Indiana Tribüne, Volume 14, Number 231, Indianapolis, Marion County, 10 May 1891 — Page 3

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T MilMe. N?elle von Konrad Telmann. (2. Fortsetzung.) Die VerurtheiZunz, welche sie !n lt Strafanstalt geführt, war durch das Vchurgencht zu Clberfeld folgt. AuS den: Signalement, welches beigegeben vorden war, ließ sich über die Pers lünüctfeit niüts entnebm?n da ft in icu hl'erbei üblichen allgemeinen Ausbrücke abgefaßt- war, die auf einige taufet nderer Menschenkinder geau ebenso gut oder schlecht passen. Il5 auf diezenigendieman im Auge hat. Und doch regte mich der Bescheid trotz feixerenttäuschznden Unergiebkgkeit mächauf. Weshalb mtijjte jenes Mädhen auch gerade Helene geheißen haben? DaZ war freilich fein sußergewöhnlichtr Zlals und Hunderte führten ihn, aber mich berührte eZ dennoch seltsam. Und Unn hatte mir Irgendwer am abendlichen Stammtisch des Greifen" einmal ri5Mi. Ktii den Mangel an Berccbtizu;i ;i hochmüthigem Benehmen recht Drastisch zu kennzeichnen, Frau Haseler sei früher doch weiter nicht? all Gesellhaftecin oder so etwas, also immerhin K :ine Art Ticnstbote gewesen, und in chrer Sprache, so rein und dialektfrei ?ie euch erschien, hatte ich manchmal Doch Anklänge wahrgenommen, die auf unk süddeutsche Herkunft schließen lies Zen und mich unwillkürlich an meine Heidelberger Studentenzeit und speziell vx manche, aus dem nahen Hessen stein nende Verblndungsbrüder dort erinnert jatten. Das Alles schoß mir durch den Kopf, vie e! elettrifcher Funke, ohne daß ich ich dagegen zu wehren vermochte. Und ann sagte ich mir gleich hinterher, ich lei Dehl wahnsinnig geworden, und die'er schwüle blutstschelnde Tag müsse mir'tte Sinne verwirrt haben. Was hatte lenn Frau Helene, ihre Vergangenzeit und ihre süddeutsche Heimath it jener uchihäuslerin, was mit Zer Ermordung des Waldhüters zu Waffen? Ich raste wohl; meine aufkämmende Leidenschaft war mir zu Kopfe zestiegen. Was stand da im Signalenent: Haare: blond, kraus; Äugen: zrau; Nase: klein; Statur: zierlich. Jch schlug zornig mit der Faust auf das ölatt, das auf dem Tische lag. Welch' Lidriger Spuk äffte mich hier? Ich war virklich nicht mehr zurechnungsfähig, ich 'ah wirklich diese Helene in jedem Weibe! Ich sprang auf, ich trank ein Glas lZasser. um mich zu beruhigen, ich lachte nick, selber auL. Ich brariff Alles, aan: zut begriff ich es, weil ich mich in all' einen Gedanken nur noch mit dieser Zrau beschäftigte, weil ich von ihr und hrem Bilde erfüllt war bis in den letz!en Blutstropfen hinein, brachte ich Sie wir Wem in Zusammenhang, was mir lahetrat, drängte sie snch in alle, auch ie abgelegensten, fremdesten, ünmog' '.ichften Dinge ein.. Mir war das' Alles tanz klar, und dock grübelte und grüidtc ich immer welter. Ich bohrte mich Ärmlich m die Wahnidee hmem, zene sei: Helene und diese Helene nicht zwei von einander . .i. cr s . . r . .5 ....!. 4.! irnruic vc) jonucni ein uuu vicitlbt;' sie wuchsen miteinander, sie v erichlangen sich, lösten sich ineinander auf., .Aber- ich bin w ahnsinnig! " sagte ich mir zwischen immer mÄdr, und dann jag !en meine Gedanken weiter und weiter luf immer der gleichen Bahn fort. Es ozr wirklich zum Toll werden. , Ich nZte mich für ernstlich krank halten. Rm dem abscheulichen Wirrwar zu entehen, suchte ich mein Lager auf, der,uch!e ich. zu schlafen. Aber das gelang nir schlecht. In der nächtigen Ruhe nd Dunkelheit um mich her umfchwärm!cn und umZaukelten meine Phantasien ich nur noch wilder; sie führten einen zrot-eZken Herentauz vor mir auf und brachten alle meine Pulse in fieberhafte WallWg. i.?rst gegen Morgen versisl lch in Schlaf. Am anderen Tage, als ich spater achte, fühlte ich mich zwar matt und zerschlsgen, aber mcln Gehirn arbeitete nerkwürdig klar. Es war, als wenn un Schleier zerrissen wäre, der daoor zelagert hatte. Ich sagte mir mit volls , r i v" ijl ....i. r ,itr .'töcyicfiujcu, uuy luji ucittu mit m LinneZvcrwirrunz mir da allerlei löahngebildc hcraufgezasbcrt hatte, Znd ksnnte mit Ruhe wieder achdenkcn, konnte vor Allem imei leidenschaftliche Zuneigung für Frau Helene und mein brennendes Verlange, Licht in die dunkle Mordgeschichte zu bringen, sowie meine lebhafte Ueber;euguna, daß es sich hier um ein l?eib handle, durch die das Verbrechen jegangen worden, von einander trennen; h begriff gar nicht mehr, wie und weshalb sich das Alles in mir durcheinander ,, zewirrt hatte. Ich beschlosz, die einmal zefnndene Spur in jedem Fall weiter zu verfolgen. Wenn sie irreleitet?, war im erbm nichts verloren, denn aussichtsloser, als bisher, konnte die Untersuchung ,icht wshl ster.cn. Ich schrieb an die Orts-Z-.borde von Allenburg im Hessischen um jäheres über die Herkunft jener Helene Hol und womöglich über deren Verbleib iiack der Entlassung aus der Strafanstalt i Erfahrung zu bringen, fragte, da an, öb ttvoa dortfeitig je irgend ein Zusam-, mcnhang zwischen jenem Mädchen ,und einem Gärtner beziehentlich : Forstwart Llanck sus dem Thüringischen bekannt gcwerden sei. r Erst nach Erlediung dieses Zlrschrelbens fühlt 7ch mich -reicr und kennte nunmehr meinen BerufSp stich ten , dieses Tages nachgehen. f$' Mir war eS lieb, daß sie mich heute!, naewZlnüiÄ lanae in Ansorüch nahmen und all meinen Scharfsinn bei der Ent, , wirrung einer verwickelten Grundbuchan' gelegenheit herausforderten, scdaß ich erst gegen die vierte Nachmittasstunde , das , Lkaihha'uS verlassen konnte, wo die Ge- , ricbtSzimmer sich befanden, und todtmüde zum Greifen" hinüberschlich,, um mein Mittagsmahl dort einzunehmen Tanach ,! bedürfte ich körperlicher und geistiger IZuhe umsomehr, als der Tag wiederum schwül war zum Ersticken. Ich wollte hek sfcit nach Eartlow, wollte Frau

tiifÄ iclene heute nicht wiedersehen. Das war izin letzter Gedanke, bevor ich uf meinem Sofa bei verhängten Zimmerfentcrn einschlummerte. , Als ich erwachte, war es j fast dunkel. Es war freilich noch nicht spat, aber der Himmel hatte sich ganz versinstert und lag in nächtigem Schwarz über der Stadt. Dennoch beschloß ich auszugehen. Ich mußte mir Vcwegung'machen, um meine Lebensgeister wieder aufzufrischen, und es schien kühler geworden zu sein. Selbst auf einen Regenguß wollt ichs ankommen lassen. Im Zimmer war es unerträglich. Draußen schlug mir , die Luft noch lau und weich entgegen; wenigstens war aber die Sonnengluth geschwunden und hin und raube1 r:ft'rj'(5',;i!lli3rt fegender Wind durch die Gassen.' Einer von den abendlichen Stammtischgenossen, der mir begequete, rief mir warnend zu, w1" ' ' '' ' 1 ' ' ' '': 1 ' ,. i-' 1f ich solle m i ch n l ch f j w e it zh i n a u s w a gen , es werde , ein Gewitter geben., : Ich dankte ihm, ging aber .weiter. Unwillkürlich hatte ich .wreWrmeine Schritte dem Stadtwalde zugelenkt, es gabI freilich, , auch sonst :. kaum .einen Spaziergang in derMegend, und, dort mußte man am ehesten Kühlung, am ehesten Schutz gegen die ersten fallenden Tropfen finden. Ich dachte unablässig an Frau Helene) aber ich wurde in meiz nem Entschlüsse, sie heute zu meiden, keinen Augenblick wankend. Ich schlug den erstbesten Weg ein, der zwischen den rothen Kiefernstämmen fort führte. Aber mochte ich nun nicht darauf geachtet ha ben, daß es derjenige e?ar, welcher auf die Stelle, wo das Verbrechen begangen worden, leitete, oder gab es deren mehrere, führten gar alle " schließlich dorthin: nach einer kaum balbstündigen Wanderung befand ich mich endlich wiederum auf seinem Platze. Es war mir seltsam. Wie ein Verhängniß lag es k über mir, baß sich auf Schritt und Tritt die Erinnerung an das grausige Geschehniß mir in den Weg drängte. Dabei begann jktzt, ohne daß bisher eine elektrische Entladung stattgehabt hätte, ein Pegenschauer medcrzurauschen, der mit sonderbar dumpfem Getön die Nadelkronen durchtropfte. Ich zauderte, ob ich zurückkehren, den ersten Guß hier abwarten oder weiter in den Wald eindringen sollte, der an anderer Stelle vielleicht noch besseren Schutz bot. Da hielt ich mit einem Male inue. Ein fahles Geleucht hatte über die finstere Wölbung des Himmels hingezuckt, ein lang nachgrollender Donnerfchlag folgte. Und nun wieder ein Blitz und noch einer, ein feuiges Gezüngel, ein jähes Haschen und Jagen von Flammenschlangen. Und in dieser grellen, augenblendenden Helle, die an einem iekt tieffchwarzen. schwer und düster wie ; ein Bahrtuch, niedcrhangenden Firmament ' auflohte, mitten unter krachendem Don- '. nergetön und gießendem Regen, gewahrte ich unter den sich im sausenden Windstoß beugenden und bückenden Nadelkronen plötzlich eine, weibliche Gestalt. Wie eine Vision, war's. Die Gestalt trug die Züge s Frau Helenes. Nur daß sie mir um Vieles älter vorkam als sonst und ihr Antlitz etwas Geisterhaftes hatte, . was nicht nur die Wirkung dc? absonder- , lichen Beleuchtung sein konnte. Ihre Augen blickten wie' die einer Nachtwandlerin. Sie mußten wich nicht gewahren oder an mir vorüber, durch mich " hindurch schauen. Mir siel unwillkürlich eine Trazodin ein, die ich kurz vor meiner Abreise aus der Hauptstadt als Ladn Macbeth gesehen hatte; es war auffällig, wie Frau Helene ihr in diesem Augenblick,., glich. Sie kam auch wirklich .,; mit so nachtwandlerischem Gange ' dahergeschritten, statt des Lämpchens ein dürreS Reis in Zder Hand auf den Sturm der Elemente! um sich her nicht.l achtend, mt mechanisch I fortgezogen, bis zu der Stelle, oo der 1 Neistghaufcn lag. Dort blieb sie stehen und warf das ihrige nieder Mir kam es vor, als gehe dabei ein Schauer durch ihren ganzen Leib hin, ja, es machte mir sogar dm Eindruck, ols drohe sie niederzu sinken. . Eine plötzliche Schwache mußte sie unter dem tobenden Ausruhr des Unroettcre anwandeln. Da eilte ich auf sie zu rief ihren Namen, den das j Geknatter und Gebrüll um uns her verschlang, streckte meinen Arm nach ihr f...-'i., HP J;,ii'!'V'!!':;;": iiüi;,;!- "fc11"5' ii. isS i'n Sli:t . aus: 'Frau Helene! Frau Helene!" Ich stand dicht vor ihr, sie sah mich und erbebte. Wie ein Schwindel schien's ; durch ihre Augen hinzulaufen. Dann j saate sie mit schneidendem Ton: Und ! nun verhaften Sie mich nur gleich! Aber gleiches ;! G M ( Ich trat nun einen Schritt zurück, ich starrte sie mitten in dem strömenden Gewitterregen an, wie meiner selbst nicht mehr mächtig, wie entgeistert. Der Donner rollte noch immer zu unseren Häupten hin und die Blitze sprühten in schwefelgelbem Gezack auf. Frau He lene!" stotterte ich verwirrt, fassungslos, was soll das? Was bedeutet das Alles?- I Nun lachte sie. ES war ein ganz seltsames Lachen. Aber dabei schien wieder Leben in sie zu kommen, schien sie das Bewußtsein ihrer selbst und dessen, was um sie, her vorging, wo sie sich befand, zurückzugewinnen. , ,! , 1 1 Eigentlich sollt' ich Ihnen doch nun verdächtig sein," sagte sie, halb ironisch halb nachdenklich z p81"?1 1 fmm s i "' ,. W$pip1j tfy ,;,i,;fi!l Weil man sagt, daß eS den Morder immer wieder gewaltsam, auf, den Platz , zurücklocktwo sein Verbrechens begans ii gen h stt2 ,; 4 p& m iiHNfiirf fW vsmü P-. ch lachte gezwungen Ich weiß ja, daß Sie , oft hier vorübcrkommen und dann jedes Mal,' um dem , alten Volks brauch gerecht, zu werden, ein Rcis hier S::Jc'crff gtwr::,J -p wiiis !f!i : Tag für Tag," murmelte sie, plötzlich wieder wie abwesend, wie ,zu einem Anderen redend. "mS ' s f " ,if:: Und heute, hat das Gewitter, Sie wohl überrascht?" fügte ich drein. , i Q, es thut gut, es thut gut," erwi: dcrte sie und, sog die erfrischende Kühle mit tief athmender Brust ein, das ! 6efreit, das löst etwas unsählich Schweres von uns ab. Spüren Sie es auch? Es ist schade, daß es schon zu Ende ist.

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A ?!! II ! " i ,l. i 1 - ..rt,i!-. ;i:;ii E.':-!-.!r:iitii . ; : .li, ,:. ,,,:j: . i !, ; ,,,l,,li!,. i.f!i.,.rM;iiF.iilitli!i:-'h..;ijti'i',llth'r-i: Es war so schön es hatte noch viel länger währen sollen." Das Gewitter hatte wirklich rasch ausgetobt. Nur in der Ferne noch grollte verkiallender! Donner und ein feiner Sprühregen ging nieder. Obgleich Frau Helene einen Gummimantel umgehängt trug,' der ihre ganze Gestalt einhüllte, sürchtete , ich doch für sie. Ihr Haar troff, ir Hut war völlig aufgeweicht, ebenso , lhr Schuhwerk. Sie müssen eilen, nach Hause .zu kommen," sagte ich. Dazu nickte , sie , gan; automatisch. Und morgen wieder hier," fügte sie hinzu, und übermorgen wieder und immer so weiter, immer so weiter. Ein Ende ist da gar nicht abzusehen, oder man müßte eS dem selber herbeiführen. Immer so weiter. " v ; ; iA ' . ; ' ' Sie schüttelte sich, wie wenn e3 sie durchschauderte. ' , " , . ;t Es fröstelt Sie?, sagte ich, - lassen Sie uns doch eilenl" ' , Sie sah mich an, als ob sie. erst jetzt zum, vollen. Aewußtsetn memer Nahe komme. Ja, ja", murmelte sie, ich muß eilen. Ich glaube, ich bin krank. Aber lassen Sie mich nur allein, ganz allein." . i ' Gestatten Sie mir doch, daß ich Sie begleite!" , ' , , Nein, Stein, ich , bitte , Sie" darum. In keinem Fall! Sie sind selber naß geworden und müssen nach Hause. Adieu! Auf Wiedersehn!, Morgen, übermorgen, wann Sie wollen. Aber auf Eartlow, hören Sie? auf Eartlow! Ich rechne darauf. Ahieu!" , . i; ; , l: , Sie ließ mich zu keiner Erwiderung mehr kommen. Eiligen, fast laufenden Ganges hastete sie zwischen den Stämmen davon. ES wetterleuchtete poch in der Ferne, der Strichregen ließ nach, nur och aus den Wipfeln tropfte es hier und da bei einem schauernden Windstoß herab. Ich blickte der Entschwundenen nach, aber ich gewahrte sie nicht mehr. So schlug ich den Heimweg ein. Was ich von alle, dem denken sollte, wußte ich nicht. Frau Helene mußte wirklich frank sein. , Ihr Gemüth litt unter der Fessel einer Ehe, die ihr trotz all der vortrefflichen Ei gensch asten ihres Mannes keine im nerliche Befriedigung gewähren konnte und sie nicht ausfüllte, litt gerade deshalb, weil er ein Ehrenmann vom Wirbel bis zur Ztzhe war, um so mehr, da sie jeden Gedanken an eine Lösung dieser Fessel von sich wies, die ihr doch um deswillen nicht weniger tVs Fleisch schnitt. So sah ich es an, so erklärte ich mir ihre zeitwellige Verstörtheit und Geistesabwesenheit, daraus leitete ich auch ihre krankhafte Hinneigung zu Allem her, was ihr nur irgend die Ahnung von etwas Außergewöhnlichem und Abenteuerlichem erweckte. Sie klammerte , , sich förmlich daran in der öden Alltansprosa ihrer Tage und ihre lebhafte Phantasie wühlte , sich in das Absonderliche hmem, wie wenn es sie selber etwas anginge und , mit ihr in Zusammenhang stände, um nur Nahrung und Aefrtedlgung zu finden. Und je klarer ich mir das Alles machte je tiefer ich mich überhaupt immer' auf's Neue in diese Frauenseele versenkte, desto deut, licher wurde mir's, daß ich Frau Helene liebte, daß es". nicht nur eine jäh aufflackernde Leidenschaft war, die mich zu lhr zog. wie , ich erst , ge wähnt, sondern eine wahre und warme Zunelgung, dle mir die Gewahr ihrer Dauer verhieß. fÄch war selber ibetrof fen über diese meine Entdeckung, aber zweifeln konnte ich nicht an ihr. Ich hatte bisher noch nicht wirklich geliebt, fühlte erst jetzt, was das bedeutete, und spurte , zugleich , nicht nur den Willen sondern auch die Kräfte in mir, das Ziel dieser Neigung zu gewinnen, der Welt und den Menschen zum Trotz. i Inzwischen ' hatte ich die Stadt wieder erreicht, und als ich in meinen Gedanken l gerade so weit gelangt war, mir die Be: rechtigung und die ?!othmendigkeit eines Kampfes, um die Geliebte vor die Seele zu rücken, stand plötzlich Leopold Haseler vor mir. Ich sühlte, daß ich roth wurde, die Plötzlichkeit dieser Begegnung gerade tn diesem Augenblick s und war mir peinlich. Er trat aus der Thür des Greifen", von dessen Fenstern aus er mich gesehen hatte, und kam z mit gewohnter Herzlichkeit auf mich zu. Sein dröhnendes Lachen schnitt mir in die Seele. Sieht man Sie endlich einmal wieder?" rief er, mir seine beiden großen Hände engegenstreckend. Ja, in diefen Arbeitstagen ist Unsereiner der wahre Plantagenneger. Heute hatt' Y , 4:-.;:;'.'n f ,t '!Y 7 tch hier zu thun, glaubte aber kaum, daß ich Ihnen begegnen würde, glaubte Sie draußen bei meiner Frau. Ist doch jetzt eigentlich Ihre Freundespflicht der armen Kleinen ein bischen Gesellschaft zu leisten." . , : f i Ich traf Ihre Frau eben ganz zu- . fällig bei einem Spaziergange im Stadtwalde. , Das Gewittee hat uns ll Beide überrascht. Ihre Frau ist so , naß geworden, daß sie jetzt im wahren Sturmschritt nach Hause geeilt ist. Und auch ich ! Ich stieß das AlleS hastig und abgebrachen heraus 'nur bestrebt ' von ihm loszukommen. iJch konnte ihm nicht in die Augen sehen. ' In diesem Augen-. blicke am " wenigstens , Ich fürchtete, er Aürdem Stirn ablesen köunen Aber meine AnDeutungen, daß auch ich nothwendig meine , Kleidungsstücke wechseln müsse, Leß er, nicht gelten. , Sein Wagen werde !? eben angespannt, und inzwischen müßti ich mit ihm ein bischen hier auf den? Trottoir auf- und , abschleuder und mit, , ihm , plaudern, er habe i acht Tagen mit , keinem vernünftige? Menschen ? mehr!, ein" Wort geredet. So' konnte ich mich nicht freimachen. Und während wir hin-und hergingen, schob er sogar seinen Arm unter den mei, nen und schalt in seinem gutmüthige Polterton auf seine Frau, die trotz de drohenden Unwetters ausgegangen sei, jedenfalls wieder nur um irgend eine, guten , That willen, 1 die sie damil möglichst vor ihm verborgen halte, als ob , gar nichts geschehen sei. Ja, ja," fügte er zu, so ist sie. Abc, waö soll ma,r machen? Sie ruinirt sich

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Hübsch hat sie's ja nicht gehabt im ' Leben, das arme Ding. So eine Pfarrerstochter, die sich nach 'dem Tode des Vaters auf eigene Füße stellen soll, wahrend ' sie kaum noch" den Kinderschuhen' entwachseu ist, und eine ' ewig kränkelnde,' ich glaube, fast' ' oder : ganz erblindete Mutter zur Seite,! für die sie noch sorgen soll, Du lieber Gott, was kann da werden? Es ist zumErbarmeu, eigentlich noch schlimmer,' als bei den Töchtern von, Arbeitern und sönstlgen''ProletariernsindeN' Sie nicht? Aber damit hat man kein Mitleid. Und wie sie sich da doch in der! Welt herumdrücken müssen, diese armen Wesen! Na, ich habe sie ja dann bald erlöst Aber das wär der eine, Glücks? zufall. Als DeijeBcßleiicrin einer?1 alten, vornehmen Dame hab' ich sie in einer Pension am Genfer See gefunden, als ich das ganze Europa und noch ein blöchen Afrika durchstreifte, und da hat sie mir's gleich angethan. Die Alte war namllch der reine Drachen. Und Helene von einer Lammsgeduld na, es war schon, um gleich sich das Anrecht auf einen Ehrenplatz im Himmel zu erwerben. Und da dacht' ich mir: Du bist zwar ein alter Knabe, lieber Leopold, , aber besser, als hier, ' wird' sie'S bei Dir doch noch allezeit haben, , so viel ist sicher, denn das hier ist ' ja das reine Fegfeuer für arme Sünderseelen. Und dann riskirte ich's, na, und dann kamen wir in's ' Reine, j Und habcn's, denk' ich, nicht zu bereuen, alle Beide nicht zu bereuen, wahrhastig nicht!" Und sein dröhnendes Lachen scholl über die Straße. ' ! ; Mir schwebte die Frage aus -der Zunge; Wie hieß Ihre Frau vor it)rer Verhci athung?" aber ich konnte sie nicht herausbringen, j Leopold Häselers Wagen war vorgefahren, wir nahmen Abschied von "einander. 1 Sicht man Sie morgen?" fragte er. Jch möchte lieber nichts versprechen. 5 Alfo dann übermorgen. Und Sie bleiben dann bis zum Abendessen, damit ich auch noch "etwas von Ihnen habe. Ich lasse Sie schon sicher nach Hause fahren. Apropos, im Vertrauen Nichts entdeckt betreffs der Mordgeschichte? Was?" " 1 : Blöder gar nichts. , : l Es ist znm Tollmcrdcn,' was? So was in unseren Tagen und hier in unse. rer guten, langweiligen, - philiströsen Gegend! Haarlträubend! also Adieu, Assessor! Und hübsch Wort gehalten!" - -; Er stieg auf, winkte mir noch einmal mit der Hand zu und rasselte davon." Nachdenklich, von mancherlei wierreit end e 11 G cd a tt kett . n nd Enr p si nd u n g en hin- und ' hcrgczcrrt, , suchte ich meine Löhnung auf. , h- tS ' " Mit meiner Ruhe war es nun endgiliig vorbei .'Ich redete mir ein, daß 'e meine Pflicht sei, diese Frau, die ich liebte, aus ihren Banden zu erlösen trotz aller Äorurthctle' der Welt' trotze aller Verdammungsurthcile dörMenschen kräft des geheiligten fle&tes. das mir die Leit .'t A . ! i , -i i. 'c 5- L '' w O1'1. . ucajaji uiio oer icosni yjcenjcgeu,; inne wohnende Drang nach dem Glück und der vollen Bethätigung feines Ichs verZiehen. Aber ich sagte mir auch, daß ich gezen Leopold, Häseler, " gegen einen, guten und edlenMenschen, eine , schnöde That dadurch beging, daß ich sein Leben zerstören würde mit dem, waS''ichalS nothwendig ' erkannte, und mir, graute )avor. Ich war von Haufe aus. eine ' , ' ' i''V'"."' :l lii ' "l' !i" welche, keine ruckjtKstofe, keme starre, latur. Ich wußte jedoch nicht, was anz,ers geschehen solllt. Ich hätte diesen Mann fortgesetzt betrügen oder ich hätte fliehen müssen. Das Letztere konnte ich nicht, da mein Amt mich fesselte und jede erneute, unvermeidbare Begegnung die Flammen meiner Leidenschaft für Frau Helene schüren mußte, und zum r ,.. lüs ' .,.;.r,'Aiiwi vt ::. i, Heucheln uud Tauschen war ich Nicht geschaffen. So mußte ich denn handeln. Daß Helene anderen Sinnes sein, daß sie mir dauernd und entschieden Widerstand entaeaensetzen könne, daran dachte ich gar nicht. Wie hätte eine Leidenschaft glach der meinen entstehen können, wenn ihr nicht ein Heue55 entgegenlode'rle an' htm sie sich immer auf's Neue entzündete! Und wie vieler Worjke, ,,w!e vieler Blicke von ihr aedachte ick. die beredter waren als tau fendLiebesfchwüre undBetheuerungen! Sie würe sich lange sträuben gegen das, was ihr als jchmayllcher Undank, , Verrath und Treubruch erscheinen mußten aber, endlich würde ich doch , siegen, dessen war ich gewiß. , Und mk siel ein, ,wie wahr es sei, , was einmal eine geistreiche Frau auf die Vorwürfe Derer geantwortet hatte, die ihr das energische Eintreten für die , Scheidnng des von ihr geliebten ManneS verargten, eS sei unzweifelhaft immer noch besser, wenn e i n Mensch unglücklich werde, als wenn ihrer Drei eS! würden. Auch in unserem Falle, wenn 'wir , von der Verfolgung unseres Zieles z'urückfcheuten, würden wir alle Drei unglücklich werden, Leopold , Häseler als , der Gatte einer Frau, , deren Herz ihm nicht mehr 1 geborte,, nicht minder als wir ,' Beides Was also , konnte er gewinnen, wenn ich , schwieg, wenn wir entsagten? Und dennoch ließ ich drei Tage verrin nen, 'ehe ich zum ersten Male wieder nach Eartlow hinausging. Ich wollte nichts überstürzen, ich hoffte ruhiger zu werden. Aber S , waren furchtbare

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'il,-ll. U.'-'-'ä. ri-lrsi-:J ; ?ii 'S ä!!i:jj!jii ;;l;iS!ia (ipiM,,?!:;,, ja 11 : ' ''ä1?.': : ; i'":!:::l;:;!;p,lr'iif::'f ; - : ,1l','VIr,ii, f.! B? i-' M'i a$tf ich fühlte, daß meine Krast iu ihnen hinschwand," und daß ich ähnliche, weitere nicht ertragen könne. Ich war gar nicht ausgegangen, weil l ich mich draußen nirgends vor einer Begegnung mit Helene sicher gefühlt hatte, hatte mich in meine Akten vergraben und die schleichenden Stunden so hingetäuscht ich wußte selber kaum, wie? Nrni konnte ich ; nicht ! mehr. Ich ; stürmte um eine frühe Nachmittagsstunde des vierten TageS hinaus, ich hatte keinen anderen Gedanken mehr,! - keinen anderen Wunsch ! mehr, als den, Helene zu sehen sie wenlgstens zu sehen. Und ? wenn ich zetzt hätte alle' äußeren Hemmnisse besiegen und doch fliehen können, ich hätte es nicht mehr' gethan, nicht mehr gewollt. Ein ' cheißes!, gewaltiges Begehrenz das diese öden Tage geweckt und ge schürt, war in mir. Ich fühlte alle meine Kräfte geschxielltmein Blut wallte verlangend. y .,-..r, t-L. - crt.. i:.iiL, 1 ' 'XOO :-' IslM:i ;' IC; ylnaus. i'lU5 tinigci Entfernung fchon sah ich eine weibliche Gestalt am Hofzaun lehnen und die Straße hinabblicken. Mein Herz klopfte wild. War es Helene,! die nach mir ausschaute? l Hatte sie mich in diesen Tagen vermißt,- ssch nach mir gesehnt? Wie i konnte ich fragen! Weshalb sollte es ihr anders sein, als mir? Wir liebten uns ja. ' Als'ich herankam, zwar sie verschwun-den.-Ich fragte nach ihr im Hause. Der Herr sei draußen im Felde, hieß es, oon der gnädigen Frau wisse man nichts wahrscheinlich sei sie im Garten. 1 Ich hatte das von vornherein angenommen; nur der Form wegen gefragt. Ich suchte sie überall im Park. Aber verGebens.' An jeden Platz ' ging ich, auf deck wir einmal zusammen gesessen, bbet den ich als einen ihrer Lieblingsplätze kannte ich fand sie nirgends. Und doch hätte ich darauf schwören mögen daß ich sie vorher gesehen hatte, von ihr gesehen worden - war. Was ' bedeutete Pas? Wollte sie sich vor mir verbergen? Warum? ' i1 Ich ließ mich mißmuthig unter, den Linden nieder und wartete. Mein Herz schlugunruhvolljede zwecklos verrinnend Minute dünkte mich ein Raub an meinem Glück, an meinem Leben. ,Di ' Zeit verging, ich wurde immer ungedul diger, ich riß jeden Augenblick meine Uhr heraus, ich ging auf und nieder, ich verzehrte micb förmlich in einem Fieber, das Zorn Enttäuschung und Verständnißlosigkeit dem gegenüber, was ich erlebte, in mir entfachten. Endlich wollte ich gehen. Helene wünschte mich ja offenbar zu meiden. Eine heiße Bitterkeil stieg in Mir auf. Ich ging noch einmal in's Haus, bestellte dort, man möge den Herrschaften Grüße von mir aus. richten, " ich hätte ! nicht länger warten können, und schritt über den Hos dem Ausgange zu. Unmittelbar vor diesem, da wo der Weg zu der Fabrik abzweigte, stieß ich plötzlich auf Helene. Sie war sichtlich - weder überrascht, daß ich - da war, noch daß ich eben den Heimweg an treten wollte. Sie grüßte mich, ? während tch nur verwirrt meinen Hut herabriß und sie anstarrte, mit ruhiger Freundlichkcit. Dabei' aber sah sie so bleich und ernst aus, daß ich fast erfchrak. ; Die großen grauen Augen schimmerten mich aus emem blanen, Julien Gesicht an, das kaum daS ihre war. Auch ihr Gang hatte etwas" Müdes und Schleppendes angenommen. Sie war merkwürdig verändert in diesen wenigen Tagen, aber ich n:ßte mir sagen, daß sie so ehernoch schöner und begehrenswerther, geworden war, als zuvor. . . , m . , Ich stammele etwas vom Nichtgefundenhaben und Wiedcrgehenwollen,. während sie , ruhig nickte und sagte: ,Jch weiß sa, weshalb Sie kamen." Ich sah sie an. Keine, Fiber zuckte in ihrem Antlitz. Aber freilich: warum 'M0t ti 'ltw$t wissen? Sie mußte mich ja erwartet' haben, wir. verstanden uns ja, unsere Herzen schlugen im gleichen Takt.',,!'Jch ,.wollteHch fand NUN doch die rechten Worte nicht, ich sah zu Boden, ich schlug mit, der Zwinge meines ' Stockes gegen ' die Wersteine. -&i 'rt1 : , ; r " l i . :i '"':C i)!9 '5 ' z : ! "iK, : Sie sind, heute nicht als Freund ae's;;, r l 0 - ,Iommeii4..nicht Mahrfiel. sie.nntKlgen t ü int I 7 Ja n f t ? lii et a n bl i f e irt 0 rt ei rt ! Sie wollten als Richter,' in Ihrer amtlichen Eigenschaft " ,-,, ''"' K Ijü,;1' M ' Mii1 'irf m r :: :"' ,.j5 WaS war das?,, Wollte sie m tch narren? , Ich ' lachte gezwungen. 'Ncm nein, wirklich, in dieser Eigenschaft hab' ich hier gar nichts zu thun. Aber trotz? dem Nicht als Freund! Das ist viel!leiDDchdas,Rl wie ein Schulbube und schämte mich dessen. Ihre Augen hatten plötzlich allen Stolz, , alle . Freudigkeit, ' alle Kühnheit .w 's "lfi;f " y " , -' "m 'i ' i'iJV,', in mir zerschmolzen.. Vlelletcht kehren wir noch einmal um, wenn Sie Zeit für -j?-tt--,i'-&.'- "' ':',!f ,!: Mlcy yaoen. " G. .., ' : : ' ' " Es war eine Wandlung in ihr vorae- ! i ! 'u; , , a. j i, .,;Jh i'h - ' v .. ,3. i, gangen. Em Lächeln : uberschlmmerte ihr tiesernsteZ, trauriges Antlitz, es war, als sei etwas Dunkles davon abgeglitten, wie ein Schleier. .Ja, ja, ,,,,,gehenHir,oH!Zagte Wir kehrten auf den Platz unter den : 0, w , . , -!-, ' ,:hl-?f !":,,.."' -Vr- , Ltttden Zurück, ohne unterwegs auch nur ein einziges Wort zu sprechen.,. Wie ein Alp lastete es auf , mir. ! Ich warl wie in stürmisch siegesgemisser Liebender hierhergekommen und i fühlte mich i jetzt plötzlich wie ein scheuer Uebelthäter. j Ich hatte jede" meiner Empfindungen, , jede meiner seeligen Regungen, Kämpfe und 'Leiden in ihr Inneres,,, hinüberverlcgt, als ob wir Eins seien ein Unterschied der Denkart zwischen , uns Beiden!, nicht mehr bestehen könne. Und nun kam sie mir mit einem Male ' als eine Fremde, ich mir als ein Einbrecher in den Frieden dieses Hauses vor. ' Warum haben Sie mich so lange vergeblich hier harren, an Ihrem , Kommen schon verzweifeln lassen?" , fragte ich, cs wir saßen. In meinen Worten gährte etwas von Groll und Verbitterung. , Sie aber blickte mich jetzt mit leisem Vorwurf an. Haben Sie mich denn nicht warten lassen? : Drei Tage lang! Und ich noch nicht drei Stunden Ihre Stimme klang verschleiert, aber dieser Ton gab mich mit einem Male mir selber wieder zurück, klang mir als

JA?:' S ! :, Ä'-WttliiliillirWIliljr ,!:.,; . Nj;l&;iii'i;iiiit '.,,, beredtsame Bestätigung alles dessen, wag ich gedacht und empfunden, bis zu der Minute, die mich hierher gebracht. Mußte ich denn nicht?" erwiderte ich. Ich habe gekämpst, Helene!" Ich habe auch gekämpft!" sagte sie leise, die Hände schlaff im Schooß übereinandergelegt, die Blicke daraus niedergesenkt. - ' Man , sieht e5 Ihnen an," siel ich mit heißem Flüsterton ein, mich um ein Weniges zu ihr vorbeugend. Aber nun nicht wahr? Nun ist Alles gut Und Alles klar und wir können nicht anders. " ; Ein Schauer durchrüttelte sie leise. .WaS sollten wir nicht anders können?" Wir müssen zu einander, Helene, durch Nacht und Tod und Schrecken, durch 'MWUen, Helene." -Sie war ausgesprungen, sie streckte ihre beiden Hände abwehrend nach mir aus. Nur nicht jetzt, nicht hier," stieß sie in flehentlichem Ton? heraus, um GotteLwillen nicht hier, hier ist doch nicht der Ort, auf seinem Grund und Boden, angesichts unseres Hauses" ,, - Wie entsetzt stierte sie vor sich hin, als wgre ftlpas sie Versteinerndes, ein Medusenhaupt da vor ihr herauf gestiegen. Ich mußte ihr innerlich recht geben; hier war in der That nicht der Ort, um über ,daö zu sprechen, was zwischen unS gesprachen werden mußte. Ich stand auf. .Lassen Sie uns denn gehen," sagte ich leise. v Wohin?" fragte sie, ohne die Stirn emporzurichten, die Rechte schwer auf die Tischplatte gestützt, zur Hälfte von mir abgekehrt. : Gleichviel' in den Wald wo wir ungestört sind " Wieder zitterte sie Ihr Kopf sank noch tiefer auf die Brust herab. Dann verneinte' sie durch ein angstvolles Zeichen. ,.: .Nicht, heute, nur nicht heute Ich kann nicht, morgens morgen " . .Also morgen!" sagte ich. Im Stadtwald, am Waldsee. Um die dritte Nachmittagsstunde? Wollen Sie?" Ein kurzes Schweigen, dann ein Nicken ihres Kopfes und ein leises, kaum hörbares:,, .Ja". Ich athmete wie erlöst auf. Diesem Ja" konnte morgen nnr ein gleiches folgen, wenn ich eine andere Frage an sie richtete, und dann war es entschieden, das Schicksal meines Lebens, ' und auf Kämpfe und Stürmt folgte ein hoher, heller Tag. Dann leben Sie wohl für heute, Helene!" sagte ich und reichte ihr mit einem strahlenden Lächeln meine Hand hin. Leben Sie wohl!" Ohne daß ihr Gesicht sich mir zukehrte, legte sich ihre Hand in die meine, eine eiskalte Hand, in der kein Leben zu sein schien. Ich preßte sie "zwischen lneinen Fingern. Und morgen," flüsterte ich, .werden Sie mich nicht wieder warten lassen, nicht wahr? Morgen nicht" 'Sie schüttelt- den Kopf. .Nein, nein!" Ansehen wollte sie mich psscnbar nicht wehr, und so ging ich. Ich blickte von der Psorte, die vom Garten in den Hof führte,, noch einmal, zurück. Da stand Helene immer noch, in der gleichen Haltung, wie vorher, einem Steinbitde ahnlich. Mich rührte ihre Hilflosigkeit, in die sie die jähe Erkenntnis dessen, was werden mußte, was schon geworden war, versetzte. Ich wäre am liebsten zurückgeeilt und hätte sie in meine Arme geschlössen und hätte diese zarte, süße Gestatt z lnit,, meinen Küssen wieder in's Leben zurückgerufen, sie mit Wärme und Freudigkeit des Daseins durchglüht. Ich durste es nicht, ich ging. Ich be- , schleunigte sogar meine Schritte um die,scn Boden zu verlassen, in dem Bewußtsem, daß ich ihn aller Voraussicht nach nicht wieder betreten würde, nicht wieder betrete dürfe. Ich gehörte nicht mehrNkhtnDHerr dieses Grund und Bodens warvan. Stund' an mein Todfeind, so seltsam mir das im Grunde :;:j,,;', ,.. .,,'vi r ,, "V . ,,h " .: , , vorkam, und ich war entschlossen, mit ihm um das zu ringen, was ihm wie mir das Th. erste war auf der ganzen Welt. Trotzdem mußte ich mich vor einer Begegnung mit ihm zur Stunde noch scheuen, und so war ich froh, als ich den , Stadtwald ungesehen erreichte und nun langsamer meiner Behausung zuschreiten - Ich mochte diesen Abend nicht allein verbringen.,, ich sehnte , mich in meiner Unruhe nach einer Ablenkung , meiner Gedankens nach einer rein, äußerlichen Zerstreuung. So suchte ich denn wieder einmal den Stammtisch im Greisen auf. Es , war noch früh, die Mehrzahl der Honoratioren, saßen daheim am Fawilientisch, um bei einer P seife erst das Abendblättchen 1 zu , lesen, über dessen Inhalt dann beim Bier ein tiefsinniges und ' umstäudliches Wort geredet werden konnte. Ich fand nur den nnverhciratheten Doktor vor, her mir trotz einer gewissen cvnisch-verbissenen Art die er sich bei langjährigem Verwcilen in dieser Umgebung wohl erst angeeignet haben mochte, der Liebste von Allen war, die hier zusammenzukommen pflegten und ergriff so freudig die Gelc ''?cit, mich mir ihm in ein Gespräch zu vertiefen, das bald hier, bald dort ,'incn Gegenstand abgriff und n.ich so nach Wunsch unterhielt. In der allgemeinen Gaststube, in die man von unserem Honoratiorcnzimmer aus blicken konnic saß der Inspektor der Häseler schen Fabrik,-ein noch ziemlich junger, robuster Manir mit schwarzem Wollenhaar und ' kleinen, etwa? - verkniffenen! Augen in einem gewöhnlichen, bartlosen Gesicht, einsam an einem Tisch bei seinem Bier. ,Es fiel mir im Lanfe meiner Unterhaltung mit dem Doktor auf, daß der , Mann wiederholt zu uns herübcrfah , und : sich ein " paar Mal, scheinbar ' zufällig ! vorbeugte, wie, um , besser , auf das , zu hören, was wir, sprachen.' '; Das gefiel mir nicht, und ich war zufrieden, als er plötzlich, vielleicht weil ich ihn , sinrt hatte, aufstand, sein GlaS leerte und !'nfchwanW - Vor dem da müssen Sie sich in Acht nehmen, Assessor!" sagte der Doktor, sich durch seinen struppigen, rothblondciBollbart krauend. , ' (Fortsetzung 1 folgt.)

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