Indiana Tribüne, Volume 15, Number 93, Indianapolis, Marion County, 20 December 1891 — Page 10

Ksksee MeUnNsch von Aethloplen. I In der Rcforma" veröffentlicht d-r

AfrzkareiZende und Abqeordnet- Gra Pietro Antsuelli einen inhaltreichen iki über den Kaiser Menelik von Aethdpien, aus dem iirnn ein recht anschau : ücheS Bild von der halbbarbariZcken , Najestät gewiuut. Da der Verfasser jeit 1879 wiederholt längere Zeit in Schoa geweilt und später uch in amtlich?r Eigenschaft als italienischer Gesandtet viel mit Menelik persönlich verkehrt bat, so hat seine Schilderung aucb den Werth scchlicher Zuverlässigkeit und politischer Einsicht, nnv da die Bezie tagen Italien'S zu Menelik in der fer nern Kolouialpolitik och eine bedeutendc Rolle spielen werden, so sei bier das Wesentliche aus der Charakteristik wiedergezebe. Menelik. der seit Ostern 2883 niit der Prinzessin Taikn vermählt ist, nachdem er vorher ein nicht gerade musterhaftes Leben stesührt hatt?, steht gegenwärtig im 43. Ja're. Er ist ein Mann von mittlerer Größe und kräftigem Bau. dunkelbrauner Hautfarbe und groben, aber nicht unregclmaßis,cn Z'l gen. ülui seinem blatternarbigen Gesicht leuchtet eiu Paar ausdrucksvoller Augen hervor, bis roth uuterlanfen sind. Gielt dieS seinen Mienen für zcwöhnlich einen rohm Llusdruck, so iann er doch auch selzr wohlwollend und gewinuend dreinschauen. Von Natur ist er weder herrisch uoch grausam; die ntcrzeichuung riucS TodeSurtdeils soll ihn oft traurig nnd nachdenklich machen. Er versteht es. sich die Liebe scineS Vzl keS zu erwerben und seiue lttttertbanen a leiten. Obgleich er jetzt den Titel Kaiser von Äethiopien sudrt und übe? in Herr von 139,000 Mann mit 00, KX Flinten gebietet, obgleich er gegebn leu falls seiner Würde durch echt orieutalischeu Prunk üusjereu Ausdruck zu eben weit?, verschmäht er eS nicht, selbst u?ch körperlich zu arbeiten. Er sägt Hol,;, macht Modelle von Häusern, leitet s:!bst hauten, und a(S jüngst eine S.'nche den ganzen Bestand von Arbeitsochsen hinweggerafft hatte, griff er mit seinem ganzen Hof uud seiuen Häuptlingen u Haue und Spaten und bestellte döchst eigen ljändift daZ Feld. An einer Kirche, b'ie er errichten ließ, lj.it er drei Monate hindurch alS Steinmrtze mikgrarbeitet. Von EiZenbabnen, Daiupfich ffm und Telegraphen hat er einen allgemeinen Begriff und mochte gern die techuiichcn Fortschritte der Kultur auch seinem Lause zugute kommen lasten, findet aber hierin Wiocrstaud bei seiner Umgebung. Seit Ansang der 83er Jabre steht er mit Europa in regereik Vechungen; den Auszug machten Vrirstvechsel mit den Herrschern von England, Belgien, Jtalien und dem Präsidenten der srauzö fischen Republik; im Mai 1L83 schtos; er einen ersteir Frenndschafks und Hau del-.-vcrtrag mit Italien, woraus, nachdein cr uiit Italien geveiusame Sache gegen den Regn JobauneS gemacht halle, der Veitrag von Uccialli 1890 folgte, über dessen AuKlegug der bekannte Streit ueuerdiugS auZgebrccheu und noch nicht beigelegt ist. In Hau dslsnqelegenheiteu immt MeneZtk e mit dem geschickteste Kaufmann aus. u diplomatischen Verbaudluugen weiß cr mit großer Beredsamkeit hinzuhalten, bis er seinen Entschluß gefaxt bat. Er befragt sick hierüder gern beierfahreue und verstänöigen Leuten, bespricht die Fragen mit ihnen, denkt Tage lang darüber nach, entichlievt sich und tvechZelt dann feine Ansicht wieder. Wer mit ihm zu unterhandelu hat, irnifc viel Beobach' tnngsgabe besitze, ihm in allen Entwickelungsskudien folgen und bereit sein, den günstigen Augenblick zu ergreifen. Auch in Negierungssragcn läßt er sich wok! von seiner Gemahlin Taitu leiten, wiewokl ihm die Herrschast deS Pantof fels lastig wird, wenn sie zu deutlich zu Tage tritt. Seine größte Freude ist, Ht) mit dem zu beicha'tigcu, waS die ge 'tönten Haupter Europas thun und las ftn. Zür europäische Zeitungen legt der Kaiser lebhaftes Jutereste au deu Tag. Er findet, dast die Presse viel lügt, daß aber immer ein Körnchen Wahrheit in ihren Angaben stecke UebrigenZ sind ihm die Oppositionsblälter lieber als die halbamtlichen. Seine rege Neufließe ttach europäische Dingen befriedigt r auch gern in der Uutcrhaltnug mit Europäern, die stets eine gute nnd achtungsvolle Aufnahme bei ihm finden. Seit er König ist, bat Europa' wach senden Einstnö auf ihu ausgeübt. Aber unu neust Vorsicht bei ihm üben, denn vbwodl er ein maßvolles Temperament besiy, . nachdenklich und oit uucutfchiedeu ist, Swsisji cr ?ine geiädrtiche Eigenschaft in sichern Grade; rr ist durch und durch Egoist. Wenn er Jemand glaubt nöthig .zu h.ita, ist er die LiebeuZwürdigkelk selbst nud macht ihm den Hof wie einer Tame, dient ilim der Manu nicht nrehr, so Istfit er ihn wieder völlig links liege. Seine Häuptlinge keunen seine Selbst fitibt wohl und pasteu aufmerksam ans die Augenblicke seiner guten Laune, wenn sie Vaüustiaunqen von ihm verlangen wollen. Diese gute Laune die ihm beitere Scherze auf die Lipprn lockr, kehrt tuetst der lbmntt,wknn erTrlvntzaylun gen erhalten hat und seine Schatz gefüllt wein. AIS Soloat desiht Menelik lzrben persönlichen Muth. Die Geist lichkcir liebt er nicht sehr, obwobl er reliaiöZ ist und die langen FaUen streng eindätt. Ist die Fastenzeit vorbei, so kni wickelt cr eine um so größere Eßlmt. Sn:, Tagwerk spielt sich sür gewöhnlich selgrndttmaven ob. Um 3 Nur erkel: sich der Kaiier und betet zwei Stunden Von 57 Uhr dikkirt er den Sekretären Briefe, baun Kalt cr Em pfang ab, las;t sich über den SZaud des Ututi berichten, ertdeilt Be'cble. uiWWt Ernennungen vor und findet daA!vi'.en Zeit. Uhren zu richttn, Bau, p?ZL z eulwerfcn, Arzneien an Kranke An vz?rn'euru und t::r dle VuiZruitnilg scincr Trupvc., ni sorgen. AtKonelli schlieft! s'ine eingehende DarstiUnng mi' rem unicue. vag Menetir anm noc, nach Avrvcn mit dcrjctbeu Tatkraft u::d g:eicke:n Erlola auftrete, wie cö ' ibm ir.i Suden des NeickS geM sdie lÄallaS.gelunLen it. damit die Regie

rang Me5lik's, der in der äthioxifchen Geschichte zweifellos ein großer König genannt zu werden verdient, auch ein

rtreniwu Vlatt rn oer icoioumige schichte Italiens gewinne. DaS hängt aber von Italien mindestens ebenso viel ab wie von Menelik selbst. DeS KöttlgS Wille ist das oberste Gesetz. ES ist von Jntereste, zu vernehmen, in welcher Form in Münscheu selbst diese eigenthümliche Widmung deS deut scheu Kaisers für daS Ehrenbuch der Stadt München bekannt gegeben worden ist. Die Münchener Allg. Zeitung brachte die Nachricht in folgender Fassung : .Se. Majestät der Kaiser trug, wie seiuer Zeit gemeldet, am 3. September dieses JahreZ bei seinem Besuch im Münchener Nathhanle seinen Namen in daS von dem 1. Bürgermeister Dr. v. Widenmayer vorgelegte sogeuanuteFremdenbuch ein. Eme Einzeichnuug in daS Goldene Buch der Stadt München erfolgte damals im Nathbanse nicht, da gegen sandte der Herr Bürgermeister mt Blatt des Goldenen Buches an Se. Majestät in die diesige k. Residenz mit der Bette, dav 5e. Majestät gernhen möge, sich auf dasselbe in üblicher Weise einzuzeichnen. Dieses Blatt ist b,S jetzt noch nicht anS dem Eabinet Sr. Majestät zurückgelangt. Gleichzeitig wurde damals auch das Fremdenbuch in die Residenz gesendet, damit der Reichskanzler v. Eaprivi uud die anderen Herren deS kaiserlichen G:folgeS ihre Namen ciutragen könnten. Wie nun der H?rr Bürgermeister in der geheimen Magistratssitznug mittheilte, hat Se. Majestät nachträglich über seinen Na menszug mit festen, kräftigen Zügen die Worte: JSuprenia lexregis voluntaa geschrieben." Die blSmarck-selndltche Franksurter Zeitung" aber schrieb auö diesem An taste: ,.Bon dem Kaiserlichen Albumblatt in München mit den Worten: stuprema Isx regu volirntas" muß man in Fried" .ichsruh schon vor einiger Zeit Wissenichaft gehabt haben, denn in den Hamb. Nachr." war in einem Artikel vom L9. Oktober, der sich mit der Wahl in StolpLaucubnrg beschäftigte. Folgendes zu lesen gewesen: Soweit sich daS Wahlergebnist nicht aus persönlichen und lokalen Verbältnisten erklärt, wird es den Couservativen zu denken geben. Wir hciben es im Lame der Zeit nicht an Mahuungeu an die Parte: fehlen lasten, welche Eindruck Kälten mache müssen, wenn nicht der Grunds!) iipnerna lax regis Toluntas augeuonlmeu wäre und uic'wt gegen die Interessen deS Landes GleichzUtigket hervorgerufen Kätte." Cedt inan der EntsteKung dieses Grundsatzes, dem das lat'iuiichc Wort die jckärfne Zuipipung gibt, in der neue ren preustischen und denlichen Gcfchichte nnch, slösu man alsbald auf den Fürsten PiSmarck. der ihn vor zebu Jahren für iein Hnnsmaicrtbum sehr förderlich fand. Feuer Erlaß deS Kaiser Wil. keiu, I. vom 4. Jauuar 1882, der von Bismarck gegengezeichnet und suggerirt war, kommt auf nichts Anderes binans, alS auf die inconstitutionrlle Lehre, da es den Ministern nur obliege, die Befehle des Königs auszuführen uud daß eS eine unzulSisige Fiction fei, die Perfon des Herrschers von den Handlungen der Regierung zu trennen, daß demgemän tede Kritik solcher Handlungen und jede Opposition dagegen sich gegen den König richte. ES hieß da wörtlich: ES tst mcht znla'ua nnd mkrt zur Ver dunkelung der verfastuugsmäßigen Rechte des Königs, wenn deren Ausübung so dargestellt wir, als ob sie von den fca tur verantwortlichen Minntern und nicht vom Könize selbst ausginge.... ES ist daher tnein fester Wille, daß iowohl tn rennen, wie in den gesetzgebenden .K örpern deS Reiches über mein nud meiner Nachfolger ver fassungSmäßigcS Recht znr persönlichen Leitnng deS Politik meiner Regierung keiu Zweifel gelösten uud der Meinung stetS widersprochen werde, als ob die in Preußen jederzeit bestandene, durch Art. 43 der Verfastnng ausgesprochene Unvcrlehlickkeit der Person deS Königs oder die Nothwendigkeit der verantwort licken Gegenzeichnung meinen Regie rungSacten die Natur selbstständiger kö nkglicber Ent?chkießnuaen benommen kntte." Als dieser Erlaß erging, hatte fturit B'smarck keinen qroizcren Bewnn derer und gelehrigen Schüler als deu Prinzen Wilhelm, uud wenn er ö?u noch Kanzler wäre, würde sicherlich seine Freude über den Errolg teiner Lebre nicht durck die Einsicht, daß sie gegcu die Jutereuen de LaudeS bei den con servativen Parteien Gleichgültigkeit hervorgerufen habe, getrübt oder beeinträch tigt werden. Die Treppen im Reichs kanzleramt haben mit den alten Ratbstreppen gemein, daß man klüger hernnterkommt. als man hinaufgegangen w.tr und gewesene Größen entgehen auch dem Schkckzal mcht, daß ihnen die Ru then, die sie für Andere auf der Höbe ihrer Macht gebunden haben, uufreundliche Instrumente werden. HelratvSagetttett Wenn Jemand hesrathen will, so pflegt man in Deutschland anzunehmen, daß er leine Fran selbst sucht oder daß er dasjenige Mädchen, welches er mit seiner werthen Person beglücken will, vorher erst einmal ansieht. Aber es gibt doch eiuzzlne Leute, die hiezu keine Zeit, oder vor all den noth wendigen Borarbelkeu eine gewisse Scheu babcn. Deshalb mochte wobl der im HannöverZchen wohnende Gastwirih G. Zehr erfreut gewesen lein, atS der ?tgeut Wilhelm Heinrich August Mein berg in Hannover, nnterstützt von seinem Freunde, dem Arbeiter WolterS, 'ihm , eine gute Partie" in Vorschlag brachte. Die be treffe nde D ä m e, Z o hieß eS. Z e i die Toch ter deS GastnurthZ L. in A. und erfreute sich w.is sehr weicnttich war einer Mitgift von C0Ü0 Mark. Der heirathS.

lustige G. ließ sicy nun auÄ von den beiden .GeschutSlenteu- überredeu. der Sache näher zu treten. Sie erklärten, eS sei durchaus ,othw?ndig, daß ste verfchiedene Reisen machten, und zeigten dem G. einen angeblich von der hei ratbSlustigen GastwirthZtochter in A. geschriebenen Brief, worin diese ihre Geneigtdett zu einer Ehe mit G. auS sprach. G. ließ stch hierdurch bestimmen, Neisekosteu in Höhe von neun Mark für die Beideu zu zadleu und ihnen anßer dem einen Wechfel über eine höhere Summe auszustellen. Später erfuhr er allerdings, daß die Gastwirthstochter in A. gar keine Ahnung von dem Glücke hatte, welches ihr durch die Vermittlung der beiden Judustrieritter blühen Zollte, und er er. fuhr weiter, daß diese Leute sich nicht im Geringsten bemüht hatten, zur Erfüllung seiner Sehiisucht nach einem traulichen Familieuglücke etwas beizutragen. Daß G. später daS Accept nicht einlöste, wird man unter solchen Umständen begreifen. Meiiiderg und WolterS wurden wegen Betrugs unter Anklage gestellt und vom Landgerichte Hannover jeder zu zwei Wochen Gefängniß und 50 Mark Geldstrafe verurtheilt. Die Vermögens schadiguug wurde darin erblickt, daß G. veranlaßt worden war, 9 Mark Reisekosten sür die Angeklagten zu zahlen, die davon einen Vortheil hatte. Die Revision der Angeklagten beschränkte sich auf eine aussichtslose Bekämpfung der thatsächlichen Feststellungen. Es wurde behauptet, daS Urtheil eutbalte selbst Festitellungen, woranS die Absicht Mein berg's, die Ehe zu Staude zu bringen, hervorgehe. Ferner wurde behauptet, man könne nicht ohne Weiteres in der gebotenen Gelegeubeit, eine Reise zu machen, einen Vermögensvortheil sindeu. DaS Reichsgericht (3. Strafsenat) verwarf die Revision alS unbegründet mit dem Hinweis darauf, daß die erwähnten

Bedenken im landgerichilichen Urtheile bereits erledigt Kirn und datz ein Nechtsirrthum in demselben nicht enthalten sei. NSmifMe Funve. Ueber römische Funde in Köln berick tet die Köln. Zeitung": BeiAusschachtuug ciues neuen Hanies vor dem Hah uenkhor fand sich außer verschiedenen anderen Geqeustanden, wIrunter eiu kleiner fchwarzer Becker, mit der Aufschrift TE (Ich liebe Dick), ein kleines Gläschen, iowie daS Fragment eines geschmackvoll entworfenen Reliefs von Terracotta die bedeuteudsten sind, ein Tufssteinsarg. Die darin enthalteneu Knochenreste lagen mit Erde vermischt umher und lieneu au? eine trüber stattgefunden? Oeffnnng deS SargeS schließ?. Diezem Umstände' ist auch wohl daS Fehlen der sonst üblichen Bei. gaben zuzuschreiben. Den Verschluß bildete eine Platte von feinkörnigem, hartem Kalkstein, 2 Fuß laug, 1 Fuß breit und 4 Zoll dick. Diese wurde bei der etwas gewaltsamen Eutzeruung tn zwe, Stücke getheilt, die linke Ecke nnd der uutere Raud waren schon vorher be schädigt. Auf der Innenseite dieser Platte war der Raum in drei Felder eingetheilt: die kleinen Se:teuselder tru gen fizürkicheu Schmuck; ob Genieu, ob Viktorieu. worauf die Umrisse zu deuten scheinen, läßt sich nicht mehr mit Sicherheit entscheiden, da die Ornamente gewaltsam zerstört sind; daZ zwei Drittel des ganzen Raumes betrageude Mittelfeld bat solegnde W.'teJ,chmt: Uis manibus, bonae memonae perpetua.0 secuntati Antoniao Ualaneu Alba(n)ius Leöntius et Eubsycbi(us) sill pietissimus. Soweit die Inschrift erhalten, ist sie sorasältta anSgezuhrt und gebort der besseren Kaiserzeit an. Die Buchstaben sind mit rothem Mennig angestrichen. Der Stem wurde durch den Architekten Vohl der Stadt oescheukt und ist dem städtischen Museum bereits zugeführt worden. In unmittelbarer Nähe ist am Eude der vorigen Woche auch ein römifcher Moiaikbodeu amgedeckt wor den. Leider hat er bei früheren Gele genheiten, worüber zur Zeit jede Kunde seült. arg gelitten; die erhaltenen Theile lassen tesoch die uriprungilche Compou tion noch deutlich hervortreten. Den Mittelpunkt bildete eine in reicher Glie derun. ge,chmackvoll ausgezuhrte gro ßere Roiette. An vier gegenüberstehen den Ecken ihrer Umrahmung schlösset sich Brustbilder an, von denen nur noch eins vollständig erhalten ist. Vor den dazwischen liegenden Ecken waren vier kleinere Rosetten angebracht, die gleich. falls bis aux eme und kleine Fragmente einer zweiten vollständig zerjtört und, Das Ganze war von einem breiten mit Arabesken und Blumen geirnnterteu Band elnaeiaßt. Auch rner rang mai bedauern, daß nur ein kleines Bruchstück bis jetzt anfgefuuden worden ist. Vielleicht sind weitere Nachiorfchnugen im Stande, die in ZeZchnnng und AuSfüh ruug gleich ausgezeichneten Neste zu ver vollständigen. Ja!)nLözmerzen. Vor einiger Zeit war der Gehilfe eiilkS Aachener Zahntechnikers F. zu drei Monaten Gefängniß verurtheilr worden, weil er einem keZuiteupater auS Sittarö sämmtliche Zchue ausgezogen hatte. Dieser Tage stand der Zahntechniker F. selbst vor der Strafkammer unter der Anklage der körperlichen Mißhandlung vertchiedener Leidender. Der Katha rinn H. sägte F., nachdem sie chloroior' mirt war ueun Zähne av und bedeutete ihr, sie löge am nächsten Tage zu ibm zurückkehren, ' weil er noch zwei Zahne eutferuen müsse. Anstatt zweier Zähne sägte F. noch zehn ab und setzte der H; da uu ein ueueZ Gebiß ein, wojnr cr 4L0 Ä!ark forderte. Die Wwürdel, ernstlich krauk und mußte in'S KcankeuhalHaufl geuo mmen werdeu, wo m au i h r fc le : ste vengebliebeneu Vr Zahn lo urz rl n . auSzo g. Am Ui.Mai v. I. HNte F. einem dorti geil Einwohner der über Zahnschmerzen klagte, einen völlig gesunden Zahn odne vorherige Untersuchung entserut. Am L2. Jauuar d. I. kam die Ehefrau Sch.

zu dem Angeklagten, um sich zwei .Zacken-

zahne und eine Zahnwurzel ausziehen zn lastkn. Nachdem die Sch. von einem Arzt chlorosvrmlrt worden war, ent ferute F. außer den drei angegebenen Zähnen noch sieben gesunde Zähne und lies stch dafür 30 Mark bezahlen. Frau Sch. war in Folge der BeHand lung einige Wochen krank. Später schrieb ihr der Angeklagte, ste möge das bei ihm bestellte Gebiß abholen, die Sch. hatte aber ein solches gar nicht ge tvünscht. Am 25. Januar d. I. wollte stch eine Frau auS Lluulch von dem F. drei bis vier Ääbne ziehen lassen. F. riß ihr in der Chloroform.Rarkofe deren 23 auS und würde wohl keinen einzigen Zahn stehen gelassen haben, wenn die Leidende nicht auS der Betäubung erivacht wäre nnd den Zahnküustler von uch gestoben hatte. Auch h:er tchien eS F. auf den Verkauf eines GebisseS abgeseheil zn haben, den nach kurzer Zeit ersuchte er die Fran brieflich, zur Anpaung des Gebies zu ihm zn kom men. Derartige Fälle gelanzten ln der jetzigen Verhaudhtng noch mehrere ju zur Sprache. Die als Sachverständige geladenen Aerzte und Zahnärzte bezeich' neten das Verfahren alö ein gegen alle Zahnkunst verstouendeS, robeS und grau famcs. Der StaatSauwalt beantragt; gegen F. wegen vorsätzlicher körperlicher Mißhaudluilg in zwel Fällen eine Get,äugulLstrat.e von neun Monaten nnd eine Geldstrafe von 1000 M. DaS Urtbeil des Gerichtshofes lautete auf sechs Mo nate Geiäugniß und eine Entschädigung von 500 M. an die Nebcnklägeriu Frau Sch. EtwaS über Gefangvercine. Sage mir was Du singst und ich sage Dir wer du bist," so könnte mau daS bekannte Sprüchwort variiren und es wäre gerade so wahr und so verlogen Wie jedes anders. Gew.ß könnte man un Allgemeinen n? den .yaratker eines Mengen schließen, wenn cr sänge Frei wie der Vogel singt, der in den Lüften wohnet", nach eigener Wahl nud seiner inymenta nen Stimmung entsprechend. Aber der Herr Direktor und die Herren von der Musik-Commission bestimmen deu Gesaugstoff und da muß, er mag wollen oder nicht, der Sanguiniker trauern, der Choleriker jubeln, der Phlegmatiker wie! ein Akrobat aus der Leiter der Tone ausund abklettern, u. f. w. Selbftverstäudlich hat bei der AuSwähl des GefangstoffeS der Direktor als Fachmann das erste Wort und tvird eS anch durchgehend? in den weiteren Instanzen behalten, beiondeS wenn er seine Vorschläge genügend zu inotivireii versteht und mit der uöthigeit Energie auch den richtigen Takt verbindet. Leider treten aber den betfni Ablich ten, den lautersten Motiven allerlei Hindernisse in den Weg, die die Wahl deS GesangstosfeS auf unliebsame Weise beeinstusseu. Da hat der Direktor selbst ein neueS Lied antgetricben, (vielleicht selbst ver brachen) das auf dem Piano alle erdeutlichen Tugenden aufweist, und wird, da es nagelueu ist, vom Verein mit Freuden acceptirt. Oder eiu dem Verein angehörender Solist, der eines geivissen PnllS stch er. freut, hört irgendwo ein Lied mit einem wie auf seine Stimme zugeschnittenen Solo: DaS Lied muß eingeübt wer den, lonst tvird die event, schzn in der JtocltaZchi: bereit gehaltene Demission aus den Tisch gelegt! Oder man hört einen Verein, dem man ebenbürtig zu seiu glaubt, ein als schwierig bekanntes und daher eines besonderen Respekte? stch erfreuendes Lied singen und sofort verlangt die Vereins ehre-, daß das Lied ebeufallS auf' Re pertoir geietzt werde. Die Folgen solcher Tendenzen bleibcu uicktauS: Bei einigem Sichvertiefen in das Studium des Liedes stellt eS sich herans. daß der Text fade und nichtssagend ist. alio auch mcht begeisternd wirkt; die Baste erreich: vielleicht daS verlangte r" oder gar f nicht voll und rund, wie absolut nöthig; daS Lied verlangt Heldenteuore", wahrend der Verein nur über süße Lyi'che- verfügt; eS weist harmonische Schwierigkeiten au?, wo der Eine uud Andere komequeut entgleist, wenn der Nebenmann zufällig weggeblieben ist. Bei der Wabl deS GeiangstosseS bat man stch in erster Linie klar zn machen, daß das Lied das .elnngene Wort" des Dichters ist. Es ist absolut undeuk bar. das; ein nichtssagendes Gereimiel eines Dichterlings einen gottbegnade ten" Komponisten zu musikalischer Produktion begeistern kann. Aber ebenio unmöglich ist eS, den Sanger durch das komponirte Lied zn erwärmen, oder av zu begeistern, die Melodie mag noch io ansprechend lein, wenn nicht in erster Linie die dtckterliche Idee ihn e"tast. Sodann ist eS unablaßlicheS Erforder niß, deu Charakter deS LiedeS gegen! die Ftimmenzabl, die Leistnuasrahigkeit deS Vereins bezüglich der Treffsicherheit, Höbe und Tiefe der einzelnen Stimmen, speziell den Charakter der Tenore genau abzuwägen. Leider geschieht daS durchgehendS nickt mit der absolut uö tbigen Gewissenbaftigkeit, , soaar b.'i den Promsnetttett- ist der Pfuscherei Tbür und Tbor geössnet. Und di? naturgemäße Folg davon ist, daß man wohl deS Prestige'S wegen die Proben regelmäßig beincbt und tücktig übt aber die innere Freudigkeit und Begeilternng ct Singen versiegt allmä lig während eS gerade das höchst: Ziel Zedes Gesangvereins sein soll und mnß. den Säuger' durch das Lied für alles Sch'SifKobennd Edle zu begeistern, den schweren .ampi um's Da kein iür Momente in den Hiilterqrnnd n drän qen und sein Herz im Reich der Tone Wvelgcn zu lassen, so daß eS sogar Schwiecermntter und Glänbiger vergißt Gig anz teS Sprichwort. .Böie Menschen babeu leine Liederl

aber sehr o't ein Klav'

Henke nd Hyrlk.

Angeregt durch die ueuliche Erinne rungen an Heule stellte ein ehemaliger Student diesen Göttiuger Anatomen mit dem Wiener Hyrtl in Parallele und zahlt vou Beioeu einige charakteristische Schnurren: Ein gemeinsamer Zug charakterisirt diese beiden geistreichen Anatomen. Hyrtl selbst bezeichuet den selben tresslich in der Vorrede zn seiner topographischen Anatomie als Tempe rameutsegen-, toelcher mit satirischer Kürze uud durchschlagendem Humor auch eruste Gegeustäude gründlich zu traktireu versteht. Hyrtl ueuut uch selbst Airn tom Polyhistor". ES auf Kuriosa abgefehen zu haben-, schreibt er, gebe ich gern zn. Es sind meine Leseerlnnerungen, welch? ich an geeignet erscheinen' der Stelle auftifche uud welche, nenn sie pikant schmecken, den gewöhnlich nicht sehr guten Appetit für anatomische Ge uüsse reizen! Doch wozn die Vorrede? Begeben wir un5 selbst in das Wiener Ttaairurn anatornicum. Da arademische Viertel ist schon verstrichen und erwartungsvoll stnd die Blicke der jungen Mediziner aui das Portal gerichtet, durch welches der große Meister seiuen Einzug hält. Eudlich erscheint er, doch wie der Gewaltige 'eine Stimme rollen läßt nud sein Vortrag bcgiuut, sehen sich feine Schüler stauueud an. .WaS ist passirt?- Ist Hyrtl krank?" solch zweifelhaftes Gemurmel ist unter dem Auditorium ver nehm bar. Denn unser hochgeehrter Herr Professor begann sein Kolleg über systematijche Anatomie mit folgeuden Wor ten: Der heilige Ehrispinus starb bekanntlich zu Padua, derselbe trieb seine Mildthätigkeit soweit, daß er deu SZei üen daS Leder stahl, um den Arme Schuhe daraus zu machen. Der Zweck heiligt die Mttef, das ist eiu Grund satz. den heute noch die Herren Jesuiten befolgen. Ich, als Director dieses Instituts, darf eS in keiuer Weise dul deu, daß dieses sophistische Priuzip in diesen geheiligten Räumen sich Geltung zu verschaffen versucht ; denn ich kaun es nur Ihnen, meine Herren, zum Vorwurf machen, ivenn ich Jhuen mittheile, daß von den zwölf Brustwirbeln, welche ich während deS gestrigen Collegiums znr Ansicht herumgereicht habe, mir nur fünf wieder zn Händen gekommen sind !" So donnerte Hyrtl los uud d?e Un gärn nnd Kroate machten lauge Gesict ter. sie hatten a ur zur Erweiterung ihrer anatomüchen Kenntnisse, zuiu Selbststudium die Knochen mit auf thrk Bude" geschleppt. Solche Scenen würden auf der Georgia Augusta, bei dem auSgeprägteu Taktge'ühl der Göttiuger Studenten schast, rein unmöglich sein. Verstand doch unser Meister, Hofrath Heule, durch die Art und Weise seines Vortrages ieine Schüler zu fesselu, daß selbst in heißen Sommertagen selten ein Zn Hörer fehlte, iviewohl daö Kolleg üdcr systematische Anatomie in der lieblichen Stunde von 1L bis 3 Uhr Vormittags stattfand. Heule erregte die Bcwunderung feiner Sck?ül.-r nicht nur durch die Frische uud Lcbeudigke:t seiuer Vor tragweise, er ivußte daS trockene Stu dium der svstematiicheu Anatomie durch taktvollen Humor zu würzen und erfreute durch die Eleganz seiner Zeich nulkgen, welche er während seines Vorträges wirklich mit küustlerhaftcm Ge schick mit buntkarbigen Stiften auf weißer Alabastertafel ikizzirte. Kein Wunder, daß wir Mediziner geradezu für ihn schwärmten. Ein jnnger Mediziner, welcher in der Henle'cheik Familie bekannt war, hatte eines Tages auSgkkundfchastet, daß der GebnrtStag uniereS geliebten LebrerS sei, und wie eiu Lauffeuer verbreitete sich diese erfreuliche Nachricht kurz vor Be ginn des Kollegs von Studio zu Studio, und als der Professor kaum die Arena betreten hatte, durchbrauste den Kuppel bau deS l'keatrrlm unstomiaum ein donnerartigeS Getöse ; gegen zweihundert StudentenExtremitäten tramvelten da rani lo?, im taktvollen Ovationstempo schallte eS akustisch wider von den ani phitheatralisch aufgebauten Bänken. ES gab einen solchen Höllenlärm, daß sogar die Herzen der Raubmörder, welch? in ihren SpirituSreservoircn die Wände zierten, erzitterten nnd zu tanzen ausin gen. Unier Geburtstagskind war entschieden überrascht; ob anch sebr erirent. ist zweifelhaft, wenigste -y schante eS ängstlich nach deu Spirituspräparaten auS. Dann aber verbeugte stch unser Profestor srenndlick. verbindlich läcbelnd und mit der UKrkette leicht spielend, saate er, stetS scblngsertia : ch danke Ihnen, meine Herren, 'ür diese physt sehen Beifallsbezeuoungen, mid um von den Füßen nun wieder auk das Gedirn z,t kommen, mochte ich Ihnen beute gern an diesem Instrument dessen Wacht ick schon seit etliche,! Jahren kenne eS ist nämlich Eigenthum meiner geliebten Frau , den Bau deS GernrnS exvlizl reit. Dabei zog Henke unter verichie denen Gehirnpräparaten einen allerkiebsteu Damenpautoffel hervor. Denken Sie sich die Soble als medulla oblonprota so ging er nun auf seinen Gegenst wd über und entwickelte in höchst geistvoller Weise seinen vergleich nn fasst' Gehirn und Pautonel. Die,, Schlaaiertigkeit. verbunden mit taktvol lem Hnmor, tvird uns, seiner. Schülern. unvergezzuca vielven. Dr. Scherk, Hamburg. Eine dunkle Affaire. . Eitte sehr mvsterio'e Affaire wird in den vmttchttl AlaNern ledhast dtttutirt. ES soll vor cittigkn Tagen in emem Txoxi bet Köln ein Marlueiotdat ttaud rechtlich erschossen worden sein, okiie daß die Militärbehörde üver die Grüude deS Vorgangs etwas vertäuten ließ." Man weifz nicht, waS' der 'Erschossene gelhau li.it. man weln nickt einmal seinen ?ca men. Nach einem dunklen Gerücht, soll er anS tkalk gedüniz sein, zwei Jahre bei der - ersten Marinedivlsiou gesient und auf der Rückreise vou Vokahama ach Kiel bei eiuec .Meuterei erneu Deck

! osn

ofsizier erstochen haben. Nach einer anderen Version handle eS sich um eine Erschießung beim Fluchtverfuche. Nach dem die Kölnische Zeitnng" die That, sache, daß eine standrechtliche Hinrichtung erfolgt sei, in Abrede gestellt hat, be hauplet der Kölner Corrcspondent der Rhein und Ruhrzeitung" mit Be stimultheit, daß der Marinesoldat kürzlich gegen 8 Udr Früh auf dem Hofe deS FestnugSgefängnisteS zu MüngerSdors bei Köln erschossen wurde. Derselbe habe bei einer Meuterei auf einem Kriegsschiffe in. der Höhe von Singapur einen Deckofsizier erstochen. Er sei von dem Kriegsgerichte zum Tode verurtheilt und, nachdem der KaiZer das Gnadengesuch verworfen hatte, dnrch zehn Infanteristen des 16. Jnfan terie.RegimentS unter Führung eines PremierLieutenantS erfchoffen worden. ES wird nun die Frage aufgeworfen, warum noch immer die amtliche Aufklä ruug aussteht. Die VoisiZche Zeitung" Zagt, eS sei unumgäuglich, daß die Mi litärverwaltuug wenigstens in solchen Fällen, wo eS sich um Leben und Tod bandle, mit einer Geheimnißkrämerei breche, die nichts nütze, aber viel schaden kann. Die Frankfurter Zeitung- stu det. die Geheimnißkrämerei der MilitärVerwaltung sei ein Hohn auf daS schöne Wort, daß wir im Jahrhundert der Oeffeutlichkeit leben; die Militärverwaltnng sollte doch endlich sagen, waS au der Sache ist; wenn ein Verbreche seine Sühne gefunden hat, gibt eS kein besseres Mittel, die Welt über die Ge rechtigkeit der Strafe aufzuklären, als eine einfache Darstelluug des Geschehe, nerr. DaS Spionenwefen in Oesterreich Ungarn. Dieser Tage bat iu aller Stille c'.u Vorgang seinen Abschluß gefundeu, we! cher in diefen, Frübsahre, der Zeit ucch etwa mit dem Prozeß Tripponne in Frankreich zusammenfallend, die öffeut liche Meinung in Oesterreich Ungarn lebhaft befchäftigte. Ju Krakan wurde deS Nachts zwei Individuen ftstgenommen, welche kurz vorher iu dem Gebäude des dortigen GeucralcomiuandsZ einen Einbrnch verübt, um sich deS Mobil machuugSplaneS der GreuzcorpS und auderer wichtiger Geheimschriften der Heeresleitung zn bemächtigen. Die bei den Individuen haben ihre Aufgabe ertuut. In der Reih; beraub stch der Chef der Spionage des runitchen Mili tärbezirkS Kiew, ein aktiver Offizier, welcher auf die Beute wartete; doch sollte ihm übel mitgespielt werden. Die beiden Einbrecher hatten nämlich im General contmando den Reizen eineS schönen J.igdgeivehres nicht widerstehen könne Uild dies, außer den Akten, mttgenom men. Äer umuand, oau einer der Leute in der Rächt ein Gewehr trug, erregte atürlich den Verdacht der Poli zei in Krakan, so daß beide Individuen feztgenJiumeu wurden. Die Untersuchung ergab bald, daß eS sich nicht um Diebe handelte, sondern um Spione. Natürlich erhielt der Chef der russischen Polizei nun nicht die be gehrten Akten. In der Untermchung stellte sich deS Weiteren heraus, deß die beiden Einbrecher ehemalige österreichische Soldaten waren, welch- durch Ersah rnng die genaueste Kenntniß von den Räumlichkeiten des GencralcommandoS hatten, sogar die Truhe kannte, in der die Geheimpapiere aufbewahrt waren, und ihren Standplatz, so daß ste mit großer Sicherheit auf daS Ziel loSgehen konnten. Aebnliche andere Vorgänge waren der österreichischen Regierung bereits zur Kenntniß gekommen, fo z. B. der Dicbstahl der Baupläne von PrcmizSl, jedoch bielt eS die Ssterreichi jcke Regierung für angezeigt, davon öffentlich möglichst wenig Wesens zu machcn. Um so gründlicher betrieb sie die Untersuchung, nrn die russischen Machenschaften in ihrem vollen Umfange aufzneckett. DaS Ergebniß diefer Untersuchung war wenig erfreulich. Danach hatte der Chef der russischen Spionage nicht nur über die Grenzländer, iondcrn auch über weite Theile Oesterreich-Ungarns fein Reh ausgebreitet, die Hauptstadt Wien eingeichloffen. Die einzelne Glieder dieieS NeycS bestanden aber nicht aus Leuten, wie man dieselben in der Regel bei diesem Geschäft findet, sondern mau stellte fest, daß der Ebef der russischen Svwuage sich dazu hauptsächlich Fach lente auSersehen hatte; so z. B. Kauz listen, Bureaudieuer, Zeichner, Kopisten, kurz und gut Leute, die entweder selbst Soldaten waren oder durch ihren täg lichen Verkehr die besten Dienste erwarten ließen. Zeigte der Lauf der Unter inchnna. mit welch verderblichen Mitteln die ruisisre Spionage bei die en Klassen vorging w waren die nicht besser, durch w.'lck? wichtigere Informationen ver schafft Werden sollten. Hierzu scheint man sich in Rußland österreichifch-unga riiche Offiziere anSerfehen zu haben, welche man zum Ueberkritt in die rnssticke Armee zu verleiten stch bemühte. Daß dicS fehl schlug, braucht icht erst gesagt zu werden. Auch wird man stch über die Spionage weiter nickt ereiieru. Allein die verschiedenen Prozesse ha. ben doch die russischen Machenschaften auf Wegen ertappt, die bisher uicht recht als moralisch galten. DieS dürste auS der Anführung der obigen Klasse der Spione hervorgehen. Aber abgesehen von der militärischen Seite, haben die Prozesse auch eiue iuteressaute politische aufgedeckt, nämlich die, daß die rnisische Spionage sich zu ibren Werkzeugen nur Iudiv'dnen ilavischcr Herkunft bedient zu Kadett ich.'int, in der Hoffnung, auf diese Weise auch sonst nützliche Beziehn ctit zu gew nueik. DaS Geiamnilergeb niß der verschiedenen Prozesse scheint ein derartiges zn si-in, daß die österreichische Äiegierung volle Klarheit über das bis- , h:'r von Rußland befolgte System erlanqt , bat. In Kiew. Warichan nnd ekersvnrg, oen ueniraittyen, in wet cken die Fäden deS vielverzweigten S?stemS zusammenlaufen, wird mannatür lich nun andere Wege betrete, und ilm dem zu begegne, hat die österreichische

Regierung d:e Gendarmerie in derVilkwina und in Galizien um 500 Fuß Gendarmen und 1S0 Pferde verstärkt; ebenso soll auch die Polizei in den galizi schen Städten vermehrt werden. Mau hofft, dadurch die Ueberichreituug der Grenze auf bestimmte, leicht zu über wachende Punkte zu beschränken! DaS ist schon möglich, aber der Spionage wird man damit allem wohl nicht bei kommen, sondern man wird sein Augen merk etwas mehr auf Wien und Best, sowie auf andere Grenzen richten müssen, welche bislang von Russen recht geschickt benutzt worden zu sein scheinen. DieS dürfte auch veranlaßt werden, wenn eS nicht schon geschehen ist. Die Vermehrung der Gendarmerie ist eine sehr starke, und die Maßregel soll zweifellos stch nicht nur gegen die ruf stscke Spionage richten, sondern zugleich gegen die beträchtlichen russischen Grenz wichen. Von einem besonderen Spio nagegefetz, wie daS französische vom Jahre 1866, welches in Folge deS Prs zesseS Triponus eine Verickärfung er fahren soll, verlautet nichts mehr. Oesterreich-Uugarn wird wodl eingeseh haben, daß es auch ohne solch? Maßuah. men Mittel in der Hand hat, eine Uebel zu steuern, dessen Fäden ' eS auf

gedeckt, und tveun es vou dem erzielten Material, welches au Vielseitigkeit feines Gleichen suchen möchte, keinen pnblizistlschen Gebrauch macht, so liegen dem keinerlei militärische Bedenken im Weg?, sondern lediglich politische Rückstchteu vielleicht auch persönliche aus Rußland und einzelne Männer in hoheu Stellungen. DaS Ende des Fr Hrn. pzn Gravenreuth. Der ReichS-Auzeiger" schreibt: Dcr Tod des HauptmauuS Frbrn. von Gravenreuth bedeutet einen schweren Verlust sür die coloniale Entwicklung, welcher der Verstorbene seit Beginn derselben sein Leben gewidmet hatte. Karl Frhr. von Gravenreutb war am lii. Dezcni bcr 1858 als Sohn des königlich bairi scheu Kämmerers Frhrn. vou Graven reuth geboren. Am 30. Juni 1S77 trat er in daS 3. königlich bairüche 'Infanterie-Regiment ein und wurde am 7. Mai 1879 zum Seconde-Lleutcuant iu demselben Regiment befördert. Seine Kameradfchafllich?cit und ritterliche Gesinttunz machten ihn bald zn einem beliebten Mitglieds des Offfziercorvk, ieine militärische Tüchtigkeit erwarb ihm )ie Anerkennilug seiner Vorgefetzten. Im Februar 1885 suchte er seiue Ver ,etzuug zu den Offizieren der Reserve nach, um sich einer Expedition nach dem Innern Afrikas auzuichließen. Er trat ".unächst in den Dienst der Ostafrikaui ehe Gesellschaft und wurde wegen sei ter vorzüglichen Haltung bei der Ver.valtuuz und Vertheidigung VagamoyoS oon dem Kaiser Ende 1858 mit dem .-okhen Adler - Orden 4. Klaffe mit Schwertern ausgezeichukt. Zu Beginn des JahreS 183S trat er in den Dieust deS ReichScommiffärS und 'vurde gleichzeitig unter Stellung a la zuits seines TruppeutheilS zum PremierLieutenant besöroert. Er übernahm ;unächst die Vertretung deS Reich 'eoa.. miffärS in Berlin und ging deninachst vicderum uach Ostafrika, wo er einen bedeutendeu Autheil an der Nieder lverfnug deS NukstandeS hatte, z. B. bei der Erstürmung deS Lagers vsn Bufchiri bei Bagamoyo am 3. Mai, sowie bei der Einnahme von Saadani am 6. Juni 1889. MS der ReichZcommiffär im September eine größere Expedition uach Mpuapu.z unternahm, vertrat Grave reuth denselben an der Küste nnd lieferte am 19. October daS bekannte Gefecht bei Iombo gegen Buschiri, dnrch welches er sie Küste vor der Verheeruug durch die von Buschiri z Hülfe gerufenen wilden Horden der Masttt schuhte. Ende 1889 aud Aufanz 1890 sicherte er durch eine größere Expedition daS Hinterisud vsn Lagomoyo und Saadani und ahm am i. Januar an der Erstürmung der Be festigung Buschiri bei Mlemdule, sowie zm 8. und 9. März 1890 an der Ein nähme vou Palamakaa theil, wo die letzten Reste derAufstäudifcheu zersprengt wurden. Seine angegriffene Gesundheit i:5 thigte ihn, im April 1890 ei:;cn länge ren Urlaub anzutreten. Seine Beförve rnng zum Hauptmann erfolgte im Sep temver 1890. Nachdem er einige Zeit im Auswärtigen Amt gearbeitet hatte, wnrde er mit der Leitung der südlichen ForfchungSexpeditiou im Hinterlande voll Kamerun betraut und reiste am o. Juli au frinen BestimmunzSort ab. Im Monat Oktober unternahm er mit den in Kamerun angeworbenen Leute der Expedition, unterstützt durch die kaiser liche Marine, eineExpeditiou gegen den unweit deS kaiserlichen Gouvernements niässigen AboStamm uud züchtigte . diesen sür die gegen die Regierung un ternommenen Felndzeligkeiten. Er be fand stch bereits auf dem Marsche den Sannagastuß (im südlichen öameruu zebict) entlang, als er bei der Erstür mung deS Or!eS Vuka heldenmüthiz kämpfend siel. Ein ehrendes Andenke ist dem Verstorbenen sicher.' t Brooklyn'S Mayor Chapin. der in den Congreß gewählt wurde, hat die in Umlauf gesetzten Gerüchte von seiner Resignation als Bürgermeister widerlegt. Cüapiu wird allerdings nach WaZhiugton gehen,' um dem am S. De zember abznhzltenden CanruS demokra tiicher Repräsentanten be:zumobneu.wird aber dann wieder uach Vrooklun zurück kehren u,id sein Amt biS zum 1. Jauuar 1892 verwalteu. ' .'. Die iu Canton erschelnendk' chinesische Zeitung I!nn.m jat pao vom Septemd'er ealkält verschiedene Vorschläge zur sozialen Jleform ElziuaS. Nach ! ihrer Ansicht sollen reiche' Zami. lien n.cht untereinander beirathen, wn eS leider in ttivangtung S'kte ,st, scu dern Reich und Arm, wodurch eine gleichmäßigere Vertdeiluug der Glücks, aüter Dieser Well und eiue Verminde ' ruug des irdischen Elends erzielt werben i köunte.

"H::m uhüm-ihh

;

'iMfc't 3i : :Ä , M'iiäii !h j'l-'ili Sl::!? 1 1 1"

!