Indiana Tribüne, Volume 15, Number 182, Indianapolis, Marion County, 20 March 1892 — Page 2

Nenan über gute Sitten".

Dieftr Tage wurde in Paris ein SchriftstcÜcr verurteilt, weil die Nlchier der Meinung waren, seine Schilderungsweife und die guten Sitten ftiln den nicht recht nn Einklänge. In dem Lande cineS Rabelais macht diese Ver urtheilung natürlich einiges Aufsehen, und die Reporte? bemühen' sich. die Meinnna, der großen Schriftsteller über das richterliche Urtheil zu publiciren. Die Mehrzahl gibt den Richtern Unrecht. Neugierig war nicrn aus das Urtheil des Großmeisters dcr Pariser Schriftsiellcrwclt. Einest Renans. Tcr RePorter fand ihn leidend. Seine Schmer um bereiten ihm Schlaflosigkeit. Jcy frage Sie." bemerkte er ironisch, va rum der Ewige mir solche Qnalen bcreitet. ZweiselkoS will er unsere Ge du ld erproben, zweifellos.... oder ich setze es wenigstens voraus. Tenn wir suchen in Allem den Endzweck. Wir sind End'wcckler. wie Voltaire sagte. Das ist ein Ausdruck des achtzehnten Jahrhunderts. Iet ist er sehr in Vergessenheit gerathen. Unser Freund Caro (der Philosoph) würde, lebte er noch, uns das erklären, er, welcher den Grund aller Tingc kannte. Cr hatte ein System. Wir dagegen wissen nichts. Uebrigens ist das einerlei. Leben, so wie es ist, ist eine gute Sache. Aber die Schmerzen ... Ich verstehe das nicht. Ich weiß wirklich nicht, was der Ewig? damit wollte." Dcr Jnterviewer. welcher ein heiterer Mann zu fein scheint, cntgegncte; Das wird Ihnen im jenseitigen Leben angerechnet werden." ..Das wäre."' erwiderte Rc nan, wahrhaftig sehr bequem, das jenseitige Leben um den Preis einer Krankheit zu erringen." Nach diesem Gesvrach kam Leitern auf die Frage selbst. ..Wahrhaftig", sagte er. ich habe gar keinen Grund, darüber eine Meinung zu haben. Nichts ist schwie rigcr. Ds GescZ; rnuf; umsichtig ausgelegt werden. Der Richter muß sehr umsichtig sein. Die Interessen dcr Kunst sind sehr zu berückstchtigen. Hälse ich das Gesetz vor Augen, könnte ich des fer diskutiren. Wenn ein Bürger, ohne dazu provocirt zu werden, eine Zeitung oder eine Schrift kauft, gestche ich Ihnen, das; ich nicht einsehe, wie Zei tung oder Schrift eln Dclict begangen haben sollen. Jeder ist doch frei, 'zu kaufen oder nicht. Mit einem Worte, ich sehe das 'Vergehen blos in der Provocation." Der Reporter fragt noch, was von Renan demnächst erscheinen werd?. Beinahe Nichts," antwortete der Gelehrte, eine Sammlung kleinerer Schriften." Und nachdem ihm der In terviewer baldigste Besserung gewünscht, antwortete Renan mit großer Wärme: Danke, liebe? Herr, danke; Sie sind die Güte selbst." Mit einem Worte, Renan war sehr hoflich, aber er hatte he Schnupfen. Heldenmüthlge Frauen. Es war im Jahre 1742, alsder Her. zog Karl dcr Kühne von Burgund die Stadt Beauvais (Hauptstadt des französischen Departements Oise) mit gro ßem Heere belagerte. Die Bewohncr' schaft bot ihm aber Trotz, und so cnt schloß er sich, die Stadt zu stürmen. Schon waren die kampfgeübten Dur gunder bis zu den letzten Berschanzungen vorgedrungen und unter der Bür gcrschast die größte Vemirrung auZgebrochen, als ein Weib aus der Menge emportaucht und sich den Fliehenden entgegenwlrft. Zorn spricht aus ihren Blicken. Verzweiflung verstärkt ihre Stimme. Ihr flicht?" rust sie. habt Ihr denn keinen König, habt Ihr keine ttmder mehr? Ihr Pslichtvergeijenen flicht, ich allein werde mich vertheidi gen!" Die Angerufenen stutzen und staunen. - Sie kennen die Frau, es ist ihre Muvurgerm, JeanneFouquct, ac nannt Hachctte. Muth kehrt in die Herzen der yltthcnden zurück. Sle sol gen der tapferen Anführerin und' stür zen aus Neue dem andringenden fremde entgegen. Ader dreimal zurück geworfen, fliehen sie in Verwirrung abermals in die Stadt zurück. Vergebens suchte Hüchette sie auf'S Neue anzufeuern. Unter Heulen und Wehklagen eilen die flüchtigen Frauen nach den Kirchen und suchen mit ihren Kindern Schutz an den Altären und in den Grüften. Hachette aber verzagt noch immer nicht. Sie besteigt die Kanzel und ruft: Ihr winselt, wo ihr handeln könnt? Die Furcht überlasset den Männern! Ergreift die Waffen, die sie fortwarfen. Wenn sie Wclber sind, so laßt uns Männer sein. Wer ein Herz hat. folge mir!" Und von Strcitwuth erfaßt, 'raffen sich die Wei der auf, jede suü.t einen Speer und, Hachette an der Spitze, dringen sie mit Ungestüni dem Feinde entgegen. Dieser staunt und geräth m'S Wanken. Schon war die Mauer erstiegen. Eine hüt gundische Fahne war anfgepflanzi und sollte den Schaaren den Sieg vcr'ün den. Karl der Kühne stand selbst dabei, um sie mit seiner Lanze zu decken. Hachette aber stürzte sich mit TodcSrcrachtn ng gegen ihn, weich! dem auf sie, gerich!cien,.Lanzcnstoß aus, ergreift die Fahne und entführte sie. Diese micr hörte That entmuthigt die Feinde, be geistert die Vertheidigerinnen. . Man glaubt an Zauber. Karl weicht, die Seinen mit ihm und die Stadt ist gerettet durch ein Weib. Zur Erinnerung an diese Heldenthat verordn nete König Ludwig Xl7 eine jährliche Prozession in Beauvais, in welcher die - Frauen den Zug anführten. ;l : Fein fühlend. Frau (zum Dienstmädchen):, Sir werden nachlässig. Lina ich merke es deutlich: früher haben Sie die Stiefel - mit viel mehr Lieb,skichk!ZZkMK'WM? Sonderbar. Diese Man. ner sind 'doch mehr wie eigenthümlich! Sobald uiein Mar verreist ist, sendet er mir in jedem Brief tausend ttüffe, und ' ist er hier, taun ich keinen einzigen be- , kommend' : ' ..?r--Jz::

Nllerlei französische Bräuche und

NmgangSformen. Mfl Eugen v. Jagsw. Der Franzose gilt im Ausland für den Ausbund der Höflichkeit und der verbindlichen Umgangsformen, was sur rübere Zelten vlellclckt mehr zutrifft. als für die heutigen. Man bildet sich ein, daß steife Sitte. Förmlichkeiten aller Art. die wie ein Alp auf dein gcjcllschaftlichen Leben anderer Völker lasten, aus dem französischen völlig verbannt feien. Aber das ist ein gewaltiger Irrthum. So ist alles, was ans Verlobung und Hochzclt, auf die Besuche, den mündlichen und brieflichen Verkehr, aus Titel und Trachten. Di ners und Bälle Bezug hat. auf 's peinlichstc geregelt, zumal in Parls. Wir haben es hier mit dem Ergebnis einer langen, stetig fortschreitenden Entwicklung zu thun und dieser einheitliche Charakter des gesellschaftlichen LebenS, den man in jüngeren Weltstädten ver mißt, hat ja zweisellos auch bedeutende Vortheile. Aber es fehlt ,ym, wie gezagt, auch nicht an Schattenseiten, und um o wc Niger, als die völlige llcnntniß jener usages du rnonde" mir durch eine darauf zielende formale Bildunas- und Erziehungsweife erworben werden kann, die dcr Entwickelung der prsonllchen Eigenart nicht gerade forderlich ist. ts savoir rivre" dehnt sich m der That auf die geringsten Kleinigkeiten aus, bcifpiclswcise .auf die Art, wie man Jemand auffordert, eine Eigarcttc mit Einem zu rauchen. Statt zuerst die seine anzuzünden und sie dan dem Gaste an Stelle des drcn nenden Streichholzes zu bieten, oder statt sich des Streichholzes zuerst zu bedimm, damit dcr andere sich nicht zu beeilen braucht, oder endlich statt zwcz 'lzchen zu entzünden, wie es m Deutschland vielfach geschieht, ohne das; es dort dafür eine allgemeine Regel gäbe bedient sich der Franzose im mcr nur eines Streichholzes, das er zuerst dem Gaste bietet. Die Damen in dcr Thcatcrkoac sind mit unerbittlicher Strenge an ihren Plati gebannt, wie es ihnen verboten ist, ihr'Glas auf die Zuschauer zu richtcn oder den unschicklichen Gruß eines im Parquet oder in der Loge sitzenden Herrn zu erwidern, denen Nitterpmcht es heischt, während des Zwischenaktes seine Aufwartung zu machen. Seit einiger Zeit gilt es übrigens auch für unschicklich, eine Dame in der Straße zu grüßen, wenn man ihr morgens be gcqnet. Warum unschicklich? weil die Dame, wie es im Boulevard Kauderwelsch heißt, "en trottin", d. h. zu einfach gekleidet ist. Man thut da her, als sähe man sie nicht, was nicht nur an sich lächerlich, sondern auch ganz und gar keine Schmeichelei für die ist. deren Prunttlelde man größere Ehren bezcugungcn zu schulden glaubt, als ihrer Persönlichkeit. Ueberhaupt ist das Capitel der Grußformen reich an unfreiwilliger Komik, und zwar um so mehr, als es sich vielfach nur um eine Nachäffung englischer Bräuche handelt, die dem französischen Wesen nun ein mal nicht entsprechen. Si duo saciunt Idem, iion est ideni, und darum ist es auch überaus schwer, bei der Ver beuAUng. die der seiner Natur nach meilt lebhafte und geschmeidige Fran ose bei der ersten Vorstellung macht. ich desLüchekns zu erwehren. Dieser "salut do cereraonio" besteht in einer taschernuefferartigen Brechung des Körpers in zwei gerade Linien,. wo bei die Arme vor den Knieen wie die kinis Hanipelmatzes senkrecht herab hangen. Später aber wird die Dame nur noch mit einem Kopfnicken oder gar nur Mit einem Laazeln gegrüßt, besten Vertraulichkeit geradezu impertinent ist. Freilich sind die Französinnen selbst an dieser Zwanglosigkeit schuld, denn auch ue haben das Grünen verlernt. stehen steif vor dem sich verbeugenden Herrn, als hätten sie eine Elle ver schluckt, und danken häusig nicht einmal durch ein 5kopfnicken, das die unschöne Grußform der Damen unter sich bildet. Man erzählt sich, die Kaiserin von Oetterrezch, der seinerzeit der Graf .. vorgestellt wurde, habe die Aeußerung gethan: ist der erste Franzoze, der zu grüben versteht!" Das klingt nach dem eben Gesagten tclneswegs im ; wahrscheinlich. Mit den Vorstellungen hat es übri. zcns auch seine eigene Bewandtniß. Ist die Gesellschaft bei uns in Teutschland nicht allzn groß, so macht der Wirth alle feine Gäste untereinander bekannt. Anders m Frankreich. Dort bequemt sich Wirth oder Wirthin zu fencr allerdings unbequemen Pflicht nur in dcni Falle, daß ihnen der. wel chcx vorgestellt sein möchte, näher be kannt oder empfohlen ist. Ich erinnere mich eines Falles, wo Jemand zweinlal eine ihm ziemlich fremde Gesellschaft lediglich deshalb befüchke, um die BeA kanntschaft einer anderen Person zu machen. Diese war auch beide Mal anwesend, aber er konnte nlit ihr gleiche wohl kein Wort wechfckn, weil et ih: nich hvLtgcstellt 'worden war- ,Jm M Heimen vcnvünschte er diese Etikette, die! um so erkältender wirkt, als es zum guten Ton gehört, eine unnatürliche Thcilnahmlosigleit zur ,Schau zu tragen, die sich vornehmlich durch hni; beinahe völlige Abwesenheit , von Gc bärdcn und einen marmorkaltcn Ge-i sichisausdruck bekundet. TaZ gibt der einst so lebensfrohen französischen Jug.'nd etwas Grciscnhaflcs. das sie selbst im Eafe nicht abschüttelt, wo cS nichl für "Okio" gilt seine Bekannten zl, grüßen, es sei'dcnn. daß man mit ihnen zu sprechen oder sich zu ihnen zu setzen geben k ii Tann zwi ngtman seiner Leichenüittcrmiene ein flüchtige, fchncll wieder erstorbencs Lächeln ab. Bisweilen l höit , man: in , Deutschlaud auch sagen : 1 ..Wie 'v schön , sind doch die ' Franzosen mit ihren Anreden und Titeln dran, da gibt es kein: Frau Rä'.hin, keinen. Herrn Forst :nci' v : ''i!;:';! if. Äl.iS'E. :: !i'i:i:l:i hiiil'll'iiiliX!! 'ij'virJni-riiM'iM : "i; .! isli1'-;::: "!J; -Mii: iiill

fter, sondern nur movsiku? und rna

dame,- nichts einfacher als das!" Es ist aber doch nicht immer so einfach. wie es scheint. Nehmen wir ein Beispiel. Herrn Dubois reden wir natür lkch monsieur, seine yXQU madame, seine Tochter mademoiselle an. das versteht sich, aber wenn wir zu ihm von den beiden sprechen, so wird die Sache gleich verwickelter. Man darf nicht sagen ma lama votr femme, auch nicht votro ferame, votre epouset. oder gar. wie es der kleine bourgeofe thut, votr darao, sondern madame Dubois, wäh rclid mademoiselle Dudojs. gegen den Brauch wäre. Da muß es heißen mademoiselle votre fille. Der Mann darf nun wieder seine Frau , nicht madame Ilubois nennen, Wie es IN den unteren Elasten der Gesellschaft üblich ist, fondern ma fonnne, es sei denn, daß er zu den Dienstboten spricht Und so liee sich noch eine ganze Neihe von Bciwielen anfuhren. Noch verwickelter ist das normenwe scn für den Brieswechiel. Beispiels' weise überschreibt man seinen an einen Obersten gerichteten Brief mit monsieur l& coloneit aber im Verlauf desselben begnügt man sich Mit einem einlochen colouel oder mon colonel falls man selbst Soldat ist: der Marschall oder Admiral hat dagegen dauernd ans sein rnonswur Je marechal, monsieur 1 amiral Anspruch. Für die Schluß Worte gibt es vielleicht mehr Abtönungen als selbn im deutjchen Briefstil, vdZchon es kein Wohlgeboren. Hochehrwürden und dergleichen gibt. Wenn man auf gleichem Range steht, schlußt man beispielsweise mit:vsuut, mon. sieur reosvoir Iexriression de ma cousideration disUnuee. Bei dem Vorgesetzten wird aus dem reeovoir ein acreer, aus der consideration ein respect und ein devouernent. Ist aber der Borgefctzte der Briefsteller, lo ist von einem vsuillv oder gar vouttes bien nicht mehr die Rede, fondern es heißt: reeevez je vous prie xssu rance il. f. w. Auch das aLsurance ist wieder eine Schattirung. Ein Untergebener darf nicht die Versicherung" feiner Hochachtung geben, weil diese ganz selbstverständlich ist. Er gibt ihr nur Ausdruck". Auf kurzen Billets und unter nahen Bfr kannten begnügt man sich mit einem ich drücke Ihnen die Hand". Tovit a vous ganz der Ihrige" oder, was jetzt für ganz befpnders ebie gilt, man wählt einen englizchen Brocken, yoiirsi und dergleichen mehr. Auch die Visi tenkarte besitzt ihr sehr entwickeltes Eeremoniel. ist )ic doch so etwas wie eine Königin en miniaturs des modernen Geiclllchattslebens. So ipielt ste zu Neujahre eine große Rolle, und um, sie oder den Adrcffaten oder beide zu ehren, will es heute der gute Ton. daz; man ihren Umschlag statt mit einer 5aJcane mit einer solchen von 15c beklebt, wie es denn auch, vornehmer ist,-,m -Paris einen Nohrpostbrief . zu, schicken, selbst wenn es mit dem Inhalt aar nicht eilt, Alles das sind Kleinigkeiten, aber sie kennzeichnen vortrefflich die kleinliche Tyrannei der Mode, die nicht nur die Form des Kleides und das Man des Robenausschnitts vorschreibt, sondern auch die neueste verbesterte und ver mehrte Auslage d?s Gescllschaltscodex besorgt. Natürlich ist, sie auch die SeHerrscherin dcr Umgangssprache, die heute zcd:s kräftige Wort vermeidet und es durch eine mildernd? tunzchreidung. wie iaexact sür pas vral7 ersetzt, wenn sie. wie im naturalistischen Roman, nicht etwa unnaturlich pöbelhaft ist. , Bei der Erziehung der jungen Mäd chen wird auch lediglich der Zweck verfolgt, sie unter den Fingern der, Mode knetbar wie 'Wachs zu machen. ' Man schickt sie frühzeitig in's Klosters wo sie von den Lehrschwestern eine Ausbildung erhalten, die in erster Linie au? die Er Werbung der sogenannten gesellschaftlichen Tugenden, auf den Flitter des savoir v,vre gmchttt ist. In s BakerHaus zurückgekehrt, wo das junge Md chen nicht immer ein Muster des Ehelebens vor Auaen bat, überträgt es das Erlernte in die Präzises schauspielert weiter. ' - : Wie man es ' streng l überwacht, so muß es sich selbst peinlich überwachen: aber freilich nicht im Sinne deS Weizen Erkenne dich selbst", sondern durch die Unterblndung des KindesgemiithZ. "Das GoethijcheWort: ' Das preisen die Schüler aller Orten. . Sind ab:? keine Weider geworden. paßt mit leicht veränderter Lesart rech! eigentlich auf das französtlcheFröulein. Auch ihm " hat man den Geist herausgetrieben", und darum wird es wenig stens in der Gesellschaft, die sich anmaßend le monde nennt, sö selten eine gute Frau, eim gute Mutter. , Die '.- . , . rt .. . rri-Zi v rr ... oi . zelraiyen ilno cm vsiuij, utai ?c Handlung ' mich beute zn weit führen würde fast immer conventionell und sö unNaturl ichHvieNer? unvermitfelle, Uebergang von dcr Unfreiheit des jungen, Mädchens zur fast uuzcbund-'ncn Freiheit, deren die dazu in keiner Weise vorbereitete I?rau in Frankreich geincnt, Und doch drohen grade ihr vielleicht eben deshalb auf Schritt und Tritt die feingcsponuencn Netze der französtschcn Galanterie, eine Thatsache weiche die moder ne Literatur ja bis zum Ucb.'rdruß w:kd:rspiegelt. Nur' zu oft tän delt die iunae Frau mit den Gefahren. die sie umgeben, um zu zeigen, daß sie tres forte sei. aber selten sättt dieser kecke Versuch zu ihren Gunsten, aus. und schnell hat sie den billigen Trost zur Hand, daß ihr Gatte eZ nicht besser trelbtals ste. Und dann geht es auf der schiefen Ebene nicht minder schnell hinab und niemand zeigt sich in prunkkndercrToillctte auf den Bällen und selbst auf der Straße; niemand wcttct hoher auf den Rennplätzen, niemand drängt sich bei den öffentlichen Veranstaltungen dcr Wohlthätigkeit mehr in den ' Vordem g-und als-cben die, welche die Mdtycerkrone einer unglücklichen Ehe ,amr er eduilgsrolllten zu tragen tchemt.,, , '!'

Der neueste Sllberbuhm.

Noch immer hält dcr Zuzug von Aben teurcrn und Glücksrittern nach dem neuen Eldorado, Erccde in 'Eolorado nn, und man nimmt an, daß deffcn heu tige Bevölkerung von 5000 Seelen sich bis zum Juni nahezu verdoppelt haben wird. Ereede ist heute etwa dreiviertel Meilen lang und besteht auS drei langen Hälferreihen, die in der Richtung des reinciiden Gebirgsöaches , der die Schlucht durchslient, gebaut imd, durch schnitten von zahlreichen lächerlich engen Querstraßen oder vielmehr Gäßchcn (dieselben sind ost genug kaum lo fruf breit), um sich dann in die Schwesterltadt Jimtown zu verlieren. Ansicht von Crccde. Colorado. Erccdc und jimtown sind fonisaacr über Nacht emporgewachsen. Die Nachricht, daß in dem Willow Ercck cbcr Zenem Gebirasüack Silbererz vor außerordentlich großem Gchalt zu Tagk trete, verbreitete ficy mit vutzarllger we scbwindiakcit. und bald lockte die Hoff nung aus sichern und schnellen Gewinn h. C -mj. 'O? ?i t A KrtMII ' I A 4 A-i illic luuit uiituuuuwiaiuj iuu; via bcrgcffcncn Vöinkel in Colorado. Lreede liegt 9000 Fuß über dem Meeresspiegel und ist so tief in die enge Gebirgsschlilch: -;.!Yi vf. v: rr 1-h. isJ. finczaiui, üui uie vcüiiut iu iiiiui ijuap stcn Stande kaum zwei Stunden lang !,-,, . t.t r... c .. uzre ?irai)icn yinaoienocn rann, jimtown ilt bedeutend aünstiacr ac legen. Denn da die Schlucht sich nach L .if.i y. v .11. j. poriijiri ococuicno criöcucri, rvcnien seine Bewohner, etlpa sieben Stunden Sonnenschein. dünne scharfe Luft der hohen age in a)on vielen teuren aeräkrllckl aewordcn: Männer, die mit Hcrzlcidcn behaftet waren, sind bereits nach einem Autenthalt von wenigen Taaen vom Scblaae aetronen todt aui der Straße umgefallen. Andere tmijz tcn, ohnmächtig und irastloz, verclts nach kurzer 'At den verderblichen Auf enthalt schleunigst vcrtaffcn. Aebrigens entspricht , dcr Stand der hMf..,,..- kfinfSmfti hfin ffslrf(ti "w w " Zuzüge, denn sehr Viele verlaffen den -..,. r.r... f. .v .:.v jClJf OUIÖ IÖII.ÜS.T, UUl nie lüiCUir zukommen, und nickt blos ausGesund' hcitsrttcksichten. Thatsache ist nämlich. da. Erccdc in übertriebener Weise ..gebuhint" worden ist und daß sehr Bicle. ' dle mit hoqzgcjpanntcn rVqr tünäen' anlatt!itcn ' aründlick enttäuscht wicdcr abzogen. Trotz allcdcm bleibt immer noch' genug des Wunderbaren und Pittoresken, um den Ort interes saut genug erscheinen zn lasten. lHU Crccde's'Viik'md Jlmtiim' - .4,' Cl -. I r-, "Cv. j:.f i i1 ;:!'. "" Von der Bevölkerung besteht die eine 5älite aus Veraarbeitcrn und Gewerbetreibenden. ,die"andcre, aus Spcculan ishaltünaeÄ K.f"' , - , , ; - -j, , Familien sind unbelannte Beariffe in Crccde. 'Jeder, bchilst sich so gut. wie . ; .:r:,.v ... . r...i. .kl ... v:.r ll lann, penn öer;:Uiiit:iuslu;t in;uivui Wolkcnnest ist ja doch höchstens nur auf Wochen? berechnet. Niemand denkt im an eine dauernde Ani:cde!nna. Im Laufe eines Monats kann man iraend einen , der Zahlreichen Verkaufslä'den ein Dukend mal seinen Inhaber wechseln sehen. Zu haben ist alles. von der Pltzhaae des Mmenardeitcrs dis zum Eoltrcvolver und zur Nähnai del. natürlich gegen horrende Preise. Dieses Mntagsleven hat naturlicy das Hotelwesen zu exotischer Blüthe emporaetrieben. Mehr als 'hundert Hotels ibtMttrttdeÄ Raturllcy dars man nicht öiel nach Aeußerlichteiten suchen . EineIs Brctterbude von sechzehn Fuß Geviert, die rsiürttünuna mit einer wollenen Decke verbänat. trägt den stolzen Namen Malast.Hotel". Das ist ungefähr der Durchfchnittslypus. Manche dieser Hotels" sind allerdings aeräumiaer. Gewöhn'ich , birgt,, der,, Schlafsaal" 20 bis 00

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Gäste, welche für eine Pritsche mit Deck, einen Dollar, ohne sokche einen halber Dollar Zür.die Nacht entrichten.

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ssW.. I 4r-rA.& tflW&iW yfcrk, -mm " .W! ?v &mi!,f MS TMlW iws W.W6 Ä ! Die Hauptstraße. Der starken Nachfrage nach Unter kunft und Herberge ist die Pullman Gesellschaft insofern entgegengekommen. als sie auf einem Scitcngelcisc Crcede ist. wie man sieht, auch Bahn station gewöhnlich drei bis, zehr. Schlaswaggons aufstellt, in denen dit Elite dcr Gesellschaft für den civiler Preis von 2 sich den Luxus eine, fürstlichen Nachtruhe gestatten kann. Der Preis ist an den farbigen Schaff, ner zu entrichten. Noch - zahlreicher, als die Hotels, sind 'die Ncstaurauts. denn der Europcan Plan" bildet füi Ercede die ausnahmslose Regel. Auch deren Einrichtung ist denkbar? primitiv. Ein kleiner Ofen aus Eisenblech sogen. Salamander" .ein Brettertisch, zwei Dutzend Schüsseln und Teller, ein Koch.dcr die Tabakspfeife nicht kalt werden läßt, bilden das einzige Jnven tar. Die Speisekqrte. drei Ä?ahlzeiten täglich, bietet das unvermeidliche Ham, Bacon und Eggs" in rührendem Einer lci. Gegenwärtig wird die Erzgewinnung von ' vier Unternehmern betrieben, welche 500 Leute beschäftigen. Dit tagliche , Löhnung übersteigt nicht $3, ein sehr mäßiger Satz in Vergleich mit dem anderer Bergwerke. Man hoffj natürlich schrtark auf die Passirung dcr Silbcr-Freiprügungsbill im Congieß, und baut schon ' allerhand Zukunftspläne darauf. Besonders bemcrkenswehrt ist die Schnelligkeit, mi welcher die Börscnspcculation sich dc! neuen Buhms" bemächtigt hat. Du Minen sind sofort in Kuxe zerlegt worden; ein Spekulant, dcr in einem neuen Schacht, auf Silber mulhen wollte, fand nichts, ließ sich aber unverzagt für H27.000 Kuxe darauf lithograph). ren, nahm einen Markscheider (a-er) nebst allerhand . silberhaltigen Proben nach dem Osten mit und , brachte seine S27,000 Acticn glücklich an den Mann. Obwohl eigentlich keine Behörden existircn und in den zahlreichen Spiel Hollen mit' Wuth hazardirt'. wirö, herrscht doch leidliche Ordnung, und selbst notorische Mörder und Strauchritter, von denen es natürlich in Crecde wimmelt, machen sich nicht allzusehr bcmerklich. In dcr That existirt eine geheime Acgulatorcngcsellschaft, die mit den Verbrechern gegen , - Leben und Eigenthum sehr wenig Federlesens ma chen würde. ... Miöv erstanden. . : .Ull. '. ;.' !., . :ML srr hiTAl urwer. , ;s.yfi "r i Vivcw1 V nT r i Arzt:, wNst,i IicI3cr Proseffor. fuhrt Sie'eirirnat wieder hr1 'altes Uebel zu mir?" - Proseffor (erschreckt): Um Gotteswillen. , ne, , sitzt ist im, Vornm S - j:, , II' .r ;,."-' 3':ll njiT;:! 17 t. Il' ' S..JI.J "-,, u,. s , Fin dsSiecie If! ' i 'rrJ i ' r!i CC? ,'. i vrr )ir v; : : lift I 5 ' '?!; w ; ';!:.:: Js9' ; ' ,' r " - - : i " jt .; ! , r,f f k ' -st .! ji? . . : V. ' Zwölfjährige Elfe: .Ich. ich bin rech: 'traürl.7, FreündinWie' 0??. Elfe: Ich fürchte, wir werden in diefein Jahrhundert beide keinen Mann mehr belommcn, w?r werden wohl bis zum nächsten Jahrhundert warten müs senHlK,. JZeitcr zu sein, Herr Baron sielen ja gest er n ' gerade vor meinem Fenster vom Pferde!" 0, gnädigstes Fräulein deuten dies falsch war j a Ab sicht Ihnen absolut einmal. zu Füßen KkSilM-MWZWDMM HD i e A b n e i g u n g d e r Frauen, ihr Alter anzugeben, ist durchaus nicht neueren Datums. Schon in der Bibel ist nur das Alter einer einzigen Frau, nämlich Sarahs, angegeben. Ein alter Junggeselle wird zulegt nur noch ein Jnventarstütk sür Gastwirthe.

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Dke Voubonnlere.

In ihrem eleganten Zimmer saß Frau Hermine und war damit bcschäftigt, aus einer illustrirten Modczeitung ein Dessin, daß sie gerade intcrcssirte. vermöge des bekannten blauen Pauspa Piers auf einen weißen Bogen zu über tragen. Ebenso kunstfinnig als Wirthschaftlich pflegte sie die Stunden nach dem Kaffee mit fleißiger Arbeit auszu. füllen, und ihr Gatte, der frühere Fa brikdircktor M., wußte ihre Tugenden zu schätzen. Nebenbei besaß sie' indeß noch andere Vorzüge, die mehr nach au ßcn hin wirkten, ein interessantes Ge ficht, eine anmuthige Gestalt und viel Wiy. Man schte ihren Namen gern auf die EiNladungskalien, und von den Gesellschaften, die der Direktor gab. brachte Man stets die Erinnerung an einen genußreich verlebten Abend mit nach Hause. Frau Hermine wirft jet einen Blick auf ihre Uhr. es fehlen noch einige Minuten zu fünf. Sie hat das Dessin vollendet und erhebt sich. Sie begibt sich in das anstoßende Familienzimmcr, wo ihr Gatte bei ihrem Eintreten ga lant die Zeitung bei Seite legt. Hatte sich nicht unser lieber X. für heute Nachmittag angesagt?" frägt er. Allerdings." entgegncte sie zerstreut, ich glaube, er sprach davon." Tann hebt sie lebhaft den Kopf. ah. da ist er schon!" Die Entrccglocke ertönt, und bald darauf schreitet ein schöner, zu gend! icher Mann über die Schwelle. Es ist dcr Bankier Ottokar X., ein Freund dcr Familie, der es hin und wieder liebt, die Eintönigkeit dieses vierjährigen Eheglücks durch seine muuterc Laune und die Unvergleichlich!! seiner originellen Einfälle zu unterbrechen. Und er erscheint niemals ohne eine kleine Überraschung sür die Frau des Hanfes, .niemals ohne eine pikante Neuigkeit sür den Gebieter, die am Kamin unter vier Augen erzählt wird, während Madame den Thee bereitet. Diesmal ist dcr Bankier in großer Eile. .Wollen Sie mich, gnädig? Frau, für heute von meiner Zusage entbinden. Ein Eoufin aus Leipzig nimmt mich diesen Abend in Anspruch und ein zugereister Vetter, das wissen die Herrschasten, ist hartnäckiger wie der Keuchhusten. Apropos, Husten. Gestatten Sie mir, meine Gnädigste, in diesen Tagen der allgemeinen Erkältung und des internationalen Verschnupftseins diese Bonbonniere zu Ihren Füßen zu legen." Ein eleganter Earton kommt zum Vorschein und wird von' Frau Hermine dankend in Empfang genommen. In diesem Augenblick treffen sich die Blicke der Beiden. Sie tauchen eine Sekunde in einander und dann spricht der Bankier ausschließlich zu Herrn M. Bald darauf aber nimmt der unruhige Gast Abschied, nachdem er sein Erscheinen zum nächsten Freitag zu gesägt hat. Dr Tircctor ist wieder mit seiner Gattin allein. Im Grunde gene'Nincn ist es ihm lieb, denn er füh't sich' heut nicht besonders aufgelegt. Ein leichter Halsfchmerz stört - sein Gleichgewicht. Liebes Kind, redet er seine rau an. dürfte ich einmal von Deinen Bondoaniren Gebrauch machen, ich glaub:.,, es ist bei mir, e:n Katarrh im Anzug." Madame erhebt sick) schnell von ihrem Sil Da mein ich ein beßcres Mit tcj,. ,Äu mußt .von den Pastillen nchmen. die mir neulich der Sanitätsrattz verschrieb. ..Nur teineHaftiZleiz, ich bitte, nur nichts, was nach N!edikament aussieht. . Dies hier lhut s auch!" n' noch, bevor Frau 'Hermtzie eire weitere Ansicht äußern kann, , hat er ' ' i ." ' ' zcyon oze Donnvonicre aur cincm ciientischchezi entdeckt, sie geöffnet und ist im Begriff, den Inhalt zu prüfen, als ihm ein. zusammengelegter Zettel zivischen die Finger gerüth. ' Erstaunt faltet ihn Her? M. auseinander und lieft, was dort geschrieben steht. ' Es waren nur wenige, Worte, aber sie athmeten eine glühende Leidenschas t. auf drei Zeilen unzählige Licbeserklärungen und tanscnd Küsse. ?!ämcn waren Nicht genanut. Herr M. ist mie vom Donner gerührt. ' Ihm fehlt jeder klare Gedanke, nur Eins wird ihm furchtbar deutlich,' und dieses Eine läßt seine Hand zittern, die das unselige Stück Papier hält. Hier, lies das", sagte erZplötzlich mit heiserer Stimme, zu seiner Frau, es geht aii Deine Adresie. Frau Hermine nimmt däs Blatt entgegen und ihre Lippen kacheln, während ihr Mann sie starr beobachtet. - Jetzt ist sie mit der Lektüre zu Ende. Das Lächeln ist verschwunden, ihre Augen füllen sich mit Thränen. Wie?" ruft sie.! Eine solche Nichtswürdigkeit kannst, du , mir zutrauen 'i Der Beweis, saus den , hin Tu mich verurtheileu willst? Und es ist gar nicht dentbar, daß ein Irrthum vorliegt? Wäre doch der Banlier hier, daß ,! er 'dir die Augen öffnen könnte!" llndiViädamP bricht in ein krampfhaftes Schluchzen r&: J,K,:i-, . ,,',:":,'- : .lSiL'WhNN Thür sie, offen läßt. , Niit : zu sammln -gezogenen Brauen blickt ihr derDirector nach 1;S ie : scht, mit dem Äücken ihm zugewendet, an , dem Tisch, an dem sie vorhin arbeitete. Es hat sast den Anschein Y'a !s o dj si e mit der. realen ": H an d eine Feder, oder einen Bieistist führte, a der nein. Herr M. muß sich tä u sche n,' sie hat ja den ? 5Zopf in die linke Hand gestützt und stößt ab und zu ein lautes Schluchzen aus. " Nach einer Weile drückt sie die Klingel, die von ihrem Arbeitstisch zur Bedienung geht. Das Mädchen erscheint, ein treues, landliches Geschöpf, das die gnädige Frau aus ihrer Hcimath mit' in die Ehe brachte. Ein Glas Wasser. Auguste, mir ist nicht wohl!" I'! tymm Das Gewünschte, wird sofort gereicht und dann hört der Tirector, der im Familicnzimmcr vom Fenster aus iu dumpfem Brüten auf die Straßen blickt, einige leisem gewechselte Worte !wisck.en seiner !rau und dem Mäd-

chen. Endlich erhebt sich Madame, sie kommt auf ihren Gatten zu -und bleibt dicht vor ihm stehen. Sie sieht ihm fest in die Augen. Hast Du Deine Ansicht geändert?" Er vermeidet ihren Blick und zuckt die Achseln. Ich bin nur ein Mensch, mein Kind." erwiderte er. und Menschen psiegen nach solchen handgreiflichen Beweisen zu urtheilen!" Sie wendet sich nxn und scitf sich auf 's Sopha. das Ta schentuch an die Stirn gepreßt. Er nimmt seine Zeitung auf und sieht rathlos hinein. So vergehen beinahe zwei Stunde in unheimlichem Schweigen. Da plöß lich, horch, die Entreglocke! Das Aäd chen erscheint. Herr X. möchte sich die Ehre geben, den Herrn Director zu sprechen." ..Wer ist draußen?" Der Hausherr ist wie elcktrisirt in die Höhe gesprungen. Herr Bankier X!" Ich lasse bitten." Während Madame mit einer stolzen Bewegung das Zim mer verläßt., tritt der Bankier ein. Lieber Dircctor." ruft er. eine berufsmäßigc Geschichte führt mich Über Hals und Kopf zu Ihnen. Sagen Sie zunächst, hat Ihre Frau Gemahlin die Bonbonniere schon geöffntt? Herr M. starrt seinen Besucher an. Nein, so viel ich weiß, nein." Nun. das ist mein Glück. . Denken Sie. ich kaufe heute Vormittag zwei solcher Kartons, den einen für Ihre Frau Ge mahlin, den anderen na" er klopfte dem Tircctor lachendauf die Schulter ich lasse Ihrer Phantasie Spielraum, sie ist ein herrliches Weib, das genüge Ihnen. In diese zweite Bonbonniere that ich ein kleines de schriebenes Blättchen, eine Art Photo graphie meines zärtlich flammenden Herzens. Und diese zweite Bonbon nicre mit dem Liebesbrief ist vorhin in Folge einer heillosen Verwechslung in die Hände Ihrer Frau Gemahlin ge langt." . ? , Herrn M. fällt eine Zentnerlast von der Brust. Rasch geht er in den Hin tergrund des Zimmers, nimmt, die Bonbonniere, thut geschickt das ominöse Blatt hinein, das noch dambcn liegt, und bringt sie dem Bankier: Hier,lie bcr Freund!" Aber ich bitte, ich brauche nur den Zettel.- Er öffnet, nimmt da? Blatt' heraus, lächelt un nickt. So. und mit dem Karton bitte wieder auf den alten Plat) und verra ihcn Sie mich nicht bei der gestrenge Gnädigen. Besten Dank, lieber Tircc tor." 'Wie ein Wirbelwind ist cr hin aus. Herr V!. athmet tief auf. Ein solch lomplctcr Escl, wiecr gewesen, (in det sobald nicht scincs Gleichen. Er geht in das Zimmer seiner Frau. Hermine sitzt auf der kleinen Ehäisclongue. Er setzt sich neben sie und flüstert ihr leise und eindringlich in's Ohr., , . Ein Stündchen ipätcr ist die Versöh nung hergestellt. Weißk Du, ind,,. sagt dcr glückliche Gatte, ich werde heut Abend auf meinen Skat vcrzichtcn. Dir sollen diese Stunden gcwidmct sein. Ich werde gleich hier ab schreiben, wenn Du gestattest.'' Er setzt sich an Hcrmine's Schreibtisch, nimmt ein Eouvert und in dem Suchen nach ei nein paffenden Briefbogen rückt

er cm aroncs, arau-weincs Blatt von der Stelle, das üben anderem Bogen mitten auf dem , Schreibtisch lag. Er wendet es um und bemerkt. da es Pauspapier ist,, auf der Innenseite dunkelblau gefärbt, t zDckI saHnseinc Blicke auf einen weißen Briefbogen, dcr dicht unter dem gefärbten Papier lag und auf dieseni'MißmL,Briefbogen leuchtet ihm eine blaue schuft entgegen: Nohrpostbricf! 'Herr Bankier Ott'okar Xi'-L . .straße No....' Mit ; einem Schlage hat der Dircctor begriffen, wie ' ein ßittipcl war er in, die Falle gegan gen. " Er hatte sich vorhin nicht geirrt, hier an dieser Stelle hatte feine Frau . geschriebenSl Sie schrieb den Tcrt an h:n Geliebten wahrscheinlich,, auf eine Bilitcnkarte, die Adresse aber sicherlich auf ein dünnes Eouvert und so gab das darunter liegende Pauspapier dem Drucke nach und erfüllte seine Pflicht. Hermine, einen Augenblick!" Sie tritt zu ihm. Was bedeutet diese Adresse, hier?" " Madame blickt auf die blaue Schrift. Sie stützt die rechte Hand auf den Schreibtisch und wird vlötzlich ganz bleich, so blaß, wie die Sünde", deutt ihr Gemahl. . Dann schaut sie ihren Gatten an. offen, frei und heiter. ,.Jch weiß, was Du argwöhnst, mein Freund. . Ich an Deiner Stelle wurde vielleicht a sehnliches vermuthen. Diese Adresse zeugt gegen mich, ich . gebe es zu. ES ist möglich, daß ich vorhin an den Bankicr schrieb und daß das , gefärbte Pa-

Pier an mir zum Berrathcr wurde. Aber, mein Freund, es ist eben nur möglich, wahrscheinlich ist es nZchtAT.. , standst fünf Schritte hinter mir und Dn hättest iede meiner Bewegungen sehen Kt?.' trsjL i je iwrfy-X-ti'K.-:'-'

liiuTiiii. ioco ita iciu ,.icg aulncircii. Als ich Ncrsafl Zn Schmer;' vcrsun'cn, f; . ,(TN... . -. :'iu: Ci " iji'.'.1 f,;,rr 'ZlL'ZLlfi

ivvuy - nur ; - jiui.uruiicu pnnieM'' .teujtlctjtf. j.;;iucS!s::,:f c5.I idEi.r 'i-b'iff .sjf der . Bankier, dieset Dir nun mÄsältigeN" "'''" i ,." lii.lK- l.ii-'i !i,ri.. fiiii;1,.! ; .... Menzch kommen möchte, um d:e .Ge;;'.V schichte anszutläien. I Und dann . über ' .? ; i legte ich mir in meiner überreizten Ein- ::: l bÜdungskraft. ob cs wohl angche, ihn d::rch Rohrpost hcrbcizuruscn und mechanisch kritzelten die Finger mit dem Bleistift diejenigen Worte hin, welche der Kopf dachte. Zufällig lag das Pauspapier darunter und, so entstand die Schrift die mich anklagt!" $ -iUfifSi Augen füllten sich von Neuem mit Thränen, ihr Plaidoycr ist zuHndeDAzSZ ,J Glaubst Du mir. theurer Freund?" Sie wirft einen Blick auf ifa voll ver heißender Zärtlichkeit und breitet ihre Arme aus. Ob der Aichterspruch des Gebieters auf Nichtfchldig" lautete? Wir glauben es, schöne Augen und weiche Arme sind die geschicktesten Ad vokalen der Welt.

Liebe ist beim Mann ein Zeitwort, beim Wclbe dö5 Haupt wort.

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