Indiana Tribüne, Volume 15, Number 112, Indianapolis, Marion County, 10 January 1892 — Page 7

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Unttz btu Jeigendüumen.

Eine halbe Stunde unt??halb Cant jfuio hockten die beiden Carabinicri bleich unv täubt auf dem zerfallenen Brücken Muerchen, das über dem schmale aus eetrsckneten Flußbett hing. Ihren er Zch offenen Kameraden hatten sie auf ein Bündel Maisstroh gebettet ; der Corps, ral war nach Catanm hinabgceilt, inÜi xärifche Hilfe zu rcquirircn. Das iß eine trübe, unheimliche Nacht. Ueber die Ebene hin flattern die'zu Wol? ken geballten Nebelmassen, gepeitscht von dem dicken, schwülen Scirocco. Durch die Maisfelder geht es wie Seufzen, es klingt, als ob nachtichlcichmbe Mcnschcn sich durch die mannshohen Stengel dran gen, und mehr als einmal greifen die im talbschlummer Umnnkenden nach den, cmehren. Aus den hohen Wäldern em Aetna flackert hie und da ein rothe! kzeuer, dort sind die Kohlenbrenner bei der Arbeit ; da und dort, wo ein Dors ist. irrt ein verlorenes Licht. Hin und wieder kracht aus der Fern dumpf her, über ein Flintenschuß. Das sind die Bauern nnd Winzer hrt AktnadZrfer, sie schießen, die Carabmierj roiffen's, auf's Gerademohl in die Nacht hinein ; sie wollen den bösen Feind tref, seit, der ihre Häuser seit Wochen umschleicht, und richten ihre Flinten auch Hegen die vsn der Regierung geschickten Verbreiter der Seuche : die Caraöinieri und die Doktoren. Die beiden alten Aerzte deZ Ortes ro' ren schon, als die ersten Nachrichten aus den umliegenden Dörfern und aus Ca: tania einliefen, geflohen ; TagZ darauf bitte der reiche Apotheker, Don Felice, eiit Bündel geschnürt, die Verwaltung dcZ HauscS dein fieberkranken Gehilfen anvertrauend. Aber auch der war eiligst nach Broizte zn seiner Muhme geritten. Zuletzt raa? auch der Sindäco mit Frau und Kind über alle Berge gegangen. Ti: bei' en muthjgm jungen Doctoren us Neapel, die der Präfect heraufge sä)ickt, loarcn von den rebellischen Bauern mit Kuütteln ausgetricben worden ; den Fässern mir öarbolsaure und Chlorkalk hatte man asfdem Marktplatze die Bö: den eingeschlagen, n:an wollte nicht ofsiciell o?rgistct erden. , Darauf ward die Eifenbahn in Angriff genommen, die Kchici'.en wurden aufgeriszen, die Tclegrsxhcnstangen durchgesägt, die Draht zerschnitten; auf ihnen lies die schwarze Zigeunerin-, dsS wußt? jedes Kind, nur schneller durch's Land. Und nun hielten Manner und Buben, achben: sie diesen Morgen den tapfern (saraöinieri noch eine Schlacht geliefert, die Einen draußen en der Kirche, du minderen vor der halbzerfsllenen, er räucherten Osteria, 'in der Here Mara wirthschaftete, an der Straße Wacht und trieben die seltenen Wanderer und die in Gefährten Herankommenden mit Ge schrei und Flintenschüssen zurück. Der Poftbete war schön feit mehreren Tages nicht mehr zum Orte hereingelassen ro'or teil - Hinter dem Rücken der Männer aber, in ihren Häusern, wüthete der böse Feind. Gelahmt oon Furcht, sah man die El, tern, Geschwister, Frauen und Kinder hinsterben. Man legte die Cadaoer oft nackt vor die Thüren oder mitte auf di Ctraßc, die dann, zu Dutzenden auf ein, aber geschichtet, nur mit einer dünnen Schicht grauen Aschensandes bedeckt, in eine Grube geworfen wurden und verwesten. Der feit acht Tagen wehend heiße Scirocco besorgte das Geschäft rasch und trieb dann die Keime des Todes über die Hügel hinweg weiter iiT3 Land hinein. Das Eigenthum war nicht mehr hei' lig. In den Agldgelbcn Weizenfeldern des Bürgermeisters, des Apothekers, de, Frau Baronin und der anderen Entflohen neu, die vielleicht draußen längst ocr scharrt waren, standen die Halbbetrunke, r:en Pachtbanern uud Taglöhner und n,a:uen unter royen scherzen lachn laiih daraus log. die Kerrenlose Ernte nter ihren Dächern zu bergen. A Wein fehlte es nicht, die reichen Keller standen Jedermann offen, aber an Fleisch und Brod,. Der Hunger stellte sich be, bro blich ein, und noch immer wollte der bttlige NochuZ kein Wunder thun, se sehr ihm die Betschwestern des OrteS auch die Ohren vollschrieen. Der starke Wein in den leeren Mager ober erhitzte die Gemüther der Mannei bis zur ölaserei, und bann prügelten bis Heimkehrenden Weib und Kind ost un barmherzig. Nur nach dem Are Maria. Lauten, das der Küster noch treu Le, sorgte, ward es nach alter Gewohnheit still im Orte, und man hörte das Gebets ururmcln bis au die Straße hinaus. ... vv In dem kleinen Hause am Hügelhange, ias drei riesige Feigenbäume ganz unter ihren Schutz genommen, war auch in die scr schlimmnen Zeit kein böses Wort ge, fallen. Gevatter Tano, ein starker, schöner Mann, nahe den Vierzigern, rcai erst Soldat, dann fünfJahrern Amerike gewesen, hatte Reinlichkeit und Ordnung gelernt, mit feinem kleinen Erwerb das elterliche HauS schuldenfrei gemacht und bann ein gesundes Weib, die Palma. arou und tkark wie er. .n Schiff mit fcirihuubn0 gehnretther: ; Auch ' ihre ' drei Klnde, rvaren rund und gesund, denn, wenv Fleisch nur selten auf den Tisch kct, n Brod und Käse hatte es nie gefehlt und fehlte es auch in diesen schweren Tage nicht. Die Freunde hatten auch ilrn zu der roohlfeilen Ernte qufgerufen, sie hatten r r. , 1 '' ' ,qn einen eigilng genannt, vag erzyrem Rufe nicht gefolgt war. Er hatte aber zu seiner' Palma gesagt:' t Ernte . wird ihnen theurer zu stehen kommen. srie zeoe anoere. too theures Brod werden sie nie mehr essen." Und er hatte vmHnmMuUxititt : Fruchrfülle rzrangenden Feigenbäumen ein Körbchen oll der goldenen Fruchte' gebrochen und in hartes Ärod aus dem niederen Speis cher geholt. Das Ave Maria-Läutes traf sie bei diesem einfachen Mahle: die Mutter betete vor, die Kinder! plärrten hastig nach und huschten dann, noch kau-, end, in das große, breite Ehebett, wo sie zu Füßen sich neben einander hinkrümmttn und kauerten. $IÄ Heute hat's auch die Muhme Tonetta geholt,' sagte sie .Und beim Gevatter Tonno ist das je'fcie. Kind lyrtgeschafft worden", logte

e?I steht'das HauS nun leer.' Ich

yao zctnen uns geiehen, der heulte vor der geschlossenen Thür." Gott sei ihren armen Seelen gnabig", antwortete sie, sich bekreuzigend, tJLji. t:. irnA . X, den H uuo uns lltze öle aoonna IN zznak Sie nabm. wie tut Unterttükuna ibs rer Bitte, rasch das Lämpchen der Madonna aus der Nische, füllte frisches Oel nach, schnuvvte den Dockt und svracb ein kurzes Stoßgebet zur Mutter des Himt i ' & t t meis utiD oer ; vann oeeeate sie die aliklienden KablkTi aui htm ivrmif y - y--w- rr w Asche und folatc dem Manne auf das schlechte Lager. Bald ward es ganz still ln der düsteren, dumpsen. vom Serroecohauch angefüllten Stube. Nichts horte man als das aeiundc Atbmen der Kinder. daZ kräftige des Mannes, hie und da ein leiseZ Gackern der Hühner auf dem Herd, ballen, das Summen einer erwachten ylicae uns von draußen das Nauichen der Baume im Winde von Stun de ZU Stunde tönte die Glocke im Tburi m e. Mitternacht war vorüber. DieHähne tten itnit ersten Male aekraöt da trhf& d) von dem raschelnden Maisstrohfacke mZt elnem Seufzer hast!g, halben LeibeS das funge Weib, von Schmerzen und Angjt gelveat. Aus der vU)qt herab blinzelte verschlafen das armselige Ma donnen-Lämpchen und erfüllte das Zim mer mit dämmernder Helle und zuckenden Schatten. Palma strich sich die schwärzen Haare aus dem bleich bronzefarbenen Gesicht; das laute Stöhnen, das ihr aus der Brust heraufstieg, vermochte sie nicht zu unterdrücken. Gevatter Tano wachte auf und frug stotternd: Palmetella, was hast d?" ,,Jch fürchte mich, Tano! Die Here kst herein! Ich habe Feuer im Leibe und Schnee auf den Schultern, aus dem Kopse.... d.r, fühle." Er ergriff ihre harten Hände, sie wa rcn feucht und eiskalt. Mit einem Sprunge war er vsm Bett ; hastig stieß er den kleinen Laden hinter dem Ba-silicum-und Nelkenstöckchcn zurück, tröst llcheS Licht zu sehen. Bleich und gram voll blickte der junge Tag herein ; in sei: nem öden Scheine sah er das Gesicht seines WcibeS in einem plötzlichen Vcrfall: die Augen erloschen, die sonst so blühenden Wangen hangend, die Lippen blau und verzerrt, kncn Augenblick starrte er sie an, dann schrie er auf : ., Madonna! ')ich hat'S auch ! Hilfe! Hilfe!" Kramvfhaft preßte sie die Arme aus den Leib und flüsterte: Still, Tano, wecke die Kinder nicht!" Aber schon ist das älteste, ein Knab, on acht Jahren, erwacht; er richtet sich tastend an der Wand empor und schaut stumm aus seinen großen schwarzen Äu gen verwundert nach Vater und Mutter. Diese kleidet sich nun an, macht ihm das Zeichen des Schweigens, zieht die Lade unter dem Vett hervor, nimmt kramend ein Hemd und ein altes Leintuch heraus, verknüpft beides zu einem Bünoel und sagt, halb zusammengekrümmt, mit hau chcnder Stimme in Absätzen: Leb' wohl, Tano, Madonna schütz dich und die Kinder .... ich gehe fort." Wohin, Palmetella, wohin?" ,,Jch weiß es nicht . . fort .... hin öarf ich nicht bleiben .... euch zu Liebt nicht. Ich hab' das Uebel im Leibe. Ich darf's euch nicht vererben. Bei Gerat ter Tonno drüben hat's die Mutter den Kindern gegeben. Ihr follt nicht ster ben. Tano, vergißnich nicht. ..." Er faßte sie bei den kalten fänden, gewaltsam; er bat sie, zu bleiben, schrie ; auch der zweite kleine Knabe und das ganz unmündige Mägdelein erwach, ten mit lautem Weinen. Sie war schon an der Thür. Nun bat er sie, etwas Brod ulitzunehcn. Das wies sie zutuck; auch das wenige Kupfergeld, daS er ihi aufdrangen wollte, nahm sie nicht. Ihr braucht'S nothwendiger. Gik mir auf die Kinder Acht. Die neuen Hemden liegen zu untcrst in der Lade?" Die Kinder sprangen jetzt zu ihr her an, da floh sie mit angstlicher Hast und warf die Thür hinter sich in's Schloß? Lautes Weinen und Rufen nach der Mut, ter folgte ihr nach. Sie hatte kein Thränen. Auf der Vordertrevpe aber, die zur Straße hinabführte, mußte sie inen Augenblick sich hinsetzen, der Uti pcrliche Schmerz wollte sie gar hinstrek kcn. Die ersten Sonnenstrahlen schössen über die calabrischen Berge herüber. Dn Wind hatte umgeschlagen, thauig frisch Bläue strahlte vom Himmel; würzig Duft von Gras und Kraut belebte die Luft. Eine Schaar Tauben schwebt über die MaiSfelder hin und von unten herauf klangen die Morgcnglocken. Am Armenhaus schleppten eben zwei alte Männer den Leichnam eines nur mit eine schmutzigen Hemd bekleideten Frauenzimmers über dle Straße. Da schaute sie kurz noch einmal sich um; am Fenster, hinter den Basilicum und Nelkenstöcken zeigten sich dicht zu sammengedrangt vier weinende Gesichter, kleine Hände winkten. Ihre Hand krampst? nach dem Herzen, sie wollte den Schritt beschleunigen, aber sie hatte Blei in den Schuhen,, und von Zeit zu Zeit innehaltend, schleppte das stattliche Weib sich nur langsam dahin. Am AuZgang des Dorfes riefen die Männer sie an. Wohin in der Frühe, Gevatterin Palma? Weißt du. daß wir dich nicht wieder hereinlassen dürfen?"- , Sie antmortcte nicht; sie zog ihr schwarzes Kopftuch über's Gesicht und that sich Gemalt an, nicht zu wanken. Die Here" kam ihr humpelnd entgegen, as braune, zerlumpte, steinalte Bettel weib, das schon zu der Väter Zelten von Zeit zu Zeit bettelnd ln den Ort gekom men war, und das 'edeS Kind im Umkreis von zehn Meilen kannte und mit Steinen - bemärf. Palms ; war hinter einer Hecke indischer Feigen niedergesun, ken, fast bewußtlos. So. auch hörte sie fünf, sechs Mchüsse knallen und daS laute Aufkreischen einer Wildkatze. Die Mast ner hatten die .Hexe", die auf keinen Zu? ruf gehört hatte, über den Haufen ge, schössen. Das kam ihr wie im Traum wöd;:;lsie: Karren des' Gevatters Daniele gekommen war und wie nachHMataniach - sie - nicht "m9ilj-jjif'jf - ;;!':,: Irjf-ii 3 rra er ' laiiicre, der sie woh! kannte, hatte sie an dem Dorfweg wo . -f hu i M. . fm .'in i i" v' - -i

dieser iVoIe breite, stäuoige Lanostraße nach Catania abbiegt, im Graben kau ernd gefunden und hatte sie eingeladen, aufzusteigen. Er hatte wohl gemerkt, was ihr fehlte ; aber Mutter und Schwestcr waren ihm an einem Tage durch die Seuche hinweggerafst worden, und er wollte cm Werk der Barmherzigkeit thun, um für sich selbst Gnade bei den Schicksalsgöttern zu erlangen. Bei fedem Heiligenbild an der Straße riß er seine rothe Wollkapxe . herunter und em pfähl seine Seele und die seines Fahrga stes Gott. Als er aber nach der Einfahrt in die ganz verödete Stadt, welche unter einer brennenden Sonne wie ansgestorben lag, sich nach dem Weibe umschaute, war dieseS verschwunden. Verzehrt von innerem Brande, mit dürrer Zunge, hatte sie durch dle halbge: schlofscncn Augenlieder hindurch den blitzenden Strahl des sprudelnden Brum nens bemerkt und war instincti vom Karren geglitten. Jetzt lag sie mit dem halben Leibe im Wasfr: plätscherno sprang der Strahl über sie, hin, sie hatte sich nicht wehr gerührt. So hatten sie zwei Männer vom Rothcn Kreuz" gesunden und alsbald nach dem Eholera-Lazareth übergeführt. Niemand kannte ihren Namen, sie lag hier als eine Nummer und die erzählte nits von der starken Liebe und dem heldenhaft cn Opfcrmuthe eines Mutterhcrzcns. ES ist ein prächtiger Septembertag, fonnenüberflulhet glänzen Meer und Land, und der erste erfrischende Hauch des Herbstes mischt sich mit der wai-men Luft, die vom Berge herabströmt. Viele Bürger, viele Leute des Arbciterstandes gehcn in schwarzen Kleidern einher, denn der Cholera-Kirchhof ist nahezu gefüllt worden un vor jedes Haus fast könnte man eine Trauerweide pflanzen. Auf den aus der großen catanischen Ebene aufstehenden, bald zu Bergen sich zu fank'.ncn schließenden Hügeln aber hat die Weinlese begJnnen, statt der Thränen s?ll nun der sröhliche Most stießen, eine reiche Ernte, und die Winzer mit ihren Söhnen, den Weibern und Töchtern steben im warmen Aschcusande unter den ökeben und füllen die großen Weidenkörbe mit den armlangen Trauben. DaS simg? Volk singt seine langgezogene me lancholische Nitornelle, eine Vigna singt der Andere hierzu, die Bursche schießen nach den Drosseln, die in ganzen Flügen über die Beeren herfallen. DaS Angesicht des Lande.? ist heiter, kein Leidenszng ist in demselben zurückgeblieben und cS lächelt. Ein schwerer Leidcnszug aber liegt auf dem bleichen, hageren Antlitz des auf der Landstraße bergan wandernden Weibes. Sie ist genesen, ihre starke Natur, der liebende Wille hat den Tod niedergerungen; jetzt kehrt sie heim, als Gattin zu dem Manne, als Mutter zu ihren Kin, dern; wohl mutz sie oft nmWege ruhen, dann aber eilt ihr Fuß in doppeiter Eile vorwärts. Die watenden Weiber wenden den Kopf nach ihr, sie scheu'S, die kommt vom Grabe. .. . Und da liegt der Ort vor ihr. DaS ist der kleine, spitze Glockenthurm, daS die grauen Häuser, zwischen denen sie auf gewachsen, und drüben am Hane, überschattet von den drei alten Feienbäumen, ist auch ihr HauS. Zwer kleine Mädchen pflücken Brombeeren an der Hecke, einen Augenblick hemmt sie den Fuß. sie möchte fragen, aber rasch schreitct sie weiter. Kein Mensch kommt ihr

entgegen, der Ort crjchemt wie auöge, starben. Auf den Stein stufen des Wacht Hauses, ihre Pfeifeu rauchend, sitzen die Carabinieri, ohne Gruß eilt sie an ihnen vorüber. Dann steht sie vor ihrem Haus. Die Vasilicum- und Nelkcnstöcke am Fenster sind verdorrt, verdorrt und zer treten ist das Kraut im Garten. Sie klingelt an. der Thür, die ist verschlossen ; in bebender Angst sprengt sie die motsche Thür mit kräftigem Anstoß auf. Ein scharfer Sckwefclgcmch schlagt ihr entgegen, das dunkle Gemach ostnet sich wie ein Grab, leer, leer; kein Spähn Holz, ist zuMgeblicben. In der Mitte des Estriches "liegen dicke, geronnene Neste eines verbrannten Schwefelhaufens, der öiauch hat die Wände geschwärzt. Ein entsetzliches Bild, die tiefe endlose Nacht der Vernichtung steigt vor ihrer zitternden Seele auf Sie hätte mit ihnen sterben mögen ; für sie wollte sie in der Ferne sterben, für sie in Kraft der Liebe ist sie in der Ferne genesen, um nun täglich den bittersten Tod zu sterben. Das öde Alter ist über sie hereingestürzt, sie sitzt in der Asche deß HeerdesF eine Greisin, verlassen, einsam, allein für'Z Leben. Ihrer Liebe ist nicht einmal ein Grab geblieben, die Todten liegen ungesondert zu Hausen iü der Grube draußen Längst ist ihr die Außenwelt versun ken. Das Are Maria- Geläut vernkmmt sie als ein wimmerndes Todtenglöckchen. E5 dunkelt zur Nacht. Dann fühlt sie unter der Hand ein krauses Köpfchen, ein warmes Gesicht und mit Beben hört' sie den Ruf: Mutter!" Mutter, Mutter, du bist wieder da?" Gott, grüß dich, Gevatterin Palma! Der Madonna und allen Heiligen fei Dank, deß du wieder zurück bist. Ach, ewiger Vater, was hat's gegeben! Und wie du aussiehst! Hier sind sie Alle todt, auch dich glaubten wir längst begraben. Wie hat der Cola hier nach dir gefchru en l Und da bist du wieder und hier ist der einzig Uebriggebliedene. Gevatterin Agatina wars, die 23a ckerin ; sie hatte den Jungen aus dem ausgestorbenen Hause herausgeholt. Vor hin hatte sie die verschlossene Thür offen gefunden und wollte nun fehen, was da los sei., WaS hatte die nicht zu erzählen, wie viel Namen von Todten mußten ge nannt erden. Seit vierzehn Tagen war kein Fall mehr vorgekommen. Die Mutter hörte nichts von alledem ; dos Leben kehrte ihr warm in die Brust zurück, und heiße , unverständliche Worte fiü sternd, hielt sie die hageren, zitternden Finger um' den Kops deS kleinen Cola gekrampst. DaS waren dieselbett siar ren schwarzen Krauslocken, die sie der,' einst feinem Water in neckender Liebe zer, zaust.... - . ' , W old em a ? Ka d e n.

Kaiserin Eugenie und der deutsch franz. Krieg. Angesichts desBersuches des .gigaro-, die Kaisenn Eugenie von dem Verdacht zu befreien, daß der deutsch-französiscke Krieg ihr Werk gewesen, dürste die fol gende, von der Londoner Evening NewS" veröffentlichte Anekdote, für de ren absolute Wahrheit das Blatt ein tritt, nicht ohne Interesse sein, Jedermann," so beißt es, welcher Paris in der Zeit nach dem Insult deS Königs von Preußen in EmS durch Benedetti kannte, wird sich der widersprechenden Gerüchte erinnern, welche die franzosifche Hauptstadt damals bewegten und welche alle die große Frage zum Gegenstand hatten, ob es zum strieg kommen würde oder nicht. .Niemand , wußte, was der Kaifer thun würde, zumal die fer eS selbst noch nicht wußte. Unter solchen Umständen hielt Baron Alphons von Rothschild eS aus sehr nahe liegenden Gründen für angebracht, direct zum Kaiser zu gehen und ihn über die Lage zu befragen. Der Hof befand sich damals in Et. Cloud und der Baron erhielt bei feiner Ankunft sofort Zutritt beim Kaiser. Nachdem er offen den Zweck seines Kom mens dargelegt, erwiderte der Kaiser mit gleicher Offenheit: Mein lieber Baron! ES freut mich, daß Sie in Ihrer Ungewißheit zu mir gekommen sind und daß ich Ihre Sorgen von Jh nen nehmen kann. Ich versichere Sie, es giebt kein Krieg, mein Wort daraus! Welche Gerüchte Sie auch hören mögen, legen Sie denselben auch nicht den minbesten Werth bei-, und der Kaiser wiederholte mehrere Male: n nV aura pas la cruerre-. Hoch entzückt und oankbar nahm der Baron Abschied von dem Monarchen, nicht ohne noch im Corridor des Schlosses Gelegenheit gefunden zu haben, einige Worte an die Kaiserin zu richten, welche sich gerade zu ihrem so friedfertig aufgelegten Gemahl begab. Der Baron hatte kaum das Bankhaus in der Nue Lafitte erreicht, als auch schon ein Leibjäger des Kaifers auf schaumbedecktem Pferde mit einer Privat botschaft des Herrschers für Baron von Nothschild daselbst erschien. Daschreiben enthielt die kurzen Worte, daß es Krieg geben würde. Und einige Stunden soaler war der Krieg erklärt." Der Gewährsmann des englischen Blat-

tes will diese Mittheilung dirert von Lord Lyons erfahren yzoen, welchem sie wiederum Baron Alphons direct erzZblt haben soll. Ob der Bemch der Kailerin". fügt er hinzu, die ür sache der plötzlichen Willenswendung Napoleon's war, weiß jetzt nur noch sie felblt.- m r-r Sie Nachtwächter müssen brumme Wie sehr in Deutschland die Ofsiciere bevorzugt werden, ergibt folgende Ge richtsverhandlung aus Hannover: Sieben Nachtwächter, ferner ein Schuhmacher und em Tnchlergeselle, hatten sich am 10. December vor de ersten Strafkammer des Landgerichts zu Hannover zu verantworten, te handelte sich um einen Conflict zwischen ?!achtwäch!ern und Ossicieren, veran laßt durch den Lieutenant der 9!eserve Struckmann. der nÄ durch nen Ctvl listen provocirt glaubte und den Säbel gezogen hatte, struckmann befand nch mit dem Lieutenant Mauve und dem Fähnrich Müller auf dem Wege nach Haue, Es patte sich eine Anzahl Cl vilisten gesammelt, welche sich mißliebig äußerten über das Blankziehen des Säbels. Dle Otuciere forderten den Nacht Wächter Leinemann, einen der Angeklagten, auf, die angesammelte Menge zu zerstreuen. Dies mißlang, und Struckmann zog abermals den Säbel. Dle Ansammlung der Menge ward immer größer, und Leinemann gab ein Nothsignal, auf welches dieNachtwächter Bolschwig und Grimme erschienen. Lieutenant Struckmann versuchte die Msnge zum Ausemanderaehen zu bewe gen und drohte schließlich, auf sie einschlagen zu wollen, welche Drohung er zur That werden lleß, mdem er aus die Menge emhieb. Durch den Anae klagten Sckuhmachergesellen Kümmel ward dem Struckmann der Säbel entrissen. Bei der Verfolgung Kümmels soll Struckmann auf den Leinemann mit semer Tegenscheide emgechlagen haben, worauf dieser ihn für verhastet erklärte. Bolichwlg und Grimme er klärten den Lieutenant Mauve ebenfalls als Arrestanten. Auf ein gegebenes Nothngnal erschienen noch die Anae schuldigten Hornhardt, Schnabel und Meyer. Lieutenant Mauve sah sich da durch veranlaßt, ebenfalls den., Degen zu ziehen. Die Nachtwächter hielten ihn nun fest und führten die Arrestanten aus die Schloßwache Auf dem Wege da hin sollen die Officier: nun durch Schmivfreden beleidigt, und dem Lleu tenant Mauve soll durch den Anae schuldigten Grimme mit der Faust die Nale blutig geschlagen sein. Durch Grimme ist auch dem, Lieutenant Mauve der Degen abgenommen. D:e ange schuldigten Nachtwächter behaupten, sich vollständig in ihrem Rechte befunden zu haben und bezeichnen da Verhalten der Officiere als ordnungswidrig. Die Officiere feien nach threr Ansicht betrun ken gewesen, und sie hätten sich ver vslicktet gesuhlt, die Omciere m Schutz haft zu nehmen. Die Officiere stellen jede Trunkenheit in Abrede doch will Struckmann von dem Beginn deS Borfalls kein Erisserung mehr haben. Der Gerichtshof hielt eine Mißhand. lung und Beleidigung der Officiere für erwiesen und , verurtheilte vier der Nachtwächter zu Gesängnitzftrafen von sechs Wochen bis zu 10 Monaten und die beiden anderen Angeklagten zu tinw .!. v . rrt .T- i - i rezv. orei 2conalei, gefangn!. , , ..njit- !, cx; a a n d t x t fi t Zwei zerlumpte Stromer fehen auf der Landstraße verrjchatten in einer tSoui Page vorüberfahren. Der eine ballt seinen Knüppel. ,D fahrt die noble Bagage und unfereins kann zuschaun! t fr. ,i :i' . M: , i,... ch moazl guten m ganze , Baude um. bringen j .Ach, laz' man, rize-, verumgttyn der andre, 'S find wfc 'r ia oocyenMN! I

ine ChampserWtt.

H?ke von 3. (Siltf n. Meine Herren, mir als neutralem Belgier dürfen Sie schon ein unparteii fcheS urtheil über die französischen und deutschen Frauen zumuthen. denn ich habe m dieier Beziehung m beiden Landern reiche Ersahrungen gemacht. Mag man die Vorzüge der deutschen Damenwelt noch so sehr hervorheben. emS hat die semere Franzöun immer voraus: es ist die romanische Hoheit, die sozusagen etwas Unnahbares in sich schließt und namentlich im oNentlichen Leben stets zur vollen Geltung kommt. Der Sprecher dieser Worte war der ! pensionim belgische Artillerie-Capitän Vanloe, ein etwa fünfzigjähriger Jung geselle, der im Sommer des Jahres 180 in der deutschen Badeflavt ZK. Heilung gegen ein Zipperleln suchte, das er sich auf dem Uebungsfelde von Beverloo zugezogen haben wollte, daS ba, der mächtigen rothen Nase semeS Inhabers nach zu urtheilen, eber der dauernden Bekanntschaft mit fchweren französischen Weinen sein Dasem ver dankte. Die ZuKSrerfchaft deS Cavi läns bestand aus mehrere Badegästen, die mit ihm zusammen im Berliner Hof wobntenund an emem schwulen Augustnachmittag unter der luftigen Veranda des Gasthauses ein Stundchen verplau derten. Nehmen Sie sich in acht mit Ihrem Urtheil über die deutschen Frauen, Capitan. verletzte auf die letzte Erklärung Vanloes hin der zur Gesellschaft gehö rige Ingenieur Kollmann, em lebenö' froher Wiener. Dort kommt gerade der zukünftige ' Schwiegersohn unseres Hospes aus der Küche, wo er seiner Braut ein Eträußchen überbrccht hat. Der wird gewiß nichts auf die deutschen Frauen kommen lassen. Bei diesen Worten trat ein grogel hübscher Mann mik schwarzem Vollbart an die Gesellich ast heran. Es war der tkausmann Miller aus welcher nachstens seine Jugendliebe, das goldhaa rige Töchterlein des reichen Inhabers des Berliner Hofes, heimfübren follte. Bei der Ankunft Millers, der sich zwanglos zu den ihm bekannten Gästen setzte, stockte für einen Augenblick das Gespräch, dann aber fordertendie ZuhSrer VanlöeS diesen auf, sein Urtheil über die deutschen und französischen Frauen zu wiederholen, was der Cavitän denn auch zögernd that. Da hatte e? aber bei Miller den richtigen Mann getroffen. Papperlapapp, Capitän, die franzSsischen Damen sind genau wie die deutscken und von letzteren höchstens durch die Mode zu unterscheiden. Die an ständige deutsche Frau besitzt wenigstens dieselbe Hoheit wie die ehrbare FranzSsin und vergibt sich ebensowenig wie diese. Daß, wie Sie behaupten, die Französin m ihrem Aeußern abgesehen natürlich von Kleidung und Sprache ganz eigenartige Merkmale an sich trage, muß ich entschieden bestreiten. Und doch ist dies der Fall, versetzte der Capitän. Heute Vormittag noch hatte ich Gelegenheit, zu erfahren, daß man die richtige semere Französin sogar aus der Ferne erkennen kann. Ich saß auf einer Ban? in der großen Allee des Kurgartens, als ein Dawenpaar heran kam. Die eine der Damen war eine etwa Zwanzigjährige hohe junonische Gestalt mit großen leuchtend schwarzen .Augen und dunkelm Lockenhaar, der ich schon von weitem die Französin absah. Und richtig, ich hatte mich nicht getäuscht. AlS sie mit ihrer Begleiterin, einer älteren Dame, an mir vorbeikam, hörte ich die beiden das reinste Jranzöfisch sprechen. So drehte sich die Unterhaltung der Gesellschaft noch eine Zeit um die iuternaticnale Frauensrage. als Ingenieur Kollmann sur beute Schluzz dieser Er krterrnz und einen gemeinschaftlichen Besuch des Aschen .Saisont'heaters rorschlug. Die übrigen Herren, auch Miller, erklärten sich hiermit einverftaaben. . und bald brach dle ganze Gesellschaft nach den weilen Garten anlagen auf, in welchen die Musen während der Badezeit in A. ihren Tempel aufzuschlagen pflegten. Letz" terer war ein riesiger Saal mit recht hübscher Bühne, auf welcher Operette mit Lustspiel abwechselte. Heute Abend war das HauS fast ausverkauft' da es sich um eine Wohlthätigkettsvorstellung bandelte. Im Grunde genommen büdete das SaisontSeater das Stelldichein der vqieni" Gesellichait. Emhermizche und Fremde gingen mehr zu zwangloser Unterhaltung dorthin, als um tiefere Theaterstudien zu machen, zumal der qanze Zuichauerraum Mit Tischen ve setzt war und zugleich' als Restauration diente. Als unsere Bekannten im Theater anlangten, hatten sie Mühe, in der Nähe deS Eingangs an der Wand einen Tisch zu erobern; mdetz that dies ihrem Hu mor keinen Abbruch, und bald bildete, wie dies bei ledigen Männern nicht an ders zu warten ist, daS im Saale ver lhellte we:bllchs Element den Gegen stand der Kritik. Der erste Act ans der Bühne war zu Ende, und die nun folgende Pause wurde vom Publikum theils zum Austausch der Ansichten über die genossenen Kunstleistunaen. theils zu kurzer Erholung im Freien benutzt. Auch Capitän Banloe hatte mit seinen Freunden den Theatersaal verlaslen. Bei semer Rückkehr m denselben blieb er plötzlich wie angebannt am Eingang stehen., Sehen Sie dort oben, sagte er zu seinen Gesellschaftern, mitten an der Bühne die große schwarze Dame Es t die Franiozm, der ich heute im Kurgarten begegnet bin. , -Hatte ich unrecht wenn ich behaup tete, daß man ihr die eigenthümliche romantische Hoheit sofort absehe? ; Die Blicke der Begleiter BanlocS richteten sich nach der bezeichneten Sielle. Dort saß. neben einer alteren Dame eine jugendliche, ihre Tizchnachbarmnen weit überragende Erscheinung von seltener Schönheit. Tief schwarzes, frei herab 1 hängendes Lockenhaar , umrahmte ein iliS!!!!!:!!!!1 'Ä M L

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edles, classisches Gesicht, aus welchem ein Paar große feurige Augen fröhlich in die Welt blinzelten. Jde Bewegung deS Mädchens- verrieth Anmuth, und die Freunde des CapitänS waren darüber einig, daß letzterer bei seinen Na tionalstudien keinen schlechten Geschmack entwickele. Trotzdem, erklärte' plötzlich Kaufmann Miller, finde ich in der jungen Dame nichts von einer unnahbaren Hoheit, ja, ich will die Wette machen, daß diese Franzosin mir als Deutschem auf mein Ersuchen chne Umstände hier im Saale

vor der aanzen Geiellichatt einen Kuv gibt. Da? ist Ihnen wohl Ccherz. meinte Vanloe: indeß, wenn Sie sich einmal einen hübschen französischen Korb holen wollen, so habe ich nichts dagegen und wette fünf hlsschen Sect, daß Sie Ihr Ziel nicht erreichen. Gut, d,e Wette gilt. Bald perlte der Champagner in den Gläsern, eS wurde angestoßen und Mit ler erhob sich, um inmitten deS zweiten Actes die Französin aufzusuchen und um emen Kuß zu bitten. VlS dahin hatte keiner seiner Begleiter daran ge dacht, daß die Mette zum AuStrag kom men sollte. Allem der schone schlanke Bräutigam der blonden Gastmirthstoch ter schien die Sache ganz ernst zu neh' men. Mit Wurde brachte er vor dem Wandspiegel Haar und Bart in Ordnung und suchte sich dann, gefolgt von den Augen aller Anwesenden, mitten durch Tische und Stühle einen Weg zu der aluthäuqiqen Gallierin. Endlich hatte er deren Sitz erreicht. Noch einmal warf er einen Blick zu seinen gespannt hinüberschauenden Freunden, dann beugte er sich an das Obr dc? Schönen und einen Augenblick darauf reichte ihm diese ihren Rosenmund zum Kusse dar. Capitän Vauloe hatte sich von seinem Sitz erhoben, sank aber bei diesem Anblick wie vernichtet aus feinen Stuhl zu rück. Noch mehr aber wuchs sein Erstaunen, als Herr M'ller neben der schwarzen Französin Platz nahm und sofort mit ihr scherzte und lachte. So etwas war doch noch nicht dagewesen. Der verlobte Germane hatte du gallische Hoheit sofort Übßrwunden. Vanloe wie seinen Freunden war die Sache ein Räthsel, das auch der nunmehr um so reichlicher fließende Sect nicht zu lösen vermochte. Noch war das Bühnenspiel nicht zu Ende, als sich Miller erhob, die junge Dame am Arm nebst der äU teren Begleiterin, abermals ten Saal durchinaß.um am Tische seiner Freunde mit den Worten zu erscheinen: Meine Herren, ich habe das Vergnügen, Ihnen hiermit meine Schwester Clara Miller sowie die hie wohnende französische Lehrerin Fräulein Telatour vorzustellen. Damit war der Schlüssel zu dem Räthsel gegeben. Clara Miller, die schöne Schwester des jungen KaufmannS, hatte mit ihrer Lehrerin am Morgen desselben TageS im Kurgarten ihre französische Unterrichtsstunde gepflogen und die Dame für den Abend zum Resuch des Saisontheaters eingeladen. Selbstverständlich bildete die von dem Kapitän bekundete tiefe Kenntmg der franzojischen Frauenhoheit den Gegenstand einer längeren launigen NachsitzunZ, an der auch die beiden Da men theilnähmen und bei der Vanloe fast die Frauen aller Nationen ver wünscht hatte. Die sich hieran knüpsende Bekanntschaft der Badegäste mit den Damen hatte übrigens noch ein weiteres Nachspiel, denn wenige Mo nate nachher ging dem inzwischen nach Slntwerpen zurückgereisten Kapitän eine Anzeige folgenden Inhalts zu: Clara Miller Franz Kollmann, Verlobte. Ein Nathgeber für Diebe. Eine fruchtbare Literatur der Lanc, singerzunst scheint im Entstehen beari fen zu sein. In der Themsestadt, dem klasn chen Boden der Vick.PccketS ist unter dem Titel Vademekum für Diebe" ein merkwürdiges Büchelchen erschienen. Unter den Hunderten von Diebsrezepten", welche dort zur Erhei terung, wie zur Warnung mitgetheilt werden, verdient el.eS, da5 gegenwärtig sehr m der Mode sem soll, besonders er wähnt zu werden. ES führt die Ueber schrift: Du Cousine Arthurs-, und iaum: er iev gezeut zzcy einer freundlichen jungen Dame zu. Nachdem die stille Gezellichait gebildet ist, bezerch net der Chef der neuen Firma seiner Genossin den ersten besten ihnen begeg nenden älteren Herrn, dessen Weste mit einer glänzenden Goldkette geschmückt lfl. Die junge Dame" gebt geradeaus auf den Bezeichneten zu. halt ihm ihr fein gehandschuhteS Händchen vor beide Augen und begleitet diese Prozedur mit den schelmischen Worten: Rathe, wer ich bin! Neun Mal in zehn Fälle geht der Herr auf den Leim. Kle mentine!" ruft er. in der Meinung, irgend eine Bekannte vor sich oder viel mehr hinter sich zu haben. .Keine Idee! Alfa Klara oder Sophie?- .Du bist auf der Spur.... rathe noch einmal!" Und während der arme Tropf mit geschlossenen Augen noch sein bischen Hirn zermartert, um seine Erinnerung zu sammeln, hat ihm der Dieb mit aller Gemächlichkeit die Uhr aus der Tasche eskamotirt. Kaum ist die Beute in Sicherheit, zieht die Gk" nossin plötzlich die Hand von der Stirne des Opfers, giebt sich geschickt den Anstrich höchster Verlegenheit und ruft stotternd, während sie das Weite sucht: 0 mein Herr! Entschuldigen Sie tau sendmal. . ..' ich hielt Sie für meinen Cousin Arthur!" Unan g enehm, Theaterdirec. tor: Hören Sie, lieber Herr Stistler, ich kann mein Versprechen, Ihr Stück aufzuführen, leider nicht halten." Schriftsteller: .Ach herrsch ! Und ich habe schon daraufhin geheirathet!" Mancher würde h eira. tben. wenn, er eine Nrau ernähren ! könnte; Viele aber würden heZrathen. I wenn sie eine Frau auch kleiden könnten. .i.;;.iJ!J,. :'H'-H--. -fV - " i ' :

Pariser Humor.

Der Conducteur zu einem Fahraaste, der sich im Nichtrauchercoupe seine Pfnse anzündet: Wcnn Sie hier rauchen wollen, so Zöjchen Sie Ihre PfeiZe aus oder gehen Sie anderswo bin! Em Zufriedener. Ein Trunkenbold taumelt über den Boulevard und monolozisirt: .DaS Geld rch scheere mich den tü fel um daS Geld! Gesetzt schon den Fall, ich wäre Millionär könnte ich jemals mehr betrunken fein, als ich jetzt bin? Die Mittel im Essen. Ein Polizeiagent hält einen zulumpten Kerl aux dem Boulevard an. .Sie vaga bondiren, was?!" Herr Polizist," tammett der Angehaltene, .rch habe seit drei Tagen nichts gegessen." So," fagt der Polizeireaent besänftigt. .Sie haben also nicht dleMittel zum Essen?.Oh ja," antwortete der arme Zm fel, indem er fein mächtiges Gebiß zeigte. Schlagfertig. Ein Strolch schleicht sich an einen Herrn heran und versucht ihm die Uhr zu eScamotiren. Zusällt ger Weiie merit der Herr den Anschlag und packt den Dieb am Kragen. Der Strolch betrachtet mit größter statt blütigkeit die Uhr, die er bereits in der Hand halt, vergleicht sie mit einer nahen Turmuhr und sagt sehr höflich: .Ich hätte doch darauf wetten können, daß Ihre Uhr eine Viertelstunde voraus geht!" Gespröchs-FragNknt. .Aber nein, ich bin ganz und gar kein Menschenfeind. Nur die dummen Köpfe liebe ich nicht. .5Zein Egoist also? Auf dem Boulevard. Aber, lieber Freund, wie siehst du denn aus! Wie kannst du nur diesen apfelgrünen Geh rock tragen ! DaS ist seit dreißig Jahrm nicht mehr Mode!" Laß dir txtlä ren: Meine Frau hat mir geschworen, sie werde nicht mehr mit mir ausgehen, wenn ich diesen Rock anzöze. Liebesscene. Eugen, mit Jeuer: mht Angebetete, für dich bin ich bereit. ' WeS zu opfern: Ehre,Titel und Vermögen. DaS blonde Kind mit Schrecken: .Ja, aber was bleibt denn dann sur mich übrig?" Die zurückgegangene Varthie. Nun, und deine Verlo bung?" .Ich habe gebrochen". Nicht möglich! Eine so gute Parthie!Zweifellos! aber mem Schwieger vate? wollte Erkundigungen über mich einziehen!" Und Tu hast Dich darüber verletzt gesühlt?" Keineswegs! Aber da ich wute. daß er nachher gebrochen hätte, habe ich vorgezogen, vorher zu brechen, das ist würdiger.- Ursachen der Kahlköpftgkeit. Taupin besitzt eine umfangreiche Glatze und erklärt ihre Entstehung folgendermaßen: Das ist sehr einfach! Als ich jung war und meine Frau hinterging, riß ich mir die Haare aus." Eisenbahn Unfälle. .Nach den Angaben der Statistik sagt Jemand, werden immer die ersten und letzten Waggons am Schwersten getrofsen." So laffe man sie doch weg!" bemerkt treffend Calino. Im weiteren Verlaufe desselben Gespräches nimmt Calino abermals das Wort und er klärt, daß er mit Rücksicht auf die Häufigkeit der Eisenbahn Unfälle, nur mehr auf emem Bicycle reisen wolle. Aber, wird ihm erwidert, auch bei diese Fahrzeugen kommen Unfälle vor.- Mag sein. . . mag fein. . antwortete Calino, .aber die Bicycle. Unfälle sind weniger verhängniSvollc. Es gibt in keinem Falle mehr, als ein einziges Opfer." Von Calais nach Dover. Auf dem Deck eines Cteamers, welcher von Frankreich nach England dampft, tritt ein Herr zu einem anderen Passagier und sagt, um irgend eine Conversation anzuknüpfen: Der Herr macht die Ueberfahrt über den Canal. Und Sie auch, wie ich vermuthe?" Äuskunstsmittel. - Tu weißt schon, wen ich meine. . . .Ein kleiner Blonder, der einen Bruder im Ministerium hat. . . . Der Stame fällt mir im Augen' blick nicht .Nun, so sag' öoch, wie sein Bruder heißt ! Dreizehn. Also für Montag es bleibt dabei! Aber wir werben Dreizehn bei Tische sein. Hoffentlich erschreckt Sie das nicht?" Das hängt davon ab? Wovon? Vom Tmer." Vom Paßwesen, wie e $ hier und da in der guten alten Zeit sich gestaltete, gibt ein Vielgereister an eigenen Erlebnissen folgende? zum Be sten: .Zu Schaffhausen, als ich schon die halbe Nheinbrücke passtrt hatte, lief mir ein Thorschreiberlein nach mit dem Rule: Herr, hier müsset Sie Ihre Paß visiren lasse! Ich aber kehrte mich trotzig um mit den Worten: Was fällt denn Ihnen ein, ich hab' gar keinen Paß" (was auch wirklich der Fall ge weien); worauf die Antwort des hs troffenen SchneioerleinS war: Ja, das ist was änderst; reiset Sie glücklich ! Weil man mir sagte, in Ulm wurde ich nicht leicht ohne Vaß durch das Thor gelassen, so griff ich schon vor der Stadt den nächsten besten Soldaten au?, gab ihm mein Bündel zu tragen und ginz neben ibm her. Aus das Anrufen der Wache hieß eS : Laßt ihn gehen, KM a Landsmann." Nichts leichter, als mit solchen und ähnlichen Keckheiten einen armen Teufel zu überrumveln. In Salzburg einmal, wo der Tfor schreibe? nicht Lust hatte, mich durch;, lassen, sagte ich. da ich kein anderes Mittel mehr fand: Hör Er, Er ist em Esel!" worauf der erschrockene Thorschreibe? mit tiefem Bückling zurücktrat und demüthig sagte; ist Alles rich. tig, Ihr Gnaden!" A fa m o seS D i n g. Etro mer: So a Gefängniß is doch a famo. stA Ding! Kommt ma im Sommer nein, is 's schö' kühl drin, und kommt ma im Winter nein, is 'S schS warm drml" Im Examen. Professor: Sagen Sie, Herr Kandidat, Sie kennen doch die Briefe des Paulus an die Evheser? Kandidat: Jawohl, Her? Professor. Professor : Was waren die Epheser?Kandid2t: Die AdregUei ! Herr Professor! - " i

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