Indiana Tribüne, Volume 15, Number 93, Indianapolis, Marion County, 20 December 1891 — Page 2
Zu Gunsten der Puppen. Eta s für Kinder.
WeihnacktSabend! Lichter flimmern, Üratcol tii der Baum geschmückt. Gold rni Bübtv sieht man schimmern, end die Kinver U'fn eutzückk. Wissen erst nicht. w,S sie machen, mit den vielen schönen Sachen, die man ihnen ein bessert, uns es will durchaus nicht glücken. Alles gleich zu überblicken ; nach vnd nach sich'S endlich klärt. Und mit staiiNenden Gesichtern ziehen anfangs sie noch schüchtern ein'S und'S andere in Betracht, bis zum Ihrigen sie geiührt sind und sie völlig oriennrt sind; aber dann gehts los mit Macht. Sieh nur Dieses, sieh nur Jenes, ruft es durchkinallder laut, nein, wahrhastig. so wis Schönes wzrd noch nie mir aufgebaut! Wss sich NUN auch da zur, Hand au! dem Weihnachlstlsch: befand: Apotheken, jscÄaschinchen, echte Thornei athzrinchen. Seifeit, Wurst- unl Kaufmannsläden, Häkelknäule, Wunderfaden, prächtize Obskura - Kammer, Zahlenlotto, Glock' und Hammer, großen Wäschetrackenplatz, Zauberbecher, Hund und Katz', Vögel, Mäufe, Frösche. Leiern. Pferde und Soldaten, bleiern. Automaten und Atrappen, Möbel zum Zusammenklappen, Munkanten mit Trara. Schaufln, Wild-Amerika. Photograph'sche Apparate, Abziehbilder und Oblate, Tijch-Krokett und Klappe trompete. Jager, Hirten, Dörfer. Ltädte, Schlittschuh, Slereosko? und Vuff. Jacke, Hose, Mantel. Muff Alles wird, wenn fie's bekommen, fro hen Sinnes aufgenommen, aber höchstes Lob erringt, doch die Puppe unbedingt. Wahrlich, wahre Prachtgestalten siWs.fcie ihren Glanz entfalten: Kleine Puppen, große Puppen, Puppen einzeln und in Gruppen, Puppenmütter, Vnppenbräute, bürgerliche Puppenleute, Pupp. .:, die vom Adel stammen, PuppenMägde. Puppen-Ammen, Puppen hach mit Bauernmiedern, Puppen ganz mit Menschengliedern, stolze Modepuppendamen, Puppen mu und ohne Namen. Pupven. deren Wimp.-rn klap pern, Puppen, die schon Wörter plap pern, Puppenbaby's. Puppenbonnen, Puppen noch in Backsifchwonnen. Puppen mit beni-gten Augen, Puppen, die am Zläschchen saugen, Puppen Weit'res sei gespart, kurzum Puppen jede? Art. Zu der Puppe nun voll Jubel, drängt das Kind .mit seel'gem Blick, und es ieht sich aus dem Trubel, allsogleich nit ihr zurück. In die Ecke ungestört hin setzt es sich sodann geschwind; theils behandelt als Gefährtin eö die Puppe, lbeilZ als Kind. Hält sie aus dem Schooß voll morgen, spricht mit ibr so lieb und nett, und nimmt sie dann bis zum Morgen, geht's zum Schlafen, mit in's Bett. Soviel Sorgfalt. Lieb' und Güte hat Mama ganz stolz gemacht, und so denkt sie im Gemü:he: Diese nimmt sie wohl in Acht! Doch die Puppe wacht voll Kummer, denn sie kennt ihr künftig Weh', darum wendet sie mit stummer Bitte sich zur Pnppenfe?. Und die Puppenfee wird heftig, und mit Schritten, groß und kräftig, steigt hernieder sie vom Thron: schreibt ein Brieflein voller Verve, ja, sogar mit eia'ger Schärfe, en dies Blattes Redaktion. bittet selb'ge, ihre Zeilen doch den lcindern mitzutheilen aus der Stelle comrae il saut. Redaktton, die, wie bekannt ist. gegen Ieeen stets galant ist, druckt den Brief. Er lautet so: Kinderchen, seid doch vernünftig und behandelt mir mal künftig Eure Pup. peu etwas mild. Packt sie nicht mit gierigen Krallen, laßt sie nicht zur Erde fälln, denn, fürwahr, sonst werd' ich wild, kuppen sind gar zarte Wesen, Euch zur Freude auserlesen, kosten Geld und viele Muh. Mütterchen dürft'S nie vergessen bat oft Nächte durchgesessen, um für Euch sie anzuzieh'n. Dieses mögt Ihr stets bedenken und sie me mit Vorsatz kränken? quält die Puppe nicht zum Scherz; zu erforschen ist sie schwierig, darum seid nicht neubegierig, denn sie sühlt wie Ihr den Schmerz. In den Kopf ein Loch ge schlagen, kann die zehnte nicht vertragen und sie wird davon ganz dumm. Auch des Nasenbeins Zertrümmerung macht der Puppe viel Bekümm'rung. läu'twie zum Skandal dann 'rum. Auch das Bein ihr auszureisen, kann ich nicht für passend heißen, denn das schickt sich wirklich nicht. Ihr die Arme auszurenken, wird die Puppe ernstlich kränken. dies zu meiden sei Euch Pflicht. Und nach Lunge, Herz und Magen sollt Ihr ebenfalls nicht fragen, weil ihr dies gar wehe thut; ihr ins Innere ein zudringen, wird Euch nur sehr schwer gelingen, denn davon geht kaput. Zenu Ihr nun sie schlecht behandelt. ich die blasse Wuth anwandelt, und iü tng herab, die Fee! Reiß sie flugs aus uren Ärmen, neym' it von Euch ohn' Erbarmen. So! Nun wußt Jhr's. Jeht adjej S. H. Wirksamkeit des Ans noneirens. 1. Juwelier: .Ich habe die sichersten Beweise, daß man durch Anzeigen sehr schnell Resultate erzielt !" 2. Juwelier: Sie: Haben Sie einen besonderen Fall?" 1. Juwelier: Ja. Vorgestern annoncirte ich; daß iq ?ur mem Geimatt einen Naätnjäcb. ter suche, und noch in derselben Nacht wurde in memem Laden emgesrochen. Nüchterne An fch auung. Lehrer: .Wir haben soeben übersetzt: Epaminsndas war so wahrheitsliebend, daß er nicht einmal im Scherze log; was schließen Sie daraus. Schulie?" Schulze: Daß er wahrscheinlich in seiner Duzend wegen Lugen ordentlich Brüael bekommen bat", u Seine Freude. Als iü zum .erstenmal den Gang aufs Leihamt machte, weinte ich, und wenn ich jetzt . hingeye. lactie ich. Wie so? Ja, weil ich mich zetzt allemal freue, wenn ich , übcrtzsup! uz etwas zu versetzen habe
WrSL?
Ein WeiynsSkSadend. Erzählung von . Shnkp. Es war bitter kalt, dunkles, graues Gewölk bedeckte schon den ganzen Taz das Firmament; gegen Abend fing es an zu schneien, immer dichter und dichter wirbelten die Flocken auf die Erde nieder zur großen Belustigung der fröhlichen Jugend, welche sich trvddem unter in den Straßen umhertried, um all die hübschen Dinge für den Christabend in den Schaufenstern zu be wundern. An einer Straßenecke, vor einem be sonders reichllch mit Christgefchenken ausgestatteten Schaufenster, stand ein etwa fechsjäbriger Knabe und betrach tete mit großer Aufmerksamkeit die berrlichen Sacken, die bier so gefchmack. voll geordnet seine Bewunderung erreg ten. Er war so um Anschauen verlun ken. daß er gar nicht bemerkte, wie die bellen Flocken eifrig aus ihn niedersanken, als müßten sie die kleine, zarte Gestalt einhüllen, um sie zu schützen vor der grimmigen Kälte. Plötzlich packte ihn Jemand am Arme und rief: Knabe, warum gehst Tu nicht nach Hause? Du bist ja schon ganz erbärm lieb erfroren." Der Kleine blickte sich scheu um, zog sein dünnes Mäntelcken fröstelnd zusammen und begab sich auf den Hm weg. Lange mutzte er noch an all das Schöne renken, er hatte sich ja noch im mer nicht satt gesehen an dem Wunderwerk. Da schlug eS am Thurme fünf. Es war schon ganz dunkel gewzrden und das Schneegestöber wurde immer heftiger. Dem Kleinen war schon bange.er fing an zu laufen, endlich mäßigte er seine Schritte und trat leise und vorsichtig in ein ärmliches Häuschen. Als er in die Stube trat, war zu seiner großen VerWanderung dieselbe leer. Mama, wo bist Du?" rief er, und da cr Niemanden erblickte, sing er zu weinen an. Sn demselben Augenblick flog aber scbon die ?bür au? und einearte. schone Frauengestalt kam auf ihn zu, umschlang ihn mit beiden Armen, küßte ihn heftig und rief: .Gott w Dank! da bist Da ja, mein Herzenssöhnchen, wie konntest Du Deiner Mama das anthun und so lanae weableiben? Du bist za von der Pathin scbon um drei Uhr weggegan. gen, und jetzt tu es sechs.Ach. verzeih, liebe Mama." errat derte betroffen der Knabe; ich habe in einem Schaufenster so schöne Sachen erblickt und konnte mich daran mcht satt sehen. Wenn mir daS liebe Christkind nur etwas von diesen schönen Din gen bescheeren würde, ich will es beute noch recht sehr darum bitten, vielleicht hat es mich doch ein wenig lieb. Mamak glaubst Du, daß ich dann etwaS bekomme?" .Wenn Du auch nichts bekommst. Fredi," sagte die Mutter indem sie zärtlich die bellen Locken des Kleinen streichelte, das Christkind hat Dich doch auch lieb, wenn Du nur gut und brav bleibst." Der Kleine setzte sich stumm zu den Füßen der Mutier auf einen Schemel nieder und schaute lange sinnend vor sich hm. Endlich hub er wieder an: Ach, wie schon war es doch voriges Jahr am Weihnachtsabend, als Vapa noch bei uns war, da hat das Christkind auch mich nicht vergessen! Liebe Mama, sage mir, wird Vapa mcht wiederkammen?" Daber warf sich der Kleine schluchzend an lü Brust der Mutter, welche den Knaben zärtlich umschlang und in heftiges Weinen ausbrach. Nein. Fredr. Dem Papa kommt nicht wleder, er ist ja im Himmel oben v den Engeleln." Aber er kann ja dem Cbristkind sagen, wo wir wohnen, damit es zu mir kommt; oder glaubst Du, darf man das Christkind ansprechen und selbst bitten, wenn es Einem auf der Straße begegnet und seine Einkaufe besorgt?" Die Mutter lächelte wehmuthia und küßte, ohne diese Frage zu beantworten. den Kleinen innig aux sem uebeS Gesichtchen. Komm schlafen, mein Söhn chen, es ist schon sehr spät," sagte sie und begann den kleinen Liebling zu entkleiden. Hierauf begab auch sie neu mit schwerem Herzen zur Ruhe. Am Anderen Tage war der yemae Abend. Aus den Straßen war eS mt gemem belebt. ES wurden noch die letzten Einkäufe für das wichtige Fest besorgt. Es war bereits gegen fünf Uhr Abends. In einem vornehmen Hause deS großen Platzes saß im sehr eleganten Salon eine alte Dame. Im Kamin loderte m helles Feuer auf und manch mal fuhr beulend der Wind dazwischen, daß sich die Flammen hoch ausbäumten, und an den Fenstern rüttelte es gemalt sam, nls ob der ungestüme Gast Einlaß begehrte in dies friedliche Heim. Die Dame, welche mit Stricken be schäftigt war, legte ihre Arbeit nun sort, faltete die fein gepflegten Hände und blickte w:e traumend m den soeben aunpruhenden Funkenrezen. Plötzlich erhob sie sich, klingelte dem Diener und befahl den Wagen. Hierauf rv . r rzuure ne ncn mu ut lyres Kammermädchens in einen kostbaren Pelz und stieg, von einem Diener begleitet, die Freitreppe hmav. , Einige Minuten spater rollte daS elegante Gefährt durch die Straßen auf den Weihnachtsmarkt. Vor einem der ersten Verkaufslocale hielt der Wagen. tr. ' i i 'r ic ame irar, von ryreiu Wiener ve gleitet, in das Geschäft. , Als sie wieder herauskam, stand vor ihr ein bildschöner, etwa sechsjähriger Knabe. Er blickte treuherzig zu der zremven ame aus und sagte Mit wä nerlicher Stimme: F'C fTM ' ;s ?! ' Bitte, bring' mich zu meiner Mama, i rinde nicht nacfi .'ftfiiifel4? i War es die süßklinzende Stimme! oder die reizende Gestalt des Knaben, was die Dame bewog, den kleinen BittKeller an sich zu ztetzea und zu fraaen.
cb er also mit ihr im Wagen zur Mama fahren wolle. Er neigte bejahend das Kopfchen. Einem Wink der Herrin folgeleistend, bob nun der Diener den Kleinen in den
Wagen. Derselbe betrachtete vermundert den ihn umgebenden, fo vornehm ausgestalteten engenRaum. Er schmiegte sein goldblondes Lockenköpfchen dicht an die grauen Atlaspolster und blickte scheu auf die ihm gegenübersitzende vornehme Dame. Wie heißt Du denn, mein liebe? Kind?", fragte sie den Kleinen. Awed", antwortete er. Wer ist Dein Papa? lorschte sie weiter. Mein Vapa ist im Himmel bei den Engelein, sagt Zama". Wo wohnt Deme Mama? Das weiß ich nicht". Wie kommit Du denn zu so später Stunde allein auf die Straße?"' Ich wollte daS Christkind suchen. wenn es seine Einkaufe macht, und wollte es bitten, auch zu mir zu kom, men". Seine Mama wird sich aber schon sehr ängstigen um Dich-, sagte die Dame freundlich und strich mit ihren schlanken, femen Fingern zärtlich über das helle Eielocks des Knaben. Der Kleme wurde zutraulich. Er schmikg:e sich herzhaft in den weichen Pelz und fchlang zärtlich seine kleinen Arme um den Hals der Dame, welche sich wohlwollend über ihn herabneiate. Dabei flüsterte er ihr in's Ohr: Meine Mama ist auch so schön wie Du, weißt Du, sie hat mich fortgeschickt zur Frau Pathin, ich war auch dort, hielt mich aber nicht lange auf, weil ich das Christ klnd suchen wollte. Ja, w:e werden wir aber nun Deine Mama sinden", sagte die Dame. Kannst Tu mir mchtS Näheres von ihr sagen, oöer vielleicht etwas zeigen, wonach wir sie dann finden könnten?Der Kleine ichien sich zu bennnen. dann zog er hastig ein an seinem Halse hängendes Schnürchen hervor, an dem ein Medaillon befestigt war. Die Dame öffnete es. sank aber dann, tief erschüt tert, in die Polsiee zurück. Mem Enkel, welch' wunderbare Fü gung !" kam es von ihren plötzlich todes bleichen Lippen. Als sie sich wieder erholt hatte, bedeckte sie das liedliche, staunenve Gesichtchen des Kindes mit heißen Küssen und benetzte eS mit ihren Thränen. Ja, warum wemst Du denn letzt Zo sehr, weil Du das Bild von meiner Mama siehst?" fragte der Kleine. In demselben Augenblick hielt der Wagen. Der Diener önnete den Schlag, um der Dame beim Allssteigen zu helfen. Dieze reichte ihm aber, bevor sie den Wagen verließ, vorsichtig zuerst den Knaben; dann nahm sie die kleine Hand in die ihre uad führte so den kleinen Gast die Freitreppe hinan. Die Dtenerichaft sah verwundert aar das schöne, fremde Kind, welches so sicher und stolz neben ihrer Herrm emherichrttt, als gebühre ,hm der Platz von rechtswegen. Nun schritt man zur großen Verwunderung des Kleinen durch hellerlenchtete CorridorS und gelangte zuletzt in einen wundervoll ausgestatteten Salon. Die schweren Portieren aus blauem Sammt und die mit ebensolchem Stoffe bezogenen Fauteuils und Sofas, wie auch die weichen Teppiche, die jeden !chntt unhörba? machten: AlleS dies fesselte die Aufmerksamkeit deS Kleinen m hohem Grade. Bist Du hier zu Haufe?" fragte er treuherzig die Dame. Bei Dir ist es Tber 'ehr schon!" Möchtest Du bei mir bleiben ?" fragte die Dame, indem sie den Knaben schmeichelnd an sich zog. Er schüttelte energisch sem Kopiche und erwiderte: Ach nein, bring' mich doch lieber zu meiner Mama." Deine Mama kommt ja auch hierher, mein liebeS Kind, ich werde sie holen; aber nicht wahr, Du versprichst mir, einstweilen recht brav zu sein?" Gewiß!" antwortete der Kleine. Aber sag' mir noch etwas: Kommt daZ Christkind auch zu Dir?" Ich werde jetzt das Christkind aussuchen und zu Dir bringen, ich werde ihm sagen, daß eS Dir viel Schönes bringen soll." Das willst Du thun?" entgegnete der Kleine freudig erregt; dann werde ich Dich aber auch sehr lieb haben, so lieb Wie meine Mama." Dabei schlang - er zärtlich sein Aermchen um den Hals der Dame. Jedt muß ich sort, mein Liebling," sagte diese, während sie sich erhob, den Kleinen ihrem Kammermädchen übergab mit der Weisung, aus denselben recht Acht zu geben und ihn einstweilen zu unkerhalten. Abermals stieg sie in den Wagen. Zum Polizeipräsidenten", rief der Diener dem-5cutscher zu. während er sich auf den Bock schwang. Nach einigen Minuten hielt die vornehme Equipage vor der Wohnung des Präu 0 enteil. Frau Baronin von Stein," meldete der Diener dem Volneiches, welcher mit unendlicher Liebenswürdigkeit aus die Baronin zukam und ne berzllch wlllkom men hieß. Die Unterredung mochte wshl eine halbe Stunde gedauert haben. Der ZZrandent, em aa? tem gebildeter Mann. begleitete die Baronin bis zum Wagen: diese reichte ihm herzlich dankend die Hand, während sich der Präsident tief verneigte. Elisabethstraße Nummer 431" rief nun der Diener dem Kutscher zu. Bald i. r . daraus gim oer zagen vor emem un scheinbaren Häuschen. Die Dame stieg rasch aus, trat dann m nn Studchen, welches wohl von aro ßer Reinlichkeit zeugte, aber nur mit den nöthigsten Möbeln versehen war. Ihr Blick durchflog , mit Blitzesschnelle den kleinen Raum und blieb forschend auf keinem blassen Gesichte hangen, auf welches Kummer 'und Sorge ihren Stempel gedrückt. . Ein heftiges Zittern benel die ionu so stark Frau und U
vor Thränen erstickter Stimme rief sie: Helene, mein armes, armes Kind!Ein markerschütternder Schrei war biß Antwort und in ihren Armen' lag laut aufschluchzend ihr hart geprüftes, verstoßenes Kind.
Helene, mein Liebling!" sagte die Varonin mit bebender Stimme, indem sie sanft die verschlungenen ände der Tochter von ibrem Halse löste. Ich habe Dir längst verziehen uns es Nef bereut, daß ich gegen Dich und Deinen Gatten so' hart gewesen; aber nun will ich Alles wieder gut machen an Dir und Deinem Kinde. Alfred ist bei mir. Wie dieS zugegangen, werde ich Dir später erzählen. Jetzt mußt Du aber aleick fort mit mir; ich dulde es nicht. daß Du noch länger in dieser ärmlichen Kammer weneü. Du fahrn nun mrt mir auf den Weihnachtsmarkt, für unseren kleinen Liebling den Weihnacktsbäum zn besorgen. Ich habe, ihm ja versprochen, seine liebe Mama und das Christkind mitzubringen." Glückselig küszte die mnge Frau die Hände ihrer Mutter; und nachdem sie rasch Hut und Mantel nahm, bestieg sie an der Seite der Baronin den Wagen. In kurzer Zeit waren die Einkäufe b sorat. und d:e Eampaqe do? nun in die Hauptstraße ein. wo sich daS stattliche HauS der Baronin v. Stein befand. -Wieder ging es über hell erleuchtete CorridorS, aber die junge Dame an der S?ite der Baronin schzme nicht so ver i u dert umher, wie ihr kleiner Sohn, es waren längst bekannte Räume, welche sie jetzt betrat und welche sie an ihrem TrauunaStaae am Arme ihres Gatten für immer verließ, weil sie. der Stimme ibres Herzens folgen?, einen schlichten, einfachen Doctor zum- Gatten nahm, welcher nicht einmal daS bedeutungZ volle WS rtchen von" vor feinen Namen setzen durste, anstatt die Hand des be güterten meichZgrasen v. Viurm, roci chen die Eltern sür sie gewählt, anzu nehmen. Man hatte ihr bedeutet, ,ic? mit dem Grafen zu vermählen.' aber falls sie durchaus die Gattin des Doctors werden wolle, müsse sie auf ihr Erbe verzichten und dürfe das Vater. hauS nicht wieder betreten. Sie entschloß sich zu Letzterem. Eln,ae Jahre des Glucks hatte sie an der Seite des beißqeliebten Mannes im fernen Lande verlebt, bis diesen eme unheilbare Krankheit an das Lager fesselte und der Tod dem kurzen Liebes träum ein Ende machte. Die tief ex schüttelte junge Frau eilte nun mit ihrem Knaben der Heimath zu, um, wenn auch in beschrankten Verhältnissen, da ihr Gatte ein sehr geringes Vermö gen hinterließ, in der Nähe der Mutter zu leben; der Vater war schon lange gestorben. Sie hoffte, in der Residenz unerkannt zu bleiben und zog deshalb auch in emen -tadtthLil, welcher meist von mittellosen Leuten bewohnt wurde. Einmal war sie schon nahe daran. ihre Mutter aufzusuchen, ihre traurige Lage zu schildern und ihr den Tod ihres Gatten anzuzeigen; aber das strenge. ernste Gesicht der Mutter, welche sie einst in der Kirche auZ der Ferne beobachtete, ließ sie erkennen, daß sie auf sein Verzeihm hoffen dürfe! Sie wußte ja, daß die strenqe Frau unter allen Umstanden ihr Wort hielt und den Ungehorsam der Tochter me verzeihen wurde. Darum ergab sie sich in ibr Schicksal und beschloß, nun keine Annäherung mehr zu versuchen. Alles dies mag nun beun Durch, schreiten der bekannten Raume klar bor ihre Seele getreten sein, denn ein schmerzlicher Seufzer entrang sich ihrer Brust, und die schönen Augen, die ganz denen Alfreds glichen, füllten sich mit Tbränen. Als sie nun am Arme der Baronin in den Salon trat. sprang ihr jubelnd ih: Söhllchen entgegen. Mama, ach meine liebe, liebe Ma mal rief er. indem er sich, zärtlich an die Mutter schmiegte. Die Baronin betrachtete mit Entzücken das reizende Bild, welches Mutter und Sohn ihr boten. Und zur Großmama kommst Du nicht?" sagte sie. indem sieden Knaben aus den Armen der Mutter nahm und mit Küssen bedeckte. Der K leine borchte hoch auf und blickte bald auf seine Mutter, bald auf die neue Großmama. Du bist meine Großmama?" sagte er, v, dann will ich Dich noch viel, viel lieber haben." Dabei drückte er sein K Loschen fest an die Wangen der Baronin und schlang seine kleinen Arme um ihren Hals. Plötzlich borte man lauten. Freoi! jetzt kommt das Cbristkind! sagte die Baronin und entließ den Kleinen aus ihren Armen. Die Flügelthür deZ anstoßenden Ge maches war weit zurückgeschlagen. In der Mitte desselben prangte ein berr licher Tannenöaum mit unzähligen Lichtern und vzr demselben stand ja wahrhaftig das Christkind in weißem, goldslimmernden Gewände, mit einem goldenen Etern über der weißen Stirne. Es beugte sich zu dem Kleinen herab und sagte: Ich bin zu Dir gekommen, weil Du ein braves, folgsamtS Kind bist; bleibe nur so, dann komme ich nächstes Jahr wieder." Dann verschwand eS durch den an stoßenden Salon; man hörte noch eine Welle das Raufchen des langen, goldflimmernden Gewandes. Der Kleine schaute ganz verblüfft der seltsamen Erscheinung nach, dann erst wagte er mit freudestrahlendem Gesicht chen sich dem WeihnachtSbaume zu nähern und die reichlichen Geschenke zu besehen. . :;: Er war ganz entzuckt von dem Lichtmeer, welches den . reichgeschmückten Tannenbaum um floß und so viele Herr liche Dinge bestrahlte? Ein solches Weihnachten hatte der goldlstckige Junge freilich noch nie erlebt. Nachdem daS von Glückseligkeit strah lende Kind in daS einstige vergoldete Bettchen seiner Mutter in seidene Kissen gebettet und der Schutzengel deS Klei-
nen behütend an das Bettchen gekom men, entfernten sich Mutter und Toch
:er. - Lange noch saßen sie im Salon beisammen und sprachen von der Weraan genheit.bis das feierlicheGlockengeläute, die Geburt des Herrn verkündend, an ihr Ohr schlug und aus dem nahe gele genen Tome, wie von Geisterschmingen getragen die feierlichsten Töne herüberklangen: Ehre in Gott in der Hohe und Friede den Menschen auf Erden." Weihnachtsabend. Am Weihnachtsabend war eS, Beim strablenden Tannenbaum, Da sprach ich zum erstenmale Won meiner Liebe Traum Zu ihr. die schöner, holder. AlS all' der Glanz mir war. Viel heller, als die Kerzen, Erstrahlte dts Augenpaar. Am Weihnachtsabend war eS, Da stanoen wir am Altar, ES theilte uns der Priester DeS Himmels Segen dar. Ach. wonnetrunken küßt ich In süße? Liebesqual Die Theure, ewig Meine Nicht ein, nein tausendmal. Am Weihnachtsabend war es, Da glänzten im Kerzenschein Zwei frohe Kinderaugeu Ins tiefste Herz hinein. Am Weihnachtsabend war cZ, Da war ich so allein! Erloschen war für immer Mir Deiner Augen Schein. Leis fiel der Schn?e hernieder In dunkler Winternacht, Hat über den stillen Hügel Die zarte Decke gemacht. Auch heut' ist's Weihnachttabend Ringsum ist bunter Schein, Doch keine warme Flamme Schlagt mir in Herz hinein. Seit man mein Kind gebettet . Im kalten Wiaterschnee, Ist einsam mir das Leben, So bitter mir das Weh. Am weiß bedeckten Hügel Knie ich im Mondenfchein. Und bet um Ruh' und Frieden So ganz, so ganz allein. 2!e Frau im Nsman. Die Frau im Durchschnittsroman wird uns von einer boshaften Feder fo geschildert: Sie wird nicht geboren, sondern sie erblickte das Licht der Welt". Ihre Wiege, an der ihr Manches nicht ge sungen wird, was sie später erlebt, fleht mit Vorliebe beim Landpfarrer oder im Forsthaus. Hier ist sie nicht etwa Sprößling, welcher wächst und gedeiht, sondern eine holde Menschenknospe, welche ihre Blätter dem Licht entfaltet. Als Schulkind ist sie ein meist blondlockiges Mägdlein, der Liebling von Alt und Jung und der Sonnen schein des HauseS. Wird auch nicht weggeleugnet, daß sie zur Zeit der Ein segnunz lang aufgeschossen.eckig und unerträglich ist, so treffen wir sie doch meist schon nach einem Jahre wieder als vollendete Schönheit, was gewöhnlich der in die Ferien heimkehrende Vetter zuerst entdeckt. Von nun an geht sie nicht mehr, sondern schreitet" 'f setzt sich nicht, sondern sinkt" auf eine Schzelegenhet. Sie spielt nicht Klavier, sonöern ihre Finger gleiten über die Tasten. Sie schläft nicht, sondern sie ruht in Morpheus Armen. Sie wacht nicht aus, sondern sie erschließt ihre rlugen dem Tageslicht; sie steht nicht auf, son dern erbebt sich. Sie frinrt sich nicht. sondern sie schlingt ihr Haar in einen losen Knoten, von dem sich meist eme goldene Strähne loslöst, wenn der geliebte Mann in Sicht ist. Sie ist auch nicht angezogen, sondern die Kleider umflienen in weichen Falten ihren Leid. Mit Vorliede verschiebt sich das Busentuch" und läßt blendende Reize Zehen, obwobl zu leiner Zeit und in keiner Gegens ein solches auf der blanken Haut getragen wurde. -Die Frau im Roman berührt nu, eben die Speisen, schlürft die Getränke und saugt den berauschenden Dust der Blumen ein. Wird sie geärgert, so graben sich ihre Füße in den Sand oder die Zähne'in die Unterlippe. Wird sie angebettelt, so gießt sie den Inhalt ih rer Börse in den Schooß der Armen oder wirft ihnen die wohlaefüllte Börse ganz hin. Liebt sie, so ist sie über acht eine Andere geworden: sie scheint größer, ihre Formen runden sich, ihr Baien hebt und senkt sich und sie erretyet oft bis unter die Haarwurzeln. Das ahnungslose Mädchen ist zum Weib er blüht. Nun heirathet sie nicht etwa. sondern sie folgt dem geliebten Manne zum Traualtar." Spater flüstert sie ihm em Zuges Geyeiinnin ,n s shr ; ihre Hände nähen winzige Sachlein und über Iah? und Taz umspielt ein lieb liches Knäblein ibre Kniee. Nachdem ihre Laufbahn vollendet, stirbt, sie nicht. pudern sie schlaft hmuoer"; evensv wenig Tono r.t oeeroigr. juuutui uiuu bettet sie iii's kühle Grab. -.Abgeblitzt. AlteS Fräulein, das in einem Nichtrauch-Couve Vlatz genommen und sich durch das Geschrei eines kleinen KmdeS belajtigt, suhlt): j . : tf f. fO.. yerr onoucieur, outjen ucnii juiujc Kinder im Nichtraüch Coüpee fahren? Conducteur: Wenn sie nicht rauchen, warum denn Nicht t ' r-So nd erbare An sch auung. Den Anzug will ich Ihnen schon machen,D,abzr,auftzCredit riY. 4 Oho! ' Einer, der tausend Thaler Schulden hat, wird Ihnen doch für lumpiae fünfzig Mark gut fein!"
LJethnachten.
Es ist wieder beranzekommen. das felrge, fröhliche Weihnachtsfest. Während der Bater im Nebenzimmer den Aaum putzt und den Tifch ordnet, hebt Mama ihren kleinen Liebling auf den Schsoß, denket auf die verschlossene Tdür und flüstert ihm zu: Sei nur hübsch arttg. da drinn ist der We:h nachtsmann.Der Weihnachtsmann! Wie kommt der alte Fremdling aus dem nordischen Gottersaal in die neue christlich: Welt? Wir kennen Dich wohl. Knecht Nup. recht. Du alter treuer 5linderfreund. In den lanzeu. dichten Mantel gehüllt, die Ruthe , der Rechten und den Sack über d:r linken Schulter, so trittst Tu. wenn der Baum brennt, leise in den Saal und lögst nach altem urgermanischen Brauch die Jul - Geschenke unter die Strahlen der Tanne. Aber über die Tanne schwebt der Weihnach:sengel,und uf dem Tische die Hütte von Bethlehem mit Ochsen und Eseln im Stakte und dem schlafenden Kindlein in der Krippe. Ja! Alter heidnischer Brauch und christliche Religion haben sich gemischt, seit die ersten Boten der Liebesreligion über die Alpen hinübersteigen aus dem sonnigen Italien in Germaniens finsteres. rauhes Land. Da fanden sie in den düsteren Ur Wäldern bei den derben Menschen mit den treuen Herzen und dem tiefen Gfr müth daS schöne Fest der Sonnenwende. Wenn der Wintersturm daS Laub vcn den Bäumen gerissen und ächzend durch die fahlen, knarrenden Aeste fubr. wenn der Gießdach über Eisschollen und kahle Felsen ins Thal tobte und über den trauernden Hain sich grau und wolkig der fonnenlose Himmel fvannte. dann erwachte in den Kindern des Landes die Sehnsucht, die kein Südländer nzchempfinden kann, die Sehnsuch: nach der wonnigen Zeit deS Frühlmgs; dann holte man von den Bergen die Tanne herunter, die in ihrem ewigen Grün ol sinnbildliche Verkörperung ßes hoffen den Glaubens an die Wieertehr vcn Licht und Warme schien, und nun stellte sie auf beim sprühenden Sonnenwende feuer, man putzte und schmückte sie wie ein Opferthier, man sprang lachend ourch die Flammen, man tanzte, sang uno erfreute sich durch Geschenke, denn man wußte, an diesem Tage wandte die Sonne am Himmel ihre Bahn und es gnrz auf den Frühling zu. Acht Tag dauerte das gest ünd während tiefet heiligen Zeit gab es keinen Unterschied zwischen Herr und Diener. An eine schönere Zeit im Jahre konnte man die Erinnerung der Geburt des Liebcsheilands nicht knüpfen, und es war weife und wohlgethan, daß die ersten Veckünder der christlichen Lehre den alten Volks brauch ehrten, und so kam e?, daß das a!te Julfest mit Nadelduft und Lichterscheinen hinüberglitt m die acht der Weih:. So schön unü innig hat sich dah;r in keinem Lande der Wett das Weihnachrsfest gestaltet als in Deutschland. In den romantischen Ländern, im Sonnenglänze eines ewigen Sommers, fehlt der Weihnachtszeit die eigenthümliche Sehnsucht nach der Erlösung von Eis und Schnee, welche das Erlösunzsver langen der Menschheit so wunderbar versinnlicht, und mag man in England in noch so gemüthlichen Kreisen den großen Truthuhn verzehren und Abende traulich um den Herd gerückt die warme Punschdoivle schlürfen wir Deuischen vermissen doch den lieben Weihnachtsbäum, dessen Strahlenglanz uns, al mir Kinder waren, so selig in das Herz gelacht und der auch noch dem Manne, wenn cr ihn sinnend detrach:et, jo viel zu erzählen weiß von glücklichen Jugendjahren und von mancher stillen Freuoe mitten im brausenden Kampf d?s Lebens. Freilich, auch der Baum hat einmal seine Wanderungen über die Erde an getreten, aber nirgends fand er sich heimisch und floh bald wieder zurück in's Deutsche Vaterland. Denn an keinem anderem Orte hat man ihn verstanden und der praktische Engländer ließ ihn sogar, den letzten Rest duftiger Poesie in klirrende Prosa umschmiedend, aus Gußeisen nachbilden und mit Gaslei tunz durchziehen. Das ist der glänzensste Beweis dafür, daß man Volks feste nicht verpflanzen kann. So sind denn auch die Christgeschenke wesentlich eine deutsch: Sitte geblieben, denn mag auch von anderen Culturnationen das Fest als eine Gelegenheit benutzt werden, sich glänzenoe Präsente zu überreichen, mag man auch in England kleinen Kindern Näschereien und Spielwerk zum Weihnachtstage bringen, die gemüthvolle Art der Weihnachtsbescheerung ist doch immer urdeutsch ge blieben. Von den Reichen, die in Palästen und Villen ihren Familienmitzliedern einen glänzenden Aufbau veranstalten, bis zu dem unbemittelten Manne herab, der seinen Kleinen, was er ihnen an Kleidungsstücken und Schulbüchern doch beschaffen muß." wenigstens unter den brennenden Weihnachtsbaum legt - überall will Knecht Ruvrecht am Weih. NIchtstage lachende Gesichter sehen. Und so kommt es, daß das Fest der Nächstenliebe zu einem gewaltigen ssciaten Motiv geworden ist. Du zu Weihnachten jeder schenkt, so muß zu Weihnachten jeder kaufen und da wieverum jeder seine Wcihnachtsgaden seinem Kon nen und Vermögen entsprechend als ein besonderes Weihnachtsdudget in seinen HaushaltunzsctZt aufgenommen, 1 so nimmt ganz von selbst das Geschäftsleben, daS ja auS Kaufen, und Vcrkauseit besteht, in feinem Verlaufe eine Richtung auf das Weihnachtsfest zu. ' Das ist mein Weihnachts - Artikel," so sagt sich der Fabrikant wohl schon in der ersten Hälfte deS Jahres, wennjer einem Erfinder eine m Wenn ich nur zu Weihnachten rechtzei lig fertig würde," sagt sich der Maler, der auf seiner Sommerreife die Studien zu einem neuen Gemälde macht, und schon im Januar taucht mancher Schrift?
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sieller die Feder in"S Tintenfaß, um das erste Kapitel feines neuen Weih Nachtsbuches schreiben, damit er im Juli oder August daZ fertige Manuskript an den Verleger senden und dieser es noch rechtzeitig an den Weih nachtsmarkt bringen könne. Lanze vsr Herbst tritt der Commis Vorzazeur seine Reise mit Weihnachtsartikeltt an. um möglichst viel anderen, minöer schnellen Collezen vorzukomm.'n. Und nun beginnt die Hast nad das Jagen. Ewer sucht den andern zu überflügeln, riesenhafte Bestellungen werden gemacht, die großen Geichäfte füllen ihre Magazine, die Schaufenster erleuchten sich prächtig, kur.stoolle Ar rangemems der erlesensten D'.nze er glänzen im sonnenklaren Schein des elettrischen Lichts oder strahlender Gaskrönen, und je größer die Stadt, je nobler ihre Straßen, je reifer ihre Geschäfte, desto herrlicher gestalten sich wese Ausstellunzen, die, oft nur prahlerische Zusammenhaufungen von Vrunk und Vracht. oft mit fo edlem Geschmack und so feinem Kunstsinn zusammengefügt sind, daß ihr bloßes Beschauen schon einen hohen und wirklichen Genuß gewährt. Aber unter der strahlenden Decke birgt sich manches Mal das Elend. Manch' armer 5? aufmann, der dem Ruine nahe ist. glaubt, das Weihnachtsgeschäft müsse Alles wieder gut machen und macht, um sich von den reichen Nachbarn ich! zu Tode prunken zu lassen. Bestellungen über Bestellutigen und putzt sein Schaufenster auf das Verlockendste heraus, um den Erfolg mit Gewalt zu erzwingen. aber dieser bleibt dennoch aus. und das allgemeine Fest der Freude vernich tet ihm vielleicht die Existenz, ud sein Nachbargeschäft, das unter inem vorgeschützten Weihnachts Ausverkauf die scheinbar werthozllsten Gegenstände zu Schleuderpreisen fortwirft, kann ries vielleicht nur dadurch erreichen, das: es ' seine Arbeite? mit Hnnzerpriien beI irthft rt iit kioklsvs,?? 0 j, V... tV. Vti)tVt l tlii M.it 3 Dasein entbrennt um diese Zeit. w tun man durch fsUt. Vor der achten Kammer des Pariser - - Gerichtshofes sand vor einigen Tagen eine Verhandlung statt, welche Verhält niffe enthüllte, w,e man sie sonst nur in der Operette zu sehen gewohnt ist. Louis Baubuin war ein so vorzüglicher Schüler, daß sein Oh:im. de: ihn erzog. beschloß, ihn zur weiteren AuSbUdung an die Ecole normal nach Paris zu senden. Gleichzeitig stellte ihm der gute Alte die and seiner Tochter in Aussicht. Counn und Cousine wurde gestattet, sich zu lieben, und die jungen Leute machten von der Erlaubniß so ausgiebigen Gebrauch, daß sich der überraschte Vater schon nach einigen Monaten genöthigt sah, schleunigst die Verheirathung des Paares vorzunehmen. Nach der Trauung aber wurden feie Lied enden getrennt. Die junge Frau wurde nach Nizza geschickt, der junge Ehemann an die Ecole nor male, und nicht eher sollte er die Schwelle der Gemächer seiner Gattin überschreiten, als bis er von der hohen Schule das Zeugniß der Reife heimgebracht. Wir wiederholen, die Fabel ist nicht von Cnivott und Duru gedichlet, sondern hat sich wirklich zugetra--g?n, ja daS Leben hat sich boshaftererwiesen, als Librettistcn gemeinhin sind, welche die Liebenden wenigstens im letzten Akte vereinigen. Der SchNezerpapa hatte nämlich die Rechnung ohne die strenge PrüfunZs-Kommiisisn c der Ecole normale" gemacht. Herr Bauduin fiel beim Examen durch, und er fiel in der Folge noch zweimal durch mit dem Zeugniß der Reise hatte es feine guten Wege. Die Liebe der Frau verwandelte sich in Verachtung, sie dachte nur noch daran, sich scheiden zu laffen.und nachdem inzwischen ihr Kind gestorben war, fesselte sie eigentlich nichts mehr an den Galten. Leiter ist ein Durchsall beim Examen kein Schcidungsgrund, und die kleine Frau mußte daher daran denken, sich einen anderen ju verschaffen. Es gelang ihr auch, ihren Gatten mit einer hübschen Modistin in flagranti zu ertappen. Die achte Kammer verurteilte den Gatten zu SO Franc Geldstrafe; o gering die Strafe aber auch war, genügte sie doch um als Grundlage zur Ehesch:i5unz zu dienen. DerAermste gestand seinVerbrechen ohne weiteres ein und richtete an den Vorsiendtzen zur Entschuldigung die Frage: Was hätten Sie an meine? Stelle gethan?" Als in der Sitzung der Societe des Arts" in Genf Herr Prof. Dr. Ströhlin über Richard Wagner und Bameuth gesprochen, erhob sich Herr Gosse, um eine personliche Erinnerung zu erzählen. Er war Student in Paris, als dort die erste Aufführung des Tannhäascr" stattfand und wurde von der Fürstin Metternich dazu elngeladen. Das Publikum hörte das Werk andächtig an, bis eine Anzahl Atttglieder des JockeClubs erschien und ab scheulichen Lärm zu machen begann. Man eiferte gegen den Unfug, von scharfenRedcn kam eSzustürmischenAuf. tritten, bei denen Hiebe ausgetheilt wurden! Gosse betheiligte sich nn dem Kampfe, nicht weil er etwa ein leiden schiftlicher Wagnerianer gewesen wäre, sondern aus purer Höflichkeit' gegen die Fürstin . Merternich, D?r Vorhang mußte endlich fallen. Gosse begab sich auf die Büh7.e. traf hier Wagucr und bemerkte, diesen zu trösten: Wie kavn man pfeifen bei einer so wunderbaren Musik, wie sie in dem schöne? Lied an den Abendstern liegt?" Darauf antwortete Wagner rauhen Tones: Aber mein Herr! DaS ist gerade die schlech teste Nummer der Oper.- Gosse zog sich in guter Ordnung zurück., . !: ' Da S . A e r g st Gefreiter: Lina, Lina, ich sag'Dir'S noch ein- . mal. wenn ich Dich mit dem dummen ', Schmner toi eb er I a iif en f 2 1) b cn rilf ü n 4 big1 ich Dir die Liebschaft auf ewig und wenn ich vier Wochen lang AbendS' nichts G'jcheiteS mehr zu essen krieg' l",
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