Indiana Tribüne, Volume 15, Number 186, Indianapolis, Marion County, 24 March 1892 — Page 1

o 00 ". t ."V v? AKY Ost sV -.1 i sf r i?OCv XL l W W V W y y y yy vvy Jahrgang 15, Office: S!o. 4 30 Ost Marhland Straße. No. I8K. Zndianaxolis, Zndiana, Donnerstag, den 24. ZNSpz sgg2.

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Diese Bank erlaubt sich hierdurch, die Erhöhung ihres eingezahlten KapitalS auf $300,000 und ReserdeJonds auf $40,000 anzuzeigen, und halt sich der Gunst tt$ Publikum von Indianapolis besten? empfohlen. O irektore n : JaS. Failey, Cbrist. F. BalS, yanl H. Qrany, Otto Vt. Frenzel, J.P.Frenzel. 3. Frenzel, Vräf. O.N. Frenzel, Kassier. Oskar Frenzel. Ass. Kassier

Sditorielles. . St ist selbstverständlich, daß die Shicagoer Budel" Vorgänge jetzt alö Stoff zu allen möglichen und un möglichen Leitartikel Betrachtungen dienen, um so mehr, da gleichzeitig auch von anderwärts, 'wie von New Jersey, Terre Haute u. s. w. ähnliche Vorgänge berichtet werden. Unter der Aeberschrift: Munizipale Corruption" leitartikelte gestern da? hiesige Journal" über dle Sache und sagte Folgendes : In Wirklichkeit handelt eS sich hier um eine Culminstion natürlicher Urfachen und da Resultat gewisser Zustände, welche gerade eine solche Epiderni mumzipalkn Verbrechens erzeugen muffen. Diese (Zpidemieen werden schlimmer und schlimmer, werden, biS die Ursachen, welche sie hervorriefen, entfernt sind. . Diese VuSbrüche sind Symptome einer Krankheit." So weit wäre daS, waß das Journal" sagt, ja ganz gut, aber, hellauf möchte mzn lachen, wenn man. daS Olatt weiter hört, denn diese Krank heit ist bei ihm : die Nachlässigkeit der ehrlichen Leute in ler Eemeindepolitik iizt iti zu thun. ..Die Beamten t:;lUn Lkwählt und wenn baß Volk

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- aber in unserer Zeit wird mit Ehre, Pflicht und Gewissen nicht minder Handel getrieben, wie mit Stiefelwichse und Wagenschmiere. Freilich, die PreiSnotirungen sind nicht immer dieselben und der Markt ist nicht überall der gleiche. Wie die Prostituirte ; im Seidenkleide ihren Leib theurer verkauft,'- als die Straßendirne im Kattunkleide, so verlangt auch der Mann, der sich seinen Anzug beim merckant kailor machen läßt, einen höheren Preis für sein Gewissen, als derjenige, der einen für zehn Dollars fertig gekauften Anzug zu tragen pflegt. Und dann kommt eS auf die Größe des Operationsfeldes an. Eine Corporation in New Jork oder Chicago kann, entsprechend der Größe ihres Betriebes ganz andere Summen bezahlen, als eixe Corporation in einer kleinen Stadt. 3n kleinen Städten sind die Beamten oft nur deshalb ehrlicher, weil das Feld nicht vorhanden ist, auf dem sie ihre Tugend preiswürdig an den Mann oder an die Korporation zu bringen vermögen. ' Und wie das geändert werden soll ? Das wird ganz einfach vorläufig gar nicht geändert werden. Die Korrupt tion ist wie eine Hydra, der für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue wachsen. Man sperre einen Budler ein und an seiner Stelle entstehen zwei neue. Der gute Rath bloß ehrliche Leute zu wählen ist dummeS Gefasel. Dieser Rath ist billig und kostet kein Kopfzerbrechen. Vor jeder Wahl wird er auS dem Schränkchen herausgeholt, in welchem die Zeitungen ihre politischen Schlagworter, für gelegentlichen Gebrauch aufbewahren; aber geholfen hat er, noch nicht. 1 Dieser guter Rath sieht schon , so schäbig und abgenutzt aus, daß, man doch anfangen sollte, sich seiner zu schämen. ' ', ES giebt nichts Abgeschmackteres als eine Moralpredigt über daS Thema Ehrlich währt am längsten", wenn im praktischen Spiele des, Lebens die Unehrlichkeit Trumpf ist. Der Mann, der eS heutzutage nicht versteht, auS einer Gelegenheit Geld zu schlagen, ode? der eS nicht ,will,, weil fein Verständniß etwaS hinter der Zeit zurückgeblieben, der wird wohl selten einen größeren Bewunderer haben als sich selbst. Der Eingeweihte zuckt mitlei

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u big die Achseln über ihn und dem Nichteingeweihten bleibt er fremd. Aus dem Boden, welchem die mächtigen Kapitalansammlungen und die Korporationen entsprießen, muß auch gleichzeitig die Korruption emporwachsen. Es besteht, hier ein geschwlsterlicheS Verhältniß. AuS demSumpfboden der heutigen bürgerlichen und geschäftlichen Moral, kann keine politisehe Moral emporwachsen, deren Geruch dem der Rose, ähnlich ist. Wenn Alles Geschäft ist, warum soll es die Politik nicht auch sein ? Wenn Derjenige, welcher die Macht hat, Konzessionenzu ertheilen oder zu verweigern, die für denBewerberMillionen werth sind, nach den Grundsätzen der Prositmoral handelt, wer kann sich darüber wundern ? Man kann sich hoch stens darüber wundern, daß es trotzdem noch Leute giebt, welche nach der, Moral handeln, die sie von ihren Großeltern geerbt haben, und welche diesen vom Schulmeister beigebracht wurde. Die ganze zlvlllsirte Wett hat heute Kloß, eine Religion. . Sie, Ist, weder spezifisch jübiK noch spezisisch christlich, .noch spezisisch mohamedanisch. Ihr Name , ist Prosit und man betet nach dieser Religion nicht mit gefalleten Handen, sondern mit gekrümmter Hand, die Fläche nach oben. , ' Wie jede andere Religion, so hat auch diese ihre gewisse Moral, und auf Grund dieser Moral gab jener Väter seinem Sohne die Lehre : Mk money my ,boy ! Honest ,, ik , you can, but , make moneyl , Dieser Vater ist nicht als ein einzelner Vater, sondern als ein TypuS zu nehmend , Ergo, wozu diese Entrüstung ? Sie ist ja doch nur erheuchelt. Man kann doch nicht erwarten Heu zu machen, wenn man Disteln sät.,,. Auf einem Kirschbaum machsen keine Aepfel , und der Budel" ist die natürliche Frucht eineS Gewächses, daS man Großkapitalismus, MonopoliSmuS, zuweilen such Kapitalismus schlechtweg nennt. 'Mm '"i'.'ii:-" . , ? " ifeö, 1,1 1!-; if 1 1 1;! '! )t Wi ii - ,; :., ,:,! i jii1-! ,;; t l r t t Drahtnachrichten fi:;;i!j;!!p;i !;::,' flii''! !':jf-:J:'::ilf!'i:!H!:;:.:;;' 3M3otooi. Wetteraussichten. Für Sndiana : Wärmer und schön heute und morgen.

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iii)ii;-..S!!WI:.ii!!:i.Hit Die Budler in Chicago. Chicago, 23. März. Die Beweise gegen die sieben der Bestechung angeklagten Aldermen mehren sich und auch gegen die Besteche?, welche bisher der Anklage entgangen sind, sodaß auch diese zweifellos die Bekanntschaft des Kriminalgerichts in unliebsamer Nahe machen werden. Die Grand Jury verhörte heute sechs Zeugen. Adolph Loeb, Präsident der Chicago Jlluminating Co. sagte aus, so diel er wisse, sei es nicht wahr, daß von seiner Gesellschaft $80,000 fut Annahme ihrer Ordinanz verlangt worden seien, üstav Greenebaum,Sekretar'der Gesellschaft, bestätigt dies. Thompson einer der Direktoren der Zefferson & Urban Co, wurde vernoinmen, könnte aber nur von Hörensagen sprechen. Alez. H. Peters von der Nord Pacisic Bahn wußte nichts davon, daß die Annahme ihrer Ordinanz Geld gekostet habe. Auch von dem früheren Alderman Kowalski und dem Alderman Conway konnte d!e-Gsand)'Sürynkcht,S Positives erahrcn. '-!- - Die Weipkappen. Eng lish,2Z.März. Die Schandthat der Weipkappen in Underhill wird aufgekärt werden Louis Falkenbrg, welcher in Folge der dabei erhaltenen Schrotschüsse anBlutvergiftung dem Tode nahe ist, hat eine Geständniß abgelegt, wonach viele angesehene Leute daran betheiligt waren., , Sein Vetter Otto Falkenburg war der Führer der Bande. ' ' 1 Entrüstete Republikaner. , --- - -p; i- f'! ' '".. ii : ,:. . .;! vjj ' ':fD e s Mo ines Ja., 23. März. Unter den hiesigen Republikanern herrscht große Entrüstung über die Verwerfung der Gatch Bill' und heute wurde hier eine Petition, in welcher die Legislatur um Wiedererwägung der Bill ersucht wird vielfach unterzeichnet. Unter den Unterschriften besinden sich die des früheren Abgeordneten und jetzigen Richters I. 3. Reed, deö Redakteurs Ed. Ioft vom Nonpareil", des Postmeisters Trayner und deS früheren LegislaturmitglicdeS. R. F. Clayton, der für das Prohibitionsgesetz gestimmt hatte. Die Aepublikaner wollen eine Massenversammlung einberufen, um gegen die Verwerfung der Viü zu Protestiren.

m M Ä, NnSland. Die Ministerkrisis in Berlin. Berlin, 23. März. Heute Vormittag ist von dem Verlauf der Ministerkrisis positiv nichts Neues zu melden. Der Reichskanzler von Caprivi ist heute wieder nach, dem Jagdschloß am Hubertusstock zur Berathung mit dem.Kaiser gefahren und erst nach sei ner Rückkehr dürfte Näheres über die Beschlüsse des Kaisers bekannt werden. Wie es heißt, hat der Oberhofmarschall Graf Eulenburg den ihm angebotenen . Posten eines , preußischen Ministerpräsidentenngenommen. Als etwaige Nachfolger deS Kultusministers Grafen von Zedlitz und Trützschler werdenDr. Weihrauch,Unterstaatösekretär im Kultusministerium Dr. Bosse, UnterstaatssektretSr des JustizMinisteriums, und der Oberprasident Studt von Westfalen, genannt. Wie es in Parlamentarischen Kreisen Heißt, besuchte heute der Reichskanzler von Caprivi den Kaiser um ihm die Ernennung deS Grafen Eulenburg zum Kanzler und preußischen Ministerpräsidenten zu empfehlen. Man glaubt allgemein, , daß er in spätestens einigen Mouaten zurücktreten werde., Die ganze Presse 'spricht sich gegen die Trennung der Aemter des Kanzlers und preußischen Ministerpräsidenten ans und erklärt, Caprivi sollte entwe 5 der beibehalten werden oder ganz zurücktreten. Graf Eulenburg ist tüchtig und sehr beredt und dürfte nicht Caprivi'S Strohmann bleiben;,, er, würde wahrscheinlich persönlichen Einfluß ausüben, , welcher unvermeidbar zu Friktionen mit , dem Kanzler führen müßte. , Der Bericht, daß der OberHof - Marschall . und Ober - Ceremonienmeister, Gras August ! von Culenburg, geb. am 22. August 1L32, das ihm angebotene Amt deS Präsi- ' i ,,! .'ij ' ,;:,.,,-),lt,;'P.l::!ii:l; denten deS preußischen Ministeriums angenommen habe, wird bestätigt. Die Anarchisten in Frank, . , KW!!i!MWc xtt- 9St Paris, 23. März. DAIolizel hat heute im Quartier St. Den'S eine Bmbenfabrik in ' dem Hause eines Anarchisten entdeckt. Alle Artikel zur Herstellung von Höllenmaschinen) sowie Dynamit, Pulver, und Bombenhülsen wurden gefunden und mehrere Nnarchi-

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sten, in welchen man die Verübcr der jüngsten Dynamitverbrechen vermuthet, verhaftet. , 7 Große Feuersbrunst. Berlin, 23. März. Zn dem Städtchen Immcnhausen, Regierungsbezirk Cassel. Provinz Hessen-Nassau, welches 1300 Einwohner hat, wüthet eine große Feuersbrunst. Bereits sind 90 Häuser und viele Ställe iniedergebrannt. : X . ;'; '" ' '' ": ;:: .1 :'m' : " " '''- Ochlssönachrichten. Angekommen in: . ,., . ; . ; :. :; . Southampton: Saale" von New Jork nach Bremen.- - , , HWMW!MÄ denbu rg"v o n Bal tz timore. ! Amsterdam: Deidam" von Rev'SorkA'V. '-. sw. 2&QD:U9&& WchBM Importeur und HÄndler in DZßHfrendenFn MelNWWWllSoZW .HUI, ..Hlf l,:ü,T,.li: " ! J J,i 'fi. .V'.: .W'll.'J'.lH Sül,. ,!, f. ,9 , ' .:äi.JV. M,M,Ä,?, jSkp 33 Süd Delaware Straße. ?5i'PW i i, ii , I i , i ; 1 1, 1 ä ,, tiPi aii:"!.'; i!,!ki,,Z,! Waarm werden ehue CxtraBerech

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