Indiana Tribüne, Volume 15, Number 119, Indianapolis, Marion County, 17 January 1892 — Page 2
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Geprellt!
Seit vielen, vielen Jahren verkehrt, Herr Pimpel als Stammgast in bei Krone", sehr vt des Kronenwirtbes Zu friedenheit und lange auch zu seiner eigeneu. Das war ein böser Abend Wesen im vorigen Winter, wo öer, Pinlpel sich zum ersten Male einen Nav ren schalt, daß er sa lange diese DiebesHöhle, wie er die breite nannte, fr jucntirte. .Na. so fefjr im Unrecht wa, er ja auch nicht gewesen. Durf!e es in einer Kneipe von dem geringen Unfan ge. wie die Krone", vorkommen, daß ungeseben ein nagelneuer Ueberzieh vom Mantelstock verschwand und ei schäbiger Ulster dafür zurückgelasser wurde? Gewiß, man konnte es Herrn Pimpel. d'm dieses eine Unglück passirt war. nicht verdenken. daß er an jenem Abeni wetterte und fluchte und sich hoch unt heilig verschwor, die Langfingerbud, niemals mehr zu betreten. Er hatt, auch wohl sein Versprechen gehalten, wenn er nicht eben ein leidenschastliche, Skatspieler gewesen wäre. Und daß tx die gemüthlichen Skatabende in de, Krone so plötzlich ausgeben sollte, da? ging nun doch über seine Natur. Kurz und gut, einige Tage blieb Herr im Del wohl, schmollend fern, dann stellte er sich aber eines Abends mit süßsaurer Miene wieder ein nnd der Sache wurde keine Erwähnung mehr gethan. D Bestohlne legte sich auch balo einen neuen, pikfeinen Ueberzieher zu, und dann erinnerte er sich selbst nur iio4 seines Malheurs, wenn er diesen Abends an den Haken hing, was chn aber veranlaßte, die Stelle sürderhin etwas schärfer, wie früher im Auge zu behalten. Sechs Monate gingen darüber hin--weg. wieder war der Herbst ins Land gezogen. Da sperrte Herr Pimpel eines ribenss gar verwundert die Augen auf. als er bei seinem Eintritt in die Krone" flüchtig den Mantelstock streifte! Hing da am Nagel nicht das gestohlene Gut. sein alter, treuer Ueberzieber? Kein Zweifel, wenn auch in furchtbar herab, gekommenem Zustande, er mußte manchen Sturm bestanden haben, aber war's. Wiedersehen macht Freude. DaGefühl bätte auch Herrn Pimpel bald veranlaßt, den alten Freund brüderlich zu umarmen, wenn ihm nicht noch zur rechten Zeit ein vernünftiger Gedanke gekommen wäre. Wo das gestohlene Gut war, da konnte ja auch der Dieb nicht sern sein. Rache ist süs; und Herr Pimpel hatte sich weidlich geärgert damals. So setzte er sich gleich ziltig an den Stammtisch, nachdem er seinen neuen Ueberzieber an dem gewohnten Platz gehangen. Der Spitzbube würde sich jetzt schon finden, Herr Pimpel hatte ja nur nö tbiz, den alten, treuen Kameraden im Auge zu behalten, und das besorgte er denn auch gewissenhast, was ihm von den Skatfreunden manchen schönen Ruf fel eintrug. Herr Pimpel aber lachte innerlich, wenn er an den schonen Moment dachte, wo er den Lumpen am llragen fassen würde. Nur würde sein: Geduld auf eine harte Probe gestellt. Wohl glaubte er drüben in der Ecke und auch in jener einige verdächtige Individuen zu bemerke, die er der Thatverdächtige der Kerl ging aber überall hier nur nicht auf den Ueberzieher zu. b er vielleicht Lunte gerochen hatte, der Spitzbube? Es schlug zehn, elf; der Kronen toirtch" machte seine Kasse in Ordnung, auch ei Skatfreunde gähnten, da schaute sich Herr Pimpel um. Teufel, da waren sie ja allein in der Wirth' schaft und noch hing der alte, halbzerfetzte Ueberzieher da. Also doch verzebenS, der Lump hatte den Braten zemerkt. Aergerlich zahlte Herr Pimpel; jetzt verspürte er kaum mehr Lust, den Freunden seine Entdeckung zum Besten zu geben. Gehen Sie mit, Pimpel?" fragte ier eine. Er erhielt nicht sogleich eine Ant ioort. Pimpel suchte mit den Augen den Mantelstock ab. Haben Sie inei ntn Ueberzieher fortgehängt, Kronen toirth? fragte er dann, aber, seine Stimme zitterte merklich dabei. Der Kronenwirth schüttelte den lZopf. 3ie Zollte ich dazu kommen; übrigens würden Sie das sch?n gemerkt haben, ws Sie ihn jetzt immer so im Auge behalten Da g ng Herrn Pimpel ein schreck liches Licht auf. Der Spitzbube hatte ihn zum zweiten Male geprellt, und für den mitgenommenen neuen Ueberner den abgetragenen alten zurückgehaften! Sein ganzerAerger. A.. Sie haben auf die Ergreifung Ihres durckzebrannten Kassirers volle 2000 Mark ausgesetzt, ist denn die verun treute Summe so groß?" B.: Nein, das nicht, aber ich möcht's den elendigen Kerl büßen lassen, daß er nicht wenigstens eine von meinen fünf Töchtern mitgenommen hat!" Anzeige. Verein für Land wirthschaft. Das Geburtsfest unseres verehrte Herrn Vorstandes wird nach sten Sonntag durch einen Vottrag über Rinderpest und Klauenseuche festlich begangen werden! Zahlreiche Bethei ligung erwünscht. Das Comite.Vepe Bezugsquellen A. : .Unser Freund X. beklagt sich bit ter, daß er nimmer zu seinem Recht uud zu seiner Gesundkeit kommen kann!" B. : .Glaub'S schon, der bezieht halt sein Recht vom Advokaten und seine Gejundheit'vom Doctor!Sonderbare B e r uhig un g. Müller: Der Huber hat mich ein .rbaf geheißen; daS kann ich mir doch nicht gefallen lassen!" Maier: 9, das macht nichts da ist eben jetzt ein Mensch weniger auf der Welt!" Lakonisch. Prinzival: Wech sel eingegangen? Buchhalter: .New, wir!"
Stillleben in Ligurten.
Die Bewohner der ligurischen Küste sind im Allgemeinen honette Leute. Zwar sind sie ein bischen unreinlich, ein klein bischen eitel, grausam gegen das liebe Vieh und gewohnt, in neun Zehn tel des Jahres auf den Lorbeeren aus zuruhen, aber sie haben doch auch ihre guten, nicht immer von ihren althistori fchen Urvätern ererbten Eigenthümlichkeiten sie sind ehrlich und sind selten auf den Kopf gefallen, was bei der Beschaffenbeit ihrer Fußsteige besonders anzuerkennen ist. Auch haben sie viel Familiensinn und halten sogar ihre Schwiegermütter heilig, als eine gute und billige Arbeitskraft. Sie verkennen nicht wie wir Barbaren es häufig thun daß seit Jahrtausenden die Schwie germutter sich als nützlich und sezen bringend erwiesen hat; denn schon Jason nahm, als er Meda aus Kolchis entführen wollte und die schon damals schwer zu beschaffenden Drachenzabne säen mußte. daS Gebiß seiner Schwiegermutter und senkte es in die Erde. So entkam er glücklich über das Meer. Die Lizurier südlich von Genua sprechen den genuesischen Dialekt, aus dem der Wohlllang der italienischen Sprache bis auf ein kleines Restchen verschwunden ist und der eine ebenso eigenartige als keinliche Vorliebe für des zischende Sch. aufweist. Wenn sie Ja, mein Herr" sagen wollen, dann sagen sie Schi scliinore", statt si signorc" und dann haben sie auch einige eigene Wortbildungen, allesammt mit diesem Uebersiuß an zischenden Lauten. Wenn sie aber einmal ihr zivilisirtes Italienisch hervorholen und ansangen. nach der italienischen Schriftsprach zu reden, dann verweilen ste bei jeder Silbe, als ob sieZ sich auf die nächste besinnen müßten, sie dehnen die Worte mit einer komischen Wichtigkeit, die nur ihrer Hilflosigkeit entspringt, aber doch unendlicki assektirt und geziert erscheint, sowie ein Fräulein, das der engen Stiefeln oder der allzu hohen Absätze wegen nur einhertänzeln kann, auch leicht in den Verdacht der Ziererei geräth. In kurzen Abstand? schmücken die kleinen Städte den buchtenreichen Strand, sie sind auf dem schmalen 5!üstenstreisen zwischen dem blauen Meer und den dunklen Bergen zierlich aufgebaut, und das Meer vor ihnen und die Berge hinter ihnen begrenzen ihr Wachsthum.' Aber hoch in die Berge hinauf klettern die winzigen Dörfer, bis dort hinauf zur Höhe, wo der Wind pfeift und die grauen Wolken so nah vorüberziehen. Und so hoch oben in den Berghüzeln liegt Ruta. Es hat ein Dutzend Hauser uud eine kleine, im Innern ganz bunt geschmückte Kirche, es hat einen Gasthof, eine Schmiede, einen Schneider und drei Schuhmacher. Es hat keinen Barbier, ja, nicht einmal einen Sindaco, und infolgedessen hat es auch noch keine Laternen auf den Straßen. Aber die Leute von Ruta trösten sich damit, daß si? dann den Laternenan zünder nicht zu besolden brauchen. Sie wissen, daß der Einzige, der sich hier allenfalls bei Nachtzett das Genick bre chen könnte, der würdige Greis ist, derben Postverkehr zwischen Ruta und der Welt dort draußen in seiner Person verkörpert und den sie jüngst aus dem Gießbach herausgefischt haben, in den er, nicht nur von der Welten Schönheit berauscht, unvorsichtig gestolpert war. Ist auch meine arme Ecrrespondenz von den Fluthen dieses hurtigen Baches in daZ weile Weltmeer getragen worden, oder gibt es irgendwo zwischen Ruta und Deutschland einen Bneskasten mit einem Leck? Die Rutaer sind ge wiß nicht schuld an diesem Massenver tust von Briefen, denn sast täglich kann man sehen, wie sie auf der Landstraße bemüht sind, ihrem oben geschilderten Postverkehr auf die Beine zu helfen. All' die Berge bis weit zum Süden hinunter und bis weit nach Norden hinauf, über Genua hinweg, die ganze Riviera entlang, sind bepflanzt mit Oliven. Ueberall sind die Höhenzüge terassenförmig ausgebaut, und auf die scn, von grünen Steinmauern gestützten Terassen wächst der Oelbaum, in lockerem, mehr oder weniger gedüngtem Erdreich. Seine kleinen, eichclähnlichen Früchte werden gesammelt, gewaschen und dann in Mühlen gepreßt. Aber das Oel, das sie geben, ist sehr ver schieden an Güte und es ist ein gewalti ger Unterschied zwischen dem edlen Oel der Targiasca", daS auf dem Teller deS Feinschmeckers wie ein goldgelbes Bächlem die Sardine umfluthet und dem gemeinen Oel der Colombara", das die rußige Hand des Arbeiters aus der blechernen Kanne auf das Räder werk der Maschine träufelt. O, von der Taggiasca bis zur Colombara" ist's gerade so weit wie von Dumas lUs biS zu Zola! Unten am Ufer entlang schlangeln sich um tausend Hindernisse herum die Banngeleise, und die Hüge pusten und dampfen hinauf und hinunter. ES ist nicht sehr emp seh lens werth, von ihnen Gebrauch zu machen, denn sie arbeiten sich durch ungezählte Tunnels hindurch, und solch eine tunnelgesegnete Bahn fahrt am aussichtsreichen ligurischen Strand ist wie ein ZeitschriftenRoman, bei dem es immer an der schönsten und spannendsten Stelle heißt: Fortsetzung folgt im nächsten Heft. Und es dauert manchmal fo lange, bis das nächste Heft erscheint! Nein, da ist es schöner oben auf der Landstraße, die wie ein weißes Band über die Hügel sich hinzieht und daS Dutzend Häuser von Ruta in zwei halbe Dutzend theilt. Ueber ihr steigen höher Und höher die olivenbepslanzten Berge hinauf, unter ihr klettern die Oliven terassen hinunter bis tief in daS blaue' Wogenmeer. Und in der Ferne sieht man den dünkten Landstreifen der Rivieru di Ponente und Genuas Leucht thurm und NerviS weiße Hauser und Villen , und dann daS kleine Necco, , das sich furcht lam in ' der Bucht verkriecht, und $a-
rnoglie, dieses entzückende Eamoglie, dessen hohe, oft zu acht Stockwerken aufsteigende Häuser so eng aneinandegeklebt sind auf den zackigen Felsen, auf denen das Städtchen in Meer hineingebaut ist, wie eine alte Seerauberveste. Dann, weiter nach Süden über Ruta hinaus, hemmt das gewaltige Borge birge des Möntefino den Blick, uns man muß rings um den Bergkoloß herum schreiten, wenn man die Eüdküste sehen will. Santa Margberita und das statt liche, in seinem Golf wie eine Schnecke in's Gehäuse zurückgekrochene Ragallo, Ehiavari und Sestri Levante. Porto sin? aber, in dessen hoch in's Meer gebautem Kastell unser armer Frühlings kaiser, damals noch Kronprinz Friedrich, vor nun vier Jahren lange Wochen ge weilt hat, Portosino sieht man von der Landstraße nicht, es liegt ganz versteckt, eine Welt für sich, am Fuße des weit in's Meer tretenden Vorgebirges. Die Leute in all' diesen kleinen Städten leben vom Olivenbau und von der Schifffahrt. Und daher kommt's, daß man in allen Straßeu und auf allen Plätzen so viel vergnügte Nichtsthuer antrifft. Denn der Olivenbau macht ihnen, wenn die Terrassen eingerichtet und gedüngt sind, nur in der Erntezeit noch zu schassen und die Seefahrer, die nach Nord und Südamerika gesegelt sind, pflegen sich nach ihrer Rückkehr reichlich ein halbes Jahr lang Ruhe zu gönnen. Und so sieht man sie dann aus dem freien Platze vor dem Municipio unter den Kastanienbäumen, wo in der Mitte gewöhnlich das steinerne Denkmal irgend eines Freiheitshelden sich stolz erhebt; da sitzen und stehen sie herum, die Hände in den Hosentaschen, sie rauchen, und debattiren über die Po litlk von Chrle und Marherita. Sie tragen stör gerne gelbe Strandschube und spucken bereits auf amerikanische Art. Aber wie Müßiggang aller Laster Anfang t, so sind auch diese braven Liguren in ihrem Hancr zum Nichts thun auf ncht dumme Gedanken gerathen. Denn neben ihrem Lieblingsspiel, dem bocci, ist nun ihre einzige Unterhaltung das Vogelschießen. Und das betreiben sie mit einer fabelbaften Leidenschaftlichkeit, mit einer Wuth, als gälte es Italiens schlimmsten Feind zu verderben. Sie stehen hinter jedem Baum, sie schießen Alles weg. was sie sehen. Singvögel und Spayen. Und sie haben es verstanden, aus ihren Wäl dern und aus dem ganzen Lande die fröhlichsten Gesellschafter der Menschen hinauszutreiben. Sie schauen ja sehr malerisch aus. wenn sie mit ihren lan gen Flinten über die Hügel dahinschlei chen, aber beim Himmel, wenn sie schon wie Gemälde ausschauen, dann sollte man auch dafür sorgen, daß sie gut gehängt werden! In den Oliventerassen droben nnd drunten schütteln sich leise die mattgrünen. fast grauen kleinen Blätter auf den verknorpelten Aesten, und dazwischen leuchtet mit herbstlichem Rothzelb das Laub der Edelkastanien herro?. Aber wie schwarze, unheimliche, spitzige Sau len springen über all' dem Laubgewirr die Cypressen heraus. Sie haben etwas Ueberraschendes, Unheimliches, wie sie plötzlich in die Höhe schießen, gleich um--gekehrten Ausrufungszeichen. Sie sind etwas so ganz Besonderes mit ihren enganeinander geschmiegten Zweigen, so etwas fest in sich Geschlossenes, dunkel Drohendes. Ja, sie sind die Bänme Bocklins, die Bäume der märch:nhaften Todteninfel, auf der das große, ewige Schweigen wohnt. Und nun wird's auch an der Küste so ganz schweigsam und ruhig. Nur dann und wann hört man das Hü-oh der Maulthiertreiber und sieht die drei oder vier Maulesel, hinter einander ge spannt, den zweirädrigen Wagen über die steile Straße ziehen. Das stärkste und größte der Thiere geht zuletzt, dicht vor dem Wagen, es muß am schwersten ziehen und bekommt dies ganze Maaß der Schläge grausame, brutale Schläge. Und sieht sich dann so unver mistig wehmüthig um und weiß nicht, daß es ln der ganzen Welt so zugeht und daß überall die größten Esel Prügel bekommen. Draußen vor dem Dorf stehen die Leute beim bocci. Greise und Kinder, Alles spielt mit einander, die Alten mit ruhiger Würde, die Jungen mit Streit und Geschrei. Sie werfen eine kleine Kugel voraus si? ist da? Ziek Und dann gilt es mit den größeren Kugeln diese ttleine zu treffen. Ich habe Kerle gesehen, die eS darin zu einer erstaunli chen Fertigkeit gebracht hatten, und die sich die Sache durch allerhand Nüancen beim Werfen noch künstlich erschwerten. Ja, wenn man so viel Zeit hat, sich'ö auszuprobircn.. Von dem Haus dort, gleich hinter der Schmied?, in der die roth; Glulh noch nicht erloschen ist, kommr Gesang. Es ist ein ' Haus, so bunt mit Säulen und unwirthlichen Fenstern bemalt. wie alle anderen. Es lehnt . sich eng an die grauen Olioenhügel und hat einen klei nen, mauerumschlossenen Garten mit Feigenbäumen und Orangen. Unter dem Dach von dünnen Aesten und Zwei gen neben der Hausthür, auf dem der Sommerwein sich ranken soll, sitzt ein Mädchen, nur aus der Eutfernung hübsch, wie sie alle hier. Und sie ist es, die singt. ' t ES ist PaladilheS alte Mandolinata, d!e ihren Autor in ganz Italien fo rühmt gemacht hat und die sie hier trällern, wie bei UNS die kleine Fisch:rin-, die nun alt genug ist, um allein fahren zu dürfen. Und das Mägdlein unterm Rebendach singt immer wieoer ihr ftiidiam, das verdeutscht etwa so lauten würde. '!!,. : , , ' mO kommt, die Nacht ist köstlich, Schon naht der Mondenschein, : Bald dort, bald hier durchstreifen wir Die Straßen aus und u. H. . So lang die Schatten weilen. Darf jubeln - jedes Herz, ,::r,,, 4 r:. , -: Die Stadt entlang zieht sonder Zwang Mit Sang und Klang und Scherz V Und dann kommt die schöne Geschichte von der herrlichen i, Geliebten, die am
Fenster erscheint und dem Sänger die Rose herabwirst. O, es ist kein sehr geistvolles Lied, aber es ist sozusagen Schwung dann. Und als das Alles ausgesunzen ist und der glücklich: Ge liebte die Rose aufgenommen hat, ersterben leise die Klänge. Man hört dann nur noch das Hü-oh der Treiber und das Aufschlagen der Kugeln bzim Boeci und das gleichsör mige Klappern der Klöppel Hölzchen. das aus allen Hausern dringt; denn überall sitzen die alten und jungen Frauen und klöppeln ihre Spitzen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; und manchmal verdienen sie so l Lire am Tag. Aber das freilich ist selten, denn das Abiotz gebiet wird immer klei ner und die Eoacurrenz wird auch hier immer größer. Nun kommt schon leise bis Abend weben über das blaue Meer, und in der Luft bezüknt jener stille, kaum fühlbare Kampf zwischen den goldenen Sonnenstäubchen, die zurückgeblieben sind, ein Erbe des geworbenen Tags und den Dämmerungsschatten, die erst ganz dünn und schwach und machtlos herniederschweben. Um diese Zeit ist die Natur am schön-' sten. da ist der Friede in ihr am reinsten und wunderbarsten, ein wehmüthiger, schweigsam klagender Friede, noch erfüllt von dem Duft der Abschiedsblumen auf dern Sarge der Königin. Da h:bt je des Blatt an den Bäumen sich so dunkel von dem matten Ab'ndhiNinel ab und um jedes von den Blättern spielt diese unsichere, weiche Dä.nmerungsluft; und sie umwebt mit ihrem fast sichtbaren, melancholischen Zauber die wünderbaren, breiten Schirmdächer der Pinien und die verwachsenen und verkrüppelten Stämme der Oliven und die undurch dringlich schwarze Nacht der Cypressen. sie legt sich um die Stechpalmen und die wehenden Epüeuranken und um daS Rebendach an dem kleinen Hause dort und scheint Alles aufzulösen zu leuchtendem Duft, alles Scharfe, alles Eckige, alle Gegensätze uud alle Feindschaft. Aber dann ziehen die drohenden, ver derbeutragenden schwärzen Wolken am Himmel auf, wie die Heere der Hunnen, die ausziehen, die W:lt zu zerstören. und das Meer beginnt zu rauschen und sich schwer gegen die Felsen zu werfen. Die Nacht ist da. Wieder singt vor dem stillen Haus daS Mädchen, das nur aus der Cntfecnung hüojch erscheint, aber sie singt nicht mehr die Mandolinata mit ihrem in- j haltslosen, empsindungsarmen Kehr reim, sie singt ja. wer wird's glauben das gute, liebe HeimathZlied vom rotben Äköslein auf der Haide. Sie weiß nicht, was sie singt, sie kennt eigentlich nur die Melodie und von den mechanisch aufgenommenen Worten haf ten ihr nur einige noch im Gedächtniß, j aber sie singt es doch, leise und mit verhallender Stiiume Nöslein. Röslein. Röslein roth. Röslein auf der Haide! Ach. es ist sehr unvorsichtig, wenn man j Lieder singt und dann nicht weiß, was ; sie bedeuten! " Doch dann begann ein Anderer zu singen, sein rauschendes, nimmer enden des Lied der Regen. Und er sang und sang, viele Tage und viele Nächte und kam mit Hagel und Sturm und warf ganze Eisstücke gegen die Fenster und brauste durch die erschrockenen Lüfte, wie ich ihn in diesem Herbstwandern erst einmal habe brausen hören als ich über den bergumgürteten Gardasee fuhr und dann in Riva saß. in der Goldenen Sonne", in demselben 1 Riva und in demselben HauS, wo einst Jens Peter Jakobsens Niels Lyhne die die schöne Sängerin Odero traf. Glücklicher Niels. Ich Armer, der ich lange nach Lyhne kam und lange nach Frau Odero, ich traf in den einsamen Sälen nur noch Madame Ibsen und ihren Sohn. Ach. der Regen schlug prasselnd nieder auf das Dach, er schuf auf der Wasserfläche tausend kleine Grübchen, und der graue, lichtscheue Nebel lag vor den ragenden Bergwänden wie ein langweiliger Theatervorhang vor der Walküre Zauberland. Es regnete ein förmig und wandellos, und wenn ich an der Kammerthür vorüberschlich, hinter der des nordischen Dichters Familie ihr vollseindliches Dasein führte, dann war mir's. als hörte ich den Sohn leise, bittend flüstern : Mutter, gieb mir die Sonne!
Ein Ungar von reinstem Blut war der Hauptmann I. m der Budapester Garnison, unter seinen Kameraden beliebt, wie kaum ein Anderer, in der Gesellschaft einer der Begehrte sten. Er war Junggeselle, überaus liebenswürdig, ein andauernder Theil nehmer an den schwersten Dienststrapa zen. wie an den längsten Kneipabenden, hier und da leidenschaftlich aufslammend, aber meistens von beschaulicher Sanft muth. Andere Urieger der Garnison galten wohl als flotter, der Hauptmann I. aber wurde von den Damen Buda pests als der Galanteste bezeichnet. Einmal mußte er in einer Privatange legenheit verreisen uud kehrte unerwartet in der Nacht zurück, als die anderen Ofsiciere gerade ein FaschingSfest feier ten und nicht in ihrer Wohnung anzu treffen waren. Nur den Oberstlieute nant K. hatte ein höherer Wille zu Hause gebalten, und dieser wurde deS NachtS aus dem Schlaf getrommelt. Da sein Bursche sich nicht rührt, öffnet er selbst. Vor ihm steht der Haupt mann I. Gestieselt und gespornt tritt er zu ihm in's Zimmer. Kam'rad!" sagt er. .Hast kein Nachtlager sür mich? Ich kann nicht in mein Quar tier." So tapp Dich zum Kanape' oder mach Licht!" sagt der Andere, .Hast wobl Schlüssel auf Reis verlo ren?"Nein! erwidert I. Bursche g:bt Unterbaltungl Wa8?" schreit K. In Deinem Zimmer. Vielleicht auch meiner dort l" Alle!" antwortet der Hauptmann. Und hast Kerls nicht massakrirt?- ruft K. zornig, worauf I. gleichmüthig entgegnet:, Ging nicht! Was glaubst denn? Omd ja Damen dabei.- ' , j";:;' ' ' 1, . i, 4 '; . . j, :! .'' iii' il '
Die Stunde des Geständnisses.
Aon 2a Tuncker. Frau Martha Wendland faß an ihrem großen, bequem eingerichteten Schreibtisch und schrieb. Vor ihr lagen Rech nungsbücher.Auszüge,BelegeundBriese. deren Handschristen sämmtlich einen durchaus geschäftlichen Charakter trugen und in engkn Beziehungen zu dem von ihr verwalteten Gute Kirchbach standen. Ab und zu hob die Schreibende den Blic! zu der klemen Stutzuhr auf dem dunkel' braun geschnitten eichenen Sims ihres Arbeitstisches, nnd je weiter die Zeiger vorrückten, um so langsamer wurde dit vor anderthalb Stunden so eifrig begonnene Arbeit gefördert. Ja, als der Zei' ger, nur um Sekunden noch von ihr ge trennt, die neunte Stunde wies, legte Frau Martha die Feder zerstreut aus der Hand und ließ den Blick durch das mit behaglichem Luxus eingerichtet Zimmer gleiten. Dabei siel ihr Auge aus den Spiegel an der gegenüberliegenden Wand, den eine nur halb verschleierte Lampe hell genug erleuchtete, um Frau Martha eigene Züge wiederzustrahlen. Unwillig ichüttelte sie den Kopf. Wik man nur so heucheln kann! Noch gestern wollte der Onkel behaupten, ich sei in den letzten Monaten um zehn Jahre jünger geworden. Eine Frau oder gar ein Mädchen von Fünfundzwanzig würdk sich für diese Schmeichelei bedanken." Und dabei steckte Frau Martha eine der schweren schwarzen Flechten, die sich bei der eifrigen Arbeit gelöst hatte, um den schöngeformten, ovalen Stopf. Dann senkte sie den Blick nieder auf eines der dickleibigen Rechnungsbücher und ver suchte es aufs Neue mit der Arbeit. Aber sie hatte kaum wenige Zahlen addirt, als sie die Feder wiederum nie derlegte. Diesmal kam die Störung von draußen. Ein langsam schlürfender Tritt und ein fester selbstbewußter nä berten sich ihrer Thür, die dunkle Portiere wurde zurückgeschlagen. Der Herr Dr. Arndt.gnädige Frau", meldete der alte Diener. Der Ankündigung auf demFuße folgte der Gemeldete. Störe ich nicht, liebe Freundin?" . Aber nicht im Geringsten. Sie hat ten nur gestört, wenn Sie nicht mehr gekommen wären Sie können wohl denken, mit welcher Spannung " Davon später. Jetzt eine Kardinal frage: Haben Sie Ihren T$ schon ge trunken?" Frau Martha lächelte und schüttelte den Kopf. Darf ich?" Arndt halte den Zeigefinger bereits an den Knopf der elektrischen Klingel gelegt.. Als sie nun zustimmend das dunkle Hauvt bewegte, drückte er den kleinen, weißen Elfenbeinknopf eifrig in die Wand. Dann ließ er sich wie schwer ermüdet in einem von Frau Marthas bequemen Sesseln sinken und sagte mit einem Stoßseufzer: Offen gestanden, ich bin mehr todt wie lebendig vor Durst und Hunger!" Hat man Ihnen die Sache so schwer gemacht, armer Freund?" Frau Martha sagte es mit aufrichti gem Mitleid. Er aber sprang so un geberdig auf, als habe ein beleidigendes Wort ihn getroffen, doch ehe er noch die Lippen zu einer sicherlich nicht sanften Erwiderung öffnen konnte, trat der alte Diener wieder ein. Decken Sie für den Herrn Doktor mit, Georz. Was trinken Sie: Thee, Bier. Wein? Thee, das heißt, wenn Sie ihn selbst machen." Es war nur für sie gesprochen, ab auch sie wollte eS nicht gehört haben und gab Bescheid, von allem auf den Tisch zu setzen. Befehlen gnädige Frau im Eß saal?" Unwillkürlich schweifte FrauMarthaZ Blick zu ihrem Gaste hinüber. Seine Augen hingen bittend, scheichelnd wit ein Kind an ihren Lippen. - Nein, Sie mögen hier bei mir den Tisch zurechtstellen, Georg, den Thee mache ich selbst." Als der Alte gegangen, schritt Arndt lebhast auf Frau Martha zu uud küßte ihr die Hand. Sie sind ein Engel!" Und Sie ein Kind, dem man alles zu Willen thun muß, woh! vder übel Meine einzige Entschuldigung ist die jeder schwachen Mutter, daß. da man seine Kinder nicht das ganze Leben um sich bat " Und so weiter, und so weiter ", unterbrach er sie gutlaunig. Aber sie wollte sich nicht unterbrechen lassen. - .. und da Ihre Tage, mein lieber Fieund, wie die eines jeden erzogenen Kindes an diesem Theetlsch auch nur gezählt sind, und seit heut oder war es gar schon gestern? ganz besonders " Er traut so heftig mit dem Fuß aus den Teppich, daß Frau Martha, die während der letzten Worte mit dem Einschließen ihrer KirchbacherGeschäftsbücher beschäftigt gewesen war, sich erschrocken umwandte. Was ist Ihnen hat Fräulein" Ich beschwöre Sie, mich erst in Frieden meinen Ihren Thee trinken zulassen!" In demselben Augenblick trat Georg wieder ein und stellte geräuschlos den Tisch zurecht, während Arndt wie ein zorniger Löwe mit langen Schritten hin und der lief. Und Ihre Schwester und Ihre Frau Tante?" Sind bei MöllerS zum Ball! " Lasten Sie wie gewöhnlich allein," toars er ingrimmig dazwischen. Martha wandte sich nach ihm uw und lachte: Wozu wären wir denn sonst nach Berlin gekommen? Glauben Sie, i hätte die Absicht gehabt, Lilli ' selbst von Ballsaal zu Ballsaal, von Concert zu ; Concerts z pon Theater I zu lTheater zu schleppen? Mir schwindelt schon bei dem Gedanken. Ich bete die Tante ärmlich dafür n. daß sie mir so be.
reitwillig die? entsetzliche Amt abge nommen hat. Und Lilli ist selig. Sie stirbt ja in Kircbbach vor Langemeile, wenn sie eS auch nicht eingepebt Und Sie, Sie langweilen sich na türlich nie ", warf Ärnd5 im Ton förmlich erbitterten Vorwurfs dazwi Zchen. Unbegreiflich " Frau Martha lachte. Und Sie sich stets ?" Wenn ich nicht arbeite oder bei Ihnen bin", fügte er kaum hörbar hmzu. Aus diesem Grunde werden Sie ja nun auch sie warf einen schnellen Blick nach dem Tbeetisch herüber der Diener war geräuschlos vcrschwun den. Arndt's Blicke waren den ihren gefolgt. Nun gab er ihr rasch den Arm. Bitte nach dem Thee." Während Frau'Martba das würzige Getränk bereitete, und es ihm dann in seiner Lieblingsmischung in die Tasse goß, beobachtete er, stillschweigend in seinen Stuhl zurückgelehnt, jede ihrer Bewegungen. Wle wohl seinem unsteten, leicht er' rcgbaren Wesen ivre sanfte, abgeklärte Rube that. Dieses trauliche Gemach war ein Hafen des Friedens, den lhA in seiner An nichts in der Welt jemals würde ersetzen können. Und ach. sie hatte Recht, seine Tage waren gezählt, denn er konnte sichS nicht denken, daß er hier, wo er Martha sz oft allein ge genüber gesessen hatte, mit einer Anderen sitzen sollte. Die Andere war fast noch ein Kind; sie würde gar nicht begreifen, was ihn in jahrelanger Freund schaft mit dieser seltenen Frau verbun den. All' die seinen Fäden von Seele zu Seele, die innigstes Verständniß ge spönnen und liebe Gewöhnung befestigt bat ten. sie würden diesem jungen, kaum flügge gewordenen Dmge nichts als ein ewig Rä.hselhaftes fein und bleiben, an dem sie vergeblich deuteln und klügeln, in das sie. ach. vielleicht mit täppischen Händen hineiugreisen und das seiu: Ge webe unheilbar zerstören würde. Für Helma von Saldern war Martha Wcndland. die seit zwölf Jahren verwittmct. eine alte Frau, die nicht mehr mitzählte, die etwa nur noch gut dazu war, in praktischen Dingen Rath zu ertheilen, besonders wenn man so unpraktisch erzogen war, als Fräulein Helma. Was aber sollte man mit der alten Frau anfangen? Arndt lächelte ein trübes Lächeln. Was war denn er, wenn die um zwei Jahre jüngere Martha eine alte Frau war? Aber freilich, eine Frau von fünfunddreißig und ein Mann von siebenunddreißig, das ist ein Unterschied, der für die Frau ein etwa achtjähriges Llus ergibt. Und weshalb? Weil eine alberne Gesellschafts usance dies ZZaradozon ein für alle Male als Regel hingestellt ha vor der es keine Aus nähme gibt Eselei " Was murmeln Sie denn dafür Lie bens Würdigkeiten in Ihren Bart ?"frcgt nun Frau Martha, sich ihrerseits ausraffend, denn auch sie hatte, vielleicht zhne daß sie selbst es gewußt, stillschwei gend mit einem nicht eben sorgenfreien Lächeln vor sich hin geblickt. Ich denke, Sie sind durstig? Ihr Thee wird kalt und dann, Sie versprachen mir nach dem Thee wer wird kine gute Freundin o auf die Folter spannen?" Gute Freundin, beste Freundin!" Er hielt ihr über den Tisch hinüber die Hand hin, in die sie die ihre freinöthig und ohne Zögern legte. Aber als sie die Finger nach Secundenlänge aus den seinen wieder lösen wollte, ließ er sie nicht. Ihre Hand ist heiß, Martha Sie nnd krank." Ich krank?" Sie lachte gezwungen, unharmonisch, wie er sie. die sein Ideal ungetrübten Bleichmuths war. niemals hatte lachen hören. Und noch einmal: Ich krank? Die Leute in Kirchbach würden Sie auslachen, wenn Sie das hörten l" Nein, nein, sie hatte recht, sie war nicht krank. Diese unermüdlich treue Arbeiterin in dem umfangreichen Wir kungskreise, den der Verstorbene ihr hinterlaffen hatte, war ein Bild der Gesundheit, Kraft und Frische, ein Bild der Jugend im Vergleich zu der bleichsüchtigen, nervösen, sogenannten jungen Generation, und wenn er jetzt Martha Wendland noch einmal mit Helma von Saldern verglich wahr haftig, Martha konnte, trotzdem sie hätte HelmaS Mutter fein können, den Ver gleich nicht nur aushalten, sie konnte aber nein, nichts davon. Endlich setzte er den Thee an die Lippen und trübselig über den Rand er Tasse fort zu Martha hinüberblik kend, fragte er: Wo werd' ich künftig solchen Thee trinken?" In Jbrer eigenen Häuslichkeit Sie haben eS dann noch viel bequemer, Sie Faulpelz. Sie. Sie brauchen dann nicht einmal mehr wie jetzt über den Straßendamm, sondern nur von einem Zimmer in's andere zu gehen!" Hm!" Hm ? Was soll das heißen?" Nichts oder Alles, Wie Sie wollen." Sie sind heut' unerträglich !" Ich danke Ihnen für das Eompliment. Sie werden ja nicht lange mehr unter meiner Unerträglichkeit zu leiden haben. Wann gehen Sie nach Nirch fcach?" In vier Wochen Unumstößlich?" Unumstößlich! Und wann heira ihm Sie?" Das ist wider die Abrede. Ich habe meinen Thee noch nicht ousgetrunken ! Und in der nächsten Saison?" , Komme ich mit Lilli natürlich wie der nach Berlin zurück!", 1 , , -'DanN';; werden Sie mich schwerlich mehr hier finden der Minister machte, mir gestern? Andeutungen, daß es sehr wahrscheinlich sch daß ich auf ein Jahr nach Afrika desigvirt würde " .Nach Afrika?"
Arndt kam eS einen Augenblick vor. als ob Frau Martha sehr blaß gewor den wäre. Aber er mußte sich wobl getäuscht haben, denn sie fragte vsll kommen rubig: Und Helma?" Er hob' die Tasse, die noch zur Hälfte gefüllt war. Nach dem Thee, liebe Freundin !" Sie fah ihn unwillig, beinahe zorniz an. Fast hätte sie eine heftige Bewegung gemacht. Verzeihen Sie bat er und trank seine Tasse nun mit einem Zuge leer. Martba seufzte erleichtert aus und lebnte sich dann weit in ihren Stuhl zu rück, wie um behaglicher anhören zu können. Ihr Gesicht war bei dieser Bewegung vollständig in den Schatten gerückt worden. Nur auf ihre beiden nicht kleinen, aber edelgeformtm Hände, die idr im Schooße ruhten, siel das volle Lampenlicht. Wußte sie es nicht, wie unruhig diese schlanken Finger zuckten? Im Ton eines trockenen Geschäfts bericht fing Arndt zu sprechen an. Ich ging also gestern gegen Abend zu Saldern und that nach Ihrem Ge W .Nach meinem Gebot?" Oder nach Ihrem Nath, wenn Sie das lieber hören. Aber nein," rief lebhafter werdend das war kein JZath mehr, das war entschieden ein Gebot, oder nennen Sie es etwa kein Gebot, was ich seit zwei Monaten und darüber täglich höre: Lieber Freund, es ist die höchste Zeit, daß Sie heira then, Sie werde sonst ein bequeme? alter Junggeselle, zu welchem Beruf Sie überdies bedenkliche Anlage haben Lilli ist erwachsen, folglich habe ich nicht mehr so viel Zeit mit früher, i:m Mutterstelle an hnen zu vertreten. Helma von Saldern rst in jeder Hinsicht eine sehr vortressliche Partie, hübsch, jung, wohlhabend, gut erzogen, der Vater Ihr Vorgeseyker. der viel von Ihnen hält kurz und gut. gehen Sie zu ihm und kalten Sie um Helma bei ibm an" haben Sie das gesagt oder cht?" Ja gewiß aber wein Gott, w:i sann man so heftig werden hüt Saldern Ihnen etwa ?" Einen Korb gegeben! Ha, ha! hatte er's nur gethan. Aber glücklicher" weise war er mehr noch als gewöhnlich zerstreut, ging, 'nachdem ich kaum ein paar Worte üdcr seine Tochter hervorzestottert und er ohne BesiKuen ja natürlich" gesagt, sofort auf die Jnteres sen unserer Abteilung über, so daß ich hoffen darf, er weiß gar nichts mehr bavon, welche Eselei 'ich begangen babe " 0, und ich meinte eS so gut!" Gut? Das ist geradezu empörend. Schlecht, sehr schlecht, über Alles schlecht haben Sie'S mit mir gemeint. Wenn Sie mich durchaus los sein wollten, so hätten Sie's mir wenigstens ehrlich fa gen können cS bätte mir weh gethan. natürlich sehr weh unglaublich weh aber, doch immer besser, als ei nen vernünftigen Menschen, ich möchte beinahe sagen, hinter seinem Rücken, mit solch' einer niedlichen Spielpuppe verj heirathen zu wollen ich frage Sie unr Botteswillen, Martha, was sängt ö:an ' mit solch' einer Frau an?" Frau Martba antwortete nicht. Sie hatte ein Gefühl, daß. wenn sie jetzt spräche, sie entweder in einen Jubel ohne Gleichen oder in Thränen aus' brechen würde, und bndeS durst? nicht sein. Sie antworten mir nicht einmal? Ich verstehe, Sie sind mir böse, Sie ha den das Reckt dazu, ich habe mich un verantwortlich heftig betragen. Ver zeihen Sie! Aber Martha, so verzeihen Sie mir doch! Es ist doch am Ende kein Verbrechen, daß ich Sie daß ich Helma nicht liebe!" Trinken Sie noch eine Tasse Tbee!" Gott soll mich bewahren! Ich hatte Jbnen nach dem Thee ein Geständnis zugesagt. Ich habe mein Wort gehal ten ich trinke keinen Tropfen mehr. 9ta denn auf morgen! Er schüttelte traurig den Kcps. Nein, liebe Freundin! Ich ich jvill m!r's lieber abgewöhnen!" Ist Ihnen der Weg über die Straße zu weit?" Martha. diesen Spott habe ich nicht verdient " Ich wellte nicht spotten. sagke sie und errkthete dabei so tief, wie Helma von Saldern mit ihren achtzehn Jahren nicht tiefer und ehrlicher hätte errötheu können. Ich ich meinte nur daß. was bei Helma möglich gewesen wäre " Martha. Martha! Ich beschwöre Sie bedenken Ste. was Sie sprechen. Meinen Sie meinst Tu, daß ich nicht mehr über die Straße zu gehen brauchte, um Deinen Tbee zu trinken? Daß eS
auch bei Martin Mendland, wie Du'Sf'i be, Helma vorgeschlagen, von Zlwmer 4 zu Zimmer ginge?" ' j Sie schüttelte mit einem holden Lächeln den schonen Kopf. Bei Martha Wendland nein aber " Bei Martha Arndt! O Tu, Du göttliches Geschöpf! O und ich Esel! Um das zu erfahren, mußte ich erst bei Saldern um seine To chter anhalten!" ' . Er hielt sie so eng umschlungen, fef ob er die Langoesuchte, Jmmerdesessene, '' Endlichgesundene nie wieder lassen wollte.' Und nun geh',, Du Liebster es ist spat!-' " l: ' " Und wann darf ich morgen wieder kommen?" Da Du nun doch einmal die Ge schmacklosigkei: begangen, durchaus eine alte Frau statt einer jungen haben zu -wollen zur Stunde der Geständniffe nach dem Thee!Ende einer DZScusfion. Lieber Freund, erlaube Dir zu sagen, daß Tu ein Esel bist." Un , lersckeiden wir: Bin ich ein Esel, weil ich Dein Freund bin, oder Dein Freund, weil ich ein Esel bin?"
