Indiana Tribüne, Volume 14, Number 175, Indianapolis, Marion County, 15 March 1891 — Page 6
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Und wenn wan auch vom neunzehnten bis zum fünfundzwanzigsten Jahre das entnervende Leben eines petit creve wie man damals sagte geführt hat, wenn nein sich auch noch so sehr in den Rennställen und m den Boudoirs fccx OxerettenZangerinnen umhergetrieben hat, es. können doch -Verhältnisze eintre ten, wo man sich darauf besinnt, daß Enguerreründ dö Hardimont an einem "Tage .jp.it . ubn dem Heiligen in TMiß an der Pest gestorben, daß Jean de Hardimont unter Du Guesclin An führtt'Hez Frcischaaren gewesen, und daß FraneoiZ Henri de Hardimont bei ffontenay an der Seite von la Maifon Rouge gefallen ist. So sehr auch sein edleres Empfinden zurückgedrängt war durch seine unsintilge, tolle Liebschaft mit Lucy Violette, der Vrimawnna vom Theater Nudites Parisiennes", so stieg doch dem jungen Herzog das Blut in's Gesicht, als er erfuhr, dau Franzosen auf französischem Boden eine Schlacht verloren hatten, und es war lhm, als hätte er einen Schlag in's Gesicht bekommen. So war eS gekommen, daß Henri de Hardimont, Füsilier im dritten Batail Ion des zweiten Regimentes und Mit glied .des Jockeyclub 5, in den ersten Tagen des Novembers 1870 mit seinem Regimrnte, das zum Corps Vinoy gehöne, nach Paris zurückgekehrt war und mit seiner Compagnie an der Schanze ron 'Hautes-Bruyeres auf Vorposten standeiner in der Eile befestigten Sieb luvg, die durch die Geschütze des Forts von Bicetre gedeckt war. Es sah schauerlich dort aus: eine zerfahrene Straße mit schlammigen ßtkb fen und von dürstigen Bäumchen ringe faßt, führte auf die zerstampften Felder des Stadtgebietes hinaus, und am Rande diese? Straße lag ein verlassenes Wirthshaus ein Gärtmrestaurant, wo die Sdaten eine Feldwache errichtet hatten. 'Einige Tage vorher war da riü'Trenen ' gewesen? die Geschoffe hat Zen mehrere , junge Bäumchm an der Straße umgebrochen, und alle zeigten uf ihrer Rinde!, weiße. Schußnarben. De? Anblick,,, des, 'Häuses selbst, war Zurchlbar; in das Dach hatte eine Graate eingeschlagen, und die dunkelrothcn Mauern sahen aus wie mit Blut tastn chen ' Dle zerschossenen Lauben unter ihrem Netz von schwarzem Zweiggcflecht, die Schaukel, deren nasse Stricke in dem feuchten Winde quietschten, und die von den Üngeln beschädigten Aufschriften mfca der Thür: Gesellschaftszimmer Wi.nlh , Vermuth Wein zu 60 Centimes der Liter die ein todtes Kaninchen umrahmten, das über zwei gekreuzte, mit einem Band umschlungene Billardstäbe gemalt war, das Alles erinnerte um grausamen Höhne an die einstigen Sonntagssreuden des Volkes. Und über all dem hing ein unheimlicher Winterhimmel, an dem sich schwere bleigraue Wolken hinschoben, ein tiefherabhängender, unheilkündender, feinde jeligerchimmel. . An-'deH Thür des ' Wirthshauses lehnte der .junge Herzog, unbeweglich, ias Gewehr übergehängt, das Käppi in die Stirn gedrückt, die steifen Hände in den Taschen seiner rothen Hosen, und zitterte vor Frost unter seinem Schafssell. Cr überließ sich seinen trüben Gedanken, dieser Soldat, den erst die Niederlage seines Volkes zum Soldaten gemacht, und sein Auge hing mit kirnt inervollem Blicke an der Hügelkette, die sich im Nebel verlor und von welcher Ue Augenblicke unter dumpfem Tonner die weiße Rauchwolke einer Kruppschen Äanone ausstieg. Plötzlich fühlte er, daß er Hunger hatte. Er ließ sich aus -ein Knie nieder und zog aus seinem AZroviantfack, der neben ihm an der Mauer lehnte, ein großes Stück Komroißbrod, und da er sein Messer verloren hatte, so bis er hin ein und sing langsam CXI zu . -v : . , . Aber nach wenigen Bissen schon hatte -er genug: das Brod war hart und schmeckte bitter. Und frisches gab es erst den nächsten- Tag. das heißt, auch imr, wenn es dem Vcrpflegungsamte q?aßt 0 Wahrhaftig, das U riegs Handwerk war manchmal doch recht rauh und hart 'r und gerade jetzt mußten ihm die Mahlzeiten einkallen, die er einstens hygienisches Frühstück nannte und die er dann einzunehmen pflegte, wenn er im Abend zuvor zu gut gespeist hatte. Da setzte er sich an ein Fenster im Erd- . Geschoß V'eW5sÄ.!ch!uüd sich du lieber Kott, nur eine 5l leinigleit ein ttotelett, ein paar Rühreier mit Spargeltöpsen, nnd der Kellner, toclcher wußte, wie er es gern hatte, stellte ihm kme skinöglasche''vltmem ville in klnem K vrbchen , auf den Flsth nd korkte sie rorsichtZg auf. ' Verdämmt ! Das waren,z doch j gute Zeiten, und an dies Brests! Elends würde er sich in Le Ewigkeit nicht gewo hnett 5 Und in usbrechendtm Unmuth warf der junge Mann den :)it seines Arotet in den tt, V? - , ' .. v oty. VUM. , - f.-$-i .''Jh ulCtjifci In dem selben ' VugenblickIHratAu Linicnscldat aus dem Wirthshause; er e i n'1'1;;: alt fc n i'f ft i e r,;--ly t fct) t I; ecrt7fiiiiehy und fing gierig NKr 'efscn.Mnr 'de Hardimont 11$ t e:"f i Äcf et? o f Hn f fc;!1 a nl!X :i' 113 ei f c : t:o faty mülkidig dem armen Teufel MWeLimmUs- kgüfeu Apet bewies. gMax.eiß"lange M "llitojjJ:' - ''j1''' 1 . j' ' ''!,!" . ''i ' ' , Ü111"' i tlerzlan.nden Augen und einem
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' Nrankcnhau-bart und vi?n solcher Ma gerkcit. da die Schulterblätter unter seinem abgetragenen Wafscnrock weit hervorragten. - Du hast wohl großen Hunger, Kamcrod?" sagte der Herzog und ging auf den Soldaten zu. ,Wie du siehst," .antwortete er mit vollem Munde. .; Dann verzeih ! Wenn ich gewußt hatte, daß ich dir damit einen Gefallen thun könnte, so hätte ich es nicht wegge worfcn." ' ':, ! Ach, das thut ja nichts erwiderte der Soldat, M )fe Alles." Wenn auch," erwiderte der Herzog, was ich gethan habe, war nicht recht. Und mir thut'S jetzt leid. Aber ich will nicht, daß dn eme schlechte Meinung von mir behältst. ... . . hier habe ich in meiner Flasche noch etwas alten Cognac wir wollen den Tropfen zusammen austrinken." Der Mann war fertig mit Essen und trank noch einen Schluck mit, dem Herzog und so war die Bekanntschaft gemacht. - Wie heißt denn du?" fragte der Soldat. Hardimont." antwortete der Her zog und ließ Titel und Ade! weg." Und du f Jean Victor. ...Ich bin noch nicht lange bei der Konkpagnie .... Ich komme aus dem Lazareth. . . . Ich war bei Ehatillon verwundet worden Ach, im Lazareth hatten wirs gut! Der Krankenwärter brachte uns immer gute Pferdesteischbrühe.... Aber ich hatte ja nur eine leichte Schramme. . . . Der Major hat meine Entlassung anzeord net, und nun geht, leider Gottes, das Hungern wieder von vorn an. Tcnn, Kamerad, du magst mir's glauben oder nicht, so wahr wie ich da vor dir stehe,' ich habe mein ganzes Leben lang gehungert." Das Wort hatte einen entsetzlichen Klang für das Ohr dieses verwöhnten Lebemannes, der sich eben noch nach der Nüche des Cafe Anglais zurückgesehnt hatte und der Herzog von Hardimont sah seinen Gewährten mit einem an Entsetzen streifenden Erstaunen an. Das Gesicht des Soldaten verzog sich zu einem schmerzlichen Lächeln, das seine WolkSzähne sehen ließ, die nie genug Zu beißen kriegten, und die so weiß in dem erdfahlen Gesichte leuchteten. Und als wußte er, daß man eine Erklärung von ihm ettoartetc," redete der Soldat wri ter: . Wissen Sie was?" sagte er und horte plötzlich auf. feinen Kameraden zu duhen; wahrscheinlich ahnte er in ihm emcn Reichen einen Glücklichen. Kommen Sie, wir wollen ein Bischen auf der Straße auf und ab gehen, daß die Füße warm werden, und ich will Ihnen etwas erzählen, was Sie gewiß noch nie gehört haben. Ich heiße Jean Victor, ganz einfach Jean Victor, weil ich ein Findling bin, und meine einzige freundliche Erinnerung. ist die an meine erste Kindheit, an die Zeit im Jindel Hause. Unsere kleinen Betten in dem Schlafsaal waren' so schön weiß und sauber; wir spielten im Garten unter hohen Bäumen, und da war eine barmherzige Schwester, noch ganz jung und bleich wie eine Wachskerze sie war brustlcidend und ich war ihr Liebling und ging viel lieber mit ihr im Garten spazieren, als daß ich mit den anderen Kindern spulte, weil sie ihren Arm um mich schlang und ihre schmale, warme Hand mir auf die Stirne legte " Aber von meinem zwölften Jahre an, nach der ersten Communion, gab es sür mich nichts als Elend. Man hatte mich zu einem Stuhlstechter in Samt Jacques in die Lehre gegeben. ' Was ich da lernte, ist doch eigentlich kein Handwerk Und damit kann man sein Brot unmöglich verdienen. Deswegen fand auch der Meister gewöhnlich keine anderen Lehrlinge als die armen Jungen aus de? Blindenanstalt. Und hier, sing' für mich das Hungerleiden an. Der Meister und die Meisterin zwei alte Limousiner, die spater ermordet worden sind waren schreckliche Geiz halse, , und das Brot, von dem es zu jeder Mahlzeit nur- ein kleines Stückchen gab, wurde gleich wieder weageschlössen. Und beim Abendbrot, da hätten sie die Meisterin in ihrer schwarzen Haube sehen sollen, wenn sie die Suppe vertheilte und bei jedem Löffel, den sie aus der Suppenschüssel nahm, einen Seufzer ausstieß. Die beiden anderen Lehrlinge, die aus der Vlin denanstalt, waren nicht so schlimm daran, wie ich. , Die Meisterin gab ihnen auch nicht mehr als mir, aber sie sahen doch wenigstens den vorwurfsvollen Blick nicht, mit dem uns das böse Weib den Teller hinreichte. Mein größtes Unglück war aber, daß ich schon damals einen riesigen Appetit hatte. Konnte ich' denn dafür? Drei Jahre habe ich dort unter beständigem HeißHunger aushalten müssen. In einem Monat lernt man die ganze Kunst ; aber die Herren können ja nicht alles wissen und ahnen. gar nicht, wie die Kinder ausgenutzt werden. Sie wunderten sich vorhin, daß ich das Brod aus dem Schmutz aufhob? , Das, bin ich r ' t -'v":i' :" J ni l 1 !? gewoyni. cy qave vier Nmoen aus dem Kehricht aufgelesen, und, wenn sie gar zu trocken waren, habe ich sie die Nacht in einem Waschdecken aufgeweicht. Manchmal hatte ich, euch einen guten Fund, daß ich nur Alles erzähle. Ich hob die angebissenen Butterbrode auf, die die Schuljungeu aus ihrer Tasche zogen und auf die Straße warfen, wenn sie aus der Schule kamen, Ich richtete meine Gänge immer so ein.daß ich zu der' Zeit gerade dort war. ? Und dann, als die Lehrzeit zu Ende war,' fing ich das Geschäft selber an, das, wie ich Ihnen schon sagte, seinen Mann nicht nähren aWAberkiAHa Berdienst gesucht, denn ich arbeitete gern, das können Sie glauben. Ich war handlanger, Laufbursche, Stubenlvhner und was weiß ich Alles. ' , Einmal KähHslkemeA konnte, man mich nicht , mehr brauchen u:!lf,fan!e nie satt 1 ! i l, .. :!' .
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i!1,,! ,' I ,' 1 ''"k I i. f'-i' ill;! : -- "J lr V "liSiiöi,. äs;;!1 .t if -""t l'l' i'1 fP essen.... Acb, und da hat es mich manchmal herumgerissen, wenn ich an, einem Bäckerladen vorbeiging! , Zn meinem Glück siel mir da immer im reckten Aügenblick die gute Schwester aus dem gindclhause ein, die mlr so gesagt batte, daß ich brav bleiben sollte; und nur , war es, als ob ich ihre kleine warme Hand auf memir Stirne fühlte. Endlich Ä zum Militär. . . . Nun Sie wissen? ja ebenso gut wie ich. daß der Soldat auch nicht , zn viel zu essen kriegt . . , . Und jetzt es ist fast zum Lachen jetzt haben' wir die Belagerung nnd die Hungersnoth ! . s .Ä Sie sehen wohl, ich habe nicht übertrieben, als ich Ihnen vorhin sagte, daß ich immer Hunger ge habt habe." , Der junge Herr war' gutmüthig von Natur, : und als er diese entsetzliche Klage hörte auö dem Munde eine?, der ein Mensch war wie er, eines Soldaten, der den Wassenrock,zn feines Gleichen machte, da war er tief bewegt. Es wär nur gut, das; der Abcudwind , die Thräne trocknete, die sein. Auge trübte, denn als echter Dandy hätte er sich ihrer ja schämen müssen j Jean Victor, sagte cr, wenn wir Beide diesen fürchterlichen Krieg überleben, so werden wir uns wiedersehen, und hoffentlich kann ich etwas, für Sie thun." ;;; a'r t ü l) lcrtt t't)a 1 1 c fa u ; er;i;;;;naTi' das Du fallen lassen. ,Aber da wir augenblicklich hier auf Vorposten keinen anderen Bäcker haben als den von der Compagnie und da meine Brodration für meinen kleinen Hunger um das Doppelte zn groß ist. so dächte ich, -wir theilten , als gute Kameraden. Nicht wahr?" ' Es war ein festes warmer -Hände druck, den die beiden Männer tauschten. Dann gingen sie, da der Abend herein brach und sie von den Nachtwachen und den häufigen Alarmirungen müde waren, rn'die Gaststube des Wirthshauses, wo etwa ein Dutzend Soldaten auf dem Stroh lagen, warfen sich neben einander nieder und waren bald fest eingeschlafen. Gegen Mitternacht wachte Jean Victor auf, - wahrscheinlich vor Hunger. Der Wind hatte die Wolken hinweggefegt und ein Mondenstrahl, dcr durch das Loch im Dache in die Stube drang, beleuchtete das , schöne blonde Haupt des jungen Herzogs, der wie ein Cndymion dalag und schlief. Noch ganz gerührt von der Güte seines Kn meraden, betrachtete ihn Jean Victor mit treuherziger Bewunderung. Da öffnete der Sergeant die Thür und rief die fünf Mann ab, welche die Wachen abzulösen hatten. Der Herzog gehörte dazu, aber er wachte nicht auf, als sein Name gerusen wurde. Hardimont! Ausstehen!" wiederholte der Unttrossicier. Warn Sie erlauben, Herr Sergeant", sagte Jean Victor und stand auf, so werde ich seine Wache beziehen. . . .er schläft so gut. . . .und . ...er ist mein Kamerad." Meinetwegen." Die sünf Mann rückten ab und das Schnarchen begann von Neuem. Eine halbe Stunde spater krachten rasch hinter einander und ganz in der Nähe Flintenschüsse durch die Nacht. . Im Nu war Alles auf den Beinen; die Soldaten traten aus dem Hause, gingen vorfichtig, den Finger- am Drücker, vorwärts und blickten auf die Landstraße hinaus, die ganz hell im Mondenschein vor ihnen lag. Wie viel Uhr ist es eigentlich?" fragte der Herzog. Ich habe doch die Wache diese Nacht." Man antwortete ihm: Jean Victor ist sür Sie gegangen-. In diesem Augenblick kam ein Soldat die Straße dahergelaufen. - Nun? Was gibt es?? fragten Alle, als er ganz außer Athem stehen blieb. , , . , ;S ;,, 4:Uj Die Preußen greisen an. Schnell zurück nach der Schanze!" Und die Anderen?" " Sie kommen. . . . Nur der arme Jean Victor...." . w Was ist mit ihm?" rief der Herzog. Eine Kugel ist ihm durch den Kopf gegangen. Nicht einen Laut hat er von sich gegeben." . . :. , 'j Im vorigen Winter,? eines. Nachts gegen zwei Uhr, kam der Herzog von Hardimont mit einem Freund, dem Grasen de Säulnes, aus dein Club. Er hatte ein paar hundert Louißd'or verloren und sein Kopf schmerzte ihn. Wenn es Ihnen recht ist. Andre", sagte er zu feinem Gefährten, so gehen wir zu Fuß nach Hauses... Ich muß' ein bischen frische Luft schöpfen." Wie Sie wollen, lieber Freund, das Pflaster ist freilich herzlich schlecht." , Sie schickten ihre Wagen nach Hause, schlugen ihre Pelzkragen ln die Höhe und gingen nach der Madelainekirche zu. Plötzlich stieß der Herzog mit dem Fuße einen Gegenstand vor sich hin, auf den er eben getreten hatte; es war eine dicke ganz beschmutzte Brodrinde. Da sah Herr de Saulnes zu seinem größten Erstaunen, das; der Herzog von Hardimont das Stück Brot aufhob,,, es sorgfältig mit seinem 1 gestickten Taschentuch' abwischte und es auf eine Bank fegte, und zwar in den Lichtkreis 'einer Laterne,' wo man es recht gut sehen konnte. Was machen Sie denn?" sagte der Graf und brach in helles Lachen aus. Sie sind, wohl nicht recht, gescheidt?" Das thue ich zum Andenken an einen ttmen Menschen, der für mich gestorben ist," antwortete der Herzog, und seine stimme zitterte 1 lcie. Lachen 1 Sie icht, mein Freund, Sie thun mir w?h." , Wh W . Jwm AWMsA Verfängliche U t u y c. Und interessirt sich denn auch Fräulein Schulz für Sie ? O gewiß ! Erst heute fragte sie mich angelegentlichst, ob ich auch meine fünf Sinne beisammen hätte. KQI Sohn ist nun zum dritten Male im öxamen durchgefallen? Ja! "Der Schlingel mag viele Fehler haben, aber Eines my.i man ihm lassen, conseluent ist 'kr. ,?Äz,s 5 , I. , l,' !!?"! !,' SÄ
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I ! m-s ' !1 1 Die Büste. Von Marcel Prevoft. Es war im Jahre 1888, als die bZS dahin notorisch reactionäre Gemeinde von VarnmzV Departement Char) zum ersten Male emen republikanischen Gemunderath wählte. Dieser politische Umschwung war das Werk eines Man nes. des Grundbesitzers Fernay-Tes-claux, der zum Ministerium in Paris Beziehungen hatte und die Wähler durch die Honnuua auf eine strategische Eisenbahn zu verlocken wußte. Diese nach Paris führende Eisenbahn wäre in der That für das Städtchen, das Geflügel, tzer nnd Gemüse lm Ueverstu produdirte, von außerordentlichem Nutzen getvesen. Herr Fernay - Desclaux wurde zum Maire erwählt. Als Adjunkten erhielt er den Maurermeister Barrache und den Gastwirth Gompaing. Der Mane stammte aus einer alten liberalen Familie. Seine Adjunkten aber und der Nest des Gcmeinderathes. die alle erst canz frisch bekehrt waren, zogen noch immer ein recht saures Gesicht, wenn rann sie Republikaner nannte. Ein Zwischensall ließ dieses eigentbuwliche Verhältniß gleich in der ersten Sitzung des nmerwähltcn Gemeinderntheö klar zu Tage, treten. Der Kamin des Berathungsfaales war nämlich mit einer Gipsbüste geschmückt, und die Büste wird man es glauben? war noch die Napoleons lll . .. .Mein Gott, ja, des 5?aisers. Sein Abbild hatte an diesem Platze alle Stürme überdauert, die Frankreich in den letzten zwanzig Jahre durchzumachen hatte. Es blieb unversehrt nach dem Sturze des Potenraten, nach seinem Tode und überlebte sogar den Nredev gang seiner Partei ; Varnay war eben eine kleine Stadt, die weitab von den vfflciellett Reiserouten der neuen StaatsWürdenträger lag. Der Maire erklärte, diesem unpassend den Zustande müsse ein Ende gemach! werden, und es gelang ihm ohne Msihe den Beschluß durchzusetzen, daß die Büste Napoleons IN. in die Numpelkammer des RathhauseS verwiesen werde. Als er aber beantragte, aus kosten der Gemeinde eine Büste der Republik für den leeren Platz zu crwerben, stie er auf einen ebenso unerwarteten als hartnäckigen Widerstand, den er erst durch die Erklärung, die frag liche Büste aus seine eigenen Kosten anschaffen zu wollen, zu beseitigen vermochte. Erst unter dieser Bedingung war man mit feinem Antrage einverstanden und beschloß sogar eine Adresse an den- Unterpräfektcn mit der Bitte, die neue, sofort in Paris bestellte Büste einweihen zn wollen. Der Unterpräselr antwortete telcgra, phisch: Ich werde mich glücklich schal zen, die schöne, endlich der Reaktion entrissene Gemeinde Varnay zu besuchen." Fünf Tage später brachte die Post eine längliche Kiste, die allerorten mit Vorsicht", Zerbrechlich!" bedruckt war. Herr Fernay'TeZclaux ließ die Ge meinderäthe zusammenrufen, und die Kiste wurde in ihrer Gegenwart, mit' einer gewissen Feierlichkeit eröffnet. Sie enthielt eine beträchtliche Menge Heu und Papier, darunter aber 'nichts wn ter, als eine Anzahl unförmiger Gips stäcke. Die Büste war auf der Bahn zerbrochen, und nur der, Sockel mit den lorbeerumwundenen Buchstaben 1Z. F. war ganz geblieben. Auf den Gesichtern der Gemeinderätbe malte sich, wie der Wahrheit gemaß constatirt werden muß, ein schadenfrohes Grinsen, elber Herr FernayDesclaux ließ sich nicht beirren. Er erklärte, sofort an die Eisenbahndirection, die zum Ersatz des, Schadens verpflichtet' sei, eine Eingabe machen zu wollen. Und in der That, er hatte sich nicht getäuscht: nach acht Tagen kam wiederum eine Kiste an, die ebenfalls in Gegenwart des Gemeinderathes mit allen erdenklichen Vorsichtsmaßregeln eröffnet wurde. Und als man das Heu, und Papier entfernt hatte, brachen die Gemcinderäthe in einen rn stimmigen Ruf der Bewunderung aus. Das war keines der gewöhnlichen, nichtssagenden Abbilder der Republik, sondern ein herrliches, jugendschone's Weib, die phrygische. Mütze auf dem Lauvte, mit nervösen Nasenflügeln und die Kehle wie, geschwellt von einem revolutionären Rufe. Ban acht, der Adjunkt und Maurermeister, war besiegt. .Donnenvetter!" sagte er, das ist ein forscher Kerl." , Als nun aber d Maire die Büste aus ihrem Heubette heben wollte, um sie auf den Kaminsims zu stellen, da geschah etwas Ueberraschendes, ganz lln erwartetes: das herrliche Frauenbildnin spaltete sich langsam in drei Theile. I t . . . im vcwmano yaire vorycr ore seinen vixct die sich durch die Gypsmasse zogen, bemerkt. Diese Hartnäckigkeit des Schicksals hatte auch'eincn Stärkeren, als FernayDesclaur niedergeschlagen, unbeweglich und schmeigcnd blickte er auf die in drei Ltückö! gegangene Republik und fragte sich,' was nun zu thun sei. Wiederum die Eisenbahndirection haftpflichtig ma chen und so Gefahr, lausen, zum dritten Male einen Haufen Gipsstücke geliefert zu erhalten? Nein! . Da war es schon besser, auf den schönen Plan ganz zu verzichten, und , den, Unterpräfektcn zu bitten, daß er , unter den obwaltenden Umständen von der Einwcihungsfeier lichkeit Abstand nehme. " , , 9 , " Ju diesem Augenblicke sagte Barräche, der,, die Büste schon eine, Weile aufmerksam betrachtet hatte: , 1 ', Das würde ich bald, zurecht gemacht haben, wenn man es mir anvertrauen wollte, dieses Frauenzimmer." ' ' i Ihr wäret dazu ,im Stande?,,, rief, .der Maire und wäre seinem Adjunkten fast um den Hals gefallen. , Allerdings," erwiderte dieser. Es fehlt ja kein Stück daran. Ich klebe das Ganze um einen Stock und verkiümiere die Riffe mit Givs. aan ein ";! t
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i m "iflt. fach. Und das hält dann viel besser, sag' ich, als wie es noch neu war." Man übergab die Büste dem Maurermeistcr Barrache und dieser nahm sie mit nach Hause, um sie noch am selben Tage wiederhergestellt auf die Mairie zu tragen. - Die .Risse waren in der That nicht mehr zu sehen; die Büste wurde in der Vorhalle der Mairie aus? gestellt. Die ganze Bevölkerung desilirte um sie herum, , um sie zu bctrachten, uud die allgemeine Bewunderung theilte sich zwischen dem Maire, dem großherzigen Käufer und den Adjunkten, dem genialen Wiederhersteller. - Am anderen Tage Zeigte sich jedoch eine eigenthümliche Erscheinung: Die Republik begann sich von Neuem zu theilen und eine - Anzahl von kleinen Rissen sprang auf der Stlrn, den Wangen und dem Halse det Büste auf. Erschreckt eilte der Maire zu dem Meister Barrache, doch dieser kratzte sich den Kopf und meinte, da ist vorderhand nichts Zu machen, das ist der Ghps, dir sich von innen beim Trocknen gedehnt hat." Mit Windeseile verbreitete sich das Gerücht voudem neuen Unfälle, und wiederum kamen die Gemeindcmitglieder in Schaaren, um sich durch den Äugenschein davon zu überzeugen. Die Reaktionäre trmmphirten und der Herr Pfarrer rieb sich-die Hände : Seht, sie kracht schon, ihre Republik.... das wird eine schöne Einweihung geben." Aber wiederum war es Barrache, der durch eine geniale Combination von Leim und Gips den Schaden zu repariren wußte Das Bildniß sah nach. dem Anstrich zwar um eine Schattirung dunkler aus, war aber immer ' noch sehr prüsentabel, so daß man guten Muthes die', Einweihung auf den nächsten Sonntag ansetzte. Und um diesem Feste dar Character einer wirklichen Enthüllung zu geben, schlang man um die Büste ein Stück Leinewand. . Es war am Vorabend der Einwei', hung, als de? Adjunkt Barrache mit be- - sorgter Mieie zu dem Maire sagte: , . Wir sollten doch einen Blick auf die Republik werfen, vielleicht daß sich hier Und da noch ein kleiner Riß gezeigt hat!" : . : ; . Der Maire wurde von der Besorgnis angesteckt. Beide begaben sich in das ; Verathungszimmer und lüfteten den Schleier. Der Anblick, der sich ihnen bot, war ein schrecklicher. ,Das ganze Antlitz der Republik, ihr Hals und Nacken, , ja selbst ihre phrl)gische Mütze war mit grünlichen Pusteln bedeckt, abwechselnd mit großen Flecken von einer ganz abscheulichen Farbe. , Man hätte glauben können, eine Figur aus einem Wachs sig.ureucabinet vor sich zu haben, an der die Wirkungen irgend einer entsetzlichen Hautkrankheit demon strirt werden sollten' Der Maire und sein Adjunkt standen wie angedonnert. Barrache war der Erste, der etwas Fassung gewann. Er kratzte mit dem Nagel an der Büste nnd sagte: Daran ist mchts weiter schuld, als der verfluchte Leim." Ja, aber, zum Teufel, wir sind die Geleimten," erwiderte der Maire ärger lich. Wir können ein solches Monstrum doch unmöglich enthüllen. Und das ist, allein Eure Schuld, Barrache, mit Euren verdammten Reparaturen. Jetzt h-lben wir nicht einmal die Zeit, eine neue Büste zu bestellen." Barrache senkte sein schuldbeladenes Haupt und sah trübselig zu Boden. Doch plötzlich leuchtete es in seinen Augen auf: Wir haben doch noch die Büste unseres Kaisers." : Ihr seid wohl von' Sinnen, Barräche! Die können wir doch unmöglich morgen durch einen Unterpräfeetcn der Republik einweihen lassen!" ; Barrache zwinkerte listig mit den Äugen: Fallt mir ja auch gar nicht ein. Aber seht her, den Schnurr und stnebelbart fort und aus den Kopf so eine Mütze wie die da, und die Republik ist fertig." Der Maire , wollte Einwendungen machen, doch der schlagfertige Adjunct ließ ihn gar nicht zu Worte kommen? Was wollt Ihr?" Kann denn Jemand sagen, das sei nicht die Republik? Wer hat sie gesehen, wer will sagen, so sieht sie aus und nicht anders?" - Der ewigen Widerwärtigkeiten mud? stimmte Ferray - Desclaur dem neuen Versuche, zu, verlangte jedoch von seinein Adjunkten, daß er zu Niemand darüber spräche. .. . Barrache eilte nach Hause, u Gips ;u holen, und mach'e . sich dann au: die Arbeit. Die ganze Nacht 'über schaffte er mit feinen groben Maurerhänden an ser Büste des Kaisers, und als, der borgen graute, rief er den Maire zu )em vollendeten Werke. ' Mit ihrer gefurchten Stirn, der plumpsn Nase und den hängenden Wangen war es zwar :ine recht sonderbare Republik, die des Meisters Barrache; aber die phrygische Mühe machte Alles wieder gut. , Der Vcalre war ganz erstaunt, daß' seinem rldjunkten das Werk so gut gelungen sei und rief aus: - ,.,. Daö ist gar nicht übel BarraM Offen gestanden, ich : hätte es Euch eigentlich x.ar nicht zugetraut.' f Man ', thut eben, as man kann," zersetzte dieser bescheiden. ' Und iriit nnem vergnügten Schmunzeln legte er in Paqutt in die Hände des, Maire:, Da, hebt es gut auf; wer weiß, 'ob vir es nicht noch einmal brauchen...." Was ist es denn?",,, ' : ES ist der Bart deS Kaisers. ' Ich habe ihn sorgfältig ! - abgenommen, sehr iorgsältiflj Denn seht, mit ' allem Respekt vor Euch. .JWDrdeWMlHKrU stehen hm, wenn es der Republik 'mal schlecht gehen sollte, dann nehme ich dem MgAdMlMPMWMMMiM'z schnurr-, und Knebelbart an, und sieh sa, mein Kaiser steht wieöer auf seinem ilten Platze, ohne daß es der Gemeinde uch nur einen Sou kostet." HumoristfüreinenPes simisten das, was ein Spiegel sür eine häßliche Frau ist. ,
'Mrk.
m&i'M 'VS'fti jf'f ' Ssi. :i;i!!!!!!ii!i!liii'M:iN:!! ' äSgl! y' ltzgKüZ!S is . i ' ? .y-:v t Ter Solitsir. ' . , HumorMschk Nzze von W. Hägel. ' t',:. '" ' Einen Solitair zu besitzen war schon längst der Wunsch Ferdinand Gunckeb mann's gewesen. Seine Tante besaß einen solchen, zwar nicht von der Größk wie der in der portugiesischen Krone, aber doch groß genug, um den Taubenschlag des Neffenherzens mit allerlei buntem Gcdankenflugel zu bevölkern. Gar oft dachte er: O daß er mein wäre! Wie bekomm' ich ihn? Wenn ich die Alte doch bewegen könnte! , Ss flogen die .Gedanken aus und ein, und wirklich lockten sie zuletzt eine Antwort herbei, die das siegverkündende Oelblat! im Schnabel trug. Die alte Tante konnte den angeneh-men-Manieren ihres liebenswürdigen Neffen nicht länger widerstehen. Sie schenkte ihm den Solitair, aber er sollte ihn erst nach ihrem Tode erhalten. Seit dieser Zeit betete er weniger inbrünstig sür das lange Leben der guten Dame, und vielleicht ist dies der Grund des Unglücks, welches ihm späterhin durch jenes Vermachtniß widerfahren ist. ,Die Tante starb, her Solitair wurde sein. In einem uralten Ringe, der die Besitzerin einst in die Ehestandssesseln geschmiedet steckte er wie in ein Gesang niß eingemauert. Ferdinand eilte, ihn dieser Kerkernacht zu entziehen und, a jour gefaßt, zur geschmackvollen Bnsew nadel umgestalten zu lassen. Bald da rauf bezog er die Universität, wo die Busennadel eme Schaar von Busenfreunden herbeilockte, die ihn für einen Rothschild ansahen und demgemäß aus nutzen wollten. Er aber erklärte ihnen, daß er ihnen unmöglich etwas pumpen könne, da er selbst auf dem Trocknen säße. Täglich mußte er irgend einem durstigen Pumpier die physische Unmöglichkeit dieses Acts darthun. 'Niemand glaubte daran. Alle hielten ihn für einen Geizhals, . und zogen sich zurück, so daß er bald ganz allein dastand. Es fehlte Ferdinand indessen nicht an Zeitvertreib. Ihm gegenüber wohnte eine Schauspielerin. Sie sehen nnd sie lieben war das Werk eines Augenblicks, und er suchte nach Gelegenheit, ihr seine Empsindu.ngen zu offenbaren. Er . machte Bekanntschaft mit dem Sänger Trillenberg. der sie oft besuchte und ihn leicht einführen konnte, Einst hatte er eine Prinzenrolle zu spielen, wozu er sich seinen Solitair erbat. Ten folgenden Morgen wollte er Ferdinand abholen, um ihn seiner holden Collezin vorzustellen. Da ließ sich denn freilich nicht Nein sagm. Ferdinand war drei Stunden lang sein eigener äonis sotsur" gewesen und stand nun wartend da. Blos die Busennadel fehlt? noch. Allein es dergingen abermals drei Stunden vergeblichen Harrens und es fam blos die Nachricht, daß der Theaterprmz mit seiner, vorausbezahlten Gage, dem Solitair Ferdinands und den Diamanten der Schauspielerin durchgegangen war. Unglück bringt die Menschen einander nahe. Der gleicheVerlust führte Ferdinand bei der Künstlerin em, und als bald darauf die Blätter die Anzeige enthielten, daß der Flüchtling in München arretirt sei, machten sie sich zusammen auf die Reise, um das verlorene Eigenthum wieder zu erlangen. Welche Lust gewährt das Reisen! Hätten nur die Leute nia)t gesagt: Er ist mit einer Comödiantln durchgegan gen." Dies Gerücht kam seinen Borgesetzten zu Ohren, unv diese Ohren waren jedesmal taub, so oft er späterhin um Anstellung nachsuchen mochte. Mit der Hoffnung, der Gemahl der Schauspielerin' werden zu können, war es leider nichts, weil sie die Anwart schaft dieser Stelle bereits an einen Glücklicheren versagt hatte. In München angekommen, erhielten die Beiden bald ihr geraubtes Gut von der Polizei zurück, und am Abend vor der Abreise ging Ferdinand, von der Schauspielerin und, seinem Solitair begleitet, in's Theater. Hier freute er sich der allgemeinen Aufmerksamkeit, die dieser Brillantschmuck aus sich zog, aber es machte ihm Spaß, gegen seine Dame die verliebte Miene eines Liebhabers anzunehmen. Wären sre nur unbemerkt geblieben! ; Gleich nach dem Theater beschied Ferdinand ein Billet auf den nächsten Morgen um sechs Uhr in den englischen Garten. Es war von dem Verlobten seiner holden Reisegefährtin, welcher, zufällig ' in München, bxc Galanterie Ferdinands mit eifersüchtigen Augen ansah und die Sache nur mit Pistolen austragen wollte. Ferdinand aber liebte das Leben. Er zog es vor, nicht todtgeschossen zu werden, und reiste nach -Nürnberg ab. Dort lauerte man einem gefährlichen Jndustrieritter auf, der dem Steckbriefe zufolge eine kostbare Bufennadel trug. Man .erblickte diejenige Ferdinands, nahm ihn fest, und er konnte die wohllöbliße Polize! NäMttgiM üch vierzehn Tagen überzeugen, daß er nichGer gefährliche Jndustrieritter.se!. Von Nürnberg reiste er - nach Dresden nnd beschloß hier den Stein des Anstoßes zu verkaufen, ' zu welchem BeHufe , er z einen i Juwelier aufsuchte. Dieser betrachtetes den Soli und fragtet ffi'Z: Wie kamen Sie, m den Besitz des eoHtairs?".;;::':'':;::::. ;.r , Durch ein Vermachtniß meiner Tante!" , i -,; ' ' So, sg 1 , Sie zweifeln doch nicht?" ,, , ' O bewahre ! , Aber hier wurde vor Kurzem im Grünen Gewölbe ein ganz ähnlicher Stein gestohlen, , dessm Fest Haltung im vorkommenden Falle mir polizeilich anbefohlen ist. Sie werdw also gütigst verzeihen! " , , ; , ; , ! Ferdinand ließ verschiedene ,,Don nerwetter loZ, aber sie machten den Himmel seiner Zukunft nicht heiterer. Er mußte sich'S gefallen lassen, drei Wochen lang das Zimmer zu hüten und zum Zeitvertreib alle Tage ein Verhör zu bestehen. Nach Ablauf von
-iti l, PÄÜi, 6" ". .:.!' l'1 r 'IfiMillaiiüijl ;l:;ill:! . :' l ' j ,:,',,!j:::. brei Wochen gab man ihm die fchmn melhafte Versicherung, daß er der Dieb nicht sei und er . seiner Wege gehend könne. In Leipzig, dem berühmken'Stapel. platz des deutschen Buchhandels, beeilte er sich, von diesem verwünschten Soli tair, diesem Talisman des Unglücks, auf dem ein Fluch Zu ruhen schien, sich loszumachen. Er ging abermals damit zu einem Juwelier. Woher haben Sie den Stein? be. gann der Kunstverständige mit höhn:, scher Miene. Ferdinand überlief eine GWsePut.. Er schwieg, und sein Gesicht nabm einen so bedenklichen Ausdruck der Vertegen heit an; daß er einem Teliquenten täu schenÄ ähnlich sehen mochte. . Aha! D;e Sache hat einen $a ken," sagte der Juwelier und klopfte ihm , lächelnd auf die Schulter. Sänt Sie ruhig, lieber Freund! Wegen dieses Steines wird Sie Niemand in Anspruch nehmen. Er ist falsch!" Ferdinand war sprachlos. Falsch?" rief er entrüstet. Der Solitair meiner unverzenlicken Tante falsch? Herr, sind Sie des Teufels?" Nur nicht so hitzig, lieber Freund!erwiderte der Juwelier mit höhnischem Augenblinzeln. Ihre unvergeßliche Tanke er betonte das Wort ganz eigenthümlich Hai es mit Ihnen recht gut gemeint. Sie wußte offenbar ganz genau, was die Polizei in solchen Fällen Zu thun vslegt." VermuthUch hatte der Dresdener Juwelier, Ferdinand's endloser Tra. gvdienoerwicklung sich erbarmend, den Dem ex inacltina - gespielt und den oüindischen Diamanten in einen bühmi schen verwandelt. Er liegt seitdem unbenutzt in einer Schubladenecke von Ferdinands Schreibpult und sein Besitzer hat weiter kem Unglück damit gehabt. Chinesisches. Es liegt im Charakter der chinesischen Sprache, daß ihr nicht nur kraftvolle Mittel der Betonung, fondern auch ausgeprägte Zeichen und Geberden zur Seite stehen, und so kommt es, daß bei den Bezopften die Geberdensprache sich durch besondere Lebhaftigkeit uud groteske Formen äußert. Gern streckt man in China die Zunge aus, um Furcht oder Benvunderung kund zu geben. Große Angst aber verräth man dadurch, daß man mit dem Zeigesinger die Stirn wischt, als wollte man den Angstschweift, entfernen. Mitunter wird diese Geberde auch dazu angewendet, um großes -Schamgefühl zu bezeichnen, und in allen Fällen legt es davon einen Beweis ab, daß die in Rede stehende Angelegenheit als ernst nnd gefährlich anzusehen ist. Häufig sieht man die Söhne des himmlljchen Reichs S lachen, selbst wenn sw von einem Todts oder sonstigen lln glückssalle sprechen. Erschüttert aber etwas lehr Spaß hastes ihr Zwerchfell, ' so klatschen siehänsig mit den Händen, werfen den. Nörp'er zurück, und mit Tbränen in den. Augen brechen sie in ein lautes Gelach ter aus. Ist ein Chinese ärgerlich, so wirft er gewöhnlich seinen Körper nach vorn. . Zur selben Zeit gestikulirt tr heftig, greift wild in die leere Luft und springt auf, als weun er auf etwas tre- ' ten wollte. Seine Augen scheinen auchmitunter aus den Höhlen zu treten und er stottert bei jedem Satz. Mau nimmt an, daß alle Mandarine roth im'$k sucht werden und ihre Backen aufblasen, wenn sie zornig sind: Amb&s tratus 1 bticcas inllat." Chinesinnen sind im Aerger schlimmer als die Männer und scheinen alle Herrschaft üb? sich selber und ihre Handlungen zu verlieren. Der Chmese drückt seinen Gram auj verfchieden Art aus. Als allgemeine Regel darf gelten, , daß man das Weinen' mcht als em Zeichen' des wahren Kummers ansehen ' kann, da es buchstäblich auf Bestellung" geschieht. Trauernde' Chinesen' brechen ganz plötzlich in lautes Geheul aus und hören ebenso plötzlich aufs auch kann ' man Weiber miethen, die zu bestimmten Zeiten heulen und wehklagen. Mißsallen und Verdruß zeigt der Chinese wie wir ' indem er seine Augenbrauen zusammenzieht und die Stirn runzelt; sein Entsetzen über eine meoerträchtige Schandthat giebt er dadurch kund, daß '' er eine Grimasse mächt', dik ZanzMr ähnlich , ist, wenn man etwas recht angenehmes riecht oder schmeckt. Will der Ahinese,Pch'an etwas erinnern, kratzt er sich pst den Kopf, hausiger je -doch reibt er seine Hüfte und verdreht die '-Äugen. Ist er in Nefeüntt Verwirrung bringendes Nachdenken ver h funken, so wieA er seinen Körper lang. lam . hin und ' her, und ' zieht sich - Haar, " aus und kaut davon, oder schaukelt 1 Bein. Man kann nicht behaupten, daß man ßincfeit oft trrÖte lahc !li et ; Frauen ist die holde Nöthe der' Scham , überhaupt schon aus dem Grunde nicht , ; ! wahrzunehmen, weil auf ihre Gesichter. meistens dicke Schminke' aufgetragen 'iD ES ist änßerst selten, daß man das Ge : sicht eines - Chinesen auS Begeisterung erglühen sieht. Nur die Hoffnung auf S :..." . . . i r . , r- y ...... iVt amiy ?i 1 inV ! V. Kttl S tiitil Alts; !'l-lf rt VVWlitUl VUU Vlt -4U9)lUJk Ui4 liche Beförderung vermögen ihn zur l . .ffi-'!1 .! ! Thätigkeit zu erwecken und sem Gencht zu erhellen. 'v c- - i i i !.'' Immer qemüthltÄ. Berliner kehrt spät in der Nacht von einer schweren Sitznng in daF eheliche Schlafgemach 1 zurück.- Jotte occh; klagt die Frau, .schon , zwee Uhr 5 Schämst Du Dir denn gar nicht, daß es schon so spät is?" Äbn LieshM Dir doch nich um nischt ich. Wäre ick zu .Haus,.jeblieben,na denn vär et doch ietzt accurat so spät." ' ' , E tw a s decenter. Gonver aante: Fräulein Fanny, in Ihrem Auf satz brauchen Sie daö Wort Bufenfreundin.' Das ist mir doch gar zn sinnlich. Will Ihnen kein decenterer Ausdruck einfallen? Fanny: Vielleicht Cvrset-sreundinM
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,i . frnm : W e: Cfr a. 1: Mi Mi m ; i I mfc. ':' ' lll; i !i , i! V i;(!,,:ii:E,'!' i ''i f ! m: 1 i, : in11 i, ;! MM 'i' w$
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