Indiana Tribüne, Volume 15, Number 2, Indianapolis, Marion County, 20 September 1891 — Page 2
Zur Geschichte des Compasses. Man weiß im Allgemeinen, daß die Chinesen den Compaß erfunden haben, aber Näheres darüber ist bis jetzt nicht bekannt. Nun veröffentlicht der North China Herald", der in Shanghai er scheint, über dieses Thema eine innfas sende, aus chinesische Quelle sich stützende Studie, der wir das Folgende entneh tten: Die chinesische Literatur enthalt nichts darüber, :oe? zuerst die besondere Eigenschaft kurer Nadel aus Magnet eisen wahrgenLWM hat, dagegen ve richtet sie, daß die eisernen Nadeln bei den Näherinnen des hinttnlifchen IieichZ schon vor der Regierung Schm - Schi Huanzs, also übe? 21 Jahrhunderte vor unserer Zeit, bekannt und inr Gebrauch waren. Magneteisen findet sich überall in China, besonders aber im Bezirk von Tschou; es ist also möglich, daß mag in diesem Bezirk zuerst die magnetische Eigenschaft einer Eijennade! erkannt hat. DieZ ist um so sahrZcheinlicher, als die Stadt Tschou, die früher Stadt des Mitleids" hieß, spater den Namen .Wagnet-Stadt" angenommen hat. Bekannt ist, daß die Chinesen schon frühzeitig mit naturwissenschaftlichen Forschungen sich beschäftigten und beson ders eifrig nach Erscheinungen suchten, die als Vorzeichen gedeutet werden konnten ; die Eigenschaft der Magnetnadel mußte ihnn naturgemäß bald auffallen. Immerhin erwähnt erst im . Jahrhundert v. Chr. em chinesischer Schriftsteller zum ersten Male die Nadel, die gegen Süden zeigt" ; er spricht von ihr als von etwas sehr Bekanntem, ohne aber irgend einen bestimmten Ge Itmid) anzudeuten. Diese Anwendung wird erst unter der Dynastie der Tsin, im Jahre 365 n. Chr., zugleich mit den ersten Lehrern der Gesmantte (Wahr. sagung aus Erderschemungen) erwähnt. DaI Auftreten des Buddhismus verstärkte die Sucht nach Wahrsagezeichen in der Natur, und nach die ser Richtung wurde die Magnetnadel schon von den Schülern KuZ'Pu'S, des Gründers der neuen Schule, benützt; Auo-Pu starb 324 n. Chr. Die Fort. schritte der Magnetnadel waren aber Kur langsam, denn als wirklicher Compaß der Geomantke erscheint sie erst im achten Jahrhundert unserer Zeitrech nung. Dieser Compatz bestand aus einem Holzblock, der oben ausgehöhlt war; die Bertiesung war mit Wasser ausgefüllt und auf diesem schwamm die Stadel. Auf dem Holz, rings um den Ausschnitt, waren concentrische kreise gezzgen, auf denen die zwölf Doppel stunden, die zehn Symbole, die acht Di2gramn!e und andere Zeichen des chinesischen Thierkreises angebracht vören.' ' Dser Compaß wurde z. B. jedesmal befragt, wenn es sich um die Rich" tung handelte, in der ein neues Haus, ein Grab u. f. n?. angelegt werden sollte. Bald entdeckte ein katserncher Astronom die Abweichung der Nadel vom Storden ; dieselbe betrug damals 2'03. Ein späterer Lehrer der Geomantie fügte einen neuen Kreis hinzu und nun wurde der Stand der Magnetnadel zu einer Art Horoskop bei Geburten benutzt. Es wurde Alles, dazu auch der Stand der Gestirne, notirt, und diese Aufzeich nungen galten nicht blos als Geburtsschein, sondern spielten auch eine wich tige Rolle z. B. bei der Verheirathung. Im 11. Jahrhundert berichtet Ehen ftua, daß man jedes Eisen maguetlsch machen könne, wenn man es mit tivm Magnet reibe; er hat dies selbst beobachtet und oft probirt. Aber erst im 13. Jahrhundert erscheint die Magnetnäel als Wegweiser für die Schiffe. Im Jahre 11 22 berichtet nämlich in räch Korea gereiste? chinesischer Gesandt ter. er habe auf dem Schiffe, auf dem er überfuhr, eine Nadel gesehen, die als Wegweiser diente. Das ist überhaupt die erste Erwähnung des Compaffes in der Welttitcramr wie in der chinesischen. Ter Text ist noch vorhanden; er sichert den Chinesen das Recht der Erfindung des Compaffes. Dieser erste Compag schwamm immer noch in einem Gesäß mit Wasser. Unter der Dynastie der Minz fanden die Chmesen auf japane sischen Schiffen, die sie gckayert hatten, die trockene Magnetnadel, die auf einer metallenen Spitze sich drehte. Die Japanesen hatten diese Ver besserung von portugiesischen Teefahrern bekommen, und ihre Compasse waren höchst wahrscheinlich europäisches Fabrikat. ie Chinesen nahmen das neue System an und so kam es allgemein in Gebrauch. Wahrscheinlich hatten sie auch schon Seekarten, denn schon vom 10. Jahrhundert an kamen ihre Schiffe nach Indien und Persien. So hatten arabische Kaufleute den Waffer-Compaß kennen gelernt; durch sie wardieKenntkiß nach Europa gekommen, wo man das System verbesserte, worauf es in der verbesserten Form nach dem Reich der Mitte zurückkehrte, von dem es aus gegangen war. Bemerkenswerth ist, daß die Araber die Einth eilung der Chinesen nicht übernahmen; statt der 24 chinesischen Punkte nahmen sie 32, nach den Richtungen der Winde und oem Lauf der Sönne, wahrend die chinesische Emtheilung auf der Theilung des Horizontes in die 12 Doppelstunden des Tages beruht. Die arabischen Quellen erwähnen auch noch, daß der aus China zu ihnen gekommene Com paß mittelst eines kleinen Schiffchens aus leichtem Holz aus dem Waffer schwamm. Die chinesischen Bücher er wahuen diese Einzelheiten nicht.
DiePhantasie. Maler: (beim Spazierzang eine atte Soldatenmüe am Wege liegen sehend, zu einem Freunde): SehenSie, diese alteMütze, mit etwas Phantasie denkt man sich da neben den mit Blut bespritzten Lcich. nam eweI Kriegers, nicht weit davon eine Menge andere Gefallene, verlorene Waffen, zerbrochene Kanones verendete Pferde. Zn der Ferne verfolgende Ca. dallerie, am Horizont Pulverdampf k. und das herrlichste Schlachtbild ist ser Üa I
Aspiranten zur See. Episode aus tm Ren Jorlrr Ledm.
Cs war im Monat März. Das blei farbene, düstere Firmament schien mit den aufsteigenden Dampf- und Rauch maffen einen einzigen trüben Schleier zu bilden, der über der Riesenstadt aus gebreitet lag. Qkt kalter Nordwind fegte die Straßen entlang und wirbelte alle Augenblicke riesige, gelbgraue Staubwolken auf. in welchen Menschen und Thiere und Wagen aller Art auf eben so lange gänzlich verschwanden. Die Zeiger der Uhr am Cooper In stitute verkünoeten die zweite Nachmit' tagsstunde, als bei dem nach der unter Stadt zu gelegenen Eingange heraus zwei Gestalten auf die Straße traten. Es waren noch junge Bürschchen; de, eine siebzehn, der andere um ein paar Jahre älter; beide in dünnen, schäbigen Kleidern, und die Zeichen der Noth und Entbehrung trugen ihre mageren und bleichen Gesichter deutlich zur Schau. Kleidung, Gang, Haltung und Typus ließen sie auf den ersten Blick als einge wanderte Deutsche erkennen. Ein Windstoß fuhr um die Ecke und machte ihre Gestalten erschauern. Was Wunder auch, da sie soeben aus dem behaglich durchwärmten Lesesaale des Institutes, diese Zufluchtsstätte für müde und heimathslose Paria's der New Aorker Gesell schast kamen, um für ihre knurren Mägen ein Stück Brod zu erbetteln oder aus einem Aschfaffe auf zulesen. 9m! wie kalt es ist. Komm, laß uns eilen, damit wir wieder etwas warm werden," sagte der ältere der Beiden. Wohin willst Du gehen?" Wir gehen hinunter uach Hester Street, dort kleppern wir schon einen warmen Bissen und ein paar Cents zu sammen. Komm! Peremptorisch klang das Komm und zähneklappernd und unbeachtet eilten sie durch das Menschengewcge der Bowery hinab bis zur Hester Street. Dort angekommen, trennten sie sich. Der Eine ging rechts, der Andere links die Straße entlang, ein Jeder hier und da anläutend oder in einem Tenement hauS oder einer Bierwirthschaft aus eine Weile verschwindend. Eine halbe Stunde später bogen Beide in Essez Street ein und betraten daselbst eine Bi-rwirthfchaft. Ein Jeder hatte etwas Fleisch und Brod die größten Wohlthater der Armen sind die Armen, denn sie ver stehen das Elend, ohne erst fragen zu müssen und auch einige Cents ge sammelt. Das Innere dieser aeräm cherten, vernachlässigten, von sauren Dünsten geschwängerten Bierstube konnte bei hellstem Sonnenlichte nicht dertrauenerweckend auSsehen. viel mm ger jetzt, wo eine mystische Dämmerung darinnen herrschte, aus der nur der glühende Ofen wie das fenrig-blutig Auge eines TömonZ hervorleuchtete. ; Den beiden frierenden Jünglingen schien sie ein Paradies zu sein. Sie ließen sich an einem wackeligen Tisch ganz in der Nähe des Ofens nieder, breiteten die erbettelten Mundvorrathe vor sich aus und ließen sich Jeder einen sogenannten Schooner" Bier dazu geben. Herrlich mußte ihnen das Mahl schmecken, denn sie lachten über ihr eigenes Elend, ihre Augen glänzten vor Befriedigung. Als sie sich gesättigt hatten, griff der Jüngere nach der New Norker StaatsZeitung", die auf dem nächsten Tische lag und begann, da der filzige Wirth das Licht noch nicht anzünden wollte, im rothem Scheine des Koblenseucrs im Ofen die Verlangt-Spalte abzulezen. Wle nele Ättlllonen Augen wandern jährlich Über diese Spalte hinweg, hoffend auf Erlösung aus dringcnder Noth aus Verdienst! Aber unter all' den Hunderten Jßex langt-Anzeigen" woLte sich nichts Pas. sende finden. Es ist aber auch nicht mehr so leicht etwas, eine Beschäftigung für Den zu finden, der, wenn auch im schuldiger Weise, auf die letzte Stufe des City-Tramps gesunken ist. Plötzlich hob der Lesende seinen Kopf. Du, da wäre Etwas für uns, CtwaS das gewiß besser ist, wie dieses elende Hungerleiden und frieren." Was ist's? Laß sehen!Und der Jüngere las mit lauter Stimme: Verlangt: Kräftige und gefünde junge Männer sür den SüdseeWallsischfang. Reisebauer von einem bis zu drei Jahren. Großer Verdienst. Nachzufragen bei A. Mi... Nr.... Southstreet. .Wer weiß, ob man uns nimmt, wir sind keine Seefahrer." Well, wir können ja einmal hingehen, das Nachfragen kostet ja Nichts." Und sie tranken aus und eilten wieder hinaus; jetzt in die trübe Dämme rung, und lenkten, ihre Schritte durch Henrystraße nach dem Ufer des Eastriver zn. Bald hatten sie die betreffende Straße, mit den baufälligen, überaus verwahrlost aussehenden, von Geschäftsschildern dicht besaeken Häusern erreicht. Das betreffende Haus war auch bald gesunden, und ein kleine Tafel, an dem Zchmalen HauZeingang, wies ihnen die s fice" deSA. M.... im 1. Stock. Sie traten in den finstern, schmalen Hausgang und kletterten über eine noch schmalere, hinfällige, dicht mit Staub und Schmutz bedeckte Stiege hinan. Der kleine schmale Gang im ersten Stockwerke sah ebenso traurig aus. Sie klopften an einer Thür und traten iv die Office". Es war kein erfreuliches Bild, das sich hier ibren Blicken darbot. Einige höhe Schreibtische, mehrere Stühle, zwei Petroleum.Hängelampen und ein Ofen zierten den ziemlich großen Raum. Uederall starrte Staub und Schmutz ihnen entgegen. Die Fensterscheiben schienen Zelt Jahren nicht gereinigt wor den zu sein und viele derselben waren zcrjpruagen, oder ganz zerbrockcn und mit anderen Glassiüäen nothdürftiz ausgebenert. Zwei Mänüer, ein 'Alter und em Jüngling, deren Musiognomie über
ihre Abstammung vom auserwählten Volke, keinen Zweifel zuließ, empfingen unsere Tramps. Ist hier die Office von Mister M. . . . ?" frug der Aeltere. Yes, das ist meine Office, was wol len Sie?" Wir möchten gern fragen, wie es ist mit dem Wallfischfang" Ah, schön, werden Sie sain raiche Leut in eppes ä paar Johr, wenn Sie werden gehen am Wallfischfang. . . . Just nau brauch' mer starke, junge Leut, so wie Ste. . . . werden Sie be kommen plenty effen und drinken und K laider und nicht viel Arbeit, und wenn Sie werden zurückkommen in ä paar Johr, werden Sie haben Geld wie Mist. . . . Jsak, bring ömol die List und und die Artikel. . . . Diese Herren wollen machen ihr Glück." Der mit Jsak angesprochene junge Mann, in seiner Kleidung mit der Atlas 5 ravatte und den Lackschuhen an iüßen. fast zu elegant für seine Umebung, ührreichte dem Alten, dessen Fm ger schwere Goldringe schmückten, einen großen Bogen bedruckten Papieres. Ja, aber," wendete der Jüngere ein. den ein gelindes Grauen vor der Rede und Eilfertigkeit des Alten zu überkommen schien. .Aber? aber? Was wollen Sie noch eppes überlegen, young man? Ja, zwei, drei Jahre sind eine lange Zeit und auf dem Wasser." Gott! was seid Ihr sür forchtsame Leut! Ist drei Johr zu viel, werden Sie gehen auf ein Johr . . . . Und nun begann der redegewandte Alte ,hnen das Leben zur See in den
glänzendsten, verlockendsten Farben zu schildern. Eine Vergnügungsfahrt den Hudson hinauf war die reine Tortur, das Leben im Fisth Ave.-Hotel schien armselig gegen die Freuden an Bord eines Wallfischfahrers, wenn man den Worten des Herrn A. M . . . . lauschte. Endlich ging sein Redeschwall zu Ende, indem er kategorisch die Frage stellte, ob sie sich anwerben lassen wollten oder nicht. Als sie seine Frage bejalzten, da glitt ein befriedigtes Lächeln über die Gefichter der beiden Agenten, und es begann dann eine Procedur, die stark einer polizeilichen Protocoll-Aufnahme ähnelte. Vor- und Zuname, Geburtsort, Alter, Beschäftiguug; Namen von Eltern und Großeltern, derer Heimath und eine vollständige Personalbeschreibung wurde aufgenommen. Eodann wurde ihnen vorgelesen. respective in's Deutsche übersetzt, daß sie sich verpflichteten, gegen den 100. Antheil am Ertrage des Fanges, für ein und einhalb Jahre, nicht aber über zwei Jahre, als Matrosen und Arbeiter auf einem Schiffe derX. X. Wallsischshrer' Gesellschaft in I!ew Bcdford zu dienen. Sodann mußten sie das Dokument unterschreiben, und als das geschehen war, wurde ihnen gesagt, sich am nächsten Tage um 3 Uhr Nachmittag mit ihrem etwaigen Gepäck in der Osfice einfinden zu wollen. Hierauf wurden Beide gnädigst entlassen. Wo und wie dieselben diese, sowie die früheren Nächte zubrächten, kann uns gleichgiltig fein. . Es gibt Logirhäuser mit Betten zu zehn Cents per Nacht; es gibt aber auch viele Wagen über Nacht auf der Straße, und fast jede Polizeistattcon hat ein großes Gemach mit hölzernen Pritschen zum Unterstande für männliche Obdachlose bereit. Am Nachmittag deS nächsten TageS rbeiteten sich die zwei angehenden Aspiranten zur See durch den Schlamm und Morast der Straßen nach South Street. Es hatte im Laufe der Nacht geschneit. Der Aeltere trug ein kleines Bündel, der Jüngere einen kleinen, arg beschädigten Handkoffer. Als sie die Office wieder betraten, sahen sie staunend auf, denn da waren über ein Dutzend lauter junge Leute, theils anständig, theils verwahrlost ausseherd. Es waren Deutsche, Ungarn, Slaven, aber auch Amerikaner unter ihnen. Den meisten konnte man ansehen. daß nur äußerste Noth sie in diese Office getrieben, während Andere zweifelloS übermüthige, abenteuerlüsterne Durchbrenner von zu Hause waren. Dichter, stinkender Qualm füllte die Stube, denn die Mehrzahl der Anwesenden waren Raucher. Herr A. M. . . und noch zwei andere junge Gehilfen desselben eilten geschäftig hin und her, hier Auskunft gebend, dort nach etwas fragend. Noch immer kamen Nachzügler, bis die ganze Gesellschaft crca 20 Personen umfaßte. Es ging gegen vier Uhr Nachmittags. Da befahl der Alte den Aufbruch und die ganze Sippschaft begab sich, von den Agenten und seinen GeHilfen eskortirt,' nach dem Landungsplätze der New Bedford-Tampferlinie. Dort wurden sie insgesammt an Bord des Dampfers untergebracht und erhielt in Jeder noch ganze zwei Dollars als Handgeld. Dann verabschiedete sich der redegewandte alte Herr unter tausend Glück wünschen von den Leuten und , begab sich zu seinen Gehilfen aus dem Dock, um von dort aus das Schiff scharf zu be wachen.,- ES ist nämlich nichts Seltenes, daß ein loser Vogel sich anwerben läßt und dann vom Schiffe aus, mit seinen zwei Dollar? Handgeld, . das Weite sucht. . In New Bedford angekommen, wurde die ganze Gesellschaft abermals sofort in Empfang genommen und in verschieb denen, von den WallfischsahrerGesellschasten autorisirten Logirhäusern unter gebracht, um, dort bis zum Eintreffen auf eines der Fahrzeuge verpflegt zu werden. . ' Wie freuen sich dann diese unglückllchen Verstoßenen, wieder einmal ein Menschenwürdiges Dasein : sühren zu können. Die Wirthe sind aufmerksam! kost und Verpflegung sind gut. Nach j einigen Tagen trifft dann die Gesell schajt ihre Bestimmungen. Den Leuten wird mitgetheilt, auf welchem Schiffe z sie sich einzuschiffen haben.
. Unsere beiden Aspiranten wurden eruf die nach den südlichen Meeren auf
die Jagd fahrende Barke .Janer be ordert. Zwei Tage vor der Einschiffung führte man sie vx em großes Magazin. Dort wurde nochmals ein Protokoll mit ihnen aufgenommen, um dik Richtigkeit der früheren Angaben zu prüfen. Dann wurden sie körperlich untersucht und ihre Höhe gemessen. Hierauf erhielk ein Jeder eine viereckige, plumpe Seemannsklste, Unterwäsche, einen warmen Tuchanzug, mehrere Paar leinme Overalls", Kappe, Strohhüte. Schuhe, Meffer, Eßgeschirr, ein kleines Lämpchen, Bettzeug, Tabak, Pfeifen, Zündhölzer, Seife u. s. w.; sie wurden vollständig sür einen längeren Aufent' halt zur See ausgerüstet. Was das kostete? Das wußten sik nicht; Alle ging auf Rechnung ihres zukünftigen Verdienstes. Am nächsten Tage wurden sie in einer sehr gemisch ten Gesellschaft, worunter auch Farbige, an Bord der in der Bai liegenden Janet" gebracht. Mehr als di Hälfte der dreißig Mann umfassender Bemannung war des englischen Idioms nicht mächtig ; Dreiviertel von Aller waren überhaupt noch nicht zur Se gewesen außer vielleicht der einmaligen Fahrt als Passagiere über den Ocean. Alle waren . froh und guter Dinge. Bereitwilligst wurde das Verdeck voui Schnee gereinigt, die Anker aufgewun den und unter dem heillosesten Wirrwarr wurden die Segel gesetzt. Du Janet" entführte unsere Tramps und noch viele andere als Matrosen-Lehr-linge nach dem schönen, warmen Süden. Mühen und Gefahren, einem Leben voll schwerer Arbeit entgegen. Was sik erlebten, gehört nicht bierher; genug an dem, daß sie schon nach einigen Monaten sich selbst, die Welt und den Augen blick verwünschen, der sie nach South Street führte. Aber der Mensch lern! auch die größten Mühsale ertragen, und auch sie lernten mit der Zeit dit Dinge frcundUcher betrachten. Es ist zwar stets schwer, aus der Verkommenheit sich zu einem nützlichen Gliedl der Gesellschaft emporzuarbeiten, bei schwerste aller dieser Wege, dafür abe, auch der läuterndste, ist der Walfisch. fang. Achtzehn Monate waren vergangen. und die Janet" kehrte nach einer seh: erfolgreichen Reise wieder heim. Aus den Tramps und den Muttcrsöhnche waren tüchtige Matrosen geworden, und ein Jeder rechnete schon im Geiste seinen Gewinnst nack. Aber sie hatten obn den Wirth gerechnet. Nachdem Alles. was sie früber, natürlich zu den höchsten Preisen, erhalten hatten, abgerechnet war, blieben ihnen je $'25 ! Sie remonstrirten, engagirten einen Advocaten, um ihnen zu ihrem Rechte z perhelfen jedoch vergebens. sek Advocat brachte sie an Bord des nach New Aork fahrenden Dampfers ; er drückte ihnen ihre $-i5 in die Han) , und sagte: Macht, daß Ihr weiter kommt, sonß verklagt Euch noch die Gesellschaft wegen Verleumdung und Ihr werdet einge sverrt; ich will schon noch sehen, was ich für Euch thun kaun." So kamen sie wieder nach New Fork. Wohl hatten sie wenig Geld, sie hatten aber gute 51leider, waren gut geschulte Matrosen und konnten sich auf anstän dige Weise jederzeit ibr Brot verdienen. Sie waren wieder nützliche Mitglieder der Gesellschaft geworden, wenn sie auch von ihrem Advocaten und ihrem Gelde nichts mehr hörten. Und so wie diese gingen und gehen heute noch immer Tausende als Asp:ranten zur See, um der Noth, der Versumpfung zu entrinnen oder, wie dies sehr häufig der Fall ist, die Lust am Abenteuern zu ver' lernen. Ein echt türkischesStück' chen haben die Lokalbehörden von Saloniki fertig gebracht. Wie in allen Städten der Türkei, wimmelten auch dort die Straßen von herrenlosen Hunden, an deren Erhaltung dem Moslem in erster Linie deshalb so viel gelegen ist, weil er in ihnen eine Art Gesundheitspolizei zu erblicken gewohnt ist. Fressen sie doch alle die Speisen- und Gemüsereste auf, die man hier zu Lande ohne Weiteres auf die Straße zu werfen pflegt. Zwar besteht auch eine menschliche Straßenreimungpolizei, . doch scheint-der Türke die vierbeinige sür zw verlässigerzu halten. Jedenfalls will er sich nicht VON ihr trennen, und se kuge die menschliche Gesandheitspolizei im vollen Sinne des Wortes .unterem Hund" ist, hat er so unrecht nicht. Vo, Kurzem brach nun unter den StraßenHunden von Saloniki die Tollwuth uus, zahlreiche Personen wurden gebissen und starben an der furchtbaren Krankheit, und das Entsetzen war groß. Die Lokalbehörden mußten etwas thun, die regten Gemüther der Einwohnerschaft zu beschwichtigen. Und was thaten sie? Sie ließen sämmtliche herrenlose Hunde der Stadt einfangen, in Säcke stecken und ...ersaufen? Bei Leibe nicht! So macht man'S in der Türkei gelegentlich mit rebellischen Sofias, aber me und nimmer mit Straßenkötern! Man steckte sie in Sacke, suhr sik darin weit, weit .zum Städtle hinaus" und ließ sie draußen lausen. Dort wögen sie andere Leute beißen und wenn dieselben daran sterben, dann Hat'S - eben, Allah in , ihrem KiSmet so bestimmt. Jnschallah ! . . . Darum, fremder: Sauen Sie 'mal, ist denn die Reparatur an diesem. alten Thurme noch nicht beendet? Wle ich vor drei Jähre das letzte Mal hier war, wurde doch schon daran gearbeitet. Einheimischer: Die Reparatur ist längst fertig, aber weil das Gerüst sehr !schwer4anzubtrngl,i,,Ußt man es gleich bis .zur nächsten Reparatur pehent7'' r r.:- i.. : ; MPQmfimie tn: Siehst Tu er hat doch Talent, unser MoritzZheut' hat er verkauft sein erstes Gemälde um fünfzig Mark. Vater: A Wunder, hundert und zehi Mark kostet mich de? Rahmen dazu!
Herzogin
Vo !p,,s. d. Weklheimer. In der Gallcrie origineller, geistig begabter Frauen gebührt Elisabeth Eharlotte. Gemahlin des Herzogs Philipp I. von Orleans, Schwägerin Lud wigs XIV. und Mutter des nachmals so berüchtigten Regenten von Franks reich, ein hervorrcg?ader Platz. Ihre Berühmtheit verdankt sie den an die verschiedensten Personen gerichteten zahllosen Briefen, die ihre Schreibelufl zn Tage gefördert und die nunmehr zu den interessantesten und merkwürdigsten Denkmalen des 17. und 18. Jahrhunderts gehören. Sie sind von einer Frische und Anschaulichkeit, die unmittelbar in die Zeit zurückversetzen, der sie entstammen. Die Sprache derselben ist ungemein kräitig und gibt Kunde vo einem energischen, männlichen Geist, den die Ungunst des Schicksals nur noch stählerner gemacht. Die bedeutendsten ihrer Briefe wechselte sie mit ihrer Tante, der Knrsürstin Sofie von Hannover, von denen' schon Ranke in seiner Französischen Geschichte" einen Theil veröffentlichte und die nun in ihrer ganzen Fülle von Eduard Bodemann (Aus den Briefen der Herzogin Elisabeth Eüarlotte von Orleans an die Kurfürstin Sosie von Hannover), dem Publikum dargeboten werden. Liselotte," wie Elisabeth Chorlotte im Elternhause genannt wurde, war am 27. Mai 1052 geboren worden, als die .einzige Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz. Sie war em heiteres, fröhliches Naturkind, das gerne sprang und büpfte und das Leben genießen wollte. Bald aber wurde sik gegen ihren Willen zur Heirath mit dem Herzog von Orleans gezwungen, wodurch nicht nur das bitterste Elend über ibre Heimath, sondern auch über sie selbst kam. Anfangs schien Alles gut zu gehen, denn ein Jahr nach der Ehe ( 172 ) schrieb sie an die Kurfürstin : Ich sage nurdißes, daß Monsieur (so wurde ihr Gemahl genannt) der beste Mensch von der Welt ist; wir vertragen uns auch gar woll." Allein der Herzog, ein eitler, weiör licher Geck, beherrscht von GünsUingen und an ganz andere Vergnügungen gewöhnt, als sie das Familienleben gcwäkrt, entfremdete sich allmälig seiner Gattin. Nicht die zärtlichste Fürsorge von Seite der Herzogin vermag den Gallen besser zu stimmen. Ew. Liebten" schreibt sie betrian sich woll sehr, wenn sie meinen, daß mein Sorgen und Mühe, so ich Monsieurs wehrender Krankheit genehmen. I. L. mögen attzydrirt haben; durchaus nicht; denn er ist nicht sobeldt Wider gesundt worden, so hab ich dessen Haß woll gewahr worden.' Monsieur ergibt sich dem lie derlichsten Leben und sucht in cynischsr Weise auch seinen Sohn auf den Weg des Verderbens zu bringen, um ihn dadurch seiner Mutter zu entfremden. AllcS, was Monsieur in der Welt hatt schreibt sie verthut er, er wird seine Kinder zu pure Bettlers machen; er denkt in der Welt ahn nichts alß was auss dießes Leben ahngesehen ist. Mir ist er immer zuwider in alles, scheut mich immer ; er lest sich gantz und gar von den liederlichen Bursch regieren; alles in sein undt mein Hauß wirbt zu deren Bursch Prosit verkaufst. Es ist eine rechte Schande, wie es zugeht. Meinen Sohn haben die Favorittcn von Monsieur gantz eingenohmen, er liebt die Weil-cr undt sie seindt sein Kouplers, schmarotzen, fressen und sauffen mitt ibm und stecken ihn in ein solch Luderleben, daß er nicht wider herauß kan kommen, und weillen er weiß, daß ick sein Leben nicht prodire, so fchwrt er mich und hatt mich gantz und gar nicht lieb." Aber nicht nur diese beiden, ihr nahestchenven Persönlichkeiten sröhnen dem Laster. Wohin sie immer blickt, gewahrt sie nichts als das verderbteste, liederlichste Treiben. Elisabeth Charlotte. die ikrcr Feder frei die Zügel schießen läßt und Dinge bespricht, die beute keine ehrbare Frau auch nur zu streifen wagen würde, erzählt von unnatürlichen Ausschreitungen der damaligen Gesellschaft, die diese in einem sehr düsteren Lichte erscheinen lassen. Sauf sen bericktet sie einmal an die Kurfürstin wird hier im Land erschreck lich gemein unter die Weiber von Qualitet", und von ihrer eigenen Schwiegertochter heißt es: Sie beucht gar nichts, seufft und ist coquette." Aber nicht nur der Haß ihres Man nes und das verlotterte Leben ihres Sohnes verbitterten ihr vas Dasein. Um ihr den Aufenthalt in Frankreich noch mehr zu vergällen, fand sie in Mc dame de Maintenon, der Allmächtigen" cm Hose Ludwigs XIV., eine gefähr liche Gegnerin, die ihr im Vereine mit dem Herzog die Gunst des Königs raubte. Elisabeth Charlotte, die nie mals ihre Sprache mäßigt und ihrem Ingrimm stets den stärksten Ausdruck leiht, hat ihrer Feindin dasür mit Worten heimgezahlt, die Madame Mainte non, wenn sie ihr zu Gesichte kamen und dies scheint wirklich der Fall gewesen zu sein, in den hellsten Zorn versetzen mußten. Welchkr Hmker," so cu'zerte sie sich einmal, uns unsere alte Lium pumpe! hier wollte wegnehmen, sollte' ich woll vor einen ehrlichen Mann hal ten und gerne vor ihn bitten, daß er rnögte geadelt werden. Aber meine Parthy ist gefaßt, ich will hinfüro, wo mir'ö möglich ist, die Zeit nehmen, wo sie kompt undt nur vor meine Gesundtheit sorgen, denn ob ich schon nicht jung mehr bin, so ist doch die alte Zott alter als ich, hoffe also, daß ich noch vor meinem ' Endt .den Spaß, haben werde, den alten Teussel bärste zu sehen." Ihrem Einflnfse schreibt sie das Ucberwuchcrn der Fröm melei am Hofe zu, eine Erscheinung, die sie anwidert und von der sie sich im höchsten Grade abgestoßen,, fühlt. ,,,, ES ist ! ein ! glänzender Zug ; im Charakter bet ogiftv i ifeeTjhKlrteli3uiiit schasten offenbart und sie so vortheilhaft abhebt vom Hofe Ludwigs XIV., wo Religionshaß und VerfolgungS sucht ihre
Blüthe trieben, daß sie jedwede Unduldsamkeit verdammt und verurtheilt. venn man - so lautm ihre schönen Worte - meine Stimme und Meirnrng folgen wollre. wurde gewm Niemand wegen seines Glaubens geplagt werden und em jeder leben wie es ihm am be. sten beucht, denn ich habe mcht Vanttat genug, um zsmalen mir einzubilden, dan intch Gott der Allmachtige in diese Welt gesandt hat. um aller Seelen Nichter zu sem und um zu w:nen. wer seelig werden kann oder mcht. Interessant ist es aber auch, was für folgen die Her - j9.9 t. r u ( i a u "'"" utueumn Leben und der Frömmelei ableistet. Ew. Liebden schreibt sie an die Kurfürstin können nicht glauben, mit plumpt undt ungezogen.alle Frantzosen seyndt ein Jahr 12 oder 13 geworden. Es seindt nicht zwei von den jungen Leutten von Qualität, so zu leben missen ; weder im Reden noch im Thun. Zwei gar differente Sachen seyndt hierin Nr, sack', nämlich die jetzige Devotion bey Hoff und die Desbauche mit den Man-nern.-Aber dieselbe Frau, die so hoch von der Gewissensfreiheit denkt, eben die selbe Frau trägt in Allem, was ihren Stand betrifft, den unbändigsten Adels stolz zur Schau. Sie haßt das Ein dringen Unebenbürtiger in die altfürstlichen Geschlechter, was sie das Aer mengen des Mäusedrecks unter den Pfeffer nennt. Daher ist sie empört, daß die einstige Hofdame und Geliebte des Herzogs Georg Wilhelm sich zur Gemählm desselben emporgeschwungen. Ihr Blut wallt auf. weil diese AI tesse" titulirt wird, sie will die Zott" für keine rechtmäßige Herzogin anerkennen und hält es für gegen den heiligen Geist" gesündigt, daß der hannoverische Erbprinz Georg Ludmiz deren Tochler, ein' solch' Stück Fleisch" hei rathe. Mit demselben Unwillen verurtheilt sie den Fürsten Leopold von AnhaltDessau, der sich 1698 mit Anna Louisa Föse. der braven Tochter eines Apothekers von Dessau, vermählte. Ich gestehe, daß ich nicht woll leiden kann schreibt sie daß eine Apothekerstochter vor eine Fürstin passirt und so ein alt Haus verschend!" und dann wieder: ES ist leyder nicht wahr, daß der brutale Fürst von Anhalt todt ist. EZ kann einen verdrießen, daß so manche ehrliche Leute sterben und eine solche bestia leben bleibt. Man sollte nur Apotheker von seinen Söhnen machen ; von einem solchen Kerl kann nichts Guts kommen. Ich hoffe, dießer kühle Fürst wirdt aus emem Mist mit all seinem Apvthekerzeuch sterben." Diese beschränkte Auffassung ihrer Standesverhältnisse bildet die einzig dunkle Stelle am Eharalter unserer Fürstin. Aber verglichen mit den dielen vorzüglichen Eizeuschasten, welche sie zieren, mag man gerne über diesen Flrck hinwegsehen. Eine Fürstin, die sich über Religion und Gewissensfreiheil äußert wie sie es thut, eine Fürstin, die da sagt: Die Könige halt' ich nicht vor glücklich, so nur an Politik denken und weder Freund noch Verwandte lieben wollen." eine Fürstin, die jede Falschheit und jede Nichtswür digkeit im privaten wie im öffenthchen Leben auss schärfste verdammt, eine solche Fürstin kann durch einen Irrthum, und sei er noch'so beklagenswttth, ihre? sittlichen Größe nicht beraubt werden. Es lohnt sich aber, die Briefe nicht nur rückfichtlich ihres Inhaltes zur Schilderung der Persönlichkeit der Herzogin zu würdigen ; sie verdienen auch volle Beachtung hinsichtlich ihrer Mittheilungen über sociale Vorkommnisse. So ist denn kulturhistorisch interes sant. was sie über die Wirkung des Kaft fee schreibt, der zu jener Zeit am Hofe Ludwigs XIV. in Gebrauch kam. Nehme ich Eaffe schreibt sie glaube, daß ich närrisch würde werden; vor etliche Jahren habe ich es einmal versuchen wollen, allein es stieg mir dermaßen ins Hirn, daß ich kein Äuge zu thun konnte und unruhigere Gedanken als cmlrnan" oder wenn sie bericht tet: Ich kann weder Thee noch Chocolat noch Csssee drinken; all das frembt Zeug ist mir zuwider: der Chocolat findt ich zu süß. Caffee kompt mir vor wie Rutz Undt das Thee wie eine halb--Medicin." Von Werth sind auch ihre Betrachtungen über die mannigfaltigen Variationen der Mode. Ihrem ungebundenen Geist ist jeder Zwang dersel ben zuwider, sie findet daher, daß nichts raisonablers were, als daß sich ein jeder kleyden mögte, wie es ihm am bequemsten und gemächlichsten ist. Die thurmhohen Frisuren jener Periode mußten natürlich ihre Lachlust erregen. Ich bin versichert meint sie ge genüber der Kursürstin Sosie daß, wenn Ew. Liebden sehen sollten, mit maß Mühe und Sorgen sich die Beider nun abscheulich machen, würden Ew. Liebden von Hertzen darüber lachen; ich vor mein Theil kan dieser Masque raden gantz nicht gewöhnen, aber alle Tag setzt man sich böhcr auff; ich glaube, eaß man endtlich wird gezwune gen sein, die Thüre höher zu machen, denn sonsten wirdt man nicht mehr in den Kammern auß- und eingehen kön nen." Merkwürdig ist jedoch, daß sie, die sonst nur für , Natur schwärmt, sich gegen den Nichtgebrauch der Schnürleiber ausspricht. Es fehlt viel heißt es in einem ihrer Briefe daß man jetzt so schonne Taillen ficht alß wie voö die ßem. das komt. weillen bie Wcibör keine Leiber nicht mehr trägen wollen." 'In rioch höherem Grad ,'M für die Kulturgeschichte ' wird die vorliegende Korrespondent zu einer reichen Quelle für die politische Geschichte. Bon fast jeder hervorragenden Persönlichkeit der damaligen 3t weiß die Herzogin etwas zu erzählen. Aeußerst charatteri ... -t. , .. . 5 stisch sind z. B. ihre Aeußerungen über ! Prinz Eugen von Savoyen. Were Printz Eugen hir (in Frankreich) ge-, blieben schreibt sie roere er nim? mermehr ein so großer General geworden, denn hier plagten ihn alle junge
Leute und lachten ihn cuß" oder ; .Des Printz EugeniuS Meritteu seindt ihm in Teutschlandt gewacksen wie die Haar, denn wie er hier war, ste man es gar nicht, sondern gantz C0ntrarie, er war nichts als ei schmutziger, sehr desbanchirter Bub. der p? !cing Hoffnung zu nichts rechts gab, das kann ich Ew. Liebden qar mit Wahrheil versickern." - .Prinz Eu qtnt h seiner Mutter und Geschn,ister aße mcht. coinnme: er hat eine kurze, stumpfe Nase, die Augen nicht heßlich ; undt man sich: woll ahn seinen Augen, . . . ' . T
daß er erstand! hatt; er helt den Mundt schlr allezeit o nen. Ich weizz nicht, ob ergewäcksen ist, er war aber ziemlich klein vor sein Alter undt gesetzt. Wir müßten noch lange forterzählen, wollten wir von allem berichten, was die Briefe der Herzogin des Köstlichen und Interessanten enthalten. Man muß selbst in denselben blättern, um eine volle Anschauung von dem Frei muth und ker Offenheit zu erlangen, mit der sie sich über alle Dinge äußert. Diese rücksichtslose Sprache bildet den Reiz ihrer Briefe und verleiht, denselden ihr eigenthümlich fesselndes Kolorit. Man spürt aus ihnen den Hauch einer vornehm fühlenden Seele, und eben des halb wird in ihnen Jedermann eine gemein anziehende und erfrischende Lek, türe sinken. Ein wcchclvolleS Schicksal. Ein ebenso bekannter wie reicherBerli'. öi ßflmm(iMsi tsmsfcriiSÄ(iH litt et. itititic gvtiii; sein eigen nennt, hat an einem derselben wenig Freude erlebt. Freilich ist er von Mitschuld nicht freizusprechen, denn er brachte feinen hoffnungsvollen Sproß, den er als Sozietar in sein Bankgeschäft aufgenommen hatte, dadurch in eine Nothlage, daß er ihN ein Einkomme von nur 40.0(X M. jährlich auswarf. Was soll Einer mit 40,000 M. jährlich bei den theuren Seiten anfangen? Kaum daß er die unentbehrlichen Bedürfnisse des Lebens. Austern. Sekt, schöne Frauen, prächtige Pferde, edle Hunde, anregende Nelsen dayon bestreiken kann, so das; zu einer kleinen Erholung int Jeu fast nichts mehr übrig bleibt. Ter junqe Sozietär war bald mit seiner Kasse zu Ende und hatte, gleich feinem großen historischen-Namensvetter, noch nichts sür die Unsterblichkeit gethan. tAber hu Welt sollte ihn kennen lernen, er wollte uch selber helien, und so tandkenn sein Entschluß fest, dem geschicht. lichen LlleMnder des Alterthums nachzu eifern, sich ihn zum Vorbilde zu ndy men. Aber worin ? Sollte er etw auch knoten durch hauen ?Nein.Tas mach' te in der grauenVorzeit für eine Helden that gegolten haben, heutzutage paßte es sich nicht mehr, am wenigsten für ei nen Kommerzienratbsiohn. der in der eleganten Welt eine Rolle spielen wollte. Auch Krieg Zthaten locken ihn nicht, obtooh! Jedermann wußte, daß er nichtfeig wr. Aber hat der große Alexander nicht noch andere Heldenthaten vollbracht ? Richtig, er hat den Bucephalus geritten! Ihm das nachptthun, ist iber heute schwer, denn der brave Bueepbalus ist ebenso todt, wie der ma;eionische König. Allein re'ten wollte kr. reiten ans jeden Fall, und weil kein Vucephalus anfzutreiben war, so rill kr Wechsel. Alexander der Kleine brachte es darin bald zu außerordentli cher 'Fertigkeit, und der Alte war außer sich vor vaterstolzer Neberraschung. als ihm eines Tages von verschiedenen Wucherern, unter denen sich nicht nur Berliner, sondern auch Pariser befanden, Wechsel in der Höhe von G bis 700,000 M. präsentirt wurden. Der Herr 5lom' merzienrakh beeilte sich, die WerthvaPiere anzukaufen, hielt es aber doch für ratbsam, das flotte Söhnchen eus dem Geschäfte heraus ;utbun. um die Firma in Zukunft vor solchen Ueberraschungen ju bewahren. Alexander jedoch, der hoffnungsvolle Stammhalter, der noch immer nicht mit dem Taschengelde von lumpigen 40.000 Mark auskommen konnte, hatte am Sport des Wechselrei !ens so viel Geichmack gefunden, daß er denselben luAg weiter betrieb. We nigstens liefzen die Herren Wucherer wieder von sich hören, und dem ver blüfften Kommerzienrath wurden dieser Tage wiederum 7 bis 800.000 M. Wechsel seines hoffnungvollen 'Sohnes unterbreitet, die er bezahlen sollte, denn ße lauteten ant seine Doppelsirma und varen datirt aus einer Zeit, da Ver flotte Alerander noch dem Geschäfte als Theilhaber angehörte. Der Herr Kom merzierrath aber will nicht. Daß sein Söhnchen in wenigen Jahren etwa an derthalb Millionen Schulden neben sei' nem Einkommen gemacht hat. ist ihm doch über den Spaß. Er bestreitet die Giltiakeit d:r Wechsel und behauptet, dieselben seien vordatirt. Welchen Aus gang die Angelegenheit nehmen wird, muß abgewartet werden. Sollten die Wechsel zu Protest gelangen, so dürfte ber Datumsvermerk wohl einer genauen Prüfung unterzogen werden. In ein geweihten Kreisen will man freilich wis sen. dan es so weit' nicht kommen, der Alte vielmehr, um jedem Skandal vorzubeugen. noch einmal in den sauren Apfel beißen und zahlen werde. Er ist h der glücklichen Lage, sich das erlauben zu dürfen. Aber wenn er an sei en, Sohn denkt, die kommerzienrälhliche Erziehung, die demselben zu Theil geworden, und die Erfahrungen, die er an demselben gemacht hat, so wird er in tiefster Seele die Wahrheit des philosophischen Ausspruchs empfinden.' Nichts ist bchändig als der Wechsel! Aufmerksam. .Hier. Toni hast Tu Rezenwürmer!" Was soll ich damit?" Papa sagte doch vor hin. Du gingest mit Mama auf den Lall angeln!" , Der strikte G e g e n b e iveis. , Richter: Sie sind von Ihrer Frau angeklagt, versucht zu haben, sie dit Arsenik zu vergiften." ' ' Ange. klagter: Was? Nee, so'ne Werleum bung! Ich bestehe auf sofortige Ot buction!"
