Indiana Tribüne, Volume 14, Number 154, Indianapolis, Marion County, 22 February 1891 — Page 2
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SKSESS Zine ptzvNkalifche Wette. Wird eine Siegellack- oder Glasstange gerieben und dann kleinen Papierstück. cheu genähert, so werden dieselben abwechselnd angezogen und abgestoßen. Indem in dieses Experiment jemand vorzeigt, erzähle man ihm, daß die Sic gellackstanAe nicht nur diese kleinen Pfr i pietstückchen, fondern auch ein beliebig großes Lineal aus Holz anzreyt und durch Anziehung in Bewegung setzt. Diese) wird man nicht glauben wollen und sicher eine beliebige Wette eingehen, daß es nicht möglich ist. Ist dieses ge schehen, so besestige man eine Nadel am Rande des Tisches mit der Spitze nach oben und setze ans diese das Lineal so, daß sich dasselbe frei drehen kann. Nähert man. sich nun mit einer geriebencn Siegellaastange dem einen oder anderen Ende, so sieht man, daß das seile von der Sieaellackstange angezogen wird, so daß man das Lineal in belie big schnelle Trehnng bringen kann. a durch hat man aber die Wette gewon nen. Unter verschiedenen Umständen. SÄ M JHAM :r .S-JSk. ' " vSi &c jf , J5. ' a W Kaufmann (im Restaurant): Sie Kellner, ich habe ein Beefsteak bestellt! Bitte, sehen Sie zu. daß ich es bald be komme, ich warte schon eine gute halbe Stunde!Derselbe (zu Haufe): Himmeldonnerwetter, waZ ist denn heute wieder los, daß nicht gegessen wird! Da sitze ich wie ein Narr schon fünf geschlagene Minuten und bekomme noch nichts ! mn Ncgcnmesser. iv) 40 Man läßt vom Klemp Z,:'Z. ner emen vlecyeruen f. , '," ,. . Trichter mit einer etwa viertelzölligrn Tülle anfertigen, dessen Rand mit einer zwei Zoll breiten Einfassung umgeben ist. (f. Fig.) Diese hat den Zweck, Verlust von Regeliwasser durch Ausspritzen zu vcrhindern. Der obere Durch' messer dieser Einfassung OS muß genau echt Zoll betragen. Tann steckt man den Trichter in eine Glas flafche von angemessener Größe, etwa eine Weinflasche, und füllt dann nach, einander genau 3 Unzen Wasser etwa zwölsma! hinein. Jedesmal marlirt man dm Wafftrstand durck einen Theil, strich auf einem an dem Glase aufgeklcbten Papicrftreifen. Jeder The'ilstrich bedeutet einen achtel Zoll Regenmenge.' Dann ist der Regenmesser fertig. Große Weinstöcke und kolossale Trauben. Im Süden wird der Weinstock bekanntlich groß. Elphmstone sah auf seine? Reife nach Kabul in den kaukasifchen Wäldern den Wein wild wachsen und beschreibt die Umichlingung und Bedeckung ganzer Wälder mit Aeben als höchst malerisch. Moderne Reisende berichten von siebzehn Pfund schweren Trauben in Pa lästina unh von einem Weinpocke am Südaöhange des Libanon, der bei einem Stammdurchnesser von anderthalb Fuß eine 5öhe von 30 Fuß erreichte und mit seinen Zweigen und Ranken eine Laube bildete, die zweihundert Fuß im Umfange hielt. Im Neapolitanischen Zieht man Weinstöcke, deren Stämme wenig dünner sind, als die Ulmen, an denen sie sich hinauswindcn. Da hängen Äeben von mehr als hundert Fuß Ljinge in ungeheueren Guirlanden zusammengeöunden je zwischen zwei llt rnen. Was die Größe der Trauben betr'.fft, werden dieselben unter der hei' ßen Sonne des Südens natürlich großer. Schon in Italien sieht man erstaunUch große Trauben, noch mehr in Griechenland und Kleinasien. Bei Echiras in Perfien werden sie eine Elle lang. Von colossaler Große fand sie Baron v. Hügel in Kaschmir. Lady Sale in ihren Erinnerungen aus Afghanistan schilderte Trauben, wovon eine einzige Beere hundertneunuNdzwanzig Gran zewoaeu fcab G ed an ken - Comb i na't'ion. Student (in einem Romans lesend): Und nun versehe sich der Lk'r wieder" Donnerwetter! Son wieder versetzen! 's reine Leihhaus! (sin Geburtsfehler. h:rr: Wie lauge sind tsit fchon lahm. aM.r Äann? Äettlcr:'Ach, Herr, ich ?aN?Msn an Krücken auf die Welt! i rückf ehker. Um auch den Wamenud dem mchtraucheudenPubli,, Zum dni Auseuthalt in meinen Localen m7g!'.ch qv" tt)m ZU geztalken, yade lch z emes separaten Raup -e getragen. ' Element rurüteur.
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Vom Tänzen.
Es wird nicht mehr getanzt!" llaen unsere Haussranen, die sich aus ihren Hauöunterhaltungen unanZgesetzt unerschrocken und doch fa oft vergeblich bemühen, den eingeladenen Damen Tänzer zu verschasfen. Die Herren tanzen nicht mehr", wehklagen die mehr oder minder jungen Damen, während sie die Wände des Tan,;faalcs anmuthig garnieren; die Galanterie stirbt aus, von poetischem Frauendicnst, von Ritterlichkeit haben die jungen Herren unserer Zeit keine Ahnung. Sie langweilen oder ärgern ihre Dami fo gut es eben geht bei Tische, kaum aber ist der große Eisgang ohne Unfalle vorüber, da heißt die Losung: rette sich wer kann in die entlegen' sten Zimmer, zur C:garre, zum Bier, zum Skat, zum zwanglosen Herreuge sprach. Die Damen mögen zusehen, wie sie allein fertig werden." Cs wird nicht mehr getanzt dieser Schmer zensruf wird alle Tage lauter. Horchm wir indeß auf das, was Kenner des alten, schönen Tanzes mn neu, Personen von Geschmack, von 9,? bildeten: Auge und Sinn für die Schon heit der Bewegung, dann vernehmen wir die Klage: es wird noch imme, getanzt". Die Vernachlässigung des Tacs sängt schon beim Unterricht an. In der Regel werden ein paar Dutzend junge Menschenkinder zusammengetrie den und fo lange vereinigt, bis sich iht Instinkt fo weit entwickelt hat, daß sie sich ohne auffallenden Unfall paarweist im Kreise drehen können. Dann sind sie flügge für Salon und Ballfaal. Fußstellung, Körperhaltung, Armbewegung wer sragt danach? Man wifl sich im Ballsaal amüsiren, sich in der Unterhaltung und vielleicht auch körver-. lich näher treten, mehr will man rncht. Daß cS auch eine gesellschaftliche Verpsiichtung gibt, die darin besteht, beim Tanz dem anspruchsvolleren Auge zu genügen, wem siele das wohl ein? Wenn der Tanz die Eonversation hiw dert. fo ist er nach dem Gefühl btx Meisten vom Uebel. 5?ein Geringere! als Strauß hat sich dazu bequemen wol len, dieser Tendenz zu huldigen. Er ha! einen speciellen ConversationZwalzerfür die wiener Aristokratie erfunden, der als Wunder angekündigt wurde. von dem man aber bereits so gut wie nichts mehr hört. Gewiß erfreut sich ein hoher Procent fatz von Tanzenden an der Bewegung und cmpsindet es mit sinnlichem Beha gen, wenn diese recht glatt und gewandi von Statten geht. Aber die Zahl der Tanzgourmanvs, die den Tanz lediglich um seiner selbst willen lieben, die ganz die Wonne des rhythmischen Sympathie sirens -- selbst wenn der Partner ver ssnlich unsympathisch oder indissereni wäre kosten, ist jedenfalls sehr g ring, zumal da sie unbedingt von Hauz aus n?usikalifches Naturell besitzen müsZcn. Ein gründlicher Kenner des Taw zes, (. Schottler, sprach es jüngst ir der Allgemeinen Zeitung aus : So oft ich noch einen Blick in einen Ballfaal ge worscn, habe ich es schmerzlich empfunden, nicht einen humoristischen Stist a la Oberländer führen zu können. Welch' eine Fülle von Caricaturen ; namentlich von den Herren der Schöpfung geliefert! Jedes dritte Paar quält sich mühsam ab, um einigermaßen dem Tact gerecht zu werden. Kleine Herren drehcil sich verzweifelt um große Damen, und kleine Damen hängen hilflos an großen Hcv ren, und doch rühmen sich Viele, gutl Tänzer Zu sein, und bemühen sich namentkich die Jünger des Mars um Vit sen Ehrentitel. Aber worin besteht in der Regel kl gute Tanzen? Daß man mit zehn Schritten den ganzen Saal durchchassirt. daß man die Dame in vier Drehungen rechts und links durch den ganzen Saal schwingt. Selten, und ganz selten wiri man vielleicht in einer Ecke des Saales oder auf einem hocharistokratischen Par quet die schöne Harmonie der Fußspitzen zu beobachten Gelegenheit haden. . Die Teutschen haben den König dei Rundtänze, den Walter, geschaffen und den Nationen geschenkt. Und wie vielt Teutsch: können ihn tanzen? Ueberall überwuchert der abscheuliche dreitheiligt Hupswalzer. Einem Vaar glücklich Veranlagter und herzlich Verliebte! dictirt vielleicht da und dort Gott Amo, das Recept zum echten rechten Sechsschritt. E. Scholtler, den wir vorhin eitirten. klagt : Der langsame gemüthliche Landle? geräth ganz in Vergessenheit. Polka und Schottisch verschmelzen derart, daß kein Mensch mehr weiß, ob je ein Untere schied zwischen beiden bestanden. Du Tanze, die einen eomplicirtcn Rhyth--mus haben und demgemäß eine complv cirtere Bewegung erfordern, wie PolkaMazurka und Rheinländer, sind die we niger beliebten lind weniger getanzten. Werden sie aufgespielt, so helfen sich drei Viertheile der Tanze? mit dem Univer salmittel SÄottisch" durch. Hat man Walzer, Spöttisch und Galovp anfgezählt, so ist man im Grunde mit dem TanzrepertOlr zu Ende. Wer heute noch in der Franoaife die tactmäßigen Pas aussühren wollte, würde sosort'als lln schuld vom Lande anrüchig lverden. Die echt? Lady und der echte Cavalier gehen" die Touren so nonchalant als nur möglich; in jedem Schritt muß ein vornehmes: Was liegt mir daran!" zum Ausdruck kommen. Die Gabe des Tanzes ist unler den Nationalitäten und innerhalb derselben unter den Stämmen sehr ungleich vertheilt. Bei uns Deutschen wird im Ganzen in Süddeutfchland besser getanzt, als im 5&?dm, wo nur die Sachsen eineö besonders guten Rufes sich erfreuen, - nun ja, sie sind Musiker. Gute Tänzer sind die leichtblütigen Rheinlander. Der Ocsterreichcr urei acnstc Domäne ist der Walzer. Die Russen haben sich bei ihrem Adoptions vermögen und Feingefühl der europäv fen Tanweise mit realem Geschick und mit vieler Eleganz bemächtigt. Den
Polen liegt der Tanz im Blut. Eine ganz besondere Stellung nehmen Eng länder und Amerikaner ein. Praktisch, wie' sie sind, haben sie einen Universal, modus getunden, einen Tanz, der sich eben so gut auf Dreiviertel wie " aus Vierviert'eltact, auf Walzer wie aus Schottischweise tanzen läßt Rechtsum, linksum, zwischen jeder ' Drehung ein verbindender Schritt, so sieht der angel sächsische Univerfaltanz aus. der in dem amerikanischen Boston" seine Vollendung feiert. Uebrigens muß man die ser phlegmatisch-ernsten Tanzweisenachrühmen, daß bei ihr weniger gegen die Grazie gesündigt wird, als bei dem deutschen Hüpfen und Springen. Selb samerweise sind die, romanischen Völker trotz aller Beweglichkeit und Lebhäftigkeit vielleicht aus Grund derselben keine Meister des Tanzes.
tt Wein-Conaräöttches". Der in Wiesbaden abgehaltene Wein konaren bat ficsi bekanntlich für eine ra tionelle Weinderbesserung, d. h, für den Zusatz von Zucker und Wasser bis zum ersten Abstich ausgesprochen. Diese Beschlüsse wollen der dortigen Karnevalsgesellschaft Sprud'el"durchaus nicht gefallen'. In der jüngsten Sitzung fangen die Sprudler folgendes Weiw Kongräßliches" betitelte Lied: Es ist im Leben häßlich eingerichtet. Daß bei dem Weine gleich dle Pan scher steh'n. Und wie man uns vom Wein-Kongreß berichtet. So soll das Panschen lnstig weite? geh'n. Wir Haben's Alle, Alle ja gelesen ; Der sagt, so gießt doch Wasser, in den Wein Behüt' dich Gott, es wär' so schön 3 wesen. Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! Ihr deutschen Dichter und ihr deutschen Zecher, Umhüllt das Haupt mit schwarzem Trauerstor, Umhüllt die Flaschen, Gläser. Römer, Becher, Und singt mit uns in traurig ernstem Chor: Der Ruhm des Rheinweins, der ist da gewesen. Der Ruhm von reinem, unherjälschten Wein Be-üt, dich Gott, es wär' so schön gewezen. Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! Zir waren stolz auf unsre deutschen Neben Und stolz auf deutschen reinen Traubensast. Jetzt siegt, wir mußtens hier erleben, Die Echmiererei und Wasser-Panscher-fchast! . Anstatt des Weins von Trauben auserlesen, Sechzigprozentig darf die Panschuna sein! Behüt' dich Gott, es wär' so schön ge wesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht solleo sein! O schöner Rhein mit deinen Rebge landen, War der Kongreß für dich nicht offner Hohn? Wer kann das Schmieren noch von du abwenden, Wenn der Kongreß nimmt solche P ' sitwn? Wir selbst, wir müssen'dlch lösen Und schmeißen all' die Panscher jn der. Rhein. Behüt dich Gott, es wär' so schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! Ueber die Grau famkeit der alten Wenden schreibt Haupt in seinem wendischen Sagenbuche" : Die Lausitzer Wenden in der Gegend von Zinnitz Kreis Kalau hatten außerordentlich strenge Ehegefetze. Am Markte' dieser Stadt befand sich eine Brücke und dort wurde jeder, der sich an seinem Weibe versündigt hatte, auf tmt nicht uäher zu bezeichnende Weise angenagelt. Es herrschte bei den Sorbew wenden in der Heidenzeit auch der schändliche Gebrauch, daß man sich der alten Leute, die zu nichts mehr tauglich waren, auf eine . grausame Weise eut. ledigte. Der eigene Sohn schlug seinen Vater todt, wenn er ihm zu alt wurde; er warf ihn in's Wasser oder stürzte ihn von einem Felsen: ja, es sind Bei spiele solcher Unmenschlichkeit auch noch in christlicher Zeit vorgekommen. Dafür die folgenoe Aufzeichnung e.mes glau b würdigen Berichterstatters: Herr Lewin von der Schulenburg, Oberamtshauptmann in der Altmark, ist um's Jahr 1580 einmal unter dm Wenden gereiset, da etliche einen alten Mann geführt, welche er gefraget: Wohin mit diesem Alten?" Darauf sie geantwartet es war grausig anzuhören: Zu Gott!" Meineten damit, sie woll, ten denselben Gotie opfern, weil er mit Arbeiten seine Nahrung nicht mehr gewinnen konnte. Als der Hauptmann dieses verstanden, hat er den Alten mit Gewalt erlediget, ihn nit sich heimge nommen und zu seinem Thorwächter gemachet, in welchem Dienste er noch zwanzig Jahre getebet haben soll." Ein Chronist älterer Zeit erzahlt das' felbe aus dem Jahre 1297 von einer Gräfin von Mannsfeld. Sie reistt durch einen von Wenden bewohnten Theil der Lüneburger Haide und traj dort einen Bauer an, der ein Grab grub, in welches er seinen jammernd daneben stehenden , Vater einsenken wollte. Auch eine BibliothekStudent: Würden Sie vielleicht dieses Eommersbuch kaufen?" Antiquar: Bedaure, ich kaufe nur, ganze Bibliotheken!" Student: Verzeihen Siö das ist ja auch meine ganze Bibliothek'
Wie ich zu meiner Frau kam. TsuV.Z?llrl-h5rt.
' Die Studienjahre lagen hinter mir, und es hieß nun emen Beruf wählen, Einen Berns mit dem traurigen Uebel, mit dem mich die Natur gestrast hatte! Kein einziges Gebiet, zu dem die Neigung mich hinwies, lag dem Stotterer offen. Mit besonderer Vorliebe hätte ich mich dem Lehrfach gewidmet; aber nun denke man sich einen Pädagogen, der mit dem zornig aufbrausenden d d d e e e" zwischen die lachende Meute fahrt und sich in Todesangst und Verlegenheit immer mehr verhaspelt. WaZ hatte meine gute Mutter sich abgemüht, mir das leidige Stottern abzugewöhnen, wie nachdrücklich wurde sie in ihren Bemühungen von des Vaters Bambus-unterstützt! Es.'hals Alles nichts, weder ihre Strasen. noch mein guter Wille, und weil ich lie ber schwieg, als .mich dem Gelächter meiner spottlustigen Schulgefährten auszusetzen, galt ich bald für einen trägen und remtenten Schüler, während mir die Thränen der Scham und des ohnwächtigeu Zornes in den Augen brann. ten. Was ahnten sie Alle von der stummen Qual des Sprachgefesselten? Meine Eltern waren dahin. Ich galt in unserem Provinzialstädtchen für eine gute Partie mit einem Erbe, meiner gesunden Gestalt, blühenden Ge sundheit und meinen dreiundzwanzig Jahren. . Diese dreiundzwanzig .Jahre? Mit dreißig hätte ich - der morgenschonen Olga vom Oberlehrer Müller wahrscheinlich schlicht und einfach gesagt, was sie in meinen Augen längst gelesen und, wie es allen Anschein hatte, auch bis zum öchlußkapitel gern weiter studirt Me: MW Dich lieb...." Mit dreiundzwanzig Jahren begnügt man sich aber rncht mit dieser vielfagen. den Erkläruna. besonders wenn man einer so reizenden Schelmin von achtzehn Jahren im Mondenschein gegenüber steht, und die Nachtigall, die holde, schmelzend süß das Brautlied flötet. Da müssen uothwendig noch einige Superlative mit unterlaufen, und nachdem die Götter mir zwei Minuten ganz gnädig geblieben, und ich ihr von meinem geHeimen Lieben in gebundenster Redt vorschwärmen durfte, und sie sich hott krrötend schon zu mir neigen will, ver falle ich Unglücksmensch, um der Sachi noch romantischeren Nachdrnck zu geben, auf den unglückseligen Gedanken, das Knie vor ihr zu beugen, und will mit leidenschaftlichem Pathos nun ausbrechen: Ich bete Dich an." ' Ihr Götter, steht mir bei! Ueber da! bö bö bö böbobö " komme ich nicht hinaus, und je mehr Olgas Gesichtchen sich krampshast verzieht, je derzweifelte? sie gegendie aufsteigende Lachlust ankämpft, je verwirrter werde ich. desto convulsivifcher stottere ich mein b b bb " heraus, bis sie schal lend losbricht, ich wie gebrannt empor schnelle und gleichsam gehetzt von dan nen fliege durch Büsche, Hecken, übel gäuue auf Nimmerwiedersehen. Der nächste Tag sah mich schon del heimath fern, und ich ging nun mit eiserner Kraft an das Werk der Selbst irziehung und gab mir dasWort: nicht cher in dle Welt und unter die Menschen zurückzukehren, bis ich die äußere Lerpuppung, die meine Seele unschön umschlossen hielt, mit unermüdlicher Willenskraft durchbrochen. Und es ist mir gelungen, mit rastloser Anstrengung und nie erlahmender Enerzie, durch Athmungsübnngen und Fprachzymnastiken aller Art vor dem Fviegel. Und als jch es kkchljch durch' pjeht, ganz Herr des sprachliche Gedrauchs zu sem, wollte ich mich anch flugs für die lange Klausur durch einen Slusenthalt in der Residenz belohnen und befand mich in der Frühe schon aus der Eisenbahn. Mir gegenüber im Toupee saß ein biederer Vorpommer nd ein rosensrisches, ganz junges Kind mit goldigen Stirnlöckchen, das mich ws großen Blauaugen unschuldsvolt und holdselig anlächelte, als ich es im Laufe des Tages mehrere Mal höflich zusprach, aber stumm blieb wie ein Zisch. Hübsch wie ein Bild, aber auch so seelenlos," dachte ich mit Bedauern, da ich den Blick mit dem Entzücken des vachen Schönheitssinnes an der harmoischen Gestalt bis zum fein und lieblich geschnittenen Gesichtchen hina'nfsteigen ließ, das, merkwürdig genug, in seiner geistigen Belebtheit so gar ' nichts von seelischer Unbedeutendheit ahnen t ließ. Der Papa und ich unterhielten uns eifrig über Politik, dann über Künste. Wissenschaft. Ein immer helleres Leuch!en stand auf der edlen Madchenstirn, immer beredter, ausdrucksvoller sprahen die klugen Augen, der anmuthig zeschwungene Mund. Weshalb aber, )a doch das lebhaste Mienenspiel ihre zolle Antheilnahme und ihr klares Verständniß für unsere Unterhaltnng zeigte, schwieg sie so eisern oder antwortete doch nur, wenn man sie direct anredete, n kurzem Ja oder Nein? Das Mädchen wurde mir, je länger vit zusammen weilten, ein immer grözeres Räthsel. Da sollte ein Zusall nir die Lösung geben. Der Papa war ms einer Haltestelle in den Wartesaal gegangen, um sich neu zu vcrprovianti:en. Die Glocke ward schon in Bevegung gesetzt, aber von unserem vierjchrötigen Gutsbesitzer war noch nichts ;u sehen. Das junge Mädchen war in Todesmgst. Und als die Pseife des Zugfüh:ers nun schrill uns durch die Ohren zellt und der biedere Vorpommer, in landesüblichem Phlegma, in jeder Hand :in ' Bierseidel balancirend, auf das öupec zugezchleudert kommt, da schreit sie aus tiefster Seelenangst : Schnell, schnell, Väterchen ! d-d d dddd " Nun wußte ich genug ; und als der zute Papa, von mir heraufgezerrt, laut hustend in der Waggonecke lag und sich öen Schweiß von der Stirn' trocknete, md das liebliche Lotting- blutüöer-
gössen und schrecklich verwirrt ,an den Knöpfen ihrer Handschuhe nestelte, er zählte ich den eifrig Zuhörenden, in scheinbarer Harmlosigkeit meine eigene Geschichte und hörte darauf, daß der Papa mit dem Tochterchen auf der Neise in die Hauptstadt sei. um die dor Ugen Aerzte wegen ihres nach Diphtheritis eingetretenen Leidens zu cvnsulti' :en. Der Arzt des holden Lotting bin ich daraus geworden und habe mit Glück und Geschicklichkeit sie in die Kur genommen. Sie revanchirt sich seit zwei Jahren dafür aber gründlich; siebe
handelt auch mich, und ich mnß der Wahrheit die Ehre geben: gut und schlecht, je nachdem ich es verdiene. Was wir an uns selbst erprobt, haben wir znm Segen und Heil der leidenden Menfchheit berufsmäßig weiter getrieben. In unserem freundlichen Heim vor dem Thore findet Jeder Auf' nähme, der an gleichem Gebrechen laborirt. und noch Keiner hat es ungeheilt verlassen, und Vertreter aller Nationen reichen sich brüderlich an unserm Tisch die Hand. So ist uns aus dem eigenen Lett eine Quelle sonnigsten Glückes entsprun gen; mein holdes Weib und ein segens' voller, der Menschheit dienender Berns ward meiner energischen Bestrebung Siegerlohn, und ich segne heute uni immerdar Olgas hohnvolles Spotd lacken. Die blinde Braut. Zu der Pfarrkirche der Wiener Vorstadt Hernals hat eine interessante Trau ung stattgefunden. Eine einst vielgefeiert, Schönheit, die Heldin einer Wiener Sen sationsgeschichte, schritt zum Tranaltare, Aber aus der einstigen Schönheit wa, ein arg entstelltes Mädchen geworden, das des Augenlichtes beraubt ist unj zu dem Altar geführt werden mußte, u das Jawort Wzusprechell. Aus dm Leben der blinden Braut erzählt dai Jll. W. E.": Neun Jahre sind vor über. Man schrieb den 11. Novemb 1881. Zn jener Zeit nannte man du Weiß Poldl in der Reihe der Wien Lieblinge. Sie war eine Sängerin, ihi Aeußeres war blendend, ein wundem hübsches blaues Auge schaute mit kind lichfreundlichem Blick aus dem frische rosigen Gesichte, und ihre Stimme toa rein, hoch und glockenhell. Sie war da mals beim Honiik im Cafe Chantant an der kleinen Linie engagirt und ge hörte zu den meistbewunderten Mitgliedern des Ensemble. Eine reiche Zahl von Verehrern umschwärmte sie. Du Weiß-Poldi war aber auch ein braves Mädchen, und all' die Schmeicheleien, du man ihr lanter oder leiser sagte, verfing bei ihr nicht. Eie wußte wohl,daß sie sick, auch aus dem Kreise dieser Lebemann den Gatten nicht holen werde, und wal überglücklich als der Ledergalanterie. Arbeiter Julius Dworaczek, ein hübsche; junger Mann und braver Arbeiter, fick ihr uähcrte und ibr die Liebe gestand! Leider zeigte es sich bald, daß die Pöldl sich in Julius getäuscht habe, denr Dworaczek vernachlässigte seine Arbeit, kam immer mehr herab, lebte endlich von den Unterstützungen der Poldl, die nunmehr über Andrängen des Vaters daZ Verhältniß löste. Am 11. Novembei 1881 erwartete sie der verschmähte Ge liebte, geleitete sie in die aiserltraße ih die Wohnung einer Verwandle, un dort übergoß er die Arme mit Schwefel' säure, währenc er sesbst Cyankatt nayn und sich tödtete. Der Roman der Chan sonnettensängerin machte feiner Zeit ir Wien nicht geringes Aussehen. Als du Poldi das Spital verließ, erkannte su Keiner mehr. Das eine Auge war ver loren, die Sehkraft des andern arg geschwächt, ihr Gesicht eine einzige großl Narbe. Mitleidige Menschen nähmet sich ihrer an, in erster Linie Herr Wil Helm Ender, der das arme Mädchen tie bedauerte, um fo tiefer, als er schon früher innige Neigung zu der Sängerin gefaßt hatte. Man verschaffte ihr eint Maske, die ihr zerfetztes Gesicht bedeckte, und mit einem großen grünen Schirm über den Augen, so sah man die Weiß' Poldl jetzt noch hie und da beim Heurigen. denn nichts war ihr geblieben, als ihre schöne Stimme. Einmal im Iahn veranstalteten College und Colleginncn für die Unglückliche Benesiz-Soireen, deren letzte erst im vergangenen Monat in Nenlerchcnfeld stattfand. Wilhelm Ender hielt treu zur Poldl. Da traf sie ein neuer Schlag. Was die Aerzte vorausgesehen hatten, kam. Auch, das zweite Auge verlor die Sehkraft, die Poldl war vollständig blind. Wilhelm Ender wollte zeigen, daß er von der nicht lasse, die er in guten, Zeiten gekannt und geliebt und Sonnabend Nachmittag führte er die blinde Poldl heim, deren Gesicht auch bei der Trauung mit einer Maske und einem Schleier bedeckt war. - ..; Au s der Schlinge g e z 0g e n. Principal: Herr Meierleben, wie können Sie sich unterstehen, hinter meinem Rücken zu sagen, ich sehe aus wie Methusalem?" Meierlcben: Verzeihen Se, Herr Principal wie Methusalem, als er noch e' Jüngelche war!" Et, Cousin. Du schaust etwas verdächtig oft aus die Pendüle ZAber, Ccusinchen. Du wirst doch nicht glanben, daß ich mich in Deiner liebenswürdigen Gesellschaft langweile ! Das nicht aber daß Du Deine Taschenuhr versetzt hast!" D 0 p p e l s i nn i g e A n tw o rt. A: ....Also der Herr Sekretär Huber hat Sie einen Dummkopf genannt? B: Ja! A: Uno was erwiderten Sie daranf?" B: Ich sagte: Herr Cvllega, das verbitt' ich mir!" . ' 'P e ch.Frau (zu ihrem von der Jagd heimkehrenden Mann ) : Wie, one einen einzigen Hasen kommst Tu diesmal? Sonntaqsiäaer: Ich hab' Pech z'habt. Anna! TenkeDir, ich hab' mein Z Portemonnaie Z' Haus gelassen!
Gebrauchs und Zlerkamme. Die Gebrauchskälums sind wshl so alt, als es Haare gibt, und man kann wohl annehmen, daß dem ersten Erfinder des Kammes als Modell di? fünf ausgespreizten Finger gedient haben, welche noch heute ost inNothfällen daZ Toiletten, stuck ersetzen müssen. Anders verhält es sich mit den Zierkämmen, deren 6r stenz man in Europa erst in den dreißiger Jahren unseres Säkulums nachwei sen kann, da sie vordem nicht auf den erhaltenen Modebildern vorkommen. Gebrauchskämme sind uns namentlich aus dem Mittelalter vielfach überkommen. Namentlich sind es Kämme, die zum liturgischen Gebrauch gedient haben, da sich früher die Priester Haar und Bart vor Beginn der Messe am Altar zu kämmen pflegten. Diese Kämme waren durchgängig von Elfenbein. und in alten Satzungen wird als Inventar der Kirche für jeden Altar ein Kamm aus Elfenbein aufgeführt. Bei der Konsekration der Bischöfe wurde jedes Mal ein prachtvoller neuer Kamm angeschafft, um die bei der heiligen Salbung in Unordnung gerathenen Haare wieder zu ordnen. Solche Kämme waren höchst vornehm geschnitzt und mit Goldarbeit verziert. Sie blieben, da sie nur einmal gebraucht wurden, Eigenthum des Bischofs und wurden demselben nach dem Tode in den Sarg gelegt. Diese pietätvolle Sitte, den Todten Liedlingsschmucksachen und Gegenstände seines intimen Gebrauchs mit in's jGrab zu geben, können wir nicht hoch genug preisen, denn ihr verdanken wir unbezahlbare Schätze der Kunst und des Luxus, die in Gräbern gefunden wur den und noch gefunden werben. Die Gestalt des Gebrauchskammes war frü, her abweichend von der heutigen, sie gleicht etwa unserm jetzigen Staubkamm mit z ei Reihen Zähnen. Das Mittel' stück wurde in ausAiebigster Weise zu ornamentalen Verzleruugm gebraucht. Viele Kämme, die erhalten sind, werden als Eigenthum großer Msnncr b?ich
uet, mvgcu aber wohl späteren Iah?' Hunderten entsprossen sein. Ein Kamm, welcher der heiligen Hildegardis (1197) gehört haben soll, dürste dagegen einer früheren, der altrömischen Zeit angehoren, da die Platte mit zwei Rittern in römischer Rüstung und 3 Wagenlenkern verziert ist. . Die Kamme sür weltlichen Gebrauch pflegten in poesievoller Weise mit Seeneu " ans Dichtungen versehen zu sein, welche damals die Welt bewegten. Theilweise bewegt sich die Ausschmük kung auch iu heiligen Bildern. ES isi das ein großer Vorzug des Mittelalters gegen unsere heutige Zeit, daß man nicht nur gedankenlos dekorativ vorging. Vielfach erhalten sind uns Ge branchskämme des französischen Mittelalters, die, wie zu erwarten, namentlich wenn sie für die Damenwelt bestimmt waren, hochelegant an Geschmack und Ausschmückung hergestellt sind. Diese Kämme des 14. und 15. Jahrhunderts sind meistcntheils aus Burbaum und tragen ost recht hübsche Inschriften. Im Laufe der Jahrhunderte tritt, wie bei den Kämmen, so überall ein Auseiw andergehen der Kunst- und Gebrauchs gegenstände ein. Solche-die zum Ge brauch im Hause dienten, wurden imm schmuckloser und einfacher, sodaß heut Hausgeräthe gänzlich schmucklos sind, während man nur die zur Schau getan genden Gegenstände verziert. Es ist dieses im Interesse des Kunst. gewerbes tief zu beklagen. Man adelte nicht nur damals durch die Ver zierung den einsachsten Gegenstand, son dern regte auch fortgesetzt den Geschmack an. .Als Gegenstand des Schmuckes ist der Kamm, wie bereits erwähnt, sehr jungen Datums. Zahlreiche Modebil' der des vorigen, Jahrhunderts, zeigen wohl den mächtigen Haaraufbau der Damen, nirgends aber einen Zierkamm in diesen Koiffüren. Die Erfindung der Zierkämme kann man wohl den Ja panern nicht abspenstig machen. Die jungen Japanerinnen haben dieselben auf den erhaltenen, ost sehr alten Mode bildern überall bei ihren sehr geschmack vollen Haartouren angewendet. Man darf wohl auch nicht zweifeln, daß die Holländer, welche in vielfachen Handelsbeziehungen zu den Japanern "standen, den Kamm bei uns eingebürgert ha ben. Auf dem thurmartigen. Aufbau, mit welchen unsere Damen m den 20er Iah' ren ihre Köpfe versahen, finden wir den Zierkamm zuerst. Die Form ändert sich mit dem Geschmack und zerfällt in eink gerade und schiefe, letztere für die Fri' für mit schiescm Scheitel. Man stellte schließlich die monströsesten Haartouren her und fertigte aus steiscm Haare famm artige Gestechte aus dem Kopf selbst an. Die Geschmacksrichtung ist erklärlich. Die Mode bewegt sich stets in Extremen. Wie ans die Krinoline der unmäßig enge Rock folgte, so folgte auf die Damenfrisur der Rokokozeit Louis X VI. der Tituslops unter dem Empire und nach diesem wieder die bercgten morn strösen Koiffüren mit ihren wilden üppigen 'Haargebilden. Die uns gebliebenen Modebilder jener Zeit bekun den, daß die Kopfputze in den.Jahren von IM 1835 sehr unsymmetrisch waren. Die Zierkämme - wurden vor AUgsweife auZ Schildpatt angefertigt. Kehr hübsch gearbeitet sind Kämme aus Eisen mit den Wendywood scheu Jaspisverzierungen, von denen uuser Museum einen für schiefen Scheitel be sitzt. Einige Exemplare von kolossa len Schildpattkämmen, die der Zauberen Arbeit nach zu urtheilen in Paris angefertigt fern dürften, welche dem Museum ebcnsalls gehören, dürsten wohl für mexikanischen Geschmack berechnet gewesen sein. Während heute, bei uns 'der Schmus kämm so ziemlich ans der Mode gekom' nen ist. bleibt er ein Hauptzierrath degeschmackvollen Kopfputzes der junger Japaneserin und spielt' bei dem Kopfvütz eine' aroße Rolle!' Oft bringen dies
p-a-nt. rvm ri t unen Damen sogar bler Kmttme tn ihrer Koiffure an, die namentlich häufig mit Goldlack verziert sind. Auf den japanesischen Kämmen findet man Darstellungen aus der Geschichte und aus der Natur des Landes. Die technische Herstellung zeigt schöne Schnitz- und Elfenbeinarbeiten. Der Japaner bindet sich indessen an kein stimmtes Material und verwendet Alles, was ihm passend erscheint. Besonders großartig sind die Japanesen in ihren Motiven zu Landschaften, die sie auf dem kleinsten Raum packend darzustellez wissen, (Hamb. Reform). Anttquttaten-Licvyaderei. Eine hervorragende Liebhaberei mt rer Tage ist jene für Antiquitäten. Wenn die Werke unferer Väter, wie das Schlagwort lautet, hoch gehalten werden, so ist sicherlich nichts dagegen einzuwenden, selbst in manchen Fällen, wo diese Werke in Bezug auf technische und künstlerische Ausführung Vieles zu wünschen lassen. Denn daß die Leistungen früherer Jahrhunderte nicht sämmtlich das Gepräge der Vollendung tragen, sich vielmehr neben den guten auch mittelmäßige und dürstige sindm, welche nicht ihrer Schönheit und Mu stergiltigkeit, sondern einfach des kulturhistorischen und kunsthistorischen Interesses wegen pietätvolle Aufbewahrung verdienen, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Leider hat aber die Mode, Antiquitäteu zn sammeln, in gewissen Kreisen geradezu eine Verschiebung der Wegrisse erzeugt. Dieselbe gibt sich in der Gleichstellung von alt" mit schön" deutlich zu erkennen: ist de? Gegenstand angeblich ein Erzeugniß des sechzehnten oder siebzehnten Jahrhunderts, so ist damit zugleich feine unbedingte Mustergiltigkeit, Vollkommenheit und Schonheit erwiesen. In dieser geradezu tat gefunden Auffassung, welche wesentlich durch die Leitung und Richtung der kunstgewerblichen Bestrebungen der letzten beiden Jahrzehnte herbeigeführt worden ist, wurzett vornehmlich das Llutiquitätengeschäft unserer Tage. Sie sind zahllos geworden diese Geschäfte! Man fragt sich, wo kommen alle diese alten" Gegenstände, diese alten" Spitzen, Elfenbeinschnitzereien,' Emaillen, gekrtebenen Silberarbeiten. SteinzeUg-Krüge, Majoliken und übri. gen Dinge her? Schier unerjchoMH ist der Reichthum, unb es liegt die An nähme nahe, daß in den gesegneten Ta gen der Lienaisfance jeder Handwerker, jeder schlichte Bürger eine Fülle von allen diesen Perlen" der Antiquitätenläden zum Schmuck seines Heims belef sen hat. Sieht man genauer zu, so fmdet sich nur zu ost, daß die Mehrzahl dieser Antiquitäten zu dem gehört, MZ der Berliner mit dem treffenden Namen Jux- bezeichnet. Insbesondere laß! sich diese Bemerkung von den antiquari' scheu Kostdarttiten gewisser süd' ettschn Badeorte sagen, wo die Kurgärten auch mit Van Dyks, Rubens, Hals, Bande, Meeres, Ostades und Brouwers ge radezu garnirt sind. Nun, ein großer Theil diese? Dinge kommt von dort her, wo auch das sensationelle Lutherbuch" hergekommen ist, ans modernen Werkstätten, wo in geschicktester oder wenig geschickter Weise gefälscht wird. De? andere Theil aber mag echt sein, ist aber gewöhnlich nichts werth und verlohnt sich für den Privaten kaum deZ Ankauss. Die Eentralstätten der Fal' schung liegen in Paris, im Orient, am Rhein, und selbst für gewisse, Dinge in Berlin. So manche alte- Elfenbeinschnitzerei entstammt der modernen Industrie am grünen Strande der Spree. So manche alte getriebene Silberarbeit kommt ans Westsalm und vom Rhein. Der Fälscher des Lutherbuches, der Graveur Heck gesteht, daß er schon ahn liehe Alterthümer"' angefertigt und damit ein gutes Geschäft gemacht habe. Gewiß, die Dummen werden nicht alle. In Lüneburg wurde beispielsweise vor einem Jahrzehnt das ausgezrabent Trinkhorn Heinrichs des Löwen der kaust. Aber auch gewiegte Kenner fal. len hinein, sind doch m Paris von be. rühmten Sammlern Jahre hindurch alte Limousiner Emaillen peftrnft worden, die sich spÄer als geschickte Fälschungen eines talentvollen modernen Emailinalers erwiesen haben. Alte" Möbel mit Wurmstichen- gehen aus den dortigen Tischlereien hervor, alte"Schmuck gegenstände aus den Werkstätten de, Juweliere, alte" Bilder aus den At lie?s de? Maler. Das Schwärmen,, sü, ! Alterthümer- grassirr es ist Mode, krankhcit. Wer aber verliert dabei? Nun, der Kunstgewerbetrcidende, welche in seinem Berufe ehrenfest und rechtlich vorwärts strebt: feinen Leistungen wer den nur zu oft die Alterthümer", mö' gen dieselben auch nichts taugen,, vorae zogen. Alterthümer zu sammeln. mögM tr ' t . i r . ''V r "' " : ' !j: Sä!; oer ale oenzenigen uoeriaen, wecye etwas davon verstehen und sicher sind, ;,c, nicht hineinzufallen. Statt Fälschungen ' oder wcrthlofem Zeug feine Mittel zn znwendcn. möge der Laie besser dem modernen, ehrlich arbeitenden Knnstze werd? seine Unterstützung zuwenden, da. mit dieses nicht den Muth verliert, sow dern sich auch materiellen Wohlseins er freut und in froher Lust weiterstredt. (Vossische Ztg.) Z n früh (Im Salon befind sich ein Papagei, der bei Eintritt eine? Besuchers ausruft: Jawohl, sehi schlecht.") f esucher:1 Gnädige Frau, darf ich fragen, was des Vogel damit meint? Dame: Das will 'ich Ihnen erklären. Die Meisten, welche mich in
dieser Jahreszeit besuchen, pflegen die Unterhaltung mit den Worten einzu, Zeiten: Es ist heute sehr schlechtes Wet. ' tcr." Der Kürze halber hab? ich meinen ' Papagei 'aus die Antwort abgerichtet , welche, bei Ihnen verfrüht WB-?' n mli
Von einem Du , r ch g a n g er. Denken Sie. der Herr Maier ist durch. gebrannt.. So Hat er Schulden hinterlassen? WNeeZ die hat Her Spitzt k bub' auch noch mitgenommen. ' -
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