Indiana Tribüne, Volume 14, Number 203, Indianapolis, Marion County, 12 April 1891 — Page 6

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Kmtttrsespenster. "" mmm mmmmm j Cca Cra iderti.

' Der Kulturhistoriker schlägt bei fei en Studien oft die Hände überm Kopf zusammen über den langsamen Gang der geistigen Fortentwickelung der MenZchhekt, Mtx die seltsamen , Windüngen, die der Strom der Cultur macht, seine Krümmungen und llr.wegev Aber nicht nur, daß es Tausende von Jahren dauert, bis eine falsche Anschauung und Auffassung von - einer richtigeren, verdrängt wird ich erinnere nur z. B. an das ptvlON'.äische System sondern selbst nachdem die neue schon längst in Maß und Geftung ist, bleiben noch zahlloDKsMlkche Bräuche, Sitten, Gewohnhlete?!, Vorurtheile, aus der Zeit der 'Herrschaft der alten Anschauung in voller Kraft. " Die Menschheit ist zu trag. Zu inkonsequent, sie Zu beseitigen, was gran von Alter M das heißt ihr göttlich-, wie itx Dichter sagt. Man ist erstaunt, wenn von Zeit-zü' Leit einrual die Wissenschaft nachweist, 'wie tief in längst vergangenen Kultur? enschauungen ' alltägliche 'Bräuche wurzeln, die wir als durch sich selbst gerechtfertigt oder aus unseren modernen Bedürsniffen entsprungen erachtet haben. Ju der Gegenwart haben namentlich zwei hervorragend eGelehrte unsere ganze Cultur in ihrem vollen Umfange untersucht, und, von ganz verschiedenen Standpunkten aus, die geschichtliche Begründung zahlloser Sitten, Vorurtheile, Rechtsznüande - nachgewies.'n: Julius Lippert 'und Friedrich Nietzsche. Sie haben gezeigt, wie im Lause der Zeiten allmählich das einst Thatsächliche, Reale, wortlich zu Verstehende zum Symbol vergeistigt wurde, oder zum Schatten verblaßte. Bis auf die volkstümlichsten Sprachausdrücke erstreit sich duft Wandlung. Wer denkt bei dem Worte ' besitzen" heute noch daran, daß es einmal eine Zeit gab, in der sich thatsächlich das Privateigenthum rechtlich nur auf das erstreckte, was Einer beim Sitzen unter seinen Leib nahm? Wer erinnert sich bei der Wendung aus den Hund kommen" daran, da der Hund dasjenige Thier irar, da der Mensch zuerst ans Hausthie? zähmte, indeß Vferd und Vieh erst Dicl'fpä:er folgten, daß nach ihrer ZähWung der Hund als Besttzstück verachtet tturöe und" in: Werth sank, so daß der N)irthfchuftlich Zurückgehende meist Pferde- und Viehzucht wieder aufgeben ndwleder . auf ' den Hund . kommen nutzte? Die Geister der .Abgeschiedenen, welche erst längere Zeit nach dem Tode zur Nahe kamen, spielten in den Vors:ellung?n , der Vorwelt eme ungeheure Äolle. Man glaubte, sie verlangten ihre Nadrung so gut wie die Lebenden fort, und wenn sie ihnen verweigert würde, wenn sie hungern müßten, rächim sie sich an den Lebenden, indem sie ihren Schlaf, ihre Ruhe störten und Hagel und Ungewitter machten. Eine große Zahl noch heut' üblicher Bräuche Wrt im letzten Grunde auf diese Anschauung zurück. Wenn die Hinterbliedenen Trauerkleider anlegten, wenn die Wittwe sich in den schwarzen Schleier hüllte, so geschah es ursprünglich nur, um sich unk iinilich zu machen,, um sich vor -dem Geiste deZ Geschiedenen zu schützen: das Trauerjahr währte an fangs viel langer, bis zum vermeinten Eintritt der Verwesung, mit der man endlich auch den Geist todt glaubte. Das ,le mortus nil nisi bene tut springt nich! der Pictät, die überhaupt erst sehr, sehr Ipät entstanden, sondern der Furcht, den Geist zu reizen. Man gab , dem Todten seinen Schmuck, seine Lieblings Gegenstände mit in Grab, damit er sie sich nicht als Gespenst selbst hole une In krben plaze. Man läutet be:m Tode eines Menschen die Glocken nicht, um, ihn zu ehren, . sondern im durch den Lärm den Geist zu vertreiben; jeder Theilnehmer warf der Leiche Erde nach und -half mi: den Grabhügel thürrnen, ' um " den Geist, der vielleicht noch bei der Reiche wcilte. unten einzuschließen, das; er nicht an die Oberwelt Zurilckkehre. Erbstücke, besonders Erb- , scblüssel, brachen Glück, wurden befon der) geehrt, weil man damit den Geist des Todten in den Bann seiner persönlichen Tienste zu bekommen glaubte, und aus derselben Anschauung entspringt der Aberglaube, der Strick eines Gehängten bringe Glück. Der Wetterbahn auf' den Dächern und Thürmen sollte zum Schutz gegen 'den Uebersall von Geistern dienen;' denn derHahn genoß seiner . nächtlichen Wachsamkeit ' wegen besondere Verehrung als Hilfe gegen die Geister. - Um den Geistern ihre Nahrung zukommen , zu ' lassen, die sie forderten wurden zuerst die Opfer eingeführt, die freiwilligen Festtage, die Spenden, von denen die Seelenmessen der letzte moderne Rest sind. Ursprünglich entzog nian sich sogar selbst Vlur denn das derdampfcndt. oder in die Erde einsik kernde Vlut , hielt man für die Lieb lingsspeiie der Geister. '.. Die mosaischen Speisegesetze, die man vst aus hygieniscben Gründen gegeben wähnt,,, sind auf diese Anschaunug zurück zusühren, beson ders das Verbot des Blutgießens und das gewisser Thiere, die den Geistern ' geweibl"hjieKk::! fl!,,. ' ,r "II jfjj Tief zurück reicht die Veranlassung der weit verbreiteten , Abnt.'gung des Hasses und HohnS gegen die Schwieg germuttcr. Es war ; einmal . eine , be1 rechtigte Institution, daß die Kinde? nur ter Mutter,, gehörten, nicht dem Vater, das; der Letztere an seine minder weder Rech! noch Pflicht hatte. ' Qzmati .bolte der Mann sich das Weib, vaö er dezchr!e aus dem 'Weze des Raubes , , und in solcher Zelt war der Hag ; , zwischen Schwiegermutter und Schwiegersohn sehr , natürlich. ! ÄUeiii und HSitit werden erstaunt sein, das zu ho ren, aber die, Wirklichkeit is: nun ein al gal'.z unidealischdie konvenienz- , el:e. die Ele ,!nach, Geld, gehört einer soäteren und l'öheren ttulturepoch an lS die Lieöesehe. Die Heirat, auf Lürund eines Vertrags entwickelte sich.

die Raubehe war zur tausche zu der

selben Zeit. alS zum Haupt der Farnilie mit allen Rechten und Pflichten, der Bater wurde; lndezien dte alte ?Zorm des Verhältnisses zwischen Schwieaermutter und Schwiegersohn blieb, und erhielt sich verblaßt bis auf den heutigen Tag. Bei einigen Vol kern it es strenges Gedot, day vom Hochzeitstage ab jene Beiden kein Wort mehr mit einander sprechen dürsen. , Gar Mancher hat wohl schon oft im sere Damen bewundert, wie elegant, und geschickt sie in Gesellschaft, aus Bällen, im Theater.mit einem so nüchternen Gebrauchszegenstand wie dem Taschentuch zn kokettiren, ,a, fast zu reden wlen. Gibt es doch Schauspielerinnen, wie die Sarah Bernhardt, die nur mit dem Taschentuch in der Hand spielen können! Die Sache hat ihren einfachen Grund: das Kokettiren mit dem Taschentuch ist nämlich das Ursprüngliche un sein e niaer ästbetischer Gebrauch erst das Spätere. Es war ursprünglich ein Schmuckstuck, und der Schmuck, d,e mdlviduelle Auszeichnung der Person, war viel früher in der Welt, als die Klei' düng, ja, - die Letztere hat 'sich erst! aus jenem entwickelt. Es ist ein Irrthum der Bibel, die Menschen sich Kleider anfertigen zu lassen, . weil sie, sich schcr wen nein, umgekehrt, das Schamgesühl hat sich erst an der Hand der Kleidung entwickelt. Man wundere sich daher länger nicht über die Launen, Schrullen, Ausschreitungen der Mode: die Kleidung ist eben ursprünglich, wenigstcns im Süden, nichts als Schmuck gewesen. Die Form des Brüderschafttrinkens" ist auch solch' Rest aus alter Kulturzeit. Damals schloß man nur Blutbrüderschast". auf Tod und Leben, wie noch heute bei den Wilden. Man machte sich einen Schnitt in den Oberarm und trank gegenseitig das Blut des Anderen damit waren Beide nur noch eine Per son, denn das Blut war nach alter Sln. schauung der TräZer der Seele. Statt des Blutes wählen wir heute ein kommentmäßiges Getränk, aber noch immer stecken wir die Anne durcheinander, als ob wir Jeder aus dem des anderen saugten. Wie kommt unter allen Pflanzen gerade der Lorbeer dazu, als Gemüse des Ruhms, als Lohn für den Kunst, ler zu gelten? Ach, auf eme sehr pro saische Weise ! Die alten Weissager und Sibyllcn, die ihre Orakel ja in Versen abgaben und die ersten Dichter waren, pflegten, um sich in Rausch zu versetzen, in dem sie Auskünfte ertheilten, vorher vorzugsweise . Lorbeerblätter zu kauen. Das Kauen kam spater- ab. und man umsteckte mit den Blättern da Haupt. , Warum sühren so zahlreiche Stern, und Sterngruppen die Namen von Thieren? Darüber wird' wohl schon Mancher vergeblich nachgedacht haben! Denn die landläufige Erklärung durch gezogene Verbindunas und Umrinlinien widerspricht zu sehr dem gesunden Verstand. Auch die stärkste Phantane wird z. B. niemals in dem benannten hellen Sternbllde die Gestalt emes vundes erblicken können! Nein, die Sache liegt einfach so, daß man in einer sehr frühen Zeit als Fetische Thiere verehrte, wie in Acgypten die Katzen, Krokodile. Sperber. In einer spateren Kultur epoche, erhob sich der Geist höher ünZ verehrte die' Gestirne. Ein hoher end wickeltes Volk nöthigte dem anderen sei nen Glauben auf da aber der Ver wirrunaen und Verwechslungen zu viele wurden, identisicirte man allmählich die alten Gotter mit dem neuen die Thiere und Geister mit den Sternbildern, wie z. B. das Chrlstenihum vor den Heiden Maria mit Minerva vereinigte. Auch ,m Knegswefen begegnen uns ähnliche Fälle. Die Fahnen, denen das Heer folgte, waren ursprünglich nichts als die Fetischöilder, die Götzen des .bekrencndcn Volkes ooer Stammes. ,,ie brachten ,die Entscheidung, an ihnen haftete der Sieg, und unser Sprachgebrauch redet noch heute von siegreichen Fahnen", als ob' diesen das Verdienst zulame. Die Wappen dagegen gehörten schon einer späteren Zeit an, welche r lvi m n r jv f oa Wjen eer Allegorie zu sajien vcr mochte. ' Besonders zahlreich sind jene Vorzeit lichen Erinnerungen im Rechtsleben. Wie Mancher wird schon über die Worte in der Eidesformel verwundert gewesen sein: ,,so wahr mir Gott helfe?", Wozu soll gerade der einem Rechtsstreit Gott helfen? Etwa den Proceß tyi gewin nen?! Denn die Deutung zur ewigen Seligkeit" ist erst sehr, spät unteraescho den worden. Nein, diese Worte shd ein Rest aus der alten Zeit, in der jeder Rechtshandel durch das Gottesurthei des Zweikampss ausgefochten wurde, in welchem der Eid nur. die Einleitung, '.'". iw ' : i ,' oie Anlunoigung oarsteme. , ; : In diesem Zusammenhang ist der Sinn der Worte eine sehr ernste Bitte. In gesitteteren Zeiten siel der Zweikämpf, der Eid selbst wurde Rechtsmit tel und seine Reinheit bewachte nicht mehr Gott, sondern das Strafgesetzbuh. , Uralter Anschauung entfließt - die Einrichtung der Erdschrstssteuer. " Ur sprungllch folgte dem Tode all sem El genthum inS Grab nach, in einzelnen Fallen pgar seine Frauen und Knechte dann, als der Umfang des Eigen thums dies verbot, , siel es der .todte: Hand- zu die , es verwaltete und aus feinen Einkünften ,, die für die Ruhe der Geister nöthigen Opfer , lieferte. das Uebrigbleibende aber für die Leberdcn verwendete, und für sich selbst als Loh: ihrer priesterlichen Mühewaltung. Noch später fand nran es praktischer die Hin terlasscnschaft direkt an die Gemeinde fallen zu lauen. 1 Allmählich entwickelte sich dann das persönliche Erb- und Testirungsrecht,, und der rechtliche Anjpruch der emnnoe vezw. oeö, Staates oder veryaupls an vie ganze pinter lass enschast wurde abgelöst durch ; Ueber Weisung eines bestimmten ProcentsatzeS. So ist unsere Zeit i Großen wie im Kleinen durch unauflösliche 'aden Mi

der grauen Vorzeit eng verbunden. ES erscheint ' nothwendig, daM zu erin nein, in einer Zeit wie der unseren, in der!, an den ältesten Einrichtungen, an

fast allen Zuständen heltig genagt und, gerüttelt wird. Welch' -äußerste Vor sicht, welch' strenge Untermchung ist da nothwendig. auf . das; mit dem Unberechtlgten, eoensunlayigen. Avgestorbcncn , nicht auch das Berechtigte, noch Wurzelnde ausaerissen, nicht mit den Gespenstern auch Stücke Leben vertrieben werden! Die Wliienjcvaft die uns die Wanen aeaen das Veraltete, gegen den Aberglauben geschmiedet hat gibtuns durch die Entwicklungslehre gerade die Möalicbkeit. auck das Vernünftiae vom 'Ünernünstigeck zu unterscheiden. -Sie f t - : i ".... .. leyrr uns genau, wo wir rm einzelnen Falle rücksichtslos Art und Messer anzusetzen , oder wo wir mit dem Dichter zu sprechen haben: . Ein tiefer Sinn wohnt in den alten Bräuchen. : Man muß sie ehren." Ämcrikanifcher Humor. Schulknabe: In unserer Weltaeschichte heißt es, daß zur Zeit der Regierung des Kaisers Tibcrius ein Mann mit dem Tode bestraft wurde, weil er es verstand, unzerbrechliches Glas zu machen. Warum that Tiberius dieses? Vater: Wahrscheinlich war er em Lampenglasfadrikant. Nutzen der A sche. Die Asche eignet sich vortrefflich für die Fasten' eit." , . " . Wieso?'Sie verhindert das Ausgleiten aus dem Weg der Versuchung." Wohl N och n i e hat ein Mädchen die Einsamkeit so sehr geliebt, daß es r - ' x. .r. ... vizne einen Spiegel . giuaucg icocn konnte. AuS d em Wo rter bu ch eines Weltreisenden: Ein Subalterner ist ein Unglücklicher, welcher es unerträglich sindet, daß er von, Wen Vorgesetzten ebenso behandelt wird, wie er seine Untergebenen behandelt. Ein Noth schrer. Haben Sie schont gehört, daß McKeefer seinen Prinzipalen mit b50,Y00urchgebrannt ist?" Smarter Kerl .das! , Weiß seme Chance auszunützen! Er hat il. A.' auch Ihren Regenschirm nach Eanada mitgenommen. Die verst.... Kanaille! -r Habe ich die Ehre, Frau Meyer, Sie haben ja Ihre Tochter, verheirathet, wie ich höre. Netter Mann, Ihr Schwiegersohn r . .Oh, ich bin die glücklichste der Müt" ter. Er ist ein berühmter Arzt, von welchem, die ganze Welt spricht, und sie ist eine Frau, von welcher Niemand was zu sagen wely. Was ist ein Lpitwon? Ein nützliches Hausmöbel, welches dazu bestimmt zu sein scheint, daß man daneben spult. , Frauen - Consequenz. ' Er: Liebstes . Weibchen,, ich habe heute Nacht genug in Poker, gewonnen, um Dir ein. neues leld zu kau en" Sie, (laut schluchzend):., Ach John, ich denke. Du solltest dies schreckliche Spiel ausgeben!,, Du weißt, wohin Dich das uochgerade bringen wird, und.... ach. .'., der Gedanke macht mich Wahnsinnig, . daß ' ich ' das Weib eines Gewohnheitsfpielers sein könnte! Ach, oyn.... es ist zu arg! oyn.... was sür ein Kleid soll es sein?" Einfach wie das' A. B. E. Angeklagter: Sie glauben also, Sie können wich loskriegen?" Advokat: Nichts leichte? als das. Ich werde dem Gerichtshof'beweifen, daß Sie verruckt sind und man wird Sie ms Irren asyl schicken? Angeklagter: )Ja... öber. ; . wie komm' ich dann aus dem Narrenhauö heraus?" Advokat: Das ist doch einfach, lieber Freund. . . ich werde deut Anstaltsdirektor beweisen, . r . ..ir.i. - i i" t am , ' , oan t&iz. racgi verruac stno. i, Zweideutig. Haben Sie mein letztes Werk aelezen. Ueber Eolleqe?"Sicherlich!" Nun, und wie hat es Ihnen gefallen?" O, ich habe das Buch mit be,onderer Genugthuung aus, der Hand gelegt." , y ""' "; ,!-:f" . p&fc ''M'W ist in den letzten Jahren fast ausschließlicb aus Celluloid 1 hergestellt worden, doch schloß die Reichte Entzündlichkeit dieses Stosses in vielen Fällen die VerWendung diese?, -sonst so " vortrefflichen Ersatzmittels für das echte Elfenbein aus., Jetzt ist nun eine Elfenbeinmasse patentirt worden, welche .dem natürli chen absolut gleichen soll ,! und nicht die Entzündlichkeit , des! Celluloid ,,! besitzt. Man mischt gebrannten !Kalk, , Wasser, PhoZphorsäurelösung, Marmor. Mag. nesia, Thonerde Albumin' und Gelatine in einem bestimmten Verhältniß. , knetet ine Masse," bis sie 1 einen gleichartigen Teig bildet und läßt diesen Teig einige Stunden stehen. 1 Dann trocknet man ihn bei. II Lck Grad Celsius etwa 30 bis 40 Stunden lang und setzt ihn dann in Formen, welche auf etwa 132 Gr. Celsius erhitzt sind, einem Druck, von 60Q Pfund auf einen Quadrateentimeter aus. Darauf muß die Masse I 4 Wochen auf Lager austrocknen und kann dann gei'au wie , natürliches Elfenbein geschnitten, gedreht und polirt werden. Bewährt sich diese Erfindung, so werden wir nächstenssehr große Schnitzarbeiten zus einem Stück Elfenbein erhalten lökinen, was sich bisher durch die be schränkte Grbße deI vorhandenen Roh Materials verbot. Im Mo dewa a renladen. Fremder: Nun habe ich auf Englisch, Französisch und Spanisch etwas verlangt, und Niemand bringt mir das Bewünschte. Und doch liest man draußen am Ladenfenster: . Hier werden fremde Sprachen gesprochen." Nun ja, eben haben Sie auch ja die sremden Sprachen gesprochen. Aber Bit verstehen es ja nicht! Das hat a auch Keiner behauptet.

Die Tugend der Vrsdhelt. ' ': ii: !., 1 t Von Rkbeit PiSdN. :

Welcher ehrlich denkende, ehrlich fühlende Mensch hätte, nicht schon oft-, mals unsere Zeit, die sich Wunder was aus ihre Cultur' und Politur einbildet, in Grund und Boden verwünscht. Diese allgemein geleckte und gelackte Welt,derenFirniS sich authentisch erwiet cm -... t f!-..r-s cuci 2Jinm viv aus im icuici, icu mit Tournüre, Frack, Cylinder (wohl auch mit Cylinder und Monocle), sowie mit faZscbenWaden anZaeltatteten Herrn Baron," dem Gigerl der Unterwelt err.. . .i . . t . r'. er li .'ii ?X nrear. .wer oalre0ieze Weil mu)i tgoii dorthin gewünscht, ' wo sie hingehört? Zum Teufel ? , Ja, zum Teufel, auf den Blocksberg mit allem Hexen- und Fratzenkram, allem Puppen-' und Mummenschanz, rv , " . , Ai :- --, . mir auem Byzantinismus, Äieranorlsmus und jedem sonstigen Ismus. Zum Henker mit allem Feigen, Falschrn und Faulen, , zumKuckuk Mit der Luge! ., , ;. So, donnerwettert e wohl in ent. rüsteten Gemütbern, wenn sie, keine andere Entladuna wissen für ihren Grimm gegen das Gräuliche, ihren Haß gegen j Ei JL JLk m m " Vi ? jCf j i1 uui? iyufjuuic , cujicv 4jicuityiuys;u möchte so ein Unzeberdiger, mit seiner Faust möchte er die Welt, zertrümmern, dieweil sich diese verfluchte Welt trotz alledem dabei in's Fäustchen lacht. ' .Wahrheit, Wahrheit!" so schallt der Schmerzenöschrei Abertausender, die.es nicht länger, aushalten in der schwefe ligen Stickluft, in dem nicht mehr blauen, nein, , dem gräulichen Dunst, mit dem Irrwahn, Feigheit und Trannei die Welt, verpestet. Wahrheit ! sk durchtönt es, die Lüfte .immer schriller, immer geller. ' ,, - Aber was ist es nun viel mit dn Wahrheit? Wahrheit ist bloßer objev tiver Thatbestand, weder Sachrnhalt. Wahrheit ist Methode, ist Logik, aber nicht Gesühl,, nicht Glaube? Die Wahrheit können wir nur', achten, zur Liebe aber reizt die Schönheit, selbst wenn sie Lüge ist. Wenn alles Thun und Rede Wahrheit, die ganze Wahrheit, nichts als die Wahrheit" wäre, so wie sie im Gerichtssaal verlangt wird, dann gabt es keinen Kampf um die Wahrheit mehr, und mit dem Kampfe, mit dem Strebe und Sehnen, dem Fürchten und Hoffen verlöre das Leben seinen Werth, seineu Inhalt. Wie sagt schon 'Lessing: . Böte mu Gott in der Rechten die Wahrheit im in der Linken das Streben nach Wahr heit, ich fiele ihm in die Linke und sagte: Gib mir das Streben nach Wahrheit, denn die ganze Wahrheit ist ja doch nu, für dich!" Und derselbe Lessing läßt an einer anderen Stelle in seinem Tell heim sagen: Dir bist ein Mensch, de bist du auch weiter viel," worauf der Wachtmeister entwertet: Aber einer, der auch Galle hat." Galle," wieder. holt Tellheim und gibt zu, ja, Gatte ist och das Beste, was der Mensch hat. Nein, wir brauchen neben der Wahr, beit den Muth, den Kampf.' den Ttofc für die Wahrheit, und ' solche Wahrheij mit Muth, Kampf und Trotz ist du Grobheit. Gleichwie ein Gewitter uw reines Gewürm und Gcdünst vertreibt und, niederschlägt, so vertreibt der Ausbruch der Grobheit kleinliche, bangliche, unreine, unfreie Gefühle, wie Furcht und Groll, Neid und Heuchelei. , Wenn auch nicht Jder, , der nie grsb ist,' zu heucheln braucht, derkenige, der t." v ,.v r sk " . uu.uct Htuy vz i;cuucu juiurncr. Grobheit ist Derbheit, . gesundheit. stroh'ende, gesundheittrotzende Kampfes lust- Rauflust.. Warum soll- ein Gei. stesriese nicht mit Geisteszwergen Kegel spielen dürfen wie die alten Enakssöhne mit den Philistern? Ein paar Beulen und Schrammen muß jeder vertragen können. ' Wer viel geprügelt wurde, lernt Andere prügeln, aber freilich nur solche, die sich prüzeln lassen. Und wer sich prügeln läßt, ohne selbst zu prügeln, der verdient seine Schläge, freilich zu Blut und Wenden darf's nicht kommen das wär nicht Grobheit, das wär' Ge ' '.. ' ri fM'f ' t "., ' ' - meinheit. Grobheit' und Gemeinbcit ilnd wie! Hundert und Eins. Die Grobheit sagt dem Belrosfenen ungenirt die, Wahrheit ins Gesicht, die Gemeinkeit thut es hin terrücks ; , die Grobheit spricht, d. h. schimpft und schlägt unüberlegt in der Hitze des Gesecht, in der Aufwallung. Gemeinheit beschimpft' meuchlings, mit Vorsatz. Die Gcmeinbeit freut sich des Kothes, von dem sie entstammt, und dahin sie den äußeren zerrt, oder, wo sie sich mit von ihr wohlverstandenen schö nen Seelen" findet. Die Grobheit weist' den Koth von sich inic1 wirft nur einen hin, wo er hinqehört. - ' -:S' 1 ; 1 Auch Rohheit ist nicht Grobheit. Die' Rohheit bewirst. erniedrigt absichtlich das Verdienstvolle, Würdige; die Grobheit bestrast die Anmasurnz; die Rohheit überfällt mit Vorliebe die Schwächeren; die Grobheit scheert' sich um nichts und bleibt selbst m liebsten iiix geschoren. Rohheit und Gemeinheit sind gezüchtet, rafsinirt; Grobheit ist urwüchsig, naiv, bieder und biderb. ' ' i l Die Grobheit ist. aber nicht blos eine Tugend, sondern auch ' eine Kunst. Grobheit ist Humor, Witz, Phantasie. Wie man vom echten Dichter sagt, daß er geboren wird, so kann man auch sagen : Groblanus nasctÜ5rjionS;fit.! Der Grobheit kann man nicht recht gram sein; wenn sie einen trifft oder betrifft, lacht man mit ihr, lacht über siMWeil der Wid gefällt, läßt tö4xKntf Schlag gefallen, während die Stichelei verwundete. , Grobheit istTemMMer! Selbstbesreiung und in der Befreiung besteht das Wesen des Humors. Wer erinnert sich hierbei nicht jener Anekdote von Kaiser , Alexander von Rußland, der einmal einen Akt wirklicher Wiener Grobheit kennen lernen wollte. Und als er zu diesem Zwecke k Fratschlerin vom chanU, die urwüchsige Wiener Höckerin srozzelte", (d. h. neckte), erhielk er von dem Zcibe jene Einladung, die bekanntlich der junge Göthe ,n seinem Gön von Berlichingen f V. Akt, sechstletzte Scene) literarisch hoffähig mach!? IV: .

Napoleon I., Bismarck 'und Luthez waren nicht blos im Thun, im Regieren und Reformircn Grobiane , der aüsgcsprochensten und sich aussprechendsten Art, sie waren es auch , in Worten. Was für ein grober und doch ganzer Kerl war der , Vater Friedrichs,, , des Großen! ,, . , Grobheit ist echt deutsche Empfindung echt,,, deutscher Ausdruck.,' Jm Deutschen lügt man, wenn man .hoftich,',ist. So pnsprZetN,,S auf dem Katheder., , ? Das Wort Schimps" bezeichnet eiaentlich Scherz oder Spott. ' Schimpft

spiel" heißt noch in Peter Squenz- ." ' '"'. . ' " ' 'L jt -!L " .'J 'J.L.aunser Lustzpiel. Das volle,,, unzeri Grodheit" genau ausdrückende Vors geht den, romanischen Völkern - so ab wie die Bezeichnung für Gemüth. , Da gegen besitzen wir kein deutsches Wort für Galanterie. ' Grobheit, Stachelbor. stigkeit ist die eigentliche, Urnatur des Teutschen, wie sie z. B. , Schiller in aZten Miller", Hebbel im Tischlermeister Anton" gezeichnet. ' -)t-' ; ... Ter Grobian ist in. der That ein, deutsche Ersindun g, wie daS Cchießpub ver und die Buchdruckerei. Sebastian Braut hat ihn für fein Narrenschiff" erfunden, .. , Friedrich Medeind schrie! zur selben Zeit, da zwei andere deutschi Nationalheilige . Faust , und Eulenspie' gel ihre Entstehung feierten, zu , EM des sechszehnten Jahrhunderts einer Grobianus". Demselben folgte , h Kürze eine Grobians. Der ,Schub meister ,,Easpar , Scheit, welcher bei Lehrer , Fischharts, M größten M gröbsten Humoristen Deutschlands, des Uebersetzers von Rabelais, war, Volksthümlichte den lateinischen Grobian, ar dem sich nur die Humanisten" ergotzer können, in einen Teutschen..- v.,.;t In jedem echten Dichter und:Zii solcher ist nur dex ursprünglich naive 7steckt ein Theil nur geweckt zu Werder brauchender göttlicher Grobheit. Welch Sturzfluthen von Schmpf und, Glimps theilen die Xenien aus, wie draftizch ,if: der junge Göthe, Schiller; sebstLes' sing und Herder verstanden sich auf du Kunst dieser' Tugend. , Von welch uw gezogener Grazie ist das junge Deutschland anno Laube-Gutzkow l . , . : -i Unter . den Philosophm thut ek Schopenhauer" allen anderen zuvor;' zum Preise hierfür lieben 'und loben ihn die von ihm am gröbsten behandelt ten Frauenzimmer" am meisten. Eii Prachtkerl von göttlicher Grobheit wai der in seiner Wissenschaft so feinfühlige Aesthetiker F. Th. Bischer und voi allem Johannes . Scherr. Auch vor Gottfried Kellers Grobheit haben wi, köstliche Perlen. Ueberhaupt verstehe; sich die Schweizer trefflich auf unsen Kunst. - Ebenbürtig den Deutschen zur Seit, stehen die unverwandten Engländer, voi Allem Shakespeare, dann Ehäucer ii ' seinen "Canterburj tales, BuUcr in seinem Hudibras", Swist im Gullu ver" u. f. w. Welch', ein Unterschied zwischen de, ehrlichen aber derben Art dieser obengenannten Dichter und den EavZarHistörchen eines Boccaccio, Poggi, Mac.' chiavelli oder gar der Königin von Navarra! Die Romanen scheinen überhaupt wenig Sinn sür Grobheit zu haben. Es sind lauter gewürzte raffinierte Sottifer und Betifen, die sie uns auftischen. Moliere hingegen ist öfters geradezu roh. dcrt eben, wo er nicht sein sein will. Ein Mittelding kennen die Romane nicht. Der einzige, der eine Ausnahme macht, ist Rabelais, aber dieser ist Gaulois, nicht Franoais. :'''-rfK 1 Den Orientalen scheint der Sinn sür Grobheit gleich wie sür Humor fast ganz abzugehen. Ihre Poesie, wie ihr Empsinden ist eben zumeist unfrei, sich selbst erniedrigend, und so fehlt - es an der Kraft, am Stolze frei aufflammenden Zornes und Fluches. 7" r.ci-:pm l!i;' Leider stehen uns nicht alle Spalten des vorliegenden Blattes zur'' Verfügung, so daß , wir hier keine vollständige Literaturgeschichte der Grobheit ,,- y-rtri 5V- 'ivdrr -p ' ::M s, geben , können, aber selbst wenn, uns dieseraüm''hierzil '''ü6pax:iti; V:v:f: . ' f KW-Vt'.-TT J'1' -! '; V'f 4 Ware zu klein. , Unter der zahlreichen ga Leserwelt bilden, ist die Hei .Heikes größere Mehrheit bisher ungeschrieben. Kfi' lp'U 'fti-ilW.W ':"LiCt.'''-r' :S! Eme hervorragende Stelle unter drezen mangelnden Werken , nähme unstreitig ein Eonversationslexikon sür Rohrspatzen" ein. Jedenfalls wäre dasselbe dickleibiger, als Knigge's Umgang mit Mschen rf?lö, Mm Tan andere Sanger und Sprecher von den genannten Rohrspatzen noch vieles lernen könneN, M unzweifelhas Der Brustton der Ueberzeugung, die Suade, der Athem besagter Helden des ForumS ist in der That bewunderns werth. Auch daß dieselben nie ein Blatt vor den Mund nehmen,' sondern , redenFwie AhneDdeH Schnabel ien ist, durzte manchem menschlichen Redels- und Rädelsführer als nachahmungSwürdiges Beispiel entgegenge hn Um 'werden?k2Z!'k : Mi X&iitks&i 7 ... !,,.,,:,:;;: t -: :!, .!';,:,,! t. i,; d!iu. c rsiiti, jtwai ;;;. im'i r T't H t'' :trYf"2r' " ri'" " " i',""s Sittliche En tr ustun g. MannI etwas früher anrichten ich gehe heute Abend in's TKaHrjZMFrau: ' Du 'roillstpi'Otfe Das Drama. xoti6xitui&jiiu0t .ffi5ÄSS3iftttS schriebenH'MKaMZ nugZzba"A,s üvcrijaitpi ö u g es ü t)r t röcrb cn; it iin tt Il t Ihr Männer, auch noch ohne uns Frauen , ,: t 'ii u Vmi't ii- M''''!j&fiä'4ifA'ls'P' -.fii:!!;!1'!:!:!:!!;' oxttnerjen!!. Ifjif itJljllllSi, ,, i; -j ;-fl.ij;i;S!;C I:.' --..fri : f - 'V :'!. :;! 'f IF Der große edaulc Student A. (in der Kneipe): Dabist Du ja wieder, Bunkmel! Du 'wolltest doch studiren Iheute Abend? Bummel: Hütte ich anch ernftlict) vörUallein in meiner BudK herrscht Z eine sibirische !?ülte, ich habe vergefsenAmir heizen zu lassen. Student A. : Das war ein famoser Gedanke von Dir! Wcr'die Empfindungen seiner Geliebten mit dem Verstände prüft, der verdient diese Empfindungen k'.! JÄW'. ji ;l 'i ri t,!l

Eine Unbekannte.

Für das .Wiener" Künstler-Dekame-rone" hat , Fräulein , Pospischil Ibof Wiener Burgtheater eine Skizze beigesteuert: Eine Unbekannte". Wir lassen sie hier nach einigen durch Rücksicht auf den Raum bedingten liürzun gen in ihrem Hauptinhalt folgen: Ich kann sie nicht vergessend . Eine echte Künstlerseele. ' entzückt für alles Schöne und Wahre! - Eine so.vor treffliche Künstlerin und doch so klanglos und' brodlos aus der Welt geschie den! Ihr Grab auf einem ländlichen KirchHofe, ganz vergessen und versunken, von keiner lieben Hand gepflegt und ge schmückt)' trägt nur ihren Täufnämen: Theresia. Schauspielerin. Geboren 1808, gestorben 1878." Ihren Zunamen kannte Niemand. Auf dem Theaterzettel hieß sie nur Frau Theresia"; und sür uns Alle war und blieb sie Die liebe Frau Therese." Als ich zu der Wandertruppe kam und Mrau,Tberese5 kennen lernte, war sie ein bald siebzigjähriges, siechendes Mütterchen, welches bei unserem Direk tor daS Gnadenbrod aß. Er kannte sie in ihren früheren Jahren, und trotzdem sie schlecht böhmisch sprach, da sie sich von ihrer Jugend auf nur in Deutschland aushielt und ihres Alters wegen nur in kleinen Rollen beschäftigt sein konnte, zahlte er ihr dennoch eine Monatsgage von zwanzig Gulden; sür das Sterben zu viel sür das Leben zu wenig!', , Ich muß gestehen, daß diese erste und vielleicht auch letzte aufrichtige Freundin in ' meinem Theaterlebcn einen unvcrlvschlichcn Eindruck aus meine künstlerische Ausbildung ausgeübt hat, sie mußte in der Jugend viel gelernt haben, denn sie kannte die ganze Weltliteratur, sprach vorzüglich englisch und französisch und bereiste die ganze alte und neue Welt. Und sie wußte so vieles aus ihrem sturmbewegtcn Leben zu erzählen! Wie es mir nur die Zeit erlaubte, lief ich zu meinem Mütterchen", so nannte ich sie, um mit ihr ein wenig plaudern zu können. Als die Gicht und der Marasmus sie auf daS Krankenlager warfen, eilte ich jeden Tag nach 'der Probe zu ihr, um sie'zn pflegen, ihr Arzneien zu holen und ihr das kärgliche Essen zu besorgen. Ihr Geist war gesund jung, frisch, strahlend, der Körper aber einem langsamen Siechthum verfallen. Zwei Aerzte aus dem Städtchen, wo wir unscren Musentempel aufgeschlagen hatten, babe ich consultirt, und beide gaber mir dieselbe Antwort : Helfen können wir nicht, aber vielleicht ein wenig erleichtern!" , Und so saß ich jeden Tag nin Jett; bei derO Mütierchön" udtrösteMst. Sie wußte aber ganz genau, daß es der Anfang vom Ende. sei,' und sagte mi, eines Tages traurig lächelnd: ;NU? keine Hoffnungen, mein Kind! Die sind im menschlichen Leben das' selbe, was in der Medicin das.Mor phium: es hilst nichts, es Mt nur du Schmerzen. Hoffnung ist das Mor Phiun für die Schigbrüchigen im menschlichen Ocean!" WD UEinesMäge chcn besonders ausgernuntert. Sie hatte eine schmerzlose Nacht gehabt," und ihr Auge strahlte in jugendlichem FeueU Ihr seid heute wohl, Mütterchen, nicht wahr?" waren meine ersten Worte, als ich mich auf ihr Bett!setzteÄT W ' ä In der That, ich fühle mich heute se leicht, so frisch, daß ich im Stande wäre, die Maria Stuart zu spielen," sagte sie lächelnd. .?vjfy mm ,. --k ; Ach, Mütterchen, wie würde ', das Publikum der alten, lieben Frau Therese klatschen! Aber aufrichtig gesagt. Mütterchen, als Sie vor Jahren Maria Stuart wirklich spielten, nannten Sie sich gewiß nicht Frau.Therese. Wollcr Sie mir denn, niemals Ihren wahren Namen, unter welchem Sie Ihre groß-' ten Triumphe gefeiert haben, verra-' thtn ?" feÄäiiißiiii'i!: 'It'," " ' ' : :,:'iiif'''i ; ? " i ,, ..,,",i.!,"-'''"',!-".,.,,,. ... Frau-TherHHeZgtea,,,Haupr? ihr Auge starrte eine Weile nachdenklich in die Luft, dann antwortete sie in ernstem, ruhigem Tone: Nein!" ' Ich schwieg. Nach einigen Minuter. tiefsten Stillschweigens begann sie zu sprechen. ; ?jffiFf ' 1 I? . f1' V1 ji ; ' Vt 4 4 Jß . . Für die jetzige Welt bin ich eini Null nenne mich also Therefe Null! U ebrigcns erinnere i ch mich nicht mehr aller, meiner Namen, deren ich mich in meinem Künstlerlcben bedient habe. Ich weiß nur, daß ich in Amerika eim mal Fräulein Andree", das andere Mal Fräulein Santen" oder auch Fräillein Rose" hieß, und daß ich in Deutschland R.dieH.SZanlmWDischer".' Wagner", " StctterSloDoft wil meine alten Hüte geändert 'habeMZ Aber aus welchem Grunde, Mut1 9rrf. 9 ,? lii;1 !'. WSMM:: mimv!m ffssy-x, "rchcnj;!1;i I;,.is;:!, iy ich,, :;i ;NQchfener welcher sie den heftigen Kampf, den ich deutlich aus ihren Zügen lesen konnte, kämpfte, enviderte sie fchniwljcSi,,,zfMeil,!MIhäßlichwar.! Ich wollte etwas einwenden, aber sie fiinW?oit .' ) '. 'Iliß. ;;; : ': 'f$f lillSaliiJaSä nicht, nicht wahr? Mein Kind, im Altek Ä'öß verschönert den Menschen! Ich wollte nicht, daß die Leute schon vorher, ehe sie mich spielen gesehen, sagen: Fräulein Fischer? Ah. die soll recht gut spielen. aber soll abschreckend häßlich sein!" Ich ! wollte nicht, daß sie es sagten; denn ich ; war damals jung, und trotz meiner ! Häßlichkeit blieb ich das Weib, welches Zimmer ein wenig selbstgefällig istK. Mein ' Kind, diese Schwäche in jungen Jahren . ist begreiflich und verzeihlich, und darum hieß ich in der anderen Stadt Fraulein tm ,!i'!!li! 11 Und Hat es Ihnen, liebes Mütterchen geuützt ? sragte ich schüchtern und leise. 1 Nicht im Mindesten, mein Kind !- antwortete sie mit wehmüthigtrauriger Stimme. Ich kam ich spielte ich

zesiel mein Talent und Tempera ment' trugen mich siegreich über dieses Hinderniß hinweg, aber ,D las doch den zweiten Tag zwischen den Zeilen der Zeiiuitgei? die für mich so unheimlich klingenden Worte: Schade, daß sie so haßlich ist!" Und dieje Worte haben schließlich meine Kunst und mein ganzes Leben verzifW Frau Thercse sprach die lehten. Worte-, in wehmüthigem Tone; in. ihren Augen erglänzten helle Thränen. Ach. die Schönheit ist nicht Alles mein Mütterchens antwortete ich, die Kunst steht hoher!" , Ja, die ilmt sieht höber dn hast Recht! Aber die dramatische Kunst, die ein Produkt alles Schönen ist; muß auch durch die Schönheit desKörpers aus der Bühne wirket Schönheit desGeistes uud Schönheit des K örpers sind die Haupt bedingungcn der reproduktiven drama tischen Kunst. Wo eines fehlt, ist keine Harmonie rnoglich. Klassische Rollen beanspruchen sür sich auch die ' klassische Schönheit des Gesichtes und 'der Gestalt! Ich besaß leider beides nicht und das Talent allein konnte mich n:ch! retten! In diesem ewigen Kampfe gegen diesen angeborenen Fehler erlahmt schließlich meine Kraft, so daß ich mich in meinem sünfund zwanzigsten Iah entschloß. Mutterrollen zn spielen." Aber in diesen Rollen Mütterchen, sagte ich zu ihr. um sie zu trösten, .sind Sie unübertrefflich gewesen 1" V Nicht schlecht," ' erwiderte sie mit dumpfer Stimme, aber doch nur miv telmäßig. Mir aber genügte es nicht; in einem Falle mittelmäßig zu fern,' wenn ich in einem anderen Großes leiste konnte. Tas Alles verbitterte mi, mein künstlerisches Leben in dem Maße, daß ich in keinem Engagement mehA aushalte konnte, von Stufe zu Stuf 'ank, ,,b!s ich an's Ende aller Tinge an gelangt bin und bei unserem Direktor das Gnadenbrot essen muß!" Sie schwieg. , Ihr Geist schien noch einmal ihr ganzes Leben, so voll an En ttäuschungen und EntbehrunZen,dlrrch zuleben ." J. ,. Inzwischen wurde es sinster in dem Stäbchen. Es war Zeit in das Thea. ter zu gehen. Ich näherte mich ihr, um mich von ihr zn. verabschieden; meine Hand berührte ihre Stirn sie war in Schweiß gebadet. Ich ?schrak.M, Jh Wangen waren gelb und ihre Augen glänzten unheimlich. .' ' ' "" ' ', ..-.. Z Ist Euch nicht wobl. mein Mütter chen?" fragte ich ängstlich. Nein! Mich überkam nur ein Schwäche, eine Schwäche, die mir ade wohlthut., Ter, Mensch , entrückt der irdischen Scholle und fühlt sich so leicht, als ob er ' Flügel hatte, hinauf gegen den Himmel zu schweben. Ge'h nu, in's Theater, mein Kind, und spiel ' die Lonise Ich will unterdessen jchla. fe:r.- rZP., ' Ich küßte sie; sie drückte mich m stil ler Umarmung an ihr Herz, sah mich lange, an und entließ, mich mit den Worten: Heute will ich gut und lange Wafenj"H?W5 J5d)' ewe in das Theater. ' Obschon ich damals noch keine Selbstkritik besaß, kann ich dreist behaupten, daß ich me mal so innerlich, , so wahr meine Rolle spielte als an diesem Abend. , Wirkliche, heiße Thränen weinte ich, denn ich dachte in csnem fort an das arme Mütterchen, welches ganz verlassen in ihrem armen si t r . . ff-.j.i. r s;!:" c:f:: c

iuocyen meueicyr langsam: ginuaro. Ein beängstigendes Gefühl bemächtigte sich meiner, und ich konnte nicht das Ende des Stückes abwarten. : w ., ! ' Auf einmal vernehme ich hinter den Coulissen (ich stand eben auf der Bühne und hatte gerade meine große Scene mit der Lady Milsort) em ; eifriges Gespräch und ein Hin und Herlaufen. Ganz mich vergessend, schleuderte ich in größter Hast die letzten Worte meiner großen Rede der Milsort zu und stürzt hinter die Coulissen mit dem vcrzweiZel ten Ausruf: v ,' ' V -' - aitf$ 'l'Sie ist - todt, nicht wahr? - , Mein Mütterchen ist todt?" . . ::- EiNö!lGrAbesstille'war die Antwort meiner N.' V'II VW " ii1 i -' Sie alle liebten i,die alte Therese' witlW und'lhr WsprhHlösMBaRtu müh. saNju Ende gespielt, und nach (dem UheaterNäbewir'MKMlleM sercm , Tirector aNdMSpltzeWihi Stäbchen. " j - 1:f ' ;f!: s i wf - Ut-'1mxtdl;ice stumm, kalt, mir schienj als schwebe eim Gloriole um ihr sanftes Antlitz.' W"l!! !! : :ihi-il k '!!kri! ,K,!!!',,,'!l!''!!i. '':- ' " . vHi,,i:i!!iv f r ?-,!5.:','Hi'" i Ein e. ,,d roll t g e S cen aus Pitis Leben hat einer seiner Secretäre so lesen wir in englischen Vlat tern der aettübalicfcrti.tf war heftig vom Podagra geplagt und lag,Ztt Ungeheizter Stube so hatte e5 sein Arzt vorg e schriebenHrm Bett, als'deM such erschien.,DnHnzog Z cö i frostig und ftülltc fil ba bic Untermallung sich in die Länge zog, in seinen Dlän!el.Ta,jM viel half, 1 legte er sich, wie das bei den breiten Betten der Engländer leicht möglich ist, , zu Pitt IriTS ;ctr:l "um ffi0ixmn: Beide M inister lagen nun neben einan ! .iirtea ilalttibcr Hne!'sichuHR Kn""Bccretärs7Her ,..', fiPwiMil' fc fänk&ttäüffif$ bald nach dem Tode feiner Frau mit deren Schwester ZerlobtWEinfBekannt önner'kangnWAnse ist, fragtihn ,HeilnehmeNd,uA wen h.fe denn trauere. , Für . meineW. Schwä'HVj qerin ! antwortet dnPverleueWiitW . !j,' :.;.,,. ii:i:y,:;::S:, l!,,q! : . J'-r . . ; ,.. ,!; . ,; ..iKiCyM WBMWiMZiZ -M&äM :, -: 54 -?SS? Väterlicher Rath. Moritzlcbcn wenn Tu Dich ' verheirathest, nimm Tir eine so reiche Frau, ? daß Du ssie auch' nehmen würdest, wenn sie die j häßlichste wäre und so schon soll sie ; sein, daß Du sie auch nehmen würdest ! wenn sie die ärmste wäre! '

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