Indiana Tribüne, Volume 15, Number 2, Indianapolis, Marion County, 20 September 1891 — Page 7
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VttznglssischtS. RkiseP'.agörr.'l dsb al (SrejtNiial. Erschrick nicht, werther Leser, cfc Itl gelehrt aussehenden Titels! Es ist sei neswegs unsere Absicht uns hier in wissenschaftlichen Erörterungen über die Bewohner ferne? Länder zu ergehen, eö soll nicht cen den Vottsstämmen des schwarzen Erdtheils, von Kaffcrn, BuschMännern, Vetschuanen und wie sie sonst heißen mSZen, ode: rou den ro mantischen LeSerstrumpfhelden der aMerikanischen Prairie die Rede sein. Zu unseren ethnologischen Jorfchungsreisen bedarf es keiner langen Seefahr ten und seiner verwegenen Züge durch unerforschte nd ancivilisirte Gegenden. Wir können solche Studien schon uf dem Boden unseres hennischen Erdtheils während einer kleinen Sommer- und Badereise machen, was viel bequemer und tjrx Allem weniger gefährlich ist. Aber freilich: eins ist dazu nöthig. Man muß nämlich beobachten, und das thun mele Leute auf der Reise gznz und gar nicht. Sie steige bei der Abfahrt in's Coupee, drücken sich in ewe Ecke, werfen hin und wieder einen ge langweilten Blick auf die Gegend falls sie nicht vorLietzen zu schlafen und stei gen m Ziel aus, um schleunigst ein Hotel aufzusuchen, wo sie ganz dieselben Leute antreffen, die sie zu' Hause täglich zu sehen gewohnt sind. Änf die v erschicdenen LolkZtupcn, die ihnen begeg nen, auf . die .Emgeborenen der Gegrad, in der sie ihren Sommeraufent'halt nehmen, ode? die sie als Touristen durchstreisen, achten sie wenig oder gar : nicht. Und das Beobachten ist doch gerade das Interessante muf der Reise, das. was den eigentlichen Genuß ge- : währt. Nicht nur die Landschaften sind febenswerth und haben überall ihren eigenen Charakter, sondern auch die Bewohner, und wer sich einmal die Mühe, gibt, auf solche Besonderheiten b';r Volkstypen, die ihm begegnen, einige Aufmerksamkeit zu verwenden, der wird darin ein interessantes und unterhaltendes ethnologisches For fchungsgebiet" finden. Unsere alles nivellirende Zeit hat freilich die änderen Unterschiede der einzelnen Volks'tämmL, in Trachten, Sitten und Geb.'äächn stack i eranfcht, in ga:; Europz bercscht, wenigstens aus den gcoizen Verkehr w:gcn und in den großen Stätten ei u internationale Gleichförmigkeit in dieser Bezichunz. Zlb Bo!ks:rzch:eu urd Äolkssttten zu . beobachten, erfordert auch schon einige Mühe und Aufmerksamkeit, nicht Jeder hat d:;u Gelegenheit und Zeit. 23al jich aber jedem Reifenden fortwährend ' im selbst austrängt. ixti was er ohne Mühe beobachten kann, das sind die Volks charaltere, die Art und Weise der verschiedenen Volksstämme und Natio- . nen in Sprache, Ausdrucksweise, .Zcm- . perament, in ihrem ganzen Wesen und Bcnchnzen, und das ist ein Beobacht tungsgebiet, welches den Vorzug hat, , nebcn dem Intereanten und Belehrenden auch mitunter recht antüsant zu sein. Bei manchem ganz kurzem, all' täglichem Gespräch, bei emer Auskunft au? irgend eme glerchgnnge Frage äußert sich die EigenaLl des Volkscharatters oft in ü b errasch mder Weise. Wir besteigen irgendwo .in Nord.deutsckland einen Schnellzug. Ein Schaffner von militärischem , Aussehen erscheint in der KoupethÄr: 2ie Billets, bitte!" Eilig .und schweigend durchleckt er die überreichten Fahrkar ten. ..Muß ich nach Ä. , umsteigen?" fragt ein Reisender. Jawohl, nächste Etatienl- . erwidert der 'Beamte mit dieustlicher Kürze und wirft. die Thür zu. Einige -Stunden später befinden wir . uns im .Sachsenlande snd . vertrauen . uns einer steinen SeZmudärbah an. Auf der-ersten Haltestelle öMei sich die Thür und. der Schaffner .tritt, ein, mit so vergnügter Miene, als wolle er uns . eine besonders erfreuliche Mittheilung , machen. .. 31 bttte ich die Herrschaften, :rni? emol schnell die Billette vorzuzeigen. Mir homLie nehmlich gor keene Zeit, '-der Zug h?:-sich zehn Minuten. verspa.det, un es is.die hächste Ei!?. . ...Soo, .do hommervier, fünf, sechs Billete- . -scheene..-." Uudz während er mit .größter Scelenruhe knipst, beantwortet .er die Frag?. eines Reisenden aufs Umsständlichste: ..Nach L. wollen Se?jJa. ?heeren Se, towären Se aber doch des'Zer mit lea nächsten Zuge gefahren. 'Mir. hoben Sie nehmlich in M.,eene 'kleene SrunisÄufenthalr, und mt dem .anderen Zuge do wären Sie .gleich ,durchgefLhrer ...... Mat 's geht uioch .jk...! 52 1 Haien wir. ein Stückchen Kolks .charakter im Eisendahnzuge! Die atö Here ober geringere Redseligkeit und Wittheilsamkeit-ist häufig ein deutliches UntercheidunzsMerkmal' Ar verschie henz VolkscharaAere. Der derbe Bayer der kernige Westft:!, der heitere bewegliche NheinlänX, .der smerfällige Pemme?, sie alle haben in ihrem Weses eigczttbümliche Zuge, .die häufig schon bei cmzm kurzen Gespräch hervortreten.' Wie verschieden kuitet die Antwort, wenn wir einen Siid.eutschenoier einen RorddeMschen, eine Sachsen odereinen Bewohnsc der Seetüfte als Fremde nach des Wege fragen Ton der kurz, angebuudctn, an Grobheit streifenden Art manche Seebären der Kustenbevölkuung bis der wortreichen HSichZeit des gemüthlichen Sachse und dem treuherzigen, Mtgegenkommenden Wejtn des Schwaben sineen sich sät 5j liche Abstufungen vertrete. ?ie Hostichceit ' ist besorckaö ein charaltttistiiches Kennzeichen gewisser Volts ei;enthüml!chkeiten. Man kann in dieser Beziehung merkwürdige Gesetze bccbachten. Je mehr man nämlich aus denjenigen Ländern Europas, 'wo ein freier, selbstbewußter Bauernstand seit Jahrhunderten vorhanden war, sich dem slavischen Osten nähert, wo die Leibeigenschaft noch ihre Spuren zurück gelassen hat, wo der gemeine Mann von früheren Zeiten her noch gewohnt ist, in jedem Höherstehenden einen .Herrn" zu jehen. desto mehr nimmt die äußer,
"nranar
liche Höflichkeit zu. und wie charakteristisch Z-destv geringer wird ihr innerer Gehalt, desto geringer wird die Ehr lichleit! Wie kernig grob, aber wie ehrlich ist mancher Bauernstand Norddeutschlands. wie demüthig 'Unterthänig und wie ver'chlazen heimtückisch ist der Wallache, der diebische Zigeuner des Magyarenlandes und andere Volkstyp?n des östlichen Europa'. Mache? wir einmel, um diese Erscheinung zu verfolgen, eine Reise im Gedankfluge vo Norwegen durch Deutschland über Ungarn nach dem Orient. In Norwegen werden wir in Bezug auf Höflichkeit nicht verwöhnt. Der stolze Bewohner des Rordlandes verschwendet kewc Worte, c? ist gelassen und sweigsam, er verschmäht unnüye Redensarten. Jedermann behandelt uns schlichlwez als seines Gleichen; der Stolz des Norwegers ist ein demokratiÄer, im G?geniatz zum Spanier, der aristokratischen Stolz besitzt. Zahlen nur einem ! einfachen Manne aus dem 'o!ke seinen Loh für einen geleisteten Dienst aus, jo reicht er unZ zum Dank die Hand. Anmaßung und hochfahrendes Wesen tmponiren ihm mcht. Keme Spur von heuchlerischer Höflichkeit, Unterthänigkett und Katzenbuckeln um Verdieüst und Trinkgeld. Aber welche Ehrlichkeit, Geradheit und Aufrichtigkeit! Man kann dem Norweger bei der Bezahlung uvdesorgt das offene Portemonnaie hw' hakten mit der Aufforderung : Bitte, bedienen Sie sich !" Er wird sich nicht mehr nehmen, als ihm zukommt. Jetzt setzen wir unsere Reise in südlicher Richtung fort. Der äußerliche, rein förmliche Ausdruck der Höflichkeit im Verkehr nimmt zu. In Deutschland steht 'derselbe bereits einige Grade höher, obgleich er in den Augen eineZ ilesterreicbers besonders im nördlichen Deutschland immer noch recht gering ist. Ein Wiener, der die deutsche ReichsHauptstadt besucht, ist fast regelmäßig erstaunt und entrüstet über die Unhof lichkeit und den mangelnden Eiser der Bediensteten. Kellner und Hotelpersonal, ja selbst die Gastwirthe scheinen ihm ungs'chliffen und grob ; man ist innerhalb der schwarzgelben Grenzpfähle anspruchsvoller in bis scr Beziehung. In Oesterreich empfängt Ms denn auch tm weiteren Verlauf unserer For schüngsreise" eine reiche Blüthenlese von Redewendungen der Höflichkeit, der Unterthänigkeit und des Diensteifers. Wir tragen einen anständigen Rock: das genügt, um uns in den Adelstand zu ergeben; heißen wir einfach Müller oder Schulze, so werden wir setzt Herr von Müller", .Herr von Schulze" angeredet. Wendungen wie Gnädiger Herr", Küß die Hand", Was befehlen Euer Gnaden" umschmeichelnunser Ohr. Wir durcheilen Ungarn. Hier herrscht im Allgemeinen derselbe Verkehrston wie in Oesterreich, nur bringt das stolze Wesen des Magyaren noch mehr als dort ein demüthiges Wesen bei den Niedrigerstehenden mit sich. Der Slovake der Karpathen zieht den Hut, wenn wir ihm auf der Landstraße begegne, die Anrede .Euer Gnaden" klingt uns bald ganz bekannt, in dem gutgekleideten Reisenden sieht der Zigeuner den .szraiicl seljrneur, den gnädigen Herrn", der ihn zwar schlecht behandelt, aber unter Umständen auch gute Trinkgelder gibt. Es sei hier gleich das interessante Gesetz constztirt, daß mit dem Zunehmen der Höflichkeit und dem Abnehmen der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit das Drinkgeld wachst! Wir haben dasselbe auf unserer Reise von Norwegen nach .dem Orient, dem Lande des .IZaKsoliisell", fortwährend zunehmen sehen;, die Ursache dieser Naturerscheinunz zu ergründen, sei den Gelehrten
'vom tzach überladen. Das ostliche Europa mit seinen ,in-tereffanten-Völkerschaften ist erreicht. Die .Unterthänigkeit und Demuth, die 'in der Svrache des Verkehrs der gemeine Mann dem Höherstehenden an iden Tag legt, kann uns nicht darüber , täuschen, daß die Ehrlichkeit einige Volksstämme ausgenommen im All.gemeinen nur gering ist. Während man unseren Ohren mit Redensarten schmeichelt, werden wir blutig über .eben dieselben gehauen falls man so unvorsichtig ist, dergleichen heuchlerische Reverenzen für baare .Münze zu nehmen. Dem groben Nor'weger konnten wir unbedingt Vertrauen schenken, .vor dem kriechend Unterthansgen Wallachen find wir auf unserer Hut. Der Erstere behandelt uns als seines Gleichen, der Letztere nimmt uner allen Umständen eine Tracht Prügel in Empfang, ohne dabei eine andere Empfi idung Ku verrathen, ulS vermehritvt Respect. Unterwürfigkeit ist ein charakteristischer Zug vieler Völkerschaften des süd.östlichen Europe, aber auch wo sie, wie bei dem Ariechen, mehr als Höflichkeit im besseren Sinne erscheint, dürfen wir ihr nicht trauen: eS steckt gelten Ehrlichleit dah nker. Eine Ausnahme macht der Rumäne, dem eine gewisse ehrliche Aufrichtigkm eigen ist Ein würdiges, selbstbewußtes Wesen finden wir erst wieder bei tem gemessenen und ernsten Türken. Liebenswürdigkeit und HSssicbknt ist bekanntlich ein Charakterzug desFran zosen. , Hier finden wir einen eigenthümliche Unterschied zwischen den franzö fischen Umgangsformen und jener Höflichkeit, deren Zunahme wir bei userer soeben unternommenen Reise nach dem südöstlichen Europa ftstgestellt haben. In Frankreich behandelt auch der Höherstehende den unter ihm Stehende höflich; die Höflichkeit ist eine demokratische. Im Cafe ruft der Franzose: Garcon l'addition, 'il vous plaitl jedem Wunsche fügt er das Bitte hinzu. Der Oesterreich, der Ungar schlagen dagegen in solchem Falle den Befehls ton an, die Höflichkeit ist Sache des Niedrigerstehenden: noch mehr gilt das in Osteuropa, Der Wiener ruft tejftetIH
her! und dieser antwortet: WaS befehlen? Wie sehr die abweichenden nationalen Cbarakterzüge dem Angehörigen eines andersgearteten Volkes an einem Fremden aussallen, kann man häufig an Orten beobachten, wo ein internationaler Fremdenverkehr herrscht. Es ist dekannt. wie unsympathisch dem Süddeutschen vielfach das satirische, skeptische, dabei kühlere und absprechende Wesen des Berliners ist, während das ungezwungene SlÄgehenlassen des Ersterer. wieder auf den Norddeutschen leicht den Eindruck der Nachlässigkeit und Schlaffe heit macht. Der ruhige Skandinavier findet den lebhaften Italiener unverständig und lächerlich; der ernste Türke balt den Westeuropäer, der seinen Empfindungen Ausdruck zu geben gewohnt ist, für eralttrt und unmännlich. Was bie einzelnen Nationen an einander auszusetzen haben, lehrt ein Blick auf die humoristischen Bilder, die sie von einander als Typen entwerfen. Oft kann man auf der Reise komische Scenen beobachten, wenn verschiedene Volkscharaktere im Verkehr zusammentreffen. In einem kleinen norwegischen Gasthof war ich Zeuge einer Unterredunz eines französischen Ehepaares mit dem unerschütterlich phlegmatischen Holelwirth, Die lebhaften Franzosen wünschten irgend eine eilige Auskunst und schwatzten und gestikulirten dermaßen auf den fchweigsamen Nordlän der ein, daß dieser schließlich wie betäubt war. Sein besänftigendes Mais, Monsieur," tönt mir noch in den Ohren ; weiter kam er nie, denn kaum hatte er bedächtig diefe beiden Worte seines wenigen Französisch an den Tag gefördert, als die Franzosen mit einer neuen Explosion dazwischen fuhren. Nachdem sie sich endlich entfernt hatten, athmete der Norweger erleichtert auf und schüttelte mit einer außerordentlich komischen Bewegung das Haupt, einer Bewegung, die deutlich sagte: Nein, solches Geschwätz ist mir noch nicht vorgekommen!" Und draußen vor der Thür sagte Madamo" zu mir ganz indignrrt: Dieser Hotelwirth ist eil, Stocknich!" Noch einmal sei eS zum Schluß wiederholt: Wenn Jemand eine Reise thut, so echte auch auf Volkstypen und Volkscharaktere ein wenig, und er wird eine Anzahl amüsanter Beobachtungen machen, denn der Mensch ist überall verschieden, so verschieden wie die Land schasten, die er bewohnt. Eine Reise um die Welt auf dem Zwcirad.
In dem sechsten Congreß der Rad-sahrer-Union in Berlin war auch d-r Meisterfahrer Anton v. Gödrich auf dem Zweirad von Athen, seinem gegen wärtigen Wohnsitz, über Neapel, Rom, Florenz, Bozen, Innsbruck, München, Nürnberg, Chemnitz. Dresden nach Berlin gekommen. Diese ' ca. 2,500 Kilomete? betragende Strecke war für Herrn v. G. indeß nur eine kleine Spazierfahrt, denn innerhalb vierzehn Mo naten hat er aus dem Zweirad 12,000 Kilometer zurückgelegt, seit fünf Jahren jedoch insgesammt 00,000 Kilometer! Der kühne Radfahrer ist ehemaliger österreichischer Ofsizierundbei Troppau in österreichifch, Schlesien angesessener Gutsbesitzer, er hat sich die Aufgabe gestellt, den Radfahrtsport über dte ganze Welt zu verbreiten. Bevor Herr v. G. seine Wettfahrt antrat, fraf er die umfassendsten Vorbereitungen dazu, die damit begannen, daß er sich 12 Sprachen aneignete. Dann trainirte" er seinen Körper, entsagte jedem geistigen Getränk, ebenso :wie dem Tabak. Er stählte auf jede Weise seine Muskeln und arbeitete Jahr und Tag in einer Fabrik von Fahrrädern, um jede Repa ratnr, jede Erneuerung daran ausführen zu können, endlich ließ er sich kartegorifchen Unterricht ertheilen. So vorbereitet, begann er seine Wettfahrt auf dem hohen Zweirad im Gewicht von 45 Pfund. Sein Gepäck be .stand aus einigen wollenen Hemden und Strümpfen, Konserven und Chokolade, serner aus einer Miniatur-Feldschmiede sowie allen Ergänzungsstücken und Gerathen sür sein Vehikel. Nachdem v. G. auf diese Weise sämmtliche europäischen Lander durchrollt hatte, trat er von Athen aus die Fahrt nach dem Orimt an. Durch ganz K.lewAsien, Syrien, Palästina und Aegypten gelangte er bis an die Grenze des Sudan, oft tagelang kein menschliches Wesen erblickend, oft von wilden Thieren verfolgt und von Räubern angefallen, ja zweimal von solchen gefangen genommen nach hartem Kamps, bei welchem ' 8 ch einen Revolrerschuß ix einen der Ärouinen niederstreckie, von einem andern selbst eine tiefe Dolchwunde in die Wange erhielt. Nur seine Sprachkenntniß und sein schlaues Benehmen den Räubern gegenüber rettete ihm nicht nur das Leben, sondern verschaffte ihm sogar eines Geleitbrief, durch den er fortan von jedem Räuber unbehelligt blieb. - So erzählte er selbst einem Berichterstatter: .Dreiundzwanzig Mal mußte er mit seinem Rad auf dem Rücken breite Flüsse durchschwimmen, unzählige Male stürzte er mit dem Rade, in Libanon sogar einen Abgrund von 9 Metern hinunter, so daß er bewußtlos und mit völlig geschundenem Oberkörper liegen blieb und drei Wochen seine, Reise un terbrechm mußte. kuS er geheilt war." Den Rückweg nahm er über denTaurus biS an die Küste von Kleinasien und von da zu Schiff nach Griechenland. Von Berlin gedenkt G. durch ganz Deutschland zu fahren und über Oester reich nach Athen zurückzukehren. Im Januar aber beabsichtigt er, seine Weltreise fortzusetzen. Dieselbe soll? dieömal über den Kaukasus nach Persien, Afghanistan, Beludschistan, über den Himalaja nach Indien, China und Ja pan gehen und endlich wird G. sich nach Amerika einschiffen, um ,,, den ganzen amerikanischen Continent aus dem Stahlroß zu durchmessen. Gödrich steht jetzt im 32. Lebensjahre, er ist von un
lersetztcm aber ? äußerst muskulösem Körperbau. Zu seiner Weltreise be dient er sich eines deutschen Zweirad es ins einer : Dresdener Fabrik. Der Meistersahrer der Union" hat aus demselben den höchsten, bis jetzt erreich' ten Record erzielt, indem er in Stunden 301 und- in 24 Stunden 507 Kilometer zurücklegte Ein et uif VMtelattkr in d?n Pyrenäen.
Man schreibt uns: Die sranzosisÄen Blätter berichteten von einem merkwürdigen Brauche, der sich in ein paar Thälern der Pyrenäen erhalten hat. nämlich die jährlich 'unter gewissen Feierlichkeiten vor sich gehende Erlegung einer Blutsteuer, zur Sühne für Frevel die vor Jahrhunderten begangen worden sind! Das Lavedan-Thal wurde für die Ermordung einiger Bewohner von Aspois im 14. Jahrhundert vom Papste zur ewigen Zahlung von jährlich 30 Sons verurtheilt und zahlte sie bis 1789. Das Thal von Baretous (Bearn) zahlt eine Blutstcuer heute noch an das Thal von Roncal (Spanisch-Navarra), und zwar stammt diese Steuer aus dem 13. Jahrhundert. Am 13. Juli eines jeden JahreS wird sie übergeben, und zu diesem Zwecke kommen die Bewohner beider Thäler in feierlichem Aufzuge an der Grenze .am Col de Saint-Martin, sieben Stunden von Osse, zusammen. Ein Berichterstatter entwirst von der Feierlichkeit folgende Schilderung : Aus dem Thal von BaretouS kommen die Hirten mit ihren rothen vunkelgerSnderten' Westen, die Bürgermeister und Argefandten der Gemeinden Aretta, Lanne, AramitS und Jssor, die ZollWächter ohne Flinten, der KleruS, re.präsentirt durch den Pfarrer von SamtEngrace und zwei Vikare. Einige Engländer aus Osse haben sich beigesellt, um die Sache anzusehen. Weit zahlreicher und imposanter treten die Spanier auf. An ihrer Spitze schreitet der Maire von Jsabclla, der die Rolle eines Vollstreckers spielt. Er hat einen schwarzen Mantel mit rothem Rande um, trägt eine große Halskrause und einen runden Hut, und in der Hand den Richterstab, emen Stock mit silbernem Knopf. Ihm folgen die Bürgermeister von Ustarroz. Ursainqui und Garde, ebenfalls in Mänteln und HalSkraufen. Dann kommt ein zahlreiches Gefolge von Delegirten, die Junta von Roncal, der Notar, der Viehdoktor und ein Schwärm Neugieriger. Ein halbes Dutzend Carabineros oder Gendarmen und etliche Eselstreiber, die den Wein ihrer Schläuche, mit denen ihre Efel beladen sind, zu verkaufen gedenken vervollständigen den originellen Zug. Es ist neun Uhr Morgens ; da alle Betheiligten da sind, wird sofort zu der Feierlichkeit geschritten, deren .Einzelheiten in einem Dokument aus. dem Jahre 1375 bestimmt sind. Die französischen Bürgermeister aür ten ihre dreifarbigen Schärpen um, die spanischen Bürgermeister trennen sich von ihrem Gefolge und schreiten auf den Grenzstein zu, begleitet von einem Herold. Der Letztere trägt eiue Lanze mit emer rothen Flamme an der Spitze, das Zeichen des Urtheils-Vollstreckers; der Herold der Franzosen trägt eine Lanze mit weißer Spitze, das Zeichen friedlicher Gesinnungen. Sechs Meter vom Stein wird beiderseits Halt gemacht. Der Bürgermeister von Jsaba ruft den Franzosen zu: Wollt Ihr Frieden halten '." Die Franzosen antWorten spanisch Ja, und zur Bekräftigung legt ihr Herold seine Lanze auf den Grenzstein. Tann steckt der spanische Herold seine Lanze in französischen Boden und drückt den Schaft so an den Stein, daß er mit der französischen Lanze ein Kreuz bildet. Auf dieses Kreuz legt der Maire von Arette seine Hand, auf die französische Hand legt ein fsianifcher Bürgermeister seine Hand, dann kommt wieder ein Iran;ose, und so geht es abwechselud weiter, bis zum Bürgermeister von Jsaba, der zuletzt kommt, seinen Richterstab auf die Säule von Händen legt und das Friedens'Gelöbniß ausfpricht, das Alle nachfprechen. Darnach ruft der Bürgermeister von Jsaba dreimal: Bizdavans!" (Friede fortan!) und zum Zeichen, daß sie jeden Gedanken an Rache aufgeben, lassen die Spanier ihre Carabineros die Büchsen entladen. Tann Überheben die Iranzosen die Blutsteuer. ' Sie bestand früher auS drei weißen Pferden, die durchaus gleich sein mußten, aber wegen der Schwierigkeit solche immer aufzutreiden, setzte Man an ihre Stelle drei tadellose junge Kühe! Die drei Stücke reprä sentirten in diesem Jahre einen Werth von 580 Francs, was , für das Thal schon viel ist. Nach deren Uebergabe jetzt der Notar 'von Roncal ein Protokoll auf, daS Alle unterzeichnen. Dann wird gemeinschaftlich gegessen und getrunken, und zwar auf Kosten der Roncalesen, die schon gastfreundlich sein können, da sie jedes Jahr einen so schönen Tribut bekommen. Es wird auf Spaaienund Frankreich toasti. dann ge tanzt und endlich geht es nach beiden Seiten heimwärts mit dem Rufe : Aus Wiedersehen !" Die französischen Blätter sind von dem Berichte nicht sehr er baut, weil ihre Landsleute die passive Rolle in der Sache spielen und sie vcrlangen, daß man den Brauch abschaffe. Es wäre jedoch schade um das originelle Stück Mittelalter. Ein russischer Marinelicutenant, NamensKouznetsow, welcher viele Jahre in Japan gelest hat, erZählt in dem Kronstadter Weflmk, dem amtlichen Organ der russischen Marine, daß die gefammte japanische Ariftokratie stärk sürz dieZ Einführung der protesiantischen Religion als Staatsreligion ist und nur auf das Beispiel des Mikado's wartet, um vrotestantisck tutnden. Lieutenant Kouznetsow schätzt die Qfif Ymr nrnSflfi Vt!: ."t. U"1)' v fl vvwi uitiiijiUii UBil getretenen Japaner auf 17,000.
Der Mohrenkopf.
Der Himmel hatte in dieser Saison nicht das mindeste Einsehen. Er machte durchaus keine Anstalten, endlich einmal klar zu werden, sondern schickte aus seinen drohenden Wolkenschichten immer weitere Wassermassen auf die Erde lerab. Die Thäler verwandelten sich in blinkende Seen, die Pfade wurden bodenlos und die Gemüther der Kurgäste begannen sich schwarz zu färben. Da erinnerte man sich angesichts dieser regnerischen Perspektive, die der heimtückische .Jupiter pluviua vor den entsetzten Blicken derSommerfrischelr ausspannt?, des traulichen Comforis der weltstadtischen Heimath, wo die Cultur mächtiger ist als das schlechte Wetter und wo das himmlische Naß für daZ Amüsement kein Hinderniß bildet. Und so geschah mit unausbleiblicher Confeqnen; das, waS dke Herzen der Hotelbesitzer vom äußersten Meeres, strande bis zur letzten Bergspitze erzittern machte, der vorzeitige Rückzug der verzweifelten Zehntausend. Unter diesen Flücytlingen besand sich auch Frau Cilly, die Gattin des Directors X. Eines Nachmittags, ohne daß zuvor ihre Ankunft dem Herrn uud Gebieten signalisirt morden wäre, trat sie vor den Ueberraschten hin, der mit freudv gem Erschrecken sein geliebtes Weib iu die Arme schloß. Dann ging'S an's Erzählen und schließlich an'S AuSpacken. So 'froh war Herr X. im Grunde, seine Gattin wiederzuhaben, daß er es sich in der zärtlichen Aufwallung der ersten Stunde nicht versagen konnte, ihr beim Ausräumen der Reife-korb-Utensilien Kammerzosendienste zu leisten. Denn er verhehlte sich nicht, daß tim Frau, wie Cilly, mit ihrem interessanten Gesicht, ihrem feurigen Temperament und mit ihrer gefährlichen Gabe, die Männeraugen auf sich zu concentriren, in seiner unmittelbarsten Nähe bedeutend besser aufgehoben sei, als ir gendwo auf den unconirolirbarenWaldpromenadcn eines südlich gelegenen Bades. Zu dieser Betrachtung kam der Umstand, daß der Direktor schon seil längerer Zeit ein unbestimmtes Mißtrauen verspürte, das ihn jedesmal heimsuchte, so oft er Cilly mit anderen Männern scherzen und lachen sah, das aber seinen Höhepunkt erreichte, wenn ein gewisser Herr v. N. diese Heiterkeit hervorrief. Derselbe war ein gern gesehener Gast des X.'schen Hauses, nur hatte er den Direktor mit Unruhe er füllt, daß es ungefähr in derselbe Woche die Residenz verließ, in der die Gattin abreiste, wenngleich dieser fashio nable Cavalier im Club zu wiederholten Malen verkündete, er würde an die See gehen. Alle diese Gedanken jedoch trater jetzt vor Madames unvermutheter Heimkehr in den Hintergrund. Der Direktor überließ sich unbefangen dem Zauber des Wiedersehens, nahm getreulich Stück für Stück au den Tiefen des Korbes und reichte cs der theuren Hausfrau. Bei diefer Gelegenheit kommt auch eine schmale Schachtel zum Vorschein, die Herr X., der sür derartige Verrichtungen nicht hinreichend begabt erscheint, seinen Händen entschlüpfen läßt, so daß der Inhalt auf den Boden gleitet. Im Begriff, die kleinen Toilettengegen' stände zu sammeln, hält er plötzlich etwas in den Fingern, das er mit der größten Aufmerksamkeit betrachtet. Es ist ein einzelner Manchettenknopf von jener modernen Art, wie ihn die luxusliebenden Gentlemen zu tragen pflegen. Und dabei ist er in seinem Genn ebenso werthvoll als originell. Er zeigt auf einer runden Platte vor weißem - Elfenbein in getriebener Arbeit das Relief eineS MohrenkopfeS. Der Direktor erhebt sich aus seiner ge bückten Stellung und sieht seine Frau an. Was ist dn das hier?" ÄuZ ihren Zügen ist mit einemmal die Farbe gewichen, oder täuschte sich der Gatte? Vielleicht war es doch nur der Reflez des Lichtes, der gerade auf ihr Gesicht fällt. "Ah voila", erwiderte Madame leichthin, dieser Afrikaner gehörte bis vor Kurzem zu einem Paar, das mir in einem Bijouterieladen aufsiel, und daS ich Dir von der Reife mitbringen wollte. Der zweite Knopf ist mir auf ganz unerklärliche Weife verloren gegangen!" Herr X. ist vollkommen betäubt. Diese Erklärung ist eine Hand greifliche Erfindung. Laren denn die beiden Knöpfe nicht zusammen auf daZ übliche Kartonpapier geheftet?" Freilich. Aber trotzdem muß der eine sich losgelöst haben. Und kurz und gut, so kam es, daß ich gezwungen war, diesen Zweiten hier ad acta zu lege!" Der Direcior erwidert nichts. Mit großer Selbstbeherrschung heuchelt er eine Ruhe, die er nicht besitzt,, und wendet sich wieder dem Reisekorbe zu. Aber einige Stunden später, als er sich in seinem Zimmer befindet, schreitet er mit zornigen Schritten über den Teppich auf und nieder. Es war keine Frage, seine Frau hatte im Bade einemHerrn Audienz ertheilt, einem Herrn, den sie nicht nennen mochte, und dieser nämliche Herr hatte den Knopf in Cillcs Salon verloren. Später, von dem Madamen gefunden, war der Mohr, den man im Trubel der Abreise seinem Besitzer zurückzugeben vergessen hatte, -in den Reisekorb mit hineingerathen. , Diese Lösung schien so plausibel als möglich Aber der Unbekannte wer" repräsentirte den Unbekannten? Plötzlich hielt Herr X. in seiner rastlosen Wanderung still. Er hatte den Gesuchten entdeckt. Eine Täuschung ist vollkommen ausgeschlossen. Er wird sich den Beweis verschaf fen und dann --? ' Er holt , tief Athem und trocknet mit dem Taschentuch zwei Tropfen, die auf seiner Stirne stehen. Zwei Tage später, eS ist noch sehr zeitig, zieht de? Direktor X , an der Wohnung deS Herrn von N. die Glocke. Der Groom öffnet und erklärt sein Herr fei gerade' bei 'der Toilette. Also er war doch schon zurückgekehrt, der Direktor hat ganz richtig kalkulirt.
.Das schadet nichts erwidert er, melden Sie mich!" Gleich darauf steht er dem alten Bekannten, einem schönen, eleganten Manne, gegenüber, der mit großer Sorgfalt seine Frisur ordnet, .Pardon, bester X. Aber 's ist noch früh am Taze. Woher wissen Sie übrigens, daß ich zurück bin?" Man sagte es mir gestern im Club. Ich wollte Sie zu einem gemüthlichen Jeu einladen, af heut, wenn's geht? Dr. R. und der dicke Hauptmann sind mit von der Partie. Kommen Sie etwas vorher, meine Frau, die vorge. stern ankam, wird sich freuen mit Ihnen ein wenig plaudern zu können!" Herr v. N. ergreift die Brennscheere und nickt. Bitte einen Augenblick och. Bin sofort fertig ! Der Direktor hat inzwischen keinen Moment den Zweck seines Besuches vergessen. Seine Augen schweifen über alle Schalen und Schälchen dieses Ankleidezimmers. Da tritt er an die Könfole des Wandspiegels. Hier liegen aus einer flachen Muschel verschiedene Toilettengegen stände und mitten aus ihnen hervor lachelt ein Mohrenkopf, ein Mohrenköpf, der zu emer Herrenmanschette gehort Der Direktor hat es nicht anders erwartet, und doch drückt nun die Aufregung gegen seine Kehle. Alle Wetter," ruft er, indem er sich räuspert, wo haben Sie denn diefen schwarzen Häuptling her?" Herr von N. wendet sich um. Den einen hab' ich leider verloren, weiß der Teufel wo! Vor meiner Abreise brachte mir ein Freund die Dinger aus Paris mit. Soll ganz was Neues sein. Der Graf R., der alte GeÄ, hat übrigens dieselbe Garnitur bekommen. So und jetzt stehe ich zur Disposition!" Herr hat den Knopf in die Hand genom men - und betrachtet ihn nachdenklich. Wollen Sie mir einen Gefallen thun?" frägt er lächelnd. Mit Vergnügen!" -.Ich beabsichtige heute Abend beim Jeu , einen klemm Scherz mit den anderen Herren, eine unschuldige Neckerei, die ich auch Ihnen vorläufig noch nicht verrathen möchte. Hätten Sie vielleicht zu dem Zweck die Güte, diesen einen Manschettenknopf heut' anzuknöpfen?" Recht gern, aber dann sind meine Knopfe ungleich!" Nun, bringen Sie einmal das geringe Opfer auf dem Altare der Freundschaft!" Gut," ruft der andere, es geschehe Ihr Wille, jetzt aber kommen Sie und lassen Sie uns frühstücken!" Am Nachmittag diefeS TsgeS erhielt öer Herr von N. einen Brief, dem ein zartes Parfüm entströmte und welcher nur eine einzige Seite füllte. Er las ihn so oft, daß er ihn schließlich auswendig wußte. Gleich darauf warf er sich in einen Miethswagen, nachdem er dem Kutscher die größte Eile anempfohlen hatte. Es ist am Abend dieses TageS. Im Hause des Direktor 5. hat man Vorbereitungen zu einer Herrengesellschaft getroffen. Der gleichen Zerstreuungen sind in diesen Räumen nichts Seltenes. Der Direktor liebt sie, und Madame protegirt sie. Man findet sich in der Regel um die neunte Stunde ein und küßt der Gnädigen die Hand, die gewöhnlich noch den Thee bereitet und sich dann zurückzieht. Heut ist Herr v. N., wie der Direktor es gewünscht hat, etwas Zeitiger erschienen, um mit der Hausfrau noch ein Viertelstündchen zu ver. plaudern, bevor die Anderen eintreffen. Der Direktor ist ebenfalls im Zimmer zugegen, die Beiden aber unterhalten sich fo vortrefflich, daß sie feine AbWesenheit vergessen zu haben scheinen. Herr X. Preßt die Livpen fest auf ein ander, er steht dicht vor e? Katastrophe. Er will sie selbstverständlich herbeiführen, ehe die Uebrigm erscheinen und deshalb bat er Herrn v. N., frühe? zu kommen. E? faßt schon zum dritten Male in seine Tasche, wo der Mohrenköpf liegt, den er am Nachmittag unter einem gleichgiltigen Vorwande von seiner .Frau gefordert hat. Jetzt tritt er einen Schritt näher zu den Beiden. Wie harmlos seine Frau zu lächeln versteht und wie .unbefangen der Andere ihr in die Angen sieht. Noch einen Schritt vor und jetzt Nur die Dauer einer einzigen Sekunde hat er gezögert, dann sat er mit so starker Stimme, daß die Zwei erschreckt auffahren: Eh' ich'S vergesse, Herr v. N.. ich sah doch heute Vormittag einen Manschettenknopf bei Jbnen, der einen Mohren darstellte, würden Sie ihn einmal meiner Frau zeigen?" Mit Vergnügen, meine Gnädige," erwidert der Gefragte höflich, löst den Knopf ab und reicht ihn der Dame hin. Und wissen Sie, wo das Pendant zu diesem Mohren ist, Herr v. N.?" fragt der Direktor noch lauter, indem er dem Angeredeten fest ins Gesicht sieht. Freilich," nickt Herr v. N., indem er mit liebenswürdiger Miene die sonderbare ' Erregung des Hausherrn ignorirt, freilich weiß ich das. Das Pendant sitzt hier." Er nestelt an der anderen Manschette und hält dem erstaunten Direktor den zweiten Mohrenknopf hin. Kurz nachdem Sie fort waren, stülpte mein John den Papierkorb um And beförderte den vermißten Knopf an's Tageslicht! Herr X. ist nicht fähig, auch nur ein Wort zu sprechen. Er begegnet den erstaunten und fragenden Blicken seiner Frau, aber er nickte ihr nur liebevoll zu, er konnte ihr doch unmöglich in Gegen wärt dieses Dritten sagen, daß er ein Esel war. , - Am nächsten Tage sazickft Herr v. N. an den Grafen R., den alten Gecken", ein kleines Packet, dem folgender Brief beilag : Lieber Graf! Sie waren ge stern Nachmittag so freundlich, mir Jh. ren Manschettenknopf zu überlassen. Ich sende denselben heute mit verbindlichstem Danke zurück. Empfangen Sie inzwischen den Ausdruck meiner auSge zeichneten Hochachtung, v. N
2 Italienische Reise. Sie aren in Neapel, Herr Lieutenant? Ja. hab' mir'n bischen vom Besuv vor.ptien lassen.
Die theuren NnuSsPrechttchen.
In einer Weinhandlunz ersten Rni geZ erscheint eines 'Tages ein distinguir aussehender Fremder und thut sich an, dem Besten, was Küche und Keller bie tet, gütlich. Als die Zeche zu einer trächtlichen Höhe angewachsen ist, ruft er den Wirth. Ich möchte zahlen!" sagte er. Bitte sehr!" erwiderte der Wirth. Aber ich habe kein Geld!" erklärt der noble Mann mit größter Ruhe. Sie müssen mir creditiren!" , Fällt mir gar nicht ein!" platzt der Weinhändler heraus, der plötzlich den Gentleman durchschaut. Sie sind ein ganz gewohnlicher Lump! Wenn Sie nicht zahlen, werde ich Ihnen ohne Um stände den Rock ausziehen und hier de halten!" Meinetwegen! Aber wenn Sie miH durchaus pfänden wollen, so thun Sie mir wenigstens einen Gefallen : ziehen Sie mir nicht den Rock aus, sondern die Hosen!" Wa as!" Ich bitte Sie darum, behalten Sie lieber meine Beinkleider, sie bieten Jh nen doch dieselbe Garantie. Ich habe ja einen langen Ulster, der mir bis an die Schuhe reicht, und kann ohne Hosen ganz gut nach Hause gehen!" Der Wirth, der den seltsamen Gast offenbar für geistig gestört hält, willigt in dieses Verlangen und der Fremde entfernt sich als SanZculotte in seinen langen Mantel gehüllt. Am anderen Morgen ertönt auf dem Corrrdor des Hotels, in dem der Hochstapler abgestiegen ist, ein furchtbarer Lärm. Kellner, Wirth und Gaste stürze nach dem Zimmer des Fremden, der sich wie wütbend geberdet. Wo sind meine Hosen?" schreit er. Ich habe sie mit meinen Kleidern zum Putzen an die Thür gehängt, und nun sind sie verschwunden!" Ich habe keineBeinkleider gesehen! erklärt der HauZknccht. Was? Sie unverschämter Mensch! Sie wollen wohl behaupten, daß ich obne Hosen nachHause gekommen bin?" schimpft der Bestohlene-. Der Hotelier, der durch den Vorfall das Renommee seines Hauses gefährdet sieht, legt sich ins Mittel. Er sucht den Fremden zu beruhigen und verspricht ihm Schadenersatz. Ach, was liegt mir an den Hosen, die kosteten kaum 40 Mk.", meint der Gast. Aber ich hatte ein Portemon naie mit über 200 Mk. in der Tasche und das ist mit gestohlen worden!--Der Wirth, der sem Hotel im Geiste schon überall als Diebeshöhle ver schrieen sieht, wo die Reisenden nicht einmal ihrer Hosen sicher sind, bietet dem Befohlenen 300 Ms. an, wenn er sich entschädigt erklärt und von einer polizeilichen Anzeige Abstand nimmt. Auch bringt er ihm noch seine neue Sonntagshose, damit er abreisen kann. Der Schwindler zieht die Beinkleider an, steckt die 30 Mark ein und fährt, noch immer brummend und schmollend, ab. Nach drei Tagen besuch! der Unglückgliche Hotelier eine Weinhandlung, mil , tt r . . .. '..,"" oeren nyaoer er vezreunocr iu Er erzählt ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit sein Mißgeschick mit der theuren Hose, da bricht der WeinHändler in ein lautes Lachen au und holt aus dem Garderobenspind ein paar Unaussprechliche. Sind es vielleicht die, welche dcinem Fremden gestohlen worden sind?" fragte er. Der Hotelier erkennt sie auf den erstcn Blick als zu dem Anzug des bestehjenen Gastes passend. Wie kommen die hierher!" ruft er erstaunt. Ich habe sie dem Gauner selbst aus gezogen!" gesteht der Wirth ganz kleinlaut. Er hat mich extra darum gebeten, damit er Dich auch prellen kann!" So hat ein Schlauberger zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und mit einer schäbigen Hose zwei ehrliche Leute betrogen! In der Prima. Professor: Wodurch unterscheiden sich die GeisteStzeroen des Alterthums von den neueren?" Müller: Durch ihren Mangel an klassischer Bildung." Oberlehrer Plötcrmann (bis tirt): Sie fielen also in Arulien ein und tödteten Männer, Weiber und Kinder," (Zu einem Schüler, welcher anstatt nachzuschreiben, Allotria treibt): Haben Sie Kinder, Windmeyer?Windmeyer (verwirrt): New, Herr Oberlehrer, noch nicht!" Klassen lehrer: Ich habe in letzter Zeit verschieden? von Ihnen in der Ä!.' schen Wirthschaft gesehen. Sie wissen ganz gut, daß der WirthShauSbesuch Gmnna fiasten durchaus verboten ist. Auf alle Fälle aber bitte ich mir aus, daß Sie dann wenigstens zu meinem Schwiegervater, dem Bärenwirtb. gehen." Frei nach Zumpt: Oberlehrer: Albrecht und Ehlermann, wer waren die beiden Damen, mit denen Sie gestern Abend spazieren gingen?" Albrecht und Ehlermann erröthen verlegen. Oberlehrer: Na, lassen Sie's nur gut sein, Sie sind ja dafür bekannt: Bei A und E in Prima hat DaS Femininum allzeit statt." Professor: Eßmsnn, Sie habe heute eme 'Arbeit geliefert, deren Güte im Verhältniß zu Ihren früheren Lei', ftungen mich argwöhnen läßt, daß Sie nicht allein gearbeitet haben. Gestehen Sie mir, mit wessen Kalb Sie gepflügt, haben?" Eßmann: Ihr Sohn hat ir geholfen, Herr Professor." Oberlehrer: WaS ist denn das für ein eigenthümliches Geräusch, dak ich schon die ganze Stunde höre?" , Entschuldigen Sie, Her? Professor, mein Bart bricht sich Bahn." ' Klassenlehrer (zu einem Schüler) ; Bemühen Sie sich nicht, dümmer z scheinen, ,, als Sie es In der That pnd Ich verlange ro Niemandem etva Umcf
