Indiana Tribüne, Volume 15, Number 105, Indianapolis, Marion County, 3 January 1892 — Page 3
Ufciaasi
Sergius Rnnin. R n a n von Georges Oynet. (5. Fortsetzung.) Nach einer f leinen Paus? fuhr er bzr.ii fort: Dann kommt der rauhe, trübe Hei-6 st. die Illusionen flehen, wie die Schivlbe im l'ie5e, nnfc wir werden mit Schrecken gewahr, dag eZ nur der , Traum t'mzs Tages war. rvaZ wr für ewige Glück selig kett hielten, vergeben Sie mir ciejc Worte der Enttäuschung,fügte Sergi'.i? hinzu, als er fah. daß sich Jeane plötzlich erhob, aber es ist unser (Sqiujal,. das jetzt entschieden rsird; wir dürftu nur noch der Vernunzt Et' hör geben. Ich aber flehe Sie an, nur ans Ihr Herz zu hören!" rief Fräulein vcn (Ser nay und ergriff des Fürsten Hände, die sie zitternd in die ihrigen preßte. .Er innern Sie sich, daß Sie mich liebten; sagen Sir, daß Sie mich noch inicm lieber?Jccn:;e näherte sich dem Fürsten, ihr glühdes Antlitz berührte fast daZ feinde. Ihre in Fieberhitze brennenden laugen flehten leidenschaftlich um einen Blick der Lieb.. Sie war jetzt von einer so hinreißenden Schön, hcit, daß Panin, der sich doch so gut zu beherrschen verstand, einen Moment den Zi'sxf verlor. Seine Arme umschlangen die Schultern der anbetungZ würdigen Bittstellerin und seine Lippen versenkten sich in die dunkle Fülle ihreZ Haares. SergtnS! rief Fräulein von Cernan und brückte den Geliebten inbrünstig an ihr Herz. Der Fürst war jedoch ebenso schnell abgekühlt, wie er sich von einem unmi derftthlichsn Rausch hatte übermannen lassen) Er wchrte Jcanne sanft von sich ab. Sehen Sie,- sagte er lächelnd, wie unvernünftig wir beide sind und mit welchem Leichtsinn wir eine nicht wieder gutzumachende Thorheit begehen könn, ten, obschsn e5 unsere Mittel nicht erlaubeu. - Varmher;igkeit! Stoßen Sie mich nicht tcxt sich!" rief Jeanne verzweifelt. Sie lieben mich, ich fühle e5 an allem! Sie wollen mich nur deshalb verlassen, weil Sie arm sind und ich nicht reich bin. Ist denn jemals ein Mann arm, der zwei gesunde Hände hat? Arbeiten Sie!" Diese Worte hatte Jeanne mit nrnns dcrbarer Energie gesprochen. Man fühlte darin die leidenschaftliche Kraft, welche jedeZ Hinderniß bewältigt. SergiuS war erschüttert. Zum zweiten Mal fühlte er sich durch dieses seltsame Mao chen bis in'S Innerste der Seele getroffen. Es wurde ihm klar, daß er ihr ich: die geringste Illusion lassen dürfe, daß er die Gluth, welche sie verzehrte, mit Eis dampfen müsse. Theure Jeanne," sagte er mit liebevoller , Sanftmuth," Sie reden ganz unvernünftig. Merken Sie sich folgendes ganz genau: Für den Fürsten Panin gibt eS nur drei gesellschaftliche Stelln gen: Er muß entweder reich oder Soldat oder Priester sein. Ich habe die Wahl, entscheiden Sie!" Nun empörte sich da? Bewußtsein ihrer Winde nnd sie sagte: Gut also, heirathen Sie sie. Tann starrte sie duster und verschloss fen vor sich hin, als ob sie seine Anroe seuheit vergessen habe. Sie war in ein tiefes Sii'.ncn versunken. Plötzlich rief sie ussxringeno und im Salon auf und ab schreitend: Da eS denn wirklich dieser erbarmungslose Eizennuh ist. der mir im 'Wege steht und der das Weltgesey, die gesellschaftliche Losung zu sein scheint, da ich, wenn ich mich weigere, den Wahnsinn aller zu theilen, mit mei ner Schwachheit vereinsamt bleibe, und da derjenige, welcher andern Respekt elnsiößcn wi!l, stark sein muß, so mag's drum fein! Ich werde künftig so handeln, daß man mich weder für eine einfältige Betrogene noch für ein Opfer lamm halten soll. Mein sei die Zukunft und wehe dem, der mir in den Weg kommt! Nicht wahr, dies ist die Moral unseres Jahrhunderts? Ein nervöses Lachen durchschütterte sie. Wie ich doch einfältig war '. Wohlan, Fürst. Sie haben mich gewitzigt, ich dank für die Lektion, sie war allerdings hart, wird :nir aöer von 9?utzen fein." Ter Fürst, durch die plötzliche Wendung verblüfft, vernahm Jcannes Worte ut Staunin; er begriff sie noch nicht recht. Was ollen Sie thun?" fragte er. Jeanne blickte ihn mit einem fanati schn Ausdruck an, ibre Augen funkel ten wie Sterne und ihre weißen Zähne glänzten zwischen den, geöffneten Lippen.. Jch will, sagte sie. die ersten Grundlagen zu meiner Macht legen und. Ihren Rath befolgen, einen Millionär hkirathen.Sie lief an's Fenster, beugte sich in den dunklen Garten hinaus und rief: Herr Cayroi!" SergiuZ betroffen und von plötzlicher Eifersucht ergriffen, eilte ihr nach, als ob er sie zu-ückn:fen wollte, und rief, ihr die Arme entgegenstreckend. Jeanne ! Nun. was giebt's?" erwiderte das junge Mädchen mit grausamem Hohn; .sind Sie bestürzt, daß Sie Ihren Prozeß so' schnell gewonnen haben?" Ud da Scrgius stumm blieb, fügte sie hinzu: Wohlan, ermannen Sie sich; Sie haben einen schönen Ehrensold ver dient. MichelineI Mitgift entschädigt Sie vollauf für die gehabte Mühe ! Man hörte CayrolS eilige Schritte, der die Stiege heraufkam. Sie waren so gütig, mich zu rufen, mein Fräulein?" sagte er. auf de' Sch:cUe dcT Salons stehen bleiben' Brn ich endlich so glücklich. Gnade vor Ihren Augen gefunden zu haben d Hier ist meine Hand,", antwortet, Fräulcin von Ecrnay einfach, indem sie Carol ihre weißen schmalen Finger hinstreckte, die dieser mit Küssen bedeckte. Frcu Dcsoarennes, die dem Bankier MlLt ?ar, stiel einen gsttzdenschru l:t."W
fftrm r" .Cazrol," sagte sie, Sie sollen Jeanne nicht bloß um ihre schönen Augen willen heirathcn, ich gebe ihr eine Mit Sift." Micheline warf sich ihrer Gespielin um den Hals und dann folgte ein allge' meines Glückwünschen. Jeanne aber führte Cayro! bei Seite und sprach zu ihm mit ernster Stimme: Ich will ehrlich gegen Sie sein, mein Herr, ich gebe Ihren Bewerbungen nach. Sie müssen aber wissen, daß sich meine Gefühle nicht so plötzlich ändern können. Nur meine Hand ist es, die ich Ihnen heute zu bewilligen im Stande bin. Ich bin nicht so eitel, zu glauben, daß Sie mich lieben, mein Frau lein.- sagte Cayrol bescheiden. Sie gewähren mir Ihre Hand, an mir ist es nun. Ihr Herz zu gewinncn, und ich verzweifle nicht daran, mit der Ze:t und durch wahrhaste Zuneigung mein Z:cl zu erreichen. Sie haben mich durch die Gnade, die Sie mir erweisen, außerordentlich glücklich gemacht, und mein ganzes Leben soll ein Beweis meines Dankes sein. " Jeanne war gerührt, sie blickte Carzrol an und fand ihn zetzt nicht mehr so gewohnlich, wie er ihr bisher erschienen war. Sie beschloß, alles zu thun, was sie konnte, um diesen wackern Mann lieb zu gewinnen. , Sergius verabschiedete sich nun von Frau DesvarenneS und sagte: .Jch kann Ihnen für das große Glück, das Sie mir geschenkt, nichts als mein Leben an bieten, verfügen Su darüber. e3 gehört Ihnen gänzlich. - Die Prinzipalm blickte den Fürsten ernst an und erwiderte ihm mit eigenthümlicher Betonung: Gut, ich nehme eS an; Sie gehören von heute an mir. - Marechal nahm Pierres Arm, führte ihn hinaus und sagte zu ihm: Des Fürsten letzte Aeußerung erinnert mich an AntoniuS Worte, die er im Kaufmann von Venedig- an den Juden rich tet: .Deine Zcchinen für ein Pfund meines Fleisches'. Frau Desvarennes liebt ihre Tochter mit einer noch fürch: terlicheren Zärtlichkeit, als Shylock sein Gold. Der Fürst wird gut thun, bei Verfall pünktlich zu sein und .die oer sprachen? Schuld für fein Glück Pflicht schuldigst abzutragen." Achtes Kapitel. An dem Tage, der auf Kiesen denkwürdigen Abend folgte, reiste Pierre nach Algier ab. ohne den Bitten der Frau DesvarenneS, die ihn in ihrer Nahe behalten wollte, nachzugeben. Er wollte seine Arbeiten dort beenden und versprach, zur Hochzeit zurückzukehren. Fest entschlossen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, war er bereit, den bitteren Kelch bis zur Hefe zu leeren. Um ihn einigermaßen zu entschädigen, wollte ihm die Prinzipalin die Leitung der Mühle von Jony übertragen und ihm damit einen beträchtlichen Antheil am Gewinn zusichern. Du wirst auf diese Weise, wenn auch nicht mein Sohn, so doch wenigstens mein Geschäftstheilhaber sein. Und wenn ich dir nach meinem Tode nicht mein ganzes Vermögen hinterlasse, so kann ich dich doch bereichern, während ich noch lebe." Pierre ging nicht darauf ein. Er wollte nicht, daß man ihn beargwohne, er habe mit der Heirath des Fräulein Desvarennes eine Spekulation machen wollen. Er war entschlossen, dieses HauS, wo er sein ganzes Leben zu verdringen gehofft hatte, mit leeren Handen zu verlassen, damit Niemand daran zweifeln könne, daß er in Micheline nicht die Erbin, sondern das Madchen geliebt habe. Man hatte ihm eine aus gezeichnete Stelle als Direktor eines Bergwerks rn savo?en angetragen; dort konnte er sowohl Gewinn als auch Ehre erlangen, denn es waren dort, um eine günstige Ausbeute zu erzielen, sehr intercssante. wissenschaftliche Probleme zu lesen. Er hatte die Absicht, sich köpfüber in eine Thätigkeit zu stürzen und wollte durch eifriges Studium das Vergessen seines Kummers erzwingen. In der Straße St. Dominique wur, den mit großem Eifer Vorkehrungen zur Hochzeit getroffen. Sowohl der Fürst, wie auch Eayrol strengten sich auf's äu ßerste an. um die Vorbereitungen zu diesem schönen Tag zu beschleunigen; der, eine, weil er dadurch die Erfüllung feiner ehrgeizigen Tröume zu erreichen hoffte, der andere, weil er darin die Be friedigung seiner wahnsinnigen Leiden schaft fand. SergiuZ, immer liebenI würdig und zuvorkommend, ließ sich von Mtcheline, die sich an dem Anblick ihres Geliebten nicht sattsehen und an seiner Stimme nicht satthörea konnte, verehren. Eine Art von Liebeswuth hatte sich des jungen Mädchen? bemach. tigt. Frau DesvarenneS beobachtete die Verwandlung ihres KlndeS mit hoch stem Erstaunen. Diese lässige Micheline, welche, auf Seidenkissen ruhend, das weichliche Leben einer Qdaliske geführt, hatte sich in eine bewegliche und aufgeregte .Verliebte mit stam, menden Augen und verlangenden Lippen verwandelt. Ekne unbegrenzte LiebeS sehnsucht schien von ihr auszustrahlen. Wie jene Blume, deren Knospe ein Sonnenstrahl osi.net und thr Duft ver leiht, so hatte sich Micheline unter Ser gius' Blicken belebt und verschont. Canrol dagegen lebte im Zustande der Verzückung, wie ein Italiener, der vor seiner Madonna kniet. Noch nie war er so zufrieden gewesen ke seht. Eine grozze Aufregung hatte sich seiner benächtigt, .er war unter der Last feiner Llück eliakeit gebeugt. Bisher.hatte er usschlitßlich nur an fein Geschäft ge Orncht; das Ziel feine Gebens war, ilch zu bereichern, und erst jetzt sing er an, auch für sein Glück zu sorgen. Alles. was er that, machte ihm Freude. Er war noch nicht blasirt und konnte sich. wenn er die Wohnung ausstattete, die er mit Jeanne theilen sollte, wie ein Kind freuen. Seiner Meinung nach war nichts zu schön noch zu theuer für diesm Tempel der Göttin, wie er sich mit einem
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sein ganzes Gesicht verklärenden Lächeln
ausdrückte. Und wenn er dann dieses zukünftige Nest seiner Liebe erwähnte. sagte er mit ernem wonnigen Schauer: Reizend! Ein wahres, klemeS Paras dies." Dann kam aber der Bankier wieder zum Vorschein und er fügte hinzu: Aber ich weiß, was es mich kostet !" Sein Geld reute ihn jedoch nicht! Er wußte, daß er die Zinsen davon einheimsen würde. Nur ein einziger Umstand machte ihm Sorge, Fräulein von Eernirzs Gesundheit. Seit dem Tage ihrer Verlobung war Jeanne noch ernster und düstrer geworden. Sie magerte ab und wurde hohläugig, eS hatte den Anschein, als ob sie im Geheimen weine. Als Eayro! ven feinen Besorgnissen mit Frau Desvarennes sprach, rief diese : Die jungen Mädchen sind unsinnig. Die bevorstehende Heirath verfetzt sie meinen unveqreistkchen Zustand ! Sehen Sie meine Töchter an, sie schwatzt wie eine Elster und hüpft wie eine Ziege. Unter den Augenbrauen hat sie ein Paar Glühwürmer. WaS Jeanne anbelangt, die singt wieder ein andres Licd das ist Ar 1 t eine melancholische HeirattzZkanolöatin, die leidend wie ein Opferlamm aussieht! Man muß sie laufen lassen. das wird sich alles geben. Aber so viel ist gewiß, die Fröhlichkeit der einen ist mindestens ebenso unausltehltch wie die Trübseligkeit der andern. Eayrol, durch die Aeußerung des Unmuths der Frau DeSvarenneS einigermaßen beruhigt, machte sich über die Traurigkeit seiner Braut keine Gedanken mehr; er acceptirte die Ansicht der Prinzlpalin, daß Jeannes Unruhe nur aus der Ungewißheit deen, was ihr die Ehe bringen werde, hervorgegangen sei. Micheline und Sergius suchten stets die Einsamkeit auf; sobald ein lastiger Äesuch ihr Beisammensein im Salon störte, flohen sie in den Garten; kam man in den Garten, so flüchteten sie in'S Gewächshaus. Dieses Versteck viel aestel SeraiuS sehr, denn unter JcanneS Blicken fühlte er lieh stets unbehaglich. Wenn Fräulein von Eernay Micheline an Sergius' Arm vorübergehen sah. hatte sie eine gewisse aite über ihren Augen, die dem Fürsien Folterqualen verursachte. Des Abends, bei Tische, war man aber doch genöthigt, beisammen zu sein, denn Sergius und Cayrol speisten regelmäßig bei Frau DeSoarenncS. Der Fürst mochte sich in fein leifeS Ge fpräch mit Micheline noch so sehr vertiefen, eS trat doch ein Moment ein, wo er nicht umhin konnte, feine Worte an Jeanne zu richten. Diese Momente waren sehr peinlich sür ihn: da er die leidenschaftliche Natur des von ihm verlanenen Mädchens kannte, fürchtete er stetZ eine Scene und suchte deshalb in JcanneS Gegenwart MichelineS Zärtlichkeit in gewissen Schranken zu halten. Fraulein DesvarenneS rechnete ihm diese ?!eferve hoch an, sie schrieb sie dem Zartgefühl und der guten Lebensart des Fürsten zu, ohne zu ahnen, daß diese Zurückhaltung eines Mannes von Welt nichts andres war. als die Vorsicht emcS treulosen LrebhuberS. Eines Abends, als SeraiuS den kleinen Salon in der Straße St. Dominique betrat, fand er Frau DesvarenneS ganz allem. ie stand vor dem Kamm, hatte wie ein Mann die Hände hinter dem Rücken gekreuzt und sah sehr ernst aus, so ernst, wie an dm Tagen, an denen es sich um den Abschluß emeS großen Geschäfts handelte. , ES war augenscheinlich, daß sie absichtlich alle entfernt hatte. Eayrols, MichelineS und JcanneS Stimmen konnte man im Garten hören. Sergius fühlte eine gewisse Kälte im Herzen, er ahnte Schwierigkeiten; da er aber entschlossen war. alles zu thun, um jedes Hinderniß aus dem Weg zu räumen, so behielt er feine Fassung und begrüßte Frau Desvarennes, ohne seine innere Unruhe zu verrathen. Guten Tag, Fürst, sagte die Prinzipalin, Sie sind heute zeitig gekommen, allerdings nicht so früh wie Cayrol. aber dieser weiß überhaupt nicht mehr, was er thut. Setzen Sie sich, wir haben miteinander zu reden. Sie begreifen, daß ein Madchen, wie Fräulein DesoarenneS. sich nicht verheirathen kann, ohne daß ihre Verlobung einiges Aufsehen macht, die Zungen in unsrer Nachbarschaft sind geschaftiz.und die' Federn nicht minder. Man hat mix viel Böses von Ihnen berich:et, . ich habe da ein hübsches Wckchen anonymez , Vrtfe er halten, die Sie betreffen. Als Sergius ein Zeichen der Entrüstung machte, fuhr sie fort: Sie brauchen sich deshalb nicht aufzuregen, ich beachte daZ Geschwätz nicht und die Briefe habe ich verbrannt. Die inen sagen, Sie seien ein liederlicher Mensch, der. um fein Ziel zu erreichen, zu allem fähig sei, die andern geben zu verstehen, daß Sie weder ein Fürst, noch ein Pole seien, sondern daß Sie von einem russischen Kutscher und einer Näherin abstammen, daß ' Sie serner auf Kosten der Mamsells Anna Monxlaisir, einer Berühmtheit des Variete-ThcaterS, gelebt haben, und daß Sie meine Tochter'nur deshalb he! rathen, um Ihre Schulden bezahlen zu können. Punin. bleich wie der Tod. erhob sich jetzt und rief mit bebender Stimme: .Madame!.,. 4. ; ' : Setzen Sie sich, mein liebes Kind. unterbrach ihn dkePrinzipaUn; wenn ich Ihnen diese Geschichten erzähle, so ge. fchieht. es deshalb, weil ich Beweise -habe, daß sie nicht wahr sind. Andernfalls würde ich mir nicht einmal die Mühe gegeben haben, mich mit Ihnen darüber zu unterhalten; Sie würde an meiner Thür abgewiesen worden sein, und da mit wäre alles vorbei gewesen. Daß Sie kein Engel sind, ist selbstoerständlich; aber die kleinen Sünden, welche Sie begangen haben, sind solche, die . . 's t . '! man einem Voyn verzeior uno vle, wenn .sie einen Schmiegersohn betreffen, gewis, fen Muttern. ein Lächeln WockenW SU sind Fürst, Sie sind ein schöner Mann, man hat Sie geliebt; und daS.'e
ein Junggeselle waren, so ist da Ihr, Sache. Aber nach Ablauf von etwa zehn Tagen werden Sie der Gatte meinel Tochter sein, und es ist daher nothwen, big, daß wir einige Anordnungen treffen. Ich habe Sie daher erwartet, um mit Ihnen über Ihre Frau, über Sie selbst und über mich zu sprechen." Die soeben gehörten Worte der Frau DeSparennes hatten Sergius von einer sehr großen Last befreit. Er fühlte sich so glücklich, daß er sich vornahm, alles zu thun, um die Mutter seines Braut zu befriedigen. Sprechen Sie. Madame, antwor tcte er, ich werde Sie mit ebenooiel Aufmerksamkeit als Vertrauen anhören, denn ich weiß, daß ich von Ihnen nichts als Gu:eö und Vernünftiges erwarte kann." Die Prinzip alin lächelte. )h, daß Sie eine vergoldete Zunge haben, mein schöner Freund, weiß ich, aber Worte allein genügen , mir nicht und mich berückt man nicht so leicht. " Auf Ehre", erwiderte Sergius, ich .werde keine List gebrauchen, um Ihr Wohlwollen zu erringen; ich begnüg, mich, mein Her; sprechen zu lajsm. Bei diesen Worten leuchtete Frau DesvarenneS Antlitz plötzlich auf. wu eine von Nebeln verhüllt gewesene Land, schaft, die durch einen Sonnenstrahl er hellt wird. Jn diesem Fall werden wir uns bald verständigen," fagte sie. Seit vierzehn Tagen sind mir mit den Vorbereitungen zur Hochzeit beschäftigt, hatten daher keine Zeit zu einer vernünftigen Unterredung; überhaupt redet hier jedermann kreuz und quer. Da wir aber jetzt im neue Eristen; begründen wollen, sg glaub ich, daß eS gut sein würde, hh Grundlagen dafür festzustellen. Ich spreche, als ob eS sich um die Entwer fung eines Verirages handle, nich wahr? Das ist nun einmal fo eine altt kaufmännische Angewohnheit. Ich liebt den Weg. den ich beschreib, deutlich vol
mir zu sehen. " Ich erblicke darin nur eine wohl ! berechtigte Vorsorge. Ich 'sinde sogar, daß Sie, indem Sie mir Ihre Zusage gaben, ohne mir vorher Ihre Bedingun an aufzuerlegen, außerordentlich,' zartfühlend handelten." Hat Sie das günstig für mich gestimmt? Nun. desto besser. Denn Sie wissen, ich hänge von meiner Tochter sk und diese wird künftig von Ihnen abhängen; es liegt also in meinem Jnter? esse, daß ich Ihr Vertrauen besitze? Frau DesvarenneS Stimme "zittert, ein wenig. a!S sie diese Worte mit scherzender Gutmüthigkeit sprach. Sie legte Uch von der Wichtigkeit der Partie, die sie spielte, Rechenschaft ab und es lag ihr daran, um jeden Preis zu ge: winnen. , Setzen Sie," fuhr sie fort, mit mir st nicht leicht auszukommen; ich bin etwas despotisch,, ich weiß es; habe ich doch seit fünfunddreißig Jahren die Gewohnheit zu befehlen! Im Geschäfte galt es, Schwierigkeiten zu überwinden, da war Willenskraft von Itöthen, und die befaß ich, Nun. daran läßt sich nichts mehr ändern. Aber dieser Satan von Willei:ö'iaft, der mir bei meinen Geschäften so gute Dienste geleistet.wird mir Ihnen gegenüber, fürchte ich.manchen Streich spielen Diejenigen, welche seit längerer Zeit um mich sind, wissen, daß wenn ich auch leicht aufbrause, ich den noch ein gutes Herz habe; sie beugen sich vor meiner Tyrannei; aber, Sie. der Sie als Neuling in'S HauS ckommen, wie werden S:e das aufnehmen?" Wie alle andern, antwortete SergiuS einfach, ich werde mich leiten las fen und zwar mit' Freuden. Bedenken Sie doch, daß ich seit Jahren ohne Familie. ohne jede Fessel, gänzlich verlasen tebe. Und feien wie versichert, daß mir jede Kette, die mich an eine Person oder an einen Gegenstand fesselt, leicht sein wird. Dann, offen gesprochen," sagte er, den Ton wechselnd und Frau Desvarennes zärtlich anblickend, wäre ich auch sehr undankbar, wenn ich nicht alles thäte, um Ihnen zu gefallen." h," rief Fran DesvarenneS, .das ist leider kein Grund." Wollen Sie einen bessern haben? erwiderte der junge Mann, indem er allen Reiz in seine Stimme legte, desfen sie fähig war, würde ich Ihre Tochter nicht um ihrer selbst willen heirathen, ich glaube, ich thäte eS um Ihretwillen. Diesmal klarte Nch da? Gesicht der Prinzipalin vollständig auf; sie vrohte Sergius mit dem Finger und sagte: Ah. Sie Pole, Sie nordischer Gas' kogner! Im Ernst . fuhr SergiuS fort, noch bevor ich wußte, daß ich Ihr Schmiegersöhn werden würde, hielt ich Sie für eine ganz außerordentliche Frau. Zu der Bewunderung, die ich für Ihre hervorragenden Fähigkeiten hatte, jugen Sie noch die Anhänglichkeit hinzu. , die mir Ihre Güte einflößt, und Sie werden be greifen, daß ich ebenso glücklich als stolz bin, vine Mutter zu haben wie Sie." 'Frau : c 6 d ar en sie i "'I Tit e "!'5 aiil ri "au f merksam an; sie sah, daß er es ernst WinkW l Nun faßte sie Muth, den Hauptpunkt dieses Gespräches in Angriff zu nehmen, , den Punkt, auf den ihr Alles ankam. Menn dies Ihre MsichtM,,.so..er' den Sie wohl auch nichts dawider haben, in meiner Nähe? zu wohnen?" Sie hielt inne und fagte dann mit Nachdruck: Bet mir!" , , rAber ist denn da nicht felbstoerständlich?" entgegnete Sergius lebhaft; ich habe eS uekS so verttandcn. Sie haben doch , bemerken müssen, daß ich keine nstal ten '!i get roffen habe ft i n e Wohnung für mich und meine Frau zu suchen. Hatten Sie, es mir nicht ange boten, bei Ihnen zu wohnen, so hätte ich Sie darum gebeten. Frau DesvarenneS brach jetzt in einen solchen Freudenrausch aus, daß Panin ganz t betroffen wur d e7 - Erst jetzt, auS diesem Erblassen, aus diesem plötzlichen Erzittern, auZ dieser veränderten Stimme ama tbm vas groe Ueverma von mtu Äili . - ' A J
lichkeir dieser Mutter für ihre Tochter auf. Ich kann bei dieser Anordnung ja nur gewinnen, fuhr er fort; meine Frau wird glücklich sein, Sie nicht ?erlassen zu müssen, und Sie werden mir Dank wissen, daß ich Ihnen Mtcheline nicht entführe. Sie beide werden mich desto mehr lieben und das ist Alles, was ich wünsche. , Oh, wie gut ist daS, waZ Sie da sagen, erwiderte Frau DesvarenneS. und wie bin ich Ihnen dankbar: Ich fürchtete, Sie würden UnabhZng'gkeitS. gelüste haben. " Ich würde glücklich gewesen sein, sie Ihnen zu opfern; aber ich habe nicht einmal dies Verdienst." .AlleS, was Sergius gesprochen hatte, war so aufrichtig, so klar und mit einer so,, rührenden Sanftmuth ausgedrückt, daß Frau DesvarenneS' Vorurteile nach und nach schwanden. Er nahm stc für sich ein, wie er Michklinne für sich eingenommen hatte und wie er alle Die jenigen für sich einnehmen würde, die er zu gewinnen gedachte. Seine Liebens Würdigkeit war unwiderstehlich: sie be, strikte die Augen und di$ Ohren und drang bis in'S Innerste der Menschen. AlS geborener Verführer war er gewandt, arglistig, kükn; er bewahrte stets seine unbefangene und liebevolle Art. die ihm etwas Madchenhaftes verlieh. Ich will ihnen nun etwas erklären, wie wir uns einrichten werden," begann die Prinzipalin wieder. Da ich die Verheiratung meiner Tochter voraussah, ließ ich mein HauS in zwei voll, ständig getrennte Wohnungen eintheilen. Man sagt, ein gemeinsameZ Zusammen, leben habe sowohl sür die Schwteger mutter. wie auch für den Schwiegersohn viel Unzukömmliches. Auch mir liegt daran, daß sie in Ihrer Wohnung ganz und gar für sich sein sollen; ich weiß, daß ein altes Gesicht, wie das meinige, Lie benden nur im Wege ist. Ich werde nur
dann zu euch kommen, wenn ihr mich einladet. Aber ich weiß, daß ich selbst im äußersten Winkel meiner Wohnung bei meiner Tochter bin, daß ich die gleiche Luft , mit ihr athme. Ich werd sie gehen und kommen, singen und lachen hören und mir sagen: ,ES geht gut! Sielst glücklich!' DaS ist alles, was ich verlange, einen kleinen Winkel, wo ich ihr Leben mikansehen kann. " SergiuS ergriff mit Innigkeit ihre Hand und sagte: Fürchten Sie nichts; Ihre Tochter wird sie nie verlassen. Frau DesvarenneS, unfähig die Freude, welche sie übermannte, zurückzudämmen, öffnete ihre Arme und Sergius warf sich mit dem Ungestüm eines wah ren Sohnes an ihrer Brust. Wissen Sie auch, daß ich Sie ver, gottern werde," rief sie und zeigte Panin ein vor Befriedigung strahlendes Antlitz. Das hoffe ich!" erwiderte der junge Mann lebhaft. . Frau DesvarenneS ward nachdenklich: Was doch das Leben für ein sonder dareS Ding ist! begann sie wleder. Ich wollte Sie doch eigentlich gar nicht zum Schmiegerfohn haben; ich setzte ihnen einen hartnäckigen Wider stand entgegen, und jetzt betragen Sie sich gegen mich so, daß ich Gewissensbisse fühle. Oh, nun begreife ich es, daß manSie für einen gefährlichen Menschen hält, wenn eS Ihnen gelingt, daS Herz anderer Frauen ebenso gut zu bezwingen, wie Sie das meinige bezwunaen haben." Sie blickte Panin fest an. dann rief sie mit ihrer lauten und bellen Com mandostimme, der aber eine Nuance von Heiterkeit beigemischt war: Jetzt aber hören Sie: ich hoffe, daß Ihre Verfüh rungökünste künftig ausschließlich sür meine Tochter reservlrt bleiben. Keine Seitensprünge mehr, he! Sie liebt Sie und würde eifersüchtig fein. Bei mir aber, wurden Sie schlecht ankommen Schaffen Sie meiner Micheline eine gute, ruhige Enstenz, ganz ohne Wol ken, nur blau, beständig blau! DaZ wird leicht sein sagte Ser gins, um glücklich zu sein, müßte man das Unglück aussuchen und daS werde ich sicherlich nicht tlun." Er lachte und fuhr dann fort: Auch wurden Ihre guten Freunde, die Sie so .sehr bekrittelten, als Sie mir Fräulein MichelineS Hand bewilligten, sich zu sehr freuen. Ich will ihnen nicht da? Ver, gnügen verschaffen, sich als Propheten aufspielen und in allen Tonarten auSrufen zu können: Haben wir'S nicht vor hergesagt? Da trat Micheline ein; sie war unruhig, daß daZ Gefpräch zwifchen,,ihrer Mutter und dem Bräutigam sich so in die Lange zog. Nun erblickte sie Ser gkuZ und Frau DesvarenneS Hand in Hand. Sie stieg einen Freudenschrei aus, flog ihrer Mutter an den Hals und umarmte sie mit einer Innigkeit, an die Frau DesvarenneS nicht mehr gewöhnt war. Nun. ihr seid also einig? sagte sie und nickte SergiuS freundlich zu. Er war reizend." flüsterte Frau DesvarenneS ihrer Tochter in s Ohr. Er ist damit einverstanden, km HauS zu wohnen, und gab seine Einwilligung mit vollendeter Anmuth. Dies, liebes Kind, ist mein erster, glücklicher Augen blick, seitdem du Braut, bist. Aber ich gestehe, daß ich nichts bereue. Dann fuhr sie laut fort: Morgen fahren wir r .. , . . r . . ." . nacy ernay, wo oie yocgjm iianjino; denn hier müssen die Handwerker einzie hen, um für euch alles, in Stand zu setzen. Die Hochzeit wird LbsigenZ auf dem Lande glänzender sein als in der Stadt; wir haben dort alle Fabnkar beitcr zu unsrer Verfügung. Der Park wird für die Lanoleute geotinet, z soll m wahres Fest werden . . . denn w:r sind dort auf dem Lande die Herrschaft,fügte sie ein wenig stolz hinzu. , Du hast recht. Mama, so wird's besser sein!" rief Mtcheline; dann nahm sie pergius bet der Hand und Zagte zu ihm Kommen Sie! Eiligst davonlaufend, zog sie ihn mit sich in den Garten. Inmitten der duf tenden ' Gebüsche, das jnnge Mädchen mit ihrem Geliebten Arm in Arm, ihn mit ttebez' senden Blicken betrachtend, ät)-
rend feine einschmeichelnde Stimme lZl die hundert Mal gehörten Worte wieder holte, welche stets mit dem gleichen Ent
zucken angehört wurden, nahmen sie ihre alten und doch immer neuen Spazier, ganze wieder auf. Neuntes Kapitel. DaZ Schloß Eernay ist ein wektlZusi ges. schönes Gebäude auS daS Zelt König LudwigZ XII l., das von einem um mauerten, fünfzig Hektar großen Park mit hundertjährigen Bäumen umgeben ist. Vier Reihen riesiger Uln'.en führen bis an'S Herrenhaus. Ein weißange strichener Schlazbaum trennt diese Allee von der Straße, welch? über EonstanS nach Pontoife führt. Ein Rasenteppich, aus welchem die Wagen wie auf Sand dahinrollen, führt bis an'S Parkgitter. Bevor man dieses durchschreitet, kommt man über eine steinerne Brücke, die einen mit fließendem Wasser gefüllten Graben überspannt, welcher die vier Seiten eines rechtwinkligen ErdwallS umgibt, der einen Flächeninhalt hat, fg groß wie der Carrousselplah. An den vier Ecken dieses Erdmalls er heben sich breitfenstrige steinerne Pavillons mit versetzten Ziegelsteinen, deren steile Dächer von eigenartig verzierten, großen Schornsteinen über' ragt sind. Umgeben von schonen Baum grupxen. erhcbl sich in der Mitte auf einem Unterbau aus xöthlichem Jnra Granit das Schloß, zu dessen Erdgeschoß eine prachtvolle Treppe mit doppelter Wendung führt. Ein gewaltiger Vorsaal, der sich in Form einer Halle bis zum Dache des Schlosses erhebt und durch ein großes Fenster mit alterthümlichen Glasmalereien erhellt wird, empfängt den Besucher. Im Hinter gründe dieser Halle sieht man die lan, gen, glänzenden Pfeifen erster Orgel von Caoallie-Eoll, welche bis an die ge schnitzte Balustrade einer Gallerie emxorragt. Diese Gallerie bildet einen Balkon, der in der Höhe des ersten Stockwerks die ganze Halle umgibt. In den vier Ecken erheben sich auf schwer bepanzerten Schlachtrossen behelmte Ritter in Stahlrüstung, die Faust mit der Lanze bewaffnet. Glaöschränke mit kostbaren Kunstgegenstanden und Bücherschränke, welche die neuesten Werke enthalten, stehen an den Wänden. Ein Billard und eine Sammlung von Spie len alle? Art befinden sich unter dem Treppenhaus der großen Stiege. Die breiten Thüröffnungen, durch welche man in die Empfangszimmer gelangt, und die großen Treppen sind mit enormen Teppichen behängt, welche auö dem fünfzehnten Jahrhundert stammen und mit. Abbildungen von Jagden geschmückt sind. Diese wundervollen Thürvor hänge sind aus italienische Art, durch lange, mit Goldfäden durchflochtene Seidenschnüre emporgehalten. Dicke Fußkeppiche. in die man bis zum Knöchel versinkt, dämpfen das Geräusch der Schritte. Breite mit orientalischen Stoffen bedeckte Dioanö stehen ringS an den Wänden dieses Raums. An der Hauptseite besindet sich ein Kamin mit einer Verkleidung aus geschnitztem Holz, in derem Wandtheil sich ein prachtvoller Renaissance-Spiegel in Bronzerahmen mit Cllberschmelz be findet, auf dem eine Sarabande fratzen hafter Faune und Nymphen mit flattern, dem Haar abgebildet ist. Um den Herd diese Kamins, unter dessen Mantel sechs Personen bequem Platz finden, stehen gepolsterte Bänke. ?ln den Wanden, über den DioanS, hängen große Gemälde alter Meister: Maria Himmelfahrt, ein Meisterwerk von. JordacnS, Die Spieler von Valentin; Eine spanische Familie zu Pferde von Velasquez, ein Juwel dieser Sammlung; ferner Eine heilig Familie von Franzia (in Ruß land'gekaufk). Dann in Kopshöhe ein Junges Mädchen mit Zeisig von Metzu und ein wundervolles, köstliches Bljou: Eine Kirchweih oonBrouwer, beide auf Sammtschilden. zwischen hohen Palmen, die sich aus kolossalen FayenceVasen von Deck erheben. Ein magisches Licht, das durch die gothischen Fenster fällt, erhellt diesen malerischen Saal voller Kühle und Stimmung. Von dieser Vorhalle aus gelangt man in den linkes Flügel dcS Schlosses, wo sich die Empsangsräume befinden. Die Augen werden von der hier herrschenden Helle geblendet; man glaubt auS einem Dom auf einen öffentlichen Platz zu treten. Die Möbel aus vergoldetem Holz und Genueser Sammt sehen sehr freundlich aus, die Wände sind weiß mit Gold und überall besinden sich Blumen. Frau DeSvarenneS' Zimmer liegt am äußersten Ende; sie steigt nicht gern Treppen und wohnt daher km Parterre. An dieses Zimmer schließt sich ein als Salon möblirtes Gewächshaus, welches der Herrin deS Hauses zum Ruheplatz dient. Den rechten Flügel deß Schlosses nehmen Speisesall, Jagdsaal und Rauchzimmer ein. Der, Jagd saal verdient eine ausführliche Beschreib ung; vier GlaSschränke voll von Schießgewehren aller Art -und jeden Kalibers ziehen die Blicke der Ken. ner auf sich. Es sind hier die vollkommensten Waffen welche Frankreich und England hervorbringen, ver einigt. ' DaS ganze Meublement ist auS Hirschgeweihen angefertigt und mit Fuchs, und WolSfellen überzogen. In der Mine des Saals liegt auf der Diele ein kolossaler, aus vier Baren, fellen zusammengesetzter Texpich; die drohenden Rachen richten ihre weißen Zähne nach den vier Ecken. ' An den Wänden hänairt vier bemerenswerthe Parforce-Jadstücke ven Prlnctteau in Goldrahmen. Niedrige D-kvans, so breit ,, wie Betten, laden die ermüdeten Jäger ein. sich darauf auszustrecken: Große Toilektenraume Mttt)yd?öthcrapischer Einrichtung nehmen die Jagdgaste auf und geben ihnen Gelegenheit, sich durch Bäder zu stärken. Es fehlt nichts, um den rafsinirtesten Ansprüchen zu ge nügen. Die Küchen sind rm Heller 1tUUl.,,':," , m F?rtsetzung folgt.) -i i i:n , :A ' j": ... " - '
Die Aache des Fiakers
AuS Wien wird berichtet: Wege einer ganz merkwürdigen Geschichte hatte sich der Fiaker Franz MmnichS dorfer vor dem Ctrasrichter deS Bezirksgerichteö Leopoldstadt zu verant Worten. Herr MinnichZdorfer war m heftiger Liebe zu einem jungen M5V chen, der Tochttr der Gastwirthin Marie Singer in der Leopoldsgaffe im zweiten Bezirke, entbrannt, stieß aber sowohl bei dem Mädchen, als auch bei dessen Mutter auf Widerstand und mußte das Hcrzweh erleben, mit anzusehen, wie em Anderer das schöne Mäd chen zum Traualtar führte. Am 22. v. M. war he Hochzeit und als Hochzeitsgast erschien auch, ob zwar ungeladen, Herr MinnichZdorfer. Er fuhr mit seinem Zeuzl in einem keineswegs hochzeitlichen Gewände au dem Bocke sitzend den Pferden hatt er schwarze Mafcheln" angehestet vor dem Hause der Braut vor. eben als das Brautpaar und die Hochzeitsgäste zur Kirche fuhren, und belustigte sich damit, in kunstvollen Pirouetten imme? und immer wieder dem Wagen deZ Brautpaares vorzusafjren. Nach beendigter Trauung, auf d Heimfahrt, wiederholte er das Manö ver. Als dann Abends das junge Ehepaar und die Hochzeitsgäste beim Hochzeitsmahl in dem Gasthause htt Brautmutter saßen, erschien Herr Min nichsdorfer wieder und wollte justament mit Magen und Pferden in den Hoch zeitssaal hinern. Nur mit Mühe und Noth konnte er hieran verhindert wer den. Nacht kam er dann nochmals und fuhr mit seiner Wagendeichsel zwei mal absichtlich in boshafter Weise gegen die geschlossene Landenthür des Gasti Hauses, zertrümmerte die Thürfüllung und einige Fensterscheiben, wodurch der Gastwirthm einen Schaden von 1$ fl. zufügte. Der Richter fand den An geklagten, der es gar nicht versuchte, seine Handlungsweise zu beschönigen oder zu rechtfertigen, der boshaft und Beschädigung fremden Eigenthums so wie der Üebertretung gegen die korper liche Sicherheit durch Vorfahren beim Hochzeitszuge schuldig und verurtheilt ihn zu einer Wocbe strengen Arrestes ein Urtheil, das MinnichZdorfer ganz resignirt annahm. Neue ariationen öeS ThemaS; Kommt a Vpgel geflogen. B a u m b a ch. Geflogen kam ein Vögelein Wohl durch daS Fenstergitter Ein Brieslein hältS im Schnäblein, Das Brieflein ist nicht bitter: Heut Abend, wenn der VeZperklanz Ertönet in der Runde, Wird Vinuedank sür Minnesang Dir von GertrudenS Munde." Flieg' wieder heim, tieb Vöglem du, Gertrauden zu berichten: Heut muß ich auf das I!ndezvou3, Gott sei's geklagt, verzichten. Nicht schweif' ich mehr, ein Spielmannz frei. Durch Thäler, über Hügel, Seit gestern hält die Polizei Mich hinter Schloß und Riegel. Goethe. Einen Boten mit zwei Schwingen Sandte, ihren Gruß zu bringen. Mir mein Liebchen fein und klug: Was sie mir zu sagen hatte, Fand ich auf dem luft'gen Blatte, Das er in dem Schnabel trug. Weise ist's, sich zu beschränken: Daß wir unsrer Frau gedenken, Das genüge unsrem Sinn. Sage dem geliebten Weibe: Sehe Jeder, wo er bleibe. Ich auch bleibe, wo ich bin. W. Busch. Ein Vogel flog aus Kamerun, Wie das die Vögel manchmal thun. Im Schnabel einen Brief er führt, Der ist, natürlich, unfrankirt. Im Briefe steht auf Kamerun'sch Manch süßer Gruß, manch heißer Wunsch. Flieg' wieder heim nach Kamerun, Grüß mir die schwarze Mpanguapun. Ich habe sie zum Fressen gern, Doch Kamerun ist gar so fern. Auch habe ich zwei Flügel nit, Drum bleib ich hier und sahr' nicht mit. Brecher. Der oberen SchuldeHorde war angezeigt worden, daß em Lehrer an der Mosel an jedem Tage; den Kindern eine Hetzrede gegen diez Kecher halte. Auf einer Amtsreiss wollte sich der Schulrath selbst überzeug gen. Er ging in die Schule; der Leh rer sah gar nicht verbissen aus. Doch trau, schau wem, dachte der Schulrathr und stellte selbst an einen der Schüler die Frage: Was ist ein Ketzer?" Keine Antwort. Weißt Tu es? fragte er einen zweiten, dritten r. K Keine Antwort. Wer weiß es ,n der Schule?" Allgemeines Stillschweiget Endlich streckte ein kleiner Schelm di? Hand in die Höhe. Nun, so sage es,' waS ist ein Ketzer?" Ein Ketzkr ist", antwortete der Kleine, daS Mänr chen von einer Katz'". , Der Schulrath hatte genug gehört, drückte dem Lehrer die Hand und zog von bannen. Auch ein Rath. Erste. Student: Kommst Tu mit auf dit Kneipe, Spund? Zweiter: Nein, heut' mal nicht eS ist so sehr schlechtes Wetter und im Zimmer hrer so Mollig; es ist heut ein wahre? Vergnügen, zu .arbeiten. Erster: Unsinn! Wer wird sg vergnügungssüchtig sein! Man muZ sich mitunter auch ein Vergnügen ver. sagen können. ,
