Indiana Tribüne, Volume 14, Number 126, Indianapolis, Marion County, 25 January 1891 — Page 3

:

j j-'f i.ian Die 3 ciinQ ßuö tsBröÖer. Sozialer Noman . fts N. L ü t e t S b u r g. (G. Fortsetzung.) - Bedenken Sie, mein lieber Brenner,, welche unangenehmen Folgen eS für mich hebe:', müßte, so lange einen jungen BlGr.it in meiner Fabrik beschäftigt, Ja,, r:ehr als daS, bevorzugt zu haben, auf! deu: ein. solcher Verdacht haften bleiben tcAsAi. Daher habe ich sofort alle Heö:l in Bewegung gesetzt und glücklick ine Absicht erreicht. An eine Schuko Jbrers?ilK konnte doch Niemand, der Sie fcunr, glauben. Wenn nicht heute noch, rrird man Sie morgen bestimmt entlassen. Ick, n?ollke Ihnen diese Nachricht gern pcilZnZich brinz-en." Die letzten Worte roaren etwas stockend,, üöcr die Lippen des Fabrikherrn gekommen, es war ihm auch unangenehm,, daß sie ihm entschlüpft waren, den sein Gesicht nahm plötzlich einen etroaS verbrieflichen Ausdruck an. Ich danke Ihnen für JhreGüte. Herr Brenner," flüsterte Jakob kaum hörbar, chne fcajj er nur wagte, den Blick zu erheben. Da gieöt's mchtS zu danken," lautete die beinahe schroffe Entgegnung. Tüch? tige Arbeiter in meiner Fabrik zu haben,, ist mein Stolz, ich würde es mir nie vcr-' zeihen, wenn man ein räudige? Schaf darunter fände. DaZ wirkt ansteckend. Darum wird auch auf strenges Regiment gesehen. Und nun halten Sie den Kopf doch. Ich wiederhole, Sie sind ein Pcchrcgel, Sie müssen doprelt vorsichtig in der Welt fein. Einem anderen Menschen htte das nicht einmal passiren können. Ihnen fehlt der Glaube an sich selbst, den mehr oder minder jeder Mensch zum Leben gebraucht. Suchen Sie ihn nun um zeden Preis zu gelnntn, wenn Sie auf Erfolg rechnen wsLen." Jakob Brenner athmete nur tief und schwer, er entgegncte nichts auf diefe, Worte. Aber der Fabrikherr hatte diesen Seufzer verstanden, schmerzlch bewegt blickte er auf den jungen Mann. Aberrcels schwebten gütige, warme Worte auf seinen Lippen, doch blieben sie unaussprechen ; er wandte sich zum Gehen. Auf Wiedersehen!" sagte er noch kurz An der Thür angelangt, warf er noch einen Blick auf den Gefangenen, dann verließ er eilig den Nanm. Dranxicn auf dem Korridor blieb er einige Augenblicke stehen, um sich die falten Schweißtropfen von der Stirne zu wischen. Die Begegnung mit dem Sohne seines unglücklichen Bruders hatte ihn gewaltig erregt. Daß eS so weit I;itte kommen müssen! Und er war dem Schicksale, das sich scheinbar an JakobS Ffn heftete, machtlos gegenüber, weil fetn. Schwägerin damals jeden Beistand zn seiner Seite verschmähte. Wie ganz enders hatte sich das Leben des jungen Manne unter seinem Schutze gestalten tonnen! Jskcb aber faß noch lange, nachdem der Fabrikherr ihn verlassen, regungslos in derselben Stellung, unablässig tropfs ten die ThrZncn über feine Wangen herab. Nun erst kam er zum rechten, klaren Bewußtsein der Lage, in welcher er sich befunden, der großen Gefahr, in der er geschwebt. Die Worte des FabrikHerrn aber hatten einen tiefen, nachhaltige Eindruck auf ihn gemacht. Sie sind ein Pechvogel! Ihnen fehlt der Glaube an sich selbst. ES lagzweifelsei eine große Wahrheit in ihnen, und doch, nicht nur das Unglück im geÄhnlichen Sinne verfolgte ihn, mehr der Fluch, der von Kindesbeinen an auf ihm lastete. An diese Gedanken reihten sich andere.' Warum nahm Karl Brenner sich seiner so warm an? Er hatte Schritte für feine Befreiung gethan, sich bemüht, die Unschuld Jakobs zu erweisen. Das war natürlich, und mcht nur, weil lhm daran lag, seine Arbeiterschaar von einem rändigen Schaf frei zu halten, sondern noch, weil derjenige, auf welchen ein so furchtbarer Verdacht gefallen, sein Neffe war. Die Untersuchung würde ja auch die oerwandtschastlichenVeziehungen zwischen dem Angeklagten und dem reichen JabrlkHerrn zu Tage gefördert haben. DaS hatte zu unliebsamen Erörterungen Veranlassung gegeben. Aber all' diese Betrachtungen vermocht ten doch den einen Gedanken von Jakob nicht fern zu halten, daß em besonderes Interesse für ihn den Fabrikherrn so armen Antheil an seinem Geschick hatte nehmen lassen. In seinem gan;en Auf treten war etwa gewesen, das seinen ablebnenden Aeußerungen durchaus widersprach. Sollte doch nicht die Reue, sollten nicht Gewissensbisse Karl Brenner in diesen Tagen heimgesucht haben? War - jl rjr:..c ' . rr-' l r er v.ii obq) jajuioig, zu ver rrennlnig gekommen, wohin seine Schuld den ohn des Bruders geführt? Nicht lange sollte Jakob? seinen Betrachtungen überlassen" bleiben.! Zwei Menschen kamen, ihn zu besuchen, Werkmeister Grünwald und Irene. Hatten sie geHort, dan er .schul loi war, und wollten ihn nun beglückwünschen? Er fühlte einen, schmerzhafUn Stich durch'? Herz und war kaum im Stande, den ihm gebotenen, warm? Keimen Gru zu erwidern. "'.'"" Brenner, verzeihen Sie, daß wir nicht früher kamen sagte der Werkmeister jetzt. Irene wollte gleich her, um Ihnen zu sagen, wie tief wir von Ihrem Unglück mit betroffen worden sind: ! ich fand nicht den Muth, Ihnen gegenüber zn treten, Sie solltenHsich erst oeruhigt haben. Daä ist nun geschehen, wie ich sehe. Nicht wahr, Sie fühlen sich nicht mehr beunruhigt? Die Sache muß sich ja aufklären. Die Menschen glauben , nicht an Ihre Schuld. Ich habe mich :?i?l!:Ä efreut. doch der , G?rcchtkakcit , zu begegnen; Ihre früheren Feinde nch n?en für Sie Partei und ich habe die "seile Ueberzeugung iQnan(2te .bald ? v . ,-iv:-!-i:-'Tä!iMlVi!ii!;-::.i:ii::i:;';;: , . irrigeren nnro. fivZi Liefe Worte, der T?n, in stls

' ,

jäaBian,,,, sie gesprochen m-nen, t:t:cht?n ctitt:i über W wSlligcnden GMuck ruf d u jungen Mann, sie schmölze, vsLend die Eisrinde, mit welcher da-z Unglück sein Herz umpanzcrt. ,Der iiyrrrcmiter uno rene hatten zu ihm gewollt, ihn zu trösten, insbesondere die letztere, auch andere Menschen mochten nicht an feine schule glauben die Ueberzeugung berauschte ihn förinlich. . ,. Er erh ob sich von seinem Sitze,' -fcr -ÄnkammM cißgegenzu, gehen, aber, feinf,Knike . zitterten, er vermochte kaum, sich auf den Füßen zu er halten .,Mit,bebcnoer Stimme erzählt erv daß Herr Brenner ihn vor kurzer Zen verlassen und der Ueberbringer außeron deutlich günstiger Nachrichten gemese? fei. - Das : Gesicht des Werkmeister! nahm einen Ausdruck v on Äesriedigune an; in Irenens Augen aber leuchtete ti strahlend auf. - - - - . Wie ist das möglich?" fragte Grüw wald. Vor einer Stunde habe ich nock mit dem Herrn Gcheimrajh gesprocher und fand ihn in größter Aufregung, weil feint W der Holizei gestellte Jorderunö auf Mre"Fre'!tafsuna abschlägig belchie den worden war. Auf seine Frage, ol ich nicht genau daZ Datum rot, an dem Kordell Nachmann verschwunden sei, konnte ich ihm allerdings Auskunft geben. da es der Tag nach demjenigen war, an dessen Abend Sie uns zum ersten Mal b suchten, (zr notute sich daS Datum, ur. eS müssen ganz besondere Umstände sein, welche jetzt eingetreten sind. Sie haben wenigstens in dieser Zeit Menschen gc habt, die mit Warme und Energie sick für Sie bemüht haben." Früh am folgenden Morgen würd. Jakob Brenner auf freien Fuß gesetzt. nachdem man ihm Vorwurse gemacht. daß er nicht mit wenigen Worten Aufklärung über das gegeben, was sich al entlastend für ihn hätte erweisen müssen. Wie ein Träumender durchwandelte n die Straßen der Stadt. Abermals wal ein Gewtttersturm an lhm vorubergebraust und hatte an dem Mark seinel Lebens gerüttelt. Er fühlte sich müd l:d erschöpft, ein heißes Verlangen nach Ruhe war über ihn gekommen, aber seltsam er glaubte sich in diese Augenblick nicht , so schwer belastet uirt niedergedrückt, wie die langen Jahr, vorher. Die Mutter empfing ihn mit jubelnd Freude, sie war unfähig ein Wort übe, ihre Lippen zu bringen, sie deutet: stum auf ein Packchen Zeitungen, die auf dem Tische lagen. Unwillkürlich einer stummen Aufforderung ihrerseits folgend schlug er eines der Blatter auseinander. .Oh! Oh!" kam eS übet seine Lippen, indem er ausschlnchzend auf einen Stnhl niedersank. Vielleicht kann der Fluck gelöst werden, Mutter. Die Welt ist nicht ganz so ungerecht, wie eS den An, schein gehabt. Sie sagen, ich habe ein Jugendschuld laugst abgebüßt fit sagen, und gelobt sei ein gütigerGott, daß ich Dir diese Worte bestätigen kann, ich würde niemals für meine eigene Persor die Hand nach fremdem Gut ausgestreckl haben." Siebentes Kapitel. Die permanente Kunstausstellung bei bekannten Kunsthändlers Mcrgener war seit einigen Tagen der Wallfahrtsort, zu welchem die GeisieSaristokratie pilgerte. Dieser schlössen sich alsbald alle diejen!: gen gesellschaftlichen Elemente an, welch gewohnheitsmäßig jedes neue Gemäldi in Augenschein zu nehmen verpflichtet zu sein glauben. Die Kritik beschäftigt, sich, in diesen . Tagen besonders lebhaft mit den beiden Arbeiten eines junger Künstlers, dessen Name zum ersten Mali genannt wurde.Die allseitige Bewunderung, welchi die beiden nicht sehr grouen, in schlicht Nahmen gefaßten Gemälde fanden, war keine künullch geschraubte. Die Mo tioe waren so einfach, wie. möglich ab von emer überraschenden Wirkung. Beide B ilder waren KindcrporträtS von seltener Schönheit. Das eine zeigte ein kleines Madchen mit krausem, nußbrau: nem Haar auf dem mit Blumen durch' wirkte Rasenteppich, am Rande eines schmalen WasserstrelsenS. Die herab: hängenden, schwankenden Zweige einer Birke glaubte man im Abendwind sich bewegen zu sehen. Die Kleidung des KindeS, bestehend auS einem Röckchcn ' über dem weißen, ge: bauschten Hemdchen, auS welchem die reizende Büste, zwei tn ihrer Form wundervolle Aermchen hervorsahen, und welches die nackten Beinchen bis übel das Knie frei ließ, hatte eine Meisterhand entworfen, darüber gab eS nur eint Stimme. Die Stellung des kleiner Geschöpfes, die eine Hand nach Blumen langend, die andere einen kleinen Strauß Frühlingsblumen haltend, auf welcher die großen Augen mit glückseligem Aus: druck ruhten, war eine so natürliche und ungezwungene, . daß man eS gleichsam sich bewegen zu sehen glaubte. Und über diese Gestalt, übe? 'die Birkenzweigc, über das' Wasser, den Rasen war ein rothgoldenes Abendlicht ausgegossen, wie eS die Natur nicht herrlicher geben kann. Der Frühling des armen KindeS ! Daneben der Winter. Ein kleines frle i , rendeS Bettelmädchcn ' im . zerrissenen I Kleidchen, i die Hände unter der Schurze j z verborgen in einem Raume; war es ein i;, f. "! Mir vi. ' frtii'i k :i 'y . fr. nA i, ' f Lf- ' ', j.,f ,-!'.., Gang, em Zimmer, em Hausflur, wer konnte es wissen?' ' Vielleicht hatte der ' Künstler selbst nicht' einmal etwas W' .stimmtes in'S Auge gefaßt.' Nur Stein fliesen sah man, schmutzig, feucht, stellen weise roth, um die ursprüngliche, Färbt anzudeuten. Die Beschauer und Bei, F , ' (i ,,; ,;Mjj 'jii ! ,!! ; ., . 1 : 1 '" 'i ' ' , ''l'ii'.i-' i II1". wunderer dieses Bildes aber sahen mn das Kind, dem auch Hunger und Frost - - y Y'A i1 ! r"' bM::- ' du Schönheit : nicht hatten ' rauber. können, i1 Die' Wanzen waren schmal und blaß, aber das herrliche Oval de ganzen Gesichtes war nirgends ' gestört. Die Augen des KindeS richteten sich aus den, der eS ansah, mit einem so flehenden und angstvollen Ausdruck, daß eS dem Beschauer war, als werde eben ir. diesem Augenblick die, Bitte um ein Gabe an ihn gerichtet. Die rechte, kleine Hand, die trotz ihrer Magerkeit nicht unschön war, streckte sich wie zm E.2.".2.::c a':?,' ü3$nb die link.

"jliSt '! 'Mt, r'iiiimirfjNfcfc-gf!i

iJ .'ifeiii-'iiti. afff einen alten Korb, in welchem einige Bunde Streichhölzer lagen, deutete. Das Licht einer kleinen, qualmenden Oellampe siel gerade, ans die Gestalk des kleinen Mädchens, auf . dem dunklen Haar zitterte es wie Glorienschein. Ein berufenes Künstlerauge sah auch vielleicht die Mängel der beiden Bilder, daS Publikum nicht, und die Kritik schloß sich mit Warme dem Ur-: theil an. sie wollte absichtlich die Fehler übersehen, in wirklicher Bewunderung des jungen Künstlers. Denn jung wär er, kaum 23 Jahre alt. Man erzählte sich Wunderdinge von seinem Fleiß, seiner Ausdauer. Der Sohn einer Wittwe, die sich und ihre beiden Söhne ; von ihrer Hände Arbeit ernährt, war er ; zu einem gewöhnlichen Maler, in- die Lehre gekommen. Dieser, bald .das Talent seine? Lehrlings erkennend, Hatte denselben zwar in seiner Weise gefördert, aber doch nur verhältnißmäßig wenig thun können. Er ließ ihn die Kunstgewerbeschule besuchen. Dann aber hatte daS , große Talent des jungen Künstlers sich ungewöhnlich schnell entwickelt. . Er hatte Käufer , für seine kleinen in aller! Stille gemalten Bilder gesunden und war dadurch in den Stand gesetzt worden, sich ganz der, Kunst zu widmen. Jedenfalls berechtigten feine ersten Bilder, mit denen er an dif Oessentlich keit trat, zu den glänzendsten Erwartungen. , , Es war in früher Morgenstunde und der Ausstellungsfaal deö Herrn Mergcner foeben erst geöffnet. In dem weiten Raume war noch niemand anwesend, aber unter dem Eingang' erschien gerade in diesem Augenblick ein 'älterer Herr und eine noch junge Dame in einfacher, aber hocheleganter Toilette. Trotzdem man daS junge Mädchen kaum eine Schönheit nennen konnte, war dennoch ihre Erscheinung geeignet, Aufsehen zu erregen. Von mittelgroßer, schlanker Gestalt, zierlich gebaut, ohne derFormenfülle zu entbehren, jede Bewegung voll Anmuth, mußte man unwillkürlich beim Anblick derselben auch dem 'Gesicht ewige Aufmerksamkeit zuwenden. Es machte einen etwas bleichsüchtigen Eindruck, w"eder Mund noch Nase verdienten die VeZeichnung hübsch, aber unter einer hohen g cd an ken sollen Stirn, von welcher das rothblonde, Haar zurückgestrichen war, leuchteten ein Paar blaue, kluge Augen, und dunkle Brauen und Wimpern nahmen dem Gesicht jedeSpur des Gewöhnlichen. Die Dame war zweifellos eine bemerkenswerthe Erscheinung. Wir sind allein, Papa", sagte sie mit weicher, klangvoller Stimme, dem Por tier ihren Schirm aushändigend. iü arum gmgen wir so früh, Helene. Ich liebe 3 nicht, unter den Augen zahlreicher Neugierigen einen Eindruck zu empfangen, man läßt sich unwillkürlich, selbst bei einem gefestigten Urtheil, durch diese oder jene Aeußerung bestimmen. Sagen Sie doch md. Lieber, wo finden - wir die Bilder des jungen Brenner?" wandte er sich dem Portier zu. Hier gerade gegenüber, Herr Geheimrath. Das Licht fällt in diesem Augenblick sehr schon!" , Ein unWrklicheS Lächeln umspielte den Mund des Fabrikherrn. Sie werden Kunstverständiger, Heidora," sagte er lächelnd, indem er, gefolgt von seiner Tochter, in der angedeuteten Richtung dahinschritt. Ich glaube eS selbst, Herr Geheimrath, aber wenn man den ganzen Tag nichts anders hört," entgegnete , der Portier noch, indem er die ihm änoertrauten Garderobestücke mit einem zusriedenen Lächeln in Sicherheit brachte. War er doch eines guten Trinkgeldes sicher. Der Herr Geheimrath knanserte niemals. , ' ' ' ' : Heidora hat Recht", meinte Herr Brenner, zu feiner Tochter gewendet. nachdem er nur einen Blick auf die, bei- . ';, den Bilder geworfen. Entzuckendlf , H, Der Ausruf war ein wahlberechtigter. Das leicht verschleierte Oberlicht, welches gerade in diesem Augenblick auf die Bilder siel, verdoppelte den Eindruck, welchen sie auf den Beschauer machen mußten. Die Bilder traten förmlich aus ihrem Rohmen hervor, die Kinder schienen zu leben, zu. athmen. Wie der Mund des einen Kindes sich , zu einem glückseligen Lächeln verzog, so daß man hätte meinen sollen, im nächsten Äugenblick müsse ein jauchzender Jubelruf von den süßen Lippen kommen, so schien jetzt der Zug des tiefsten Leides um den Mund des anderen KindeS gleichsam die Verkörperung von Schmerz und ! r'i'" .'. frl ' , . , 1 11 ' '' 'll'' Angst, die sein klemeS Herz erfüllen mochten. Und wahrend auf dem einen Bilde Lust und Leben strahlten,, schien daS Licht auf dem anderen das Elend aufzufordern,' sich , ' in seiner , ganzen vnx-.T. ; ' : i L-jf 1 r: 1' - L'i'r-' ' ' ' j ' "' ivße zu zeigen, oyne va es lvm gelingen konnte, eine. Empfindung der Abueigung beim Anblick desselben hervor- , . ! , ,"n zubringen. - . 1 t Vater und Tochter standen im , schweigenden Anschauen , deS BildeSversunken, und daS Betrachten ihrer . bt,serseitigen GcsichtSzüge hätten denKünstler.auS des? fenHändcn diese kleinenMeisterwerk ehervorgegangen waren, mit , hoher Befric-"J?J-e-irr c. . .L'i. fv. v :?''-Ät:" viguug erfuueu niucjcii. vem ''tniU t b c S g a B r t f fi er nt t c u t c t c c 5 ia u f ! i ri "t "" " r ' ' i r" "'" ''' fct' '' lr ' " '"' t '"' '"' , s -if" : '' den Augen seiner Tochter glänzte ein ,t rf (. '".'ll'' -vpri !' !"f:!i!:y.lJ!!ii-IM' i:1!!!:!,;!!! Heller Tropfen. . -!i Papa das arme Kind! Ob es noch solche Typen in unserer Großstadt giebt?" i kam eS endlich 'leise ? von den Lippen der Tochter, als fürchte sie, die lautlose Stille ringsum zu unterbrechen. Ich : glaube, leider, Helene. Sie werden auch mit aller Christen-, , und Nächstenliebe nicht auszurotten sein, so, lange derM t ern derartige K inder ausbeutet. Sag', Helene, würdest Du dem kleinen Ge-' schöpf ! n l ch t m it j vollen ; Hände gebe n, wenn eS Dir so in Wirklichkeit entgegen'trat, ? ,H',,'';; :'i'i i' IlstlC k , f:i, ., ( .;,; &:, "i- h- ! .Jch glaube nicht! Papa,' weil diesem Kinde keine Gabe ,. helfen würde. Da müßte ' mehr. Ernstere, geschehen", lautete , die nach nur kurzem Besinnen gegebene Antwort. Ich möchte wissen, ob der Künstler beim Schassen dieses Bildes einer jintl'.sir 3clt ist, oder.

( S ? (

VI;; ob in Wirklichkeit ein Geschöpf lebt, da, ihm zum Modell gedient." Du kannst ihn darum befragen, Helene. Wir werden ihm heNte Abend in der Soiree bei Herrn von N3delsh:im begegnen." ' y In den Augen der jungen Dame leuchtete es uf. ' Nicht wahr, Papa, eS ist derselbe, von dessen Studien Du mir so viel erzählt, er ist ein 5o!k-vinäe-Mann?" , .Nicht ganz. HanS Brenner ist ein bedeutendes Talent, aber schwerlich ein elk-maäo-Mann. Sich allein ernporzuarbeiten war er nicht veranlagt, und wenn er nicht wesentliche Unterstützung gefunden, würde er kaum ein Ziel er reicht haben, an welchem.?? trotz seinez Jugend schon heute steht. Ich glaube, Helene, der junge Mann wird nicht ganz dem Bilde entsprechen, welches Du Dir on ihm entworfen zu haben scheinst."" ' . Die junge Dame wurde dunkelroth. . Du selbst rübmtest stets seine besonn deren Vorzüge, Papa. Mein Urtheil hat sich, wenn ich mir ein solches gestat ten darf, wohl nach dem Deinen gebiN det, " versetzte sie mit leiser Stimme. Ich könnte Dir auch heute nichts Nachteiliges von ihm sagen, er hat niemals zu Klagen irgend welcher Art Veranlaung gegeben. Du darfst nur nicht vergessen, daß ihm niemals Gelegenheit gegeben ist, von dem Wee des Rechten abzuweichen. Er hat ein Leben geführt, wie es wenigen beschicken ist. Wohlthätige Menschen, oder sagen wir lieber, ein Mensch, der ein lebhaftes Interesse an seinem Fortkommen besaß, hat ' sich seiner auf daS Wärmsie angenommen und ihm alle Wege geebnet, damit er nur feinem Studium und feiner Kunst leben konnte. Das hat er gethan, er ist auch dankbar gewesen, denn er hat die Erwartungen, die man emeS Tages an ihn gestellt, nicht allein erfüllt, sondern in jeder Weise Übertrossen. , Er ist ein ordentlicher Mensch, geworden. DaS ist bei seinem Bruoer zwar auch der Fall, aber dieser junge Mann nimmt, namentlich in den gesellfchastlichen Kreisen, nicht die Stellung ein, die Hans Brenner eingeräumt worden ist, ' und dabei kann sich dieser nicht im Geringsten mit jenem messen." Der Künstler hat einen Bruder? Allerdings, er ist in unserer Fabrik beschäftigt." Davon wußte ich noch nichts. Warum sagtest Du mir nie davon Papa?" Herr Brenner beantwortete die Frage seiner Tochter nicht mehr. Schritte wurden laut, Stimmen in unmittelbarer Nähe: Ah! Oh! snporde! rnngmsicmk! Auf Ehre famoses Arrangement!Wir wollen gehen, Helene," sagte der Fabrikherr nur. In dem Augenblick, als er sich zur Weite wandte, begegnete sein Blick demjenigen Jakob Brenners. Ah! Sie hier? Sie wollen das Bild Ihres Bruders sehen. Sie können stolz auf den Bruder fein," Dann auf seine Tochter deutend, fügte er hinzu: Wir sprachen von Ihnen. Helene,, das ist der Bruder deS Künstlers, der In, spektor Jakob Brenner. McineTochter! Jakob verbeugte sich mit dem Anstank eines Mannes, der in gebildeten und ge, selligen Kreisen zu leben gewohnt ist. Ei war eine ausfallend hübsche Erscheinung, der Ernst seines Gestütes kleidete ihn vorzüglich,man konnte ihn äußerst interessant" nennen. Jedenfalls hatte er sich sehr zu seinem Vortheil verändert Aus dem Jüngling mit dem schönen, finsteren Gesicht war ein Mann geworden, groß, stattlich, ein Mann, vor dem man Achjung hatte, der überall gern gesehett wurde. Aber er hielt sich zurück, er zeigte sich nicht gern in geselligen Kreiscn. So war es Herrn Brenner zur Unmöglichkeit geworden, seinen Neffen zu bewegen, in seinem Hause zu vcrkeh, ren. : "; ' " ' ,, Auch heute wurden einige Worte ge wechselt, dann empfahl sich Jakob, kühl und förmlich. ' Unwillkürlich folgten ihm HelenenS Blicke. ' Sie war .jedenfalls überrascht von einer so unerwarteten Begegnung,' wagte aber nicht, den Vater mit weiteren Fragen zu bestürmen. Erst als sie neben ihm im Wagen saß, konnie sie ihre Neugierde nicht mehr meistern. Inspektor in Deiner Fabrik, Papa? Wie kommt'S, daß' ich ihn nie ; znvor sah 'Lu bist ja onjt dafür, diese Leute iu Deinem Hause einzuführen. Er macht einen sehr angenehmen Eindruck." Ei s ist auch ein ungewöhnlicher Mensch, wie ich Dir schon vorhin sagte. Ich ziehe ihn seinem Bruder bei Weitem vor. Er ist ein Charakter, ein bedeu, & r- . V. ! m : ... ttnocr yararter. lir yat tch überall bewahrt, obgleich das Schicksal wiederholt sehr hart an ihn' herangetreten ist." Während der Gchcimrath Brenner mit seine? einzigen Tochter seiner Villa zufuhr,' sprach er noch sehr viel über Jakob. Ersagte, daß es vom. ersten Augenblick an, in welchem' er dem jungen Manne gegenüber getreten, in seines Absicht gelegen habe, denselben zu beuyen uno zu vcsvroern. ti oa aber absolut . nichts zu machen gewesen: Er habe alleZ seiner eigenen Arbeit, sei1 '' t ' ' i "' ' !: ' '"i " ' Ct " nem eigenen Fleiß verdanken wollen, und man habe ihn gewahren I lassen m : :ivi,ärj!, '. di'tn i-Af'Jt- ! ; müssen. Nicht HanS Brenner, sondern Jakob sei ein 5e!5rnnIs Mann, der sich hart durchgerungen, ' dem daS Schicksal sich wahrlich nicht freundlich gezeigt,' der eö aber durch Muth und Ausdauer . be? i ,, .!.;'; !:. ; - ? , ' , " n.zmungen. ;. . " j Inzwischen hatte der Besprochene sicy den Bildern seines B doch fand er dieselben so stark ' von Neu- ..:! .,ri!.,;. ; ' !;!!!' fci'.s ,':'"''!!, , i " , ' , gierigen umgeben, daß es ihm unmöglich war, auch nur einen Blick darauf Au werfen. ; So mußte er stehen bleiben, um Zeuge der öberschmänglichen Lobeserhebungen zu werden, mit welchen man den Schöpfer dieser Gemä lde überschüttete. Wie wohl diese Bemerkungen seinem Herzen thaten! . Nun war der Herzenswunsch der sterbenden Mutter erfüllt, ihr Liebling ein berühmter Mann geworden. Wenn sie doch diese Stunde hatte erleben können! ber es war All fo unvollkommen in der Welt.

w mm u$ ;ili- " '- , .t.iK ,, , , rvii! ;; , j, Gerade heute t vor eknem Jahre hatt sie In Jakobs Armen den letzten Athem zug gethan.' den Schn k,gnend. der ins besonder, d'e letzte'. Zeit ihreS : VtUn ks wunderbar verschönt.? Wenn sie do hier vor dem Bilde HStks stehkN. die Ur theilt HZt! hören können. Arme Mut ter. wie wenig Freude war , ihr, doch in Leben rergonnt gewesen! Und sie hatt sich im letzten Jahrez ihreS Daseins id: beneidenSwertheste aller Frauen genannt sie war ftetZ von Dank gegen Gott er füllt gewesen, weil sie solche Kinder ih eigen nennen durfte. :;; An all' diese Dinge dachte Jakob, tn oem er seitwärts stand, um den Augen blick abzuwarten, wo er Platz z sind würde sich die Bilder seines Bruder anzusehen. Er hatte davon gehört, i: den Zeitungen gelesen. - Ihre Beziehun gen zu einander waren nicht .derart, da! sie von ihrem gegenseitigen : Thun : un! Treiben stets genau unterrichtet i gewese: waren, so hatte Jakob feine Ahnung vo! den Fortschritten seines BruderS geh abj und die Zeitungsberichte, berührten ih.daher um so tieser. r .-i- : Endlich war der Augenblick gekommen wo er sich den Bildern nähern könnte Da , nur einen einzigen Blick warf c auf daS eine der Gemälde und tau melte znrück; ein,:leisev unartikulirte Laut kam von seinen Lippen. Oh! Oh!" Er fuhr -sich mit de Hand über die Stirn, über die Augen er hob die gesenkten Lider empöre ' Wa es Traum, war eS Wirklichkeit? " l Kordel Nachmann! Kordel Nach mann!". i.i' . Er trat näher an die Bilder heran für einige Augenblicke war eS nicht voi Neugierigen umstellt. Und wiedc flüsterte feinMund: Kordel Nachmann!! Ja, sie war eS ohne Zweifel. ' Dcrfelb Ausdruck von Schmerz und unsagbare Angst ' blickte ihm : aus diesen Äuge; entgegen. So hatte sie ihn in jene späten Abendstunde angeschaut, als er si hungernd und frierend in einer halb dunklen Hausflur gefunden. Hatte aili HanS das Kind damals gesehen?: Ohn Zweiscl, wäre eS nicht der-Fall gewesen nimmer hätte eine- Phantasie der Wirk lichkcit diese Situation ablauschekönnen. - ' ; 1 ' Die Erinnerung übcrfluthete Jako' Brenner formlich, er trat von den Bil dern - zurück, noch ehe er sie einer Prü sung untermorsen. Andere Neugierig traten auch schon heran, einen fragendc! Blick auf den jungen Mann werfend, de eben seinen Platz verließ und' sich mi einem Tuche über die Stirn- fuhr als wolle er einen Nebel verscheuchen der seine Sinne gesungen hielt. E war ihm dunkel vor den Augen, die Lus in dem Saale drohte ihn zu ersticken,. hatte ein heißeS Verlangen, hinauSzu kommen. Kordel Nachman!" murmelte ci draußen angelangt, wieder. Wie leben dig stand plötzlich Alles wieder vo feinem inneren Auge, was jemab mit ihr in Ausammenhang gestanden DaS arme Ding! Verdorben ge starben!" Er hatte nie daran geglaubt daß ein anderer Mensch ihr ein Leid zu gesügt. Ihm war der Schritt, den da! frühreife Kind gethan, durchaus begreif lich. War er, nicht eines TageS, einig Jahre alter als sie, auf gleichen Wege: gewandelt? Ihre Handlungsweise schiel ihm so natürlich, er glaubte, daß er in Stande fei. Schritt für Schritt ihr Gedanken zu folgen, biö sie am Rand des Wassers gestanden, um all, den Jammer ihres Lebens ein Ende zi machen. - - Arme Kordel! Sie hätte Gedul! haben, warten sollen, es wäre besse mit ihr geworden,' wie eS mit ihm bes se' geworben war., Aber,, sie hatt keine Hilfe, keine Stütze, unb er durft ihr keine solche sein, so. war sie allen und Verlassend gewesen, auf sich selbj angewiesen, Und was konnte ihr di Zukunft im besten Falle bringen? . Arme Kordel! ArmeS kleine? Ding Mit den Jahren war die Erinnerunj an sie in den Hintergrund gedrängt wor .:ften. .;.:'?ZiBör hatte.riii'; manches Ma wachmd und im 'Traunr ihre . großen traurigen'. Augen, auf' sich gerichtet gese hen, Daher nach und ' ' nach gedacht Jakob doch ''j der kleinen Jugend gespielin seltener, und vielleicht würd die ö Zeit nicht mehr fern gewesei fein,-in welcher ihr Bild völlig verblaß zurückgetreten wäre, wenn der Gedank, an sie nicht durch den unerwarteten An blick ihres PertratS so plötzlich Wiede lebendig geworden ware., ! '. . .' Aber was wußte HanS, fein Bruder von ihr? Jakob hatte keine Ahnung da von,, daß er sie jemals wiedergesehei haben könne nach dem Tage, an welchen ein herzloser Mensch das kleine, hun gernde Geschöpf von der Schwelle seine; HauseS gestoßen, daß es taumelnd U dm breiten Rinnstein gestürzt war Konnte das Bildniß ausschließlich seine Khantape'Lntsxrütt i z Er verneinte diese , Frage. Dabe ' fühlte er sich von einer nicht zu beHerr schenden Aufregung ergriffen. 'Er mußtzu dem Bruder, diesen befragen. Zwa' ; zögerte sein Fuß. . Zwischen HanS un' ihm war rgend etwas, das jede Annähe ' rung ausschloß. , - nß, ! ' G ar,. ,!ne,, eltfam - Eigenschaf i ' I akobS, d ! e th allen Bevo rzug ungen z un Trotz, welche er in Folge seines . Fleißei und seiner angestrengten Thätigkeit erfahren, nicht, ablegen : konnte,- daß er ii sich noch immer den. Arbeiter de? Bren !ner'schen Fabrik , sah, während er bei I Bruder als hoch über sich stehend be trach tet e! Han S i B renner w ar a ll erd i ng ein Mann geworden, dessen äußere Er i ' ,!", !" ,!,l',i- "''i ":';M t r, .;, s 1 fchcinung ihn in d:e Reihe von Menschez stelltcHdenSeHzscin gebung" - ich hatte angehören können. , Er hatt 'tl$'f'f 16)1 i?at3 tncit Jljg uttgeiebd n' lichtn Menschen betrachten gelernt. Di, Mutter, der Lehrherr, endlich Der. jenige, der ihn heimlich die lange: Jahre unterstützt und ihm die Mittel. !sich ifouf Neigungen zu widmen, in reichlichen Maße gewährt , halteMnährten Hi ttjm dki Gefühl. Jakob schien tt

Ti-:m

smt&

'Ö'i,! ff". 3 f'jsf Ml--'1-1 : '; ,: f '11: ' j .r;,; - tmm:r, als ob er nicht mehr zu HauS passe, oder vielmehr, als ub derselbe sich durch seinen Anblick i eine Zeit zurückvttietzt fühle, an welche zu denken für beide Theile nicht angenehm sein konnte. , So hatte er den Bruder niemals belästigt,, ein Jeder mußte seinen eigenen Weg verfolgen. 'Aber er mußte lhn doch nach Kordel Nachmann fragen. ES war gewiß eine seltsame Idee. Sie war ja todt. Er hatte eines Tages , ihrer Leiche gcgenubergc, standen. Entsetzlich! Er konnte in der selben zwar nicht mehr , die kleine Kordel erkennen, aber doch war ihm niemals ein Gedanke gekommen, daß sie es vielleicht nicht gewesen sei. Gegen Abend lenkte er seine Schritte der Wohnung deS BmdcrS zu.. Der, selbe bewohnte ein elegantes Quartier in einer der vornehmen Straßen, er hatte ja schon seit etwa zwei Jahren feine ge sammten Arbeiten zu guten Preisen verkaust. Als Jakob die breite Treppe zum ersten Stockwerk hinanstieg, hatte er das Gesühl eines aufrichtigen Schmerzes, daß er nicht leichteren Herzens zu feinem einzigen Bruder gehen könne. Er fand HanS daheim,-in seinem Ate lier. Für einen ' Anfänger waren die Räume, welche er bewohnte, jedenfalls außerordentlich elegant eingerichtet. Aber Jckob dachte nicht daran, $11 fragen, woher der Glanz und die Pracht komme, es dünkte ihm für den Bruder natürlich, zudem wußte er, daß derselbe einen reichen 'Gönner hatte. Seine Sache wäre eS freilich nicht gewesen, Geschenke entgegenzunehmen,' aber bet dem Bruder war eS etwas Anderes. HanS empsing den, Bruder freuudllch und schien wirklich erfreut, ihn zu sehen. In der Thatl' Jakob war eine vornehme Erscheinung, ein Mann, dessen er sich auch in seinen Bekanntenkreisen , nicht zu schämen brauchte. AuS dem Menschen feindlichen Philosophen, wär em brauchbarer Mensch , geworden, wie eS schon die äußere Erscheinung desselben zeigte. Er war tadellos gekleidt, von dem kleidsamen Hut'biS zu den Handfchnhen Und Stiefeletten. Nicht ließ an ihm den Mann auS der vorneh men Gesellschaft verkennen. Jakob fühlte sich durch die Beg'eg. nung minder befriedigt, er war bek1om5 men beim Anblick des Glanzes und der Pracht, die HanS umgab. : .Warum . kommst Du . so sei ten, . Jakob?" . begann der Maler mit Wärme. Er glaubte, eine Vcrlegenheit in dem Wesen seines Bruders zu bemerken, und wenn diese Thatsache auch nach der einen Seite hin seiner Eitelkeit schmelchelte, so war er doch nach der anderen hin zu gutmüthig, um sich nicht peinlich davon berührt zu fühlen. Ich denke. Du bist zu beschästizi, HanS, und mir fehlt eS ja auch nicht an Arbeit, " gab Jakob ruhig zurück, indem er der stummen Einladung feines Brudcrs, sich zu setzen, folgte. Mich treibt etwaS Besonderes zu Dir Du wirst Dich wundern, aber" Seine Gesichtsfarbe verdunkelte sich, während er fprach, und es hatte den Anschein, als besinde er sich in peinlicher Verlegenheit, als suche er nach Worten. Ich war bei Mergener," fuhr er nun mit sichtlicher Anstrengung fort. Ah!" machte der junge Künstler, m dem er den hübschen blonden Schnurr bart strich, während seine Augen heller aufleuchteten. Die Bilder gefallen Dir nicht wahr? E5 sind keine großartigen Sujets, aber sie finden ihre Be wunderer. , Welches von beiden Dingern sagt Dir am meisten zu? Jch kann das nicht sagen, Hans, ich sah nnr das eine. " ' ' Natürlich waren sie wieder umstellt. Kann mir das schon denken. So ist nun das Publikum, in solchen Fällen ist es gar nicht zu halten. Du hättest daS An? sehen aber auch billiger haben können, wenn Du nach brüderlicher Art Dich nur ein einziges Mal in mein Atelier bemüht hättest. 'Wir werden Beide zufammcn'zu 'Mergener gehen,' morgen früh, vor Ocssnung des Saales. O nein, daS war es nicht. Ich würde wohl Platz gefunden haben, die Bilder zu betrachten, obgleich es sehr überfüllt ar. Etwas anderes führt mich her. Ich 'möchte wissen,' ob wie" Er stockte, fügte dann aber plötzlich. wie einem raschen Entschluß folgend, hinzu: Ist die kleine Bettlerin ein Gebilde Deiner Phantasie?" " HanS blickte den , Bruder verwundert an. Die Frage überraschte ihn. ; Wie man's nehmen will. Nicht wahr, ahnlich ,' ist Kordel Nachmann? Du hast sie wieder erkannt?" -.. Jakob athmete tief und schwer, sein Gesicht war bleich vor innerer Erregung. 1.Ja,' ahnlich ist sie.' So erblicktest Du sie zuletzt? ' , ' Als Vettelmädchen, allerdings. Doch würde sie als solches schwerlich m meiner Erinnerung haften geblieben sein.- Erst neulich, als ich sie wiedersah, wurde sie mit Allgewalt in mir lebendig. ' Sie ist doch : ein herrliches Geschöpf. . Mich wundert .nicht mehr, . daß ; sie mich als , Knaben noch ; eine Zeit , lang so lebhaft befchästigte. Ich habe mit , Künstlerau gen g gesehen. . Schon das Kind war einevollendete Schönheit. ! Es, . ;r'cu ft;' mich- b e! n ah ieAi! aß 1b as'A ild einen' so großen Eindruck auf Dich ge? macht hat. Aber waS ist Dir," Jakob? Du siehst nicht gut aus. l:f :'2l.:Z i ,Si '' i 's t:,;;':vr" '& i&y- 'nft l Dieser saß in der That regungslos, bleich wie 1 der Tod, mit weitaufgerisseneMAngenda auf, die Farbe kehrte in feine W an acn - : , ' li-1-'.- yW, v -!-.- .ii-ihli. : -V ;S 11 ril cf ';!!;:- r c rg1;,,;;' in u b t c I a i!.,;ei it , i u f r f standni ß, c in Irrthum z üj G nl'n' t i icge n, Wie hatte er sich so überwältigen lassen mrmpi;d iM,:.M l onnen l Jf'ft Ä ji;;;.-:' fivf (: ; ;!if T-Jfi, ' .pm 1 - 0 1 Dcine Worte erschreckten mich.HanS. Du weißt, Kordel L!achmann ist lange x j, t i ? m .:-ü '!:( ? ;.-V1i"i:'i- ::' 'i !':: i"' :: "!: " -i: t0Du";;::;:;f::;iii!;;:: MNun war die Reihe deS i Staunens, der Verwunderung an dem Bruder. 1 ,Seitann?; ;itjsic0p man hat ibre Leiche im Fluß gefunden. !,,,,,,,,,,,,'!!!,, !';, 'jjjjj: ,,i ,7, ,i,,ii:,ii:iTi,i !, , v t- i: ,,,,l,, ,,,,,,, ,,, (''ii Eortsetzung folgt.)

Ä

Keckheit rettet vor Strafe. " '" ' i , Herzog Karl von Württemberg, de? Gründer der Militärschule iu Stutt gart, erschien fast täglich in den 5! lasse und war bei den Prüfungen der Schä ler, denen er oft selbst Fraqen dorleate gegenwärtig. Bei emer solchen Gele" genheit nun hatte' sich ein Schüler in der Matbematik w sckwack bewiesen. daS der Herzog, darüber erzürnt, ihn an . s - luyr: m&ttv Xix licy zum Teufel und lasse er Wollzogen an die Tafell Frei berr Ludwi von Wollzoam idcr nacbmalige preußische General der Jnfan tene) war aber nicht viel dezzer dezchls gen als fein Vorgänger und befürchtete gleicyes Scyickzal, tnoezzen erinnerle er sich noch rechtzeitig, das der Herzog selbst von der Mathematik wenig oder nichts verstand und daber wob! durch Keckheit zu täuschen sein werde. Er begann alzo darauf loS zu demonstrtrerr und gelangte zu einer Gleichung, bei welcher bem , Lehrer und den Schülern die Haare zu Berge standen. Der Her zog bemerkte jedoch ich: 3 davon, belobte ihn und stellte ihn der sanken Klane al5 Muster vor. Ah, dachte sich einer der Schüler, Graf von Nassau, wenn Keckbeit vor der Strafe rettet,, so werde ich das auch bei Cüeffdtnhni hrnfirm - w jftwm-jw w vlVIf u Und diese Gelegenheit ergab sich n:ne allzubald. Es war in der Karlsschule Vorschrift, dass Vergehen der Schüler aus tfmein verzeichnet wurden, weiche sie eigenhändig dem Herzoge Karl über, reichen mußten. Eines Tages nun kam dieser am Arm seiner, Gemahlin Fran ziska, Grasin von Hohenheim, iu die. Klasse, wo ibm dorerwäbnter (7? rar Nassau, der gewöhnlich sehr reichlich mit vergleichen Latein verzorgt war. auch diesmal ein ziemlich starkes Sündenr gister- überreichte. Das war.dem Re. genten denn doch zu arg, und er herrsch te den Delinquenten zornig an: Aber Graf Nassau, wenn er nun der Herzog wäre ind ich Graf Nassau, , was würde Er oenu mit mir cnfaii gen?" Ohne sich zn besinnen, ergriff der so Gesragte den Arm der liebenswürdigen . Franziska, gab ihr einen derben Kuß und sprach: wEure Durchlaucht. daS würde ich thun und sagen: Komm -Franzel, laß den dummen Jungen stehen. Der Herzog, frappirt von solcher Geistesgegenwart und llnverschamtheir. hielt es für das Gerathenste. die Sache als einen Scherz aufzufassen und oben-, drein dem Schuldigen die wohlverdiente Strafe zu schenken. ; Zwei SknekSAten von Eeneral York. ES war am 14. November 1814, al5 General Aork mit seinem EorpS in die Stadt Wiesbaden einrückte. Weder von Seiten des Herzogs, noch von den najsauischen Müitar- noch Civitbehordm war Jemand erschienen, um das preu ßische Corps zu empfangen. Während die Truppen in enge Eantonnements gelegt wurden,' nahm Z)ork mit seinem Stäbe in der Stadt Quartier in einem Gasthose, der dem Schlosse gegenüber lag. Aork war in heftiger Aufregung, mit großen Schritten ging er im Zim wer aus und ab. Da bemerkte er, cu dem Fenster sehend, Wachtposten, welche ihm aus seine Frage lS nassaniHe Truppen bezeichnet wurden. Jch kenne keine t nassauischen Truppen rief er. Jvo ich bin, besetzen ' meine Leute die Posten!" Bald kam ein Kammerherr deS Herzogs zu Z)ork mit dem Ansuchen, die Posten vor dem Schlosse der herzog' lichen. Garde Zurückzugeben, , der vott Aor? erlassene Befehl könne nur auf einem Irrthum - beruhen. Fsrk eut. : gegnete: Ich habe nun einmal den ' Befehl dazu gegeben, mir ist weder von der Anwesenheit deS Herzogs noch von den nassauiZchcn Truppen etwas bekannt, auch kenne ich unter den Verbündeten einen Herzog von Nassau so wenig, wie , seine Soldaten!- Als eer Kammer Herr erschrocken fragte: .So kommen Sie wohl in der Absicht, meinen "gnä-' digflen Herrn zu dethronisirenZ ' 'erwi dertc Mk kalt: Mein Herr, ich hätte wahrlich große Lust dazn, aber noch habe ich einen Befehl in dieser Vcziehunz nicht erhalten !.- Es blieb bei den preu ßischen Posten, was zur ' Folge hatte da der Herzog am selben Tage WieZ baden verlief , : ' 7" ' Tie Verbündeten waren siegreich in Paris eingerückt. Man war zu ' elneW , großen Diner versammelt, nur Blücher " fehlte Tipct)! Die Theilnehmer, Prin? zen Feldmarschälle, . Minister n.",f.'' thaten, als bemerkten sie , d'e ' Verzöge rung nicht, 'nur der Herzog von Nassau, der , durch die Gnade der Verbündeten sein Land wiedererhalten, äußerte end llch ' warum . denn r Blücher die ganze Gesellschaft warten lasse. ,s)ork horte dies, und daS Haar rückwärts streichend, wenn er heftig würde, sagte er zum Herzog: Jch dächte, ts wäre besser, dab Ew. Hoheit hier auf Blücher, als irgendwo auf, Ihre Pension l?arten l Damit kehrte er sich 'um, und ließ den verblüfften Fürsten stehen. i: ;, ' ' 7 v . ' D e r beste ämpenpu , Die liebenswürdige ' Manier " der ,'be rühmteu Hofschüllspielerin,Jrau Amalia Haitzinzer, Iedenl, wer es auch sei,etwa3 Angenehmes zu sagen, ist; allbekannt. Da geschah eL bei einem ihrer Gastspiele das, wie iulmer, rauschendsten Ersolg gehabt,' das ihr alle Mitwirkenden gra A tulirten, woran sich auch daS bei dieser. Bühne befchästigte Dienstpersonal schloß. ari'zzA ziemlich schäbig ans sah, aber doch nicht zurückbleiben wollte. Wer sind Sie denn eigentlich?- fragte mit dem gewin k nendstenMächeln dieBeglückwünschte. .Ich binW der' der Lampenputzer." Einen Moment Zchnzieg Frau Haitzinger. nickte bedeutungsvoll mit l dem K opfe?': und sagte dann sehr ernst : Höre Sie. iHhab'schÄlele aber so schön wie Sie hat mir uv' Kn M!,d,elÄaWSgVÄ!ÄM r?.

X

Mm