Indiana Tribüne, Volume 15, Number 79, Indianapolis, Marion County, 6 December 1891 — Page 5

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Sergins Vanin. Kom a n von Georges LHnt, (1. Iorifeynng.) kämpfte kraft ur.b nschdruckZ oll dagegen an. um sich von diesem 5sühl n:cht llbermsnnen zu lassen. her sie msrd traurig. Wenn sie jetzt in den Comptoirs Befehle ertheilte, so klang ihre Stimme weniger hell als früher, ihre energische Natur war gleich jain erschlafft. Cie richtete die Blicke auf ihre Um gebung und fah, daß sie durch ihren unermüdlichen Fleiß einen festbegrün deten Wohlstand geschaffen und durch sirenge Rechtlichkeit allgemeine Achtung errungen hatte; das Ziel, das sie sich in ihren ehrgeizigen Träumenge steckt und das sie aii das ersehnte Para, bieg betrachtet, war erreicht; das Para dies war wohl da, aber es fehlte der Engel darin sie hatte kein Kind. Nun begann sich in dieser Frau eine langsame, aber entschiedene Umwandlung zu vollziehen; Fremde merkten es kaum; ihre nächste Umgebung aber konnte diese Metamorphose leicht wahrnehmen. Sie ward eine Wohlthäterin der Armen und Vertheilte, insbesondre an Kinderasyle, ansehnliche Summen. Versuchten aber die geistlichen Leiter dieser Anstalten, sie, in Anbetracht dieser Freigebigkeit, zu ihren Berathungen einzuladen, dann wurde sie unwirsch und fragte, ob man sie etwa zum Narren halten wolle. Was kümmere sie dieses Kinderpack; als ob sie nicht ohnehin genug zu thun hatte! Sie gebe Geld her und das fei es doch wohl, was man von ihr erwarte, und mit allem Anderen solle man sie in Ruhe lassen. Ihrem Neffen Ssvinien liebte sie durIks nicht; sie hatte ihre ganze Aannhkcit dem Sohn einer früheren 9!achbarin aus der Straße Neuve - Coqucnard zugewendet; eS war dies eine unbedeutend? Krömcrin, die es nicht verstanden hatte, wohlhabend zu werden, und die auch bis jetzt noch den Hausfrauen ihrer Nachbarschaft Nähfaden und Nadeln verkaufte. Diese Krämerin, welche Mutter Dclarue genannt wurde, war nur ein Jahr lang vnheirathet gewesen und dann Wittwe gemoroen; ihr Knabe Pierre war im Schatten des Böckerladens Desoarennes' G!ückZquelle aufgewachsen und die Prinzipalin hatte ihm jeden Sonntag einen Pfefferkuchen ge schenkt und sich an seinem Geplauder ergötzt. Auch in der Vivicnne Str. verlor sie ihn nicht aus den Augen. Pierre hatte die Elementarschule seines Bezirks besucht und durch Befähigung und außergewöhnlichen Fleiß den ersten Plah in feiner Klasse errungen. Dann, nachdem er diese Schule mit einem städtischen Stipendium verlassen, wurde er in. die Cbaxtal'sche Gewerbeschule aufgenommen. Dieser energische Arbeiter, ' der feiner Familie keine Kosten verursachte und auf d?m besten Wege war, sich eine felbststandige Stellung zu erringen, interessirte Frau Desvarcunkö ungemem; sie fand, daß zwischen ihr und dieser derben Arbeiternstur eine auffallen Achnlichkeit vorHanden sei und machte daher Pläne für sfme Zukunft. Sie verfolgte seinen Ein tritt ins Polytechnikum und sah es ihn als einen der ersten abfolviren. Jetzt stand er vor der Entscheidung, ob er sich dem Bergwesen, den Weg- und Wasserbauten oder der Hydrographie widmen wolle. Während er noch in seiner Wahl schwankte, erschien plötzlich die Prinz! -palin nnd machte ihm den Antrag, als Theilhaber in ihr Geschäft einzutreten. Es war dies eine goldene Brücke, die sie ihm baute; er, mit feinen eminenten Anlagen, sollte dem Gcfchäftsgang einen neuen Impuls verleihen, sollte die Einrichtungen vervollkommnen und schließlich jede Konkurrenz besiegen. Aer junge Prnn nahm in diesem gluck' verheißenden Traum der Frau Des varenncs die Stelle eines wirklichen Sohneä ein. Ihr Haus sollte das fein!ge werden, fit wollte, daß er ausschließlich ihr angehöre. Plötzlich jedoch zog ein Schatten über dieS Traumge bilde ihre-3 Glückes: würde auch die auf ihren Sohn so stolze Krämerin einwilli zen, sich einer Fremden zulieb entthro. nen zu lassen? Ja, wenn Pierre eine Waise wäre! Aber einer Mutter ihr Kind rauben, das war doch unmöglich! Frau Desvarcnnes mußte ihrer Eindil dungskrast Halt gebieten: sie verfolgte PierrcS Laufbahn mit ängstlichen Blicken, Lcrmied cS aber, über ihn zu verfügen, da er ja nicht ihr gehörte. Der Winker war gekommen und mit ihm der Dezember mit seinen Schneemüssen; der Verkehr in den Straßen war bei diesem ganz außergewöhnlich fchlechten Wetter fast unmöglich geworden, üub dieser zwingende Umstand hatte das Geschäft in's "Stocken gebracht. Die Pnnzixalin verließ ihr Comptoir, roa fetzt nur wenig zu thun war. zeitiger als sonst und begab sich in ihre Wohnung hinauf wo sie gewöhnlich in der Gesellschaft ihres ManneS die Abende ver brachte. Da faßen sie nun behaglich am warmen Kamin während ein Schirm zus Milchglas da? Lampenlicht, auf den mit kostbaren Gegenständen bedeckten Tisch warf und die dunkle Zimmerdecke durch einen aufflackernden Lichtstrahl aus dem Kamin, der das vergoldete KarnieS erglänzen ließ, zuweilen blitzartig erhellt warV. Versunken kn welchen Lehnstühlen überließen sich die Ehegatten ihren heimlichen Lieblinzstraumen. Frau Desvarcnncs erblickte ein kleines, weiß und r rosenrotheS Madchen in ihrem Haufe, welches mit unsicheren Schritten auf dem Teppich umhertrippelte sie horte sogar seine Stimme und verztand diese, nur den Müttern perstanUjche Sprache. Die Zeit des Schlasengehens war gekommen: das Kind senkte fein blondes Köpfchen mit den müden Augcn auf ihre Schulter, sie nahm eft kn ihre Ar,:ie, kleidete es behutsam" cu8 und küftte feine nackten, frischen, runden Zlermchcu. Was war das für in kostlichcr Gcnuß, der ihr Herz wonueooä

bewegte! : Ein lchmerzhafter.Stichvurchbohrt ihr

gramersüllteZ Herz, kn Seufzer entrang

sich ihren Lippen und zwet Thränen ran nen leise über ihre Wangen. Michel, der kreidebleich geworden war, blickte sie schweigend an, dann streckte er die Hand entgegen und sprach mit zitternder Stimme: Nicht wahr, du dachtest da ran?" Frau Desoarennes nickte zwei mal weinend und stumm umarmten sich Beide. Bon nun an verheimlichten sie sich nichts mehr und vertrauten einander ihren Kummer. Dre Prinzipalm entschädigte sich für- ihr langes Schweigen durch eine vollständige Beichte und Michel erkannte zum erstenmal m feinem Leben das tiefe Gemüth feiner Gefährtin bis in ihres Herzens verborgenste Falk. Diese so energische und starrsinnige Frau war gänzlich niedergedrückt, ihre Spanrraft war gelahmt, eme nie gekannte Mutlosigkeit und Mattigkeit hatte sich ihrer bemächtigt. Die Arbeit ermüdete sie so seyr.daß nerncht mehr m 3 Comp toir hinunterging; das schlimmste Kennzeichen ihres Seelenzustandes aber war, daß sie sogar davon sprach, sich ganzlich von den Geschäften zurückzuziehen. Das Landleben schien ihr jetzt so verlockend. und waren sie etwa nicht reich genug? Bet ihre!' einfachen Lebensweise brauchten sie gar nicht so viel Geldl Eigentlich hatten sie ja gar keiue Bedürfnisse; sie würden sich in der Nähe von Paris ein hübsches Gütchen kaufen und dort ruhig und zufrieden ihren Kohl pflanzen. Wozu denn noch arbeiten, wenn man keine Kinder hat? Michel war ganz damit einverstanden, er hatte schon längst daS Verlangen nach Ruhe, fürchtete er doch, daß der Prinzipalin Ehrgeiz sie zu weit fortreißen könne; da sie sich nun selbst nach Nuhe sehnte, so war es um so besser. Mittlerweile hatte ihr Notar ihnen mitgetheilt, daß in der Nähe ihrer Mühle das Landgut Cernay zum Verkauf au3 geschrieben fei. Frau Desoarennes hatte bei ihren Fahrten von Joua nach der Mahlmühle .das Schloß schon häusig bemerkt; es überragte mit den Schiefer dächern seiner Thürmchcn die reizende, grüne Umgebung. Graf Eernaa, der letzte Sprößling eines vornehmen Ge schlecht?, war nach einem liederlichen Leben vor Kurzem an Entkrästung gestorben und hatte nichts als Schulden und ein kleines zweijähriges Mädchen hinterlassen, die Tochter einer italienischen Sängerin, feiner Maitresse, die eines schönen Tages davon gegangen war und sich um das Kind ebenso wenig gekümmert hatte als dessen Vater. Nun sollte von Gerichts wegen der ganze Nachlaß verkauft werden. ES waren äußerst klägliche Verhältnisse, die des Grafen letzte Stunde ver, düstert hatten. Gleichzeitig mit dem Leichenbeschauer war auch der Grrichts, diener im Schloß erschienen, und es fehlte nur wenig, so hatte man die Bekanntmachung der gerichtlichen Beschlag, nähme zugleich mit dem Trauerflor für die Beerdigung aushängen können. Als Jeanne, die kleine Waise, inmitten deS Chaos, daS durch dieses traurige Ende hervorgebracht worden war, verstört dastand und sah, wie fremde Männer mit dem Hut auf dem Kopf in den Salon traten, als sie horte, wie diese Leute laut und rücksichtslos miteinander spra chen, da flüchtete sie sich in die Waschkammer. Hier fand Frau Desoarennes das spielende Lbind; es war ärmlich mit einem dünnen Akpaka-Röckchen belle!det, sein schönes Haar hing aufgelöst über die Schultern und erstaunt blickte es auf feine Umgebung, auf dieses verödete Haus, dessen Herr nie mehr zu rückkehren sollte. Das Kind war still geworden, es getraute sich nicht mehr, umherzuspringen und wie früher zu sin gen. Mit dem unbewußten Instinkt verlassener Kinder, die sich an eine Per fon oder Sache anzuschließen fuchen. näherte sich die kleine Jeanne der Frau DeSvarennes. Diese, stets bereit jemand zu I efchützen und ihrem Muttergefühl Genüge zu thun, schloß das Kind in ihre Arme. Sie fragte die Gärtncrsfrau, welche sie durch das Besitzthum führte, über daS Kind auS; diese wußte aber nichts weiter, als daß man eS im Ge sindezimmer. wenn sich die Leute bei Abends über ihre Herrschaft unterhielten, als einen Bastard bezeichne und daß Niemand misse, ob eS noch Ver wandt besitze. Man sagt auch, daß nur noch eine Tant deS Grasen liflire. die an einen sehr vornehmen Herrn in Eng land vcrheirathct sei, die er aber seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Die Kleine sei also, da d3 Schloß verkauft werden sollte, eine Bettlerin. Die Gärtners frau, ein brave) Weib, wollte da Kind so lang behalten, bis ein neuer Besitzer eingezogen sei; dann mußte sie es freilich dem Maire überge ben, der es wohl im Waisenhaus unterbringen würde. - Frau DeSoarenneS hatte sie fchweigend angehört ; von allem, was die GZrtnerssrau ihr erzählt hatte, haftete nur die eine Thatsache In ihrem Gedacht, mß, daß das Kind ohne Stütze, ohne Verwandte und, wie ein verlaufenes Hündlekn. verlassen sei. Die Kleine war hübsch, und als sie ihre großen, tie fen Augen auf diese improoisirte Mutter richtete, die sie so zärtlich an ihre Brust drückte, da schien 1 eS, als ob sie sagen wollte: Verlaß mich doch nie mehr, führe mich weit hinweg vondieser Trauerstätte, weit fort von diesem verödetem Ort, der mich verwirrt und mein Herz erstarren macht. Frau DeSoarenneS war. wie alle Frauen auS dem Volk, sehr abergläubisch, sie bildete sich daher ein, daß es die Vorsehung fei, welche sie ge, rade heute nach Eernay und dieses Kind in ihre Arme geführt,, hatte. Sollte eS vielleicht ein für sie vom Himmel be stimmte? Ersatz für daS so inbrünstig ersehnte eigene Kind sein? Sie nannte der GärtnerSfrau ihren i Namen,! trug das Kind ohne Zaudern, wie das so ihre Art war, in den Wagen und brachte eS nach Paris, wo sie Schritte thun wollte, um des Kindeö Verwandte ausiukund. schaften. Nach einem Monat war Frau DeS?arennes im Besitz deS Schlosses kund, aachdem ihre Bemühungen, Jeanv

nes Verwandte aufzufinden, ohne Er,

folg geblieben waren, auch im Besitz öe Kindes. i Michel war von der Aufnahme der : Kleinen nicht besonders entzückt. da5 j fremde Mädchen ließ ihn ziemlich gleich- 1 gü'.ttg; wollte man durchaus ein Kind adopt'.ren, so wurde er emen Knaben vorgezogen haben. Die Prinztpalin dagegen war glückselig; nun endlich konnten sich ihre so lange unterdrückten mütterlichen Gefühle frei entfalten. Sie machte jetzt ZukunSpläne, ihre frühere Energie war wieder erwacht und ihre Stimme hatte den ehemaligen sonoren und festen Klang wiedergewonnen. In ihrem Auftreten aber offenbarte sich jetzt eine innerliche Befriedigung, die man bisher noch nicht an ihr beobachtet hatte und die sie sanfter und wohlwollender erfche.inen ließ. Von der Absicht, sich von den Geschäften zurückzuziehen, war keine Rede mehr; die Muthlosigkeit, die sich ihrer bemächtigt hatte, war wie durch einen Zauberspruch verschwunden. Ihr seit einigen Monaten so freudloses HauS war plötzlich wieder geräuschvoll und heiter geworden, das Kind hatte, wie ein Sonnenstrahl, alle Wolken vertrieben. Plötzlich aber ereignete sich ein wunderdaxes Phänomen, welches auf das LebenderFrauDesvarennes einen mächtigen Einfluß ausüben sollte. Während der Prinzipalin durch einen Zufall die lang ersehnte Erbin und mit ihr ein ungetrübtes Glück zutheil. ward, mußte sie sich plötzlich, erstaunt und verwirrt, von der Thatfache üerzeugen, daß sie im Begriff fei, fewst Mutter zu werden. Das war, nach einer Ehe von sechzehn Jahren,, eine Enttäuschung. Dies Ereigniß, welches sie früher in Entzücken verfetzt haben würde, war ihr jetzt fchrecklich. Ihr das! einer fast schon alten Frau! Die Desoarennes von der jüngeren Linie, welche von der Ankunft und Aufnahme der kleinen Jeanne schon wenig erbaut gewesen waren, machten noch bei Weitem kläglichere Mienen, als sie vernahmen, daß sie nun auf daS kolossalle Erbe endgiltig Berzicht leisten müßten, auf diefe Erbschaft, welche bereits eine so große Rolle in ihren Träumen gespielt hatte. Trotzdem verloren sie noch nicht alle Hoffnung; wer wußte denn, wie die Niederkunft einer fünsuilddreißigjährigen Frau enden würde? Konnte nicht ein Unfall eintreten? Aber Frau Desoarennes, die körperlich und geistig gleich kräftig war, überstand siegreich den gesürchteten Zeitpunkt und brachte ein kleines Madchen zur Welt, das seinem Vater zu Ehren Micheline genannt wurde. Das Herz der Prinzipalin war weit genug, um twei Kinder lieben zu können; sie behielt das aufgenommene Waisenkind und erzog es wie ihre eigene Tochter. Bald jedoch konnte man in der Art und Weise, wie sie Jeanne liebte, einen ganz bedeutenden Unterschied, gegenüber der Liebe zu ihrer eignen Tochter, erkennen. Für diesen verspäteten Sproß ling hatte sie eine ganz außerordentliche, glühende, tolle Leidenschaft, die Leidenchaft einer igerm für ihr Junges. hren Mann hatte diese Frau nie ae. liebt, jetzt aber entfaltete sich alle in ihrem Herzen aufgespeicherte Zärtlich, keit; ein neuer Frühling war in ihr krwacht. Dieses herrschsüchtige Weib, bas nie einen Widerspruch ertragen, dessen ganze Umgebung sich, fretwillia öder gezwungen, vor ibr gebeugt t)atte, mußte jetzt selbst klein beizeben; das Erz ihrer Sinnesart war unter den rosigen Fingern ihres Töchterchens u Wachs geworden; diesem blonden Köpfchen gegenüber war sie willenlos. Für Micheline war nichts schon genug, lle Wünsche deS Kindes wurden erfüllt, and hatte ihre Mutter die Reichthümer der ganzen Welt besessen, sie würde sie zu den Füßendes Kindes niedergelegt haben. Jede Thräne dieses vergötterten Geschöpfchens brachte sie außer Fassung; wenn die Prinzipalin, selbst bei den wichtigsten Angelegenheiten ja sagte, ind Micheline sagte nein", so beugte sich dieser bisher unerschütterliche Wille der Frau DeSoarennes vor dem Eigensinn des KindeS. Die ganze Umgebung kannte dies Verhältniß und deutete es auS. Mochte Frau DesvarenaeS immerhin dieS Spiel sofort durchschauen, eS gelang dennoch sedesmal. Diese Mutter schien eine geHeime Freude daran zu haben, die gren;enlose Vergötterung, mit der sie ihr lkind verzog, bei jeder Gelegenheit zu ssfenbaren. Ihre beständige Redensart var: .Sie ist hübsch, ich werde sie reich machen, wo ist der Gatte, der ihrer würbig wäre! Kommt aber die Zeit deS WählenS und folgt sie meinem Rath, so gibt sie ihre 'Hand einem Mann, der sich durch Intelligenz auszeichnet; ihr Vermögen wird ihm als Piedestal dienen and sie wird ihn so hoch steigen lassen le er selbst eS wünscht.Insgeheim dachte sie dabei an Pierre Delarue. der soeben al Primas tn'S Polytechnikum eingetreten war und kine glänzende Lausbahn in Aussicht hatte. Dieses Weib aus dem Volke. cvelcheS auf feine Abkunft so stolz war, koallke inen Emporkömmling zum Schwiegersohn haben, um ihm einen zoldnen Hebel in die Hand zu geben, mit dem er die Welt aus ihren Angeln heben sollte. Micheline war zehn Jahre alt, als ihr Vater starb. Sein Tod , hinterließ keine große Lücke im Haufe; man legte wohl Trauerkleider um ihn an, bemerkte aber kaum, daß er fehlte. Seine AbWesenheit hatte gleichsam sein ganzes Leben hindurch gewährt. Es ist zwar traurig aber wahr, daß Frau DesvarenneS als Wittwe sich ausschließlicher im Besitz ihrer Tochker fühlte als früher; denn jede ZärtlichkeitSregung MichelinenS hatte ihre Eisersucht hervorgerufen und jeder Kuß, den daS Kind feinem Vater, gab, schien ihr, als ob er der Mutter gestohlen fei. Diese wilde, erklusive ärtlickkeit duldete keinen Nebenbuhler, sie wollte daS geliebte Wesen sur sich allein haben. , , Jetzt erst war die Zeit aekommen, wo sich Frau DeSoarenneS in ihrem vollen

Glänze ieiate. Sie schien förmlich ae-

wachsen zu se?n, ,hre Gestalt hatte liq kröktla und mächn emporgerichtet, daS ergrauende Haar verlieh ihrem Antlitz etwas Ma:es:Ltischks. und da sie bestän dig einen Hof ron Kunden und Freunden um sich hztke. so genoß ne sajt das Ansehen ener reglerenden Fürstin. De im Geschäft steckenden Kapitalien waren schier unberechenbar und es wurde be hauptet, Frau TeIoarennes wisse selbst nicht mehr, wie reich ne sei. Jeanne und Micheline wuchsen also inmitten eines kolossalen Reichthums heran. Die ertere war groß und bru nett, ihre Augen schillerten in blau, wie das Meer; die Jüngere war von zarter Gestalt und blondhaarig; sie hatte schwarze, melancholische und träumerische Augen. Jeani.e war stolz, launisch und lebhasten Charakters, Micheline dagegen war arglos, sanft und eigenwillig. Die Braune hatte ein heftiges, leidenschastli, ches Temperament von ihrem leichtsinnig gen Vater und ihrer phantastischen Mutter geerbt, die Blonde dagegen war freundlich und gutmüthig wie Michel, dabei aber auch resolut und beharrlich wie Frau DeSvarennes. Beide so verschieden geartete Naturen vertrugen sich gut miteinander; Micheline liebte ihre Jeanne aufrichtig, und diese, welche die Nothwendigkeit einsah, mit Micheline, dem Abgott der Mutter, in gutem Einver, nehmen zu leben, ertrug den Unterschied, mit dem sie beide von den Hausgenossen behandelt wurden, wenn auch nur wider willig. Sie war von den Schmeicheleien, mit denen die. Dienstboten Micheline überhäuften, ebenso verletzt, wie sie die Vorliebe, womit Frau Desvarennes ihre Tochter behandelte, ungerecht fand. Alle diefe Kränkungen, welche sich bei Jeanne nach und nach angesammelt hatten, brachten sie eines Tages zu dem Entschluß, dies Haus, worin sie er' zogen worden war, wo sie aber jetzt nur nrch Demüthigungen erlitt, zu verlassen. Sie bat Frau Desvarennes um die Erlaubniß' auf einige Wochen nach England zu reisen, um jene reiche Verwandte ihres Vaters zu besuchen, welche sich ihrer ohne Gefahr erinnern zu dürfen glaubte, da sie in Erfahrung gebracht hatte, daß sich Jeanne in glänzenden Verhältnissen besinde. Jeanne wollte in England das Terrain sondiren und sich überzeugen, ob sie vielleicht bei ihrer Familie aus eine bessere Zukunst rechnen könne. Frau Desoarennes, welche die eigentlichen Beweggründe des jungen Mädchens nicht ahnte, glaubte dieser Laune nachgeben zu können, und Jeanne reiste in guter Begleitung zu ihren Verwandten nach chottlanv. Frau DeSvarennes hatte daS Ziel ihrer Wünsche erreicht; um aber das Maß ihrer Glückseligkeit voll zu machen, trat jetzt ein Ereignis ein. welches auch noch dl letzte Sorge von ihr nahm: Micheline hatt, dem Wunsche ihrer Mutter nachgebend, sich entschlossen, Pierre Delarues Braut zu werden. Seiue Mutter war mittlerweile gestor beu, und seine Aussichten gestalteten sich von Tag zu Tag günstiger. Das junge Mädchrn, gewöhnt, Pierre wie einen Bruder zu betrachten, hatte sich bereit willig dazu verstanden, ihn als ihren zukünftigen Gatten zu acceptiren. Jeanne, welche etwa ein halbes Jahr fortgewesen war, kam in ernster Stim mun nach Hause zurück. Sie war enttäuscht; denn obschon man ihr viel Wohlwollen und Freundlichkeit bewie sen und ihr viel Artiges über ihre wirk, lich ausfallende Schönheit gesagt, hatte sie, in Bezug auf ihr Verlangen nach Unabhängigkeit, doch durchaus kein Entgegenkommen gefunden. Sie kehrte da, her mit dem festen Vorsatz in die alte Wohnung zurück, sie nur als verheirathete Frau zu verlassen. Jbre Heimkehr siel gerade in die Zeit, wo Pierre Delarue sich anschickte, Braut, Freunde und Paris zu verlassen, um in Algier, an der tunesischen Grenze, eine Arbeit auszusührcn, die ihm hohen Ruhm ein bringen und seinen Ehrgeiz befriedigen sollte. Er ahnte damals nicht, daß ihm die aus England zurückgekehrte Jeanne kn der Person elneS fehr liebenSmürdigen Kavaliers. dcS Fürsten Sergius Panin, der ihr auf einem Ball in der vornehmen Welt vorgestellt wurde, sein Verhängniß mitgebracht hatte. Fräulein von Eernay war nach englischer Sitte nur in Gesellschaft einer Kammerfrau nach Frankreich zurückgekehrt, und der Fürst hatt die Gelegenheit benutzt, um sich ihr anzuschließen. Die Fahrt war reizend und das stete Beisammensein gefiel den jungen Leuten so sehr, daß sie sich, bei der Trennung im Bahnhof, ein Wiedersehen versprachen. Die ofsiziellen Bälle und der Zufall erleichterten die Annäherung, und Sergius, welcher Frau DeSoarenneS als ein Bekannter aus England vorgestellt wurde, war bald JeanneS und MchelineS eifrigster Tänzer. So kam, unter dem nichtigsten Vorwand, dieser Mann inS HauS, melcher daselbst eine so wichtige Rolle spie, len follte. Zweite Kapitel. Im Mai deS Jahres 1879 stieg eine, Morgens vor der Pforte des HauseS DeSoarenneS ein sehr elegant gekleideter junger Mann auS einem schonen, 'zweisihigen Wagen. " Er eilte bei dem , uni. formirten und mit der KriegSmedaille geschmückten Thürhüter vorbei, der be ständig am Eingange deS HauseS stand und die Leute, welche in's Geschäft woll, ten. zurechtwies. Der junge Mann be, rührte,, den verborgenen 5 Knopf einer kleinen Seitcnlhür. ihr elcheiier Flügel öfsnete sich, um den Besucher in ein Vorzimmsr einzulassen, in welches mehrere Korridors mündetet Hier lehnte in einem bequemen Sessel ein Kommis, der die Zeitung las. , Er kümmerte sich nicht im mindesten um die leise gesührten Ge, spräH' von etwa zehn Bittstellern, die geduldig aus den Zeitpunkt harrten, wo die Reie, zur Audienz vorgelassen zu werdcn, an sie kommen würde. ., Als der Kommls den jungen Mann , durch die

geheime Thür eintreten sah, sprang er

aus, warf seine Zeitung. Heljtite, nß sein Sammtkäxpchen vom Kopf und trat ihm lächelnd einige Schritt entgegen. .Guten Tag, wem alter Wir," sagte der junge Mann und begrüßte den Kom mis freundschaftlich, ,ist meine Tante da? Jawohl, Herr Savinien, Frau Desoarennes ist in ihrem Kabinet, aber sie konferirt seit einer Stunde mit dem Vicedirektor der Rcchnungskanzlel deS Kriegsministeriums. " Bei der Erthcilung dieser Auskunft nahm der alte Felir, um die Bedeutsamkeit der Verhandlungen im Nebenzimmer zu betonen.eine geheimnißvolle, wichtige Miene an. Bit fehen. " fuhr er fort, und wieS auf die im Vorderzimmer versammelten Leute, alle warten seit heute früh, und wer weiß, ob Madame sie Überhaupt noch empfangen wird. Ich muß sie dennoch sehen, " flüsterte der junge Mann; dann sann er einen Augenblick nach und sagte endlich, einen Entschluß fassend: Ist Herr Marechal da?" Gewiß, Herr Savinien, wenn Si erlauben, werde ich Sie anmelden." . Ist unnöthig'. Der junge Mann eilie in daS Kabinet, welches neben demjenigen der Frau DesoarenneS lag, Vor einem breiten, schwarzen, mit Akten und Rechnungen bedekten Pult arbeitete ein etwa dreißigjähriger junger Mann, der aber älter aussah. Sein frühzeitig kahl gewordener Schädel und die durchfurchten Schläfe deuteten entweder auf ein Leben voller Kämpfe, Entbehrungen und Leiden, oder auf entnervende Freuden einer vergnügungssüchtigen und schwelgerischen Existenz. Die ruhigen, klaren Augen konnten aber nicht einem Wüstling angehören, und die gerade, krästige Nase deutete auf Spürsinn. Mochte nun dieser Mann zuviel genossen oder zuviel gelitten haben, das eine war sicher, er war vorzeitig gealtert. Als er die Thür seines KabinetS öffnen hörte, blickte er auf, legte feine Feder hin und war eben im Begriff, dem Besucher entgegen zu gehen, als dieser ihn mit den Worten zurückhielt: Lassen Sie sich nicht stören, Marechal, oder ich gehe sofort wieder. Ich bin nur gekommen, um den Zeitpunkt abzuwarten, wo meine Tante mich empfangen kann; follte ich Sie aber stören, so gehe ich un terdessen spazieren, rauche eine Eigarre und komme dann nach drervlertel Stun den wieder." Sie stören mich durchaus nicht, Herr Savinien, und namentlich nicht sehr häusig; denn, ohne Ihnen damit einen .Vorwurf zu machen, man sieht Sie ja seit über zwei Monaten nicht mehr! So .... jetzt ist die Post fertig, eben schrieb ich die letzten Adressen. Er nahm einen großen Stoß Briefe vom Pult und zeigte sie Savinien. Teufel auch! ES scheint, die Ge schäfte gehen hier immer noch gut!t&te gehen tagtäglich besser..Ihr sabrizirt wohl ganze Gebirge von Mehl? . .Sie erreichen die Höhe deS Mont blanc. Auch elne Flotte haben wir jetzt! Wie, eine Flotte?" rief Savinien, dessen Miene Zweifel und Ueber rafchung ausdrückte. ,J?wohl, eine Dampfssotte. Im vorigiN Jar "war Frau Desvarennes mit der Beschaffenheit deö aus dem Orient angelangten Getreide? gar nicht zufxie, den; es waren da Havarieen vorgekom men, weil man das Getreide schlecht gestaut hatte. Wir beschwerten uns bei der Seetransport-Gesellschaft, aber unsere Klagen wurden nur wenig berückfichtigt. Frau DeSoarenneS ärgerte sich darübe? und nun besorgen wir unsere Transporte selbst; mir haben jetzt in Smyrna und Odessa Comptoirs eröfjnet. Fabelhast! Geht das so fort, so bekommt meine Tanke einen Vrmaltungsapparat, welcher ebenso großartig ist, wie der eines europäischen, Staates. Oh! Wie seid ihr glücklich! Ihr habt eure Bcschästigung! ... .Ich aber kann mich amusiren! Und wüßtet ihr nur, wie mich das langweilt! Ich verdorre, ich zehre mich auf, ich sehne mich danach, Geschäfte' zu machen. Ein schmerzvolles Stöhnen entrang sich dem jungen Herrn DeSoarenneS bei diesen Worten. Mir scheint, daß es nur von Ihnen abhängt, ebensoviel und noch mehr Geschafte zu machen als andre, - erwiderte Marechal. Sie wissen fehr gut, daß es nicht der Fall ist," seufzte Savinien, meine Tante ist dagegen. Welch ein Irrthum! erwiderte Marechal lebhast, ich habe Frau DesvarcnneS zwanzigmal äußern hören, daß sie ihre Beschästigungslosigkeit bedauere. Treten Sie in unser Geschäft, man wird Ihnen in den Comptoirs eine glänzende Stellung anweisen. In den Comptoirs ? DaS ist eS eben!" rief Savinien bitter, glauben' Sie denn, daß eine Natur, wie die meinige, sich unter der vulgären Bejchasti gung eines SpeditlonskommiS beugen, daß sie alltägliche Geschäfte im ewigen Einerlei abwickeln könnte; daß sie Schrei, dereirn besorgen, den Kommis spielen würde ? Ich, mit dem, was ich , im Kopse habe!" Schmerzcrfüllt ließ sich der junge Desoarennes in inen Lehnstuhl nieder und begann über das Unglück, verkannt zu sein, zu jammern. , Sein Tante hatte, ihm unter der Bedingung, ' daß er feine Hände nicht rühren dürfe, ine Rente von dreitausend Franken monatlich ausgesetzt. War das etwa moralisch? Er, mit , seiner üppigen' Jugendjrifche, war verdammt seine Kräfte , zu vergeuden, sich abzunützet . . . Und so hatte er sich denn öber Hals und Kopf m die, fiebcr-" haft Aufregung eines ausschwebenden Lebens geworfen! Btin einziger Auf enthalt waren Theater, Klubs, WirthsHäuser und Frauengemächer; dort war es, wo er seine Zeit, sein Geld, feine

Illusionen und seine Haare verlor. Er

seufzte zwar darüber, setzte aber dieß Leben dennoch fort, nur um beschäftigt zu sein. Er nannte sich mit düstern Ironie einen Sklaven des Vergnügcnk und behauptete, ungeachtet aller dieser verzehrenden Ausschweifungen, nicht im Stande zu sein, feine Phantasie zur Un fruchtdarkeit zu verdammen. Inmitten der tollsten Orgien, bei den zügellosesten Gelagen und unterm Klingen der Glaser, im berauschenden Anblick nackter Schultern, hatte er plötzliche Jnfpirationen und blendende Lichtstrahlen, kamen ihm die wunderbarsten Offenbarungen. Als sich Marechal ein schüchternes,! ungläubiges Oh!" erlaubte, fuhr Sa, vinien auf. Ja. er habe eine staunenswerthe Er sindung gemacht, eine Erfindung, die ihm in kürzester Zelt unermeßlichen Reichthum verhieß; er war überzeugt, daß ob Uebereinkunft mit seiner Tante die reinste Uebertölpelung gewesen sei. Jetzt war er hier, um diese Fesseln abzufchütteln, um seine Freiheit zurückzuverlangen. Marechal beobachtete Savinien, während ihm dieser seine ehrgeizigen Pläne lebhast auseinandersetzte. Er prüfte diese flache Stirn, worin, wieder Stutzer vorgab, so viele fchöne Ideen verborgen fein sollten; er maß mit den Augen diese schlanke, aber durch Ausschweifungen eineS geist- und herztodtenden Lebens gebeugte Gestalt und fragte sich dann, ob dieser Schwächling wohl im Stande fein würde, die Schwierig leiten eines Unternehmens zu bekämpfen? E n Lächeln lag auf feinen Lippen; er kannte Savinien zu gut, um nicht zu wissen, daß es nichts als. ein Anfall von Melancholie sei, welcher sich stets dann einzustellen pflegte, wenn er mit seinem Gelde zu Ende war. In solchen Fällen, die sich ziemlich häusig wiederholten, kamen dem jungen Manne plötzlich sublime Ideen, deren Auseinandersetzung Frau DeSoarenneS mit dem einen Wort: Wieviel ? unterbrach. Savinien that erst spröde, bis er sich zuletzt entschloß, dem sicheren Gewinne, den ihm das prozektttte Unternehmen versprach, zu ent sagen. Schließlich kapitulirte er dann und kehrte mit gefüllter Tasche heiter und vergnügt zu fernen Damen, Rennbahnen und feinen Restaurants zurück, um mehr noch als bisher ein Sklave des Vergnügens zu fem. Was macht Pierre? fragte der junge Desoarennes, das Gesprächsthema plötzlich wechselnd; .haben toie Nach richten von ihm ? Marechal wurde ernst, seine Stirn schien sich zu bewölken und er antwortete . auf SavinienS Frage ruhig, daß Pierre Delarue noch rmmer im Onent, m Tu nis sei, wo er Adie Küste und das Binnenland durcbforicbe. Diese mx schungen betreffen das vielbesprochene Binnenmeer, welches vermittelst einer Durchstechung der Schotts hergestellt werden solle, ein kolossales Unternehmen, dessen Gelingen von einer unabsehbaren Tragweite für Algier fein würde. Eine tale Perandcrunl'hesKlimaS mössedaz durch eintreten und den Werth der olonie verzeh nfachen. Ein ganzes Jahr schon habe sich Pierre diesem Unternehmen mit unermüdlicher Ausdauer gewidmet, ohne auf feine Familie, feine Braut Rück ficht zu nehm, einzig und allein sein Ziel im Auge, und sich um nichts küm mernd, was ihn von diesem großartigen Werk, an dessen Ausführung er rühmvoll mitwirken zu können hoffe, abwen dig machen konnte. Was sagt man aber darüber, daß ihm, während er in Afrika weilt, ein glänzender junger Herr seine Braut ab fpenstig zu machen sucht? fuhr Savinien mit einem boshaften Lächeln fort. Bei diesen Worten machte Marechal eine unwillige Bewegung. Das ist unbegründet! unterbrach er Savinien, ich begreife nicht, daß Sie, Herr DeS varennes, sich zum Verbreiter eines sol chen MärchenS machen können! Wie darf man' eS wagen, zu behaupten, Fräulein Micheline könne ihr Wort brechen, ihre Verpflichtungen rückgängig machen; wer das sagt, der verleumdet sie, und wäre eS ein andrer, als Sie. . Oh, oh, lieber Freund,' erwiderte Savinien lachend, ereifern Sie sich doch nicht, daS könnte ihnen schlecht bekom men; was ich Ihnen sage, .erzähle ich ja nicht dem ersten besten. Ich wiederhole übrigens nur ein Gerücht, von dem feit drei Wochen die ganze Welt spricht. Man nennt ja sogar den Namen DcSjenigen, der die Ehre undidas Vergnügen hatte, einen so glänzenden Sieg zu erringen; und wenn ich ihn nennen wollte, so würde ich sagen, es fei der Fürst Sergius Panin." Fürst Panin da es sich um ihn handelt," erwiderte Marechal, ha: seit drei Wochen Frau Desoarennes" HauS nicht betreten. So handelt kein Mann, der den Anspruch macht, die Tochter deS HauseS zu heiralhen .... Ich wiederhole Ihnen nur, mein Lieber, waS ich gehört habe; was mich detrisst, ' so weiß ich weiter gar nichts; habe mich auch seit drei Monaten abseits gehalten. Ob Micheline eine Bürgersfrau oder ob sie eine Fürstin, ob sie De larueS oder ob sie PaninS Gattin wird. macht mich weder reicher noch armer. Nicht wahr? Mich kümmert S also durchaus, nicht. DaS liebe Kind wird übrigens mehr Millionen bekommen,, als daß man befürchten müßte, sie könnte sitzen bleiben., Und ihre Adoptivschwe ster, das majestätische Fräulein Jeanne, was wird auS der? ü, Ah, wasFräulein vonCernay betrifft, so ist das eine , andre Sache! rief Ma, rechal und ergriff mit Eifer den Vor and, dem Gespräch eine andre Wen, dung zu geben., Er, sprach allerlei über die Adoptivtochter der Frau Desvaren, neS, erzählte, daß sie einen lebhafte Eindruck auf den intimsten Hausfreund, den Bankier Eayrol gemacht und ! daß dieser der schönen Jeanne seinen Name und sein Vermögen angetragen habe. Savinien war außer sich vor Erstaunen. (Fortsetzung folgt.) ,

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Tas Zauberrütylei. Zwischen dem 157ste Langen unv dem Lösten Breitengrade liegt das KS nigreich Apfölsinien. Daß die das schönste Land auf der ganzen Welt ist, weiß Jeder. Dort herrschte CalmuZ der :jcfte, ein grundbraver Fürst. Sem Volk liebte ihn über alles, und wenn er spazieren ging, rief Jung nnd Alt: Lange lebe EalmuS der 36ste, und die klemen Kinder gingen auf ihn zir, sagten : Guten Tag, Herr Königs kneten und gaben ein Patschhändchen, denn stolz war der König gar nicht. Dles war um so mehr zu verwunder, als CalmuS der L6ste gar grau sam relch war. Sem Schloß war aus 2-tkarätigem Gold erbaut und in de Sälen und Gemächern glitzerte eö, daß es ein helles Vergnügen war. Des Komas Küche aber war so wnl berühmt, als man Suppen kocht. Sa langanenfncasse und Motturtle-Suppt waren etwas Alltägliches und Pfauenzunge mit Endivienfalat gab's jeden Donnerstag. ES war alsa alles eitel Pracht und Herrlichkeit und WohÄeben, doch trotz dem war der König nicht glücklich. ET fehlte ihm etwas und zwar eme brav Königin. Er hatte wohl eine, aber du war nicht ira? im Gegentheil. Sie war nämlich von einem bösen Geist besessen, der sie zwang, mit ihrem königlichen Gemahl von morgens früh bis abends spat zu zanken und ihn zu ärgern und ihm das Leben zu verbit tern. Schweigend ließ der gute König alle5 über sich ergehen, aber zuletzt kam es so weit, daß er e? partout nicht mehr halten konnte und auf und davon ging. Man kann sich denken, dan darob große Trauer und Betrübniß im Lande Apfelsinien herrschte. Der geschlagene König lief, soweit ihn feine Füße trugen, und kam er iu einen großen Wald. Müde und erschöpft ließ sich der Be Herrscher Apfelsiniens aus einen Baum stumpf nieder und dachte an sein Herze leid. Da plötzlich ergoß sich das Mvnd licht über Baum und Strauch ein Flüstern ging durch die Blätter; und aus dem Gebüsch trat eine schlanke Jungfrau, holdselig wie die laue Mond nacht: die Waldfee Herlinde! Ihr Gewand war so weiß wie der frisch gefallene Schnee, und in der Hand hielt sie ein zierliches Nüthlein. Guten Abend! sagte sie. Calmus der 36ste konnte vor lauter Verwunderung nicht antworten, wie tt doch der Brauch gewesen wätze. Da fetzte sich die Waldsee recht zutrau lich neben den König und sagte: .Bist dutraurig wegen derKönigin?" .Ach antwortete fetzt Calmu5 der Lüste, und zwei Thränen dick wie i WaÄbolderheeren liefen rbm die Backen IVr- ,.- : . . X - T -:r rnnunier. i)a aaa oie tec Lern wti

nenden Könige das Rüthlein, das sie in der Hand hielt und m das gar selt same Zeichen eingeritzt waren, und sprach: StMN b!eseZ Mthlein, welches ein' Zauberrüthlein ist, berühre damit die Königin, nachdem du es mit Gänfesett beftrichen hast, und der böse Geist wird auf ewig verschwinden. Kaum hatte die Fee dieS gesagt, so war sie auch verschwunden, und CalmuS der ZSste stand wiederum vor seinem 24 karätigen Schlosse, das im Schein des FrühlichtS gar wundersam leuchtete. Das Zauberrüthlein aberhielt er fest in feiner Hand. Probiren geht über Studiren, dachte der König und schlich auf den Zeben in die Küche, um den Gansefetthafen zu suchen. Als er ihn gefunden, bestrich er das SZüthlein nach Vorschrift und stellte den Hafen wieder an seinen Platz. Du kommst mir gerade gelegen, dachte er; und als der böse Geist jetzt derart zu toben ansing, daß alle im Schwsse er wachten und zusammenliefen, da berührte der König die Königin mit dem Zauberrüthlein. Datteratschinn. Ein Dcnnerschlag erschütterte das Schloß, und unter gellendem Lachen ent wich der böse Geist aus der Königin und fuhr eilig durch den Schornstein hinaus rns Freie. Die Königin aber war weiß geworden wie die Wand. Sie stürzte zu deS Kö. nigs Füßen und sagte nur das eine Wörtlein: Verzeih! aber in einem Tone, wie ihn CalmuS der 26ste gar nie von ihr gehört hatte. Er aber hob sie auf und küßte sie dreimal auf den Mund und rief in feiner Herzensfreude: Hurrah. Hurrab!- Uud Alle die es hörten, riefen auch: Hurrah! Und von Haus zu Haus, von Straße zu Straße, von Ort zu Ort pflanzte sich der Ruf fort: Hurrah! Hurrah! Und die Kanonen donnerten! Bum. bum ! Und die Fahnen flatterten ; und in den Kirchen sangen die Leute: .Gro. ßer Gott, dich loben wir.- und die Ge sanzrereine sangen: ..Das ist der Tag des Herrn,- und die Schulkinder: Ich hatte einen Kameraden. Und fortan lebte CalmuS der 36ste so glücklich, daß er in der Geschichte den Beinamen d Glückliche er hielt. Das kann man in jedem GeschichtS' buch nachlesen. - Das Zauberrüthlein aber wurde zum ewigen Angedenken im apfelsinischea Museum aus bewahrt. EXFAXT TERUIBLE. JlSN Dos' tor (kommt verspätet in eine Kaffee fchlacht die Tamen sind alle sehr Ht legen): Bitte, meine Tamen, sich ja nicht stören zulassen! (Zu ihrer Nach barin:) Haben denn die Herrschaften so gewaltigen Respekt vor mir. daß sie meinetwegen so in Werlegenheit, kam men?" Töchterchcn des , HauseS : O nein! Aber es ist gerade, als Sie ge kommen sind, so arg über Sie geschimpft worden!" , -, , ,,. . :. - "; 'V -ir , , Neue ,. Schropfmethode. Arzt:, Nun. haben Sie Ibrcm Man die Blutegeln gesetzt, wie iä Ihnen ge sagt habe?- Frau: Nee, üder'm Setzen haben mehr halt Streit gekriegt und nachher war 's nit m.hr nö ';: ; v -':-JViS;ä "... - : :V"

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