Indiana Tribüne, Volume 14, Number 119, Indianapolis, Marion County, 18 January 1891 — Page 3

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SeiiHsjarMsWDßr, Soziale? Spontan rsn Ll. L ü t e t S b tt r s (3. Fortsetzung.) (sechstes Kapitel. kU ZcRt waren vergangen, setidem r Ja?ob Brenner sich von Kordel getrennt, nd eS n?ar ihm bis jetzt immer noch Zicht gelungen ihr zu begegnen oder sie ,fai Haufe anzntreffen. Auch Frau flrwe fand er nirgends. Eine Nach, barin hatte ihm gesagt, daß sie den Tag über nicht zu Hause sei, sie habe ihren ,Aerger genug, denn die älteste Tochter sei aus- und davongegangen, wie die Mutter vermuthet, mit einem halbwüch sigen Jungen. Die Kinder machten eS in gegenwärtZger Zeit nicht anders, j Jatob wußte nicht recht, ob er Trauer oder Freude über diese Nachricht empsm- , den sollte. Der Gedanke, daS Kind in Frau Grncs Nähe wissen, hatte ihn förmlich gepein:gt Tag und Nacht f Nun wer sie fortgelaufen mit ei nern halbwüchsige Burschen. Es siel ihm nicht einmal ein, daß Frail Greve ihn gemeint haben könne. Mit wem konnte Kordcl davongegangen sein? Man würbe die Kinder wohl auch wieder einsamen, sie hatte nicht die geringste AuSlichj, weit zu kommen. ES blieb sich alles gleich Kordel war so eder so eine Verlorene. Wie der Ecdanke schmerzte! i Ganz zufällig traf er eineZ TagcS mit Frau Greve zusammen. Sie begegnete ihm auf der Straße und überschüttete ihn mit einer Fluth von Schimpfreden, daß er ilzre Tochter irgendwo versteckt halte. Seinen Bctheuerungen, daß er Kordel überhaupt noch nicht wiedergrsehcn, schenkte sie nicht die geringste Veachtung, sondern fuhr fort, ihn laut mt Vorwürfen zu überhäufen, so dazz sich in wenigen Augenblicken ein Meuschcnhause anzusammeln begann, dessen Uablick Jakod bewog, sich zu entfernen. Durch diese scheinbare Flucht erweckte tx aber eine üble Meinung bei den Umstehenden, und man würde sich ohne Zweifel bemüht haben, den sich eiligst Entfernenden festzuhalten, wenn nicht die Anklägerin selbst einen so durchaus widerlichen Eindruck gemacht hätte. Nichtsdestoweniger sammelte sich eine Anzahl Neugieriger um das Weib, um sich von demselben erzählen zu lassen, daß Jäkod Brenner, ein DennhardtsT C 4Z L -V W 4 rruoer", ujr jtrno gesloyien uno, ver Himmel möge wissen, wohin gebracht habe. i Die Erzählung war wohl geeignet, ein Interesse zu erwecken. Der junge Mann war nur siüchtig gesehen worden, aber ein Dennhardtsbruder! " Darin lag Alles. Die Frau te Siecht haben. Nicht lange bauu kam in Schuhmann hinzu, er i:rde von dem Vorgefallene in Kennt. gesetzt und machte seine Notizen. D m zer streute sich die erregte Menge. Jakob Brenner hatte sich an feine Arseit begeben. Dem Vorfall schenkte er wenig Beachtung er war auch überv . c vy r. x. r.tf.n cui, 4.ut t nuj i'vu usw kinsinden werde. Der Gedanke an das Kind beschäftigte ihn zwar lebhaft, imin glaubte er, die trostlosen, großen Llugen vor sich zu sehen, aber das tagliche Leben brachte für ihn so mancherlei mit sich, daß seine Gedenken doch nicht euöschließlich dem Kinde gehören konnten, k Die Tage flössen ruhige? für ihn dahin. Nicht Jakob Brenner hatte seine verwandtschaslt'-hen Beziehungen zu dem Fabrikherrn erwähnt, aber man hatte doch davon erfahren- und sah sich nun eranlaßt, Schweigen und Zurückhaltung zu beobachten, und -fügte sich so dem Recht dcS Starkeren. Heimlich wurde allerdings noch viel geredet, aber davon wußte Jakcb nichts. So ging er still seines Wege), ahnungslos, und doch thürmten sich Wolken abermals dichter und dichter über seinem Haupte zu sammen. i T Inspektor Wiedekmd hatte sich em heutigen Tage länger? Zeit mit Jakob unirröaltcn, über allerlei Dinge, ron denen d:eser nicht wußte, welchen Zneck sie haben konnten. Dabei hatte er den jungen Mann scharf beobachtet, und diese Thatsache wer demselben nicht ntgangen. Später sprach der Inspektor noch mit dem Werkmeister Grünwald, und auch bei diesem Gesprach war Jakob Btenner, wie er sehr wohl bemerkte, ,u5lch!ußlich der Gegenstand der UnterHaltung. Beide .Männer blickten wiederholt zu ihm herüber, und daß daö 'geführte Gespräch ein sehr ernstes war. bewies der GesichtSauödruck beider nur zu deutlich. Beunruhigt fühlte sich Jakob nicht im Mindesten dadurch, er hatte sogar sehr j&alö die Gedanken über diesen Punkt äufgegeben. Anderes, Wichtigeres nahm. Stil fein Sinnen in Anspruch. UnabZsssig schwebte ihm jener Augenblick vor d?r Seele, in welchem er dem Fabrik Herrn, seinem Onkel, gegenübergestan? bcn. Es war ihm unmöglich gewesen, die Vermuthung festzuhalten, daß Karl Brenner ein elender Schurke sei. Die Hofsnung für seine Person bestand ledig-, lich darin, ta's em unseliger Zufall da, prall eine furchtbare , Rolle gespielt. War dieS nicht der Fall, dann dünn ?o.mte er nicht auSdenken. Nach Feierabend rief ihn der Werknieister Grünewald zu sich. ' Er forderte ihn auf, ein Stück Weges mit ihm zu kommen, da er ihn nach etwas fragen icclle. Er schien ungewöhnlich ernst und . tinruhlg. I Brcnner", sagte er. draußen angelangt, Sie kannten ein kleines Mäöchen mit Namen Kordel Nachmann?" ! Während er sprach, hatte er Jakob scharf in d2Z Gesicht geblickt. So bem::kte er, baß dessen Miene sich versinstertr. Ja, gewiß, waS ist mit ihr? Können Sie'mir Nachricht von ihr geben?" i Die Fragen wsrennech einander, sehr lzlx SnwaesU&Ku Der Werkmeister

vuttic an lunjcit 'X'sax: ratt em:m (3t misch von Staunen und Unruhe an. Nein, kam eS langsam zurJF. DaS KiuÄ soll ja s?urlsZ rerschsuas fei. "

Ja. fa ich orke davon, man sagte so. DaZ arme Kinö. Ich hätte ihm so gcr: geholfen. " So wissen Sie von dem Aufenthalt deS KindcZ, Brenner? Ndn, leider, nein. Was sollte ich von Kordel wissen? DaZ Kind kann ja aber nicht verschwinden. Furcht ver dem Weibe, bei welchem es zu leben gezwun, gen war, hat es davonlaufen lassen. Man wird eS irgendwo auffangen und zurückbringen." . Das scheint kaum so. Zehn Tag sind seit dem Verschwinden des KindeS verflossen. Man will eS übrigens zuletzt in Ihrer Begleitung gesehen haben." Be! diesen leFte Worten blickte der Werkmeister Jakob durchdringend an. aber m dem Gesucht desselben veränderte sich keine Miene. ' Das ist nicht unmöglich," sagte er und begann dann von jenem Abend zu erzählen, als er, ron Grünewald kommend, Kordel Nachmann in halb verfrorcnem Zustande unten in der Hc.uSsiur gesunden und mit -nach derWoh' nung seiner Mutter genommen habe. Die ganze Erzählunc, trug so sehr den Stempel strikter Wahrheit, dag die Miene deZ Werkmeisters, trotz aller auf seinem Herzen lastenden Besorgnisse, sich schnell zu erhellen begann, und soc;ar ein leises Lächeln seine Mund umspielte. Wie hatte er nur einen Auaenblick daran denken können, daß der junge Mann eine große Unbesonnenheit begangen? Ich freue mich, die Mitthe'ilungen v?n Ihnen zu empfangen, Brenner. Ehrlich gefagt, war ich Ihretwegen in nicht geringer Sorge. Ich dachte, Sie hätten sich in jugendlichem Eifer zu einer Unbesonnenheit hinreißen lassen, die, von Ihren Feinden benutzt, für Sie sehr unangenehme Folgen hätte nach sich ziehen können. Man hat Sie in Verdacht, daß Sie Kordel Nachmann irgend s verborgen halten. Der Polizei ist eine diesbezügliche Anzeige zugegangen, und, ich kann e3 Ihnen nicht verHeimlichen. man hat sich entschlossen, bezügliche Nachforschungen anzustellen. Ihre Erzählung wird Ihnen jede weitere Ünannehmlich keit ersparen." Jakoö BrenncrS Gesicht hatte eine wachZarnge Färbung angenommen, er holte tief und schwer Athem. Er hatte damals die Möglichkeit, das Kind vor den Augen der Frau Greve verborgen zu hatten, erwogen, für den Fall, daß seine Mutter sich nicht zu einer Aufnähme KordelS in ihre Wohnung hätte verstehen wollen. Er mußte daran denken, welche Folgen für ihn eine solche Handlungsweise gehabt haben könnte für ihn, den DennhardtStruder!" Ein bitterer Zug umspielte seinen Mund er konnte nicht einen Augenblick vergessen, waS schwer auf ihm lastete. Der Werkmeister ahnte die Gedanken, welche den jungen Mann in diesem Augenblicke beseelten; Jakob that ihm leid, aber eS war besser, daß er mit ihm über di: Sache gesprochen hatte. So konnte er ihn wnigstenS beruhigen und auf das Kommende vorbe reiten, denn er wußte, was des jungen ManneS daheim artete. Er versuchte, ihm die Angelegenheit als etwas durchauS Natürliches darzustellen, als eine nothwendige Folge seiner Dienste für die kleine Zkordel, die unter den bestehenden Umständen sehr wohl zu allerlei Muthmaßungen hätten Veranlassung geben können. Bei solchen fingen lasse sich einmal keine Ausnahme maen. Dann, nachdem HerrGrünewald, feiner Meinung nach, Jakob auf den richtigen Gedankcnweg gebracht, trennte er sich von diesem. Zum Abschied hatte er ihm noch den Rath ertheilt, er möge vor der Polizeibehörde, d. h. wenn man ihn citiren sollte, seine Erzählung nur in derselben Form wiederholen, nie er sie ihm mitgetheilt, unzweifelhaft mürde man sogleich von eiteren Dingen Abstand nehmen. JakobBrenner lenkte nun seineSchritte der Wohnung seiner Mutter zu, wie ein Träumender. Viele Menschen gingen an ihm vorüber, er sah oder bemerkte et nicht. Die Welt verschwamm vor seinen Blicken, er fühlte sich furchtbar müde und erfchopst. Die letzten Worte des Werkmeister? hatten ihm gleichsam, den Todesstoß versetzt. Er sollte auf die Polizei, zum zweiten Male in seinem Leben. Kalte Schweißtropfen traten vor seine Stirn, er mußte des ersten Males gedenken. Ihn fror r schauerte zusammen, die Kehle war' ihm .nie zugeschnürt. Abermals sollte ein Verhör mit ihm angestellt werden. Man wurde ibm die Vorfragen vorlegen: Ob bestraft? Am Dennhardt- - war er gewesen. Ah! Die Augen des Kommissars würden sich erweitern bei dieser Antwort. 'm DennhardtSbruder?" Den Burschen mußte man sich nahe? ansehen, bestand doch kaum ein Zweifel, daß ein solcher jedeS Verbrechens fähig wer : Unter ähnliüen Betracktunaen war die Wohnung der Mutter erreicht. ' An' der Thür noch stand er zögernd, tiefaüfathmend still. Ihm war's, als könne er nicht eintreten. Und' doch! Guten Abend, Mutter!" Leise und unbestimmt kam der Gegen grüß aus der Ecke deS Gemaches. ES war die schluchzende Stimme der Mutt:r. Im Zimmer herrschte noch völlige Dunkelheit. Jakob, weint Du? O. Gott, was ist geschehen? Ich sterbe vor Angst. Mir ist's, als wolle eS mir das Herz abdrucken. Du sollst Du sollst " wie brachte daS Wort nicht heraus. Auf die Volilei kommen. Mutter. nlcht wahr? Rege Dich nicht so nutzlos auf, es zZt wegen Kordel Scachmanns." Weaen Kordel Nachmanns! O. j dieses unglückselige Kind! Zum zwklten Male seinetwegen. WaS it mit Kordel Nachmann?" . Sie soll ihrer Mutter fortaesauscn sein, und man vermuthet, ich halte sie versteckt. Ich weiß aber nichts von ihr, iü habe das Kind nicht vicderäeseben."

"rf WHk yi i.: " , ' Ah! Gott Lob! mir fällt eln Steh, vom Herzen. Also weiter ist cS nicht!? Ach, weun ich das doch eher gewußt hätte! Ich habe einen schrecklichen Nachmittag verbracht." Sie war. während sie so sprach, aufgestanden und hatte Licht angezündet. Beim Schein der Lampe bemerkte sie sehr wohl, daß Jakob blaß aussah, aber sie hielt eö für besser, nrchlö darüber zu sagen, es würde zu nutzlosen Erörterun, gen Veranlassung geben. So brachte sie ihm das Abendessen. Es dünkte ihm iv. möglich, zu essen, aber er legte sich um Mutter willen Zwang auf; feine Seele war von bangen Vorahnungen erfüllt. Wenig wurde gesprochen an diesem Abend, und beide Menschen legten sich frühzeitig zum Schlafen nieder, ohne Ruhe zu sinden. Frau Brenner fchlief spät ein, Jakob fand die Stunde noch wach, welche zum Aufstehen mahnte. Häßliche Bilder hatten in der Nacht sein Lager umstanden. Gegen zehn Uhr sollte er auf der Polizei erscheinen: Er würde jetzt in die Fabrik an die Arbeit gehen und sich für zehn Uhr eine Erlaubniß holen, sich auf einige Zeit entfcrnen zu dürfen. Zu welchem Zweck? Er war aus die Polizei befohlen worden. Warum? Oh! Oh! Er mußte fagcn, warum. Aber schließlich war eZ doch kein Verbrechen, wenn er sich des Kindes angenommen, eincS armen, hilflosen KindeS, daS in den Handen eines furchtbaren Weibes zu Grunde gerichtet werden sollte!? Für jeden andern Menschen nicht. ' Im Gegentheil! Jedem anderen Menschen würde man etwas derartiges als ein großartiges Verdienst anrechnen ihm nicht, dem DennherdtSbruder"! Das Verschwinden emeS Kindes aus der nördlichen Gegend der Stadt beschäftigt gegenwärtig lebhast die Polizei. Man vermuthet ein Verbrechen und ist dem Thäter bereits auf der Spur. Das Kind, ein elfjähriges Mädchen, die Tochter einer Mutter die, leider dem Trunke ergeben, sich winig um ihre Kinder gekümmert, . soll in der Nacht vom vorigen Sonnibend auf Sonntag von einem sieb-zehn-bis achtzehnsährigen Burschen, der einen Theil seiner Erziehung Am Dennhardt" genossen, fortgeführt sein. Der Bursche ist !n einer hiesigen Fabrik beschästigt und gilt, wie uns berichtet wird, für einen sehr tüchtigen Arbeiter, doch hat :r bereits Am Dennhardt" wiederholt Anlaß zu Klagen über seinen Charakter gegeben, Hinterlist und Bosheit sollen Grundzüge desselben sein. Weitere Details stehen noch ,us." So und ahnlich lauteten die Berichte sämmtlicher Zeitungen an diesem Morgen, einige hatten noch Einzelheiten hinzugefügt, die jeder Wahrheit entbehrten, aber besonders diese fanden gläubige Leser und wuvit,n uch am schnellsten verbreitet. In der Vrenner'schen Fabrik war der Verdacht der Thäterschaft sofort auf Jakob gefallen. Ein Polizeibeamter war gestern in der Fabrik gewesen und hatte lange Zeit mit dem Inspektor Wiedekind gesprochen. Was hatte er gewollt. Selbstredend sich nach Jakob Brenner erkundigen. ' Zum Glück ahnte dieser nichts von dem, was feine gefammte Kameradschaft beschäftigte. Er arbeitete ' fleißig, wie immer, und eine flüchtige Unterredung, die er bei seinem Kommen mit dem Werkmeister Grünwald gehabt, hatte ihn auch ein wenig beruhigt. Von den polizeilichen Berichten in der Zeitung wußte er ' nichts, er fand erst spät am Abend Zeit, sich mit Zeitungslesen zu beschäftigen. Für diesen Abend hatte der Werkmeister ihn zu Gast gebeten. , Um zehn Uhr stand Jakob Brenner vordem Polizeikommissär, errölhend und erbleichend unter den forschenden Blicken dieses ManneS. - Er fand kaum die Kraft, die an ihn gerichteten Fragen zu beantworten, die Welt drehte sich mit ihm M tollen Wirbel, Sturmgebraus tönte vor seinen Ohren es wurde nur von der inquisitorischen Stimme des Beamten übertönt. Jakob konnte nichts sagen, er wußte nichts. Seine Mittheilungen trugen wahrlich das Gcprage strenger Wahrheit, aber nian konnte nicht viel auf die Aussagen deS Burschen geben, denn er war in einer Besserungsanstalt gewescn. Man mußte ihm gegenüber auf der Hut sein. Seinen Aussagen standen diejenigen einer Frau entgegtn, . welcher nicht viel Zutrauen zu schenken war, aber sie konnte Beweise für dicjelben anfübren. Brenner hatte Kordel Nachmann schn einmal mit nach der Wohnung seiner Mutter genommen, sa, sogar versucht, sie von der Frau Greve'zu entfernen. Erst nachdem diese ihn mit der Polizei bedroht, hatte er daZ Mädchen zurückgebracht, doch war es ein paar Stunden später heimlich fortaelaufen, wie wohl anzunehmen war, um an einer anderen Stelle wieder mit Brenner zusammenzutreffen. , ; Frau Greve erzählte auch von ihrer Begegnung mit Brenner aus derStraße, wie sie ihm feine' Schlechtigkeit vorgeworfen und er denn geflüchtet sei. In dieser Flucht sollte ein Beweis seiner Schuld zu sehen sein, und der PolizeiKommissär war nur ; zu geneigt, dieser Meinung beizupflichten. - Nichtsdestoweniger fand er keinen Anlaß, weitere Schritte gegen den jungen Mann zu unternehmen.' Jakobs Antvortcn auf die an ihn gestellten, reuzand Querfragei' ;TquJcteit;io.fcc!f;uHmt; so offen und ehrlich, so ohne jeden Widerspruch, daß. eS kaum, möglich war, das Vcrhör,mit ihm fortzusetzen. So wurde er entlassen, ,, doch nicht ohne? die Mahnüng empfangen zu haben, sich auf dem Pfade der.Tuz?nd erhalten. ; ' ; Still und ernst verließ Jakob Brenner das Polizci-Bureau, wie BcrgeSlast lag . e3 auf seinem Herzen. Jedes absichtliche und unabsichtliche Wort des Kommissars hatte ihn in tiefster Seele getroffen, das mit ihm rcrncmmcne Verhör fchicu

i

U die' düstern Gedanken, welchenJakob sichselt seiner frühesten Jugend hingegebe, zu bestätigen. ES war eben rnifc io3, weiter darüber nachzusinnen, waS ex, heute m Erfahrung gebracht, wußte er lange: Jeder unselige Zufall im Leben konnte ihn in den Augen der Welt zum Verbrecher stempeln. Er langte nach verlBltnißmäßig kurzcr Zeit wieder in der Fabrik an. Seine Kameraden hatten die Thür seit seinem Fortgange kaum aus denAugcn gelassen, und als sie Brenner so bald wieder ein, treten sahen, machte sich in den meisten Gesichtern derArbeitcr eine Enttäuschung bemerkbar. Nur die Züge deS Werk Meisters Grünwald, der Jakobs Nückkehr mit großer Ungeduld erwartet, erhellten sich, rr hatte gewisse Besürchtungen nicht unterdrücken können; der wcltcrfahrene Mann wußte, welchen Einfluß der einstige Aufenthalt ' des jungen Mannes Am Dennhardt" auf die Verstärkung eines etwaigen Verdachtes ausüben wükde. Er näherte sich aber Jakob nicht, um ihn etwa über den Ausgang des VerhorS zu befragen, sondern wartete die Mittagszeit ab und erinnerte ihn dann nur an das von ihm gegebene Versprechen, ihn am Abend in seiner Häuslichkeit zu bcsuchen. Jakob sagte, daß er sein Versprechen nicht vergessen habe, er werde gern kom wen. Damit sprach er die volle Wahr heit. In seinem Herzen war ein Gefühl unbeschränkter Dankbarkeit für den Mann, der ihn nun schon eine Weilt

über den Wogen des LebcnS, die ihn zu verschlingen gedroht, hochgehalten. Et hatte das Bedürfniß, Trost zu cmpfangen, den Sturm feines Innern zu be, schwicktlaen. der um o t unnlos voi Schmerz machte. In der Mittagsstunde ging Jakob nicht, wie sonst, zum Essen, sondern eilte zu seiner Mutter, sie zu beruhigen und lhr zu sagen, daß die Angelegenheit ihre vollständige Erledigung gcfunden, ferner, daß sie ihn am Abend nicht erwarten solle, weil er denselben bei dem Werkmeister Grünwald verbringen würde. Frau Hedwig war beruhigt, nur konnte sie eine Besorgniß über das Ausleben ihres SohneS nicht untcrdru cken. Jakob sah aus, als habe er eine lange Krankheit überstanden, so bleich und verfalle. Der Tag verging dem jungen Mann noch in qualvollster Uuruhe, unablässig pochte und hämmerte es in feiner Brust, als wolle sein Herz zerspringen. Erst m dem behaglich durchwärmten Ge mache bis Werkmeisters wurde ihm leichter, ein leichtes Noth kehrte in seine bleichen, hageren Wangen zurück, als er die Tochter seines gütigen Freundes mit wohlthuender Sorge um sich be müht sah. Ein Blick des aufrichtigsten, herzlichjten Mitgefühls aus JrcneS Au gen, dem er begegnet war, trieb das Blut fchneller durch feine Adern. ES gab wirklich Menschen, die ihm freund lich gesinnt waren, obgleich er nichts ge thun, sich eine solch; Gesinnung zu erwerben. Unter lebhaftem Gespräch über aller sei Dinge, die weit von den Gegenständen entlernt waren, welche den zungen Mann unablSjttg beunruhigten und quälten, wurde das Abendessen eingenommen. Im Ösen flackerte ein behagliches Feuer. welches ab und zu von einem durch den Schornstein hcrabfahrendcn Windstoß zu hellerem Aufflackern entfacht wurde. Auf einem Seitentische stand ein blanker Messingkessel, in welchem das Wasser allerlei Melodien summte, erst leiser, dann lauter, aber scheinbar nur, um die Traulichkeit des Raumes zu erHöhen. Ohne jedwede Geschäftigkeit einer Hausfrau, die nicht selten unbehaglich wirkt, sorgte Irene m einer Weise für den umgeu Gast threö Vaters' die wohlthuend berühren mußte. Jakob Vrsnncr vergaß in d:e;cr Umgebung bei nahe, waS ihn gestern und heute so schwer bedruckt, in ihm war em Gefühl, das ihn entschlossener, in die Zukunft blicken ließ. Die Erinnerung an die Lehren des Werkmeisters übte eine stählende Wirkung auf ihn aus. Seit diesem Tage war Jakob noch öfter Gast m der Grunwald'schen Woh nung. ' An Sonntagen 'machte er auch mit dem Werkmeister und dessen Tochter Spaziergangc. Es war ein ungewöhnlich kalter Winter geworden, aber die sonnenhellen Tage machten den Frost weniger cmpundlich, mochten auch die Eiöblumcn morgens noch so dick an den Fenstern sein. sie glitzerten im rothgoldenen Sonnen licht und machten' kaum den Eindruck von starrer Wmterkalte. Jakob fühlte sich leichter und frohe, als seit langer Zeit. Die Gedanken an die einzige Unterredung, welche er mit seinem Onkel, Karl Brenner gehabt, drückte ihn nicht mehr zu Bodens denn er hatte demselben gegenüber, feste Scl lung genommm. Entschlossen, dem Manne nichts zu danken, ehe nicht das Dunkel dex Vergangenheit sich erhellt, arbeitete er eifriger und angestrengter, als je zuvor, um sich die ihm zuaewen dcte Theilnahme zu verdienen.., Sein Wochenlohn war ehoht worden, er hatte zetzt seine Beschäftigung unter den alte ren Gesellen und litt hier auch weniger unter der ottenen und , versteckten Feindschaff jüngerer Kameraden. Mit den Gefühlen, die er für den Fabrikherrn kurze Zeit gehegt, und die weit von denjenigea entfernt waren, welche die Pflicht gegen seinen .Vater ihm auferlegte, war er bald fertig geworden. Er hatte sich durch die glatte Außenseite eincS Mannes täuschen lassen, der doch kein Herz in der Brust hatte, selbst wenn er nicht ganz so schuldig war, wie die Mutter ihn gehalten. . : Auch der Gedanke an KordelNachmann betrübte ihn noch, und in schlechten und häßlichen Traumen sah er daS Kind oft vor sich, wie es mit seinen großen Augen lt.L .:rr. ..' -r .. er :.. , iyn guciicgenu unonaie. )on ocm Kinde war keine Spur mehr aufgefunden worden , 'trotz aller angestellten" Nachforschmiacn. Zum Glück hatte Jakob Brenner keineAhnung. daß er noch immer der Gegenstand ' aufmerksamer Beobachtung von Seiten der Polizei war, da

Frau Greve bet ihrer BehauptungJakov

Brennet .habe daS. Kind beseitigt, verharrte. : . Welhnachicn Mlt seinem LlQitcraian, und Tannenlnst war vorüber, und bald darauf trat Thauwetter ein. Der Schnee, welcher ungewöhnlich hoch gelegen, verwandelte sich in eine schwärzlich-gram Masse, durch welche MensAen, Wagen und Thiere sich nur mit Mühe hindurch: arbeiten konnten,, da es unmöglich war, den Schmutz schnell zu beseitigen. Auch das Eis schmolz, krachend zen barst die feste Decke des Stromes, und' in tollem Wirbel, sich überstürzend, aufthürmcud, dann wieder sich auseinanderwälzend, ging eS , stromabwärts. D! Schiller hatten zu bergen, )ic mußte unablässig thätig , fein, an's Land zu ziehen, um Kähne und Flöße festzuhalten. Und bei dieser Gelegenheit war obcchalk der Stadt em schliMmer.Fund gemacht worden. Die Eisschollen hatten die Leiche eine! KindeS an'S Land gedrückt, in einen! grauenhaften Zustande. Die Nachricht gmg durch dieZeitungen. und, einer l der Ersten, welcher davor hörte, war Jakob Brenner. Abermals mußte er seinen Weg auf die Polizei nehmen, . diesmal nicht allem, sondern u Begleitung emeS Pollzelbeamten. al er empfunden, als man ihn in spät Abendstunde aus dem Hause seine, Mutter abholte, läßt sich schwer be schreiben. Halb bewußtlos war er den Beamten auf die,Polizei gefolgt. Hier angelangt, hatte er abermals tu stundenlanges Verhör zu bestehen, trotz, dem er nichts, aussagen konnte, als wa! er früher bereits ermahnt hatte, m machte jedoch durch feine ga.ize Art den Polizei-Zkommissär den Eindruck eine; Schuldigen. Zitternd stand er da, siq sichtlich nur mit Anstrengung auf dei Füßen , erhaltend. Sein Gesicht rn, leichenblaß, kalte Schweißtropfen stand auf feiner Stirn, er fühlte sich wiedw holt einer Ohnmacht nahe und gab fein Antworten nur mit leiser und unsicher Stimme. Der erfahrene Beamte nahn diese äußeren Zeichen für Schuldbewußt: sein und glaubte, mit doppelter Scharf, gegen Brenner vorgehen zu müssen, we? er ihn bei dem ersten Verhör mit s, leichter Mühe zu der Ueberzeugung vo. hnm Unschuld gebracht. In dem letzten Augenblick, als Ja kob der Meinung war, daß im da! Verhör wohl beendet sei, langte dy Kommissar unter den TtZch und . blitz schnell hielt er dem jungen Mann eil blau und roth arrirtes Tuch unter di. Augen. Die plötzliche Veweguni war eZ, di, den furchtbar erregten Brenner erschreckte nicht der Anblick des Tuches selbst. Kennen Sie daZ Tuch, Brenner? lautete die rasche Frage dcS Kommissars. Er gab keine Antwort, sondcri machte nur eine schluckende Bewegung. kein Wort wollte über feine Lippen, auck dann nicht, als die an ihn ' gerichtet. Frage wiederholt wurde. Ich will Antwort," donnerte di Stimme des Beamten. ..Ich kenne es. Ich habe sol che Tucher! Ah! Wem gaben Sie eins davon?" Kordel Nachmann," kam es heifc von seinen Lippen. Sein Gesicht wa. jetzt eldfahl, während die Mienen' dct Kommissars sich mehr und mehr erhelb ten. Er hatte bereits die Hosfnunt aufgegeben, diefcn verstockten Sünde! zn irgend einer Aeußerung zu bewegen. Bei welcher Gelegenheit?" fragte t weiter. Damals, als ich sie in der Hausflm gefunden. Sie fror, und ich hatte nicht! weiter, was ich ihr zum Schutz geb konnte." , Die Worte waren in gleichmäßigen Tone gesprochen, die Stimme des jum gen Mannes hatte einen blecherner Klang. 'Sie sind wahrlich nicht um Aus: flüchte verlegen," sagte der Beamte höh' nisch. Das weitere wird sich sinden. Einstweilen sind Sie in UntersuchungZ: haft. Ich sage Ihnen nur, daß ein of feneS Geständnis Ihre Lage allein ver: besseren kann." Jakob Brenner wurde von einem Po, lizeibeamten in eine Zelle für Unter: suchungsgefangcne geführt. Er war jetzt in der That unempfindlich für jedek Schmerz, überhaupt für jedes Gefühl. Er hatte sogar die Fähigkeit dcS Den, kenS verloren. Als er zum Bewnßtsrn seiner Lage erwachte, dämmerte grauej Morgenlicht durch das vergitterte Fensie? seiner Zelle, er wußte aber nicht, ob er geschlafen oder sich wachend in eine bewußtlosen Zustande befunden hatte. ' Der Polizcibcamte zweifelte nicht az der Schuld des jungen ManneS. Wem nach seiner Meinung noch eine Unsicher: heit in Bezug auf Schuld oder UnschuN Brenners vorgelegen, so mußte dies, schwinden bei der Konfrontation des Ge. fangencn mit der Kindesleiche. Bei Anblick derselben war Jakob Brenne; bewußtlos 'zusammengesunken, man hatt, ihn ohnmächtig in bic Zelle zurückbringe, müssen. , ' . Draußen im Publikum aber erhöbe? sich gewaltige- Stimmen für Brenner! Unschuld. - Die traurige Angelegenheu war lebhaft in den Zeitungen' besprochen worden. Neporter hatten. Erkundigum -gen über den Verdächtigten eingezogei und waren zu dem Schluß gelangt daf derselbe unmöglich das begangene Ven brechen verübt haben, könne. Jakol Brenner hatte den Ruf. eines tüchtigen, fleißigen Arbeiters, eines äußerst foliden Menschen, der sich überall, wo sicZ ihm. eine Gelegenheit geboten, freund, lich und hilfsbereit gezeigt. ; Einige ihn " graoirende Thatfach blieben allerdings bestehen und konnte? nlcht hinwcaaeleuanet. werden, so seil Aufenthalt Am Dennhardt" und serJ c t .- ' , ' i : nrr ai9 . ver gravlrenozre nmirano oaz bei Kordel , Nachmann gefunden Tuch. Frau Greve hatte die Leiche, bestimmt als diejenige ihres Pflegekindes rekoa. noszirt, , .und so wenig Zutrauen di. Äuszagen dieser Perjon auch ,m allge, meinen verdienten, so war doch hier an, ' zunehmen, daß sieauf Wahrheit beruh, ten, obgleich der" Zustand deS todtek

Körpers räum e:ne ewayrieipung zur eine derartige Aussage zu 'übernehmen gestattete. Verschiedene Umstände verliehen den Behauptungen der Zeugin einen Schein von Zuverlässigkeit. Ihre Angaben über die Kleidung, welche Kordel am Tage ihrer Entfernung tragen haben mußte, deuteten darauf hin, daß die gefundene Leiche nur die der Vermißten fein könne. Das noch in ziemlich

gutem Zustande bezindliche Tuch hatte den Hals der Toden umschlossen. Jakob Brenner ließ schweigend AlleZ über sich ergehen , er verharrte beim Leugnen, man konnte ihm nicht einen einzigen Widerspruch in seinen gemachten Aussagen nachweisen. 'Nachdem der erste iahe Schreck überwunden war, say er mit Ruhe dem Kommenden entgegen. Diese Nuhe war indessen das Ergebniß völliger Hoffnungslosigkeit, jemals den den Fluch, der auf seiner Geburt und Jugend ruhte, zu besiegen. M Drei Tage war er nunmehr Gesänge-, ner. Niemand war zu ihn? gekommen als ber Untersuchungsrichter. Ihm war daS lieb, wie er sich selbst sagte. Eine Begegnung mit der Mutter fürchtete er, sie würde Anlaß zu, einer furchtbaren Ausregung für beide Theile geben. Heimlich hatte er wohl aus ein Kommen des Werkmeisters Grünwald gerechnet, er war sich dessen nicht klar bewußt uns hatte nur das Gefühl eines unbestimmten Schmerzes, welcher der Furcht cn: fpranz, daß der ihm wohlgesinnte Mann an irgend eine Schuld seinerseits glaubcu könne. Waruni" sollte er nicht? Für il ü lagen dieselben Schu'dbeweife vor, welche andere Mcnfchen ihn verdammen lassen würden. Und Irene? Heiß stieg eint Vlutwelle in fein Gesicht. - Er hatt, ein überzeugendes Bewußtsein, daß sik ihn niemals für schuldig halten könne. DaS war ihm doch ein Trost, obgleich n sich sagte, daß ihm jcdeZ Urtheil gleichgiltig sei. Davon, daß 7nicht Jeder "an fein, Schuld glaubte, man im Gegentheil bemüht gewesen war, Dinge aller Art her, vorzusuchcn, um durch sie den Beweij seiner Schuldlosizkeit zu führen, .wußt, Jakob nichts. ES war o selbstverstütt? lich, daß Jeder einen Stein auf ihr warf, daß ihm nicht einmal der Wunsch kommen konnte, es möge anders sem. Um so überraschender war ihm fr Ereigniß, das er wohl am wenigste, rorhergesehen. Es war am Abend deS dritten Tages seitdem cr sich in Untersuchungshast be fand, als die Thür feiner Zelle sich öss nete und der Herr Geheimrath Karl Brenne? bet ihm eintrat. Jakob, welch der Meinung gewesen war, entweder der . Gcfangcnwärter oder der Untersuchungs richte? komme, ihm einen Besuch abzu statten, hatte bei dem Geräusch, welche das Oessnen der Thür verursachte, nicht emmal den, Kopf erhoben, sonder starrte, denselben in beideHände gestützt. ip dumpfes Sinnen verloren, vor sij nieVcr. Die Stimme des Eingetretene schreckte ihn auf. Einen Augenblick sa er auf Herrn Brenner wie auf eine Fremden. Dann stieg ein leifes Note in seine fahlen Wangen, er wußte nicht, warum: er fraqte mcht, was dlezer Ac such bedeuten könne, und den AuSdnl von Schmerz und grauer in den Züge: dieses Mannes wollte er nicht sehen ihm gegenüber mußte er doppelt ave semer Hut fei. Aber da sielen die ersten Worte : m ein Schauer durchrieselte es Jacob, sein, i- . r- ". nariö tramp ie ucy unwlulurum ich zusammen. Was war in dem Ton die ser Stimme, das ihn so mächtig erregte' Jakob, mein armer Junge, S: haben wirklich viel Unglück. Hm, fentlich hat diese dumme Geschichi, nunmehr keine weiteren Folgen für Sie. Ich habe die nöthigen Schritte gctha? und denke, man wird Sie unrerzügliä in Freiheit setzen. Wie konnten Sie sk den Kopf verlieren? Dieses Tuch! Dummes Zeug! In der Z.'schen Fabnl sind Hnnderttauscnde von glcichmustc: rigen Tüchern angefertigt, und in dn Nacht, als die Kordell Nachmarni davongelaufen ist, haben Sie das Haus nich: verlassen. Sie hatten doch den Beweis. Grüncwald nannte uns das Datum, unt wir konstatirtcn uS den Fabrikbüchern, daß Ihnen Schmidt an demselben Abcnt aufgab, die Zeichnung für daS neu. Triebrad zu entwerfen, und am folgend Morgen haben Sie das Ding in alle; Frühe abgeliefert. DaS wa? eben ein. Nachtarbeit. Wenigstens haben cit so, viel Zeit zur Anfertigung der Zeichnunl gebraucht, daß Ihnen unmöglich stunde:! übrig geblieben sein konnten,, um mij dem Kinde davonzugehen. Warmr sagten Sie dem Kommissar nicht? davo? und beriefen sich nicht auf Schmidts Zeuanliz i" Jakob Brenner ab keine Antwort, nicht ein Laut kam über seine Lippen. Rothe und Bläise wechselte m sem? Gesicht, er fühlte seine Gedankin $14 verwirrcn. Der , Uebergang sou de durchlebten Qual zur Erlösung war ein zu großer, als daß cr wirkungslos c, ihm hatte vorübergehen köu,:n. Seir Kopf viel vornüber auf die Vust, uÄ heiße Thränen perlten über ftin, Wange. All' das, was ihm Herr Brenner fehl sagte, war so natürlich. Ja, er httl 'dem Kommissar gegenüber so spreche? können, aber eS würde sua' eine ihu Wahrheit gewesen feiUs Die Zeichnung war in ganz kurzer Zeit in dtn Mzren, stunden von ihm angefertigt worden, u das Tuch er hatte Kordell Nachma:: wirklich ein solches Tuch ,zeben un) glaubte auch, daß ! das Tuch, wclchcZ man bei der Leiche deS Kinde gesunden, das seine gewesen war. Und rc::uoch j Wie lotend, wie oetrelend wk?::?,: du Worte dieses Mannes ! Er hatte offenbar für ihn bemüht, den: : nai Zeichen dcS Widerwillen? und der A?. neigung gegeben. ' 1 - Herr Brenner ahnte i instinktiv, xoai in der Seele beS: jungen ManneS vor, ging, und cS lag keineswegs in feine, Absicht, denselben in irgend einer Weis, zu Dank )lu verpflichten. ' AuS sreieir Antrieb sollte Jakob eincS TageS Zu ihrr kommen und bekennen, daß er sich dem Bruder seines VaterS ' getäuscht. v-m yt?8faiwi LunSzliZsL) '

ZumThi,rfHutz

Die Grünn X., Besitzerin eineö cto tat RitterguteZ, fuhr an einem bitten kalten W intcrta ge zur M ess?. Auf teil Wege zur Stadt sah sie ihren Schäfej auf der Haidc inmitten der Herde, stg hcn. JohJnn," saate die Tamc Kutscher, sobald wir auS der Messt zurüattyrcn, m)t Du den Innen tz seinem Posten üb, der arme Mensch muj sich ja todtsriereu. Mag immerhin füh die Schafe etwas mehr Stallfütterunz aufgewendet werdend Die Gnädige war nne Stunde nccl dieser hochherzigen EntZchließun.i ' auZ der Mene zuruageleyrt und hatte sich it wohl durchwärmten Salon vor Uu Oten medergelaizen, da.trat ccr bZut scher herein mit der Meldung, daß it nunmehr zur Haide gehen wolle,, utj den frierenden Schafer mit seiner Herd auf den Gutshof zurückzuruscn. Ach nern, Ion da5 " entschied eil GutZherrin. Der Schäfer mag draußen bleiben, denn allem Anscheine uaki ist die Temperatur erheblich milder ge worden." Ja, freilich war sie milder, seilderz die Gnädige int , wohldurchwärmtm Zimmer sap und die Fuße zum Ofen hinstreckte, der Schäfer und sein Hund aber mochten. draußen m den Schnee wehen auf offener Haide weiter frieren. Da5 Mitgefühl der meisten Menschen mit den Leidenden macht der Gleich giltlgkeu Platz, sobald sie selber gevor gen sind. Zu den Leidenden gehören in diesen kalten Tagen auch viele Hau tyiere, namentlich solche, me den Men schen bei der Arbeit unterstützen. , Art Uebelsten sind die Ziehhunde daran. wenn ihre Herren es auS Fahrlässigkeit oder Unverstand an der nothigen org salt fehlen lassen. Wie oft sieht man in den vom eisigen Ostwind dJrchfegteiß Straßen die armen Thiere unbedeckt und vor Kälte zitternd vor dem Wagen dek Lumpm- und Knochensammler, ode anderer Kleinhändler stehen, während ihr Herr in einer Kneipe den inneren Menschen durch emen Korn, den auße ren durch die Ofenwarme behaglich stimmt. Ter treue Mitarbeiter kann unterdes' sen mit nackten Füßen auf dem eiskalten Pflaster oder im Schnee stehen und warten. Und wenn das arme Thier, zitternd vor Kalte und Ungeduld, vo::i leisen Winseln zum lauten Bellen über geht, dann tritt sein Herr gewöhnlich ans Fenster und droht dem Thier mit , der Faust, aber er thut rechts, um des' sen Qualen abzukürzen. Zum Glua sind nicht alle Hundebesttzrr unempstnd lich für die Leiden ihrer Arbeitsgenv?' sen. Frauen besonders dethütigen ih Mitgefühl dadurch, daß sie dem,Hundi während der Wartezeit Decken auf di kalte Erde und über den Rücken breiten. Dem Pferd wird seitens feines Herrn schon eme sorgfältigere Behandlung zu Theil als dem Hunde, weil sein Leben kostbarer ist. Edlen Pferden besonders wendet Itt Mensch mit Rücksicht auf den Werth derselben die beste Pflege zu, denn wes das Pferd schützt, schützt sein Kapital. Den ausgemergelten Klepper freilich gibt man ichon, eher der Rauhheit US BtüttZ preis, Aus Unverstand werden aber auch besserm Pferden während be? kalten Wintertage Qualen bereitet, di, man bei etwas Sorgfalt leicht vennei den könnte. Das Zaumzeug des Pfer' des hangt wahrend der. Nacht gewöhn lich m einer ungehnzten Geschirrlammei eder in der Scheune, Werden di Pserde nun am Morgen angeschirrt und man legt ihnen die eiserne Zaumstana. in den Mund, ohne dieselbe vorher em wenig erwärmt Zu haben, so ist die Wirkung auf die zarten Weichtheile und die Zunge des Pserdes fast eme ebenzz schmerzhafte, als vb.man dem Thier mit . . rr!t . J. a m... einem giulzeuorn irijcn vurqs aam fahre. Wie oft begegnet in an Im kläglichen Schauspiele, daß Hirn-und herzlose Fuhrleute ihrem heftig wider strebenden Gaul die eiskalte ZaumstJns in den Mund zwängen und dabei heftig fluchen über die unbegreifliche alsitar. rigleit des Thieres. Wie viele Zahn sind den Pzerden schon von rohen ur jchen eingeschlagen worden, weil dies nicht begreifen konnten, daß daS kalte Eilen dem Pierde Schmerzen ver ursacht und ihm oft daS Maul schwel verletzt! Mit wenig Mühe ließe sich da Z -v . .rr..i L.:i irijCN erwärmen uno wer oaeive ran einem Gummi-Ueberzua während Ut kalten Wintertage bekleidet, erweist dem treuen HauZthier eme besondere 23ch mt . ' Ter Mensch besitzt die Fähigkeit, zu agen, waS er leidet, das Thier abtt muß schweigend dulden, darum fällt mxi die Ausgabe zu, ein wenig darüber nach zudenken,. was zu seinem Besten dient. Wenn ein italienischer Vetturino sein Pferd oder seinen Maulesel erbarmungs los prügelt und peinigt und man ihn die Grausamkeit vorwirst, so sagt er p seiner Entschuldigung: Das Bieh ist doch kein Christ-, bei un3 im Norden Hort man oft das Wort: DaZ Thier ist doch kein Menscht. In beiden Fäl. len wird die Entschuldigung zur eigenen' Verdammung, denn ihr Christenthuui oder Menschenthum erweisen - vernunf!' begabte Wesen am. besten durch das Mitgefühl, welches sie schwachen ode, ihrer Pstea ubefoylenen , Geschöpfen erweise" ' Nu oft vergißt der Mensch. Ul Thiere Hunger Kälte und Mißhaud' lung verspüren wie wir und daß vielt unter ihnen für erwiesene Wohlthaten dankbarer sind, als wir. Die' Anhang' lichkeit des Hundes an seinen Herrn ist sprichwörtlich geworden und dem guten 1 Character seines Pudels hat wohl lern m r - . - c 'i Menzch em gianzenoeres eugnin uu gestellt, als jener alte Junggeselle, we! Her dem - abgeschiedenen Vierfüßler ei en Grabstein setzen ließ mit der Jn Zchrist: Hier rühr der einzige Freund,' welcher mich niemals gebissen hat.- . " ' W- '' '' RM t DaS P o st Z crip t um sagt gesiöbnlich mehr, als der ganze Früue.1'. brief. , . . ,,A t exnn d'e,r ' Ena ? t ., ' : u V.. ; Äl r

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