Indiana Tribüne, Volume 15, Number 16, Indianapolis, Marion County, 4 October 1891 — Page 3
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Das Srrizche: Erzählung von Eräsin M. Keyserling. (8. Fortsetzung.) .Nein! Sie werben zuerst gestehen! Ihr Kleid ist feucht, ebenso Ihr Hm! Wo haben Sie sich das geholt? Sie waren im Freien?.. .. " Er be rührte einige Flecken an ihrem Meide, das von dickem, weißem Kaschemirstoffe war. Sie sahen ar:S, als rührten sie von feuchter Erde her, und der Rand zeigte einen breiten, schmutzgrauen Saum. Sie fchzvkcg eigensinnig und hielt die dunkeln Winlpern gesenkt. Plötzlich stieß er sie von sich und rief, zitternd vor Zorn: Gehen Sie. Ich werde alles frin erforschen, eber wehe Ihnen, wenn ich Sie schuldig finde. . . . Sie benutzte ihre Freiheit sofort und eilte aus dem Zimmer. Er aber schritt zornig eine Weile aus und nieder. Etwa nach fünf Minuten erschien der Wachtnrnster unter der Thür. Haben der Herr Major nach etwas zu befehlen? Kommen Sie her und halten Sie fcal Licht. So naher hierher! Aha! ba steckt der Nagel. Ziehen Sie mal den heraus. . . . Sobald der Wsckjmeistcr den Befehl susZefnhrt hatte, schnappten ein paar der Wandbretter zurück und ließen eine o,ah TZende Oesfnuug sehen. Beim Niederhalten des Lichtes zeigten sich ein paar Stufen. Sie führten in einen ummauten Stollen. Die drei Mittelbretter des Cchrankes bildeten eine Thür, aber das Schloß en ihr war entzwei, die Fe der in ihm zerbrochen. Jcanne hatte fit allem Anscheine nach zertrümmert und danach den Nagel in das Holz getrieben, um dieThür wieder zu befestigen. Cs konnt? infolgedefskn nur dann jemand us dem ßangs in da5 Innere des Zimmers driustkn, wenn er die Thür sprengte. Ast, stellte diesen Zustand wieder her und schickte den Wachtmeister alsdann zu Bctt. Es war dreiviertel auf drei. Also 5,bcr zwei Ständen war das Mädchen fort gewesen. Ws aber? Es mußte eine geheime Verbindung im Dorse bestehen, die sicher sehr böse Pläne hatte. Setzte Jeanne sich wirklich ihnen -entgegen? Abc? weshalb duldete sie dann, daß die Verschwörer hier im Hause mit ihr verkehrten? Asten murmelte eine leise Verwünschung zwischen den Zähnen. Er fühlte sich nicht im Stande, Klarheit in seine Gedanken zu bringen. Das seltsame Benehmen des Mädchens verwirrte ihn wehr und melr, und er Lrgcrte sich über sich selbst. Wäre jetzt eine Anzahl MZnner ans dem Schrank getreten, er n?Sre gerate in der Laune gewesen, sie toi Memmen zu heißen. Es kam indessen niemand, und er hatte nur mit seimn eignen Gedanken zu kämpfen. Sehr zeitig ließ er feine Leute wecken und traf Anerduungen, um dem zu er wartenden lUfcrfail, sobald er That fache wurde, erfolgreich zu begegnen. Etwa eine Stunde später ließ er sich bet Jeanne abermals melden. Sie war erst vsr kurzem aufgestanden
und sah erfrischt aus, wie nach beruhigendem Schlummer. WaZ wollen Sie wieder von mir?" fragte sie, und ihr Gesicht überflog ein rsnger Schimmer, wahrend feine Augen mit Strenge auf sie Nickten. Jhnen mittheilen, daß Sie Ihre Sachen zu packen haben, soweit Sie dieselben mitzunehmen gedenken, da ich Sie in Zeit einer Stunde von hier fortärmgen werde. Der rosige Schimmer erlosch, und die dunkeln Augen hoben sich in einem zw!scheu Trotz und Furcht schwankender Blicke u tlzm. Wohin?" hauchte sie. Zum Herrn Pfaues Vrsnniers nach Voissn. Ich werde ihn bitten, Sie in zschsame Hut zu nhemcn." Mit welchem Rechte?" fragte sie wie Vorhin. Ich habe Ursache anzunehmen, daß Sie hier kouspiriren. Und ich mochte nicht," sagte er, unwillkürlich selbst ein wenig bleicher werdend, genöthigt werden Sie erschießen zu lassen, weil Sie pH etw zu besorgt für meine Sicherheit erwiesen. Ich könnte aber hierzu gezwungen werden, falls es mir gelingen sollte, die Verschwörer zu entdecken, die hie? ihr Wesen treiben. Sie senkte wie müde die Stlrn. Jch werde gehen!" Er hatte heftigeren Widerstand erwartet, aber dies wunderliche Madchen überraschte ihn immer. Er fuhr fort: Gut, daß Sie sich fügen. In einer Stunde wird der Wagen vorfahren. Ich selbst werde Sie begleiten." Der schöne Kopf sank noch tiefer, wie kn hilfloser Ergebung, und Asten ging. Zur angegebenen Zeit war sie bereit und betrat 'die Schwelle. Plötzlich wandte sie sich' zurück. Bicctte!" sägte sie, .wer wird sie pflegend" Sslange wir hier sind, wir, erwiderte der Major. ,Und nachher? Das Thker hangt so an mir! Nein, ich kann es nicht verlassen!" Jch werde es Ihnen hinüberschicken, wennde? Herr Pfarrer damit einverstanden ist," versprach Asien, .noch heule. Aber bitte steigen Sie jetzt ein. " Sie seufzte und blieb doch noch stehen. Dann fragte sie, das bleiche Gesicht dem Begleiter zuwendend: Fahren wir ohne Bedeckung? Ich meine, reiten Sie ' allein? ' ES werden mich einiK? meiner Leute, begleiten, und es ist für mich von Interesse, daß auch Sie das für nothig halten." Sie antwortete nicht und stieg ein. Das Wetter war schlecht. Es reg, mit ein wenig, und der Major zsg, ehe er zu Pferde stieg, das Schutzleder vor dem halbgedeckten Wägelchen herauf. Die Fahrende konnte von der Landschaft nichts sehen, sie erblickte nur den Rücken des pferdeleukendeu Burschen und b!sseilen seitwarU einen unisormlrtev Reiter. :l : T
Sie heftete die dunNen Blicke vor sich nd schloff herber denn je die Lippen. Asten ritt meist eine Strecke voraus und ließ die Augen seinerseits nur selten zu dem schZnen Gesicht abschweifen. Dann siel ihm auf, daß es aussah, als ob daS Mädchen litte, und er selbst hatte ein Gefühl, als sei die Fahrt eine harte Prüfung für ihn. Der Weg deuchte ihm lang, und als sie endlich in der Vorstadt von Boissy, in welcher das Gehöft doö Geistlichen lag, einlenkten, richtete er sich freier im Sattel auf. Er hatte seinen Leuten befohlen zurückzubleiben, da die Stadt von preußischem und banris schem Militär besetzt war. Er hatte den Psarrer, zu dem er Jcanne bringen wollte, bei Krankenbesuchen kennen gelernt; der Mann hatte einen guten Ruf bei Bayern undPreußen. Er fand ihn zu Hause und stellte ihm Jeanne sogleich vor. In ihrer Gegenwart sagte er dann, wie er es unthunlich finde, daß das alleinstehende Mädchen inmitten feindlicher Soldaten bleibe. Da sie sich nicht entschließen könne, in einer der Familicn ihres Ortes Auf? nähme zu erbitten, brächte er sie dem Geistlichen. Der alte wohlbeleibte Herr, dessen Gesicht das Gepräge freund? lichen Wohlwollens truz, streckte dem Ankömmling seine Rechte hin. Seien Sie willkommen; ich will Ihnen sehr gern Schutz gewähren; Sie müssen sich nur ein bischen in mein Wirthfchasterin schicken, meine alte 23 a bette. Sie brummt ein bischen gern, steckt aber in der gutmüthigsten Haut. Meinen Sie, daß Sie mit ihr fertig werden können?' Jeanne murmelte mit unwilligen Lip? pen und verdüstertem Gesicht einen kaum verstandlichen Dank. Ich werde uns ein kleines Frühstück bestellen", sagte der Geistliche, zweifelnd von seiner verschlossenen LandsmZnnin auf den Preußen blickend, und er verließ das Gemach, wohl, um draußen den Versuch zu machen, die gcfürchtete Vabette günstig zu stimmen. Asten trat schnell zu dem Mäd chen. Ich werde mich nicht aushalten, sondern sogleich wieder fortreiten," sagte er, aber ich hoffe, Sie binnen kurzem einmal zu besuchen, um zu sehen, wie Sie sich hier einleben." Eindringlich, mit dem Versuch, ihre gesenkten Wimpern mit seinen Blicken zu durchbrechen, fuhr er dann fort: Sie werden von hier aus nicht mehr konfpiriren?" Jeanne," wiederholte er ungeduldig, Sie werden meine Bemühungen, Sie den verbrecherischen Umtrieben, in die Sie verstrickt wurden wie ich hoffe, gegen Ihren besieren Willen Sie werden jenen verbrecherischen Plänen, denen ich Sie. entrückt habe, in nichts mehr zu Hilfe kommen?. . . . " Sie senkte ihr Medusen antlktz tiefer. Ich kann nichts versprechen. " . Der Major biß sich auf die Lippen. Dann kann auch ich nicht versprechen, Sie wiederzusehen. Liegt Ihnen daran nichts?" Sie schlug langsam die Augen auf, und er war fast erschrocken vor dem
Glänze, der diesmal auZ ihrer mächt igen Tiefe brach. ES ist vielleicht besser, Sie kommen nicht", hauchte sie, der Weg ist doch nicht sicher." Ueberlassen Sie das mir und spielen Sie die 5?omödie der Vesorgniß nicht Leiter. ES ist keine Komödie." . Nicht?" fragte er und wagte es, weiter in die leuchtenden Tiefen zu dringen, dann haben Sie also den Wunsch, mich zu sehen? Ich komme, sobald Sie nur versprechen, sich von Ihren Landsleuten fernzuhalten." Der Blick der schönen Augen nahm einen anderen Charakter an. Dieser Blick konnte ekstatisch werden, und die Ekstase theilte sich aus ihm dem ganzen Medusengesichte mit. sah in eine ihm allein verschleierte Ferne, wie das Gesicht einer prophetischen Jeanne d'Arc, und abweisend murmelten abermals nur die Lippen: Ich kann nichts versprechen " . Asten hatte heftige Worte auf den Lippen, doch der kleine Pfarrer kam zurück, und er verschluckte, was er noch hatte sagen mögen. Er bat nur noch um Aufnahme der Ziege, die er herschicken würde. Als diese zugesagt war, verabschiedete er sich. Auf dem Heimwege beschäftigten sich )'S:t Gedanken ununterbrochen mit dem Mädchen. In ihrem Innern klar zu lesen, schien unmöglich. Dies Durcheinander von Haß und Liebe, Thatendrang und Zurückschrecken vor verbrechenschem Handeln, Leidenschaft rntd Kalte, Opfermuth und Zaghaftigkeit hindert jede Voraussicht denen, wozu sie sich ent schließen werde. Dennoch hatte er das Gefühl, als könne er allein sie aus den Gefahren dieses planlosen Hinschreitens erretten. Wenn ihm die Macht gegeben war, ihr Wesen zu erkennen, dann konnte er sie noch dicht vor dem Abgrunde aufhalten und Zn ein ungefährdetes Leben leiten. Den Versuch wollte er machen; sie ar eö werth ... Hallo? WaS war das? Seine Patrouil le 5amen zurück und meldeten: Fünf zig bis, sechzig Mann im Hinterhalte, hinter dem Kirchhose des Dorfes, foui scharler in blauen Blousen, mit Geweh rn versehen.. .." 'VpM Asiens Blut wallte. Hier konnte schneller Rath werden, ,, Jeanne zu erretten. als tx zu yonen , gewaar yaire. Fünfzig bis scchgzig Manner... und im Orte waren kaum ein Dutzend, denn die Frauen waren wohl in ihre Behausungen zurückgekehrt. Aber " wie war den (Ist naillen beizuksmmen? Er ließ sich ganz genau berichten: hinter dem Kirchhof rechts war ein Gebüsch, etn?a hundert Fuß breit, und vor diesem lagerten die Kerle. , , Sie hatten jedenfalls früh gesehen, w:e der Major Jeanne fortbrachte. und beschlossen. ihn bei ' der Rückkebr tu überfallen. Dem fiat den Zuge war die Schaar wohl um das dreifache übcrleaen und konnte ihm
kelchk verderblich erden. Infanteristen
im Hlnterhalt gegen Kavallerie sind ja selbst dann nicht zu bewältigen, wenn die letztere in beträchtlicher Mehrzahl ist. Aber Asten war viel zu sehr von dem Wunsche beseelt, die Elenden zu züchngen, als daß er sich hätte entschließen lonnen, chnen aus dem Wege zu retten. Abgesessen!" kommandlrte er. Einige Reiter blieben bei den Pser den, die anderen nahmen unter des Majors Führung den Weg durch furchen, Gräben und hinter Hecken, bis sie glück lich im Rücken dcS Gebüsche waren. Hier sahen sie die Blaublousen zwischen den Büschen schimmern. Asten gab durch Zeichen do Befehl zum Anlegen der Karabiner. Er erkannte unter den Blousenmänncrn den Schielenden, der Jeanne den Vorschlag gemacht hatte ihn zu vergiften Legt an ! Feuer !" Die Schüsse knatterten, und th Wuthgeheul antwortete ihnen., Dazwlschen erschallten wchmerzensschrere und Schreckensrufe. . . Abermals kommandkrte der Major: Auf ! Marsch ! Marsch ! Hurrah ..." Und vor ging es in die Büsche. Die Vlaublousen flohen zurück, wie vom Sturm getrieben. Als Asten mit den Seinen vorging, war nichts mehr von den Franzosen zu er blicken. Wo waren sie geblieben? Die Soldaten blickte verdutzt. Das Gehölz wurde auf das genaueste untersucht, aber man fand nur drei Schwerverwundete, die röchelnd auf dem grasigen Boden lagen. Ihnen war Zein aufklärendes Wort zu entringen, sie gaben den Geist auf, wahrend Asten sie auszufragen versuchte. Hier war der Emschlupf m den unterirdischen Gang, der in seine Wohnung mündete, daS war dem Major gewiß; aber er fand den Eingang nicht. Schließlich ließ er eine Feldwache zurück und begab sich zu seinen Pferden. Im Quar: tier angelangt, berichtete er an seinen Eommandeur, vermied es aber, Jeann und ihre Betheiligung an den verdächte aen Begebenheiten in dem Berichte zu erwähnen. Er war jetzt noch mehr als vorher damit zufrieden, daß er sie fort? gebracht hatte. Nachmittags ließ er di Wache ablösen und begab sich selbst wreder auf's Feld. Nirgends war mehr ein Blaukittel zu erblicken gewesen. Asten ließ nun den unterirdischen Gang von seinem Zimmer aus erforschen; derselbe war lang und theilte sich etwi von seiner Mitte ab in zwei Hälften. Die eine hatte in der That in dem Gehölz, unter Rankengewächs versteckt, einen Ausgang, der andere mündete in einer Grabkammer der Kirche. Hierhin also waren die Blau kittcl geflüchtet und hatten von da auZ sich in Sicherheit gebracht. Sie muß: ten die Schlüssel von Kirche und Grabgcwölbe besitzen. . .. Wenn sie glaubten, daß ihr Geheim, niß unentdeckt geblieben war, konnte sie nach gefaßt werden. . Asten ritt nach all diesen Eutdeckun, gen, .feinen Leuten ein wenig voraus, nach Belle Fontaine zurück, als ein Trupp Reiter ihm entgegensprengte. Es waren preußifcht Ofsizire, Esuleur, wie sich die befreundeten Waffengattun? gen scherzhast nennen. In ihrer Mitt sielen dem Major ein paar Damen aus. Eine derselben begrüßte ihn schon vor weitem mit Zuruf, und er erkannte in ih: Natalie. Sie trug eine weiße Binde mit dem rothen Kreuz, saß gut zu Pferde und sah noch besser darauf aus. Daß sie in Frankreich sei, hatte der Major schon gewußt.aber in diese Gegend konnte sie erst seitKurzem gekommen scin.Nichtweit von BoW' lag em von seinen franzosischen Besitzern verlassenes Schloß, das zum Hospital eingerichtet worden war, und Ästen vermuthete richtig, daß sie dort als Krankenpflegerin eingetreten' sei. Neben ihr ritt ine Amzone."die hübscher, doch eher älter war als sie) und in ihr glaubte der Major die deutsche Fürstin B. zu erkennen, die kürzlich zur Pflege ihres verwundeten Gatten auf dem Schlosse eingetroffen war.. Naialie verließ die Dame und ritt an Asten heran., Wir suchten Sie, " rief sie, um unsere Neugicrde zu befriedigen, denn cS gehen seltsame Gerüchte über Sie um. Heute kam zu uns die Kunde, 'Sie hatten eine junge Dame entführt, eine Dome von außerordentlicher Schönheit, die Sie etliche Wochen lang schon im Oartier versteckt gehalten. Als die Einwohner das entdeckt . . . . Gerede!" unterbrach sie Astem un, angenehm berührt, das Sie hoffentlich als das aufnehmen, was es ist. Ich will den, Irrthum kurz berichtigen: ich brachte heute morgen ein ' junaes Madchen zum Pfarrer von VertummkcrS, das sich, als Alte verkleidet, im Hause, r kn dem ich Quartier genommen, aufge-V halten. AtS ich lhre Maske durchschaut hatte.hielt ich es für unthunlich, sie langer im selben Hause mit uns wohnen zu lassen, und bewog den Geistlichen, sie bei sich aufzunehmen." Ah," sagte Natalke, .das' klingt freilich anders, aber Sie werden Mühe haben, sich in der Gegend von dem Rufe eines Don Juans, den Ihnen die Gcschichte verschafft, zu befreien. Gestatten Sie übrigens, daß ich Sie meiner Begleiterm vorstelle; eS ist Fürstin B...7 Sie haben wohl schön von ihr gehört?Asten ließ sich vorstellen, verabschiedete sich aber bald darnach.' Nataliens Worte hatten ihn verstimmt. Er furchlete, sie würde sich mit seiner Erklärung nicht zufrieden geben und sich von ihrer Neugierde in Versuchung führen lassen, dem Madchen naher zu treten. Und dann, die kluge Gräsin sah sicher auch den Commandeur, es konnte ihr ein leichteZ sein, die Unbesonnene in . gefährliche Anklagen zu verwickeln. Er beschloß, !n nächster Zeit auf Schloß Msnpassier seinen Besuch zu mächen, um die Fäden der Ereignisse wenigstens, wen irgend möglich, selbst in den Händen zu behalten. , , 1 Natalie saß im Schlosse Monpassier in einer Ecke des Krankensaales an Bett No. 12 und horte mit vorgebeugtem Kopfe auf die Worte eines verwundeten Franzosen. Der Mann . war haßlick, 4 !
und schkelke. Er sprach da? schlechte Französisch der Landbewohner und hatte ein unangenehmes Gesicht, welche von gehässigen Empfindungen durcharbeitet war. Er hatte sich vor wenigen Tagen mit zerschossenem Arck im Schlosse gemeldet, um verbunden zu werden, aber man behielt ihn im Lazüreth, weil sich der Knochen des linkeik Oberarmes als-zerfplittert erwies und bald heftiges Wundsieber eintrat. Etf gab an, die Verletzung durch einen Granatsplitter erhalten zu haben, als er unter dem Feuer der deutschen BelagerungZgeschützc über Feld gefahren sei) um Gemüse von La-belle-Fontaine nach Boissy zu bringen. Es war ziemlich gewiß, daß die Behauptung unwahr sei, denn die deutschen Aerzte im Schlosse er klarten die Wunde als vom Schusse eines Gewehres herrührend; aber die Franzosen schwiegen und behielten den Mann. Natalie machte sich besonders verdient um seine Pflege. Sie hatte gehört, daß er aus Belle-Fontaine sei. Jetzt lag eine ihrer weichen, chypreduftenden Hände auf seiner Decke, und sie beugte sich mit gespanntem GesichtSausdruck üher ihn. Er lügt, " keuchte der Mann, ,,'ers nom äs I)ieu, ich kann'S beschwören! Er hat sie im Hause behalten, lange nachdem er wußte, sie sei jung und schon. Erst als das Dorf sich empörte, entführte er sie zum Herrn Pfarrer,' haha! nach VertumnierS, nun ja, wollen sehen, ob er sie dort nicht besucht! Er wird uns eixe Nase drehen, der Preuße! Laero wnnerro! und ich sage, ich, so was sollte nicht geduldet werden! Dann wundern sie sich, die Prussiens, wenn wir sie niederschießen, wo wir sie sinden, auch von hinten her, und wenn wir keine Uniform anhaben!" Beruhigen Sie sich," sagte Natalie, sich zurücklegend, Sie vermehren das Fieber. Und ich versichere Sie, wenn wirklich die Ueberführung des MadchenS nach Boissy so etwas wie eine EntZührung war, wird man dem Herrn Major den Verkehr mit der Schönen verbieten." Sie erhob sich und verließ den Wü thenden; dieser aber hielt, als sie hinaus war, den gesunden Arm vor die schielenden Augen: Den linken Arm haben sie mir zerschossen, aber so wahr Gott lebt, mit dicftm hier will ich ihn niederschießen, den Hund, daß er keinen Knochen im Leibe mehr fühlt! Cre noinde Dien! ich will mich rächen für alles, was ich ausgestanden habe! . . . . " Ein paar Tage daraus saßen die Gräsin und die Fürstin im Boudoir der geflüchteten Marquise und schlürften ausweine? der feinen SevreZtassen, auf welchen buntgemalte NokokoI damen zierlich minaudirten, einen duftenden LiebeSlhee. Die hübsche Fürstin hatte ihren niedrigen Sessel zum Kamin gerückt und spielte mit den seiden beschuhten Füßen auf dem cuif re poli Rande. Die Feuerstelle war mit blühenden Topfpflanzen gefüllt, denn eS hatte sich noch, kein Bedürfniß nach Heizung gezeigt. Schon gepflegte Nosen hoben die duftenden Kelche zu den weitausgebreiteten Blüthenzweigen der bunten Azaleen. Die zurückgelassene Dienerschaft der Besitzer verrichtete freiwillig ihre gewohnten kleinenDienste ,seit sie gesehen, daß es sich mit den fchrecklis chen Prussiens ganz gut leben lasse. DaS Gemach sah sauber .und wohnlich aus, und ein Eintretender hatte denken Un nen, die beiden Frauen darin saßen be hazlich im eigenen Heim; denn nur die Binden mit dem rothen Kreuze erinner-
ten daran, daß sie Ernsteres hierher ge-' führt hatte' als die angenehme Pflicht,' einen usgefuchr schönen Aufenthaltsort durch ihr Verwelken noch schöner zu gestalten. Es war der Nachmittagsthee, den beide zur gemeinsamen Erholungsstünde einnahmen, und der ihnen Gelegenheit zu mancher kleinen, "intimen, boshaften Bemerkung gab. Die anderen" Mahlzeiten theilten sie mit den übrigen Pfle aerinmn und Aerzten, um den Kranken keine helfenden Kräfte zu entziehen; um so mehr genojstn u diese kleine, besondere Feierstunde. Beide waren heute besonders anfgelegt und plauderten von hundert Dm gen, wahrend sie an ebensoviel andere dachten. Der Herr Major von Asten fragt, ob er seine Auswartung machen dürfe?" meldete ein eintretender Diener. WaZ meinen Sie? fragte Natalie in gleichgültigem Tone, empfangen wir ihn?" ... Gewiß, es ist doch eine angenehm, Zerstreuung. " Der Major trat ein. Natalie dachte, er sei !m Krieae noch schöner geworden, und ihr schnellschlas, genoeg zerz orangke lym entgegen. Seine hohe, prächtige Gestalt, der ernste, dunkelbartige Mund, die schonen, ausdrucksvollen Augen so sehr sie rr , . aues lm eoacyinift genagen, zetzt ram s ihr vor. als habe sie nur ein verblaßtes Bild von der Wirklichkeit in sich gehabt. Und wie warm sein Gesicht wurde, wenn er sprach f. .. Er machte auch auf die Fürstin Eindruck.. .. Ja, er war ein Mann, den zu gewinnen man sicherlich alles daran setzen konnte. Aber diese schöne Dörflerin, diese Jeanne l Natalie wollte sie gefährlicher als einik Friederike scheinen. Führte doch zur Verbindung mit ihr ein von Gefahren bedrohter Weg. Und Natalie wußte, daß ein solcher tausend Reize mehr bot,als'eln gewöhnlicher. : Asten seinerseits betrachtete die Grasin hente gerade mit einem freundlicheren Anerkennen ihrer , Vortheilhaften Eigen'chaften. ,, Sie ' kam vom Krankenlager und sah' in dem einfach vornehmen,' dunklen Kleide der Pflegerin frisch und an;ieheud auS, als ob sie von ihrem Toilettentische käme. ,Auch zeigte sich hier Deutlich, daß sie die vornehmste Umge'iung vertragen konnte. Die Räume dcS Schlosses wu?en außergewöhnlich 'chön. Dieses llelne Boudoir lag im Thurme, , dessen Fenster wie. diejenigen Astens eine prachtvolle Fernsicht auf das öelaaerte Paris, gewährten. Mn stieg
zu ihm vermittelst Marmorstufen an einem Saale, der noch aus der Frontseit;
des Breitöaue lag. Die Thüren nach dem Saale hin waren geöffnet und ließen dessen goldverzirte Seidentapeien. mächtige Wandspiegel und zwischen ihnen große, werthvolle Gemälde sehen. Das Boudoir selbst war nur durch ein einzig ges Bild geschmückt, aber ein so meisterhaft gemaltes, daß es fast unmöglich schien, die Blicke von ihm zu wenden. Es stellte eine modern gekleidete Frauengestalt bar wahrscheinlich die Besitzerin des Schlosses, die unter einer nur halb zurückgenommenen Portiere von dunkelbraunem Sammet hervorzutreten schien. Mit dem gleichen Sammet waren die Wände des Gemaches uusgefchlagen. Die Dame aus dem Bilde trug ein röthlicheS Kaschmirkleid und richtete ein paar dunkle Augen in das Zimmer, Augen von eine? ausdrucksoollen Tiefe, einem gluthvoll traumenden Schimmer, die auf den Besucher den größten Eindruck machten. Es berührte Asten seltsam, daß dies Augen mit jeder Minute eine deutlicher Aehnlichkeit mit denen von Jeanne annahmen. Nicht, daß diese immer s blickten, aber sie konnten sicher so aussehen.... Oder war ek das ganz, bräunlichblasse Gesicht dieser dunkeläugien Schönen, das ihn an die Pa riserin gemahnte ? Die Frage beschäftigte ihn dauernd, während er mit den beiden Damen plauderte, und es kam eine Unruhe über ihn, ein Verlangen, Jeanne zu sehen, das vorher nicht empfunden hatte. AllerHand verrückte Gedanken neckten ihn: Wie, wenn nun Jeanne die Besitzerin dieses Schlosses wäre und sich nur im Dorfe versteckt hätte, um nicht zu weit von ihrem Besitze entfernt zu fein? Auf der linken Seite deö Bildes wak ebenfalls eine zurückgeschlagene Portiere, und unter dieser sah man in eine Kapelle; es war eine Miniaturnachbildung der be: rühmten Grabkaxelle der Medicäer mit Michelangelos ernstmirkenden Statuen, dem jugendstarken Morgen, der gewalti, gen Nacht eine wunderliche Idee, sa wunderlich wie die, daS Bild de? Besitzerin gerade an diese Stelle zu hängen. Es machte den Eindruck, als wollt sie die Wegweiserin zu den düstere Grabmonumenten sein. Der Major brach seinen Besuch fr5, her ab, als es in seiner Absicht gelegen. Er hatte sich unter der Wirkung bei Bildes entschlossen, Jeanne heute noch zu besuchen. Von Monpassier nach Boissy ritt man etwa eine halbe Stunde; eS war noch hell, nichts hinderte ihn, seinen Entschluß zur Ausführung zu bringen. Als er im Sattel saß, verflüchtigten sich allerdings schon sein Vermuthungen, und es blieb nur daZ Bestreben, durch raschen Vergleich zu ergründen, ob daö Mädchen dem eindruck'Zvollen .Bilde wirklich ähnlich sähe? Ei spornte also sein Pferd an und ritt in der Richtung von Vertumrners. y Natalie tret oben an's Fenster und beobachtete, welchen Weg er nehmen werde. Er ritt nach Voissn. . .. Ihr .Blut stieg plötzlich stürmisch in die Schlafen.. .. Was hatte ener Schien lcnde aus Belle-Fontoine gesagt? Wollen sehen, ob er sie dort nicht besucht?. Die Grasin eilte in den Schlsßhof, befahl ihr eigenes Pferd, warf ein Reit. klew über und ritt hinter Asten her. Sie folgte ihm ohne viel Ucberlegung, nur ihrem ungestümenWillen nachgebend. Die Straße lag vereinsamt da und bot dem Blicke, so weit er reichte, eine menschenlose Gegend. In den Bäumen am Wege hingen dicke Bündel reifer Pflaumen, die an den Zwergen trockne ten; nur Spatzen lärmten in diesen und hielten in ihnen und den zrünen Maisseldern reiche Ernte. Wo man sich einem Vorse näherte. war alles niedergelegt: herrliche, breitkronige Eichen, Platanen, Weinberge und Hopfengarten, damit die Geschosse frei ihr Ziel erreichen konnten. Die Graben waren zugeschüttet, die Wege breiter gemacht, damit vie Artillerie ungehindert vorrücken konnte. Von den Höhen leuchteten gelbe Wachthauser aus troy, welche Ooservanonsposten bar gen; auch Fanale von Stroh glänzten an hohen Stangen; sie sollten, in Brand gesteckt, den Deutschen ein flam knendes Zeichen geben, sobald der Feind die Forts verließ und sich nach außen bewegte. Alles dieses und so manche Brandstätte, ,d:e oft mitten ,n den Feidem fahl und schmutzigbraun mit schwärzlichen Holztrummern dastand. sprach deutlich genug vom Kriege und von der sinnlosen Art, wie ihn die Freischarler führten. . Natalie waren das alles längst, bekannte Dinge; sie hatte nur ihr Ziel im Sinne und berechnete, wie lange sie brauchen wurde, um es zu erreichen. Sie mußte dieVorstadt VertumnierS und des Pfarrers Wohnung in ihr erfragen; das konnte aufhalten. Und nachher?.. Ein Plan wechselte mit dem anderen in ihr, während sie bisweilen nach ihrem Revolver fühlte und eilig auf der einfamen Straße dahinritt. Asten war unterdessen schon am Ziele. Er band sein Pferd im Pfarrhofe an und wollte eben in das Haus treten, als es ihm schien, als erblicke er ein Frauengewand auf den Wegen de3 Gartens. Er begab sich in denselben und traf Jeanne. Sie hatte wohl" den Huf schlag seines PserdeS gehört und eilte ihm mit dem Ausdruck gespannter Erwartung ln den - großleuchtenden Augen entgegen. Las Asten nicht etwas wie den Widerschein kommender erschreckender Ereignisse . in ihnen? War nicht dieS ganze, bleiche, schöne Gesicht, das ihm unter dem dunklen Laub der Bäume erregt entgegenleuchtete, eher noch das' einer 'Somnambule als daS einer Meduse? DaS siel Asten plötzlich ein, und der Anblick des feinen Kopfes weckte eine eigenthümliche Beklemmung in ihm. Die Ruhe ihrer Sprache stand übrigens, nicht im Einklang mit dem schreckhaften Sinne der Worte. - !, Warum kommen Sie?" fragte sie herb. , . 5 . ,
, Weil eS mich drängte zu sehen, kt Sie sich hier eingelebt haben." ! Was sollte sich hier geändert haben? Mich fesselt an die Menschen hier nur ein Band, wie mich in Belle-Fontaine nur eines an sie gefesselt hat." Das thut mir leid", sagte er bedauernd. Ich hoffte, Sie würden bei diesen guten Menschen eine Heimath sinden. Gute Menschen? Wer sagt Ihnen, daß sie es sind?" Der Psarrer ist es. Ich glaube ihn zu kennen." Er ersteht mich nicht," murmelte sie. Kind," sagte er voll mitleidiger Wärme, wollen Sie nicht lernen ihn verstehen? Glauben Sie nicht, daß ein Mensch, der ein ganzes Leben in Entsagung verbracht hat, wie dieser alte Mann, werth ist, daß Sie es versuchen, sich in sein Herz zu sinden?" Er ist ein Mann von kleinen Tugenden," sagte sie mit ihrem verächtlichen Zuge dcrLippcn, aber es gibt eine große Tugend, die gemacht ist, um alle kleinen zu verschlingen. Der Gott, dem ich diene, duldet keine Götzen neben sich." Der Major betrachtete sie eine Weile schweigend. Was war mit ihr oorge gangen? Sie schien hier eher schlimmer als besser geworden zu sein. Wo ist er jetzt?" fragte er endlich. Ich meine den Pfarrer." Bei feinen Krankenbesuchen, wü immer, wenn er nicht bei seinen Amts: geschäften ist. " Ja, wie immer! auf dem Wege d Christenliebe, der Pflichterfüllung. . . . Jeanne, es sind schöne Wege. . . . Wege, welche dünkt mich am meisten füi die weichen Schritte der Frauen geschafsen sind.: .. Wer nicht die Kraft hat, andere zu gehen, mag auf ihnen bleiben." Wieder entstand ein Schweigen, während dessen der Major einen Zweig von dem Apfelbaum über sich brach und ihn nervös zerknickte. Wüßte ich nur eine Stätte, wo Ihr Herz sich weiblichen Gefühlen offnen möchte!" rief er schließlich heftig, wo Sie lernen könnten. Weib zu sein!" Eine Vlutwelle schoß ihr in's Gesicht,
und ein leidenschaftlicher Schmerz ver dunkelte ihre Augen, daß er erschrack und seine Worte bereute. Sie blickte mit dem dunklen Blicke aufmerksam in die Ferne. Sie ist krank," dachte Asten, ihr Nerven, vielleicht auch ihr Herz arbeiten nicht wie gesunde Organe. Darum ist nicht mit ihr zu rechnen." Er ward in diesem Gedanken nur noch bestärkt, als sie plötzlich seinem Arm umschlang. Retten Sie sich! Eilen Sie, Unglücklicher! Zu Pferde! Reiten Sie! schnell! schnell! schnell!" Und als Asten eine Bewegung machte: Mein! es nützt nichts mehr! Zu spät! .... Almächtiger, kein Ausweg! keine Hilfe mehr!.. .. " Ob sie Anfälle von Wahnsinn hatte? Dem Ossizier kam der Gedanke wie im Fluge, da sie ihn mit beiden Händen packte und ihn mit einer Kraft, die er ihr niemals zugetraut hatte, mit sich riß. Ganz nahe befand sich ein kleiner Schuppen, in dem gespaltenes Holz und Gartenwerkzeuge aufbewahrt wurden; dahinein drängte sie den Mann, neigte ihr Gesicht zu ihm und flüsterte: Rühren Sie sich nicht! Ziehen Sie den Mantel fest um sich und halten Sie die Thür. Sie schließt sonst nicht! Und keinen Laut! keine Bewegung, um Gottes Barmherzigkeit willen! Um alles, was Sie lieben!. . . . Um meinetwillen! Sie dürfen hier bei mir nicht gefunden werden! " Er fühlte ihren voll? Arm an seiner Brust, als sie einen, Klotz, der über ihm hing, zurückzerrte, fühlte ibre Wange, die, seltsam kalt, eine Sekunde lang an seiner Brust lag, und er wußte: das war nicht Wahnsinn, der so handelte das war Gefahr.. .. Welche? Darüber kehrte seine ganze Kaltblütigkeit zurück. Er hatte seinen Revolver im Halfter. . . . Das verwünschte er, aber sein Pallasch sollte es jeden bereuen lassen, der etwa versuchte, ihn" anzugreifen. Jeanne hatte unterdessen ' die Thür von außen durch ein dagegen gestoßenes Stück Holz verschlossen sie war ersinderisch in allem Schrecken , doch ein Spalt blieb zwischen Nahmen und Pfosten, der den Eingesperrten .gut sehen ließ, was draußen geschah. , Jetzt flog Jeanne in den Hof und dg allem Anschein nach sein Pferd; wahrscheinlich im Stalle des Pfarrers, denn er hörte die Hufe des Thieres polernd über die Sch welle treten. Gleich-" zeitig erklang der Schrei eines Uhus in geringer Entfernung und wurde in kurzen Pausen dreimal wiederholt. DaS war ein Signal, das vermuthlich bereits vorher ertönte, von ihm aber überHort worden war .... Nach einigen Minuten klangt es näher .. ..- Nun kam auch Jeanne zurück, und über die Maulbeerhecke, die den Garten einzäunte lugte ein Kopf. Won allen Seiten schlichen männliche Gestalten herein, und es dauerte nicht lange, so war der Garten gefüllt vonBlousenmannern. Sie dräng en sich um Jeanne. Asten zählte etwa dreißig. Es erschien ihm eine unglaubliche Keckheit, ' daß die Leute eS wagten, hier im Garten des PsarrrerS, in einer Vorstadt, die von deutschem Militär besetzt war, sich heimlich zu versammeln. ES ließ sich das nur durch den Umstand erklären, daß der Hof des PfarrerS eines der letzten Gebäude war und keine Einquartierung in ihm lag. Ein paar Zimmer, die der Geistliche zur Ausnahme von Kranken angeboten, standen noch leer. Der Major wV gespannt zu sehen, was die Leute unternehmen würden. Es waren meist ältere Manner, und die, welche jung waren, hatten irgend eln körperliches Gebrechen. Asten kam eS vor, als habe er einige Gesichter be, reits in Belle-Fontaine gesehen. Alle fäwMelten sich um die Steinplatte des Tisches, der unter einem Apfelbaume stand. Zuerst trat ein älterer Spreche? vor. (Fortsetzung folat.)
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Ein ScheiVunsAgruuv.
Bei einem Budapester MdokakeT erschien dieser Tage ein sehr nervös erregter Herr und erzählte, hastig wie tu Fieber: Ich will nnch von meine? Frau scheiden lassen. Nicht nur von Tisch und Bett, sondern ouch vom Klavier. Meine Frau ist musikalisch und sie macht mich wahnsinnig durch ei förmlich abgefeimtes System, mein Eifersucht zu wecken". Der Advokat schaute den Sprecher mtötrauisch an. Der Mann schien nicht recht bei Trost zu sein. Ah, Sie glauben, ich sei schon wahnsinnig erlauben Sie, daß ich weiter spreche und Sie von Ihrem Irrthum überzeuge.... Daß mein Frau Klavier spielt, wäre ja an und für sich kein Unglück, und daß sie mit Vor liebe leichte und seichteste Musik spielt, ist nur ein Milderungs gründ, aber meine Frau citirt fortwährend musi kalische Sätze, die mich zur Verzweiflung bringen. Uns gegenüber wohnt am lich ich bitte Sie, um Gvtteswllle, Herr Do?tor. lachen Sie nicht! ew zweites Klavier. Der Tastmdrescher es kann nur ein Mann sein! ant wortet auf jede musikalische Phraf meiner Frau; da leider auch ich in mei nem Leben schon zu viel Musik gehört habe, verstehe ich jedes Wort, um nicht zu sagen jeden Ton. Den Anfang der Conversation machte vor etwa zweZ Monaten Abts Gute Nacht, Du mein herziges Kind! Denken umw Uh Abends Gute Nacht, Du mein herzZ. ges Kind !" Allein damals fiel mir dit Sache gar nicht auf und ich Narr be merkte noch, wie hübsch der K.... spiele. Am nächsten Tage wurde das Kla vier kühner und mit einer empörenden Frivolität begann eS: Hab' ich nur Deine Liebe, die Treue brauch' ich nicht...." Meine Frau, welche gerade eine Ariette aus MamzeUo Ni tcmclie" verarbeitete, brach dieselbe plötzlich ab und versenkte sich iu daS Studium des Trompeterliedes : Behüt' Dich Gott, eS wär' zu schön gewesen!" Ich war förmlich gerührt von diesem Ausdruck der Entsagung allein mein Naturell, ohmdies dem Mißtrauen zuneigend, gebot mir, auf der Hut zu sein und nickt nur die Augen, sondern auch die Ohren offen zu halten. Eis paar Tage spater komme ich nach Hause, es war bereits finster, und erhorche einen gar kuriosen musikalischen Dialog. Aus dem Fenster meiner Wohnung er klingt süß und lockend das Lied au? dem Vice-Admiral" : Geh' wir in den Garten, Amor mischt die Karten, und im Moment darauf kommt die Ant wort des visa-vis, die Serenade aus Don Eesar": Komm' herab, ola donna Theresa!" Jetzt hatte ich Klarheit. Ich faßte unter dem Hausthor Posto und wenige Secunden darauf befand sich Jemand, an dem ich meinen Grimm ausließ, zwischen meinen Händen. Es war nicht der Nichtig. Ich griff zu dem altbewährten ÄuskunftSmitiel der Elsersüchtigen und schützte eine Reise vor. Nach rührendem Abschied vcn meiner Frau, die mich (um ihre Stchcrheit) besorgt zum Bahnhof begleitete, kehr! ich auf Umwegen nach der Stadt zurück und der Abend der gräßlichste meines Lebens fand mich wieder auf der Lauer. Und das Schreckliche ward zum Ereigniß. In meiner Wohnung wurde vierhändig gespielt. Erst aus dem Waffenschmied", das höhnische Stro phenlied : Das kommt davon, das kommt davon, wenn man auf Reisen geht" und bald daraus aus Nauon" der Refrain deZ Couplets: Ja, das übt sich und das giebt sich, und man lernt's mit der Zeit ! .... " Nun war meines BleibenS nicht langer unten. Ich stürzte hinauf, trat unhöflich, wie Ehemänner zuweilen sind ohne anzupochen in'S Zimmer und sehe. ..." Was, um deS Himmels willen?" Nichts! Und das war ganz besonders verdächtig nach der vorhergeingenen Uebung zu vier Händen. Meine Frau war außer sich vor Freude, wie sie sagte, vor Gewissensbisse wie ich wußte, ich suchte und forschte in allen Ecken, hinter allen Vorhängen nichts. Inmitten der wilden Jagd ertönt plötz lich von draußen eine Männerstimme und singt: Mit Hornern eine Ehe mann NichtS Schon'reS man sich denken kann. ..." Kein Zweifel mehr: ich hatte diejenigen Bkasinstrumente aufgesetzt bekommen, die man gemeinhin Hörner nennt. Ich verbrachte eme furchtbare Nacht uns heute muß ge schieden sein ! .... " Der Advocat hat die Vertretung angenommen und die Scheidungsklage eingereicht: ob aber seine Expensnoten, wie man in Oelter reich dle Liquidationm der Rechts anwalte nennt, dazu beitragen werden, in das Gemüth deS Clienten die Har mon'e wiederherzustellen, muß abze, wartet werden. Abgeblitzt. Der General ton Soundso ist äußerst wortkarg und hat nebenbei em schlechtes Gedächtniß für Personalien, besonders bei JnZpectionöreisen. Ist ihm da ein Ofsicier vorgestellt worden, beim nächsten Be gegnen richtet er an ihn dieselben Fragen, wie das erste Mal, und zwar: Wie heißen Sie?" Mein Name ist von Fuchs, Excellenz!' .Von welcher Linie?" -AuS dem Hause Reineckenthäl, Excellenz!" Hm, hm ein Sohn von dem verstorbenen Oberjagermeister, wie?" Zu Be fehl, Eure Excellenz!" Wie sich da? nun zum dritten und vierten Male wiedcrholt, glaubt der junge Ossicier. dem Vorgesetzten bei dessen Wortkargheit höflich die Sache erleich .r.t zu müssen, antwortet also auf die Frage: Wie heißen Sie?" in einem Zuge: Exeellenz, mein Name ist von Fuchs. aus dem Hause Reineckenthäl, ein Sohn , r ,. rr - , . t von oem veruoroeneir oermgerme ster. IreuDönnerwetter!" schnauzt ihn der sonst so wohlwollende , , '.t fit .orpscommanoeur an uave iqj i danach gefragt?" Noth brich ? Ei s Ab? U be! selten welches.
