Indiana Tribüne, Volume 15, Number 105, Indianapolis, Marion County, 3 January 1892 — Page 2
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Gitt Original
Vcn Kahle, best elten Jencnser Pe bellen, werden unzäh!ige Geschichten erzählt. Der Biedere wollte einmal einen Studenten abfassen, der sein Heil in der Fwcht suchte, diese auch nicht unterbrach, als ibm der Pedell drei Mal die verhängnißvcllenWorte: Im Namen des Proreclors. kalt !" zugerufen hatte. Bor dem Univerntätsamt sahen sie sich wieder. Der Amtmann begann :, .Warum sind Sie nicht stehen geblieben als Ihnen der Pedell im Namen des Prorectors alt zurief, Sie wissen, das; darauf die schwersten Strafen stehen?- .Ich werde den Deibel thun," erwiderte der Stuoent, es war ein toller Hund hinter mir her, ich wellte nur mein Leben retten." Ein toller Hund fragte der Amtmann erstaunt, wie kam der dahin?" Ja, das weiß ich nicht; er kam mit dem Pedell. e war ein ganz abscheu licheZ Tbier. mit Triefaugen und einem ruppigen SÄwanz." Das erzählte er mit dem Ausdruck tiefsten Ekels im Gesicht und begleitete seine Aussazen mit entsprechenöen Gesten. Ich bin sehr nervös und habe eine enge bsrne Änzst vor tollen Hunden." Kahle, babcn Sie einen Hund, und war der damals bei Ihnen?" Jawohl. .Herr Amtmann." Bringen Sie ihn einmal hierher." Da das treue Tüiercken seinem Herrn bis an die Thür gefolgt war. konnte es bald erscheinen: es war ein kleiner Pinscher, der allürdings weit sichtbare Zeichen der Räude an sich trug. Der Amtmann betrachtete das SÄeusal eine Zeitlanz fchweizenö. und, offenbar hoch erfreut, einen Grund gesunden zu haben, den Studenien freisprechen zu können, sagte e?:Allerdings, Kahle, schaffen Sie das Thier ab." Der Herr Schinder erschlug den Hund noch an demselben Tage; der Student aber wurde außer Verfolgung gesetzt. Als dies bekannt wurde, frag ten die Studenten bei jeder Gelegen heit: .Herr Kahle, wo ist denn Ihr Hund?" Na, hinüber!" 0! Wie ist denn das gekommen?" Kahle legte dann die geballte Faust an die Seite seines Halses, und sagte: Na, der da . . . !" Damit wollte er sagen, er habe ihn ans Befehl des Herrn UniversitätZvmtmannes abschaffen muffen. Dieser liebenswürdige Herr war nämlich In kaber eines gewaltigen Kropfes, womit Kahle, indem er die Fanst an seinen Hals legte, ihn ebenso drastisch wie im verkenndar bezeichnete. Galgenhumor. Die letzten Wünsche der zum Todk fcrort&piltMi SRfrtirpsfipr itnh oft tthm'tv erfüllbar. So bat sich in Cartwright ein j - i : - ... i c. f i m c . t quui inu uctmicuici -ociuicuci tu letzte Gunst aus, daß man ihm den strick nicht um den Hals, sondern um die Achseln lege, da er zu kitzlich wäre. Bekannt ist auch der Wunsch eines lebenslustigen Todeskandidaten, der an Altersschwäche zu sterben wünschte. Weniger bekannt ist das Factum, daß der berüchtigte, albanestsche Räuber bauptmann Hadschih Pillman als Henkersmahlzeit einen Hammelgoulasch mit Remoulade verlangte. Da der türkische och aber die Zubereitung des Goulasch nicht verstand, so schob der Todescandidat den Teller mit den Worten zurück: Das esse ich nicht, davon kriegte ich mindestens echt Tage lang Leibschmerzen!" ! Ein Mordbrenner in Newcastle. der früh um 7 Uhr gehängt werden sollte, verlangte Abends um 8 Uhr als Hen. kersmchlzeit einen Teller frische Walderdbeeren. DaS ist ein unbilliges Verlangen", erklärte ihm der Gefängmßdirector, wir haben jetzt November und vor ZJuli gibt es keine Walderdbeeren." Na, ich kann ja warten!"' erwiderte der Delinquent gelassen. Sensationelles Aussehen erregte iwi Kurzem die Begnadigung eines zugendlichen Verbrechers. Die Hinrichtung desselben mußte nämlich so lange anfgeZchoben werden, bis sein letzter Wunsch erfüllt war. Der strebsame junge Mann, der kaum lesen und schreiben kann, verlangte vor seinem Ende noch die englische Sprache zu erlernen. Diesem Wunsche wurde gewillfahrt, leider besitzt aber der Deünquent einen so gering anschlägigen Kopf, daß die Er füllung seines Wunsches in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist. Vom Cylinder. AuS Pariö schreibt man Wiener Blättern: Ein Pariser, der im Winter keinen Cylinder trägt, ezistirt ebensowenig wie ein Mai ohne Poesie. Nun aber ist der Cylinder bekanntlich nichts weniger als poetisch in seiner Gestaltung, und die Phantasie der Gigerln arbeitet unablässig daran, das ungraciöse Thema schwungvoll zu variiren. So hatten wir im Vorjahre die zugespitzten Cylinder, die sich in ihren Konturen immer mehr und mehr den vernscken Lammkellmäken näherten und in den Herzen braver aus trauen freundliche Erinnerungen an die in der Speisekammer Wacht hol tenden Zuckerhüte wachriefen. Doch Alles nimmt bekanntlich hienieden ein Ende, so auch die spitzigen Cylinder, and wir halten jetzt vor einer neuen .Handlung: dem halben Cylinder! So und nicht anders muß man nämlich jene seltsamen Dinger nennen, die nun auf den Boulevardses Italiens das Bür gerrecht zu erwerben suchen. Es sind dies regelrecht gebaute" Cylinder, nur halb so hoch gehalten wie ihre Vorgänger. Auf dem Kopfe älterer mitunter sehr gealterter Herren zwischen 20 und 3 Jadren wirkt der halbe Cylinder unwiderstehlich komisch. Der Praktiker! Tirector: Für welche Rolle suchen Sie denn Eigentlich Engagement, Fräulein? Aeltliche Schauspielerin: Am liebsten spiele ich Naive. Director: Naive Großmut, ter werden nicht ccfcfirtf&eiu
Mein Freund Aortunatuö. Ich reiste mit meinem Freund Fortunatus von Novara bis Genua zusammen. Obgleich das nur eine kurze Strecke ist, so währt diese Fabrt sehr lange, denn solch ein italienisches Dampsros bat den Rheumatismus in allen Gliedern, und die Eilzüge stehen nicht, wie bei uns. nur auf dem Fahrplan, sondern vor jedem Sechshundertseelenstädtchen. Da lobe ich mir doch mein liebes Vaterland wenn man das Glück bat, wird man auf der Eifen iahn schneller vom Diesseits ins JenseitS befördert, als hier von Novara und Genua. Mein Freund Forturatus. mit dem ich nach Genua fuhr, ist ganz anders geartet als ich. Er hat im Leben und in der Liebe nie lange auf einem Stuhl sitzen können; wenn er einen Berg hinaufsteigt, will er unterwegs zwölf Mal umkehren, und Karten spielt er auch nur so lange, als er gewinnt. Das Unangenehmste aber für mich war, daß er Glück bei Frauen hatte. I Wir steigen in Genua in dem U rübmten Hottl am Hafen ab, in dem einst Fies co. der bekannte Verschwörer,
gewohnt 1)3 ben soll. In den reich aufgeputzten Zimmern, in denen die Verschwörer zusammenkamen, wohnen jetzt meist Hochzeitsreiiende. So erzeugt ein Geschäft das andere. Daß man aus dem Palast des Grafen von Lavagna ein Hotel gemacht hat. finde ich sehr entschuldbar. Wieviel Ähnlichkeit zwischen dem Damals und dem Heute! Die Hausknechte und Stubenmädchen mit den geöffneten Händen, das sind die Unzufriedenen Genuas, die Schiller uns zeigt. Und Oberkellner haben mit Verschwörern die peinliche Eigenschaft gemeinsam, daß sie sich manchmal verrechnen. Es war gerade Allerseelentag, als wir ankamen, und es war ein mcrkwürdiges Drängen und Treiben in der Stadt. Auf der Viazza Tefcrrari, wo die Wagen der Omnibusgesellschaften halten, schlug man sich um ein Plätzchen in diesen schmutzigen Gefährten, wie man sich bei uns in Berlin vor dem Zoologischen Garten am billigen Sonntag" schlägt. Und in all' den engen Straßen war ein Gedränge von Leuten mit Festtagsgesichtern, Blumen kränzen und Wachskerzen, daß man die Arme einstemmen mußte wie ein Hökerweib, um hier durchzudringeii. Und das alles lies nnd fuür und humpelte hinaus nach dem Campo Santo, dem großen Kirchhof Genuas, der draußen sich hindehnt vor der Stadt. ES lag eine abscheuliche Luft über der langen Chaussee, eine graue hustenerre gende Luft. Nie habe ich eine so staub:ge Stadt gesehen und niemals ist mir des alten Predigers Wort wahrheitsvoller erschienen, als an diesem Aller seclentage, das Wort, daß Alles nur Staub sei auf Erden. So wie die Genueser im Leben wohnen, in der terrassenförmig an den Bergen emporkletternden Stadt, so wohnen sie auch im Tode. An dem Berge steigen die Gräderreihen empor, eine Riesentribüne. von der die Todten ihre Vaterstadt grüßen. Lange, endlos lange Säulenhallen bergen dort die Gräber der Reichen, aber über den kleinen Hügeln der Armen lacht der blaue Himmel. In jenen Säulenhallen, die unten den Berg umschließen, die sich an ihm h'.naufwinden oder in. ihn hineingebaut sind, ist all' das vereinigt, was Genua an moderner Kunst ausweisen darf. Und vielleicht gibt eS keinen Ort in der weiten Weit, wo der Schmerz so vielgcstaltige künstleriiche Verklärung gefunden, wo das Märchen von dem Kinde, das Vater und Mutter verloren und mit dem Thränenkrüglein suchend durch's Land irrt, so hundertfach von Küustlerhand variirt worden ist, wie hier. ES sind marmorne Hymnen des Leids, marmorne Bitten um Trost, marmorne Schwüre, nie zu vergessen, ewig zu gedenken. Dort sitzt der Tod als alter bärtiger Pilger gedanken schwer auf dem Sarge, hier tritt er als mildleuchtender Engel mit liebendem Kuß an das Bett des Kranken und es ist immer wieder der Tod und ewige mesneiito mori! Uns warmorarmen Deutschen aber, uns rauscht dieses Lied von Leid gar zu gewaltig. Wir, die wir immer noch die allen poetischen Stimmungen mit uns herumschleppen, die wir von unserem lieben Heine geerbt haben und von Eichendorff und den Andern, wir sind solche gottsjämmerlich unverständigen Barbaren, daß uns der schweigsamen Trauerweide leiser Todtengruß schöner dünkt, als die verschwenderische Pracht dieser Todtenpaläste. Und in dem leichten Dust unserer purpurnen GrabeSrosen ahnen wir mehr von der Zaubermacht der Göttlichkeit, als in der Kochaussteigenden Verkündigung auf den Grüften Genuas. Aber an diesem Allerseelentage huschte aus tausend Lichtern und Lämpcken der matte Flammenschein über all' den bleichen Marmor, er huschte hinauf zu den Engeln der Liebeund des Todes und ging streichelnd über die Wangen der Trauernden und Büßenden, wie ein einziger Schein von dem großen, straklenöeu Himmelslicht in der anderen Welt. Aber die Trauernden und Büßenden richteten sich nicht auf, wie auf den stillen Gräbern in der Heimath die rothen Rosen gläubig sich ausrichten, wenn der Sonne wärmender Strahl zu idnen niederfle:gt, und die festlich ge kleideten Leute schoben sich langsam bindurch zwischen diesen Gräberreihen und nannten sich die Namen der großen Künstler, die das AlleS geschaffen, und SlllcS. uns Ui unS die Leute aus der Provinz im Panoptikum. Sonderbar, wie verschieden. die Völ ker geartet sind! In Genua hat man aus dem Friedhof einen Tempel der Kunst gemacht und nun ist man bei uns am Werk, den Tempel der Kunst in einen Frikdyof zu verwandeln! Aber während ich so mit lehrreichen j Veraleichen mich befaßte und bei diesen
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genuesischen Marmoraräbern der frend ? lose und doch so duftumfponnene Hügel mir in's Gedächtniß kam, unter dem auf dem fernenMontmartre mein armer, verkannter und verlästerter Sänger des neuen Frühlings modert, so ein echte, Dichterhügel während ich so die un vernünftigen Gedanken in weiter Fremd spazieren wandern ließ, batte ich ganz vergessen, meinen guten Freund Fortw natus. der zwischen Marmorbildern noch niemals glücklich war. Ich suchte ihn und bald fand ich ihr boch oben auf der Spitze deö Berges, wo der kleine Tempel mit dem Sarko phag Mazzinis steht. Dort sah ich meinen Fortunatus, in den Eingang des Tempels gelehnt, lauernd, wartendl Ich begriff sofort, daß ihn Mazzini eigentlich weniger interessirte, als du kleine Engländerin mit dem blonden Lockenköpfchen, die dort drinnen mit andächtiger Neugier vor dem todter Mazzini stand, vor diesem Mazzini, vo dem man ihr vor einer Viert elstund gesagt hatte, daß er ein großer Marr gewesen war. Ich aber machte meinen Freund darauf aufmerksam, daß sie sehr verheirathet schien, und Italien bekanntlich da Land der fauren Trauben sel. Das leuchtete ihm seltsamer Weise ein und wir gingen. Dicht hinter dem FriedHof saß die Wahrsagerin mit verbundn nen Augen, ganz wie Kassandra i Troja. In der That, eS mußte ein hölzernes Pferd sem. das zu dies Kassandra kommen konnte! Der Fremde findet Genua schön, sow derba? schön, weil es vom blauen tyrreNischen Meer so gar wirksam wie auj Treppenstufen emporsteigt. Aber sie waren doch nur Barbären, diese Genue sen, und fe sind es geblieben. O, su haben nie etwas besessen von dem oft lichen Kunstsinn ihrer Nachbarn in Oberitalien, sie haben eS me verstanden, wie herrlich eS ist, seine Stadt, sein Reich m ern rauschendes Gotterland der Kirnst umzuwandeln, sie haben im mer mit kaltem Lächeln zu fenen hmubergeschaut, die zu der großen Meist Herrlichkeit den Tust aus güldenen Weihrauchkesseln emporsteigen ließen. Wie selten ist ein Hauch von jenem hohen Geist zu ihnen gekommen, der zu Raphaels, zu Lionardis, zu Tizzians Zeiten durch das jubelnde Italien ging, und während das verhaßte Venedig in einem Künstlertaumel schwellte und längs des Kanals eine Zauberwelt auf erstehen ließ in Formen und Farben, malten die?e Genueser wie die meisten Indianer in ihren buntbeklecksten Dörfern, in den Festsälev ihrer Paläste, ihres Palazzo Rofso, ihres Fiesco-Palastes, Säulen und Kamine mit schlechter Oelfarbe an die Wand. Uebcrall diese miserable Farbe, hineingetragen in die Renaissancebauten des alten verständigen Meisters Alessi. Nichts ist da drinnen . echt "tut to imitazione", wie der Führer in der Villa Pallamcini in Pegli sagt, nachdem er all' die denkwürdigen Ereignisse erzählt bat, die dort sich zugetragen haben sollen - tut to imitazione, alles Schwindel! Nur der eine alte Doria, dieser brave Andreas, den man im Doriapalast zusammm mit der treuen Lieblingskatze auf dem Bilde sieh, dieser tüchtige Greis hat in seinem vielvergitterten Hause hübsch Alles aus Marmor und echtem Etuck herrichten lassen. Das kann man wenigstens in den fünf oder sechsZimmer? konstatiren,die denFreun den für gewohnlich gezeigt werden in den andern wohnen jetzt Verdi und ei nige viel weniger berühmte Leute. Aber was man sieht, ist echt, und darum rufe ich S lebe Dort und nieder mit dem Grafen von Lavagna! In dem Hotel traf ich eine von den alten Damen, die ich liebte, eine von jenen alten Damen mit grauem Haar und klugen Augen, die wie jene prächtige Herzogin in der Welt, in d sicher man langweilt" nicht leugnen, daß sie auch einmal jung gewesen find und daß sie noch die Jugend in sich verspüren. Ach, es ist sehr selten, daß die alten Frauen noch jung sind, heutzutage, wo die jungen Frauen so oft schon alt sind! Wo haben Sie denn Ihren Freund?" fragte mich die alte Dame mit den klugen, jungen Augen Ihren Freund Fortunatus?" Richtig, ich hatte ihn wieder ver. loren ! Ich will es Ihnen sagen, wo er ist", sagte meine Herzogin wieder denn ich dachte immer, es müßte die Herzo gin ans der französischen Komödie sein er schmachtet. Ja, er schmachtet vor der jungen englischen Schönheit, die auch einen Mann hat und oben in Fiescos Zimmern wohnt". Ah. d:e ist also hier? Ja. Und itv Gatte ist sehr trau. rig sehen Sie ihn nur an, dort kommt er". Ich sah ihn an. Er sah wirklich sehr traurig aus. So ungefähr wie ein Kaninchen, dem man ans Leben will. Was sehlt ihm?" fragte ich mit. leid s voll. Er wünscht sich einen Nachkommen. Einen Erben. Nun, er wird ihn schon bekommen, seien wir beruhigt. Dergleichen kommt manchmal überraschend schnell wie der Wind, bei dem auch Niemand weiß.wober er plötzlich kommt. Und bei diesem Klima ist AlleS möz lich. ES leu:et wollen wir zu Tisch gehen?Mein Freund JortunatuS faß einige VlStze entsernt von der kleinen Engländerin. Sie war wirklich ttu zend; sie hatte ein wunderhübsch feines Köpfchen mit einer blonden Frisur, der Thusneldafrisur ganz ähnlich, aber aufgelöst in lauter einzelne, gvldschimziernde Löckchen. Hinter allen Schüsseln und in llen Blumenvasen auf dem Tisch saßen die kleinen Liebesgötter und schofzm ihre Pfeile hinüber und herüber. Und sie sab, daß mein guter Fortunatus drei Schüsseln vorübergehen ließ, und wußte, daß er das that, um sie besser anblicken zu können. O, sie bemerkte das Alles! Die Andern am Tische aber bemerkten
nichts, sie ließen sich alle Schüsseln zwei mal reichen, denn das Diner war fehl theuer. Er hatte wirklich Glück, dieser ververteufelte Fortunatus! Er fand ein Schleife der kleinen blonden Engländ rin und schrieb es der Angebeteten in einem Briefchen, dessen letzte Worte lau teten: Darf ich sie behalten? Ich will Sie immer verehren. (Nein, ich habt mich geirrt nicht Sie" mit einem großen S". nur sie" mit einem klei. nen s" )." Und sie antwortete umgehend: Dn Schleife war mir werth. Ich möchte Sie wiedersehen. (Nein, ich irrte mick nicht Sie" mit einem großen S". Ä S t Aä At
nur fie- ml! emem liemen i ). ( Da er nun glücklich war. uvernen ia ihn seinem Schicksal und ging mit mei ner Herzogin hinauf zu dem Balkon, um die Sonne niedersteigen zu sehen weit hinter dem Mastenwald des HasenZ in den blauleuchtendcn Fluthen dei tyrrhenischen MeereZ. Rechts sah man hinunter bis zun Palast des alten Doria, dem die demo kratischen Genuesen den herrlichen Gar ten zerstört haben, um ihre Bahnlini, hindurchzuführen, dem Einspruch unt den Bitten des Prinzen Doria zuir Trotz. Es war die letzte Verschwörunc gegen die Doria. Und ma:l sah an den Bergen die bun ten Häuser emporklettern und hoch ob aus dem dunklen Wald der Berge dii weißzrünen Mauern der Festungswerk, heraustreten. Es war ein ewiges Hin und Her n dem Hafen, ein ewigeS Lärmen unl Rufen, ein Knarren der Taue, ein Pfel fen der Dampfschiffe. Dort drüben ir der Darfena. dem einstigen Kriegshasen, an der Stelle, wo gerade jetzt die klein, Dampfbarkasse vorwärtspustet, dort iß vor dreihundert und fünfzig Jahrer Fiesco fammt seiner Verschwörung in's Wasser gefallen. Ich habe einmal einen Schauspiele! gekannt, einen tüchtigen und liebens würdigen Schauspieler. Der konntl nie den Fiesco spielen, denn un. einen Bühnenausdruck zu gebrauchen er schwamm zu gut. Der Arme einmal hat er doch u einer französischen Posse nicht weiter ge konnt. Ich erinnere mich, es war eine gewagte Situation, bei der viele Damen hinausgehen würden, wenn das nicht so störend wär. Da konnte et nicht weiter. Er war plötzlich im Koth stecken geblieben. Aber nun sitze ich in Genua auf dem Balkon amZyafen und denke an Deutschland und seine französischen Possen. So wandern manchmal die Gedanken mit den Worten über .die Berge, sie.verirren sich sie gehen gern zu den fran zösischen Possen, aber eS ist immer eine Verirrung. An was dachten Sie?" fragte dit ZlUge Herzogin. Und ich sagte ihr, daß ich an Meilhac und Heinequin gedacht hatte. Sie nickte: Ja, der arme Himmel sieht wunderliches Zeug aus dieser Erde." Ab halten Sie den Himmel für moralischer?" Gewiß; haben Sie eS denn noch nicht bemerkt das Erste, was er thut, wenn er Morgens die Erde sieht, ist, daß er erröthei. Und dann Abends wieder sehen Sie nur dort!" Wirklich, er crröthete in wunderbarer Pracht, Feuerströme flutheten herrlich an ihm .entlang, als stünden dort hinten im Hasen verborgene Riesenflotten in Brand. Und zwischen den schweren Schiffen schössen diese glühenden Bäche über das Wasser .des HafenS hin, aus dem die kleinen Barken schaukelten und die Matrosen fluchten und die Dampfbarkassen pusteten. Ja", sagte die alte Herzogin, wie traumverloren, .er errother. Vlel leicht steht Ihr Freund hier über uns und giebt ihm Recht." Ich sah unwillkürlich hinauf. Sie memen?" fragte ich. Ich meine garnichtS. Ich denkt nur, daß die kleine Frau im nächsten Jahre vielleicht wieder hierherkommt, daß wir sie dann sehen. Aber dann wiederum nicht Sie" mit einem großen S" sondern sie mit einem kleinen Ballspiel. Wo seid ihr Zeiten geblieben, Ihr Jahre der Jugendzeit, Da ich mich als fröhlicher Knabe Am lustigen Ballspiel erfreut! Das Ballspiel ward immer verwegener, Es drehte mich wubelnd im Kretö, Staub schluckt ich auf manchem Balle Und Flüssiges kalt und heiß. So ist es schließlich gekommen, Daß ich mit taumelndem Sinn Dem Schicksal im Laufe der Jahre Ein Spielball geworden bin. Röllinghofs .Schuldlosen S eelen sei das in der Pfalz gelegene Dorf Dahn als buen retiro empfohlen. In die sem, durch seine Eselzucht berühmten Oertchen überlassen die 1400 biederen Bewohner die Wahlen vertrauensvoll der oben Obrigkeit. An emem der letzten Montage sollte dort wieder einmal die Stimme des Volkes zum Ausdruck kommen. Die Münch. N. denen' wir die Kunde von diesem Voraanae verdanken, erwähnen nicht, ob es sich um eine Ersatzwahl zum bayrischen Landtag, ode? um eine Provinzial-oder Kreisangelegenheit gehandelt. Aber die Sache war die: Bei der Wahl ber Wahlmanner mußten, um den Ausschuß zu Stande zu bringen, die Feldschütze " i . - i!. t und Viranenwarier yeroelgeyoir werden. Nachdem so der Ausschuß gebil det war. wurde durch die Ortsschelle bekannt gegeben, daß bis ein Uhr die Wahl gejchtoffen wtro. ann warieie man. bis die Wähler kamen,eS kam aber . , . . . rm i Niemand uno o vouzogen cie 2vllrg ueber des Wahlausschusses auch die Wahl.
Der Kleine.
Vsi: uy aupaksant. Lemonnicr war als Wittwer mit einem Kinde zurückgeblieben. Er hatte seine Frau wahnsinnig gern gehabt, sie während der ganzen Zeit ihrer Ehe mit ungeschwächter, überschwänglicher Zärt lichkeit geliebt. Ein herzensguter, ehrenhaster Mann, schlicht, ausrichtig, ohne eine Spur von Bosheit oder Miß trauen. Von Liebe zu einer Nachbarin, einem armen Mädchen erfaßt, batte er ihr seine Hand angetragen. Er betrieb dazumal einen einträglichen Tuchhandel. verdiente nn bübtch Stuck Geld und war feinen Augenblick darüber im Zweifel, daß er, um seiner selbst willen, von dem jungen Mädchen nicht angenommen worden wäre. Aber sie machte ihn glücklich. Nur sie war für ihn auf der Welt, er dachte nur an sie und betrachtete sie unaufhör lich in demüthiger Bewunderung. Während der Mahlzeiten beging er tausend Ungeschicklichkeiten, nur um den Blick nicht von dem geliebten Antlitz abwenden zu müssen; er goß den Wein in seinen Teller, das Wasser in'S Salzfaß, und dann begann er zu lachen, herzlich v ein Kmd. und wiederholte immer: Ich bin doch recht ungeschickt ! Aber ich habe Dich gar zu lieb, weißt Du!" Sie lächelte, sanft ergeben: dann wandte sie den Blick ab, als setzte sie die Bewunderung ihres Gatten in Berlegenheit, und versuchte das Gespräch auf irgend etwas Anderes zu lenken, ihn plaudern zu machen. Aber er faßte über den Tisch hin nach ihrer Hand, hielt sie in der seinigen und flüsterte: Meine süße kleine Jeanne, meme süße kleine Jeanne!" Endlich wurde sie ungeduldig und sagte: ..Nun alw. ,eht sei vernunftig! Iß und last' mich essen." Er feu'zte, brach ein StuZchen Brod herab und kaute es langsam. Fünf Jadre blieb ihre Ehe kmderlos. Da plötzlich ward sie guter Hoffnung. Das war ein unsinniges Entzücken! Er wich nicht mehr vcn ibrer Seite, so daß seine Dienerin, eine alte Magd, die ihn ausgezogen hatte und im HauS das große Wort führte, ihn öfter gewaltsam hinausdrängen und die Thür hinter ibm abschließen mußte, damit er frische Luft fchövfe. Er batte mit einem jungen Mann, der seine Frau seit ihrer Kindheit kannte, und der jetzt Eous-Ehef im Präfectur-Bureau war, innige Freundschaft geschlossen. Herr Duretour dinirte dreimal die Woche bei Herrn Lemonnier und brachte der Gnädigen Blumen, manchmal eine Loge in'S Theater. Und oft beim Nachtisch wandte sich der gute Lemsnnier gerührt zu seiner Frau: Mit einer Lebensgefährtin wie Dich und einen Freund wie ihn,hat man das vollkommene Glück auf Erden." Sie starb im Wochenbett. Fast wäre auch er vor Schmerz vergangen. Aber der Anblick des Kindes gab iizm Muth. Ein armes, hilfloses Wesen, daS wimmernd nach Hilfe verlangte. Er liebte eS mit einer leidenschaft lichen. schmerzlichen, krankhaften Liebe, mit der sich daS Andenken an den Tod mengte, aber auch etwas von der Vergötterung fortlebte, die er für die Todte gehegt hatte. Es war ein Theil ihrer Selbst, ihr fortlebendes Sein, wie eine Quintessenz ihres Wesens. ES war, als wäre ibr Leben in einen andern Körper, in den Körper dieses Kindes übergegangen, sie war verschwunden, damit es zum Dasein erwach?. Und der Vater umarmte den Knaben mit wilder Leidenschaftlichkeit. Aber dieses Kind hatte sie auch getödtet,es hatte dieses angebeteteLeben an sich gerissen, geraubt, es hatte sich davon genährt, seinen DaseinSodem daraus geschöpft. Und Herr Lemonnier legte den Kna den in die Wiege und setzte sich zu ihm und hing tausend traurigen oder süßen Gedanken nach. Dann, als der Kleine schlief, beugte er sich über sein Gesicht' chen und weinte in seine Kissen. Der Knabe wurde größer. Der Vater konnte keine Stunde mehr ohne ibn zubringen; er schlich sich um ihn, führte ihn svazieren, zog ihn selbst an, wusch ihn, gab ihm zu essen. Sein Freund. Herr Duretour, schien den K naben auch zärtlich zu lieben; eS überkam ibn manchmal, daß er ihn umarmen, an sich drücken mußte, mit jener frenetische Zärtlichkeit, wie sie Eltern eigen ist. Er hob ihn hoch in die Luft, bis zur Zimmerdecke, ließ ihn stundenlang aus den B:inen reiten, dann legte er ihn plötzlich auf den Knieen um und küßte seicke dicken Schenkel und die kleinen runden Waden. Herr Lemonnier stammelte tntzückt: ist er nicht allerliebst.ist er nicht al lerliebst!" Uno Herr Duretour schloß das Kind in dieArme und vergrub seinen Schnurr bart in den weißen Hals. NurEeleste, die alte Magd, schien für den 51'leinen gar keine Zärtlichkeit zu fühlen. Seine Schelmenstreiche machten sie ärgerlich, die Schmeicheleien der bndcn Männer schienen sie außer Rand und Band zu bringen. Sie rief: .Wie kann man nur ein Kind so schlecht erziehen! Sie werden einen schönen Thunichtgut aus ihm machen!" Jahre vergingen und der kleine Jean war inzwischen neun Jahre alt geworden. E? tonnte kaum lesen, so sehr war er verzogen worden, so sehr mußte Alles nach seinem Kopfe gehen. Er hatte seinen hartnäckigen Willen, Anfälle von wüthendem Zorn und hartnäckigstem Widerstand. Der Vater gab immer nach, erlaubte AlleS. Herr Duretour kaufte und brachte , unaufhörlich Spiel zeug, das der Kleine begehrte, und fütterte ihn mit Kuchen und allerhand Zuckerwerk. , Dann war Eeleste immer zornig und schalt: Eine Schande ist's, Herr, eine Schande! Sie machen dieses Kind uu-
glücklich, vc r'lehen Sie wohl, unglücklich Aber das muß ein Ende nehmen! Ja. ja. das wird ein Ende nehmen, ich sgg's Ihnen, ich verspreche es Ihnen, und daS bald!" Herr Lemonnier erwiderte lächelnd: Was willst du haben, meine Liebe? Ich habe ihn zu gern, ich kann ihm nicht widerstehen: darein wirst du dich wohl ergeben müssen." . ! ;: Jean fühlte sich etwas unwohl und schwach. Der Arzt constatirke Blutleere und verordnete Eisen, halbgebrateneS Fleisch und kräftige Suppe. Aber der Kleine wollte nur Kuchen haben ; er wies jede andere Nahrung zurück, und der verzweifelte Vater stopfte den Kleinen mit Eremetörtchen und Ehocoladekrapfen. Eines Abends, als sie sich ;u Tische setzten, brachte Eeleste die Suppenschüffel mit einer Zuversicht und unem bestimmten Auftreten herein, wie eS ihr sonst nicht eigen war. Rasch nahm sie den Decke! ab. tauchte den Schöpflöffel ein und erklärte:Das ist eine Suppe, wie ich noch keine gekocht habe; heute muß aber der
ineme davon ejfen." Herr Lemonnier senkte den Kopf. Er sah wohl, daß das schlecht ausgehen werde. Eeleste nahm seinen Teller, füllte ihn selbst und stellte ihn dann rasch vor ihm nieder. Er kostete die Suppe und sagte: Sie ist wirklich vortrefflich !" Nun packte die Magd den Teller des Kleinen und füllte ihn ebenfalls mit Suppe. Dann that sie zwei Schritte zurück und wartete. Jean roch an dem Teller, stieß ihn zurück und machte eine Geberde des Ekels. Eeleste war bleich geworden. Heftig näherte sie sich, ergriff den Löffel und steckte ihn. mit Suppe gefüllt, gewaltsam in den halbgeöffneten Mund des Kleinen. Er bekam die Suppe in die unrechte Kehle, hustete, räusperte sich, spuckte und faßte heulend nach seinem Wasserglas, das er mit aller Kraft gegen die Maad schleuderte. Es flog ihr gerade an den Bauch. Da faßte sie erbittert den Kopf des kleinen Vengels und begann ihm die Suppe Löffel auf Löffel in die Keble zu gießen. Er spie sie immer j wieder aus, stampfte mit den Füßen, wand sich, verlor den Athem, fuchtelte mit den Händen in der Lust umher, als ob er ersticken wollte. Der Vater war erst so verblüfft, da er bewegungslos dastand. Dann stürzte er urplötzlich mit der Wuth eines rasend gewordenen TollhäuSlerS auf die Magd los, packte sie bei der Kehle, warf sie gegen die Mauer und rief: Hinaus! Hinaus! Hinaus! Ungeheuer!" Aber mit einem Ruck stieß sie ihn zurück, ihr Haar löste sich, die Haube lag im Nacken, die Augen glühten und sie schrie: Was glauben Sie denn? Sie wollen niich schlagen, weil ich dem Kinde, das Sie mit Ihrer Nachgiebigkeit tödten werden, ein wenig Suppe zu essen gebe?" Er wiederholte, vom Kopf bis zu den Füßen bebend: Hinaus! Pack' dich pack' dich, Ungeheuer!" Wie rasend kam sie wieder auf ibn loZ imd Aug' in Aug' mit bebender Stimme: Ah. Sie meinen. ... Sie meinen, daß Sie mich so behandeln dürfen, mich, mich? O nein! Und das Alles wegen dieses Grünschnabels, der nicht einmal Ihr Kind ist! 9!ein. nicht Ihr Kind! Richt Ihr Kind, nein, nein! Alle Welt weiß es ja. potztausend, außer Ihnen! Fragen Sie nur den Krämer, den Bäcker, den Fleischer, Alle Alle'." Sie stotterte vor Zorn und Aufregung. dann schmieg sie und sah ihn an. Er stand bleick und regungslos mit herabhängenden Armen da. Tann, nach einigen Secunden, stammelte er mit erloschener, bebender Stimme, in der dennoch eine gewaltige Erregung zitterte: Was sagst du? Was sagst du? Was?" Sie schmieg, erschreckt von seinem Gesichtsausdruck. Er machte einen Schritt nach vorwärts und wiederholte: Was sagst du? Was?" Da erwiderte sie mit berubiterer Stimme? Ich sage, was ich weiß, was alle Welt weiß, meiner Treu!" Er erhob seine beiden Arme, warf sich auf sie mit thierischer Wildheit und versuchte sie zu würgen. Aber sie war kräftig und beweglich trotz ihres Alter?. Sie entschlüpfte ihm. lief rings um den Tisch und kreischte in erneutem Zorn: So sehen Sie ihn doch an, blicken Sie bin. Dummkopf, der Sie sind, ob er nicht ganz das Ebenbild des Herrn Duretour ist. Sehen Sie doch seine Naie an, seine Augen! Haben Sie solche Augen? und die Nase? und die Haare? Oder hatte sie etwa solche? Alle Welt, sag' ich Ihnen, weiß eS ja, alle Welt, Sie ausgenommen ! Es ist das Gelächter der ganzen Stadt! Sehen Sie ihn nur an " Sie kam an der Thür vorbei, schloß sie auf und verschwand. Jean blieb entsetzt und unbeweglich vor seinem Suppenteller sitzen. Nach Verlauf einer Stunde kam sie wieder herein, um nachzusehen. Der Kleine war nun, nachdem er die Kuchen und daS Eompot verspeist hatte, daran, den Eonsikurentopf mit seinem Suppenlössel zu leeren. Der Vater war ausgegangen. Eeleste umarmte das Kind, trug es leisen Schrittes in sein Zimmer und legte eS zu Bett. Und sie kehrte in's Speisezimmer zurück und brachte Alles in Ordnung. Sie war sehr beunruhigt. Man vernahm gar keinen Lärm im Sause, aar keinen. Sie horchte am ! Zimmer ihres Herrn. Nichts rührtö 'sich. Sie legte daS Auge an'S
Schlüsselloch. Er schrieb und schien ruhig. Dann ging sie in die Küche und setzte sich nieder, um für jeden Fall bereit zu sein ; denn sie witterte wohl etwas Schlimmes. Sie schlief auf ihrem Stuble ein und wachte erst des Morgens auf. Wie gewöhnlich des MorzsnS UoxqU sie den Haushalt ; sie kehrte. staubte ab und bereitete gegen 8 Uhr den llaffee für Herrn Lemonnier. Aber sie wagte es nicht, ilkn in'S Zimmer zu bringen, da sie nicht recht wußte, wie er sie empfangen würde, und sie w2rtete ab. bis geläutet werde. Er ISule:e nicht. ES ward v Uhr, 10 Uhr. . ''.-'.UEeleste richtete bestürzt ihr Vlat zurccht und machte sich klonenden Herzens auf den Weg. Vor der Tbü-.-blieb sie sieden und lauschte. Nichts regte sich. Sie klopfte, steine Antwort. ..'Da nahm sie ihren ganzen Muth zusammen, öffnete, trat ein und ließ mit einem entsetzlichen Schrei das Frühstück zur Erde fallen. Herr Lemonnier hatte sich an einem mitten am Plafond befestigten Lamrenhaken erhenlt. Die Zunze hing ihtrt entsetzlich kcraus. Sein rechter tcffel laz auf dem Boden. Der linke war am Fuß geblieben. Eiu umgeworfener Stubl war bis zum Bett ge rollt. Eeleste ergriff beulend und sau be sinnungsloZ die Flucht. Alle Nachbarn liefen herbei. Der Art constatirte, daß der Tod gegen Mittirnachr eingetreten sein müsse. Ein an Herrn Duretour adrest'irtr Brief wurde auf dem Tisch de ? Selbstmörders vorgefunden. Er enthielt nur diese Zeile: Ich scheide, sorgen Si: sü? den Kleinen." Zet Dalat Lama..
In Murrens Magazin sindct sich ein interessanter Artikel über den Herrscher und das Volk von Tibet, dem wir FolqendeS entnehmen: Der aezenwärtne ' Dalai Lama so heitzen TibttS Herrj scher ist der siebente, der seit Beginn l dieses Jahrhunderts den Thron besitz , gen bat. Keinem von ihnen ist es derj gönnt gewesen, das zwanzigste Jahr zu erreichen. Mr. Sandborg, de? Verfaffer des Artikels, erklärt offen, daß die Ebinefen dafür verantwortlich fe e i. Um ihre Stellung in Tibet zu behaup. ten." hdfjt eS, die Producte des Landes zu ihrem Vortheil auszubeuten und andererseits wieder die alleinige Lieferantin desselben zu sem. tragt die chinesische Regierung kein Bedenken, den Mord jedes einzelnen Landesfürsten zu veranlassen, bevor er mündig wird. So sind wenigstens fünf der Dalai Lamas während des laufenden Jabrknn derts auf geheimen Befehl von Peking aus mit Ueberlegung zu Tode befördert. Man läßt den jungen Herrscher ruhig leben, bis er daS Alter erreicht, welches ihn berechtigt, die volle Souveränität auszuüben ; dann kommt das Edict, das' er sterben muß. und irgend ein gefügi ges Werkzeug führt daS blutige Ende herbe-. Die hohen Würdenträger des Staates scheinen sehr wohl zu wissen, dafj ihre geheiligten Herrscher daS Leben auf verrätherifche Weise verloren haben ; aber Drohungen und Bestechungen der chinesischen Gesandten in Lhassa(der Hauptstadt) haben bisher jedeii Ver such, das Leben eines der jungen "Fürsten zu reiten, vereitelt." Die jetzige Lage der Dinge bietet der nationalen Partei günstigere Aussichten. Das Volk ist von Unwillen ergriffen gegen die Anmaßungen Chinas, der junge Herrscher ist geistig und körperlich in voller Krast und wird in achtzehn Monaten das Alter erreichen, um anstatt des bisherigen Regenten die weltlich: Macht zu übernehmen, wie er schon vorher von der geistlichen Gewalt Besi! ergriffen hat. Man muß bedenken." fährt Herr Sandbecg fort, daß von der großen Masie des Volkes, den MongolenHorden von Khoko-Nur und der chinestschen Tatarei. den Kalmüken und Burejäten des asiatischen Rußlands, dieser geheiligte Jüngling als eine Gottheit betrachtet wird, die über allen Göttern steht. Alle diese Volker, fromme und eifrige Buddhisten bis auf den letzten Mann, würden auf jeden Ruf von den höchsten Haupte ihres Glaubens zum Religionskrieg herbeieilen. Der Dalai Lama, der Vertreter Buddhas auf Erden, von dem Fremden bedroht, sein Leben in Gefahr, daS würde in der That ein Schlachtruf von zauberhafter Wirkung fein. Visher ist dei den ergebenen Anhängern des Dalai Lama niemals der Gedanke an einen Kampf ihres Oberhauptes gegen den chinesi schen Kaiser erweckt worden; aber dfe wenigen, die darüber zu urtheilen vermögen, können nicht daran zweifeln, daß dieser Kampf bevorsteht. Di? Excesse, welche neuerdings von Chinesen in Ti bet bezanzen sind, haben eine Krisis herbeigeführt, die nur auf daS Erscheinen eines gläubigen Vorkämpfers wartet. um einen blutigen Kreuzzuz zu eröffnen. Wohl zu merken! Du magst darüber glücklich fein, Wenn dich des Fürsten Gunst beschemt, f?.J 4. . W . 7 S ütu iiiiuiti t'iuy tu 4icC9 rui; Daß er der Fürst und du der Freund. Aber, Lina, ich erfuhr daß gestern Jemand bei Ihnen in der Küche gesessen und Sie wissen doch, daß ich Fremde in meiner Wohnung nicht dulde." Aber, gnädige Frau, mein Bräutigam ist mir doch kein Frem der mehr!" Doppelsinnig. Braut: Nicht wahr, Oskar, wenn wir verheirathet sind, bleibst Du immer zu Hause und ich singe und spiele Dir was vor?!" Bräutiaam : .Jawohl, theure Olga, , ich hab' mir ohnehin nie etwas uZ i Vergnügungen gemacht."
