Indiana Tribüne, Volume 14, Number 133, Indianapolis, Marion County, 1 February 1891 — Page 3

Die JenchMMiiiler. Sozialer Roman von tu L ü t e t s b u r g. (7. Fortsetzung.) Dason roei ich wahrttch nichts, imb Jedenfalls bist Du mit Deiner Meinung in einem großen Irrthum befangen, denn Kordel Nachmann lebt. Noch vor vierzehn Tagen habe ich mit ihr gespros chen. Sie ist bei K.. .. engazirt." 1 Wieder holte Jacob Brenner tief und schwer Athem. Ihm war'S, als dreh sich die Welt mit ihm im Kreise. War es denn möglich, konnte es denn möglich sein? Kordel Nachmann lebte! Er erhob sich von seinem Sitze. Hans, ich hoffe, Du machst Dir keik nen furchtbaren Scherz mit mir," rang es sich mühsam von seinen Lippen. Es wäre eine Sünde, die Du niemals verantworten sonntest. Ich weiß. Du hast nichts von jenen Dingen erfahren, die mich eines TageS in den Verdacht gebracht, ein Morder zu sein. Mein Venehmen mag Dir seltsam erscheinen, darum bin ich Dir eine Erklärung schuldig." -. Und mit stockender Stimme, anfangs unklar und unsicher, erzählte Jakob von seinem letzten Zusammentreffen mit. Kordel und den Folgen desselben. Er erzählte von seiner Confrontatiol:' mit ihrer angeblichen Leiche, Vor all' den Dingen, dieihn eines TageS an Allem, selbst, an Gott verzweifeln ließen. Als er geendet, schwieg er scheinbar vollständig erschöpft, seine Lider senkten sich über seine Augen herab. Wortlos, gleichsam erstarrt von dem soeben Gehörten faß ihm der Bruder gegenüber, nicht wagend, die eingetretene Pause zu unterbrechen. Von all' den Dingm hatte er keine Ahnung gehabt, niemals war der Ernst des Lebens in einer ähnlich furchtbaren Weife an ihn herangetreten. Man hatte ihn mit allem verschont, um Schmerz und Kummer von se'r.em jungen Haupte fern zu halten. Ueberwältigt von Mitgefühl trat er an dem 33niU: heran, der sich wieder auf den verlassenen Sitz niedergelassen, und indem er mit seiner Hand durch dessen Haar fuhr, sagte . er in treuherzigem Tone, der im noch nicht im Gewühl der Welt abhanden gekommen war und der, wie Thautropfen auf halb von der Son, nenhitze verdorrtes Gras, in Jakob'S Herz siel. ArmerKcrl! Was hast Du ertragen! Davon xmißfe ich nichts. Es wäre doch vielleicht besser gewesen. Ihr hättet mir nicht alles verborgen. Gottlob, daß all' dieses Furchtbare überstanden ist", fügte er schon wieder mit leichterer Stimme hinzu. ,.Kordel Nachmxnn aber lebt wirklich, und wenn Du es willst, begleite ich Dich noch in dieser Stunde zu ihr. Hast Du nicht von der entzücken? den Kordel! HelmS gehört, die bei K. . Nein, nein, ich weiß nichts von ihr. Und sie? Du meinst, sie konnte mit Kordel 9!achmann identisch sein?" ' Sie könnte eZ nicht nur, sie ist es. Noch vor vierzehn Tagen sprach ich mit ihr von Dir, ich war sogar eifersüchtig aus die Alt und Weise, wie sie Deiner gedachte. Ich glaube, Du bist ihr Ideal; eS ist seltsam, daß Ihr seit den zwei Jahren, die sie hier in der Stadt weilt, niemals zusammengetroffen seid. . Und wo wohnt sie? Lebt sie bei jener

entsetzlichen Frau, die des Kindes Jugend vergiftet?". Weitere Mittheilungen kann ich Du durchaus nicht machen, i weiß nichts, als daß sie allerdings mlt einer älteren Frau zusammenlebt, ob diese aber jene von Dir gemeinte Person ist I Wo wokmt Kordel Nachmann?" Hier hast Du ihre Karte. Dn triffst sie jetzt schwerlich zu Hause, eher in den Nachmittags iiunden." Mit der Bewegung eines Automaten nahm Jakob die kleine, elegante Karte entgegen und schob sie, ohne einen Blick darauf zu werfen, in die Brusttasche seines Rockes. Gleichzeitig erhob er sich. Ich will gehen, Hans, denn ich würde in meiner gegenwärtigen Stlmmung doch ein zu schlechter Gesellschafter für Dich sein. Deine Nachrichten haben mich förmlich überwältigt. Ich muß ins Freie hinaus, n die Luft, um mich wieder zurechtzufinden. Ich kann Dir nur noch sagen, daß ich mich in dieser Stunde unsagbar glücklich fühle." ' ötachdcm Jakob gegangen war, brauchte der junge Maler einige Zeit, sich von dem soeben Gehörten und Erlebten zu erholen. , Solange der Bruder ihm gegenüber gcseffen, und er bei dessen Anblick gefühlt, wie schwer derselbe ge; litten, hatte er nur das Bedürfniß gebabt, ihn zu trösten und zu beruhigen. Nun derselbe gegangen war, kamen ihm plötzlich andere Gedanken, die ihn in eine äußerst unbehagliche Stimmung versetzten. Er vergegenwärtigte sich den Au; gcnblick, in welchem Jakob, seinem Bilde gcgenübergetreten war und Kordel Nachmann erkannt hatte. Welchen Eindruck mußte der Anblick dc5 KindcrportratS cn ihn gemacht haben! Er war Noch hicl ganz außer sich gewesen. Dann hatte er in Erfahrung gebracht, daß sie nicht todt war, 'sondern noch lebte, und nun nun . was würde nun werden? ' ": ! Die Antwort auf diese Frage ' lag nicht äll;n fern. ' Das Blut schoß dem jungen Maler htiß in'S Gesicht, indem er daran dachte. Kordel Nachmann hatle von seinem Bruder gesprochen, in diesem Augenblick erst wußte er, mit welcher Begeisterung. Er glaubte, sie vor sich zu sehen, mit leicht gerötheten Wangen, die Augen in köstlichem Glänze schimmcrnd, wie sie ihm von jener, Stunde erzählt, in welcher Jakob sie in der halbdunklen Flur gefunden und anKsoxt- . gefürt hatte, sie, die , halb vor Hunger ' und Frost Erstarrte, um sie zu erwär- ,- .,, .1! - ,H , 1 " ! W ,ii ' .im '! ! ' , . ,;V . i i j i : : . 1,1 :. i ."Ai ,, '! , ,:' -',;-" i, 1 ,1 (I jf " , "Hl,li ', 'i,.1 . ' 'l'1 1 1 '1 ,'. i"1 men uvd nut Spelze und Trank zu er quicken, zu seiner gütigen Mutter. 1 Sfdt."-; benÄ':6iüib:jSrweivS ' . Mit übereinandrrgeschlagencn Arme,, durchkreuzte , Haus , Brenner schnellen Schritte? den eleganten Salon, der seit

einigen Tagm sein Stolz und seine Freude war. In diesem Augenblick sah er nichts mehr von all' dem Glanz und all' der Pracht, die ihn umgab. Seine Seele war mit anderen Dingen beschäftigt, und daß sie es war, reizte und erbitterte den verwöhnten Günstling deS Glückes, das ihn förmlich aüf.den Hans den getragen. Im Geist verfolgte er den Weg, den setzt sein Bruder nehmen würde. . Er sah ihn das trauliche Zimmer betreten, in welchem Kordelia Helms, die gefeierte junge Künstlerin, ihn eines TageS als den Bruder Jakob Brenner's mpfan? gen. Hans verhehle sich nicht mehr, daß dieser Titel seine Einlaßkarte zü ihrer Abgeschiedenheit von dem Treiben der Welt gewesen, und wie Krallen schlug eS in sein Herz. Stunden vergingen, ehe HanS Brenner daran dachte, daß man ihn in den Salont des Herrn v. Nödelsheink als den Helden des Tages erwartete, und er konnte sich eines GesühlS des Unbehagens nicht erwehren. Ihm fehlte jede Lust, vielleicht zum ersten Male in seinem Leben, sich in ein geselliges Treiben zu mischen und seine Gedanken zu zerstreuen. Aber er konnte nicht zu Hause bleiben, er durfte nicht leichtsinnig die Gunst der vornehmen Welt auf's Spiel setzen, denn noch bedürfte er ihrer zu sehr, noch konnte er sie nicht entbehren. Herr Hans Brenner!" Fräulein Brenner!" , Die einzige Tochter deö, reichen Fabri? kanten! Das war sie. Er hatte viel von ihr gehört, sie sollte eine etwas ercentrische kleine Person sein. Den Eindruck machte sie dem jungen Maler nicht. In ihrem feinen Gesicht war etwas unendlich Kindliches, Gutes, Vertrauenerweckendes. Wenn sie ercentrifch war, konnte sie es nur im GuteSthun sein. HanS Brenner unterhielt sich lange und lebhaft mit ihr, er sand sie liebenswürdig, geistvoll, schön, Eigenschaften,, die ihr Niemand in der Gesellschaft zuerkennen wollte, die man ihr eher absprach, und er bedauerte, als er sie von anderer Seite so sehr in Anspruch genommen sah daß er sich von ihr zurückziehen mußte. Nichtsdestoweniger war es ihm, als habe er wahrend des ganzen Gespräches mit dieser viclbeg'chrten jungen Dame nicht einen .Augenblick vergessen, was seine Seele bedrückte, die Vorstellung von der Begegnung feines Bruders mit Kordel Nachmann. In Folge dessen zeigte er an diesem Abend ein Fehlen seiner liebenswürdig, sten Eigenschaften, was alsbald, nicht zu seinem Vortheil, bemerkt wurde. Die Gesellschaft zeigte sich geneigt, den jungen Künstlee auf den Händen zu tragen, aber er entstammte immerhin einem Kreise, der weitab von von ihrer Sphäre lag, und so wünschte man wenigstens eine dankbare Anerkennung des Vorzuges, den man ihm zu Theil werden ließ. Leider zeigte HanS Brenner hierfür kein Verstandms, wie es den Anschein hatte. Er fühlte sich und wünschte, das der Welt zu zeigen. Die Manier eines Emporkömmlings!"' wie eine alte Excellenz flüsterte. So verließ er vor zeitig den Salon des Herrn von Nödelsheim. Die Vorstellung, welche sich Hans Brenner von ciner Begegnung zwischen seinem Bruder und Kordel gemacht, entsprach der Wirklichkeit nicht ganz.

Klapsenden Herzens, hatte sich Jakob in die Wohnung der jungen Schauspielerin begeben, aber doch nicht von stürmischer Hoffnung beflügelt. Zuerst waren ihm die Mittheilungen des Bruders wie ein Traum gewesen Er hatte nicht an die Wahrheit derselben glauben können. Bald aber hatte er die Ueberzeugung gewonnen, indem er sich .jedes von dem Bruder gesprochene Wort wieder vergegenwärtigte, daß os sich um einen Irrthum nicht handeln könne. Kordel Nachmann gerettet nicht verdorben, gestorben, wie er so mancheö Mal in seines Herzens Bitterkeit gedacht! War eS denn möglich? Und zwei Jahre sollte sie schon wieder mit ihm , in den Mauern dieser Stadt geweilt haben, während ' Gedanke an sie nicht wenig dazu beitrug, jede Hoffnung auf ein Besserwerdcn in ihm zu sticken? Er aber hatte nichts vonihr gewußt, denn wenn er auch gelegentlich in den Zeitungen VON Kordelia HelmS gelesen, wie hatte ihm nur ein Gedanke kommen können, daß diese mit Kordelia Nach mann identisch sein könne! Er stieg die Treppenstufen, welche zu ihrer Wohnung führten, hinan. Er sah den Namen Kordelia HelmS" uf blitzendem kleinen Messingschild an der .Thür, daneben den Klingelzug.' Seine Hand zitterte, als sie sich darnach uSstreckte, er athmete tief und schwer. Nun ging ein Glockenton -, durch das Haus. , . ,-: . - ' Eine alte Frau kam und öffnete. Jakobs Hand zitterte als er seine Karte abgab. Unmittclbar.darauf aber, nachdem dieHrauinner Seitenthür verscbwunden war, wurde diese wieder aufgerissen, und, von Lichte übersiuthct, stand ihm eine junge Frauengestalt von seltener Schönheit gegenüber. Zwei Augen blickten ihn an, nicht die angst- und schmerzerfüllten Anzen Kordel Nachmann?, und doch die ihren, aber strahlend vor Glück, leuchtend in unnennba- !,,,,? -'. ' : :' .'i . . rer reude. , . .i; -.. Endlich! Wie lange tabe ich auf diesen Augenblick gewartet!" , , . , A'" t Eine sü ße Stimme sprach diese Worte, zwei kleine, weiche Hände - erfaßten die seinen, um ihn in das' trauliche Zimmer zu führen, : in welchem die einstige kleine Bettlerin nun ihre Tage verbrachte. Kein Zweifel! z Kordel 9!achmann war es, die ihm gegenüberstand, die, seine Hände in den ihren haltend, . 1 ihm mit feuchtschimmerndem Blick , in die Augen (1 1 Hfttä , "4 ' als ' ji'ii! h , "S , i ;" ' " V , !'-.. " - ' - '''::!; stjfciiÄtt wkrA ., . v; Kordel ist eS möglich, wirklich?" Mühsam rangen sich die Wore von seinen Lippen. ' Bc aber jauchte auf: , ' .Kordel, Gott sei Dank,! daß ich tl noch bin!" y'if'--

Und warum kamst Du nicht srüher zu mir?" fragte er wieder."' . Sie athmete auf, nun war die Angst von ihr genommen, daß er ihr entfrcmdet sein könne. Er nannte sie: Kordel Du!" War'S nicht gerade wie in den Kindertagen, in welchen er für sie gestöhlen, sie zu seiner Mutter gebracht? Heiß ergoß sich das Blut in ihr Gesicht, .bis unter daS glanzende, wellenförmige Haar, welches die Stirn umrahmte. Ich fürchtete mich, Jakob," , kam es leife über ihre Lippen. Du hattest mir zum Abschied gesagt, ich solle gut bleiIm, ich war nicht gut geblieben, obgleich ich'S wollte und gerade darum, von Frau Greve fortgelaufen war. Ich wollte sterben, ich war in'S Wasser gegangen, damit sie mich nicht zum Bösen verführen sollte, aber ich wußte nlcht, daß ich dadurch eine viel größere Sünde beging." Also doch! Unglückseliges Kind! Wer hat Dich gerettet?" , . Der Fährschiffe? bei .S. hat mich herausgezogen, durch einen Mann , aufmerksam gemacht, der meinen Sprung in die Tiefe mit angesehen. Doch davon spater, Jakob. Laß uns , nicht in dieser Stunde jener furchtbaren Zeit gedenken." Er hätte gern Alles gewußt aber tt sah Kordel's liebliches Gesicht bei der bloßen Erinnerung erbleichen, sah ihre .Augen einen Ausdruck annehmen,, der, trotz der langen Jahre, welche dazwischen lagen, seitdem er' ihn zuletzt i gesehen, unvergessen bei ihm geblieben und noch im gegenwärtigen Augenblick ihn zu erschrecken im Stande war. So fragte er nicht mehr, sondern fügte sich ihrem Willen, von der Gegenwart u::d von den Dingen zu sprechen, die jetzt ihre Seele beschäftigten und sie hofsnungsfreudig in die Zukunft blicken ließen. ES war eine Stunde verhcißungsvollen Glückes, wie sie nur wenigen gottbegnadeten .Menschenkindern im Lcden zu Theil werden mag, die Beide genossen. Der Raum, in welchem sie sich befanden, war klein,' aber Jakob glaubte, nie im Leben ein Zimmer betreten zu haben, dessen Einrichtung so einfach und wohnlich zugleich gewesen, daS so für den Sinn und Eharakter feiner Bewohnerin hätte sprechen können. Kordels Kleidung war schlicht, ohne jedweden Schmuck, als eine rothe Korallenbroche zum Schluß deS schmalen Spitzenbündchcns, welches auS dem braunen Kleide hervorsah. , Des junge Mann war förmlich überwqlligt von dem, was 'er am heutigen Tage erlebt, es war wie Friede über ihn gekommen, wie endloser Friede. Er selbst sprach wenig, er ließ Kordel er zahlen. Ihre Stimme hatte etwas un endlich Weiches, zum Herzen sprechendeZ und sie klang seinen Ohren wie die kost lichste Musik. Bismeilen schloß er die Augen und er athmete tief und schwer. War es nicht ein Traum, enr köstlicher Traum, den er jetzt träumte? Aber die Wirklichkeit war schöner als ein Traum. Das dunkle Gespenst der Vergangenhell war von ihm gewichen, Kordel Nachmann lebte. Und nie mehr durfte die Erinnerung an sie ihn jäh aufschrecken,

obgleich auch rn seinem Herzen das Verlangen nach Glück, wenn auch nur wie ein unbestimmtes Sehnen, lebendig wurde. ; Als Jakob Kordel verließ; mit dem 'Versprechen, sie fortan oft zu besuchen, 'soviel seine Zeit eS ihm nur gestatten würde, war er doch genau von Allem unterrichtet, was sich seit dem Tage wo er sich von dem kleinen, unslskcklichen Bettelmadchen verabschiedet, zugetragen. Sie war, nachdem sie freiwillig in den Tod gegangen, völlig bewußtlos und 'erstarrt an'S Land gezogen worden. Mitleidige Menfchen hatten sich' ihree angenommen und sie verpflegt, während 'einer langen, langen Krankheit. Sie .hatte erzählt, woher sie gekommen, auch daß ihr Wille gewesen, zn sterben. .Darüber waren ihr ernstliche Vorwürfe gemacht worden, und man hatte sie darüber aufgeklärt, daß der Mensch nicht das Recht habes solcher Art über sein Leben zu verfügen. Z Die Leute, die sie bei sich ausgcnommen, hatten sie behalten. Nie war davon die Nede gewesen, daß sie wieder fort solle, obgleich die Pflegeeltern, denn als solche hatten sich die Leute betrachten gelernt, in äußerst beschränkten Verhältnissen gelebt. . ,, Zwei Jahre später war der Pflegevater gestorben, und die Frau hatte nun allein für vier eigene Kinder und für Kordel zu sorgen. DaS war ihr sehr schwer geworden, aber gegangen war's doch. DaS fremde ' Kind zeigte sich als thätiges Hilfe' besonders für die Sommermonate, wo sieZ immer zwei ihrer Stübchen an fremde Herrschaften aus der Stadt vermuthete, und wo ihr die Arbeit allein sast zu viel wurde. Nach zwei weiteren Jahren, im Hochso mm er, war aber auch plötzlich und unerwartet, die bis dahin ganz gesunde und rüstige Frau gestorben Ihre Kinder waren bei Verwandten untergebracht, daS sremde Kind aber 4 hatte Niemand haben woller, da es. trotz der fünfzehn Jahre, die es damals ' gezählt noch ein zu schmachliches Aussehen' gehabt. ? Hü derselben ?Zeit aber kam eine Dame auS der Stadt, einer der Sommergäste, welche von dem jähen Tode ihrer , einstigen Wirtbin, gehört, und sie hatte sich bereit erklärt, das fremde , Kind , zu sich , '' -i- ,, i ,1 ' " ' ' 1,1 - 'i, '' II, 'ii .;) ' . .-"'V-i 1 ,,!,',' ... .f.,.,.,, ' - "! IB."- Aj:-.'-.'. :Jzu nehmen. , r.A --'Die Dame mä r ei ne ehem al i g e Sch auspielerin, welche wegen andauernder Kränklichkeit ihren Beruf aufgegeben. MielWigtMsürH dasH hübsche, blasse Kind das lebhafteste Interesse, besonders der Vergangenheit desselben' wegen. Frau Greoe lebte nicht mehr', wenigstens konnte eine Spur von ihr nicht entdeckt werden. Niemand wußte Auskunft über siefzuebcnWSH ', Wie Kordel Nachmann dann Schauspielerin gemorden?A kaum gewußt. EineS Tages war sie, ohne jegliche Vorbildung, als Aushilfe für eine erkrankte junge Künstlerin aufgetreten, so sehr sie auch ein öffentliches Austreten und daS Lampenlicht gefürchtet. Sie hatte ihrer Wohlthäterin ein

Opfer gebracht, indem sie erklait, " suchöweise die kleine Rolle übernehmen zu wollen. , , Kaum sechs Monate später, hatte Kordel Nachm ann darnv bereits ; an einer Prooinzialbühne daS Fach naiver Nollen züertheilt erhalten und nach einem weiteren Jahre ein Engagement , in der Hauptstadt gesunden, , das ihren Ruf begründcte. ' Miu . . Zv., , . Jakob Brenner kehrte in seine Wohnung zurück, ein wohnlich eingerichtetes, Heim in einer bescheidenen Straß:. Bescheiden war , auch die Einrichtung desselben, aber solid und sauber, den Eha rakter seines : Besitzers ; kennzeichnend Da war nichts von Schmuck, von Kleinigkeiten. , Jedes Stück ha.tte seine Be stimmung, eS würde in' dem mäßig großen Zimmer absolut kein Gegenstand zu . fmoen .' Senzesenlem), nach; dessen Nutzen man hätte fragen können, " ; Jakob zündete seine Lampe an. ' Im Ofen flackerte ein Feuer und eine behagliche Wärme breitete sich in dem Raum aus. Sein , Abendessen stand noch auf dem Tische, wie er es taglich zu sinden gewohnt war, aber es wäre ihm unmöglich' gewesen, auch nur einen Bissen anzu? rühren. Er klingelte, um das Essen abtragen zu lassen. .. . ' , Jch habe schon gegessen," sagte er auf die Frage seiner Wirthin nicht ohne ersichtliche Verlegenheit, denn auch die konventionelle Lüge dünkte ihn verabscheuungSwerth, , obgleich,, sie hle? hem, Zweck dienen sollte, weiteren neugierigen und nutzlosen Fragen auszuweichen. Endlich war er allein. Er hatte sich kn einen Sessel amTische niedergelassen.. Hier saß. er regungslos, den Kopf in die Hand gestützt,' stundenlang. ,

v : : Achtes Kapitel. ; ,Um Verzeihung, gnadiges Fräulein, ich suchte den Herrn Geheimrath," sagte Jakob Brenner, nicht ohne Verlegenheit, als ihm, statt des Fabrikhcrrn, den er in dessen Arbeitszimmer anwesend zu sinden erwartete, , Fränlein Helene entgentrat. , - ' ' . " Vater läßt Sie bitten, ihn hier zu erwarten," entgegnete die junge Dame, indem r ein leises. Noth in ihre Wangen stieg. Ich habe den Auftrag, Ihnen dies mitzutheilen, absichtlich überuommen, Herr Brenner," fuhr sie mit leise schwankender 'Stimme fort. Es lag mir daran, Ihnen für , den mir geleisteten Dienst mcinelr Dank auszusprechen." : w0h lehnte er ab, mit einem Ton in der Stimme, der etwas seltsam Hartes hatte. Es ist nicht der Rede werth, mein gnadiges Fräulein,- diesen Dienst, wie Sie sagen, würde jeder anständige Mann einer ganz fremden Dame als etwas Selbstverständliches erwiesen haben. Leider kann in einer z solchen Stadt derartigen Burschen niemals ganz das Handwerk gelegt werden." " Jakob Brenner sprach die letztenWorte, ruhig in gleichgültigem ' Gesellschasts'tone. Er hatte sich wieder gesunden Jedes Abirren von der sich selbst vorgczeichneten Bahn würde ihn in eine Gesahr bringen, die er nur zu wohl kannte. Nichtsdestoweniger fühle ich mich Jhntn zu Dank verpflichtet, Herr Arenner, ohne Ihr Dazwischcntrctetcn würde ich in eine höchst unangenehme Lage gerathen fein," entgegnete sie, die Augen freundlich auf ihn richtend, .aber ich weiß von dem Vater, daß sie sich nicht gern danken lassen. Nun habe ich obendrein noch eine Bitte an Sie, wie soll ich sie nur auszusprechen wagen?" ' - Sie hatte versucht, einen schmerzenden Ton anzuschlagen, der aber nicht von Herzen kan, und darum auch nicht recht gelingen wollte. - - Sie dürfen überzeugt sein, daß diese Bitte erfüllt wird, sofern dieselbe zu erfüllen, in meine Hand gegeben ist," versetzte er ernst. j D, legen Sie diesen Worten nicht zu viel BedeuttVig bei, ich bin , nicht gesonnen, große , Ansorderungen an Sie zu stellen. Erinnern, 'Sie. sich : noch, wann wir uns zum ersten Male gesehen haben?" ' - , : 3 ,, Wahrend sie die Frage stellte, hatte sie ihm lächelnd in das Gesicht gesehen, aber im nächsten Augenblick bereute ; sie auch schon, dieselbe ausgesprochen ' zu haben... Sie sah seine Züge sich versmstern und bcmerkte.einen , jähen FarbenWechsel. , , ' , . Ja, gnädiges Fräulein. kames hart und schroff über seine Lippen. Es war in eines füx .mich.Mjchlimtnen Stunde, und ich bin nicht gern an sie erinnert. , Wollen Sie nicht, die Güte haben, mir jetzt zu sagen, womit ich Jhnen dienen kann?" , ' -!';,; . Sie' gab nicht gleich eine Antwort, unsicher gemacht, , ob sie nicht abermals . ' ' t' tt f 1 f 1"" Mff iii seiner schrosten Art eme, Ablehnünq finden werde. Aber mochte es . sein. Sie war entschlossen, diesen s-. i'" r . irrt'" k t . . t. larrnnn um zeoen Prel? zu orecyen, denn schon zu lange hatte sie darunter gelitten. Es mußte ein Ende gemacht werden. ' " . ,., " ' & : ;W enn ich gcmu ßt h ätte, daß ich durch meine Worte unanLcnehine Erinncrungen in Ihnen ächrieuroenMcun ausgesprochen geblieben sein, Herr Bren'L Ili1--' ""':'t v ' i " - f ' 1 1 Jk-Whi!: " .;. i t ner. noem icg , icnc , cu eimuyint, folgte ich nur : einer Jdeenverbindnng mit dem, was' mich, heute veranlaßt. Ihnen eine Bitte vorzutragen. Seit jenem Tage, an welchem ich Sie ' zum ersten Male in der Fabrik gesehen, betrat ich jene Näüme nicht wieder. Mein MMi'saM'aß werth seien, - daß kaum ein t btOtu tender Industrieller die Stadt verlassen würde, ohne sie in Augenschein genommen zu haben, und daß es eigentlich von der , Tochter deS Fabrikanten Brenner nicht zu entschuldigen sei, daß sie diesem großartigen Betriebe keinerlei Aufmerksamkeit schenke. Ich habe mich entschlossen. daS Versäumte nachzuholen, nd Sie bitten wollen, mich morgen ein- , j ; j 1 1 . " , ,!. , ! , i'ijji.,., , ilV1'!1!. ;j li;lV ' ' .h, I'ili1' I "llilHn J'! :I' ., , , I , ,:Lj. . : ; 1 1 j . mal durch die gesammten Räume der Fabrik zu führen. Der Vater meint, daß ich unter Ihrer Führung gleichzeitig auch Alles erklärt sinden würde, was mich etwa interessiren sollte." SU dürfen nur über mich befehlen,

mein Fräulein, sagte Jakob Brenner mit vollkommen -rnhiger Stimme, und doch war sein Gesicht, in diesem Augen blick ' von ," einer geisterhaften , Blässe vor tiefinnerster Erregung. Er wollte noch ''hinzufügen, daß ' es , ihm . eine Freude sein würde, oder eine andere konventionelle Lüge, aber, er, brachte sie dennoch nicht über feine Lippen. " v, ; Hele aber sah sein Erbleichen nicht, oder wollte eS iiicht sehen.', Sie entgeg? riete nur' lebhast: Wann, darf ich Sie erwarten?" ' Bestimmen Sie, gnädiges Fräulein, Sie dürfen nur, befehlen." ' So kommen Sie um neun Uhr, Herr Brenner, j Dann wird der Vater keine Ursache mehr haben, sich über die Gleich giltlgkeit seiner Tochter zu beklagen." ' .. Der Fabrikherr, trat e!n.'' Es war, als !ob seine Äugen mit forschendem Ausdrück über die beiden Menschen hinwegglitten. Indem ; Helene sich entfernte, wandte er sich Jakob zu,, in dessen Gesicht erst jetzt' eine Spur von. Farbe zurückkehrte. t' : !: Setzen Sie sich, Herr Brenner. Ich habe Sie zu mir bitten lassen, um esmge Worte mit Ihnen über Ihren Vruder zu ' sprechen. Ich interessire mich lebhast'für ihn. obgleich Sie mir er sprach die Worte nicht ohne Bitterkeit ein solches Recht niemals zuge, stehen werden. Leider kann ich jedoch nicht, umhin,' Ihnen zu sagen, daß- dit Wege, welche er wandelt, mich mit ei: niger Besorgniß und Unruhe erfüllen." Jakobs Gesicht hatte einen tiefernsten Ausdruck, angenommen. , 1 Ich hoffe, die Gerüchte, welche über ihn im Umlauf sind, entbehren der .Begründung", fuhr der (Äeheimrath fort. Jedenfalls sind sie sehr übertrieden. Es würde mir eine sehr groß Freude sein, könnten Sie mir etwas Beruhigendes sagen. " In der ganzen Art uch Weise des Fa brikherrn, insbesondere aber in seine; Sprache, machte sich eine lebhaste Ünruhe bemerkbar. Wir kommen wenig zusammen, Her, Geheimrath. Ich fürchte, HanS zu stö: ren, sein Bekanntenkreis entspricht nicht meinem Geschmack, und, ich glaube, mich nicht zn täuschen,, wenmich der Meinung bin, daß ihm mein Fernbleiben nicht zu unangenehm ist. Wenn ich zu ihm ginge, würde mich das Gefühl beglei, ten, daß ich ein nicht gern gesehener Gast sei." Leider, leider ich kann Ihnen nicht ganz Unrecht geben, Brenner, aber ver? gessen Sie nicht, es ist Ihr Bruder, Ihr jüngerer Bruder, über den zu wache Sie gewiß eine Verpflichtung haben. Sie dürfen sich nicht von ihm abwen: den, weil Sie sich und ihm durch Jht Fernbleiben eine Unannehmlichkeit eri sparen. Wissen Sie, was man sich in geselligen Kreisen von dem Maler Brem ner erzählt? Sind Sie über all' di tollen Gerüchte in Bezug auf seine Per: son unterrichtet?" Mir ist Mancherlei zu Ohren ge; kommen." v Er soll eine Liebschaft mit der Soubreite eines Vorstabttheaters unterhalb ten," warf der Fabrikherr ein. Jakobs Brauen zogen sich zusammen, sein Gesicht nahm einen sinsteren' Ans druck an. Zorn zuckte um seine Mund: winfel. DaS wenigstens ist eine Lüge", sagt er mit fester Stimme, und über diesen Punkt kann i5) Ihnen allerdings Auskunft geben, Herr Gehtimrath. Hans hat sich in eine junge Dame von tadellosem Ruf verliebt, oder sagen wir lieber, er hat eine ernste Neigung zu ihl gefaßt, die unerwidert geblieben. Ich glaube aber nicht falsch zu gehen, weno ich der Meinung bin, daß gerade diese, Schifsbruch seiner ersten Liebe ihn aus Wege geführt hat, die er icht hätte ge: hen dürfen; mein armer Bruder ist eben leider' ein nicht gefestigte? Charakter, das Schicksal, hat jdne!6rztchui:3 geleitet. sQch jkanij c5 dem Mann, der sich meines Bruders großmüthig und warmherzig angenonn men, niemals Dank wissen, daß er dem: selben alle Wege geebnet, jedes Hinder

"t y'" niß ' hinweggeräumt hat, sodaß er mit dreiundzwanzig Jahren eine Stellung im Leben einnabm,' auf welche nur Der Anspruch erheben kann, der sie sich jchwtt erkämpft." , t - Der Fabrikherr zeigte eine gesteigert Unruhe. Während Jakob gesprochen, hatte er sich von demselben abund dem Fenster zuaewandt. Hin stand e? einige Augenblicke' mit fest geschlossenen Lippen wie um die zorn erfüllte Entaeanuna zu unterdrücken, dit ihm- auf der Zunge schwebte. Dann drehte er , sich - wieder um und sah dem jungen Mann fest in das Gesicht!' :; ie könnten in der Dhat i)it Sohl? thäte? Ihres BruderS einen Börwnrf machen, . weil dieser ein , leichtsinniger Charakter ist?" fragte er mit. einer Stimme,' die Jakob delnahe erschreckte. r-' Nein, nicht daS. Ich würde niemalS einen Anderen für eigene Schuld verantwortlich machen ; indem ich mein Bedauern'aussprach,' daß Hans nicht im Kampfe mit dem Schicksal geständen, suchte ich eine Entschuldigung für,, den er. Herr Brenner athmete auf, wie i?on einer schweren Last befreit.! Erreichte . ' " ' "t 'v ' " "'"'Ä' 1 " ' v V ,:,if: -! h- '' ' 'i!'1"1 i i6 ' " - ; Jakob die Hand. ,; ; . i.: -i m Ich danke Ihnen, Brenner. Sie snil . f": ' üfs-. 1 W: : H - :-M'. n in c r; g c v c cq i i ,:: j;: ; t -e;:!.;;,.";.. :: . :;-;; -s-u."!.::- r ' , , Jakob verstand heute die Worte nicht. i..:cV; , r v r - - i" t1' r " c c ' ;" ; m cj i , ' ' wenngleich sie ihm auffielen. Er kam auch nicht zu weiterem 9!achdenken, denn f 4on1 f iir: bcraBrif erp f or tgaSr Hier giltS nun aber Nicht, zu fragen und , zu erwägen, wie Ihr Bruder aus Abwege gerathen, sondern wie er davon zurückzuführen ist, und ich meine, daS ist Ihre Sache, Ihre Pflicht, von welcher S ie sich nicht durch kleinliche Bedenken zurückhalten lassen dürfen. Wann sahen Sie ihn zum letzten Mal?" .Ich glaube, es ist Jahresfrist." erwiderte Jakob peinlich berührt, daß ein Fremder mit ihm von den Dingen sprach, die schmerzend an seinem Herzen nagten. .Seine VermogenSverhältnisse sind

veränderte, Brenner man sagt so. Er soll nicht gern arbeiten, nur im Noth

sau, seine Gemälde dann schlecht,,, unl unterm Preis verkaufen. " -4 Der Fabrikherr sprach nur zögernd und? mit unsicherer Stimme., Jakob'Z Gesicht aber brannte plötzlich wie ia Fiebersglut. Von dem, was er soebe.1 vernommen, halte , er keine Ahnung ge, habt, l Nun durchzuckte ihn jäh der Gedanke: Dein Bruder ist ' in Noth uu Du hast nicht nach ihm gefragt! Davon weiß ich nichts, Herr Geheimrath, ich glaubte' nicht, daß er Mangel 'leiden könne," stammelte er verwirrt. ' . .Vielleicht nicht gerade Mangels abee er lebt in unregelmäßigen Verhaktnisselr. Dadurch wird seine Kunst schwer gezchadigt Mit einem Wort, Brenner.,, Jl, .Bruder, ist .ein Verlorener, wenn "Sie nicht Mittel und Wege sinden, ihn auf die rechte Bahn Zurückzugeleiten." ' - Jakob Brenner sagte . nichts. D't Worte des Fabrikherrn trafen ihn b!Z tief ins Herz. ? - Ueberlegen Sie sich die Sache reif, lich, : Brenner, " fuhr der Geheimrath nach einer ganz kurzen Pause fort. ' Ich habe eS nothwendig gefunden,. Sie auf etwas aufmerksam zu machen, das Ihnen vielleicht verborgen geblieben. Es wärt schade um Ihren Brnder. Vcrsnche Sie alles, ihn zu retten." Nachdem Jakob gegangen war trat der Fabrikherr wieder n das Fenst und schaute sinnend inS Freie hinaus. Um den Mund machte sich in diesem Au genblick ein besonders schmerzlicher Zu bemerkbar, gleichzeitig war ein Ansdru von Müdigkeit in sein Gesicht getreten, der ihn vorzeitig gealtert erscheinen ließ. Die Worte des jungen ManneS hatte? ihn schwer getroffen, sie entbehrt? nicht ganz der Wahrheit. ' Der Gehcimrath Brenner :?ar del Wohlthäter und Beschützer dc-Z junge:? ManneS gewesen. ; Offen hatte er diescZ Amt nicht antreten dürfen. Fran Hcd: wiz Brenner in ihrer Unvcrsohulichkc!! würde niemals zugegeben haben, daß il;i Mohn auch nur die geringste Unterstützung aus den Handen ihres vermeinklk chen Todfeindes entgegengenommen halte. So wirkte er in der Stille und suchlt dem jungen Manne die Wege zu eine? glänzenden Zukunft zu ebnen. ; Keim Sorge, kein Mangel war jemals a? HanS herangetreten, wenngleich der Fabrikherr' eS vermied, ihn im Ucbcrflnß zu erhalten. Einen solchen hatte dcl talentvolle junge Mann sich bald s:lbst verschasst, und als nun gar einige seiner noch unreifen Bilder zuverhältnißmäßiz hohenPrciscn angekauft wurden, glaubt: er, AfleS seinem eigenen Verdienst zn .verdanken, während der Gehcimrath Brenner die Bilder den Augen der WeU verbarg.. Kein Zweifel! Die Erfolge hatte ihn verwirrt. AuS der Tiefe deS Lebcni war er aufgetaucht und an'S Licht getreten. Es hatte ihn geblendet. Du vornehme Welt trug den junge? Künstler förmlich aus Händen, sie vcn gotterte ihn und ließ ihn selbst an seinen Werth glauben. Zu spät erkannte Her, Karl Brenner, daß das Glück und dek Erfolg seinen Neffen -zu Grunde richte? würden, und die GegernnaßreZcln, dl er dann, von Sorge gepeinigt, ergriff, erwiesen sich als durchaus unzureichend. Der Geheimrath entzog seinem Schützling die reichen Unterstützungen, hoffend, ihn dadurch zu einer Umkehr zu bewegen, ihn an die Arbeit zu bringen. Vergeb, licheS Hoffen! Hans Brenner war aus abschüssiger Bahn, und durfte er dea Gerüchten, die hier und da sein Ohr erreicht, Glauben schenken, so war, auch .keine Umkehr zu erwartend es ging mit wachsender Eile bergab, einem schlimmes . Ende entgegen. Diese Gewißheit übte eine nieder schmetternde Wirkung auf den Fabrik, Herrn auS. Er. suchte auf jede nur erdenkliche Weise die Verhältnisse dcZ jungen Künstlers aufzubessern, ) ,fs weit er es thun konnte, ' ohn dessen Ausmerksamkcit zu erregen, da er , nicht ' wollte, daß dieser noch an einen Halt glauben sollte aber er müßte mehr und mehr die Hoffnunz schwinden lassen, irgend etwas thun zu können. . In seiner Sorge und Angst hatte der Geheimrath sich endlich an Jakob Aren ner gewendet, hofsend, daß es diesem noch möglich zein werde, den Bruder aus : den rechten Weg zurückzuführen.' , Nach der heutigen Unterredung hatte er auch diese Hoffnung theilweise ausgegeben, zwischen den Brüdern mußte eine gefähr, , liche Schranke ausgerichtet sein, sie wußten nichts mehr von einander. ' Dcc Fabrikherr stand ? noch lange in ztiefem fernsten Sinnen , ' verloren . am n, rt f- V!:'' ..uV jf f.enuer, vls es aumayilcy vunrezn ein Naume geworden war. ' Er fühlte sich unendlich bedrückt. ' ; sfernesÄcrz gangenheit. in welcher ein Bruderzivifl sich gleichfalls so folgenschwer erwiesen hatte, trat ,,an ihn. heran und erfüllte seine Seele mit endloser Qual." 1 - Me '':- ' fin-V'1.'1 f f.,'-'! ";:. in; JSfff" i-f '"'S-, i! : Ein Klopfen an der Thür schreckte ihn auS seinem Sinnen auf. . Es war Helene, die in Folge seiner Aufforderung eintrat. Sie blickte mit einem beforgcn AuSdruä .'-i j'' i! J'j -''''ctS'' m"': ;:l,V'ti U"' " ! 1;' : I n i,;;-;,!) t (5) C i Cl) 1 1::; l l) r C 3 llj.Sß t C r :!'; ;.. S C 1 11 C Züge hatten sich nicht erhellt, und sii " . - 1 ; :(f ' "Iii" : '-er v : V;; !' -"" viüi' i " yi;'f ft wußte, daß er seit emlger.Zelt icher D itMM ! eI gern, mögen, aber all' ihr Bemühen, ihm beizu stehen f war an dem h artnäckigen Eh a rakter Jakob Brenners gescheitert. eS war eine Unmöglichkeit, sich ihm zu na Hern, ihn zu einem Aufgeben seiner ablehnenden Art zu bewegm'.MI?s -;i 'Bvt trat an den Vater heran. Ihre Hand fuhr liebkosend über seine durch furchte Wange. Mit einem Lächeln um den Mund, daS ihr Gesicht wunderbar verschönte, sagte sie: Siehst Du. Papa, ich bin eine gehorsame Tochter. Morgen werde ich die Räume unserer Fabrik durchimndern, nicht einer soll vergessen werden. Du kannst Dich daraus verlassen. Bren ner will mich begleiten, und ich werde wohl Niemanden sinden, der mir AUeS besser erklären und - auseinandersetzen könnte. " (Fortsetzung folgt.)

olvene Worte sar srauktga ner und solche, die eS wer den wollen.

M - - V ' " , Vom Benehmen gegen des "7 Sch w 1 tj' tpufS f Ernste, vertrauende, ' Würdevoll schauende ' Wichtige Miene! v- - Sparsam an Worten frei Stets aller Orten sei . Für ihn tl sine! . fe ' . Höflichkeit ' starker Hort, zi Schlüssel zum Herzen? - , Blankes Gold-Zaubermort, 1 Bannt alle Schmerzen, - ' Liebt er die Politik I Werd' Kannegießer, - M ! 4 Schwärmt er für die Musik - ' Sprich nur'vondieserßss . i-; Halt die Mama ihn knapp, Thu's nicht bemerken, i 1 Hör ihn zum Frühstück ab. Um ibn zu stärken, - . ' Ist er, fideles Haus, ! Stich viele Flaschen aus, ' Doch hab' die Zunge dein Stets aus dem Sprunge sein. Und sei überall Glatt wie ein Aal. l - , - j ,,, ,( , Vom' Benehmen gegen die Schttiegermama. Die Mama, hör' mein Wort! Eei Dir empfohlene ' ; Willst aus dem Hause fort Die Tochter Tu holen. Die Mama, glaube mit, Mußt Du poussiren, Willst Tu zum Traualtar ' 's Töchterlein führen. Stelle Dich an nicht dumm. Mach' Deinen Rücken krumm. Schwänzle um sie herum,' Darfst Dich nicht gieren l ' Hat Mama Hunde lieb, . . Oder auch Katzen, Die' besten Bissen gieb, Wenn sie auch kratzen. Wenn sie auch scheußlich sind, Pfleg' sie aus's beste. Mache dem Katzenkind Selber das Neste. Nimm es auch sonder Harm Wohlgemuth aus dm Arm, Drück' an die Brust es warm, - Schmeichle dem Beste! Ist die Mama schon alt, Lob' ihre Jugend, Ist sie auch zänkisch,. kalt, Lob' ihre Tugend. Sag', daß sie wunderbar Sich conservire, Daß sie noch auf ein Haar Selbst Herzen rühre. - . ' Drück' ihr dann zart die Hand, Kaus ihr ein neu Gewand, Zur Promenad' galant Täglich sie sühre, Aber ist Dir die Braut Bor dem Altare, Glücklich erst angetraut, Tann Dich bewahre , Mit aller Deiner Kunst - . Für Mamas Walten, Laß ruhig ibre Gunst Für Dich erkalten! Eile dann, wie der 28 mV ' Mit Deinem holden Kind AuS ihrem Hans geschwind : Ohn' anzuhalten. - .-Jn Süd Fr ankreich giebt es noch immer Zauberer, welche Saludadus heißen. Zu den Erfordernissen eines solchen gehört, daß er der siebente aus einer durch ' keine Tochter unter brochenen Reihe von Söhnm sei. Er hat ln einer Hand ein Zeichen, das Zhni die Macht giebt, barfuß über eine weiß glühende Eisenstange zu gehen. Mit seinem Hauch kann er eine Feuersbrunst löschen. Durch Zauberkreise und Beschworungen segnen die Zauberer daS Brot, und wer davon ißt, ist gegen die Hundswuth gefeit, ebenso vermögen sie diese Krankheit zn heilen. -t Die Saludadus genießen in den Dörfern das größte Ansehen.' Als am 21. Novemder der fünfjährige Franz ' Llense (Puats de Mollo) von einem tollen, Hund qebissen worden war, wandte sich der Vater des Kindes mit Einwilligung7 des Maire an den Saludadu. Dieser sperrte den Kleinen in ein dunkles Zimmer, und verbot ihm, , Fleisch z essen und Wasser zu trinken. Wenn der kleine Llense, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, das Zimmer verließ, wur-. den ihm der Kopf und die Augm mir einer dicken Kappe bedeckt. ' Das Kinv wurde auf diese Weise 40 Tage v,n einem Familienmitglied Gendarmerle hatte aber von dieser BeHandlung gehört, und der Thierarzt des nächsten Ortes bestimmte,daß man diese Mißhandlung deS armen Kindes auf .gebe. .Soba !d er wied er weg gegang en war, wurde aber die Kur des Saludad fortgesetzt. Der Thierarzt hat daher Anzeige bei der zuständigen Behörde ' nch f :!ö W' ? f 1 ' M::i!nii llCJiiUUJl. ..,.' ('? ,-,' i 'l i'r4 N:i!lf' ! .'" a ' if .!:! -'s 1 '-'iftf ! ' fd dli?: in &l : i:;1';!:!;,:;-" 't,tK. :V x:' t''"ri'':i:''i ' 9' '" ' , V ii! Kultur Historiker wollen l:" T- f . jl1'11!'!', j'Ü "i , 1)1 !' i 'I, ." , ,' , , . an dem zarten Gescklecht unserer Tage hier und da eine stark entwickelte N eigung zum WirthShäuslebkn beobachtethaben. , Indessen war diese Neigung! mich der holden Weiblichkeit früherer Zeiten nicht eben fremd. So wendeten! sich im Jahre 1575 .die auS gemeiner Bürgerschaft" jetzt sagt man Stadtverordnete zu Borna an den Nach mit dem Gesuch, daß den Weibern an Abend die Bierzechen verboten fein tü ten, in Ansehung, daß darauf allerhand; Unrecht nnd Beschwerung nicht allein: dem Wirthe, sondern auch den Person nen, so die Zeche für sie bezahlen müß ten, entstände. Und während dieMeib säßen und zccheten, glns daheim is Haus und Hof übel zu ratf dem Oesmds und den Klndlein. Die Chronik setzt! jedoch hinzu: ,E$ hat aber solches nid viel helfen wollen, und'xtsg wsl derer rv ? rft . C , . , hn i ' ' 1 ' - Wmeln yrinrcoc caä wieme rs'N tt -L . . -t ... u . tWff . ! guragen uaecn. ui0 weiter gekneipt. es , wurdH

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