Indiana Tribüne, Volume 14, Number 196, Indianapolis, Marion County, 5 April 1891 — Page 6

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'DaS'UlaA dcS EraSmuS. Die Mitglieder des Verein) für Münzkunde, hatten den immschait liehen Theil ihrer Sitzung beendet. Ein lebhastes Gespräch entspann sich an dem VRiT,i?imf firtSf KP W f. t. , s t y ä,t',3i v VV fc V an,.,.:' Mau unterhielt sich über Sammlungen von Alterthümern, ' und einer' der' Herren erwähntcdabci de wohlttingen den Naniens Holzbock. ; 'y Haben Sie ihn auch gekannt, den alten Holzbock in Frankfurt am Main?" rief Ser JustizrathKrugkr." " -" Freilich kannte ich ihn, ihn ' und' seine ! vortrefflichen Sammlungen," erwiderte jdev Angeredete, der Rentier Blume. jVp'fr ,,: ' . , Mir ist mit ihm einmal eine nnait genehme Geschichte xassirt,", fuhr Krüger fottSdfe ich Ihnen, meine Herren, so-, viel ich fWijjp noch nicht mitgetheilt hvlt. ji; ,,!,,,,, ,.,,,,, " " '!;:IiB . ;-. ! ,V i Die kleine Gesellschaft bat den Justizrath zu erzählen, und dieser begann: , Der Trieb," merkwürdige Alterthürner zu sammeln, regte sich schon srüh in mir. .Indessen wird es Ihnen wohl einleuchten, daß in meinen Studentenjähren und zur Zeit meiner hohen smatüujm Würden als Referendar und Assessor meine Sammlungen in sehr be scheidencm Nahmen bleiben mußten. Trotzdem war mein Interesse ein sehr reges, und so suchte ich denn aus einer R:ise. die mich durch Frankfurt führte, auch den seligen Holzback ans. Christlieb Holz bock,' Besstzer einer der fcer schlagenflen Physiognomien, die mir in memer juristischen Praxis vorgekommen, bewohnte ein altes großes HauS in einer abgelegenen Straße." . anj richtig, ich entsinne mich, im t erbrach der Rentier Blume, ich habe ihn dort auch besucht." Dieses Haus war von oben bis unten mit Cunositäten angefüll, die er Alte gleich einem Drachen hütete. Sein größer Stolz waren jedoch einige Unika. Gcräthe und Kleidungsstücke, die im Gebrauch historischer Berühmtheiten gestanden HatteyUdb!e . durch Dommente als unzweifelhaft echt bezeichnet wurden. So, befaß er einen Koller Oxenstierein Vaar Schuhe von Kant, eine Schillerlocke eine Mütze von Zkethen und andere Dinge mehr. Indem er mir dieselben 'vormie?, forschte er mich aus, ob ich auch etwa eine solche ver- ' triefte Möglichst mein eigen nenne. Durch einen glücklichen Zufall war ich Besitzer eier Sporen, mit denen einst der weiland Gcnerapsstmus Tilly seinen aul gekitzelt hatte. Als ich dem s:li -gen Christlieb Holzbock das Dokument beschrieb, das die Echtheit meines Be sitzsiücketz verbürgte, leuchteten seine scharfen Augen plötzlich auf; dann aber fuhr er ruhig fort, mir seine ttnika vorzuweisen. Und nun," sazte er endlich mit feierlicher Stimme, loerde ich Jhneu die Perle meiner Sammlung zeigen, ein Trinkglas, das der große Crasmus von Rotterdam im täglichen Gebrauch liatte." Er ließ mich das dazu gehörige Dokument ' lesen und reichte mir dann das Glas zur genauen Betrachtung. Ich erinnere mich desselben noch genau, es war ein grüner Römer mit weißen Buckeln." Ungaublich ! Ganz eigenthümlich V jpä in diesem Augenblick der Rentier ÄM7r-?nem Ausdrucke höchster Ver-wundcr-.'.::a. Dji Wllschast blickte erstaunt aus Im Unterbrechenden, dieser faßte sich jedoch nS rirf : Bitte, sahren Sie fort, Herr Justizrath!" Während ich nun das Glas von allen Seiten betrachte, erschallt plötzlich lnnter meinem Nucken ein entsetzliches Gcpolter. als ob eine Höllenmaschine explodire. Mit der Geberde des entsctz!ichsten Schreckens fährt oder knickt vielmehr Holzbock vor mir zusammen, und ich, von dem so Plötzlich Gehörten - und Erschauten jählings übermannt, lasse das Glas fallen, das auf dem Boden in Scherben zerbricht." ,, ' - Bester! inte? !"' unterbrach Blume, vor Spannung ; : ethemlos. Wieder blickten ihn die Andern erstaunt an. Und was war Zusammcngestünt?" fragt der alte Oberst von Bärenklau mit seiner ruhigen Stimme. CrT var nur ein " aufgethürmter Häufe alten Gerumpels", erwiderte der Justizrath. Doch nun hätten Sie Holzbock sehen sollen! Sein Jammer, seine Verzweiflung waren grenzenlos. Auch meine Verlegenheit" war ungeheuer, und höchst peinlich war mir der Gedanke, wie ich das kostbare, einzige Stück ersehen sollte. Endlich gelang es mir, den, verzweifelnden alten Mann zu beruhigen, allerdings erst, nachdem ich .mich christlich " verpflichtet, ihm als Sühne Tilln's Neitcrjporen nebst dem dazu gehörenden Dokument zu übersen'ttxu - Eö waNcin höchstAnangenehmet , Auswegs aber der einzig?, der mir übrig : blieb. Doch ich war damals noch jung, und tfittdfstt'Bs einiger Zeit den Verlust der geliebten Sporen zu vcrsckmcrzcn." O Fuche. schlaue? Fuchs! O Spitzlube liriefi ,in, diesem Augenblick der Rentier Blume, seinem ausfälligen Benehmen die II KCHrnsf feenW''iöprer. 5: Sie mich, 'Herr ' Justizrath, lzoreu Sie j ruck), meine , Herren ! Auch tet) bm m '';! , w. , "" J.fk'ffi! 'i J " 1' iiip früheren Jahren zu deni alten Chn,tUliebHolzboäl Nr.da,KGls des Erasmus gewiesen. auch ich bin durch das Gepolter und Holzbocks jähes ' Zusammenfahren erfchreckr worden, habe das Glaö fallen lassen uud.es zerbrechen seehll'C ' Und was hat er Ihnen abgenomi' ; ii'fi '' '" ' r-.j , ' i !; ' v 'w ! i rnrn,;cis Sühne ?f iragtc-etf JuiUS: ra:h bastig, indeß die Anderen gespannt aushorchten. , , k p,w ,Ä , t ' Ein paar kostbare Basen und Geld rbenrin,IefBlum7 Daö ist stark! Ein solcker geriebener Bursche!" riefen die Anwesenden durcheinander. !!, Gctt habe ih:r i selig, den alten Gauner, ele? das geht über das Mögliche." ff'lvI 1

rrnoen Tnch?, der auzze? einer Anzahl von seltenen Münzen mit verschiedenen iStmUignJbttmuhnitÜviexiptd

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Meine Herren 1 Mterbräch stdt die ruhige, tiefe Stimme 'des, Obersten von Bärenklau das allgemeine Gewirr. Auch ich besuchte als Lieutenant den guten Vater Holzbock,. auch hinter mir hat es gepoltert und gerasselt, auch vor mir ist der selige Lum gleich einem Taschenmesser zusammengefahren. Ich hielt jedoch das Glas fest, sah mich genau umund 'bemerkte, dag von dem Standpunkte 1 des lieben Mannes zu jenem Gerumpel eine Schnur, die Wand entlang führte. Ich konnte 1 mir diesen sinnreichen Mechanismus' damals ' nicht erküren, jetzt aber sehe ich ein wozu er diente- ' 7"v; ;f,v Nämlich zu einem famosen Knalleffekt,? ergänzte der Justizrath lachend. i ' '. im' ', ' m ' ' " j,Nlte Leute vom Theater - , -: :- ' -( imt; :Mt:-.i V "j! nannte sich ein in Form einer Ansprache gehaltener Prolog von Alfred Frecherrn von Berger, aesprochen von der Gattin des Verfassers, Frau Stella Hohenselö. in der' züngst im Josefstädter Theater in Wien von den k. k. Hofburgschauspielern rcranstalteten ?at!nec zum Besten der Pensions lasse der Genossenschast .deutscher Bühnenangehoriger". Der vom Hofschäuspieler Thiminz der Deutschen Bühnmgenosjenschafl" über-, mittelte Prolog lautet emfach und ruhrend : Meine verehrten Damen und Herren! Wenn ich hier vor Ihnen erscheine, um zu Ihnen zu sprechen, so geschieht es in hannloser Llbsicht. Ich bewerbe mich um kein Reichsraths-Mandat, ich will keine Eandidatenrede halten; vom Theater will ich Ihnen erzählen, und zwar nicht von gefeierten Bühnew größen, die in der Vollkraft ihres Schaffens stehen, und vom Glück verwöhnt, dem Ruhm verklärt sind; ueln. von den Alten, Vergessenen von den Invaliden im friedlichen Heer der heitcren Nun? will ich sprechen. Alte Leute vom Theater! Was schliß ßen diese vier Worte in sich an Gram und Noth! Diese Armen sind mit, den Vöglein im Winter zu vergleichen und wem thun sie nicht leid, die kleinen gesiederten Sänger des Waldes? Mühsam picken . sie ; ihre kümmerliche Nahrung aus dem hart gefrorenen Schnee, ängstlich flattern sie vor den Fenstenr guter Leute und bitten zwitschernd um ein Krümlein Brot als Lohn für ihre lustigen Frühlingslieder. Wenn ich solche hungernde und frierende Vöglein sehe, da gedenk' ich oft mit tiefem Mitleid jener Aermsten unter den Armen, der alten Leute vom Theater. Ja, warum habt ihr nicht für das Alter vorgesorzt, als es noch Zeit war, als euch noch das Glück freundlich zu Kichelte? Aber da dachtet ihr, so wird's fortgeben in alle Ewigkeit, bis auf einmal die gelben Blätter sanken und die weißen Flocken sielen, bis die Jugend und die Kraft fort war auf Nimmerwiedersehen. Selbstverschuldetes Unglück! Durch Thorheit und Leichtsinn, sagen dann wohl die verständigen, nüchternen Leute und zucken die Achseln. Grausame Worte! Aus Klugheit und Vorbedacht wird man vielleicht Rechnungsrath oder sonst etwas Nützliches, aber, Schauspieler, Künstler nimmermehr. Ein echter Theatermenzch Hort me ganz auf, Kind Zu sein. Ja, das gehört zu seinem Wesen, zu feinem Beruf. . . Ein sonniges Lächeln sag auf dcm strengen Antli der Natur, als sie die Minder der ür.c schuf. Sie hatte schon eine stattliche Schaät von Gefchöpjen vollendet, mt für die Amlich' seit bestimmt löZlön, und sie trcjMÄ i:lU ilf-T 1 . C CTT - i quijigicucii uiiu Usse llllsgcruer, um einander zu bekämpfen und sich wohl auch das Leben wechselseitig nach Kräf !en zu verbittern. Da siel es ihr ein, r M . . m . aucy emmal zur vwccyemng cenzcyen tu schassen, eren Zweck es ist, alle ihre Mitmenschen die Theatcrdirectoren zuenlalls auSaenommen zu erireuen und zu erheitern. Da erschuf sie denn ans. Ob der Natur ihre freundliche Absicht ganz gelungen ist, können wir licht beurtheilen, aber sie machte uus so. wie sie uns zu solchem Zwecke machen Ziußte Der schöne Schein, die holde Tauschung ist unser Element; was die anderen Menschen wirklich sind, das spielen wir ihnen vor, was für die anderen Spiel ist, Zerstreuung und Erholung, das ist unser, Ernst, unsere Pflicht, un sere Arbeit. Und ist es aüch Arbeit, echte Arbeit? Q gewiß, aber auch Freude zugleich; Arbeit,, geschmückt mit allen Reizen, mit allen: Zauber des Spiels. Das künstlerische Talent ist jenen Gaöen zu vergleichen, mit welchem gütige Feen erlesene Sterbliche beschenken, mit Fortunats Geldbeutel,' mit dem Tischlein deck' dich" des Märchens. Es sieht so aus, als ob ? ein beliebter Künstler das ' Geld nur so aus dein Aermel schüttle. Er braucht nur zu sich selber zu sagen: Eslein streck' dich", und das blanke, schöne Geld liegt vor ihin. Ja, so , sieht's aus, es ist aber doch nicht zanz so, das können Sie mir glauben. Aber immerhin, nehmen wir an. es Vär'. so. ,, Was . meinen Sie? Wird :ln Mann, der Fortunat's Wundersackel besitzt, im Reichthum sterben? . Ich glaube nicht. , Fragen Sie nur das Lärchen, das weiß darüber Bescheid. Er sündigt auf die Wunderkraft des Beutels, schüttelt ihn, , wenn - er Geld braucht, lebt fröhlich in , den Tag und Denkt ? Was soll ich sparen Und sammelt ich habe ja meinen Säckel, der nie vcrsiegt!. Ja. freilich versiegt er nicht, aber 'in M schönen Morgens ist , der ganze Säckel weg. die Jugend, die fortgeflogen ist, bat ihn mitgenommen. Und nun zeht's ' bergab, immer rascher und rascher; die Sorge kommt herangeschlichen, sie das ' Herz h stumpf macht und die Haare grau, und nun heißt es sich bücken and demüthig daneben stehen, überflüsslg werden, vergessen werden, und d och 'eine Ruhe finden, kcin Nest haben, um sich darin zu verkriechen und den letzten Schlummer zu erwarten. Ja, so geht'S sen alten Leuten vom Theater! Und was haben diese Armen verbro

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chen? Sie. haben -dafür gelebt, ihre Mitmenschen Freude machen, den Tausenden, die müde vom Tagwerk zu ihnen kamen, die Sorgen ' weqzuscherzen oder Herz und Geist zu - erhebem i ' : , Und ihr eigener, Lebensabend sollnuu so trüb und traurig sein? Nein! Darum haben wir uns zu einem Bunde zusammengethan. der den Theaterleuten, wenn sie müde und lUntüchtlg : geworden Znd, ein sorgenfreies Alter sichert. Aber allein, können wir nichts macheM i c Auch Sie müssen mithelfen,:meinez,,verehrten Damen und Herren. Der Säckel Fortunat's, der nicht -verloren gehen kann, das ist Ihr gute), warmfühlendes Herz man braucht nur daranzurühren, so m . Jr n Hingt uns gianzr oas neue Vviv. , un ,.. mk 1 IVilu , ui .4u yviiv 1 Mv vyv4v? Hilfe gelingen, daß mit der Zeit zum Märchen werde die nur allzu wahre und allzu traurige Geschichte, betitelt: Alte Leute .vom Theater! : iv öftres fraui In Karl I. Trübners ' Verlag zu Straßbnrg sind jetzt ' eine Sammlung Briefe von Goethes Frau, an Nicolaus Meyer ' erschienen, welche Johann Lötr in der Straßb. Post" bespricht.'. Christiane Vulpius war eine herrliche Mä chengestalt, mit blonden Locken, . blauen Augen, ' ' vollen Lippen und Wangen. Sie war Goethe schon einmal' aufgefal. len, . als' sie die galante Anrede eines vornehmen Herrn Wiit ' gesunder Terbheit 'abgewiesen 'hatte. Jetzt 'Äahte sie dem Geheimrath Goethe mit einer Bittm , r ,i i . , ii . f ;i' i '. ij, ' 1 ' tchnlt. . " "" ; : -s ' ; Christiane Vulpius, am 6. Juni 1764 geboren war die Tochter eines Weimarer Archivars. - Früh: verlor sie die Mutter; reif geworden, trennte sie sich von ihrem leichtsinnigen Vater und erwarb i ihren Unterhalt mit Blilmew machen. Ihr Ruf war makellos. ; Frau v. Stein, , die andexerAnsioZt toaty dürfte als Rivalin keine beweiskräftige Zeugin sein. Die schöne Bittstellerin fesselte, Goethe. , Er .begann , mit Christiane ein häusliches und wirthschastliches'Zusammenleben. m --ä; . .: Z Riemer sagt in seinen Mittheilungen über Goethes: Goethe's Lausbahn und stattSburgerliche. Verhältnisseerlaubten oder begünstigten eine Verbindung nicht, wie gewöhnliche Menschen sie gleich beim Antritt eines Amtes in. Aussicht stellen. Goethe hätte mehr -als sein halbes' Dasein "ohne das Glück eines hauslich geselligen Zustandes hingebracht, dessen Innigkeit er,. schon früh empfunden, wenn er , sich nach einem thcilnehmenden Wesen umsah und es in einer Person fand, die geeignet war, sowohl , für seinen Haushalt zu sorgen, als " durch anspruchslose (1 und naive Munterkeit seine durch Unbilden ,.des Lebens wie der Menschen getrübte Laune zu : erheitern, deu Mißmuth "zu, verscheuchen ' und durch Abnahme widerlichcr Sorgen ihm die völlige' Widmung an - Kunst Unb Äissenschäft ''Zuttleüh' an ,r S' - ';:.u , - Goethe ; schätzte und' 'liebte wirklich Christiane; 'er ' rühmte,' sein Hauswesen drehte sich still um seine Achse und lasse nichts zu wünschen übrig. 739 gebar ihm Ehristiane einen Sohn,1Llugust. ' 4 - ;! .-- Das 'Verhältnis; Goetdei ;ul Gnnstiane Vulvius dürfen :wir nicht nack dem heutigen Sittenkodex, ' der euch t2f '-" t.-.:-it. uuiiu; ycuuauuicj caii;uii, ji'cuuyci iciii Damals herrschte eine andere Anschauünasweise wie beute.' den, Wer-! hältniß Goethes zu Frau v. Stein hatte die : Gesellschaft nichts Befremdendes gcsnnd?Zr. ' Zie vornehme Welt, Frau v. öteins Mann selbst, vermittelte den Briefwechsel- . Als' sich Goethe - der rr " .'' . : t ''i -. . "l! 1!. " . r' ÄUipms zuwansle, wuroe . rau v. Stein aufrichtig bedauert man kondo1lti "it. J.t .flX'W 'ui'S-' ä ,:'v u ; JU' u litte ihr formlich. . . , , , . , f S Will man zu Gericht sitzen, so wird das! freie Mädchen . doch entschuldbarer' seinj als die Frau, 1 die kein Recht über L. u, , V W Ii:- !"ä;' "3. ! 1 U ,, '..77 !E ' ' I. I I. .'' Uch hatte. DieMlgen welche in Bnefcn und Konventikeln das , .u'ammenleben Göcthc'S mit Christiane glossirten landen die pelzen und Gbtranke, die sie sich von Christiane Vulpius in GoetheS Heim ' vorfetzen ließen, nicht , weniger schmackhaft ' und annehmbar,' als wenn sie die lezitimste und anuebmbarste 5?rau ?rGV?Wt,DMGrHh,rjgi.k mae oeuriyenre oie, ervlnoung vom rcini menschlichen Standpunkt.' ' Herder und t btfien ' Gattin dachten . nachsichtig darüber. Der , Herzog blieb , in seiner Gesinnung, gegen Goethe , unverändert und j wurde .sogar Pathe von Goethes und - Christianens Sohn, den '. Herder s,7 i ) i ' f li 1;'i.":; JilM W'i 4 ' l ,, f, . ji, .y Nach der Schlacht bei Jena 1800 wurde Weimar von den Franzosen geplündert und Goethe in seinem SchlafZimmer von ' französischen Soldaten bedroht. Christiane brachte Hilfe herbei, welche Goethe von den Wüthenden besreite.: . Marschall Ney war bei Goethe :inquartiert. Trotz dzZ Aufwandes an Lebensmitteln,', welchen ; die Soldaten, Ney ! und ldessen 'bVrkchwenderifche,,Köche verursachten, hielt Christiana , doch ihr Hans Wesen so beisammen, daß sie Bedürstigen noch aushclsen konnte. Goethe hatte den Gedanken schon länger erwozen, isein Verhä limß mit Christiane zn lezitimiren. ' -irr i. ;"i,iv 'U". Tl ri.". t W'rf ' .'P'S:;!3;''!!'!')8 r Die Schreckenstage von 1800 ließen bcn Entschluß reifen. Am 10. Oktober 1S0G fuhr Goethe mit Christiane und )e:n Sohne .nnd' Riemer als Zeugen aach der Schloßkirche und ließ sich von oberkönsistMalrathßG Jetzt versuchte Goethe auch, seine Frau n .die Ge;cllschast einzuführen. Zu mauernden guten Beziehungen kam es über ? nicht. Nach dem Tode seiner Nuttcr 180? gab Goethe einen neuen Veweisl seine Vertrauens in die Fähig.eiten und den Takt seiner , Christiane. Er schickte sie nach Frankfurt, um die rbschastssach: möglichst glatt und obcl" zu regeln. Glatt und nobel be'.rüg sich Christiane, die sich hierbei geviy verrathen hätte, wenn Gemeines in chrem Wesen gewesen wäre. Ein dunkles Blatt in Goethes GeSchichte ist das Leben seines Sohnes Zlugust. ES war ein schöner Kna'bk,

,V- . .,;, :!;:. "" -ifc:'.3-1 li--r--ii--:' an' dcni Goethes Herz mit ganzer Liebe hing. Aber schon im .19. Lebensjahre wurde August hektisch und ein Hang zu Ausschweifungen' trat hinzu. ' Die Feinde Christianens gabm der Mutter die I Schuld. Frau von Stein schrieb einmal über Goethes, Sohn: Neulich hat er in einem Club von der Klasse seiner Mutter 17 Gläser Champagnerwein getrunken." Christiane war aber ihrem Sohne .eine trcubesorgte Mutter und gabIeincm Herzen von ißrcr Güte iind harmlose " Frohnatur , unzweifelhaft mehrm als viele gebildete, uervösc, im Kampf ums Dasein müde und herb gewordenen' Frauen in Ihrem Kreise, es vermögen Goethe liebte seinen Sohn zärtlich, unterhielt sich bildend mit rhm und gab ihm in Riemer einen trefflichen Lehrer. Aber kein Einfluß war wirksam gegen eine Naturanlage.wie' sie hier zur Kalastrophz, führte. , :yi . I Goethe hoffte, durch eine Heirath den Neigungen" seines SohneS heilsame Schränken zu setzen und verband ihn mit der schönen und gebildeten Baronin Ottilie Pogivitsch. Beide lebten anfangs glücklich; .aber mit. dem Reiz der Neuheit war auch das junge Glück dahin und August betrat wieder die alte Bahn. Auf einer Reise in Italien 1830 ging er ' .leise - zum Orkus" hinab. Ottilie blieb die treue Gefährtin Goethes, seiue Hand in dcr ihrigen hauchte er scmen Geist aus." ' ' ! "'. " ' ;i ' !i '' : ..',: ' t . f. i n ITctö metrische System. I Zu den Dingen, für welche wir der französischen' Reoolütion entschieden zu großem Dank verpflichtet sind, gehört vor allem die Schaffung' des' metrischen Systems.' Unsere Vorahnen, welche sich in vielen Dingen findig und praktisch eriviesen Habens zeigten eine geradezu erstaunliche Unbeholsenheit, sobald es sich um Messungen irgend welcher Art handelte. D:eNatur hat dieLiebensMürbigkeit gehabt, unsere Hände mit zehn Fingern zu versehen sie hätte uns ebenso gut acht geben können, wie dem Frosch, und diesem Umstände ist es zu verdanken, daß unser Zahlensystem ein Decimalfystcm ist. Auch die 'Jndianer zählen nach Händen", ' und nur bei einigen Stämmen sindct sich ein Anfang zum ' Vigesimalsustcm durch Mitbenutzung der Fußzehen. 'Was wäre nun natürlicher gewesen, als auch Maße und Gewichte auf dreimaler Grundlage einzutheilen ? Dies ist aber niemals ge schehen und zwar wahrscheinlich deshalb, weil fcje Schaffung von Maßeinheiten mit den Anfangen der Astronomie zufammenfällt. Der Mond übt, Störungen auf die rationelle Entwicklung unseres Maßsystems und seine zwölf Mal im Jahre wiederholten Wanderungen bewirkten die Einjührung eines Duoöecimalsystems. Bald ward auch dieses nicht mehr streng eingehalten; so sehen wir ailmählig in' allen Ländern geradezzl abenteuerliche Gewichts- und Mäßeintheiliingen entstehen, welche, bei dem Mangel irgend welcher Normalgroßen, nun 'noch - von ' gewissenlosen Menschen in selbstsüchtiger Absicht vep stümmelt werden. ' . ,ii Jedes Städtchen hatte sein Gewichtchen,, Mäßchen und Münzchen, und eine heillose Com'usion war die Folge dieser schönen Zustände.' . Die - Obrigkeiten führten dabei einen beständigen Kampf gegcll Gkwich!sfal;che? und Munzbe schncider, denn Unwesen sie durch haufige Reguliruuz der ' Maßein heilen 'zu steuern suchten. Dabet lvard oft das , erste beste Gewicht ober Maß als Normalcinhcit ' angenommen. ' so daß anch der l gleiche Ort ; zu verschiedenen Zeiten verschiedene Maße' und Gewichte bef " ! , " -r- , , f i : "': -m i . r an . . . . eliermn lnrcyrci oas lecynischel Fachblatt Prometheus", das Rechnen . nach Dutzenden werde unsere Generation so wenig los werden, wie unsere bisherige unzweckmäßige" und nicht ' nigrische Zeitcin?heilung ; nach Stunden, Minuten und Sekunden Ein Gleiches gelte ' von der Theilung des Kreises in Grade, Minuten und Sckunden. ' fc:.:vii-ii.3-' ' -s ;;-;:' i: ' ' ,.v: : '7ZjDagegcn haben wir ' inr täglichen Handel ünd Wandel noch einige antediluvianische Errichtungen, gegen die das Publikum unter kräftigster Beihilfe der Behörden Front machen - sollt c W er denkt nicht mit stillem Grauen an die Mandel ünd LSchock des Lebensmit-' telverkehrs, welche eben so leicht aus der Welt zu schaffen wären, wie die einst so beliebten Maß" und. Schoppen", welche heute nur noch dem Namen nach existiren, in Wirklichkeit aber dem ' metrischen Systeme ? eingeordnet worden und. Ein anderer abscheulicher und zu laglichen' Betrügereien' führender Gebrauch ist' die Anwendung von Hohlmaßen auf Tinge.die gar nicht gemessen werden können. Es mag allenfalls noch angehen, wenn Getreide, Bohnen, Erbfen nach Kubikmetern gemessen !verden, obschon auch in diesem Falle ein Mißstand vorliegt.'da das spezifische Gewicht solcher Waaren " schwankt. ! Aber geradezn verblüffen) ist es, wenn wir sehen, daß der LcbensmittelKleinhandel Aepscl, Birnen, Nüste.' Nübcn u. dgl. nach Litern mißt!. Hier ist' schrankenloser Willkür des Verkäufers Thür und Thor geöffnet. Ein großer Apfel füllt ein Litermaß so aus, daß kein zweiter Apfel Platz hat.' - Ist der Verkäufer gut gelaunt, so baut er auf das Litermaß mit dem ! einen :iHpss;ito-:öbersnfeere; Aepfel auf, ist er verstimmt so läßt er dies bleiben. Ein Liter kann also ebensowohl aus 6 , Acpfeln als , aus einem einzigen bestehen. Und ebenso geht es "'.?' '' "'ii ' . !" . " ' ' iHIW' ''"" V f " W" l:'" mit allen anderen Dingen, welche gemessen werden, anstatt, wie es einzig richtig wäre.der Eewichtsbestimmung zu unterliegen. " 'lkt !i: N i ch r! l o hnend. - Junges Mädchen: Jetzt könnte dock der Frühling schon kommen. Freundin: Ja, das wäre wegen Deines i einfachen StraßenkleideS wird er auch gerade kommen ! AMSÄ? I k Scherz frage. Wie alt muß der Mohr sein, wenn er seine Schuldigkeit gethan hat?" Ein Jahr dann kann er gehen!" '

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-i:-Mi!li.-' n 'i'nH f .;, -V ,.:!; Die armen Äeichcn. .'? . :,i..s I,;: :'' ..ii " .'.,- " . j :, t i ' i, . . 'ToäLwiß HAdichi' .1 'i l '? '( r ,! :;;,r,:; :''m 't ,! Wenn wir von Leuten chörcn, die im Besitze vieler Millionen sind, dann kann sich wohl der Beste von uns kaum einer kleinen Anwandlung von Neid ? erwehren Es scheint ja geradezu ganz niederlrächtig vom Schicksal, daß der Eine in ' seinem schnöden Mammon beinahe erstickt und gar nicht weiß, was er damit anfangen, soll , während wir ' anderen Sterblichen, uns" mühselig durch das Lkben schlagen uud , oft recht , hart kämpfen müssen, um r uns oben zu erhalten. Ist nnn der Bezitz eines' ungeheuren V ermögens wirklich ein so großes Glück, oder schon eine schwere Last? -Strecken nicht diese Millionen ihre Polypen arme nach dem armen Opfer aus um eö zu erdrücken und ihm allen Genuß am Dasein zu rauben ? , Der Unselige hat ja nichts weiter zu thun als seinen Schatz ängstlich zu hüten, und das kann er nur, wenn er ihn zu vermehren sucht, , denn jeder Stillstands heißt k schon, in Unseren Zeiten .Rückichritt. k Alle irdische Habe ist.,, jetzt ftüsfig; was , heute noch einen glänzenden Besitze eine ungeheureSumme darstellt, kann .morgen .schon beinahe werthlos sein und umgekehrt. In welchen Papieren soll der Unglückliche sein Vermögen anlegen ?' Wo, ist die Sicherheit,, die ihn vor enlpfindlichen Verlusten schützt? wo ,der ehrliche Mann, dem er die. Verwaltung ' seiner ! Geldgeschäfte anvertrauen kann?! oder ist er genöthigt, dies selbst zu thun? Nun, im letzteren.. Falle bleibt dem Aermsten nicht eine ruhige Stunde. . , - . - ', In dem Anhäufen eines großen Per-, mögens gibt es. keinen Stillstand, kein Ausruhen:,, diese anspruchsvollen Millionen treiben ihre , armen Besitzer unaufhaltsam vorwärts, um neue Millionen.zu erwerben und damit die -Lasten auf. den Schultern dieser Unglücklichen immer. . schwerer und , erdrückende?' zu Mache. nrr,m l 'l. ' y ;!.:, Man rede , von Mangel - und ,Mnalück, wenn die. welche aenua besitzen, es nicht brauchen können." Dies Goethe-, wort bleibt, eine Neze, unerschütterliche Wahrheit, und wer dies, beherzigt, dem erscheinen alle noch so großen ä Unter?. jr.C'. ' " ' " -' m i uizot ,m äußern iczly ausgeguaM. Solange wir zchen, da;z d:eje Unglücklichen Schätze über - Schätze aufhäufen und über dieser Jagd nicht zu einer rulzigen, frohen Stunde kommen, so lange sind -diese armen Meichen nicht zu beneiden, so lange führen ,sie uur.ein müde hetzendes, Herz und Geist verödendes Dasein. Darüber können wir uns doch Alle nicht, täuschen z schließlich besteht das Gluck emes Menschen, wie eines ganzen x ' "'', 1 i (.'" n ' e (L iaaies uicyr im Ätticylynm, i onoern im Gebrauch des, Reichthums, und nicht in seinem kausuiännischen, . , sondern seinem moralischen Werth. , , . Je reicher ein Mensch wird, je armer wird seine Phantasie, die Wirklichkeit erschöpft Alles, und hinwiederum müßten die Phantasielosen zu,, ihrem. Glück reich. sein; oder es, werden, wenn . ' sie vom Leben, nur das , Geringste haben m:;y i-: Giuseppe Giüsti hat dieZ Zigeuner qlück bcsuiiaci!,' dal xti&itma&i&l&hZi r -, 1 - JL '.-' - -I Schatze. eines Kroms: "- ' ,:, i -- : ;, -In diesem prahlerischen ' ' - ' ' -Borsenjahrhundert - Das Hehl und heuchlerisch ' j Den Schein bewundert, -'' . - " Dies bolde cimischc - Jugendbehagen, - -; - , ' " ' Lachend umherzugehen ' ' v ; - . ; ; M it leerem Mageik- '' -; ' :; ' " Ach. die meisten Mnschen'Ind o bettelarm s , aber .sie wissen es nicht einmal, ,'und die,, Nothleidenden, des. Herzens !uud des Geistes, sind am übelsten dran, denn in, ihrem Innern gähnt eine trostlose Leere, die, nichts,, auszufüllen vermag, und am wenigsten das V e-, wußtsein, 'über irdische Schätze gebieten zu können, denn wo ist hier die Grenze? Wer eine Million besitzt, tragt das, heiße Verlangen eine zweiteMillion dazu zu erwerben, darauf hin geht all sein Sinnen und Denken, sein rastloses Streben und Ringen, und erst nach Erreich ung dieses neuen -Zieles träumt er davon, seinen Reichthum zu genießen; aber diese Stunde' des Ausruhens, ,de5 behaglichen Genusses kommt nie ; immer, wieder wird der Unersättliche weiter gehetzt um endlich inmitten der wilden Jag) elend zusammenzubrechen und zu spät zu erfahren, daß es doch nurPhantome waren, denen' man mit Anspännung aller Kräfte und mit dem Verluste seines inneren Glückes nachjagen mußte. ; Tie Liebe ZUM Gelde scheint bei manchen Menschen ein. so tiefer und ?M türlicher Instinkt zu sein wie nur die Liebe .: jedes mütterlichen Wesens zu seinem Neugeborenen: aber diese ..Affen- ! liebes nst die - gefährlichste von allen sie' tödtet in dem Aermsten alle ? ? besseren Empfindungen und macht chn zum elen ''', . .J- , ryr ' ' f j -t Üiv Wüs;tcn die Reichen wirklich aus ihren erworbenen cder ihnen vom Glück zugeworfenen 1 Schätzen einen wahren und tief bejricdigenden Genuß zu ziehen,' dann erst wäre es sür uns Alle ZeiKüns überdieM Austheilung irdischer Güter, zn Hellagen; aber so lange diese armen Reichen nichts weiter können, als ihren Reichthum mit allen Sinnen krampfhaft festzuhalten oder im hirnlosesten Luxus mit ihrem Vermögen zu prunken, so lange brauchen wir Andern uns nicht als die Enterbten des Schicksals zu fühlen. Es giebt nur zwei große Uebel Krankleit und Dummheit. und nur zwei unschätzbare Güter innerer , Reichthum, Frieden ' des ' HerzenSkMAMM ! Die jetzt so leidenschaftlich erregten und künstlich aufgestachelten Gemüther werden nicht eher zur Ruhe kommen, als bis sie die Einsicht gewinnen, daß im Reichthum, im Wohlleben weder das Glück zu suchen, noch zu finden ist. daß man früher in den bescheidensten VerHältnissen viel glücklicher war, weil mau sich l ruhiger Zufriedenheit erfreute und

den ttaven , jenes Acammons, oen zu besitzen und zu vergrößern all sein Sinnen und Denken in Anipruch nahm.'

, ';!: 'imiiiiii. : 'li'HIhh'llj: 'Hllül - fiM- ,iiE':i" '1l"'l' J$s. nicht mit verttbrendem Neide auf dieie nigen sah, die vom Schicksal mit äußere? ! fAuipTYt ' rti2ftCfft4f Vnnrrt itnri W . . itb.V UHIJV iutv ww die vielleicht nichts weiter besaßen, als .?.. v .'. c ."',. " f 4 . . .?r... 1 oiezen elenoen, oas izzemuiy ieer ianenden Mammon. Ein schlichter Arbetter, der in dem stillen Banne eines friedlichen Familienlebens seine Tage verbringt, führt ein beneideuswertheres Dasein, als der arme Reiche, der von seinen Schätzen keinen Gebrauch zu machen weiß, und der vielleicht die uner schütterliche Gesundheit des Armen mit dem größten Theile seines Vermögens eintauschen möchte. I Nicht der i Normalarbeitstag wird dem Arbeiter das ertränmte Eldorado bringen, sondern die Rückkehr zu jener ruhigen Anschauung, daß wahres Glück überall zu finden, und am reinsten und sonnigsten oft in der niederen Hütte.und nicht im glänzenden Palast. ' Wer es den Beaünstiaten des Schick.sals gleich thun will an Prunk, an leioenschastllchem, üppigem Lebensge nuß, der greift nach Phantomen, der verzehrt sich selbst. Noch gibt , es unvergängliche Güter, die Jeder erwerben kann, und die gerade in unseren Tagen Allen zugänglicher geworden sind als je ; Wissen, Kenntnisse, ein unersättlicher Bildung s:rieb, ' und wenn dieser Gedanke erst in der Masse geweckt, anstatt daß sie zu den tollsten Wünschen und Hoffnungen aufgestachelt wird, die sich doch nie verwirklichen 5 lassen, dann erst wird eine neue, schönere Zeit heranfdämmern, dann wird man allgemein die ruhige und beruhigende Ueberzeugung gewinnen daß nicht die armen Reicheu", sondern die reichen Armen" das beneidenswertheste, gottbegnadetpe Dasein fübrni. , ' Der Roman einer Sängerin. ! SieHatten bis bor ungefähr zwei Jahren in denkbar glücklichster Ehe gelebt. Nämlich Herr X., Director einer Aktiengesellschaft, mit seiner liebenswürbig still waltenden Gattin und zwei prächtigen , Sprößlingen, , einem Mädchen und 5?ndbcn von vier bezw. sechs Jahren. ' Da aber war urplötzlich und unerwartet eine drohende Wetterwolke an dem bisher so ungetrübten Ehebimmel heraufgezogen, und zwar in Gestalt einer jugendlich schonen und verlockenden Blondine, die mit ihrer Mama, der verwittwetcn Frau Rechnungsrath W.; in das HauS des X.'schen Ehepaares gezogen war. Wie eme schone Blondine eine drohende Wetterwolke sein kann, das sollen unsere verehrten Leser bald erfahren. , , , , ; . ; Fräulein Konftanze W. besaß nämllch, außer den äußeren Vorzügen, mit denen Mutter Natur sie fast vcrschwenderisch ausgestattet eine herrliche klang, volle Altstimme, und da Herr X. eine durch und durch musikalische Natur war und es lebnaft bchauer. saß seiner Gattin gerade diests Talcut vollständig fehle, so hatte es ,hm Konftanze fchon bei ihrem ersten Besuch, den sie mit der Mama dem hauswirthschaftlichen .Y lchen Ehepaar abstattete, angethan, und von diesem Augenblick an stiegen die dunkeln Wolken am Ehehimmel auf. Der Herr Director musicirte regelmäßig zwei bis dreimal in der Woche mit Fräulein Konftanze; sie besuchten, da Frau X. sehr häuslich war und sich fast ausschließlich der Erziehung ihrer Kinder widmete, unter der Ehrenwache der Frau Rechnungsrath, musikalische Vorstellungen, Concerte u. f. to. Auf dem Nachhausewege schwelgte das musikalische Paar in der Erinnerung an eben Gehörtes und verabredete für den folg enden Tag die Einstudirung irgend eines neuen Musikstückes. Herr . übernahm die Begleitung, in welcher er Meister war, sür die Lieder von Lenz und Liebe", die Fräulein Konstanze mit weicher, voller Altstimme so seelcnvoll fang. , jr;' ,, !, 1 i'.tf?.. ii? et : Und das Ende? ,, ,,, ,,rjV ; s Nach knapp dreiviertel Jahren' er klärte Herr . seiner darüber begreiflicherweise ebenso verzweifelten als entrüsteten und erbitterten .Gattin, daß er zu dem Bewußtsein gekommen sei, mit ihr nicht länger in Gemeinschaft leben zu können, da sein Herz, von einer abgnmdtiefen" Liebe zu Fräulein Konstanze O. erfüllt sei. Er habe, so rief er mit Emphase aus, weiß Gott, redlich gekämpst und gelitten aber Alles vergeblich. .Die göttliche Musik habe ihre , :l! ,! St S..IF V'-MmiLV' f.;;, , '.',:,.:. ' '.ffc"l Herzen zn einander geführt, und jetzt erst wisse er, was Liebe sei. Frau 3c., zu stolz, um in eine Conkurrenz mit .der blonden Sirene ' zu treten, willigte schließlich in die von ihm' beantragte Scheidung, welche ans Grund gegenfeitiger unüberwindlicher Abneigung" nach wenigen Monaten erfolgte, so daß einer Verbinduna des Herrn X. mit Fräulein Konstanze W. nun nichts mehr im Wege stand.. . ii !;! qXM .jilfül: ü:t?t 'st'(2& war am ersten grvVeren Empfanasabcnd. den das neue .'sche Ehepaar nach seiner Hochzeitsreise veranstaltete.!! Unter ,,,denz GäftenI,befänden, sich einige Kapazitäten' aus der musikalischen Welt. Ein ebenso gesürchteter. wie bekanitter Profesior der Munk, ein sehr geschätzter und viel gefungcner Licderkomponist und ein Klavicrvirtuose. welch letzterer die Gesellschaft durch seine prächtigen Vorträge erfreute. Schließlich wurde auch Frau Konstanz?, die liebenswürdige Wirthin, gebeten, ein 2i&ytrim ; l! Ohne Zögern trat sie an den Flügel, ihr Gatte intonirte die Begleitung zum Erlkönig", und.... jubelnd und stürmisch war der Beifall nach dem von Frau Konftanze, wenn auch nicht künst lerisch vollkommen, so doch innig f und ergreifend vorgetragenen, düsteren Ton gemälde. Besonders der Musikprofcssor. der Frau Konstanze zum ersten Mal gehört hatte und von der imponirenden Schönheit ihrer Erscheinung geblendet war, schien in einen wahren Paroxysmns des Entzückens gerathen zu sein: Aber ich bitte Sie, bester Director, diese Stimme ist einfach eminent! Diese .Klangfülle, dieses Timbre! Und noch niemals sagen Sie, - Mt ' Ihre Iran Gemahlin öffentlich gesungen ?"

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fjE.iiiisäiJiiiiaPilliSiiili. 'hiiäfiiicE: i Nein, liebster Professor, noch nie," lächelte Herr . geschmeichelt. Meine Frau hat sogar nie irgend welche künstlerische Ausbildung genojien, ausgenomc ' .' ... At.e fi.v.- . r.J: nieix oic reemgcirAsnaRgjiuut'cii, ic als ganz junges Mädchen ' bei einer ' ziemlich unbedeutenden Sängerin hatte." - Nun,- ne, der Proienor ganz außer sich vor Bewünderunz, dann ist eS eben eine von Gott begnadete Künstle rin, und ich sage Ihnen, mein lieber Herr Direttor, Ihre Frau Gemahlin ' bat em goldenes Capital m ihrer Kehle ; nur ein paar Unterrichtsstunden, und ne kann in zedem größeren Concert als erste Kraft auftretend' - : -,, Und schneller, als man geahnt, soll ten sich die Worte des begeisterten Herrn ' Professors , erfüllen. Nach kaum zwei Monaten, wahrend welcher Zeit Fran Konftanze eifrig Gcsangsstunden genommcn und . sich einen "sehr schönen. auslandizch klingenden Namen beigelegt hatte, würde von ihren Freunden die Reklametrommel : für die Diva" gerührt, welche zodann . als ", Miß zunächst eine Kunstreife nach größeren n '' ' .. '' ': t t fY Provlnziaittao:en uniernavm, um t ncy die nöthige Sicherheit für das öffentliche Auftreten anzueignen. Ueberall wurde sie mit rauschendem Beifall auf genommen,, und nach ihrer Rückkehr nach Berlin waren hier die Vorbereitungen so weit gediehen, daß die blendend schone Miß unter freundlicher Mitwirkung geschätzter anderer Kräfte" in der Singakademie einen Liederabend arrangieren Konnte. ' DaS Haus war total aus , 7.. verschenkt die Verhältnisse des Herrn Directors gestatte ten ihm diesen Luxus , und o war denn auch in Folge dessen, wie man andern Dlags in mehreren Zeitungen lesen konnte, der Beifall ein jubelnder, , ungeteilter und ein in jeder Beziehung gerechtfertigter..'. 2J $ Und aus der bisher in den weitesten Kreisen unbekannten und ungenannten" Frau Konstanze X. war mit einem Schlage die berühmte Sängerin M geworden. I Nach ihrem Erfolge in der Metropole bereiste sie wieder die Provinzcn, um das Gold ihrer Kehle gebührend auszumünzen,'! begleitet ' und beschützt von ihrem Gatten, der irn'fei Rausche des Erfolges beschlossen haben soll, seine Stellung als Director aufzngeben, um fortan nur der Mann der berühmten Sängerin zu sein.,,,,,,..,, , Und d:e geschiedene Gattin? 'Sie ,, , gedenkt Zwar "in stiller Wehmuth' des , entschwundenen' Gtücks, findet aber mm chen Ersatz in ihren anmuthigen herzigen, Kindern welche Hrlder Vater derselbenM bei der, Trennung großmüthig überlas- ' , jen yat. liiii.-iiiiiiiiiiih'iiiiiiif.iji'iijini'iiii Nntiprügekium . ..ilm , Das neunzehnte Jahrhundert hat uns bekanntlich bereits das Antivbon und den Mtischnarcher bescheert. Diesen modernen Errungenschaften reiht sich nun die epochale, Erfindung des rt- 'i'i1.: ;ii ;i h 11 4 '' '; '-,i'!Hi'' f 1 W)-' " F' Antiprugelium" an. 1 Die ingernszc n- " V' 'i':s;i:i2: 1 "sr i,:',i vj"!i c Erfindung", die, wie ihr Name andeutet,' eine Schutzvorrichtung gegen erhaltene Prügel ,, bezweckt, ist dem Kopfe eines zehnjährigen Knaben entsprungen, der eines Nachmittags die ersten diesbe , züglichen Versuche anstellte. , Ueber den Verlauf derselben ist Folgendes zu mel herr 'ss':u: 1 ', , M 1 vrn .; f :i.wf, ( l,;i;; ,,,, e.1'1.! i Papa hatte beim Mittagbrod seinem Söhnchen AlfonS in Slnbetracht diverser Subordinationsvcrgehen eine tüchtige Prügel fuppe für . den Abend in Ans . , ' ficht gestellt. Wortlos zog sich Alfons in Begleitung seines um ein Jahr alte- , ren Bruders Edgar in das gemeinsame Studirzimmcr zurück, wo beide Knaben den ganzen Nachmittag verblieben, ohne durch die üliche Balgerei oder sonstig 'gen Lärm ihre Anwesenheit kundzugc- & bkn. .' l - : Hin id ,iip' i!l Die besorgte Mama horchte zu wie rf verholten Malen an derirTpre ütm iH nahm aber nur ein ganz , leise geführtes l Gespräch) der Herren Jungen und ein-tz mal auch eine Anzahl dumpfer Schläge, 'CU die, als wahrscheinlich von irgend einem Spiele herrührend, ,iucht weiter, beachtet i m wurden. ,r Der, Abend kam, mit ihm der . gestrenge Papa, aber nichts die jMMz H? sicht gestellten PBgchinlirMamaHatktM AlfonS'. nachmittägiges ,,gksittetcSBe-M)ch, nehmen,Iberichtct, MWMtttzuiSs, stimmen , gewußt, wieder einmal zu ver, zeihen. " Als aber dem Jungen verkünsMz det wurde, daß, er für heute begnadigt , sei. da machte derselbe ein überaus ver-. dutztes und 'arger!iHeS,,lGesicht'Iund dankte nicht einmal. Na, mir fcheiut, Du bist nicht einmal zufrieden?" interpellirtihnMamäDüer,.Dualeich f jämmerlich, heulst wenn ich Dich nur r .,-.s,. n v, rti fM ; lii'"4:-:

;..::ii;inii:i. i n

UUIUI) 177,1 V) fiUMiur v f tui lk nur Dir ZU lieb," antwortete AlfonS ', liebenswürdig, nur um Dir eine Freude zu machen, denn Dich spüre ich ja gar' ' , nichts. . Aber bei Papa ist's etwas an '- deres." Umso froher solltest Dn sein. ' ' daß Du heute so gut davon kommst," meintedBater't . 1 - Der Knirps schüttelte das Haupt und ' t erwiderte dann freimüthig : .Heut' ' nicht, Papa; denn, weißt Tu, ick habe . . . . i':' ! " 4.' .' ':" . i ',1' . ii!'" r?. 1 'i i!'' ! ' P

eme rnnvung gemacur uno ogar MUZZ siekprüfenKAlS' wir, allelLZnunzeremH Zimmer waren, ließ ich mir von ihm . mit i dem Stocke ein paar Hiebe geben. ! Die spürte ich ganz gut. Dann zog ich m eine zweite Hofe über die, die ich trug,p:;f da fühlte ich schon weniger, endlich nahud 1 ichlych?dZe''?Ledcrp "konÜe:'EdatiS!i esgingkUär'iii .,.SD asi-fc I ;v..3r er " Ji o fcii' "': "6aB . i d& ; ,. uyjcftlt an, die lederne in der Mit! e, und wenn Dn mich geprügelt hättest, so hätte ich mm bestimmt gewußt, ob meine Erfin düng gut ist! Verstehst Du, Papa ?j Papa verstand. Der Augenschein be -nit?. ihm rtitsli hffÄ ffitf Vntihr ; !j: : V imf Pt -r p r mr w mjm w --j , , 1 ',,,, i gesprochen. In Zukunft : wird er : sich j : also vor einer etwaigen Ereeution über- ' zeugen ' müssen, ob sein ideenreicher l Sprößling nicht mit dem Antiprüge' ! um" bew.'hrt ist. , ' 1 ' .'!'', .. . 7 , 1 :-V :,''':!:,:;,: . :: ' t .!.;:!.., :. iii . . j " .! t ', : k' 1 ' 's' I .i'ri ';,:.' , ' ' - ;:, ; .y.C .::,,! !''"' ''"""'." , - "'irf " ;',: '!': .!,., 1 ' , ,!: 3 . ... ,:. il" - j - ' m i" . :!. . ' K ü ch eu . W et iante. 5or sicht. ist die Mutter der PorzellanZsbrik

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