Indiana Tribüne, Volume 14, Number 238, Indianapolis, Marion County, 17 May 1891 — Page 3
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NoselZe von Konrad Telnrann. ' (3. Fortsetzung.) , Meso?- fragte ich lachend. Der paß Ihnen auf. Das ist Ihr Jeinb. SJftiu Feind? Wie soll ich daS verstehen?" 9ta, Ihr Nwal, wenn daö besser Hingt. Süßten Sie das noch nicht?" der That: nein! Ich lachte wieder. .Wenn Sie -mir das erklären vollen Aber das ist gar nicht so Zö .-rlicy, mein Bestcr, " sagte der Dotter 11 ii feinem cyl'.i scheu. Lächeln. Jeder Mensch hat gemrinkglich,'. etwas zu verbergen, was er nnzern an' die große Glocke ge hangt sieht. Deshalb ist eS immer am besten, sich kfine Feinde zu machen, sondern Allen vorzuheucheln, man halte sie für prächtige Gesellen und ehrliche Haute, ? während man ganz genau weiß, daß sie niederträchtige Schuste sind. Sonst spielen diese guten Leute Einem bei t legenhcit einen abscheulichen Streich und man hat daö Nachsehen. Ich verstehe aber immer noch nicht, was diese gewiß sehr weltkluge Idee mit mir und dem Inspektor Schwarz zuthun hat, und weshalb wir Rivalen sind!" ' Run, fehr einfach. Er bewirbt sich um das Värgermeistcrtochterlein um die holderblühte Dorothea! AHZ Nun, meinen Segen hat er on Her:cn! Weiß ich! Aber der Alte gibt sie ihm F??cht, und das Jungfräulein nimmt ihn nicht, weil Beide erwarten, Ihr dreifach umpanzertes Herz werde sich eines TageZ hoch noch erweichen lassen. Und Schwartz eiß das auch ganz genau." Run? Und ? Ich will ihnen Alle meinen schriftlichen Verzicht auf Ehrenwort und für Lebenszeit geben mit beigedrucktem Gerichtssiegel!" PZürde wohl nichts helfen. Die lieb' liche Dörthe ist in Sie nun einmal ver? narri bis über die Ohren, und fo Einer Ist nicht beizukommen. Schwartz wird es also woül auf andere Art ansuche. Nämlich?" .Sie bei ihr unmöglich machen." Bravo! Damit wäre uns ja Allen gedient." $mla Der Doktor lächelte ironisch. Ner ist das Mittel ein bischen gcfährlich, sind' ich. Wieso? Womit will er mich denn unmöglich machen?" Ja, da liegt's eben." Der Sprecher Qhlte in seinem Bart und blinzelte mich durch feine Brillengläser mit kleinen, Pechenden, grün grauen Augen an. ,Wle gezagt: zcder Mensch pflegt feinen wunden Punkt zu haben, um es milde j v m... t t fmt .. . . uszuoruiieR. uno tm juccocyen tote , DLrthe Wchler pflegt mit sammt ihrem ' hochwohllöblichrn Papa und dem ganzen ! übrigen Honoratiorenkonfortium unserer ( herrlichen Stadt am ehesten dann über eisen erwünschten Freier das Anathema j zu sprechen und sich einem unerwünschten j . r" . zu ergeben, wenn der erwünschte ihr glaubwürdig alö ein unmoralisches Subi jekt geschildert wird, welches im fremden Jagdrevier wildern geht. Herr Doktor !" Ich war lzalb in die Höhe gefahren, meine Hanv hatte sich geballt. z ! 'Ich b:t!5. sagte der Doktor ruhig, ., 1 1 ereifern Sie sich nicht! 3 Ich habe ki?n Wort von mir gefprochen. Ich habe ansschließlich auö dem Geiste und Sinne Andere? heraus geredet. , Und ich habe Sie warnen wollen. Fürchten Sie keierle! Möglichkeit unliebsamer AufdekkungkI, nun, um so besser. Ich wiederhole Ihnen alfo nur: dieser Mann ist Ihr natürlicher Feind, hüten Sie sich vor ihm! Mir geht das Alles gar nichts an, aber auch nicht das Geringste. Und ?un lasset Sie uns abbrechen. Da kommcn. schon die Vorboten "des nahenden Unglücks. Guten Abend, meine Herren! Sehr erfreut! Gott sei Dank, daß Gesellschaft kommt! Wir Zwei " haben uns schon schauderhast ennuyirt u".d hatte lebhaftes Verlangen nach' einem gescheiten Wort," was) Ä sse ssor? - Es waren mehrere der Stammgäste eingetreten, die der Doktor mit seinen letzten Worten begrüßte, und Unser Gesprach hatte schon um' deswillen ein" Ende. Es wäre mir auch sonst kaum etwas zu, sagen geblieben. Der Doktor hatte sich ja nicht .zum Theilnehmer an einem gegen mich geschmiedeten Komplot gemacht oder überhaupt sich darüber geäußert, ob er die ?c, . dem Inspektor Schwartz über mich in Umlauf gesetzten Gerüchte alaube oder nicht. Er hatte mich ur auf eine mir drohende bisher i unbekannte Gefahr aufmerkfan machen wollen und - ich mußte ihm dafür
dankbar sein. Was ging mich über- k eS sich über mlch herab, mitten ,n Haupt diese ganze gegen mich ange-1 hu fonrngeii Heitcrfrit bufcS strahtciidä zettelte Intrigue noch an. Sie rzar TageS. Ich hätte mich am liebsten nie lächerlich bis zum Aeußersten. Wie der ß dergeworfen und mein Weh auSgestöhnt, Bürgermeister und sein von mir nicht wie ein todtmundes M!ld7K 'H begehrtes Töchterchen, wie die übrigen Wieder , und wieder umkreiste ich das Honoratioren von Pollnow über mich dunkle, stille Wasser. Was nun? gellte dachten, galt mir völlig gleich. In we- sS in mir. Alles, Alles vorbei! Ich sank nigen Monaten war ich dieser kleinstädti- ',euf die Nasenbank nieder, ich sprang schen, mufflg.philiströsen Atmosphäre wleder auf, ich war meiner selbst nicht entrückt, dann mochten sie den großen mehr Herr. ä" Zuletzt beschloß ich, zu Wannfluch hinter , mir herschleudern oder gehen. Ich wollte mich hier nicht länger 1 l" ' ," -i '4 f ''s ' '' ? 'l''" ! ' ' ' 'f i! 11 . r ;'V y " die Fäuste ballen, , wie sie wollen. Und zum Narren vor Mir selber machen, wenu ich schon vorher bei diesen ehr- Zorn, Scham. Enttäuschung das famen Spießbürgern unmöglich gemor-, Alles kämpfte in mir, wirrte, sich in mir den" war, ich 'ürde es zu tragen wissen, durcheinander. Ich war müde, ich fühlte 2Btf einmal mit Helene und mir Alles 'mich schwach und gelähmt. Endlich trat entschied!, so muß,2 ich ja ohnedies mit 1 ich den Rückweg an. Kaum dreißig efjcuem Vistr handeln und durfte jedem schritte hatt' ich gemacht, so hört' ich Verrath trotzen, der nichts mehr zu ver- mich angerufen . bei ' meinem VorLathrnben"konnte,,HtzftiKs ' In Folge solcher Erwägungen nahm Es tras mich wie em Schuß. Ich sah des Doktors Warnunaen nicht schwer mich um, meine Augen batlen sich schreck-
und baite sie ebenso wie den Fabrikin- "' !.; 1 . ..,!,'::;;in . i... - , " -'"!" fttlivx Schwartz, mit dem ich Uvrigen, persönlich niemals in irgend eine Verührung gekommen war, und sei ic gegen mich geschmiedeten Nacheplane bald völ- , lia aus dem Gedächtniß verloren. Ich mischte mich mit erheucheltem Interesse in die Gespräche, die nunmehr am Biertische hin und wider flogen, ich ließ mir so(?cr die Liebenswürdigkeiten des Bür-Lk-mrisierö gefallen, der an diesem
. , ,,, ,. I Abend? sicherlich mit mir, zufrieden und öetreffs der Zukunft seine! TochterchenS hoffnungsvoller war, , als je. t Um die gewohnte Stunde löste der Stammtisch sich pünktlich auf, , ohne daß ein Wort gefallen wäre, da5 über die übliche, ergebnißlose Unterhaltung hinausging. Ich schlief in dieser Nacht fcltfam ruhig. Es mußte eine wunderfame Sie-ges-und Glückszuversicht in mir sein, die mir Frieden gab, und mit ihr erwachte ich auch. Es war ein strahlenerSommertaF. Kein Wölkchen am Firmament, und die Luft ging doch frisch .und erquicklich. Und hente, heute sollte es sich entfcheiden! Ich ging früher m's Gerichtözimmer, als je, ich sehnte mich danach, mich mit Arbeit über, die Stunden fortzutäuschen, dielMlch noch von , der entscheidungsreichstttlDe Es war 'mir wunderlich, daß gerade heute eine SZeihe von Schriftstücken eingegangen war, welche sich auf die Untersuchunz gegen den unbekannten Mörder Planck's bezogen. Wte fern lag mir plötzlich- das Alles, wie unbegreiflich erschien mir mein Eifer jetzt, mit dem ich Licht in dieses Dunkel zu bringen versucht hatte! WaS lag mir heute noch daran, ob jener geheimnißvolle ' Missethäter je entdeckt
wurde oder nicht! .Mechanisch öffnete ich i t.t-t1sjr ' 7-Jf. t- C C jfTvic vcyüiuiiujeii K3Q)xziocn uno ourtgnog sie. Sie enthielten nichts von Vedeuwng, nichts, was mich, fesseln konnte, und ich warf sie zu den Akten. Da war die Abschrift des schwurgerichtlichen ErkenntnisseS gegen die unverehelichte Helene Halm, Tochter 1 der Pfarrerswittwe Frau Maria Halm aus Dellen-; durg in LZberhessen,, .wegen Meineids das sie zu einem Jahre Zuchthaus unter Annahme mildernder Umstände verurs theilte. Ich begriff kaum mehr, weshalb ich die Einsendung dieses Schriftstücks verlangt hatte. Mich gelüstete nicht nach Weiterem. , Die Stunden schlichen unerträglich langsam. Aber endlich wurde eS doch Mittag, endlich konnte ich doch daran denken, den Arbeitstag abzuschließen. Ich beorderte die noch zu erledigenden Aktenstücke in meine Wohnung. Der Aktuar.hatte mich nun schon ein paar Mal mit allem schuldigen Nespett darauf aufmerksam gemacht, daß ich eine Randverfüguna getroffen hatte. die mit früheren in keinen Einklang zu ' bringen war; er soÜte nicht weiter über : mich zu klagen haben. Lieber mochte e3 ein paar Reste meht geben. Ich ging. ' Durch mehrere Stunden beherrschtes mich die Angst, es werde sich noch irgend etwas ereianen. das mich l'ndern mußte, j rechtzeitig draußen am Waldsee zu sein, ! irgendwas mir in den Weg treten, mich festhalten, mich mein Glück verscherzen, versäumen lassen. Es geschah aber nichts. Ich war fchon viel eher an Ort j nd Stelle, als ich Frau Helene erwär4. ro .. r x. t. . n . .:jt. l c "cl" vHUC wu; u3 i gehalten oder beobachtet, auf der Straße . ebenso wie in den Wegen des Stadt-! waldeS war es völlig leer und still;, das große Mittegöschweigen des Sommers brütete über der Landschaft. Ich ; hatte mich bei dem raschen , Gehen, daS i dle -t n, t m m . . ' ,' n VrS l urcyr, aus irgcno eme Aoyauung zu stoßen, veranlaßt gehabt, erhitzt und labte mich an der Schattenkühle des Platzes. Der kleine See hatte auch heute nichts Unheimliches, nichts Düsteres mehr für mich, wie neulich, ich fand, ihn unter dem leuchtenden Sonnenhim? ; mel nur nocy marcyenyazt undrerzvoU, i. -- er . , -,r 'trx ir . i in seiner 'fchwcrmüthigen' Lautlosigkeit. Daß sich Helene vor Allem immer nach : dieser Waldstell hingezogen gefühlt hatte, die wie ein Stückchen Poesie mitten in die ode Prosa dieser Welt, in welches sie verschlagen worden, hineingefallen war, konnte mich rncht Wunder nehmen. Und hier sollte es sich heute entscheiden, was meines Lebens Glück oder Unglück werden mußte. . Die Uhr in der Hand, saß ich herzklopfend uld wartete. Alle meine Pulse jagten, mein Blut sieberte Wenn sie nicht kam, in der Erwartung dessen, was hier gesprochen werden sollte, nicht kommen wollte! Eine furchtbare langst übersiel mich abermals und schnürte mir die Kehle zu. Wie würde ich eZ ertragen? ' Immer wieder " lauschte ' ich i mit attgehaltenemMtheM' hinaus Jedes Rascheln eines dürren NeisigS,-jeder Windhauch in den Nadelkronen,, jedes Hüpfen eines Vogels durchras WachHoldergestrüpp ließ mich zufammenfahren. Und immer wieder eine neue Enttäufchung, ein neues angstvolles k Erschrecken! Die festgefetzte Stunde :war vorüber. Eine düstere Trauer kam über mich, eine, dumpfe Resignation. Sie kommt also nicht! sagte ich mir, sie will Nicht kommen, eS ist Alles aus. Ich glaubte an nichts mehr, ollte an nichts mehr. glauben, k 2 l! ' W H Wie ein. schwarzer Flor senkte haft erweitert, aber ich fühlte plötzlich : ,. '"'.'. M' ' ' ' 1 ''", ''i , ven vouen lrom oes evens wieoer durch meine Adern rinnen. Den Klang ! dieser Stimme kannte ich. Es konnte ! nur Helene sein, die mich gerufen fo ! gerufen hatte! Und sie war e auch, j DaWrat,MeZ mauer von Wachholdergesträuch, die sie ; mir bisher verborgen, hervor, ' Jn l Hellem Sommergewand, bleich, übernächtig, dunkle Schattenringe unter den -
Augen, ein seltsames Lächeln auf , den Lippen. f, u"y Helene!" Ich rief es halb fragend, halb zürnend, ich wußte nicht mehr, was ich denken solle., Sie legte den Finger an die Kippen. .Still!"' flüsterte .sie, und sah mich an. Ich glaube, man verfolgt mich. Oder war eS nur mein böses Gewissen? Ich weiß ',eS , nicht., Aber mich dünkte es immer, es schliche Jemand hinter mir her. Ich bin gelau fen,aber ich konnte ihm nicht entkommen. " Sie blickte mich rathloS , an. I hatte mich allmählich gefaßt und trat ihr näher, mein Herz schlug wild. Wie lange bist Du schon hier?" fragte ich. Das Du" , kam mir wider Willen von den Lippen, ste nahm aber keinen Anstoß dätanbemerkte es wohl! kaum! l tj3 bin fchon lange hier. " sagte sie und lächelte. Ich habe Sie beobachtet. Und jetzt wollten, Sie gehen, nicht wahr? Sie waren verzweifelt an meinem Kommen. Und mir thaten Ihre Unruhe, Ihr Schmerz fo wohl. Sind Sie mir böse? Ich konnte nicht anders. Sehen Sie, ich bin nun einmal so. Aber jetzt glaub ich an Sie, jetzt glaub ich an Sie!" Sie reichte mir ihre beiden Hände hin und lächelte strahlend. Sie war von bezwingendem Liebreiz in diesem Augenblick,. und ich konnte mir's nicht mehr versagen, ich mußte um mich für all die angstvolle Qual dieser Stunde zu entschädigen, schon jetzt und ehe noch ein Wort der Verständigung zwischen uns gefallen war, meine Arme um ihren Nacken schlingen, sie an mich ziehen, . sie küssend Und ich that's, obgleich sie sich wehrte obgleich ein Schreckenslaut ihren Lippen entfloh. Ich küßte diesen, weichen, süßen Frauenmund, ich fühlte, daß mein,5tuß erwidert wurde trotz Allem. Was bedürfte es da also noch der Worte zwischen uns?) Wir hatten uns schon entschieden Beide.' Um Gotteswillen!" war das erste Wort, daS Helene nach dem ersten, aufflammenden Naufch flüsterte, wenn man uns, sieht, uns belauscht! Ich bin gewiß, daß man uns auflauert. Ich hab' es im Gesühl, , es prickelt mir in den Nerven. WaS machen Sie aus mir, Ottomar? Wohin bringen Sie mich? Ich lassen Sie mich doch los!" Ich fährte sie halb mit Gewalt auf die Nasenbank am Ufer des Waldsees. Unterwegs flüsterte ich ihr tausend zärtliche Liebesworte, Betheuerungen, Vorwürfe in'S Ohr,, die . sie alle mit anHorte, über sich ergehen ließ, wie betäubt, keiner Erwiderung fähig. Endlich faß sie, ich neben ihr, ihre beiden Hände in den meinen, ihr Kopf gesenkt, wie, wenn er ihr zu schwer geworden, Thränen an ihrer Wimper. Helene," sagte ich, . nun sag' mir's, ein einziges Mal nur sag' mir's daß Du mich liebst!" Du weißt's ja," murmelte sie, ohne die Stirn aufzuheben. Wär' ich fönst hier? Duldete ich das sonst? O, ich bin schlecht schlecht!" Das Letzte klang wie ein Aechzen. Sie wollte ihre Hände freimachen,' um sie sich vor'ö Gesicht -zu schlagen. Ich litt eS nicht, gab sie Nicht frei. Helene," sagte ich ruhiger, quäle Dich nicht! Du begehst keine Sünde, Du. wir Beide können nicht anders. Du wirst mein Weib sein, Helene." Unmöglich! .kam e3 über.iöre Lip- "' ;'Vtr ' ' ".r-1 'f V "''' 1 . pen mit trauriger Entschlossenheit, unmöglich! Wenn Du wüßtest,' was ich ihm verdanke, was er mir gewesen ist .! '?Und ich soMihm das je anthun können, das! Nein, nein, nein! Ich müßte mich verachten. Du selbst müßtest es, ich wäre das ' elendeste, niedrigste Geschöpf unter der. Sonne. Und was follte es uns auch nützen? Glücklich könnten wir doch niemals , werden niemals. Es wäre keine Sünde, , sagst Du? ES wäre mehr als das, ein Verbrechen und schriee zum Himmel auf!" Heleuel" 'flehte ich, , beruhige Dich doch, laß uns überlegen, nichts übereilen! Ich weiß j daß ich Ungeheuerlich es von Dir verlange, ich weiß ja, daß wir einen edlen und guten Mann, der unS Vertrauen schenkt, kränken, unheilbar tief verwunden und berauben müssen; ich fühle. eS Dir ja nach, wie sich Dein , gutes, weiches, dankbares Herz dagegen sträubt, wie gegen eine Todsünde, und daß Du glaubst, auf solchem Unkergrunde niemals ein Glück aufbauen zu können. Alles weiß ich, Geliebte., Und doch doch können wir denn an ders, jetzt noch anders? Wollen wir für immer von einander gehen?Wollen wir ein heimliches Spiel fortsetzen, das unserer nicht würdig wäre? WaS wellen, wir thun?' ES giebt ja keinen Ausweg. Wir
müssen entschlossen handeln, mit osrenem Visir. je eher, desto lieber " 7-' Ich redete noch so eine Weile zu iht fort, ich sagte ihr AlleS, was ich mir selber gesagt, waS mir auf der Seele brannte. Mem ganzes volles Herz strömte ich vor ihr aus. Da sie immer stumm blieb, glaubte ich sie überwunden, und wurde nun znuy noch beredter, noch stürmischer, , noch feuriger, , aber alS ich schwieg, sah ich, daß das Alles eindruckslos an ihr vorübergegangen sein mußte, denn sie schüttelte nur traurig den Kaps und sagte hinterdrein: Ja, Du bist gut und Du glaubst an daS Alles, was Du redest, und Du liebst mich. Ich danke Dir dafür, i Nur werden kann es nicht ' so, wie Du'iMelnstZWkniem würde mich vor mir selber schämen müshn. : V Und deshalb darin hast Du ganz recht , deshalb ist eS am besten für uns, ' wir gehen liebe? heute gleich auseinander für immer " ; Ihre Stimme brach beinahe v 0 r v er haltenem Schluchzen. Helene!" schrie ich auf das könntest das wolltest Du? Du liebst mich alfo nicht, Helene? Da sah sie mich' lange mit großen, glänzenden, unsäglich schwerm'üthigen Augen an. Dann fuhr sie mit der Hand leise mir über die Stirn hin und sagte: Ob ich Dich liebe! Ich habe Dich zwar betrogen, Ottomar, im Anfang, weißt Du, ich wollte Dich berücken, ich war kokett, ich war schlecht und berechnend, weil Nun, das hat sich an mir gerächt, bitter. Denn dann liebte ich Dich wirklich, Dich als den Ersten und Einzigen aus der Erde,
ich schwöre DirS zu, Ottomar, be! Allem, was mrr je heilig war, ich habe nie vor Dir einen Mann geliebt, nie; ich wußte gar nicht, was Liebe ist. Ich habe immer nur gelitten unter der Liebe von Männern, deren Liebe ich nicht ermi dern konnte, schwer, furchtbar hab' ich darunter gelitten, eS war wie einVer hängniß. ' und ich selbst konnte nicht lie ben. Ich dachte, ich sei dessen überhaupt nicht fähig.! , Dann heirathete ich den Guten, Edlen, der mich liebte, mich ret, tete, kannst Du nicht verstehen, wie er mich rettete! trotzdem ich ihn nicht liebte. Ich war in meiner Art glücklich, soweit ich's noch werden könnte; ich hatte Pflichten : zu erfüllen, dir: mich beglückten, ich c hatte abgeschlossen mit allem Uebrigen, ? ' ich . glaubte mich geborgen. Dann kam es anders, ganz anders. Dann lernte ich die Liebe doch noch kennen, - die - Leidenschaft. Aber nun war eS vied zu spät, viel zu spät. Weil ich . Dich . so wahnsinnig liebe, Ottomar, weil ich jetzt weiß, was Liebe ist, deshalb werd' ich Dir nie angehören, nie. Glaube mir, daß es nicht sein kann. , Das, ist AlleS, was ich' von Deiner' Liebe" fördere) daß Du mir's glaubst. Ich kann nicht. Und nun geh', küsse mich noch einmal, der Himmel verzeih' mir bie Sünde! und dann .'geh'! Wenn Du mich liebst, Ottomar, geh'! ES war, etwas in ihren Worten, in der Art, ' wie sie ihre Worte vorbrachte, dem ich keinen Widerstand mehr entaegenzusetzen wußte. WaS hätt' ich ihr auch sagen, waS thun können, ,um sie zu überzeugen,' sie anderen Sinnes zu machen? Ich hatte ihr ja Alles gesagt, un Alles hatte sie ungebeugt gelassen. Jä ' fühlte ' mich gelähmt, machtlos einem Gewaltigen gegenüber. Ich gab die Hoffnung noch nicht auf, konnte sie nicht aufgeben, mir diese Frau, die mir eben das feurigstes das beseligendste Geständniß ihrer Liebe gemacht, doch noch einmal zu gewinnen, , aber ich mußte der Zukunft überlassen, was mir der Augen blick versagte, und der Wunderraft der Leidenschast vertrauen, die über alle Zweifel und Qualen hinweg dennoch endlich den Sieg davontragen würde. Helene", sagte ich, Du ' könntest mich so namenlos glücklich Mchen:And zeigst mir jetzt das Glück nur, um mir zu sagen, daß ich eS meerrelHewsöll!." Sie nickte traurig. Es muß so sein. Und leise machte sie ihre Hände aüs.den meinen frei, die, sie . immerf ,noch unN schlungen hielten.. Wie demüthig beugte ste sich nieder, um sich von mir küssen zu lassen. , Sie erwiderte den Kuß diesmal auch nicht, und mich durchschauerte es bei dem Gedanken, daß ,es der, letzte., sein sollte. Es konnte der letzte ja nicht fein; weshalb wollte ich mir's einbilden,. mich mit dieser Einbildung quälen?' Wir wollen gehen!" ' Es kam wie ein Hauch über Heleiie'S Lippen. Müde, gebrochen n . . '.', i.fiti'd' '' ,f',, ,. stand sie auf. ; : .yr:;;CV '' - Wir haben l uns noch.'foiwtitt sagen," murmelte ich. . ' Aber ihre Gestalt schien 'ein Frösteln zu überlaufen. SiV verneinte rasch und heftig. Ich muß fort, ich kann nicht länger. Hörtest Du nichts? Waren das nicht Schritte da drüben im Gebüfch? Wenn man uns sähe!" Du bist so ängstlich," beruhigte ich sie, ich habe nichts gehört. Deine Nerven sind überreizt. Und wenn man ünS auch hier fände, wer könnte darunter etwas argwöhnen Fasse dich doch xoit der! Vor Allem aber: wir können doch nicht so auseinandergehn Was soll nun' werden? Dies kann doch nicht das letzte Wort zwischen unS gewesen sein, das ist unmöglich. Wollen wir, einander " so nahe, uns von nun, an , .meiden? rltni was wird die Welt dazu sagen? . Wie wollen 'wir eS vor- Deinem Manne erklären? Laß uns das. Alles ' erst ruhig überlegen! Ich kann in den nächsten Monaten nicht von Pollnow fort". r. Ich werde Dir schreiben, siel sie hastig, immer- angstvoll ümherj'pähcnd,' - cun . 'ltiWi,;,Jfi'1': ' ein, Alles werd ich Dir schreiben wie es werden soll. , Jetzt in dieser Stunde Du begreifst, ich habe keinen klaren Gedanken mehr, ich bin wirr, wie von Sinnen. Und diese ewige Furcht ' .Aber ich werde Dir ganz- gewiß schreiben, Du, hast;, ja recht, eS . muß 0 klar werden zwischen uns Alles. Morgen sindest Du einen Brief von mir; Wichst ,Du da drüben die alte 'Föhre 'mit, dem breiten 'Mloch? Dort steck? ich 'ihn hinein, und Du holst ihn Dir ob; das ist sicherer .ttnd"unaussäll!gerUnd'Mit, Deiner Antwort machst , Du's. ebenso. Willst Du? Aber nun laß' , mich 'gehen. Ich habe die bestimmte Vorahnung, als gab' es sonst ein Unglück. Leb' wohl! Geh' nicht mit mir, bleib' zurück, wenn Du mich lieb 'hast! Leb wohl, Du 'Bester, DuGellebtester!" . , , Noch ein Druck ihrer , kalten' Hand, welche sekundenlang die meine umklammerte, dann ging sie.' Sie schlug -den nächsten Weg nach Eartlow ein, und sie ging so rasch, als ob sie verfolgt werde. Nicht ein einziges Mal wandte sie sich um. ' Ich hatte mir daS Alles fo ganz anders gedacht, hatte aemähnt, wenn wir :! i, ", '!K!'a'C.;',::ii. 7rf K, . ; ,: O 7,.,, ' . :,. auselnandergingen, . würd' ich die Gewähr des höchsten und seligsten LebensglückS mit mir davontragen. , Und nun. tr Wie wenig Hoffnung trug ich nun mit mir trotz der Gewißheit von Helenes Liebe! Ich konnte hier nicht länger bleiben. . Die Welt war mir plötzlich wie mit einem düsteren Schleier überhängt, die lautlose, eingeschlosseneSonnenluft im Walde beklemmt mich. So ging auch ich. Ich weiß nicht, ob ich den kürzesten Weg zur Stadt einschlug oder in meine Gedanken versunken, einen andern ttahlt?): das zu achten, was um mich war. Ich fuhr daher leicht, erschrocken zusammen, als neben mir über die Waldlichtung her ein Schritt auftonte. Doch das dauerte nur einen Augenblick. Der Mavn, der dort ging und die Richtung nach Eartlow zu verfolgte, war nicht Leopold Haseler, wie ich mich sofort überzeugte, und nur ihm wäre ich ungern in dieser Stunde begegnet. Wer er sonst wur, galt mir gleich. Dennoch sah ich hinüber und erkannte den Mann auch; es war der Inspektor Schwartz.
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' W W r doch , wieder peinlich.4 ; Unter and,rea Umstanden .hätte ich: nichts darauf ge, geben, daß die Anwesenheit dieses Man, neS um ! solche Stunde im .Stadtwaldt etwas Auffälliges , haben , mußte, i abez unwillkürlich gedachte ich dessen,' was mil der Doktor gestern Abend im Greifen , gefagtihatteMUnd ein' leichieS Fröstele überrann ?mich. Wenn dieser Mensch uns ausspionirt hatte,-Helene und 'mich, und nun in, der Stadt zu widrigem Ge, rede Veranlassung gab! Das konnte He, leneä Muf? fchwer gefährden,, .mich mit LeopoldHäfelernn ernsten Konflikt brin, gen, wenn mir auch die moralische , Ent, rüstung der .Pollnomcr Honoratioren uni DorötheäA WetzkrSVerachtung'kemj schlaflosen Nächte bereiten würden:? Jcj konnte jedoch nicht glauben, daß Schwarj leichtsinnig die Frau seines Prinzipall , zu verdächtigen wagen würde, nur un mich l in den Augen seiner Anserkorenen bloßzustellen, ich'wollte auch, daran , nicht ) glaubend -r . - v: ' , : Dennoch , blieb einGcsühl des Unbe, Jagens in mir zurück. . Und mit ihm uchte ich rascher, als bisher meine Woh, nüng wieder Zu erreichen sroh keinen weiteren Begegnungen mehr ausgesetzt zu sein?' Wenn eS denn übrigens tvixU ?! lich zwischen Häscler und mir doch zu einem Bruch kommen sollte und mußte, 1 so würde, ich wenigstens Helene dadnrch zwingen, meinen Bitten Gehör zugeben, und dann war sie mein, HSseler selbe, würde sie mir nicht länger verweigern. Insofern lag für mich etwas Vcrsöh: nendes, etwas Tröstliches in dieser Be sürchtung; sie würde entscheidend einge, griffen,' Helenes Widerstand im Sturm überwunden haben.' Dann war's eint Zwangslage, in die wir uns gedrängt sehen würden. ) ' Müde warf ich mich zu Hause aus mein Sofa. Ich konnte keine volle Klarheit in meine Gedanken und Em. psindungen bringen, ich wußte kaum, ob freudige oder schmerzliche Empfindungen in mir vorherrschten, nach dem Erlebtes vorherrschen dursten. Ich wußte nur, daß ich gehofft hatte, mit anderen Ge, fühlen cheimzukehren. Um mich abzulenken, , irgend eine Beschäftigung vorzü, nehmen, die in mein Inneres neue Ele: mente gewaltsam hineindrängen sollte, griff ich nach dem Stoß von Akten, , dei inzwischen durch : den Gerichtsboten aus meinem Tische aufgestapelt worden war. Es befandcu sich auch verschiedene, , inzwischen ' neu eingegangene Schriftstücke darunter, von denen sich wiederum einige auf den Mordprozeß bezogen: Auch jetzt hatte ich nur ein flüchtiges InUit't dafür. Dann aber fesselte mich eines derselben: das Schreibe der Orts, 'beHorde zu Dellenburg. Ich riß es auf; was war das? Las ich das wirklich oder tauschten mich meine Augen, meine Sinne? War ich toll geworden? Nein, da stand eö, Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe, ich konnte es mit den zit, ternden Fingerspitzen berühren, ohne daß es sich verflüchtigte: Die von hier ge, Hürtige Helene Halm, Tochter des nunmehr verstorbenen Pfarrers Theodor Halm 'dahier und seiner ebenfalls abgeschiedenen Ehefrau Maria,, ge; borenen Weidencr. aus Elberfeld, ist wie behördlicherseits, , durch Einsicht jiii ' die ' StandeSregister hier festgestellt worden nach hierselbstordnungSmäßig .erfolgtem Aufgebot zu Montreux in, der , Schweiz mWem Gutsbesitzer undFabri 1 kanten Leopold Häseler zu Pollnow in Hommern ehelich verbunden worden ,am 27.' Mai des Jahres 18". Ich konnte nicht wciter'lesen. Es senkte sich etwas wie ein schwarzer Vorhang über meint Augen herab. . Ich wollte aufschreien nur um mir Luft zu machen, nur um nicht zu ersticken, ich vermochte , es nicht.' Das Blut fauste mir in den Ohren, in meinem Kopfe, hämmerte es, : als solltt er, ' zerspringen. Ich griff mir mit beiden : Händen gegen die , Schläfen. Was war denn das Alleö? Was bewies mir diese amtliche Auskunst in ihrem .verschnörkelten Kurialstil sonst, als daß jene Helene Halm, die : in der Stras: anstalt! gesangen gesessen, auS',, welch der Gärtner Planck sie zu befreien , ge, sucht,' und diejenige, die beute Frau Helene Häseler hieß, die ich liebte, nach der ich , begehrend meine Hände ausstreckte, i :.,i,7r- i . . m r 1 rx ' eme und dieselbe Person waren. Im Zuchthause! Die Frau, die ich liebte die ich der Welt, dem Widerstande, dem 'VerdammüngSÜrtheU Trotz 'zu meinem Weibe machen wollte, eine Zuchthauslerin ! WaS ich als Aus: geburt eines tollen, irren Fiebertraums vor mir gesehen, i war also wahr, stand als volle, unbezweifelbare Wirklichkeit vor meinen Augen,' die ich absichtlich ge, blendet hatte, um nicht schon längst das Furchtbare,' daS Ungeheuerliche sehen zu A r- i' : ' ; m . r v,i : MäH$"' Qine Zuchthäuslerln ! Ab?r was denn ZUN weiter? Schreckte mich schon der bloße Klang dieses Namens? War ich so feig, so schwach, daß er allein fnwc; genügte, um Alles über den Haufen zu werfen, was bis dahin in mir festgestan, den hatte, was, meines Lebens Höchstes und Köstlichstes hatte werden sollen? ;W "1V '" ,!"'r" ' ' V "' "!'f'"-'i mr- !' : ' " " ,.i Ich hatte Mich dann selber verachten müssen.' Eine Zuchthäus lerin ! Aber -. l . "'','. , f... .,,ff,,,,I,,,,j, ; ii .1.' ' I : ' l , ': was ging das Mich denn an? Ich liebte taMMaftesieFjaMotz aller Schrecknisse der Holle zu mir in meine Arme reißen wollen, und nun hätte mich das sollen zurückschaudern lassen? Eine Zuchthauslerin, ja aber diese Zuchthäuslerin! war ja Leopold HäselerS Weib, war die rechtmäßige Gattin eines guten und edlen ManneS gemorenH der um Vieles engherziger und unfreier dachte, als ich, und der sie dennoch trotz jenes Makels zu seinem Weibe gemacht hatte! Sollte ich hinter ihm an Großheit und ruhiger Klarheit des Empfindens etwa zurückstehn? Dann Pfui über mich! Und was bewies das im Grunde auch : eine Zuchthäuslerin?! Ich selber wußte doch wohl am besten, auS welchen ocrhängnißvollen Scheingründen, durch welche nichtSwürdigen ' Machinationen Menschen ,n Verbrechen . verstrick:, zu Verbrechen getrieben. unverdienter Strafen anheimgegeben werden können. Die
1 viele Unschuldige ' halten ' denn schon ! Ketten und Banden schmachten müssen bis auf unsere Tage weil ihre Unschuld sich . nicht hatte nachweisen lassen, weil der Schein gegen sie gewesen war! Erwies die Thatsache, daß Helene in einer Strasanstalt gewesen, schon unwiderleg, lich eme Schuld, ein Verbrechen bei ihr? Nein, tausendmal nein! Wenn es aber selbst so wäre, was dann? Sie hatte ja gesühnt, waS sie unbesonnen einmal wirklich gefrevelt haben mochte, sie hatt ja die Strafe abgebüßt, die das verletzte Recht über sie'vcrhängt. War sie des, halb meiner nun weniger würdig gemor, den? Ein feiger Selbstbetrüger und Heuchler,, der sich das hätte, vorreden wollen! Ich, ich liebte sie darum nicht minder feurige würde sie um nichts min, der 'jubelnd als mein Weib in meine Arme schließen. 1 Nun aber begriff ich auch,, warum sie mich nicht hatte erhören, mir nicht hatte folgen wollen,' warum sie sich für so undankbar 5 und fo schlecht gehalten hätte, falls sie es dennoch gethan haben würde. Sie wollte Den nicht verlassen, verra, then. der sie einst dem Gerede der Welt dadurch entzogen 'daß er sie zu seinem Weibe gemacht, der sie trotz desMakels, der in den Augen der Menschen an ihi hastete, an einen geachteten, ehren, vollen und sie befriedigenden Platz geführt' hätt?, welcher ihr 'Gele; genheit bot, - in der Stille Gutes zu thun und alle die in sie gelegten Kräftt zum Westen Anderer zu nützen. Da ließ sich gar wohl verstehen, und dies Regung ehrte Die ' nur, welche sich iht hingab, und um ihr zu gehorchen, den Trieben und Wünschen ihres 1 HerzenI Einhalt gebot. Ich aber wollte auch diese Regung in ihr nicht anerkennen, als einen ehernen Fels, daran die Wog meiner Leidenschaft machtlos zerschellen sollte, sondern sie trotz derselben zu mei, nem Evangelium vom Recht der Liebe bekehren und mit ihr das Glück in meine verlangenden Arme reißen. V Ich war aufgesprungen und hatte in meiner wild wogenden Erregtheit das Zimmer ein - paar Mal mit raschen Schritten durchmessen. Dann blieb ich plötzlich, neben dem Tische stehen un! stützte den Arm schwer mit der geballten Faust auf das Schriftstück, das ich vorher gelesen. Es schlich mir' ein Etwas eiskalt, mich bis in's Innerste durchschauernd, bis zum Herzen herauf. Mir war's, alS ob mir das Blut in den Adern zu EiS gerinne. Meine Augen starrten auf ein Etwas in der leeren Luft, das in Wirklichkeit gar nicht da war und daS ich dennoch gewahrte, so deutlich, daß ich eS hätte mit Händen greifen können, ein Furchtbares, ein Ungeheuerliches. . Weshalb hatte ich denn jene Auskunft , der OrtsbehSrde von Dellenburg über Helene Halm eingcfordert? Doch nicht, um festzustellen, daß Helene Halm und Frau Helene Häscler eine und dieselbe Person waren? Sondern weil die Vermuthung vorlag, daß jene Helene Halm, die in dcrselbenStrafanstatt gefangen gesessen hatte, in welcher Planck als Gärtner beschäftigt gewesen, später die Mörderin eben dieses Planck geworden war. Dann also wäre Frau Helene Häseler ja , diese muthmaßliche Mördenn geworden, meine Helene, aber die Helene, welche ich liebte, welche ich heute, vor Stunden erst, auf der Nasen dank am Waldfee in meinen Armen gehalten und geküßt,- die ich beschworen hatte, mein zu werden, mir als mein ,Weib in die Welt hinaus zu folgen. Meine Gedanken verwirrten sich, ich war. wohl wirklich auf dem besten Wege, wahnsinnig zu werden. Ich lachte laut vor mich hinaus, nur um mich lachen 'zu hören. Aber dies Lachen klang mir unnatürlich, fremd, wie das eines Andern. McincGedanken jagten wüst durch.einander. Ich sah Helene mit dem dürren Reisig in der Hand bei der fahlen Blitzbeleucytung des : ; Gewitternachmittags unter den Föhrenstämmen an der Stelle auftauchen, wo Planck erschossen worden war, ich horte , ihre Worte: Nun verhasten., Sie mich nur gleich, aber gleich!" Ich sah sie den schmalen, ktei' nen Fuß auf das Papier setzen, das die Zeichnung , .der in der Nähe des Thatorts aufgefundenen Fußspur , enthielt, und, dachte daran, wie genau dieser ,, Fuß 4 dazu,! gepaßt : -: hatte. Ich hörte sie am ersten Nachmittag unseres Beisammenseins auf Eartlow zu sagen, daß der Ermordete vielleicht mit Recht getödtet worden, vielleicht ein Elender gewesen sei, -dessen Mördern man nicht weiter, nachzuforschen habe. Ich mußte dessen gedenken, wie seltsam eS sie immer an den Thatort getrieben hatte, . wie wunderlich ost sie auf den Mord zu sprechen gekommen war; daß ;,sie' neulich j gf rag tcwS a. F Mörder den Leichnam des Erscho ssenen nicht in den Waldsee versenkt haben möge, und daß sie gestern einer Begegnung mit mir auf Eartlow ausgewichen war, um mich danach zu fragen, verstörten Blickes zu f ragen ;iöo ;!;: ich etwa in amtlicher Eigenschaft gekommen sei. DaS AlleS, Alles schoß, wirbelte mir durch's Hirn. Wenn es mir im Einzelnen auch nicht aufgefallen war, in der Gesammtheit erdrückte eS mich förmlich, warf mich zu Boden. ' Daß sie Planck gekannt hatte, stand nun anßer allem Zweifel. Die Stelle, wo er erschossen worden, befand sich etwa halbwegs zwischen Eartlow und der Stadt. Revolver besaß Leopold Häseler, der ohnedies zur Zeit, wo die That verübt worden, verreist gewesen war, unzweifelhaft. Und Planck hatte gewußt, hätte in alle Welt hinausschreien können, daß Frau Helene H äseler, die-reiche, geachtete, verehrte Frau deS angesehensten ManyeS in der Gegend, einmal ' im Suchthause gesessen habe. War eö deshalb geschehen? Hatte er stumm gemacht werden sollen? Oder handelte'es sich um ein ehrloses, schämloses Attentat, daS er gegen Die gewagt, die er einst geliebt haben mochte, und daß sie mit einem Schuß in's Herz ihm erwidert, aus Nothwehr? In der AusÜbung ihrer berechtigten VerthetdtZutta? irf' .tf.j Z1 l tfoucng 43t
Erfahrung hatte eS mich aclehrt. W!t
' That wieder in der Walpurgisnacht ,, , Die schlummernde Erde belauschen. Und wie sie vom Wintertraum erwachs Mit zauberischem Klingen! und lNauschen. - , 3ie ihrem Schoß unter Glanz und Tust Lich tausend Keime entwinden : . Und gleich der Lerche in hoher Lust Wollt' ich's der Welt verkünden. , t 5 Hihi, .niiiini 0. II . " -II Doch da mir der Sang auf die Lippe , . , kam, . Lernahm ihn der Herr Gevatter; . ,r Darauf erhob er gleich lvbesam Lein kritisches Geschnatter. : i - h'P .Was soll das geben? Ein Lied vom Mai? : Um aller Heiligen willen, : ? Ist denn die alte Lit nei 3!och immer nicht zu stillen?!" '1. : .Wir kennen's, daß die Knospe keimt ? Und Quellen sprudeln und Bronnen Wir lasen ohne Maß gereimt .z&: : Die Sonnen" und die Wonnen". . , ' ' - ' ' v i liit ,Wir wissen, waS uns der Wind tx 'j , . ' Zählt", - ;;f So aus- als innenwendig: : ; ri Wie Erde und Himmel sich verwählt" ,! vian Zang's uns tausendvandigl' ,!,i! X.Drum laß verstummen allzumal 1?, , Der Frühlingsfreude Leier; , ,4 , Besinge deS Lebens Leid und Quaif Der Stoff ist besser und neuer!" Ich aber lachte ihm in'S Gesicht: Bebüt' Dick, Gott. Vbilister! ,,. ...if Es soll mir stören mein Singen nicht Dein Groll Dem pessimlper! ,';T - i ; , Ich grüße von Herzen die junge Welt, Die heut' uns ward, geboren, : ' Und wenn solch Gruß nicht wohlgesällt, Thu' Watte in die Ohren! . :- , ... i. Suf Deiner Scholle knirsche Du ; . Mich drängt's zu sröhlichem Wandern, Und hört meinem Lied der eine nicht zu. So sing' ich's morgen 'nem andern! .? Frei soll eS steigen empor, wie wenn'S vezaße oer Lerche Schwingen: Bringt neue Rosen ein neuer Lenz, Will ich sie neu besingen!
TxtzFkSSttsölie
- 1 . !
Hde! vergeh'n wird nur kurze Zeit, r, Und uns grüßt die Sonne nicht wieder. Doch leben werden in Ewigkeit, Der Lenz und seine Lieder! j Das kommt davpnk Referendar Psiffig und Assessor Dick hen sind gute Freunde. - Während der Berichtsferien machen sie einen AuSflug nach einem kleinen und billigen Landbade für Luxusbadereisen reichen Referendarzuschüsse und Assessor zehälter im Allgemeinen nicht enS. tsie sind mit ihrer Wahl ganz zufrie )en, denn in Untertannenheim gibt'S :ine Reihe schmucker, junger Mädchen. Namentlich Eine, eine schlanke hübsche , Blondine, hat's dem Referendar engethan. Aber die Gelegenheit zur Anknüpfung eines Gespräches hat ihm nnmer noch gefehlt- So sind die Bei den denn auch eine? schonen Nachmittags in den Anlagen des kleinen BadesrteS spazieren gegangen., DeS drohen , Sen Regens wegen haben Beide ihre , schirme mitgenommen, die noch ivx Futteral stecken, denn sie sind lange Zeit Sicht gebraucht. Dickchen schlummert llsbalo auf einer Bank, die sie zum Ausruhen aufgesucht haben, , rtikSj jZstffig blickt sinnen) und träumerisch in Die Gegend hinaus. Da fühlt er einen k assen Tropfen auf seiner Hand und schaut in die Höbe. Richtig, es tröpfelt hon. Er will Dickchen wecken, da ullt sein Auge auf die schone Blondine, )ie völlig undeschirmt die Allee herab lommt. Heureka!" jubelt unser Refe :endar leise - da habe ich MZ die 'chonste Gelegenheit, ihre Bekanntschaft . x rC JL ' 'i .1,1,- t" l,"li!i1':"11 ' ZU machen. 4 Ich biete ihr mein Schirm an und begleite sie heim!" Aber in demselben Augenblick fällt Hm lähmend " a us's Herz, ö daß sein Zchirm nicht mehr ganz tadellos ist und :inen Riß ausweist, der zwar die Ge irauchsfähigkeit desselben nicht beern Tächtigt, aber Ihm Z doch für den Zweck, )en er verfolgen wA, äußerst fatal ist. Da fällt sein Blick auf Dickchen'S eben nllS noch im Futteral steckenden Schirm; nit schadenfroher Miene vertauscht er ie beiden Schirme und eilt mit dem gekommenen der Dame entgegen. Die iärker fallenden Trvvfen erwecken auch Dickchen, mit trübem Ahnen greift er zach ! seinem Futteral, allein siehe da, Katt seines schlechten, den er erwartet, mthüllt dasselbe einen guten Schirm er kleine Riß schadet ihn nichts. r Inzwischen ist Psifsig der Dame ent zegengeeilk. Gnädiges Fräulein, ein Vetter steigt herauf ich sehe Su jhne Schirm mein Name ist Psifsig, Referendar am Kammergericht dörj ch Ihnen meinen Schirm ' anbieten Und das Futteral mit eleganter Hand Bewegung abziehend. 'enthMt er.Dick hens Schirm ein Oestell mit top losen Fetzen! " ,. Laut auflachend eilt die junge Dame davon sein Sech verwünschend' aber schlägt sich der arme Referenda? 'In lxi; achstk Büsche. ' :" : Als er endlich bis aus W -Haut durchnäßt in das Hotel kämWMS SAardzimmer Dickten kreujsidel 'r:rß einem ' srischeu Schoppen. rcrFchirmmarder!" klang I ihm-entS legen. .Siehst Du, daSksmM'd - K I u . fe"!iä: ; X ., ;.. -;t Pariser Witz. ES sich um die Sesehnng ZesH,Ls!ettS,,ein:5 Vroßrabbwerö von Paris. .Du sehen," !!az!e einer von d:n, r:::r::z Noch übrig gebliebenen pariser Untis miten, diese Stelle trird 1; ?in Jnd' betomuien!"
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