Indiana Tribüne, Volume 14, Number 119, Indianapolis, Marion County, 18 January 1891 — Page 6
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Die Westatinng nuf Schlacht feldern 5?uS .PcV'.Stter für KkltnrfortZchrUk, Ve?t tnikjZr ksr jc")
E erscheint uns als eine Pflickt, M bie Uebelstände des seitherigen Bestat. tunJsvnfahrens auf größeren Schlacht Mdern und ein Mittel, ihnen zu begeg .ren, eingehend hinzuweisen. Hierba Dollen wir zugleich prüfen, ob der Am Vabe Küchenmeisters über unzulängliche Westatiungen auf dem Schlachtfelds von Eedan begründeter Zweifel entgegengesetzt werden kann. In seiner Arbeit: Die verschiedenen Beztattungsarten menschlicher Leichname vom Anfangt der Geschichte bis heute," sagt er in bei 'Einleitung: Noch im letzten fran.'.osi' scheu Kriege (187071) haben wir ge Zehen, daß Hunde (und ihre Veo wandten. dieArdennenwolfc und -Füchse) Z?!e Leichname auf dem Schlachtfelde vos Sedan gierig ansschaarten." Dr. Bernstein schreibt in einer Ar Jbeit: Dle Leichenverbrennung vom 'Standpunkt der Hyglene und Pirtat zegen Todte" : Die Berichte und Be Schreibungen, welche vom Schlachtfeld! Won Sedan vörliegen, müssen jedes Deutschen, nein, jeden Edelvcnkendcn, tinit SchmerZ erfüllen. Ueber 40.00 Menschen- und Thierkadaver sind da selbst beerdigt worden. Die beaach. Karten belgischen Dörfer waren mi! Seuchen und ansteckenden Krankheit erfüllt und veranlaßten die belgischl Legierung, den Obersten Creteur zu, Anterfuchung und Beseitigung des Noth' 'standeS abzusenden. Dieser hat mü jhaarstraubender Ausführlichkeit übe, den Zustand des Schlachtfeldes be Achtet. Den einzigen Ausweg fand ei ßn einer nachträglichen Verbrennung Per Leichen, welche denn auch unter ev ßchwerenden Umstanden stattfand. Ich will Einiges aus dem Berichte deZ Obersten Creteur mittheilen. Jn LaidTrou fanden sich in ner.fm deutsche Soldaten, einem fließende!! Wasser nahe, angelegten Grube, du Zeichen so wemg mit Erde bedeckt, dajj hie fleischfressenden Thiere schon eine sTheil der Hände und Gesichter verzehrt Hütten. Bei 30 großen Baierngräber hatten die Tazewässer die Gruben ge lockert und die Leichen bloßgelegt, ode: bie Grundbesitzer hatten an der Entblöß 'Hung mitzcholfen, die Grabhügel abqe'trieben uud besäet. Zwischen Bala unv Bazailles war ein tief dunkler, iüb'er das übriae Feld hervortretend üppigerer Streifen, entsprechend einem vom Besstzer abgetragenen Grabhügel eines Baieragrabes. Die ihres Flei5chcs beraubten Extremitäten der Lei chen ragten aus dem Boden heraus, das Übrige decke eine leichte Erdschicht und hierin gedieh das Getreide üppiger als 'anderwärts. Die Wlldschweine, Füchse, Äunde. die sich an dem Fleische bei Mcnschenleichen labten, halfen die Erd Schichten wegkratzen, ebenso wie die Ra Ken auf den Pferdegruben. Hunde, welche einmal die Kost genossen, wollten gar urchts anderes mehr een. Und so geht der Schauderbericht web ier. Und bei solchen Thatsachen, die trotz aller Sorgfalt der Militärbehör' den sich wiederholen müssen, wer hätte a och den traurigen Muth und wiese die Leichenverbrennung, welche die einf.ig: Möglichkeit bietet, uns vor solcher Schmach zu wahren, von der Hand? Die edelsten Söhne des Landes, die freudig ihr Leben für uns geopfert, einer solchen Unbill, einem solchen Elend in Feindesland preiszugeben, während wik in Gedanlcnlosigkeit die Früchte ihres Sieges einheimsen, ist eine Schande." ' (Dr. Bernstein gebrancht hier starke Ausdrücke, welche wir unterdrücken.) ' Auch später haben fast alle Werke über Feuerbestattung die Mißftände der Grabstätten auf den Schlachtfeldern von Sedan und die hierdurch nöthig gewor dene nachträgliche Verbrennung der Leichen im Frühjahr 1871 heroorgehoden. Ueber die Unzulänglichkeit der Be srattung auf den Schlachtfeldern des Jahres 187 s üreibt ferner Dr. Pini in sei em .r z "L rLMAtion": Jgsx Eintlang mit einer Depesche des Baron Larrey vom 27. September 1870 und Gutachten des Gesundheitsrathes vm Paris und Versailles, ließ die bel gischc Regierung durch Creteur eine große Zahl der Leichen einäschern, oelche bei Sedan über den Boden hin zerstreut waren' ("jouehawat le sol"). An gleichem Arte wird ermähnt, daß man in demzetven Kriege vor Paris im pmkreise von mehreren Meilen das traurige und verletzende Schauspiel ein Masse von überhasteten Beerdigungen nd Bestattungen an der Oberfläche der Erde sehen konnte. . Dr. A. Kronfeld, Sekundärarzt dez 1 1 allgemeinen Krankenhauses in Wien sagt in seinem unlängst erschienenen Werke über Leichenverbrennung : l Für Kriege und Seuchen scheint du Letckenverbrennung jedenfalls sehr wert'hvoll zu sein. Nach Siemens Zann ein Verbrennungsofen binnen zwei Tw gen aus Feldsteinen aufgebaut werde und in Aktion treten. Lose aufgehäuft Feldsteine wären, nach seinem Plane, znittels einer Nostfeuerunz zu erhitzen; smd die Steine rothglühend, so ist ein Luststrom durch;uleiten. welcher starj erhitzt die Weiche bestreicht. Die Mtlitärstaatm haben ziemM reichlanteude Vorschriften für die Beo ung der Gefallenen. Sind Leichen in prange der Kriegsereignisse an unge eigneten Orten ve,tattet worden, o mi Zdie Graber nachträglich durch Erdhügel Au verbeffern, oder die Leichen sind zu verlegen. Wenn Tesinfectionsmittel IM in enüender Menae vorbanden iw . u' i) - sind, oder erheischen es die Bodcnver, lzZltnisse. so tonnen me Leisen aus ge eignete Art (m lmprovlstrten Nostözen i . irfirrtttitt iorbcrt.' " - . .,. ,7. : (Reglement für den Samläts Wn X ''! i'l!'",,n",Ä -i1' 1 " .-iiil:,- dienst des k.k. o,tr. - ung. 'ti-, ' K " T-r "'i pecres, iv. i;.; rrn iürrttnHSifTZ EfTPltS fTtoannitt irn.u.it 4rntTr tji nrr,i i im n picn ttitt j ' . nrr , . . .r... i TmÄLUCU AWIUI UtHIIH VtV. ,; ll
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noch die oben ' erwähntm Beschlüsse in Paris gefaßt wurden, hatte schon am 8. oder v. Marz 1871 an bis zum 20. Mai Creteur sich darüber hergemacht, auf Befehl der belgischen Regierung nnd unter Zustimmung der Generaleomman dos und Regierungen der kriegführen den Machte (Deutschland und Franb reich) die außerordentlichen UcMstände, welche die Soldaten- Massengräber und btc Thierkadaver- Gmben in ver Umgegend hervorbrachten, dadurch zu beseb tigen, daß er die H-Ubverwesten Leichen refte in ihren Gruben noch nachträglich verbrannte.
Creteur läßt nnit eine eingehende Bö' schreibung des Verfahrens folgen, aus welcher hervorgeht, daß die Lcichcngru ben nur sehr flach waren und daß viele Tausende von Menschen- nnd Thierleichen ans 3213 Massengräbern verbrannt wurden. Ocfters explodirtcn in der Hitze die gefüllten Patronertaschm nnd selbst Granaten, welche man in der Eile Zugleich mit den Leichen begraben hatte. Die Brandreste wurden nunmehr hoch vxit Kalk und Erde ükerschülttt und diz Hügel eingesäet, um den früheren Miß standen zu begegnen. Auf einem anderen großen Schlacht felde des deutsch französischen Krieges im Jahre 1875 stattgehabten Grabes. Eröffnungen wohnte Schreiber dieleZ bei. Man fand' hierbei fast auf de: Oberfläche der Erde unter kaum Fuß hohem Hügel z. Th. in den Weichtheilcn erhaltene Leichen. Manch? Leiches blieben in den Schützengräben, wo man sie fand, liegen und wurden einfach mit Erde bedeckt. Auch auf den Schlacht feldern um Metz waren die Uebelstandt der Sold Zten Grabstätten derartige, daß von militärischer Seite 187M71 um fassende sehr kostspielige Anorbnunge? m deren Beseitigung getroffen wurden. Die Ausführung stand unter Oberleitung von Oberstabsarzt Dr. d'Arrest. der uns hierüber berichtete. Die Assaniruuzsarbeiten" bestanden vorzugsweise im Aufschütten von Ehe. mikalien, Aufwerfen von Erdhügcli, und deren Bepflanzung auf den vorder zu flach angelegten Gräbern. Noch gegen 1880 ergaben sich Mißstände an diesen Kriegergräbern, so daß Garnisonbauinspector Rettig zu Metz den leider zu kostspielig befundenen' Plan zu einem großartigen Ossuarium ausarbeitete, wohin man plante, die ge sammelten Gebeine der Gefallenen über zuführen. Auch in anderer Richtung ließen es Behörden, Private und Ange hörige nach'räglich an Sorgsamkeit für die Gradstätten nicht fehlen. Daß aber int Augenblicke der Massentödtung großer Schlachten, wo der Feind alle Aufmerksamkeit in Anspruch nlmmt und jede Hand beschäftigt ist, die Bestattung gen nicht stets in vollkommener Weist hergerichtet werden können, wird jeder Kundige von vornherein und ohne Weiteres begreisen. Anders liegen die Dinge bezüglich der in kleineren Gerechten vereinzelt Gefallenen, besonders wenn das Gefechtsfeld besetzt bleibt und die Zeit nicht drängt. Hier mag Alles befriedigend sich gestalten lassen. Du in erst erwähnten Fällen zu Tage tre tenden Mißstände führten fchon 1812 in Rußland und 1814 zu Montfaucon vor Paris zur Feuerbestattung der Gesalleneu. Nach Dr. Pini wurden an letzterem Orte mehr als 4000 Gefallene ein geäschert. Im Juni 1855 verbrannte man zu Rivas in Nikaragua die Leichen von 13 nordamerikanische Offieieren und 100 Soldaten. (Küchenmeister). Die Feuerbestattung schlug Coletti in Italien für die Schlachtfelder des öfter-reichisch-italie.lischen Krieges vor, sowik 1867 Bertani für alle zukünftigen Schlachtfelder. Der Vorschlag würd gelegentlich des Pariser internationalen Kongresse) für die Pflege der im Kriege Verwundeten gemacht. Das Ungenügende der seitherigen Bestattungsweife der in den großen Schlachten Gefallenen !st somit seit langer Zeit vielfach anen kannt und wird in den Kriegen der Zw kunft noch fühlbarer werden, da die ver bollkommneten Schußwaffen und du größeren Massen der Kämpfenden du Aah! der Kriegsopfer voraussichtlich in's Unabsehbare vermehren werden. Im Hinblick hierauf ist es gewiß nicht angebracht, die beobachteten Mißstände bei Bestattungen auf den Schlachtfcb dern aus übel angebrachtem Zartgefühl su verschweigen. Es ist vielmehr Pflicht, bei Zeiten auf deren Abstellung bedacht m sein. und namentlich zu verhindern, daß die ungenügend Beczrabenen den Lebenden durch Verderbniß von Lust. Wasser und Boden gefährlich werden. Erwägungen dieser Art ließen bereits oor zehn Jahren den italienischen Hauptmann Rey sein mobiles Crematorium ronstruiren, das den Kriegführenden nachfolgen soll. Auch diese. Blätter be faßten sich mit derselben Frage und schlugen unter näherer Begründung du Verwendung des wohlfeileren Feisschen Crematyriums im Kriegsfalle, bei B lagerungen u. s. w. vor. Freilich kann Niemand voraussagen, ob die besonder ren Verhältnisse eine derartige Verwew düng sofort nach dem Kampfe gestatten werden. Unbedingt aber wird dieselbe nachträglich zur Assanirüng- des Schlachtseldes und zur Verhütung von Profanirung der Leichen stattfinde können. . Wenden wir uns zum , Schlüsse noch kurz den obigen Angaben Crcteurs und HüchenineisterS über das Aufscharren oberflächlich angelegter Massengräber durch Thiere, insbesondere Wölfe zu. In Deutschlands Wäldern gehören Wölfe allerdings zn den ausgestorbenen Thicrgattungen; nur selten vcrirrt sich in strengen Wintern ein Ardennen Wolf" bis an die User des Rheins. In Rußland, Frankreich und den seit 1871 von letzterem abgetrennten Gebiet liegt die Sache anders. Nach öffentlichen TmtlichenBerichten aus Deutsch Lothrin aen aus den' siebziger Jahren wurden daselbst in einzelnen Jahren noch L0 bis 70 Stück Wölfe (auch Wild-Sauen) erlegt. Es wird für jeden erlegten Wolf eine Prämie. vom Staate 'bezahlt, " ' ""r" '"" " vi's-.i.
und Schreiber dieses nahm öfters an, I
nach ranzoznchem Gesetz polizeilich angeordneten Wolfsjagden theil. In Nord-Fran?rcich besteht noch das Amt des Wolfsjägcrs (Ehef de la Louvctrrie, Louveticr. Ein Grand Louvctier fungirt? am französischen Hofe)., Im strengen Winter brechen., dort Wolfe noch jetzt nach öfters wiederholten Zei tungsnachrichtm in die Ställe der Dorfer ein, rauben die Hunde von der Seite bes Herrn, fallen Kinde? an und deciuw ren den Wildstand. Es ist dies eine Folge der besonderen Art der nord franzö suchen Forstkultur mit ihrem Niederwalds und der eigenttnlmlichen dortigen Jagd-Zustande, Wer wird unter diesen Verhältnissen gegenüber Zeugen wie 5lüchenmeister uno Creteur u. A. Zweifel hegen löunen,' daß die überHand nehmenden Wölft und anderes Wild im ÄZinter 187071, wo Niemand Polizeijagden enordnen und diese Thiere vertilgen konnte, Raubzüge auf das den Ärdennen benachbarte Schlachtfeld von Sedan mit seinen schlecht verwahrten Massengräbern in der That unternommen haden? Uebrigens waren solche bedancr--liche Vorkommnisse gewiß nur etwas nebensächliches im Vorgleiche mit den von uns weiter oben nachgewiesenen Zuständen bei Massenbezrävnissen im Kriege. So lange wir nun nicht in das gol denc Zeitalter des ewigen Weltfriedens eingetreten find, so lange uns männermorsende Schlachten bevorstehen, kön nen wir uns der Pflicht nicht entziehen, den Folgen des Krieges vorzubeugen, soweit das überhaupt möglich. Zu diesen Folgen rechnen wir auch die Mißstände der Massenbegräbnisse auf Schlachtfeldern. Das Gegenmittel heißt: Feuerbestattung der auf dem Felde der Chre Gefallenen. Eine GeneraNn als Diebin. Den Geschworenen in Petersburg wurde dieser Tage eine Excellenz ds Diebin vorgesühr!. Natalie Wassiljcwna Worvnow, Frau eines General Lieutenants, angeklagt des Diebstahls von Wertbparleren!" ertönte die Stim me des Gerichtspräsidenten. Zögernden Schrittes tritt eine ältliche, in ticse Trauer gelleidete Dame von mittlerem Wüchse vor und nimmt nicht auf der Anklagebank, sondern als. wolle sie schon dadurch auf ihre Schuldlosiokeit hiuweisen, vor dem Sünderbänkchen Platz. Ein um 4950 Rubel bestoblener Diacon steht vor Gericht als Civilkläger. Am S. December v. I. machte der Diacon der Alexander-schule, Asimow, der Polizei die Anzeige, daß ihm aus seinem Schreibtische verschiedene Werthpapiere im Nominalwerthe von 4350 Rubel entwendet worden. Das Schloß des Schubfaches war dabei vollständig un versehrt. Der Dieb hatte sich entweder eines Nachschlüssels bedient, oder war dadurch in den Besitz der Papiere gelangt, daß er von der Hinterwand des Schubfaches eine Leiste, die sich als gevaltfam entfernt erwies, losgerissen. Dabei wurde der eigenthümliche Um stand constatirt, daß der Verbrecher aus dem Ledertäschchen, in dem sich drs Wcrthobjecte befanden, nicht alle derfelben geraubt. . sondern einige, äugenschemlich absichtlich, zurückgelassen hatte. Ter Bestohlene hatte alle Nummern bei gestohlenen Papiere notirt und übergab üue Copie derselben der Polizei. Unter letzteren befand sich ein Billet der 1. Prämienanleihe, Serie 17,117, No. 11. Den Tag des Diebstahls anzugeben, war der Geschädigte nicht im Ctande. Ebensowenig konnte er e:ncn Verdacht äußern. Eine Mittheilung seiner Frau ließ schließlich einen solches vie unglaublich er auch anfangs erschien, lufkommen. Derselbe traf die Frau es General - Lieutenants Woronow, atalie WaZsiljewna. Sie verkehrte in öer Familie des Diakons und wurde wch mitunter von der Frau desselben besucht. Bei einem ihrer Besuche erzählte die An zcklagte, sie befände sich in iroßer Geldverlegenheit und bat Frau Llsimow. es zu vermitteln, daß ihr Rann ihr 3300 Rubel leihe. Letztere rrttärte ihr, dieses sei durch die, auf den 12, November festgesetzte Hochzeit ihrer Richte unmöglich. Frau Woronow vechfelte darauf das Tbema und bot sich in sehr Zreundlicher Weise an, Frau Asi now am Hochzeitstage beim Arrangenent behilflich zu sein. Sie erschien luch am Hochzeitstage und war, da es, ziel zu schaffen gab, recht willkommen. Ein Theil , der Vorbereitungen bestand darin, einige überflüssige Möbel in ein besonderes Zimmer zu schaffen, wozu luch der Schreibtisch gehörte. Am Abend begaben sich Alle, außer der Angeklagten, in die Kirche zur Trauung. Sie blieb allein im Quartier zum Empfang der Neuvermählten. Line plötzliche Haussuchung beim General Woronow blieb erfolglos, es wurde nichts gefunden. , Fast ein halbe Jahr derging darüber. Der Tiebstahl war ichon fast in Vergessenheit gerathen. Da, im Mai dieses Jahres nahm diese llngelegenheit eine ganz neue Wendung. Fn der neunten Abendstunde dieses Ta;es erschien in der einer Frau Fomin zehorizen Wechselstube in Petersburg eine ' seltsame Erscheinung. Dieselbe var tief vermummt. Ein großer Hüt nit breit :m Rande, der fast das ganze Besicht beschattete, gab der Unbekannten tin eigenthümliches Aussehen. Die klugen waren durch eine roße, graue örille verdeckt. Um Hals und Kinn atte sie ein großes schwarzes Tuch ge. Ichlungen, wobei ein . dichter Schleier as Wenige, was von ihren Gesichtslügen frei geblieben war, uudurchdring üch verhüllte." . ' Diese mysteriöse Erscheinung bot ein Vrämienbillet zum 5aufe an. Das villet trug die Serie 17,117, Nummer 11. Frau, Fomin überzeugte sich bald zus ihren Vermerken, daß, das Pränienbillet gestohlen , sei, und . schickte ihren Lehrling nach einem Polizeibezmten. Die Fremde zuckte unter fichtfaltn Schreck zusammen. Sie warf ' '" ' "- . ii " ., ' i'- "M ' '' j 'iJii-j. .
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ach Frau Fomiirzü Füßen, bedeckte ihre Hände mit Küssen, brach in jammervoll les Weinen aus, crllärte, sie habe eme zahlreiche Familie zu Hause und bat, sie gehen zu lassen. Diese vermummte Fremde entpuppte sich im Polizcibureau ils die Frau eines Gencral-Lieutenants, ttatalie Wassiljewna Worvnow. Auf zem Wege zur Polizei bot Frau Woro sow dem Oderdwornik, mit der Bitte, ße freizulassen, mehrere Credit scheine. .Weshalb hatten 'Sie sich so . ver nummt?" wandte der Gerichtspräsident ich an die Angeklagte. Ich gehe stets p gekleidet auf die Straße und trage luch beständig meiner kranken Augen vegen eine Brille!" lautete die Ant vort. Der geschädigte Priester Asimow iekundcte dagegen, daß Frau Woronow tic eine Brille getragen. Charakteri'isch wann die Aussagen der Hauptzeuiin, der Frau Fomin, Inhaberin der Vechselbude, in der die Angeklagte ab ?aßt wurde. Mir siel die eigenthümlich benummte Versvn sofort auf. Die will nicht erkannt sein", ging es mir durch den Sinn. Als ich nach der Polizei schickte, fiel sie mir zu Füßen, jammerte und bat um Gnade und erklärte, ihr Llann sei in Luga Inhaber einer obscuren Schankwirthschaft, sie besäße eine zroße Familie u;,d daß lch durch meine hartherugkeit sie und ihre unschuldigen Binder ins Unglück stürze. Ferner becheuerte sie, thr Mann sei durch dieses Lillet. da er dasselbe in Zahlung gezommen, von einem Spitzbuben betro zen worden. Als Ich unerbittlich zlieb, sprang sie plötzlich vom Boden :mpor und rief mir zu: Ich bin eine sornehme Dame, sobald - Sie nach der Polizei schicken, tödte ich mich hier aus öiefem Flecke, vor Ihren Augen!" Da sei hielt sie den Lehrling, der den Polizeibeamten herbeiholen sollte, krampf zaft fest, hatte sich mit dem Stücken legen die Thür gestemmt und verwehrte Äm den Ausgang. Nur nach vieler Nähe gelang es dem Knaben, sich von )er seltsamen Erscheinung sreizunachen", erklärte unter Anderem die Zeug!:. Die Angellärte wurde von den Gechworenen für schuldig erklärt und demzach zum Verlust der Rechte und zur Lerbanuung ins Gouvernement Tomsk 'urtheilt. Peking. ' In der letzten Sitzung der Gesellschalt für die Erdkunde, zu Köln sprach Dr. Emans über Peking. Als Mitglied der deutschen Gesandtschaft bat der Redner Gelegenheit gehabt, die Hauptstadt des himmlischer Reiches genau kennen zu lernen. Peking (Beidjng) heißt Nordhauptstadt, im Gegen sah zu Nanking (Kan-cljng) der Südresidenz. Alter, Schicksale und Größe, sowie die heute einem unaufbaltsamen Verfall erliegenden herrlichen Bauten der Vorzeit machen die Stadt zur merk Würdigsten des Reiches. Als Hauptstadt und Sitz des buangü oder Kaisers übt sie den bedeutendsten Einfluß auf die 21 Provinzialregierungen. Dieser Einfluß beruht hauptsächlich in den lediglich in Peking zn bestehenden höhereu literarischen Prüfungen und in der Belohnung der erfolgreichen Eanidaten mit den höchsten Civil- und Militärstcllen im ganzen Fkeiche. Peking zerfällt in zwei Theile, die innere und äußere Stadt genannt. Jene umschließt wiedernm zwei ummauerte Städte, deren innerste die rothe.verbotene Stadt" beißt und die den Kaiserlichen Palast enthält. Die zweite heißt kurzweg die Kaiserliche Stadt uud ist überaus reich an Parks, Tempeln und Palästen. Die äußere Stadt ist Sitz eines bieneuhift emsigen Verkehrs, aber überaus arm an öffentlichen Bauten. Eine ungeheure Mauer umschließt ganz Peking und trennt auch die innere von der äußereil Stadt. ' Diese Mauer ist mit zahlreichen, hohen und prächtigen Thürmen geschmückt und besitzt 16 Thore, sie ist unbedingt eine der großten Sehenswürdigkeiten des chinesischen Reiches. Die Anlage der Hauptstraßen, die sich sämmtlich unter rechtem Winkel schneiden; zeigt die größte, Reqelmäßig ke.t. Den Uern bildet der Kaiserliche Palast, um welchen herum sich die Stadt gruppirt, nebst den vier wichtigsten Altären: im Süden (der chinesischen Hauptweltgegend) der Altar des Himmels, im Norden derjenige der Erde, im Osten und Westen die Altäre der Sonne und des Mondes. Die .Hauptstraßen gehen voil Thor zn Thor, die wichtigste fuhrt vom Palaste zum Tempel des Himmels. In ihrer Vertheilung spricht sich die gleiche Regelmäßigkeit aus. Zwischen den breiten und schnürgeraden Hauptstraßen aber liegt ein unentwirrbares Labyrutth von Göschen, die zu betreten für den Europaer stets mit Unannehmlichkeiten verbunden, häufig sogar lebensgefährlich ist. Denn den Chinesen ist der europäische rothe Teuse!" aus's Bitterste verhaßt, selbst die Hunde bellen- ihn an. Peking mag heute etwa eine Million Einwohner zählen, vor, zwei Jahrhunderten dagegen belief sich seine Bcvölkerung auf das Dreifache. In den dichtbechohnten Quartieren ist das, Treiben und Drängen überaus lebhaft, besonders, in den Thoren, durch welche aller Verkehr der Außenwelt mit der Hauptstadt vor sich geht. Dort herrscht ein unbeschreibliches Gewühl von Mensche und Thieren, und immer wieder tönt dort der chinesische Ausruf : Borge mir Deinen Glanz", eine liebliche Anrede, die aber in Wirklichkeit nichts Anderes sagen will und, auch für nichts Andere?, genommen wird, als unser deut, sches : Hol' Dich der Henker und mach' mir Platzt V..' V11";"!1 1 fll ' " .'"i:',''- ' Gedankensplitter. Wer wagt, gewinnt wenigstens su üblen Ersahrungen,? . . f. öie r sind am sch m ackljastesten, wenn man sie einundzwanzig Tage brüten und dann sieben mal sieden Wochen gut füttern läßt
Vkarlerlntotnettens Tochter
Noch heute verfolgt man mit ungethciltem Interesse die Schicksale des Sohnes der Marie Antomette, jenes unglücklichen Kindes, das im Temple unter der grausamen Behandlung seiner Wächter ein wahrhast elendes Dasein beendete. Dagegen, hat die Schwester desselben, die spätere Herzogin von Angouleme, niemals gleiche Aufmerksamkcit wie ihre Brüder erregt, und blieb für die Nachwelt eine fast unbekannte Persönlichkeit. Und doch ist ihr Leben voll wirksamer Momente. War sie doch vcrurtheilt, im Kerker, wo sie mit ihrer Familie schlimme Zeiten verbrachte, ihre Elter.!, ihre Brüder und ihre Tante Elisabeth zu überleben. Auch durch ihren weiteren Antheil an wichtigen Ereignissen während des Empire und der Restauration ist sie aller Beachtung würdig. Trotzdem harrt sie noch deS Biographen, der ihre Geschichte schreiben soll. Neues Material für dieselbe bietet die eben erschienene Publikation von Professor Zeißberg, dem äußerst verdienstvollen Forscher, der ; in seinem grundlegenden Werke zur Darstellung der deutschen Kaiserpolitik Oesterreichs während der französischen Revolutionskriege, interessante Aufschlüsse über die Auslieferung der sranzösischen Prinzessin an den Wiener Hof mittheilt, mit Hilfe dieser Publikation nnd anderweitiger in B!emoiren und Briefen zerstreuter Angaben wollen wir im Nachfolgenden versuchen, ein kurzes Lebensbild der Tochter Marie Antoinetlens und Ludwigs XVI. zu zeichneu. Im Alter von vierzehn Jahren gelangte Marie Therese so benannt nach ihrer Großmutter, der Kaiserin Maria Theresia in die Gefangenschaft des Temple, wo an die Stelle des Glanzes und aller Herrlichkeit, welche sie im Schlosse von Versailles umgeben hatten, die bittersten Entbehrungen traten. Nicht ohne die tiefste Rührung liest man noch heute, was sie in ihrem ergreisend geschriebenen Ueclt des evcnernents arrives au Temple Üb b:e Leiden und Bedrängnisse berichtet, denen sie und ihre Angehörigen im Kerker ausgesetzt waren. Die Strenge uujerer Wächter erzählt die Prinzessin wuchs mit jedem Tage. ' Gab meine Mutter mir Unterricht oder half sie mir, Auszüge aus Büchern zu machen, so stand immer ein Municipalbeamtcr hinter mir, der mir über die Schultern schaute, weil man stets Verschworungen besürchtote. Die Zeitungen wurden uns weggenommen aus Angst, wir konnten Nachrichte vom Auslande bekommn:. Indessen, e'nes Tages brachte man doch meinem Vater eine Zeitung mit' der Bemerkung, es stehe etwas besonders Wichtiges darin. Aber es fand sich nur der abscheuliche Satz, man werde den Kopf des Königs in eine Kanone laden. -Ein andermal brachen Municipalbeamte in tausend Beschimpfungen, und Drohungen aus, während sie wiederholten, womit .uns schon oft gedroht worden, daß wir alle sterben müßten, sobald nur die Feinde kämen." Marie Therese, oder Madame Royal, wie sie im Gefängniß hieß, wurde von ihren Angehörigen getrennt, die nacheinander in den Tod gingen, ohne daß die junge Prinzessin eine Ahnung davon gehabt hätte. Fünfzehn Monate blieb sie'abgcschloffen von aller Welt. Diese Einsamkeit erfüllte sie schließlich mit solcher Verzweiflung daß sie den Tod als Erlösung herbeisehnte. - Der Stnrz Robespierre's und der Tod ihres Bruders bewirkten endlich eine Aenderung in der Lage der Prinzessin. Nun suchte Madame Tourzel, die ehemalige Gouvernante der Kinder Frankreich", zu ihrer früheren königlichen Schülerin zugelassen zu werden. Mit ihr die Gefangenschaft im Temple theilen zu dürfen, wurde der Tourzel verweigert. Aber sie durste Marie Therese besuchen, die jetzt auch in der Person einer Madame der Ehantereine eine Gesellschafterin erhalten hatte. Es war eine saMerzliche Begrüßung, als die Prinzessin ' und ihre Erzieherin nach dreijähriger Trennung zum ersten Male wieder in denArmen lagen. Nicht wenig aber war Madame de Tourzel, wie sie selbst in ihren Memoiren erzählt, erstaunt, ihre ehemalige Schulenn, die beim Eintritt ins Gefängniß schwächlich und von Zarter Kanstitution gewesen, jetzt trotz der erduldeten Leiden als kräftige und vollkommen ausgebiltcte Jungfrau wiederzusehen. , Inzwischen war, jedoch eine Vewe-, gung in Fluß gerathen, welche die vollständige Freilassung der Prinzessin aus dem Temple zum Zwecke hatte. Einige Einwohner von Orleans hatten bald nach dem Tode des Dauphins dem National'Eonvent eine Adresse um Befreiung der Prinzessin und deren Ueberlassung an ihre Verwandten überreicht. In der That beschloß auf Antrag Treib hard's em 30. Juni 1795 der Convent, Marie Therese dem Wiener Hose gegen Austausch der in kaiserlicher Gesängenschaft sich - befindlichen Franzosen zu übergeben. - Der Convent sendete das betreffende Decret an General Pichegru, damit es dieser dem österreichischen FeldHerrn Clairmit zur Weiterbeförderung nach Wie 'Mittheile.' Bei' dem tizfen Hasse, den Kaiser Franz gegen die sranzösischen Revolutionäre empfand, hätte er am liebsten den Antrag, eine Prinzessin von königlichem Geblüte gegen Sansculottes, auszuwechseln, zurückgewiesen Aber er fühlte, wie er selbst in seinem Schreiben an Clairfait , bemerkt,' daß, er jetzt nnr die Liebe für seiue unglückliche Cousine in, Betracht ziehen und daher nicht zaudern dürfe, in den Austausch einzustimmen. Trotz dieser Bereitwilligkeit nahmen die Verhandlungen über die Ausliefe rung doch geraume Zeit in Anspruch ; eS erhoben sich Schwierigkeiten, und in die fer Hinsicht sind die bei Zeißberg mitgetheilten . Berichte Degelmanns, der mit dem Austauschgeschäfte betraut wer, von großem Interesse. Endlich gelangte die Angelegenheit doch zum Abschlüsse.
Am 15. Decentber 1793 konnte Mant I
Therese, begleitet von einigen Personen, um Mitternacht, den Temple verlassen. Während Degelmann in Basel mit dem französischen Agenten Bachen über die Freilassung der Prinzessin langwierige Besprechungen gepflogen hatte, war in? zwischen in . Wien , eine andere, das Schicksal der Tochter Marie Antoincttens betreffende Frage erledigt worden. Wojollt sie nach dem. Verlassen des Temple ihren künftigen Aufenthalt ausschlagen? Die energische Königin Karoline von Neapel häte am lieb sten ihre Nichte unter ihre eigene Obhut genommen. Teu gleichen Anspruch erhob auf die Tochter seines Bruders der Graf von Provence oder, w:e er sich schon jetzt nannte, Ludwig XVI I. Sein bei Zeißberg vcröffentlichter Brief an Kaiser Franz zeigt es am deutlichsten, daß ihn hiebe: nicht nnr verwandtschaftliche Gefühle, sondern in ebenso hohem Maße politische Bewezgründe leiteten. Der Kaiser bestimmte jedoch, daß die Prinzessin direkt de Weg nach Wien zu nehmen habe. Unter dem. anonymen Namen Sosie reiste Marie Therese nach der österreichischen Residenz, wo sie am 0. Jänner 179 eintraf. Hier erst legte sie Trauer für ihre dahingeschiedenen nächsten Angehörigen an. Auf die Wiener mcchte lhre Erscheinung tiefen Eindruck. Jede Gelegenheit, sie zu sehen, wurde benützt, und Alles eilte, ihr mit Zeichen des Mitleidens zu begegnen. In Wien lebte sie von dem Reste des Vermögens ihrer Eltern und dem noch nicht bezahlten Theile der Mitgift ihrer Mutter. Erst einige Jahre später übersiedelte sie nach dem exiltrten Hof Ludwi, XVIII. in Milan. Hier fand denn am 10. Juni 1799 die Vermäh lung der Prinzessin mit dem Herzoge von Angouleme statt, dem Sohne des nachmalizen Königs Karl X. Von diesem Mo:nente an war Marie The rese für immer, mit der Sache de5 französischen Königthums verbunden. Dies war aber auch ein persönlicher Wunsch der Herzogin von Angouleme, die sich durch und durch Französin fühlte und keine größere Sehnsucht kannte, als wieder im Schlosse ihrer Ähnen residiren zu können. So lange jedoch Napoleon I. die Welt mit dem Schrecken seines Namens erfüllte, war daran nicht zu denken. So mußte denn die königliche Familie fort ihr Heil im Exil suchen. Aon Milan übersiedelte der Hof Ludwigs XVI ll. nach Hartwell in England. - Der König führte hier das Dasein emes Grandseizneurs auf seinen Gütern, ganz ergeben den Genüssen, welche Literatur und Kunst seinem gebildeten Geschmacke boten. Nicht in solchen Vergnügungen fand der mehr männliche Geist der Herzogin seme Besriedigung. Ihr erschien das Leben in Hartivell traung und öde, denn sie lehnte sich ununterbrochen nach größerer Thätigkeit, wie dies nur in Frankreich möglich war. Endlich kam der Tag der Erlösung. Napoleon fiel und über den gestürzten Thron des Korsen hielt die Dynastie der Bourbonen ihrenEinzug in Paris. Doch nicht lange währte dasGlück Das Wiederauftrelen des -für besiegt gehaltenen Imperators , brachte die Herrschaft der Bourbonen' ins Schwanken. Da, in diesem Momente,vo Lud wig XVIII. und sein ganzer Hof den Kops verloren, zeigte allein die Herzo. gm von Angouleme Muth und Ent jchlossenheit. Sie übernahm die Vertheidigung von Bordeaux und erwies sich bei diesem Unternehmen so beherzt, daß selbst Napoleon ihr das Zeugmß ausstellen mußte: Sie sei der einzige Mann in der ganzen Familie. All ihr Ringen war vergeblich. Noch zu frisch lebte in der Armee die Erinnerunz an den - sieggekrönten Heerführer, als daff sein Erjcheinen nicht die schwankenden Gemüther zum Abfalle von der königlichen Fahne hätte verleiten sollen. So mußte nun die Herzogin wieder in's Exil wandern. Diese neue Enttauschung bewirkte eine tiese Veränderung in ihr und brachte vollends die Herbheit ihres Charakters zur Reife,.zu der schon die Gefangenschaft im Temple den Grund gelegt hatte. Voll Schmerz im Herzen und empört über den Abfall de? Truppen hatte sie Bordeaur verlassen. Ihr heldenmütyiger Widerstand aber ließ sie in den Augen der RoyaM sten wie eine Märtyrerin erscheinen, und in Anbetracht der Leiden, welche sie früher und setzt erduldete, nannte sie Ludwig XVIII. eine moderne , Anti. gone". Sie widmete sich nun ganz der Kirche, von deren Tröstungen alles Heil erwartend. Noch einmal aber winkt das Glück. Nach der kurzen HerrlichZeit' einer hunderttägigen Herrschaft wird Napoleon sür immer nach der Einöde von St. Helena verbannt und die Bourbonen halten zum zweiten Mal ihren Einzug in Paris. . Jetzt klammert sich die Herzogin von Angouleme noch inniger an das Ideal ihres Lebens, an die Ausrichtung der Fahne des reinsten und ungetrübtesten Royalismus. Von nun gehört sie mehr als je Zum Kreise ihres SchwiegerVaters, des Grafen ArtoiS, der im Exil nichts gelernt und vergessen. Ein sehr gewichtiger Zeuge. Odilon Barrot, behauptet, daß sie auf jenen, der nach Ludwig den Achtzehnten, als Karl der Zehnte den Thron von Frankreich bestieg, häusig Einfluß übte. Und in der That hören wir, daß, als er den Ultraroyalistischen, Minister Villele entließ, sie ihm sagte: .Mit diesem Entschlüsse sind Sie die erste, Stufe von Ihrem Thron herabgcsticgen. ES war das Berhängniß der Herzogin, daß, sie sich nicht in die feit der Revolution gefchaf. fenen , Verhältnisse fugen konnte. ,,, Sie war zu geneigt, die neue Generation für alle Verwüstungen der Revolution und für den Mord an ihren Eltern verant. wortlich zu machen, während für diese Generation die Weise des Temple" fast schon zur historischen Persönlichkeit geworden war. Abgekehrt dm Tendenzen der neueren Zeit, erblickte sie in der Männern deS Fortschrittes nur Feindk
des Königthums und der Religion! Auch sonst seylte es ihr an den Eigen, schaften, welche die Gunst des Volkes schnell erwerben helfen. ; Hören wir, wie eine Dame, die Herzogm von Broglie, sie schildert: Die Herzogin von Angouleme hat Adel, aber leine Grazie; ihr Auftreten ist linkisch, der Ton ihrer 'Stimme rauh; sirist" schlecht gekleidet; aber trotzdem ist su nicht ganz ohne Würde. Ihre Auge:? find roth, wahrscheinlich in Folge vielen Weinens, was den ernsten Eindruck er höht, dm ihr Gesicht hervorruft. Die Waffen, mit denen nun sie und Karl X., für Erhaltung de) Königthums kämpf ten, waren keine glücklich gewählten. Die Dynastie der Bourbonen mußte un Juli 1630 in der Flucht ihr Heil suchen und die Herzogin lernte von Neuem alle Trübsale des Ezils kennen. Nur mit schwerem Herzen trennte sie sich von Frankreichs Boden. Ihr Abschied von der Garde war ungemein pathetisch und mit Thränen in den Augen nef sie ihr Lebewohl zn. Odilon Barrst geleitete als Regierung Zcommissär die rertriebene königliche Familie über die Grenze. Wie er selbst erzählt, hielt er sich aus Ehrfurcht ferne von der Herzogin und richtete während der ganzen traurigen Fahrt nicht ein einziges Mal das Wort an dieselbe. Seinen dauernden Aufenthalt schlug Karl X. mit der kömglichen Familie auf dem alten Hradschiner Schlosse in Prag auf. In diesem Schlosse ihrer mütterlichen Ahnen führte die Herzogin eine ganz eigene Lebensweise. Gcnan um die neunte Abendstunde begab sie sich zu Bette, um schon um vier Uhr Morgens wieder auf den Füßen zu fein.' Obwohl sie den Hosstaat ihres Schwiegervaters leitete, widmete sie doch den größten Theil des Tages kirchlichen Uebungen. Oefter reiste sie auch nach Wien, ws sie Gast des kaiserlichen Hofes war. Auf öie Fürstin Mclame Metternich, die sie da im Jahre 1832 sah, machte sie den Eindruck, daß sie das Herbe verloren habe das man früher tat ihr kannte." AlS Karl X vom Hradschin nach Görz übersiedelte, folgte ihm auch dahin Marie Therese mit ihrem Gemahl, de? seit seine? erzwungenen Abdankung von der Welt nichts mehr wissen wollte. Aber auch in Gorz sollte die Herzogin nicht die ersehnte Ruhe finden. Ihren bleibenden Aufenthalt nahm sie endlich in Frohsdorf bei Wiencr-Neustadt. Hier in der Abgeschiedenheit beschloß die .Heroine ohne Furcht und Tadel" am 15. Oktober 1851 ihr vielbewegtes Dasein, noch am Ende ihrer Tage den Letzten der Bourbonen, dm Grasen Ckambord. in.den Lehren unterweisend,' die für sie daz Ideal ihres Lebens bilbeten, aber ganz und gar nicht gpeiznei waren, de? Dynastie der Bourbonen den Weg zur Herrschaft in Frankreich zu bahnen. Prof. Ed. Werth eimer. . Erinnerung an Vionville.
Wie die Regiments-Geschichte deS Z brandenburgischcn Infanterie - Regiments Nr. L0 beweist, rettete der ehemalige Füsilier Gutschmidt der 11. Compagnie des 3. brandenburzischett JnfantcrieRegiments No. Ll), jctzt Büdner in Nadel bei Lehnin, dem da. maligen General-Major v. Predow bei Vionville daS Leben. Als Anerleunuug für die Heldenthat bekam Gutschmidt das Eiserne Kreuz, und General v. Bredow ließ ihm seinen persönlichen Dank aus sprechen. D er Thatbestand ist nach der in den Heldenthaten deutscher Ofsiciere und Mannschaften" mit getheilten Aussage des Gutschmidt folgender: Die Cavallerie - Brigade v. bredow hatte eine französische Batterie, nördlich der, Chaussee Vionville-Rezon-ville attajirt, wurde aber durch feindliche Infanterie zur Umkehr gezwungen und darauf von feindlichen Kürassieren in der Flanke gesaßt. Die ganze Reitermasse wälzte sich der Aufstellung des Füsilier Bataillons des 3. Infanterie Regiments No. 20 zu; einer der letzten war der General v. Äredow, hinter ihm im vollsten Laufe ein französischer Kürassierossizier, ein Huhne von Gestalt. Von den FüsilZeren, worunter auch Gutschmidt, waren einige abgetreten, um Waffer zu holen. Diesen kamen beide Ofsiciere ganz nahe, Hauptmann Freiherr v. Haveln rief den Füsilieren deshalb zu, sie möchten auf den französischen Ofsicier schießen. Da die Füsiliere nicht darauf vorbereitet waren, ein Fehlschuß auch leicht das Bataillon hätte erreichen können, so stellte sich Füsilier Gutschmidt dem Feinde, der ihm ganz nahe war, mit gezalltem Basonctt gegenüber. Aber eme geschickte Seitenwendung des französischen Officiers vereitelte diesen Angriff, und der selbe erreichte den General v. Brebow. Die Klingen beider Ofsiciere rasselte nun en einander. Da aber der Gene ral v. Bredow den französischen Ofsiciei zur rechten Hand' hatte, so war der Ge neral im Vortheil. Durch verzweifelt! Anstrengung und eine geschickte Wen dunz gelangte der franzSsijchr Ofsicic: auf die andere Seite des Generals, mit mächtigem Schwünge holte er zum todb liehen Streiche gegen den Reitergenera! ans, der keine Zeit meht hatte, sen Pferd zn wenden. Aber der Füsilici Gutschmidt, die Gefahr des Generals w, saffend, legte schnell an, und tl.x wohl, gezielter Schuß streckte den feindliche, Ofsicier todt zu Boden. " Professor Koch an seine Verehrer. Gar manche Ehre besonderer Art Ist mir zu Theil geworden, ' , ) , Adressen erhalte ich jeglichen Tag, Bekam auch ich die höchsten Orden, , Zum Ehrenbürger ward ich gemacht' Nach meinen erfolgreichen Äcühen, , Mir wird eine Dotation gebracht, , Wohl gar der Adel verliehen; Zuviel fast der Ehren stürmten auf mich AuS allen LandeSbezirkcn, 1 Drum bitt' ich Euch Me- verleiht mir die Zeit Au weiterem Ferschen und Wirken !
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