Indiana Tribüne, Volume 15, Number 86, Indianapolis, Marion County, 13 December 1891 — Page 3
Wo öls Trutyühuer herkommen.
t Ein großer Theil der gelegentlich deS DsnkzagungstageK in den großen Stad t verzehrten Turkkys" kommt aus Kcntucky. Jri der Negion de blauen Vrafes". in Paris und Bourbon Tounty, werden alljährlich zwischen dem l5. November und dem Jesttag über 100,000 der wohlZchmeekenden Vogel geschlachtet und versandt. Außerdem ivird das ganze Jahr hindurch ein leb hzfter Handel mit todten sowohl als lefcencra Truthühnern getrieben, welch' letztere größtentheilS an Zuchter ver kauft werden. Die Voael werde überwiegend 'von Züchtern gezogen, welche aus großen Farmen fast ausschließlich diesem ErtverbZzweig folgen. Außerdem kaufen sie das Produkt kleinerer Farmer auf. Man sieht oft Heerdcn von mehreren hundert Hühnern, von einem alten Hahn geführt, auf den Feldern nach Futter suchen. Ueberhaupt fallt dem Besucher sofort die Masse von Truthühnern auf, sobald er sich der Gegend nähert, denn anderes Vieh wird hier nur gehalten, soweit cS zum Betrieb absolut nothwendig ist. Die Heerden werden von Kin dern gehütet, denn besonders die jungen Hühner müssen sorgfältig beobachtet werden. Sie sind fo unbeholfen und dumm, daß sie bei einem starken Regenguß oft in ganz stachen Pfützen ersaufen, weil sie sich niederlegen und nicht daran denkn, euf's Trockene zu laufen. Die Ansänge dieser Jndusttie detiren diele Jahre zurück, aber erst vor etwa LS Ja Kren begann ihr Aufschwung. Ein Geistlicher, der Reverend W. Dorsey, ndte einige Kisten nach Eincinnati und sar mit dem Erfolg so zufrieden, daß r sofort Anstalten machte, die Züchtung Großen zu unternehmen. Seinem ei'piel folgten mehrere seiner Nachbarn unt bald darauf kam ein unternehmen der Fankee, der Boston Fleischhändler Gikman, nach Paris, um Schafe zu kaufen. Er bemerkte den Aufschwung der Tr::thabn-Zucht, zog Erkundigungen ein und beschloß, sich in Kentucky niederzulaf scn und ausschließlich de? neuen In dusine zu widmen. Seitdem sind seinem Beispiel eine Reihe Anderer gefolgt und gegenwärtig verfendei die größte Firma, Brent Bros, gegen 50,000 Truthühner im Jahr. Man legt großen Werth darauf, große und schöne Vögel zu erzielen und züchtet mehrere verschiedene Nassen. Die werthvollsteu sind die brouzefarbe en, und ein für Zuchtzwecke passendes Paar von denselben kostet $E0. Dann folgen dem Werthe nach die weißen Holländer, Swrragansetts, d!z Braunen, Malteser, die Schwarzen nnd die Blauen. Die beiden letztgenannten Nassen wurden anfangs ausschließlich gezüchtet, ihres geringen Gewichtes wegen aber bald mit anderen Arten ge iai$t, und heutzutage sind Hähne von 40 und Hennen vou 30 Pfund keme Seltenhcit mehr. Pastor Dorsey ver Zankte einst einen Hahn, der öl Pfund trog; das Durchschnittsgewicht beträgt 15 Psund. Die jungen Truthühner werden mit in Mi!ch eingttveichtem Brot gefüttert, dann erhalten sie Merzen und Hafer, und sobald sie groß genug geworden, läßt mau sie auf den Feldern umher laufen, wo sie sich von Heupferden und anderen Insekten nähren. Wenn die Zeit deS Versandtes herannahte, wurden jrüher die Thiere in großen Heerden nach den Schlachthäusern getrieben, jetzt packt man sie aber in eigens sür diesen Zweck construirte Wagen, von denen jeder 300 Vögel hält. Vor dem Schlachten müssen die Thiere 24 Stunden hungern, damit Magen und Kröpf leer find, wodurch sie sich länge, halten. Man todtet sie, indem man die Köpfe in einen trichterartigcn Trog legt und mit einem scharfen Federmesser den Halö durchschneidet. Dann werden die Hühner gerupft und zwar trocken, ohne Anwendung von Wasser. Die Füß: werden nicht abgeschnitten, noch werden die . Thiere ausgenommen. Für das Rupfen erhalten die Neger drei Cents Her Stück nnd ein geschickter Neger kann im Tage 75 Hühner der Federn mU ledigen. Dann werden je 20 bis 25 Hühner in eine Kiste gepackt, die mit Hznfpapier ausgeschlagen ist, um die Luft aozuhalten. Behendere Zuge brin .gen die Thiere nach dem Osten und 40 Etunden, nachdem er gezchlachtet wurde. kann ein Trulhahn schon tu Boston ver kauft werden. Die Federn werden sorgkältka aefam nelt und verkaust. Die Schwanzfedern werden für Staubwedel benutzt und bringen IS Cents daS Pfund. Für du Flügelfederu werden 10 bis 15 CentS das Pfund erzielt und die kurzen Federn werden für Matratzen verwandt und mit 3 CentS das Pfund bezahlt. Ltderköntg unv sfttnlßtr AuS London wird unterm 7. Nov. geschrieben: Die Ernennung Mr. W.L. Backsons zum Nachlolger Mr. Balfouri in der Würde des Ministers für Irland ist, wie daS ttabel bereits meldete, nunmehr erfolgt. Lord SaliSbury hat an scheinend die richtige Person für den richtigen Platz gewählt. Daß Jackson ein Gerber von Profession ist, wird Hof. sentlich von den Jrländern nicht als böses Omen aufgefaßt werden, und örger, als sie sich jetzt gegenseitig das freit gerben, kann es ihnen von Anderen uch nicht gegerbt werden. Die Berufung deS steinreichen Fabri. ''anten von Leeds in die geweihten kreise m Regierung erfolgte erst vor . einem Jahre. Jackson wurde damals! zum zweiten Sekretär des Finanzministeri. ums ernannt. Dieses, erregte seiner Liit ein gewisses Aufsehen, .da Jackson seinen parlamentarischen College und den wetteren Kreisen , hauptsächlich da durch bekannt war; daß er sich Jahre lang weigerte, irgend etwas für die rHaltung seiner Frau zu thun, von der er sich getrennt hatte, und für welche er die Sorge dem Armenhaus überließ. Lord Salisbury und Goschen kannten ebe? Jackson anscheinend genauer,' und
seine Berufung ins's manznnmsterium
zeigte in kurzer Zeit, daß sich die -Regier runa in ihm nicht nur eine auZaezeich nete Hülfs kraft, sondern auch einen Red ner gesichert hatte, der im Unterhause seine Sache mit außerordentlichem Ge schicke zu führen und der Opposition tüchtig die Zähne zu weisen wußte. Mit Balfour intim befreundet und von ihm vollständig ins Vertrauen gezogen, wurde Jackfon von ihm zu seinem Nachfolger ausersehen; die irische Politik wird durch den Personenwechsel in der Tub' liner Schloßvogtei keine Aenderung erfahren. In Vorkihne, wo Jaazon stcy zuerst als Baumwollweber emporgear beitet'und nach und nach sein Geschäft in einer Weise erweitert hat, daß er schließlich als .Lederkönig- zu einem der reichsten und. größten Arbeitgeber wurde, macht seine Ernennung zum Minister einen außerordentlich guten Eindruck, und wahrscheinlich wird seine Wiederwahl m Leeds gar mcjt angefoa ten werden. Die Zeitung im Schaufenster." Unter obiger Spitzmarke erzählt das Berl. Tagbl." den nachstehenden 9ioman aus dem Leben: Vor einigen Monaten kam ein junger Mann aus Neunkirchen, Kreis Ottweiler, in der löblichen Absicht nach Berlin. Ansehen und Reichthümer zu erwerben. Was er an baarem Geld mitbrachte, war just nicht viel, ader er hatte in einem Material- und Colonlalwaaren-Gezchast den ötleinyandel mit heißem Bemühen erlernt und auch einiges von , Correspondcnz und Buchführung prositirt, so daß er hoffen zu dürfen vermeinte, seine Kenntnisse glänzend verwerthen zu können. In oen ersten acht Tagen hielt die Zuversichtliche Stimmung Stand, das Leben und Treiben der Hauptstadt übte, einen zau berhaften Eindruck auf ihn aus, und die Briefe, die er nach Hause sandte, ließen durchblicken, daß er hier den Platz gefunden habe, wo er seine Kräfte bethäti gen könne. Als dann aber daS Geld knapp zu werden ansiing, machte die Begeisterung einer nüchternen Stimmung. Platz, und als weitere drei Wochen verflossen toa ren, ohne daß er eme Stellung gefunden hatte, erfaßte ihn eine ernste Furcht vor der Zukunft. Die Briefe in die Hcimath wurden immer knapper und hörten end lich ganz auf. .Anfang? voriger Wocde wanderte der funge Kaufmann ziel und planlos durch die Straßen. Früher hatte der Anblick deS wogenden Weltstadtlebens glänzende Zukunftstraume in ihm erweckt diesmal hatte er nur den einen Gedanken, wie er den quälenden Hunger stillen könne, der ihn fast zur Verzweiflung trieb. Seit länger als acht Tagen hatte er kein bleibendes Obdach mehr, seine Habseligkeiten waren versetzt oder verkaust, die .Freundes die er gefunden, so lange er noch Geld bemß, hatten sich langst von ihm zurück gezogen. Auf Hilfe aus der Heimath durste er nicht rechnen, hatte ihn doch ein Gefühl der Scham davon zurückgehalten, seine Angehörigen- von seiner verzweiflungZvollen Lage zu unterricht ten. Jetzt bereute er seine Zurückhaltung, aber es war zu spät, bis Antwort und Hilfe aus der entlegenen Heimath kam, mußte sein Schicksal sich schon vollzogen haben. Gedankenlos war er vor dem Schaufenster eines kleinen LadenS in der Frankfurterstraße stehen geblieben und ganz mcchanifch glitten feine Blicke über die ausgestellten Schuhwaaren. Plötz lich blieben sie auf einem Zeitungsblatte haften, das in einer Ecke lag. Es hatte anscheinend dazu gedient, die Auslage zu verdecken, und war dann achtlos zur Seite geschoben worden. Der Anblick dieses unscheinbaren Blattes erregte den unglücklichen Menschen in einem Maße, daß er unwillkürlich seine Hand nach einer Stütze ausstrecken mußte. Es war eine kleine Lokalzeitung aus seinem Heimathsorte, die hier lag, und hoff' nungsfreudig durchzuckte ihn der Ge danke, daß der Mann, der dieses Blatt hielt, der Inhaber des Ladens, ein Landömann sein müssenden wie hatte sich sonst die kleine Lokalzeitung hierher verirren können. Andere Möglichkeiten erwog er nicht nur von der Hoffnung getrieben, Ret, tung zu finden aus einer trostlosen Lage stürmte er !n den kleinen Laden, und tm nächsten Augenblicke stand er dem Jnha der desselben gegenüber. Ich sah hier die .Saar und Bl!eSZtg.-," stammelte er; .sind Sie aus 9!eunlirchen?.Allerdings,- erwiderte der Schuhma eher, indem er den jungen. Menschen erstaunt anblickte. .Dann sind wir Landsleute rief dieser erfreut, .ich heiße L., vielleicht kennen Sie meine Familie?" Die kannte der Meister allerdings, und nun ging es an ein Fragen und Erzählen, wie eö eben nur zwischen Landsleu ten geschichk, die sich fernab von der Hei math unter absonderlichen Verbältnissen treffen. Dann mußte der iunge Kaufmann im Hinterstübchen ein gutes Mabl einnehmen, und er blieb als Gast bei seinen. Äandsmann, um Zeit und Gele genheiten zu sinden, sich mit feinen An gehörigen zu verständigen. Dä5 ist in zwischen geschehen und der Neunkirche. ner hat eine kleine ' Stelle ; gesunden, die ihm zwar noch keine Reichthümer in Aussicht stellt, aber vor Noth und End behrung Schutz gewährt. Neues von iZeorge Kennan. Aus dem l?nde November eriaVrnen den 'neuen v. Bnche George Kennau'S: ''Sibirien and the Exil bjstcrn" wird ti. A. auch über ein .Zusammentreffen mit Felix WoltHofski, dem bekannten Pnblizistm, dem es später gelang, aus Sibirien zu entfliehen, berichtet. . Es deißt darin: Mein Verkehr mit Wolk. Hofski in Tomsk brachte mich auch mit anderen , Verbannten in Berührung. Als wir zum ersten Male, in Tomsk waren (1885), gab eS dort etwa drei, ßig Politische", darunter sechs bis acht weibliche. Ich war erstaunt Über die GelassenL?it. mit ..der diese Leute vou
den schlimmsten Ungerechtigkeiten, und den ärgsten Leiden zu sprechen pflegten. Die Männer und Weiber, die wegen ihrer Weigerung, dem jetzigen Zaren den Huldigungseid zu leisten, nach Jakutsk verbannt worden waren (erst fpäter, nachdem sie an der Gesundheit Schaden genommen, durften sie nach Tomsk kommen) und dort alle Schrecken deS Hungers, der Kälte, deS Krankseins und der Einsamkeit durchgemacht hatten, schienen nicht zu wissen, daß mit ihnen etwaS Ungewöhnliches vorgegangen war. Wohl kam es vor, daß ein Mann, dessen Gattin sich das Leben genommen hatte, bei ihrer Ewähnung die Faust ballte, oder daß eine Mutter, deren K ind während des Marsches in ihren Armen erfroren war, beim Erzählen dieses Ereignisses schluchzte; in der Regel jedoch sprachen meistens Alle von solchen Dingen mit größte? Ruhe. Auch von WoltHofski zielt dieS. Einmal zeigte er mir feine beträchtliche Sammlung von Photographien feiner radikalen Freunde und Freundinnen; bei jenen Bildern, die mir besonders ausfielen fei es wegen ihrer Schönheit oder wegen ihres markanten Gesichtsausdruckes fragte ich nach den näheren Umständen, und da ertheilte WolkhosSki Ausschlüsse wie die folgenden mit merkwürdiger Gelassenheit: DieS ist Fräulem A , eine ehemalige Vauernschullehrerin, die vor Jahren zu Kiew an Gefängnißschwindsucht starb. Der Mann mit dem langen Vollbart ist B , ein Friedensrichter in N.z er wurde 187S in Petersburg hin gerichtet. JeneS Mädchen mit dem hageren Gesicht war eine Propagandi stin. Namens C; sie verfiel ihm Un terfuchungskerker dem Wahnsinn. Das hübsche junge Weib mit dem Kreuz aus dem Aermet? Das ist Frau D , die während deS letzten, . hürkisch-rusfischen Krieges als Pflegerin vom Rothen Kreuz in einem Feldlazareth wirkte, später zu zwanzig sabriger Strasarbeit verurtheilt wurde und sich gegenwärtig in den Minen von Kara 'befindet. . Fräulein E studirte an der medizinischen Schule für Damen in Petersburg und schnitt sich in der Festung Petropawlowsk nach zweijähri ger Einzelhaft -mit einem Stück Bruchglases den Hals ab." So ging es lange weiter und Wolkhofski zeigte keinerlei Erregung; man hätte vermuthen können, er halte es für etwas Natürliches und Leichtbegreifliches, daß seine Freunde gerichtet, zu sibirischer Berg wcrksarbeit verurtheilt und durch Ein zelhast dem Wahnsinn oder dem Selbst mord in die , Arme getrieben wurden. Aber er war nicht etwa aus Gleichgül tigteit gelassen, sondern lediglich aus langjähriger Gewöhnung an solche schreckliche Ereignisse. Wie sich der La zaretharzt allmählich an die gräßlichsten Dinge gewöhnt, haben sich die russischen Verbannten so sehr an Ungerechtigkeit und Elend gewöhnt, daß sie von Dingen, die mich in hohem Grade aufregten, mit anscheinender Kaltblütigkeit reden können. -' Neue ttriegSschisse.
Nach dem Flottenbauplan, welcher in einer besonderen Denkschrift dem Reichs Haushalt sür 1889- 90 beigegeben war, sollten 4 Panzerschiffe S Panzerfahr zeuge, 7 Kreuzerkorvetten, 4 Kreuzer, I Avisos und 2 Torpedo-Divisionsboote gebaut werden. Der Bau sämmtlicher Schisse , sollte am Schlüsse deS Haus Haltsjahres 189405 beendigt sein. Gegenwärtig ist die Ausführung des Planes foweit gediehen, daß von den 4 Panzerfchiffen noch keines völlig fertiggestellt ist. Jedoch wird beabsichtigt, im nächsten Jahre das eine (Branden bürg) der Vollendung zuzuführen und die drei enderen weiter zu fördern. Von den O Panzerfahrzeugen ist bereits eines fertig zwel weitere sollen im nächsten Jahre fertig gestellt, zwei andere welter gefördert und drei neue in Angriff genommen werden. Von den 7 Kreuzer korvetten ist bisher keine fertiggestellt. Die AuSsührunz, dieser Schiffsart ist überhaupt am weitesten zurückgeblieben. Eine Kreuzerkorvette ist im Bau begrif fen und soll im nächsten Jahre weiter gefördert werden, der Bau einer neuen s l' oll tn Angrtsk genommen werden. Von en vier.in Ansucht genommenen Kreu zern ist einer fertig, einer soll im nächsten Jahre fertiggestellt und der dritte in Bau genommen werden. Von den beiden Avisos ist einer bereits fertig; man plant, mkt dem Bau des anderen im nächsten Jahre zu beginnen. Die belden Torpedodivisionsdoote sind fers tig. Wenn die für das nächste Jahr in Aussicht genommenen Pläne ihre Ver wirklichung erhalten könnten, so würden von den im Flottenbauplan von 1889 bis 90 geplanten Schiffen Ende 1892 bis 93 fertig sein können: 1 Panzerschiff, 3 Panzerfahrzeuge. 2 Kreuzer, 1 Aviso und 2 Torpedodivisionövset. Der ursprüngliche Plan ging dahin, e zu der angegebenen Zeit der, Bau tKtt 4 Panzerschiffen, 3 Panzerfahrzeugen. 3 Kreuzerkorvttten, 2 Kreuzern, 2 Avisoö und 2. Torpcdodivisionsbooten beendigt sein sollte. ' Die Geliebte NousseauS. Von Madame de WarenS, welche den als jugendlichen Vagabund zu ihr ge kommenen Jean Jaques Rousseau bei sich aufnahm und, nachdem sie ihm eine mütterliche Freundin gewesen, später seine Geliebte 'wurde, erschienen 1786 Memoiren, die längst als apokryph er kannt sind. DaS Interesse für die Frau aber hat sich erhalten nnd in jüngster Zeit kamen drei von einander ganz unabhängige Schriften heraus, die mit ihr sich befassen. Die erste, deren Au!or ein sranzösifcher Magistrat, Herr Mugnier ist, behandelt ihr abenteuerliches Leben von 1723, da sie in Evian ein traf, bis zu ihrem Tode im Jahre 1769. TZiahtiger sind aber für unS die Arbeiten zweier Schweizer, , der Herren A. de Montet und Ritter. Ersterer stellt auf Grund archivarischer Forschung fest, daß die Dame, die Gattin des ehrenwcrthen Waadtländerö LoyS. de WarenS, nach siebeniähriLer Ehe diesem heimlich ent- . ' ' ':'."!'. L'i-" ! 'Äi'--'-- i.
lief, wobei' sie nicht vergaß das 'Hans gehörig ausräumen, außer vieler Wäsche und Silberzeug auch bedeutende Geldsummen mitzunehmen. In Evian angekommen, warf sie sich in theatralischer Weise dem dort gerade anwesenden Erzbischof zu Füßen, bat ihn' um Schutz, trat zum Katholicismus über und gelangte dadurch zu hoher Protek tion sowie zu einer Pension von 1500 LivreS. War ihr Uebertritt nur KomSdie? Nach NitterS Studien über den Pietismus in der romantischen Schweiz und dessen Oberhaupt .Magny nicht. Ihre Familie in Vevey gehörte der pie tistischen Richtung an ; Magny, ein Schü ler Spener's der mehrere Werke deutscher Mystiker in's Französische übertragen hatte, war ihr GewissenSrath, kurze Weile auch Vormund von Madame de WarenS gewesen. Die ossizielle Kirche der Waadt, verfolgte die pietistifchen Sektirer mit Härte und diese mußten sich in vieler Hinsicht mehr zum Katholicismus hingezogen fühlen, als zu dem re formirten Dogma Glauben. Magny zürnte auch offenbar Madame de Wa rens ob ihrer Schritte nicht; er besuchte sie mehrmals in Ehambery und kehrte ganz befriedigt über ihren .Seelenzu stand" zurück. Rousseau betont in seinen Eonfes sionS", der ihm von Madame de Warens gespendete Religionsunterricht habe ihm mehr Anregung geboten, als alle Theologen, mit denen er bekannt geworden. Und da in seinem berühmten Glaubensbekenntniß eines savoyardi schen VikarS wie an einer bestimmten Stelle in der Neuen Heloife eine warme Herzensfrömmigkeit mit unge wöhnlicher Stärke sich manifcstirt, will Ritter darin den Nachhall der Priesterlichen Bewegung in Deutschland finden, jener Bewegung, welche Magny in der Waadt Anhänger warb; der savoyardische Vikar würde auch Spener zurück weisen! Ritters Beweisführung wirkt überzeugend. So haben wir hier eine Wanderung der Idee vor uns, die um so merkwürdiger erfcheint, wenn, man'
sich deS gewaltigen Einflusses erinnern den Rousseau hier wleder auf deutsche Dichter und Denker ersten Ranges aus üble. Theaterzettel von IM. Der offenbar älteste Faust-Zcttel, aus jener Zeit berrührend, da der Held des deutschen Volksbuches seinen Weg auf die Bühne der Stegreif und Puppenfpieler gefunden, stammt, wie theatergefchichtlich beglaubigt ist, aus dem Jahre 1688, und zwar aus Bremen. In die scm Jahre besuchte nämlich der berühmte Beltheim Belthen), der Führer der kursächsischen Eomödianten, mit seiner Gesellschaft Bremen und darauf (im Juni) Hamburg. Jener Zettel ist zugleich einer der ältesten Theaterzettel aus der deutschen Bühnengeschichte überhaupt und wird voraussichtlich auf der großen internationalen Musik- und Theater-Ausstellung in Wien vermöge seines literarischen Werthes nicht un beachtet bleiben. Sein Wortlaut ist fol gender: (, Heute FreytaK den 13. May, Werden die Sächsischen Hoch-Teutschen C0M0 EDIANTEN Auff ihren Schau-Platz da? unvergleich liche und Weltbekante Stück prüfen tiren, genandt: Das Leben und Todt des grossen Ertz-ZaubererS v. JOHANNES FAUSTUS Mit Vortrefflicher PickelhäringS-Lustig. keit vom Anfang biß zum Ende. In diefer Haupt-Action wird mit Ver wunderung zu sehen seyn: 1. Pluto, auf einem Trachen in der Lufft schwebende. L. Doct. FaustuS Zauberey und Ve schwerung der Geister. 3. Pickelhäring in dem er Gold samlen will ; wird von allerhand bezauberten Vögeln in der Lufft vexiret. 4. Doct. FaustuS Pana.net, bei welchen die Schau-Eßen in wunderliche Fi guren verwandelt werden. ö. Seltzam , Wird M ' sehen seyn, wie aus einer Pistete.Men schen. Hunde, Katzen und andere Thiere hervor kommen und durch die Lufft flögen. 6. Ein FeuerspeyendeRabe kömbt durch die Lufft geflogen, und kündiget ffausten den Todt an. 7. Endlich wird FaustuS von den Gei stern wea aebolet. 8. Zuletzt wird die Hölle mit schönen . Feuerwerken außgezieret, präsent! ret werden. Zum Beschluß sol denen Hochgeneigten Liebhabern, diese gantze Haupt Action durch einen Italiänischen Schatten präsentiret werden, wel cheö vortresflich Rar, und versichert das Geld doppelt werth ist, wobey auch eine Masqverade von 6. Personen, nemlich ein Spanier, zwey , Gaudiebe, ein Schulmeister, ein , ,:: Bauer und Bauerin, welche alle ihren absonderlichen Tantz haben, und sehr lächerlich wird anzusehen H seyn. Nach diesen sol zum Nach-Spiel agiret werden, die vortresfliche und lustige Action au den Fratzösischen ins Teutsch: übersetzet, genandt: MD e r, von seiner Frauen wohl vexirte Ehemann George Dandin Und weil eS Heute? vhnfehlbar zum letz ten mabl ist, - sol auff. den . hintersten Platz nicht mehr aus 8. Grot genommen werden, welches zur Nachricht. ,( Der Schauplatz ist in Sehl. Eapitain Nif , fen Hause, auss der Lange Strasse . vor der Natel. Wird prasttss umb 3. Uhr angefangen. ? Einer sage eS dem andern. , - !; ' f :;fJ Auch ein Genuß. Principal jzum Lehrlings dem bei'm Rauchen einer Virginia übel geworden): 'Wanint rauchen Sie aber auch so starke,, Cigarren, wenn Sie s' nicht vertragen können?!"Lehrling: O mein Gott, man will halt auch das Leben genießen l'
Der Kasseefler?.
Eine wahre Ecschlchie. Im Gebäude des chemischen Instituts einer großen ' deutschen Universität, in jenem Vorzimmer, durch welches man in vas Privatkabinet des Chemie-Profes sors X. gelangt, hing an einem Kleider stock neben dem Cylinderhut und Ueber zieher des ' Professor ein elegantes blaues Seidenkleid. Es war 10 Uhr Morgens und wie alltäglich um diese Zeit ertönte im Zim mer des Assistenten auf dein Gang drü ben die elektrische Klingel, welche den jungen Mann zum Professor berief. ES sollten wie gewohnlich die Arbeiten über irgend ein neues Element fortgefetzt werden, dem die beiden Herren, der Professor und der Assistent, seit einem Jahr auf der Spur waren. Der Assistent folgte fofort dem Rnfe. Als er das Vorzimmer des Professors passirte, sielen seine Blicke ans die Last, welche der Kleiderstock trug. Der junge Mann blieb betroffen stehen. Eine Meile betrachtete er das Kleid, das Kennerauge ruhte wohlgefällig auf der zarten Farbennuance des Stoffes, unwillkürlich streckte der Assistent die Hand aus und ließ sie über den eleganten Faltenwurf der Toilette gleiten. Bei dieser Gele genheit bemerkte er, daß vorne auf der reichen Drapirung des Kleides ein großer brauner Fleck prangte,, offenbar ein Kaffeefleck. Obne weiter über die Anwesenheit des Seidenkleides im Vorzimmer des Professors und über die Provenienz des asseeflecks nachzudenken, klopfte der Assistent an die Thür des Professors. Lieber Doktor," begann der Pro sessor, heute müssen Sie mir in der Lösung.einer Aufgabe helfen, die eigent lich für zwei Männer von Fach, wie wir eS sind, nicht schwer sein sollte. Sie haben gewiß in meinem Vorzimmer ein blaues Seidenkleid bemerkt. Dieses Kleid nun hat meine Schwester gestern bci...einer .Trauung getragen , und . ich selbst war ungeschickt genug, beim Diner ihr eine Tasse schwarzen Kaffees auf daö Kleid zu schütten. Sie war selbstver-. stündlich trostlos, und um mein Verbrechen gut zu machen, war ich so unvor sichtig, ihr zu sagen, sie solle daS Kleid heute Morgens zu mir in'S Institut schicken, ich würde den Fleck schon yerauS bringen." Das macht so weiter keine Schwie rigkeit," meinte der Assistent. . Dasselbe habe ich mir gestern auch gesagt, entzegnete der Prozessor. Heute sehe ich ein, daß dies doch nicht so leicht ist, und ich muß gestehen, daß ich in diesem Falle mit meinen eigenen Waffen geschlagen werde. Das Kleid ist nämlich in einer renommirten Seidenstofffabrik auf meine besondere Bestellung mit einer von mir nen angegebenen Farbe gefärbt worden. Und nun schauen Sie, was ich mit meinem ersten Versuche, den Kassceflcck herauszubringen, ange richtet habe." ' Der Professor holte das Kleid aus dem Vorzimmer uns breitete es auf dem Tische aus. Ter Assistent besichtigte die Stelle mit dem Kaffecfleck. Allerdings war jener Theil des Fleckes, den der Professor mit eimem chemischen Flecken putzmitlel betupft hatte, viel blässer als früher und e war nicht zu zw:ifeln, daß bei fortgesetzter Behandlung mit Chemikalien der ganze Fleck verschwin den müsse. Aber die angrenzenden, nicht befleckten Partien des Stoffes hat ten schon unter dem ersten Verfuche des Professors stark gelitten. Die empfindliche chemische Farbe des Stosses war zu wenig widerstandsfähig und eS war klar, . daß, wenn der Kaffeefleck ver schwand, mit demselben auch die schone blaue Farbe des StosseS vernichtet werde. Der Assistent ließ sich vom Professor die Zufammenfetznng der blauen Farbe, in welcher der Seidenstoff gefärbt war, erklären. !Wir wollen die Sache systematisch betreiben,- sagte er und schrieb die comvlizirte chemische Formel der neuen Farbe auf ein Blatt Papier. Und nun setzten sich die beiden Herren zusammen, schrieben Formel auf Formel, und wenn sie da? Nichtige gesunden, zu haben glaubten, dann mischten sie Flüssigkeiten zusammen, warfen auch verschiedene feste Stösse hinein und versuchten die Mirk sainkeit der neuen Fleckwasser, die sie zu sammcngesiellt, an dem häßlichen Kaffeefleck-. ans dem schönen blauen Kleide. Dpch ebenfo wie im Märchen die neu zierige Gattin des Ritters Blaubart den Bsutfleck von dem ihr anvertrauten Schlüssel nicht wegzubringen vermag, ebenso. bartnäckig und unbesiegbar blieb oex Kaffeefleck. Anfänglich hatten diese fruchtlosen Bemühungen den Professor 'mit einigem MißmÄthzü erfüllen gedroht;, bald aber begann ihn die Sache zu interessiren, der Kaffeefleck , auf dem blauen Seidenkleide ward sür' den Professor nnd seinen Assistenten fast zu einem Gegen stände wissenschaftlicher Bedeutung. Endlich., nach zwei Stunden, sagte der Professor verzweifelt: Der Kaffeefleck muß heraus. Gehen wir zu , Professor d , ,',-,. i,, - . ' ,; Professor H, war der College deS Professors X. Seine Arbeitsräuine befanden sich gleichfalls im Jnstitutsgebäüde und eö begab sich nun Professor X. mit seinem Assistenten zu ihm. Bald saß eine , gan.e chemische Fakultät bei sammen, nm , über den Fleck auf dem blauen -Seidenkleid das Todesurtbeil zu sprechen. Doch die Herren, die sich rühmen durften, daß sie durch ihre neuen Farbstoffe den Textilindustrien ihres Vaterlandes einen; nenen, ungeahnten Aufschwung gegeben, die stolz darauf waren, daß die Farben, die nach ihren Angaben bei der Herstelluua der Staats'V.'1:; 'v ' :', 4..-'i..5V..j:':v. " nnd B a nktt oten in V erwend UN g ka m en, die denkbarfteu ' Garantien . gegen die Fälschung 1 boten, sie blieben , machtlos diesem Kaffeefleck gegenüber. Das einzige Nesultat der stundenlangen Be mühungen der beiden , Profefforen und ihrer Assistenten waren, daß alle vier I Herren zu! spät zum Mittagessen kamen. , Als Professor am folgenden Mor
gen wieder ii?s Institut käm, hatte er sich fest vorgenommen, den Kaffeeflcck herauszubringen. Sein Assistent arbei tete wacker mit, doch war es klar, daß er die ganze Zeit mit einem Gedanken kämpfe, dem er sich nicht traue, Ausdruck zu geben. Um elf Uhr kam Professor F. zu seinem College und erkundigte sich nach dem Kaffeesteck. Da wagte dei Assistent endlich die Frage: Wie wär' es, wenn wir daS Kleid zum Fleckputzer gäben? Die beiden Professoren blickten einan der an und brachen dann in helles Lachen aus, in das der Assistent eiw stimmte. Die Sache war zu komisch eine chemische Fakultät, die einen Kaffeefleck zum Fleckputzer gibt! Pro sessor X. schien noch zu schwanken, doch Professor fand das entscheidende Wort. Meine Herren," sagte er, wii sind schließlich ln solchen alltäglichen Dingen doch nur Theoretiker; die F!eck Putzer haben aber die Praxis inne. Sik wissen doch: Grau, theurer Freund. . . ; also geben wir das Kleid des Fräulein X. zum Flcckputzer. Der Assistent des Professors X. würd betraut, diese delikate Mission persön lich auszuführen. Das 5kleid kam zum Fleckputzer St., an dessen Namen sich de? Professor erinnerte, da ihm derfelbe vou seiner Schwester .genannt worden war. Der Assistent nahm es u sich, das ge: putzte Kleid wieder in'S Institut zu bringen, von wo es das Fräulein abholen sollte, denn beide Professoren waren darin einig, daß die Jleckgeichichte zur Ehre der Fakultät ein Geheimniß dlä den müsse. Das Fräulein, welches im Laden de Fleckputzers das Kleid übernahm, gab dem Ajststenten die Versicherung, daß dasselbe in vier Taqen wieder haben
könne, ganz wie neu-. Ter Professor sagte seiner Schwester, daß er vier Tagt brauche, um den Fleck herauszubringen, und so war die Sache vorläufig in Ord nung. Am vierten Tage befand sich das Kleid pünktlich wieder im Institut. In Anwesenheit seines Kollegen I. und der beiden Assistenten öffnete Professor den Carton. Er war sehr mißtrauisch, als er an die Besichtigung des Kleides ging; doch das Mißtrauen verwandelte sich in Staunen, als er sich gestehen mußte, daß das Kleid wirklich ganz Wie neu" war. Unbegreiflich," sagte Professor . und unbegreiflich" wieder holten die beiden Assistenten, und nur Professor g. meinte: Ja, die Praxis, die PraxiS." Die Schwester des Professor X. war sclbstverständlich'entzückt, daß daS schöne Kleid von einer Farbe, wie sie keine Dame in der Stadt hatte, wieder in Stand gefetzt sei. Professor X. aber setzte dem Danke und den neugierigen Fragen seiner Schwester, die durchaus zum Gebrauche ihrer Freundinnen das wunderbare Flecknuttel haben wollte, nur nachdenkliches Schweigen entgegen Die Geschichte- begann ihn erst recht zu interessiren. Eine ganze Fakultät war ja durch einen Fleckputzer, durch einen Handwerker in Schatten gestellt. Sollte das wirklich nur :? Praxis sein? Der Fleckputzer K. war nicht wenig erstaunt, als er vor wenigen Tagen es ist eine wahre Geschichte, die wir zählen von Prof. X. die höfliche Ein ladung erhielt, sich im chemischen Jnsti tut einzusinken. Herr K. leistete de, Einladung s:lbstverständltch Folge und ward noch erstaunter, als er in ein Zimmer geführt wurde, in welchem tx die gestimmte chemische Fakultät beisam' men fand. Professor s, hielt sodann an Herrn K. eine Ansprache, in welcher er zunächst die ganze Geschichte des Kaffeefleckes er zählte. Er schloß mit den Worten : Wir haben nur ein wissenschaftliches Interesse an der Sache und Sie können versichert sem, daß wir Ihr werthvolles Geschäftsgcheimniß nicht verrathen wer den. Wir, d. h. die chemische Fakultät, haben den Fleck nicht herausgebracht. Wir schämen uns nicht, von Ihnen zu lernen; Zagen Sie uns, wie haben Sie das angestellt?" Herr K. hatte mit wachsendem Slaunen zugehört. Nur mit Mähe konnte er aber deS Lachen unterdrücken, als er nun offen zur Antwort gab: . - - Meine Herren! Ich habe ihn auch nicht herausbringen können. Sie wissen aber, daß das Kleid sehr reich drapirt war und meine Frau hat den Zwickel mit dem Fleck heraus ge s chnr t ten." M; G r. Louiö Lucicn Bonaparte. Ueber den in Favo am adnatischen Meere, im Hause seiner Nichte, der Gräfin Pracci, im Alter von 73 Jahren verstorbenen Prinzen Louiö Lucien Bonaparte ist noch Folgendes zu berichten: Der Vater des Verstorbenen war Napoleons l. Bruder Lucien, der in zweiter Ehe mit einer Wittwe Jouber. ton, geborene de BleSchamp, vermählt war und längere Zeit in England als Kriegsgefangener, Lauf , Ehrenwort .in Thorngrove bei Worcester hauste. Dort wurde Prinz Louis Lucien als vierter Sohn im Jahre 1813 geboren, und in England hat er auch den größten Theil seines späteren Lebens verbracht. In seinen jungen Tagen lebte er mit seinen Eltern in Italien. Lucien Bonaparte führte bekanntlich den Titel Fürst vo Canina und Musignanö im Kirchenstaat. Der Sohn hatte., seinen Aufenthalt in Florenz, als ihn die Revolution deS Jahres 1848 nach Frankreich zog. Nachdem er als Abgeordneter sür Corsica längere Ze-t in der Kammer gesessen, wurde er von Napoleon III.. im Jahre 1855 zum Senator gemacht und erhielt seine Nangstcllunq in ,der kaiserlichen Familie mit dem Prädikat Hoheit. Eine eigentliche politische Rolle hat Lonis Lnncn Bonaparte nie gespielt. Seine natürlichen Neigungen zogen ihn zu gelehrten Studien und Literatur, Philologie und Chemie beschäftigten ihn den größten Theil seines Lebens, ohne daß er eS jedoch zu einer besonders dervorraaenden Stelüing unter-.den Man I nern der Wissenschaft, gebracht hätte.
Man durste ihn wohl sm beste FaS? einen fthr vielseitigen Dilettanten nn neu. Am meisten Beachtung unter seinen Arbeiten über alle möglichen Spra chen hat seine baZknche Grammatik gefunden. Der stille, anspruchslose Mann, der in keineswegs glänzenden Verhält nissen ganz zurückgezogen unter seine Büchern lebte, zählte in England viele Bekannte und Freunde, und es wurde allgemein beifällig aufgenommen, als ihm die Königin vor einigen Jahren in Anbetracht seiner gelehrten Forschungen eine Pension von $1000 aus der Civi liste gewährte. Vor einigen Wochen erst hatte er sich dann von London nach Favo begeben, wo er ein sanstes Ende gefunden hat.
Kampf mit Wilddieben. Ueber ein blutiges Zusammentressea zwischen einem Förster und drei Wild, dieben wird der Fr. J0.A" auS Neu dämm Folgendes mitgetheilt: Der in dem Nachbardorf Grünrade wohnende Gutsförster Braatz machte nach 7 , Uhr Morgens einen Gang durch das Revier und beobachtete dabe: drei mit Gewehren ausgerüstete Kerle, welche auf Wild pirschten. Er schlich nach und suchte sich ihnen zu nähern., Als er bis auf Schußweite herangekommen war, rief er die Wilderer an und forderte sie zum Niederlegen der Gewehre auf, woraus alle Drei die Flucht -ergriffen. Ter Förster verfolgte aber, die Fliehenden und kam ihnen bis auf 60 Schritte nahe. Auf seine öftere Aufforderung, stehen zu bleiben, machten die drei Verfolgten wie auf Commando Kehrt und schlugen ihre Gewebre auf den Förster . an. . Dieser, hatte seine Waffe aber ebenso fchnell an der Backe, und e5 entstand nun e! regelrechtes Kreuzfeuer.' Hierbei ver mundete der mit einem Drillingsgeweh? ausgerüstete Förster jeden seiner Gegner mit je einem Schuß, er selbst wurde an der Hand, an der Backe und an den Beinen verletzt. Hierauf setzten die drei Wildschützen ihre Flucht fort, während sich der Förster, so gut eö ging, nach dem Dorfe begab. Anzeige erstattete , und .gleichzeitsg die Vermuthung aussprach, daß die Wilde rer aus Neudamm sein würden. ES wurde in Folge dessen sofort die dortige Polizei benachrichtigt,' und es , währte auch nicht lange, so hatte diefe zwei Wil' derer festgenommen; eS sind dieß die Arbeiter Schmidt und Ma.rzahn. Erste rer hatte einen Postenschuß in den Unter leib bekommen. Letzterer war am Kopfe ' getroffen. Beide befanden sich schon i ihrer Wohnung. Sie hatten, nachdem , sie die Gewehre im Walde versteckt hat ten, ihren Genossen verlassen, da ihnen dieser auf der Flucht nicht zu folgen vermochte. Auf der von der Polizei vorge nonnnenen Suche wurden sowohl die Gewehre, wie auch gegen Abend de? dritte Wilddieb, der Arbeiter Groschner, im Walde gefunden. Ter Letztgenannte hatte einen Kugelschuß in den Unterleib und dürfte der eigentlich am schwersten Verletzte sein. Alle drei Wilddiebe wurden einstweilen ins hiesige Krankenhaus gebracht. Die Verwundung des Försters soll im Ganzen schwer, aber keineswegs tödtlich fein. in sonderbarer Strasvesehl. Einen überaus merkwürdigen Stras befehl hat daö königliche Amtsgericht in Breslau auf Antrag der StaatSanwaltfchaft erlassen. DaS eigenthümliche Schriftstück, welches die Absenkung eines Unterstützungsgesuchs an den Breslauer St. Vincentverein als Bettelei.im Sinne deZ StrafgeZetzbuches ansieht, hat scl genden Wortlaui: . - xibc'mn i. Strafbefehl. Auf den Antrag der Königl. Staats anwaltfchast wird gegen Sie wegen der Beschuldigung, am 10. September zu Breslau bei dem St. Vincenzvereiu schriftlich gebettelt zu haben, Uebertretung gegen 361, 4 Straf-Ge--setz-Buch, -wofür als Beweismittel bezeichnet : Ihr Zugeständniß, sowie der bei den Akt befindliche Brief, eine Haslstrase von drei Tagen festgesetzt. ' . Zugleich werden Ihnen die Kosten deS Verfahrens auferlegt. . Dieser Strafbefehl wird vollstreckbar. Wenn Sie nicht binnen einer Woche nach der Zustellung desselben bei dem unter zeichneten, Gericht schriftlich oder ' zu Protokoll bei dem Gerichtsschreiber Ei sprach erbeben. Breslau, 8. Oktober 18S1. -Köuigl. Amtsgericht. (Wolf.) An die verehel. Böttchergesell AgneS Haife, geb. Kahl, , Kl. Groschengasse 37. ' Wir würden-, schreibt hierzu die katholische Fchlesische VolkSztg.. .de Erlaß eines solchen Strafbefehls für un möglich halten, hätten wir das fast Unglaubliche nicht im Original vor uns liegen gehabt. Wo kämen wir hin, wenn die Absendung eineS Gesuches um Unterstützung als strafbare Bettelei be trachtet , würde, wie viele. Strafbefehd müßten dann allein in Folge der Bittfchriften an die Armen Deputation, an den Verein gegen Verarmung und Bettelei, abgesehen von den Gesuchen an die konfessionellen Unterstützungsvereine tt lassen werden ! -Ja jlieilichl könnte man auch die Gesuche um Stipendien :c alle unter den Begriff der Bettelei subsumiren. Wir können nur annehmen, daß hier ein Versehen vorliegt, welches durch I Freisprechung der Angeklagten von dem Schössengericht, an welches die Sachs in Folge des Einspruchs geht,' lus der Wett geschaffen wird.Deutliq. Dame (der ein Herr feine Begleitn- : anträgt) : Ich bitte Sie, wenn sc3unö sähe!- . k . - . Herr: Und was wäre dann?" Dame : Ja, wenn .rnan.Ai e m i t' sieht, allerdings' Nichts afoi weun'man michmitJhnen rht, tati l ! bin ich blarairtl
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