Indiana Tribüne, Volume 15, Number 189, Indianapolis, Marion County, 27 March 1892 — Page 7
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D e r Flu ey. T --r- - -,111,... - V?j . JH, '.ije aal txnt Leben . tf mit PksSzrau. Als Student wohnte !ch Jihre $ia 5urch in einem kleinen Häuschen einer Wiener Vorstadt, weit draußen, wo die Armuth daheim und von dem Glanz und der Pracht der Weltstadt nichts zu fmden ist. Auch die Leute bei denen ich ein Kömi::erchcn gemiethet hatte, waren nicht rezch abcrFdtt, Sonne des, Glücks lag doch Srkmmau dem bescheidenen Hiuöhalt und rcrklarte die stillen Gesichter der Beiden. Ich denke heute nach langen Jahren, nvch gerne an sie und wenn n Brief anS der Heimath eintrifft und von ihrem Wohlergehen meldet, dann c'.npsiilde ich immer die lebhafteste Freude und zugleich kommt mir die Geschichte wieder in den Sinn, die mir der Mann eines Ibends mit bewegter Stimme erzählte. Ich will es verbuchen, sie wiederzuerzZhlen und dabei so treu als mögiich den Worten des ManneS zu folgen. .Sie haben sich gewundert", begann er, , mehr Aildunz bei mir zu finden, als für bcn kleinen Geschäftsmann gerade nöthig ist. Nun, ich war ja das auch nicht immer und ich hatte eben meine erste Anstellung als Lehrer .an einer Präger Volksschule ücfunden, als .die .Katastrophe eintrat, die mich aus mcinem Berufe riß und mich in gänzlich veränderte Lcbensverhaltnisse warf. Ich hatte ein "Mädchen kennen gelernt, das ich bald liebte und daS mich wieder liebte. Es war, eine ! stille Liebe, keine wilde Lcidcnfchast, wie u:an sie so oft in den Erzählungen geschildert findet, sondern eine zarte HerzenSneigung. Ich war immer ein ruhiger, zurückgezogener, schüchterner Mensch und in (sosie fand kch die!; gleiche , Natur, (is vergingen Monate, ehe wir nnS ausfprachen, und arzch dünn war eltt Händcdrück, ein warmies LiebcSblick, ein zärtliches Plaudern das tägliche Brod unseres Verkehr Sund wenn ich ihr ja einmal einen Kuß raubte, fo erröthetcn wir beide darüber, als ob wir uns cincä' Verbrechens schuldig .gemacht, hatten. Eine, altväterischc Liebe. ' nicht tvahr und doch wie selig wär ich dabei, wie selig bin ich noch heute, wenn ich mich in diese Wochen zurückträumc, wo ich ganz von. diesem ersten ' Rausch erfüllt war und doch kein andcres Verlangen kannte, als sie am Fenster zu erblicken, wenn ich an ihrem Hause vorüberging, als ein paar Minuten lang ihre liebe.Stimme zu hören. ' Wir dachten Leide noch nicht weiter ..kein Wort war noch vom Heirathen gesprochen worden da kam sie eines AbendS in Thränen, zog mich in ein einfameS Gäßchen und erzählte mir, daß die Mutter ihr den Verkehr mit mir ver'Lotend daß sie tmt, rohen Worten, die ihr die Schamröthe ins Gesicht gejagt, von unserem Verhältniste gesprochen und damit geendet hatte, Cosie werde doch nicht etwa an eine Heirath mit dem Hungerleiderischen Cchulfuchs" denken. Ich kannte die' Frau) denn ich batte eine Zeitlang in dem Haufe Privatstunden 1 gcgc ben bei dieser Gelegenheit lernte ich ja So sie kennen und wenn ich mir die Frau wieder vergegenwärtigte, sagte ich mir, daß ihr das ÄlleS wohl zuzutrauen wari Hch , haites vom erstens Augenblick an einen Widerwillen gegen dieses hadere Gesicht mit der spitzen Nafe dem brutalen Mund und den katzenartigen von einem unheimlichen Feuer erfüllten Äugen rhabt, ,,, aber,,, ich äußerte das nie gegen Sosie, und auch sie sagte mir nie ein döffc$ Wort über die D!utter. j I ' - 4 I Erst jetzt, in ihrer heftigen Erregung. ' beichtete sie mir und ich wußte mir nun auchihr manchmal merkwürdig gedrückeSlmelanHölischeSWesenütttlärm. Auch jetzt schonte sie die Mutter, suchte sie zn vertheidigen und ihre Zanksucht,, , ihre zornigen Wallungen, ihr roheS Gebahren aus mancherlei Kummer und Enttäufchungen zu erklären, die sie erfahren hatte. Zhr Mann war ein reicher Fabrikant gewesen, dessen Güte und Schwachheit ihn in seinen VermogensverhältNissen arg zurückbrachte, und obwohl sie noch immer wohlhabend war, fräst , die ' i"" f ' C,"I";"'. 'i ii:ll''"V li1 'thu -i' !!'r..l;in, i;"!.!ln, .: ! ,"!!, '' ' bescheidene Ziolle, diejnejjjcfct len mußte, doch an dem Herzen der v.u.i, kzochmüthigen Frau. Ungebildet, n,ie sie war, gab es für sie nichts TemüthigendercS als die Armuth, und kein herberes , iseib, als dast sie nicht ebenso mit Kleii'', dern ; und Schmuck, mit Gesellschaften und Ausfahrten prunkcn konnte, wie ihre Jugend tatidiinim. Und all den Mlßmulh, der in ihr aufgehäuft war,, den Neid und Groll, der sie erfüllte, mußte das einzige Wesen, das ihr unterthäni? -.-n.. it. C ,...:..':-.,
laav, vucn - u;r juno. xL :!j'H V W 'Sfi So sefr Sofie zurückhielt, so selzr sie bemüht war, zu mildern, was ihr im ersten Schmerze entschlüpfte, sie war kein kluges Weltkind, sie verstand sich nicht suf die Künste des Lügens und Berbergens und ich sah nun plötzlich in ein elendes, freudloses Dasein, in das Leben eines - Kindes, ),dcM selbst die kleinen Freuden, die auch der Aermste nicht entdehn, vergällt wurden durch das bestan- ' bige Nörgeln, Zanken und Höhnen der Mutter. WaS ich in diesen, Minuten empfand ich kann es Ihnen nicht schil- , vern. Ich war so im Innersten erregt, ,' so sehr empört und ein so tlcfcS Mitleid ff;, erfüllte mich, daß ich wahnwitzige Wette ß ö sprach, die daS Mädchen nur auf'S Neue '7 ängstigten. Wenn die Mutter uns trenneu roollte ant , dann wollten wir heirathcn ohne ihren , Segen. Tann ;;l wollten wir zulammen in Lle Welt gehen :! ' wie es tausend Andere gethan die , bessere Eltern gehabt, die nicht so schmachvoit behandelt wurden und die man nicht Mss 7 ungerecht peinigte. Warum sollten DDww nichtHeirathen? - Hätke'ich, nicht eine, .' gesicherte Lebensstellung und wenn meine DfEinkünfteorcrstauch ! wuchsen mit der Zeit, wir waren gefeit ÄZegendteMo , bändigcr Hochmuth stellte sich gegen uns MM ein'Hochnulth,derkeinen ;! hatte, denn auch sie war nicht reich und wie tief stand sie sonst unter mir ! Hunaerleider und Schulfuchs eS war doch " '"' ' . :V - '" "":- -C , . naporenb. , , i1 2f ü S b 1 eert.,;!3i io r t e-ri :; f p r'ä t c ;;;!ari 5 e;. Ililii'kijliiilij.?" c!' öl 3t."::-3! T-.irlf S JB ic Ci:':libt'ö xr !!U:::!i irr:..!!;; iei ilih; ver berufen ist, aus fcZümMindern' etwas Besseres zu machen! Ich gerieth in einen Zorn, wie er nreiner Gemüthsirt sonst ganz fremd war. und selbst die , zärtlichen Liebkosungen Sostens konnten mich dieser. Stimmung nicht entreißen.. "'f'utt' "t
Die ganc Nacht wanderte $) ruhelos in meinen Zimmer auf und ab und meine Unruhe nahm nur 'zu, als ich mir endlich sagte: all, diese Phantasien vom in sie Welt gehen waren nichts als thörichtes Zeug und für unS bleibt nichts als harren und Leiden. Ich war kaum fähig, am anderen Tage meinen Beruf luszuübcn und meine Unruhe wuchs, als Tosie zu den gewohnten Zeiten nicht am Fenster erschien. Äls der Abend kam, schritt ich in ben Nachbarstraßen auf und nieder, aber Stunde auf Stunde verrann und sie kam nicht, so daß ich endlich vernseifelud meine Wohnung aufsuchte. Ich toar aber kaum eine halbe Stunde zu Hause, als etwas die Treppe heraufstürmte dann wurde die Thüre aufgerissen So sie stürzte herein. Erlassen Sie mir Ihnen zu,, beschreiben, wie sie zussah, Ihnen zu wiederholen, waS sie mir unter krampfhaftem Schluchzen erzählte. Die Megäre hatte von unserem Stelldichein erfahren, das Mädchen den zanzen Tag über eingefchlossen, sie in jeser erdenklichen Weile gequält und die Zlermste, die endlich sinnlos, rasend gevorden war, benützte die erste Gelegen eit um zu fliehen. Mit stürmischer Leidenschaft umschlang sie mich, erinnerte mich an unser gestriges Gespräch, bat mich, mit ihr fort in hk Welt zu gehen. Aber ich verlor mich nicht ganz !n diesem Tanmel ich sprach ihr zu ich schilderte ihr die Gefahren, in die sie sich begeben wollte, die schwere , Lyst, c die sie auf sich nahm. ES war AlleS vergebens. Sie weinte und weinte und kannte kein anderes Wort als: Fort nur fort nur nicht mehr zui-ück ! " Mir blieb nichts Anderes übrig, als sie in einen Gasthof zu bringen und ' sa schwer es mir auch siel, sie zu verlassen, ich that es. Was aber sollte ich weiter thun Ich ging' nicht nach Hause ich wanderte durch dieStraßen mit brennende Augen und tosendem Kopf. ?lls der Morg'en kam, hatte ich endlich meinen Entfchlufz gefaßt ich ging zu ihrer Mutter. Soll ich Ihnen die Fluth von Gemeinheiten wiederholen, mit denen sie mich cmpsing? Ich verlor meine Ruhe nicht, ich sprach ihr zu, gütig und milde, ich 'ermahnte sie an ihre Mutterpflicht, ich flehte ihr Mitleid an ich weiß nicht.waö ich ' Alles versuchte, es war umsonst. Sie hörte mich nicht, sie schmähte nur im: mer wecter. Keine Frage nach dem Kinde kam von ihren Lippen unb als ich endlich Miene machte, mich zu entfernen, da fchrie sie mir in ihrem abscheulichsten Ton einen Fluch nach, ich hätte nie gedacht, daß sg etwas über die Lippen eines Weibes komz men könnte. Ich stand wie erstarrt, aber sie hörte nicht auf. Ja, ja gehen Sie nur, gehen Sie nur und bringen Sie ihr den Fluch der Mutter, der trisit sicher ja, ja im Elend soll sie vergehen, das Elendeste soll aus ihr werden, was es auf GetteS Erdboden gibt sagen Sie 's ihr nur gut, die Mutter hat sie vcrz flucht bat Euch Beide verflucht tauend mal Fluch über Euch !" Dann schlug sie die Thüre vor nur zu und ich schwankte aus dem Hause wie ein Betrunkener. Und in diclem schmerzlichen Nausch erhielt ich mich und wenn wir ein Gedanke im Hirn aufblitzen wollte, drängte ich ihn zurück. '' Nun nichts mehr dcnkettjiichts, mehr überlegen 511 ihr und sie retten aus diesem Pfuhl fort mit ihr in die Welt! Ich eilte nach Hause, raffte meine Habe zusammen und zwei Stunden spä? ter rollten wir bereits davon. y)r;Er hielt inne und . athmet? schwer Die Erinnerung hatte ihn , so sehr übermannt, daß sein Gesicht glühte und seine Hände ziltertenZzI Eine ,, schwüle Pause kntstand, dann fuhr er etwas ruhiger fort. Was ich Ihnen nun zu erzählen ha-, be, erfuhr ich erst Iä'ure nachher. . Wir
ware:z geflohen ich 'hüieteH mich "aber wohl. Sofie cin Äcrt von meinent Är such bei ihrer Mutter zu sagen. 9:ur eine Ahnung von diesem Fluche hätte ihr Leben vergiftet das fühlte ich, konnte doch selbst ich, der Freidcnkende, der Feind alles Aberglaubens, die snrchtba: renWoUc rächt ganz überwinden, und wo mir irgend etwas fehlschlu da hörte ich sie wieder und schwer siel es aus mich, ob nkchtdoch am Ende fo Gräßliches m Erfüllung gehen könnte. Aber fchwcrer noch siclfcs auf eine unsere auf die Z)!uttrr fommcn können, ich werde meine Stellung aufgeben und Sofie werde allen Ernstes dle egyptischen Fleischtopfe ver lassen. Als sie dann entdeckte, waS gcschehen war, da siel es ihr wie ein Schleier von den Augen Und nun schlich sich die Furcht in das Her; deS abergläu bischen Wcibcs, ihr Fluch könnte in Er. füllung gehen. ' Sie' sah uns sofort in Schande und Verbrechen versinken und bannte um ihre Reputation". Ja wenn es ein Gras gewesen wäre, der Sosie entführte aber ein Schüllehrer ein armer Teufel! Ta spotteten natürlich die Leute darüber, di? Reputation" hatte bereits einen Stost erlitten und was Sosie hatte sie doch richtig beurtheilt diese Frau war eine jener Naturen, die daS Unglück schlecht macht, deren Nohheit Erbitterung übet ihr Schicksal ist, deren S chmshsu cht i dem Reib und verletzten Hochmuth entspringt, den Demüthigung acn. die sie erleiden. , Wäre ihr Alles u Theil qewcrdcn, was sie wünschte, dann t'.7 :::'' .,..',,,, yarre uc vicuciaii ven ru einer ges müthlichen Frau" genossen und Sttemand hätre über ihre Unfreundlichkeit, und hrenHörnMklägenZehübt aber gab eS einen Winkel in ihrem Herzen, der noch nicht ganz starr und hart geworden war und ' in diesem .Winkel nlitcte sich nun d:c furcht für chr Kind ein. , i'f. ' ;;.!:',;:- 7 Ter Fluch, den sie dem Mädchen nachicsandt, lieft sie nicht , ruhen. Ihre !age verbrachte sie auf der Polizei und ,;bcn$eiwngs :förschungenpj!Wa serateKttcnI Nächten fand sie keinen Schlaf, und wenn sie. die Müdigkeit endlich doch ? überwältigte, hatte sie entsetzliche Träume immer nnd immer wieder sah sie Sosie, xerfolst v?n dem LrLlichM Fluche.
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An die Möglichkeit einer Flücht hatte sie nicht gedacht sie empfand zu nie orig. als daß es ihr hätte in den Sinn
kam. wenn der luck nck wirksam er-
wies! Aber daneben machte sich doch auch ein Rest wahrhafter Mutterliebe aeltend.
Wcnnsic bann erwachse, 'dur'chslog'ue mit r? B4ffn iif m t !v
(ivvnufn. yujfc Viv mwiijui Mtvw jivt Selbstmordnotiz machte sie zittern, zcde Mittheilung von einer aufgefundenen Leiche weckte eine Stimme in, ihr, die ihr Zurief: "Sosie!" Sie wurde halb wahns sinnig in dieser beständigen Furcht. An manchen Tagen lief sie von Kirche zu Kirche, gab Opfer und 'Almosen, machte Gelöbnisse auf Gelöbnisse und dann lief ' sie wieder zu einer Wahrsagerin oder zog die Karten zu Hilfe, auf deren Auslegung sie sich wohl verstand. Nichts half ihr, nichts brachte ihr Sosie und nichts brachte ihr Ruhe. Immer schwerer lastete der Fluch auf ihr. Endlich machte sie sich auf, um Sosie zu suchen. Es war ein wahnwitziges Beginnen, abir sie fühlte sich wohlcr dabei und alle Enttäuschungen vermochten nicht, ihr die Hoffnung zu rauben, daß sie ihr Kind noch finden werde. Ziellos fuhr sie in der Fremde umher, bald suchte sie da, bald dort, und nach jedem Strohhalm haschte sie, um sich daran zu klammern. Und immer folgte ihr der Fluch und immer rastloser trieb er sie weiter, bis ihr der Zufall endlich zu Hilfe kam und sie uns fand. Er schwieg wieder und blickte träume cisch in die frern. Wie ich das heute Alles verstehe, wie ich mit der Unseligen cmpsinde!" rief er dann aus. Das ist das Leben, das uns Ohren und Augen so ösfnet 0, glauben Sie mir, wir haben es kennen gelernt, das Leben, wir haben gckämpft wie Helden und nicht weniger gierig nach dem Strohhalm gelangt, wie dieses Äöeib. Aber ikrr ftluch prallte an uns ab. Wir blieben immer fest und stark, wir haben gesiegt, wir wurden glücklich. O, so glücklich ! Und an einem Tag, in einer Stunde, wo wir ganz unserem Glückrausch hingegeben waren, da geschah es. Es war gegen Abend an einem stürmischen Herbsttage ein paar Monate, nachdem unsKart geschenkt worden. Damals hätten Sie Oophie sehen sollen, wie sie da aufgeblüht war, ganz rund war sie geworden und Wangen hatte sie wie Rosen und ilre Augen glänzten und strahlten wie n:c. Und so stand sie in der Küche neben der Badewanne daS zappelnde Kind lag auf dem Kissen und jauchzte und ich stand neben ihr und hatte meinen Arm um sie geschlungen und sagte: Wie glücklich sind wir!Und in diesem Augenblick war die THA aufgerissen worden und ein Weib stand da, entsetzlich hager, todtenblcich, mit Augen, die mir daS Blut in den Augen erstarren machten. Und ehe noch eins von unS ein Wort gesprochen, da sticsi sie einen Schrei auö, taumelte nnd sank zu Boden. Es war die Mutter SosicnS'. Der Anblick dieses fricdcnsoollen Bildes hatte sie wie ein jäher Schreck getroffen der Schlag hatte sie gerührt. Aber widerstandsfähig wie sie war, raffte sie sich noch einmal "auf nnd eine Woche lang, Herr, haben wir sie sterben sehen. Da hat sie sich Alles von der Seele gcsprochen Alles gebeichtet und hundert Mal hat ihr mein armes Weib schwören müssen. daß AlleS vergeben sei und hundert Mal hat sie sie gezegnet und gebetet für sie. Und dock, doch ist sie! nicht rühiLges storbcn. Ihr letzter Blick war ein Blick ;zSmmerl!chöÄnW, mx HP letztes Wort war, der Zweifel, ob der Fluch auch wirklich gebannt fei. Meinem schlimttlstcn Feind möchte ich nicht diesen Tod wünscheu, dieses entsetzliche Ringen, daS mich heute noch schaudern macht." Damit schloss er seine Geschichte und dann öffnete, sich die Thür Unj dex kleine Karl sprang herein und schmiegte seinen blonden Lockcnkopf an die Brust deS Ba' ters i DaS Ohr. -4 ,!" :: r ' I, pspuIZr.wUknschaMchkr Vortz. gehalten im SJotT lUdungZVerklll von Motten bürg, Do OScarZustiunS. Gcöhrte Anwesende! Nachdem rori neulich daS Auge betrachtet, sollen Sie heute Einiges über das Ohr hören. i Das Ohr hc!W auf ; lateinisch Auria, ans italienisch Oreece!, auf spanisch Orezo, auf englisch Kar, auf polnisch IJcIio; der deutsche' Ausdruck allein ist der treffende: denn das Ohr ist in der That ein Ohr! Welcher Etymologe könnte die Ableitung von Hon einen Augeiivllck verkennen: Hören höre hör hör ohr! Es ist das Organ eigentlich Ohrgan des HörenS l Nur eine leichtfertige Ohr-tographie konnte das Vorkommendes Ohrs in so vielen Worten unkenntlich machen: wie z. V. in dem schonen Morte Ohr-kahn, wo man den Kahn in den Wellen schaukeln zu hören vermeint. So , hat uns der deutsche Sprachschatz eine Anzahl verschiedentlicher Ohren aufbewahrt: so den Toet ohr, den .Past- und den Kastohr, den Ten-ohr, den Hum:ohr und den Dum-oh?:z 1 1 1 .aiit?. . Die Ohren einzelner Thiere genießen besonderer Beliebtheit, z. B. das Mäuseohr wegen seines lieblichen Blau welche Farbe übrigens auch die der Mens fchenohre bei Z8 Grad, unter Null ist. ferner die Eselsohren, mit Vorliebe in stark gelesenen und nach , Tabak riechenden , Leihhibliothekschwarten , u. ' s. w. Die Ohreule war der heilige Vogel der ,PallaS Athene, und zu den beliebtesten Spaßen gehörte es von jeher, Einem einen Floh iit's Ohr zn sehen. , Uebrigens haben nicht nur lebende., sondern auch leblose Wesen Ohren z. V. , Wände, Ruder, auch Nadeln denn es cheigt: eher geht ein Kameel durchs Nadelohr, als ein Reicher in"s Himmelreich. Der Mensch besikt in der Regel zwei Ohen; der Zwilling allerdings vier, der Drilling sechs und so fort.1. Manche Menschen . sind ganz Ohr ' Warum der Mensch gerade zwei und warum nicht eins oder drei besitzt, höre ich Sie fragen? Zunächst der Symmetrie wegen ; zweitenö, damit sowohl der rechts wie links Vorübergehende ein Ohr zu sehen be komn; drittens, damit die Lehrer beim Ohrenschütteln eine angenehme Abmechs, lung haben; endlich und hauptsächlich, danlit, waS zu dem einen Ohr hinein geht, zum andern wieder heraus kann. l!:;S;2)ie:i:finjisjt Abweichung hiervon bilden die Skandinavier. Bei einer Be völkerung von acht Millionen gibt es dort Milliarden O:re. SelbstderVett, ler hat ein Paar in seinem Portnnon naik. .DaS Land ist lehr öhrcnsoll.
Uebrläens wüßte ich In ber'That nicht, vso der Schöpfer ein drittes Ohr hätte anbringen können, es hätte denn auf dem Rücken fein müssen, wo aber die Klei dung das Vermögen, Töne aufzuueh, men, wesentlich beeinträchtigt hätte. Die Anatomie des Ohres ist sehr com, plicirt. Wir erwähuen von den äußeren Theilen die Ohrmuschel leider nicht eßbar nnd das Ohrläppchen, von der gütigen Natur den Lehrern, Vätern und Vormündern als wichtige Handhabe gegeben. Letzteres hat bei Mädchen und Frauen gewöhnlich einen Stich zuviel, in welchem der sogenannte Ohrring befestigt ist ; wird der Ohrring bei wilden Stieren oder Bären durch die Nase gezogen, so nennt man ihn Nasenrinz. Der Ohrring heißt Ring, weil er gewöhnlich oval, tropfen-oder birnensörmig ist. Wenn wir uus nun den Gchörgang in das innere Ohr nicht verdrießen lassen nnd das Labyrinth" mit der Schttellikeit einer Schnelle dnrchkriechen, jo gelangen wir an das runde und ovale Fenster" und lernen dort ein geräuschvolles Leben kennen. Der Hammer" fällt krachend auf den AmboS, Hornisten folgen im Steigbügel" und lassen die Ohrtrompete" schmettern und diePaukenhöhlc" erdröhnt von den Schlägen des Tromlnelfells". Das Ohr, welches über seine Umgebung wie ein Thurm über die Stadt hervorragt, dient überall auf dem Kopfe als Ortsbezeichnung. So sagt man: es summt mir vor den Ohren ; er hat eS hinter den Ohren sitzen; er bekommt eins hinter die Ohren, . B. ein Pflaster bei Zahnschmerzen. Er ist beschäftigt und verliebt bis über die Ohren. Man zieht ihm das Fell bis über die Ohren nebenbei gesagt eine große Brutalität und in Damengesellschaft ganz unpassend. Es liegt ihm Einer in den Ohren, ein Beweis für die Elasticität des Organs. Er ist noch nicht trocken hinter den Ohren, namentlich nach dem Waschen. Er schreibt es sidj hinter btt Ohren, wozu die Sönn'eke"lch Nundscdcr No. ö besonders zu empfehlen'ist Sie kriegen einander bei den Ohren ! Das Ohr wird gerade so stark strapazirt wie das Auge. Man spitzt die Ohren wie einen Aleistist. Man leiht daS Ohr, ohne es wieder zn bekommen. Wch, wehe, ruft die zarte Kassandrn, welche Töne, wie zerreißen sie mein Ohr! Dem harmlos auf der Straße Wandelnden fällt etwas in's Ohr oder es bläst Jemand hinein, dann nennt man so einen Menschen inen Ohrenbläser; oder eS haut Einer Einen über's Ohr und trotzdem bleibt es gesund und hört darum nicht schlechter. Es ist aber leider nicht immer gesund. Die Ohren stechen manchmal, sie sausen und brausen. Die nicht hören, heißt man die Tanben: sie , sind in der Regel sanft und ohne Arg", nicht wie etwa die Schlangen. Da sie sich nicht durch die Sprache verständigen können, so schrei ben sie sich mit der sogenannten Taubenpost. In der Pflanzenwelt ist die Taub-, heit häusig vertreten, so kennen wir taube ?!üsse, taube Nesseln u. s.'w. I v Nun genug, meine Herrschaften, dik Sie Ohrenzeugcn meines. Vortrages waren ! Ich danke Ihnen daß Sie mir so lange geneigtes Ohchenkten!ZPesi men Sie meine OhrenZeichte. ; daß ich hungrig geworden biii; j Verwandeln wir diezen Hörsaal in ein Speisezimmer. Zur Suppe bringen wir Löffel mit,' zum . Fleisch gebackene- Kalbsohren, zum Des sert Feige aber' keine Ohrfeigen. , Also guten Appetit allerseits zum ,!Dhrettfch,nanse! f kp, .
Span,ens Ättarchisten m Der Pariser ..Matin" enthält eine,, tangcn Artidcl iib.'r Z)!e anarchistische Bewegung in Spanien, der die mit den Erfahrungen aller ' anderen Länder in Widerspruch ' stchonde Thatsache zu erklaren sucht, daß dort auch die ländliche Bevölkerung, und zwar diese in ganz besonderem Maße, in die focsalistische Bewegung hineingezogen worden ist. Nach! diesen AMführungen sei dem Vorhandensein großer Latifundien und deren rein capitalistischcr Bewirthschas tung ein großer Theil der Schuld beizumessen. i-j Tiesc Ländercien seien nicht etwa In Pacht gcgcb:n,z! sondern würden von den Eigenthümern, in folgender Weise bcwirthschaftet: Aur Zeit der Aussaat und d.'r Ernte würden jedesmal aus etwa zwei Monate Hunderte von, Arbcitcrn. BraccroZ, angeworben, die die ländlichen Arbeiten zu verrichten hatten und nach deren Vollendung wieder ent lassen würden. Ihren Lohn bekämen sie erst dann, und zwar auf einmal, ausgezahlt.' was, ihnen die Versuchung nahe lege, ihn rasch durchzubringen, und wenn das geschehen sei, ständen sie dem, größten Elend gegenüber, meist bliebe' ihnen dann nichts übrig, als faulenzend zu' warten, bis eine neue Arbeitspcriodc herankomme. ; In der Zwischenzeit werde auf den Feldern nar nichts gethan und man be gnüg? sich, sie durch vereinzelte Ausscher überwachen zn lassen. Hierzu geselle sich noch eine unglaubliche Ausbeutung der Armen durch den Wucher, die ge wältig dazu, vcttragc, den Hap gegen die Besidenden , zn vermehren. , Die anarchistischen Ausbrüche, die, wir in letzter Zeit, erlebt haben, seien weiter nichts, als Auflchnunacn derArmen deren ! Schicksal man sich wirklich nicht schlechter denken könne, gegen die Äcichen und keineswegs die Befolgung eines bewußten socialistischen oder anar? chistischcn Evangeliums., Wenn sie bisher vereinzelt geblieben seien, so dürfe man nicht hoffen, daß das auch in Zukunst so bleiben werde, j andern alles spreche dafür, daß mit der Zeit in die Sache System kommen werde. Die ganze Arbeitcrbcvölkcrung der Provin;cn Andalusien. ,! Estramadura. Valencia, Aragon und Eastilien sei in großer Währung, die nm so gefährlicher erscheine, als nichts gethan würde, um den Ursachen entgegenzuarbeiten. Der spanische Elerus hat sich um die Bewzung bisher noch gar nicht gekümmert. LedhLft Interesse ver. Ym sich oft blos durch allzugut getzeu lZche Oleichgiltigkeit.
Der Komponist des Wasserträ . gerS. )edentblatt zum Vb. Mär, Lanzen Vor 50 Jahren verschied zu Paris ein Tondichter, der, obwohl Italiener von Geburt und Franzose durch einen mehr als 5)jährigen Ausenthalt in diescm Lande und seiner Stellung als Di rcctor des Pariser Eonservatoriums.
dennock in bobem Krade mit dem muss ) kallschen Leben TcutschlalidZ verwachsen tjt. Eherubinl denn der Eomponist dcZ Wasserträgers" ist es, an dessen Todestag wir erinnern möchten ist. wie sein andsmann Spontinl, durch die Einwirkung dcutscherMusik, namentlich Haydns und Mozarts, wesentlich in seinem tonkünstlcrischcn Schaffen bceinslußt worden, aber was er von uns empfangen, hat er später mit reichen Zinsen zurückgezahlt, elbzt ein Beethovcn hat mit Eifer und Bewunderung Eherubinis Werke studirt und sich in dieses großen Tonmeisters Weise ver senkt. Kein Italicner ist mit unseren großcn Meistern durch ein so enges geistiges Band verknüpft, wie er, der nicht blos an Gedankentiefe nnd harmonischer Gestaltung, sondern auch in Bezug auf Vielseitigkeit des Schaffens nur mit den deutschen Musikh?rocn zu vergleichen ist, und dessen Wasserträger" mit Recht für klassisch gilt, wie auch seine grotzartigcn Kirchen Eompositioncn. 'Wernt er nicht in jeder Beziehung das Höchste erreicht hat," urtheilt Fr. Brcn dcl zutreffend über ihn. so liegt der Grund darin, daß er nicht eine ganz bestimmt ausgesprochene Begabung jür ein bestimmtes Fach der Tonkunst belaß eine solche finden wir beiden mei stcn Tonsctzcrn ersten Ranges, nicht eine ganz bestimmte Idee zu vcrwirkli chen berufen war. wie es bei jenen Meistern stets der Fall ist. Wir haben überall dieselbe große Persönlichkeit vor uns voll tiefer Leidenschaft und gewaltigem Ernst, welcher liebenswürdige Beweglichkeit nnd Geschmeidigkeit fcrner liegen, eine eiserne Festigkeit und Starrheit; nur ein Mal, in , seinem Wasserträgers gelang es ihm. sich die ser Grundzuge' seines Wesens so weit zu entäußern, um dem Zarten und Jnni gen. welches durch jene Mächte in ihm beherrscht, erscheint, das Uebcrgcwicht zu gestatten. - Tie Anlage, des düsteren Ernstes, des Schwermüthigen. Ergreifenden, ist sonst bei ihm vorherrschend; es ist eine eiserne Festigkeit in seiner EharakterZeichnung; jene Beweglichkeit dcr Phan? taste, diese Kunst, das Individuelle zu zeichnen. worin wir Mozart als den Größten bewundern, besitzt er nicht. Es ist das durchaus Gediegene, Wahrhafte. Ursprüngliche des Inhaltes, was ihn sogleich als eme der 'größten Erscheinungen charaktcrisirt; 'herzgewinnendes, warmes Leben fehlt ihni wtfhl nicht, aber es ruht , verschlossen im Grunde seiner Individualität, es erscheint gebändigt von jener durchgrei senden Größe;' darum ist es für ihn schwer, sich seiner zu entäußern sich hinzugeben und in den Erscheinungen des" Lebens' aufzugehenSchröffheis und Starrheit nöthigen ihn, sich in sich zu verschließen, dabei ist'ctmas Kurzes. Gespanntes in der Art. wie er sich ausspricht. ' Die Erfolge seiner Werke beim Publikum entsprechen diesem Bilde : er fand Bewunderung, selten Liebe, seltc ner Enthusiasmus." v m ' Maria Luigi Earlo Zcnobio Salva tor Ehcrubini' wurde am 14. Scptcm. der 1760 zu Florenz geboren, wo sein Vater am , Pcrgola-Thcatcr als Ihestro al cernbalö, der die Recitative in der Dper am Ktavicr begleitete, angöstellt war. Frühzeitig wurde der Knabe in die Kunst des Vaters cingc. weiht und machte so überraschende Fcrt schritte, daß er darin nur mit Mozart zu vergleichen ist. 1780 debütirte er als dramatischer Eomponist in Aleffandria mit einer Oper Quintus Fabius" äußerst glücklich, so daß er alsbald auch von anderen Bühnen Aufrage erhielt. 1734 begab l er" sich; bereits ,ein,Ton-" scher von Ruf,, nach London, ohne, dort großen Beifall zn sinden. Desto mehr Erfolg hatte er in Paris, wohin er 1760 berufen wurde, um die italienische Oper zu leiten, und wo er sich seit 1783 dauernd niederließ. ' -''S1'; ' Hier hatte er Gelegenheit, sowohl den sranzöstschcn Geschmack, wie auch die großen deutschen ' Akeister zu studircn, und das bewirkte eine dulchgrcifende Aenderung seiner bis dahin ausschließt lich nationalen Kompofitionswcise. Seine Opern Lodoiska", Anakreon", Medca" und der Wasserträger" machten ' seinen Namen weltberühmt. 1 80.; nahn, er, da ihn Napoleon I. mit entschiedener, Abneigung behandelte, einen Auf nach Wien dn, kehrte oder schon 1806 nach Paris zurück, wo er nach der Rückkehr der Bourboncn OberIntendant der königlichen Musik und dann 1821 Tirect'or ,dcs, Eonscrvatoriums wurde. , Von seinen späteren Opern seien mir' noch Tie Abenccrragen" und Ali Baba erwähnt; danach Zchnf er , nur noch Kammermusik und Kirchencompositioncii, wornntcr seine Ali3?a. LImn!s, seine Krönungsmesse und die beiden Requiem zu den crhabensten Hcrvorbringungen dieser Kunstgattung zählend ' " Hochgeehrt, : mit Titeln und Würden reich bcöacht. entschlief der Meister am 15. März 1812 zu Paris. Schon Cherubini's äußere Erscheinung bewies, daß man keinen gcwö-lzn-lichcn Sterblichen vor sich habe. Tie großen dunkelschwarzen Augen." berichtet ein Biograph, blitzen ein ausserordentlich lebhaftes Feuer und beleben die ganze übrige erstorbene GesichtSbildung wunderbar. Ju ihnen mischt sich etwas Tüstercs, schwermüthig Starres, das im ersten Anblicke zurückstößt, aber gleich im zwei? ten mit unendlichem Wohlwollen an zieht; eint namenlose, beinahe möchte ich sagett kindliche Gutmüthigleit.
. Daß er nicht nur als Mustker, fon dcrn auch als Mensch ein Eharakter war, beweist am besten sein Verhalten Napoleon I. gegenüber. Ihre erste Begcgnung f?.nd statt, als der junge Gene rat Bonaparte aus Italien als Sieger nach Paris zurückgekehrt war, um dort glänzend gesciert zu werden. Auch das Eonservatorium beeilte sich, dem zukünftigen Weltbezwinger zu huldigen. und bei dieser Gelegenheit ließ
nch Bonaparte mit EherubtNl in ein Gespräch über Musik ein, worin er die einschmeichelnden Weisen Paisicllo's und Zmgarcllls pncs. Eherubnn aber sagte darauf: Nun. Paisiello mag noch allenfalls hingehen. aber Zingarclli!" worauf ihm der autokratifche Kone, der schon damals kemcn Widerspruch vertragen konnte, einfach den Rücken drehte. Als dann der General sich rn den ersten Eonsul verwandelt hatte und an seinem Namenstage sich die Spitzen der Behörden" u. s. w., darunter auch die Lehrer des Eonscrvatoriums in den Tuilerien zur Beglückwünschung ein fanden, wich Eherübini seinen Blicken geflissentlich aus. Bonaparte rief je doch mit einer gcwisicn Herausforde runa: Aber ich vermine m Herrn Eherubini!" Als dieser nun herantrat. brachte Napoleon.der vollständig unmusikalisch war. das Gespräch wieder auf jene beiden Eomponisten und versuchte, sie mit Lebhaftigkeit zu vertheidigen. Seine Gründe waren aber solche, daß Eherubini ihm mit beißender Ironie er widerte: Ich merke schon, Sie lieben nur solche Musik, bei deren Anhören Sie gleichzeitig an die Staatsgeschäfte denken können!" Von nun 'an hatte er t f aber für immer mit dem gewaltigen Machthaber verdorben, woraus dem Eomponisten eine Menge von Zurück setzungcn nnd Unannehmlichkeiten er wuchs, die ihn verbitterten und verschlössen Wachten. Als Rossini, den man in Wien über die Maßen gefeiert hatte, nach Paris kam, wollte er auch seinem berühmten Landsmann seine Aufwartung machen, allein dieser sagte auf die Meldung, daß Herr Rossini draußen sei, nur ürgerlich: Herr Rossini? Und wenn es Herr Mozart wäre, ich empfange Nie mand". Später wurden übrigens ihre Be zichungen bald bessere. Es war schwer mit ihm auszukommen", erzählte Rossini .einmal in späterer Zeit, und einiges von seiner Verbitterung ist auch !n seine Musik übergegangen. Jlber welche ein Künstler, und dabei der bravste Mensch, den man sich nur denken kann!" Auch hatte. Ehcrubini, wie so viele große Geister, allerlei harmlose Abson derlichkeitcn. So konnte er beispielsweise keine Spur von Parfüm vertragen, da ihn alle künstlichen Wohlgerüche so erregten, daß er förmlich außer sich gerieth. Ferner war er ein wahrer, Ordnungssana tikcr in allen Tingcn. Alles hatte bei ihm sein Gesetz und seine richtige Folge, wie in der Kunst, so im Leben.' Jedes, auch das kleinste Stück Wüsche, war numcrirt. und noch am Morgen seines Sterbetages ließ sich der Zmciundachtzigjährige nicht von der strengen InneHaltung der einmal eingeführten Hausordnung abhalten. jEr hatte ein Taschentuch verlangt, das man ihm brachte. Nachdem er nach der eingezeichneten Nummer gesehen, sagte crj ßZTas ist nicht das rechte: Sie gaben mir Nr. 8. aber ich habe Nr. 7 noch nicht gebraucht." Das weiß ich nicht", entgcgncte d:c Tienerin, aber aus Nr. 7 war mir ein Tropfen Kölnischen Wassers gefallen. iino oa icg weiß, oazz ie oas nicai riechen können, fo " Ei was, Ordnung muß sein." entschied der große Tondichter und ließ sich Nr. 7 geben. Beim Gebrauch schnitt er . jedoch ein gräßliches Gesicht, warf es dann , sofort bei Seite mit den Worten: So, da Nr. 7 nun gebraucht ist. tonnen Sie mir Nr. 8 geben!" Es war das 'etzte Taschentuch, das er gebrauchte., l:'''f Ein Künstler. fS' il " .!! li V t- 'W- f 1 Ein Fremder, der nach Sparta kam Und da genau in Augenschein Die Menschen und die Tinge nahm, Stand auf der Straße auf einem Bein. Gelt, sprach er einen Bürger an, ' " 3 f Der ihm kopsfchüttelnd zugesehen. Hier kann gewiß kein einziger Mann So lang auf einem Beine stehen. , Nein, sprach der Andere, Keiner kann's,, Allein die erste beste Gans J ?.J " f Hält's noch viel länger aus als Tu. Drauf kehrt' er ihm den Rücken zu. 's i1!1' 'h,. ' ' I !.l I if. 'I !,.; , !;! ß er ' : - "cT'-x i 11 n " f C ' '" 'ri ! I n Wien starb dr e ein st berühmte Hosopernsängerin Rosa Esillag in sehr ärmlichen Verhältnißen., 1Z5 in , Ungarn geboren, begann sie 1849 als lii'im" in Berlin eine glanzende Laufbahn, war dann durch 10 'ahre an' der Wiener ,, Hofoper mit 17.000 Gulden ' Gehalt engagirt und gastirte in den europäischen Hauptstädten, mit ' großem Erfolge. Eine Ehe , mit dem Zauberkünstler Herman wurde bald wieder gelöst. 1863 verlor sie ihre stimme. , Später begann sie Gesangunterricht zu ertheilen, hatte aber geringen Ertolg und gerieth zulekt in eine immer traurigere Laqe. ür ihre kleine Wohnung , im, vierten Stock der Sinaeraasse blieb 1 sie den Miethzins schuldig und ihr Tod durch Lungenentzündung war für sie eine krlöinng?stWUWWWMWMM Au! Was würden Sie thun. wenn Sie das große Loos gewönnen? Zuerst mir einen großen Nagel kaufen. Und was würden Sie damit thun? Daran würde ich mein Ge schäft hängen! Resolut., Herr (seiner Dame den entfallenden 'Handschuh reichend) : Oh, daß ich ihn .behalten, könnte, als Angebinde! Tame (den Handschuh rasch anziehend uny dem Herrn tue rfifüW' ftlrt' MIIW tWIIVf 1 .'r .
Die Hexe.
König Koloman von Ungarn war. wie die Geschichte lehrt, nicht nur einer der mächtigsten, sondern auch einer der weisesten und aufgeklärtesten Könige. Seine hohen Geistesanlagen brachten ihn jedoch mit dem Zeitbcwußtsem sei ncs Jahrhunderts in Eonflict, denn rn der Periode der Hcxcnverbrcnnungen und Kekcrriecherelen war cr wohl der einzige, welcher an keine Hexen geglaubt und die Lehre gepredigt, daß es keine Hexen gebe. Er war cm großer, aber kein Volks thümkichcr Monarch, denn die Welt konnte ihm mcht veröden, daz; er ihr das Schauspiel einer Hcxcnrcrbrennung nicht gewährte. Besonders grollten ihm die Damen. War es nicht uncr hört, daß. trotz der damals herrschenden Monotonie des gesellschaftlichen Lebens. dem lchonen Geschlecht das bischen Bcr gnügen, welches ihm sonst das Schau spiel der Hexenverbrennuugcn vcrnr sachte, entzogen wurde? Ter ungalante Herrscher. Deutzutage glaubt noch selten zcmand an Hexen und man kommt in den Ge ruch eines wüsten Kopses,' wenn ma solch barbarische Anschauungen hegt und doch, selbst auf die Gefahr hin. für einen solchen Eonsunonarms gehalten zu werden, wage ich doch zu behaupten, daß es derartige höllische Geister den noch glbt, wcnlgstcr.Z habe ich nne weibliche Teufckin. welche verdient hätte, dan sie verbrannt worden wäre. mit leibhaftigen Augen gesehen .... Leider! Ich rede hiervon Frau Maria Stein, geb. Pospilchl, der Wittwe eines Fi. nanzraths, deren Wiea,e emst im Böhmerlande stand. Mein Pech wollte es. dafl ich vor einigen Jahren dalzelbe Haus bezog, worin bxtt Hexe schon .eil langem wohnte. Es war im wunderschönen Monat Mai, als ich, in heiterster Stimiunng, in fröhlicher Erwartung, in mein neues Heim übersiedelte, welches mir alle Be quemlichkeit bot und überdies verhält nißmäßig billig war. ' Was die genannte Tochter des heili gen Nepomuk nur immer entsinnen konnte, um die übrigen Hausbewohner als auch mich, zu ärgern u'sd ihnen Un annehmlichkeiten zu bereiten, das that sie mit wahrer Wollust. Sobald ein neues Opfer eingezcgm und bevor es noch recht warm geworden war, erschien sofort die famose Wittwe, um ihre Aufwartung zu machen und ihre Stänke zu spinnen. Auch ihr Acußcrcs war hcxcnhast: eine lange hagere Gestalt von abschreckender Häßlichkeit; rothe Nase, runzelige Wangen und stechende Augen all' das war nichts weniger als emla dcnd. Ihre Toilette erinnerte an die jcnige einer ZZgcuncrmuttcr und einer komischen Alten". Und nun erst die ses gellende, kreischende Organ! Auch ich erkannte in ihr sofort die Hexe natürlich besuchte sie mich schon am ersten Tage , denn kaum hatte sie. auf dem Sofa Plan genommen, so lies; sicsosort ihrer spitzen Zunge freien Lauf. Volle zwei Stundm hindurch durchh chclte sie die Eharakter aller Hausbcwoh ner und sprach die entschlZchsteil Beschul digungen gegen sie ans. Ich dachte mir, wenn nur die Hälfte von dem hörten wahr sein sollte, so mußte ich in eine Berbrcchcrhöhle gerat hc:i scin. Meiner grau tind mir wurde die Wchnung balo verleidet. nnTAMnebesscre Hälfte machte mir bittere 'orwürse dÄ rübcr, daß ich das alte, so angcnlh ne Logis verlassen habe, um nur etwas Geld zu sparen. 'Zum Glück stellte sich, durch die di rette Intervention meiner Nachbarn, bald heraus, daß uns Frau Marie Pos pischl verleumdet habe; denn wie sie an dcre Leute vor uns schlecht machte, hetzte sie natürlich bei den übrigen Hau-be-. wohncrn auch gegen uns. : . . ' Vergebens hellte ich der Hcre ihr schändliches Gcbahrcn vor und verbot mir auf Entschiedenste ihre VerdächU gungcn sie lacht höhnisch auf und bemerkte hochtrabend, das; sie mir so viel Bildung zutraue, nicht zu vergessen, daß ich es mit einer Tame zu" thun habe. Was ich seitdem in zencm Haufe von den Ehikancn , dieses Weibes zu leiden hatte, das spottet aller Beschreibung als unser Geduldfaden endlich gerissen war. beklagten wir uns m corpore bei unserem Hausherrn. Aber dieser erwiderte achselzuckend, daß er die kommnisse allerdings lebhast bedauere und entschieden mißbillige, aber leider l könne cp iii dieser Angelegenheit nichts thundenn Frau Pospischl sei eine Hexe. Mus unsere Trohung, dann en masse auszuziehen, erwiderte er, daß ih:n dies zwar leid thun würde, aber er wolle und dürfe der Here nicht kündigen. Was lesselte den Hausherrn an die--ses Weib l Bon Liebe und Sympathie konnte süglich keine Rede sein. , denn, wie gesagt, der, Megäre, fehlten alle weiblichen Reize ! und der,Mann hatte doch Augen im Kopse. ' , Es war also klar, sie hatte ihn behert! , 'Worin bestand aber diese Here rci ? Sie hatte auf seinem Hause eine Hypothek ' stehen welche der alte Herr nicht Zurückzahlen konnte. 'Tas wir des Pudels Kern' Ter Hausbesißer hatte von ihr das Geld zn mäßigen Zinsen erhalten; denn :ro ihres Geizes war sie d ?ch tlar darüber, daß sie doch irgendwo, wohnen und es, verhüten mülle, wegen ihrer bösen, Zunge an die Luft gefegt zu werden und so lieh sie ihm das Geld ihn da durch stets am Gängelbande leitend. 1; ,,! Natürlich zogen wir und alle iibngcn Miether aus. Toch bald kamen andere und das alte Spiel ging von ?ieuem los. indent. die Here ihre cachbarn quälte, hcte und verleumdete. Ich bin wirklich nicht rachgierig. aber ich gäb' was d'rum, wenn, ich die Furie auf einem Scheiterhaufen tztn . ncnd erblicken könnte.
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