Indiana Tribüne, Volume 14, Number 147, Indianapolis, Marion County, 15 February 1891 — Page 3
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Die a ennB tfrö tsBruöer.
Sozialer Roman Von A. LütetSdurg. (9. Fortsetzung.Z Wmn er gehofft, den Bruder mit dem Schwärm der Theaterbesucher kommen zu sehen, fs hakte er sich abermals getauscht. Erst gegen zwei Uhr sah er ihn xlolrch in feiner unmlttelbaren Nahe n einem Tische sitzend. Jakob wußte benimmt, daß er nicht durch einen der Eingänge getreten war, er mußte durch die kleine Thue neben dem Buflet gekomrnen sein. Diese Ueberzeugung ließ Jakob tief und schwer aufathmen. Hans befand sich K Gesellschaft eines älteren Herren, deffen ganzes Aeußere den blasirten Lebemann verrieth. Er selbst sah bleich und angegriffen aus; die Wangen waren hohl, und die Augen lagen tief in ihren Höhlungen. S!e hatten auch einen Ausdruck, die, wie Jakob dünkte, gar nicht in Beziehung zu dem Charakter eines Mannes, wie HanZ Brenner war, stehen konnte; es mußte denn eine gewaltige Smnesändernng mit dem Bruder vorgegangen sein. Jakobs Herz schlug fast hörbar in der Brust. Nöthe und Blässe wechselten in Folge tiefinnerstcr Erregung in seinem Besicht. Was sollte er beginnen? Wenn er HanS anredete! Er wollte sich von feinem Sitz erheben; es dunkte ihm eine Nnmogttchkcit. Und doch! All' sein Schwanken hatte ein plötzliches Ende erreicht. Da stand er neben ihm. Seine feste RrbeitShand legte sich auf die Schulter des Bruders. Dieser zuckte unter der unerwartete:! Berührung nervös zusamm.n. ' Ausblickend, verfmsterte sich seine Miene. HanS, ich habe Dich hier seit sechs Uhr erwartet," kam es zitternd yon Jakob'S Lippen. Warum? Was willst Du von mir?" lautete die kurze, schroffe Entgegnung. ' Jakab biß sich auf die Unterlippe, er war bleich geworden.' Die Stimme des Bruders hatte einen schweren, lallenden Klang: ohne Zweifel in Folge unmäßigen Genusses geistiger Getränke. Ich muß mit Dir spechen. Jemand, den Du sehr lieb hast,ist schn erkrankt. " Einen flüchtigen Augenblick blitzte es in seinen Augen auf, dann umzuckte ein spöttisches Lächeln seinen Mund. Du irrst, ich habe Niemanden lieb, mt ich Allen ein Fremder bin, " gab er leise Zurück. In den wenigen Worten- hatte ein fchneibendes Weh gelegen. Kordel Nachmann ist todtkrank, wer rnaz wissen, wie kurze Zeit ihr noch um Leben vergönnt ist. " Hans Brenner war zusammengezuckt, seine bleichen Wangen erschienen dem Bruder noch bleicher. Dennoch sagte Hans: Was kümmert mich Kordel Nachtnar.n?' ,. Sie war eine Genossin unserer trau? trägen Kindheit, Hans, und ich glaube, sie würde Dich gern noch einmal vor ihrem Ende sehen. Sie macht sich nichts aus mir", kam es schroff zurutf. Täuscht Dich da nicht der Schein?" Sie verlangt nur nach Dir. a Du tauschst Dich. Kordel hat keintxttt Wünsche mehr für ihre Zukunft. Hans, bitte, geh' einige Augenblicke mit nur. Willst Du es nicht meinetwegen, so thue es eine? sehr Unglücklichen wirlen. Ich sehe, mein Ueber Brenner, Sie sind momentan sehr in Anspruch geucmme'.k," sagte jetzt plötzlich der Herr, welcher mit ihm an. einem Tische geses seit. Ich gehe nach Hause. Wo treffen ir uns morgen?" Wie alle Tage", lautete die Antwort. Der Herr lüftete seinen Hut und ging. Jakob ließ sich neben seinem Bruder nieder. Geh' mit mir Hans. Kordel hat Dich wirklich gern gehabt und oft nach Dir verlangt. Ich glaube nicht, daß das arme Ding es noch lange machen wird, sie leibet sehr. Deine früheren Vermuthungen sind ganz gewiß falsch gewesen. Sie htA uns Beide als ihre Schicksalsgenosfen gcrnaehabt; ich war nur öfter mit ihr zusammen, dadurch waren wir, uns näher kommen. Darf ich Dich heim Gleiten, Hang?" Heim geleiten?" Ja, wohin denn? HanS würbe roth. Seit Mttag hatte er kein Unterkommen mehr. Die Wirthin würde ihn nicht wieder aufnehmen, denn sie hatte ihm gclagr. daß sie keinen nnxünktlichen ZahL ler gebrauchen könne. Er sah den Bruder unsicher an. Derselbe konnte .ihm in der unangenehmen Lage, in welcher er sich befand, sehr wohl beistehen. Dieser Gedanke aber trieb ihm die Schamreibe ln die Wangen, als in Jakobs ehrticke, treue, blaue Augen blickte, und wenn ihm ein Auöwcg geblieben wäre, er , würde nicht den betreten haben, der ft w .jp- n. ' - -tf1 t $ - ' . I" II: sich ihm jetzt bot. Kannst Du mich die Nacht , Uty bergen? . fragte er mit unsicherer Stimme. , ..Warum nicht? Ich bin zwar nux . eifüch'nnzerkchtei, und " - Laß doch das ich werde mit Dir gehend ' v - '; ' : - Jakob war förmlich wie in einem, Tra::m, als er wenigeMinuten später an des Bruders Seite die Straße entlang sÄ?k:t., Die kühle Nachtlufi. indessen umfächelte wohlthuend seine heiße Stirn und brachte ihn zum vollen Bewußtsein deffen, was er so ganz unerwartet bei Hans erreicht. . Nichts desiowenigcr. -könnte er sich banger Besorgnisse über) dcn Auögang nicht erwehren V; -4 Schweigend schoten Beide neben ein: andcc dahin. ' Es war ein we!terWeg ,, b!4 zu JakobZ Wohnung, und den Arü--OetnHünkte'er noch' länger, ' als er in Wirklichkeit war. " 5 Kann ich einige Tage bei Dir woh: pn:" fragte Hans, nicyt wett vom. : entfernt. Vt
Warum nicht? gab Iakoö zurück. .Du kannst, frei ücr meine Wohnung verfügen. Den Tag hindurch bin ich in der Fabrik." Er wollte noch eine Frage hinzufügen, unterdrückte sie aber. Mie größte Borsicht war geboten, wenn er auf einen Erfolg rechnen wollte. Zu Hause angelangt, überwies Jakob dem Bruder sein Schlafzimmer, er selbst legte sich auf daS Sofa. An -Schlaf war für ihn doch nicht zu denken, die Ergebnisse des heutigen Tages würden ihn nicht einen Augenblick zur Ruhe kommen lassen. Eine einzige beseligende Hoffnung war in ihm' lebendig geworden vielleicht,, gelang es ihm, den Bruder zu retten. Hans schaute sich in dem einfachen Schlafzimmer um, da einen äußerst angenehmcnEindruck machte.ES wardieUmgebung eines ManneS, dem es weder an Gefchmack noch den nothwendigen Gelds Mitteln sehlte.AlleS war soZlide,dauerhaft und elegant. Hans hatte sich die Woh? nung feines Bruders, der in feinen Augen nur ein Fabrikschlosser war, anders gedacht. Zweifellos hatte tt einen hübschen, regelmäßigen Verdienst, vlelleicht machte er sogar Ersparnisse. WaS brauchte wohl ein Mens ivie die? ser zu seinem Lebensunterhült? Gegen Tagesanbruch sank HanS Brenner in einen tiefen traumlofen Schlaf, aus welchem er erst spät erwachte. Jakob würde , noch gern ein paar Worte mit dem Bruder gewechselt haben, hatte ihn aber nicht wecken mögen und war gegangen, nachdem er einen Zettel, durch welchen er HanS bat, ihn um 12 Uhr zu erwarten, auf den Kaffeetisch gelegt hatte. Hans Brenner hatte sich seit langer Zeit nicht so wohl und behaglich gefühlt, als an diefem Morgen in der Wohnung seines Bruders. Die Wirthin war ans gewiesen, ihn mit allem Nothwendigen zu versehen, und er ließ sich das Frühstück ganz besonders gut bei dem Ge, danken schmecken, daß ohne seinen Bruder sein Hunger an diesem Morgen vcrmuthlich ungestillt geblieben wäre er befand sich in der That in einer äußerst aussichtslosen Lage, aus welcher ihn auch niemand besreit haben würde, wie er bestimmt wußte. Jakob Brenners Wohnzimmer ließ in seiner ganzen Anordnung nicht minder Eleganz und Wohlhabenheit ver kennen, als sein Schlafzimmer. ES war dunkel gehalten, ohne einen düsteren -Eindruck zu machen. Helle Vorhänge gestatteten der Sonne sreien Einzug. Die stillvoll geschnitzten Mo? bel hatten einen rothbraunen Stossüberzug, der Schreibtisch am Fenster, welcher mit Zeichnungen aller Art bedeckt war, gehörte ersichtlich einem vielbeschäftigten Manne, wahrend das Sofa wohl kaum einige Male Benutzung gefunden hatte. Hans Brenner brauchte einige Zeit, ehe er mit' der Besichtigung und dem Durchstöbern deS Zimmers fertig wurde. Seine Gesicht hatte inzwischen einen finsteren Ausdruck angenommen, die den schlaffen, müden Zügen , etwas Unangenehmes verlieh. Er warf sich endlich aus das , Sofa nieder und überließ sich w'enig angenehmen Betrachtungen. Wie oft hatte er mit leisem Spott an den Bruder gedacht, der in harter Arbeit einem öestim'mken Ziele zustrebte und es doch, im günstigsten Falle,' zu nichts anderem bringen würde, als zum Aufseher oder Inspektor irgend einer Fabrik, während er, von den Reichen und Vornehmen der Welt umschmeichelt, eine glänzende Rolle, in deren Salons spielte und m den ersten Kreisen ein gern gesehener Gast war, dessen Abwesenheit bei jeder Festlichkeit noch besonders hervor-
gehoben wurde. Und wie hatte er e5 erreicht? Spielend, vom Glück begünstigt. Keinerlei Arbeit, keinerlei Anstrengungen waren von 'm gemacht worden, er hatte selbst nicht fujtn können, wie Alles so gekommen war. als er sich plötzlich aus einer Hohe sah, die ihn schwindeln machte. Wie lächerlich waren doch Jakobs Aeußerungen über den Fluch vcr Erbsünde gewesen! Er hatte nicht? gethan, ihn zu beseitigen, und wer würde ihm wohl einen Vormurf daraus machen,' daß sein Vater eines Tages selbst wenn es der - Fall gewesen wäre einen Mordversuch , gemacht ?, ... , , . Dergleichen Gedanken hatten ihn, wenn nicht ost, WH bisweilen beschästigt. Und in der That, die Welt fragte nicht viel nach der Vergangenheit eineS Mannes, her bereits in junaen Jahren so viel erreicht. Nie hatten Zufall oder Bosheit die Frage nach, seiner Herkunft ausgeworfen, wie das bet Jakob so ost der Fall gewesen war; so wußte er auch nichts von'den harten Kämpfen, die der Bmder zu bestehen gehabt. Im Haufe war es still, ringsum herrschte der tiefste Frieden. , Nur bisweilen fuhr ein Wagen durch die abgelcgene Straße, in welcher Jakob wohnte. Niemand kam, Hans Brenner in seinen Betrachtungen zu stören. Das wilde, ungestüme , Klopfen seines Herzens glaubte er jedoch Zu hören, e!neheiml!che Stimme regte sich in ihm es war die Stimme des erwachenden Gewissens. Und doch suhlte er sich ruhig, sicher. Niemand wußte seinen Aufenthaltsort, I!.!. .... V ,' !',!! iT-'',. "'i' . -,1 "!.,' ii' iNf1 J weder die keifende Hauswirthm, noch seine Glailbiger,. die Zahlung 'sür dieses oder jenes verlangten und sich nicht mehr auf den Verkauf des nächsten Bildes, das niemals vollendet wurde, vertrösten lassen wollten Es war ein seltsames Gefühl von Sicherheit, das , ihm seit Monaten ganz fremd geworden ei n en)kgr e ,lle nZ Kon t r a st-':! u d erSZUuru h e blldctedlSlh fort in irgend ein öffentliches Lokal gettZiieBKKWMSWKH heit, des Friedens konnte Jakob immer ' ü'!," 4:!';iiii..7Vii''ti;lfli' '."I'ü'V Afa i, h. !:.,. , f u' (li .iir;1 " i.' f- : r . ;!!";; . . .'!!." i,-i:i ivh OiifeiijiS! : Etwas wie Neid regte sich in seinem Herzen und tz sei n tut stieg H äh in d ie - . , tf.IX an Vm tr . r r - x V ifflmcifn, Hnajc jaHaen. Air cyamie t ,,, , i,,,: ', ' il! jl'1 li'ii. . 'i:!;,i iy'' "! . 1,111 ! 'ill! ''I" .'"'.'"''l1' " ' l!1' 1 f '' ,i; . '" fick). dak er . dem verfpotteten Bruder etwas neidete. .Und doch! Wie gut er- '",! " H'iV'f''' '::i.!: 't- '' ''' r :i i1-1'-! " ' "i4'' ',' ging es dtescm rm Vergleich zu lhm ! , Er dachte weiter und weiter viele Stunden, s abeWWarMrMchtlssK,HK A;;;t;
danken, ohne Zweck und Ztet. Wenn f in einem Augenblick das Verlangen nach einer Umkehr von einem Wege, der erbarmungslos in den Abgrunb sührm mußt?, heiß In fch aüsfteZgen fühlte, so dünkte dies ihm im nächsten eine Unmoglichkeit. Er sollte Jakob sagen, wie es mit ihm bestellt war, .ihn einen vollen Blick in sein jammervolles Leben werfen lassen?! Nein, nein eher untergehen! Jakob, würde.. ihm keinen Vorwurs machen, er wußte es, aber dem Bruder so tief erniedrigt gegenüber zu stehen, nachdem er lange auf denselben herabgeblickt, dünkte ihn schlimmer, als die Hartesten Vorwürfe zu empfangen. . ' Es war gegn zwöls Uhr, als ein leichter Schritt auf dem Eorridor und dann ein einmaliges, ziemlich energisches Klopsen an der Stubenthür ihn aus seinem Brüten aufschreckte. ' Unwillkürlich kam die Aufforderung zum ' Eintreten von seinen Lippen. . Ihm gegenüber stand ein junges Mädchen, sehr einfach, aber doch mit einer gewissen Eleganz gekleidet, obgleich eder der Stoff ihres Kleides ein sehr kostbarer, noch der Schnitt desselben der neuesten Mode angemessen war, wie Hans Brenner sofort mit Kennerblick ersah. Das junge Mädchen war durch seinen Anblick sichtlich überrascht. Heiß ergoß sich das Blut in ihre Wangen, und die Nöthe breitete sich rasch über Stirn und Nacken ans. Ich möchte Herrn Jakob Brenner sprechen," stammelte sie in einiger Verwirrung. Hang stellte sich als den Bruder desselben vor. Sogleich war die Verwirrung von ihr gewichen, und sie nannte ihren Namen: Irene Grünwald". Sie wollte Herrn Jakob Brenner bitten, heute Abend zum Abend, bröd zu kommen. Der Bater habe sich schon seit einigen Tagen nicht wohl befunden, und Herrn Brenner vergebens erwartet. Heute sei ihm zwar wieder besser, aber er werde in den nächstcn Tagen noch nicht in die Fabrik gehen und habe doch Nothwendiges mit Herrn Brenner zu besprechen. In der ganzen Art deS jungen MädchenS war etwas sehr Ernstes, NuhigeS und Sicheres. Es zeigte keine Spur von Verlegenheit mehr, sondern eS war dem jungen Maler vielmehr, als musterte ihn ihr Äuge mit prüfenden Blick. Er sagte, daß er seinem Bruder die Bestellung ausrichten werde. Sie wollen es nicht vergessen? fragte sie mit einer ungewöhnlich klangvollen Stimme. Er wurde roth; warum fragte sie so? Sie dürfen sich auf mich, verlassen, mein Fräulein. " Nun erröthete sie. O, ich bin überzeugt, Herr Brenner, aber verzeihen Sie der Vater würde sehr ungeduldig werden, und er ist leidend. Ich mochte ihm jede Aufregung ersparen. " Sie hatte nunmehr in einem bittenden Tone gesprochen und dabei ihre großen, klaren Augen mit einem Ausdruck auf ihn gerichtet, dem sein leicht- erregbares Herz nicht widerstand. Er war in der That durch ihre Frage verletzt, umsomehr,' als er glaubte, daß seine äußere, Erscheinung sie zu einem Mißtrauen berechtigt habe. Leider! Er stand prüfenden Blickes vor dem Spiegel, nachdem sie längst gegangen war. Er hatte seine Kleidung seit zwei Tagen nicht gewechselt. Das schwarze Sammetjacket, , obgleich "nicht alt nnd . abgeschabt, zeigte keine Spur der, einstigen Eleganz, seine Wäsche war, entschieden unsauber.. Seine ganze Er-, schclnung machte den Eindruck eines nachlässigen oder mindestens sehr unordentlichen Menschen. So lautete das Urtheil des jungen ManneS über seine eigene Person, und er hatte ein Gefühl von Scham, das sich nicht überwinden ließ. Er war unzufrieden mit sich selbst, dann gereizt. Was kümmerte ihn jenes Mädchen, daS zweifcllos zu seinem , glücklicheren Bruder in Beziehungen stand. ' ,; Dachte er wirklich glücklicheren",?: Er blickte um sich, er schloß einen Augenblick die Augen, wie um ganz den tiefen Frieden, die endlose Ruhe, die ihn umgab, zu genießen ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust. " T'' 3 . . Kein Zweifel! Er beneidete den glücklicheren Bruder, der durch Fleiß, Muth und Ausdauer das errungen, was Fortuna ihm nicht launenhaft in den Schoß geworfen, um ihm ein Entbehren fühl-
bar zu machen. Er dachte weiter und weiter.,, Warum entbehrte er? Eine Antwort auf diese Frage , zu sinden, wurde ihm schwer und doch dünkte sie ihm so leicht.. Er,,,, brauchte y Nur zu arbeiten, aber er konnte es nicht, er dachte auch, daß die Arbeit zwecklos für ihn sein würde. Er war nicht mehr ein gefeierter Künstler, er arbeitete für seinen Lebensunterhalt, und diese Arbeiten wollten ' nicht gelingen obgleich er gedacht, .daß sie besser gewesen, als jene Bilder, die seinen Nus begründet. Han5 Brenner durchwanderte rastlosen Schrittes das Gemach. Sein ' Gesicht war todesbleich und trug einen unsagbar bitteren, , Ausdruck. Welche . Gedanken hatten ihn beschäftigt, bevor jenes Mäd'chen eingetreten war?! Er beabsichtigte, den Brudc? um , Geld zu bitten, nicht etwa, um ein neues Leben zu beginnen, sondern, um das alte auf einige Tage oder Wochen fortsctzerk ': ;iir'if3stne'in- um das sauer Erworbene eines 'rastlos thaiigcn ManneS iiu verschleudern. Jetzt ichic I l) lit 5 5 1 1 s fc a ti it e cl c ÄlM niemM I er war noch nicht ganz gesunken Das Schlagen der W Han s B renner aus i se i nem Ei nnen auf. Sie kündigte die Mittagsstunde , an und Jakobs baldige Heimkehr. Der Ge7i)F. j 'i fiv ;" ' "s i " i,:!"N";f!!' Isis, 'ji, r-' 7 ' i'ä" : ;:' i V;, ' danke, diesem wieder , gegenuberzutreten, trieb ihm das heiße Blut in die WangeNz,D'EssduIfte'Ä unmöglich noch einmal in dessen treue, r lt cb c et e ii s c& a it h; : b a 3 c s u r; t c I n er 'i ' , " '"pTi-'ld:V ?.,,VW 'ü;,! i;-:'!';- '' iciy-i grenzenlosen Scham hatte chn erfant. ,,Dennochdä blick an die Möglichkeit einer Umkebr. "K'F;
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ves AekreteMl etne? anderen Bayn. Neu sangen? Das ging niiSS gut an. Zum Anfange brauchte r. in, erster Llic Geld und wieder Geld. Ernannte nichts mehr fein eigen, nicht einm'as mehr Farben, Pinsel und Palette. Er hatte alles bei wer unliebenSwürdizcn Wirthin, die so dringend endliche Zas lung ' begehrt, im Stich gelassen, sem Geldbeute! war völlig leer, und Freunde hatte er seit dem Tage, an -welchem iKm das Glück den Nucken gewandt, auch nicht mehr. Er mußte bei dem Gedanfen an das große Heer der Freunde, die er einst besessen, lächeln. Wo waren sie geblieben? , Welchen Scharfsinn hatten sie bei dem Erkennen des geeigneten Äugenblickes, in welchem es sich nicht nicht mehr verlohnte, um einen Sinkenden sich zu bemühen, entwickelt! VS aber sollte er beginnen? " Und wieder schlug die Uhr an. Hani Brenner zuckte abermals zusammen. Es war die höchste Zeit er mußte gehen. Schon hatte er sich der Thür genähert, um, das Zimmer und das HauS zu verlassen,, da erinnerte er sich des dem jum gen Mädchen gegebenen Versprechens ihreS Zweifelns an seinem Worthalten. Er blieb. Wenige Minuten spater betrat Jakob
Brenner das Zimmer. Er bot dem Bruder herzlich guten Tag und zeiatteine unbefangene Miene Jch ließ Dich schlafen Leute Eures Schlages lieben, die Morgenstunden zu verträumen", sagte er lächelnd. Bei uns heißts dagegen: Früh heraus! Willst Du mich zum Mittagessen beglelten? Ich speise bei meiner Wirthin. O, ich danke ich 'möchte doch lieber " Jakob wollte verletzt aussahren, abe: ein Blick in das Gesicht des Bruder brachte ihn schnell zum Schweigen. In demselben war nichts zu sehen, das an den wegwerfenden Hochmuth- frühern Tage erinnert hatte. DaS Essen ist gut, wenn auch nicht für einen Feinschmecker." ), nicht darum lehnte ich ab, ich habe zu thun." Ist es etwas Unaufschiebbares?" 9!icht gerade, aber Dann bleib? bei mir, Hans, ich bitte Dich herzlich dantm. Wir waren uns so lange fern konnte nicht wieder eine Annäherung stattfinden? Wie lieb hatten wir uns in den 5tindertagen, wie unzertrennllch waren wu! Wohl gehen wll verschiedene Lebenswege, aber 'können wir, die wir durch die Bande des Blutes verbunden sind, nicht doch auch seelisch verbunden bleiben? HanS, Du hast Dich in mir getauscht, ich nehme Dir nichts, was Dir gehörte; ja, mit den größten Opfern würde ich für die Begründung Deines Glückes Sorge getragen haben, wenil diese in meiner Macht gewesen wäre. Laß mich ehrlich zu Dir sprechen. Du glaubst, ich hätte mich zwischen Dich und Kordel Nachmann gedrängt, und doch würde es mich namenlos beglückt haben. Dich mit ihr vereint zu sehen. Sieh' nicht so sinster darein!. Nie kam mir der Gedanke, Kordel durch , andere Bande, als die einer, aüS einem gleichen Schicksal entstandenen Freundschaft an mich zu fesseln. Auch Dir konnte sie nichts werden, HanS. DaS arme Ding! Es war! eine durch ' Frost verkümmerte Blume die wohl' noch im Sonnenschein ihren Kelch erschließen konnte, aber doch dem Untergang geweiht war. Sie hat nicht mehr lange zu leben." Kordel Nachmann? Ist es möglich? zJa, Hans, sie ist sehr krank; ihr Leben zahlt nur noch nach Tagen. " ... . Jakob , sah. wie Nöthe und Blässe rasch in, dem Gesicht des BrudeeS wechselten, sah seine Hände zittern, und eine Pause entstand. Hans unterbrach sie zuerst. Sie hat Dich geliebt." t Vi n dem Ton dieser Stimme lag ein schlecht unterdrückter Groll. Jakob hatte kein Ohr dafür. Ich glaube es. Befremdet Dich das? Sie hätte Niemanden in der Welt, schon in. den Kindertagen standen wir uns nahe. ' Tu weißt doch! Ihretwegen fanden wir Am Dennhardt" Aufnähme." . " ' O' , Sprich . nicht von jener unseligen. ezt. Wenn Jemand auS unserem Munde das Wort hörte!" Mögen sie doch; ich fürchte mich nicht. Noch heute würde ich handeln, wie ich rorJahren gehandelt habe. Gott sei Dank, daß keine größere Schuld auf unseren Schultern ruht , Wenn ich Kordel jetzt vor mir sehe, bleich, gebrochen, dann kann ich nur den Augenblick segnen, der sie jemals empfinden ließ, daß Menschen mit ihr fühlten." Jakobs ruhige, feste Stimme hatte bei den letzten Worten unwillkürlich geschwankt, er war von einer ungewohnten Erregung vorübergehend vollständig überwältigt. Nur uutMühe bekämpfte er den aufsteigenden Groll gegen ein hartes Schicksal, das so schwer auf ein sulv ges, schuldloses Leben gelastet) bis es nun dem Zu sa nun enb recheli nahe war. Hans aber war diese Erregung nicht enigangen, und kwar nur sehr gen sjc falsch' zu deuten. Sollte der Bruder doch nicht so sein, wie er sich den Anschein zu geben versuchte? ' jj ; lf- Jakob mochte . fühlen) waS '.,', in . der Seele des Argwöhnischen vorging, . 'ein hälbMhM ''t& "k, V:' : --n ':-.ikW :,v"-- t'"'-. cheln unispielke seinen Mund. , . , t HanS, Du wirst mit, mir zu Kordel gehen. Sie wird sich sehr , freuen, den Genossen, ihrer traurigen Kindheit noch ' i nrna t ;. u"t e c ii, . ti nb, ;.t cl) itnl jj: I lj lii'it et?; söhnen. Tu z warst oft der Gegenstand , unserer Unterhaltung und ich will es Dir nicht, verhehlen , ihrer iiwvrKV'V"1.'. !::i:;ftr j t ' lnrnp" - - , . , ,r:;fli;irou erjauxtzM lli;!lic1;npl sie verfolgte Dein Streben, Dein Fortschreiten , auf der Künstlerlausbahn mk KMöateM hatte einen großen Herzenswunsch, der wkY 3. w 11 ,,.,. . , iui c r n k. K. ? rrn. - . w -wmjw-s ,".5 w 1 1 u ii ner f u ui o i 1 1 oen w ix 0. 7 1 t$::M iiferÄÄ 5-'-i?iin-i .;Sl"'i;-i'ji-ijni'if isnl! . " ''s;!!
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, Welchen WuAZcy?- sragre er nnr ge, preßter Stimme. . : .MkVon,.dem,.Mcfa gemalt zu werden,," kTitgegnetc Jakok seh? ernst. il; itAi'&?? ' . Hans Brenner zuckte zusammen, l Sagtesie das?, r::r ; : : Eie sprach früher oft daosn, in M letzten Zeit tticht mehr weil sie die Hoff? nung aufgegeben, Dich versöhnt zu sehen." 1 -' ,k?
Ich zürne ihr nicht, aber iq konnte ihr nicht in die Augen sehen. Sie weiß nicht, , was aus mir gcwordei? ist., -Und waS ist aus Dir geworden? Di bist heute dasselbe, was Du '-voti einen und vor zwei Jahren, warst, viellekch! sogar besser daran. DaS GlSS hat .Dich .verwöhnt,, .und; alS el Dir launenhaft den Rücken ge: kehrts .jagtestDul ihm msch ' während es in Deiner Macht, war, es zu halten. Doch f ich will nicht versuchen, Dich zu Hosmeistern, HanS, ich weiß an mir fel: ber, wie oft der Mensch dem Straucheln ausgesetzt ist,, und wie oft ich ?n Gcfahl war, zu fallen, um nie mehr aufzustehen. Wir beide' haben daä. erfahren ii Dennhardtsbrüder. ,! Komm', , hier ., i1 meine Hand ich bin der Aeltcre,- Du hast Dich früher aüf mich gestutzt, wcß: halb willst Du es heute nicht thunl Etwa nicht, weil ich im Deinen Auge? ein Handwerker bin?" s .Jakob!" Es war fast wie ein verzweiflungSoollei Schrei, der mit diefem Mamen von ' der Lippen des Bruders kam. Im nächster Augenblick aber lagen sich Beide in der Armen und ein leises Gott sei Dank kam von den Lippen deS älteren. Der Bann war gelöst, über th schmalen Wangen deS jungen Manuel perlten langsam zwei Tropfen. Jakob, glaubst Du, daß es noS besser mit mir werden kann?" fragte n beinahe zaghaft. Du fragst? Warum nicht? Weik Du Dich einmal auf abschüssiger Bahr bewegt? Sprich nicht mehr davon das Vergangene ist abgethan." ; . . Du weißt nicht Alles." ; " Ich brauche nichiß zu wissen. Meir Verdienst reicht einstweilen für uni Beide, wir werden uns einrichten. ?lr: mer Kerl! Wie sauer ist Dir das Lebe, geworden!" " . $v. Seine Hand fuhr durch das blonde, irre 'Haar des Bruders, der unter die: ser zärtlichen Berührung einer harter Albcitcrhand erschauerte. Sie gingen zusammen zum Mittag, essen. Am Nachmittag mußte Hans abermals allein bleiben. Jakob hatt ihn gebeten, sich mit allem Nothwendige? zu versehen, indem er ihm seine Borst zur Verfügung gestellt. Heiß war ihm noch einmal die Nöthe der Scham indil Wangen . gestiegen, aber der Bruder wußte ihn zu beruhigen. Du sollst nichts von mir geschenkt nehmen, sondern mir Alles zurückerstat: ten. Verwende einstweilen das Geld ruhig für Dich ich gebrauche eS nicht! ich würde Deine Hilfe ebenso in Anspruch genommen haben, wenn ich ihrer bedürfe tig gewesen wäre. " Und abermals war Hans Brenne, allein, abermals um ihn tiefe Ruhe, ; in ihm ein Gefühl, so fremd und doch so berhigend, wie er eS nie gekannt, ob gleich noch die Schamröthe feine Wangen färbte. Wie ein wüster, banger Tum lagen die letzten Jahre Hintex ihm, djt letzen Monate, Wochen, Tage. . War es nur möglich? Er blickte auf die gefüllte Börse, die vor ihm aus dem Tische lag. Noch zögerte er, sie an sich zu nehmen. Et sollte sich mit dem Nothwendigsten verfe hen. Was war denn das Nothwendigste? ,Jhm fehlte Alles. Ja schlimmer als das: es gab noch manches zu begleichen, manche) zu regeln. Noch fehlte eS ' ihm an Muth und Kraft, die einleitenden Schritte aus einem anderen Wege zu thun. Er war wie ein, unbeholfenes Kind und hatte das Verlangen, daß der Bruder bei ihm geblieben und ihm behilflich gewesen wäre. Ueber diesen Bruder hatte er sich eines Tages weit erhoben wie klein stand er jetzt demselben gegenüber! Wie vcrächtlich erschien er sich! . Jakob Brenner hatte sich inzwischen !n die Fabrik begeben, seit Jahren nicht leichter und froher. Wag ihn am schwersten bedrückt, die Sorge ? um die Wege, welche der Bruder wandelte, und die nothgedrungen zum Abgrund hatten führen müssen, war von ihm genommen, er dürsie" sich dem .Glauben' hingeben, daß ein Wendepunkt in dem Leben desseli- . , . . V' , 11 ben eingetreten sei. . . f , , . Aber ' Jakobs , rastlos thätiger Geist, den vorwiegend die ernsten Seiten des Lebens, beschäftigten, fand auch bald wie'der Grund zu . neuen, ,,,weniger.,,rbauz lichen, Betrachtungen, welch?: bereits die letzte Begegnung mit Helene Brenner angeregt.,, Voll Selbstzufriedenheit hatte er , sich von ihr getrennt, niemals durfte eine Annäherung zwischen ihm und, ihr stattfinden. ,; Sobald er ihrer nur mit ,einem.,,,lbarmcrenWesüi ,, . gedacht, das nur zu oft in ihm,, auswallte, erh 0 b sich auch der Gedanke an das Schicksal seines unglückliche , Vaters ' wie ein nnhcimlichcs Gespenst vor seinen: inneren Auae, r'-ißö v jj ,'tfT'i' und der Trotz , besiegte schnell zcde wel'chere Ncigung Und dennoch! ,, Wenn 'er'des,DHeKzgeIH einiger Zeit immer eine JocciuVaoin,,"dünjmtIH mehr alS je. Wie schroff hatte Hans ihm .vo,til!MMt,,M e n? a h t r,doch'vfe e it 1 1 ä 1 0 ss eii ;;3 c es c ir jjlC Vl'c j: j "r 4 ii'j&'flt ?iSöjiH ? f AuMwilMM Jakob sich nicht ohne Besorgniß von dem ruhia Schlummernden, erfüllte ihn doch V t-r,,l ' .irj . Qf t V :u I V .; . 4 li der Gedanke an die hochmuthig abwelsende Art, welche der junge Maler ihm etbezel Mittag? Wie schmiegsames Wachs unter dem Druck einer warmen Hand, i MaM Gedanke im Laufe der Seit akob 5uL
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ausgeorangr, um ip zu quaken uns zu beunruhigen! Wenn er wirklich schuldbeladen von, der heimathlichen Schwellt geflohen war! Er hatte sich solcher Gedanken geschämt und sie immer wieder energisch von sich gviesen, aber er konnte sich ihrer trotzdem nicht erwehren, und sie
l waren es, die ihn rncht selten irre an sich falbst werden ließen, und dann dann em heißes Verlangen nach Glück in ihm weckte, ein Verlangen, dessen er sich schämen zu müssen glaubte. . , Jakob täuschte sich nicht darüber, deß seine Eousine Helene Brenner sein gan zeS Herz besaß, aber das Bewußtsein, ihr, immer ein Fremder bleiben' zu müsfen, hielt daS heiße, le!denschftkiche Ge fühl in einem Bann, der demselben niemals sich zu äußern gestattete. Die kühlste Zurückhaltung in ihrer Gestenwart ließ ihn meisterhaft verbergen, was nicht selten in seinem Innern vorging. Sie durfte nie ahnen, was ihn bewegte; selbst wenn sie nicht ss weit über ihm gestanden hette, so würden sie doch durch einen unausfüllbaren Abgrund für immer von einander. getrennt gewesen sein. . Jakyh vGieß , eine, Stunde früher als gewöhnlich die Fabrik, um sich nach Hause .zu begeben. Er wollte der Einladung des Werkmeisters Grünwald . Folge, geben,, und beabsichßigte, den Bruder zu veranlassen, ihn zu begleiten,- in der Hoffnung, den wohlthuenden Einfluß,, den beide Menschen auf Jedermann ausüben müssen, auch auf Hans wirken zu lassen. ,. . . Er fand den . Bruder , nicht mehr anwesend, doch dachte er über die Thatfache nicht weiter nach. Derselbe war gewiß gegangen, nothwendige Einkäufe zu machen, und noch nicht zurückgekehrt. So sah e? sich , gezwungen, allein zu gehen, da m er nicht warten konnte, weil .er , Kordel Nachmann noch , einen Besuch am heutigen Abend versprochen. Einen Augenblick .dachte er daran, diesen Besuch um einen Tag aufzuschieben, aber sie war sehr leidend, und ihr schadete jede Aufregung. , Er konnte es nicht über's Herz bringen, sie vergeblich warten zu lassen. ,(vs war, gut, daß er gegangen war. Kordels Zustand hatte, sich, wie er lange vorausgesehen, plötzlich verschlimmert, am Mittag war ein Blutsturz eingetreten. Damit war, die letzte Hoffnung auf Genesung oder, vielmehr längere ErHaltung ihres Lebens geschwunden. Der Arzt hatte ihr auf ihren , bestimmt ausgesprochenen Wunsch, zu erfahren, wie lange ihr, noch zu leben bestimmt sei, gesagt, daß er ihr nur noch Hoffnung auf , wenige Tage machen . könne. Diese Mittheilung schien sie nicht im mindesten zu beunruhigen denn sie nahm die esfene Erklärung des Arztes mit lächelndem Munde entgegen und dankte ihm für dieselbe. ' Sie empfing Jakob mit heiterer Miene. . Er hatte gehen wollen, ohne sie zu sehen, aber er durfte nicht bezweifeln, daß der Arzt sie mit keinem Verbot mehr beunruhigt. Ihr konnte auch eine Erregung keinen Schaden mehr bringen, das Leben war dem Erlöschen nahe. , Kordel Du wirst gesund werden, zum Frühling, ein Arzt ist nicht allwls, send, versuchte er sie zu trösten. ' Bei mir kann er es sein," versetzte sie mit leiser Stimme. Ich suhle aber auch selbst, daß eS vorbei ist, Jakob endlich vorbei!" t Die letzten beiden Worte klangen wie eine Erleichterung. In ihren großen, schimmernden Augen sah er einen Aus druck von Freude. , . ,,, Du fürchtest den Tod nicht Kordel Du " ,. Nein, ich fürchte ihn nicht, obgleich ich in der letzten Zeit durch Dich daS Leben, lieben gelernt habe. Es war ein sehr mühe-.. und,,. dornenvolles, Jakob, und wer mag wissen, ob nicht eines TageS abermals Schmerz und bange Sorge, ihren Einzug bei mir. gehalten hätten. Ich kann aber nicht mehr ertragen, . mir Mjede Widerstandsfähigkeit verloren, wenn ich jemals eine folche , Sie halte mit leiser, kaum vernehmllcher Stimme und in abgebrochenen Sätzen und Wortyi gesprochen. Er mußte sich ties zu ihr hinabbeugen, um .sie nur versteheu zu können, ihr fieberheißer Athem, streifte feine Wange, und er fühlte,, sich' von , einem unnennbaren Schmerz durchfluthet. ,. ' : Sieh' nicht so finster fuhr sie fort, und ihre Hand berührte liebkosend seine Wange. Er schauerte unter der Beruhrung zusammen. Jch fühle miä) jetzt ganz glücklich," ganz befriedigt, und Glück und Frieden danke ich Dir. Ohne Dich? Wie' hatte' mir ein frommes Gottoertrauen im Kampf ' Mit bösen Mächten bleiben sollen? Und doch war es nur dieses, welches 'mir das Leben erträglich gemacht! Wie schön ist eS mir in der letzten Zeit erschienen! Ich würde aber gestorben fein, wenn eS wieder anders gekommen wäre.'! ? Und ; dieser Moment wäre gekommen, hatte kommen müsse!!. Niemals würde ich eS ertragen ' haben. Dich an der Seite ' einer anderen Frau glücklich M sehen. Wie selbtt,üchtlg ii doch das menschliche Herz! ; "!!' ' " , , Er versuchte zu lächeln. ' . ;" Ü'sch werde niemals daran denken, -" .Wf ., r i- ;., 1 ' i; '',!, !i ' ',, , i' 1 . - 'Wv mir einen Hausstand zn gründen. ' Hier war 'doch meine Heimath bei Dir,, KMelMLWMU .Gott segne Dich."'"' .,- ,i-'':;!i!j!,,,!i.,il'!" "-iihr-v1"1 l,':'!"':;f!'ii;ä!',v!:'f;f'iW';iSij n"1 ' ""' ie lag eine Welle ganz still mit ae- ,; 3 M ! i. JU, fii , i'l : ,, ' ch soyen enMug en, ern Lache ln u IN j pl e l t ihren Mund, Sonnenschein deS GlückeS , ' ., , ... ;l" !',, .;.,, 'jji; , f . ..': .;r ; '' '' , ' l; thronte aus ihrer Stirn, und ihre Hand hielt mit leisem Druck die seine. Erst 51,.:' "iti " S !i. , -C .,.; '!,!'. ' ii,':'! .. :: , ;,: ;. ,,, nach einer längeren Pause jagte sie wieder: Nun laß mich allein, Jakob, ich '.sill schlafen. Mir ist so w ohl, daß m i rMar nicht scheint, als ob man so tterben kHMMYlviKKu ZLannVommASÄÄ WMrgenIMlleSagk sund'bist5:DKLßS? WBWgKsuWlWm WMM lf!il Fortsetzung ; folgt. ! 'miii!!-!! li0MMMi;lMi
Gut p&tltit
! Der stölze Graf Siebenthäl machte fe, ' Jahre 1735 eine Reize nach Hamburg. Er war mit einer Empsehlung m ms sehr liebenswürdige, dort lebende adlige FanlitteeneW AlS er NneS'erstm Besuch bei derselben abstattete, fand tt eine sehr freundliche Ausnahme? eS toat gerade eine ausgewählte Gesellschaft beim frühstück versammelt, in der Mitte jedoch, wie der Graf zu sein Mißbehagen bemerkte, sich auch der jü dische Bankier Herz befand. Die Frau vom Hause bat die ganze Gesellschaft zum Diner und wies dem Äankttr- einen durchaus gebildeten und sehr angeneh rnen GeselllÄZiter. seinen miah nebendem FremdM an. DaS beleidigte Graf Siebenttzal s:hr und er wandte sich iu der Unterhaltung immer an seinen an icv jf. l ... . ... tt: rrrn caOLr, ver aouger Aolunsrwar, keine Gelegenheit vorübttwffend den Bankier zu kranken. Dieser blieb eanz aelalzen.- erwarte! aber eine Geleaenbeit. dWarobenNack. dar mit gleicher Münze zu bezableu wenn dieser seine Ausfalle auf ihn fort setzen würde. Mye zrig sich fcattk Man sprach von der Türkei. .Ich habe viel über dieses Land rc lesen," nahm der Graf das Wvrt unk tcy jymvattMre tw rntt den Türken. . Besonders sind ibnen Zweierle! GeicbSvkeverhaßt, für welche" ich ebenfalls die Neigung der atze zur Maus empfinde, mit der Ausnahme, daß ich sic'mchfc' ezzenmaz." Was sind denn das für GexchSpfe, Herr Graf?" fragte der ebenbürtige Nebenmann. Das sind die Esel und die Iuden. ' sagte Graf Siebenthal mit einen hoynlZchen Sertenollcke, Bnoe stnd in der Türkei gleich verachtet, und man schlagt sie todt, wo rasn- sir findet! Der Graf ' schwieg tnumphlrend, die übrige Gesellschaft war höchst ver legen. Da erhob sich Bankier Herz ein we nig von seinem Platze, klopfte dem gras" lichen - Nachbar aus die Schulter und - sagte gemüthlich lächelnd : Na. mein Bester, dann iil's nur. daß wir Beide nicht m der Türkei. lind. Der siebenjährige Krieg.. Wir haben also sieben Jahr GekZmpst den Kampf der Ehe? Daß ich der stets Besiegte war. Mein Weibchen, ich gestehe! Oft glaubte ich durch Reden spitze Zu siegen - thöricht Wähnen! ' Du hattest besseres Geschütz . ä ,i . wcem We:v, hattet.! neu! Und wenn Du nun statt rothem Blut Die Thränlein hast vergossen. Da wurde Friede wohlgemuth Für ewige Znt gejchloizen: Allein die Fehde ward erneut. Wenn ich bei Trank und Schmause Des Abends langer mich eriröut Und später kam nach Hause. Da alt's mit Klugheit, aalt's mit 2iA Dem Plänkeln zu entweichen, Bis ich Dich schttetzllch doch geküßt: - Das war das Fnedenszeichen! Ja, so entzog ich sieben Jahr' Mich leidlich der Affaire, Ich wünsche, daß es dreißig Jahr Und langer noch so tyayre! Paul AlberS. Romanhaft. Das Schlußcapitel einer trauriaen Geschichte hat sich, wie eine Berliner Correspondenz erfahren haben wlll, arn ersten Tage des neuen Jahres in einer Berliner ZZamilie abgespielt. Ansang des vorigen Jahrzehnts erregte der .plötzlich" eingetretene Tod der etwa dreißigjährigen Frau des Industriellen F. augemeiues Autseyen. Msn wollte wissen, daß das junge Weib nicht am M , ' . 1 . :f . T p- t . yerzjcuiag gcnoroen z, lonocrn in oen Ruthen der Oberspree srciwmtg cen det habe, nachdem sie sich von der ehe lichen Untreue ihres Gatten überzeugt hatte. Dem Mttwer verblieben zwei Tochter, deren Aeltere sich vor , etwa einem Jahre mit einem hiesigen Bank, beamten verheirathete Die Jüngere war bis vor Kurzem in Dresden in Pension gewezen und kehrteerst nach der Hochzeit der Schwester in das Haus des Vaters zurück, woselbst sie jedoch nicht lange verblieb. - :...:.:, . Die. junge.. Dame hatte den Vater i wiederholt gebeten, zur Bühne gehen zu dürfen, war aber mit rhrem Wunsche, stets abgewiesen worden, so daß Herr F. zur Vermeidung weiterer Streitig leiten eS für gerathen fand, seine Toch ler zu Verwandten nach München zu schüren. , Wenige Tage nach ihrer An. . kunft daselbst, -Anfang December, von zen JahttZnahmbaKZunse,Mä aus Gram über die Nchterlullung ihre) Ledenswunsches, Gist und starb. , ' Während der Vater nach München reiste, um der Beisetzung seines Kindes beizn wohnen, traf , ihn ein zweiter harter Schlag. Man ,.hatt?MVHorfchtg. Weisen der, älteren Schwester,-welchez weL nige Tage vor d?r M,atastrophe,:niedM? zekommen war, die Trauerbotschaft uU . . '!: M .. - ,k ':-.- ' ;,: ,5 . ' i - - ': zetyeiil, uno wram uno rymerz yarren öic ochrienm &N?a c6 l tcö e i iin a e S ra u ber artia überwältigt, daß sie im Wochen dchclfti t er 1) a 1 : 5a ' ?1 0 1 1 11 0 er ii 1 li r)erciii3 e brochene Unglück nicht lange überlebt oderKbcrlcbenwolle!tA VesitzÜug,?lincmHut vör'emdeOT hti$&$ ccmandajyi;!;,! , föpjiilii !; ' !!it:i!JSÜ'"i;r V '., 77, irr W .:',: ., ijiiiil'-jL.V'i'iäM, ' i' . ,: . ' wenn man , ihr , sagt: Sie , und die Schönste im ganzen",S,aulZialSZWnn iöstlIsslit!j:S ietiii die Schön sie ans der Wett
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