Indiana Tribüne, Volume 15, Number 252, Indianapolis, Marion County, 29 May 1892 — Page 6

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US 2?tottke'K edensgeseitchte.

; Von den Gesammelten Schriften" deZ großen Strategen und Feldmar FchaUZ Wo!tke Zst der erste Band erfchie Kien, welcher Beiträge $ut Lebens jgeschichte" cnthött. Wie einst der greise Feldherr über dle höchsten DasemSftagen nachdachte, geht aus jenen Betrachtun' Km hervor, die er als Trostgedanken bezeichnete. ! .T Mensch fühlt sich als geschlosse nes Ganze, gesondert von der übrigen Welt, .und gegen sie äußerlich begrenzt durch die körperliche Hülle, welche hier auf Crdm der Seele, zur Wohnung bient. Dennoch mochte ich in diesem Ganzen Funktionen erkennen, die, innig vnbun den und von der Seele beherrscht, doch eine fclbststündige Ezistenz haben. . Aus dem, Dunkel unserer Entstehung entwickelt sich der Kärpcr zuerst. RastZos arbeitet seine Natur xrn dem Wachs thum des Kindes und bereitet schon in ihm die Wohnung für höhere Organe dor. Die Atme (den Höhepunkt) der Vollkommenheit erreicht der Körper Zchon vor der Hälfte seiner Tauer, und jaus dem Ueberfchuß feiner Kraft erweckt er neues Leben. Von da an Abnähme und nur noch das mühsame Streben nach Erhaltung des eigenen Bestehens. Während vielleicht eines Dritthcils unseres Daseins, während des Schlafes, empfängt der Leib keine Befehle seiner Beherrscherin, und doch pulsirt der Herzschlag ununterbrochen, die Stoffe wechseln und der Athmungsproceß voll zieht sich: Alles ohne unser Wollen. Und selbst gegen diese (Befehle) kann die Thätigkeit des Dieners sich üuflehnm, wenn z. B. der Krumpf UN fere Muskeln qualvoll zusammenzieht. Aber der Schmerz ist der Ruf nach Hilfe und Beistand, wenn die leben dige Körperfunction die Herrschaft über die todte Mater verloren hat, was wir als Krankheit unseres Vasall, emvsiuden. Nach Allem müssen wir den Körper zwar als einen Theil unseres Seins onerkennen, aber doch als etwas uns Jftbst Fremdes. Ist nun wenigstens d'tf Seele, das eiaentlZHe Ich. ein einziaes untrenn bares In langsamer Entfaltung steigt die Vernunft zu immer größerer Vervol! lommnung bis in's Alter empor, so lange der Körper sie nicht im Stich läßt. Das Urtheilsvermögen wächst mit der Fülle der Lebensersahrungen, aber freilich das Gedächtniß, dieser Handlanger des Denkens, schwindet schon früher, oder verliert vielmehr die Fähigkeiten, Neues aufzunehmen. Wunderbar genug diese Fähigkeit, MJ Angeeignete aus frühester Jugend, (Itm Lerntes und Erfahrenes, in tausend Schubfächern aufzubewahren, die sich dem Geiste zur augenblicklichen V" fügung öffnen. Es ist ja nicht in Abrede zu stellen, daß li Alter oft stumpfsinnig erschein neu läßt, aber an eine wirkliche 33 dunkelung der Vernunft kann ich nicht glauben, denn sie ist ein lichter Funke des Göttlichen, und selbst beim Irrsinn tritt sie wohl nur äußerlich hervor. Kann doch der Taube, der auf einem völlig verstimmten Instrument ganz richtige Noten anschlägt, sich seines kor retten Spiels bewußt fein, wahrend Alle außer ihm nur wirre Mißklänge hören. Die Vernunft ist durchaus souverän, sie erkennt keine Autorität über sich: ikeine Gewalt, wir selbst nicht, kann sie Mmgen, für unnchng anzunehmen was sie als wahr erkannt hat. pur si muoye ! Der denkende Geist schweift durch die endlosen Fernen der leuchtenden Sterne, tt wirst das Senkblei aus in die unergründliche Tiefe oes kleinsten Lebens, niraends findet er Grenzn, aber überall die Regel, den unmittelbaren Aufdruck Des göttlichen Gedankens. Der Stein fällt auf dem Sirius -nach demselben Gesetz ter Schwere, wie rnf der Erde; dem Abstände der Plane ten, der chemischen Mlschuna der Ele mente liegen arithmetische Verhältnisse zu Grunde, und überall ergeben dleselden Ursachen dieselbe Wirkuna? Nir ends Willkür in der Natur, überap Gesetz. Zwar den Ursprung der Twae ver mact die Vernunft nicht zu erfassen. bcr nirgends steht sie im Widerspruch nnt der Regel, welche Alles rniei. Ver nunft und Weltordnung sind konform. sie müssen glelchen Ursprungs sein. Auch wenn die Unvollkommenheit olles Erschaffenen die Vernunft auf Z:it-L v! i. ... . . cm . - i Ä)M juun, von ver kvayryen av senken, ist Wahrheit dennoch ihr einzi' es Ziel. So tritt denn freilich die Vernunft tu Widerspruch mit manchen ehrwürdi gen Ueberlieferungen. Sie sträubt sich gegett das Wunder, des Glaubens llebstes Ktnd": sie kann sich nicht über .zeugen, .dak die Allmacht nöthig haben sollte, um ihre Zwecke zu erreichen, in Etnzelsallen die Gesetze, der Natur aus zuHeben, welche diese in Ewiakeit rtqte ?en. Doch richten sich nicht die Zweifel Hegen d Rglon, sondern nur gegen m ,5orm, in welcher sie uns dargebracht ist. Das Christenthum hat die Welt aus der Aarbarn zur Genttung emporgeho ben. Es hat in hunderl'ähriaem 'Wir len die Sklaverei beseitigt, die Arbeit geadelt, dle Frau emanciv.rt und den ZLlick in die Ewigkeit geöz,nct. Aber war es die Glaubenslehre, das Toqma welches diesen SegeR schuf? Man kann sich über Alles verständig?, nur n'cht über Dinge, an welche das menschliche " Begriffsvermögen nicht heranreicht, und ' Herade über solche Begriffe hat man 18 , ' Jahrhunderte hindurch gestritten hat die Welt verbeert, von der Vertilauna 2cr Ariancr an durch JOjäbrige Kriege fte zu den Scheiterhaufen, der Jnquisilicn; und was ist das Ende aller dieser Kämpfe? derselbe Jw:czpalt de , Meinunacn wie moori

Wir können die Glaubenssätze hin

nehmen, wie man die Versicherung ei nes treuen Freundes hinnimmt, ohne sie zu prüfen.: aber der Kern aller wt llgronm lZt die Moral, welche sie Ich ren, am remuen uns er cyopscnouen Die christliche. und doch spricht man achjelzuaens oon einer trockenen Moral und macht die Form, in welcher sie gegeben, zur Hauptfache. Ich fürchte, daß der Ei ferer auf det Kanzel, welcher überreden wm, wo er mcht überzeugen kann, du Qhrlsten aus der Klrche hinaus predigt. Ueberhaupt sollte nicht jedes fromme Gebet, möge es nun an Buddha, an Allah ode? Jchovah gerichtet sein, an denselben Gott gelangen, außer dem es ja keinen gibt? Hört doch die Mutter die Bitte des Kindes, in welcher Spra, che auch es ihren Nomen lallt. Dle Vernunft steht nugmds lm Wi oerspruch mtt der Moral; das Gute tu fchlienlich auch das' Vernünftige, aber danach zu handeln, hängt nicht von ihr ab. Hier entscheidet öle herrschende Seele, die Seele des Empfindens, daZ Wollen und Handeln. Ihr allein, nicht den beide Vasallen, hat Gott das zweischneidige Schwert des freien Wi! lens geschenkt, diese Gabe, welche nach der Schrift zur Seligkeit oder zur Verdammniß führt. Aber auch ein sicherer Nathgebcr ist uns beigeordnet. Von uns selbst im abhan.ua, hat er feine Vollmacht von Gott selbst. Das Gewissen ist der un bestechliche und unfehlbare Richter, wel cher sein Urtheil w jedem Augenblicke spricht, wo wir ihn hören wolle, und dessen Stimme auch endlich den erreicht, der sich ihr verschließt, wie sehr er sich auch dagegen sträubt. Dle Gesetze, welche die menschliche Gesellschaft sich gegeben lhat, ziehen nur das Sandeln vor ihren NlMterstubl. nicht auch das Denken und Empfinden. (selbst die verschiedenen Religionen fordern anderes bei anderen Völkern. Sie verlangen hier die Heiligung des Sonn ags, oder des samstags oder Freitags, die eine erlaubt Genüsse, welche die andere verbietet. Ohnehin bleibt zwischen Erlaubtem und Verbotenem noch n weiterer Spielraum, und eben hier erhebt mit feinerem Gefühl das Gewissen seine Stimme. Es sagt uns. daß jeder Tag dem Herzen geweiht sein sollte, daß selbst der erlaubte Zms. vom Bedrängten erhoben, unrecht sei, mit einem Wort, es predigt die Moral in der Brust von Ehristen und Juden. von Heiden und Wilden. Denn selbst bei den ungebildetsten Bollern, denen das Christenthum noch nicht leuchtet. stimmen dre Grundbegrine über Gutes und Böses überein. Auch sie erkennen Treubruch und Lüge, Verrath und lln dank für schlecht, auch ihnen ist das Band zwischen Eltern, Kindern und Verwandten heilig. Es ist schwer, an die allgemeine Verderbtheit des Men schenaeschlcchts zu glauben, denn wie sehr auch von Rohheit und Wahn Vorstellungen verdunkelt, liegt doch in zcdcr Menschenbrust der Keim zum Guten, der Sinn für Edles und tocho nes, woynt in iyr das Gewi um, wel ches den rechten Wea zeiat. Gibt es einen überzeugenderen Beweis für das Dasein Gottes, als dies Allen gemein same Gefühl für Recht und Unrecht, als die Uebereinstimmung eines Gesetzes, wie in der physischen, so in der morali fchcn Welt? Nur dan die Natur diesem Gesetze unbedingt folgt, dem Menschen aber, weil frei, die Möglichkeit gegeben ist, es zu verletzen. Körper und Vernunft dienen der herrschenden Seele, aber sie stellen auch ihre sclbstständigen Forderungen, )t sind mitbestimmend, und so wird das Leben des Menschen ein steter Kampf Mit sich selbst. Wenn dabei nicht int wer die Stimme desGewinens die Ent schlienuna der so vielfach von äunerem und innerem Widerstreit bedrängten eele e.Uschtldet, so muffen wir hoffen. datz der err, welcher uns unvollkom men fchuf, nicht das Vollkommene von uns fordern wird. Denn wie, Vieles stürmt mcht bei sn xitäi Danoem aus den Men cym ein: i. Jr . ivn M " Wie verschieden sind schon seine ur sprunalichen Naturanlaaen. wie im gleich Erziehung und Lebenslage! Leicht wird es dem vom Glück Bevorzugten, den rechten Weg einzuhalten, kaum daß die Verfuchuna. wenlastens mm Verbrc chen, an ihn herantritt ; schwer daae gen dem hungernden, ungebildeten, von Leidenschaft bestürmten Menschen.' Dies Alles mu der Abwaauna von Schuld und Unschuld vor dem Welt aericht schwer in die Wagschale fallen. und hier wird Gnade zur Gerechtigkeit; zwei Begriffe, die sich sonst ausschlie ßen. Es ist schwerer, das Nichts als Et was zu.dcnken, zumal dies Etwas doch emmal da ist, schwerer das Aufhören, als die Fortdauer, unmocrilch rann dies Erdenlebc sein letzter Zweck fein. Wir haben ia nicht um dasselbe gebeten. es ward uns gegeben? auferlegt. Eine r . rn i " ' "'' "" . ooizere cuimmung muen wir oaocn. als etwa den Kreislauf dieses traun gen Dascjns immer wieder zu erneuern. Sollen die un rings umgebenden Räthsei sich, numals llaren. an deren Lösung n - l j .' nrri r'k.r.- i' ' r .. oie Mnen oer vjitnqm iyr, eoen hindurch geforscht? Wozu die tausend ädenvon Liebe und Freundschaft, die uns mit Gegenwart und Bergan aenhcit verbinden, wenn es keine Zu kunft aibt, wenn Alles mit dem Tods :us ist? ', , , , Was aber kann in diese Zukunft hin iberaenommcn werden? , , Die Funktionen unseres irdischen leides, des Korpers, haben aufgehört, )ie Stoffe, welche ia schon bei Lebzeiten beirändia weckseln. treten in neue cbemische Verbindungen, und die Erde hält fen. was lyr gkyorl. vaqt oa Kleinste geht verloren. Die .Schrift verspricht uns die Auferstehung eines verklärten Leibes, und freilich lüfcf ssck ein oaderdaftin ohne Begrenzung ,i r ü " . . ;.. ....... V"i ... :.' ' .-I .'1 .!... - niqji ccr.ien; oennoq ip unier viefer

Verheißung wohl nur die Fortdaue,

der Individualität zu verstehen, im Ge genfatz zum Hantheismus. , Daß die Vernunft und mit ihr alles, was wir an Kenntniß und Wissen müh sam erworben, uns m die Ewigkeit be leiten wird, dürfen wir hoffen, vielleicht auch die Erinnerung an unser irdischez Dasein. Ob wir das zu wünschen ha den. ist eine andere Frage. Wie. wenn anst unser ganzes Leben, unzer Denken und Handekn vor uns ausgebreitet da läge und wir nun selbst unsere eigenen Richter würden, unbestechlich, erbar mungslos? 'Aber vor Allem das Gemüth mußdei Seele verbleiben, wenn sie unsterblial ist.' Die Freundschaft zwar beruht auj Gegenseitigkeit, bei ihr spricht noch du Vernunft mit, aber die Liebe kann be stehen ohne Gegenliebe. Sie ist die reinste, die göttliche Flamme unseres Wesens. Nun sagt uns die Schrift, wn sollen vor Allem Gott lieben, ein unsichtbares. uns völlig unfaßbares Wesen, welches uns Freude und Gluck, aber auch Ent behrung und Schmerz bereitet. Wie können wir es anders, als indem wir feine Gebote befolgen und unsere Mit menschen lieben, du wir sehen und verstehen. Wenn,, wie der Apostel Paulus schreibt, einst der Glaube in die Er kenntnig. die Hoffnung rn die Erfüllung aufgeht und nur' Liebe besteht, fo dürfen wir hoffen, auch der Liebe eines milden Richters zu begegnen. Ereljau, im October 18U0. Er. M. Der Hund ließ sich kuriren. Ein rührende Geschichte wird von einem Hunde erzählt, welcher gegen wärtig unter dem Namen Jack ein stän diger Hausgenosse des berühmten Lon doner Krankenhauses, das zedes Eockney Kind unter dem Namen Guy's- kennt, geworden ist. Kürzlich kam nämlich ein große? ichwarz und wein aefleckter Bullenbeißer mühselig und vor Schmerz winselnd in das Hauptgebäude auf drei Beinen her eingehinkt, welches nebenbei gesagt nur zur Ausnahme und Heilung von solchen Patienten dient, welche äußere Verlet zungen, Knochenbrüche u. f. w. erlitten hzben. Die Kinder, welche $m dem Garten für Aeconvalcscenten an Kruaen herumschlichen oder von Wärtern in Fahrstühlen herumbewegt wurden, 'ge wahrten fofort den armeil Hund und riefen eiligst emen der Wundärzte her bei. . Bei der Untersuchung stellte sich her ans, daß Jack" fo nannte man den vertrauensvollen Vierfüßler sofort - ein Bein gebrochen hatte und daß der Patient also gar keinen besseren Ort aussuchen konnte, als Guy s Sosort behandelte man ihn kunstgerecht, und nach weniacn Wochen war das ge brochene Bcm wieder ganz und heil. Als Jack wieder munter umher springen konnte, weigerte er sich jedoch, seine Wohlthater zu verlassen, und man be hielt den dankbaren Hund gern dort. Gutes Auskunftsmittel. Frau De Tompkins: Dieser ewigd Rangstreit unter den Damen hie? in Washmakon ist wahrhaftig immer auf's Neue eine Quelle von Verlegenheiten für mich. Wer hat z. B. beim heutigen Diner Recht auf den Vortritt, Frau General Port Warden Robm on, oder die Gemahlin des Hilfscommissärs für Bundesfischerci, Jrau Jones? Wie soll ich, mich nur da aus der Affäre ziehend, ' ' Kluge Tochter: Weißt Du, Mama. ich hab s! Du länt einfach die Fluael thüren zum Spcisesaal wett aufmachen, nimmst beide Damen unter den Arm und marschirn mit ihnen fo drei Man hoch hrncin! 1 Unddas hat auch das Gute, daß von den folgenden Damen sich keine zurückgesetzt fühlen kann!" ' Unter geistreichen Schriftl ln gen. Erster Nnn, gut geschlafen werther Freund?" Zweiter? b?ü lernt!" Ich hatte nämlich gestern Abend Gelegenh.'it, dem Kritiker W., der mein letztes Auch, so heruntergemacht bat; mal tüchtig die Wahrheit zu sagen und das hat mir fehr wohl gethan. Erster;' Verstehe vollkommen. , Dann schliefen Sie alzo den Schlaf des Ge WmlS!.WMWj.S , K ü n d i a u n aS g r u n d. Paula: Nu, sag' mir, blos, weshalb kündigst Tu denn Deinen Dienst schon wieder?" Lina: Na, was soll ich denn hier!? V Die Madame ist jä so spindeldürr, daß mir kem Stück ihrer Garderobe vakt'."'

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ylese Mädchen:" ö ertönt es nur ' allzuhä'iisig voll chmer;!icheb Wehmuth ausdem Mundö gar mancher Hausfrau. Nicht fetten iit Unrecht, häunaer aber nnt vollstem ZZZechte. So wird uns zu dem bekannten DienstbotettKapitel" jetzt ein neuer Beitrag mit folgendem Vorfall gelie ert. der sich zur fcklgM .Karüevalszcit in Berlin ereignete: , . . Herr und Frau Doktor wollten in s Theater geben. Als .sorgsame Eltern riefen sie beide Dienstmädchen w'S Zim mcr, ihnen nochmals ihre Pflichten ein fchärfid. Cie, Lotte", sagte die junge Frau zu dem, Kindermädchen, bleiben überhaupt im Kinderzimmer. Alles, was Sie brauchen bringt Ihnen die Köchin herein. . In einer halben Stunde sangen t mit dem Kleinsten an. die Kinder zu Bett zu bringen. Werdcii Sie auch gut Acht geben?" Ja wchl, rau rtlfnr Viirftirt VhHf ntnfi-"f iin WV..V4, VVllWVi MV-JJ Ich rühre mich mcht vom Fleck." Be ruhigt schärft die ängstliche Mütter auch noch der Kochin. du schon mcyrere Jahre im Dienste ist. ein, nach dem Rechten zu sehen, und vor allen Tiuq gen in der Wohnung zu bleiben. Auch diese versichert so überzeugend, sie oerde ihre Pflicht thun, daß das junge Paar beruhigt das Haus verläßt. Unterwegs bemerkt der Ehemann, daß er die Schlüssel zum Schreibtisch ver gencn, sie vielleicht im Hausrock gelas jen habe. Er läßt die Gattin zum nahen Theater vorausgehen, springt selbst, da es noch Seit genug ist, m eme Droschke und kehrt nach Hause Zttrück. Obwohl er hin Corttdorsch unel K der Tasche hat, klingelt er doch, weil er befohlen hat, die SichcrhcitskeUe vorzu legen. Er klingelt 1, unzählige Male. Endlich cm weinerliches wtimmchen auf dem Corridor: ..Wir können Wir können nicht aufmachen, wir find zu klein." Erschreckt öffnet jetzt der Vater mit Leichtigkeit das Schloß, und siehe da, du Thüre springt wett aus, denn die Kette liegt nicht' vor. Ju. belnd eilen ihm die beiden größeren Kinder entgegen. Als er, nach den Mädchen sich umsehend, ins Zimmer tritt, findet er das kleinste, kaum 2jöhnge Söhnchen halbnackt auf dem Teppsch, sitzen. Nachtzeug und Waschgeräthe liegen auf der Erde ausgebreitet, ein großer Napf mit Wasser steht auf um Fußboden, und das Ganze macht den Eindruck, als ob Lotte ihre Thätigkeit an dem Kleinsten begonnen, aber al?er schnell untirbrocheu habe. . W der steckte sie selbst? Wo die Köchin? Beide spurlos! Der aufgeregte Vater durchsucht das ganze - n . s-r -f r ' au5, oas neiniic isooncycn orgncy eingewickelt im Arme haltend; die beiden größeren immer dicht an den Papa gefchmiegt. trollten hinterher. Er war tete in steigender Erregung eine halbe Stunde. Dann nef er den Pförtner und fragte, ob er nichts von den Mädchen wü&te. Ja, sagte der Mann, er habe sie vor einer halben Stunde eilig über die Straße laufen sehen, wohin wisse er sreilich nicht. Der Hausherr denkt nach. Da erinnerte er sich. daß Lotte vorhin gebeten hatte, mor- . . . . , IC . gen ein Tanzvergnügen milmaacn zu dürfen. Sie wird sich alfo irgend was dazu kaufen, so dachteer, unddemPfört ner die Sorge um die kleine (zZesollschaft für einige Minuten an s Herz legend. begab er sich selbst auf die Suche nach den Verschwundenen. Zuerst in den nahen Posamentierla den; dort waren sie vor Kurzem gcwe sen, wie man berichtete, und da t es so eilig gehabt, hätte man ihnen nach gesehen. Einige Hauser weiter links wären sie verschwunden. Nun hatte der erregte Doctor weniastms die Fährte. Er suchte also die Hauser links ab. Welche Art von Geschäft konnten du Madchen hur aussuchen? ..Material. Vorkost", Licht, Seife". das konnte die Ausreißer doch nicht locken. Aber da oben, eme Treppe, da leuchtete weithin das bunt bemalte ver führerifche Schild einer Maskengarve-' robe. Das wirds fein! In drei Sätzen war er oben. Ohne viel Umstände trat tr ein, und ging direkt ins Ankleidczimmcr, und da stand Lotte vor ihm als schmucker Page m eng anliegenden Sammethoschen und blonder Verrücken, so salzsäulcnartig, daß ihm Zeit blieb. du Maskenverleiherm zu bitten, ihn einen Augenblick mit der Dame allein ,u lassen. Lottes Anblick hatte seme Fingerspien derartig erregt, daß , er, trotz aller Verehrung, die er im Allge meinen für das zarte Geschlecht hatte, nicht umhin konnte, unter vier Augen die Kleidung des Pagen auf ihre Halt barkeit hin zu prüfen. Klatsch, klatsch, hörte man im Nebenzimmer, und als nach wenigen Minuten die neugierige Maskenverleiherin ? ihren Kopf durch die Thür steckte, trat ihr der Doctor mit der Bemerkung entgegen, er habe nur etwas Staub ausgeklopft. Dann eilte er nach Hause. Die pflichtvergessene Köchin kam ihm heulend entgegen und betheuerte, nur nach Lotte gesucht z haben. , . . Diese selbst , stellte sich nach einiger Zeit ebenfalls ein. Nachdem sie den ersten Schmerz uno Schreck überwunden zeigte sie sich frech und drohte, gleich , den Dienst verlassen , zu wollen. Um morgen ungestört den Maskenball besuchen zu können," saate ihr der Hausherr in3 Gesicht, , duraus wird nichts! , Sie bleiben wohl verwahrt hier und entgehen nicht Ihrer Strafe." Nach , einer ; Viertelstunde , hielt ' vor dein Hause eine Droschke, welcher bleich. nichts Gutes ahnend, die junge ' Frau kntstiea. " Mit Jubel von den Kindern begrüßt, erfuhr sie, was inzwischen vorgefallen: ..Gott sei Dank, daß Du die Schlüssel vergessen, wir waren sonst nu dahinter gekommen," meinte sie. Wie tausend Mal mag dergleichen vorkammen," erwiderte der Gatte, ohne daß es entdeckt wird?" Und Lotte ? Mit schlechtem Zeugniß entlassen, verliert sie natürlich ihr Buch und versucht aus

diesem Pech", wie sie sagt, ewe Lehre zu ziehen, wie sie das nächste Mal vor sichtiger zu'Werke gehe! Nadelstiche.

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Aeltliche Kokette: Wie ich seit eim ger Zeit von Zahnweh geplagt werde, das können Sie ncki aar nickt vorstellen. liebe Freundin. Und doch kann ich gar nicht beareifcn, wo ich es mir aeholt haben mag." Thcunchmende Freundin: Vielleicht stand Ihr Toilettenspiegel rn sehr im Zuge, liebe Priscilla. Großartiges Gcburtstagsgo schenk. '7z fB'T-'Ci. Jtä li-urza hr,th' i csSÄf &(r MMs ii Wl Was werden Sie denn Ihrer Frau Gemahlin zum Geburtstag ver ehren? Ich werde ihr Lummen neu aus blasen lassen. Schlagender Beweis, oder ein Werk von Meisterhand. Orientalische Sprüche. In einem jüngst erschienenen Buche r, .ffrnr rl Clsirifll'iintlnririlA' beleuchtet Paul de Regia die Verhältniffe der türkischen Hauptstadt und des türkischen Geisteslebens überhaupt durch viele Sentenzen und Sprichwörter, von denen die Frkf. Ztg." folgende wiedergiebt: mnt Stunde Gerechtigkeit geübt, gilt mehr als siebzig Jahre Gebet. Alles was Du giebst, gewinnst Du. Nur aus Stufen steigt man zur Hohe der Treppe. Höre tausend Mal, sprich nur ein Mal. Ein Weiser ohne Thaten ist eine Wolke ohne Reaen. Der Dir Nachrichten über,, Andere bringt, bringt Anderen Nachrichten über Dich. 'Sud mcht aus die Weike des Turbans, die Seife kann vielleicht auf Borg genommen sein. Der Un wissende ist sein eigener Feind! wie kann kr der freund nnes Anderen sem ? Es giebt keinen Menschen ohne Kummerz giebt es einen solchen, dann ist' er kein 'Mensch. Um sich zu kratzen. muß man Nagel haben. Das gewöhnliche Ende des Fuchses ist der Laden des Pelzhandlers. Das Huhn des Nachbarn daucht uns eine Gans. Der Dieb-, der sich nicht fassen läßt, gilt für einen ehrlichen Mann. Tausend Freunde sind wenig, em Feind ist viel. Halte den kleinsten' Deiner Feinde für einen Elefanten, und wäre er auch nicht größer, als eine Ameise. Wer in Frieden leben will, muß taub,, blind und stumm sein. Geschenkter Essig ist süßer, als gekaufler Honig.,, Ein weiser Feind ist mehr werih, als ein närrischer Freund. Wer Honig verarbeitet, leckt sich die Finger Anspielung aus die Bakschischempfange? unter - den Würdenträgern). Der kostbarste Platz in der Welt ist der Sattel eines schnellen Pferdes, der kostbarste Freund ein gutes Buch. , Frage nicht don Vogels woher er kommt, sondern,- was er singt. Die Geduld ist der Schlüssel zur Freude. Tausend Reiter können einen nackten Menschen nicht ausplündern. Der Eine ißt, der Andereiieht zu! das ist die Quelle so vieler Umwalzungen. Könnte man ein Handwerk dom , Zusehen lernen, so wären alle Hunde Dkchger. , ' ; 'Der brave Sohn. Vater: ,Und NUN will ich Dir noch etwas sagen, lieber Hugo! Pumpe Dir nie Geld, denn borgen macht Sorgen, mein lieber Junge!" Studiosus Hugo: Jawohl. Papa, das habe ich auch stets gefunden, besonders da man immer nicht weiß, wo man borgen soll!"

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.Ein Stlefkittd deS Glückes Vo Narlktta von MarksvicS. Eine böse-Fee hatte der armen Anke den Kummer in die Wiege gelegt. Kein Wunder wars, wenn dem armen Mmschenkinde die Augrn vom Weinen gar so getrübt waren. Hatte sie doch all' ihr Lebtag von Niemand Lieb', dagegen viel Rohheit von d:r Welt, ja, vom eigenen Vater erdulden müssen. Und warum? Sie hatte das nicht unschöne Gesicht übersäet von Sommer sprossen und brennrothes Haar. Im Dorfe hieß sie ..die rothe Anke-, statt Anna, und die Dirnen spotteten über sie, wie die Burschen ihr auswichen, oder ihr rohe Scherze nachriefen. Auf dem Tanzboden, zu dem sie sich früher manchmal geschlichen, saß sie im einsamen Winkel neben den Musikanten, während ihr Vater berauscht mit der Hand auf den Tisch schlug und sie heimgehen hieß. Un doch war ?lnke brav, fleißig und hatte mehr Herz und Gemüth, wie irgend Eine im Orte. Auch fromm war die rothe Anke, und wenn sie in der stillen Torfkirche geschäftig die Geräthschaften. die Heiligen und die Kirchensitze abstaubte, die Leuchter und Vafen mit Wachskerzen und Blumen besteckte, so kniete sie vorerst immer ci Weilchen vor dem Altare in stillem Gebete. Es war eine schöne, alte, ehrwürdige Kirche mit silberblitzmden Orgel pfeifen und einigen bunt gematten und erzgegossenen Heiligen aus der katholi scheu Zeit. Eine gefchnihte Kanzel hing zur Linien an dem Pfeiler und ihr gegenübn gab's eine große Kirchen loge mit einem verwischten Wappen und vielen vergoldeten Schnörkele'un. Wenn Anke die Fenster der Loge ge putzt hatte, tonnte sie dort in dem alt fränkischen Sessel stundenlang sitzen und träumerisch in die hoh:n bunter Kirchenfenster blicken. Früh und Abends versah Anke dcÄ Vaters Dienst. Sie mußte die Kirchenglocken läuten und ihre jungen Füße machten den Weg zwischen staubigem Gebälk über die alte holperige Treppe, an Eulennestern vorüber, hinauf und hinab, des Tages oft drei bis vier Mal. Kam dann ddr Alte nach Haufe betrunken, wie stets so mißhandelte er die Arme gewöhnlich und zog sie an den brennrothen Haarflechten durchs Zimmer. Schon Ankens Mutter hätte folch ein Leben geführt. Aber der Tod hatte sie gnädig befreit, als das Kind acht Jahre zählte. Seitdem war der Thürmer Valthasar nur noch roher geworden, und das heranwachsmde Mädchen hatte noch keinen frohen Augenblick gehabt, obwohl sie die kleine Wirthschaft nach Kräften zusammenhielt. So war Anke 19 Jahre alt gewor den; da kam zu dem alten elenden Leben noch eine neue Noth Anke liebte. Im Hochsommer vorigen Jahres ging sie eines Mittags, nachdem sie für die verstorbene Lenka vom Schulhof geläutet, durch den schweigsam im grellen Sonnenglanze daliegenden Gottesacker. Vor ihr her gaukelten in der trägen heißen Luft zwei Curonenfalter, Schmalben flogen zwitschernd vorüber. Sonst nichts lebendiges, und selbst du Wol ken standen in der SonnengZuth, wie große weiße verzauberte Schwäne mit breiten Flügeln am Himmel. Es war kaum zu athmen. Jetzt bellte ein Hund. Laut drang es durch die Luft. Und da kam ein Storch eben flügelschwingend und ließ sich klappernd auf die grüne Wiese nebenan nieder. Schon wollte Anke in die Kirche zurück dort war's schattig und kühl, dort ließ sichs wohl sein und träumen. Anke haschte nach einem Falter; die Bienen und Fliegen summten über den mit Spinnweben um Staub umhüllten Blüthen. Ah! wie heiß es doch war. Des MsdchcnZ schmächtiger Leib steckte in einem abgenutzten Kleidchen, sas, viel zu kurz, die feinen Knöchel und den kleinen Fuß sehen ließ, der selten einen Schuh getragen. Das sa denscheinige, doch sauber weiße Ober Hemd schmiegte sich eng an die hübschen Formen des jungfräulichen Busens, der zartwelße Hals war ganz unbedeckt! Zwei üppige Flechten des grellrothen Haares ymgeni uber den Rucken herab und die schönen blauen Augen bargen . ...II. V.. rf . i . tn f . r i " ine recyie uue von Wey nno no. Plötzlich stutzte die Anke und blieb Kehen. Sie glich in ihrer Anmuth einem lauschenden Hasen. Neben einem Ulsö aufgeworfenen Grabe saß ein lunger und schöner Bursche, der neu zierlg nach Anke blickte und sie an jpracy: ' 'Tu haschest Schmetterlinge, Dirndl? Zln der Hitz', wo die Sonn' ihren gol)enen Fächer ausgespannt hat? Wer bist denn? .' Freundlich, doch recht scheu und verlegen meintedaS Mädchen: . Eil Ich bin Anna des Thürmer Tochter! Und Du?" , Er war von jenseits des Waldes und hatte bald des Dirndls Vertrauen gewonnen sprach doch sonst Niemand mit ihr. Bald kam er,, oft und öfter des Abends nach dem Vespcrläuten und sagte der Anke viele süße Worte, und sie saßen beisammen auf der Schwelle der rückwärtigen Kirchenthür, 1 vor der ein breiter Grabstein die Ruhestätte des vorletzten Herrschaftsbesitzers bezeichnetem Oder sie wandelten still, sich umfangen haltend, durch den Gottesacker, wo für die Ewigkeit gesäet war. und schauten hinauf zum Firmament, um die blinkcndcn Sternlein zu zählend ,,, Und Anke glaubte den süßen Worten und feurigen Küssen ihres Peter, und nahm daheim geduldiger noch die Schläge des Vaters auf sich. Ihr junes Herz flammte auf in Liebe , und keuscher Sehnsucht; im Traume sah sie nur noch die schwarzen blitzenden Augen ihres Burschen. , , So kam der Winter heran, und Pe ter nahm Av;ud bis mm ttrüblma.

Er müsse jetzt In seine Hcimajh. komme aber wieder zu ihrzurüj, fobalt die Amseln zu singen begönnen." lto Anke saß daheim im e'mZamen StübcheZ und spann. und lächelte, und dächtt sehnend ihres Peter. Und wenn sie in schneidiger Kälte den Kirchthurm be stieg, fo hlcli sie ringsum in der (Regmd Ausschau. Wo, nach welcher Seite laz wohl seine Hcimath? Sie hätte bu Stiftn und Dohlen, die das alte Ge mäuer umflatterten, fragen möge, oder die alte Thurmuhr. die so eins er mig ihr lautes Tick-TaZ- erschallen ließ. Gewiß, die Welt war doch lustig, und schön war's in ihr zu leben man mußte nur lieben, und geliebt sein! Dann lohnte sich's schon! Die Amseln waren nun da. und Anna harrte täglich ihres Burschen. Er kam nzcht. Wohl Zwanzig Wal des Tages lief sie die holprige Treppe hinan. Da das war er wohl, der Peter! Ach nein! -MMHWttHö Lmsl. der Knecht. - Aber dort? dsrt zeigte sich eine schlanke. ' ebcnmWgs Gestalt und ein blaufsrbig HaMüch ach iurn! das war der'FMKMe vom Nach, barsdorf. der nur rohe CpoUrcdcn fü: sie hatte. Er kam nicht wie sehnsüchtig anch

die blauen Augen nach ihm gnöftchan ten. lvie oft auch der alte trübe Thrä nenschleier sich wieder in ihnen blicken tut'.. Da ging sie jüngst am Hofe des rc'. ch?n Pfannbauers vorüber. Eine wchl. bekannte Stimme schlug an ihr Ohr, ein Bursche hatte eine ' hübsche Dirne umhalst und küßte sie. Anken erstarrte das xrz in der Brust, ihr Fuß wur zelte am Boden. Da sahen die beiden Schäkerndin nach ihr. und Peter denn er war es wirklich rief auflachend herüber: Ah! du rothe Anke! Kommst arad recht! Brauch' ich Dir lein Wschieds brieflein zu schreiben. Haft vielleicht glaubt', ich sctfe die Spielerei fort? Fehlgeschossen! In drei Wochen hcirath' ich du Crescenz da, dem Psannbaucr fein' Tochter kannst zur Hochzeit lüu tcn. Du Rothe!" Wie von nuriLN aeveiticht. versOlat von dem Gelächter des Treulosen und feiner Dirne lief Anke heim, und warf sich, laut aufschluchzend, auf ihr Lager. Alle Qualeu verrathener Liebe zerfleisch tcn ihr armes Herz. Wie im Traum wankte sie Tags umher, um Nachts in grüMchen Träumen doch keine Ruhe zu finden. Was zuckte und schmerzte denn da unter dem Mieder in ihrer Vrnsi'Z Schauer flogen durch ihren schlanken Körper, die 'Thränen flössen in Strö men über die blassen Wangen, oft stockte der Athem dann lief die Anke hin. über zur stillen schattigen Kirche und lag vor dem großen Aarienbüde ans den Knieen. Sie faltete die Hände und bewegte die Lippen mühsam zum Gebete aber das Beten war ickt so schwer, weil sie immer das Epottae. lächtcr des Treulosen in ihren Ohren vernahm. Der Vater, der bald sah, wie den Dienst und das Hauswesen vernachMs jigte, mißhandelte sie doppelt. Dsch sie fühlte das Elend nun gar mcht mehr. War doch das Herz immer fo weh wie hätte sie wohl außen die kleinen Wunden gespurt? So kam der HochzcÜZtaq des Peter mit der Pfannbauer Crescenz heran. Die Anke war die ganze Nacht nicht in's Bett gekommen. Ueber ihre fahlen Wangen rieselten die Thränen stunden lang, ihr selbst unbewußt. Am Morgen richtete sie alle m hause her; jür den Vater das Sonn tagsgewand. und sein Lieb!ings.;ericht, Ero en Mit Spei dann wusch it sich, glättete und flocht die rothen Zöpse und zog das vlte an, was sich in ihrem buntbemalten Koffer vorfand. Auch auf dem Gottesacker , huschte sie, und lag dort am Grabeoer Mutter em Halb Stündchen im Killen Ge bet?.-,' Gegen neun Uhr , ergriff sie die Schlüssel Zur Kirche, und klomm die steile Thurmtreppe hinan. Sie war eng und dunkel" und eine aufgescheuchte Fledermaus taumelte ihr ins Gesicht. Niemals war Anken der Weg nach Oben so schwer geworden. An einem Aus schnitt des Thurmes hnlt sie an und athmete auf. JD! du schöne Gotteswelt! Für alle glücklichen Menschen so lustig für mich weiter ; nur wei ter " Endlich hatte sie müde ihr Ziel en reicht. Da hing am großen Strebebalken ihre alte Freundin, die Glocke aus Erz. Mild lächelnd schaute Anke hinauf zu ihr : Sollst auch mir heut einen LicbeZ. dienst erweisen!? . Drunten lag der 'Kirchplatz mit sei nen Gräbern im - Sonnenschein, und , deS Thürmers Tochter trat' an die , breite Lücke, aus der man bei feier lichcn Gelegenheiten dir Ortsfahne stockte. Alle schautennach dem Pfarrhofe. ' Jcht dlil)te ein Schutz auf das Zeichen, daß sich der Hochzcitszug in Lcire gung fetzte. Anke preßte die Hände , auz s wild schlagende Herz, dann , warf sie noch !, ' V J k. ) r . 4 einen Älm aus ven uesmaucnimmei, ergriff das Seil, und begann kräftig zu ;iehelfj Aus den Ricsenlungen d.s ehernen Körper drangen die grollenden Töne, und Anke starrte, halb abwcsmd. nach bem Zuge, der in bunter dau'kicher Pracht sich endlich dem KirchcnporMe nahte, iin paar Schwalben haschten sich vor der Lücke und jetzt jetzt waren sie am Eingang bei den vier zroßen Linden, und jetzt ging ein Sausen durch die Lust ein dumpfer Fall und die rothe Anke lag mit zerschmetterten Miedern auf dem breiten Grabsteine, der einst ihr Liebesglück $o sehen. Der Peter hat die Crescenz acht Tage später doch heimgeführt; eber läuten hat er dies Mal nicht lassen.

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