Indiana Tribüne, Volume 15, Number 105, Indianapolis, Marion County, 3 January 1892 — Page 7

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5o:t f inric Kaa. Man v e i h c i v a t h e t e sich nicht ruh r. Der Erwerb :?ar den Männern nnmr. schwieriger geivsid.'::. Die Srauen achIttax drzsen "nicht. Sie erkannten auch nicht mehr die gcfcUschaftlichcn Unterschiede des Standes, der Geburt, der (5rzickiung, des Vermögens an. Die Genußsucht hatte unter ihnen eine ctoene Demokratie zur Herrschaft gebracht. All: Unterschied glaubten sich berechtigt, dem Luxus in Reicher Weise fröhnen zu dürfen. Und dieser Lurus kannte keine Grenzen. Die letzte Ehe war im Jahre 1880 geschloffen worden. Die Braut rühmte sich verführerischen Reizes. Der Schönsten Eine war sie nntcr den bezaubernd schönen Frauen des zWanziZÜen JzhrHunderts. Wenn sie ihre schimmernden pjaien Augen anfschlug, erbleichten die Männer vor Entzücken. Ihr Gang beseelte den Raum. Und da sie sprach, schienen sich die Worte in ihrer Stimme zu vermählen. Mit dieser wonnigen Stimme heischte das engelhafte Mädchen, bevor sie zum Traualtar schritt, von ihrem Bräutigam: einen Palast in der -" i . 1 ,"Vs ...ii. or, cer ayr für aqr um r.aicm köstlichem Hauörathe ausgestattet Werden mußte, darin eir; champtelhaus, im dem die ersten Künstler der Welt spieJ . m c i. r ' C

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die waren schon seit Jahrzehnten leyr veliebt den Schmuck einer Königin ! Liebestoll willigte der Bräutigam in Alles. Mit einem selbst damals uncrhörten Prunke urdc die Hochzeit gefeiert. Im ersten Jahre der Ehe folgte Fest auf Fest. Am Ende dieses Jahres mal der reiche Kaufherr zum Bettler geworden. Er erschoß sich, während im Palmenwalde seines Lnsilandhaufes eine rauschende Musik ertönte zum Ohrenschmause einer erlesenen Gesellschaft, deren vielummorbenen Mittelpunkt sein holdseliges Weib bildete. Als man ihr die Todesnachricht aerographirte, beauftragte sie ihre Zofe, ihr sechs Dutzend Trauerkleider zu bestellen, fcjc sie genau befchrikb. Dann tankte sie roeiter. Dieses Ereigniß hatte tiefen Eindruck gemacht. Schon vordem war die Heirathsnnlust der Männer eine große gewesen. Nun wurde sie unüberwindlich. Keinem schien es mehr ein mühewerthes Ziel, die Gründung eines eigenen Hausstandes anzustreben. Und damit verlor die Zukunft, die unser Edelstes entwickelt, allen Nei; für die Menschen. Sie lebten blos in der Gegenwart. Und sie sanken stetig, unaufhaltsam. Vom Augenblicke verlangte man den höchsten Genuß. Man suchte ihn im Trunk, im Spiel, in thierischen Ausfchrzeifungm. Die Häuser ehrbarer Familien verödeten. Allmälig ging auch die moralische Kraft, die die Bethätigung des Erwerbssinns erfordert, zu Grunde. Handel und Gnvcrbe stockten. Nothstand trat ' ein und Diebstahl und Betrug nahmen erschreckend überHand. Die Missethäter zu zählen, hatte man aufgegeben. Man machte es umgekehrt. Man zahlte die Leute, die ehrlich geblieben. Das raubte n?eniger Zeit. Tief bekümmert sahen die Staatsmanmx diesem Treiben zu. Sie wußten keineu Rath. Von den Vorschlagen, die usgctancht waren, hatt keiner einer eingebenden Prüfung, n?iderstanden. Die Menschheit schien ta Untergang c:ociht. w Da kam eiü Wcltmeifer, SophuS i heißen, den Staatsmännern -zu Hilfe. Er schlug vsr. jeden Pann. der über das L t. Jahr seines Lebens hinaus unverehelicht bleiben wollte, mit schwerer Aiche zu belegen. Nur waö er jahrlich zu des Lebens Nothdurft b'cnöthigte. sollte ihm bleiben, AlleS.darübcr dem Staate verfallen. Nur zögernd und bescheiden hatte So3?Irns seinen Vorschlag entwickelt. Mit Freuden nahmen ihn die Staatsmänner auf. (5r selbst hatte erlkche.t Zweifel an seiner Zweckdienlichst Ausdruck ges geben. Die Staatsmänner aber hatten ihm b?cescn, daß jedes feiner Bedenken unbegründet sei. Die Iunagesellenstcuer so nannte man die Buße wurde Gesetz. Am Ersten des kommenden Monats sollten vom Thurme des AmtshauseS in Zwlfchcnrauwen von je einer Stunde drei Schläge er: fchaVcn. Wenn der dritte Schlag erscholl, mußte jeglicher Junggeselle, der das Vierundzwanzigste Jahr erreicht, int ' ÄmtLhaufe erweiseu, baß er eine Braut erkoren, sonst aber die Buße erlegen. Wer beides unterließ, wanderte in den Kerker. Das Yeietz verursachte gewaltige Erregung. Die Frauen frohlockten vor . Schadenfreude. Die Männer schäumten vor Ingrimm. Mit teuflischer Bosheit, erklärten sie, fei das Gesetz erdacht. Denn roer die Buße bezahlte, der mus;:e fortab verzichten auf Alles, waS das Leben begehrenswcrth machte : auf die schwelgerischen Freuden der Tafel, auf die verzehrende und doch so heiß gesuchte Aufregung deS Spiels und alles Uebrige. Wer sich aber der Buße entziehen wollte, dem drohte, was im Laufe der Zeit zu einem Schreckgespenst geworden war, maS das Grab alles Mäimerglücks bedeutete, dem drohte die Ehe! Die Gährung wurde stärker von Tag zu Tag. Die Herrschenden kümmerten sich nicht darum. Unter wilden DrohuNgen verlangte man von ihnen die Aufhebung des Gesetzes. Das verwei gerten sie standhast. Da brachen Auf yänbe aus. Sie wurden unterdrückt und ,' Rädelsführer aeköpft. , Eine ruhigere Stimmung schien einzukehren. Da erstanden welche, die es für gerathen erklärten, daß Alle die Bu: t erlegten.' Denn nicht um Geld sei es den Machthabern zu thun, sondern um die Ehe. Und rocnn Alle die Buße erlegten, so würden die Machthaber erkennen, daß sie durch das Gesetz ihren eigentlich en Zweck nicht erreichen könnten, und würden es aufheben. Tiefer Meinung stimmten Viele zu. ' Bei Anderen aber entfachte sie Erbitterung auf's Neue. Sie verdächtigten die Leute, die solchermaßen gesprochen, als Söldlinge derMachthabe?. Denn. wer dii.Buße

erlegte, sagten sie, dem stand ein freudeloses Leben bcvor,das ihn zu allem gefü: gig machen sollte, auch dazu, sich gutwillig dem Joch der Ehe zu beugen. Und sie riethen neuerlich, zur Gewalt zu schreiten. Schrecklich war der Anschlag, den sie im Sinne hatten : die Ermordung aller Mädch,. Aber der Muth war gefunken. Und die Anstifter selbst erblaßten, als sie ihren Gedanken ausfprachen. Schrecken und Zorn, Haß und dumpfe Verzweiflung folgten einander in den Gemüthern der Männer. So rückte der Erste des Monats heran. Das Schicksal der Welt mochte abhängen von dem wahnwitzigen Einfall eines verthicrten Verbrechers. Niemand wußte, wie der große Tao nden würde. Ein herrlicher Morgen war angcbro chen. Goldiges Sonnenlicht hüllte die Erde in einen Purpurmantel ein. Sie erstrahlte in königlicher Schöne. Es war der Tag, an den: die Jung, gefellensteuer bezahlt werden mußte. Da kamen sie hervor aus Schankcn, Spielhöllen, verrufenen Häusern müde, bleiche Gesichter, aus denen jede Leiden fchaft ihre Spur zurückgelassen, manch Einer mit einem frechen Lää)eln auf den Lippen, wie es der Nachgenuß sündiger Freude erzeugt, das Auge glimmend in fieberhaftem Fruer, schlotterigen Ganges. vor der Zeit gealtert das waren dik Männer dcö Jahres ' Eintauscndneun: bundcrtachtzigundsicbcn I J:un:cr zahl' reicher wurden sii, je höher die Sonne flieg, immer zahlreicher, und endlich war e? ein unüberfchbatcr Zug, der schreiend, schimpfend, tosend hinauswallte zum Amtshause. Auch sie beschien die Sonn, des Frühlings. Einer erhob fraze-td seine Stimme. .Was werdet Ihr thun, Brüder, He?" . Zahlen!" erwidclten Einige aus der Menge. Zahlen!" spöttelte der Fragcr. Warum nicht lieber cit' Wciblcin nehmen, wie die Gewaltigen il verlangen? So ein süßes Weiblein, das Euch mit den Fingerlcin die Acugelein auskratzt, wenn Ihr zu spat nach "Hause kommt? Ein treues Wciblein nehmt, das Euer Hab und Gut vor Schaden bewahrt und es darum in ein paar unzerbrechlichen, kostlichcn Steinlcin um das Hälslein legt! Dummköpfe, die Ihr seid! Seid Ihr blind gegen Euer wahres Glück?" , Und er stimmte einen Gassenhauer an, der damals entstanden. Nchmt Euch ein Weiblckn, gebt Euch zufrieden ! Nur die Ehe bringt Glück hienieden!" Mit rauhen Stimmen triederhdcroltc Ehor: Nchmt Euch ein Wciblein. gebt Euch zufrieden ! Nur die Ehe bringt Glück hienieden!" Älndere setzten fort : Sonst ist Alles verderblicher Wahn ! Und der Erste schloß : Dcnn zu der Henne gehört der Hahn! Mit wildem Geheul siel der Chor ein : ,Dcnn zu der Henne gehört der Hahn!" So war die Spitze endlich bei der Git-

terthür angelangt, die zum Garten des Amtshaufes führte. Da blieben die Vordersten plötzlich stehen. Der Zug gerikth iN Stocken. Ein Gefrage, ein Gerufe, ein Ge ch impfe! Was giebt's?" Die Thüre öffnen!" Vorwärts I" Hat sie der Schlag ge troffen!" Stoßt sie nieder! Aber d i e rührten sich nicht. So tra ten die Nachrückenden zu den öeihcn, an die tzeiU Ihrer Vordermänner. )er Zug löste sich auf. Die Leute reihten sich dem Gitter entlang, neugierig, die Ursache deö plötzlichen yllitandeS zu ergründen. Tc.S war begreiflich genug. Denn in dem weitläufigen Garten, dn das Amtshaus umgab, war eine Blumenpracht seltenster Art zu schauen: - n s ... opf an Llopf !N ungeyeurer 'ccnge iujr wandelten hier die reizvollsten Mädchen Trunken blickte das Auge auf dicfcs heilige Meer der Schönheit, auf diese Wogen goldigen, braunen, tiefschwarzen Haares, folgte diefen Bewegungen von bezaubernder Anmuth, schwelgte in dem Anblicke Dieter coelgeformten Wangen, dieser feingeschwungenen Lippen. Tiefe Stille war eingetreten in den Reihen der Männer. Und halb verwundert, halb beklommen, fpottisch und mitleidig, siegesgcwlß und dennoch traurig blickten die holden Jungfrauen auf die blassen ver fallencn Gesichter, die an die Gitterstäbc gepreßt, lautlos auf i. starrten Die Manne? aber gedachten dabei mit Ekel jener liallchen Dlrnen mit den qeschminkten Wangen, den schwarzgeranderten Augen in deren Umarmung sie vor ein paar Stunden der Liebe höchstes C .i ... Slua zu nnoen verincinren. So verrann eine Weile. Der erste Schlag erscholl. Doch keimr hatte noch d:n T?eg zun Amtshaufe betreten. 41 Sie waren schon längst dem Zuae flj res Herzens gefolgt und eingetreten und r r l r T r . . r ingezunien oen mmmtlscuen vzone zu Füßen. Aber sie schämten sich vor einander. Und die Hoheit der Unschuld r t . i . ia)ua)rene ye em, c, oie vlszer vlos oa Laster gekannt. Da rief der Frechsten Einer: Was stehet Ihr und glotzt? Da wn Alles genauen, warum nicht auch die Un schuld V Muß ein eig'ner Reiz sein! Will es mal verkosten ! " , Aufrechten Hauptes.,, festen Schrittes trat er in den Garten. Da kreuzte eines ver Uetmchen Mädchen jemen Weg, blieb stehen und lab ihn an. und nun be merkten die Anderes die ihm mit ver zehrenden Blicken gefolgt waren, wie er sein Haupt senkte,' wie er an Haltung verlor. Verlegen ' stand er da, reines Wortes mächtig. , Dann sahen sie es zucken , in , seinem erbleichenden Antlitz, eine gewaltige Bewegung schien in ihm zu kämpfen. Einen Augenblick noch und der verthierte Mensch' sank hin und küßte demüthig . schluchzend den Saum ihres Kleides. , ie aber reichte ihm die Hand und in himmlischer Rührung erstrahlten f :' l:"'!'i:''lM; -i' . " .- 'hre Zuge. . , Das loste den Bann. . wie der Uunke auk der Zündschnur, t

scabfls zagte die Rothe der Scham", der Zerknirschung. der Neue über diese blassen Ge? sichter. Und sie stürmten in den Garten. Und ein L.ebeSwerben begann, wie eö die Sonne nie geschaut. Demüthig, wie die Sünder den Heiligen, huldigten diese gesunkenen Männer der Unschuld der A!adchen. Sophus aber, der von einem Altan aus mit den Machthabern dem Schauspiel zugesehen, verlor jetzt allen Zweifel. Und als nun ein reiner Ehoral sich in die Lüfte erhob, doppelt erschütternd, weil rauhe und ungeübte Kehlen ihn sangen, da'iberinannte'sie die 'Rührung. Thrük len ent stürzten ihren Augen. Der ;weike Schlag erklang. Die Menschheit schien gerettet. e Da stürzte plötzlich ein Mann aus der Menge mit aufgeregten Mienen, dem Amtshause zu. "Einer der Machthaber ries ilm an : .Wohin, mein Freund?Hinein! Da hinein!" lhtd warum?" Diese Gauklerin mit den reinen Zu gen !" antwortete der Gefragte, sie hatte mein Her; bethört ! Wir verlobten uns. Als ich ihr aber voll seliger Freude zu schildern begann, wie ich fortan alle meine Kräfte zusammenraffen würde, um das Glück eiiics bescheidenen Hauöstan: des zu begründen, da unterbrach sie mich höhnisch i Für einen bescheidenen" Hausstand wurde ich nicht erzogen!" Und sie kehrte mir den Rücken. Bald kam ein Zweiter, ein Tritter mit ähnlicher Meldung. Dann kamen sie auf einmal zehn, hundert, taufend ! Und alle erzählten sie bebend vor Entrüstung, daß jenen Holden, Schönen, Reinen die Ehe nur als Mittel galt, um sich den Lebensgenuß in jeglicher Form zu sichern. Der Gatte sollte sröhnen in markzehrendcr Arbeit, damit er seinem Weibe Tand und Flitter schaffen, damit sie in knisternder Seide einhergchcn, damit sie sich ergötzen könne an aller Lustbarkeit. Die Zornader schwoll den Männern, da sie davon sprachen. Und verzweifelnd sah SophuZ, wie dei Zug sich wieder scrmte und langsam dem Amtshaufe zustrebte. Noch einen Augenblick und der drittl Schlag erdröhnte und Alles war ocrloren ! Da aber geschah etwas Unerwartetes. Mehr erstaunt, als verlegen hatten die Jungfrauen den Eindruck beobachtet, den ihre Worte ans die Männer gemacht. Denn sie waren sich keiner Schuld bcwußt. Ihre Rede entsprach ja dem, waS man sie von Kindheit an gelehrt. Richt berechnende Selbstsucht die Unreife halte aus ihnen gesprochen! Mit dem Jnstink.-e ihres Geschlechts erkannten sie aber nun sofort, wie ungeheuer der Verlust war, der ihnen jetzt bevorstand. Wie eine Offenbarung üb: kam es sie : Alles ist eitel und nichtig, nur ein Gut gibt es. nur ein Glück! und das ist die Liebe! Allgewaltige Sehnsucht ergriff sie und wandelte sie jählings. Der dumpfe Friede des jungt fraulichen Herzens war dahin, auf im mer dahin. Unruhe erfüllte sie. Jhke Seelen ächzten unter dem Anstürme der Leidenschaft. Der Ausdruck ihres Ant litzeS war ein a lderer geworden. Keine Spur mehr von unschuldvollcr Hoheit. Mit unrvide'rstehli6)cm Zauber blickte auS diesen sehnsüchtig umflorten Augen daS iicbcbedürftige Weib. . . . Noch einmal wandten sich die Männer um. bcsor sie die Schwelle des Amtl?aufcs überschritten. . . . Sie wollten Abschied nehmen von dem holden Bilde, das ihnen eine so schmerzliche Enttäuschung bereitet. . . . Da bemerkten sie jene Wandlung Und die gewaltige Beredsamkeit, die ihr immer inncgewohnt, überzeugt? die Männer in einem Augenblick, daß sie den Mädchen Unrecht gethan. Und als der dritte Schlag erdröhnte, lag das AmtShaus öde, aber die Standes ämter wurden gestürmt. Sie Ideale elneö Vlwdett. In der Straßb. Post veröffentlicht ein Herr Heinnch nlnet, der das Unglück hat, von Kindheit an blind zu sein, ein Zveuillecon unter der Ueberfchrift: Die Ideale eines Blinden." Wir entnehinen dielen Ausführunaen Folgende "Schon oft' ist von theilnchmenden Freunden die bedeutungsvolle Frage an mich ergangen: Welche Ideale machen sich dieÄlinden und wie denken sie über das ganze irdische Wesen? Ich will es vcrluchen, der Welt nnigen Aufschluß über diese Empfindungen an der Hand meiner Lebensbeschreibung darzulegen. DaS Gefühl und der Geist sind die Augen eines Blinden. Ich glaube wohl, daß jeder große Geist im Stande ist, Licht aus Nach! und Nebel hervorzuru fen ; aber die Ideale eines Blinden sind nicht mit denen eines Sehenden iu ver gleichen. Da. wo das Augenlicht fehlt, arbeitet der Geist mit doppelter Kraft. wenn er aufgeklärt wird. Beginnen wir nun mit der Erziehung eines blinden Kinde?. Ein Kind, welches das Licht der Welt nicht kennt, muß so bald als möglich zum Lernen angehalten werden, denn der kleine Geist lrrt wild in der Dunkelheit umher. Er ist für Alles cmsanglich, so daß er, wenn er mcht ausgeklärt würde, ohne Zweifel dem Wahn, sinn verfallen müßte. Er muß Zerflrcuung raocn, oamlr er nicht Mstnoe, sich an werthlosen Dingen aufzuhalten. JA erinnere mich, datz ich als Kind Kieselsteine in die Höhe geworfen habe. mit der Absicht, die Sterne ,u treffen. Ich machte ost Gänge im Kreise berum und glaubte Karoussel zu fahren. , Von solchen Anfängen der Blödsinnigkeit soll man ein Kind so sort abhalten; denn je mehr der Geist darüber nachgrübelt, desto incgr nnro er lrregesunrl. Als ich später etwas mehr aufgeklart war, nahm ich zwölf Kieselsteine, von denen der eine immer aröüer oder ander gestaltet war als der andere. Ich nannte ,ie nach den zwölf Söhnen Jakobs: Nuben, Simeon u. s.w. ; ja. es kam so weit, hrtte trsi rtsftitsit Wr "3:.Ijk 2-.."f' ""v A", witinc iuuicii ic bende Geschöpfe. Durch diese Besckäf tlgung und durch Nachgrübeln über Pert . t , ' , . . . ... r oiicn, von oenen ly gehört hatte, wurde 1 J ..! i f. t . . ' '. y9 wcu Zrregetette datz ich mireme

anMijaaja

Zeit lang einbildete, Joseph, Vr Söhn r r fT r. C i.

'iaroos, zu in. ooau? eine oerarilge Phantasie in dem Geiste eines blinden Kindes eingewurzelt ist, kostet eS viele Muhe, die uverlpannte Traumere; zu verscheuchen. Später, als ich erfuhr, daß unter uns auch Menschen lebten, grub ich mit der Absicht in die Erde, nncy nach Aegyxten, welches Land ich an der entgegengesetzten Seite der Erde vermu thctc, durchzuarbeiten. Von Norwegen und Schweden erfuhr ich, oan es dort tast das q::e Jahr wintere. Hierdurch machte ich mir wahrhaft schreckliche Be griffe von der Trostlosigkeit des betreffenden Landes, so daß ich mir die dort lebenden Menlcyen als Barbaren und das Land als eine Schnecwüste- stellte....Ueber die Vorstellung, die der blinde Verfasser vom L'cht hat, erfahren wir aus seinen Ausführungen : Ueber das Licht kann ich der Welt nicht viel erklären, es ist mir ein fremder Schmuck, dessen Glanz ich mit Worten bewundern, aber nicht schätzen kann. Ich vergleiche es mit einer süßen Menschcnstimme. So wie eine wohlklingende Menschensiimme dem Ohr gefällig ist, mag auch das Licht die Augen ergötzcil. Ich begreife wohl, daß, sobald daö Licht zu scharf wird, auf das Auge ungefähr dieselbe Wirkung hervorgebracht wird, wie durch einen grellen Ton auf das Ohr. So ist es auch mit dem Gefühl. Wenn ich einen glatten Gegenstand befühle, z. V. Glas, Kristall, feines Pa. picr u. s. w., so ist dieses meinen Fingern angenehm; ist aber die Glatte zu sehr ausgcschlisscn, dann können die Finger nicöt la'lge darauf weilen und es zuckt in den Nerven. Daher begreife ich auch recht wohl, daß das Angc eine große Kraft in sich bergen muß, um das Lichl zu ertragen und außerdem noch die vielen Farben, die ich mir nach den verschiedenen Tonarten der Musik vorstelle. Du große Menge von Farbenmischungen stelle ich mir auf' ähnliche Weise vor. Doch das Auge deS Sehenden lockt die Phantasie nicht in dem Maße, wie das Gefühl bei den Blinden. Eines Abends stand ich in unserem Garten, von welchem sich nur wenige Schritte entfernt ein kleines Waldchen befindet. Es war ein fchöncr Aprilabend, ich fühlte kaum die Wärme der im Westen sinkenden Sonne. Die blühenden Baume verbrcitcten einen labenden Wohlgeruch. Du Luft war äußerst mild und weich, und nicht weit von mir flötete eine Nachtigall. Ich stand tiefgerührt; vor mir lag da Bild einer Natur, die ich mit den Augen des Leibes zwar nicht febcn konnte, deren Bild aber mein Geist sich geschaffen hatte, wie sie vielleicht noch kein körperliches Auge gcfehcn hat. Aus der Wärme der sinkenden Sonne schöpfte ich mir ein Bild ihrer Strahlen, von denen i so oft mit Bewunderung gelesen. Ich jah vor meiner Seele ein Bild der sinkenden Sonne entstehen. Durch das Dusten der Bäume entstand in meiner Phantasie ihr üppige.? Grün. Die zarte Luft fächelte gleich einer melodischen Engclsstimme geheime Weisen an mein Ohr. Das Flöten der Nachtigall lockte eine tiefe und lebhafte Bewegung in meine Seele. Ich glaubte, der gane Erdball müßte sich urplötzlich in ein Mecr unaussprechlicher Wonne getaucht haben. Alle Wesen erschienen mir mit herrlichem Glanz umgeben. Mit einem Worte, die Schönheit d?S Augenblicks hielt meine Sinne in H3' hcrer Begeisterung, ac fangen." uiv jy keUlier. Das Fest, das ein beliebter" Wiener Berem m einem großen Restaurationspark veranstaltet hatte, war vorüber. Der Park hatte ,sich geleert nur die Kellner waren zurückzebliebem. Im Mondenfcheine räumten sie die Tische b und besprachen dabei den Verlauf des festes; em er aber es war em Zahlkellner seufzte fchwermüthig, und als die Eollegen it)n theilnehmend um fein Leid befragten, erzählte er ihnen eine traurige Geschichtet Dort an dem Tische in der Ecke sei zu Beginn des Festes ein junger blonder Mann mit einem Zwicker und einer blauen Kravatte gesessen und, habe sehr nobel gegelsen und getrunken; 3 Gulden 20 Kreuzer bätte seine Zeche ausgemacht. was ihn gar nicht interessirt zu haben Qmxc, denn ohne ncy darum naher ivl erkundizen, sei er plölich verschwunden und nicht mehr gekommen. , Am nächsten Tage stand im Jnseratentheile eineA Wiener, Blattes folgende Än. nonce: Jener liebenswürdige jung, Herr, blond, mit Zwicker und blauer ravalte, welche vorgestern im ... . Parke dem Feste des.... Vereins bei wohnte, wird von der Dame, mit derer Blicke wechselte, um ein Wiedersehen gebeten. Morgen tt Nhr Abends unter der Uhr am StevhanZplatz"., Mor gm um halb 6 Uhr stand unter der Uhr am Stephansplatz richtig ein junger blonder Herr mit Zwicker und blauer Kravatte und starrte in das Menschengewühl, indem er mit glercher Nezelmäßigkeit den Kopf bald von der Känhtnerstraßezur Rothenthurmstraße und wieder zurück wandte. " Plötzlich klopfte ihm jemand auf die Schulter; er wendet, sich um und sieht einen bescheiden -aussehenden ;; älteren Herrn. Hm," sagt der zunge Herr und zieht die Augenbrauen in die Höhe, der ältere aber lüftet äußerlich höflich den Hut und entgegnet: .Euer Wohlbego reu scheinen Mlch nicht mehr zu erkennen; ich bin ja der Zahlkellner vom. .. Park! Würden Euer Wohlzeboren nicht die Liebenswürdigkeit haben, mir meine 3 Gulden 30 Kreuzer sammt 0 ttreuzer Znsertionsgebührm zu bezahlen?" Der junge Mann ließ abermals ein Hm" hören, aber es war in einer anderen Tonart ; dann zog er feine Brieflasche, und nach einem kurzen, aber sehr intimen Gespräch treinten sich die Bei den. Der junge Herr schien nach dem Abschiede nicht sehr gut gelaunt, das Gegentheil konnte aber von dem älteren, dem Zahlkellner, behauptet werden, der sich mit einem seelenvergnügten Gesichte in den nächsten Stellwagen setzte; die List war gelungen, i ' , 1 1 ; . ; ;' V-'.y: tä, . Wucher ist bas Prinzip einer un berufenen Bestrafunz der Schuld.

ZornS Mlnna. Eine walztt Humores! von V. Sndr.

ES gibt noch gute Dienstmädchen, ja sogar vorzügliche, versichern Herr und Frau Professor Zorn, wenn sie ihrer Minna gedenken. ZornS Minna war das Ideal einer Haussee für Alles. DeS Herrn Professors Röcke waren stets sauber und tadellos gebürstet; seine Hauszchuhe fand er behaglich tv wärmt, wenn er im Winter durchgefro ren nach Hause kam, während daö Glas Wasser, welches er regelmäßig vordem Zubettgehen zu trinken pflegte, im Sommer, wie er es liebte, frisch vom Eis kam. Was ihn aber noch mehr entzückte : auf feinen Papieren und Acten ließ Minna in ahnungsvollem Verstände niß den Staub ungehindert liegen; nie machte sie auch nur den leisesten Versuch, herumliegende Manuskripte zu ordnen oder gar dcn Schreibtisch auszuräumen. Desto eifriger war sie in der Säuberung aller anderen Hausgeräthe. Groß Reinmachen" war ihr ein Hochgenuß und 9!?, Waschen thu ich zu jerne" ihre Devise. Ihre höchste Kunst bestand jedoch im Kochen. Noch heute gedenken Zorns mit stiller Wehmuth der von Minna zubereiteten Roastbeefs und Filet-Braten ; ach, und bei der Erinne runz Minnas Apfelspeise gehen dem guten Professor die Augen über. Hiermit sind jedoch die Duzenden des braven Mädchens noch lange nicht erschöpft: Minna stand nie unten". Weder Civil noch Militär waren im Stande, ihr Herz höher klopfen zu machen. So dumm," pflegte sie zu sagen, zn's Hei rathen habe ich noch Zeit, wenn ich alt bin, da ist eS manchmal janz jut, wenn man en Anbalt hat, aber vor de Vierziz janz jew:ß ich." Das war ein grdßer Trost für ih Herrschaft, denn Minna zählte erst dreißig Lenze. .Aber noch ein zweiter Umstand schien, der Verbündete ihrer stillen Hoffnung zu sein, den Schatz Minna noch recht lange ihr eigen zu nennen. Da es nichts Vollkommenes auf dieser Erde gibt, war die an Tugenden so Reiche arm an äußeren Rei zen. DaS dünne, strohgelbe Haar, die knallrothen Backen und Arme, dazu die wasserblauen Augen und der fehr breite Mund konnten fchon bescheidenen An. sprächen kaum genügen. . Nun aber die Zähne! Schon als Minna zuzog", waren sie lückenhaft, und nachdem die Gute fünf Jahre lang das Glück des Zorn'jchen HauseS erhöht hatte, zeugte nur noch eine hohle Säule von ver .schwundener Pracht-. Zum Unglück war aber unser Pro fessor Aesthetiker und konnte den Anblick nicht ertragen,wenn MinnaS Mund sich zu einem holdfelizen Lächeln verZog. Und Minna lächelte häufig, denn sie hatte es fehr gut bei Zorns. Bei der Frau Professorin war zwar der Schönheitssinn nicht ganz so entwickelt wie beim Herrn Gemahl; aber es berührte sie peinlich, wenn Minna das Essen kostete, und dann, m jede tüchtige Köchin, mit demselben Löffel wteöer darm herumruhrte. Beizer falsche Zähne, als gar keine, dachte sie, es sieht doch gar zu unappetitlich aus. So faßte sie sich denn eines TageS ein Herz Minna war nämlich sehr empfindlich und' versuchte ihrer Küchenfee zart anzudeuten, das; es für die Gesundheit schädlich sei, so ohne Zähne zu sein, und daß die Verdauung darunter litte. Minna war indessen anderer Ansicht. Sie streifte ihren Aermel auf und sagte, stolz ihren runden Arm präsentirend: Wer noch so 'ne Arme zum Arbeiten hat, dem schmeckt ooch's Essen, un der verdaut ooch jut. Frau Professor sind jegen mir a man en Hennech:n, un haben den ganzen Mund voll Zähne." Dagegen ließ sich nun freilich nichts einwenden, und somit war die Debatte für diesmal geschlossen. .Nach einiger Zeit jedoch versuchte die gute Prosesso rin ihr Heil von Neuem. Diesmal wollte sie ihre Sache schlauer führen, indem sie an Minnas weibliche Eitelkeit, avpellirte: Sie sind doch noch so junz," Minna," begann. sie eines Tagesheimtückisch, und, daß ich's nur grad' herausjage, ein hübsches, frisches Mad chen," : selbst eine Lüge scheute die sonst so brave Frau nicht, um ihr Ziel zu erreichen Minna lächelte geschmeichelt. Es ist doch schade,- fuhr die Heuchlerin fort, daß Sie bei Ihrer Jugend schon so zahnlos wie eine alte 'Frau sind, und fchön sieht es doch nicht ge rade aus," fügte sie leise und zaghaft hinzu. .Auf Schönheit bin ich auch zar nicht aus. Frau Professor," meinte Minna küdl. Vor mir un vor Andern bin ich noch lange frisch, so wie ich bin." Die Professorin empfand den Hieb. Indessen fuhr Minna, welche das Lob ihrer Jugend und Schönheit doch nicht ganz unberührt gelassen hatte, in nachdenklichem Tone fort: Freilich, seit de Aujuste von Schulzens drüben sich hat Zähne einsetzen lassen, hätte ich ooch ferne welche. Wat en Mädchen von so 'ne Leute kann, det können wir ooch noch. Un ich will auch jar ich un jelogen sein lassen, daß ich schon bei den Zahndoctor jercesen bin. was de Aujuste ihrer is. Er meentelber, die Aujuste HUte blos fünf Zähne UN ich müßte en janzes Ober-Jeblß haben, un des könnte er unter fechzig Mark nich machen. Sechzig Mark, Du lieber Himmel! da, for muß UnsereenS lange .schwitzen." Des kann ich aber for Zahne nich aus jeden.- ' Bei diesem Entschluß beharrte die Brave, und somit war die Sache wieder erledigt. H DaS bciMfür Minnas Nicht so für die Professorin, : bei der Minnas Zäbne förmlich zur fizen Idee geworden waren. Sie schlief in der darauffolgenden Nacht kaum einen Augenblick, denn sie wa szte einen kühnen Plan in ihrem Gehirn und in Folge dessen sich selbst rukelys auf ihrem Lager bis in den hellen Morgen hinein. Beim Morgen

kassee sah sie so blaß und übernächtig

aus, daß lhr Gatte sich besorgt nach th rem Befinden erkundigte. Ich bin ganz wobl, Fritz." be ruhigte sie denselben, doch gestehe ich Dir offen, daß ich die ganze Nacht nickt geschlafen habe, weil ich ein großes, fast übergroßes Anliegen an Dich habe.'' Hier entstand eine Pause. Der Pro fessor sah seine Frau forschend an, kniff dann die Augen und sagte: Nun, Hannchen. was kann denn das übergroße" fem; ein neues seidenes zu Weibnachten?" Nein, mein Fritz." rief diese ableh nend. Nichts für mich, für uns Beide ist es. für unser häusliches Wohl bebagen! Die Frau Professorin ergriff zärtlich die Hände des Gatten und bat mit schmeichelnder Stimme: Thue diesmal etwas Besonderes für unsere Minna zu Weihnachten: schenke ihr ein Gebiß, es kostet sechzig Mark." Welche Idee. Hannchcn rief la ckend der Professor, ein Gebiß zu Weihnachten, und noch dazu für sechzig Mark," bei dieser Summe verging ihm das Lachen schon wieder. und glaubst Du etwa, daß Minna sich freuen wird, wenn wir ihr nur Näschereien und Zähne, womit sie dieselben knabbern kann, schenken ?" Nein, Fritz, das glaube ich freilich nicht," gab die Gattin kleinlaut zurück, es müßte wenigstens noch ein Kleid oder dergleichen dabei fein. Aber es geschieht a nur zu unserm Ve'ten. Wir können doch nun einmal Minnas Zahnlosigkeit nicht mehr ertra.n; sie selbst kann eine so große Ausgabe nicht be streiten; bedenke nur, welchen Schatz wir an Minna haben. Auch fühlt sie sich bei uns so glücklich, daß ich hoffe, sie bleibt bei uns bis an unser seliges Ende. Weißt Du, Frik, ich bin sogar des guten Zweckes haloer bereit, auf das seidene zu verzichten, wenn Du" Ja. ja," sagte der Profeffor, dem von Minnas Tugenden am meisten ihre Kochkunst einleuchtete, Du hast eigentlich Recht; obgleich daS Geschenk fehr über meinen Etat geht, will ich daS Opfer bringen. Laß ihr meinetwegen das Gebiß machen." Frau Hannchen jubelte, und der Professor bekam heute noch ein paar Extra küsse von ihr, ehe er in's Colleg ging. Das Weibnachtsfest stand vor der Thür, und fo wurde Minna noch an demselben Tage emzewecht, da bet oie sem Geschenk Ueberraschung ausge' schlössen war. ES wurde betont, daß sie außerdem nicht zu kurz kommen sollte, und daß man gern etwas Veson deres für ne thue, da man sehr zusrie den mit ihr sei, hoffe, noch recht lange zuwmmenzublelben u. s. w. Minna dankte mit breitem Grinsen, welches noS dazu beitrug, der Prosesso ... Ff. nn ihren Man voppen gmatlcy erzcyer nen zu lassen. Minna aber dachte heimlich voll Be friediaung, wie neidisch wohl die Aujuste" sein würde. Die hatte ja nur fünf falscheZahne, und sie Zollte em qanzes Gebiß bekommen. Weihnachten waren vorüber, und das neue Jahr strahlte bereits neue Hoff . . ' . c ... tn...TJL nungen in Die Herzen oer leniozen. Noch herrlicher aber strahlten Minnas neue Zähne. Wahrhaftig, sie hatte sich wunderbar verschönt. Selbst der schonhettsdur stige Professor war von dem Erfolg fernes Gezchenres Überrascht. Auch Minna war, nachdem sie die Leiden des Zahnens glücklich üderwnnden hatte, sehr zufrieden. Sie lächelte noch vster als sonst, und bei dem lieblichen Anblick von rnenehn welken alelchmamgen Zäknen lächelte nicht nur, nein lachte Hm Professor und seiner Gattin das Herz vor Freude. Mehr denn je wurde Minna verehrt. Aber die Götter find neidisch und gönnen dem Menschen nichts Volllom menes. Eines schonen TageS vräsentirti Minna lächelnd und verlegen ihre rosenrothe Linke, an 'welcher ein Goldreif glänzte. Haben Sie sich verlobt, Minna? rief entsetzt die Professorin. Minna nickte verschämt. Es is ein fehr ordentlicher, ansiändiger Mensch, Frau Professor." sagte sie. Er hat seit Neuiaur hier nebenan en ttlempnerladen; er hat em zutes Brod, un zu Ostern will er mit he rathen." Aber wie kam denn das so schnell?' frug die Professorin, die vom Schrecken förmlich gelahmt war. Ach des is zu komisch," Minna wollte uch vor Lachen ausschütten er sagt, meine weißen, gesunden Zahne haben ihm jleich zu scheen jefallen; er is nämlich jebildet un jiebr waS auf's Aeuere." Aber Minna." rief die Professorin, in der plötzlich ein Hoffnungsstrahl auf blitzte, sagten ?ie ihm denn mcht ?" I wo wer' ich denn. Frau Professor. Manch Eine bringt noch janz andere Sachen in die Eh;, die nachher jar nich wahr sind. Allens brauchen die Manns leite nich zu Wissen." Und zu Astern war die Hochieit. Der Professor ist ein friedliebender Mann und nichts weniger als gewalt thätig; aber Minna hatte er am liebitett t " rt... sii Zayne emgeMllgen. Der ebenso aewaltiae wie unbeliebte Polizeidirector Trepoff m Warschau otna erneö Tages über die Straße, hinter ihm sein Leibkosak, ein stämmiger, kräftiger Bursche. Da trat plötzlich ein junger, vornehm gekleideter err an den Pollzeidirector heran, ver setzte ihm. ohne ein Wort zu sprechen, einen heftigen Schlag in's Gesicht und entfernte nch dann ruhig und undehel ligt. . Der hohe Beamte war starr vor Schrecken und Aufregung und vermochte kaum zur Fassung zu kommen. Endlich brach er sein Schweigen und, herrschte seinen Nowken an: Hund: Warum ließest Tu den Frechen entwischen, ; der mich in's Gesicht schlug?" Ich hab' geglaubt das ,st Dem Vorgesetzter!

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Stolze redtvwttS AuS Neichenweier läßt sichdie Straß burger Post- eine lustige Geschichte berichten, welche uns die tröstliche Zuverficht gewährt, daß das Gute nicht untergeht. Ein Gastwirth, so erzählt der Eorrejpondent aus den AttchSKn den. hatte Wein eingekauft und fuhr mit schwer beladenem Wagen seiner Heimath zu. Sein Weg führte ihn durch mehrere der reizenden Ortschaf ten. die am Fuße des altberühmten Burgaus wie m einem Garten ausge streut liegen, und wohl eingedenk des wichtigen Trmkgebotes, saß er bald im ersten Or!e. durch den er kam, inmitten einer . fröhlichen Tafelrunde. Eine Flasche des süfngen Federwelnen" folgte der anderen und von allen Sei. ten wurde recht wacker dem köstlichen Naß zugesprochen. Besonders ließ sich auch der wohlbestallte ?wchtwächter des Ortes den billigen Göttertrank", den unser Wirth zum Besten gab, recht herrlich munden, lo daß er bald in beireiste? Stimmung war. Aber nur zu bald kam die Zeit heran, welche den Wächter der Nacht aus dem Kreise der munteren Zecker abrief. Kaum trat er aber an die frische Luft, als sich auch schon der Kobold, der im diesjährigen Neuen haust, bemerklich machte. Während er sich in der warmen Gaststube noch verhältnißmaßig gesittet betrug, fing er aber im Freien zu rumoren an, so daß der gute Nachtwächter kaum Herr seiner Glieder blieb. Der vor der Thür haltende Wagen unseres Wirthes bot ihm eine willkom mene Stütze, und wohl um etwas auszuruhen und neue Kräfte sür den schwe ren Nundgang zu sammeln, fetzte er sich zwischen zwei Fässer des Wagens, der ihm einen beauemen Sitz bot. Aber das Unglück schreitet schnell; bald schlief er ruhig ri. Durch den Weggang des Nachtwächters wurde auch un fer Wirth zum Ausbruch gemahnt, und. nicht ahnend, welch' kostbare Last es mit sich führte, trabte das Pferd mit dem Wagen munter zum Thore hinaus. Bekanntlich hat man aber nie einen größeren Durst, als wenn man den Tag über viel getrunken hat, und fo kam es. daß unser Wirth auch im nach sten Städtchen wieder hinter einem Schoppen saß. Kaum hatte sich aber die Thür der Wirthschaft hinter ihm geschlossen, als der Nachtwachter, der sich an daS Rasseln und Schaukeln des Wagens gewöhnt batte, durch die plötz lich eingetretene Ruhe und Stille aus seinem süßen Schlummer jäh aufwachte. Während er sich schlaftrunken die Augen wischte, siel ihm plötzlich siedend heiß ein, daß er die Stunde noch nicht aus gerufen habe. Im Nu war er ans den Beinen und laut und kräftig tönte sein Spruch in der heimatblichen alemanni schen Mundart durch die finstere Nacht: Loset, was i euch will sage! Die Glock het Elft g'schlage. Lobet Gott den Herrn! Da kam er aber schön an! Auch m diesem Dorfe herrschte noch die alte, löbliche Sitte, daß der Nachtwächter durch seinen Ruf die nächtlichen Ruhe störer und Diebe auf sein Kommen auf merksam machte, damit sie sich ja noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Kaum war der wohlgemeinte Wunsch in der ruhigcn Nacht verhallt, als unser Nacktwächter auch schon durch eine traf tige gMst am Kragen gesaßt wurde. Eine vor ihm stehende, m einen langen Mantel gehüllte Gestalt schrie ihn derb an. In der Meinung aber, irgend ein Taugenichts wolle ihn, wie schon so oft, wrn Bete haben, faßte auch unser Freund seinen Angreifer tüchtig an, ja' er drohte ihm fogar mit einem Protokoll. Nun entwickelte sich ein Kampf. Zu Hilfe!" schrie der Eine, der gewahr wurde, daß einzelne Gestalten im primitivsten Nechtgewande sich an den um liegenden Fenstern zeigten. Im Na wen des Gesetzes, brinzt Licht herbei!" brüllte der andere, der eben von seinem Gegner einen gut gezielten Stoß unter die Nase erhalten hatte. Durch das Geschrei und den Lärm aufmerksam gemacht, eilten die Gäste der anliegenden Schankwirthschaft auf. die Straße hin aus. Groß war aber das Erstaunen Aller, als der Kackpfplatznit der Wa. genlaterne erleuchtet wuröe und die beiden Wächter der Nacht wie zwei ge reizte Häbne sich gegenüber standen. Jeyt erst klärte sich das Mißverständniß unter allgemeiner Heiterleit der Zu. schauer auf. Ja. ja. der Neue!" Mit ' diesem Ausruf schließt die Geschichte ab, welche, im Gegensatz zum Wein, uralt ist. Wer sie im Originaltext lesen will, der schlage in Stolzes nachgelassenen Humoresken die von den beiden Nachtwächtern auf und er wird finden, daß der Frankfurter Dichter weit mehr Humor besaß, als sein Bearbeiter aus Reichen weier. : - '"'ä0r Wie die Berliner Jung, fernbrücke zu ihrem Namen gekommen ist. davon wird im Bar" folgende Geschichte erzählt: Als Berlin den nur ihres Glaubens willen,, vertriebenen reformirten Franzosen gastlich feine Thore össnete, wurden vielen von ihnen, namentlich den Kunsthandwerkern, große Buden an der Jriedrichsgracht als Verkaufsstätten überwiesen. Einer die ser Franzosen, Namens Blanchet, erwarb sich bald, eine gewisse Berühmt htj er war im Besitze von neun im. verheiratheten Töchtern, dte ebenss durch die Kunstfertigkeit ihrer Hände, wie durch ihre spitzen Zungen bekannt loditrCf.J-f-um'fäm '.H Und wünschte Jemand eine Neuigkeit, Entstellt durch Bosheit und durch Tücke, So hieß eö in Berlin gleich weit und ?l::itli!ä!i breit : Geht zu den Jungfern en der Brücke! Eb jene Jungfern später sich ver WMK. :,, , mählt? Die Chronik hat hier eine Lücke Doch glaub' ich's nicht, denn sie er Mlt: I Von ihnen kommt die Jungfernbrücke..

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