Indiana Tribüne, Volume 15, Number 133, Indianapolis, Marion County, 31 January 1892 — Page 3
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Sergius Vanin. Noman von Georges Ohn et. f9. Fortsetzung.) .Wieso denn? Auch ich möchte tn!r nun! gute Tage machen, will auch ein: ma in vornehmes edrn iühren? Sie können mich rö lehren. Herr Saviiüen. tS wird wohl nicht besonder schwer sein! Ich denke. eZ genügt ein kurzes tauben sarbeneS LeöÄchen ju tragen, wie Sie. eine Gsidcnia im Knopfloch, wie Herr 2t Vrede. sich einen srisirten Scheitel anzulegen, wie Herr du Tremblay.und einen 21 griff auf die Vank von Monaco zu machen .. . ..... - Wie alle diese Herren!" schloß heittt lachend Susanne. Der Tl;i'lr?orhanz deZ Salons, in dem sich Herr und Fräulein Herzog. Markcha! und Sas'nitn besannen. wurde zu, rügesch lagen und Frau Desvarennes. gefolgt von ihrer Tochter, Cayrsl, Ser jjiu3 und Pierre, erschienen. Der Sa Ion, in welchem sich jetzt die ganze Ge skllschast befand, lag am äußersten Ende der Billu; er war von drei Seiten durch eine mit Glaswänden versehene Galle rie umqcben, niclche mir Pflanzen ge, schmückt, war. Weite Oefsnungen. welche auf italienische Art. von großen Vor hängen halb verdeckt waren, führten in Kiese Gallerie. DieS warder Lieblings ufenlyalt der Gräfin Worefsew gewc sen. Sie hatte ihn in orientalischer Weise inöblirt. mit niedrigen Sesseln nd breiten DivanZ, die zum süßen Slichtsthun und zum Traumen am hellen Tage einluden. Die Mitte dieses Jkau rr,es war von einem gepolsterten Möbel eingenommen, in dessen Mittelpunkt sich eine Blumengruxpe erhob, (sine zierlich geuiuudkne Freltrevpe führte von der Gallcrie auf eine Terrasse, wo sich eine weite Aussicht über Land und Meer darbot. AIS Sasinien die Prinzipalin er blickte. eilte er auf sie 5 und ergriff ihre Hände. Die Ankunft der Frau TesvarenneZ war in feinem mäßigen Leben ein (reizniß von großein Jnteresse. Dieser Stutzer ahnte, daß hier ein gch-imnij;os!ler Umstand oorliegkn niufse, den er vielleicht au-okundschaften könnte, Er such! daher mit gespitzten Ohren und lauerndem Blick den Sinn th:t jeden Wortes zu erspähen. S?e"ie Tante, wenn Sie mußten, wie ich stau:'?. Sie hier zu sehen!" sagte er im scheii-.hcilizslen Schmeichelton. Nicht mehr, als ich selbst darüber si-une,- erwiderte die Prinzipalrn Ifa chelnd. Aber was thut'S ! Ich habe mein Joch aus acht Taze abgeschüttelt., die Freute soll leben?" Aber sazen Sie doch gefälligst, was werden Sie hier anfangend fuhr Sa rinien fert. ..Nun, ich werde thun, wa? alle Welt fcirr tsuir. Ä5er wirklich, was treibt man denn hier eigentlich?" fragte Frau DcSLrcnne-Z I.'bhaft. ist GschmcckZsache," erwiderte der Fürst. E3 leben hier zwei ganz verschiedene Menschensorten; die eine tu sieht aus Leuten, die sich pflegen, die an! dere auZ solchen, die sich amusiren. Die erste Sorte kultivirr den kurgemäken langsamen Sxazicrgang im Sonnen schein, auf der .Promenade deSAnglaiS'. Die andre Sorte emusirt sich auf AuZsiügen mit Schkellengeklingel, auf Wettrennen, cd man die (ihance hat, sich 035 öe::ick:n lrecheu, bei Regatten, wo ein ge? legentlicheZ unfreiwilliges Bad einErtravergnügen bildet. Die einen gehen mit ihrem i"6::r sparsam um, wie Geiz k)Zlse; dir andern vergeuden eZ, wie Verschwender. Sehen Sie. jetzt fängt es an, Nacht zu werden, die Luft wird kalt; diejenigen nun, welche ihre Gesundheit pflegen, kehren nach Hause zurück, wogegen ii; andern, welche sich amusiren, OuSgel'rn. Die einen ziehen den Schlaf, rock au, die andern die Balltoilette. Hier ist das Haus still und nur von einer Nachtlamve erleuchtet, dort glänzen die Salons im hellen Lichterschein, tönt lärmende Musik und das Gewühl der Tänzer. Hier hustet, und dort lacht man. Auf der einen Seite da! Kräuter Iränklein, auf der andern der Punsch. Nizza ist ebenso sehr die traurigste, wie die lustigste Stadt. Man stirbt hier, weil man sich zu viel amusirt, und amusirt sich, bis man stirbt." (IS scheint also, der Aufenthalt hier ist gefährlich e O nein, Tank?, nicht besonders, namentlich aber durchaus nicht so amu sant, wie der liebe Fürst ihn schildert. Wir sind hier ein Hausen junger Lebe, manner. welche die Zeit todtschlagen, bis sie uns Gleiches mit Gleichem ver, gilt; wir vertheilen gewöhnlich unser Tagewerk zwischen dem Speisesaal im Hotel, dem Taubenschießen und dem Jtlab; ein besonderes Vergnügen ist daZ aber gerade nicht. Den Sxeisaal will ich noch gelten lassen,"' sagte Marechal, aber das Tanbenschiegen muß doch 4 auf dlt Länge " Msn muß eS nur interessant zu machen wissen! Aber wie denn?" O, das ist sehe einfach Ein Hv steht z. A. mir der Flinte in der Hand vor dem Behälter, indem sich die Tauben befinden, bis sagen mir: ,Jch wette könfzig Louisdor. daß der Vogel fällt und ich antworte: ,E gilt.' Der Herr ruft: .Pull', der Behälter öffnet sich, die Taube fliegt auf und der Schuß fällt. Nun ist entweder der Vogel ge troffen, oder nicht und ich habe fünfzig LouiZdor gewonnen, oder verloren. ..Da 5 ist aber aufregend!- rief Su fsrntc Herzog. Puh! fuhr Savinken mit ironischem Gleichmuth fort, e ist eine Abwechfe surrn, in dem ewigen Einerlei deS Karten spielS und amüsanter als das Wetten, eb der nächste Fiaker eine gerade öder ungerade Nummer hat.Aber was mögen die Tauben dazu sagen?" fragte Pierre ernsthaft. Man fragt sie leider nicht um ihre Meinung." antwortete Sergiui lachend.
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5?wi, und dann haben wir noch dai Wettrennen und die Regatten. . . . Und da wetten Sie auf die Pferde, ' unterbrach ihn Marechal. Oder auf die Boote." Mit anderenWorten.mkn benützt et verschiedensten Vorkommnisse deZ LebenZ zum Hasardspiel.Und um das Ganze zu krönen, ha: ben wir des ?lbends den Klub, wo du eigentliche, große Pavtie gespielt wird. Dort herrscht das Baccarat. welches übrigens auch keine große Abwechselung darbietet. Hundert Louisdor! ES g'lt. Fünf, 'ch kaufe. ' Es gibt nämlich eine Klasse Menschen, die bei fünf kaufen. Nun. ich decke auf. Entweder ich ziehe den Gewinnst ein. oder ich zahle, und das Spiel geht wei ler.Und das geht bei der Hitze der GaZ flammen und in dichtem Tabaksrauch vor sich, während der Himmel voller Sterne glänzt und die Orangenbäume so köstlich duften! WaZ ist da5 für eine lächerliche Eristenz!" fagte Marechal. Eine Eristenz von Idioten. Mare, chal. eine Lebensweise, die mich, einen Mann der ernsten Arbeit, dank der Strenge meiner herrfchsüchtigen Tante, zur traurigen Existenz, eines Vergnüg gungsmenschen herabwürdigt, zu einer Eristenz, die mich zwingt, eine mir auferlegte Demüthigung mit gebeug, tem Haupte geduldig zu ertragen und in der Menge von Lebemännern aus Beruf unterzugehen. Sie wissen jetzt, lieber Freund, so gründlich als nur mög, lich, wie diese Lebemanner ihre Zeit ver bringen, und können daher einen den wesentlichen Inhalt dieser Lebensweise umfassenden Bericht darüber schreiben, dein Sie nach dem Muster eines Gebet, buch? den Titel: Stunden eines Jdio ten" geben können. Ich garantire Ihnen einen glänzenden Erfolg!Frau Desvarennes, welche die erster Worte dieser 3!ede angehört hatte, achtete nicht weiter auf die Fortsetzung. Sie war in ein tiefeZ Nachdenken versunken, auf ihren erschlafften Gesichlszügen konnte man die Spuren deS Kummers und der Sorge lesen, die sich in dieses schöne Gesicht eingegrabey hatten, das den Einwirkungen deZ Alters so lange Widerstand geleistet hatte. Ihre Schlä: fen waren gerunzelt, daS magere Kinn ließ seine kräftige Fprm deutlich erkenn nen. Früher zeugte dies Kinn von Willenskrast, jetzt schien es nur noch Starrsinn auszudrücken. Die immer noch feurigen Augen lagen tief unter den gewölbten Brauen und waren von kohl-, schwarzen Ztändern umgeben. In der Nahe deS Fensters, an di Wand gelehnt, beobachtete Sergius feine Schwiegermutter. Er fragte sich mit innerlicher Unruhe, welche Gründe Frau Desvarennes veranlaßt haben könnten, so plötzlich, nach zweimonatlicher Trennung. während der sie an Micheline kaum ein paar Zeilen geschrieben hatte, hierher zu reisen. Ob eZ wohl die Geldfrage sei, die neuerdings zur Erörterung kommen sollte? Den ganzen Tag hindurch hatte die Prinzipalin eine vollständig unerwartete lächelnde und ruhige Miene gezeigt, ja sogar ausgelassener Fröhlichkeit, wie eine Schülerin in den Ferien, sich hingegeben. Jetzt erschien zum erstenmal ein finstrer Zug von Entmuthigung und Trauer auf ihrem Gesicht. Ihre Hei? terkeit war also nur geheuchelt und ihre Absicht war. auf eine falsche Fährte zu leiten. Aber wen denn? Doch sicherlich ihn! Ein Blick, der sich mit dem feinigen kreuzte, machte ihn erbeben. Jeanne hatte ihre Augen auf ihn gerichtet. Sie sirirten sich eine Sekunde lang und Sergius konnte ein Schaudern nicht unter drücken. Jeanne wies mit den Augen auf Frau DeZvarenne?; auch sie beobacht tete die Prinzipalin. Ob sie wohl ihretwegen diese Reise unternommen hatte? War daS Geheimniß, welches zwischen Jeanne und ihm bestand, vielleicht in die Hände dieser furchtbaren Mutter gefal len? Er nahm sich vor, dieS zu ergrün? den. Jeannes Augen hatten sich von ihm abgewandt. so daß er die junge Frau jetzt ganz nach Belieben betrachten konnte.. Sie war schöner geworden. Die Blässe ihre? Gesichts hatte einer wärmeren Färbung Platz gemacht, ihre Büste hatte sich prachtvoll entwickelt. . Ein Art von wollüstigem Schmachten strömte von ihr auZ und wirkte aufregend, wi'e ein un desinirbares Aroma. Noch nie hatte er eine so glühende Leidenschaft, ein so heißeZ Verlangen empfunden. Die Hände zitterten ihm förmlich, seine Kehle war vertrocknet, sein Herz, von fieberhaftem Athem geschwellt, stockte. Er mußte diese magnetische Kraft bre, chen, welche das junge Weib auf seine Sinne ausübte, und trat deshalb tu die Mitte des Salons. Vierzehnte? Kapitel. Micheline war Mann zu folgen. im Begriff, ihrem Die Mutter aber er. griff ihre Hand und sagte mit sanftem Aorwurs, ohne aufzustehen: Bleib ein wenig bei mir; seit meiner Ankunft haben mir kaum zehn, Worte miteinander gesprochen. Bitte, sag' mir doch, freust du dich auch, mich wiederzusehen?Wie kannst du nur so fragen?" antwartete Micheline und setzte sich an ihrer Mutter Seite ausö Sofa. Ich frage deshalb, weil ich eS von dir hören will, fuhr Frau Desvarennes fort. Daß du eS denkst, weiß ich wohl, aber das genügt mir nicht. Dann richtete sie wie eine verschämte Arme, die Bitte an ihre Tochter: Mochtest du mir nicht einen Kuß geden?" Micheline warf sich ihr um den Hals und rief: Liebe Mama!- Aus den .Augen dieser fett. Zwei Monaten Folterquälen' erduldenden Mutter rannen zwei Thränen. Sie schloß die Tochter in ihre Arme und drückte sie an die Brust, wie ein Geiziger feinen Schatz an sich preßt. r .;, .Es 'ist so lange her, daß ich diese Worte r ermisse,',! fchon' zwei MonatkZ
Und während dieser ganzen Zeit war ich in jenem großen Hause, welches nur von dir allem erfüllt war, gänzlich einsam und verlassen. " Die junge Frau unterbrach ihre Mut, ter mit dem lebhaften Vormurf: O. Mama! Ich bitte dich, mann wirst du endlich einmal vernünftig werden!Vernünftig! Nicht wahr, da? bedeu tet. mich daran gewöhnen, ohne dich zu leben, nachdem ich zwanzig Jahre hin durch nur für dich gelebt habe? Ertra, gen. daß mir mein ganzes Glück geraubt wird, ohne zu murren? Und jetzt, da ich alt bin. bis an'ö Ende meiner Tage in Leben führen, ohne Ziel, ohne Freude, sogar ohne Kummer; denn ich kenne dich, felbst wenn du Kummer hättest, würdest du ihn mir nicht anvertrauen!" Es trat ein Moment deS Schweigens ein. dann erwiderte Micheline unwillig: Was sollte ich denn für einen Kummer haben? Jetzt wurde Frau DeSoarennes unge duldig und rief, ohne Micheline noch langer zu schonen und ihrem Groll freien Lauf lassend: Nun ! Kummer, sen dir dein Mann verursacht!" Micheline sprang auf und rief entrüstet. Mutter '.- Aber die Prinzipalin war jetzt im Zug und fuhr, ohne sich zu mäßigen, mit scharfer Stimme fort: Ah. ich muß dir sagen, dieser Herr führt sich mir gegenüber so auf. daß ich gar kein Vertrauen mehr zu ihm habe! Erst fchwört er mir, dich nie von mir zu trennen, und dann führt er dich hinweg, obschon erweiß, daß mich meine Geschäfte in Paris zurückhalten," Du bist ungerecht, Mama," erwi derte Micheline lebhaft, denn du weißt recht gut. daß die Aerzte mir verordnet haben, nach Nizza zu gehen." Ach was, man läßt die Aerzte ver ordnen, was man selbst will!" fuhr die Prinzipalin ärgerlich fort'und schüttelte verächtlich den Kopf. Dein Mann fagte unserm gutenDoktor Nigaud: ,Was meinen Sie, würde meiner Frau ein Winter im Süden nicht wohl thun?' Und dieser antwortete ihn: .Wenn es nicht nützt, so kann es auch nicht schaden. ' Darauf sügte dein Mann hinzu: .Nun dann nehmen Sie ein Blatt Papier und verordnen Sie es.' Sie verstehen mich doch, es ist für meine Schwiegermutter. der unsre Abreise leine besondre Freude macht. . . . - AlZ nun Micheline ihre Zweifel an dem GeHorten äußern wollte, fuhr die Prinzixalin fort: Der Doktor sagte es mir selbst, als ich ihn zur Rede stellte. Ich hatte schon langst kein be: sonderes Vertrauen zur Medizin, jetzt aber. . . . - Micheline fühlte, daß sie sich auf ein gefährliches Terrain begeben hatte: sie versuchte dahir. um ihre erzürnte Mut-
ter zu beruhigen, wte ihr daZ sonst gkr lunaen war, daZ GesprachZthema u wechseln. Aber Mama, wirst du denn nie lernen, dich in deine ?toUe zu fügen? Wirst du nie aushören, eifersüchtig zu sein? Du weißt doch, daß alle Frauen gezwungen sind, ihre Mütter zu verlas, sen, um ihren Männern zu folgen. Es ist das ein Naturgesetz. Tu selbst bis! doch seiner Zeit auch meinem Vater ge folgt, denke doch daran, und auch ktüu Mutter mußte dich beweinen.-' Als ob mich meine Mutter so geliebt hätte, wie ich dich liebe'" rief Frau Desvarennes entrüstet. Mich erzog man zur Arbeit, wir hatten keine Zeit, uns zu lieben, sondern mußten arbeiten. Das Glück, seine Kinder verwöhnen zu können, ist ein Vorrecht der Jkeichen. Und was dich anbelangt, siehst du. so gab es kein Daunenbett, daZ wirm genug, und keine Seide, die weich genug war. um deine Wiege damit auszupol, stern. Zwanzig Jahre hindurch bist du gehegt und verzärtelt worden und nun. du Undankbare, brauchte nur ein Mann zu kommen, den du vor sechs Monaten noch gar nicht kanntest, und du vergaßest Alles. Gar nicht? habe ich vergessen-, sagte Micheline, gerührt von diesem leid'en.fchaftlichen Eifer, in meinem Herzen Nimmst du stets den nömlichenPlatz ein. - Die Prinzixalin sah die junge Frau an und sagte dann traurig: Es ist nicht mehr der erste Platz!" Dieser Ausbruch eine? unwillkürlichen Egoismus rief MichelineS Lächeln her' vor. Daran erkennt man dich, du Ty rannin! du willst nur immer herrschen! Begnüge dich jetzt mit der kindlichen Liebe, und vergiß nicht, daß ich dich seit zwanzig Iahren liebe, du also sehr viel Lieb: vorauI hast; er hingegen muß die verlorene Zeit einholen. Versuche kS nicht, zwischen meiner Liebe zu Sergiuö und meinerZärtlichkeit für dich einenVer gleich zu ziehen. Sei gut, zwinge dich. meinen Mann zu lieben, anstatt ihm eine böse Miene zu zeigen. Wie wäre ich glücklich, wenn ich sähe, daß ihr einig seid, wenn ich euch, ohne Hintergedan, ken, mit gleicher Zärtlichkeit umfangen könnte. - Ah. wse du schmeicheln kannst, wenn du willst! Und wie er glücklich ist, die, ser Sergius, daß er eine solche Frau hat., wie dich! Uebrigens, so geht es ja immer, als ob es gar nicht anders sein konnte, gerade solche Männer haben immer die besten Frauen!" Fängst du schon wieder en!- rief Micheline erzürnt. Ich hoffe. Mama, du bist nicht deshalb aus Paris hergekommen, um wir meinen Mann zu ver lästern!" Frau Desvarennes wurde ernst. Nein," fagte sie, ich bin gekommen, um dich zu vertheidigen. - Als Micheline ein erstauntes Gesicht machte, fuhr sie fort: .ES ist Zeit, darib der zu sprechen; du bist ernstlich des droh!" In nmner Liebe? fragte die junge !rau in verändertem Ton. Nein, auf dein Vermögen!" Micheline mußte herzlich auflachen. Wernr es weiter nichts ist!" Dieser Leichtsinn brachte die Prinzi, palin in Harnisch.
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Du hast gut lachen! Wenn dek Mann es so weiter treibt, wirdinnen einem halben Jahre von deiner Mitgift nichts mehr übrig sein. " Nun!" erwiderte die Fürstin sorglos, dann gibst du uns ein: andre!" Frau DeSvarenneS nahm jeyt ihre GeschäftSmiene an: handelte eS sich doch um eine wichtige Geschäflsangelegenheit. So! Du bildest dir wohl ein, meine Kasse fei bodenlos! Du erhieltst bei bei, ner Verhetrakhung vier Millionen, und zwar anderthalb Millionen in Werthpa Pieren, ein Anwefen in der Nue de Riooli und achlhunderklausend Franken baareS Geld; diese? habe ich rvohlmeiS lich im Geschäft behs'ten und zahle euch davon die Zinsen. Du anderthalb Millionen sind NUN dah?n und mein Notar schreibt m:r. daß daS Anwesen in der Nue de Niooli verkauft sei. von einer anderweitigen Anlage deS Geldes aber wußte er nichts. Die Prinzipalin schmieg. Sie hatte diese Worte mit ihrer gefürchteten Güte gesprochen, die ihre Stärke ausmachte. Sie blickte Micheline fest an und fragte: Wußtest du dies alles, meine Tochter?" Die Fürstin war sehr bestürzt, denn jetzt handelte eS sich nicht um eine Ge fühlsfache. sondern um eine furchtbar ernste materielle Angelegenheit. Sie antwortete leise: Nein. Mama." Wie ist das möglich?- rief Frau DeSvarenues heftig, ohne dein: Uuter schrift konnte er nichts thun! Ich habe sie ihm gegeben", flüsterte Micheline. Du hast sie ihm gegeben, " wieder' holte die Prinzixalin in Hellem Zorn. ,Und wann geschah es?" Am Tage nach der Hochzeit." Wie. er hatte die Unve'rfchamtheit, am Tage nach der Hochzeit dcine Unter, fchrift zu verlangen?" Micheline lächelte. Er hat gar nichts verlangt, Mama, fagte sie sanft, ich selbst habe sie ihm angeboten Du hattest mich doch nach dem Dotalsqstem verheirathet " Aus Vorsicht! Mit einem lockeren Zeisig wie dein Mann . ..." Dein Mißtrauen war für ihn her müthigend, und ich schämte mich daher. . . Ich sagte dir nichts, weil du, bei deinem Charakter, die Heirath rückgän gig gemacht haben würdest, ich aber Sergius liebte. Deshalb unterzeichnete ich den von dir ausgesetzten Heirathskon trakt. Am nächsten Tage aber gab ich meinem Manne eine Generalvollmacht. " Frau DeSoarennes Zorn hatte sich ge legt. Sie beobachte Micheline jetzt und wollte sich überzeugen. wie tief der Abgrund sei, in den sich ihre Toch' ter. blindlings vertrauend, hineingestürzt hatte; sie fragte daher: Und er. was meint er dazu?" Nichts!" antwortete Micheline ruhig ; eine Thräne trat ihm in'S Auge und er küßte mich. Ich sah. daß er von meinem Zartgefühl ergriffen war. und fühlte mich darüber sehr beglückt. Ach. Mama,- schloß das junge Weib, deren Augen bei der Erinnerung an jene Freude aufleuchteten, mag er doch meinetwegen alles verschweilden, ich bin im Voraus entschädigt? Die Prinzipalin zuckte die Achseln. Meine Tochter,- sagte sie, du bist ss verrückt, daß man dich einsperren sollte. Mein Gott, was ist nur an die' fem Men'chen. daß er allen Fraueu den Kopf verdreht?" ..Allen?- rtcr" Michel? aufhorchend und richtet? einen ängstlich fragenden Blick auf ,hre Mutter. Das ist nur so gesagt. " fuhr Frau Desvarennes fort, aber meine Tochter, du mußt doch begreifen, daß mir das, was du eben sagtest, nicht genü gen kann. Eine Thräne und ein Kuß! Soll das ein Ersatz für deine Mitgift seiu? Micheline versuchte nun einen neuen Angriff auf dieses empörte Mutterherz. Ach, Mama, laß mich doch glücklich sein!" Glücklich sein kann man. ohne Dummheiten zu begehen. Wozu braucht ihr ein Gestüt für Rennpferde?O, er hat so reizende Farben ge, wählt!" unterbrach sie Micheline las chelnd; perlgraue Jacke mit Silber und rosa Mütze! Wundervoll!" Findest du? Nun du bist leicht zu besriedigenl" erwiderte Frau DeS varenneS. lebhafter werden; und der Klub, und das Spiel? Was sagst du dazu?" Micheline wurde blaß und antwortet, gezwungen: Lohnt eS sich denn, wegen der paar Kartenpartien ss viel Aufhe, benS zu machen!" Diese fortwährende Parteinahme für Sergius schmerzte die Prinzipalm und brachte sie außer sich. Laß mich in Ruhe!" fuhr sie heftig fort, ich weiß Bescheid. Er laßt dich fast jeden Abend allein, um mit seinen vornehmen Freunden Karten zu spielen; sie führen den König so leichtsinnig in's Feld, -daß die Legitimisten sie sogar darum beneiden könnten. Willst du, daß ich dir deines Mannes Zukuuft pro phezeien soll? Mit den Karten beginnt er, mit den Pferden fährt er fort und mit den leichtsinnigen Weibern wird er senden!" Mama!" rief Micheline, die sich bii an'ö Herz getroffen fühlte. Und mit deinem Gelde bezahlt n sein lustiges Leben. Glücklicherweise aber bin ich noch da, um deinen Hansstand wieder auf den rechten Weg zu bringen. Ich will das Herrchen so zügeln, daß er künftig geradeaus marfchiren foll, Hüi bürge ich." Micheline erblich; sie richtete sich in die Höhe, so daß ihre Mutter erschrak, und sagte mit bebender Stimme: Mut, ter, hüte dich, meinem Mann auch nur ein Wort zu sagen, du würdest mich dein Lebenlang nicht wiedersehen!" Frau Desoarenne wich vor ihrer Tochter zurück. Da? war nicht mehr die fchmache Micheline, eren ganze Kraft in ihren Thränen der hte; nein ein leb denschaftlicheS Weib Tnd vor ihr, wel cheS ihren Geliebten tmmig zu verthei, digen entschlossen ar. AlS nun Frau
DeSoarennes regungslos dastand, an! sich nicht getraute, nur noch ein Wort zr erwidern, da degannMicheline mit trauriger, aber fester Stimme auf' Neue Mutter diese Erklärung war unoer, weidlich. Ich fühlte schon'im Voraui de Sqmerz. den sie mir verursachen würde, denn ich mußte, daß zwischen der Lieb zu meinem Mann und der schuldigen Achtung für dich ein Konflikt entstehe müffe. - Ich sehe. d?ß du. ohne zu schman ken. deine Wahl getroffen hast !" DaS war meine Pflicht; hätte ich sie außer Acht gelassen, ss würdest du mit deinem gefunden Menschenverstand felbst eingesehen haben, daß ich unrecht thue. " O, Micheline ! Konnte ich denn ah nen, daß ich dich so verändert finden würde !" rief die Mutter Verzweiflung, voll, Was ist mit dir vorgegangen! Ist daS meine Tochter, die fo spricht? Unsinnige, siehst du denn nicht, wohin dich das alles führt? Du rennst tn dein Unglück! Glaube nur ja nicht, daß s Eifersucht ist. die meine Worte dlktirt, nein, es ist in edleres Gesühl und ich fürchte, daß meine mütterliche Liebe mir in diesem Augenblick die Fähigkeit ver leiht, in die Zukunft zu blicken. Es ist die höchste Zeit, daß du auf der abschüs. sigen Bahn innehältst. Du glaubst deinen Mann durch Großmuth an dich zu fesseln? Abwendig machen wirst du ihn von dir, wenn du ihm die Mittel giebst, seinem Leichtsinn zu fröhnen Wenn du ihm Beweise deiner L'be zu geben glaubst, wird er nur Schwäche darin erkennen. Trittst du bejcheiden zurück, so beachtet er dich zuletzt gai nicht mehr; wirfst du dich zu seinen Füßen, fo. hab acht, schreitet er über dich hinweg. - Die Fürstin schüttelte hoheitsvoll das Haupt und lächelte: Du kennst ihn nicht, Mama. Er ist ein wahrer Edel, mann und voller Zartgefühl; man geminnt mehr, wenn man sich feinem
Willen unterordnet, als wenn man ihm Widerstand entgegensetzt. Du rügst seine Lebensweise, denn du begreifst sie nicht; ich aber verstehe ihn. Er ist nun ein mal aus anderm Holz geschnitzt al wir. Der rafsinirte LuruS, entbehr, lich für uns beide, ist ihm Be, dürfniß. und es wäre für ihn äußerst peinlich, ihn zu missen. Denn du mußt wissen, daß er, ls er noch arm war, viel gelitten hat, und daß er sich nun dafür entschädigt. Es ist ja nicht zu leugnen, daß wir ein thörichtes Leben führen, aber was sicht es dich an? Für wen fammelst du denn deine Neichthü? mer? Doch für mich! Zu welchem Zwecke? Um meines Glückes willen .... Nun also! Ich bin nur glücklich, wenn ich meinen Fürsten mit all' dem Glanz umgeben kann, der ihn so gut kleidet. Er ist mir dankbar dasür, denn er liebt mich und seine Liede ist es, die mir über alles geht, denn ich sühle, daß an dem Tage, an welchem er aufhörte, mich zu lieben, ich sterben würde. " Micheline!- rief Frau Desvarennes außer sich, ergriss die Hand ihrer Tochter und drückte sie mit nervöser Kraft. Die junge Frau senkte ihr blondeS Haupt auf ihrer Mutter Schulter und hauchte ihr mit schwacher Stimme in's Ohr: Nicht wahr, du wirst mein schwaches Leben nicht zu Grunde richten? Ich begreife deinen Unwillen; ich sühle auch, daß er gerecht ist. Du, eine ar beitfame und einfache Frau, kannst nicht anders urtheilen. Aber ich flehe dich an, opfere mir deinen Groll; gieb alle deine Ueberzeugungen auf, unterdrücke deine Empfindungen und schweige, wenn du mich lieb hast. - Die Mutter war besiegt. Sie hatte dieser bittenden Stimme niemals wider stehen können, war nie im Stande geme, sen, diesen rosigen Lippen, die jetzt ihren Hals berührten, etwas abzuschlagen. O, du grausames Kind," jammerte sie, wie du mir weh thust!" Nicht wahr, lieb Mütterlein, du willigst ein?" flüsterte Micheline und sank dieser Mutter, von der sie vergot tert wurde, in die Arme. Ich will thun, was du begehrst," sagte Frau Desvarennes und küßte das Haar ihrer Tochter, dies goldne Haar, in dem sie einst so gern gewühlt hatte. Draußen auf de? Terrasse drehten sich die Tänzer nach den Klängen des Piano im Kreise; man sah ihre Schat ten vorüberhuschen. Heitere Stimmen ertönten und jetzt kam Savlnien, von Marechal und Susanne gefolgt, eili; gen Schrittes die Stufen der Treppe herauf. Oh, Tante, das ist gar nicbt schon von Ihnen! rief der Zierbengel. Wenn Sie. blos deshalb hierhergekom, men sind, um Micheline für sich in Be schlag zu nehmen, so wird man Sie bald wieder nach Paris zurückschicken. Es fehlt uns ein vis-a-vis zur Quadrille. . . Kommen Sie schnell, Fürstin! ES ist eine köstliche frifche Luft draußen, wir amusiren uns königlich. Herr Le Brede hat Orangen gepflückt," sagte Marechal, und denützt sie, um Bilboquet damit zu spielen und sie mit feiner Nase aufzufangen; Herr du Tremblar, den die Erfolge seines Kumpans nicht ruhen lassen, will die Gebüsche mit Punfchbowlen tllumini tl. Und was thut SergkuS ln diesem tollen Treiben? fragte Michelene lächelnd. Er plaudert mit meiner Frau auf der Terasse," antwortete Cayrol. der soeben die Gallerie betrat. DaS junge Volk eilte davon und oers schwand lit der Dunkelheit. Frau Desvarennes betrachtete Cavrol, der ruhig und glücklich zu sein schien; von feiner ehemaligen Eifersucht war keine Spur mehr vorhanden. Während der sechs Monate, welche feit feiner Hochzelt vergangen waren, . hatte der Bankier das Betragen seiner' Frau, auf merksam beobachtet. Nichts,' war ihm entgangen und an allem, was sie sprach und that, hatte er nie et was auszusetzen gefunden. AlS ,. er sich nun beruhigt fühlte, wär auch sein Vertrauen wieder zurückg kehrt. W : - c , :W "
und d.'tsmak für immer, Jeanne U zauberte chn und er war jk verliebter, als am ersten Tage; trotzdem aber kam sie ihm sehr verändezt vor; ihr etwa herber Charakter war milder geworden, aus dem jungen, hochmüthigen und lau. nischen Mädchen war in sanftcS. einfa ches. ein wenig ernsthaftes junges Weib geworden. Unfähig, die Gedanken fei,
ner Gefährtin zu entrathjeln. war Cay rok aufrichtig überzeugt, daß er sich ohn Grund beunruhigt habe und daß Jean neS gereizter Zustand nur vorübergehend gewesen fei. Er nahm sür sich die Ehre in Anspruch, die Metamorphose seiner Frau bewirk! zu haben, und war stolz darauf. .Cayrolk Thun Sie mir den Gefallen und nehmen Sie diese Lampe hinweg, sie blendet mich." sagte Frau DeSoaren, neS. Sie wollte die Spuren der Gemüthsbewegung verbergen, welche die soeben stattgehabte Scene mit ihrer Tochter hervorgerufen hatte. Ferner bitten iU Jeanne. daß sie hierherkam men möchte. Ich habe ihr etwa zu tagen. - Sehr qern, " antwortet, Eoirot uns nahm die auf dem Tische stehende Lampe, um sie hinauszutragen. Dte nun eingetretene Dunkelhklk that der Prinzipalin wohl, sie erfrischte ihren Geist und beruhigte ihr Blut. Der Lärm deZ Tanzes drang durch d Entfernung gedämpft bis zu ihr. Sie begann nun nachzudenken. Micheline fühlt sich also in diesem Leben volle Aufregung wohl ! Vergebens hatte dir Mutte, ,s versucht, ihr zu beweisen, daß ein solche, dem zügellosen Vergnügen gewidmet, Eristenz das Glück vernichten müsse. Die junge rau hatte sich die Ohren zugehalten, um nichts davon zu hören, und die Augen geschlossen, um nichts zu sehen. Die Prinzi. palin fragte sich nun. und zwar ganz aufrichtig, ob sie, von der Leidenschaft hingerissen, das Uebel nicht vielleicht übertrieben habe? Aber sie mutz!e stch gestehen, daß sie sich leider nicht getäuscht hatte. Man brauchte diese Gesellschaft. welche sie umgab. Männer wie Frauen. nur genauer zu beobachten, um sich zu überzeua.?. daß nichts als fieberhaft Aufregung, Ausschweifung und ge'ttlg Leere bei ihnen zu finden war. Würd man in allen diesen Köpfen nach forschen, man fände keinen einzigen ge. funden Gedanken darin, in keinem von diesen Hetzen fände man auch nur eine Spur von edler Gesinnnng. Ledee Geist noch Seele beherrschten die Eri. stenz diesee Menschen, fie lebten auS. schließlich auf Kosten ihrer Nerven, und diese wurden so sehr angestrengt. daß sie schließlich reißen mußten. An die Stelle der Thätigkeit war die Auf. regung getreten. Sie glichen tn ihrem weltlichen Treiben dein, Eichhörnchen im Käsig. daS beständig wie toll um. herwirbelt und sich einbildet, daß es vorwärts komme, weil es fortwährend in Bewegung ist. Man sah wohl, daß sie sich miteinander unkerhielten, trat man aber naher, so mußte man staunen: Der Skeptizismus hatte jede Spur von Glauben in ihnen erstickt. Religion. Familie, Vaterland da? alles war ihnen nichts als leereS Gewäsch. Sie hatten nur eine Triebfeder, nur ein Leidenschaft, nur ein Ziel den Genuß. Genießen und immer wieder genießen, um jeden Preis, das war die Quin tessenz ihrer Weltanschauung ! Was ihre physische Eristenz anbetraf, so brauchte man diese Menschen bloß an zusehen, um einen Begriff davon zu bekommen. Sie waren abgespannt, bleich und kraftlos und mühten sich ab, t Leben zu Grunde zu richten. Alles, was van dieser Gesellschaft, die sich ausschließ lich dem Vergnügen widmete, nicht durch Schwindsucht hinweggerafjr wurde, endete als blödsinnig int Jrrenhaufe. Was hatte sie, die Arbeiterin, inmitten dieser Welt der Föulniß zu schaffen? Konnte sie denn noch hoffen, diese Unglücklichen durch ihr Vorbild zu bekehren? Nein! Man würde sie wie eine alteSchmatzenn behandeln. Sie hatte nicht die Mög llchkeit, ihnen Gutes zu lehren, sie da gegen überboten sich gegenseitig, andere BöseS zu lehren. Diesen Krebsschaden de vergoldeten Lasters mußte man fliehen und feine Lieben mit sich hinwegfühz ren, jene Müßiggänger und Taugenichtse aber ihrem eigenen Veröerben, ihrem Untergang überlassen. Dadurch würde für die Fähigen und Arbeitsamen Platz geschafft auf der Erde. Em furchtbarer Ekel bemächtigte sich der Frau Desvarennes; sie beschloß. alle? aufzubieten, um Micheline diesem Seuchenherd zu entreißen. Zunächst wollte sie noch Jeanne ausfragen. Am Eingänge deS Salons erfchien jetzt ein Schatten, es war Eaqrols junge Freu. Unbemerkt war ihr CergiuS in der dunkeln Galerie nachgefchlichen. Er hatte Jeanne aufgelauert und folgte ihr nun, als er sah, daß sie sich allein entfernte. In dem Winkel der breiten Thüroff nung, welche nach dem Garten hinaus ging, wartete er, schweigend und mit klopfendem Herzen. Jetzt vernahm er Frau DeSoarenneS Stimme im Salon; er horchte. Setze dich, Jeanne," sagte die Prinr zipalin; unser Gespräch wird nur kurz sein; ich konnte S nicht länger verschieben, da ich morgen nicht mehr hier sein werde. Wie, Sie wollen schon wieder ab reisen?" Ja, Ich verließ Paris nur um meiner Tochter willen und deinetwegen. Miche line weiß bereits, was ich ihr sagen wollte. Jetzt ist die Reihe an dir. Wee. halb bist du eigentlich nach Nizza ge kommen?" Ich konnte'-icht anders." Und warttt. nicht? Well meinMann eS so ell!e , Man hätte ryalmaS andres roo?ea essen müssen. Du übst doch eine unbe chränkte Herrschaft über ihn auS." Ein Moment des Stillschweigens trat ein. Dann erwiderte Jeanne: Ich fürchtete, durch meine Weigerung seines Verdacht zu erregen." 1 ' (Fortsetzung f,!gt.) iil- iyofei c;::
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S?v?!S!MJ?,? Abenteuer in atz SZeujayrsnaHk.' Am Sylvesterabend gegen 10 Uhe erschien in der Wohnung des Tischler mersters SÄ. in Berlin ein Dienftmann mit emem Briefchen, das ihm zur eiligen Bestellung übergeben worden war. Ja, das thut mir leid,- sagte daZ. Dienstmädchzn, .jetzt ist der Herr nicht da: er ist in seinem Verein, dort haben sie eine Maskerade." Es ist mir aber gesagt worden, de? Bnef müßte unbedingt bestellt werden, er ist wichtig, meinte der gewissenhafte DienstNann. Nun, dann werde ich ihn dem Herrn hinbringen sagte daS Mädchen, machte schnell Toilette und begab sich auf den Weg. Sie traf ihren Dienste Herrn in dem prächtigem Kostüm eines Türken, mit einem fürchterlich krummen Säbel an der Seite. Die Sache wäre sehr eilig," sagte das Mädchen bei Uebergabe des Briefes, mit müßte heute noch erledigt werden." Herr Sch. öffnet hastiz das Billet? er ist ein' viel zuerfriger Geschäftsmann, um fein Vergnügen dringlicheren An gelegenheiten voranzustellen. Einer seiner Freunde, der Bauunternehmer B , schrieb ihm, er möge sogleich in das geneinsame Stamntlokal kommen. B. hatte ihm schon mehrfach größere Ärbei ten zugewiesen, gewiß war der liebe Freund wieder in der Lage, ihm einen solchen Dienst zu leisten. Da durfte freilich nicht gezögert werden. Er ließ sich in der Garderobe feinen Uebcrzieher geben, rief auf der Straße eine Droschke an und fuhr in daS Stammlokal. Tort kannte ihn Jedermann, mochte man ihn auch etwas anulken, wenn er als Türke auftrat das GeschZft war die Haupte suche, und wer zuletzt lacht, lacht am besten. Wo ist B. ? rief er der durch seine äußere Erscheinung belustigten Tafelrunde zu. D sitzt jetzt in P.'S Restaurant in der Linienstraße wurde ihm zum Bescheid. Bis vor einer halben Stunde hat er mit einem anderen Herrn auf Sie gewartet." Herr Sch. eilt hinaus, bestellt wieder eine Droscht und fahrt nach der Lmienstraße. Hier, in dem fremden Restaurant, kann er aber unnlöglich als Türke auftreten, denn der Ueberzieher vermag nur einen Theil sei ner orientalischen Tracht zu verdecken. Er bittet den Kutscher.m taZ 2nhl hin, elnzugehen,nach Herrn B. zu fragen und diesen zu ersuch.'n, auf einen Augendlick herauszukommen. Kaum hat der Hat scher das Lokal betreten, als ein vor übergehender Bursche auf den Einfall kommt, seiner Sylvesterstimmnng durch das Abbrennen eines Schwärmers einen erhebenden Ausdruck zu geben. Der sonst so vernünftige Gaul VZ der Droschke des Herrn Sch. faßt die Sache mißverständlich auf. vermuthet ein Attentat und nimmt Reißaus. Herr Sch. ist in arger Noth, er öffnet das Fenster und schreit um Hilfe. In der Nähe der Ackerstraße wird endlich das Roß angehalten. Herr Sch. nimmt es am Zaum und bringt es im langsamen Schritt nach dem P.'schen Restaurant zurück. Der Eigenthümer des FuhrWerks hat dies bereits Verlassen, er befindet sich auf der Suche nach Roß und Gefährt. Der Tischler ist wüthend was in aller Welt soll er mit der Droschke anfangen! Endlich kommt der Kutscher ath'emlos angerannt. Es erfolgt eine lange AuIeinandersetzunz, die damit endet, daß Herr Sch. dem gekränkten Kutsöer ein Zehnmarkstück in die Hand drückt. Dem Tischler ist inzwischen alle Sylvesterfreude vergangen, er eilt nach dem Vereinslokal, um seine Gatun abzuholen. Es wird noch zwei, drei Mal herumgetanzt, dann geht man nach Hause, gerade, nachdem die Uhr Eins geschlagen hat und das feierliche Gelaute der Kirchenglocken verstumm ist. Auf der dunklen Treppe zündet Herr Sch. seinen Fünfminutenbrenner an und verdrießlich steigt man zur dritten Etage empor. Aber ums HimmelSwillen, Anna, was fällt Ihnen ein?" ruft Frau Sch., als sie vor ihrer Wohnung angelangt sind, weshalb sitzen Sre auf der Treppe?" Ach Gott," jammerte das Mädchen, als ich heute Abend dem Herm den Brief brachte, da hab' ich in der Eile vergessen, den Drücker mitzunehmen, und als ich wiederkam, da konnt? ich nicht hinein. Da sitze ich nun fchon drei geschlagene Stunden." Die Verwünschung, . die jetzt dem Munde des Tischlermeisters entfuhr, foll sich, nach seiner eigenen Versich: rung, denn er hat ,ftme Abenteuer unserem Gewährsmann selbst erzählt, schauerlich angehört haben. Unglückliche," fügte feine Gattin bei, wir haben ja auch keinen Drücker. Und wo sollen wir jetzt, in der Reu jahrSnacht, einen Schlosser herholen, der uns die Thür öffnet?" .Wenn doch nur ein schwerer Ein breche? käme," rief der Tischler. Sonst kommen sie ungerusen. aber wenn man sie braucht, ist keiner zu haben. Eine schöne Wirthschaft daS!" Anna, das Mädchen ohne Drücker. faßte beim Anbuck deS Jammers, der sich ihr darbot, einen kühnen Entschluß und erhob sich, um auf einen Schlosser Jagd zu machen. Nach einer Stunde brachte sie wirklich einen an. Am NeujahrS-Morgen suchte HerrSch. in aller Frühe seinen Freund, den Bauunternehmer, auf, um von ihm die wichtigen Mittheilungen entgegen; nehmen, rat derentwillen er zu all' den schlimmen Abenteuern gekommen war. Acb. Sie wollten ja immer in der preußischen Lotterie spielen." iazte B.. der noch schlaftrunken im Bette lag; und da traf ich gerade gestern einen Freund, der ein Vrertel abgeben will. Aber schnelle Entscheidung ilt nöthig. . . . .UedrigenS wollten wir auch eine dritten Kaun zum Skat haben. ..." Strafe. Die kleine Erna de mühte sich auf dem Hose vergeblich, ein Huhn zu greisen. Warte," rust sie schließlich aus, o, cnn von dir Suppe gekocht wird, tff ich wieder nicht,
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