Indiana Tribüne, Volume 15, Number 2, Indianapolis, Marion County, 20 September 1891 — Page 3
Dns FrUzcl)o. SrzShlung von Gräsin M. Keyserling. (6. Fortsetzung.) Der Major lag mit seiner Scheid öron km Süden von Paris, in einem hübschen Dorfe, das a-brllc-Fontaine hiL- Ein Quell, der in einem Eichensein klares Wasser über die knorrigen Wurzeln der alten Bäume siicßcn ließ und weiterhin in spielendem Bogen X urch Wiesen und Felder lies, mochte dvrn Orte seinen Namen gegeben haben. T5a, ico er in Hellem Strahl us der Erde brach, hatten die Dorf bcwohner einen kleinen, marmornen Tempel über ihm errichtet, aus dessen zierlicher Fassade in goldenen Lettern der Äame prangte. Mit demselben Gefchmacke für zierliche Schönheit waren die Häuser des Ortes erbaut, vtllenartig, mit großen spiegelnden Fenstern, Bal, fönen und blumcngeschmückten Terrassen. jcdeS Haus für sich allein in wohlgepflegtem Garten lsg,erregte gleichfalls den Eindruck einer ViÜenvorstadt. Nur der UAftand, daß zu einigen Häusern uch Ställe und Scheunen gehörten, sorcie daß der ganze Ort aus nur drei Straßen bestand, rechtfertigte die Vezcichnung Torf". Der Major hatte dieses hübsche Ouartier im Gefecht gcnvmmen und roar geAirnngen roorden, die Eichen deZ schönen Hüincs zu zerstören, die steinernen Äaucrn, welche die fruchtreichen Garten umschlossen, zu beschießen und die Scheu? nen niederzulegen, um den Feind zu oers treiben. Gegen zwei Uhr vertheilte der Sieger die Ouartirc des eroberten DorfeS n die Mannschaften seiner Schwa1trt. Es war der erste Ort, den man so nahe bei Paris be: rat, und er schien, nachdem die französischen MablotS in die Flucht geschlagen waren, ganzlich verödet zu sein. Die Häuser waren geschlössen; die Scheunen und StZlle leer; kein Rauch kräuselte über den Schont steinen, kein Laut menschlichen Lebens drang durch Fenster oder Thüre. Nur die Hanskatzen schlichen kläglich miauend um einige der Bauten, oder ein Hund drückte sich heulend gegen eine Mauer. Auch die Gärten zeigten, daß der Ort schon seit geraumer Zelt verlassen war, ienii in den Beeten schössen die Kohlköpfe auS, und die Bohnen trockneten n den sich gelbfärbenden Ranken; die großen, überreifen Psirsicbe uns Birnen aber faulten unter den Bäumen, ireil keine sorgende Hand die dargebotene? SchZhe sammelte. Ein Haus hatte einen Thurmtinbau. der mit hohen Bogenfenstern blitzend in die Ferne sah. Die breitgezackten, hellgrünen Blätter der Reben lagen als lebensfroher Schmuck auf dem grauen Gemäuer und versteckten in den Ranken Hangende großbcerige, fchwarzblaue Trauben. Der Thurm war entschieden alt, vielleicht ein Ueber bleibsel einer zur Ruine gewordenen Kirche; das Haus dagegen, das ihm angefügt war. erschien ganz modern. ES zeigte kein besonders hübsches Aeußere, sondern war einfacher und schmuckloser 15 seine Nachbaun; sein Erbauer mochte mehr vom Praktischem als vom Schönen gehalten haben, wenigstens war keinerlei Harmonie in den Verhältnissen von Thurm uud Haus angestrebt, noch auch nur ersterem sein ursprünglicher archi tektonischer Charakter gelassen; er war vielmehr mit barbarischer Verleugnung des letzteren gekappt und ihm ein flaches Pappdach aufgestülpt. Dennoch wählte Asten dieses HauS für sich. Die Bogenfenster mußten einen herrlichen Ausblick uf Paris und ' die vor ihm liegende Ebene gewähren und geräumig genug war es, um ihn, seinen Wachtmeister und eine Anzahl seiner
Leute aufzunehmen. Im Uedngen schien eZ verlassen, wie die meisten der Häuser. Als aber der Wachtmeister durch ein szensie? in's Innere des Erdgeschosses drang und den Thürriegel hob. rührte sich's drin, und ein altes, hochschultriges Weib össncte die Thür der Küche und trat m ßmuchig heraus. In dem saltigen Gesicht funkelten ein Paar mächtige Augen und sahen unter dunklen Wimpern mit abweisenden Blicken die Eindnngcnden an. Wunderlich abstechend von diesen' dunklen Wimpern und Brauen hingen graue Haarbüschel unter einem bunten Kopstuche in die Stirn. Die linke Schulter nachschiebend, schlurrte die Aufgestörte in schweren Holzpantoffeln unwillig auf Asten zu. ,Sind Sie die Bcsitzerkn?'' fragte er. Nein. Die. denen das Haus gehört, sind fortgezogen, ich aber habe, meines Alters und eines gebrechlichen Körpers wegen, sie nicht begleiten mögen. Deshalb bin ich allein zurückge-blieben.- ' ;2o werden wir Sie als Besitzerin betrachten und zwar von den Räumen Gebrauch machen, aber Sie selbst möglichst unbe!Zsiigt lassen,- erklärte Asten und vertheilte da5 Quartier. Das Gesicht der Alten bekam etwas FewdselZzeS, und sie machte Vorstellun-' gen, wie viel besser der Major thäte, ein andcreS Haus zu wühlen. Hicr'lsffen die Ratten des Nachts Niemand schlafen, sagte sie, sie klettern im Thurme herum. Wilde Zkanmchen graben im Grunde, uud man sagt, eS gehe hier innen um. Der Thurm stand früher bei einem Kloster, das zerstört worden ist, und die Spönnen, sagen die Leute, kominen nun nicht zur Ruhe. Das mag .chahr sein oder auch nicht, gewiß haß auch kein anderer hier zu ihr kommen kann. " .Nun. meinte Asten lächelnd, .wir werden mit den Damen schon fertig werde. Nonnen oder Ratten, es giebt schlimmere Quartiergefährken ., . ' ;: 3n den Augen der Alten stammte der Mühsam unterdrückte Zorn nach d!cs?r ?lntwort sichtlich aus, und roichcr siel eS itn auf, wie dies zornige Feuer daS iunligel' 'Gesicht seltsam anziehend uachre." Es stehen so viel HZuser im Dorfe
leer, warum müssen Sie gerade mich alte, kränkliche Person stören ?" keift, die Alte, und die Stimme schrillte in häßlichen Fistcltönen. Sie können sich zurückziehen, dann
sind Sie in Ihrem Zimmer ungestört, , antwortete Asten und begab sich tu das obere Stockwerk des Thurmes, in dem er sich ein Zimmer aussuchte. Er schob ein paar Ranken des wuchernden Wei: nes vor dem hohen Bogenfenster zurüä und sah hinaus. Die Fernsicht m ganz so prachtvoll, wie er erwartet hatte, (iirte grüne Ebene, die im Sonnengott glänzte, dunkle Laubkronen lockendet Lustwälder zwischen Dörfern und Villen: wie ein Kranz oll lichter Vlüther. fah er aus. Dahinter lag Paris, das Paris, das die Brandfackel dieses Krie gcs entzündet lhatte, dieses Krieges und so vieler vor ihm Die stumpfen Thürme von Notredame ragten in das klare Blan des Himmels. Weiter vorn logen die grauen Forts. Auf ihren Wallen wimmelten geschäftige I3?e stalten, und über den Mauern wirbelten weiße Dampswolken, wie über Hexenkesseln. Asten betrachtete durch fein Fernglas geraume Zeit die schöne, nun buchstäblich zu Füßen der Deutschen hingczwungene Stadt. Er spürte die Ermüdung des überstandenen Kampfes erst, als er das Glas sinken ließ. Er warf danach noch einen Blick in den Garten. Dieser hatte fast ein südliches Aussehen., Granaten, bedeckt von schönen purpurnen Blüthen, und Orangen, in deren steifen Zweigen schneeige Blüthen und grüne Früchte hingen, bildeten, aus schweren Kübeln om Rande der Kieswege ragend, zierliche Alleen; in den Beeten hoben sich die vollen Kelche der Ccntifolie in färbenleuchtender Fülle, und hinter der rundverschnittenen Buchenhccke, welche das Nützliche vom Schönen trennte, sah Asten in den Kronen der Zwergbäumchen goldfarbene Pfirsiche und Birnen, während ein Regiment krausköpsiger Kohlköpfe in den Beeten für den vorforgendcn Sinn der Hausfrau zeugte. Asten verweilte nicht lange bei der Betrachtung dieser Herrlichkeiten, sondern streckte sich auf die Chaiselongc, dem Bett gegenüber. Unter einem Bilde des ersten Napoleon stand zwischen beiden Fenstern ein Schränkchcn von geschnitztem Ebenholz, das die Alabasterstatuette eine? Nonne schmückte. In den wallenden Schleiern sah das zierliche Frauenbild angenehm fein und weiß aus seiner luftigen Höhe herab. Sollte die hier spuken, " dachte Asten, so wünschte ich, daß sie mir liebe Züge annehme, die Züge Frie derikcns . . ." Er dachte sich ihr zartes Gesicht unter dem Stkrnschleier und schloß dabei die Augen. Aber allzu ermüdct, schlief er zu fest, um zu träumen, oder doch, um sich seiner Traume bewußt zu werden. Ml sein Wachtmeister ihn nach etlichen Stunden weckte, um Rapport zu erstatten, richtete er sich nur aus einem tiefen Vergessen auf. Streitende Stimmen, die aus den unteren Räumen des Hauses kamen, zogen ihn sogleich ia die Gegenwart zurück. Was ist unten los?" fragte er. Ach, die Burschen haben ihren Spaß mit der Alten. Sie haben 'rausgekriegt, daß sie eine Ziege im Keller hält wahrscheinlich aus Furcht, man werde ihr das Thier sonst schlachten und unterhandeln setzt mit ihr. um wel, chen Preis es am Leben bleiben soll. Sie verlangen, die Alte solle für den Herrn Major kochen, da sie das doch jedenfalls verstehen, auch die nöthigenZuthaten besser zu beschaffen wissen werde. Nun, und sie geht daraufein?" Der Wachtmeister zuckte ttt Achseln. Sie verstandigen sich schwer und waren noch nicht zu Ende. Aber es wäre vkellelcht besser, sie verlangten es nicht. Die Alte ist ein herenhastes We:b, und tch möchte nicht t)tn, was jte gekocht hat. Ich glaube, sie wäre im Stande, nen jeden von uns zu vergeben. Ueberhaupt werden die Weider hier, die jungen wie die alten, fuchsteufelswild, sobald sie nur eine deutsche Uniform zu sehen bekommen. " Asten fragte nach dienstlichen Sachen und sah, als ihn der Wachmetfler vcrlassen hatte, wieder zum Fenster hinaus. Da erschien wirklich die Alte mit einer schonen, schwarz und weiß gefleckten Ziege, die sie an einem Strecke an den Beeten herumführte und die Kürbis- und Bohnenranken benagen ließ. Nun llefen auch die Burschen herzu und suchten ihr begreiflich zu machen, die Bohnen dürfe das Thier nccht fressen, dle wollten sie für die Küche haben. Sie riefen: Soupe! soiipe!" und brachen die erne aus den Hülsen, um ihr zu er klären, was sie sagen wollten, aber sie antwortete hasttg, was sie denn dem Thiere geben solle, da sie sonst nicht! für dasselbe habe? Aston schob die Rebenranken beiseite und rief hinunter, die Leute sollten die Frau zufrieden lassen, es qrnge p.e nrcht an, was sie mit ihrem Gemüse mache. Die Soldaten entfernten sich. Die Mte aber zog. sobald sie des Vorgesetzten Stimme hörte, lhr rothgcblumtes Kovftnch in die Stirn, ließ die Ziege altein weiden, schnitt nne Schurze voll Kohlköpfe ab und ging gleichfalls in's Haus. Etwa eine Stunde daraus brachkder Bursche Asiens Abendbrot : einen Teller dampfender Kohlsuppe, in welcher ein Stück Fleisch gesotten war. . Asten so stete uud fand das Gencht vorzüglich. Mamsell Jeanncton hat es gekocht", grmste der Mann. . , I Bat sie es freiwillia gethan?" ' : ,. Gewiß. ,,, Ich glaube. ,, sie thäte och aain was anoeres wenn wir nur ihre Zieae am Leben lassen. Die ist ja das reine goldene Kalb für sie. Sie hat nur die Bedingung gestellt, aA'KiW ausser Küche bleiben, solange sie darin ist, sie könne unsere schreckliche Sprache nicht hören. Ma, den Gefallen können wir ihr ja thun. Was SchädliSes in's Cssen kochen kann sie sei nich weil sie za tmx auch von mutgt.
Wsten kam die Bedingung jedoch etwas
sonderbar vor. Er sagte aber nichts, sondern schärfte nur dem Burschen nochmals- ein, alle möglichen Rücksichten gegen die Frau zu nehmen. Es mute das auch geschehen; demr der Major bekam von da ab ketne Klagen mehr zu hören, wohl aber ein zwar einfaches, doch schmackhaft gekochtes Essen. Die Ziege suchte sich dafür das ihre, wo es lhr zuträglich er schiene Es war nur jene befremdende Bedingung, welche Asten veranlaßte, trotz dieses anscheinenden Friedens einmal in der Küche nach Jcannetons Walten zir sehen. Eine Stunde vor dem Essen, zu der Zeit also, zu welcher sie allein darin zu sein pflegte, begab er sich hinunter. Schon vor der Thüre war es ihm, als höre er im Flüstertone einen sprechen. Mit schnell erwachendem Verdacht legte er das Ohr ün die Thüre. Diese war morsch, voll feiner Ritzen, und ließ dte Laute hörbar genug hindurch. Der horchende hörte denn auch cme männliche Stimme, welche fragte: Es wohnt nur der etne Ofnner lm Hause?" und die weibliche, die crwiderte: Ja!" Dann sprach die erstere: Sie könnten ihn alsdann vergiften, da. Sie ja sein Essen kochen." Die Antwort daraus wurde so lerie gegeben, daß Asten sie nicht verstand. Er wartete auch nicht länger, sondern öffnete entschlossen die Thüre. Dee Alte stand beim Herd, und ein Mann faß neben ihr. Letzterer trug ctne blaue Bluse, weiße Hosen und einen schwarzen Hut, der ihm fast bis in die Augen hineinsiel. Er hatte einen Kröpf und schielte. Der Major tarnte sein Alter auf etliche zwanzig Jahre. Dle 'rau sowohl wie der Mann schracken zusammen, als sie die Thüre gehen hörten, und dlser druckte stch tn eine Ecke. .Wer sind Sie", fragte Asten, und was suchen Sie hier?" O, es ist ein Nachbar, der ein bis chen Salzfleisch für feine kranke Frau holen wollte," antwvitete Jcanneton air stelle des Befragten. Der Major wollte erwidern, ward aber durch ein Geräufch, das er unter feinen Füßen hörte, gestört. Ist hier ern hohler Raum," fragte er, nach dem Fußboden sehend. Der Mann in der Ecke wurde käseweiß, und die Stimme der Alten klang nicht ganz stcher, als sie antwortete: Ja, ein Keller und Aicetle ijl darin." Ihre Ziege? Wie kommt die da Kinein?" Ach, ich habe sie immer gcr in meb ner Rahe und da unten thut ihr Nie: mand etwas zu leide. " Oben auch nicht. Und es scheint mir sehr unsauber, solch ein Thier in demselben Raume mit Eßwaaren zu halten. " Und sich aufrichtend sügte der Mqoi zu dem Schielenden gewandt hinzu: Haben Sie einmal die Güte, sich in ihre Wohnung zurückzubegeben! Hier durch diese Thür etwas schneller! So! Und Sie leuchten mir in diesen Keller. Stecken Sie ein Licht an, während ich einen meiner Burschen rufe. Die Stimme des Weibes zitterte, wahrend es stöhnte: ,Abr warum denn? Ach, Herr Major, ei ist ja nichts darin, außer Bicette, und Bicette fürchtet sich so vor vor fremden Menschen." Thut mir leid", sagte Asten und rief seinen Burschen. Die Frau steckte unwillig ein Licht an, öffnete hinter dem Herde eine Bodenthür in der Diele und rief jammernd hinab: Bicette, erschrick nicht! Ach, meine kleine, kleine Bicette, es kommen Fremde!" Lassen Sie nur diese Benachnchtigungen," sagte Asten ärgerlich, und geben Sie mir das Licht. Nem, allein können Sie nicht gehen, allein nicht. Bicette erschrickt zu sehr." Asten riß der Jammernden das Licht aus den Händen und stieg hinunter. Hinter ihm sein Burscbe. Bicette polterte nun allerdings wie besessen und rannte an ihrem Strick, wie rasend in die Runde, sobald sie die Eindringringe hörte. Der Keller war geräumig. und es stand allerhand Gerümpel darin; in einer Ecke lag auch ein Haufen trockener Blätter, BicetteS Lager; daneben lehnte ein leerer Futtertrog. Etwas Verdächtiges ließ sich nicht entdecken. Der Major stieg deshalb nach kurzem Aufenthalte wieder hinauf. Es ist wirklich nur eine Berrückheit der Alten, die Ziege da unten einzusperren, dachte er, befahl aber, die Frau solle weder mehr für ihn kochen, noch imHaufe irgendwelchen Besuch empfangen dürfen. seitdem ließ ihn (ine wachsende, Unruhe nicht los und machte ihm das zuartler unbehaglich. Frankreich hatte damals bereits begonnen den an sich schon ordnungslofen, eilig geschaffenen Armeen der nati analen Vertheidigung noch freistrcifende. zuchtlose Banden anzureihen, welche jetzt als unbewassnete, dem Anschein nach friedliche Bürger die Schonung, ja den Schutz des Feindes erflehten, in der nächsten Stunde aber ihm tückifch den Todesstoß gabey. Diese Uniformlosen, welche keinem Gesetze der Kriegführung unterstanden, bedrohten den deutschen Soldaten,, wo er sich am, sichersten glaubte, im Quartier, auf Fourageritten und wo immer er vereinzclt oder waffenlos sich zeigte. Bereits war es vorgekommen, daß hie Einwohner kleinerer Städte, in w Deu.sche lagen, nachts mit hinzugezogen nett Freischärlexn die ahnungslos Schlasenden in ihren Betten überfallen und ermordet hatten. Man mußte also mit dieser räuberischen Kriegführung rechnen, 'und es war, auch an Orten, die völlig sicher schienen, jederzeit Wachsamkeit am Platze. Asten ließ diese auch nicht mehr außer echt, obgleich einige , Tage lang nichts Verdachtiges geschah.. , . " Eines Nachmittags saß er, mit dem Ordnenseiner Br iefen beschäftigt, in, seizem Zimmer. Er hatte die Menge eng and voll beschriebener, Bogen, die er nun
schon aus der Heimath erhalten hatte, I sorgfältig zusammengelegt, ohne sich weiter mit ihnen zu beschäftige, einige wenige Karten aber, auf denen er die
Worte muhelos zahlen konnte, yletten seine Aufmerksamkeit eine halbe Stunde lang gefangen. F. v. W. stand am Fuße einer jeden, in kleiner, fester, klar ausgeführter Schrift. Es stand wirkUch so wenig auf diesen Karten, daß der Empfänger etwas hineinlegen mußte. Ob sie das ebenso verstand wie er, wenn ihr seine Briese zu Händen kamen?. Ob auch sie herauslas, was in der GeHeimschrift des Herzens zwischen den Zeilen stand?.... Darüber dachte Asten lange nach, und er sah im Gete ihre kleinen, ein wenig sonnenverbrannten Hände . ... Hätte sie eine größere Pflege auf sie verwandt, so wären d reizende Handchen gewesen, so aber waren es eigenwillige, naturfrische, knabenhafte Hände. Asten verglich, sie im Geiste mit anderen, die er kannte. Da waren diejenigen des alten Weibes da unten .... sonderbar, daß ihm die ge rade als ein Gegensatz einsielen! In dessen er hatte ihr neulich das Licht entrissen und sie dabei berührt. Da hatten sie sich fammtartig weich angesühlt, nicht wie die Hände eines Bauernwcibes, auch nicht wie dik eines alten Weibes .... Und dann die Augen dieser Alten . . . .Waren sie nicht in ihrem feurigcn Zorn auch jung?.. .. Der Major sing an sehr nachdenklich zu werden. Er woÄte doch daraus achten .... Was war das für ein Schrei?.... Er kam aus der Küche oder aus Jeanne. tons Zimmer, das daneben gelegen war . . . . Und jetzt ertönte er noch einmal und noch einmal!.! .. Asten warf feine Briefe hin und lief hinunter. Als er. die Thüre der Küche aufriß, prallten seine Soldaten zurück. Zwei hielten bunte Tücher in den Händen, ein anderer sah auf eine grauhaarige Perücke, die auf seinen Stiefeln lag. Zwischen ihnen stand ein Mädchen mit zornsprühenden Blicken, ein Scheit Holz in den zur Abwehr erhobenen Händen. Nackte, bräunliche Schultern erhoben sich in schwellenden Linien über dem weißen Hemd, eine schwarzglänzende Flechte hing bis zu den Hüften hinaö, während eine andere noch um den Kopf gefchlungen war. Die ganze Gestalt, das Ge sicht waren von überraschender Schönheit; und der älteste der Burschen, auf dessen Stiefel die Perücke lag, blickte entsetzt abwechsend auf diese, auf einen Höcker von Lappen, der in seinen dreiten Fäusten hing, und auf die herrlich gewachsene Geftalt .... Nu such einer dat Herenvolk, " murmelte er verdutzt, während auf seinem breitknochigen, pommerschen Gesicht sich das dümmste Erstaunen malte. Asten erfaßte den Vorgang im Augem blicke, da er ihm ja förmlich Antwort auf die in ihm kaum entstanden Fragk gab. Das Madchen flog, als- es ih sah, zu ihm hin, warf das Scheit fort und umfaßte feinen Arm. Sie werden mich schützen!" rief c! leidenschaftlich aus. Ich kann mich kleiden, wie ich will! Ich kann alt oder jung sein, wie ich will! Dies Elenden haben deshalb kein Recht, miz die Kleider vom Leibe zu reißen. . Gewiß nicht, " antwortete Asten ruhig, aber Sie haben das seilst hervorgerufen. Warum nahmen Sie eine Rolle auf sich, die Sie nicht durchführen konnten? Sobald die Maske den Leuten verdächtig vorkam, war zu erwarten, daß sie versuchen würden, dieselbe gewaltsam zu lüsten." Sie Sie werden mich schuhen? stammelt die Getadelte wie vorher. 3ch werde das gar nicht nöthig ha, ben, " sagte Asten ernst, denN es wird Sie seht, wo wir wissen, wer Sie sind, niemand mehr belästigen. Jungcns, macht mal, daß ihr hier 'rauskommt," kommandirte er dann auf deutsch:Kehrt! marsch!" Die drei marschirten kerzengerade hinaus. Der Major bückte sich und reichte die am Boden liegenden Tücher dem Mädchen. Hie? sind Jhre Toilettengegenstände: die übrigen sind, denke ich, künstig über flüssig. Wenn Sie diese hier in Ruhe wieder angelegt haben, bitte ich mir zu gestatten, Sie auf Ihrem Zimmer zu besuchen, und mir alsdann mitzutheilen, wie es kommt, daß Sie in diesem Hause allein zurückgeblieben sind. " Er verbeugte sich und verließ die Küche. DaS Mädchen stand hochathmend eine Minute mit den Tüchern in der Hand da. Dann stürzte sie in ihr Zimmer, fetzt sich und sah schweigend vor sich hin. Sie war wie benommen. Astens gleichgültiger Ruhe war es vollkommener als der täppischen Neugierde der Soldaten gelungen, ihre Fassung zu erschüttern. Wie kam es, daß ihn nichts in Erstaunen fetzte? Konnten ihre Schönheit, ihre Jugend völlig ohne Eindruck aus ihn bleiben? Hatte er nicht vor ihr gestanden so gleichgültig, entschlossen, sicher, als ob er einen Rekruten cinererzire? . . Nicht eine Minute hatte er feine kalte Besonnenheit verloren.. Sie war eS. die wie auf ein RätUel auf ihn blickte. Mit demselben Ausdrucke wanderten ihre, Blicke jetzt noch durch, die Stube. .Er werde kommen, hatte er ihr gesagt, und danach fragen, weshalb sie hier allein geblieben fei. . . . Nein! das wollte .sie nicht! Hierherein dürfte er nicht.. .. Eher wollte, sie ja sie wollte zu ihm! Besser den Löwen in seinerHohle aüfsuchent , , : , ' Sie erhob sich und trat vor, ihren Toilettentisch. Sie sah abscheulich aus mit den gemalten , Falten und Runzeln im Gesicht, und es trieb ihr das Blut in die , Wangen als sie dachte, ha er sie so und mit der , unordentlichsten Kleidung gesehen hatte. Hätte er mit einem Zucken der Wimper : verrathen, 5atz ihn Ihre , Schönheit dennoch' verbluffte, daß es sein Interesse, tseine Reugierde, ebenso wie die der Soldaten, erregte,,, zu . entdecken, daß, unter der ilten Maske sich ein junges," IlüheWs Mb verstecke,, eß wäre ,,fürUe,elN?AÜ agsmensch gewesen ' wie,,,!, jene,, nicht erth, daß sie ihn beachtete. Aber,, so,
wie er sich ihr gezeigt, hatte er den festen Entschluß in ihr geweckt, semer Gleichgültig keit Trotz zu bieten. ES war unverschämt von ihm, so gelassen zu bleiben. Sie wollte ihm zeigen, daß sie mindestens fs ruhigen Blutes fei, wie er!. . . Nicht ohne Mühe entfernte sie die häßlichen Malereien. Die fchönen, ein wenig, strengen Formen des Gesichtes rundeten sich jugendlich, sobald die künstlichen Falten aus ihm wichen. Die schwarzen, mandelförmigen Augen cnthüllten ihr Feuer unter den breiten, weitaufgeschlagenen Lidern, der Mund nahm seine weichen, jugendlichen Linien an. Sie thürmte das schwere schwarze Haar in kunstvoller Frisur in vielen Rolle vom Hinterkopfe nach der Stirn empor. DieZüge waren so regelmäßig, daß sie selbst unter dieser entstellenden Frisur noch fesselnd blieben, aber die Fülle des Haares machte es schmierig, es so nterzubringen. Als dies endlich gelungen war, trat die gänzlich Veränderte aneinemWandschrank, nahm einTrauerkleid heraus und legte es an. Es schloß sich knapp um die volle Figur. Sie betrachtete nachdenklich das Innere des Schrankcs, schloß ihn darauf ab, steckte den Schlüssel in ihre Tasche, sah sich mißtrauisch im Zimmer um, verschloß dann auch dieses und begab sich zu dem Offizier. Schon bei ihrem Eintreten entdeckte sie, daß es ihr gelungen war ihn doch zu verblüffen. Er war verwundert, zumal sie in der Frifur und dem Kleide, daS sie gewählt, .wirklich aussah wie eine Dame, welche beanspruchen konnte, daß er ihr seinen Besuch machte. Ihr Schönheit blieb auch nicht ohneWirkung auf ihn. Nun hatte das doch etwas Peinigendes für sie. Sie hätte nicht anders gehandelt, hätte sie den Entfchluß wiederholen müssen, aber ihre Festigkeit konnte sie kaum davor bewahren, verlegen zu werden. Er erlaubte sich, ihre Erscheinung diesmal ncugleriger zu betrachten. Ohne Fehler war ihre Schönheit nicht. Die Haut, im übrigen frisq und weich, spielte in der Farbe zu sehr in's Gelbe, die Mund, winkel hatten einen hjxben, verächtlich gesenkten Zug, und üb ihnen-lag ein zarter schwärzlicher Flaum, ein Ansatz zu feinem Schnurrbärtchcn, der nicht zu verkennen war. Aber zeichnete gerade dies nicht verführerisch die weiche Bildung der Lippen nach? Hob der gelbe Hautton nicht die von langen Wimpern umsäumten dunklen Augen in leuchtendercm Glänze hervor? Zog nicht sogar eine kleine, bräunliche Warze, zwei Finger breit von dem Ansatz des linken Ohres, den Blick nur öfter auf das zartgerundete Oval der Wange hin? Asten gab sich Mühe, seine Ueberraschung auch diesmal nicht bemerkbar werden zn lassen. Er erhob sich, als
sie kam, und verneigte sich, ohne mit einem Worte zn offenbaren, daß er dies Kommen nicht erwartet habe. Er bot ihr einen Sitz an, aber sie nahm diesen nicht, sondern blieb stehen und stutzte nur die Hand auf den Tnch. Ich komme selbst, um Ihnen zu fagen, was Sie wissen wollen. Sie sollen nicht denken, daß tch mich fürchte, -sagte sie. Daran habe ich gar nicht gedacht, 0 antwortete er ruhig. Sie erröthete unter seinem prüfenden Blicke, raffte aber ihre ganze Entschlosfenheit zusammen, richtete sich in fester Haltung auf und erwiderte: Das ist mir lieb, denn ich werde mich entschließen müssen, hier im Hause zu bleiben, so ungern es auch geschieht." Sollten Sie das wirklich müssen? fragte er befremdet. ' Jch meine, Sie werden doch wohl irgend eine Familie im Dorfe haben, die bereit ist, Ihnen ein Obdach zu eben? Der herbe Zug grub sich tiefer um ihre Lippen. 5tch gehöre nicht in diefeS Dorf, und die Leute in ihm mögen mich nicht. Ich bm Pariserin und bleibe lieber für mich. So Aber wie kommen Sie dann hierher?" Sie schloß für eine Sekunde die Augen, um die Flammen desHasses zu verbergen, die aus ihren dunklen Tiefen emporschosfen, und sagte kurz mit harter Betonung: Das Haus gehört einem Vetter umner Mutter, einem ältlichem Junggescllen, der mit einer alten Magd hier wohnte. Vor kurzem starb meme Mutter.in Paris und ließ mich arm zurück. Bald darauf kam dieser Vetter und holte, jrnch zu sich. Ich sollte ihm die Wirthschaft führen. Aber ich merkte bald, daß er mich heirathen wollte, und das mochte ich nicht. Ich möchte mem Leben nicht hier verbnngen, tch kann mich tn das Dorfleben nicht sin den. Ich hoffte in Paris eine Stellung zu sinden, uoch ehe er sich erklart hätte. Da brach der Krieg aus und zerstörte unsere Pläne. Wir beschäftig' ten uns mit anderen Sorgen, und eines Moraens hieß es: die Preußen kommen! Am Morgen darauf war mein Liebhaber fort und seine alte Magd mit ihm, jedes nach einer anderen Seite, glaube tch, bei Nacht und Nebel entwichen. Mich hatten sie zu benachrichtigen vergessen. Solch ein unnützes Gepäck, wie nnL 2. ..JL .. tut 'iaocycn, liimini man za auaj, wenn die Reife eilig ist, nicht gern mit. Ich blieb also hier und beschloß, mir auf meme Welse zu helfen. machte mich alt, wie Sie wissen, um neuem Bewundern zu entgehen. Aber rch hatte auch darin kein Glück.. . . " Asten hörte aufmerksam zu und fühlte ein aufricbtigcs Bedauern für daS Mäd chen. Cr horte viel Bitkeckeit aus den kurzen Worten .,' und errieth, daß hier ungewöhnliche, Schönheit, die unter glücklichen, Verhältnissen wohl der Sftlz gewesen' rvare h diesen Tagen , in Wahrheit zu Furcht und Zittern Vcranlassung geben konntet . , , Ich wünschte,,, Sie . wären , glückj7 .,,,. i,7ffu ' f licher ., MweM,., sagte, er warmer, deun , eS ist immerhin ,mlß lich sür ein junges Mädchen, allein j in einem Hause voll Soldaten zu, .bleiben. Ich rathe Ihnen ,,floniaH, nznm Sie', irgend Jemand im Dorfe kennen .". . .
Wieder schlössen sich die dunklen Win pern halb über den Augen, und der hübsche, herbe Mund antwortete ein kur zeö Nein!" Astens prüfender Blick wurde scharfer. Eigenthümliche Zweifel stiegen in ihm auf. Sie haben zu entscheiden," sagte er langsam, aber bedenken Sie wohl, daß Ihr Ruf leiden wird und muß, wenn Ihre Dorfgenossen erfahren, daß Sie freiwillig hier im Haufe bleiben. Es ist nun einmal nicht Sitte, daß ein junges Mädchen so selbständig auf
tritt, ganz besonders der Ihren Lands leuten nicht. . . . " Ske irren, erwiderte das junge Mädchen kalt und sah ihn gerade an, man wurde es mir hier verdenken, wollte ich das Haus verlassen. Soldaten sind ja auch überall." Er zuckte die Achsel. .Thun Sie, was sie wollen." Sie nickte. Jch bitte Sie nur nochmals, dafür zu forgen, daß ich in mci? nem Zimmer von Niemand belästigt werde." Davor sind Sie ganz sich. Ich danke. Adieu." Sie verließ ihn mit einer kaum sichtlichen Kopfbcmegung. Er blieb nicht gerade in zufriedener Stimmung zurück. ES fchien ihm im ersten Augenblicke verdrießlich, daß sie im Haufe blieb. Es konnte doch Anlaß zu neuen unangenehmen Scenen geben. Und wer bürgte ihm dafür, daß ihre Landsleute den Entschluß so auffaßten, wie sie erwartete? Sie war wirklich ausfallend schön. Wenn sie die Stirn ein wenig nach rückwärtS bog und die dunklen Wimpern halb schloß, sah das strenge, regelmäßige Gesicht aus wie ein, von Meister Hand gemeißeltes Medusenhauxt. Asten versiel in tiefes Sinnen. Alles, was sie bewog zu bleiben, hatte sie ihm nicht gezagt, wohl daS Wichtigste nicht. Das galt es jetzt selbst zu ergründen und auf seiner Hut zu sein, damit das Mädchenantlitz den nüchternen Verstand nicht verwirrte. .. ..Sie könnten ihn vergiften. . . Die Worte sielen ihm wieder ein. Schade, daß er ihre Antwort daraus nicht gehört hatte .... Daß sie allein aus Abneigung gegen ihre Dorfgenosscn blieb, war sicherlich nicht wahr. Diefe Abneigung wäre jedenfalls vor dem Patriotismus, der ja alle gegen die Feinde verband, gewichen .... Der Major beschloß, ein scharfe Auge auf das Mädchen zu haben, aber schon in den nächsten Tagen zerstörte sie jedes Mißtrauen. Sie lebte so völlig für sich, als gäbe es außer ihrer Ziege kem Wesen von Interne auf Erden. Das Thier pflegte sie allerdings mit beinahe krankhafter Zärtlichkeit, brachte es Morgens in den Garten, kochte ihm Mittags felbst die Tränke und holte eS eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang regelmäßig zurück. Im Garten saß sie oft stundenlang bei ihm, streichelte es, sprach mit ihm und gab ihm Salz. Asten beobachtete sie ein paarmal, sie aber sah nie zu ihm hin. Und doch wähnte er, sie müsse sich nack einem Menschen sehnen, mit dem sie wenigstens ein paar Worte tauschen könne, und wäre es in Streit und Zorn, alles besser als diese öde Einsamkeit, in welcher sie ihre Tage verträumte. Er sing an, ernstliches Mitleid mit ihr zu fülsten. Sie trug ihre Verlassenhcit so entschlossen, als dürfe sie vom Schicksal Nichts anderes begehren. Ge rade das rührte ihn. Und dazu kam ein nicht ganz abzuweisendes Gefühl des Vorwurfes, daß er theilweife doch schuld an ihrer Vereinsamung trage. Hatte er doch verboten, daß irgendwer mit ihr verkehre Als er sie am fükkften Tage wieder mit der Ziege im Garten sah, ging er zu ihr. Es war doch das wenigste, das er für sie thun konnte, daß er einmal ein paar freundliche Worte an sie richtete. Sie saß auf einem Bänkchen unter einem vollblatteriaen Holunderstrauch und reichte der Ziege die schwarzen Beeren. In dem hellen Mtttagsltcht sah das mattgelbe Gesicht mtt den scho tim, verächtlichen Linien mehr noch wie in Marmor gemeißelt aus als am Abend. Als Asten näher kam, zuckten die langen Wimpern aus, und den Ofnzier traf ein so feindseliger Blick, daß er unwillkürlich stehen blieb. Ist Ihnen meine Gegenwart zuwi der't fragte er grüßend. Sie antwortete mit der Gegenfrage: .Wünschen Sie etwas von mir?" Aufrichtig gesagt, nein! Sie thaten mir nur leid als ich sie so emfam sah. und ich wollte mich bemühen, Sie etwas zu unterhalten. Ich bin leider nicht ganz unschuldig .daran, daß Sie sonjt niemand sehen. " O, ich verlange nach niemand." Dann soll ich mich wohl entferuen? Wie Sie wollen." Sie streckte langsam eine ihrer schmalen, weichen, gelben Hände vor und streichelte das,.Tier. . Es war diese Bewegung, in der etwas Weiches log, was der Härte der Worte widersprach, die Asten zurückhielt. Sie hassen UnsDeutschesehr," fragte er, es muß deshalb unendlich peinlich für Sie sein, mit uns in einem Hause zubleiben?" Ich hasse Sie nicht mehr als andere. und in jedem Hause würde ich Deutsche sinden." D3 ist richtig, aber in jedem wären Sie nicht so ausschließlich auf rh?e Ge sellschaft angewiesen." . Sie hob wieder die Wimpern und sah ihn diesmal zornnammcnd an. Ich sinde es .wenig rücksichtsvoll. mich fortwährend aus einem Hause, das poch sicher ehe? meines als Ihres ist, hmauszuwelien." 'Er 'nickte. Höflich ist eS ich, versetzte er, dann haben Sie recht. aber Sie müssen mir zuaeben, fcri? eS nicht gerade angenehm ist, mit jemand '. .. . i '.' in einem .yauje zu reoen, ocr iicn cism zum heftigsten Haß gegen Uns bekennt." fF (ie ruckte den Kops m ihrer abww senden Bewegung.- - '' " ft7S&itina""lÄfi)V:...-
Cln igenthkmttcher Brauch.
Im spanischen Amerika ist die eianr thümliche Sitte verbreitet, den Tod eines kleinen KindeS durch ein lustigeSFest zu feiern. Diese Gewohnheit tc steht auch im südlichen Theile Chile?, und nicht nur unter den Mischlingen, sondern auch unter der weißen einheis mischen Bevölkerung. Karl OchseniuS berichtet daritfo? im .Ausland- Fol gendes: Ost aenuq ist es mt vororlommm. daß wohlhabende Gutsbesiher im Innern der Provinz Valdivla reichliche krnkaufe für eme Festlichkeit erugft machen ließen, weil man den Tod eineL Säuglings erwartete. Ei Schlachtthier meist em Rind, war bald beschasst und in der Nähe des Hauses angebuu den, Apfelwein, Schnaps, Kerzen, Mehl. Fett und Süßigkeitm, soweit solche nicht im paushalte für Mahlzn ten und Fleifchpasteten sempanäs) ccrcaneen, uep man in ven errauzs laden der Umgegend oder bei den Nach barn kaufen oder borgen, und es wurde dort seh? übel aufgenommen, wenn man einem noch so arg Verschuldeten bei emem derartigen Anlaß den Kredit verweigerte. Auch Hilfsdiener dfleaten sich frei willig eiuzusinden; kurz, alle Vorderes tungen für ein mehrtägiges Fest ( Velorio gleich Todtenwache) mußten des Ansehens wegen womöglich schon getroffen sein, ehe das Wunuchrn die Augen schloß. Kam man in daS HauS oder Gehöft mit einem sterbenSkranken Kinde, fo war die einzige Traurige die Mutter desselben, allen Uebrigen sah man eher die erbosste Festesfreude an. als Beforornn. Zwe bis drei Tage bis Mr Beerdiauna dauerten gewohnlich die BelustigUNgeu. Die kleine Leiche pflegte man in der Cuadra-, dem großen Wohnraum auf zubahren, zu schmücken und mit ixen enden Kerzen und glauzendem Tund zu umgeben. Ele war ja nun em En gelchen angelito geworden und mußte demgemäß aufgeputzt werden. Da wurde dann von den Nachbarn und den Familienmitgliedern flott geschmaust, gesungen, musieirt und getanzt, Tag und Nacht hindurch;- besoders nöthigte man die Mutter zum Tanze. .Weme mcht." saate man rhr. wenn sie sich sträubte. Tein Kind ist ja nun ein Engel." Zuweilen kam eS aum vor, daß das krame Klerne nicht sterben wollte, sondern sich wieder erholte, zum großen Leidwesen derer, die sich als Festgenossen betrachtet hatten. Wir Europäer konnten ein weheS Gefühl nicht unterdrücken, wenn wir such nur vorübergehend Zeugen solcher Scenen sein mußten. Ich erinnere mich. eS war Anfangs der 50er Jahre, daß ich bei einem I. A. BastidaS in der Nähe von San Juan, dem großelr Gute Philippis in der südchilenischen Provinz Baldivm. auf der Ruckkehr von einem mehrtägigen Ausenthalt in Osorno, das erste Mal in ein Velorio gerieth. Ein klemer, etwa ein Jahr alter Enlel von ihm. Söhnchen seiner Tochter Emilia, welches ich bei früheren Besuchen nicht selten auf meinen ßmeen geschaukelt hatte und scherzweise va!a.ndto Landsmännchen seiner blonden Haare und hellen Augen halber zu nennen pflegte, war plötzlich ge ftorben; weithin war die Festesfreude hörbar. Als ich vor dem Hause hielt, kam mir der scbon Zehr angeheiterte Alte tnit einem Glase Wein entgegen und bot :S mir mit den Worten an: .Willkommen, Don Carlos, trinken Sie, sieigen sie ab und belfen Sie uns seiern. Ihr Landsmannchen ist heute früh gestorben!" Ich war buchstäblich so ergriffen, daß ich semer Aufforderung halb willen los Folge leistete, um zur Mutter zu zelangen. Ich sah sie verweinten Antlitzes inmitten einer zahlreichen Gesellschaft gerade vor dem strahlenden Paradebett veS Kleinen einen Tanz beendigen, brückte ihr nur die Hand, nachdem sie jich bei mir für mein Kommen bedankt, nd ritt traurig nach San Juan. Ich hatte den munteren Jungen recht lieb gewonnen und schob das, was ich mit BastidaS zu sprechen hatte, natürlich luf. Zu Hause erfuhr ich, daß ein Gedatier des Alten die Leiche für den sei I enden Tag erbeten hatte, um auch Gelegenheit zu einer Festlichkeit zu haben. So lange das (natürlich schon gelaufte und damit von der Erbsünde befreite) Kind noch keine Sünde beganzen. ;eht es bei seinem Tode geradenwegeS zur Seligkeit ein. Bedarf Gott oder die heilige Jungfrau eines solche Engels, so soll man seinen Hingang nicht aushalten, d. h. man soll nicht allzu sehreine Krankheitsheilung anstreben? Letzteres auch schon deshalb nicht, weil die Angehörigen des fleöenreinen Kindes in ihm einen Fürsprecher am Throne des Herrn im Himmel erhalten, und besonders die Mutter. Deshalb soll diese sich eher freuen, als gramen, and eS ist also eine Festlichkeit für ein solches Glück sehr gerechtfertigt. Man sieht daher nur sehr selten einen Arzt bei Krankheiten kleiner Kinder zu Rathe. Diese Anschauung scheint mit Ser großen Sterblichkeit unter den Neugeborenen in Chile (75 v. H. noch wr wenigen Jahren in Verbindung zu stehen." -Aus der guten alten Zeit. Der Kneipwirth Wisotzku in Berlin ließ iinmal, wie man nun mittheilt, in die .Haude und Spener'jche Zeitung- unter 'eine Tanzankündigunz setzen: .Beim Tanzm dürfen die Herren nicht tn kur ;en Jacken, erscheinen, die Damen abec zollen Schuhe und Strümpfe anhaben." ' Modern. Besuch: .Ich fürchte, Tu wirst Herrn Müller nicht lange fesseln Zünnen; er liebt sehr die AbVechselung." Junge Dame : .DaS schadet nichts, bis zur Hochzeit wich er wohl aufhalten.- Besuch: Mndnachher?" Junge Dame: Nun, nachher ist er doch mein Wann, dann ist n doch segelt!
