Indiana Tribüne, Volume 15, Number 266, Indianapolis, Marion County, 12 June 1892 — Page 6
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Um Psingsten. Wieder einmal hatte sich das Wunder öollzszen, das alljährlich wiederMi und uns doch immer wie etwas dnerwartetes, in gleicher Pracht nie DagewefeneZ überrascht. Baum und Busch prangten mit Blüthen und zarfern Laub, die Rasenflächen im Pari leuchteten im saftigsten, jungen Grün, die Rosen dufteten, jedes Büschel 11 kraut sah wie etwas ganz Kostbares aus, jede Butterbhzme glänzte wie em goldener Tropfen, förmlich übermüthig jchaütm von Nah und gern die Vogel stimmen. Mein Herz thu' dich auf, daß die Sonn' hinein scheint. Du hast jetzt genug lang geklagt und geweint. Fass' wiederum Muth, Du jungfrifcheJ Blut, Wein Herz thu' dich auf, denn die Sonne meint's gut. Eine junge Dame in abgetragener Traucrklcidung, die aus einer .Bank im Parte saß, las diese Verse aus einem ziemlich abgegriffenen Büchlein. Jung friedet, der Spielmann", von August Becker, stand auf dem Titelblatt, und auf der letzten Seite konnte man von der schönsten Schulmeisterhand geschrie den lesen: Seiner lieben Schülerin Helene Burkard zu freundlicher Erinne rung, Leopold Tannhcim." Das Mädchen in Trauer war auffallend schon. Kein Spaziergänger kam an ihr vorüber, ohne sie dewun öernd sNzusehen, sie aber schlug die Augen nicht auf; in dem alten Buch lein blätternd, waren ihre Blicke auf die Widmung gefallen und hafteten nun wehmüthig auf den geschriebenen Worten. Und fo entging es ihr, daß ein langer hagerer Mensch, der vorgebeugt ging und die rechte Schulter höher trug als "die linke, wie Einer, der viel zu schreiben gewöhnt ist, der eine Brille vor den kurzsichtigsten und wohlwollend sten Augen von der Welt hatte, und dessen Haar und Bart sehnsüchtig nach der Schccre eines Barbiers verlangten, bei ihiem Anblick wie in ungläubigem Erstaunen stehen blieb, zögernd vorüberging, als mißtraute er seinen Au gen, umkehrte, wieder vorbcifchrikt. den hals zurückgedreht, seine Brillengläser förmlich auf dem jungen Mädchen festheftend, so daß aus einer Schaar jrni ger Männer, die den sonderbarm Gejellcn vorhin sehr höflich gegrüßt, der Ruf erschallte: Der Himmel fällt ein, Dannheim vom Columbia-College wird ein Don Juan." Zuletzt schienen feine Zweifel über wunden zu sein. Mit ausgestreckter Hand blieb er vor der Lesenden stehen. Helene. Fräulein Helene, sind &u es wirklich ? Was im Namen aller guten Geister führt Sie nach New York? Und wie gehl es Ihnen ein Blick auf ihre Trauerkleidung ließ ihn die Frage nach ihren Eltern unter drücken. Bei seinem Anblick war eine freudige Rötheder Ueberraschuna. über ihr Gesicht geflogen, jetzt füllten sich ihre Augen mit Thränen. Meine Eltern find beide todt, - sprach sie. Wußten Sie nichts von all den Schicksalsschlägen, die wie ein Hagel schauer über unser einst so glückliches Haus niederfielen?" Er schüttelte den Kopf. Zu dem in ferne Wisjmschast vertieften Alterthumsforjcher, der als unbekannter Privatleh rer vor etwa sechs Jahren in New Bork gelandet war und sich in dieser kurzen Spanne Zeit einen hochängesehenen Namen in der Gelehrtmwelt und eine Professur an der vornehmsten Lehranstatt des Staates erobert hatte, drangen nur spärliche Nachrichten aus, dem be schrankten Kreise, in welchem der ver waiste Schullehrcrsfohn lernend und lehrend feine Jugend verbracht. Er hatte davon geHort, daß der größte Fabriksher feiner Heimathsstadt durch den Leichtsinn feines SohncZ (der ein verdorbener Taugenichts schon zu der Zeit gewesen, als ihm Dannhcim. da mals selbst noch ein blutjunges Bürsch lein, als Correpetitor" seine Ausgaben eingepaukt, sem Vermögen eingebüßt. Aber erst jetzt erfuhr er; daß der alte Vurkard den Zusammenbruch seines Hauses nicht lange zu überleben dermöcht und daß ihm feine Frau, gebrochen vor Graul über die Lebensweise des stets von ihr bevorzugten Sohnes, bald nachgestorbcn sei. Merkwürdig war es, daß der Profef'or trotz seiner Unkenntniß der Verhältniste die junge Dame sogleich mit Fräulein Helene angesprochen. War es, weil sie so mädchenhaft aussah. oder weil ihm jetzt nach sechs Iahren der Gedanke, sie vermählt zu wisjen, noch iinmcr unfaßbar und unerträglich erschien. Als er die Heimath verließ, hatte sich seine ehemalige Schülerin, die zudem schönsten und gefeiertesten Mäd cken der Stadt herangeblüht war, mit einem jungen Assessor, dem besten Tänzer und gewandtesten GescllschastZmcn Ichen landauf und ab verlobt. .Unö meyr als die engen Verhältnisse daheim, mehr als die geringe Aussicht, sich eine Stellung zu erringen, hat ihn diese Verlobung aus der Heimaty getrieben. Er liebte Helene, aber es wär eine fo grorze und tiefe Liebe, l sg selbstlos und bescheiden, daß er kaum etwas für sich gefordert, daß er sich still zurückgezogen hätte, wenn sie einem würdigen Bewerber die Hand gereicht hätte. Aber ihm, war manche dunkle Seite im Eharatter, ihres Bräutigams be-: kannt geworden, , er wußte, daß der hohle hcrzZose Geselle das Mädchen un glucklich nlüchen werde, und in seiner tiefen Sorge um sie, hatte er zu warnen, ihr diese Verbindung zu.widerrathen gesucht. :. Mit welchem Erfolg, läßt sich denken Eine vollständige Entzweiung zwifiten ibm, und , der Familie Aurkard fand statt, der Assessor, dem Mannheims Julrig'.'c" . gegen ihn bekannt geworden, .machte ihn zum Stichblatt seiner verletzenden Wiye, in der ganzen Stadt
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wurde gegen ihn gehetzt, die armselige LehrersteÜe am, Gymnasium, die er pro visorisch bekleidete, wurde ihm verleidet. So schied er aus der Stadt und turnt derte aus. Helene unterbrach sich plötzlich in oem Bericht über den Tod ihrer Eltern, das Verschwinden ihres Bruders, der sich nach Süd-Amerika gewandt haben sollte, den vollständigen Verlust ihres Vermögens, die Erinnerung an die Art und Weife, wie Leopolds Freundschaftsdienst belohnt, dessen Werth spätere Crlebnisie ihr nur zu deutlich gemacht, war in Ihr aufgetaucht. 23er wirrt sprach sie: Ich erzähle Ihnen alle diese trübst tigen Begebenheiten, ohne zu bedenken, daß Sie sich schwerlich viel Interesse sür die alten kleinlichen Verhältnisse bewahrt haben können." Glauben Sie das wirklich, Helene?sagte er und sah sie mit feinen ehrlichen Augen vorwurfsvoll an. Es wäre nur zu begreiflich, zu verzeihlich." sprach sie traurig, ich an Ihrer Stelle hätte auch die Erinnerung an die alte trübselige Zeit hinter mich geschleudert, um nie wieder einen Blick nach ihr zurückzuwerfen."' Su an meiner Stelle Würden ebenso wie ich in lebhaftester Spannung jedem Wort lauschen das Ihnen unvergeßliche Tage zurückruft, und nicht genug hören können, wäre der Bericht auch, was aber leider nicht ist. fo lang und ausführlich wie die Akten des weiland deutschen Reichskammergerichts: Ich kann mir nur meine Frage beantworten. was Sie nach New Jork geführt. Sie wollten selbst den Kampf mfDa sein ausfechten, sich einen selbstständigen Wirkungskreis schaffen, und zogen es vor, dies im' neuen Land statt unter den mitleidigen und neugierigen Augen Ihrer und 'meiner geschätzten Mitb'ür gerinnen zu thun. Ich finde dies seh? löblich, habe aber von Ihnen nichts anderes erwartet. Nun aber quält mich die Unwissenheit in einer anderen Nich tung; verzeihen Sie dem alten Freunde, to darf ich mich doch nennen? die scheinbar rücksichtslose Frage, über die Sie bisher kih Licht zu verbreiten für gut befunden. Wie ist Ihr tapferer Plan in der Ausführung befchaffen? Was thun und treiben Sie in New Aork, wel ches ist Ihr Beruf?" Sie erröthete und lernte in einer Ver legenheit den Kopf, die einem minder beschäftigten .Beobachter (befchästigt, sich jeden Zug und jede Miene des mU zückenden, Gesichts von Neuem eütui prägen) hätte auffallen wüsten. Ich suchte mlch mit Gesanasunterricht durchzuschlagen- sprach sie unsicher'. Voll Theilnahme sah er sie an. Er wußte, was es hieß,, ohne Freunde, ohne Empfehlungen m der unaefunden wildfremden Stadt gegen eine gewaltige Armee von Mitbewerbern Lectioncn zu suchen. Er baue es durchgemacht und ibm, dem Manne, wären bald die Schwingen dabei geknickt worden. Es war ein großes Unrecht, daß Sie sich nicht an mich gewendet. Mein Einfluß ist vielleicht nicht seht groß, aber ich hätte Ihnen behülflich sein'können; und welche Freude mir dies igewährt, brauche ich Ihnen wohl nicht zu schildern". S'e schüttelte stumm den Kopf. Ihn hätte sie von allen Menschen zuletzt um Beistand angeben können. Ihn, dessen Liebe sie mit Füßen getreten, um sich mit einem herzlosen Egoisten zu verlo ben. Sie sprach ihren Gedanken nicht aus. Nur daß sie das Recht auf einen zweiten Freundschaftsdienst verwirkte", als sie den ersten so schnöde zurückwies Der Zufammenbruch ihres Vermögens hatte, wie sie hinzufügte, bewirkt, was ihm mit seiner treu.en Warnung miß glückt war. Ihr Ton klang bitter, und o entschlüpfte ihm die Frage: Hat die Trennung von Werner Steinbruch Sie so tief gekränkt?" Nein," sagte sie, es war eine Er1 lösung. Ihre Wortechafteten doch tiefer, als Sie und ich gedacht, sie schärften mir die Augen, bald erkannte ich die bodenlose Selbstsucht, an die ich mich in kindlicher Verblendung gcfes felt hatte. Aber ich'war'em thörichtes Mädchen, ich fürchtete'das Aufsehen, das Gerede, und hätke der Zusammen bruch unseres Vermögens dem Herrn Assessor den Rücktritt nicht selbst wün schenZwerth gemächt, dann, wäre ich mit sehend? Augen in mein Elend gerannt." Plötzlich brach sie ab und, erhob sich: J5s wird i spät, ich , mujz nach Hause. Es hat mich von Herzen gefreut. Ihnen begegnet zu sein. Professor, leben Sie wohl!" ,; Eilfertig wollte sie Abschied nehmen; aber et war doch nicht mehr , so ganz der linkische schüchterne Schulmeister von ehemals. , O. so leichl schütteln Sie mich nicht ab, Helenes - Wenn Sie mir nicht erlauben wollen, neben Ihnen herzuzehen, dann hefte ich mich als Detectiv an Ihre Fersen, um Strafe und Hans, die Sie beherbergen. auZzukundschaften." ..... , , ' Sie werden wenig Erfreuliches ent decken, ich warne Sie!" rief das Mädchen in aufbrechender Bitterkeit. ..Ene ärmliche Straße, zu beiden Seiten in gefaxt von verwahrlosten, von Men lchen . wimmelnden , Zinshäusern, im obersten Stockwerk des einen ein kleines, cinfcnstriges Kämmerchen,,, angefüllt ml Flittcrkram und Notenblättern, sas Stäbchen enrn Eomödiantin. die Abends in Gcfellschast von etlichen Dutzend geschminkten Gefährtinnen blödsinnige Cpcrettenchore singen wird. Morgen trete ich zum ersten Male auf, heute feiere ich hier im Park meinen Abschied vom Privatleben.;i Er wurde blaß: endlich murmelte er: Das dürfen Sie nicht, das sollen Sie nicht, Helene." ..Erschreckt Sie meine vielversprechende Laufbahn so sehr? Sie" find vorurthcilsvoll. Professor. Sehen Sie,
wie recht ich hatte, dab ich Sie nicht U nur gehe lassen wollte?''. Statt jeder Antwort legte er ihren Arm in seinen und wandte sich mit ihr zum Gehen. Weniger schroff, als bisher, sprach sie weiter: , . .Ich kann nicht behaupten, ,datz ich von einer unwiderstehlichen Leidenschaft für die Bühne befallen worden bin;, im Gegentheil, aber ich habe einige Atrnei guyg gegen das Verhungern,, und die verschwindend geringe Anzahl von Schfc lerinmn, die von meinen Gesangskennt nissen Nutzen ziehen, verstreuen sich im Sommer in's Land hinaus. Da bleibt mir kaum etwas anderes übrig, als dem Rath und Beispiel einet Stubenachba rm zu folgen, die im Chor des Kasino" singt. Sie waren in ein, dichtes Gehölz ge, treten; die Sonne sandte goldene Kreist durch das junge Laub, die Vögel schmet terten eine Jubelsymphonie. Danncheim faßte ihre beiden Hände. - Helene, das Leben, dem Sie entge gengehen, wäre eine Hölle für Sie. Ich bin ein ungeschickter Gesell; vermuthlich wäre es schlauer, wenn ich einen anderen Zeitpunkt wählte, sür das.wasich Ihnen zu sagen habe; aber ich kann nicht länger schweigen. Sie wissen, was Sie mir sind und immer sein werden. Helene, retten Sie sich zu mir, in mein stilles Haus; werden Sie mein Weib." .Mollen Sie mich aus Mitleid freien?" fragte sie und lächelte traurig. Aus Mitleid." Ms ob Sie nicht wüßten, daß nicht nur um mich, sondern auch in mir bei Ihrem Anblick Pfingsten geworden, die Jugend zurückgekehrt ist. die Sonne wärmer scheint, die Vögel lauter singen, die Blumen stärker bis teNk So-stark ist der Frühling und das Glück in mir, daß ich nicht verzage, daß ich zuversichtlich hoffe. Du werdest dem langweiligen Burschen vor Dir einmal herzlich zugethan sein, Helene." Sie war es schon längst, war es be reits. als schwere Schicksalsschläge das verwöhnte, gedankenlose Kind des Glücks trafen und sie über den Werth des Ehrenmannes aufklärten, dessen Liebe sie einst verschmäht hatte." Und war sie auch zu bewegt, um dies auszusprechen, so stand es doch deutlichen ihren feuchtschimmernden, Augen zu lesen. Da ha! denn der Professor mitten in all' der Pfingstherrlichkeit auf einem, zum Glück menschenleeren, Parkpfade zum ersten male seine Braut an's Herz gedruckt. P. H a n. A' kloan's Hinderniß.
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Der Bada is a' glcheidta Mo', . Der Mensch und Vieh kuriren ko'; In Allem ss er bei der Hand, Und bringt' aa' os! a' Heirath z' Stand'. A' halbe Stund' lang sitzt er g'miß Scho' bei der Bäü'rin von der Riß; Die hat erst ihren Mann verlor'n Vor vierzehn Tag' iS f Wittwe wor'n. Er wüßt' ihr Ein'n, der sie gern möcht' Sei Such' war schö'. sei Hof nit schlecht. Er hätt'.im Stall a' zehn, zwölf Küh', Des waar' halt a Parthie für sie. Die Bäu'rin horcht an'.Bada zu, Wie er so redt' von Kalb und Kuh', Von Feid und Wiesen, Haus und Wald Der Bada sich: scho', wie'S ihr g'fallt. Und wie er endli' ernsthaft fragt, Ob f' Ja" zu dera Heirath sagt. Da moant die Bäuerin von der Riß, Die Sach' hätt' a' tloan's Hinderniß. A' Hinderniß? Und was für oan's?" .Ja"", sagt die Bäu'rin, oan's uns koan's; I' hab' mi'. nzoaßt, .die von' Woch'n Halt mit an' Ander' n scho' ver sproch'nZ"" Bestrafte Neugler. rn MM5'K mmiü ist Gast (zu seinem eifrig die Zeitung ftu)irenden Nachbar): Ei Herrcheses.mei kutestes Herreche, nähme Se 's doch nicht für ungut, aber das ist Se doch mal e scharmantes Thierche! IS denn das' wunderschöne Hundche Jhnc. mei KuteUcr? ,, , Zeitungsleser: Pluto! zeige dich! ' Grund genug. WeZhalb spricht der Müller mit, Ihnen nicht? ; Der ist auf mich böse. ' WeZhalb denn? Nun. ich hab' ihm 'mal 50 Mark geborgt, und die hat er mir noch nicht wiedergeben können, l Das, große LooZ in der Liebe ist die Freundschaft. ,
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Frauenrechte. , So AVoIphwB von HiNebrandt. Obwohl , ich von Natur kein Hasen herz bin, zittereich doch vor Deinem GroN, theure Marie, und vor den Fol. gen, welche die Zndiskretiorr meiner seits auf unsere Freundschaft haben wird, indem ich der Welt ein kleines Erlebniß übergebe, welches in Deinem Leben fchwarz angestrichen ist. i Fast niemals haben sie sich mit ein ander gezankt oder auch nur ernstlich mit einander geschmollt, sie war zu phlegmatisch, er zu vernünftig dazu. So hatten, die, Hammelbachs sechzehn Jahre in glücklicher Harmonie zusamwen gelebt, was nicht bei, allen Ehen der Fall sein soll, wie ja zweifellos dem Leser bekannt sein wird, wenn auch, so hoffe und wünsche ich, nicht ÄUs eigener Erfahrung, so doch vonr Hörensagen". Aber das kümmert, uns weiter nichts, wir haben uns nur mit dem glücklichen Familienleben unseres Freundes, Ham melbach zu beschäftigen. Mr. Hammel dach war ein gut sitmrter Bürger und Hausbesitzer öcr, zehnten Ward New Aork'natürlich. Er erfüllte seine Pflich ten als amerikanischer Bürger, indem er feine Stimme an der Wahlurne der Partei gab, welche Nzm für das Wohl des Landes am zuträglichsten erschien, als Teutsch-Amcrikancr aber hielt er sich verpflichtet, mehreren renommirtenDer' einen anzugehörew und auf diese zeitge, mäße nnd recht angenehme Art, für daZ Deutschtum" im Lande z wirken. Wir wollen nur gleich gestehen, dcj unlcr Freund ein wenig ehrgeizig ii und sehr stolz, wenn fein Name in den Zeitungsberichten im Vergnügungs' Eomite" glänzt kurz, Mr. Hammel' bach ist ein Mann, der nichts auf Erden verschmäht, was andeten Leuten auch mundet. Er freut sich, wenn dil Sonne scheint, ist zufrieden mit dem Wind, kümmert sich wenig um ' den Regen, macht jeden Scherz mit, lach! über jede Anekdote aus vollem Hälfe. ' Doch hat er mehr Bildung und Schärfe des Urtheils, als er anfangs verräth: genug, Fred Hammelbach iß ein Mann wie jeder Vereins, Schützen oder Sängerbruder es fein sollte. Als Gatte nnd Vater zweier wohlge. rathencr Kinder steht Mr. Hammclbach einfach großartig da. Keine Frau kann sich rühmen, größere, in allen Farben funkelnde Diamanten Ohr ringe, zu besitzen, als Mr. Hammel, bach sie präsentirte. Böse Zungen be Häupten, sie lege dieselben selbst Nachts nicht ab; aber wie gesagt, es gibt bos hafte, neidische ?Fenfche'n. Nun. Gott sc! Dank, man hatte es ja und Fred war gewiß kein Knau ler das, bewiesen die Summen, die er für die Erziehung seiner Sprößling verwendete. Eddie, die zwölfjährige, hatte für diese Generosität seines Mten" sreilich nicht das geringste Ver ständniß; er pfiff auf den gelehrten Krimskrams" und erklärte zu seiner Mama großem Verdruß rund heraus, sie möge den Gedanken, ihn als Herrn Doktor" in Ehren und Anfehen zu sehen, nur aufgebezz. Das fehlte noch die schönste Zeit seines Lebens, die vielgerühmten Flegeljahre", über den Büchern zu hocken, o nein. Eddie ist ein viel zu kluger Junge, hat er dies doch schon dadurch bewiesen, daß er sich Eltern aussuchte, .welche etwas vor sich gebracht hatten". Ganz ,das Gegentheil' des wilden, vorlauten Jungen war Anna, die fünf zehnjährige Tochter. Es ist ein zier liches. schlankes Mädchen, mit Augen, die das Blau des Himmels beschämen und dem seidenreichsten kastanienbraun neu Haar, das jemals zu Zöpfen ge. flochten wurde. Anna war der Liebling und der Stolz der Eltern, und sie verdiente diese Liebe. Nicht allein, haß sie in der Schult mit Auszeichnung lernte und ihre Lection am Klavier tadellos abspielte, sie war auch, ungeachtet ihrer Jugend, der Mutier eine Stütze in Küche und Haus. Es war im H'ammelbach'schen Hause eine kleine Wohnung leer geworden, welche von einer Wittwe bezogen wurde, mit Namen Schneuyerlich! Welch' ein vertrauter Name; kann aber ich dafür, daß sich diese Dame ohne Weiteres als Malvine v. Schneuyerlich" einführte? Obgleich ich nie viel Anlage zum Laub frosch gehabt habe, schien mir diese v. Schneuyerlich doch gleich unheimlich und ich prophezeite: Paßt auf, es gibt was? Und, : panI d'honneur, cs gab auch etwas, nämlich Aerger und Verdruß! Die v. Schneuyerlich also ist lang, spitznasig. hol- sie der Kuckuck,, sie verdirbt mir den Humor! Da diese v. Schneuyerlich aber eine Noe in meiner kleinen und wahren Geschichte spielt, muß ich mich wohl oder übel mit ihr a'bsinden. Wie es die schreckliche Person fertig gebracht hat, sich fo schnell in das Vertrauen der Mrs. Hammelbach einzuschmeicheln,' daß diese praktische Frau sich ganz von der bösen Sieben beherrschen ließ, ver mag ich nicht zu sagen. Thatsache ist, daß Z)?rs. Hammclbach , und die von Schneuyerlich , sehr, intime Frcudinncn wurden. ' ,': ,; ';- :; "..,; " ' : ; Die v. Schneuyerlich hatte neben all' ihren vielen Tugenden und LiebensWürdigkeiten auch vuv eine eifrige Verfechterin der Frauenemanzipation" zu JCmiM' ";:! v;!l: ,., i : . ' ,. n: , -;. ., .." $ii ' r Bis zu diesem Augenblick hatte sich Mrs. Hammclbach sä?; eine glückliche, ja sür eine sehr, glückliche Frau gehal ten. Wenn sie an ! der Seite, ihres Fred" 'zu den Picnics 'und Sommer nachtsfestcn jener Vereine ging, deren Mitglied er war, oder ihn gar in feiner ganzen Glorie auf Bällen und Eoneer ten bewunderte, war sie immer fo stolz gewesen, . und so anmüthig, wie es immer ihrer kleinen. Gestalt möglich war, neben ihm her geschwenzelt. . Nun denke man sich das starre Er staunen der kleinen behäbigen Frau, als ihr "Mrs. Schneuyerlich "auf das klarste! bewies. , sie MrZ. Marie
Hammelbach sei eine arme, gckncch. tete, um ihre Menfchenrechte schnöde be. trogene Frau. Aber die theuren Diamanten? Der prachtvolle Scalskin? die behagliche Häuslichkeit? Die liebevolle Behack,' lung?! Beweist gar nichts! Ist denn der Harem des Sultans nicht viel prächtiger gefchmückN Behängt er seine Favoriten nicht mit dem Kostbarsten, was es auf Erden gibt? Sind diese armen Wesen nicht dennoch die bekla genswerthestm Gefchöpfe auf der Welt? Aber das ist stark!" rief hier Frau Marie entrüstet, ich, die legitime Gal tin eines Bürgers der Vereinigten Staaten und so ein . faules Ding, welches den ganzen Tag Kaffee trinkt und Opium raucht. Atrs. Schneuyerlich, noch einmal ein solcher Vergleich, und mit unserer Freundschaft ist es vorbei!" Die von Schneuyerlich warf einen Blick voll Gift und Galle auf die er. zürnte Frau, welche denselben jedoch gar nicht bemerkte. Ader, liebe Freun din, wie können Sie sich nur ss ereifern wir ' sprachen ja von dem Schicksal der Frauen im Allgemeinen", erwiderte sie, Ihre Wuth mühsam unterdrückend, hören Sie mich einmal ruhig an. Was ist das Loos der Frau? Knecht schast ! Still, lassen Sie mich weiter reden ! Waren Sie nicht in der ganzen Zeit Ihrer Ehe eine fleißige, sparsame Frau ? Sie kochten backten wuschen für wen ? Für Jh r, den Gebiet t, den Herrn, ! Während er im ai regen den Treiben des großstädtischen Lebens seine Erholung außerhalb d:s HauscZ suchte. Was ist der Dank ? Diaman' ten, seidene Kleider, theure Möbel nun ja, man wurde wohlhabend und wollte dies der Welt zeigen. Dies ist wohl der Hauptgrund solcher Güte. Aber hat der Herr Gemahl sich je du Mühe gegeben, seine treue Gefährtin an seinem geistigen Streben thdlneh wen zu lassen. Hat er es versucht, ihrem Geiste Anregung und Aufmuntd rung zu Theil werden zu lasten? O nein koche, backe brate, damit ick meinen Appetit nach etwas Gutem. Schmackhaftem stillen kann. Solche -ode? ähnliche Litaneien übter. allgemach eine betrübende Wirkung aus Frau Marie, sie wurde mürrisch, launenhast, gleichgiltig gegen ihren Gab ten und ihre Kinder kurz begann sich unglücklich und unbefriedigt zu fühlen. Mr. Hammelbach legte in den ersten Wochen wenig, Gewicht auf das. verän derte Wesen seiner Ehehälfte .nicht im Traum wöre es ihm eingefallen, daß seine Marie - nach sechszehnjähriger Ehe. solche Umsturzgedanken haben könne ihm war auf der Welt nichts schrecklicher als See. krankheit undcin cmanzipirtcs Weib. Als Marie ihm sagte, sie sei Willens, einer Llufforderung zu folgen und ich an dem Zustandekommen ernes DamenKegelclubs" zu betheiligen, sagte ei freundlich: - - -- f Aber natürlich Schatz, wenn es Th Freude machte, Kegeischieben ist ja Heute ein beliebtereVamensport.' Dies bereitwillige Eingehen auf ihre Wünsche machte entschieden einen ver söhnenden Eindruck auf Frau Marie welchen aber die Brandreden der famo sen v. Scheuyerlich wieder verwifchte. Dieselbe vertraute ihrer lieben Freun din unterdem Siegel, der Verschwiegeüheit an. daß sie einer altadeligen Fa milie angehöre und sich in New Bork nur zu dem Zweck aufhalte, für die Befreiung der unterdrückten Weiblich' keit zu wirken. Ja, meine Theure die Schneuyerlich sind eine alte holsteinisch' schwäbisch schweizerische - Familie, sie stammen aus dem 12. Jahrhundert, hätte ich nur gleich Rürners Turnierbuch zur Hand, würde ich Ihnen schwarz aufi weiß beweisen, daß , eiwSckneüyerlich in dem berühmten Turnier, bei Buztehude unter Wilhelm von derNormandie siegte." . Dann übergab Mrs. Schneuyerlich ihrer Freundin ein sorgsam versiegelt und verknotetes Packet mit der Bitte, dasselbe für sie aufzubewahren, da es Werthpapiere vqn größter Wichtigkeit enthalte. All' diese Begebenheiten konnten aber nicht ohne 'Einfluß auf den häuslichen Eomfort deS Hauses Hammelbach bleiben. ' Das Zustandekommen des Kegelklubs kostete viel Zeit und Mühe' und brachte Frau Marie Aerger und Verdruß. Was sie am, meisten krankte.' war, daß ihre Bekannten der Mrs. Schneuyerlich mit offenbarem Mißtrauen begegneten und sich den Welkverbesserungs-Jdeen derselben gegenüber kühl und zurückhaltend ' verhielten. Einige zuckten die Achseln, zu dem Geschwätz andere bekannten lachend, sie seien mit der jetzigen Ordnung der Dinge durchaus zu frieden, und wenn es da irgendwo in der Türkei oder ganz hinten , in Rußland nicht sei, wie es sein sollte so thue ihnen " dies herzlich leid, aber helfen könnten sie eben auch nicht und hätten nicht die geringste Lust, sich ihren Humor darum zu ; verderben. " ; : ""Was für egoistische, herz- und ge wissenlose Weiber! O, welche Menschheit! Ein Glück sür die Gesellschaft, daß' es, noch Frauen gibt, welche sich'aus der allgemeinen Versumpfung erheben und, den unglücklichen Schwestern zeigen, daß das Weib nicht geschaffen wurde, um zwischen Staubbahnen und Kochjöpfen ihr Leben zu verbringend " , , Bei all diesem Wirrwarr ist es für's Haus HamHelbach ein Segen daß sich klein Anna mit beroundernswerther Energie des Haushaltes annahm. Das schlanke, blauäugige Kind sorgte dafür, daß Papa seine gewohnte Bequemlichleiten ganz vermißte, und sie studirte mit Eifer die , von der Mama jetzt so stiefmütterlich behandelte Kochkunst. Dem allein ist es zu danken, daß nicht täglich Streit und Zank zwischen den einst so glücklich lebenden Gatten herrschte , ..'.'.'. , Man hatte verstimmt und wortkarg
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das Abendeslen emgenommen, die zwanglose, heitere Unterhaltung, welche sonst bei Tisch geherrscht hatte, war schon seit Wochen gestört. Zum nächsten Sonntag habe . ich einige Freunde zu Tisch geladen. Marie," sagte Mr. Hammclbach, sich seine Eigarre ansteckend M möchte mich bei Mr. Braun und Mr. Süden revanchinn, wir könnten dann noch Hohenreich mit Familie und Fallbergs ein!den. Es ist lange her. daß wir unsere Freunde bei uns sahen, triff also Deine Vorbereitungen." Ich habe aber keine Lust, mich abzuquälm; es ist viel Arbeit und Mühe. Du hast freilich von dergleichen keine Idee. Du fetzest Dich an den gedeckten Tisch und kümmerst Dich wenig darum, welche Mühe solch ein Tag mir berei tet." Tu hast also keine Lust, mir einen Wunsch zu erfüllen? Willst eine lang, jährige, niir liebgewordme Gewohnheit abändern, weil es Dir ein wenig Arbeit macht? Dies ist mehr, als ich zu ertra gen vermag. Marie, Du thust ja. als ob ich gar nichts gälte sprichst mit mir. als ob ich Dein Untergebettcr wäre? Sag', was Du gegen mich hast!" Was soll ich denn haben?" antwo? tete Mrs. Hammelbach mit erkünstelter GleichgiUigkeit, ich will mir meir Leben nur einrichten, wie es mir t--füllt. dagegen kannst Du doch nichts einwenden?" 'Also auf meine Wünsche wird kein, Rücksicht mehr genommen? Ich merkt dies ja scksn zeit langer Zeit! Habs iä dies um Dich verdient?" Mrs. Hammelbach richtete ihre kleine, fette Gestalt so hoch empor, wie nu, möglich. Verdient? ja was hast Du denn für mich gethan? Habe ich für das Leben an Deiner Seite nicht hart gearbeitet s Einer einfachen Magd hättest Tu an Lohn mehr geben müssen, als die SlUh der und Schmucksachen werth sind, welche ich besitze. Aber ich will mi nicht mehr unterdrücken, knechten lassen, min. ich will nicht! Als Gott dc, Herr die Welt geschaffen hatte und dil Sonne beschien alles Schöne, da sah' Gott, daß der 'Mensch, sein herrlichstes Geschöpf, allein fei, und er sagte: Es ist nicht gut. daß der Mensch allein sei. ich tät ihm eine Gefährtin geben, die um ihn sei! Gott ließ Adam in einen tiefen Schlaf faüen und nahm ihm eine Nippe und schuf das Weib. Als Äöam dann erwachte und seine Eva sah, da rief er: das ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch unÄ bestimmte durch diefe Worte das Weiß als gleichberechtigte Gefährtin nichl als Sklavin! Mit diesem Wort fiel ein Blikstrahl in die Situation, welche? die seltsamsten Physiognomien beleuchtete. Frau Markn's gesundes. rothesGesicht machte folgende Krankheits Symptome durch: Maulsperre, Friese!, Bleichsucht und Starrkrampf! Weiß der Himmel, wie die Affaire Noch weiter abgelaufen wäre, hätte rncht in demselben Moment ein Klopfen an der Zimmerthör die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich gezogen. Bin ich recht hier beim Landlord?" Ja. was wünfchm Sie? Ich möchte nur fragen ob hier Mrs. Schneuyerlich wohnt?" Ja wohl drei Treppe, hinten 'raus." ; Die Thür ist aber geschlossen und die Frau nebenan sagte mir, ich solle bei Ihnen fragen, vielleicht könnten Sie mir sagen, wann ich Äkrs. Schneuyerlich sprechen kann." Mrs. v. Schneuyerlich ist selten zu Hause zu treffen, ihre Besorgungen bcschäftiqen sie viel außer dem Hause," sagte Mrs. Hammelbach. v. Schneuyerlich, sagten Sie Madama? die Schmuyerllch ist die Wittwe des Schneiders Johann Schneuyerlich, schlechtweg von isnich! Da irren Sie sich eben in der Person. lieHcr Mann die Dame, welche hier wohnt, ist : Frau V. Schneller lich." 0 nein, ich irre mich nicht, das von- ist wieder eines von ihren ALotrias. Sie werden die noch kennen lernen, paffen Sie auf, eines Tages ist sie verschwunden und hat allerlei Eon fusion hinterlassen." Und weßhalb suchen Sie die Frau?" fragte Mr. Hammelbach, aufmerksam werdend. . Johann, Schneuyerlich war ein Landsmann von mir, ein guter, ehrsicher Kerl; das Weib aber hat nie eiwas getaugt, lauter überspannte, ver Wickelte Ideen. Als der Mann krank war und nicht mehr zur Arbeit gehen konnte, borgte ich ihm eine Nähmaschine. welche ich gerade nicht brauchte, damit er zu Hause ein paar Cent ver dienen könnte. Nun ist er vor vier Monaten gestorben, die schlechte Person, aber hat meine Maschine mitgenommen." Das ist freilich ein schlechter Streich. Aber Sie sind.sicher, daßdie Frau, welche bei mir wohnt, dieselbe ist,welche Sie suchen?" , O ja, sie wird es schon sein, ich habe den Fuhrmann, welcher ihre, Sa chen fortbrachte gesprochen, er nannte mir diese Straße'und Nummer." Wieder klopfte es und eine im Hause wohnende Frau trat herein. "Denken Sie',,, sich, 'Mrs. Hammel' bach.die Schneuyerlich ist fort, ihre Mo bet hat sie an einen Juden verkauft, der Wsgcn. welcher dieselben abholt, hält fchon vor , der Thür, .sie ist fort, verduftet., Die, Meier nebenan bekommt noch drei Tollars fünfzig Cents Waschgeld, überall ist sie schuldig.- ' ' Mrs. Hammelbach ', war "wi, vom Donner gerührt, aber , das konnte ,ja nicht möglich sein es mußte hier ein Irrthum vorliegen, hatte, sie nicht das Packet mit dem kostbaren Inhalt , in Händen, auf wrlches sie freilich schon eine namhafte Geldsumme geliehen hatte, da unbegreislicher Weise schon längst
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fällige Gelder aus DeutsHlauÄ ausge blieb;. Kaum hatten sich die fremden Leute entfernt, als Mrs. Hammclbach das Packet herbeiholte. Ich glaube, daß ich. nachdem was geschehen' ist, berechtigt bin, dies Packet zu öffnen", sägte sie es ist mir von Mrs. Schneuyerlich anvertraut mit der Erlaubniß, es bei unvorhergesehenen Fällen zu öffnen, es wird uns hoffen! lich Aufklärung über ihr unbegreifliches Betragen gebend Mr. Hammclbach war sehr erstaunt; er rief als dorsichriger Mann 'cmen Zeugen, welcher eventuell bestätigen könnte, was das Packet enthielt. Und man öffnete. Es pasnrm viele unglaubl chs Dinge auf der Welt bei deren Erzählung man immer der sichern muß: Es hat sich dennoch wahrhaftig so zugetragen! So ist es mir mit dieser Geschichte passirt. Die Werthsachen ünduner schlichen Dokumente bestanden' aus einem alten Haaroyf, einem cin;?!nen alten Schuh, bessert Sohle weit b klaffte, wie eine nach Luft schnappende KarpfenschnuLe,und einem verrosteten Schlüssel! Tableau! Noch denselben Abend hatten Mrs. und Mr. Hammelbach eine sehr iutime Unterredung, was da zwischen den Ehe leutcn verhandelt wurde, kümmcrt' uns wieder nicht, aber mit freudigem Herzen habe ich zu berichten, daß bat Lebensschiff der Hammclbachs nach die scr Sturmperiode wieder in den sicheren Hafen häuslichen Glückes eingelaufen ist und wünsche, daß es nöch,, 'manches Jahrzehnt dort bliebe, dann mögen sie die Flagge abnehmen und abtakeln! Nun wäre meine wahre Geschichte wohl zu Ende! Aber ich' will noch meine Beigabe dazu geben, ein Gold lörnchen, 'nein, einen Edelstein, einen Solitär ersten Ranges. Der nächste Sonntag versammelte die Freunde der Hammelbachs zu einem splendiden Tinner. Die trcsflickzen Weine und ertra feinen Cigarren Mr. Hammclbachs nicht zu vergessen! Wer aber hat die Speisen bereitet? Man stelle sich vor die anmutüige Anna und jent sitzt sie mit gcrothe ten Wangen am Tijch und ißt und nimmt stolz all' das Lob der Gäste ent. gegen. Als ein freudiges Hoch auf das Wohl der jungen Kochkünstlcrin ausgebracht wurde, sagte Mrs. Hammelbach mit ci mm warme, zärtlichen Blick auf ihren Gatten: Möge sie so glücklich werden .,wie',jhreTlUltck'.is ist!.'' MVHZ! Nach dem Kaffee nimmt Anna ' ibren Pla$ am Piano ' ein und dieselben schlanken, weißen Finger' welche vor wenig Stunden noch gekocht, gebacken, geschmort, geknetet und gerührt hatten, spielen jckt auf dem schönen Jnstru ment die Licblingsstücke der Eltern. Nun? ist die' Beigabe nicht acdkae nes Gold? Ist sie nicht ein Edelstein, ein Diamant ocy gug ! Auf's Walberle, auf'ö Walbcrle, so hört man am 1. Mai jeden Jahres von Bamberg bis Nürnberg aller Or ten in Franken rufen. Auf's Walberle ziehen, auf dem Walberle gewesen sein, das gibt im ganzen Redn'chthale wie in der fränkischen Schweiz einen sehr dank baren Gesprächsstoff ab. Was ist aber das Walberle? Sehr- verschiedenes; zunächst ein hoher Berg in der fränkifchen Schweiz, dann eine der hl. Wal purgis gewidmete Kapelle auf ihm, ferner der Jahrmarkt, der bei dieser Gelegenheit um die Kapelle herum gehalten wird, zuletzt aber, und das ist die Hauptsache, da? sehr besuchte Volks fest, das am l. Mai auf dem ermähnten Berge gleichzeitig mit der Mcffe, den, Jahrmarkt um sie herum, statt sinket.,,,, Welche Menge Volts strömt' da zusammen! ,l Städter und Dörfler,, Andächtige, und Vergnügte. ., ! ,,, Ganz einzigartig aber so schreibt man der ei'p;. Ztg.- ist der ciiß Holzhandel auf dem Walbcrle. ' Von den Bamberger Gärtnern wird " viel Süßholz gebaut und es istdascsellen stück eines jeden Burschen, eine "wün Holzstaude mit.ihren ellenlangen' Wurzeln unverletzt auszugrabcn. Fiir den Verkauf auf dem Walberle werden dann diese Wurzeln in etwa meterlange Stücke geschnitten und,an den Endcn zusammengebunden, daß sie einen Rei fcn bilden". Da sitzt nun eine ganze Reihe Weiber mit .Sußholzringen da. die, von der Dicke eines Blcistifls bis zur Stärke des Daumens wechselnd, L0 70 Pf. das' Stück kosten. ?tat Jedermann kauft sich einen, solchen SWolzring und trägt ihn über die linke Schulter gehängt wie eine Sckärpc? was von dem Gekauften einen Hcnlel hat. wie kringeln und Kannchen. wird angefädelt und man kann sich nun eine Vorstellung machen, was schließlich alles an diesen Ringen , baumelt. " Niemand vermag diese Sitte zu erklären und man hält sie deswegen fürein Ueber bleibst! aus der Heidenzeit Süßholz ist aber in vorchristlicher Zeit sicher noch nicht in Deutschland gebaut worden; wahrscheinlich ist , auch, nicht das SüL holz," sondern die biegsame Wurzel die Hauptsache und die Form, die man als 5creis, Ring. Kranz oder eine sich in den .Schwanz bcißende Schlange an sehen kann wer vermag sie zu den. ten?i Was übrigens nach protestanti schen Begriffen eine Profanation wäre, nämlich mit dem Süholzringe, sammt allen Anhängseln in die Kirche zu gehen und an den Altar zu treten, gcschl, hier ganz unbefangen vielleicht ist ge rade solches Süßholz erst recht hcilkraf. kig. Auf die Frage, wozu denn cigent Zich ! das Süßholz gut sei. , gaben die Verkäuferinnen keine Antwort, sie lach tm'Äurä TiBM' "t'i - ., j ,!!!f ji-,n -,äi y -x - d-- , f . j - Im Zweifel. Herr (zu sei r.er bejahrten Köchin): Sie haben die Suppe versalzen! Warum strahlen Sie denn so?" Köchin: Jette, , sollt' i4 am Ende verliebt sein?-
