Indiana Tribüne, Volume 14, Number 217, Indianapolis, Marion County, 26 April 1891 — Page 3
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nyne. ' Novell e von Konrad T,lman. Unmittelbar nach fccrn Assessoreramen wurde ic) als' kommissarlscherVertteter eZncs schw erkrankten '''Mi aus längere Zeit beurlaubten KrelsrichterS' m ein kleines pökncherschtsd?estefch!cki.'Wahr. lich nicht zu meiner Genuatbuuna. Da aber an jungen Jilrisim hamal5Mangel herrschte und mönZmir, in AussichtHcllte, ich würde nach einer rühmlichen Vollendnnz mezneS K0Mm!fforiumS in' jenem VelkabgelegWKErdwinke älÄald eine seste Anstellung in dn.Haugtstadt zum Lohn erhallen, waan eine Ablehnung nicht zu denken. Und nun wollte es der: Zufall, daß ich gleich nach meiner Ankunft inPollnom alsUntersuchungsrlHler in einem .mysteriösen, Mordprozcß, zu sunguen hattel der die ganze 'Gegend seit , eirnga Zeit' in Athem hielt. Das v ir.uiiin j(m) iuauf)uiui uu angesehen, als ein ungenzöhnliches Glück zu betrachten und brachte nicht nur eine regende Abwechselung in das öde Einerlei von Bagatellsachen, Grundbucheintragungen und Forstkontraventionen, , fondern verhieß auch zugleich eine willkommene Gelegenheit, sich hervorzuheben und geeigneten, Orts A!fmerksamkeit zu erregen. Co s wenigstens sah ich die Sache Lu als kch zum ersten Male Einsicht in die Akten nahm, und freute mich, durch eine über das Herkömmliche binausreichende Thatiafeit mir über I die ... ku...;:n.uvu..uii ZleinstWische . Langeweile, an ' die. ich t-t't.i. ". r i ' . ! '''""' -s-.-iil? rnajt F5wl)nr war, ymmegyellen zu können. Als ich der Sache dann nähertrat, mußte ich mir freilich gestehen, dah es kemeswegS leicht sein würde, hier Lorbeern zu ernten, die Möglichkeit, daß alle meine Bemühungen völlig erfolglos bleiben wurden, dagegen klar, vorlag. Ich, der ich als Neuling in lauter fremde Verhältnisse eintrat und mich unbekannten Menschen und Tinaen qeqen übersah, durfte schwerlich hoffen, Klarheit in das Dunkel bringen & können, das über diesem geheimuißvollen Morde lag, zumal mein Vorganger,der seit Iah ren hier ansässig und in - alle Land und Leute betreffenden Angelegenheiten durchaus eingeweiht war, keinerleiMuthMßungen bezüglich -des Thäters ?cr der Thalmotioe hatte aufstellen' können und auch der eigens aus der Hauptstadt hierhergefandte Beamte der Kriminals Polizei wieder abgereist war, ohne zur Aufhellung des Thatbestandes auch nur das Geringste beigetragen zu haben. Unter solchen Umständen und da ich überall, wohin ich horchte, nur ein Kopfschütteln und Achselzucken zur Antwort erhielt,' schwand meine Hoffnung, mir hier meine Sporen als scharfsinniger Krimknalrichtcr verdienen zu können, zusehends. - Dabei lag der Fall einfach genug. In der Nacht vom 5. zum . Mai hatten Arbeiter, die nach mehrtägiger Veurlaubung behufs Ordnung häuslicher Vechattnisje von ihrem Hcimathödorf nieder in die einige Stunden entfernte '--if zurückkehren wollten, wo sie mit ,bn:ch intreffen mußten, den der iu..:iinbe Pollno gehörigen sogenannten Stadtn)a!d" einen ziemlich ums sangreichen Kiefern sorst, durchquert. Bei dieser Gelegenheit waren sie, kaum ine halbe Stunde von der Stadt entfernt, auf einen mitten im Wege lies genden menschlichen Korper gestoßen, den sie alsbald, in der Annähme, einen Betrunkenen oder Verunglückkcn osr sich zu sehen, aufgehoben hatten, um r.wix zu erkennen, daß e6 sich um einen Tcdtcn handelte. Und dieser ,Todte war, wie sie gleich feststellten, der Hilssförstcr Friedrich Planck, der feit noch nicht langer Zelt im Pollnower Forsihause weilte, um dem alten stadtischen Forsianfsehcr Hegemon, der ihn zu seiner UiUerstützung bei zunehmender Kränklichkeit in Dienst ,und Brok gcnommcn hatte, an die Hand zu gehen. Die Arbeiter entdeckten auch sofort, daß Friedrich Planck durch eine Kugel mitten in die Brust , geschossen worden war , beziehentlich sich selber geschössen hatte und daß sein Tod dadurch vermuthlich schon vor Stunr Im denn der Leichnam war bereits erkaltet herbeigeführt worden sein mußte. Sie entschlossen sich deshalb im Forsthause das Vorgefallene zu melden, ließen aber den Leichnam einstweilcn da Jirgeii, roo sie ihn gesunden hatten. Förster Hgcmann, den sie uS dem Scklake medten. f&idte seine Nurscken ' ' , r I ' i unverzüglich zur Polizei und machte? sich selber aus den Weg, urnl sicd von den Leuten den Fundort tu jn zu lasse. Nach dem Eintressen eines Polizeibeamtcn war dann ein umfangre!chcS Protokoll aufgenommen norden, ein paar Stufen später war der Richter selbst an Ort und Stelle gewesen, die gerichtliche Obduktion des Leichnams, batte stattgefunden bit Staatsanwaltschaft in der ' eine Eisen: bahnsiuno. .entfernten Kreisstadt war telegraphisch benachrichtigt, alle Maß: regeln waren getroffen, um' den ' Thatt il jbW C, k ff 4tW C?" ? Alli " t-v findig zu machen. Sämmtliche in Frage kommenden Behörden entwickelten,, eine ,s1eberba?te bätiokeit., Aber trod des " Aussehens, welches in diese.? stillen und sriedvöllen Gegend die wenig oder nichts von Verbrechen wußte, durch da3 blutige , Geheimniß geweckt worden; war, trotz des gemeinsamen Bestrebens der , gesammten Bevölkerung, ' Un " Uebelthäter zu entdecken und zur verdienten Veltratuna tu setzen, war es niqr , ehingen, auch nur die geringste Aushrllung in dieses dunkle ,(5reigniß zu WngM '- v': 1 Daß eS sich überhaupt um ein Verbrechen und nicht etwa um einen Selbstmord handelte, erschien, abgesehen davon, daß für den letzteren sich keinerlei Anhaltspunkte ergaben, zweifellos. Vor Allem war die Waffe, mit welcher die tödtliche Wunde zugefügt worden war, em Thatorte nicht aufgefunden worden, Lnd'an hJye feftAestellt, daß diese
Wasfe'ein klkZnkasiMgtsNivolvr , it mtn i war, wie, daß eM solcher sich niemals Zm Sesitz des Ermordeten befunden oder etwa zur Waffenäusstattung des Forsthauses geHort Sattes Durch diese. FeststellunZ wurde das Kreigniß selbst zugleich um Vieles rätselhafter. Denn die ursprüngliche undam nächsten liegende Annahme, daß Planck von Holzdieben, denen er nachstellte und die n zur Anzeige, hatte bringen wollen,' niedergeschossen worden sei knenWildbchanb befaß der Stadtwald ' ' nicht , erschien hierdurch hinfällig. Welcher Holzdieb sollte sich wohl im Besitz , eines Revolvers'' befunden haben? Ein Arthieb oder Messerstich hätte ihm den gleichen Dienst verrichtet. Eigenthümer eines Revolvers waren in der Stadt überhauptwie llelcht ! 'lkonstatirt ,, werden konnte, nur wenige Personen, auf die um dieses , zufälligen Um? standes wegen ,, auch , 'nur den leisesten Verdacht zu richten, lächerlich gewesen rofae. den angesehenen Honoratiorensamilien der ' Stadt und hatten ebenso gute Gründe für den Besitz ihrer Waffen als sie unschwer hatten nachweisen können, daß sie mit dem ermordeten Forstwärter niemals in irgend esM Beziehung gestanden hatten. Zu einem Alibibeweise, der ihnen leicht gefallen wäre, kam es gar nicht. Da? Seltsame war, daß Planck sich überhaupt erst seit Kurzem in seiner hiesigen Stellung befunden hatte und bisber weder Freunh noch Feind hier besaß. RiP'immal ein MeäverhÄtulß hatte er angekündigt, so daß man auch an eine That der, Eifersucht oder Rache gegen ihn nicht denken könnte. M stammte gar nicht. aus der Gegend, war iFWliteldeutschland daheim und : hatte sich in den verschiedensten Stellungen überall in der Welt umhergetrieben. Von Hause aus wür'er'gelernter Gärtner - hatte aber auch im Forstfach schon hie s und da Hilfsdienste geleistet und war dem alten Förster Hegemann durch einen Jugendfreund und Berusögenossen, an den er sich ge-. wandt, als ihm der Dienst zu schwer geworden und er ch..naM einer Stütze umgesehen, empfohlen worden. Sonderlich zufrieden war der Alte mit dem Ankömmling, den er in Folge jener Empfehlung auf Treu und Glauben hin in Dienst genommen, ohne ihn nur erst gesehen zu haben,' nicht gewesen. Man schilderte mir Planck als einen unzugänglichen, etwas finsteren und unsteten Gesellen, der keine, vertrauenerweckenden, Augen gehabt be und den man gern habe seine eigenen Wege gehen lassen. Borzuwerfen hatte ihm jedoch Niemand etwas und seine Pflichten hatte er gewissenhast erfüllt. An dem fraglichen Abend des 5.' Mai war er vom Forsthause aufgebrochen, Hm den,, gewohnten, abendlichen Nundgang zu ma-. 'chen, und weder der alte Hegemann noch der Bursche oder die alte Haushälterin hatten auf seine Rückkehr gewartet, son bern alle Drei waren ruhig schlafen ge gangen, da Planck manchmal lange fortblieb, auch wohl noch für ein Stundchen im Wirthshause einkehrte. So hattl ihn Niemand vermißt. Am Thätorte selbst waren keinerlei Spuren vorgefuzjden worden, welche auf einen stattgehabten Kampf zwischen dem .Thäter und seinem Opser hätten schlie, ßen lassen. Planck mußte sofort aus dem Hinterhalt niedergeschossen worden sein, sofort mußte er den Geist aufgegeden !haben. In dem sandigen Waldbodett.'waren, überhaupt keinerlei Fuß spuren zurückgeblieben, die auf eine Fahrte hätten leiten könnend Nur sonderbarerweise war unweit von dem That? orte dicht neben emem kleinen, aus der Regenzeit der , letzten Wochen übrig gebliebenen Tümpels wo das., Erdreich ,' feucht war, der Abdruck einer frußftrn? entdeckt worden, i und diese Spur rührte von einem zierlichen, 1 schmalen Damenschuh her. ES laa nahe, , ,,: ;,. M:fmP i.yd ! daß man voraussetzte, diese Fußspur siehe mit , der blutigen That in keinem geringsten Zusammenhang, sondern sei nur zufällig dort noch vorhanden gewesen, da sie sich in dem nassen Boden wohl eine Wule, erhalten haben, könnte. ',' Der Stadtwald diente gerade den, besseren Familien der Stadt und besonderS"in den Frühlingszeit zur nachmittägigen Promenade und die Spur eines kleinen DamenfußeS darin konnte wahrlich nicht auffal: len. Dennoch war der Abdruck des Schuhs genau aus dem Papier nachgezeichnet worden und da3 Papier befand sich1 bei den Akten.' Weitere Folgerungen hatte man nicht daran geknüpft. Unter solchen Umständen trat ich in diese , Untersuchungssache wider Unbe kannt" ein und kam zu dem Schlüsse, daß meinem ungeübten Scharfsinn wohl schwerlich gelingen werde, xoki vor mir ein erfahrener Richter und ein gewandte: Srlminalbeamter vergeblich versucht hat ten., Dennoch gab ich nach einer vorübergehenden Muthlosigkeit die Hofsnuna noch nicht ganz aus, schließlich doch etwas Licht in dies Dunkel., zu bringen. Das den jungen Juristen fast immer eigene Interesse an allen Kriminalfällen war bei mir in t sonders hohem Maße ausgebildet und ch hatte keine Ruhe her, als bis ich mich von der Nutzlostg: keit aller meiner Versuche überzeugt haben wurde. '' ; , Die schon von meinem Vorganger auf gestellte Vermuthung, daß der Mord von einem Fremden verübt, worden, erschien mir nicht , unbegründet. , Und , da kein Raubmord vorlag, . denn man hatt die sämmtlichen, freilich kaum nennenöwerthen Habseligkeiten Plancks nnangerührt, bei, der Leiche vorgefunden, handelte eS sich rcach meiner Kombi na-, tion um einen Akt der Rache oder Feind, schaft, der von einem früheren Gegner begangen war. Man mußte also, waS nach meiner Auffassung bisher viel zu wenig geschehen war, in Plancks Vorleben nach Gründen forschen, die ihm die Todfeindschaft oder das Nachegelüst ir: gend eines Gegners zugezogen haben konnte, de ji, sich eine so blutige That zu, trauen ließ. Auf diese Art ergaben sich sicherlich allerlei AnbaltSpunkte für neuen Verdacht. Jedenfalls versuchte ich eS, auf
solchem Mun Das verursachte nun eine Menge von Schreibereicnnach allen möglichen WeltrTij hr . ,,'J'f !.?: S,Si ;,:!!::; gegcnden hm und brachte so zunächst die eigentliche Untersuchung inStocken, die ich aber,trötzdem n der Stille fortfetzen ließ,, soweit 'ich es vermochte. Die Polizci mußte dauenld fcharf vigiliren und besonders , auf Ftwa in den Wirthss,. Häusern von halb oder ganz betrunkenen Gasten gelegentlich hingeworfene Aeußerungen fahnden.' Auch setzte ich durch, daß die Gemeindevertretung eine namhaste Belohnung für Denjenigen auS schrieb, der den Thäter namhaft oder auch nur die Thäterschaft eines bestimmtenJndividuumö würde glaubhaft machen können. Die Staatsanwaltschaft hatte ihrerseits schon eine ähnliche Bckcknntmachung, erlassen, tz So? war die allae- .'!, .., nt. ,. '!?' meine Ausmerklamkett wlederlebhafter auf den merkwürdigen, Fall hingelenkt worden mldber'äWlttgett Unterstützung konnte ich bei meinen Bestrebungen sicher ftm; t im - : i s i Während dieser Vorgänge in meiner amtlichen Thätigkeit hatte. ich nicht versäumt, Denjenigen, deren Gerichtsbe Horde sich in meinem, armen, Selbst verkörperte, auch menschlich näher zu treten, soweit das die Sitte irgend erforderte. Ich hatte Besuche gemacht und empfaU gen, war, eingeladen worden und betheiligte mich des Abends hin! und wieder am Stammtische im Honoratiorenstübchen des Schwarzen Greifens Viel lohnende Bekanntschaften hatte ich daei nicht gemacht.- Ich fand recht wackere und ehrenwerthe Männer, die ihrem Beruf mit Treue und Bedächtigkeit nachgingen, ohne viel nach denAeitläufen und Welthändcln 1 zu fragen, Männer, die im Allgemeinen , viel lieber horten, ' alZ sprachen, und den Mund eigentlich nur zuüt Effen und Trinken aufmachten. ' Die' Frauen sprachen dafür um so mehr. ' Aber was sie sprachen, kam über das kleinstädtische alltäglicheVEinerle! nicht viel hinauf innerhalb dessen ihre Interessen sich bewegten, und der Klatsch blühte allerorten. Eme.Gexniso,.,,btsM das. Städtchen nicht, baS zum guten Theil von Ackerbürgern bewolzut würde und den Geist der Neuzeit UnMlich von seinen Mauern absurcflrcrt jfcifrreBtat. Mit meinen großstädtischen Ansprüchen und Gewöhnheiten kam ich mir hier also recht vereinsamt vor, zumal ich nicht mcineu sätirir, schen Launen einmal die Zügel, je durste chießcn taen, um mircht Femde zu verschaffen, deren Leümundszeugniß meinem' späteren Fortkommen hätte hinderlich sein können.' Mit dem Bürgermeister der, ein ehemaliger Feldwebel, es mit der deutschen Grammatik nicht ,!allzu strenge nahm, der aber jedes Mal,wenn er einen Schnitter gemacht hatte, in ahnungsvoll V ''!' ?." !;" , ; , C. abwehrendem Zorn um sich blickte, war ohnehin nicht 'zu spaßen. Noch übler wurde meine Lage dadurch, daß er eine eben herangcblühte Tochter besaß, und daß man mein Erscheinen in der Stadt als einen Wink des Himmels zu betrachten schien, der mich dieser Tochter zum GattenHestimmt hatte. Die Sache schien bereits als abgemacht zu gelten, noch ehe ich Fräulein DorotheaWetzlcr überhaupt mit Augen gesehen hatte, denn schon in dieser Zeit ließ man eö an mehr und minder versteckten Anspielungen auf mein dcmnächstigcs Eheglück nicht fehlen. Spater hatte ich auch noch das Unglück, der jungen Dame selber nicht zu mißfallen, ,,und mußte nun, .da sie mir ihrer? seits keinerlei wärmere Gefühle einuflößen vermochte, künstlich genug, zwischen beleidigender Unfreundlichkeit ' und der, Gefahr, unberechtigte,, und unvfüllbare Hoffnungen zu erwecken, in meinem Verkehr mit, der Bürgcrmeisterfamilie Ä itte haltend : u 4 ! Unter solchen manchmal recht bedroh? lichen Verhältnissen war mir die Bekanntschast mit dem Gutsherrn und Fabrikbesitzer Leopold Häselcr ein nicht hoch genug zu veranschlagender Gewinns Seine Besitzungen lagen kaum eine halbe Stunde von der' Stadt "entferntund der Weg dorthin, der zumeist durch den Stadtwald führte, war in dieser sommers lichen Jahreszeit reizvoll aenug. Häfeler selbst war erst einige Zeit nach meiner Ankunft in Pollnom von einer längeren Geschäftsreise zurückgekehrt und so lernte ich vihn erst spät und, als ich. schon die Hoffnung auf einen erfreulichen und an, regenden Verkehr während nlcines'Kommissoriums aufgegeben hatte, kennen. Er selbst suchte mich zuerst aus und lud mich in sein Haus. 1 ' Er war ein Mann in den Fünfzigern, rüstig und thatkräftig, ein Hüne von Gestalt, dabei gutmüthig wie ein Kind, und von einer treuherzigen Naivetät, die 'ihm sofort mein ganzes Herz gewann. Mit seinen hellblauen Augen in dem fast völlig von Haaren entblößten, rothen, freundlichen Gesicht, in dem ein halb noch rother, halb schon grauer Schnurrhart über einem großen Munde mit den blanksten Zähnen, hing, schaute er sich Einem Llcich beim ersten Zusammen: sein in die Seele hinein. Ich hörte übrigens'auch überall sein ' Lob verkündenEr wardleHilfsbereitschaft inPerson für die ganze Gegend und hatte in seiner gutmüthig polternden, auch wohl ' zu Zeiten derben Art ' sich noch nirgends Feinde gemacht. Seine Fürsorge für die Arbeiters wurde warm gerühmt. , Mit denHonoratiorcn im Städtchen, , zu denen er als Vorsteher der Stadtverordneten selber gehörte, hielt er gute Freundschaft, ließ es - an beißendem Spott manchmal nicht fehlen, trat aber nie Einem wirklich u'naeift; Man erzählte mir, daß er in zweiter Ehe vermahlt sei, erst seit zwei oder drei Jahren. Die erste Frau hatte er im zweiten Wochenbett verloren, war dann lange Zeit über ihren Verlust schwermüthig gewesen endlich aus Ncisen gegangen, um sich zu zerstreuen, und hatte von dort seine jetzige Frau zugleich mit seiner alten Laune und Lebenssreudigkeit heimgebracht. , Von ihr besaß er , seit Jahresfrist einen Sohn, während von der Verstorbenen eine jetzt etwa zwölfjährige Tochter zurückgeblieben war. Die Frau selber, mit der Haseler die glücklichste Ehe von der Welt führen MmMmMf, M
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sollte, schien nnter den städt! schen Honoratioren . Familien . keine Freunde zu zählen. .Man sprach zwar nichts Schlechtes -von ihr, hatte im Gegentheil nur gute Thaten von ihr zu berichten, aber : man wurde nicht warm, wenn man von ihr erzählte. Sie sollte still uud zurückhaltend sein, ein, bischen menschenscheu, was man. mit hochmüthig" glelchzuftellen pftegte, und ein so fremdartig - abweichindes Benehmen zeigen, daß , man keinen näheren Umgang für möglich hielt.' , So war's auch gekommen, daß, lchrauHtkne'Hasele? niemals gesehen hatte, ehe die Heimkehr des Gatten erfolgi war., Mich selbst nahm, was man über ihr 'kühles und scheues Wesen berichtete, nur für sie ein und ich, ging Wtdejr froMen'HriÄar tungen eines Tages nach Eortlav hinaus, um der mir gewordenen Einladung zu
t Das Md. oas ich mir im Stillen von der jungen Gutshcrriu gemacht, fand ich in der Wirklichft!t,nAt , ganz bestätigt, Als Leppyld HHelex.miaz selner '.Gattin vorstellte, sah ich pnch, einer kleinen, zlers! lichen, bildhübschen Frau gegenüber, die mich mit großer Zuvorkommenheit empsing, 'weder, schüchtern ,noch "verbüMt war und die, besten " Nmgangsformen zeigte. Sie war heiter und lebendig, ihre hellen grauen Augen lachten mich an. aus einem runden, von, kleinen blonden Löckchen ümkrausten Kopfe, .als sie mich mit frischer, silbertöniger Stimme fragte, wie es mir unter den Pollnöwer Philistern denn, so recht eigentlich gefalle. Alle ihre Bewegungen waren von vollendeter Anmuth, ch fand sie gleich ,.kn den ersten Stunden reizend , und es ' war wohl nur der Ausfluß eines instinktiven Bestrebens, memerse!ts guf der Hut , zu sein, wenn ich mir sagte, daß da auch ein wenig Kokctterie mlt im Soieltz se!. , Wir besuchten zusammen die Wirthschaftsgebäude und ,die Fabrikanlagen, wobei Leopold Häfeler den immer gefälligen, sachkundigen und liebenswürdigen Führer machte, und - ich fand in allen Diugen eine musterhafte Ordnung vor, für die der Gutsherr bescheiden alles bewundernde Lob ablehnte. Als ich aber über die Art, wie für die Arbeiter! hier gesorgt und ihnen ein menschenwürdiges Dasein auf seinem Grund und Boden bereitet worden war, mich besonders warm öußerte, legte er lächelnd seine breite, braune Hand auf die Schulter feiner, Frau und sagte: Dasür müssen Sie sich bei der da bedanken, die hat das AlleS auf dem Gewissen Der müßten die Leute von Rechts wegen den Saum ihres Kleides küssen, die ist. ihr guter Engel. Nicht geruht hat sie bis sie es hier so gut bei mir hatten,' wie, glaub' ich, nirgends auf der Welt, und an Bitten und Vetteln dercnwegen hat's wahrlich nicht gefehlt. Manchmal hätten wir uns beinahe d'rüber erzürnt, denn sie war ein bischen stark im Fordern, die kleine Lcne, und ich bin noch so aus der alten. Schule wissen Sie Na, , aber schließlich hat sie mich denn doch herum, gebracht Frauen bringen Alles zu Stande, lieber Assessor, Sie werden das auch wohl noch 'mal erfahre.nl, und jetzt steht's so,, , daß ich gar. nichts mehr thue, ohne ihren Fath und ihre WillensMeinung vorher einzuholen. Am letzten Ende hat unsereiner ja nun auch seine Freude an diesem Status quo, aber ein Verdienst darf mir Keiner d'ran zurech-' nen, das gebührt ausschließlich dieser jungen Frau hier! , Er sah sie mit seinem gutmüthigen, breiten, lachenden Gesicht so recht verliebt und glückselig an, während sie in reizvoller Verlegenheit schon, während er sprach, mehrmals versucht hatte, ihn zum 'Schweigen zu bringen, und nun schmollend erwiderte: Weißt, Du auch, daß es gar nicht geschmackvoll ist, wenn Ehemänner ihre Frauen rühmen? Der Drille glaubt dann immer, sie hätten's nöthige weil man ohne das kein Nähmenö an ihnen zu entdecken vermöchte!" " Die Antwort erheiterte ihn nun oölIendS, und in der ' bkstcn Skimmung fetzten wir ' unsere Wanderung fort.- Während derselben hatte ich mehr als ein Mal Gelegenheit, zu beobachten, in welcher Verehslt!' " ,' . ' , . ' j. if A rung die junge GutSherrrn auch thatsächlich bei den Arbeitern stand Männer kamen herzugelaufen, um 'sie zu begrüßen und einen Gruß von ihr zu erhaschen, Frauen küßten ihr dle Hände und die Kinder lachten und jubelten ' wo sie vorüberkam.'" Meme Sympathie für diese Frau die mit so 'kindlichem Frohsinn und weiblicher Anmuth "so viel LrbenSernst und erfolgreichen merkthätigen Opfermuth bekundete und, 'verband, wuchs immer mchr. Ich konnte einige Worte darüber, zu ihr nicht unterdrücken Aber sie schüttelte nur den Kops und sah mich plötzlich beinahe schwcrmüthig von der Seite au. Fangen Sie nun auch noch an?? fragte sie., Es lagZetzt etwas Müdes in ihrem Ton. ' Dann hatten wir den Park erreicht, der sich mit schattigen Linden und obstbaumbestandenen Nascnvlatzen bis gegen den Wald hin dehnt?,' und ließen uns unter dem nkedcrhä'ngendcn Gezweig einer alten Buche um einen in die Erde gerammten Steintisch auf den drahtgeslochtenen Sesseln nieder. Als dann die altmodische Kaffeemaschine über der Spirituslampe brodelte und wir beide Manuer, unsere, Eigarren rauchten, itic Blicke in die grüne Weite des Parks NnauSgerichtet, der uns 'mit schattigem Friede umgab von fern herüber scholl nur dumpf das Jabrickgelärm, wie Meeresbrandung begannen wir behaglich zu JlaÄe?n;!fjj;i!l Wissen Sie auch," sagte ich, daß ich einen gleich erfreulichen und wohlthuenden ,Tag wie diesen noch gar nicht erlebt habe, seit, ich in Pollnom bin? Sie find glückliche Menschen. Bei Jhnen ist gut stin." Freut mich," siel der Gutsherr ein und stieß eine ungeheure Dampfwolke aus, freue mich von Herzen, daß Sie das sinden! Ja, ich denke, wir dürfen nicht klagen was, kleine Lene?" Er nickte und blinzelte ihr zu und sie erwiederte ablenkend: .Nehmen Sie
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' li: " " '! tä r Z7 f 5. . --it wr 'V J y, .'- 7 ' frohe Laune ganz verdirbt?" ..Vs - Ehe ich antworten konnte, sagte Leopold Häseler: Na.,'Du weißt doch Kind, daß der Assessor eigenS hierhergeschickt worden,. ist,,,, um ,Plancks Mörder ausfindig zu machen. Und wenn er, nun daS nicht fertig dringt, fühlt er sich klein und kommt sich blamirt vor. , ,' DaS begreift, sich. Würde mir auch nicht anders gehen. Wozu studitt man, am , Ende das Jus", wenn man das nicht 'mal . kann? Und' nicht wahr, BesierSie sind bis dato noch gerade so klug wie Ihr Vorganger und wie wir Alle zusammen? Eine vcrteufe!tzSach,e. ' "' ,, .. ' '",' " Ich 1 hatte von dem unglückseligen UntcrsnchungSprozeß nicht reden wollen, und mir war cS nicht lieb, daß er, nun doch, hier zur Sprache kam. Es schien in der Luft , zu liegen, und man konnte S nicht cibtn.if 4' w Mezcllstand oieM Stil nde. . . . ?, ; : .: ;,; :, . " ,, c Ich ' hakte Frau , , Helene angesehen, wie um sie, durch einen Blick zu bitten sie möge uns von diesem unerqicklichen Thema 'befreien und In ihrergewandten, liebenswürdigen Art rafch auf ein anderes hinüberlenkeu. Da gewahrte ich, daß ihre Mundwinkel zuckten und And eine Falte sich übe? der Nasenwurzel zwischen ihre Brauen schob. Auch , ihr mußte , eS peinlich sein, daß ihr Mann eine 2lngelegenhcit jetzt, und hier wieder aufrührte, die lange genug Aller. Gemülher, auch das ihrige also, beschäftigt hatte und itt schneidendem Mißklang zu der Harmonie , unserer Stimmung und unserer Umgegend stand Ein kurzer, fast feindlicher Blick zuckte sekundenlang zn ihm hinüber. Ihr Antlitz erschien mit in diesem Moment wie verwandelt. ;-pNeiri;' ich habe bis zur Stunde sei,neW ' Anhaltspunkte zu entdecken vermöcht," erwiderte ich kurz, um Meint 'Absicht anzudeuten, den-Gegenstand fallen zu lassen.' Aber Lopold Haseler fuhr uiierschütterlich ' immer zwischen zwei Dampfe wölken, die er äusstieß, fort: Dieser Unglückskerl bringt unsere ganze 'Gegend' in Verruf. .Wir' lebten hier' sonst in einem ganz schäserlich ibpUif cit - 3cital t es. "' Keine Kapital: verbrechen, keine " ' Arbeiterstreiks ; seil Menschengedenken.' Selten ein kleine, Diebstahl. Bloß Jnjurienprozesse, die gab es hageldicht. ' Und nuu solch' eine Geschichte! Ich begreife die Wünsche der Behörden, die Sache aufzuklären, wahrlich vollkommen. Kein Mittel .follti ihnen da unlieb, keine Kosten 'sollte is ihnen zu groß sein, um das zu erreichend So , was Deheimnißvolles hat immer eine doppelt starke, demoralisirende Wir- . kung auf das Volk. " 1 Er redete noch so eine ganze Weile weiter, bis ihm Frau Helene plötzlich 'chit Abwehrender Kälte in's Wort sielz Ich meinestheils begreife wirklich nicht, weshalb man so viel Aufhebens von der widerwärtigen Sache macht. Nach Al? lem, was man hört, war Planck ein Mensch, um dessen Tod es nicht weiter schade ist. Warum setzt man nun diesen weitläufigen gerichtlichen Apparal um ihn in. Scene? Keiner trauert ihm nach, Keinem fehlt er, nirgends vermißt man ihn, ich glaube, er hat gai nicht einmal Hinterbliebene, "dik von seinem Tode betrübt hätten Kenntniß geben können. Weshalb wird nun ein solcher Mensch; der zum' Mindesten völlig "überflüssig im Leben war, zuyi Mittelpunkt allgemeinen Bedauerns ge? -macht?- Ich sinde,,, darin liegt , etwa 'Heuchelei, verzeihen Sie, Herr Asses: ot": ' - A;' l " Sie hatte das in merswürdig scharscm Ton gesprochen. Ich sah sie ein paar Mal verwundert an, aber sie erwidern meincnBllck nicht.1 Nun sagte ich,währcnr Leopold Häscler lachte und sich köstlich'zu amüsiren schien : .Die Person des Er mordeten scheint mir aber ohne jede Be: deutung ; zu sein, gnädige Frau, wenigstens 'vom Nechtsstandpunkt, aus. 'Selbst' die Ermordung eines großen Verbrechers) , eines ' moralischen Unge, hcuers ist doch immer ein Mord'und' als solcher an dem Thäter zu bestrasen, wenn auch vielleicht milder, als der rincS Ehrenmannes? '.Die Verletzung bei Rechtsordnung bleibt die gleiche. In den Augen des Mörders ist fa zumeist sein Opfer hundertmal des Todes würdig, danach darf die Justiz, vor der Allk gleiches Recht zu beanspruchen haben jedoch nicht fragen.' Ein Königsmordel glaubt 'sogar eine 'gute und große Thal That zu' begehen. " DaS 'Motio des ' Mörders, und die Person deS Ermordeten kommen l M i , der Strasabmessung wohl in Betracht, aber ein Verbrechen können sie niemals zu einer erlaubten oder straflosen Handlung machen. Ich will zu. geben, daß eö Fälle geben kann, in denen hier das rein menschliche und das suristi, sche Urtheil nicht in Einklang milcinnn, der stehen aber sagen Sie selbst: wohin kämen w!r,' enn die Justiz da? Urtheil des Thäters über die' Lebenswürdigkeij seines Opfers anerkannte? Wir würden dazu gelangen moralisch brüchige Mcn, schen sür oogelfrei zu erklären, oder das alte Recht der Selbsthilfe, ' das Faust: recht wieder einführen." , , ',' ' Ich sagte das AUeS in dem dozirenden Ton eines enragirten Fachmannes, dem man in seiner Wissenschaft hat zu nah treten ' wollen, und hatte mich nun sehr w ider n, e i n c a nsängliche ?! eigung d o ch für den angeregten Gegenstand erwärmt. Der Gutsherr , nickte mir , beistimmend zu, Frau Helene aber saß, die Hände im Schooß gefaltet, sast starr vor, sich nie, derblickend da. ,,Sie mögen recht ha: ben," sagte sie nach einer kleinen Pause. ,,Aber vielleicht war es ja gar kein Mord, vielleicht war es Nothwehr." Ich lächelte. Das ist sehr unwahrscheinlich. Aber die Untersuchung würde es ja lehren. Wenn wir des Thäter selber nur erst habhaft wären!" ,, Vielleicht verbirgt er sich nur deshalb, weil man ihn doch für einen Morder halten würde, der er nicht ist," meinte die junge Frau, die nach Weiberart offenbar zäh an einer einmal gefaß, ten Meinung festhielt. Nun lachte Leopold Haseler: Aber
Lene, Lcne: Du hast ja eine ganz
Merkwürdige .Sympathie für diesen Hallunken, ! seh',, ich. Und dann möcht' ich wissen, , wag Dir Planck eigentlich zu Leide gethan hat, daß Du ihm seinen Tod gönnst. Ich glaube. Du hast ihn überhaupt nie im Leben zu sehen bekommen. '0 Dnv kurioses, kleines Frauenzimmer Du!" Er schlug sich höchlichst belustigt mit der flachen Hand aüs's Knice. . , ,. ; ,. " v Sie lächelte nun selber. Ich sinde nur, man, soll nicht immer Alles so nach der Schablone heurtheNen, " sagte sie dann in einer Art von, Schmollton, während sie uns den Kaffee einschenkte. ''Jeder, der einen Anderen niederschießt, soll immer gleich ein Mörder, ein Hallunke :eitt NlHtswürdsger sein. Warum nennt, man' benn Den, , der seinen Gegner im Aill tödtet, nicht auch so? Man Mllß doch mmetjkrst wissen, warum sich ein Mensch am anderen , vergreist. Es kann ja ,! eine, That der Nothwendigkeit fein tf' ' li'-: ' " ? .'. "' ' Clll. ., .!: .- -', ;; ,!-,- ,.. ,,; ;':. ,, . 7 Du hast Dir nalürlich wieder Dei- ' ' -i! -! (ilii.'l'it; 1 'ji.jji -, 1 " n . -i! i. '. rn Kleinen Roman darüper, zurechtges macht", rief der, Gutsherr heiter dazwischenk So. seid .ihr Weiber! Wahrschcinlich hat ihn eine Frau in der Vertheidigung. ihrer Ehre .niedergeknallt, was? Das wäre doch noch mal etwas Sensationelles. ' In der Schwurgerichtssitzung würden drei Dutzend Taschentücher naß geweint und am Schlüsse erfolgte 'ein Mit Bravorufen begleiteter Freispruch. 'Was meinen Sie, Assessor? Oder noch was Besseres. Eine . ver lassene Geliebte, die dem Treulosen, der sich aus dem Staube' gemacht, bis hierher ndchgtteist'ist! ' Als er sich desinitw weigert sie zu heirathcn' schießt' sie ihn in ihrer Verzweiflung über den Haufen. Nun, was sagst Du zu meinen Vor schlagen, die Sache ein bischen romantisch auszuputzen? Ich habe Phantasie, '! ' ' ' i ''i '" ! I I! 4. k. was?" - - ' . - ? i lachte aus vollem Halse. Mir sagte diese Wendung in's Jlomt sche bei einer Frage, die wahrlich ernst genug war und mich auf's Lebhafteste 'illnerllch ' besHSftlgte' ' nicht zu. Auch Frau Helene schien nicht angenehm dadurch' berührt zu sein. Sie zuckte nur die , Achseln. Ich aber erwiderte obbrechend: Die Motive der That werden sich schon ergeben, wenn wir nur den Thäter erst kennen. Darauf allein kommt es zunächst an." Und Sie hassen setzt noch darauf?" fragte die zunge Frau ' ' ' Ich werde Alles daran setzen, an's Ziel zu kommen," entgegnete ich etwas erregt, weil mir schiin, als habe etwas Mitleidiges in ihrer Frage gelegen, und D l)abe t)lHer noch keinen Gruud, zu verzweifeln. Man hat mich im Vertrauen darauf, daß es mir gelingen wird, Licht in dies Dunkel zu bringen, herge? fandt. Ich werde bei meinem Vorgehen ganz neue Fahrten verfolgen!" ,-,,' Die Ruhmredigkeit, ; die in meine Worte gekommen war, schien sie zu erstaunen. Sie warf mir einen fragenden, beinahe scheuen Blick zu und sagte dann mit ärgerlichem Lachen plötzlich: Man ist wahrhastig fett em paar Wochen wie verhext hier. Kaum, daß zwc! oder drei Menschen eine Stunde beieinander sind,' so müssen' sie auch schon von diesem Morde.reden, als ob man sich in der ganzen Welt nichts Anderes mehr zu sagen' wüßte. .Es ist eine Schande. Ich schlage vor, wir verabreden clne Geldstrafe, sür Jeden, ' der ' noch einmal von dieser fatalen Geschichte ansängt und bilden dafür eine 5?asse für wohlthätige Zweckes " s Einverstanden! erwiderte ich. Aber Häscler wandte ein: ,So lange es nichts Neues darüber zu sagen giebt! 'Das nehm! ich aus. Sonst bringt es dieser ' sti - rv (-! , , .er ...vri . ' ?rotj-nquiiiior zu ocn llocrraza)enozicn Aufschlüssen über die" mnsteriose Sachläge und wir Erfahren nichts "davon, weil es ihn Geld kosten würde, zu reden. Schließlich ist unsereiner ja doch auch daran interessirt, daß man den Thäter ausfindig macht., Denn so lange, das nicht geschieht, haftet,, doch immer' auf unserer ganzen , Gegend, ja, auf 'jedem Einzelnen von' , uns ' eine Blutschuld. Einer , kann , gerade so gut verdächtigt werden, wie der Andere. " '. Warum nicht gar!'? sagte ich lachend. Frau Helene warf ihrem Manne sogar einen unmuthigen mißbilligenden Blick zu., , Der aber beharr te mit komischer Entschiedenheit auf seiner Ansicht und eZ war hohe Zeit, daß wir den von Frau Helene vorgeschlagenen, Pakt nun wirklich abschlössen, wir wären sonst abermals ' mitten, in das Mordgesprach", wie sie ; c5 nannte, hineingerathcn und hätten uns unentrinnbar darin verstrickt. Wir stellten, oll? Einzelheiten des Sta: tutS also paragraphenweise fest und ließen auch , die 1 von Häscler ,, geforderte Ausnahme dabei gelten. Darüber verstrich uns eine ganze Zeit und wir waren allmählich wieder in eine harmlos-heitere Stimmung, gekommen, welche sich, nun auch auf den Nest des Tages übertrug, den wir noch zusammen verlebten. Wir durchstreiften lange unter angeregtem Gespräch den Park und 1 erst bei beginnender Dunkelheit dachte .ich an den Abschied.' Fürchten Sie sich auch nicht, durch den Stadtwald zu gehen?" fragte Häsele. , Dann lass' , ich sür Sie anfpacltA?f , Frau ! Helene , drohte ihm mit dem Finger. . 3!" sagte sie warnend. Oder , nehme,: Sie zum Wenigsten einen von meinen Revolvern mit!" fuhr der Gutsherr in seiner beharrlichen Art fort, immer zwischen Scherz und Ernst. Ich lehnte lachend ab,- und machte mich auf den Weg Die beiden begleiteten mich noch eine kurze Streckt Frau Helene wollte einen V esuch z in einer der Arbeiterwohnungen machen, wo ein krankcs Kind lag. Als wir vor dem Haufe standen und uns die Hände geschüttelt hatten, gkng sie die steinernen Stufen hinauf. Dabei raffte sie den Saum ihres 5NeideS in die Höhe und ließ mich jrnn ersten Male ihren Fuß sehen. Es war ein seiner, schmaler Damenfuß, der in einem eleganten Lackstieselchen -steckte. Fortsetzung folgt.)
DaS unrechte MsdeM
L MS Prosessor Michaels Lehrthattgl teit an der Berliner Akademie rtf Künste wird der VolkSztg. von einem Freunde des Verstorbenen ein drollll, ger Vorgang erzählt. Der Professor welcher zu den wohlhabenden Künstlern gehörte, beauftragte einen ihm befreunbeten Bankier mit der Anläge eines Kapitals. Dieser ! lieh die Mumm, einem.,, Hausbesitzer und' Leäuftragti seinen Kasseuboken, " dem, , Professor daß Hypothekendokument zu , überbringen. Dieser Kassenbote nun, ein herkulisch gebauter Mann, , welcher als Unteroffi. per im ersten Garderegiment" gedieni hatte, wurde, da,, er hie .Anweisung ey halten, nur dem Professor persönlich das Dokument zu übergeben, in den Akt saal geschickt, wo Michael auch an diesem Morgen ein Männliches Mo. dcll erwartete, Warten Sie ein weniz und ziehen Sie derweilen den Rock aus pandte er sich au den Eingetretenen. 5 Der Bote sah sich verwundert in dem weiten Raum um und das gedampftt Licht, ein Modell, welches sich im Ek stüm Adams vor dem Eündenfall bei Dem hellen Fenster in verschiedenen Po. seit aufstellte und dessen Silhouette . sich auf der gegenüberliegenden Wand zeigte, sowie dasGcbahren der Schulen beun. ruhigte das Gemüth des harmlosen Kasscnboten in nicht genngem Maße. Wohl fragte er sich: Warum soll ich denn eigentlich den Rock - ausziehen? Hier ist's doch nicht Übermäßig heiK. Indessen, der Befehl des Professor; hatte so bestimmt geklungen, daß der an Gehorsam gewöhnte Beamte zaghast seinen Rock auszog und mit der Geld, tasche neben sich legte. Eine Weilt verging, dann schaute der Professor von der Arbeit auf und herrschte dem Frem. den zu: Na, weiter! Legen Sie doch Schuhe und Strümpfe ab." Dem Voten wurde ganz ' schwül zn Muthe, allein der befehlende Ton des alten Herrn ließ keinen Widerspruch zu und so entkleidete er seine Füße. Wie. der vergingen zehn Minuten, da schaute der Professor von seiner Zeichnung auf, schritt auf den Boten zu und sagte in zornigem Tone: Na, zum Kukuk, wa rum enUleiden Sie sich denn nicht ganz? Soll ich Ihnen vielleicht jedes, Klei, dungs stück einzeln nennen, das Sie ab legen sollen! Vorwärts! Na, wird's bald? Nun aber war auch der ehe. malige Unteroffizier an der Grenze dez Nachgiebigkeit angelangt und rief i wehrhaftem Tone: Aber, Herr Pro fessor, warum wollen Sie denn partout, daß ich mich auskleide? Ich komme von Herrn M. und soll Ihnen ein Schrist ! stück übergeben. Es handelt sich um du Hypothek!" Ach, Du Gerechter !"ricj Professor Michael aus; er gab lackzenl zu, daß zu dem Geschäft weitere, Enr hüllungen nicht nöthig seien, bat d Mann nm Entschuldigung und drücktl ihm mit der Quittung ein Trinkgeld i, die Hand. Amerikanischer Humor. Macht der Gewohnheit. Englischer Lord in einem amerikan! schen Palapwagen: Wärter, bringe? Sie mir eine .Wärmflasche und merui Fudecke," Porter: .Der Waggon lfl m:t Tampf geheizt, Herr!" Lordz Trcht den Dampf ab, und bringt mn meine Wärmflasche und Fußdecke! An der äußersten Grenze .Geht weiter nach vorn!", brüllte der Straßcnbahn-Eonducteur. .Ich kann nicht!" rief der vorderste Mann, ich hab' in meinem Lebm noch keinen Gauj geritten." . R o b b y. Was ist daS, ein April, narr",, Papa?" Mr. Morris: Ein Aprilnarr 1?in Mensch, der schon am ersten warmen Tage seine Winter-Un terkleider ablegt." - , D er berüchtigte Witz von der Unaufsindbarkeit der Taschen in den Fraue'nkleidern rührt vermuthlich von einem Manne her, der eine reiche Frau geheirathet hat. .Ich lese da in denZeitun gen, Ethel, daß. die Italiener wahr, scheinlich ihre Kriegs flotte, zu unS ent senden werden, um die New Orleansn, Lyncher zu bestrafen." .Ich hab' es auch gelesen. Was hältst Dn davon? .Sollen nur schicken, die Italiener. Sie werden die Schiffe nicht mehr zu sehen bekommen. Wir haben,, ein Kriegsflotte . viel zu sehr nöthig, un unS eine so schöne Gelegenh eit entgeh zu lassen." ',-Dle SiegeS Palme. DerJagd und Fifchclub "Th Tmthful". Hat kürzlich ein Wettlugen veranstaltet. De Preis , erhielt das Mitglied Brassis Gall, welcher seinen Zuhörern die Ge schichte von JonaS und dem Walsisch so erzählte, als sei sie ihm selbst vor einigem Tagen in Rlckaway Beach pas :$ü&-v4 !s i-.-M ' MrS. L e ah P enny scra t ch ez wird von ihrer kleinen Nichte um einen Eent gebeten. Du liederliches Mädchen ! Vor kaum drei Wochen hab' ich dir erst einen gegeben. ,, Ist das gauze Geld schoWbeim'Teusel?!'' m-r , ; , .Say, P opfrA ' HNÄ eI mal nicht "in'S Eolleg gehen. ' Ich habe ohnehin schlechte Augen. Ich bin schrecklich kurzsichtig." .Du ' kurzsich. tig? , Lächerlich! '.Ich will dir's gleich beweisen. Siehst du den Nagel ort an jener Wand?" .Ja." Wirt-t r MW Zu v orkommend. .Was ich och sagen wollte, Bridget:, wir Pfleg um 8 Uhr, zu frühstücken." .Well, M am, wenn ich um 8 Uhr noch nicht ausgestanden bin, so' genieren Sie sich nicht. Sie brauchen nicht auf mich zu Nrim,"l: , .Wie w olle n wir unsers süßen Jungen nennen, Harry?" .Ich denke, Macbeth.,, Er mordet meine 'Schlaf.5i!l!pk!hhköH I ,! ? ;,;; i! m1-,:1!!'!- : w ! Zeitungsnotiz. Außer einem Zvanzigpsennigstück gab der Verunglückte kein Lebenszeichen von sich.
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