Indiana Tribüne, Volume 15, Number 23, Indianapolis, Marion County, 11 October 1891 — Page 7
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Der Schattenttchter". im um ii. , i?. v$Uil VlliUjlS CIK VviUi Glatt ein Feuilleton von Ludwlg Gang' höfer .Der Schattenrichter, welches das Vorgehen eines Todtenrichters in der griechischen Unterwelt schilderte, der die vor ihn tretenden Schatten nur nach ihrer äußeren Erscheinung beurtheilt und in Felge dessen falsche Urtheile fällt. Diesem Schattenrichter wurden Aeutzeninzen in den Mund gelegt, welche einige Tage vorher in Wn ein vorntzender Nichter, der LandeZgerichts rath v. Gioninia. in einer Gerlchtsver hzndlung gemacht hatte, wie zum Bei spiel di; Bemerkungen zum Angeklagten: 'Sie übertreiben in echt Orientalin scher Weife, und wer Sie ansieht, der weiß, was er von Ihrer Unschuld zu halten hat." Da über diese ?leuerungen in den GericktssalÄerichten der Tagesb!ätter resenrt worden war, erachtete die Wiener Staatsanwaltschaft, daß in der Sa tire ein WenerRichc nämlich Landes gerichtsrath v. Giomwa, zwar nicht genannt, aber doch genau kenntlich gemacht wurde, und ließ daher den Artikel confisciren. Der gegen diese Beschlagnahme er hobene Einspruch wurde am Dienstag vor dem Landgerichte in Verhandlung gezogen. Der Staatsanwalt, Herr von Soos, vermochte aber nicht das eigenthümliche Verhalten des Herrn Richters zu rechtfertigen und seine Obliegenheit war daher keineswegs eine leichte. Die Richtigkeit der Zeitungsberichte über die damalige Verhandlung, sagte Herr v. Ssos soll von mir nicht bezweifelt werden; gegen die Polemik aber, die tv nie Blätter daran knüpften, muß ich mich wenden. Ich will nicht deurthei len, ob die Aeußerungen, welchen die Polemik galt, recht oder unrecht waren aber jedenfalls stand die Polemik außn Verhältniß zu dem Anlaß. Viele An geklagte benehmen sich so, daßder5lich tet sie rügen muß. Die Mahnung nun, die der Vorsitzende damals aussprach: Benehmen Sie sich anständig. Sie übertreiben mit echt orientalischer Phantaste" vielleicht wäre sie besser ira ausgesprochen geblieben, aber, dem Sinne nach war sie passend, denn dieser Sinn ging dahin, daß gewisse Personen nach ihren Stammeseigenschasten und nach ihrem Temperament die Eignung haben, lebhafter als andere aufzutreten Da ging es nun vielleicht zu weit, was einige Blätter darüber geschrieben ha den, so z. B., wenn in einem Blatte so gar der Justizminister aufgefordert wurde, dem Richter das Handwerk zu lege. Es ist ja überhaupt unzulässig fährt de? Redner fort Aeußerungen zu verallgemeinern, als ob der Richte, vom Antisemitismus angefault gewesen wäre. Und der Staatsanwalt wie derholt : Es ist ja nicht ausgeschlossen daß die 'Aeußerung vielleicht resser ver schwiegen worden wäre, aber einen sol chen Sturm, wie sie erregte, hätte si nicht nothwendig erzeugen müssen. In cvnfiSnrten Artikel wurde ja gegen fcei Vorsitzenden der schwerste Vorwurf er hoben, der einen Nichter treffen kann und wenn ich gegen viele andere Arti ke! geschwiegen habe, konnte ich eS doa gegen diesen einen mcht, in. welchem d Richt? direct der Voreingenommenhei - beschuldigt, wird. Als . Privatmann mag de.' Richter denken, wie er will, aber hier im GerichtSfaal gibt es, Gott sei Dank, keinen Philo- und keinen An tifemitisms, keine Religions inu kein Standesfrage. Darum ist es Unrecht, wenn Aeußerungen, die hier im Drang, des lebhafteu dramatischen Vorgangs fallen, auf die Goldwage gelegt werden; und wenn damals die Aeußerung siel ich will nicht untersuchen, ob rnii Recbt oder mit Unrecht so stand doch der Angriff zu derselben durchaus nicht im Verhältniß." Der Gerichtshof wies daraufhin den Einspruch zurück. Licbcözaudcr. i d . -i Ti rv..' t.j;i, tsiiv.Geld oder Liebe oder, wenn möglich, beide zugleich zu erwerben, danach stre ben gar viele Menschen. Aber während man so ziemlich genau weiß, was das Geld ist, fällt es recht schwer, zu erklären, rsas eigentlich die Liebe sei. Wie,' höre 'ch eine fleißige Theaterbesucherin fragen, hat nicht schon Halm eine ganz genaue Definition Ux Liebe gegeben! Zwe'i Seelen und ein Gedanke, Zwei Herzen und ein Schlag !" Sttilich hat er das gesagt und schon brettundert Jahre früher fang der ita liemsche Dichter Guarini in seinem . .Treuen Schäfer", gerade als ob die Liebe nur eine Sache deß Herzens und der Seele wäre. Da gab Kmsürst Karl Luddiz von der Pfalz, der vor zweihundert Jahren starb, schon eine genauere Definition der Lieb?. Er hat, wie alle guterzoge. nen deutschen Fürstlichkeiten seiner Zeit, einige Kenntniß der italienischen itera ., tur gehabt und wohl auch den Pastor Fido gelesen, aber Guarins Erklärung genügte ihm nicht. Und der gute Kurfürst hat einige Erfahrung m dieser Sache gehabt; denn er verstieß. seine erste Frau, ine hochgeborene Prinzessin, die er nicht leiden mochte, und heirathete ein infacheS Edelfräulem, m dsS er sich ß derttebt hatte: Dieser zweiten Frau, der von ihm v ielaeliebteD aber auch vielgeplagtön, schrieb er einmal: Sinnliche Lieb und rechte Freundschaft zusamrnen, ist die perfrcte Lieb'." Lange vor dem italienischen Dichter und dem deutschen Kurlürstm lebte der ü König der Juden, der ' bekanntlich Gele genheit hatten ein reiches Mater:at für die Geschichte der Liebe zu sameln. Er war weiser als alle Menschen und verstand auch die Sprache der Thiere. Er beschrieb alle GeWachse, von der Ces der am Libanon bis zum Mop, der aus der Wand wachst. , Er hat auch daS herrliche, farbenglühende Hohe Lud ge.dichtet zur Verherrlichung nicht der 89 tausend Weibes sondern der Einzigen, der Unverzeihlichen, der sonnverbrannjen Weinberghüterm. . IptdantifchF Exegeiten d?r Leute, die P!' l"
XEZ MüfWM ! m ver NMaturgeichschte l?ti tltaaS I Neues erfinden wollen, mögen uns im innhm zu dewetien suchen, daß ontg SalomodaS Hohe Lied nicht gedichtet hat, wie Shakespeare nich?den Hamlet, Vngil nicht die Aeneis. Den Lorbeer, den man den Dichtern vsn Stratford und von Mantua vom Haupte reißt, setzt nun gleich einem Andern auf ; aber sür den Judenköniz hat man noch keinen. Baco, nicht einmal einen Pifander ge funden. Ich bin ein loyaler Unterthan und will die Lorbeerkrons eines Dichterfü ften ebenso wenig antasten, als die gol den? irgend eines Gottgesalbten, und ich glaube in alle? Unterthanentreue, Vb der weise Kirnia, angeekelt von demTrei' öen feine? tausenL Haremsdamen oder' verletzt von der hochmüthigen egyptischen Königstochter, sich in fein einsames Schloß zurückzog mit ver einzigenÄoni rm seines Herzens und dort seinen Lievcöfruyltr.g dichtete, umrauscht von den ;dern des Libanon. Und doch gestand der weise König, er wisse nicht, wa die Liebe sei und wie sie entstehe. . ; Aber weder König Salomo noch die anderen minder weisen Menschenlinder habe sich - von chrer Unwtjsenhett ab' halten lassen, zu lieben, und obne sich den Kopf über das Wesen der Liebe zu zerbrechen, haben sie seit ein paar Jahr lausenden geliebt und werden es wahrscheinlich bis zur nächsten Eiszeit wnte? fortsetzen. Dagea?n haben sie sich viel mehr um das Entstehen und Hervorrufender Liebe ; kümmert und ihren Scharfsinn ange strengt, gerade wie dke Leute, welche in Zitterten und Tiegeln künstlich Gold ht reiten wollten. Die Alchimisten sind fchon lange ausgestorbm ob auch die Liebe'SZabrikanten ? Den alten Griechen erschien die Liebe gewissermaßen als Krankheit, und porauS diese Knkhcu entstand, dem brauchte man ).. ,; lane nachzuforschen. Man wußte es ja, daß daran sur der boshafte Liebesgctt mit feinen Pfeilen die Schuld trage, die er bald sus eigener Bosheit, balv auf Anstiften seine? Muttzr Aphrodite auf Schuldige and Unschuldiges abschnellte. Wie die Wiks des Phöbos Seuchen und Tod den Nenschenkindern brachten, so die des öros das verzehrende Feuer der Liebe, lind wie man durch allerlei Tränke und Mixturen, durch Zaubersprüche und Beschwörungen Krankheiten zu heilen und hervorzurufen suchte, so glaubte man such die rätbfelhafteste aller Krankheiten in aleicher Weife erzeugen zu können. Wie mannigfaltig und wie sonderbar lind nicht die Mittel, die man angewen bet hat, um Liebe zu erwecken oder er löschende Liebe zu neuem Feuer anzufachm von der einfachsten, fast un bewußten Koketterie einer Galathea, die den Liebsten mit Aepfeln bewirft und sich dann umer den Weiden verbirgt, um doch gesehen zu werden, bis zu den raf sinirtesteu Zaubermitteln, den zusammen gefetztesten Liebestränken! Wollte ich sie alle beschreiben, da würdeein dickleibiges Buch daraus werven, vielleicht recht unterhaltend zu lesen wahrscheinlicher aber ganz pedantisch, langweilig, jedenfalls kein solches dont la mere preserira la lecture a sa lille z denn wohlgemerkt, es handelt sich um dte Kunst, geliebt zu werden, nicht um die, eien Mann zu bekommen ein Buch über letztere dürfte Wohl die 'Approbation aller Schwiegermütter in pe finden. äarum ich aber so spreche, als ob es nur Frauen wären, die solche Kunst ausüben, fragt vielleicht etne ungeduldige Leserin, und ich will gleich mit der Ant wort zuvorkommen, dav ich ja nicht tx finde und nicht philosophire. Relta refer. Ich erzählte nur, was ich aus alten Chroniken und Mären, von den Dichtern undMythologen erfahren habe, und wenn diese das schöne Geschlecht verleumdet haben, bin rch dafür nicht verantwortlich. Von Männern, welche Zaubermittel anwenden oder sich dem Teufel verschreiben, um die Liede spröder grauen zu gewinnen, wird meistens nur in Heiligen Legenden erzählt. Selbst Günther wendet keinen Zauber an, um Die stolz Brunhild zu gewinnen, sondern nimmt nur die Hilfe des Prachtmenschen Siegfried in Anspruch. Vielleicht das einfachste, älteste Zaubermittel der Liebe sind die Alraunen (Ouclgjm). von denen in der Genesis Die Rede ist. Welch' weiter Weg mußte zurückgelegt werden, bis man zu dem complicirten Apparat kam, wie er in Theokrit's Idylle Die Zauberin" be schrieben wird, in der es sich darum han delt, einen gleichgiltig gewordenen LiebHaber, Der mir schon zwölf Tage, der Elende, nimmer erscheinet," wieder zu gewinnen. Unter Anrufung Hekate's wird der kräftige Zauber gebraut, Kleie in die Flamme gestreut und Wachs tzeschmslzen. Dabei tönt immer der Nesram : Zieh', umrollender Kreisel, den Mann - - mir zurück in die Wohnung !" was Virgil in seiner achten Ekloge mit Ducite ad mbe üomum, rnea car, rnina, du cito Daplmirn" wiedergiebt. , Noch kräftiger wirkte derZauber, wenn! man irgend etwas vom Körper des Ge liebten oder was mit ihm in Berührung zewefen, dazu benutzen konnte. So erzählt Dr. Friedlich Krauß in seinem interessantem Buche Sitte und Brauch der Südslaven", daß in jenen Gegenden folgender Liebeszauber ge braucht wird : Das Mädchen gräbt di Erde aus, in welcher die Fußspur des geliehen Burschen sich abgedrückt hat, macht die Erde in einen Blumentopf und pflanzt die Nevenblume (calendula of ficinali8 darin. So wie diese gelb Blume wächst und blüht und nicht hin? welkt, so soll auch die Liebe des Burschen wachsen und blühen) und nicht - verwel "? -. .ft öiÖis ren. - ; iSili!;;;, :- ES steckt eine gewisse Poesie in diesem Zauber, der an die traurige fünfund' dreißigste Novelle'! deS Dekameron, vrw Schädel des Geliebten im Blumentopf, erinnert. DMAMDztzM Viel materialistischer ist ein andere, Liebeszauber, von dem Krauß erzählt, der über nicht specifisch .füdslsvisch jsti Man verschafft sich einige Haare vom Kopfe 'der geliebten Person und tragt si in .einLäpxchen gewickelt, an dn -
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erzgzuvr. au m man ic hchcpi w; son herbeiziehen, so verbrennt man dii Haare. f Mitunter bringen aber solche Zauber mittet ganz sonderbare Wirkungen her Vor, welche an die Anekdote von bei Haarwuchs-Kraftpomade erinnern, dii auS Versehen auf eine Tischplatte gestri chen, aus dem Tische einen langen Bar! herauswachsen machte. Wie ApulejuS im zweiten Buche seines Goldenen Esel" erzählt, wohnte der Held seines RomaneS während seines Aufenthaltes in hypata im Hause eine? Zauberin. Diese war in einen jungen Menschen verliebt, den sie mittelst eines Zaubers zwingen wollte, sie zu besuchen. Dazu wgren aber einige Haare des ge liebten Mannes erforderlich, und die Zauberin gab ihrem Kammermädchen Befehl, ,hr solche zu verschaffen, Die Zofe wußte nicht, wie sie die Haare he kommen könnte ; da sie aber auS Furcht vor ihrer Herrin, nicht mit leeren Häw ! den zutückkommen tvcllte brachte sie ihr einige in der Werkstätte eines Schlauch machers gefundene Ziegenhaare und gab solche für Haare des spröden Geliebten auS. Die getauschte Zauberin verbrannte die Haare unter den vorgeschriebenen Beschwörungsformeln und der kräftige Zauber that feine Wirkung. Inder folgenden Nacht kamen sämmtliche Ziez genschlauche auS der Werkstatt unter gro tzem Getümmel vor das Haus d?r Zau berin angerückt und wurden für Räuber gehalten. Von einem Liebekzauber, der dem G liebten leicht hätte gefährlich werden kön nen, weiß uns Krauß auS neuester Zeit in feinem Buche zu erzählen : Vor acht Jahren verliebte sich in P. (Pozega ?) in Slavonien ein gar häßli liches Weib in den Staatsanwalt, der aber ihre Liebe nicht erwiderte. Sie schlachtete daher an einem Sonntag im Neumond eine schwarze Katze, riß ihr das Herz heraus und verbuck eö in einen Kuchen, den sie am nächsten Tage dem Staatsanwalt zu?.r Frühstück schickte, da der Kuchen, um wirken zu können, auf nüchternem Magen gegessen werden mußte. Der unempfindliche Diener der Themis wies aber die Gabe zurück und das verschmähte Weib mußte noch der Eigenthümerin der getödteten Katze fünf Gulden als Schadenersatz zahlen. Schon vor zweihundert Jahren fand es ein kaiserlicher Kammer Prokurator mehr als lächerlich, daß ein Mann und besonders noch ein gchzimer Hofrath sich von einer Frau verführen lassen solltet und nun wagt sich ein dummes slavoni sches Weib mit ihren Zauberkünsten gar an einen kaiserlichen Staatsanwalt ! Auer den Zauperfpruchen und den nach dem Zkecepr bereiteten Liebestränken und Zaubermitteln gab e? jedoch auch gewissermassen natürliche Liebeszauber, womit ich hier aber nicht angeborene Anmuth, Schönheit und Liebenswürdig keit meine, denn diese wirken ja noch jetzt in anz natürlicher und herzerfreuender Welse. Ich verstehe darunter auch jene wohlschmeckenden Liebestränke und Liebesspeisen, wonach wie man sagt, die Köchinnen die Herzen ihrer Corporale und Gefreiten zu erobern und dauernd festzuhalten wissen. Novellisten und Legendenschreiber des MiUelalterS wiffen uns von gewissen Gegenständen, meistens Edelsteinen oder Ringen, zu erzählen, welche die Kraft haben, ihre Besitzer allgemein beliebt zu machen oder ihnen die Liebe einer bestimmten Person zu erwerben und zu sichern. Eine wunderschöne Legende, dieser Art hastet an dem Dom zu Aachen, und sie. ist unS nicht etwa von einem Meister des Styles, von Petrarca überliefert worden. Petrarca, der erste moderne Tourist, besuchte Aachen im Jahre 1333, und, ganz wie ein moder ner Tourist, hat er seine Reisen in Brie fen an seine Freunde beschrieben. Hatte eö im vierzehnten Jahrhundert Zeitun gen gegeben, der Liebhaber Laura'S wäre wohl ein fleißiger Mitarbeiter ge Wesen und seine Bliese wären als Feuille tons erschienen. Sehr auffallend ist es, daß die zauberkundige Medea keinen Liebeszauber gebrauchte. Sie, die mit ihren Hexenkün sten Mond und Sterne in ihrem Laufe aufzuhalten, die Wälder von ihrer Stelle zu verrücken, die Abgeschiedenen von der Unterwelt zurückzurufen wußte, sie konnte keinen Zubertrank brauen, um den treulosen Jason festzuhalten, und mußte der mit dem Zauber der Jugend ausge rüsteten Tochter Kreon's weichen. So wie es Zauber f ü r, so gab es auch solche g e g e n die Liebe. In dem Schä-fer-Roman Diana" deS Myntemahor wird von einem Wasier erzählt, das selbst die stärkste Liebe auslöschen kann. Nach' dem ein eifriger Liebhaber davon ge tmnken, erklärt er sich bereit den Hei rathSvermittler zwischen der früher von ihm geliebten Diana und seinem Riva len zu Aachen. Man erschrickt aber, wenn man be denkt, was aus der armen Diana gewor den wäre, wenn auch der andere Lieb Haber von demselben Trank gekostet hätte. Der spanische Dichter hat die Idee zu dieser die Liebe vernichtenden Quelle wahrscheinlich dem griechischen Bädeker" Pausanias zu verdanken, welcher erzählt, daß der Fluß SelemnoS die Eigenschaft habe, Alle, welche in ihm baden. Man nern sowohl als Frauen, die Liebe auS wtreiben. Moderne Reisende scheinen diesen Fluß nicht gesehen zu haben. Daß diese Quellen versiegt und spurlos ver schwunden sind, daß kein, Schliemann Und kein Abbe Paramelle sie wieder auf finden kann, wollen wir nicht bedauern. Warum ist eS aber noch keinem specula tiven Ant gelungen eine Quelle zu ent decken, welche Liebe hervorbringt t WaS für einen enormen Besuch würde ei? solcher Badeort finden und wie schnell würde er Karlsbad und Baden Baden überflügeln. Da würden die Frauen nicht mehr nöthig haben, beim Beginn der Saison alle ihre kleinen Leiden her vorzusuchen und sich in Verschwörungen ' Mit demßHausarzt! einzulassen, m Die Ehemänner selbst würden ihnen das I Reifegeld aufdrängen und sie antreiben, ja recht schnell nach Amorbad" oder Eroöbrunn" zu fahren, i, Wis dieser Herzenscurörsentdeckt wird " kann ich nur mit einem Recept des grie bischen Philosophen Hekaton dienen. Wie Seneca erzählt, soll er einst gesagt Habens ... .
I Ich will dir ein Mittel angeben, um Liebe zu erwerben ohne Zaubertrank und ohne Beschwörungen von Hexen. Wenn hu geliebt werden willst) so liebe !" ' ' Dante hat das Recept wiederholt i Hat es aber auch immer besser gehol. fen, als die verbrannten Ziegenhaare von Hyvata oder der Katzenkuchen von Pozega? ' M. Landau. ' Werschrvlegeue Liebe. .
CTrn Freund von mir, der Baron Ren de Treillis, hatte mich eingeladen, zuz Eröffnung der Jagd ihn nach seinem i einem versteckten Winkel der Normandij gelegenen Pachthofe Marinville zu ge, leiten, berichtet ity de Maupessanj in einer seiner anziehenden Skizzen, dij das Leben und Treiben der ländliche Bevölkerung in seiner engeren Heimatj in so vollendeter Weise schildern, unj welche die Verl. Eer.-Zeitung" dem geistvollen Autor in ihren Hauptzügeff nacherzählt. Auf der Station Alvimare, wo wit die Eisenbahn verließen, erwartete unl ein ländlicher Stuhlwagen, mit einem jungen Gaul bespannt, den .ein Bauer mit weißen Haaren hielt. Mein Begleiter schüttelte die Hand, welche ihm jener vertraulich reichte, kräf tig und fragte: Nun, Meister Lebm rnent, wie geht'S ?" Ei nun, Herr Baron, so wie ge wohnlich." Kaum hatten wir daS primitive sZahr zeug, daS einem zwischen übermäßig ho hen Rädern ausgehängten Hühnerkäfia glich, bestiegen, als der Gaul sich auch schon in Galopp setzte, wobei wir und unsere beiden Hunde, die hinter unserer Bank lagen, jämmerlich hin und herge schüttelt wurden. Nach etwa zkelstün dlger Fahrt durch die wellenförmige me lancholische Ebene mit ihren Wiesen und Feldern, zwischen denen Überall pon Obstbäumen umgebene Gehöfte auftau chen, während in der Ferne Waldungen den Horizont begrenzen, hielten wir vor einem ziemlich zerfallenen Pachthofe, wo uns eine alte Dienstmagd und ein Knecht, der Wagen und Pferd in Empfang nalm, erwarteten. Wir traten nun in das Innere, wo di: große verräucherte Küche zugleich als Wehn- und Speisezimmer diente. Die Einrichtung war so schlicht und ländlich wie nur möglich, machte aber durch ihre Sauberkeit einen behaglichen Eindruck. Als wir vor dem Herdfeuer Platz ge nommen hatten, gesellte sich der Bauer, ! oer uns gesayren yarre, wleoer zu uns. Er mochte vielleicht sechszig Jahre zählen und war groß und mager, ganz Haut und Knochen, aber doch einer von den Leuten, denen man ansieht,, daß sie hun dert Jabre alt werden können. Er be richtn? dem Baron während sioh diefer die Fäße wärmte, die Neuigkeiten der Gegend und sprach über die Kornpreise und die Veränderungen in seinem Vieh stände. Dann nahmen wir eine fru gale, aber trepch zubereitete Abend Mahlzeit ein, wobei uns Meister Lebru rnent wiederum Gesellschaft leistete, und mir die fast freundschaftlich zu nennende Bertraulichkeit zwischen Meinem Gast geber und seinem Pächter aufsiel. AlZ das Feuer in dem großen Kamin erlosch, der Nachtwind durch die Wipfel der daZ Gehöft rings umgebenden Bu chen rauschte, und die alte Magd bereits schlafen gegangen war, sagte Meister Lebrument : Wenn Sie erlauben, Herr Baron, so leg' ich mich auch in's Bett. Wir auf dem Lande find nicht gewohnt, so sänge aufzubleiben." , wf i ' Der Baron gab ihm die Hand und sagte: Gehen Sie doch, mein Freund !" in einem so herzlichen Tone, daß ichHn, als der Bauer gegangen war, fragte : Ihr Pächter ist Ihnen wohl sehr er. geben?" Mehr als das, mein Freund ; es ist ein Drama, ein altes, einfaches und sehr trauriges Drama, welches mich mit ihm verbindet. Sie sollen die Geschichte hören, wenn Sie wollen. Als mein Vater noch Kavallerieoberfl war, hatte er Lebrument, den Sohn eines Pächters, als Ordinanz, und als er seinen Abschied nahm, ging diefer als Bedienter mit aus unser Schloß Vabrenne bei Eandebecen-Caux, das wir fortan be wohnten. Damals hatte meine Mutter ein ganz allerliebstes Kammermädchen, blond, auf geweckt, lebhaft, zierlich, kurz eine echte Zofe früherer Zeit, wie man sie heutzu tage garnicht mehr findet. Jä war ein junger Mensch dazumal und hielt es für reine Sünde, der niedlichen Louise ab und zu in ihre wunderhübschen Augen zu sehen, ihr auch wohl bei Gelegenheit em Küßchen zu rauben. Nichts weiter, ich schwöre es Ihnen ; denn einmal war sie ein durchaus ehrbares Mädchen, und dann respectirte . ich auch das Haus meiner Eltern zu sehr,, um darin irgend etwas unztemltcyes zu lyun. In dieses Mädchen nun verliebte sich PapaS Diener, Jean Lebrument, der vielleicht 10 Jahre älter ist, als ich. Die Leidenschaft für die schöne Zofe hatte ihn derart gepackt, daß, man ihn zuerst für ernstliche krank hielt, bis mein Vater S aus ihm herausbrachte, daß die Louise es ihm angethan habe, aber nichts von ihm wissen wolle. , , , Meine Eltern nahmen nun das Mäd chen vor und befragten sie, wesbalb sie den wackeren Jean nicht zum Manne wolle, der sie gewiß glücklich machen verde; sie konnte auch gär keinen Grund für ihre Weigerung argeben, blieb aber r . t f.it fm , r r ri l . r .. ein mädchenhaftes Sprödethun und drang f. t '.. fi. r. n oer oerietoen. man yrerr oies aver tur " T f . ii i iliji T ": 's7 . -j f als meine Eltern, die es mit den Beiden ausrichtig gut meinten, ihr auch noch ein reiche Aussteuer, versprachen, einwilligte, Jean Lebrument,'s Frau zu werden. 'So heiratheten sie denn und verließen . ,.. . Pt r m . - - f NUN 10 lange in ne, vls Lime enollcy, den mein Vater innen unter lebr aunki oas cylvn, um aus viezen Pacytyos yier.
gen Bedingungen überlassen hatte, über- ? schließt er, die betreffenden Reisenden zusiedeln. ' ' . bei ihrer Rückkunft höflichst zu ersuchen, Etwa drei Jahre später vernahm ich, dem Hotelier , nichts bon dem VerZehen daß Louise an einem Brustleiden gestor mitzutheilen. Nachdenrdie beiden Herben sei. Bald nachher starben auch 1 tw Abends roickt ntour getommea. meine Eltern, und so waren gewiß fünf ' dnd sich begrüßt batten, renommiren sie Jahrevergangen, bevor ich Jean wieder. ttgnseitig von dem großen Geschäft, sah, als mir gegen Ende Oktob:r plötz. kaS sie heute erzielten da gesellt sich lich der Gedanke gekommen war, hier, zu ihnen der Hausknecht und trägt ihnen wJ dzr Wtldstand ein aukgezeichneter ist, sein Leid vor. Beide Reisende Zehen reder emmal zu zagen: . erstaunt an es hatte bisher fei . LnLiM WMoen Abendelangte ' lrer den Irrthum gemerkt.
ich hier an und'war überrascht, zu sehen, daß Jean schon ganz weiße Haare hatte, obwohl er damals kaum vierzig Jahre zählen mochte. Ich ließ ihn mit mir zufammenspeisen, an diesem Tische, wo ran wir jetzt sitzen. ES regnete in Strö men, man hörte daS Wasser gegen daS Dach, Mauern und Fenster schlagen, und mein Hund heulte im Stall, wie es unsere beiden heute Abend thun. AlS die Magd schlafen aeganßen war, begann Meister Jean plötzli? mit stockender Stimme, daß er mir etwas mitzu theilen habe, und als ich ihm Muth machte, doch damit herauszurücken fügte er hmzu, daß es im Auftrage seiner ver storbenen Frau geschehe. Ich korlnte mir nicht erklären, was das sein möge, for derte ihn aber auf, fortzufahren. Ja," meinte er, ich schwiege darü ier am liebsten zu Ihnen; aber ich habe es ihr versprochen, und so muß es denn sein. Sehen Sie, Herr Baron, sie ist nicht an einem Brustleiden gestorben, sondern Vor Kummer. Kaum waren wir hier angekommen, so mager! sie ab und ver änderte sich so schrecklich,, daß sie gar nicht mehr zu erkennen war. ; Ich ließ den Doktor kommen, der von 'einem Leberleiden sprach und ihr allerlei verschriebe Dann kaufte ich die Midi ein, gewiß für dreihundert Francs Me dicin in all' der Zeit, bis sie endlich aS Zeug nicht mehr nehmen wollte.
!Sie wollte Nicht und sagte : Gieb Dtr keine Mühe, mem armer Kean. eS nützt doch nichts." t Ich merkte nun wohl, daß sie irgend ein Leid hatte, welches ihr am Herze? sraß ; aber ich vuffeTnlchtwaS ich va, chen sollte. Ich kauft ihr Hauben, Kleider, Schmuckfachen;, aver Alles wa, vergebens, nichts konnte sie aufheitern. und schließlich sah ich, daß S zu Ende ging. ES war an einem Novemberabend unl hatte geschneit, als sie, nachdem sie den ganzen Tag das Bett nicht verlassen hatte, mich bat, doch den Pfarrer zu ho, len. AIs er gekommen war, sagte fi in seiner Gegenwart zu mir : Jean,, jetzt will ich Dir beichten: denn das bin ich Dir schuldig. Hör, mir zu. Ich habe Dich niemalk hintergangen, weder vor noch naoZ unserer Heirath; hier der Herr Pfa, rer, der mein Herz kennt, wird tt Dir bestätigen. Und doch bin 'ich Dir keine so gute Arau gewesen, Jean, w'l Du eine verdient hättest : aber ick kann nicht dafür, der liebe Gott weiß eS. Sieh', Jeansich konnte die Zeit auf dem Schlosse nicht veraessen und die ...... du Freundschaft, die ich für den Baro ll . i i " " rr - r. . i7nc ini Herzen rrage. vjs tu nu, Freundschaft, verstehst Du Wohl; ob ich terbe daran. Als ich ihn nicht mehr ehen konnte, fühlte ich, daß ich sterben müßte. Hätte ich ihn noch sehen können. nur sehen, verstehst Du Wohl, nicht mehr, dann hätte ich noch weiter m leben ver' h möcht. Du sollst ihm das später, wenn l !i t t' i . : r. ' r. ivf niryr ineyr in iagT, verwricy mn das vor dem Herrn Pfarrer. ES ist mir ein tröstliches Gefühl, zu wissen. daß er eS eines Tages, wenn ich todt bin erfahren wird, also versprich eS mir!" Ich habe es ihr versprochen, Herr Baron, und ich habe jetzt mein Wort geyaltenl Das Gefühl, welches mich bei diese, Erzählung des armen Teufels, dessen yeißgeliebteS Weib ich getödtet hatte. ohne eine Abnuna davon zu haben, er griff, lieber Freund, kann ich Ihnen um möglich Vcylldern., Lch.nte r7ar ' stamtnem : , mein armer Jean, mein armer Jean!" So ist die Sache, Herr Baron," murmelte er dann, wir können nichts . L rrt' i n 7 aiur, weoer oer iLtne, nocy er Anoe re." Ich ergriff seine Hände über den Tisch yeruoer unv mußte taut weinen. Wollen Sie ihr Grab sehen?" frag te er. Ich nickte nur mit dem Kopfe, da ich nickt m.lörecken vermochte. 'Er erhob sich, steckte eine 'Latente an, und wir wanderten durch den strömen den Regen zu dem kleinen Dorftirchhofe. Der Schein VzS Lichtes siel auf einige fchware Kreuze rechts und links, dann zeigte Jean plötzlich auf einen Grabstein aus Marmor und stellte seine Laterne davor hin, damit ich die Inschrift lesen konnte, sie lautete: Zum Andenken an Louise Hortense Marinst, Frau des Pachter? Jean Frangois Le brument. Sie war eine treue Ehegattin. Gott möge ihre Seele aufnehmen." Wir knieeten Beide nieder auf dem schmutzigen Erdboden, während die Laterne zwischen unS stand. Ich sah, wie die dicken Regentropfen den weißen Marmor trafen, von ibm abprallten, in dem sie zerstäubten und dann auf den Seiten des undurchdringlichen und tl ten Steines abflössen. Und ich dachte an das Herz Derer, die mit ibrer so lange -und so ängstlich verschwiegenen Liebe darin gestorben war. O, armes Herz, armes Herz Seitdem komme ich alle Tage wieder hierhin. Und ich weiß nicht warum; aber ich trage immer dennoch das Ge fühl einer Schuld in mir diesem Manne gegenüber, der mir stets vorkommt, als hätte er mir etwa vergeben. Eingegangen. Zwei Geschäftöreisende wohnen in einem Hotel und machen zu gleicher Zeit in entgegen' gesetzter -Richtung einen Abstecher. Der c..,f.Xl l tt?-.!. V. Ci!' i vuulucuw ulu wcul vcuntu vct ci den Musterkoffer beauftragt, verwechselt dieselben ; derjenige deS A geht in der Kichtüng des B und umgekehrt. Der Hausknecht merkt den Irrthum nach ttbaana der beiden Züge und da er ' fürchtet, daß solche Nachlässigkeit seine , .i m ' ä. ' -r i i ' ': Entlassung wr Folge haben könnte, be-
Die Heilkunde in alter Zeit. Einen Einblick in daS Walten dn
Heilkunde vor 3S0 Jahren gewährt unl das Vogel-, Thier- und Flzchvuch ves Schweizers Dr. Conrad Geßner, wel. chcö, urZprünglich w lateinischer Spracht verfaßt, im Jahre 1557 in deutsche, Uebersetzung erschien. Von planmätziger Ordnung xt m dem ganzen omen Folianten so gut wie nicht die Redel die einzelnen Tbiere werden in der Reihenfolge deS Alphabets beschrieben. Zu den Vögeln gehört die Fledermaus, und das Nilpferd rft der den Fischen aufaekübrt. 5edeeimelne Vescbreibung zerfällt in mehrere Abtheilungen, zum m . . . ic c. . jöciipiei von narurucyer nnmury oes Lelkanten. von der KemSbeit des Ka meelthiers" r. s. w. Endlich wird berichtet, waS von dem oetrenenoen 5mere als Arznei dem Menschen von ventn sein könnte. Hie bekommen wir eine Abnuna. wie man .nach unendlichen Recepten daS Widrige zusammengoß Die meisten Thiere bargen damals heilwirkende Kräfte; man begnügte sich aber nicht stets damit, ein Thier einfach zu todten und ihm das Mittel zu nel)men, sondern man quälte es oft ru nichtswürdiger Weise. So mußte dii .Aegester" (Elster) ledendig zerscynuten und die Theile dann kranken Glie dern aufgelegt werden. AehnlicheS that man im gleichen Falle mit den Schwab ben. Ledende Fledermäuse wurden in Pech aefchüttet, Raben in Pferdedünger lange Zeit eingegraben, junge Störche in emem Topfe zu Pulver vervrannr. Füchse gekocht. Geiern zog man sogar die Haut ab und ersäufte sie dann in Wein. ES gibt wohl kaum einen Kör pertheil von diesem oder jenem Thiere, der nicht als Heilmittel benutzt wäre. Sogar das geraspelte Horn des sabelhasten Einhorns, über welches Geßner selbst sagt, daß dies entsetzlich wilde Thier noch von Niemandem gesehen sei, empfiehlt er, und zwar gegen giftige Speisen und Schlangenbiß innerlich gegeben. Gedörrte und gepulverte Körpertheile, Gehirn. Zunge, Blut, Galle werden verwendet. Den Geifer deS Pferdes und Maulesels brauchte man, und von einigen Vögeln haben die Federn heilende Kräfte. Die Anwendung solch' wunderlicher Mittel war vcrschie den. Sehr gerne räucherte man, indem man z. B. einen Menschen über ein Kohlenbecken stellte, in welchem wider liche Gerüche erzeugt wurden. Dadei mußte ihm aber ein lieblicher Geruch unter die Nase gehalten werden. Hals dieses Verfahren nicht, dann machte man e5 umgekehrt, beraucyerte ven Kranken am Körper mit Wohlgerüchen und lieb ihn scheußliche Düfte einathmen. Rauch von Pfauensedem in die Augen gelassen, ist den rothen und triefenden Augen dienstlich." Sonst bereitete man lieber Salben und Um schlüge. Solche werden z. B. gegen Augenkrankheiten hergestellt aus Fle dermauSmilch, Uhuaugen, Galle der Nachtigall und vieler anderer Thiere, Blut oder Eiern von Rebhühnern. .Schwalbenstein-, Storchenasche. a ie rblut also warm in die Augen gegoffen, benimmt das Triefen, die Wunden nnd Geschwar derselbigen." Auch das Aufbinden von lebenden Thieren (Fledermauö, Kröte. Schwalbe) ist von gu ten'Wirkungen bei Podagra und fonstu gen Bresten und Schäden." Innerlich werden viel Brühen gegebe oder alle möglichen garstigen Dm ger in Wein gekocht. Unter diesen finde ich ein Brechmittel aufgeführt, welches so scheußlich zusammengesetzt ist, daß ich überzeugt bin, es würde noch heute eine herrliche Wirkung üben. Auch hier wird die Galle als köstlich geprie sen; von der des GeierS heißt eS: Der GaÄ ein Löffel, gcnützt mit Wein. Soll gut zum fallenden Siechtag sein." Mehrfach hielt man es erforderlich, daß Thiere Zur arztliche Zweae ' Besonders seltene Dinge zuvor genoffen ha. ben mußten. Wider den Schlag heißt man einen Gyren. der sich voll von einem todten Menschenkörpel fressen habe, zu essen geben." Auch Krammetsvögel, welche Myrthenbeeren zu sich genom. merz, werden bei Blasenleiden als heil sam empfohlen. , In unseren Tagen wird viel Sorg salt darauf verwendet, den Körper ge gen Krankheiten möglichst unempfänglich zu machen. . Auch zu Geßner's Zeit war die mediinifche Wissenschaft aus dieses Ziel gerichtet: .Alexander Benedictus lobt zu der Zeit der Pestilenz ei nen gebratenen Krammetsvogel zween Tag in Essig gebeizt." Auch das Fleisch des Storchs hilft im Voraus gegen Podagra, Zipperlin, Lenden weh." Das Affcnherz gebraten, gedörrt und gepulvert ist nne gute Arzenei zum Herzen. Denn deSselbigen Pulvers ein Quintlin in Weinmeth genommen, stärkt, bekickt, und macht daS Herz tapfer und, freidig, mehrt die Männlichkeit, die Verzagte und das Herzklopfen vertreibt es, eS stärkt auch und machet die Vernunft spitzfindiger." Ist das nicht eine herrliche Medizin ? Und welche Freude könnte man einem Durstigen bereiten, wenn man ihm einen Becher aus dem Hörne deS Einhorns verehrte, denn wer aus solcherä Gefäße trinkt, wird nie berauscht. , Eine hübsche äußere Erscheinung war auch zu Geßner'S Zeiten etwas Begehrtes bei Mann und Weib. Er hat daher für seine Nebenmenschen eine Anzahl empfehlenSwerther Mittel aufgeführt: So sollen sich die Jungfrauen mit Fledermausblut , bestreichen, um lange ihre zierlichen Formen zu behab ten. Leider muß er hierbei selbst be kennen, daß 1aS nit viel" hilft. Pelikangalle vertreibt Muttermale, das Blut von Mäusen und Eidechsen War! zen und die bereits damals bekannten Hühneraugen. Gegen Haarausfall hilft Bärenschmalz, l Rabenblut erzeugt tot cheS Haar, färbt eS aber in anderer Zubereitung schwarz. Letzteres gilt auch von der Galle deS JmmenwolfS, während ein besonders prävarirter' Krähenmage weiß färbt. Will man
krauses Haar haben, so bedient man sich deS Blutes eines jungen Uhus, und wem die Augenbrauen zusammenwuch sen, der mag dagegen Kauzblut anwen den. Zum Schlüsse aber empfehle ich folgendes Rezept: Jn eines jungen Storken Bauch, so noch nit flügge werden, stoß Kamphor und Amper (Am bra?) und zeuch mit Destilliren das Wasser daraus. DaS Wasser reinigt das Angesicht, und machend daS schön füraus aber das letztere." Konrad Geßner schreibt nicht dabei .hilft aber nit viel, und so würde ich es sn-Stelle meiner geneigten LeZermnen doch eisAal versuchen. Die Brillanten der Choristin.
Die Colleginnen beneideten schon lange die kleine Choristin; sie ist zwar eine der hübschesten, aber die prächtigen Brillanten, die sie auf der Bühne trug, machten sie noch reizender und schöner. Sie alle träumten von Schmuck und Brillanten, von Beifall und Erfolgen, Und gerade die Kleine hatte Glück gehabt, sie brachte einen Brillantenschmuck auf die Bühne mit, wie man ihn Herr licher nicht wünschen konnte. Von wem hast Du den Schmuck?" fragten die neidischen Colleginnen. Mein Verrhrer," sagte sie, hat ihn mir gekauft, o, der thut Alles für mich!" Auf diesen Verehrer richtete sich nun die Aufmerk samkeit der Theaterdamen und bald brachte man heraus, daß er ein Doctor der Medizin sei, der in Abwesenheit sei ner Frau, die in einem Kurort ver weilte, sich seine freie Zeit und Lang iveile mit der kleinen Choristin vertrieb. Fast ieden Abend holte er sie in einer Droschke erster Klasse vom Theater ab und sühnte sie zum Souper. Mit den Vrill mte aber hatte es eine eigene Bewandtniß: diese waren nämlich Eigenthum der Frau des Arztes. Er hatte endlich dem Drängen der Thoristin nachgegeben und ihr dle Brillauten geliehen, jedoch unter der Bedws gung, daß sie ihm den Schmuck nach einigen Tagen wieder zurückstelle. Die kleine Choristin aber bat, er wöge ihr die Brillanten noch werter belassen, uad er gab nach. Vor einigen Tagen wurde der Arzt durch ein Telegramm über tascht, in welchem ihm seine Gattin anzeigte, daß sie ihre Kur unterbreche und m wenigen Stunden in Berlin eintref sen werde, da sie am nächsten Tage der Hochzeit einer Freundin anwohnen inüsse. Der Doktor eilte in die Woh kuna der Choristin, um den Schmuck keiner Frau zu holen; das Mädchen var nicht zu Hause, er suchte eS verge ienS an allen möglichen Orten und ußte dann zum Bahnhof, um seine grau abzuholen.. Nachdem er die Gattin nachHause bezleitet hatte, schützte er dringende Patientenbesuche vor und erklärte, daß er erst spät Nachts zurückkehren werde. Fr eilte in's Thevter, die Vorstellung hatte bereits begonnen; die kleine Cho kistin stand auf der Bühne, aber dies nal ohne Schmuck, ohne Brillanten. Nach dem Abschlüsse wußte sich der Doktor Einganz auf die Bühne zu verschaffen; er suchte seine Choristin auf lnd verlangte von ihr den Schmuck. Das Mädchen wurde verlegen und tx Härte schließlich, eS habe den Schmuck zerfetzen müssen, da sie dringende Schul den gehabt. Der Arzt bekam einen Wuthanfall, er konnte seineAufrezung so venig bemeistern, daß die anderen Thea ierdamen auf die Sceue aufmerksam vurden. Das Mädchen gab ihm schließ lich den Vfandschein. aber es war be-. ceits zu spät, um den Schmuck auszulösen. Die Frau des Arztes hatte un indessen die. Vorbereitungen für ihre Toilette zur Hochzeit getroffen; sie suchte nach ihrem prächtigen Brillantschmuck, ohne ihn zu sinden. In rößter Aufregung erwartete sie ihren Mann, den sie nach dem Schmuck befragte; das Dienstmädchen müsse die Diebin gewesen sein, er solle sofort die ZZolizei holen. Der Man sah sich schließlich gezwungen, um den Skandal mckt noch größer zu machen, ihr den Pfandschein zu zeigen; die Frau war zanz konsternirt, sie konnte seinen Ausreden, daß er in Geldverlegenheit gewesen sei, unmöglich Glauben schenken. Böswillige Zungen scheinen die Dame über de Sachverhalt aufgeklärt zu haben, denn dieselbe hat bereits eine Scheidungsklage gegen ihren Mann eingereicht. Die kleine Choristin aber betritt wieder ohne Brillanten die Bühne. Der Pariser Witzbold ikomieu wurde emes Tages von einem Regenschauer überrascht und suchte Zuflucht in einem Thorweg der Oper. Kein Wagen war zu sehen, Romieu hatte keinen Schirm, und um sechs Uhr sollte er im Cafe de Paris sein. Was thun? Plötzlich sah er einen Herrn mit großem Regenschirm vorbeigehen. Romieu sprang hinaus, hing sich an den Arm des Fremden und begann unMittelbar darauf zu schwatzen: Ich bin entzüät, Sie endlich einmal zu sehen seit drei Wochen warte ich darauf. Ich wollte mit Ihnen über Klementine reden...." und so plauderteer in einem Zuge fort, ohne dem Fremden Zeit zu einer Antwort zu lassen, bis er den Unbekannten an die Thür deS Cafe de Paris geschlepvt hatte. Kier ließ er ihn los und blickte ihn mit .gut gespielte Erstaunen an. Nun erschöpfte er sich in Entschuldigungen, bat den Fremden, nichts von dem, waS er ihm anvertraut, zu verrathen, und schlüpfte dann in daS - Kaffeehaus, wo er seinen Freunden den gelungenen Streich zu deren großer Heiterkeit erzählte. Plöklich unterbrach ihn einer von ihnen mit im Worten: .Ihre Kravatte ist in Nnordnung!" Romieu griff mit der Hand an seinen HalS und erbleichte, ßeine Kravattennadel mit emem kostbaren Saphir war fort. Bei weiterer Untersuchung stellte sich heraus, daß ltuch seine Börse und seine Uhr fehlte. Der Mann mit dem Regenschirm war j ein Taschendieb gewesen.
