Indiana Tribüne, Volume 15, Number 93, Indianapolis, Marion County, 20 December 1891 — Page 7

Mezartö LiebeöleSen. Zur Ennneruzzg cn teuren hundert lähnz-n Todestag (5. Tec. 1701).

Vsrr Sru Hcmvil. Wenn bei irgend einer künsjZensch ichaffenden Persönlichkeit der Charakter des Menscöen und der seiner Werke sich decken, w in dies bei Mozört der Fall. Ter v. l.l.'5?nd heiteren Harmonie, der wundervaren Klarheit und leben Wrühenden Anmuth, welche in feinen SchovfuNgcn vorwiegt . die tragisehen Accenle fehlten ihm niüt. aber sie waren nickt bezeichnend für ihn entspricht ganz und gar seiner Jndividuelitär, wie sie uns überliefert ist. Nichts Tunkles, nichts Gewaltsaines. nichts UnJuszeglichenes, ichtS ethisch oder ästhetisch Abstoßendes findet sich in seinem Leben; so wie wir ti kennen, ist es das eines, trotz seiner hohen Geniali tat harmlosen, gutmüthigen, leicht Uni samen, pftichtgetreuen, wenn auch wirrhZchaftlich etwas leichtgesmnten Mannes, der, und das chzrakteriflrt ihn vor Allem, ein vortrefflicher Sohn, Bruder und Gatte war. Bei einem leicht erregbaren, dein Augenblick hingegebenen Stimmung s rnenschen wie Mozart, mußte die Liebe zum Weibe eine große Rolle spielen Und fc", er hake keine romantische Neigum -?eckt oder genährt, hat nicht sein Selen txt finsterer Vereinsamung beschlossen, wie Beethoven, er hat keine lrave Philisterfrau geheirathet wie Meierbeer, auch keine zweifelhafte Erscheinung. wie Heine, er hat sich an seinen bösen aber berückenden Dämon ge fetter, wie Mokiere, er hat auch keinem Freunde das Weib geraubt, wie Wagner, es verlief Alles in seinem Liebesleben nicht hausbacken, aber harmoniscb, ausgeglichen, heiter, wie seine F - rao! 1-S ym p h ouie. Mozarts Mutter scheint eine gute, aber einfache Hausfrau gewesen zu sein, welcher der Sohn aufrichtige Verehrung zollte, die aber keinen Einfluß auf seine Entwickelung nahm. Die musikalische Begabung hatte Mozart, wie Hayden, vom Vater und Großvater ererbt, er in erhöhter Polens, in mäßigerem Grade seine Scbwester Maria Anna, im Hause Nanner'l" genannt. Die allbekannte Wunderkindlaufbahn Wolfgangs, die in seinem 6. Lebensjähre m Müncbm begann und e:wa in seinem 14. mit der Annahme in die Acailemia filkrrnonica in Bologna endete, wurde bis auf die italienische Periode von seiner Schwester Nanner'l, einer ausgezeichneten Pianistin, getheilt. Nannn'l machte sämmtliche Kunst rei fen. die Vater Mozart und Wolfgang nach Wien. Paris, London und zuletzt durch Holland unternahm, mit und trat überall neben ihrem Bruder auf. Freilich konnte die Kleine nicht Könige, Gelehrte und große Musiker so in Er. staunen setzen, wie der kleine Wolfgangerl. aber sie behauptete sich überall ehrenvoll neben dem genialen Bruder. Es ist elzfehr begreiflich, daß der zärtliche, offenherzige Knabe innig an der Schwester hing. Dafür geben die Briefe Zeugniß, die Wolfgang an seine Schwerer schrieb, als die Beiden zum ersten Male getrennt waren. Es ge schab dies aus Anlaß der obmerwahn' ten Reise des 14Mrigen Mozart nach Jtatten. damals das Paradies, das ein zig dastehende Land der Vollendung für jeden Musiker. Zur selben Zeit, als der junge Mozart nach dem Lande der Hesxeriden pilgerte, wurde in Va ris der berühmte Streit zwischen Glück und Pieeini aus gefochten, bei wel cher Gelegenheit die italienische Musik in aller Form einen siegreichen Nivalen erhielt. Aber der 14jährige Mozart dachte natürlich an keine Opposition, er lernte fleißig in Italien und komponirte Opern wie Kirchenmusik in dem dort als maßgebend geltenden Stile. Sein kindliches Gemüth aber hing mit un verminderter Zärtlichkeit an der Heimatb. besonders an NannerU". Die Briefe, die der Knabe an. die Schwerter schreib?, sind beinahe Liebesbriefe. Sie beginnen mit zärtlich? Worten, wie Herzallerliebste Schwester" und endigen gewöhnlich mit mindestens tausend Busserln" . oder Schmat zer'ln". Während Nannerl sich erst spät, 1784, mit einem Freiberrn von Berchtholo in Salzburg verebelichte, erreichte ihren Bruder sein Schicksal, die erste Liebes? leidenllbart, schon 1777 bei seinem Aufenthalt in Mannheim, wo er damals eine berühmte Oper gab. Zwar aus der ersten Zeit seines Mannheimer Aufentbeltes haben wir auch Beweise, zoie kindlich unbefangen sein Herz war; es sind dies eine Reihe von Bnefeu an das Baile", feine um zwei Jahre jüngere Cousine, die Marie Anna hieß, wie feine Mutter und Schwester und wie drei semer. m den ersten Lebcnsmonaten rcrstbrteuen Schwesterir. Diese Briefe an das Bäsle" strotzen von Uebermuth, ja von Unsinn, der bis zur kindischen Albernheit geht, kein einzizes vernünftiges Wort m diesen umfanzreichen Schriftstücken. Die Nei gnnz zu kindlichen Scherzen, die auch schou in den Briefen an Nanner'l hervortritt, soll Mozart bis an sein Lebens, ende bchaüen haben. Aber bald werden fc Briefe an das BasU" selten und seltener, denn Wolfgang liebt mit der ersn Leidenschaft eines unentweihitn JiÄglinzsherzeils. Ter Gezei:stand st:ner Leidenschaft ist Aloysia Weber, Sängerin an der Mannheimer Oper, eine fünfzehnjährige, srischerblülzende Schsuheir mit herrlicher Stimme. Sie ist die Tochter des Souffleurs und Kopisten dieses Theaters, der mit fünf jüngeren mindern geieznet ist. Mo zarr komponirte für Atoyfia zwei Arien, Star tranquillo" und Je non so u:onne viotm", mit deren Vortrug sie ' Furore machte. .Sie locht , euch schrieb er au seinen Äster. Er wollte nnt den Weber's eine Kunstreife unter1 nebmen und Äloysia, heiraten. Aber

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seine Eltern WJtt ÄLes auf, UlJ die trüb zeitige Verbindung zu hindern: diesmal siegte die kindhche Liebe über die Leidenjchatt des Jüugl'.ttgs. Wolf gang kehrte gehorsam zu semea Eltern zurück. kz behielten Recht; Aloysia erwies sich als unbeständig uud treulos. Sie verh?alhete sich in der Folge mit dem Hojfchauspieler Lange und lebte mit diesem in höchst unglückllcher Ehe, was durchaus nicht allein sein Verschulden war. Aber Mozarts Veröleiben in Salz, burz wurde doch für die Tauer unhalrbar, da der Erzbischof, zu dessen Kapelle er gehörte, thu einsichtslos, ja brutal behandelte. 1780 begab sich Wolfgang nach Wien, um eine Stellung zu suchen. Tort aber hauste die, inzwischen Wittwe gewordene Madame Weber" mit drei nock ledigen Töchtern! Aus alter Au tlänglichtelt an die Familie nahm Mo zart bei der Wtttwe Wohnung. Obgleich er diese Unterkunft wegen Kla schereien. die bis nach Salzburg dran gen. wieder aufgab, hatte sich doch sein Schicksal zum zweiten Mal besiegelt. Sein Herz datte sich für Konstanze. die jüngste der Schwestern Weber, entsckiden. Zwar, er hatte noÄ wne feste Stellung, seine Eltern widerstrebten auch diesmal, aber Mozart wollte trotz dem helrathen. Merkwürdig sind die Briefe, die er in dieser Angelegenheit an seinen Vater schreibt; ferne Spur blinder Leidenschaft rst darin, aber ein wunderbar ru higes Erwägen und eine herzerquickende Innigkeit des Empfindens. Erst setzt t er seinem Vater die Vortheile der Verheirathuag überhauvt auseinander. .Ein lediger Mensch ist nur ein halier Mensch", sagt er und versichert,' er werde mit seinem bisherigen Auskom wen in einer eigenen Häuslichkeit besser reichen, als jeyt, bei der ungebundenen Lebensweise des Junggesellen, Sein gesichertes Einkommen beruhte auf den Honoraren von drei Scolarinnen" und betrug monatlich 18 Dukaten. .Wenn noch eine dazu kouwit," rechnet er seinem Vater vor, so habe ich 103 Jk. 24 Kr." Mit der Möglichkeit, daß Keine dazu kommen, sondern eine abfallen könnte. scheint er nicht zu rechnen. Er spricht von den vier Schwestern Weber. Wildert . ... . , f r " s ' . Ai t X , Sre 11t rncht häBltch," sagt er wort' , lch. ?ber auch ntcht hübsch gut gemach.en, mit ein paar ;Äönen dunklen Augen. Sle beptzt kemen .Mtz - da. j mms ungeiur oaneioe. was mn eure . unter -Geist' versteben aber genug , . A M . M jft M MW rm jH. 144 a T gesunden Menschenoerstand.um eme gute Gattm und Mutter zu werden." Wie er Konstanze lieben lernte? Das ging sehr natürlich, aber auch sehr prosaisch zu. Konstanze umgab ihn, während er bei ihrer Mutter wohnte, mit echt weiblicher Sorge, kümmerte sich um seine kleinen Alltagsbedürfnisse, um seine Wäsche u. s. w. Das rührte sein Herz. Trotz allcdem versagt Vater Mozart hartnäckig seine Einwilligung. Er erinnert en die Selbsttäuschung Hinsichtlich Aloysia'ö. er hat nun einmal kein Vertrauen zu den Webers. Nm die Hartnäckigkeit des Vaters gegenüber den wahrhaft rührenden Briefen des Sohnes zu erklären, muß hervorgehoben werden, daß Wolfgang's Scheiden aus Salzburg eine Verstimmung hervorgerufen batte. Leopold Mozart, der seinen Soün mit Opfern uud mit eigener Bemühung großgezogen hatte er arbeitete mit ihm oft in die Rächt hinein . der ihm jede mögliche Chance erschloß, konnte dem Wötsgang nicht verzeihen, daß d:efer feine Hofpiamstenstelle aufgegeben hatte, weil ihm die Fußtritte des Herrn Erzbischofs unerträglick wurden. Und nun, nachdem die sichere Stelle verloren, henathen. auf drei Scolarinnen" hin das war zu viel! Böfe Klatschereien über das jungt Paar gingen hin und her, endlich drohte such Frau Weber damit, Konstanze dem Einflüsse Mozarts anz zu entziehen. Dieser schreibt an seinen Vater, er sei mit seiner Braut zur Beichte und Kommunion gegangen, und bei dieser fcom men Gelegenheit fei ihm so recht klar gewordcu, Koustanze müsse die Seine werden. Aber auch das versing nicht; die va terlicke Einwilligung blieb aus. Und nun beschloß.Mozart, die Geliebte ohne eine solcbe zum Altar zu führen, was auch geschah. Er nannte diese Trauung .die Entführung aus dem Auge Got-teS-. Tiefen Namen führte das Haus am Petersplatz in Wien, wo Frau Weber mit ihren Töchtern wohnte. MozartS Oper Die Entführung aus l j- . c .-.. f oem Veran' alle zoeoen oteVuyne oeschritten. T?r Untertitel der Oper lautete Belmonte und Koustanze". Und wie gestaltete sich diese, mit soviel Aufwand von Energie geschlossene Künstlerebe? Ganz so, wie ein moöerne? Realist sie schildern wurde glücklich,' aber nicht ohne starke Schatten seilen. Vor Allem kam das Paar, trotzdem der Gatte eine europäische Berühmtheit war, aus den Sorgen nicht heraus. Die Einnahmen flössen unregelmäßig und es fehlteBeiden an wirthschaftlichen Tugenden. Konstanz einerseits unmäßig stolz und e!tel auf ihreuMaNn. war doch lieblos genug, ihm wegen seiner uugenüzcnden Einnahmen Vorwürfe zu machen, was bittere Mißhelligkeiken zur Folge hatte. Außerdem kränkelte sie vielfach und batte "eine ganze 1 Reihe schwererTutbludungen zuübersteben.waS dem leichtlebigen Manne gewiß nuf'S Herz siel. K on stanze war. der eigenen Schilderung deZ liebenden Bräutizaws zukolge." weder schön noch geistvoll. Sie besaß keinerlei Bildung in unserem Sinne uud sie war auch keine sonderlich guie Hausfrau. Dennoch, muß man sagen, war sie die richtige Frau für Mozart, denn sie verstand seine Künstlerseele. Vor, Allem war sie, eine ausgeftzrochen musikalische Natur und sang gut, wenn ihre Stimme auö nicht so schön war.

rnogua jaip nu lomi, 0 zwei , Sonfianze Mozart verheirat M?,v hentnllS. rtTS ttnf thTt5mrth .. J . ' .

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als die Älöysta's. Man darf bebaupten, day Mozart mtt einer unmusikalischen Frau nicht hätte leben können. Alle seme Gefühle und Stimmungen setzten sich in Musik um. Schon als kleine? Knabe war er zu ihm widerwilligen Leistungen dadurch zu bewegen, daß man ihm vorgeizte oder vorsang. Koustanze sang und spielte mit ihm seine Kompositionen nicht nur, sie verstand ihn auch trefflich zu behandeln, wenn er arbeitete. Er liebte keine abfoluZe Stille, die junge Frau sah bei ihm, plaudernd, scherzend, im rechten Augen blick schweigend, bisweilen auch ihn be gleitend, probirend, rathend. Dürfen wir ihr grollen, wenn sie das Hauswe-

sen darüber vernachlätgte? Von Mozart's großer Zärtlichkeit für sie geben einige Zettel Kunde, die in seinem Nachlaß verwahrt wurden. Er pflegte gern um fünf Uhr Morgens aufzustehen und spaziere zu gebra oder zu reiten. Wenn Konstanze krank oder in gesegneten Umständen war, legte er dann an ihrem Bette einen Zettel in Form eines Rezeptes hin, dessen Znhalt ungefähr dieser war: Liebes Weibchen! Bleib' ja ruhig liegen, bücke Dich nicht, stolpere nicht über die Schwelle, thueDir ja keinen Scha den. Aergere Dlch auch nicht, verwahre häuslichen Verdruß, bis ich zurückkomme u. f. tv." rt f?rtnfrt trif-4 lt ymiijui s.tw(3v, wvu,w ül aaxos yochM, ZauberMe" und fntvt hi mfet j0riDou Zuan ster-Kompositiouen Mozart's schon bei den Zeitgenossen fanden, müssen Konj v v vpv B V w stanze's Ehrgeiz bis zu jedem denkbare MüLe bezrtcdtgr haben. Mozart starb im 36. Lebensjahre in der Vollkraft künstlerischen Schaffens. Koustanze blieb fast mittellos zurück, mit zwei kleinen Kindern, von denen Karl in Dunkelheit starb, während Wolfgang, ebenfalls ein tüchtiger Musi ker. aber vom Ruhm seines Vaters er drückt wurde. Der große Tondichter hatte ein Baarvermögeu von 3'J Gulden hinter lassen, dazu Ausstände von etwa 130 ! Gulden. Hätte der bedeutende Nach laß des genialen Maunes der Wittwe nZSt iuarer nocü 1000 Dukaten tinae aaen. sie wären der bitterste Roth vriallen bete sich einem oanl 15 U4'ikHV V J W min.?,:. h,r&K nh 1 Sl-fn ptn ch dessen handschriftlichen Nachlaß fmelte und ordnete. Diese zweite he Konstanze's wird als alücküch zufrieden aetckildert. obaleick wissen gar nichts weiter war, als ein flei- . P V ßiger Beamtetem gewissenhafterSammler und ordnungsliebender Mensch. Man darf daraus schließen, daß Konstanze nichts weniger als eine geniale Natur war. Um so höher steht ihr Verdienst, den göttlichen Mozart glücklich gemacht zu haben. Weihnachts-Plauöere Da das Weihnachtsfest ein Fest der Liebe ist, so kommt es ja auch nicht auf den Werth des Gescheutes, sondern darauf, wie es geschenkt wird, an. Oftmals herrscht mehr Glück in der Hütte, als in dem Palast. Wie viele Frauen habe ich schon seufzen hören: Ach, wenn die Feiertage doch schon vorüber wären V Anstatt daß dies Fest ein Freudenfest füc sie ist, wird es eine Quelle der Sorge und Qual, sie möch ten ihren Kindern gerecht werden und ihren bart arbeitenden Männern auch, und Dies läßt sich absolut nicht mit ihrnr Mitteln vereinigen. Da wäre es doch das Nächstliegende, man verein' fachte die Geschichte; Töchter sollten Dies durch nicht allzuhoch gespannte Erwartungen ihren Müttern erleich' tern. denn wie oft wird manches Ee schenk erbettelt, ertrotzt, erschmeichelt, das zu erschwingen den Eltern schwer sällt. Wie oft wird der zu hoch gespannte Wunsch einer Gattin dem Manne verhängmßvoll! Wie oft werden die Anspräche von Seiten deS Gatten an das Geldverwaltungstalent seiner Frau ihr zu Qual und Verdruß, die ihr das ganze schöne Fest zerstören! Und es geht auch, ohne daß man dieS oder jenes hat. Ein Mädchen, frisch, jung und hübsch, sieht auch in einem einfachen Kostüme hübsch auS, ja noch besser, als wenn sie in Seide und Sammt daher kömmt; auch amüsirt sie sich ebenso gut. Es ist sehr thöricht von Müttern, ihren Töchtern llles 'zuzuweuden, was sie sich an ihren Lippen und Körpern abdarben, denn sie verfehlen ihren Zweck da mit. Erstens gewöhnen sie ihren Kinder Selbstsucht und Ansprüche an, und zweitens, wenn sie glauben, dadurch ihre Töchter schneller an den Mann zu bringen, so sind sie auch auf dem Holzwege. So viel sehen tüchtige, gediegene junge Männer doch, daß übertriebener Luxus schwer zu erzwingen rst nnd wenden sich dann an einfache Mädchen. Da unsere Kleinen auch Theil an der Geheimnißkrämerei und den Ueberraschuugen haben wollen, so will ich mich zuerst ihrer annehmen. Viel können die Kleinen noch nicht leisten, aber wie stolz steht der kleine Geber da, wenn er am Festabende sein kleines selbst gemach' tes Geschenk darbieten kann! Vieles muß natürlich von der Mutter oder älteren Schwestern vollendet werden, aber immerhin heißt es dann: Großpapa, ich habe dies sür Dich verfertigt, . oder Großmama, ich habe dies , gemacht.- , Großpapa kann bei kaltem Wetter einen gehäkelten Shawl oder ein paar gestrickte Handschuhe von weicher, ' zarter Wolle brauchen, und Großmama wird gegen eine gehäkelte Pelerine, Tuch , oder Ueberschuhe aus Wolle auch nichts einzuwenden haben. Für Papa sind gewiß Schlummerrollen Bürstentaschen, , Schuhtaschen auch willkommen; Mama kann Deckchen, Tischläufer, Untersätze, Fußkissen stets 'gebrauchen, und man geht niit fehl, wenn man einm dieser Gegenstände verfertigt. Auch Decken für die Reise oder zum Bedecken, wenn Mama oder Papa. ein .Schläkchm nach TisH

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machen wollen, sind stets annehmbar. Dieselben werden aus Streifen in sögenannte? russischer Häkelei mit verschiedenfarbener Welle gearbeitet. Wem aber Gobelinstickerei Ueber ist, der kann auch solche Streifen aus grobem Canevas ausführen, was sehr modern ist. Da sich der altmodische Kreuzstich wieder sehr hervorthut, so werden Bilder, Wanddecorationen. Wind- und Ofen schirme daraus verfertigt und altdeutsche Einrichtungen dürften kaum als vollständig gelten ohne diesen Schmuck. Die neuesten Tifchläufer werden mit AplicationSsiguren auS verfchiedeufarbigem Plüfch auf unabgetheiltem creme farbigem Seidencanevas, mit Metallfäden bestickt Nnd umnäht hergestellt. Zu einfacheren kauft man fertige mit Steppsam, die vorgezeichnetes Muster haben, das dann mit waschechter Seide bestickt wird. Viele haben Sprüche wie: Und hast du einen lieben Gast, gib ihm vom Besten was du hast," u. s. w. Kleine Mädchen lieben Schürzen, die man sehr hübsch machen kann. Eine sehr schöne sah ich von Band und Einsatz zusammengestellt, mit einer Schleife an der Seite zum schließen. Das Band und der Einsatz wurden in der Weise zusammengenäht, daß jedes Ende eine Zacke bildete; um diese Zacken wurde Spitze als Garnitur gesetzt. Hübsche Medicingürtel werden aus schwarzer ?e:de hergestellt und dann mtt Jet bestickt, ein sehr nettes Präsent tut eine Schwester oder Freundin. Wollene sowie Tuchkappchen sind leicht herzustellen und kosten nicht viel. Federwischer für Knaben und Mädchen, die noch in die Schule gehen, find Müttern gewiß recht, da Philipp oder Fränzchen sonst die Tinte an das Kleidchen oder an die Strümpfe wischt. Ten Tkcktern würde ein hübscher, mit Pelz besetzter Mantel gewiß willkommen sein, oder es hat vielleicht ein Töchterchen ein fchon gebrauchtes, sei denes Unterkleid; das ließe sich mit Crcp.' de Chine oder Tüll überziehen, mit Blumen oder Federn schmucken, letztere tonnen von alten Hüten abgetrennt und in irgend eine beliebige Farde gefärbt werden. Der Crepe oder Tüll wird fünfzig Zoll breit verkauft und fünf Zards machen ein schö' nes Koüüm, zu zwei Dollars und ein halb die Sard, macht zwölf Dollars und ein halb. Hübfch modern gemacht, bildet dies gewiß eine angenehme Nederraschung für ein junges Mädchen. das diesen Winter Gesellschaften besucht. Für Söhne, die sich selbst ernähren müssen, ist gutes, warmes Unterzeug willkommen. Es nimmt ihnen, wenn gute Waare gekauft wird, einen bedeuteuden Tbeil ihrer Garderobeusorgen ab.- Oder man schmücke ihr Zimmer so, daß es. wenn er nach des Tages Last und Mühen noch durch Lesen oder Studiren seinen Geist ausbilden will, em trauliches Stäbchen findet, in das er sich auch zuweilen einen Freund laden kann ; denn laßt Euch sagend dieses Zim. wer wirkt mehr zum häuslichen Zu. sammknkeben, als man denkt, und namentlich die Schwestern können viel zu diesem häuslichen Zusammenleben beitragen, denn je freundlicher die Schwe ster demBrudergigeuüber sich benimmt, um so freundlicher ist er gegen sie; wie es in den Wald bmeinschallt. so schallt eS wieder der aus. Auch sind es mei stens die Schwestern, die dem Bruder our ior Veiragen eiue )o geringe Meinung vcn den Frauen beibringen und indirect die Mutter ebenfalls, indem sie ihre Tochter nicht Geduld und Opierfreudigkeit lehrt. Die meisten großen Männer haben edle Frauen als Mütter gehabt; die Frau leitet die erste Erziehung des Knaben, und was mit der Muttermilch eingcfogeu und an erzogen wird, können oft die bedeutend sten Männer und Frauen nicht mehr abstreifen. Mutter S. im Lougislander. Kroke Mättucr im Älafrocke. Daß große Männer in kleinen 35in gen oft genug recht kleinlich sind, laßt sich in vielen Fällen beobachtn. So erzählt Anton Schindler vom großen Beethoven, wie scrupulös" er bei der Dosirung seines Morgenkaffees zu verfahren pflege. Sechszig Bohnen wurden für einen Tag gerechnet' und oft abgezählt, besonders wenn Gäste anwesend waren." Dies bezieht sich auf die reifen Jahre des Componisten. In einem Tagebuche des jungen Musikers, der eben erst vom Rhein an die Donau gezogen war, ist neben dem Clavier gelb" und Ckavierputt" auch vom Kaffee die Rede, wie man aus A. W. Thayers leider noch unvollendeter Bee thoven Biographie ' erfährt. Vor einiger Zeit hat sich ein kleines Dom menr gefunden, das die Aufmerkiamkeit. die Beethoven auf das edle Getränk verwendet hat, noch weiter illustrirt. Im Frühling des laufenden Jahrts tauchte nämlich auf einer Lievmanu sohn'schen Versteigerung in Berlin ein angeblich unleserliches .Blättchen auf. das sich Dr. Th. Frimmel in Wien zur Entzifferung erbat, in der Höffuug. eine interessante Tazebuchnotiz oder dergleichen zu entdecken. Das Blättchen, das ihm auch wirklich gesendet wurde, war durch mehrma lige und durch Beschmutzung thatsächlich fast unleserlich geworden. Doch gelang wie die Neue Freie Presse mittheilt, dem genannten Beethoven-Forscher, dse mit Bleistift flüchtig hingesetzten stark verwischten Züge vollkommen sicher zu entziffern.,, Nur zwei Worte von im wesentlicher Bedeutung blieben unze. miß. Eine kleine Enttäuschung biu. sichtlich des musikgeschichtlichen Werthes des Fundes blieb aber nicht aus. .Denn Frimmel las Folgenoes: Vom 23. septemb(er) 1825 neue Privilegium der neuesten Kaffemaschine mittelst einer Vorrichtung, welche das durch die heißen Dämpfe aufgelöfete Aroma durch löschpzpier -mit solcher gemalt ' durchpreßt, daß auch nicht in Atoma mehr in dem auSgelangten Kasse-, pulver , zurückbleiben ;! könne, wodurch Ersparung an Kasse und geschwlndigkei: Gewonnen wird."

Der Anti.Weihnachts-Cluv.

Humortt?e von HUuti, Will. Natürlich waren es Junggesellen, di, eines Tages auf den sublimen Einfall kamen, ernen AntiWeihnachts'Club" zu begründen einen Verein, der nichts Geringeres anstrebte, als die Abfchaf. sung deS Weihnachtsunfugs". Nichts Lächerlicheres, als dieser unsinnige Schenkrummel," meinte Herr Bankbuchhalter Ziesow zu seinen Freun den. .Ich will gar nicht davon reden, daß Unsereinem nie Jemand etwas schenkt; aber selbst Diejenigen, die das zweifelhafte Glück genießen, einer söge nanntenFamilie anzugehören, bekommen nur in den seltensten Fällen das ge schenkt, was sie sich gerade wünschen oder was ihnen eine ungetrübte Freudk vt bereiten im Stande wäre! Und nun v nt..h..htr;A..n..i k7' vc Valuta uns utujimiutu : -cvfiu uui . ;Läh :.k. L ZZÜZZ 0 'V:T . "rAl "Zu jiunigt u'VU4i6 auiuuM.irn., iu der mau uns beschenkt. Aber auch das wäre noch nicht das Schlimmste mau braucht ja nicht über seine Kräfte zu gehen, und jeder Mensch hat dafür zu AV4Jl Stj Cl tf "C J AH Vfc V)ft uu luuuyuu uu aben bei ihm daZ Geamarwicht halten. Was mich 7m meiskwmk.dz ist dii unerschmt Farderun, der zu Be schenkende: man solle sich Wachen lang en Kaps darüber zerbrechen? womi, man Dem oder Jenem ein besonderes h,r,S.r, snt.i eva h. nich7'derGiMderRüS!s.1.gk.N , Wtc komme denken rin gewü geht es mich an, ob die Tochter meiner Wirthin Handschuhe lieber hatte, ols einen Fächer? Das ist Alles Unsinn! Nur erfunden, um Einem Geld aus der Tasche zu locken, um Einem ganz zweck lose Sorge aufzuhalsen und schließlich um die Un ufriedenbei t löm 0lc nuineoenueii zu nuien. die heute ohnedies schon daS gesellschaft liche Leben vergütet!" Bravo ! Bravo !" riefen die Herren der Tafclruude, während der Buchhalter ! sich durch einen Trunr aus dem tamm glase stärkte. Vollkommen richtig, lieber Ziesow," meinte der rundliche, ern wenig kahl dwadiellnzulr so hab- ich in di'sem Punkte die aller. VnVWAA ftv A0if fi d rtr traurigsten Erfahrungen gemacht. Den len Sie sich, meine Herren, im vorigen Jahre schenkte ich unserem Hausdiener eure Kiste von meinen Cigarren gewiß ein nobles Geschenk! Und was erfahre ich? Geht nicht der unverschämte Mensch hin und verkauft die Trabucos, um, wie er sagt, für seine Kinder Pfefferkuchen dafür einzuhandeln! Was geben mich seine Bälger an? Er, der Friedrich, bedient mich, besorgt mir ab und zu einen Privatweg ihn wollte ich beschenken, nicht aber die Rangen, die sich den Magen an lluchen verderben wollen!" Stimmt," erdröhnte jetzt die Stimme eines großen, bärtigen Mannes, der bisher" schweigend zugehört hatte. Stimmt die Jöbren" sind eigentlich an dem ganzen Weihnachtsschwinde! schuld. Nur ihretwegen diese maßlose Verschwendung, dieses unsinnige Vack eselthum, das u:n diese Zeit zu grassiren pflegt! Ich bin dasür, daß von Staats wegen " Halt, Herr Borstig", warf ein Vierter ein. ein Mann mit auffallend aroßen Händen, lassen Sie mir den Staat aus dem spiele ! Erstens, weil ich überhaupt nicht gerne von Politik am Biertisch spreche zweitens, weil der Staat selber Weihnachtsgratisikationen vertheilt, und endlich drittens, weil man doch nicht auf uns hören würde. Ich bin Allem und Jedem sür Selbühulfe! iHur schlug er mit seiner mächtigen Rechten auf denTisch daß es klatschte ) Fangen wir bei uns an, das Uebel auszurotten! Nicht nur, daß wir gründ sätzlich Niemandem ein Weihnachtsgeschenk verabfolgen " Dann wird man unö für schmutzig halten," meinte der Dicke. Herr Ziesow nahm wieder das Wort. Das würde auch die Nothwendigkeit nach sich ziehen, das wir unsererseits aus jedes Weihnachtsgeschenk verzichten", sagte er. Im vorigen Jahre habe ich von meiner Bank zweihundert Mark bekommen diesmal dürfte ich sie alfo nicht annehmen wie?" Erlauben Sie mir einen Vermitt lungSvorschlag. meine Herren," erhob sich jetzt ein Fünfter, anscheinend der Jüngste unter ihnen. Da wir ja nicht mit einem Schlage die ganze Unsitte" abschaffen können, so erscheint es wir.rathsam, wir nähmen in diesem Jahre noch, waS man uns bescheert, hüten uns aber wohl, irgendwem etwas zu gebeu; im nächsten Jabre wird dann die Zahl derer, die uns beichenken, schon viel geringer sein und auf diese Weise schaffen wir in unserem Kreise den - Weihnachtsrummel ab. Damit man uns aber nicht den Vorwurf machen kann, als wäre es uns nur um eine Ersparniß zu thun, wollen wir Alles, was uns an Weihnachtsgeschenken zufließt, zu Gelte machen und einen gemeinsamen Fond sür wirklich wohlthätige Zwecke begründen!" Der Vorschlag deS Herrn Dr. Lamp recht fand merkwürdigerweise unbedingte Zustimmung. , Vielleicht genme man sich auch, zu widersprechen. Gleichviel, Herr Ziesow wurde zum Kassircr ernannt. Was jeder der fünf Herren an baarem Gelde erhielte, sollte sogleich au ihn abgeliefert werden; anderes aber wollte man noch am Weihnachtsabend untereinander versteigern, um so den Fond zu mehren. Soweit war man einig, als plötzlich der Herr mit dem parken Organ ein Wasferbaumzister, die Frage auswarf, was denn mit Jenem zu geschehen habe, der, sich trotz der hier getroffenen Vereinbarung soweit vergessen sollte, doch , irgendwem ein Weihnachtsgeschenk zukommen zu lassen? Herr Ziesow machte ein bedenkliches Geficht. Ihm war inzwischen fein Schwesterchcn , eingefallen, die nun schon seil dem Tode; der Mutter ihm , den Hausbalt führte und die er doch unmöglich

ich dazu, darüber nachzw ; :tZLv:- 1 Z 7:::'7J

, was sich wohl meine Ausmärte : XlS:

nscht haben mag? Und was w"iU""Z

leer ausgehen lasse? konnte.' Der kleine' dicke Herr war schnell mit. einer Beant-'

wortung der baumeisterlichen Jnter pellanon zur vand. Zwanzig Mark in die Kasse!" schlug er vor. Und Alle stimmten mehr oder minder erleichtert zu. So war denn der Klub begründet. Bis Weihnachten sollte Herr Dr. Lam precht sich bemühen, aussiudiz zu ma chen, wem wohl der diesjährige Foud zufallen sollte. Dabei war man selbstverständlich von der Bedingung abge ganzen, daß nur solche Fälle zu berücksichtigen würden, wo für das Weih, nachtssest keinerlei Ausgaben gemacht worden waren. Denn wer noch Geld für eiue Bescheerung aufzuwenden im Stande sei, bedürfe natürlich keiner Unterstützung. Der Weihnachts - Heiligabend war herangekommen. Freund Ziesow hatte .r. :.. (T ä a;.t; x.;. rr, langst m aller Veimttchkett ieme Doppelkrone in die Clubkasse gelegt, weil es .ft vnfc ... (,fr nii hrn 14 Wf & 0 i VVV V fr Strich lief, sein Schwesterchen so ganz leer nusgehen zu lassen. Auch der Dicke gerieth m einen eigenthümlichen Con flict. Dan er den Hundertmarkschein m:.;., fntTt. n.f.n ik ki (T(i, -L M'd .t em.ge ,r.mdl.che Ä 1 , J Tf$ tRt! " br"temn X W?" "S ,' " ernt andere Sache. Freilich, war e WW. mM binde beigefügt war. Er mußte sich ja schämen, diese intimen Toilettenstücke auf den 'Klubtisch zu deponiren; auch wollte es ihn bedünken, daß die alte Wcama gar iHmerziiH auljeuszen wurde, mm elroj HxtS) ein" Zsall . . tc. i. .f.. führe, wie lieblos ihr Sohn die fo müh sam zufammengekniebeltcn Gaben der ' Greisin behandle. Den selbstzebacke-' neu" Kuchen, den das Packet noch ! enthielt, den wollte er allenfalls dem Prinzip zum Opfer bringen die Stulpen aber nebst der Binde unterfchlug er und auch er steckte heimlich eine Krone in den Einwurf der Klubkasse. Der Äftt , f"' "g" l, ach crne Mitstreber er kam nicht. Statt seiner lief ein unwirscher Brief von ihm ! ein: er oave um ver vaier uno lende hier eiue Pönale. Der Klubsoud wuchs zu ungeahnter Höhe. ES war halb sieben Uhr, als sich die .übrigen vier Mitglieder des Clubs an ihrem Stammtisch zusammen fanden. Nachdem die Baargefchenke abgeliefert waren ein kleines Vermögen begann der Versteigerungsact , dem es nicht völlig an Humor gebrach. So war z. B. der heimathliche Kuchen des Düsen" anfangs gar nicht an den Mann zu bringen. Hierüber getränkt, begann der Spender selbst zu bieten; andere boten mehr er gerreth in Hitze und bald hatte die angedröckelte Torte einen Preis erreicht, "um welchen sich zehn starke Kuchenesser den Magen überladen konnten aber der Dicke" blieb im Meistgebot; er datte seinen Kuchen für ein enormes Geld erstanden. Nicht minder lustig verlief die Verstei gerung eines Geschenks, das dem Herrn mit den großen Händen 'anonym zuge gangen war: ein eleganter, verklebter Karton mit der gedruckten Aufschrift: Drei Paar Handschuhe No. c." Herr Ziesow, der auf seine überaus zierlichen Hanoe nicht wenig stolz war, er warb den Kasten für einen Verhältniße mäßig hohen Preis; als er ihn neugierig öffnete, ergab sich als Inhalt ein Vlerteldutzend riesiger, wollener Socken, würdig, emen Pferdefuß zu erwärmen. Nur der Doktor Lamprecht batte der Kasse nichts zuzuführen. Niemand hatte seiner mit einem Gefchenk gedacht. Um so mehr war er bestrebt gew.'fcn, aussindig zu machen. w?r wohl werth wäre, vom Anti. Weibnachtsklub beschenkt zu werden. Fragend hatte er int Kreise seiner Patienten Umschau gehalten ; un verdrossen war . er hierhin und dorthin gewandert, um festzustellen, ob die bei. den Grundbedingungen vorhanden seien : ob man einerseits einer Aushilfe bedürftig, andererseits aber auch ver nünftig" genug gewesen, keinerlei Auf. Wendungen für das eben beginnende Fest zu machen. Allein es. war ihm schlimm ergangen. Elend und Armuth hatte, er reichlich in Hülle und Fülle ge. funden ; so viel, daß er in Verlegenheit gewesen wäre, wy zuerst helfen. Ader nie und nirgend war er in den letzten Tagen in ein Zimmer getreten, in dem nicht unverkennbare Beweise dafür sich hm aufgedrängt hätten, daß man der Weihnacht gedenke wenn auch mit noch fo bescheidenen Mitteln. Ein Bäumchen, irgend eine Handar beit, die schnell verschwinden sollte, wenn Jemand eintrat, ein halb verbor genes Packet und zum Mindesten eine Art von unerklärlicher Spannung in den Mienen, etwas wie der. Duft des nahenden Festes wehte ihm überall ent gegen. Wo nicht die Eltern für ihre Kleinen geheimnißvoll zufammengetra gen hatten, was das Bischen Armuth zuließ, da sah es der aufmerksame Beobachter umgekehrt den Kindern an, daß sie etwas, planen Großes, Wich tiges, Wunderbares. Und kurz und gut: er fand nicht, was er suchte. Beschämt stellte er sich gegen Mittag bei seinem Freund? und Clienten, dem Buchhalter Ziesow ein, um . seine Mission in dessen Hände niederzulegen. Aber der Clubkassirer war nicht daheiu er besorgte Wcihnachtseinkäuse für daSchwesterchen. Dieses Letztere rnpsii.a. den Toctor nicht ohne mit ratyt Bewegung etwas ihm zu verbergen, als er eintrat. ' Also auch hier? sagte er sich. Da ging ihm über den Spaß. , , Bemühen , Sie sich nicht, Fräuleiu Ella," meinten mit überlegener Miene, ich weiß ohnehin genau, was Sie da Herstecken." W 'iSS'- t; ; ; 1 1 Schwerlich. Herr Doktor." sagte sie. Aber, wenn Sie neugierig sind hier sehen Sie!"

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Sie zeigte ihm ein allerliebstes, Utu nes Kinderjäckchen, welches ihre gHck ten Hände eben mit einer zierlichen Ha kel spitze besetzten. Dem Dcctor blieb der Ausruf des Erstaunens im Halse stecken. Mit unglaublich dummer Miene schaute er drein, bald das niedliche Jäck chen. bald Fräulein Ella ungläubig tt trachtend. Und in diesem Augenblick ginz ctwaS Sonderbares in dem guten Docwr vor. Mit einer Schnelligkeit, die er selbst nicht begriffen hätte, fügten sich in skl nem logisch geschulten Hirn Schlüsse aneinander Schlüsse, deren Richtigkeit sich ihm gebieterisch aufzwang und an die er doch nicht zu glauben wagte. Dieses winzige Wäschestück war offenbar nicht sür eine Puppe es war für ein lebendes Wesen bestimmt. Wie kam Fräulein Ella dazu, derlei zu verfertigen ? Und wie kam er, der Doctor, der nun schon seit fast fünf Jahren hier ver kehrte Ella war kaum dem Kindes alter entwachsen, als er seine Praxis hier begann wie kam er dazu, zu er schrecken bei den Folgerungen, zu welchen ihn das Vorhandensein der Jacke zwang? Wenn er aber erschrak was ergab sich uns dieser Thatsach:? Heimlich streifte sein Blick ben Spiegel. War er denn nicht bald vierzig Jahre? Und war er nicht trotzdem noch ein sehr hüb' scher, ein stattlicher Msrnt? Aber das Jäckchen! O es war ja nicht denkdar .... Sie aber sah ihn aus ihren großen, klaren 55'inderauzeü an. als wMe sie sein Innerstes durchforschen. Auch nicht die leiieste Ahnung von dem. was ihn erschreckte, ging ihr auf, und deu noch stürmte es auf sie ein, wie unuennbares Glück, wie die Erfüllung aller jener Seeligkeit. von der sie geträumt hatte, feit sie den Doctor zum ersten Male gesehen. Und all' der Jubel in ihrer Brust klang in der Frage aus: Wollen Sie wirklich Wissen, Herr Doc tor. sür wen dieses Jäckchen bestimmt ist? Ja? So seien Sie heute Abend in der Schwerinstraße 104, im Hofe drei Treppen rechts ! Und fürchten Sie nicht, in Unkosten gesetzt zu werden dort hat Niemand auch nur einen Helle? für. die Chrtstbözcheerung aufgewendet !" Heureka!" rief jubelnd der Doctor und stürmte davon." O . O O Die vier Freunde landeten mit der och uneröffneten Kassette in der Schwe rinstraße. Gerade, als sie droben die Glocke zogen, drng ein mehrstimmiges Aufjauchzen aus der Wohnung sie mußten zweimal klingeln. Nun öffnete man: durch die Küche traten sie in ein kleines Zimmer, in dessen Mitte ein reich geschmücktes Bäumchen feine bunten Lichter hell erstrahlen ließ. Drei Kinder sprangen glückselig um den mit allerlei lustigem und nützlichem Kram belegten Tisch jedes von ihnen schwang in einem Händchen, einer Trophäe gleich, ein Spielzeug, während es die andere mit einem Apfel, emem Stückchen Chocolade. einer Nuß, zum Munde führte. Dort an der Längsw-nd lag, sauber gebettet, eine noch junge Frau, in den Armen dus wenige Tage alte Wesen, daö mit Fräulein Ellas Jäckchen festlich geschmückt war. Einen Augenblick noch wollte Herr Z. das Clubprinnp reuen. Wir sind wzhl fehlgegangen. Docter." sagte er. hier haben ja die Leute Geld mtt vollen Händen ausgestreut! Lassen Sie uns gehen !" Da trat hinter dem Weihn zchtZbaum hervor Fräulein Ella fpracklos blieb Herr Ziesow stehen glückselig lächle ihn der Doctor an. Wir sind hier bei dem Klempner Hartwig' sagte Ella, bei demselben, der vor einigen Wochen das Unglück hatte, vom Gaugerüst zu stürzen und der nun, glücklicherweise schon in der Genesung, im Krankenhause sich befindet. Geld aber hat von den Leuten hier Niemand ausgegeben!" Das war der WeihnachtZbaum!" rief lustig ein kleiner Bursche. Und zu Herrn Ziesnw gewendet, fragte er auf Ella deutend: Was bekommt denn die gute Tante hier aufgebaut?" Einen Weihnachtsmann," antwor tete statt des Gefragten der Doctor. Und er drückte Ella verständnisinnig die Hand. Die Clubkasse wurde zu Gunsten der Familie gesprengt, und von dem sonderbaren Verein meldet beute nur noch diese kleine, aber wahre Ge schichte. Safische Elegie. Da liegt nu' der kleene Hase, Erschossen durch 5 Mordgewehi Ach, gestern noch schbrang er im Grase Mit seinen Bndern hin und her: Noch gestern macht er hibsche Männchen Und schb'tzt' de Ohren noch im Klee; Und Heide liegt er schon im PB:mchen, Mir wird bei seinem Anblick weh! Erloschen sin' de scheeneu Lichter". Die singst noch glänzten hell uns' weid. Und dies erfchidoert ruft der TWer: O irdische Verganglichkeid!" Und dennoch, abgezogenes Dhlrchen. Kommst du, weil dod, mir glicklich vor Uns zieht mer wegen en Bahbierchen Oft 's Fell lebendig überj'ch Ohr. In der- K u n st aus st e l l un g. Die Kunst ist lang, sagte der Aeschauer, da besah er ein dreim:!e? lau ges Bild. Ein Kerl, der spekulirt! sag!e der Maler, da bot ihm ein Käufer sür sei Bild die Hälfte deS geforderten Preises. Mein schönes Fräulein darf ich wagen? ' fragte der Kritiker, da riß er das Bild einer Malerin grausam !z:runter. , Ich , bin jeder Ordnung Fr?und geWesen! sagte der Arrangeur, dn hing er die kleinen Bilder oben, die großen un ten auf. , . t 'mM0illk , , ' . Willst Du, immer weiter ,,ich7oei?en, sieh, das Gute liegt fo nah! sagte der Maler, da ärgerte er sich, daß die Zu, schauer sein Bild übergingen.

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