Indiana Tribüne, Volume 15, Number 259, Indianapolis, Marion County, 5 June 1892 — Page 7
Nur eine Tochter,
eziilt es I. Ott. Dor elner Stunde war der Vater e zraben worden. Nur wenige Leute hatn sich dem Leichenzuze aneschloffen.um nm vereinsamten Greise die letzte Ehre tt erweisen, zumeist Genossen seiner Juiend, erfüllt von der Ahnung, daß bald mch an sie die Reihe komme, und die es rf gar zu traurig vorstellten, wenn nicht ünmal die paar Freunde, die man in ho, jm Jahren behält. Einem das Geleite tf)m bis an den Rand des Grabes .... Und nun sitzt Fann, desDahingegangeien einziges Kind, in der stillen, engen Btufo, in welcher der Alte, ausgehaucht. Fn ihren Armen ist et gestorben, wie er schier wieder zm Klnde geworden jeit Langem sozusagen in ihren Armen zelebt. Sie hat ihn gepflegt und behü fct. Tag und Nacht mit heldenhafter Selbstbeherrschung ohne zu weinen seinem TcdeKkampse beigewohnt. Jetzt surfte sie ihren Thränen freien Lauf las len, jetzt brauchte sie ihren Schmerz nicht mehr zu meistern, sollte dieser doch und nur er allein fortan ihr guter freund, ihr trauter Geselle bleiben. An ihn mußte sie sich klammern, wenn über saupt etwZZ sie in Verbindung halten lollte mit der 'Welt. Was sie noch zu thun habe ? Diese Frage drängte sich ihr nit dämonischer Gewalt euf. Für die nächste Zeit lag eine Antwort ihr nahe: Sie mußte dem Vater einen Grabstein setzen, seiner Ruhestätte ein Wahrzeichen öcs Gedenkens verleihen. Ais an sein Fnde war sie des Greifes Stütze gcweseu, sie mag ihn nicht im Stiche lassen, ja er ein stummer Mann geworden. Die Dämmerung ist hereingebrochen, annn erinnert sich der Vergangenheit, die für sie fast vierzig Jahre bedeutet. Sie weiß wenig zu erzählen von lichten and frohen Stunoen. Trotzdem flüchtet sie sick gern in's Verflossene, nur um nicht die Zukunft erwägen zu müssen. Sie ist auf Erden allein, ganz allein. Es leben ihr keine Blutsverwandten; das ärmliche Heim war nie geeignet gcwescn, Freunde heranzuziehen, und zur Liebe hatte sie keine Zeit gehabt, mit öberflussigen Dingen sich nicht befchäftizen dürfen. Vor einem Jahrzehnt war die Mutter gefiot-be, nachdem sie krank, zclähmt, unfähig zur Führung eine? Haushaltes gewesen. Fanny war das einzige Kind ihrer Eltern, aber trotzdem erfuhr sie nicht, was es heiße, verbatschekt zu werden, wie es einzigen Kintern zu widerfahren pflegt. Freilich sie sagte sich daI oft und sagte es sich auch in diesem schwersten Augenblicke ih rcS Daseins lag die Schuld an ihr; warum war sie eme Tochter, nur eine Tochter ? Als Sohn hätte sie die Eltern beglücken, ihnen ein freudiges Dasein bereiten können; manchmal, wenn der Hochmuthsteufel sie überkam, glanbte sie, auch als Tochter fei sie den Ihre rme wackere und stärke Stütze, aber solche Neaunaen verflogen mit der Minute, in der sie entstanden, und Vater und Mutter trugen dazu bei, sie jeder angenehmen Selbsttäuschung zu entreißen. glicht, als hätten sie ihr Vorwürfe ge macht. Nein. Aber sie konnten sich nicht verwinden, zuweilen den Gedanken in verrathen: um wie viel anders und erfreulicher ihre Lebensbahn sich gestaltet hätte, wenn ihnen ein Sohn wäre geschenkt worden ein Mann mit Thatkraft, mit roerkthatiger Hingebung, einer der Herren und Gebieter der Erde. Ge wähnen sie, daß ihre Aeußerungen Fanny Herzeleid bereiteten, so suchten sie, jene abzuschwächen, und lobten Fannu, wie man ein kleines Ding lobt, um es zu beruhigen. Ernst Heller war Kaufmann, ein flei ßiger Kaufmann, aber das Glück wollte ihnr nicht lächeln, und so errang er in den besten Zeiten nict viel mehr alS das tägliche Vrod für stch und seine Frau. In den ersten Jahren ihrer auS Neigung geschlossenen Ehe wünschten sie sich mit aller Inbrunst Kindersegen. Sie warteten sebnsüchtig darauf, daß ihrem Bunde ein Drittes sich zugeselle. DiescS Dritte kam nicht, und allmählich fanden die zwei es ganz natürlich, auf einander angewiesen zu fein. Ja, alS sie einsahen, daß ihre materielle Lage auf die Dauer eine beschrankte sein werde, dünkte es ihnen ein Glück, daß ihnen keine vergrößerten Pflichten auferlegt seien, und sie nahmen als gütige Fügunz hin, was ihnen ehedem ein hartes Entbehren dünkte. Nach und nach erschien ihnen das Leben zu Zweien etwas Selbstverständliches, und kaum vermochten sie mehr, sich in eine Aenderung hineinzu denken. Da geschah das Unerwartete . . Nach zehnjähriger Ehe fühlte Frau Hcl ler sich Mutter. DaS Paar mußte sich langsam an die Aussicht gewöhnen, ihr Duett um eine Stimme vermehrt zu wisfcn. Mann und Frau verhehlten vor einander, daß mehr Ueberraschuna als Freude sich ihrer bemächtigt habe; je naher die Geburt des zu erwartenden Kindes rückte um so eifriger trachteten sie, sich in die ehedem so heiß herbeigewünschte Wendung einzuleben, und end lich kämen sie zu der Erkenntniß, e5 sei zum Guten, daß ihnen ein Sohn in die Wiege gelegt werde. Daß .es ein Sohn und nichts Anderes sein könne, darüber hegten sie nicht den geringsten Zweifel. Sie hatten jung gehekrathet; er zählte dreißig, sie zwanzig Jahre, als sie einander die Hand reichten. Nachdem ihnen ein Dezennium verrauscht, 'hatte noch kein Alhem fühlbaren Alters sie gestreift ; aber rasch verfliegt der Somucr, und in den TagendeS Herbstes mag ein frischer Weggenosse willkommen sein, ein Helfer, der für Einen ringt und schasst, indeß man selber gern ein wenig ruht und den. leise herauschleichenden Winter zu ahnen beginnt. Herr und Frau Heller schmiedeten .Pläne für ihren Sohn; nicht nur einen Namen hatten sie für ihn bestimmt, sondern auch einen Beruf; er sollte für praktische Zwecke erzogen werden, für reichen Er- , werd, nicht für un fru chtbare idealistisch e Strebuugen ; was dem Vater versagt geblieben, wünschte und erhoffte er flr '. den Sohn : ' äuß eren G lanz, mächtig?u Besitz, den Zauber von Hab und Gut ; und obwohl sie selbst dem Zuge ihres Herzens blind gefolgt waren, follte ihr Sohn das gelobten sie nur eine reiche Erbin heimführen dürfen, denn ?'$,,,,,,i, . ''f K;;;!,;.1!1,, .Ms :'.;!, (fq j,,; ,
was Mangel und Beengtheit dem Mm-
schm auferlegen, hatten it genugsam er fahren. Mitternacht war's, als das Krnd zm Welt kam. Eine Tochter meldete die Hebamme .... Das war eine arge Enttäufchung. Anstatt des Knaben, auf den man o mcl Hoffnung aejetzt, n Mädchen eine Quelle von Sorge und Verantwortung, ein Wesen, das nie auf eigenen Füßen stehen werde und für das man einxr ernen Gefährten jucken müsse. einen Mann für ein armes Mädchen. Heller täuschte sich nicht darüber, daß er ine im Stande fern werde, das Madchen über die Dürftigkeit hinauszuheben, und für sich selbst mußte er nun die rwartung aufgeben, einen Stab gefunden zu haben er bedachte feine Laqe als Vater riner unversorgten Tochter, kaum daß das Kind den ersten Schrei gethan hatte. enue grau fürchtete, Hellers Nekguna zu ih? werde abnehmen, weil sie ihm kernen oyn geboren, tyr war zu Muthe, als habe sie ein Unrecht gut zu machen, und um ihm zu beweisen, daß sie errathe, waS in ihm vorgeh?, auch wenn er nichts darüber äußere, legte sie ihrer Zärtlich? seit tut dos jiao iveneln an. ltedkoue es nur heimlich und mit Zurückhaltung, und weil Gewohnheit endlich zur zweiten rr . i r 's i . (" r t C 5 ucamx wiro, orauqre it iicu oaio remen Iwan anzuthun, um Fanny die 33clvcise mutterlichcr Liebe sehr spärlich zu? lum?ssen. . t . iv er ..ti c r? . vsooaio gannu verlans, was um jvc er vorging und gesprochen wurde, hörte ie ihre Eltern die Eheleute glücklich preifen, denen ein Sohn beschieden worden. und hörte, wie sie jene anderen lebhaft bedauerten, öie ein Haus voll Töchter zu erziehen hätten. Sie wuchs ohne Gespielen auf ein zweites Kind kam nicht, Kameradinnen durften höchst selten erscheinen und so mußte Fanny sich weltmeyr, als rhrem Alter znkam, mit sich selbst befassen. Sie wurde geistig frühreif, dachte übe? Dinge nach, welche fönst dem kindlichen Gesichtskreis fernliezen, und gelangte, halb rnstlnktlv dahm, ihr Geschlecht wie eine schwere Schuld zu betrachten, die von ihr gesühnt werden müsse. Da sie den Fehler begangen und em solcher, sie tauschte sich darüber nicht, war es offenbar in ihrer Eltern Slaven ein Mädchen zu werden, wollte sie jtch mit allen Mitteln Verzeihung erringen. Sie lauschte den Eltern an den Blicken ab, was ihnen Wohlgefallen könne. Sie lernte eifriger und beharrlicher als irgend ein Knabe, und wo anöere Madchen kostspieliger Nachhilfe bedurften, brachte sie sich durch Selbstunterricht aus Büchern weiter; sie kam ans der Schule mit den besten Zeugnissen heim, und in der That konnte der Vater nicht umhin, ihr lobend zu bemerken: Brao, sehr brav! Wenn Du ein Junge wärest, könnte etwas Rechtes aus Dir werden aber so, als Mädchen schade m die Mühe!" Fanny empsing diese wunderliche Anerkennung ruhig. Sie ertrug die entmuthigenden Worte, hne sich irre machen zu lassen und bcharrte bei ihrem Lerneifer, trotzdem auch die Mutter ihr zu sagen pflegte: .An einem Sohn hatten wtr Freude erleben können! Du bist eine brave Tochter, aber leider nur eine Tochter!" Nur eine Tochter!" Dieses Wort, ausgesprochen oder nicht, klang ihr immersort in den Ohren, sie wurde es nicht los, und im Traume erschienen ihr Kobolde, die es ihr spöttisch zuraunten. Ss manche Nachtstunde verbrachte sie schlaf los, sie suchte nach einem Auswege, und unerschöpflich war sie darin, ihre Eltern mit immer neuen Mitteln freundlich stimwen zu wollen. Bater und. Mutter bemühten sich, nicht hart gegen sie zu erscheinen ; aber zuweilen verrieth ein Wort, das ihnen entschlüpfte, wie sehr sie dem Schicksale zürnten, das ihnen den Sohn versagt habe. Fanny sehnte sich nach kin bischen heißer, starker Liebe, wie die Blume nach Sonnenschein, aber ihr Sehnen blieb unerfüllt, und sie kam fo weit, es fchon als Errungenschaft zu betrachten, wenn ihre Eltern gegen sie keinen rauhen Ton anschlugen. Sie hatte ein scharfes Ohr für die Gefpräche von Vater und Mntter, und da sie Zeugin roar, wie sie sich darüber unterhielten, saß ein Knabe so viel weniger Acdürfnisse habe als ein Mädchen, kämpfte sie gegen jede Regung angeborener Eitelkeit n und äußerte keinen jener tausend kleinen Wünsche, wie junge Mädchen sie ihren Eltern anvertrauen.... Mit der Zeit errang sie eine ungewöhnliche Fertigkeit dann, ihr Ich zu verleugnen, sich so wenig als möglich geltend zu machen. Sie gewann ein unmiderlegliches Bewußtsein ihrer Ueberflüssigkeit, und daß diese im Hause nicht ausdrücklich betont wurde, dünkte ihr nachgerade eine unserdiente Freundlichkeit Soiagen dleWerYSNnisse, ol' etn grs ßes Handlungshaus fallirte und Heller mitriß in den Abgrund. Heller ging aus der Krisis bettelarm hervor. Wo. von Zollte er mit Weib und Kind enstiren? Er suchte Stellungen und bekam keine. Seine Frau sparte und sparte, aber damit war der Noth nicht gesteuert. Eines Abends, als Fanny ihre Eltern der schwärzesten Verzweiflung preisgegeben sah, wagte sie schüchtern die Bemer kung. sie wolle versuchen, einigen Verdienst in's Haus zu bringen. Die Idee ist schön," erwiderte der Vater, ab was kannst Du ausführen? Ein Sohn wäre im Stande, uns zu helfen. Du bist ja, nur eine Tochter! Laß es gut sein."- Fanny antwortete nichts. Vom nächsten Tage an sehte sie sich in Bemegung und begann die Jagd nach einem Erwerbe. DaS achtzehnjahrlge Mädchen gab nicht nach, bis etwas erreicht war. Fanny stellte sich sogar eine doppelte Beschaftlgung zusammen. Bei Tage stickte sie für einen vornehmen Laden, Abends übersetzte sie für ein kleines Wochenblatt Romane und Novellen auS dem Englischert. Sie erwarb so viel, daß sie und die Ihrigen nicht Hungers starben.. Mehr konnte sie allerdings nicht, leisten, aber die Eltern nahmen ihr das nicht übel, sie erkannten sogar an, , d aß sie al s M adchen 'nur eine Tochter! alles Mögliche thue, und als die Mutter in Folge fortwahrendet ränkelünß bettlägerig wurde, mußte sie Fan::y damit betrauen, auch dem kleinen Haushalte vorzustehen. v Arzt und Apotheker beschwerten fortan das Budget um einen neuen Posten, und wenn Fanny die Kranke Manches mußte entbehren lassen, so war Frau Heller so vernünstig. einzusehen, ein; Tochter
könne"öett'n besten Willen nicht dasselbe bieten, wie ein Sohn. .. .Fanny lebte und webte nur für ihre Eltern. Daß sie selbst Jemand sei, entschwand ihrem Urtheil völlig. Daß sie ein hübsches, sehr hübsches Madchen fei, kam ihr nicht in den Sinn. Sie war daher sehr erstaunt, als ein junger Beamter, der im selben Hause mit ihr wohnte, ihr seine Liebe gestand und feine Hand antrug ; er hatte das Zeug dazu, einem jungen Mädchen zu gefallen, Fanny war einen Augenblick lang versucht, seinen Antrag zu überlegen, aber was sollte auS Vater und Bcutter werden? ! Der Bewerber befaß nicht die Mittel, um ihre Eltern zu ver sorgen sie hatte diese dem Hungertods preisgegeben, wenn sie an die Errichtung eines eigenen Herdes geschritten wäre. Sie sagte nach kurzer Ueberlegun ein entschiedenes Nein, auch als sie ihrer Mutter davon erzählte, meinte diese, sie hätte Fanny nie für so egoistisch gehalten, heirathen zu wollen, denn wenn Fanny auch nw eine Tochter sei, habe sie doch Pflichten gegen ihre unglücklichen Eltern. Fanny brauchte diesmal mit keiner ernstlichen Neigung ihrerseits zu ringen. Schwerer wurde das Entsagen ihr etliche Jahre später, als sie in erster tiefer Liebe entbrannt war und den Mann ihres Herzens von sich weisen mußte wieder weil sie sich ihren Eltern nicht entziehen durste. Diesmal machte sie nicht einmal ihre Mutter ur Mitwisserin des Verzichtes, denn sie würde keinem Mitempfinden begegnet sein, sondern im besten Falle der Bestätigung einer erfüllten Schuldigkeit. Nachdem sie eine Meisterin geworden in der Nesignation, lernte sie auch schweigen.... Durch zehn Jahre hatte sie auf ihren Mädchenfchultern die drückende Last getragen, als ihre Mntter starb. Heller zeigte sich schon lange nicht mehr unter Leuten; er schämte sich feiner Dürftig.kcit, verbrachte die ganzen Tage in seinem Lehnstuhle, brütete über Projekte, an denen er reich zu werden hoffte, die aber unausführbar waren, oder las alte Jahrgänge elner belletristischen, Zeitschrift, um sich, wie er behauptete, anturegen. Er überließ es Fanny, mitten in ihrem Kmdesschmerze alle Schritte für die Bestattung der Mutter zu thun. Nichts blieb ihr geschenkt, trotzdem sie nur eine Tochter war.... Von diesem traurigen ZmischenskUe an blieb sie zwölf Jahre allein mit dem Vater, der täglich mürrischer und unverträglicher wurde. Meistens verhielt er sich stumm. Ocsfnete er den Mund, so war es, um zu klagen, nm wider sein Loos zu murren. Äenn er einen Sohn hätte das war das Leitmotiv seines Jammers dann brauchte er kein so elendes, ärmliches Leben zu führen, und vielleicht lebte auch seine Marie noch, denn kräftige Nahrung, tüchtige ärztliche Behandlung und im Sommer GebirgSkuft hätten sie länger erhalten können aber ' zu alledem 'sei Geld erforderlich, und woher solle eine Tochter Geld eh mm. ... ' Fanny fügte sich den Grillen des Alten. War sie doch froh, ihn zu besitzen ihn, der für sie den letzten Zusammenhang mit den Menschen verkörperte! Unverdrossen arbeitete und sorgte sie, ud als der Vater auf das Siechenlagcr siel, war sie als Wärterin ein Muster an Geduld und Treue. In feinen letzten Tagen trübte sich sein Geist, er redete oftmals irre, und in seinen Phantasien kehrten die ZÄorte wieder: Ja, wenn ich einen Sohn hätte!" Fanny mußte das ertragen, sie mußte gefaßt bleiben, nachdem sie dem Greife die Augen zugedrückt, denn wieder einmal siel ihr die Äufgabe'zu, einLeichenbegängniß zu bestellen. Jetzt darf sie ausruhen, nd sie bedarf der Ruhe, denn die Vierzigjährige hat graue Haare, und ein greisenhafter Zug tiegt fahl auf ihxem Antlitze. .. Sie hat für Niemanden mehr zn sorgen. Sdiemand wird von ihr eine Anspannung ihrer Kräfte verlangen.... Und doch scheut sie vor dem Kommenden zurück und versenkt sich in's Gewesene, blickt auf die abgelaufene Zeit und gesteht sich lm Stillen, daß ihr Leben ein verfehltes, ein verlorenes sei. Aber eine innere Stimme eine fremde gleichsam, .von der Gewohnheit in sie hiueinverpflanzt giebt ihr zu verstehen, daß an dieser ZZersehltheit und Verlorenheit nicht sonherlich viel gelegen sei. Nur eine Tochterl ruft dieie Stimme. Und Fanny lauscht ihr und kann sich ihr nicht entziehen"" OU bedrängte Unschuld
Ccn Ott Uu. LenUMentsch. August Ziebsch ist ein glühender Verkhrer der dramatischen Kunst mnd ist diese Verehrung anch leicht .begreiflich, wenn man weiß,, daß Augusts Bater ohlbestellte? Frieseur am fürstlichen Theater zu z?. ist. August wird von seinem Vater M dessen Gewerbe ausgebildet und muß täglich in's Theater, um die Mimen mit Scheere und Brenneisen, mit Schmink und angeklebten Bärten in kühne Ritter, Fürsten und Konige verwandeln. Au gust bildet sich nicht wenig darauf ein, daß durch seine Hand erst der Künstler buh nenfähig gemacht wird, aber ist auch da von überzeugt, daß er ein weit besserer Schauspieler werden würde, wie alle die Mitglieder der Y.'fchen Bühne. Es wär, die reine Verkennung seitens des Regiss seurs, daß dieser August für nicht fähiz halte, die Bühne als Akteur zu betreten, meinre August, und als alle Bitten beim Regisseur, ihm einmal eine Rolle zn ge: ben, nichts fruchteten, bot August dem Dire-ctor fein Talent zur Mitwirkung an und dieser ließ sich auch heröek, Angufl die Erfüllung seiner Bitte zuzusagen. August bekam darauf in einem Ritter: stücke die Rolle eines Knappen, der du Worte zu sagenhatte : Gestrenger Herr, draußen fleht man den Fe:nd rn dichten Haufen heranziehen.- Die kleine Roll befriedigte den unternehmenden Jünglinz allerdings nicht,' aber er hoffte "lchg durch die Wiedergabe derselben sein Ta ; lent zu ;B'eroejcn" 'i,;'- -tfSjw-. ' ' ' : Der Tag von Augusts erstem Au stretes war herangekommen. ,' August hat seim Rolle gut studirt und klopfenden Herzent erwartet der Knappe hinker dem gemalte Rittersaale fein Stichmort. Da ent: spinnt sich zwischen dem Theatermeistei und August'S Vater ein Streit, welche, mit einer Ohrfeige endet, welche dtt
Theatermeisier dem Friseur applicirt. Der angebende Mime wollte eben seine Vater beispringen, da schiebt ihn der Inspicicnt auf die Bühne, da das Stich' wort gefallen war, welches August zm dramatischen Aktion rief.). Von bei . oben erlebten Scene noch ganz verdutz? steht nun August vor feinem Partne, und stottert: Gestrenger Herr gestrem tzer Herr da draußen da draw jzen Nun." fährt ihn der Ritter an was giebt's da draußen?" Da draußen" platzt der Knappi heraus hat der Theetermeistcr meinem Vater eine Ohrfeige gegeben ! u:ü fomit stürzt er Hals über Kopf von dei Bühne. Der Ritter aber schloß die Scene mil den Worten jeiner Rolle: Wta, meine Freunde, laßt uns die bedrängt, Unschuld retten und unsere Schwerter u das Blut des Frechen tauchen!" Vor Seiten deö Publikums ertönte stürmt fches Lachen und August Ziebsch hat ni, mehr gemimt, dem Beleidiger seine VatcrS aber furchtbare Rache geschws reu.
.., mt,m4 Sprechende Kanarienvögel. Von einem sprechenden Kananenvo gcl war bei Gelegenheit der letzten AcgmthaAusstclluttg in Berlin die Rede und es wurden über dee Nichtigkeit dieser Angabe mehrfach Zweifel ge äußert. In einem Artikel der Voff. Ztg." weist jcht Dr. Karl Ruß darauf hin, daß auch früher schon Fälle von sicher nachgewiesenen sprechenden 5?ana rienvögeln bekannt geworden sind. Schon'im Jahre 1853 schrieb Mr. S. Leigt Sothcbu in den Proccedings", einem der bedeutendsten wissen schastli chen Journale, über einen sprechenden Kanarienvogel Folgendes: .Er war aus der Hand aufgepäppelt und sein erster Gesang war ganz ver schieden von dem, welcher den Kana rienvögeln sonst eigenthümlich ist. Man redete beständig mit dem Vogel nnd als er ungefähr drei Monate alt war, setzte er eines Tages seine Herrin dadurch in Erstaunendaß er d:e Liebkosungen, welche man ihm sagte, z. B. lusie, kissie" (Küßchcn, Küßchen), nachsprach und dcn bezeichnenden schmatzenden Laut dabei hervorbrachte. Nach nnd nach lernte das Vögelchcn noch andere Worte dazu und jetzt vergnügt es uns durch die Art und Weife, wie es die vermiedenen Worte ' in wechselnder Folge und so deutlich, wie sie die menschliche Stimme nur hervorbringen kann, vorträgt: dear, sweet Titschie" (lieber füßer. Titsäne ssein Namej), lass Minnie" (Istjfe Minchen), kiss ms then, tlear Minnie" (küsse mich doch, liebes Mmchm), 8-eet, pretty, little Titsehie" (süßer, hübscher, kleiner Titschie), kissis, kissie, kisxie" (Küßchen, Küßcken, Küßchen), Dear Titschie" (lieber Titfchie, Titschie, wee, gee, gee, gee, Titschie, Titscliie. Ueber den ersten sprechenden Kana rienvogel in Deutschland berichtete ein zunger Gelehrter, Herr Dr. Lühder. i. I. 1868, und zwar hatte erdenselben bei Frau Brofcssor Tcschncr in Berlin gehört. Der Vogel wiederholte immer die Worte: Wo bist Du denn, mein liebes Mätzchen. mein liebes Mätzchen, wo bist Du?" so deutlich, daß der Zuhörer anfangs glaubte, siewür dcn von ciücm im' Nebenzimmerlvicsenden Kinde ausaesprochen. Nach Angabe des Herrn Pastor A. S. in Braunfchweig i. I. 1878 verwebte ein Kanarienvogel, der gleichfalls im Besitz einer Dame sich befand, in feinen Gcsang die Worts: Bist Du denn mein liebes Tipverchekr? Bist Du denn mein Hänschcn? Mein liebes, kleines Thierchen. mein Hünschen, mein kleines Hänschen!" Dieser Vogel zeigte den Vorzug, daß er anch zu jedem Fremden auf denFinger kam, sang und svrach. Sodann hat Herr Pastor Karl Müller den Kanarienvoael der Schauspielerin Fräulein Pauli in Kassel im Jabre 1883 gehört. Auf Zusprechen der Besitzerin sagte er: Wo ist er denn, der liebe, kleine, süße Bijou, wo ist er denn, , was willst du denn, so singe doch," Im Jabre 1882 brachte die Londoner Times" die kurze Angabe, daß zu Scräpsgate bei Sheerneß ein Schafhirt Namens Mungeam einen Kanarien vogcl habe, welcher Worte und ganze Satze deutlich sprechen könne. Manchmal schalte er die Worte in den Gesang ein, aber dieselben lauteten deutlicher, wenn er spreche, ohne zu singen, was er auch oft thue. Am 23. April 1883 begab sich Dr. Ruf? zu Frau Gchcimrath Gräber in Berlin, um ihren kleinen gefiederten Sprachkünstler zu hören und zu sehen. Die Dame erzählte, daß sie den Boqcl seit 3 Jahren besitze und als ganz junges Vogelchen erhalten habe. Nachdem er recht hübsch gesungen hübe, fei er, wahrscheinlich in Folge der naturgemäßen Mauser, verstummt, und da ibr dies zu, lange gedauert, so habe sie recht oft zu ihm gcfprochcn: Sing doch, mein Mätzchen, sing doch, wie, singst du? widewidewitt!", .Sie können sich denken, fuhr sie fort, welche Ucberraschung es mir gewährte, als der Kanarienvogel diese Worte, die ich ohne jede Absicht zu ihm gesagt, zum ersten Male nachplaudertc. ' Währcnd die Frau Gehcimrath diese Auskunft gab, sich dann an den Vogel wandte , und die, erwähnten Worte an ihn richtete, fing er an. eifrig zu schmcttern und mitten im Gesang erklang es deutlich: widcwidewitt. wie singst Dn. mein Mätzchen? Singe singe. Mätzchen., widcwidewitt". . Dl eich es Handn'e'r?. Der Frühliugsdust lag über'm Lar.d, , Ein Bursche kam des Weges, . . , tzr sang, roar er auch unbekannt '- . , Des Gau's und jeden Steges: , , :
,GrüI; Gott Euch, Brüder Vögclcin! . Wir.flicgeuÄeidYchenk Ihr stets in alle Welt hinein. :' ' ;,
Ich stetö aus ieder Schenke. : ' .ff ""i'1!!1.. t: ' ' :!''' :,:!''"'' VT"
Ein Tag im Irrenhause.
Vcn LiSka. Wovon mein Haar so weiß ist. wollen Sie wissen, theure Freundin?" Vor zwei Jahren noch war cZ 'kastanienbraun, und ich stehe heute in meinem 27. Jahre. Aber werden Sie sich noch darüber wundern, wenn Sie diese Zeilen zu Ende gelesen haben? Die Saison in San Francisco nabte 1 sich ihrem Ende, und die prominenten ! Mitglieder des California Theaters dachten daran, noch ungefähr vier Wochen zu Gafispielzwecken zu verwcnden, ehe sie sich in alle vier Winde zerstrcuten.um entweder den Sommer bis zum Wiederbeginn der Saison in einem der paradiesisch gelegenen Bäder des Mexican Coast zuzubringen, oder nach New Jork oder Europa zurückzukehren. Unsere Gastspielroute arrangirte sich schnell und angenehm, und nach einem solennen Absch'icdsschmaub packten wir die nothwendigsten Koffer und steuerten fröhlich hinaus in's wunderschöne Eali formen. Die dritte Stadt auf unserer Gast spieltour war I . ein Platz von unge sähr 60.000 Einwohnern. . vor allem bekannt durch feine herrliche Lage und sein großfZ Irrenhaus. Ich habt immer in meinem Leben ein tiefes Interefse genommen an jenen armen Unglücklichen, die. der Vernunft beraubt, hinter starken eisernen Gittern und eichenen Bohlen ein trostloses, ödes, zweckloses Dasein vertrauern, denn nicht blos für den Künstler, der den Wahnsinn an der Quelle studirt, um Kapital für feine Rollen daraus zu schlagen, fondern vom psychologischen Standpunkt aus ist es für jeden den kcnden Menschen von Interesse, zu sehen, wie viele verschiedene Ursachen jene Armen an diesen Ort führen, über dessen Eingang man mit Dante schrei' ben könnte: Ihr die Ihr hier eintretet, laßt jede Hoffnung drauüen." Ich hatte dem Direktor des Irren Hauses meinen Wunsch ausdrücken las scn, sein Institut zu besichtigen, und mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit kam am anderen Tage die gewünschte Erlaubnis; und eine' Einladung zum Wncr. Unsere Gesellschaft war klein, aber gewählt!" Außer dem Direktor und feiner Gattin sowie einigen Herren und Dame,l unserer Gesellschaft waren noch einige Herren anwesend, welche uns als Aerzte und Assistenten des In stituts vorgestellt wurden. Unter Letz tcren fiel mir namentlich ein junger, schmächtig gebauter Mexikaner ausder mit seinem dunklen, fremdartigen Geficht und den tiefen, melancholischen Augen um so mehr meine Aufmerksamkcit erregte, als er sich wenig oder gar nicht an der Konversation' die natürlich in englischer Sprache geführt wurde bcthciligte. Ich konnte mir leine, Rechenschaft darüber geben, was mir eigentlich so sehr an ihm auffiel! War es, daß er der Einzige war, der sein Weinglas nicht anrührte, war es, daß der Director ihn so freundlich und väterlich behandelte, wie ein krankcs Kind, trotzdem er sehnig und gesund genug aussah ich weiß es nicht. Nach Tische machten wir eine Runde. Keine besonders interessanten Fälle" : Mütter, die ihr Kind verloren hatten und mit herzbrechender Stimme nach ihrem verlorenen Liebling riefen ; junge Mädchen, verführt und verlassen, die ' in dumpsem Schweigen vor sich hinstarrtcn ; Wittwen, von Advokaten um Hab und Gut betrogen ; Frauen, von ihren Männern brutal mißhandelt, bis sie im Trunl Vergessenheit suchten und schließlich mit dem Delirium tre mcns hier landeten ; andere, die den Verlust des Gatten nicht ertragen konnten ; Idioten mit blödem Grinsen und die hundert mit ziren Ideen Bchafteten. bei denen in dcn meisten Fällen noch Rettung möglich ist. Alles "orarnonplace"," wie mir der Direktor sagte, und doch oh Gott jedes dieser ruinirten Leben eine Tragödie für sich.- . Nachdem wir die vielen Räume des kolossalen Gebäudes besichtigt hatten, proponirte der Direktor den Thee. Alles war einverstanden, denn wir waren müde, nur Eines wollte ich noch : den prachtvollen Fernblick vom Dache des Haufes genießen. Meine Begleitung zeigte wenig Luft, die sieben -Treppeir empor zu klimmen, nur Don Jose, der' sich während der Prolnenade durch das Haus stets an meiner Seite gehalten hate. offeritte mir, mich hienauf zu führen und stellte dem Direktor, der ihn ansah, vor, daß es nur 10 Minuten nehmen würde, und daß wir bis zur Zeit, wo der Thee fertig sei, längst wieder im Parlor sein könnten. Der Worden händigte ihm den Schlüssel zum Dacheingang . ein, und mxs begannen unsere Reife aufwärts. Während Ton Jose mich mit echt südlicher Galanterie unterstützte, bemerkte ich zum ersten Male, daß er seine Scheu ganz abgelegt natte und' auf das Angenehmste piauöerte. Wenn er Wein getrunken haben würde, hätte ich diese plötzliche Lebhaftigkeit der Flasche zu geschrieben, so dachte ich nichts weiter, als das die stete Gegenwart seines Vorgesetzten ihm vielleicht drückend war, und' daß er freier athmete, sobald -er allein war. Wir stiegen durch die Tachössnung hinaus 'ausö , Dach.' , und ,, ich bemerkte, daß Ten Jose die, Dachluke sorgfältig wieder schloß: Es ist nur, damit Sie nicht etwa unversehens rücklings hinunterstürzen, 'ennora," , sagte er; !wir hatten vor einem Jahre einen derartigen Unfall." - , , Ich beachtete ihn nicht und schaute trunkenen Auges um mich! , ii ejer. 1 wenn Tu , nie in Ealifornien warst, kannst iDu Dir kaum einen Bearisf machen von ? einem Sonnenuntcrl aang bei schönem Wetter in der Sierra,
Wenn man diese Farben auf einem Ge mälde wiederzugeben suchte, dann würde man sie für die überspannte Pha?asie des Malers halten und behaupten, daß solche Combinationen, so überwältigende Farbenpracht nur in der kühnen Einbildungskraft der Künstlerseele existiren können. Und dazu unten die langen Alleen und herrlichen Gärten mit blühenden Eitronen und Granaten, nnd in bzt Entfernung der Strom, während die Sierra mit ihrem ewigen Schnee dcn Horizont begrenzte. Und über dem Ganzen eine solch erhabene Ruhe, solch' tiefer Friede, als dächte die Natur über ihre eigene Herrlichkeit nach !
Plötzlich fühlte ich mich leicht an der Schulter berührt. Aufgeschreckt drehte rch mich um und trat unwlllkürllch einen Schritt zurück dicht an meiner Seit stand der Mexikaner und blickte mich an. Aber welche Veränderung war mit dem Manne vorgegangen? Waren das dieselben sanften Äugen, die mich jetzt mit einer wahrhaft dämonischen Gluth durchbohrten?Eine instinktive Furcht bemächtigt sich meiner, und ich wollte vom Rande des Daches zurücktreten, auf die ge schioffcne Dachluke zugehen ' aber mit dem Sprung eines Panthers war der Mann an meiner Seite und ergriff mein Handgelenk! Nicht von 'der Stelle. Weib " zischte er mir zwischen den geschlossenen Zahnen hindurch in's Gesicht, und fein glühender Athem ver sengte mich fast nicht dort hinunter sondern hier!" Und dabei deutete er auf die gühnende Tiefe! Mein Herz stand einen Augenblick still, denn mit Blitzesschnelle hatte er mir die furcht bare Wahrheit aufgedrängt ich war allein außerhalb des Bereichs der Hilfe mit einem Wahnsinnigen! Ich hatte oft gehört, daß vom Irr sinn Geheilte zu verschiedenen Dienstleistungen verwandt werden, hatte selbst im Hotel verschiedene Aufwärtcr ge fehen, von denen mir erzahlt wurde, daß sie als geheilt entlassen worden wa ren, nie aber war mir der Gedanke gc kommen, daß ich mich je selbst in der Lage befinden könnte, mem Leb.'n ge gen einen Wahnsinnigen vertheidigen zu müssen. Aber hier war keine Zeit zu Reflexionen! Hinunter hinunter weißt Du nicht,- daß die Luft uns tragen kann wie das Wasser? Himmler!" und der Wahnsinnig? drängte mich gegen den Rand des Daches. Mit der Kraft der Verzweiflung wehrte ich mich und stemmte mich gegen ihn, indem ich gellend um Hilfe schrie Hinunter hinunter es ist nicht schwer was? Tu willst nicht? Du sollst. Tu mußt!" Und der Teufel, aus dessen Gesicht alle Menschmähnlichkcit geschwunden war. griff mit der Rechten in seine Tasche und zog ein Einschlagmesser, ein sogenanntes Bowieknife während er mich fest mit der Linken gepackt hielt! Allbarmherziger Gott, will denn keine Hilfe kommen? Mein Gehirn be. gann zu wirbeln nur der Gedanke, daß ich dann unrettbar verlöre sei. verhinderte, daß ich besinnungslos zu Erde stürzte mit den Zähnen hatte er das Messer geöffnet ich ließ seinen linken Arm los und packte mit beiden Händen feine Rechte unterhalb des Handgelenkes - ich bin keine von den physisch schwächlichen Frauen, und die furchtbare Gefahr gab mir die. Kraft der Verzweiflung das Messer machte Schnitte rechts und links m meine Hände, aber ich hielt fest oh Gott sei ewig Dank jetzt hörte ich Schritte die Dachtreppe heraufkommen. Aber auch der Irre hörte die Schritte und preßte mich mit aller Macht an dcn Rand des Daches jetzt Schläge gegen die Dachluke der Mexikaner hatte sie verschlossen Hilse Hilfe " ich fühlte seinen Griff fester da bekam ich durch eine plötzliche Wendung meinen rechten Fuß frei, und kaum wif send, was ich that, stieß ich ihn mit aller Krast zurück er schwankte ich verlor das Gleichgewicht und stürzte nieder, ihn in 'meinem , Falle mit mir reißend er war dem Dachrande am nächsten die Schleppe meines Kleides hatte sich in einen großen hervorstehenden Nagel verwickelt er war im Rollen und konnte sich nicht mehr halten jetzt, jetzt war er am Rande noch einmal breitete er die Hände ans ein furchtbarer Ausschrei dann verschwand er ein dumpfer Aufschlag - ein Schrei, wie von dielen Stimmen dann hörte ich nichts mehr, eine wohlthätige Ohnmacht hatte sich meiner bemächtigt! Als ich erwachte. lag ich im Privatzimmer des Direktors, um mich herum standen mit bleichen Gesichtern die Aerzte und meine, College, meine Hände waren bandagirt, mein Kopf fühlte wüst und ich konnte mich nicht gleich besinnen, was geschehen war. Erst nach und nach kam mir die Erinnerung wieder, und mit Schauder vernahm ich, wie die Netter in der Noth die Dachluke in demselben Augenblick aufgebrochen hatten, als Don Jose hinunterstürzte, gerade zur rechten Zelt, um mich vor dem gleichen Schicksal zu bewahren. ' , Die blutige, formlose Masse' war einstweilen in einem der Gewölbe untergebracht worden. Als ich aber aufstand und vor den Spiegel trat, um meinen Anzug zu arrangiren, da taumelte ich zurück, denn mein dunkles Haar war in der entsetzlichen Viertelstunde schneeweiß geworden! i, Kasernen Hof blü then. Unterosficier: Die Knövse, haben jcputzt zu werden, denn proppcr muß der Soldat sein. Aber, er muß es nicht blos sein, er muß es auch wirklich sind. Lieutenant: Wenn ich füge: Augen rrrcchts!", 'so, müssen , die Augen mit einem hörbaren Rrruck nach rrrcchts flieS
VonderMtlelbigkett. Obwohl im Allgemeinen ein gewitt fer Fettansatz zum Wohlbefinden gehört und es schwierig ist, eine scharfe Grenze zu ziehen zwischen gesunder Wohlbe leibtkeit und krankhafter Fettleibigkeit so ist es doch sicher, daß eine allzugroße Beleibtheit für den Träger nicht nur eine ganze Reihe Unzuträglichlciten, sondern sogar auch eine gewisse Lebens' gefahr mit sich bringt. Mag nun für die Entwickelung des Zustandes eme gewisse erbliche Anlage zum Feite den oder Stoffwechsels: öru n ge n die Ursache sein, oder es fei nach der An sicht Erbstein's der übermäßige Fett, anfatz beim Menschen ein Analogon der Mast der Thiere, indem eine zweckmäßig zusammengesetzte Nahrung in zu reichlicher Menge aufgenommen wird, die in keinem Verhältniß zn der vom Körper zu leistenden Arbeit steht allerdings ist ja Fettleibigkeit vor zugswcise eine Krankheit der besseren Stände, und namentlich mit Ueber wiegen des weiblichen Gefchlcchts, wc reichliche Nahrungsaufnahme bei man gelhafter Körperbewegung fast VorauZsctzung ist so ist meistens mit allge'meiner Fettleibigkeit ein sogenanntes Fettherz verbunden, indem nicht dlcß Fettmassen das Herz umlagern, son dern auch die Herzmuskulatur in ihrem feineren Gefügt mit Fett durchsetzt ist. Hierdurch aber wird feine Arbeitslei stung beeinträchtigt, so daß ein plötz licher, wenn auch an sich geringfügige! Anlaß, der die Jnncrvation des Herzcns schädigt oder die Wiedcrstände im Gefäßsystem erhöht, das Versagen der Herzmuskel und damit den Tod herbei führt. Solche plötzliche Todesfälle der Fettleibigen sind durchaus nichts Sel tencs. und es war schon den Altmeistern in der Medicin, dem HippokrateS und Celsus bekannt, daß hochgradige seit leibige Personen häufig eines plötzlichen, unerwarteten Todes sterben. Es giebt nun eine Reihe von Erschci nungcn, die den Fettleibigen warnen und ihn auf die ihm drohende Gefahr aufmerksam machen. Allerdings wer
den die gewöhnlichen Erschemungcn des MastfetthcrzenS, stark gerSthctcS Gesicht und bläulich verfärbte Lippen, sowie die fubjectiven Beschwerden. Herzklop fen und Athemnoth, die ebenfalls da rauf deuten, daß die Triebkraft des Herzens dcn erhöhten Widerständen und den Ansprüchen an seine Lcistungssä higkcit nicht mehr gewachsen ist, von bcn Betreffenden durch die Gewöhnung an ihren Znstand und wegen der An paffung an die dadurch bedingten Verhältnisse häufig nicht beachtet und selten richtig gewürdigt werden, so daß sie in scheinbarem Wohlbefinden ihrem Be rufe nachgelcn. Weil ihm die Fett muffen den Athemranm beengen und weil die Fortbewegung seines schweren Körpers einen größeren Aufwand an Muskelarbeit verlangt, scheut der Dicke wegen der lästigen Kurzathmigkeit beim raschen Gehen und namentlich beim Steigen und wegen des unbehaglichen Ermüdungsgefühls alle Körperbcwe. gungen. schränkt sie auf das nothwen digste Maß ein und befördert auf diese Weise indircct seinen Zustand. Die ersten warnenden Anzeichen. d!e einen plötzlichen Todesfall in's Auge fassen lassen, sind nun nach Erführun gen des Professor Kisch in Prag-Ma ricnbad zunächst Unregelmäßigkeiten int Pulse, der ohne ersichtlichen Grund in kurzer Zeit in seiner Stärke und der Anzahl seiner Schläge wechselt, ferner cm auffallend verlangsamter Puls. Für den Laien mehr in die Avgm springend ist das Auftreten von Herz bcklemmungen. die meist mit einem sich steigenden Angstgefühl cinhcrgchcn und nach einiger Zeit unter dem Gefühl großer Erleichterung nachlassen, ferner asthmatische Anfälle, besonders des Nachts, und auch öftere Anwandlungen von Ohnmachten und Schwindclansäk len. verbunden mit plötzlich auftretender, nach kurzer Zeit wieder verfchwindender Sprachlosigkeit und Schstörnn gen oder vorübergehender Schwäche ti nes Armes oder Beines. Diese Anzci chen sollten einen Fettleibigen zu einer rationelleren Lebensweise veranlassen. Es kann jedoch auch ohne diese Vor, boten ein plötzlicher Tod eintreten, wenn chronischer Alkoholismus oder Mge Entartung, Verdichtungen oder Verkalkungen der Blutgefäße dcn Falk verschlimmern, oder wenn unter Bluts verwandten schon plötzliche Todesfälle vorgekommen sind, so daß eine gewisse erbliche Anlage .nicht ausgeschlossen er scheint. Tritt nun bei einem Fettleibigen der plötzliche Tod ein, so ist es eine plötz liche Bersagung und Lähmung der Herzthätigkeit (Herzschlag) infolge der Uebermüdung des geschwächten Mag settherzens, und cZ treten in solchem Falle wegen der Störungen im Lungenkrcislauf, weil die rechte Hcrzkam mer noch thätig ist,-während die linke schon erlahmte.' Jlüssigkcitsmcngcn aus den Lungcnvcnen in das Lungcugcwebe über, d. h.- es bildet sich ein acutes Lungenödem. Oder es kommt, ver anlaßt durch die arterielle Blutdruck steigerung und die Starrheit der kleinen Gefäße, zu einer schweren Hirnblutung (Gehirnschlag) öderes leistet das Herz dem Scitendruck des Blutes nicht genügend Widerstand, dehnt sich aus und führt zu Herzerweiterung, cdcr endlich kann in seltenen Fällen auch ein völli ges Zerreißen de-Zfcttig entarteten und deshalb mürben Herzmuskels bei Ueber anstrengungen , eintreten. Männer werden im allgemeinen mehr vom Plötz lichcn Tode betroffen, als Frauen, was wohl für Erstere auf dcn bei ihnen mehr vorherrschenden Alkoholgcnuß zurückzu führen ist. HäßlZcheFrauen müßten zam Lebenszweck haben, beliebt schöbe Frauen, geachtet zu werden. Viele Dinge lohne n dc: Mühe, gesagt wenige, wiederholt zu werden. -
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