Indiana Tribüne, Volume 14, Number 245, Indianapolis, Marion County, 24 May 1891 — Page 3

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Asoelle von Konrad Telmann. ' (4. Fortsetzung.) We!H' e!ne Fülle von ungelösten Fragen, d!e mir da durch den Kopf schwinge! Aber wor eZ denn überhaupt? Mußte eZ denn wirtlich geschehen sein? Und dan kam eS an mich, das Grauenbafte, nicht ZluZzudeukcude, und roarf mich in den furchtbaren Csnflilt zwischen meine? Pflicht und meiner Lleöe machte mich rnn Ankläger Derer, sür die ich alles höchste GlKck der Erde begehrte und zu erringen trachtete? Unmöglich! Unmög tich! ES wäre ein ConZlikt gewesen, in dem ich hätte zu Grcknde gehen müKn. Aber das AlleS war ja doch nur ein giebertraum, konnte nicht mehr fein, als das. Meine Nerven waren überreizt, meine Phantasie nur gebar so gräßliche Wahngebilde, die wieder zerflattern würden, wie Frühnebel vor der sieghasten Sonne. o jene Zuchthauslerin und Plancks Mörderin miteinander identisch sein sollten, war ja dcch nicht mehr als ?ine vage Vcrmuthunz meinerseits, gewesen, aus die ich meine Nachforschung: zestützt hatte, um nur überhäüpt in diesem Dunkel irgend einen Anhalt, irgend einen festen Punkt zu "finden, vn dem auS sich weiter agiren ließ. Nun nahm ich es schan als unurHSßlich an, bloß mit mix die Entdeckung, daß jene Helene Halm Frau Helene Haseler war,, mit einem Male die Sinne verwirrt, den Kopf verrückt hatte.Darauf beruhte fader ungeheuerliche Irrthum, der mich um den letzten Nest meine? Nuhe brachte, vollends um meinen Verstand bringen würde, wenn ich ihn nicht von nur abzustreifen vermochte. Aber wie trefflich ließ sich auch auf diesem, Grunde weiterbauen! Wie lückenlos .fügte '..M. "h'i Stein auf Stein, und dann stand,, das,,, Ganze vor mir wie in ungeheures, dro h end es Etwas, das mich zermalmen, mich niederschmettern mußte. Ich rang in, hilflose Verzmeiflug die Hände. Ich wollte beten, daß es nicht sein möge, daß das Alles nur ein Angsttraum meines hitzten Blutes war. Ich konnte nicht. Immer wieder schrie es in mir, es sei doch, es müsse sein. O, mein Gott, dann gab es keine Rettung mehr, dann war ich verloren ich und sie. Mir perlte der kalte Angstschweiß aus der Stirn, ich sank wie gebrochen auf SaS Sofa. Wie mechanisch nahm ich noch einmal das verhangnißvolle Schriftstück zur Hand und las wieder und wieder die Zeilen, die allen meinen Zukunftshoffnungen, die dan Glück meines Lebens das Todesurtheil sprachen. Da scholl eiliger Hufschlag drunten auf dem holperigen Pflaster der Straße, ein ungewöhnlicher Ton in dieser Stille. Er riß mich empor. In der Ueberreizung meiner Nerven glaubte ich an irgend etwas unbestimmtes Schreckliches, das sich ereignet haben müsse. Ich lies an's Fenster. Da sah ich drunten Leo pold HLseler gerade vor meinem Hause halten, von seinem schweißbedeckten, flankenschlag?nden Pserde herabspringen, die Zügel eim vorüberlungernden Gas, senbube zu werfen. Alles während der Dauer von . Sekunden. Und dann stürmte er in's Haus. Mir ' stand das Herz in der Brust still. Leopold Hase, ler! Den hatte ich ganz vergessen ge habt. Run siel mir sein Erscheinen wie die Rückerinnerung an ein begangenes Verbrechen auf die Seele. Was konnt, er ollen in dieser sinnlosen Hast mit det "er hur hergesprengt sem mußte ''alt mich zur Verantwortung ziehen? Wohn wußte er aber um meinen ,.. Verrath? Hatte der Inspektor Schmarh uns wirk; lich ansspionirt und ihm Alles ' hinter' bracht? Noch in dieser Minute würd ich Gewißheit haben. Da Polterte Hä, selers schwerer Schritt schon meine engk HolziZiege empor. Ohne anzuklopseu, riß er meine Thür auf, trat über die Schwelle, warf die Thür hinter sich zu und verriegelte' sie. DaS Alles, ohne nur ein einziges Wort zu sprechen. , WaS ' bedeutete ' das? Wir standen eina:Ner gegenüber, stumm, die Augen ineinander bohrend, ohne zu zittern, ohne durch eine Regung zu bekundeu, was in dieser Minute in uns . vorging. Er war furchtbar anzusehen, seine Augen blutunterlaufen, die feuchten Haare in wirren Strähnen um seine Schläfen klebend, die Zuge seines GesichtS verzerrt. Schaum stand ihm vor dem Munde. , ;, t J t Es mnß?e diesen hünenhaften, riefen, starken Mann gepackt haben, wie ein Wirbelstnrm mußte es ihn aus seiner sorglosen Ruhe aufgeschreckt haben, wie in Donnerschlag bei klarer , Lust. Er war ein anderer Mann, als der, den ich gekannt hatte; der da vor mir stand, war mein Todfeind. Ich fühlte eS, wußte es. ehe noch ein Wort zwischen uns gefallen, war. Und ich stand, mt Arme über der Brust verschränkt, die Lippen fest, auf einander gepreßt, und zwang den rins genden Athem nieder und hiclt die B'icke diescS.Manncs, den ich, in seinem Hei-, ligsten gekränkt und verwundet, den ich zu Tode getroffen hatte, aus,, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich mußte eS, rch mußte fo den Schlag erwarten, mit dem er vergelten wollte,, waö! ich , ihm angc- - J lj si N. :t-m& M " Seine V ruft " keuchte er rang nach Worten. Sie wissen, weshalb ich komme!" stieß er endlich hervor. Halb wie ein Zischen klang es, halb wie ein Aechzen." Seine Augen maßen .mich feindselig und verächtlich ' zugleich. Ich hatte die Empfindung, daß er am lieb, sten auf mich losgestürzt wäre, mich mit seinen gewaltigen Fäusten zu Boden ge schmettert , hätte und daß er sich nur fiämte: an mir die Ueberleaenheit seiner Körperkräfte zu erproben. Vielleicht r)il er mich,, nicht einmal oe,!en sin vürdig, daß er sich an mir vergriff. -;, Ich glaube , eS zu errathen," ent, eanete, ich mit erzwunaener Ruhe. .Sie nrnden erfahren haben gleichviel durch wen und wie daß ich Ihre Frau mtumm fmm t Ctc liek mich den Sak nicht beenden e?' stich eine rauhe Lache auf. ,$J

Sie ein Murke , sind schrie er, seine beiden Fäuste- ballend machen wtr'S kurz, Herr, ich bin kein Freund von v!e len Worten, hab' 'Dich mein' Lebtag' nicht Vraiif verstanden. Augin Auge wollen wir'S zu' Ende bringen. Da! Nehmen Sie! Zeugen braucht's nicht, denk' ich, und die übrigen Faren, die bei solch einem Handel sonst üblich sind, nun schon! gar 'nicht; Hier, gleich auf der- Stelle machen wir'S aus. Einer von uns ist zuviel auf der Welt, Einer wird hier Nur wieder herauskommen 7 Nehmen Sie, sag' ich!" Er donnerte die letzten Worte formlich hervor, während er mir ein schwär-, zes Kästchen, das er big dahin in' der Hand gehalten, geöffnet hinüberreichte. Es enthielt zwei Taschcnrevolver, die' allem Anschein nach geladen waren. Ich aber griff nicht danach, ich schüttelte ablehnend den Kopf. .Was soll das heißen?" schrie Leopolo Hassler. Auch noch feige? Wissen Sie auch, Herr, daß ich Sie dann nieder. schießen werde, wie einen tollgewordenen Hund? : DaZ dürfen Sie", sagte ich ruhig. '3ch selbst aber werde die , Waffe nicht gegen Steuerhebel am allerwenigsten' hier und so. Wenn ich Sie niederschösse, roaS bei der' gmnM.. Aistanz, wahrlich kein Kunststück wäre, würde ich: in meinen 'Augen, ' vor ' meinem 3if wissen einen Mord begehen. Wenn! ich , Sie aber.,,, absichtlich fehlte, war' eS eine klägliche Farce, hie ich; aufführte. UeberdieS: wie käm' ich dazu, , Ihnen mit der Waffe in der Hand gegen-! überzutreten? Ich', bin .in' Ihr, ,H$ eingedrungen und habe meine Hand nach Ihrem Weibe ausgestreckte , Jch liebe sie? ich fordere sie für mich nach dem Rechte, meiner Liebe. Zwischen . unS Beiden,! Herr Leopold Hciseler, kann nicht der Zufall eines ZweikampfS entscheiden, sondcrn einzig und allein der Wille Derer, um die wir streiten, um ' die wir W Feinden geworden sind. Entscheidet sie sich, zu bleiben, so gebe ich Ihnen mein Ehrenwort, daß Ihr Hausfrieden vor mir, gesichert ist bis in alle Ewigkeit. Entscheidet sie sich aber sür mich, so werden Sie schwerlich sie halten wollen, denn e5 gäbe dann ja doch kein Glück mehr für Sie an ihrer Seite. Dort also liegt die Entscheidung, auf die eö für uns ankommt, nicht bei , den Revolvern da. Ich wenigstens weigere mich, sie hier zu suchen." Meine Ruhe, über die ich mich selber in dieser Stunde wunderte und die mir wie ein Gnadengeschenk des Himmels gekommen war, versehlte ihre Wirkung auf den bis zur Raserei erhitzten Mann nicht. Aber er sließ wiederum nur eine, hohnische Lache auf. Glauben Sie denn wirklich, Herr! ich würde die Mehe noch eine Stunde länger in meinem Hause geduldet haben, nachdem ich erfahren hatte, was sie gethan, und nachdem sie die Stlrn gehabt, es mir uf mein Befragen hin auch zu bekennen? Daß ich ein Anderer wäre, als ich bin! Mit der Reitpeitsche hab' ich die Dirne aus meinem Hanse gesagt, mit der Reitpeitsche, wie es Dirnen nicht anders verdienen, lnd übr Heine Schwelle

kommt sie mir nicht mehr, die Straßendirne, von der Straße hab' ich sie mir ja ufgelefen, auf die Straße jag' ich sie

wieder hinaus. ' Entscheidung! Als ob ich's auf eine Entscheidung noch wollte ankommen lassen nach dem, was geschehen! Nein, Herr, die Entscheidung braucht' nicht mehr. MZer mir das angethan hat, mit dem bm' ich zu Ende. Aber nut Ihnen habe ich noch abzurechnen, mit Ihnen. Wer mir in's Gesicht schlägt Herr, dem schlag' ich wieder in's Gesicht. Bisher hat Leopold Häseler noch keinen Schlag unvergolten gelassen. Und deshalb nehmen Sie! Nehmen Sie! sag ich!" ,, , .Wieder hlelt er mir das Kastchen vor s Gesicht und wieder lehnte ich mit einem Kopfschütteln ab. Ich schlege mich mcht mit Ihnen." Während ich es sagte, fuhr mir der Gedanke an Helene siedend helß durch das Hirn. ES war also entschieden, sie war mein, mußte nun mein sein. Aber bange Sorge um ihr Schicksal beschlich mich. Wo M Ihre Frau? fragte lch, wah rend er unschlüssig dastand und die Lipven : wund biß. f k Was kümmertS mich? Ich hab' keine Frau mehr. Seit heute nicht 'mehr. Herr. Laufen Sie mit ihr in die Welt hinaus, wenn Sie wollen, lassen Sie sich mit ihr unter dem nächstbesten Laternenpfahl kopuliren, mir soll'S recht sein. Aber vorher haben wir Beide erst noch mit einander abzurechnen, ., wie oft soll ich S Ihnen sagen Und wenn Sie jetzt, das Ding da , nicht nehmen und sich in- Positur stellen und auf mein Kommando hin feuern, so zwing' ich Sie, verstehen, Sie, wohl?, zwing',' ich Sie da:u Sie kommen nicht eher auS diesem Zimmer, Mann?" - '' Er schüttelte ml? dsohcnd seine beiden Fäuste vor dem Gesicht, ber ich wich nicht vor ihm zurück. Je wild?wüthiger er sich gcberdcle, desto ruhiger wurde ich fcrsto leichter fühlte ich mich ihm, gegenüber. 1 Es war mir, als nehme er mir dadurch einen Theil der schweren Schuld, die mich bedrückte. ,, Sie , werden mich nicht zwingen", sagte ich. ' Wenn Sie das Itecht der rohen Gewalt,, gegen mich gebrauchen wollen, immerhin! :, Ich werde mich wehren, wie ich kann. Seit ich weiß, daß Sie Ihre Frau verstoßen Habens fühle ich begreiflicherweise doppelt stark die Pflicht in mir, zu leben, um eben dieser Frau, willen. Ihr, schuld t JU 1 U ''$, ' i 'fc';inv!::S;,ä;: : il'Fiiii :j :':'ft " s.r 4lW!'!!Ä' liii- & l'i'i s0 -nIi ?ev:':if : ich 9 " r 1 "'i 1 '"; , Wie ein RauRhie? in seinem Käsig lief Leopold Häseler durch da5 Zimmer, unartikulirte Laute suSstoßend, die Fäuste ballend und wieder sinken lassend. höhnisch auflachend und wieder dumpf stöhnend, vor, ohnmächtiger, maßloser Wuth. Ein paar Mal riß er auch ein von den Pistolen auS dem Kästchen, daS jetzt offen auf dem Tische stand, aber immer warf er sie wieder zurück. Er wußte offenbar selber ! nicht, was r sinn fnlsfr rr batt stA d?. ylNVS 1 ganz anders vorgestellt. Da klopfte ti MW 1 W MM w !;,.! I - w r ,,t m

hraußtn an meiner Thür, einmal, zwei mal, erst schüchtern, dann ganz laut und dringlich. Ich wollte gehen, um zu öffnen, ölber Lcovold Häseler vertrat mir den g'S'tt wollen mir also keine Genüge ihuung geben?" schrie er, Sie Lump, Sie elender Feigling! Gut! Ich werde Dle5',Äif öffentlichem ' Platze, vor allen Leuten mit der Reitpeitsche iVs Gesicht schlagen. Vielleicht entschließen Sie sich jann. Seien Sie also auf Ihrer Hut, Naan! Sicher sind Sie fortan keine Milute'mehr von mir, und die Stunde der Abrechnung zwischen uns Beiden wird noch kommen. Der Verachtung der zanzen Welt werden Sie denn wohl ncht trotzen wollen Ein Kerl, der noch iinen Funken von Ehrgefühl in der Brust zättezMürd' eS freilich soweit nicht erst kommen lassen!" Er machte Miene, vor, mir auszuß kpeien, besann sich aber dann eines Anieren, riß seinen Pistolenkasten an sich, tiegelte die Thüre auf und stürmte ohne km weiteres Wort hinaus. In der näch Zen Minute hörte ich drunten den klap ernden Hufschlag feines Pferdes auf'dem vtraßenpflaster. Er war Davongejagt. Vor der Thür, die er aufgerissen, hatte KiemondWstüU'D atte, mußte die laute erregte Stimme ies ' Mannes vernommen und sich wieder kavongeschlichen haben. Ich sank, wie venn man mir einen Stoß vor die Brust hersetzt hätte, schwer athmend auf einen Kessel. Die Gedanken gingen alle wir-, jelnd m mir uml meine erkünstelte Ruhe satte mich verlassen, 'ich athmete schwer.' wie zerschmettert fühlte ich mich. Hatte jer Mann der da eben von mir gegangen, dar, nicht recht gehabt, daß ich ihm eine Genugthuung l schuldete für das Ungeheure, das ich' ihm angethan? War ich iicht wirklichwle er mich genannt hatte. tin Elender und ein Feigling, daß ich sie hm .weigerte? Und dann Helene! Wo war Te? WaS war aus ihr geworden? Lagnicht iie Befürchtung nahe, daß sie sich ein Leid lngethan? Und ich war jetzt für sie und ihr hun verantwortlich, ich allein, denn ich satte ste bis soweit gebracht. Ich mußte tzus, sie suchen, dürfte nicht eher ruhen, lls bis ich sie gefunden hatte. Ich sprang auf, um zu gehen. Es war zwischen fast dunkel geworden. Wo vlnde ich sie sinden! Da wurde die Thür Aufgerissen und eine weibliche Gestalt huschte über die Schwelle. Es war Helene. Fch erkannte sie in der ersten Sekunde, trotzdem nur noch die Umrisse ihrer Ges )alt sichtbar waren, und mein Herz hämItlerte wie rasend. Helene!" schrie ich auf und breitete neine Arme nach ihr aus.' Alle Qual, Me Zweifel, alle Martern diefer letzten Stunde, Alles, wag ich ruhelos an Gräßlichem und VcrzweiflungSoollem dann in meinem Hirn umhergewälzr, ' es siel von mir ab, war vergessen, verflüchtigt wie 5!ebelgewölk, in dieser einen Sekunde, von diesem einen beseligenden, berauschenden Gesühl: sie ist da und sie ist Dein! Was galten mir daneben och alle Schrecken der Holle? In dieser kinen Sekunde wußte ich erst, wie ich diese Frau liebte und was ich um dieser Liebe willen zu tragen bereit sein würde! Helene!" . ! ;k Sie hatte sich an mich geschmiegt, zitkernd,i angstvoll, ohne meine Umarmung

u erwidern, wie em? hilfloses, ! Hilfe uchendes Kind. O, er ist furchtbar," am es w em lelscS Stöhnen über ihre Lippen, während ein Frostschauer nach dem anderen ihren Leib überjagte. Furchtbar! Richtzwahr?? Ich zog sie fest an mich, ich überdeckte chre ' Stirn, 1 ihre Augen ; mit memen lzeißen, unerwiderten Küssen. Er hat auch em Recht dazu," flüsterte ich datwischcn, wer könnte eS ihm verargen? Zlber nun bist Du mein, Helene, nun bat das Schicksal über uns entschieden, bem wir uns nicht mehr widersetzen kon ien. Armes. licbeS Weib! Ich hab' S nicht gewollt, daß eS so kommen ollke, bei Gott nicht ich hab, es nicht inmal geahnt, daß es möglich wäre. Aber nun eS so ist WaS hast Du aushalten müssen, arme Geliebte! , Er-, zähle mir Alles, mein Weib, Alles! Und warst Du's. , die, vorher schon klopfte und zu mir wollte? "Du?" Ich hatte mich gesetzt und sie zu mir uf den Schooß gezogen. Sie faß ganz still, ihren Kopf an meine Schultern gelehnt, ihre Arme um meinen Leib geschlungen. , Dabei sagte sie immer noch sröstelnd, immer noch zitternd: Ja ich war's. Ich wußte, daß er drinnen war, denn ich hatte drunten das Pfevd gesehen. ,, Und ,, da , ahnte mir Entsetziiches. '.. Ich mußte, Gewißheit haben. Aber dahorte ich seine schreckliche timme und weil ich daraus entnahm, daß Du lebtest, daß er Dir kein Leid angethan, sie ich'S gefürchtet hatte, verkroch ich Mich vor ihm. Im, finsteren Treppenlvinkel hab' ich' zusammengekauert gesessen und ihn an mir vorübergelassen. Ich hatte Angst vor ihm, Ottomar, er hatte mich gewiß erwürgt, wenn' er mich t' lf't3 n j. ir.fci.;, isii.;.! ' nosj ciniiiia von - uy ijqcycu Vuuc 111 seiner Wuth un) in Deinem' Hause. Er hat mich geschlagen, Ottomar, mit der Reitpeitsche gerade in's Gesicht hat er, mich geschlagen. , Und dann bin ich auS dem Hause gelaufen mit dem brenenden Schmerz im Gesicht und mit der! brennenden Scham,, in der Seele, und fein Schrei chat hinter mir her getont:, Nie,, wieder über meine Schwelle, Dirne!" Und gelaufen bin , ich,,! bis ich, an den Waldsee kam, wo ich sündig wurde, Ottomar,, und da wollt' ich hineinspringen, .damit es Alles zu Ende wäre für immer, Gram und Scham und Neue. Aber ich habe es nicht gekonnt. Ich habe es nicht gekonnt. Ich habe an Dich gedacht, Ottomar. Gott verzeih' mir alle meine Sünden! Ich habe Dich unaussprechlich lieb' Ottomar i m Sie laq geschlossenen AuaeS an meiner Brust, bedingungslos mir hingegeben, ohne leidenschaftliches Entflammtsein, nur wie unter dem Banne einer übermächtigen Gemalt. ZNein Blut eher siedete und meine Küsse wurden immer feuriger, immer wilder. Helene", flüsterte ich. während die Dunkelheit mir t?ie in schwerer, schwarzer Flor um unS

her zu mallen schien, und nun bist Du mein Weib und bleibst mein Weib. ' ,. War:! es daS Beben meiner Stimme, das. sie erschreckte, oder der rasende Herzschlag, ü den ihr .Ohr erlauschte!. .Sie richtete: sich plötzlich in die . Hohe und durch" die Dunkelheit bohrten sich ihre Augen, in mein Antlitz, 'so angstvoll, so entsetzt,! daß es mich durchschauerte. Aus ! dem heißen Ficbertraum meiner besinnungslosen Leidenschast riß dieser Blick mich auf, er warf mich in die Wirklichkeit, zurück, er zerriß einen Schleier) der vor meinen Augen gelegen hatte. Plötzlich wußte ich wieder Alles, sah ich wieder Alles, was vor dieser Stunde gewefen war, was mich alles Grauen, alle Schauer der Angst und Verzweiflung hatte durchkosten lassen. Und zugleich überfiel mich der Gedanke daran, daß Helene hier nicht bleiben könnte, daß es Zelt roar, an daS zu denken was nun werden sollte. Für einen Liebesrausch war die Stunde wahrlich nicht geschaffen. Ich mußte für eine Unterkunft , für sie sorgen. Aber nicht im gleichen Hause, womöglich gar nicht in der Stadt, um alles unnöthige, alles vorzeitige Aufsehen zu vermeiden. Da schoß mir etwas durch den Kopf: in's Forsthaus konnt' ich sie bringen. Der alte gorst Hegemsn, mit dem lch in amtlicher Eigenschaft und auch freundschaftlich vieisach verkehrt halte, würde mir. sicher den Gefallen erweisen, sie für eine Nacht bei sich auszunehmen, mir auch Diskretion angeloben, wenn ich ihm zu verstehen gab, daß es sich um ein schweres Zerwürfn'iß Zwischen den beiden Ehe, gatten,.um elne delikate, intime Angelegenheit handle.' . Er war ein ruhiger, verständiger Mann und mir schon wegen meines in der Untersuchungssache entfalteten : Eiferst sehn gewogen. Morgen mußte Helene dann natürlich aus der Gegend fort; zu ihren Verwandten, wenn sie solche noch besaß, sonst irgendwohin ander5,' es würde sich schon sinden. Vorläusig galt' eS, fortzukommen. Ich ließ Helene von meinen Knieen herabglcitcn und - sagte ihr, was ich dachte. ? Wir müssen gehen", fügte ich' hinterdrein) und sobald wie möglich, damit uns Keiner sieht." tlfPl Helene war bei meinem Vorschlage, daß sie im Forsihause übernachten sollte, sichtlich zusammenzuckte. Dennoch erhob sie keinen Widerspruch, sondern neigte siuckm ihr Haupt. Sie schien sich bedmgungslos in Alles fügen zu wollen, was ich über sie .veranyen ,wüsde, und eben darum war es doppelt meine Pflicht, für sie, für ihrenRuf umsichtig zu sor-gen.-Ich hätte Licht UzezSnberMWo5 her ist das Alles gekommenfragteüchj sie, während ich nach Hut und Ucberrock suchte. Hat Schwartz uns belauscht und verrathen?" Ich glaube wohl", ' war ihre Antwort. Leopold fragte mich, ob es wahr sei, und ich sagte: Ja. Und da schlug er zu. Sieh' her!" Sie zeigte mir einen breiten, blutunterlaufenen Streif, der quer über ihre Stirn lief und erst unterhalb des techtenI leicht geschwollenen AugeS endigte. Er sah brennend roth aus. Als ichMit der Hand liebkosend ' darüber 'hinstreichen wollte, zuckte sie schmerzvoll zusammen. Ich küßte sie. Ärmes,liebes Weib!" sagte' ich. f Jetzt bin ich gezeichnet, nicht wahr?" siel sie bitter ein; das da ist wie ei'n Schandmal, von dem die Spür niemals vergehen wird. Und ich hab' e3 ja verdient, ich hab'S verdient. Nur konnt' ich eben nicht anders. Ich wollt' ihn ja nicht betrügen und nicht verlassen, aber lieb haben mußt' ich Dich, dagegen gab es keinen Widerstand." Ich schloß sie noch einmal hastig, siürmisch in meine Arme, dann gingen wir. Als ich das Licht löschte siel mein letzter Blick auf die über dem Tische ausgebreis teten Schriststückc. Erst nun kam mir zurück, was ich mis einem, "aus dem verhängnißvollsten derselben entnommen, ehe Leopold Häßlers Erscheinen einen neuen gewaltigeren Feuerbrand in meine Seele geworfen hatte. Ueber dem Sturm, der mich da durchtobt, hatte ich vergessen gehabt,? wa mir zuvor Sinne und Herz mächtig erregt. ' ,, Jetzt siel S mir erneut auf die Seele, wie eine wuchtende Last.' ' ' " ' k f&

So kam'S, , daß ich drunten kaum Helenes Arm in den meinen gelegt hatte, und mit ihr.durch die abendstillenGassen des Städtchens, in denen nur, hie und da eine Oellaterne brannte, dem Stadtwalde zuzuschreiten, als ich in der Erinnerung an das, was ich heute erfahren, sagte: WaS hast , Du,, schon, Schweres und Furchbares in Deinem Leben durch gemacht. Helene!"' ' Ihr Arm zuckte leicht in dem meinen. Was weißt Du davon? f : "; '" ' ;' Ich weiß mehr, als Du ahnst. Helcne. Ich weiß daß, Tu daß Du der . Menschensustlz schon ernmal zum Opfer gefallen bist " ,, 'Sie blieb erschauernd' stehen, wie ge,' lähmt. ' z -u i -ß-: Da? weißt : Du?" stammelte sie im Ton ' höchsten Entsetzens. Woher?" hmims - , Aus amtlichen Mittheilungen. Wc5halb erschrickst Du so darüber?" Wolltcst Du daß es mir hätte ! verborgen Uciben solleö.?-t-' O nein, nein", brachte sie, mühsam athmend, hervor, noch immer, unfähig,, sich ' welterzubewegen. ; ,DaS wußtest Du also!), Und dennoch dennoch " , Dennoch will ich Dich zu. meinem Weibe machen; zweifelst Du daran?" t ' O Du Guter, Edler, Herrlicher!"". Sie, schmiegte sich enger an mich, ' ihre Arme umstrickten mich. Wir, hatten die' Stadt im Rücken, vor uns lag der Föhrenwald, wie eine drohende. dunkle Masse unter einem sterndurchblitzten Nachthimmel, eine kurze sandige Feldstrecke trennte unS noch von ihm. , Kein Ton war in der Runde hör bar, nirgends ein Licht, der Nachthauch rührte kaum in den ragenden Nadel' krönen. Mich durchrieselte eS unter der engen Umschlingung dieser Frau, der seder Blutstropfen in mir zu eigen gehörte, mit einem wonnigen, nie so ge kannten. Schauer. Sie aber mochte da?

spüren, r mdt irnk!!jjiptnf jff Ahnung einer kdrohendm Gefahr zuckt werden denn plötzlich ließ sie mich los, sah mich wieder mit großen, tödtlich erschro ckencn Augen an und fragte: j,DU sagst, , auS amtlichen Mittheilungen wüßtest Du'S? Das versteh? ich nicht. Wie kamst Du dazu,- über mich amtliche Mittheilungen 'elNMzieheH'öbeweShalb' machte man sie Dir? Werd' ich überwacht?'iSkeh' ich unter gerichtlicher Cons trolle? Hab ich dies Furchtbare immei noch nicht von mir abgestreift? Folgt et Mir durch ein ganzes 'Lebet ''nach, -wleM Kettedie der'Bagnosträfling am Fuß, mt ! g lll :if f f f ! ri 44 ::, !',,,,! l!!' ., I, hinter sich herfchleift? Neltt, Nein", wehrte ich ab und versuchte, sie zu langsamem Weitergehen zu bewegen nicht deshalb. Es war' in der Untersuchungssache wegen Plancks ' - 4 t " v Ai '"V" c ---'tr-:r Ermordung bei Gelegenheit Du '"' 1' j1 ' ' ': M 1 ' ;' ' ;i " "" " ' hast m Planck gekannt " Plck?" Sie fuhr zitternd zusam. Men. Jn der Untersuchungssache sagst Du? Aber was habe denn ich : Ich begreife nichts von ' dem Allen, Ottomar Mein Schicksal und dieser Mord ",. : . ' ' Wie leblos hing sie plötzlich wieder an meinem Arm. Liebes Herz," sagte ich. rege Dich doch nicht unnöthig auf! Du hast ohnedies der Erregungen und Qualen genug durchzukämpfen. Die Dinge liegen ganz einfach, viel einfacher, als Du denkst. Ich spürte im Lause der Untersuchung Plancks Vorleben nach. Dabei kam's heraus, daß er einmal !n einer Strafanstalt als Gärtner angestellt., gewesen und von dort entlassen' worden,' roar weil er ; eine Jnhaftirte hatte befreien wollen. Und man nannte mir den Namen derselben.' ' Es war der Deine) Helene. ' Du erzählst mir das Alles ein ander Mal, morgen jntütlfyi? Sie es kam und weshalb ' Planck Dich befreien wollte, Dein, ganzes Leben erzählst Du mir, nicht wahr? ' Es darf ja kein Kleinstes darln , geben, das ich nicht genau ,' Kennte, und wüßte, gerade so Kennte" und wüßte wie Du selbst. Aber nicht jetzt und nicht hier. , " Du bist viel zu erregt, viel zu erschöpft nach diesem schrecklichcn Tage. Komm', , laß uns ,, gehen. Du Mußt,, endlich Ruhr haben, Du armes Geschops! . Ich zog sie weit; sie schien sich nur mechanisch fortzubewegen, ihr Gang war, schleppend, ihr Arm lag schwer aus dem meinen. , Sie sagte kein Wort, warf mir auch keinen Blick mehr zu; wie eine Todtkranke hielt ich sie neben mir aus, recht, ängstlich bemüht daß sie nicht stürzen 1 sollte. - Wir hatten den Wald erreicht. ' Es war ganz dunkel darin, feierlich dunkel, möcht' ich sagen In den Kronen der alten Bäume" aber murrte und raunte es nun doch leife, wenn sie aneinander schlugen, trotzdem man hier unten von dem Winde, der das herbeiführen mußte, nichts, gewahrte. Es hatte etwaS Heimliches und der Weg zum Forsthause war nicht leicht zu sinden. Obgleich ich ihn ost genug gegan gen war, täuschte mich die , Gleichartig, keit der Wege im Stadtwalde zusammen mit der herrschenden Finsterniß dennoch über, die einzuschlagende . Richtung. Dazu schien die ganze TageShitze sich im Walde gefangen zu haben, der" sie bewahrt hatte, denn die heiße Luft schlug , un? , . förmlich wie ein Schwaden daraus entgegen und hatte im Verein mit den schweren Harz gcrüchen etwas beinahe Betäubendes für mich.' Auch hatte ich so viel zärtliche Aufmerksamkeit für Helene zu verwenden, die sich schweigend, mühsam, nach Athem ringend, neben mir herschleppte, daß ich daneben nicht genügend auf den Weg Ipt achten im Stande war. So kam's wohl, daß ich nach einiger Zeit inne ward, wir seien abgeirrt.- Ich sagte

Helene ein paar, Worte darüber, aber sie erwiderte nichts. Findest, Du, Dich besser zurecht?" fragte ich , ; , -. " Sie blickte gar nicht auf. ' ' , Es ist ja Alles ganz gleiche, sagte sie müde, " dann laß ünö hier bleiben. Ich kann ohnedies nicht mehr weiter.? , So muß! ich Dich tragen", rief ich,' ':. ... f? a aoer wencr muen wir. , ., , Wir gingen noch eine Strecke weit zwischen den Stämmen hin; immer dunkler wurde es um unS her, immer dichter wuchs, der Wald scheinbar ringS um unS.,,, Dennoch wußt', ich nun plötzlich, wo wir waren, und daß wir schon viel zu weit in den Forst vorgedrungen. In der nächsten , Minute , . mußten , wir . , auf den Platz kommen, wo Planck erschossen worden war. .Dann war der Weg zum Forsthause, ,,, den wir,,! unS unnöthig verlänaert hatten, 'nicht mehr zu verfehlen. Ich sagte, aber Helene von meiner Entdeckung nichts, sondern nahm mir vor, sie stumm und rasch an dem Orte vorüber zu führen, um sie, nichts neuen Auf reaunacn vreisiuaeben ' und ihre , über- , f'l ' ' ' 'ii V ' i' ' - '!'"!! "ll" -r-- ' , tt ' .'li'iil. . reizten Nerven zu gefährden. Das, schien mir auch zu gelingen. ,Wir hatten die Stelle -. bereits , erreicht! und ich wandte mich nun deii gerades WezeS von ,dirt auf das Forsthaus zuführenden schmalen Pfade zu, als Helene, die sich gcschlosscnen Auges, halb wie geistesabwesend und willenlos von mir leiten ließ, plötzlich im Vorübergehen mit ihrem Kleide den Neisighaufen streifte, der über der Mordstelle, aufgehäuft, ,' war. 1 r War cZ cieje , mpNlloung ooer war es .das' instinktmäßige Gefühl der Nähe des 1 Platzes selbst, das ihr mitten in ihrer Apathie dennoch angesiogen war, wie ein leises Vibriren der Nerven oder ein einziger, lauterer Herz schlag, ! ich weiß eS nicht. Plötzlich blieb sie stehen, plötzlich schlug sie die Augen auf, plötzlich sah sie, wo sie sich befand, erkannte sie Alles. Und nun brach ein irrer Aufschrei von ihren Lippen, halb wie daS Aechzen neS todt wunden Thieres, halb wie daS gellende Gelächter einer Jrrßnmgen. Sie riß sich von mir los, sie warf ihre beiden Arme in die Luft, sie schrie: tfch ich ich hab' ihn ermordet! Ich war'S - ja, ich ich " Dann sank sie leUoS über dem Reisiahaufen zusammen. Ich war wie vom Blitze errosfen.

Otkunden hindurö lltU miJ Xn

surchtbare Schreck so. daß lch kein Gliev

zu' regen vermochte.' Dann, als ich mich matt aufraffen wollte, um der Gefunkenen Hilfe zu leisten, taumelte ich; vor meinen Augen ging Alles rundum, ein rother Nebel wogte davor hin und her, mir war's, als sei die ganze Welt in's Wanken gerathen. Und dann bezwäng ich mich doch, dann beugte ,ch mich doch zu der Ohnmacht:gen nieder, versuchte sie in'S Leben zurückzurufen. Helene! Sie rührte sich nicht, gab kein Zeichen des Lebens, des Verstehens von sich. Ich riß sie in meinen Armen in die Höhe, ich trug sie ein paar Schritte weit fort, damit sie erwachend den Schreckens, ort nicht gleich wieder gewahren sollte. Ihr Herz schlug noch, ich fühlte es gegm meine Brust anhammern, ihr Athem ging leise, eine Starrheit hatte sich aller ihrer Gliedmassen bemächtigt. Ich legte sie behutsam - wieder aus den warmen. weichen Waldboden nieder, ich rieb ihre Schläfen, ich rüttelte sie an den Schul tern. Unablässig rief ich ihren Namen. Endlich erwachte sie. Sie schauderte zusammen, als sie mich sah. Ostenbar erkannte, wußte sie in derselben Minute schon wieder Alles, was gewesen war. Ihre Augen hingen an mir mit angstvoll forschendem, flehentlichen' Ausdruck, es war, als wolle sie in der Tiefe meiner Seele lesen Alles von dort herausholen, was ich dachte und empfand. Ich hielt ihre beiden Hände in den meinen und fühlte, wie sie kalt waren. Sprechen konnte ich mcht, mir warAlleS wie zugeschnürt in der, Kehle, wie ausgebrannt im Innern., ... , Nicht wahr, .Ottomar?" sagte sie plötzlich leise, heiser, , Du wußtest es? Tu glaubtest es?" : . ., Manchmal kam mir wider meinen Willen blihgleich der furchtbare Gedanke", fiel ich ein. Aber ich wollte nicht, ich könnte nicht . , Du verdammst mich, Ottomar?" Es klang wie das Röcheln einer Sterbenden. Ich ich muß erst Alles hören, Helene Ich könnte nicht so Es ist so unausdenkbar grauenhaft Nothwehr, nicht wahr? Es war Noth? wehr?," . Es roaroNothwehr, versetzte t vestätigend mit dumpfer Ruhe. .Es war eine Nothwendigkeit!" Sie verfank in dustereS Brüten und auch mir verfügten die Worte. Mir war'S, zu Sinne, als sei nun Alles um mich her in lichtlose Finsterniß gehüllt und es werde niemals mehr vor meinen Augen Tag . werden. Mi! müden, schweren Gliedern raffte ich mich empor. Komm', setzt. Helene! Wir müssen gehen. . Du sollst Ruhe haben. Und auch ich bin am Rande meiner Kräfte, - körperlich und seelisch. Komm! Morgen sprechen wir von dem, was nun werden soll.' . Kannst Du .auch gehen? Sonst trag' ich Dich " Ich kann gehen," sagte sie und stand auf. Hand in Hand schritten wir, neben einander, stumm, mit wühlenden Gedanken, durch die einsame Dunkelheit, so leise, als fürchteten wir uns vor dem Gerauzch unserer eigenen schritte. Wie zwei Verbrecher schlichen wir dahin. Dann sagte Helene emmal mitten aus lhrenMdankenHeraus: Beide sterben, zusammen, oder fliehen In eine andere 1 Welt ' als zwei neue Menfchen, das bleibt uns, weiter nichts " , 'Weiter nichts" ver etzte ich, NU hast ganz recht,'Helene." Ich sprach es mehr mechanisch als mit klarem Bewußtsein nach. Ich konnte gar nicht mehr nachdenken. Und wieder gingen w ir schweigend, weiter durch' die Nachtstille des Fohrenwaldes.' Ich vernahm manchmal sekundenlang nichts AndereS, als den lauten Klang meines eigenen, gemarterten HerzenS. Endlich lag das ForsthauS vor uns. Mit, seinen rothen Ziegelmauern durchschimmerte eS die Waldnacht. AuS einem Fenster im Unterstock brannte noch Licht.,, M klopfte daran, bat Helene,' für einen Augenblick . zurückzutreten, und, rief: .Herr Forster Hegemann auf elNWort! Ich bin'S Kreisrichter Wlchards!" .DaS. Fenster -klirrte' auf,, und ein mächtiger Kopf mit langem, silberweißen Bart streckte sich heraus. 'Gott und die Welt!" rief eine tiefe, etwas brüchige

Baßstimme, ' was bedeutet - mir das ( Der 1 Herr Kreisrichter mitten in der Nacht! Hab' eben zu Bett gehen wollen, 'ne Viertelstunde nachher hätt' mich kein Kanonenschuß mehr ' aufgeweckt. Na,1 und was gibt'S denn? Natürlich wieder was ' wegen : der gottverfluchten MordSgeschichte.,, , Haben. , wir den Hallunken oder ' haben wir ihn noch immer nicht?" "Diesmal , ist's'gan; etwas Anderes Herr Hegemann", sielich ein, einexersönliche Vertrauenssache. Darf ich hinein?" ; ?' ' :: ' r ! ' : Versteht sich!', Ich schließe gleich wie-der-auf", klang .eS zurück. Dann flog daS Fenster zu, und eine Minute später wurde, der, schwere Th."irriegel von. innen zurückgeschoben, die breitschultrige,, wenn auch etwaS .gebückte ; Hünengestalt deS StavtförsterS wurde , mit einer kleinen grünen Oellampe in der Hand . sichtbar. Nur herein, , Herr Kreisrichter! Und wenn ich zu Diensten sein kann,, getiet,ä:',äerii,Ä; ss-fl tafäf'2 & Ich trat herein, bat ihn. die Thür offen zu lassen, und brachte mein Anlie gen vor. Ich sagte ihm, daß es zwischen Leopold Haseler und seiner Frau ein schweres - eheliches Zerwürfniß gegeben habe, und daß die Letztere deshalb für diese Nacht nicht unter daS Dach des Cartlower GutshauseS zurückkehren könne; sie habe sich in dieser Verlegenheit an mich, als den besten Freund deS Hau? seS, gewandt, und ich sei auf den Gedanken gekommen, die arme Frau hier unterzubringen, .denn sicherer und mit weniger Aussehen und Gefahr für ihren guten Nuf könne sie nirgends übernachs ten, als im Forsthause. Moigen werde sich schon AüeS wieder einrichten, und ss erfahre, kein, Nenfch von dem Zsnzen ttcuügen V-rfll. lFortl:unz folgt.) ;HH;.tÄV:TW&:

' - 'il1l:!l!,!,i,NWij;-: ii; 4 , . , '1 " " GeisteSseßtttWSkt. m RsaAV,!y Brechts. I" liü'i ?1n& frinimtnh&trt hrr Rf .irrst. i -...i-wf.,.. .www i"- rr -i;,.:-" Wo Sonntags morgens ihrer drei Der Pfarrer, der Verwalter und ,, Der Förster als Drill' im Bund 'igi Beim edeln Spiel des Skates saßen Und Alles um sich her vergaßen, , .;M Tritt jetzt der Küster ein voll Hast: ' Herr Pfarrer, eilt, zehn Uhr ist'S fast Verstummt ist schon das Glocken läuten, Die Kirche steckt gedrängt voll Leuten Die Eurer Predigt sind ewartigi, 3 Der Kantor auch ist fix und fertig.

Gleich wird den Psalm er !ntonitt,,?chh Kein Augenblick ist zu verlieren." , H, Der Pfarrer springt vom Stuhl :, fc:2 j .- Schreck, ". wii Wirft aus der Hand die Karten vez, i'ti Er greift nach Käppchenz Dos'-AniM! ' Buch " - - Und dem geblümten Taschentuch Und die ein abgeschnellter Pfeil , , Schießt er zur Thür hinaus in Eil, Erreicht zum Glück die Sakristei -' , ; Bevor das Lied noch ganz vorbei ' Steigt auf die Kanzel und euiledigt , Sich der wohleinftndirten Predigt. , ' Er spricht von unsrer sündigen Zeit, ' Die immer mehr in Sinnlichkeit Versinkt, nach Lüsten nur begehrt Und von dem Ewigen ab sich kehrt. . , , Er spricht voll Eifer und voll Gluth, Es strömet seiner Rede Fluth, . Jetzt leise und jetzt drökmmd wieder -, Vi

Von seinen nommen Lippen nieder? Schwungvolle Gesten rechten Ortes Erhöht die Wirkung seines Wertes. Und wie in heftiger Erregung Er jetzt mit kräftiger Bewegung Die beiden Arme vor sich streckt I . Fliegt eine Karte, die versteckt - Sich hielt im faltigen Gewand, .1 Im Bogen über'n Kanzelrand, a v Dreht wirbelnd sich im Kreis herum . Und fällt in's Auditorium. ' ttfat,tl. jw !i V. 0rVXi ,,!, . . . uiovuiu wui uiui vct tiiuuuii auv, ' h I Unruhig wird das ganze Haus, Die; Bursche raunen, dic r ,1. kichern chtt

Verstohlen hinter den Andachtsbücheru. Empor zur Kanzel schau'n die Bauern, Die spöttisch. Jene Mt Bedauern; Der Pfarrer doch thut nichts derglei. chen, ; 1 1" 1 Er giebt dem Küster ein stummes Zei , , - -; ' cheu ' Und läßt sich von ihm die Karte reichen. Zu einem Knaben nun gewandt, , ' Der in der Näh der Kanzel stand, :, ;, Spricht er: Mein Sohn, komm nähev , - heran, -f ,il Sieh dieses Blatt genau Dir an Und gieb mir Antwort: WaS ist daT? Dar Junge d'rauf: DaS ist Grün Asi. .Grün Aß, Du hast es richtig ge. , - nannt. Nun aber gieb mir auch bekannt. , t ,

Wie denn die erste, wenn Du es weißt. Der kardinalen Tugenden heißt?" Da bleibt der Junge gaffend M, Er weiß nicht was der Pfarrer will, Nun denn," begann der Pfarrer , ,

fcttr Da seht einmal, geliebte Brüder! Laßt sich sür diese Zeit der Sünden Ein schärferer Beweis noch sinden. Als den ich hier gegeben habe? Zehn Jahre kaum zählt dieser Knabe, und kennt das grüne Ah sofort. Doch weiß er nicht ein Sterbenswort Von einer kardinalen Tugend. . Q Du bedauernswerthe Juzmd. So bildet Dich die neue Mode!" Nach dieser kurzen Episode Führt unbeirrt der Glaubensstreiter ; Die Predigt bis zum Schlüsse weiter. Der Wortlaut deö Gesetzes. Aus Cernica in Rumänien wird über folgenden höchst amüsanten Rechtsfal! berichtet: Der Bürgermeister von Cer nica hatte angeordnet, daß vor allen Weinhäusern rothe Laternen angebracht werden müssen. Die gute Frau Tinea Eerkez wollte sich ZediAdeAHenngm Befehl deHerrn Bürgermeisters nicht fügen. Sie wird also vor den RiÄter stuhl des' Stadttyrannen - citirt: Wa rum leuchtet keine , rothe 'Laterne "vor Ihrem Wirthshause?" g$itz: Bürgermeister, ganz genau nM Ihrem Besehl hangt die Laterne dort. ' Zum Beweise habe ich lle ' mitgebrecht." .Ja, aber es ist ja kein Licht drin!?" .Das steht auch nicht in Ihrem Befehl." Die Frau Wirthin hat sich ge nau an den Buchstaben der Order ge Haltens, und der' HM HüMrÄeister kann natürlich nichts anderes thun, als sofort ausdrücklich anzuordnen, daß man in die rothe Laterne auch ein Licht stecken müsse. Vor dem Wirthshaus der Frau Tinca ist es dunkel wie ' zuvorziAM zweiten Mat wuß sie im Rathhause er scheinen. , ,. ' .--"ÄqÄ Sie wollen also nicht gehorchen? Ich habe Ihren Befehl vollzogen, Herr Bürgermeisters , Ich bitte, überzeugen Sie sich, in der Laterne steckt eine tkerze." Was ist zuthun? Der Bürgermeister erläßt eine vrittc Ordre: Die Laternen müssen mit einer brennenden Lampe versehen sein," Nun,, endlich vrangte auch der Eingang zum BacchuZtempel der Frau Tinca Eerkez im rothen Lich. terlanz. Der' Herr Bürgermeister glaubte aber, daß die Frau Wirthin ihn doch ein wenig zum Besten gehabt habe und belangte sie vor dem Bezirksrich. ter, der sie zu eine? harten Geldbuße von drei Francs verdammte. Das. ließ sich die resolute Wirthin aber nicht so ohne Werteres gefallen und sie appel lirte an das ilfov Tribunal, welches zu Recht erkannte, daß eS gar nicht fr der Machtbefugnis des Bürgermeisters stehe, derartige Befehle zu erlassen. Frau Tinca wurde demgemäß frnge iprochen., , ,, Tiefe , Finsterniß herrscht nun wieder vor dem Eingänge zu Wirthshause der Frau Tinca Cer!:z. Ihre Gäste finden trotzdem den We -und dem Bürgermeister hat sie t ,iett; Die Risse im enschlichen Leben näht än mit Un Fada d:t, Geduld. : )

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