nach der Wassergrene. Und so klein ihre Gestalten sind, scheint unS doch, daß diese beiden Köpfchen über jenen schwimmenden Streifen, über die nebelige Linie zwischen Meer und Hinu mel, ragen. Das ist die Seehöhe, die unerreichbare, die immer vor uns flieht, wenn wir sie verfolgen, von Festland zu Festland bis sie plötzlich hinter unS ist. Und auf der Seehöhe besindet sich der sechste Welttheil,Carolin ! 'Spät erst, wenn wir nicht mehr zurück können, sehen wir ein, wo dieser märchenumspcnnene Welttheil in Wahrheit liegt : da. 'vo wir waren, in der Jugend." El (Senkeftrekch deö Herr snavi.
Man schreibt auS Rom, G. Juni: Herr Bonghi hat in Anagni ein ErziehungZinstitut für Lchrcrwaiscn ge gründet und Dank semcr Unermüdlichseit die Existenz dieser Wohlthätigkeits anstatt gesichert. Sein ganzes Herz hängt an diesem Werk, für das er unbedenkNch den Plato preisgäbe, und hin und wieder überzeugt er sich durch Augenschein von dem Fortgang seiner Gründung. Aber HcrrBongh'i ist alt, und der Weg vom Bahnhof von Anagni nach dem Institut ist ein paar Kilometer entfernt. Wie schön wäre es, dachte der kleine Cxministcr, wenn Gott mir, anstatt zahlreicher Ehrenämter, ein ansehnliches Pairimonium bcscheert hätte! Denn dann hätte ich nicht nur nicht nöthig gehabt, siir Herrn Perino das Leben Jesu zu schreiben und damit mein Seelenheil in Gefahr zu bringen, sondern könnte mir auch ein hübsches Coupce, magari mit nur einem Pferd, halten und brauchte in meinen alten Tagen nicht zu Fuß durch den Sand nach, dem Institut zu waten. Auf der ganzen Rückreise von Anagni nach Rom liefj ihn der Traum von Wagen und Pfcrd nicht loZ und umstrickte so sehr seine Sinne, daß cZ ihm schließlich unmöglich schien, sich wieder, an die rauhe Wirklichkeit zu gewöhnen. In dieser Stimmung legte er sich einen kühnen Plan zur'echt. an dessen Ausführung cr auch gleich ging. Bonghi genießt den Vorzug, zum intimen Cirkel der Königin zu gehören, und hat in Folge dessen stets Zutritt zu ihr. Als er bald darauf der Konigin seine AufWartung machte, erzählte er ihr mit dem derschmitcstcn Lächeln, daß der König ihm ein Pferd geschenkt habe, aber"', fügteer mit einer Grimasse hinzu, was thue ich mit dem Pferd? Reiten kann ich nicht mehr und um das Thier sonst zu verwenden, fehlt mir ein Wagen." O", sagte die liebenswürdige Königin zu ihrem greisen .Freund und Berather, wenn es uur das ist, sc kann ich Ihnen leicht helfen. Gehen Sie in die Wagenremife und suchen Sie sich dasjenige Gefährt aus, das Ihnen am geeignetsten scheint. Sie wissen, onorovols, wie ich mich freue, Ihnen gefällig fein zu können." Ter norsvolo Bonghi erschöpfte sich in tiefempfundenen Danksagungen unö z?g, glücklich, daß sein Plan ihm schon halb gelungen, von bannen. Er ließ sich beim König melden, um ihm irgend einen Bericht zu erstatten, und erzählte darauf, welche Gnade ihm heute Ihre Majestät erwiesen, aber," fügteer mtt einem süßsauren Lächeln hinzu, was nüht mir der Wagen, da ich kein Pferd habe?" Hat Ihnen die Königin einen Wa gen geschenkt, onorovolo, so müssen Sie mir gestatten, das Pferd dazu zu stellen. Sie werden das einem alten Freunde nicht abschlagen !" Was blieb Herrn Bonghi jcht übrig, als anch das Pfcrd anzunehmen? Angenommen nun aber, die Geschichte fei wahr und nicht nur gut erfunden, so wäre es am Ende ganz interessant, zu erfahren, wie und wo sich der gute Bonghi das Stiemenzeug und das Futter für den Gaul vcrfchafst hat. Wahrscheinlich ist er dann zu irgend einem seiner aristokratischen Freunde gegangen, hat ihm seinen Geniestreich erzählt und ihn mit einem gewissen Lächeln gefragt, was ein armer Staatsrath und Journalist mit Wagen und Pfcrd machen soll, wenn es ihm an Futter und Stallung dafür fehlt, und der aristokratische Freund hat es sich dann zur Ehre angerechnet, das Bonghi'sche Noß im eigenen Marstall auf. zunehmen. Wie gesagt, wenn die Geschichte wahr ist! Ist sie abr nur von irgend einem ' doshaften Colleaen des Herrn Bonghi erfunden worden, so wird rili. v v .". . r . . ix. . r . 2iicmui vuruocr io qerjuaj laqen, wie dieser selbst, auf die Gefahr hin, dabei für einen Moment sein Auge monocleentblößt der Welt zeigen zu müssen. Ein Kameruner i o t r zahlt der Zeitgeist" ist nach Teutsch, land gekommen. Ueber den Eindruck befragt, den die neue Welt auf ihn mm'', erklärte er: Alles arbeitet in diesem Lande. Mann arbeitet, Frau arbeitet, Kind arbeitet, Pferd arbeitet, Ochs und Esel arbeitet, Dampf arbeitet, Wasser arbeitet. , Bloß Schwein, arbei tet nicht. Schwein ist der einzige Edel mann im Lande.--6 ife zum N e i üi gen v oK Metallen aller Art. Man bereitet eine Seifenlösung, indem man 3 Kilozrm. Kokosseife zerschneidet und in möglichst wenig Flußwasser bei gelinder Wärme auflöste so daß eine breiartige Masse ent steht. Hierauf werken auf die angegebene Quantität Seife 500 Grm. Eng lischroth mit etwas Wasser t angerieben sodann 150 Grm. kohlensaures Ammoniak zugebt und nachdem auch hier eine gleichmäßige Masse erzielt ist obige salbenartige Seifenlösung, welche gehörig erkaltet sein muö, unter Umrühren zugefetzt. ! Die Waffe wird zum Ee brauch in steinernen Büchsen, welche mit Glase zu verbinden sind, aufbewahrt.
Die Entführung.
Humoreske eus drm New yorZer Lebe vc H. WsldZchmiSt. In einer engen Straße der Ostseite New )or!s standen zwei fünfstöckige .doppelte" Flat-Haufer. Ueber dem Eingang des einen Hauses prangte der stolze Name Eldorado"; jedoch das andere hatte eine noch mehr verheißende Benennung erhalten denn Paradise" war deutlich, in gro ßen Lettern, über dem Portal zu lesen. Im Eldorado" wohnten zehn Familien mehr oder minder friedlich zusammen. Zu ebener Erde, links, hatte ein plattdeutsches Elternpaar mit acht Gören" sich eingenistet; rechts wohnten zwei zimperliche anglo-amcrikanische alte Jungfern. Direct über den Häup tcrn der jungfräulichen Miether hauste eine schwäbische Familie mit sechs Söhnen verschiedener Altersftuscn. Ter Acltcste war schon flügge" und sollte bei der nächsten Wahl zum ersten Mal sein Mannes- und Bürgerrecht ausüben und da reguläre straight domokratic ticket stimmen, während die drei Jüngsten noch im Flügellleide d. h. in kurzen Höschen und wie die alten Jungfern behaupten in schwer--sten Holzschuhen, umhertrampelten. Daß nun die beiden ältlichen Fräuleins. welche Ordnung, Regelmäßigkeit und namentlich Stille und Ruhe liebten, von ihren lärmenden deutschen Nachbarn von Oben, sowie von Links, gepeinigt wurden und, daß sie die wilden tobenden little Dutch rascals" Haßten und beständig beim Landlord verklagten, läßt sich wohl denken. Ferner befanden sich noch zwei ir ländische und eine schottische Familie im Eldorado"; ebenso ein französischer Koch, der eine irländische Frau hatte. Im Top-Floor" links hatte sich ein gebildetes deutsches Künstlerpaar ein Portrait-Maler und dessen Gattin, die beide bessere Tage gesehen hatten einquartirt, nd rechts wohnte ein derder Schweizer mit seiner Frau und einer erwachsenen Tochter, Namen? Anneli. Wie das nun gewöhnlich der Fall ist. so waren auch hier im Laufe der Zeit die drei deutsch-sprechenden Familien mit einander bekanntgeworden und, in Unbefangener konnte ein sonderbares Kauderwelsch ein Gemisch der schwäbischen, schweizerischen und plattdeutscheu Tialekte vernehmen, wenn er die Unterhaltung der drei versammelten Familien belauscht hätte. Doch .Amor kennt keinen Dialektunterschied, weder Nord noch Süd, und feine Pfeile treffen ebenso, sicher aus blauen, wie aus braunen, schwarzen, grauen, oder grünen Augen, und es gejchah, dan die blondköpflge, blauäugige Anneli Bergle und der braunlockige Stephan Efchler, der älteste Sprößling der Schwabenfamilie, sich in cin.idcr verliebten. Zuerst wagten sie nur schmachtende Blicke auszutauschen, doch bald wurde der Höndcdruck beim Gutcnachtsagen" stärker und länger als geradezu nothweüdig, und als einmal das Annelz nach zehn Uhr Abends noch Kohlen aus dem Keller holen mußte, passirte es, daß der Janitor schon alle Gasflammen in den Korridoren ausgedreht hatte. Im Dunkeln tappte sie nun drei Treppen hinunter und wollte gerade an der zweiten Etage vorbei, als sich plötzlich eine Thüre, öffnete und wieder schloß und Stephan Eschler in dem sinstern Gange neben ihr stand. Er stüsterte ihr leise ein paar Worte zu und suchte ihre Hand zu fassen. 4 Anneli that sehr erschrocken und wollte ortloufen, doch Stephans starker Arm chkang sich um ihre Taille und Na, es ist die alte Geschichte, doch bleibt t ewig neu." Ter geneigte Leser und die liebenswürdige Leserin haben vielleicht schon Achnlichcs erleb!, und werden sich daher selber ein Phantasiebild der beiden jungen Leutchen und der Liebessccne im Korridor, ohne mein Dazu thun, machen können. Schließlich stieg Arnieli mit dem Kohlencimer in den Keller, doch auf ihren Lippen brannte der erste Licbesluß. lnnclis G'sichtli ischt ganz roth. So hoch stciga dcrtraogts holt schlcacht," sagte Frau Bcrlc zu ihrem Mann, als die Tochter mit hochrcthcn Wangen wieder eben angelangt war und den Kohlcnlessel vom Dumbwaiter" abbob. Stephan und Anneli beschlossen, ihr zarics Pcrhältniß vorläufig noch geheim zu halten. Selbst , die Eltern sollten nichts erfahren, bis in fünf Monaten Stephans einundzwanzigster Geburtstag gefeiert werden sollte und dessen Batcr, feinem Versprechen gemäß, den Sohn zum Partner im Butcher"-Ge-schäft machen würde', denn Stephan war bis zetzt nur ein Gehilfe gewesen und hatte Nichts als ein geringes Gehalt, welches kaum seinen Lebcnsanfprüchen genügte, geschweige denn zur Sparsam' kcit Anlaß geben konnte. Dch Verliebte wollen sich manchmal unbelauscht sprechen.' und können' sie das nicht, dann müssen Briefe ausgetauscht werden. das weiß Jeder; daher beriethen sich Stephan und Anneli über , die Möglichkeit , eines ,, heimlichen Stelldicheins oder einer geheimen Eor respondenz. r.'. v ,,, MUM Tiefe ' Unterredung fand Siederum im Eorridor statt nur mit dem Unterschiede. daß diesmal Holz, statt Kohlen, geholt wurde. Nun war guter Räth theuer, denn Anneli durfte niemal ohne Begleitung von Vater oder Mutter ausgehen, da der alte Vergle seine europäischen Ideen über Mädchenerziehung noch nicht amcrikaninrt hatte. Nebenbei hegte er noch die Ansicht, daß die Straßen New Jorls von Strolchen wimmelten. Auch dem Schreiben setz tcn sich berghohe Hindernisse entgegen, denn Annelis Mutter hatte den Schlüsfel zu rA. Lettcr.B 05" und einen Boten vürden die Eltern ganz j gewiß abfan-
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gen; doch die Liebe findet immer einen Auöwcg und macht, sprichwörtlich, erfinderisch. Die Familien Bergle und Cschler wohnten, wie schon gejagt, beide auf der rechten Seite des Hauses. Auf und nieder zwischen ihnen schwebte der stumme Kellner", welches die wörtliche Ueberfepung des englischen Wortes Dumb-'waite?" ist. Tiefer TumbWaitcr" wurde nun zum Postillion d'Amour" erwählt. Der stumme Kellner", der immer nur gemeine Asche, Kohlen, Abfälle u. f. w. transportirte. beförderte nun zärtliche Liebcsergüsse. Des Morgens wartete Stephan, bis Frau Bergle, den Marktkorb am Arm, die Treppen herunter getrippelt kam, um seine Mutter und 'Frau TütZens abzuholen, da die drei Frauen ihre Ein käufe täglich zusammen besorgten und zwar immer fchr früh Morgens, bevor die besten Sachen ausgesucht waren. Nun war Anneli allein in der Küche, da Herr Bergle ein Schneider war und im Vordcrzimmer nähte. Ein leiser Pfiff war das Zeichen, daß eine Botschast auf dem Brette lag. Anneli zog nun .den Strick an. der Liebes böte flog hinauf und wieder hinunter mit Annelis Antwort, und so ging es täglich fort, bis sich Etwas ereignete, das diesem Treiben ein schnödes 'Ende machte. Shakespeare sagt sehr richtig; The course of true love never did rnn smooth!" und Schiller spricht: Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ewiger Bund zu flechten" u. s. w. Doch weiter!" Ich' habe bereits erzählt, daß zwischen Eschlers und Bcrgles Flat zwei Etagen lagen, welche von den zwei irländischen Familien be wohnt waren. Wir wollen diese Miether O'Reilly und McFadden nennen.' Eines Morgens erwartete Mrs. O'Rcilly ihr tägliches Eorned-Beef" vom Fleischer, und als sie den DumbWaiter" rollen horte, 'wartete sie. bis dcrsclbeihrc Wohnung erreicht hatte und hielt dann den Strick fest. aber. 0 weh statt des erhofften Fleisches lag nur cinwcißes,zvfammengefaltetcs PaPier auf dem Brette. Mrs. O'Reilly's Herz erbebte, denn sie war sich bewußt, in des Butchcrs" Schuldbuch eine große Rolle zu spielen, und glaubte nun, ihr Credit sei zu Ende und statt des bestellten Leckerbis scns läge eine Rechnung da. Mrs. O'Rcill erkannte sofort die fetten Och sen. sowie das Lamm und das Schwein, welche die Rechnungen des Fleischers Cschler zierten; doch da die Bildung der Jrländerin die Lcsekuust nicht mit sich einschloß, so steckte sie den Zettel in die Tasche und stieg hinab zu ihren Freunbinnen, den alten Jungfern Smith im ersten Stock und bat dieselben, ihr die mysteriösen Hieroglyphen zu entziffern.
Die Fräuleins Smith sahen nun deutsche Buchstaben in dichten Reihen auf die Butcher" Rechnung geschrieben und diese 'Schrift war ihnen ebenso fremd. w:e der Mrs. O'RciffY; doch auf der Kehrfcite des Papiers war in lateinischen Buchstaben deutlich zu lesen: Für Annerl Bergle", deshalb sagte die älteste Miß Smith: ' Die Rechnung ist nicht für Sie, Mrs. O'Reilly; die ist für Bcrgle's am ..Top-Floor". Sehen Sie nur, wie dicht sie beschrieben ist; na, die müssen dein Butcher" ein nettes Stückchen Geld schuldig sein." Als sie diese Botschaft erhalten, entfernte sich Mrs. O'Reilly wieder und begab sich sofort die vier Treppen hinauf nach der obersten Etage, woselbst sie die vermcintlichz Rechnung Hcrrtl Vergle persönlich übergab. , Erstaunt eröffnete der Schweizer das Schreiben und ersah daraus, daß er hintcrgangen woiden sei und daß sein einziges Töchterchen ein heimliches Liebcsvcrhältniß hatte. Seine Wuth war grenzenlos und nachdem er feiner Tochter. eine ellenlange Strafpredigt gehaltcn. hätte cr sie, trotz ihrer zwanzig Jahre, noch mit einer Tracht Prügel lraktirt. wenn seine Frau nicht bcsänftigcnd dazwischen getreten wäre. Schließ lich schloß cr sie in ihre Schlaskammer ein, damit sie keine Botschaft, weder durch den Dumb-Waiter", noch durch ein Fenster erreichen konnte; denn , nur eine sogenannte Shaft" gabdcmZim merchcn Licht und Lust. In diesem trüben Gefängniß seufzte nun die arme JnliaAnne!i, indeß ihr schwäbischer Romeo ganz verzweifelt sich geberdcte, da der ' alte Bergle ihm derb die,Mcinung gesagt und ihm alle Hoffnung auf Annelis Besitz genommen hatte. Natürlich verstärkte dieses Verfahren feine Liebe, und er beschloß, wenn es sich nur irgendwie machen ließe, ! seine An neli sofort zu. heirathen. Betrübten Herzens suchte er nun Mrs. TütjcnS.'die plattdeutfche Nachbarin. auf. Mrs. Tütjens genoß den Ruf einer Weisheitsgöttin unter ihren Bekannten. Sie war nicht allein klug, sondern auch praktisch und hatte schon manchen guten Rath ertheilt, der Friede und Geld eingebracht hatte. Der arme Stephan machie'nun MrS. Tütjens zur Vertrauten seines Unglücks und bat um ihre Hilfe. . , .Jk globe, ik kann Sei helfen. Mr. Eschler. Kommen Sei Morr'n wieder üm diese Tid her. do wceß ik Bescheid," tröstete Frau Tütjens. " ! ;; Nachdem der junge Eschler sie verlassen hatte, b'suchte Mrs. Tütjens ihre Landsmännin Mrs. Pctcrson, im Nebenhause, Topfloor, links. . " ' l'4vrTK ; V - -w "i; i r-- ir - Ti ! ' l "' Die beiden Freundinnen hatten nun eine lange Konferenz und schließlich degab sich Mrs. Tütjens nach Hause, wo am folgenden Tage Stephan sie wieder aufsuchte. Doch diesmal giug er mit leuchtenden Blicken und mit vor Glück strahlendem Gesicht von dannen und überschüttete beim Abschied die kluge FrauMitDantefe äß Am Abend des selben Tages erschallte plötzlich ein solches Geschrei und Gezeter im obersten Korridor des .Eldorado, 1
haß alle Miether erschrocken aus lhrerl Wohnungen kamen. Ls.ors-HIsu, u'st-OS qeu cela?; fluchte der Franzo'.e. BegoTHL, and iVs a fo;r.e noisa jeVo a making in a dacent liousöt ye dirtny smiterhen je' schimpfte der Jrländer. tlxe caoso of tlia clatter je gao us?" inquirirte der Schotte. Onl j a low dutchraan wpuld creato such a isturbancei" Höhnten die alten Jungfern. ..Wos'isch des fer a Glchrei!" mischte sich des Württemdergers Stimme iudas allgemeine Chaos. Ja. a G'schrei. frili jo, a G'fchrei." rief uun der alte Schweizer Zurück. Soll iach niacht fchria, wenu met Anneli aus dem Kämmerli verschwunden isch? Aus dem Fensterli muaß es g'sprunga si.das arme Tröpfle denn es ischt fort hört Jhrs. Ihr Lut? Anneli, das liagt g'wiß da, unta dodt und iach bin Schuld d'ran iach Unmensch iach'" Na, beruhigt hei sich nor. Herr Bergle. Dös Anneli is nich taudt.ader im Paradies is sei." .Im Paradies? Woas meine Se, Frau Tütjens?" Im ?!ebenhus, meen' ick im Paradies, bei Mrs. Petersen is dös Anneli. Na, seih'n Se, Herr Bergle, de Ste phan un dös Anneli, die fin sick holt gaut un dös Hot mick gedoert. dct sei sick nich kriegen soll'n un det Sei dos An neli inspunnt hewn. Do bin ick tau Mrs. Pctcrfen gauh'n. denn dort is en Finster in de Slapstuw', un döS Finster lugt in de Shaft un is nur drei Fut von Annelis Finster fern, so dös ick mit dös lciwe Tirn snacken könnt. Un do hcw' ick denn en' Plann uSgedenkt 1 a den Vlaun hcw ick den Stephan mitgetheclt. D'ruf is de Stc phan am Abend in Mrs. Petersens Flat 'rup kümmen un Mrs. Petersen hoteen Tischbrctt von Finster tau Finster über dös Shaft gelebt un uf dös Brett is dös Anneli in Petersens Flat 'rin gerutscht. Drüben wor de Siepban un dann sin fc tausammcn kaum Psorrer gauhn un h.'wn sick trucn lätten un dät wor 0! dös Best, wat se dhun tonnten. Sei können ganz rauhig sein. Herr Bergle. Ter Stephan is en tüch tiger Autcher un en gauter' Jung'. Das Anneli hätt' ok siimmcr dauhn können. Es is schon spät. Woll'n Sei nich' slapcn geihn, Herr Bergle? Kut'n Nacht, Herr Bergle, gut'n Nacht! Chinesisches.
ES ist vielfach die Meinung rerbrei tet. daß man in ganz China nur eine Sprache die chinesische spräche. Es ist allerdings richtig, daß die Äe völkerung Pekings sowohl wie Cantons, Ehanghais. Fütsafaus und Amoys chinesisch spricht, doch ist eS andererseits ebenso wahr, daß nicht einer der Einwohncr irgend eincS der genannten Plätze den anderen bc'sser verstehen könnte, als wie der Berliner den Lon doner, oder der Pariser den Hollän der. Die Natur der verschiedenen Tialecte Chinas hat nichts mit dem Paiois" oder dem bloßen Umgangs" Tialcct gemein; sie werden sowohl von den höchsten Ständen, wie von dem ge wöhnlichen Volke gesprochen, von den Gelehrten ebenso wie von der unwisscn' den Menge, vom Beamten wie vom Kuli. Der Tialect ist eine besondere Sprache, eine der vielen und bedeutend von einander abweichenden Sprüchm, die nW, in China vorfindet. Sie sind allerdings mit einander verwandt und stehen zu einander in demselben Ver HMlnifc, wie das Arabische zum Hebräi schen, Syrischen und anderen scirnii fchen Sprachen, oder wie das Deutsche zum Englischen, Holländischen, Täni schen. Schwedischen u. s. w. Wollte man diese zahlreichen .Dialekte .verallgemeinern, so könnte man. wie der ostastatische Lloyd ausführt, sie in folgende acht Haupttlassen einthei' len: Das Cantonesische. den Hakka-, Amoy-, Swatau-, Shanghai-, Ring po-Tialekt, das Hainanesische und das Mandarin. Von diesen Sprachen istdie letztgenannte die jüngste; dies wider legt die allgemein verbreitete Ansicht, daß das Mandarin die Sprache Chinas ist und die änderen Sprachen nur Dia lekte sind, das Cantonesische ist mehr als das Mandarin der alten Sprache Chinas ähnlich, die vor etwa 3000 Jahren gesprochen wurde. Die am meisten verbreitete Sprache ist das Mandarin, das in dieser Form oder jener in vierzehn oder fünfzehn Provinzen von den neunzehn, in welche China getheilt ist, gesprochen wird. Schätzt man die Bevölkerung Chinas auf 360,000.000 Einwohner, so sprechen wohl Z00. 00.000 davon das Mandg. rin. Alle Mandarine müssen diese Sprache kennen, und alle, die sie noch nicht sprechen können, müssen sie ler nen. ' Die anderen Sprachen Chinas wer den von einer kleineren Anzahl von Menschen gesprochen, immer ober noch einer bedeutenden.'. So sprechen etwa 20 Millionen das Cantonesische in einer Form oder der anderen. Die Einfüh rung einer einförmigen Sprache in China anstatt der zahlreichen fogenannten Dialekte ist nur ein Traum für's erste wenigstens. Bor. ungefähr 200 Jahren ließ Kaiser Kang-Hi in der schiedenen Theilen des Reiches bchuss dieses Zweckes Schulen Herrichten, doch führte der Plan zu keinem Ziele. Daß China in Zukunft gewissermaßen eine eiiiheitlicheZSprachechabenKwir scheint jedoch nicht unwahrscheinlich, und das Mandarin dürfte schließlich di Staats- und Volkssprache des ganzen himmlischen Reiches Httden7H. l'-:i-:S e i n Standpunk t!;"? Ick weetz nich, det sich die vornehmen 9ms immfr W in TOnm itn I , V, '." ' ' "V CV !!: inV Sr v,,, k t-O XAJt. :. IWV V.41 MI V VIUV ! llllUil nri
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