Indiana Tribüne, Volume 14, Number 105, Indianapolis, Marion County, 4 January 1891 — Page 3
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S ciiuO arö tsßr uö er. Sozialer Roman ro:: N. L ü ! t S V tt r I. (3. Fortfetznnz.) ms C5 wer niemand da, de? nuch ans die Verkehrtheit meiner Ansichten hingewiesen und so von einem Abgrund zurückgerissm hätte, in welchem ich nothwendig versinken wußte, und in Oelchem Cie versinken roürden, meint Sie fortfahren, sich einem Glauben hinzugeben, der Sie in kurzer Zeit zum illenlofen Werkzeug eines grausamen EchlckfalZ machen wird, mt ich es eines Tages gewesen bin. Mein eigentlicher Name ist, nicht Erünwald. Meine Wiege stand in 'einem prächtigen Landhause, meine JuI: '.mW 'iMj.Mt JU l mim aMti i i j M . VUV jVliViUU IU 1UU IHIMU ftern unter der Obhut eines gütigen Waters, einer zärtlichen Mutter, umgeItn von dem Glanz und Lurus der ReiÄen und Vornehmen. Mein Vater war Ofßzier, meine Mutter entstammte, mit er, nner alten Adelsfamilie. Der Reichtum des Hauses machte fede Sorge für die Zukunft scheinbar überflüssig, und die Ehre desselben war allzeit unantastbar genzesen. So wuchs ich heran, ein übermüthiger Bursche, ohne jedwede Furcht vor den Dunkelheiten des Lebens, eil ich allzeit meines Weges im Licht gegangen war. Ich hatte mrm vierzehntes Lebensjahr zmückgelegt und stand im Begriff, einen Beruf zu erwählen. Vater und Mutter Kalten sich der militärischen Laufdabn abgeneigt gezeigt, ersterer, weil er die Befürchtung hegte, daß ich mich nach der freien Entwicklung zu schwer einer strengen Disziplin fügen würde, letztere vielleicht, ' weil sie im Fall eines Krieges um ihren einzigen Sohn würde bangen müssen. Es wurde mir. wie ich mich noch sehr wohl erinnere, schwer, nur den Gedanken an irgend eine ernstliche Arbrit zu fassdn, vielleicht hielt ich eine solche auch für , meine Person überflüssig, da ich ja das einzige Kind meiner, wie ich glailbte, zeichen Eltern war. Da kam ein plötzliches Erwachen. Ich uberaebe die Einzelnbeiten. Man brachte meinen Vater eines Morgens todt in's Haus. Nach einer durchspielten Nacht hatte er sich in einem benachbartm Bade erschossen. Er sollte sich brenrührkge Handlungen haben zu Schulden kommzn lassen so sagte die Wett. WoS Wahres und was Falsches an den Gerüchten gemeje, ist. die über den Todten in Umlauf gesetzt waren, vermag !ch nicht zu entscheiden. Ich habe nie, euch nicht vorübergehend, an die Schuld emeS ManncS glauben können, der in meinen Augen allzeit tadellos dagestanden. Auch meine Mutter nnd meine Schwester waren von der Schuldlosigkeit des Verstorbenen überzeugt, selbst dann och, als sie die Erfahruna machen --- mutzten, daß schon seit Jahren der Reichthum deS HauseS in verhängnißs vollem Schwinden gewesen, und der Tod deS Vaters in dem Augenblick er folgt war, als er den letzten Heller seiuti Vermögens an der Bank verspielt batte. , Die Welt urtheilte minder milde, euch meine vornehmen Verwandten, die och heute im Staatsdienst hohe Stellungen einnehmen. Ein Onkel von mir hrtte den Muth, die Regelung unsercr Verhältnisse, in Angriff zu nchmen. ES gab nichts mehr zu regeln. Meine Mutter, -meine Schwester und ich waren ganz arm, und ich konnte mich Nicht glücklich genug schätzen, daß die erstere starb, ehe sie von dem Schlimmstcn unterrichtet werden konnte. Derselbe Dnkel nahm mich 11:10 meine Schwester in sein Haus, in welchem wir , der Gegenstand deS Anstoßes wurden. Seine hochgeborene Gemahlin fand e3 unmöglich, mit dem Sohne und der Tochter eines ehrlosen Offiziers gemeinsam einen Namen zu führen, meine Vettern wichen uns aus, als ob wir Pestkranke waren. Der Onkel mußte sich entschließen, lvenigstenS mich in eine ferne Stadt in Pension zu geben. Sie verstehen theilweise, was ich in jener Zeit ertragen habe, Brenner, nnd äi. 'n f.rtn r . VUUf lUt.i Jt.Ul. ..11 Wechsel war zu groß. Aus dem hoch- . müthigen Trager eines stolzen Namens ar der ausgcstoßene Bettler geworden. Man wollte mich der Vergessenheit übergeben, nicht einmal die Segnungen einer öffentlichen Schule sollten mir zu Theil Werden, damit mein Name nicht genannt zürde. In einer schlichten bürgerlichen Familie wurde ich untergebracht, z um Privatunterricht zu empfangen. Welche Plane man für meine Zukunft hatte, wußte ich nicht, habe eZ auch nie erfahr reu. ;! Mit gespanntem Ohr ar Brennet 'bis zu diesem Augenblick den Worten ÄcS Erzählers gefolgt, er hatte auch gesehen, wie die Mittheilungen demselben schwer wurden, wie die Macht qualoolTr Erinnerungen ihn bisweilen über7luthete. Nun hatte der Werkmeister ;tch erhobenem ein paar Mal rasch daS Kleine Zimmer zu durchkreuzen, 5 seine -Hand fuhr wiederholt mit einem Tuch übe? die Stim, und schwere Athemzüge :tra?,gen sich seiner Brust. ; : , , Nach wenigen Augenblicken aber schien. t't gewaltige Ausregung überwunden.' , , lidem. er auf den. verlassenen Sitz zurückkchrte, irrte ein lclseS Lächeln , um ""ii ( : tti VA,Js, (tttlnm M , 4 il .t- v . iE - vv7 ' I f sagte er. Tann fuhr er in ruhigem Tvnefortz - - r 1 Ich ertrug den Znstand nicht. Es lüim? mich unmoglicy, jo weiter zu leb. Em wllder Haß gegen meme Verwandt? hatte sich meiner bemächtigt, :.:in mir lebte nur in Gedanke: wie ich mich an ihnen rächen konn ' Uno dadkl war ich ohnmächtig. &m t0v i ' - ElncS Abends verließ ich die Stadt, e3 war m einem uniabcnd. an welchem -., die, Welt eitel Schönheit und Freude Oürm chrttt cic iffiamac xiiicc ent-
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lang, pie bis zum nächsten Dorfe führte,, wo ich Nachtquartier zu suchen plante.' Um mein Weiterkommen brauchte ich nicht zu sorgen, wenn ich arbeiten wollte, und ich war zu allem entschlossen, waS mich von den Ketten, die mich an melne Verwandten fesselten, freimachen konnte. Ausweis über meine Person mit mir zu ckühren, war zu jener Zeit nicht unbeoingt nothwendig. Je weiter ich schritt, desto froher und leichter wurde mir um'S Herz. Ich athmete aus. Tausend Vogelstimmeu erschollen über meinem Haupte, ich hatte sie lange nicht mehr gehört. Der Duft frischen Heues kam von den Wiesen herstber, ich sog ihn begierig ein. In den Garten, an welchen ich vorüberkam, blühten die Rosen in herrlichem Flor. Die Welt, die Menschen schienen mit verändert. Ich hätte ausjauchzen mögen in heller Luft. Nach endlos langer Zeit zum ersten Male wieder.Doch plötzlich legte eS sich wie Iah mend auf meine Brust., 'Zorn und Haß gegen meine hochmüthigen sVerwandten schnürten mir, förmlich die Kehle zusammen. Ich müßte an meine arme Schwester denken. Es war vielleicht Feigheit vonsir, meinen eigenem Weg zu gehen und .e nicht nur ihrem . Schicksal zu überlassen, sondern wohl gar die. Ursache zu werden, daß neue Schmerzen sich den bei ihr vorhandenen beigesellten. Der Gedanke an sie ließ einige Augenblicke meinen eilenden Fuß stocken, dann ver doppelte ich meine Schritte. Ein Nachtquartier fand ich nicht, ich suchte auch kerns, sondern legte mich in einen Strohdiemen, welcher noch vom vorhergehenden Jahre stand. Erquickend war der Schlaf unter freiem Himmel,und als ich einmal in der Nacht erwachte und über mir das Firmament mit den strah: lenden Sternen fah, empfand ich wieder ein Gefühl aufjauchzender Freude. Plane für die Zukunft hatte ich nicht, obgleich mir die unbestimmte Idee vorschwebte, ein Talent, daZ ich mein eigen
nannte, zu verwerthen. In den Tagen vermeintlichen Glückes und Glanzes glaubte ich mich zum Maler geboren und hatte nicht selten von einer großen Künst, lerschast, von Nuhm und Ehre geträumt. Kleine Skizzen von hübschen Gegenden, die ich gelegentlich gemacht, hatten bic Bewunderung meiner Umgebung erregt und mich 'mit großem Stolz erfüllt. Spater, unter dem fchweren Druck eines harten Schicksals, war dieses kleinen Talentes kaum noch gedacht. In diesen Tagen mußte ich mich des selben wieder erinnern, aber ich wa, so vollständig Mittel- und hilflos, wi, nur je Hiob gewesen war. Mit dem angebrochenen Morgen und dem unheimlichen' Verlangen meines Magens nach Nahrung kam ich erst zur vollen Erkenntpiß meiner felbstgeschassenen Lage. Der Gedanke, zu betteln, hatte niemals in mir auftauchen können, aber ich war doch gezwungen, mir zu sagen, daß ich ganz außer Stande fein würde, für den Heu, tigen Tag meinen Unterhalt zu erwerben. Ich wanderte fürbaß. Der Morgen war thaufrisch und kühl, wunderbar schon. Ich hatte keine Augen dafür und konnte die Unruhe meines Herzens nicht meistern. Die Sonne stieg an einem tiefblauen, wolkenlosen Himmel empor, besiegte den gleich Wassermassen ans den "Wiesen schwimmenden Nebel, und ihre Strahlen brannten schon am frühen Morgen sengend heiß hernieder. Mir I schien'S, als steigere sich die Hitze merk- ! IJrfi .ftiiTiivr itiih T5Tirft ?amnkt,n in m vmjf f W i w-w mw-mw , w wm r-m-m rW mir, indem ich die baumlose Landstraße entlang schritt, diS ich erschöpft zusammenbrach. ; Feldarbeiter hatten mich ohnmächtig gefunden und nur mit Anstrengung wieder zum Bewußtsein gebracht. Man sührte mich in ein HauS, wo man mich mit Speise und Trank erquickte und mir dann allerlei Fragen vorlegte, die ich nicht beantworten konnte und wollte. In Folge dessen begann man, mich mit Mißtrauen, zu beobachten, und schien erfreut,, als ich mich verabschiedete. Mein gesunkener Muth hatte sich ge? hoben, und ich beschäftigte mich ernstlich mit dem Gedanken an den folgenden Tag. um eine Wiederholung deS heutigen zu vermeiden. Inder Ferne sah ich die Thürme d uachsten Stadt austauchen. Mein Herz schlug bang und unruheooll. Nicht ohne Sorge, wo ich wahrend der Nacht bleiben sollte, hielt ich mit Einbruch der Dämmerung in der Stadt meinen Ein: zug. Die Lichter waren schon angezündet, ich fühlte mich wi:der matt und elend und wußte nicht, wohin. Der Gedanke, daß eS mir ergehen könne, wie im Lause deS Vormittags, erfüllte mich mit einer unbezähmbaren Angst. Was konnte ich thun waS beginnen? Beim Scheine einer Straßenlaterne sah ich ein rundes Schild : Bernhard Nitschenmeyer, Maler und Lackirer. Ich konnte heute nicht mehr sagen, waS ich in zenemAugknollck gedacht, vlellekcht folgte ick nur einer nuwilllürlichen Eiiigebunq, als ich in das HauS trat, über dessen Thür ich jenes Schild gesehen. Aber ich ... k.. cm. oj t v m'.n ' lllillü 1UI .VlHiJtfc .:uiipu' i)i,Un meyer in eigener Person plötzlich aeaenüber und nach einer halben Stunde saß ich an dessen Tisch als neu ausgenemmener Lehrling. ; Ich l:tte mich bei. demselben nicht etwa mit .'iner Lüge eingeführt , nur meinen ?!amen glaubte ich verheimlichen zu müsse,, nlcht. ,zme.ich pamals wuhnte, um jeder Nachforschung meiner Verwandten zu entgehen sondern weil ich mich desselben schämte. Ich hatte einen Namen h bewog wandten Ztt entgehen, dünkten dem biedern Meister stichhaltig, und er versprach mir, mich t tint$t4 Ztttsauf,robeu.,behalten,, ich sähe gut auS, sei ein kräftiger, gesunder Bursche, und wenn ich nur fleißig arbeiten wolle, werde ich meinen Unterhalt schon verdienen können. , ?, !,! Ii , Üy- ''i'!11' ' '!' ! - . ' -I ! "v A , ', j, , Satt und zufrieden legte ich mich an diesem Abend zum Schlafen nieder. ES war eine Bodenkammer, die mir anae'l''.t' '' fr-'.. . Ü w'ezen war. viinc yolzerne ttkttelle, mit Streb gefüllt, aber mit einem saubern
qenannt, denzelben, den ich noch
eute führe. , Die' Gründe, , welche mich
1, der Aufncht hartherziger Ver-
Vett, und ein Stuhl bildeten die Ein richtung deS? unmittelbar unter einem Schieserdach gelegenen Raumes. Ich war, todtmüde undsanki hald in einen tiefen Schlaf, aus welchem ich erst durch die Stimme der Frau Meisterin geweckt wurde. Ich übergehe meine Lehrzeit, sie war eine unmenschlich harte. Noch heute frage ich,' wie dem verwöhnten sechzehnjährigen jungen Mann der Wechsel zu ertragen möglich war. Zwei ahre lang blieb ich bei Nitschenmeyer, dann, begab ich mich abermals auf die Wanderschaft.' Trotzdem ich meinen Meister vorzeitig verließ, gab derselbe mir doch ein leidlich gutes Zeugniß mit auf den Weg,,, mit welchem ich ohne Schwierigkeit un andere Stellung zu sinden hoffte. Ich, lenkte meine Schritte nach der großen Stadt, in der Hoffnung, die mannigfachen ,, VildungSwege5 ein solchen ' für mich in Anspruch nehmen zu köNNett. ; , " , i -: . Auf dem Wege dorthin traf, ich mit mehreren Wanderburschen ' zusammen, denen, ich mich anschloß. ES waren Maschinenbauer und Schlosser, welche Stellung in der Brenner'schen Fabrik suchen wollten. Man rieth mir, dort gleichfalls um ein Unterkommen vorzusprechen, in einer derartigen Fabrik könnten mancherlei Kräjte Verwendung sinden. Mein Plan war auch bald' entworfen. Arbeiter der Brenner'schen Fabrik wurden schon damals gut bezahlt, besonders fleißige Leute bezogen Tantiemen. Ich wollte durch solche meinen Lohn vergrößern, um mir dieMittel zu verschaffen, Unterricht im Malen zu erlangen. ; , Das gelang mir auch, aber schon nach einigen Stunden war mir von fach? männischer Seite die niederschmetternde Mittheilung gemacht, daß ich nie im Leben als Maler etwas leisten werde, daß ich aber ein hübsches Zeichentalent r " . . v . " 1 " en.t.jt:
oetlye, welkes mir oa eiwaigem cucu eines Polytechnikums sehr zu Statten kommen erde. , Wochen und Monate vergingen, ehe ich mich von dem harten Schlage, der mir durch diefe Mittheilung geworden, wieder erholt hatte. Mechanisch verrichtete ich meine Arbeit, meine.Gesundheit litt unter der furchtbaren Aufregung, die mich zu schlaflosen Nächten verurtheilte. Meine Beschäftigung ekelte mich an, her ich mußte leben, und der Zwang der Arbeit wurde schließlich meine Rettung, ohne ihnuvürde ich zu Grunde gegangen sein. So war ich fünfundzwanzig Jahre dlt geworden, ich hatte bereits eine bevorzugte Stellung in der Fabrik eingenommen, doch keine . meinen Fähigkeiten entsprechende. Die Vorgesetzten hatten keinen Grund, sich um den finsteren, trotzigen Gesellen zu kümmern, der allerding? etwas mehr leistete als andere, dasür aber gegen Lob und Tadel gleich unzugänglich erschien. Von meinen Perwandten hatte ich nie mehr gehört, auch nicht von meiner Schwester. Sie,.hatte die letzte Nachricht von mir empfangen, nachdem ich bei Meister Nitschenmeyer ein Unterkommen gefunden. Damals schrieb ich ihr den Grund meiner Entfernung und gleichzeitig, daß sie nicht eher, wieder von mir hören werde, bis etwas aus mir geworden, und ich ihr und meinen Verwandte als ein selbstgemachter Mann gegenüberterten könne. Nie war mir im Lause der Zeit nur der Gedanke gekommen, ein Leben'zeichen von mir zu geben; nie hatte ich da? Verlangen gehabt, ein solches von meiner Schwester zu empsungen. , Ihr LoS schien mir im Vergleich zu dem meinen beneidenöwerth. Bitter nagte die Neue an meinem Herzen, und heiß flammte nicht selten der Wuusch in mir auf. daß ich in. den schweren Tagen hatte Stand halten mögen. 1 . Jede Neue kam zu spat, ich war in eine Bahn gedrängt, die ich nie mehr verlassen konnte, und diese Bahn, die ich betreten, riß mich los von der Dergangenheit, von der Schwester, an der ich mit Leib und Seele gehangen. Der N ame meneö VaterS war, erloschen. Ob schuldig, ob unschuldig gestorben, der Gedanke an den Sohn desselben konnte dem Toden nur weitere Unehre bringen. Er war verdorben ' ' gestorben, niemand wußte von ihm. Hch fühlte mich schuldig ein Pflichtvergessener ein Verbrecher an der Ehre des Todten. Doch nicht genug der seelischen Qualen, fuhr der Werkmeister nach Minutenlangem Schweigen tief aufseufzend fort. EineS Tages fand ich in einer TageSzei, tung die Nachricht von der Verlobung meiner Schwester mit einem hohen Staatsbeamten, von meinem Onkel an gekündigt. Sie machte das, was man eine glänzende Partie nennt. Ihr Verlobterwar ein hochangesehenerMann von altem Adcl , reich, unabhängig, ein Günstling des HoseS. Daß er nicht mehr jung' war wußte "ich, doch -habe ich in jenen Tagen dieser Thatsache nicht einmal Beachtung geschenkt, f Nur sür einen einzigen Gedanken war Raum in meiner Seele. Die Schwester war mir aus immer verloren. ,Ni mehr würde die Stunde kommen, in welcher ich mich ihr, der vornehmen Frau, wieder nähern konnte sie ist nie wieder gekommen!Die letzten ,;hZortez, waren von eiucnj erneuten heftigen Schmerz so sehr durchtönt gesprochen, daß Brenner welches lautlos und mit gespannter Aufmerksam? kcit den Worten deS Werkmeisters gefolgt war, voll erfaßte, was in diesem AugeiU blick in der Seele desselben vorging. "Ex hatte das Bedürfniß ,, ein Wort des Trostes zu sagen) die Bitte auszusprechen nicht mehr dcrVergangenhcit zu gedcntett. und schwieg doch vor der tiefinnersten ' i,1 -au .:-mi i ' " ."n'' m ' J. denselben Weg zu gehen, welchen ' ich cgangezt ihjn, gewisseIH könnten den Ihrigen nicht nur zu einem gleich unheilvollen machen, sondern Sie, rettungslos einem .Abgrund ,iufL$nJ fuhr Grünwald nach einer Paufc fort Trotz gahrt in Ihnen Trotz gegen ein hartes Schicksal. Ich will ihn an und für sich ; nich l verdammen, wohl aber das Uebermaß und vor allen Din-ge.-. die falsche Richtung, in welche cx
uevcrzeuguug. oaz; zur olezes i'cip icni Trostes tropfen zu sinden sein würd?. Sie stelzen im Beariff. acnau eben
sich hineintreibt, , Brenne Ex verfnhrt Sie, den Fluch, der auf dem Irrglauben eine? falschen Lehre lastet, auf sich zn nehmen. Mich trieb eines TageZ Verzweiflung in die Fremde, , aber in mir lebte der Wunsch, die tiesinncrste Ueberzeugung. daß ich in den Schoß meiner Familie zurückkehren könne glcichbcrecht igt. . Sie wollten die. Flinte in'Z ZZorn werfen, ohne irgend etwas versucht zu haben, das Ihnen Befreiung bringen könnte.. , Ist das eines Menschen würbig? y Der Fluch von , der Schuld deS VaterS lastet aus Jhncn nicht wahr? Einerseits aber, haben Sie nicht, einmal .Beweise sür dessen Schuld,. andererseits verbreitet diese Lehre von der Erbsünde einen Jrrglautien, der unberechenbar 'in seinen Folgen ist. Und doch wie armselig ist die Lehre! Ein Gott der Gnade.' der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit sollte auf iden!. Schuldlosen ' die Sündenlast feiner Väter laden? Ihn büßen lasen füx das,- was diese verbrochen? Ter Hinweis auf den Fluch der Erbsünde kann nimmer solche Bedeutung haben, sie ist eine Warnüng , für den sündigen Menschen, sie soll ihn' losreißen vonden falschen Wegen, die seine Vorfahren tti treten. " Wie manches gebrochene, besser Mcnschenherz mag schon der Lehre' von der Erbsünde zum Opfer gefallen sein! Auch Sie wollen sich diesen beigesellen, und doch vermag nur eigene Schuld wirkliche Schatten aus unsern Lebensweg zu werfen. Sie sind , eines Tages, , fehlgegangen. '. Wie groß Ihre Schuld war, weiß ich nicht - Sie würden einen außerordentlich milden Nichter in msr gesund! haben aber der Schuld folgt die Strafe. ' Diese mit Ernst zu erfassen und sie muthig als eine gerechte Sühne fau sich zu nehmen, ist unsere höchste und erste Pflicht. Nur dadurch , kann haS Schicksal besiegt werden.' S!e ha ben etwas verwirkt nicht ÄlleSl Nehmen Sie den Kämpf mit dem Leben auf, entschlossen, zu siegen, und Sie werde siegen, Sie tragen treue Bundesgenossen in Ihrer eigenen Brust, , es sind geistige Gaben, die Ihnen Niemand zu nehme vermag, und , welche, wohl angewendet, Sie zu einem tüchtigen, und brauchbare Menschen machen werden." Der Werkmeister hielt inne. -Seine Augen blickten forschend auf den, jungen Mann, als wolle er dlf Wirkung seiner Worte beobachten. In den Augen Jakobs schimmerte es feucht; statt deS Trotzes zuckte der
cymcrz um feinen Mund. , , ,, Herr Grünwald, Ihre Worte haben einen Lichtstrahl in meine Seele gewor, sen, ich weiß nicht, wie ich Ihnen däsüe danken soll sagte er nach einer Pause mit leise bebender Stimme. Ich will versuchen, den Fluch eigenen und frem, den UnsechtS abzuwälzen." , , Der Werkmeister hatte sich von feinem Sitz erhöben und klopfte feinem jungen Freund kräftig auf die Schulter. ' So ist'S recht, mein Junge, nd nun lassen Sie mir den Kopf nicht wieder hängen bei der ersten Gelegenheit. Kehj ren Sie morgen an Ihre Arbeit zurück, Ärenncr, und nehmen Sie muthig den , Kampf auf mit der Bosheit und Hinterlist. Sie haben eine Stütze an mir, aus die Sie sich verlassen können. Kommen Sie bei Widerwärtigkeiten zu mir, und ich werde diese besiegen- helfen. Auf morgen!" , Mit diesen , Worten hatte er Jakob Brenner noch einmal zum Abschied die Hand gereicht, der hoffnungslos diesen Raum betreten und ihn mit neuem Muth beseelt wieder verließ'. Hcrk Grünwald leuchtete ihm hie Treppe hin unter, dann war er zurückgetreten, und der junge Mann befand sich allein in dei nur mäßig erleuchteten, " langen Hausflur. Er blieb einen Augenblick stehen, wie um sich , zu be, 'sinnen, daß er ' nicht geträumt und in der That mit einem Manne zusammen gewesen war, der, in warmer Menscheiiliebe dem Fremden seine Theilnahme zugewendet, um dessen selbst willen. ' ' ' rn - " -Ay ' r- - v'"' ' ( Noch wie ein Träumender that, er einen Schritt ' vorwärts. ,: Er führ zurück. Ein leiser Schrei ertönte zu seinen Füßen. WaS ' war daS? Ein Kmd faß an die Mauer gelehnt. Eich herniederbeugend, blickte Jakob in ein .todtblasses Gestchtchcn, in zwei große, tiesdunttk, todestraurige Augen. Ach, liebster Herr, lassen Sie mich hier sitzen," flehte eine srostbcbende Stimme. Wer war das Kind? Jakob Brenner begegnete dem Auödruck diefer Augen nicht zum ersten Mal. Dieses blasse, feine Gesicht hatte er schon im Leben gesehen.' ' , , ' Wer bist Dn? Was willst Du hier? Wohnst 'Du in diesem Haüse? Nein, 0 nein ich wohne nicht hier. Ich will auch nur die Nacht bleiben, weil ich nicht nach Hause darf. Zitte, .schicken Sie mich nicht fort.- ' Während das Kind sprach, hatteJakob sich ticzer zu ihm herabgebeügt nnd nun, quer über die Stirn laufend, einen IM rothen, schmalen Streifen gesehen. . Kordel! Kordel' Nüchnl'ann ! Du bist'S? ' Wo kommst Du her?" , ' DaZ Kind gab keine Antwort, aber eS hob den Kopf hoher) die grcnngen erweiiertcn sich und waren Pivefwand auf das Gesicht Jakob Brenners qerichtet. ' Plötzlich zog es die kleinen Hände unter der' zerrissenen ' Schürze hervor. Gleichzeitig war eö aufgespttiugezi. ; ; !.IakobZ Jakob! Du bist'Ss" Ein krampfhafteZ Schluchzen crschüttcrte den Körper des 'Kindes und eine Minute', spater' hielt' der junge' Mann eine völlig erschlaffte,' scheinbar bewußtlose kleine Gestalt in seinen Armen. Er wär von dieser Beaeanuna in einem "U , ""'!: 1 ii'V r : .. - . ' Grade ergriffen, der ihm , kaum gestattete, klar zu deuken. KordcU Nach:ann stand im engsten Zusammenhange" mit seinem Schicksale, obgleich er ihr heute erst zum , zweiten Male in seinem Leben begegnete, i. Ohne dieses Kind würde er schwerlich jemals zum Dieb geworden sein, und nicht die Schuld ans ihm lasten, die, ihn jetzt oft genug schwer bedrückte. .Aber nicht ein Gedanke daran konnte in ihm lebendig werden, ' er fühlte sich nur' wiederum von einem grenzenlosen Erbarmen erfüllt, von dem heiße
Wunsch dl'Kld',Ku, helfen, : . Abu waS konnte cr lhun? Ein Blick auk die Kleldutt. eS atmen CXt
!i , ß r flj ''!' H , w W schöpfes i sagte ihm 'uiehr alZ genüg. An der Stelle wo eS gesessen, stand ein Korb mit Streichhölzern. Unwillkürlich Mußte er an das MZxchen Andersens von dem kleinen Mädchen mit den Streichhölzern denken.' Wenn cr nicht geommuniarej, würde das fleine Mädchen .in der kalten Morgenstunde starr und " bleich dagesessen haben eine Leiche aber nicht mit einem Lächeln um den feinen Mund sondern mit jenem cntsagenden, schmerzlichen Zug, der eines TageS aus den halbwüchsigen Knaben , einen beinahe übermächtigen Eindruck ausgeübt. ' . Was sollte ec beginnen? Unwillkürlich schloß er das' Kind fester in seinen .' Arm.,' Elncn,Augenbllck dachte er daran, noch einmal die Treppe, hinanzusteigen und den Werkmeister um Rath zu fra- ' gen. Doch besann er. sich eines Besseren. Die Mutter hatte keinen überflüssigen Naum, aber' Kordel Nachmann konnte aujS Sopha gebettet .'werden, er war gern bereit,-ihr seine Schlafstelle abzu. treten. Er machte einen Versuch, um sie' aufzuheben und fortzutragen, fand die Last aber doch zu schwer, so mager das Kind auch - aussah. So mußte er abwarten, bis sie wieder zum Bewußt, sein kam. ES dauerte nicht lange. Schon 'off: nete siciihre Augen. Einen Augenblick schaute sie verwundert und fragend in dqS über sie gebeugte Gesicht, dann ver- , breitete sich ein sonniges Lächeln über ihre Züge. ' ' i Jakob! Du bist eZ wirklich?" kam es leise und zagend von ihren Lippen. Wie manches Mal habe ich an Dich ge? dacht, wie habe ich Dich gesucht in allen Straßen! Ich saß immer und dachte, Dich -unter den Vorübergehen: den eine? TageS zu sinden, und gerade heute habe ich so viel an Dich gedacht. Niemand wollte Schmefelhölzer kaufen, die Leute liefen alle vorüber, e5 war ft .kalt, und sie hatten ihre Hände in der Taschen oder int Pelz und mochten sii wohl nicht herausziehen. Ich fürchtet mich aber, nach Haufe zu gehen, ohni uch nur ein Päckchen verkauft zu Habens und da dachte ich, wenn Du kämest, würdest Du gewiß welche kaufen, wenr es auch ' keine .schwedischen sind. Nnr nun bist Du wirklich geckomnicn " Auf der Treppe hörte man einer Schritt. ' : Komm, Kordel wir sprechen draußen weiter,- sagte Jakob, df Korb mit den Schwefclhölzern aufne. nehmend. Dann gab er dem Kinde die Hand und führte eS hinaus. Du mochtest nicht nach Hause gehen?" fuhr er, draußen angelangt, fort. DaS Kind seufzte rief und schwer. Jjch darf nicht, Jakob. Auch gestern habe ich nichts verkauft, und Frau Grevl war sehr böse. Sie hat mir gedroht, mich halbtodt zu schlagen, wenn ich wie: der mit leeren Händen käme." ' : Wer ist Frau Greve? Die Frau, bei welcher ich wohnet Du hnst kee Mutter mchr? Ji habe nie eine Mutter gehabt, lautete die trostlose, Antwort. Du armcZ Ding!" kam es irnwill kürlich von Jakobs Lippeu, während Kordel schon fortfuhr: Wenn ich eine Mutter hatte, brauchie ich wohl nicht immer zu hungern und zu frieren. Sie würde mich auch nicht schlagen, wenn ich nichts verkaufen kann, obgleich ich mir sehr viel Mühe gebe. Die Leute thün immer, als ob sie mich nicht hörten eS ist auch so viel Lärm, und wenn ich laut spreche, schmerzt mein Hals:". ' - Sie schritten eine Weile schweigend des WegeS, der sunge Mann trug noch immer den Korb mit Schwefelholzcni. : i Wshitt gehend wir?" fragte Kordel endlich. Nach meiner Wohnung, zu meiner Mutter." ' r Beim Schein des SiraßcnlichtZ sah Jakob eS in den Augen des K indes aus: leuchten. Zu Deiner Mutter,"' sagte e3 einer vibrirenden Betonung. 'l Frau Hedwig Brenner war picht wcnia überrascht, ihren Sohn in Begleitung elneS ärmlich gekleideten, vcmahe zcrlumpt aussehenden Kindes zu sehen, und auch nich l gerade.erfreut. Sie war es noch viel weniger, als si? deu Nämendes 'Kindes hörte. Verknüpfte sich doch mit demselben eine der dunkelsten Erinncrunacn ;hrcs Lebens. Nlchtsdcstoweniac, konnte sie eine Regung des Mitleids vichtö unterdrücken als das blasse zitternde. - kleine Geschöpf an der Thür stehen blieb. Sie sagte ein paar gürtn) Worte. ' ' ' " '" ;- . Gieb dem Kinde etwas Warmes zu trinken, Mutter." sagte Jakob. - Die 5 Nacht mag eS auf dcmSopha liegen und morgen will ich -sehen, was sich für Kon del'ihüwläß" ' Frau Hedwig erhob nicht den geringsten Widerspruch, so wenig Freude ihr dieser Besuch auch zu machen im Stande war. - Sie hatte den Tag in unfreund: lichen , Betrachtungen ' über ihren , Söhn verbracht und mit Unruhe dem Zeitpunkt seines ' Kommens - - entgegen: gefehcn. 'denn sie fühlte ittstinktio, daf in den letzten' Tagen wieder irgend ein kAuSbruch ' inneren Kampfes sich vorbereitete., Die Begegnung :i mit dem Kinde hatte zweifellos die Gedanken von sich selbst abgelenkt, die Befürchtungen welche Frau Brenner gehegt, schwanden, indem sie Jakobs Sorge - für daS Kind beobachtete, und diese Thatsache machte sie auch dem Kinde gütiger gestimmt. " ; ! Mangel herrschte im Brenner'schen 'Hause nicht mehr, seitdem Jakob regelmäßig seinen wöchentlichen Lohn nach Hause brachte, vielmehr war der Hausstand,, wenn auch auf einer bescheidenen, doch inlmerhln gcsuuden Basis errichtet So konnte dem halbverhungerten und vor Kälte zitternden . Kinde sehr wohl eine i Erquickung gewahrt werden. Nur die zerlumpte Kleidung konnte Frau Hedwig f nicht ' verbessern, " - !. Wm .;;!" mt&? " ' f j r , rl" Doch wukztc tlC ' auch hier Rath. Mit ' trockener Wäsche konnte sie Kordel versehen, dann wickelte sie das
Kind in, wollene Tuche? und legte es aus daS Sopha, um dessen Hunger mit war? , mer Milch und Brod zu stillen. Wenige ! Augenblicke später verkündigten ruhige, regelniäßige Athemzüge, daß das Kind,,, vollständig , erschöpft, eingeschlafen war. i - Was soll nun mit dem Madche !
werden, Jakob?" fragte Frau Brenner, der t jetzt beinahe eine Beruhigung war, daß es einen Gegenstand gab, den sie mit ihrem Sohne besprechen konnte, ohne befürchten' zu müssen, einem wunden Punkt seines Gemüthes zu begcgneu." Ich weiß nicht, Mutter," entgegnete der Gefragte ungewöhnlich lebhaft. Daran.habe ich auch nicht gedacht. Es lag mir nur daran, dem Kinde für die N acht ein Unterkommen zu schassen. ES wird morgen, zur Frau zurück mugen, bei welcher eS wohnt." , DaS Kind hat keine Eltern ich weiß. eS. Die Grcve wohnte früher in meiner Nachbarschaft. Kordel Nachmann ist' ihre Pflegetöchter. ' Dann trat eine Pause ein, ' währenb welcher Mutter nnd Sohn das Kind beobachteten. ES schlief ruhig, bot aber mit dem bleichen, fchmcrzdurchwehtcn Gestchtchcn einen erbarmungswürdigen Anblick.- Kordel Nachmann war vielleicht elf ode? zwölf Jahre, aber Noth und Entbehrung hatten sie in her korpcrlichen Entwickelung gehindert. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, die darin gipfelten, ob nicht dem armen Geschöpfe zu helfen fein würde. Frau Brenner fand keinen Ausweg. Nach einigen Minuten deS Schwer gens sagte Jakob unsicher: ' - Wenn Du sie Morgen behalten könw lest, Mutter!" " Werden wir es dürfen?" . Ich möchte mitFrauGrcve sprechen.' ' Du' kannst durch eine' folche Nück. spräche dieLage des K indes nur vcrschlim? mern und' das Weib gegen dasselbe auf, bringen. Ich kenne sie. ' Du wirst sie kaum jemals in nüchternem Zustand sinden. Sie hat immer Kinder gehabt, die sie zum Betteln angehalten und gezwungen. " Ich will dennoch einmal zu iht gehen." - Wie Du meinst, Jakob. Wir könn, ten auch dem Kinde sagen, daß es zu unS kommen soll, wenn e3 Hunger hat sagte Frau Brenne? eisrig, erfreut, dc Sohn so weit von seinen eigenen düsteren Gedanken entfernt zü sinden. Jakob legte sich in dieser Nacht nicht zum Schlafen nieder, fondern fetzte sich in den alten, mit Leder bczogcnenStühl, neben dem .Sopha, um dort ein wenig zu schlummern. Müde und abgespannt, wie cr war, konnte er doch keinen Schlaf sinden. Die Gedanken jagt.' einander gleichsam. Welch ein ereigniß voller Tag! Welchen verschiedenartigsten Eindrücken war er ausgesetzt gewesen! Fast dünkte ihm AlleS ein wüsterTraum. Aber da lag die kleine Kordel, er Hort ihre Athemzüge . daS Kind : schlummerte ruhig unter seinem Schutz, durch ihn behütet. Leise glitt seine Hand über die Stirn deS Kindes; ein Lächeln umspielte seinen Mund. Er dachte noch lange an die Er lebnisse deS Tages, insbesondere an die Worte des Werkmeisters Grünwald, dj eine mächtige Wandlung in ihm geschil fen, die sein verzweifelndes Hcrz mit Muth, und Hozsnung erfüllt. Fünftes Kapitel. Als Jakob am folgenden Morgen zu: gewohnten Stunde erwachte, sah cr Kör del bereits aufrecht auf ihrem Lage, sitzen. Ein leises Noth, vielleicht ein Folge deS tiefen . und langen Schlafes vielleicht auch Fieberhitze, färbte ihn Wangen, und ihre Augen leuchteten ü einem sasi übernatürlichem Glanz. Eil süßes Lächeln umspielte ihren Mund. Oh, Jakob, wie schon habe ich ge. schlafen! . : Ja, Kordel, ja ich denke. Du wirst noch .öfter .so schlafen. ArmcS Dmg!" , ; . Nein nein, ich will fort, ich muß, Jakob. Ich werde heute mehr Glück haben, und mm ich das Doppelte heimbringe und sage, daß ich in einci Hausflur übernachtet, so wird ra Greve nicht zanken." ' In den Worten deS KindcS lag eine große Hast und Unruhe, die Nöthe wa, aus seinem Gesichtchen gewichen, und ie dem Blick, niit welchem es Jakob ans ad. prägte sich deutlich die innere Angst feineS kleinen Herzens aus. Sie machte iinc Bewegung, als ob sie sich erher.ee wolle, aber Jakob drückte sie sanft in dtt Klssen znrück.' l Kordel, Du würdest die Unwahrheit sagen" wenn Du so sprachest. War darf aber nicht lügen. Sage mir, vot Frau Greve wohnt. Im Laufe deZ Tages werde ich sie aufsuchen ich denke Du wirst nicht nöthig haben, zu ihr zurückzukehren." Mehr sagte er "nicht,' mid 'daS Kliü fand, vor einem Uebermaß von Seelig: keit.' in welche? Jakobs Worte es versetzt keine Frage Mehr. Es verließ ibn aber mit keinem Auge, folgte Zedersei ner Bewegungen, bis er um die' le. stimmte Zeit die Stube verließ, sich in die Fabrik zu begeben. Traurig nickre es den Abschledögruß, wahrend fen:: Lippen zuckten. ' 'JakobBrcnnerwarcntschlosscn,dicLehreu deSWerlmeisterS zu beherzigen. Wohl sah er die Augen seiner Kameraden, wie sonst,' hier und da mit hämischem Ausdruck auf sich gerichtet, als er die Fabrik betrat, aber er nahm keine Notiz davon,' souvern ging ruhig an seine Arbeit, 'um seine Gedanken, die mit sei nem kleinen Schützling im ' innigsten Zusammenhang standen, zu verfolgen. Kordel, daS kleine , Ding, würde wenig für ihren Lebensunterhalt gebrauchen, sie ließ sich leicht mit durchfüttern und besondereAnschaffungen,' um daSKind bei sich aufnehmen zu können, würden nicht zerade nothwcnnig fein. " ' ' Fortsetzung folgt.)
US dem Leben eweS Gelehrte.
Die Burscheuschaftlichcn Blätter' bringen eine Anzahl Erinnerungen an den verstorbenen Kirchcnhistoriler Geheimrath Hase m Jena, v?n denen die folgenden von ellgemeinem .Interesse sind: Ueber dein Done Wmzcrla, , liegl ein kleines Wäldchen, Triesnitz genannt. Dorthin - zog vor Jaliren männizlich auS Jena cm Himmelfahrtstage und lagerte sich, wenn die wenigen vorhan denen Bänke besetzt waren, auf der Erde, voller Freude an GotteS schone? vl atur. Es wa? im Jahre 1843, . erzählt Psar. rer Stnebultz, als. ich dort izolgende erlebte. Während . ein vergnügter Trubel das Wäldchen durchto st? n tonte aut einmal tut lautes, lustzgeS Hornsignal. Alles horchte auf. - i Gleich daraus Im von einer versteck. ten Stelle ein kräftiger rierstimmizcr.. wundervoller Männerchor da5, schone Lied: .Wer hat dich, du schone? Wald vernehmen. Nach dem er'en Vers all gemeines Fragen nach Dichter und Eomponisten. Eichcndorsf hat'S gedich tet, erklärten einige Kundige, aber, den Eoinvomsteu kannte Niemand. Als der letzte Vers verklungen, war allgemeine? Stura auf die Sänge?. .Und da kam's heraus. Es hatte unser alter, ehrwür. diger Professor Hase, um seinen Jenen fern eine Freude zu. machen. - daS von Mendelssohn eben erst compomrte Lied zu diesem Tae ganz schnell und heimlich drucken und einüben lassen, und - so i erklang zum ersten Mal ,m 'Deutschland' vielleicht auf dem Erdenrund zum ersten Mal das jetzt allbekannte Lied: Wer hat dich, du schöner Wald." Ein alte? He?? von den Jenenser Teutonen erzählt folgendes Stückchen: Wir paukten während meiner Studien' zeit unte? Gottes freiem Himmel, in der Nähe des Dorfes Wöllnitz., Auf den umliegenden Hügeln wurden Wachen ausgestellt, Bauernjungen aus dem Do?fe. Das wa? seh? nothwendig, denn damals lebte de? berühmte und veruch tigte Pedell Bohle, das größte Polizei' gerne leine? Zeit. Diee Wacht an der Saale wa? mit Pfeifen ausgerüstet und fü? jeden EinzelfallzWaimungSsignale de?ad?edet, z. B.: Da ein Pudel (Spitzname fü? Pedell) vie? Beine, hat,' so kündeteu vier, rasch kmtereinande? ab gegebene Wernungsvsiffe das He?an nahen, eines solchen UngethümS an. Wu?de das verhängnißvolle Signal gegeben, so ergriff , man nicht gleich die , Flucht; aui das Eommando: mVin schuldiger los!" ging ein als Botaniker ausgerüsteter Student der Gefah? ' inn thig entgegen und . gab, je nach seinem Befund, erst das ausschlaggebende Zeichen zum Bleibe ode? zu? Flucht. So stand ich einst, es ist leide? schon .sehr lange he?, mit einem Pflanzenmesier und de? Botanisirbüchse angethan, be reit, jeden Augenblick meines Amtes atS Unschuldiger zu walten. Da tönte die Warnungspfeife: Pip, pip, Pip, pip, pip, pip. sechs Pfiffe, das ist ja gegen jede Naturgezchchte; mit diesen Worten eilte ich den Berg hinab. Da begegnete mi? Se. Magniizenz. de? damals regierende Prorektor, Professor der Kirchengeschichte, Dr. theol. Narl Hase, mit zwei jungen Damen. Die Zahl der Beine stimmte; die Pudel haben ja allerdings nur Pfoten. Al5 ich ehrfurchtsvoll grüßend vorübergehen wollte, redete mich Hase mit den Worten, an: Mem Lieber, es wird wohl gepaukt Magnisizenz, ich botanisire,mit diesen Worten öffnete ich meine Botanisirbüchse und zeigte ihm Cicho-. ria inrjbas und Daucus cajota, die ich kurz vorher zu diesem Zwecke ausge graben hatte. Hase blieb stehen, griff in seine linke Rocktasche, zog einen Bogen Papier heraus und fuhr fort: Ich bin augenblicklich nicht mehr regierender Prorektor, ich habe meinen Urlaub in der Tasche,, den ich Ihnen hier zeige; ich bin nur noch Karl Hase und mochte mit diesen Damen der Paukerei zusehen, ich weiß das könnnr Sie vermitteln." .Ja, das kann ich, bitte, - kommen Sie mit." Als wir uns . dem Paukplatze näherten, tvurde die . gerade im Gang .desindliche Mensur unter brechen, durch Handbewegungen tourde ich gesragt: Sollen wi? aus?eißen. ode? bleiben? Wie segnend senkte ich wiederholt meine Hände und gab , so da S Zeichen zum Bleiben. , . " :i; Die Paukanten, den Schläger in der Hand, die Sekundanten, der Unparteiische nevst allen Zuschauern traten an mich heran, um meine Erklärung entgegenzunehmen. Ich wiederholte ihnen,was mir Hase eben mitgetheilt batte. Meine vorläufige Versicherung, daß seinem Wunsche nichts entgegenstehe, wurde durch den einstimmigen Ruf : 'Nicht das Geringste 1 bestätigt. . . Einige Füchse zogen die Necke aus und breite ten sie auf einer kleinen Erhöhung über dem PaukplJhe aus. Auf diesen ' ließ sich Hase mit seinen Damen nieder, da saß er, der regierende Prorektor, von Jena, und sah vier W fünf Ä!cnsurfn zu. k ','7'.!? "" Bei aller altburschenschaftlicher ' Betzeisterungssähitzknt und Frelhcüieb war der berühmte Kirchenhistsriker in Jena doch stets der maßvolle und beson? neue V!ann, der in dem Atollen Jahres , ,1- '- : t . .. . r j1:1' tr :!: i j43 manazcm ocrjUZknonen freute köpfe nicht weit genug ging. So Dur4 ri, ihi tttf iw ns !so-.tinitsiA WH 4;4 ttt(t, vw isr. 'wfvvniij.;, -. crj. . .i.n.-i.rj-- vrn . j. i.t .ii anqcina-ijiüicuauniüjc üigciiuicii ,f erzahlt, rcn ocmotratijlyen luoenten die Fenster kingcwzrfcm l ' Auch -theslo aiscke waren darunter und der Name oes Bruius maro ;izm reiannr. ..j'.i. -,r?jcn n. czi .Jta .-'.i ! iUUja f l jiu; r ' tkyitutvtu yv er eine GeseMckaft. bei welcber sür iede 1 ' ' . ..,' ." . . Vtlr Uttvawuu vitiu v ' nnvi i : icv umu $. itt'iiTs?tir 1 ttti, t iinii iiTTfr - - - . MM MMMM, 1KM A W h k MW. : m B W M MM j. !' i inriii hü niL'i 1 111 lLucii ici : um. Ehriztoaum hing. AuV.oerTWctety ter war aoladk':! und rrbielt seine Be.eeri:n . ntx .i..-. .m cstein itaa lich, Mit folgesMMz ' ifi"j! -"le"!C,."lf ' rrs:- v.. .f v. :rrM. .k j y ."... I,,V1 " .. :j''i . ,11";,. 3. r " ., ... .,, j 1 1 r 1. iii i . . a i m MM ai 1 1 j 1 r 1 r iO 1 e kleine wart it unat mmtnmsmi i Ilr.'v-'i ,ljM ''.SÜL flCV i'V Wft1'' V 4f nf f ft f tun 9? ffi a i mt: was er tfvwt rr , .V s f V m- MM. ' .HV, .;!) WU? 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