Indiana Tribüne, Volume 15, Number 119, Indianapolis, Marion County, 17 January 1892 — Page 3

M -A8oaB uon Georges Shttet. (7. Fortsetzung.) Eayrol mar wirklich nicht glücklich 'fn'pirirt. Ieanne sprang auf wie eine Hindin, die im Dickicht einen Schuß hört . : 'S:.:. , Was, sie dort aufsuchen: rief sie. Um mit ihnen die Reise gemeinschafksich fortzusetzen, Eine Partie zu vieren, zwei junge Ehepaare; das wird reizend sein! SergiuZ, dem ich meinen Plag nzitgethcilt habe, machte zuerst Ein roände, als mir aber die Fürstin zu Hilfe kam und er dann sah, daß seine Frau mit mir einverstanden sei, lachte er und sagte: .Meinktmegm! Wenn Sie eö so wollen; ich habe nichts da, gegen, reden wir also nicht weiter da, ?on'" Unter unZ gesagt, er widersprach nur der Form wegen. Man mag im nerhin sagen, die Liebe sei oer Egais mus zu zweien; aöer nach vierzehn Tagen intimen Zusammenseins wird SergiuS nicht mehr ungehalten fein, trenn i?ir ein reizendes Duo stören. Wir gehen nach Italien an di Seen. Das sollen köstliche Feste werden, wenn wir. unserer Vier in einem Schiffchen, in dieser himmlischen Natur schwelgen." Cayrol hatte noch stundenlang fort sprechen, hätte noch den ganzen Vädeker cikiren können, Jeanne hörte nicht wehr uf ihn sie sann nach. Alle ihre An strengungen, um demjenigen, den ste liebte, zu entgehen, waren also vergeben? gewesen. Ein unvermeidliches Ver hangni iz sollte sie immer wieder zu ihm hinführen, wenn sie glaubte, ihm tnU flohen zu sein. Und ihr eigener Mann war eS, der diese erzwungene Vereintzung herbeiführte. Ein düsteres Hohn kacheln umspielte ihre Lippen. ES lag in tragische 5lomik in diesem lächelnden und friedlichen Eigensinn, mit dem Cay, rol selbst sein Weib dem Fürsten in die ?!rme führte. (sayrol, durch JeanneS Schweigen verblüfft, hielt einen Moment inne; dann begann er wieder: Was -ist Ihnen? Sie thun gerade wie der Fürst, als ich ihm meinen Plan auseinandersetzte." Jeanne wandte sich hastig ab. Dieser Vergleich, den Eayrol unwillkürlich anführte, war gar zu treffend. Die Einfalt dieses Ehemannes fmz an, ihr lästig zu werden. Der Bankier, gänzlich verwirrt durch den üblen Eindruck, den sein Projekt hervorgebracht, fuhr fort: Sollte Ihnen meine Reise zuwider sein? Ich bin sofort bereit, darauf zu verzich ten . . . . So viel Nachgiebigkeit rührte da junge Weib. 3iim ja,- sagte sie be sänftigt. Sie würden mich zu Tank verpflichten." Ich hoffte. Ihnen eine angenehmk Ueberraschung zu bereiten, erwiderte Eayrol, habe ich mich aber geirrt, so ist c3 cn mir. mich zu entschuldigen. Wir wollen also in Paris bleiben; wo ich mich auch befinden mag, wenn ich nur der Ihnen bin. so habe ich keine weite ren Wünsche." Er näherte sich ihr und flüsterte mit glühenden Blicken: Sie sind so schön, Iecmne', und ich liebe Sie schon so lange. ..." Sie zog sich erschrocken von ihm zurück. Eayrol legte ihr in höchster Er, regung den Ueberwurf um die Schultern und sagte, sich zur Thür wendend: D Wagen ist bereit, wir können fahren.Jeanne war in großer Verwirrung, sie rührte sich nicht. Lassen Sie uns noch einen Moment warten," sagte sie endlich. Eayrol erwiderte mit gezwungenem Lächeln: Soeben erst trieben Si? mich zur Eile." DaS war richtig. Aber eS hatte sich plötzlich in diesem jungen Weibe eine Umwanolnng vollzogen; ihre Energie war verschwunden, sie fühlte sich ganz lich erschlafft. Der Gedanke, mit Eay ro! abzureisen und sich mit ihm allein in einem engen Wagen zu besinden, war ihr schrecklich. Sie blickte ihn an und sah wie in einem Nebel die 3t stalt dieses dicken Manne?, dessen Leibessülle sein Porhemd geknickt hatte, sah die gerötheten Fleischwülste an seinem starken Auvergnaten , Nacken, wie sie über seinem Kragen hervorquollen, sah die flach gedrückten Ohren, an denen nur noch die Ohrringe fehlten, sah seine dicken behaarten Hände und den glänzenden neuen' Trauring am Finger. Dann sah sie wieder, wie in einer flüchtigen Vision, daZ feine und spöttische Profil,, die blauen Augen und den lan gen blenden Schnurrbart des Fürsten. Eine tiefe Traurigkeit bemächtigte sich der jungen Frau und ihre Augen wurde feucht. ..Was ist Ihnen? Sie weinen? rief Eayrol unruhig. ,.Eö ist nichts, meine Nerven sinb etwas angegriffen. Ich erinnere mich soeben, daß dieses Schloß, in dem mir uns befinden, meinen Namen tragt. Hier war es, wo ich meine Kindheit zu brachte, hier starb mein Vater. Tausend Bande knüpfen mich an diese Wohnung und ich kann sie nicht ohne tiefe E)e lüthSbewegunZ verlassen." ES wartet Sie eine andere, eine lachende, prächtig geschmückte Woh? Kung, uzrene uagroi uije, ant Wohnung, die Ihrer würdig ist. Dort werden Sie künstiz leben, an meiner Celte, glucklich durch mich, ganz die Meine. " Dann bat er mit heißem Flehen: Jeanne, lasten Ste uns fahren:Er wollte sie in seine Arme schließen. Das junae Weib entwand sich ihm und rief zurückweichend: Lassen Sie mich! Eayrol blickte sie bestürzt an. Was haben Sie? Sie zittern, sind an; erschrocken." Er versuchte zu scherzen: .Bin ich denn so fürchterlich? Oder ist ei der Gedanke, von hier fortgehen zu müs, sen, der Sie so beunruhigt? Ist e? dieZ, warum sagten Sie es nicht srü,

ergrns P'nmn.

her? Ich kann daZ begreifen. Nleiden wir also hier im Schlosse, einen Tag, zwei Tage, so lange wir wollen. Ich habe meine Geschäfte so geordnet, daß ich gänzlich frei bin. Unser Para dicZ kann warten." Der Ton seiner Stimme klang ganz harmlos, aber man konnte doch einen Schimmer von Unruhe an ihm wahr nehmen. Jeanne näherte sich ihm zögernd, ergriff feine Hand und sagte kuhig: Sie sind von einer Güte Dazu brauche ich mich mich nicht be sonders anzustrengen," antwortete Ca? rsl lächelnd: WaS verlange ich denn? Nichts, als daß Sie mit mir zufrieden sein möchten. - Nun denn, stellen Sie mir einen Gefallen erweiz'kli l" fuhr die iunge Frau fort. 05 ich es will? rief Eoyrs! elfriz; .was soll ich thun?" Frau Tesvarenkies wird sehr betrübt sun, wenn morgen ihre Tochter fort ist; sie wird Trost und Zerstreuung nöthig haben. . . . Ah, ah!" siel Eayrol ein dem ein Licht auszugehen schien. , und da wollen Sie Ich machte eine Zeit lang bei ihr bleiben. Sie könnten unZ dann täglich besuchen, zum Beispiel morgen schon . . . Ich würde Ihnen sehr dankbar sein und Sie recht lieb haben. Aber. aber, aber !" rief Eayrol, ganz fasfuk'gSloZ, was fallt Ihnen denn ein, Jeanne ! Wie, meine Liebe, Sie wollen, daß ich heute Abend allein ncch PariZ zurückkehre? Was wird denn meine Dienerschast dazu sagen? Sie laden ja den Fluch der Lächerlichkeit auf mich I Er sah wahrhaft kläglich auS. dieser arme Cayre!. Jeanne sah ihn an, wie sie ihn noch nie angesehen hatte. Dieser Blick durchschauerte den Mann bis ln'S Jnneriie, ein Feuer durchglühte fein Blut bis in die Fingerspitzen. Wäre eS denn so lacherlich, zartsüh lend und lieberoll zu sein?- sagte die junge Frau. Was damit die Liebe zu schaffen hat. weiß ich wirklich nicht!" rief Eayrol; im Gegentheil! Aber ich. ich liebe Sie ja! Sie scheinen keine Ahnung davon zu haben!" Beweisen Sie es mir," erwiderte Jeanne, die immer herausfordernder wurde. Diesmal verlor Canrol die Geduld. Soll ich eZ Ihnen etwa dadurch be, weisen, daß ich Sie verlasse? Wahrlich, Jeanne. ich bin bereit, alles für Sie zu thun, alle Ihre Launen zu befriedigen, solange sie in den Grenzen der Möglich, keit bleiben. Sie scheinen sich über mich luftig zu machen! Wenn ich am ersten Tag meiner Ehe in so wichtigen Dingen nachgebe, wohin werden Sie mich dann künftig bringen? Nein, nein. Sie sind mein Weib, und das Weib muß seinem Manne folgen, so schreibt 5 daS Gesetz vor. " ..Also bloß auf Grund des Gesetzes wollen Sie mich festhalten?- erwiderte Jeanne heftig werdend; sollten Sie vielleicht vergessen haben, was ich Ihnen sagte, als Sie mich zur Frau begehr-

ten? Icur merne Hand it s, die ich Ihnen gebe. .Und ich antwortete Ihnen, dag es meine Sache sein würde, Ihr Herz zu erobern. Nun also, setzen si mich in den Stand, es zu thun; fürwahr, meine Liebe," fuhr der Bankier mit entchlos sener Miene fort. Sie behandeln mich wie ein Kind. Ich bin nicht so einfältia, wie Sie meinen. Ich weiß, was diefe Weigerung bedeutet: es ist eine reizende Echamhaitlgkett, nur darf sie nicht zu lange mähren." Jeanne wandte sich ab, ohne ihn einer Antwort zu würdigen. Ihr Antlitz nahm einen andern Ausdruck an, z wurde hart und krampfhaft verzerrt. Wahrlich, Sie könnten einen Heiltgen ungeduldig machen!" fuhr Eayrol fort. Bitte. sagen Sie mir doch end? lich, wag dies Benehmen bedeuten soll?" Die Zunge Frau schwieg noch immer; sie fand keine Gründe mehr und hatte sich in eine Sackgasse verrannt, aus der sie keinen Ausweg mehr wußte. Durch den Widerstand ermüdet, fühlte sie sich tief entmuthlgt, aber sie wollte dennoch nicht nachgeben; sie schauderte vor dem Gedanken, diesem Manne anzugehören; an eine so brutale und gemeine Lösung dieses Abenteuers hatte sie nke gedacht; fetzt, als sie vor ihr stand, empfand sie ein entsetzliches Grausen. Carzrol verfolgte mlt unruhigem Blick die wachsende Angst, die sich im Antlitz seiner Frau abspiegelte. Er hatte eine Ahnung, daß sie ihm etwaZ verheimliche. Bei diesem Gedanken stieg i.hm eine Blutwelle bis an'sHerz; er glaubte ersticken zu müssen. Nun wollte er Gewißheit haben, und mit dem Verdacht war auch seine Schlauheit wieder zurückgekehrt; er näherte sich Jeanne und sagte mit zärtlicher Stimme: .Hören Sie, mein uebeS Kmd, ich sowohl, als auch Sie. wir beide sind auf Abwege gerathen; ich. weil ,ch zu laut spreche, Qste, weil sie sich weigern, mich zu verstehen. Vergessen Sie jetzt. daß ich Ihr Mann bin, fehen Sie in mir nur einen Freund und sprechen Sie offen. Ihr Widerstand verbirgt, ein Geheimniß; Sie hatten einen Kummer, eine Enttäuschung.. .." Jeanne wurde gerührt und antwortete konloS: Sprechen Sie nicht fo zu mir, lassen Sie mich." Nein," fuhr Eavrol schonungsvoll fort, wir fangen jetzt unser Leben an und darum darf zwischen unS kein Miß Verständniß herrschen. Seien Sie aufrichtig, und Sie werden mich nachsichtig finden. Wie Zungen Mädchen sind gar hausig phantastisch: sie träumen von einem Ideal, bilden sich etwas von einer Liebe ein, die nicht erwidert ird, . die vielleicht derjenige, auf den sie sich he zieht, nicht einmal kennt. Und dann stürzt man plötzlich in die prosaische Wirklichkeit hinab. Man sieht sich einem Gatten gegenüber, der nichts von dem ersehnten Nomeo an sich hat, der aber kin braver, ergebener, liebender Mann

st, welcher alle Wunden, die nicht er

geschlagen hat. zu heilen bereit ist. Man fürchtet sich vor diesem Gatten, man mißtraut ihm, man weigert ich, ihm zu folgen. Aber man hat unrecht, denn unter seinem Schutze, in einer gesunden und ehrenhaften Eri stenz, an der er euch thetlnehmeu läßt. findet man zunächst das Vergessen und schließlich auch den Frieden mit sich selbst. " EayrolS stimme zitterte: mit einem von fürchterlicher Seelenpein gequälten Herzen suchte er in JeanneZ Zügen den Eindruck seiner Worte zu erspähen, ie hatte sich abgewandt. Eayrol neigte sich zu ihr nieder und sagte: Sie antworten mir nicht?" Als sie jedoch immer noch schwieg, er griss er ihre. Hand nnd zwang sie ihn anzusehen. Da erblickte er ein in Thra? nen gebadetes Gesicht. Er stutzte eine rasende Wuth bemächtigte sich einer. l&it weinen!" rief er. ES ist also wahr, Sie haben geliebt?" Jeanne sprang auf; sie erkannte ihre Unvorsichtigkeit und fah. daß man ihr eine Falle gestellt hatte; ihre Wangen be-. deckten sich mit einer verzehrendenGli:th; u trocknete :hre Thränen, wandte ttch an Eayrol und fragte ihn: Wer sagt das?" Sie tauschen mich nicht, erwiderte der Bankier hef:ig, ich habe eS in Ihren Blicken gelesen! Jetzt aber den Namen dieses Mannes, ich will den Namen wissen!" Jeanne fah ihm fest in's Gesicht und agte entschlossen: Niemals! Ah." rief Eayrol. .das ist ein Ge. ständniß!" Sie haben mich durch Ihre anqenom mene Sanftmuth auf eine unwürdige Weife getäuscht." unterbrach ihn Jeanne stolz, ich sage kein Wort mehr. " Ätt einem Satz lprang er auf sie zu: der grobe Bauernlümmel regte sich in hm; er stikiz eine fürchterliche SchmZ hung aus und packte sie am Arm. Nehmen &t sich in Acht! Spotten Sie meiner nicht! Sprechen Sie' Ich will es. oder.. .." Er schüttelte sie brutal. Jeanne war entrüstet; sie stieß einen Zornesschrei auZ, riß sich von ihm loS und rief empört: Lassen Sie mich loS? Mir graut vor Ihnen!" Der Mann war außer sich; bleich wie der Tsd, krampshaft zitternd und nicht ,m ranoe. ein Wor! yervorzuvnngen, wollte er sich eben auf sie losstürzen, als sich die Thür öffnete und die Prinzi, palin mit den Briefen erfchien, die sie ur Eayrol ausgefertigt hatte. Jeanne stieß einen Freudenschrei aus und warf ich ungestüm in die Arme derjenigen. die Mutterstelle an ihr vertreten hatte. Elftes Kapitel. Frau DeSoarenneS sah auf den ersten Blick, aS hier vorgegangen war. Sie erblickte Eayrol, leichenblaß, schloternd und fassungslos, wahrend sich Jeanne bebend und zitternd an ihre Brust chmiegte; sie ahnte, dag h,er eine böse Scene stattgefunden haben müsse, und uchte möglichst ruhig und kalt zu bleiben, um den Widerstand, dem sie mög licherwcise begegnen würde, leichter die Spitze bieten zu können. Was ,st ?enn hier loZ?" fragte sie Eayrol. indem sie ihn streng anblickte. Ern unvorhergesehenes Erekgrnß." erwiderte der Bankier mit krampfhaftem Lachen; Madame weigert sich mir zu folgen." Die Prinnxalin schob die junge Frau. welche , sich fest an ihre Schulter anklam, merte, sanft von sich und fragte: .Und weshalb?" Jeanne blieb stumm. Sie traut sich nicht, eS zu jagen!" begann Eayrol. den feine eigenen Worte wieder muthiger gemacht hatten. ES scheint, sie hat eine unglückliche Liebe im Herzen! Und da ich dem von ihr ge' träumten Ideal nicht entspreche, so m x findet Madame einen Widerwillen gegen mich. Sie werden einsehen, daß diese Angelegenheit auf solche Weise nicht enden kann. Man sagt doch nicht seinem Mann zwölf Stunden nach der Trauung: Mein Herr, S ist mir zwar sehr leid. aber ich liebe einen andern! Das wäre Za recht bequem ! Auf solche Launen kann ich mich nicht einlassen, fühle auch gar nicht den Beruf in mir, die Rolle emeS Sganarelle zu spielen." Eayrol, thun Sie mir den Gefallen. und schreien Sie nicht so! sagte Frau DesvarenneZ ruhig. ES muß ein Miß Verständniß zwischen diesem Kinde uyb Ihnen herrschen. " Der Ehemann zuckte heftig sein, stämmigen Schultern. Ein Mißverständniß ! Teufel auch. daS glaub' ich wohl ! Ihre zarten Umschreibungen können mir gefallen ! Ein Mißverständniß ! Sagen Sie lieber erne unwürdige Täuschung ! Aber out sen Herrn", den will ich kennen lernen l Sie muß sich ausfprechen. Ich bin keiner von jenen gezierten und artigen Gentle men; ich bin ein Bauer, und wenn ich . . " Genug!" rief Frau Desoarennes und gab der kolossalen Faust, welche Eayrol wie ein Schlächter, der einen Ochsen zu fallen im Begriff ist, drohend' emporhtelt, einen leichten Schlag. Dann näherte sie sich dem wüthenden Ehemann und zog ihn an'S Fenster: Sind Sie toll, daß Sie das arme Kind so hart ansahen. Gehen Sie einstweilen in mein Zimmer. Ihnen wird sie setzt doch nichts mehr sagen, mir dagegen vertraut sie alles an, wir werden alsdann wissen, was wir davon zu halten haben." : Eayrols Antlitz klärte sich nun wieder auf und er sagte: .Ja, Sie haben recht, Sie haben immer recht l - Sie müssen mich entschuldigen, ich verstehe nicht mit Weibern umzugehen. Kanzeln Sie sie tüchtig ab und setzen Sie ihr den, Kopf jurecht. szAber lassen, Sie sie ja nicht aus den Augen, sie wäre irgend einer Unbesonnenheit fähig." . , ih ( Frau Desvarennei lächelte und ant

wartete ihm: .Seien Sie ganz unbe sorgt. Indem sie dem abgehenden Eayrol noch zuwinkte, kehrte sie zu Jeanne zurück. Nun, meine Tochter," sagte sie, nimm dich zusammen, wir sind jetzt allein; erzähle mir. was hier passirt ist. Wir Freuen unter uns verstehen uns ja. Du fürchtest d'ch. nicht wahr?" Jeann: biieb nach wie vor versteinert, regungslos und stumm; sie starrte hartnackig aus eine Blüthe, welche vom Blu, mentifch herabhing. Es schien, als ob diese rothe Blume einen Zauber auf sie ausübe, sie konnte den Blick nicht von ihr losreißen. AuS der Tiefe ihres Innern aber tauchte stets wieder ein Ge? danke in ihr empor, der Gedanke an ihr hoffnungsloses Leiden. Frau DeSva renneS betrachtete sie eine Zeitlang und berührte dann ihre Schulter. Du willst mir also nicht antworten? Hast kein Zutrauen zu mir? War ich e5 nicht, die Dich erzogen hat? Und habe ich Dich auch ich: geboren, so genügten doch wohl meine Zärtlichkeit und Sorg, fält für Dich, um mich zu Deiner wah ren Mutter zu machen." Jeanne antwortete noch immer nicht, aber ihre Augen füllten sich mitThränen. Du weißt doch, daß ich dich liebe, sing die Prinzipalin wieder an; wohlan also, komm in meine Arme, wie einst, als kleines Kind, wenn dir etwaS fehlte; lehne deinen Kopf an meine Brust und laß deinen Thränen freien Lauf; ich sehe ja. daß sie dich ersticken." Jeanne konnte nicht länger widen stehen; sie sank vor Frau DesvarenneZ auf die Kniee und verbarg ihr Gesicht in die seidenen, dustenden Falten ihreZ Klk'.deS. wie sich ein aufgescheuchtei Vöglein sein Nest flüchtet und sich unter die schüyenven mütterlichen Flügel verbirgt. Dieser stumme, verzweiflungsoolli Schmerz war sür Frau Desoarennes eir. Beweis, daß Eayrol die Wahrheit ge, gesagt. Jeanne hatte geliebt, sie liebtl noch immer, liebte nicht ihren Gatten, sondern einen endern Mann. Weshalb hatte sie denn nichts g:sagt, weShalb sich mit dem Bankier vermählen lassen? Komm', mein Kind," sprach sie, alle diese Thränen führen zu nichts. Es muß ein Entschluß gefaßt werden. Wer ist eZ. den du liebst? Ich begreife, daß du es deinem Manne verheimlichst, aber nur?" Diese einfache Frage warf einen Licht strahl in JeanneS verwirrten Geist. Sie ahnte die Gefahr, der sie entgegenging. Bor Frau Desoarennes' ein Geitändniß ablegen, ihr den Namen desjenigen nen nen, der sie verrathen hatte ! War denn das denkbar? Sie begriff sofort, daß sie Micheline und SergiuZ zugrund richten würde, und ihr Gewissen empärtt sich dagegen, das wollte sie nicht haben. Sie erhob sich und blickte Frau DeZoa, renneS mit noch immer erschrockenen Augen an. Barmherzigkeit! Vergessen Sie meine Thränen! Glauben Sie nicht, maZ mein Mann Ihnen gesagt hat. Sucher. Sie nie etwas zu erfahren! Lüften Sie den Schleier dieses Geheimnisses nicht!" Ah! Der. um den eS sich hier Harn delt, steht mir also fo nahe, daß du so gar mir gegenüber seinen Namen geheim

hältst? sagte Frau Desoarennes, von einer inflinktiren Angst ergriffen. Sie verstummte; ihre Augen wurden starr, sie stierte vor sich hin, ohne etwas zu sehen, ic suchte. Ich bitte Sie!" rief Jeanne' angst, v5ll und bedeckte Frau DcSvarennes' Gesicht mit ihren Handen, als ob si die Gefahr des Errathenk verhindern wollte. Halte ich einen Sohn", sagte du Prinzipalin, so konnte ich glauben.. 1 Plötzlich verstummte sie, ward todten bleich und trat auf Jeanne zu, ihre Blick bis in deren seele versenkend. Ist es .. .." begann sie. Nein, nein!" unterbrach sie Jeanne, schaudernd vor Schreck, daß Frau DeS varenneS die Wahrheit errathen hatte. Du verneinst es, bevor ich noch der Namen genannt habe?" nef Frau Des varenneS aufbrausend, du hast ihn alsc auf meinen Lippen gelesen? Unglückliche. der Mann, den du liebst, ist der GatU meiner Tcchkerk" Meiner Tochter! Der Ausdruck, mit dem Frau TeSoarenneS dieses mein' betonte, wzc von einer überwältigen den Tragik. Er ließ ahnen, daß dies Mutter, um das Glück ihres KindeZ zu vertheidigen, ihres KindeS, daZ sie ver gottert:, zu allem fähig sek. SergiuS hatte ganz nchug gerechnet; zwischen Jeanne und Micheline war sür Frau DeSoarenneZ ke:n schwanken möglich. Die Welk hätte zusammenbrechen kön nen, und sie würde aus den Trümmern für ihre Tochker ein Asyl errichtet haben. wo diese lächelnd und heiter weiterleben konnte. Jeanne war gebrochen niedergesunken. Die Prinzipalin riß sie heftig empor; sie kannte setzt keine Schonun.r mehr. Jeanne mußte reden. Außer ihr gab eS keinen weiteren Zeugen, und mußte ihr auch die Wahrheit mit Gewalt entrissen erden, sie mußte sie agen. .Oh, verzeihen Sie m.ir! jammerte das junge Weib. AU ob sich'S darum handelte! Ein einziges Wort, sprich: Liebt er. dich?' Wein ich eS denn? Er hat es dir gefagt?" ,Ja." Und er hat Michellne geheiralhel!' nef Frau DeSvarenneS mit einem fürch terlichen Ausdruck. Mißtraute ich ihm doch! Wesyatv nur oiU ich rnch meinem SZefühtt Wie eine Löwin in ihrem KSsiq, lie sie im Gewächshaus hin und her; dann hielt sie plötzlich lnne und blieb vor Jeanne stehen. m ; . Du mußt mir , helfen, Micheline zu retten !" , Ihr einzige? Gedanke war das ekaeni Kind. . Ohne nur einen Augenblick zu zaudern, gänzlich unbewußt, ließ sie die andere, das Adoptivkind, km Glich. Sie

orderte von ihr, aleiökam als eine

Schuld, das Heil ihrer Tochter. Was hak sie denn zu befürchten?" antwortete Jeanne bitter. Sie lriumphirt ja, denn sie ist sein Weib." Aber wenn er sie nun verließe?" agte die Mutter voller Angst. Dann rief sie, sich besinnend: Und er hat mir doch geschworen, daß er sie liebe ! Er hat gelogen !" rief Jeanne außer sich. Er hat Micheline um ihre! Gel deS willen geheirathet." Aber weshalb das?" sagte Frau Desoarennes drohend; ist sie etwa nicht chon genug, nm zu gefallen? Glaubst du, daß man nur dich lieben könne?" Wäre ich reich gewesen, so hätte er mich geheirathet!" rief Jeanne oufge, bracht. Sie war empört, daß man auch nicht die geringste Rücksicht auf sie nahm und rief deshalb mit einem wildtriumphiren den WuthauSbruch: An demselben Abend, wo er mit mir allein blieb, um mich zu überreden, Eayrol zu heirathen, verjkcherte er es mrr auf seine Ehre!" Auf seine Ehre!" wiederholte höh, nisch Frau DeSoarenneZ. die gänzlich entmuthigt war. So hat er uns folg. ich alle betrogen! Aber was ist da zu hun? 'WaSkann'ich gegen ihn aus, richten? Eine Scheidung? Micheline würde sich entschieden weigern, sie liebt ihn." Und in einen Anfall von Wuth aus, brechend, rief sie: Wie ist eZ nur mög, lich. daß dieses dumme Mädchen einen solchen nichtsnutzigen Schönthuer lieben kann! Ist eS denn wirklich mein Blut, das in ihren ?ldern rollt? Sagte man ihr die Wahrheit, sie konnte am Ende gar daran sterben!" Bin ich etwa daran gestorben?" sagte Jeanne sinster. Du bist eine energische Natur ent gegnete die Prinzipalin etwa? milder. aber sie, die sa schwach, so zart ist! Oh. Jeanne, bedenke, was ich sür dich gethan habe, richte zwischen dir und SergiuS eine unübersteigbare Schranke auf. schließe dich deinem Manne an; du wolltest vorhin nicht mit ihm gehen. das war Wahnginn. Trennst du dich von Eayrol, so bist d nicht mehr im Stande. SergiuZ von dir fern zu hal, ten, und wirst meiner Tochter den Gatten rauben!" Ah. Sie denken nur an Ihre Toch, ter ! Ewig nur an sie, sie vor allen an, dern!" rief Jeanne zornig. Aber ich, auch ich lebe noch! Ich will auch mit, zählen, ich habe auch ein Recht auf Schutz, ein Recht, glücklich zu sein ! Und Sie verlangen, daß ich mich aufopfere, daß ich mich jenem Manne ausliefere, den ich nicht liebe, der mir Furcht ein, flogt. - Diesmal war die Frage deutlich for mulirt und Frau Desoarennes fand ihre Selbstbeherrschung wieder; sie richtete sich auf, erhob ihre Stimme, deren Au, torität sich niemand zu widersetzen wagte, und rief: Nun, und was denn lonst? Wlllzt du dich etwa von ihm trennen? Durch einen Skandal deine Freiheit zurückerobern ? Und was wäre das für eine große Freiheit? Man würde dich verachten, dich von sich stoßen. Glaube mir, gebiete deinem Herzen Stillschweigen und gehorche deiner Ver nunft. Dein Gatte ist ein guter, recht fchafsener Mann; anstatt der Liebe wird er dir Hochachtung einflößen. Durch deine Heirath hast du gegen ihn Verbind llchkeiten übernommen. Erfülle itf das ist deine Pflicht." Jeanne empfand, daß sie besiegt war und jammerte: Aber was habe ich für un Leben zu gewärtigen !" DaS Leben einer ehrbaren Frau." erwiderte die Prinzipalin mit Hoheit. Set Gattin. Gott wird dich auch Mutter werden lassen, und du wirst ge rettet sein. Jeanne beugte sich vor diesen Worten. In ihnen fühlte sie nicht m hr jenen er barmungslosen mütterlichen EgolSmuZ von vorhin. WaS Frau Desoarennes letzt sagte, war aufrichtig und wahr. ES sprach nicht mehr daS empörte und verwundete Mutterherz aus ihr, son dern daS ruhige, aufrichtige Gewissen. Nun wohl, ich werde Ihnen gehör chen," antwortete daS junge Weib ein fach. Geben Sie mir einen Kuß, Mutter." Sie bot Frau DeSoarenneZ ihre Stirn, und diese ließ zwei Thränen der Dankbarkeit und Bewunderung darauf fallen. Dann ging Jeanne selbst zur Thür, welche nach dem Zimmer der Prinzipalin führte, und sagte zu Eayrol: Kommen Sie, mein Herr!" Dek durch'S Warten abgekühlte und durch die Dauer deS Gespräch wieder unruhig gewordene Gatte erschien aus der Schwelle. Er erblickte Frau DeS varenneS' ernsteS Gesicht und sah, daß Jeanne gesaßr war. Er getraute sich nicht, zu fragen. Eayrol," sagte die Prinzipalin, alleS hat sich aufgeklärt; Sie haben durchaus nichts zu befürchten. Der Be treffende ist , von Jeanne auf ewig ge trennt. Uebrigens ist auch zwischen ihm und dersenlgen, die Ihre Frau fem wird, gar nichts vorgefallen, waS Ihre Em psindlichkeit.verletzen oder Ihnen Grund zu. Eifersucht geben könnte. Ich nenne Ihnen den Namen dieses ManneS heute nicht; sollte er aber dennoch jemals wie der erscheinen und Jbre Ehre bedrohen. obschon ich das sür unmöglich halte, so merken Sie sich das werde Ich selbst Sie warnen. - Eavrol ward nachdenklich;, dann wandte er sich an Frau Desoarennes und sagte: Gut, ich vertraue Ihnen." Hierauf führ er, sich an Jeanne wen dend. tfort: Vergeben Sie mir und möge alles, was vorgefallen ist, vergessen sein." ' ., . . Der Prinzipalin Antlitz strahlte vor Freude:' Sie blickte Eayrol und Jeanne nach) die sich , entfernten, und flüsterte: .Welch wackere Herzen!". ; Dann aus die Terrasse hinaustretend, fügte sie mit verändertem Ausdruck hinzu: Jetzt kommt der andere an dii Reiht!?

Zwölftes Kapitel. Die zwei ersten Monate dieser Ehe

waren ein reizendes Paradiesleben. SergiuS und Micheline trennten sich nie. Nach Ablauf von acht Tagen kehrten fit mit Frau TeSoarenneS nach Paris zu, ruck, und die einst so ernsten und ehrba ren Räume des Hauses in der Straße fesr. Dominique wiederhallken nun von heiterem Gelächter. Auf dem Hofe herrschte ein regeS Leben, ein Kommen und Gehen von Equipagen, ein Hin, und Hereilen von Stallknechten und GroomS. Die großartigen Stallungen, welche ehedem für die drei Pferde der Frau Desoarennes viel zu geräumig waren, genügten fetzt kaum für denNekt, und Fahrdienst des Fürsten. Zu feiner Verfügung standen acht stolze Wagen, pferde. zme reizende PonieS waren ei, genS für Micheline gekauft, obfchon die zunge Frau sich noch nie getraut hatte, selbst mit ihnen zu kutschiren; fern waren noch vier Reitpferde vorhanden. auf denen jeden Morgen, gegen acht Uhr, wenn die balsamischen Düste der nacht, lichen Kühle daS Voulogner Wäldchen erfüllten, die jungen Gatten ihren Spa zkexritt ring? um den machten. Heiterer vonnenfchem erglänzte auf der weiten, von dunklen Tannen umge denen Wasserfläche, em frrfches, fcharfeS Lüftchen spielte mit Michelines Schleier, daS gelbliche Leder der Sättel knirschte, die Gebisse, woran sich die Pferde abkau ten. klirrten unv ein großer, rufnscher Windhund umkreiste die beiden Reiter in fröhlichttollen Sprüngen. Es ma ren dies glückliche Morgenstunden für Micheline, welche das köstliche Wohlge, suhl genoß, SergiuS an ihrer Seite zu wissen, der den geringsten ihrer Wünsche errieth, sie mit seinen Blicken hütete und die lebhaften Bewegungen seines englifchen Vollblutpferdes zugelte, um mit seiner furchtsamen und unerfahrenen Reiterin gleichen Schritt zu halten. Zu weilen tummelte sich ihres Gatten Roß und bäumte sich in mildem Ungestüm, dann folgten ihre Blicke wohlgefällig dem eleganten Reiter, welcher fein feu riges Pferd, anscheinend ohne Anstren gung, nur durch den nervigen Druck seiner Schenkel bändigte. Frau DeSvarenneS Argwohn hatte sich gelegt;, sie sah ihre Tochter glücklich. Der Schwiegersohn war ihr gegenüber in seder Beziehung die Herzlichkeit selbst und von liebenswürdiger Zuvorkommen heit. Eayrol nebst Gattin hatten nach ihrer Hochzeit Paris kaum berührt; sie waren sofort welter gereist. Der Ban, kier war bei Herzogs großer Kreditope ration betheiligt und bereiste nun ganz Europa, um überall Comptoirs zu er richten und Geschäftsverbindungen an. zuknüpfen. Jeanne begleitete ihn. Augenblicklich befanden sie sich in Gtie chenland. Die Briefe der jungen Frau an ihre Adoptlvmutter athmeten Puhe und Befriedigung. Sie gab zu. daß sie ihrem Manne unrecht gethan habe, und ver sicherte, daß er gegen sie von einer gren zenlosen Güte sei. Im Uebrigen machte sie nicht die ge, ringfle Anspielung auf das Ereigniß jenes HochzeilSabendS, wo sie sich, fliehend vor CayrolS Zorn, in Frau Desoarennes' Arme geflüchtet und ihr Geheimniß verrathen hatte. Die Prinzipalin konnte also glauben, daß sener Gedanke, der ihren Geist immer noch zuweilen beunruhigte, nur der Nachklang eines bösen TraumeS sei. Jnbesondere aber war eS JeanneS Abwesenheit, welche der Frau DesoarenneS ihr SicherheitSgefuhl wiederge geben hatte. Wäre dieses junge Weib in SergiuS' Nahe geblieben, Frau DeS varenneS würde stets gezittert haben. Aber MichelineS schöne und verführerische Nebenbuhlerin war weit entfernt und SergiuS schien in seine Frau sehr verliebt zu sem. Alles stand daher auf'S Beste. Die bedrohlichen Pläne, welche die Prinzl palin im Eifer ihres Zorns ausgeheckt hatte, blieben unausgeführt. SergiuS hatte noch keinen Anlaß zur Unzufrie denheit gegeben. Allerdings verfchwen dete er eine wahnsinnige Menge Geldes aber ferne Frau war. ja so reich! Seinen Haushalt hatte er auf einen großartigen' Fuß eingerichtet. Alles, waS der Luxus in seiner höchsten Verfeinerung erfonnen, war bet thm als Gegenstand des alltäglichen Bedarfs eingeführt. Wöchentlich fanden meh rere prunkpolle GefallschaftSabende der ihm stattund Frau DeSvarenneS, die an solchelrgroßen Festlichkeiten ihre Schwiegersohnes nie thellnehmen mochte. konnte im äußersten Winkel ihres ersten Stocks den Festjubel vernehmen. Diese anspruchslose und einfache Frau, deren ganze Prachtentsaltung sich auf ihre künstlerische Einrichtung beschränkte, staunte, daß man für so nichtige Lustbar leiten so viel Geld verschwenden könne. Micheline aber war die Königin dieser lururiöscn Feste; bevor sie sich in ihrem Staate den Gästen zeigte, kam sie zur Mutter, um sich von ihr bewundern zu lassen, und diese, wenn sie ihre Tochter so glänzend und zufrieden sah, hatte nicht den Muth, ihr Vorstellungen zu machen. Des Abends wurde viel gefpielt. Die große Fremdenkolonie, welche allwö chentlich bei Panin verkehrte, führte ihre zügellose Leidenschaft für's Kartenfpiel dort ein und SergiuS hatte nur allzu viel Hang, sich diefer Leidenschaft hinzu geben. Diese Edelleute spielten, wenn sie unter sich waren, Hasardspiele um vierzig- bis sünfzkgtaufend Franken, fast ohne ihren weißen Handschuhe cbzuneh men. Auf diese Weise wurde der Appe tit gereizt, , bevor man in den Klub ging, um dort die ganze Nacht hindurch Bac carat zu spielen. , Wahrend die Herren spielten, plau derten die Domen.' Aus nlkvrigen, sammetmeichen Polstern hingegossen, präsentirten sie ihre prachtvollen To!let len, flüsterten hinter den Fächern über Putz und Moden) oder horchten auf den Gesang irgend eiüeS auslandischen San gerS, während die junge Herrenwelt ifiietÄWgSS'ÄTÄin1 yt flä perte. - lFortfetzung folgt.)

Berühmte Häuser und tirc ZC)iX sale In einer der ältesten Btzm vzn Paris, in der luo Gal&nd, deren Häufergruppen vielfach n den ?icnl

furter Alten Markt und dessen Umge bung erinnern, befindet sich die ebemalrge Vtlla der schönen Gabrielle d Estrees, der Geliebten Heinrichs IV. In diesem, um einen kleinen Borhof herum errichteten Häusercomplexe, der noch zahlreiche Spuren seiner ursprüngK lichen schönem Reuaiffance-Architektur zeigt, ist heute eine der verrufenste. Nacht'neipen vm Paris. Im rothen Schloß-, wie das Hau setzt genannt wird, in welchem die tti 5 ende Gabrielle ihren könialicben Kebieter, umgeben von verschwenderischer Pracyt, zu empfange pflegte, Nächtigen fetzt regelmäßig 150 bis 200 bestrafte? Verbrecher, Zuhalte? niedrigster Sorte und gefährliche Vagsbonden beiderlei Geschlechtes. Bei einem Belucke. wel. chen wir m Begleitung eines hohen Be ä. 4, ? 1JL t - ? i a . ' L ' . iumien ocr irqeryerlspcuze! oiezc? age der Cite abstatteten, betraten wir unaesähr um die zehnte Stunde daö .Rothe Schloß . In zwer großen Räumen deS Erdgeschosses fsnen. laaen und kauertendie unheimlichen Gäste auf Tischen, ktuylen unv Banken oder aus dem iZuödoden. dicht an einander aevferckt wie die eingepökelten Häringe, in einer wayryafr verpesteten Lust, die Meisten schon in tiefem Schlummer. Ein anderer Theil der HauZgäste lagerte im ersten Stocke in dem einsti gen Boudoir der königlichen Maitresse auf dem Fußboden. Einige Flaschen rothen Gesiegelten", welche wir dem noch wachen jüngeren Theile der sauberen Sippschaft anboten, brachten etwasLeben in die Bude. Mit unserem poli' zeilichen Begleiter thaten die Gesellen meist recht vertraut. Einer gab sogar mehrere Couplets zum Besten und schien überaus glücklich zu sei mit der Hand voll Sous,. welche ihm sein Vortrag" einbrachte. Man kann sich keinen schrofferen Gegensatz denken, als den Unterschied zwischen den glänzenden Pariser Boulevards und diesen schauer lichen Höhlen des Elends, welche doch keine zwei Kilometer von einander ent fernt sind. Den Zutritt zum Rolhen Schloß- erlangen die Schläfer deS Abends, indem sie ihr Nachtmahl mit Lv L5 Centimes zahlen, dafür läßt sie der Wirth bis 2 Uhr herumliegen. Um diese Zeit werden Alle uuerdlttlich an die Lust gesetzt, da das Rothe Schloß" keine Logrer-, sondern nur eine Wirth schaftSkonzession besitzt. Es ist geradezu unbegreiflich, daß die Polizei nicht den thatsächlichen Verhaltnissen Rechnung trägt und soweit nicht andere Asyle vorhanden sind die Besucher de5 Rothen Schlosses" und ähnlicher Lokafe der Nachbarschaft wenigstens die Nacht, über in Ruhe läßt. Ich zweifle nicht daran, daß mancher nächtliche UebersalL auf der Straße, mancher Einbruch l!Nd Diebstahl in vorgerückter Nachtstunds die Folge diefer falschen und inhumanen Polizeivorschrift ist. Eine andere historische Erinnerung tauchte gleich darauf bei unS auf in einem Logirhaufe, wenigstens etwas besserer Art. Dasselbe befindet sich in der I!us Quineapoix im Templevler tel und zwar in keinem geringeren Haufe als demjenigen, in welchem vor 175 Jahren der Schotte John Lam mit seiner ersten französischen t Bank, der Banque du Mississippi, bis zu feinem Sturze gewirhfchaftet hat. Das alte Gebäude mit seinem geräumigen Hofe, in welchem feiner Zeit die Agiotage ihre berüchtigten Orgien feierte, ist noch sehr gut erhalten. In den oberen Stockwer ken sind die großen Vorplätze durch Einbauten in Verbindung mit den Zim mern zu Logirräumen eingerichtet, zwi schen welchen nur ganz schmale Gänge bleiben. In jedem dieser Logirräume befinden sich G 8 eiserne Bettstellen, welche meist von Arbeitern benützt wer-! den, die S Centimes für die Nacht zah len und wochenweise nur 25 Centimes für die Nacht zahlen. Außer dem Belte ist absolut kein Möbel in den ziemlich rein gehaltene schlafkammern zu sehen. Die Kleider werden einfach unter daS Bett auf den Boden gelegt. Ein großes Waschbecken ist im Vorraum. Als wir um 11 Uhr durch einige dieser lkammern gingen, lag Alles schon in tiefem Schlafe. Schließlich besuchten wir eine Nacht kneipe ganz besonderer Art, die ebenH falls aus hlstonschem Boden sich denn der. Es ist dies ein Keller in der Uns des innocents, nahe den CentralMarkthallen. Das betreffende Hau5 ist auf dem Terrain deS ehemaligen Klosters erbaut. Die katakombenartigen, bombenfesten KellergewSlbe stam? men auS dem Ende deS 16. oder An anp deS 17. Jahrhunderts; sie sind! drei Etagen unteremander angelegt uns, sollen einst zu Grabgewölbe gedient haben. Heute benutzt der intelligente Wirtb die zwei obersten Keller als WirthschaftSrSume, während der un terste der häusigen Ueberschwemmungen vegen unbenutzt bleibt. Diese Wirthschaft gehört zu den we nigen, welche wegen deS MarktverkehreS die Erlaubniß haben, ibre Lokale dw ganze Nacht hindurch offen zu halten. Bon zwei Uhr Nachts an füllen sick älle Räume mit forts und darnes der Hallen, welche vor dem Beginn der Arbeit dort ihr Frühstück einnehmen. Schon von Mitternacht an verkehren jedoch daselbst allerlei fahrende Kunst ler, spanische Guitarren- und italienische Mandolinspieler, Tänzerinnen der öffentlichen Bälle. Coupletsänger u.sw., welche sich nach Vollendung ihres Tage werk im Caveau des Halles ein paar Stunden amüsiren und nebenbei von den Marktleuten durch ihre Pro ductioneu noch einige SoüS einheimsen wollen. Doch geht es dabei recht fäu berlich her. Die Marktleute würden kS auch nicht anders dülöen. So ändern sich die Zeiten und mit ihnen di: Schicksale der Häuser einer.

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