Indiana Tribüne, Volume 14, Number 92, Indianapolis, Marion County, 21 December 1890 — Page 2
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Aus dem LebttHeims.
He:?n hatt: abgesehen von den: Reichthum deS Wissens, der Ersahrun und vraZtischen Tüchtigkeit scne rauht :?rfrY? $ftvmfA vtHiAtf k flJti ki
edelste Gemüth barg. Niemand aber ließ sich dadurch beirren, denn Jede, kann! den edlen, milden Menschen, bei nur aus Gewohnheit kurz ,, angcbnuder was ikJ o oje vrummie Eines Abends kam Heim von sein Praxis Zpät nach HauZU Es war in November; , Schnee und Regen ver -mischt, wurden von einem eisigkaktee -und scharf schneidenden Nordwest gepeitscht. Heim hatte, obwohl im Wa 'gen. dennoch viel von dieser Witterung 'gelitten.' Er kleidete sich um, warf siq in die Sophaecke zunächst dem Ofen nahm nur wenig Speise zu sich und sagt ,7,, lalm iZt.i Cf tlff .Ijt, . flii js.iutv vyu.uu; f,S-'j luiu uuu, Veite legen, sorge," daß mich Niemant fnL...m. Ar I . f i .isori. er es au 2) jein möge, oer rnta; !haben will, weise ihn ab. ' Ich bin ein Mensch und bedarf der Ruhe, wie ekei Ändere, und um so mehr, als ich mehz Kräfte ausbreten und verbrauchen muf ctls die Andern alle zusammen! Gutt Nacht!" Wenige Minuten später waren schon die Töne des lauten Schnarchend iSt weise, wie tief der gesunde Schlas de? Mannes sei, der unermüdet in dem Be? 'rufe war, der leidenden Menschheit M l. . ' pul 4 t- '"is - i- l ' " :y dienen. ? : Die Geheimräthm fühlte 'nicht das Bedürfniß des Schlafes in dem Maße, 'wie der Gatte. Sie saß noch lange bei der hellleuchtenden Kerze. Ungefähr, . eine halbe Stunde, vor Mitternacht pochte es heftig an die Thu, des HauseZ. Der Bediente öffnete, sir hatte Befehl, Jeden abzuweisen. .Es währte lange, bis die horchende 'heimrälhmlden Schluß der Thüre w!eZ let vernahm. Eine ünerklätticheUn rzche befiel sie und drängte, den Bedienten zu fragen, wer dagewesen. Er erzählte, e$ ei ein armer Hand werker geZvezen. ttn Frau den Herrn Geheimrath verlangt habe; er habe ihn Zum Toctor gesender, der ja auch ein geschickter Aceoucheur sei. Die Erzählung, namentlich der Um stand, daß der arme Mann heftig ge.weint habe, erschütterte hie Seele der Geheimräthin und flößte ihr eine Unruhe ein, die sie nicht beschwichtigen konnte. VielleichtMweöen zwei Mcn Mm ln Gefahr,, dachte sie, und schlich sich in daS Kabinet, wo der Gatte des wohlverdienten Schlases genoß; als , sie ihn aber so ruhig und t;ef schlafen sah, kehrte sie in das Gemach zurück; sie , konnte es nicht über sich gewinnen, ihn , zu wecken. Vielleicht hilft ja auch der Andere, mochte sie denken, aber schlafen ' konnte sie trotzdem nicht. Eine Viertelstunde verstrich ohne Störung. Da vochte es wieder und heftiger als zuvor. Dieses Mal ging die Geheimrathin, . ahnend, es sei der unglückliche Gatte pieder, selber hinab. Er war eS wirk' lich. .Ach,- rief er, d Doktor will nicht komnen und meine arme Frau stirbt. Erbarmen Sie sich, gnädige Frau. flehte er, .ich bin Vater von neun Kindern. Erbarmen Sie sich! Hier nur findet die Armuth Zuflucht!" ' Diese Worte drangen wie ein glühender Pfeil in ihre Seele. Sie ging hinaus , Und trat in das Schlafgemach. .Heim," ' sagte sie und legte die Hand auf den Arm des Schlafenden. Er fuhr aus und rief: WaskgibtMlzDie Gattin jerzählte, was sich zugetragen. Das , wird wieder eineX Ammendummheit sein," brummte Heim; er soll zu .einem Andern gehen. Ich wlll nun i'xtxtl" - t .;;J,A:;fr? Er . legte sich hemm und kümmerte , sich um nichts Wetter. Die Geheim, räthin beschled mit Kummer den armen , Mann, der trostlos hinwegeilte. Das tief empfindende Herz des Weides w.rd mehr erregt vom Weh eines i verwandten Geschöpfes, als das des rauhen Mannes. Die Geheimrathin laß aus dem Sopha und Thränen ran yitn über die Wangen. "Plötzlich ver nimmt sie im Schlafzimmer des Gatten in Geräusch. Sie trat schnell ein und erblickte mit freudigem Staunen, wie !Heim sich rasch ankleidete. Willst Tu doch hingehen, fragte sit i freudig. Freilich", sagte er brum ,mend. .Tas Gewissen, der fatale Quäl'eist, länt mir kein: Ruhe. Ich wollte nieder schlafen, aber da rief'S immer: Heim, geh'! Vielleicht ist Roth da! Was ysill ich denn da machen?" Das An. ziehen ging rasch. Er nahm brummend Hut und Stock. Der Bediente trug die ' nöthigen Instrumente und da dieser des .Mannes Wohnung wußte, entfernten sie sich schnell. ' ' Es läßt sich denken, daß die edleFvau, deren Gefühl so mächtig ergriffen war. nicht schlafen mochte. Nur eine Stunde .hatte sie zu warten, da kam Heim wie. oer. Er triefte von Nässe, aber so hei ler hatte ihn die Gattin lange nicht ge sehen. Er kleidete sich um, bestellte Thee und sagte, als dieser duftend dampfte: Es war doch gut. daß Du raich wecktest. Die Aran wäre, gestorben. Je't ist Alles gut und der Segen der, armen, aber guten Menschen tlmt mir wohl. Ich denke, der Quälgeist, das Gewiffen. wird mir nun auch Ruhe lassen !" Nie schlief Heim, wie selbst enählte, beier als tn dieser Nacht' und nie stand er heiterer und zufriede, :?s;evk Großmüthig. Zur Zeit der französischen Revolution verlangten die Maclitwber von Jedem den vierten Theil seines Vermögens als eine patri-. otische B.'iftener. Diese Auflage wurde von den Säumigen executorisch ringetrieben. Zu einem Pariser Bürger kam deshalb eine Execution und mahnte -ihn an die Bezahlung. .Meine Heren", sge derselbe, indem er auf seine fixau zeigte, ich will ein Uebriges thun, ich gkb' Ihnen die Hälfte". Unser Schicksal hangt -manchmal an einem Faden einer -Unterhaltung. ! ', ',
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Die Nähteri:,
(sin WetbschMrl. Durch die belebten Stranen der Vor slüdt S. ging eiligen Schrittes ein tAngcs Mädchen in tiefer Trauer kleidung. Es war schon um die Nach Mittagsstunde des Weihnachtsabends, und eben erst hatte sie die mühcyoll: SlrbeZt vollendet,- die heute noch als Geschenk irgend einen Weihnachtstisch zieren sollte. In die Thür eines bellerleuch teten Jndustriegeschästes tretend, wurde sie von der GeschäftImhabenn mit dem freudigen lusrüfe der Erleichterung: Endlich Fräulein Margot!" begrüßt und für die schöne Attsfuhrnng der ölrbeit in anerkennender Weise belobt. Durch ihr bescheidenes freundliches Spesen hatte sie das Herz der Geschäfts Vorsteherin gewonnen, und als diese beute bu blasse traurige Gesicht des lungen Mädchens sah, sagte sie, von Mitgefühl bewegt, ihrdie'Haud xei hend: .Möchte auch Ihnen die Weihnacht noch ein wenig Freude, schenken, liebes 'Fräulein Margot das wünsche ch von Herzen." Ein wehmüthiges Lächeln belebte fluchtig die feinen ernsten Züge, und freundlich dankend verließ sie nach einem kurzen Gruße wieder den Laden, mit beklügelten Schritten die Straße hinun tereilend. ' hatte sie bald , das bewegte Treiben der Stadt hinter sich und nach kurzer Zeit das Ziel ihrer Wanderung, den Friedhof erreicht. Ein schmuckloses einfaches Kreuz bezeichnete die Stätte, wo die ruhten, welche ihr auf Erden das Theuerste gewesen. Margot Feldmann war die Tochter eines Arztes, dessen menschenfreundliches thelluehmendes Herz nur immer dachte den, Mitmenschen zu helfen, ohne auf den eigenen Vortheil zn sehen. So hatte er zwar eine ausgedehnte Praxis gehabt, iber bei seinem Tode seiner Frau und seinen Heiden Kindern nur ein geringes Kapital hinterlassene von dessen Zinsen dieze ein sehr einfaches Leben führen nßten. .,, Margot war damals kaum sechs Jahre ült. ihr Bruder Ednard zehn Jahre älter; dieser, eine schwärmerisa) poetisch Angelegte Natur, begabt mit ?ine:n Sinn für alles Schöne und Hohe, mußte dem Studium zu seinem tiefen Schmerz entsagen und eine Stellung an einem Kontor annehmen. Vor einigen Fahren war der Bruder ein Opfer des Typhus geworden nd Margot mit ihrer Mutter allein übrig geblieben. Still und zurückgezogen lebten die Beiden, wetteifernd,' sich durch gegenseitige Liebe das einsame Leben zu verschönern. Zu den wenigen Freunden, mit denen sie verkehrten, zählte die Familie deS Kaufmanns Nomberg, dessen Sohn Arthur, mit Margot's Bruder aufgewacht fen auch die treue Freundschaft verband, bis das Leben und der erwählte Beruf sie trennte. Arthur hatte sich dem Ma fchinenbau gewidmet und war seit mehrcren Jahren auf Reisen, um seine Kenntnisse dnrch praktische Ausübung in größeren Werkstätten zu bereichern. Seit des Sohnes Tode war Margot der Mütter einzigstes Glück, wie auch der pergotterte Liebling Rombcrgs, die den abwesenden Sohn schmerzlich vermißten und durch das liebliche kindliche Wesen des jungen Mädchens ganz ver zaßen, daß .der Himmel ihnen den Wunsch, eine eigene Tochter zu besitzen, versagt hatte. . . In diesen schönen Herzensverkehr hatte der Tod mit rauher Hand eingegriffen und Margot die geliebte Mütter genommen vor kaum einem halben Iah re. Der Schmerz des jungen Mädchens war ein so grenzenloser, daß die alten treuen Freunde fürchteten, auch sie toiv de demselben erliegen; , aber die Jugmd machte ihr Recht geltend und stille tiefe Wehmuth-war an , Stelle der. Heftigkeit' des ersten Schmerzes getreten. ' Nur heute, am Weihnachtsabend, am Grabe der Geliebten, kehrte die Größe ves Verlustes mit ganzer Gewalt zurück. , O. Mutter. Mutter, warum bast Du mich nicht mit 'Dir genommen?" kam' es leise über die bebenden Lippen.' während ein konvulsivisches Weinen den Körper des Mädchens erschütterte. Lange, lange währte es. bis die er regte Seele Ruhe fand; Dämmerung brach herem. und durch dunstige, graue Nebelschleier brach röthlich gelber Lichtschein. Wie aus weiter Ferne tönten Klänge von Choräl:n und , Glockengeläute an ihr Ohr, ihr war es, als' würde, sie der Erde entrückt und weit, weit hinweggetragen an einen Ort voll seligen Friedens und Glückes; ein Bild voll wunderbaren LichteS und Glanzes zeigte sich ihrem Auge, und in diesem Bilde sah sie sich selbst und das liebe Antlitz der Mutter voll glücklichen , Lächelns, sie anschauend. . ' Ein Schluchzen in nächster Nähe schreckte Margot auf zerronnen war das wunderschöne Traumbild," und die traurige Wirklichkeit kehrte zurück; aber der Eindruck blieb in ihrer Seele, und um Vieles gefaßter trat sie den Heini liio , Naum hatte Margot ihr stilles Stübcheu betreten, als eine Bot.chaft de? alten Rombergs zu ihr kam, sie warteten mit' dem Anzünden des Tannenbaumö auf ihr Töchterchen. Wohl hatte Margot beabsichtigt, heute mit ihrem Schmerze allein zu bleiben., sie wollte ihren lieben alten Freunden nicht durch ihren Kumnier den Abend verderben; kber die freundlich dringende Einladung konnte sie nicht abschlagen, und so machte sie sich denn auf den kurzen Weg, der ihre Wohnung trennte. Als sie in das behaglich: WohnziM' mer Nombergs trat und ihr erster Blick aus ein von dunkelm Vollbart umrabmtes. männlich schönes Gesicht fiel, das ihr erwartungsvoll entgegensah, da särbte tiefe Purpurgluth das eben noch so blasse, liebliche Antlitz, und das Klopfen des Herzens ließ sie kaum ver stündlich dcu Guten Abend-Gruß" stammeln. .Richt wahr, Kindchen, das ist eine
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Nebcrraschun." rief freudig Papa Rom berg. Faß der Artlmr gerade heute zurückkam? Die schönste Welhnachtöfreude für uns Alle 's - j; - '-A I Arthur trat Margot entgegen, und ihr herzlich ein paar Willkommensworte sagend, ließ.e? sie sich von ihrer Ueberraschung erholen. Während niin,die,.,?llten.,d verließen,' um im Äebenztmmer"' die' Weihuachtsbescheerung herzurichten, erzählte er., ihr von seinen Reisen sel nm vielen Erlebnissen. nunmehr ganz in der Jähe eine sehr, schöne Stelluntz als Ingenieur in einer großen, Maschlnenfabrikl gesunden habe und hoffe, seine Eltern würden ihm dorthin folgen. Fest ruhten seinNÄttrV t .ti!1' 5 yr i SLI" C: ' t "' gen au? ihren belebten Zügen und als bei diesen Worten ein jähes Erschrecken über ' dieselben suhr, däk Ikarnj ihm mit raschem Entschlüsse der Muth, der schon vor Mer Abreise vorMahren heimlich Geliebten Herz und Hand anzubieteiz. Sich zn Margot hinüberbeugcnd und ihr ' tief i in die schimmernden, blauen Sterne blickend, fprac!);:eir' leise.;;1'- 'äl!:!!;!!!!;;;;!!!!:!!;; Und Tu, Margot. die Du schon als liebliches, kleines Mädchen den wilden, ja wilden Burschen durch ein Schmeichelwort bezwungen, willst auch Du mit Utts p hen? , Willst Du mein werden M' m Heim mir verschönern, mir das Leben versüßen dnrch Deine Liebe?Da trat I flüchtig . das ' wundervolle Traumbild auf dem Friedhof vor Margots Seele, und ihr war.es, als sähe sie das glücklich lächelnde, liebliche Mutterantlitz. Den Blick des Geliebten innig erwidernd, sprach sie einsach: '. .Ich hab' Dich von Herzen lieb, Arthur!" , Arthur zog Margot ans Fenster und gen Himmel zeigend sprach er bewegt: .Was Du verloren, ! will ich Dir durch treue Liebe zn ersetzen suchen;' möge der Segen der theueren Geschiede nen uns begleiten über unserem ErdenPfade." Als spat am Abend Margot in ihrem Zimmer das . thränenumflorte , Auge zum gestirnte', Nachthimmel mjsorhob, da kam es ' dankend -übeö' ihre Lippen:' ,: ,., ,r .Das hast Du, geliebte Mutter, da oben für mich erfleht der Weihnachtsträum ist die schönste Wirklichkeit ne worden." : 1 f De? falsche t)tmann Unter den großen Processen des Mi , lelalters gibt es einen, der durch sein Eigenart eine ganze Anzahl Geschichte schreibe? veranlaßt hat, ihn in ihre Werken zu erwähnen und die Geschichk von dem falschen Martin Guerre" ist ln der That so interessant, daß wir in Kürze die Thatsachen dieses seltsamen. Processes wiedergeben wollen. - Im Jahre 1510 wohnte in Artiaat. einem Dorfe in Languedoc in Franks reich, ein schönes Mädchen, Bertrand RolS, einer wohlbeguterten Bauern familie entstammend. Ein, Jünglinj aus Andays ' im Baskenlande, der sie einst erblickte, verliebte sich in sie, hielt um ihre Hgnd an und verheirath.'te sich mit ihr. Fünf Jahre lang lebten sie glücklich zusammen, vis emes Tages Martin Guerre in Folge eines Streites mit seinem Schwiegervater das Dorf veruen, ohne von seiner Frau Abschied zu nehmen oder ihr zu sagen, wohin er sichdegebenDolle.HHßzeA MZ Spater erfuhr man, daß er zuerst nach Spanien gegangen war und dann nach den Niederlanden, wo er im Heere Karls V. Dienste nahm. Acht Jahre hindurch borte Bertrande nichts von ihrem Manne und man nahm allgemein an, daß er im Kriege gefal len ja Eines Abends, als Bertrande zu Haufe, war und zufallig Besuch hatte von dem Onkcl und einer Schwester ihres Mannes,, hörten sie draußen vor dem Hause mit , einmal ,; einen großen Lärm uud die Rufe: .Er , ist da! ., Er ist da!" .Das ' halbe Dorf umringte einen Mann, den Bertrande sofort als den ihren wiedererkannte. Sie warf sich in lerne Ärme und auch die Schwester und der Oheim umarmten den Heimge kehrten, indem sie ausriefen: Das ist Martin! Himmel," wie ist daZ mögli&i"SS M,lik Vh Htzs' - if.,li!! ' iir'Wf1!' SiiiiiiMi:,:!-!t'fj!i'f!' Und der Neuangekommene sagte: Ja, ich bin Marti und bitteEuch um Verzeihung, daß ich Euch verlassen habe; nun will ich immer hier bleiben." , Pflicht nur die Dorfbewohner hatten ihn erkannt, ' auch seine Frau und seine Verwandten hatten keinen Augenblick gezögert, ihn an ihr Herz zu drücken und doch war dieser Mann keineswegs Martin Guerre. Es war ein gewisser Armand du Tilh, ebenfalls "im Vaskenlande .geboren. Gleich Martin Guerre hatte er bei dem spanischen Heere in den Niederlanden Dienste genommen und war in Antwerpeu mit diesem bekannt geworden. !; AlS Lands leute hatten sie schnell freundschaft mit einander geschlossen und Martin, der ihm seine Lebensschicksale erzählte, hatte ihn dabei auch mit den intimsten Einzelheiten seines Lebens bekannt gcukacht. , ' ' j Zwischen Beiden bestand eine erstaunliche Aehnlichkeit und diese war es, die Armand auf den Gedanken brachte, aus dem Nutzen zn ziehen, was ihm sein Waffenbruder anvertraut hatte. Er faßte , den Entschluß, nach Actigat zu aehen und sich für Martin auszugeben, was er mit um so größerer Sicherheit ausführen konnte, als ihm sein Gefährte aesaat hatte, daß er nie mehr nach )ti neni Heimathsdorfe und zu seiner Frau Zurückkehren werde.' Auf dieie Weise wurde denn der falsche Martin Guerre Herr im Hause femes ehemaligen Kameraden und levl Mit dezen Frau jahrelang ungestört zu sammen. Im Laufe der Zeit wurde aber d Oheim des Abwesenden durch verschie dene EmentyumttMeuen sem.s ver meintlichen V!essen stuyig gemacht, er sä i 1 . - ! i ....... t r. . . veovacyrcrc iyn gangere r argwoyni
und kam auch bald zn der Ueberzeugung, haß sie alle von einem gewöhnlichen Betrüger hinters Lrcht geführt seien. Die Hintergangene Gattin machte der Justiz selber Anzeige von dem Betrüge. Eine strenge Nntersnchung wurde angestellt. Der falsche Gatte vertheidigte sich sehr schlau und jammerte vor den Richtern,, daß er eine so lieblose Iran und böswillige Verwandte hätte. JnZ besondere suchte, er den Oheim von Wartin Guerre, anzuschwärzen, sagte aus, daß es dieser persönlich auf ihn abgesehen habe und nur Rache an ihm nehmen wolle. "'Er erzählte 'seine Lebens-' geschichte, die Ursache seiner langfähri gen Abwesenheit und legte Rechenschaft ab von dem Leben, das er in der Fremde
geführt hätte. Er stellte den Antrag, Vertrande in einem Hause, abzusondern, wo siel von den böswilligen Berlaumdüngen ihrer Verwandten befreit wäre. und wo sie sich von der Wahrheit seiner Auslagen überzeugen könne. WMß Es .wurden Nachforschungen enge stellt in den Orten, wo Martin Guerre sich früher aufgehalten halte und alle die Aussagen, die von den Zeugen ge macht würden, stellten sich günstig für den Angeklagten. Vonden 150 Zeugeu, die vernommen wurden, erklärte ettva der dritte Theil, daß der Angeklagte Martin Guerre sei, sie erklärten dies mit um so arönerer Bestimmtheit, als sie ihit meistens schon von ' seinen Kinderjahren her kannten. Andere wieder erklärten, daß er Ar mand du Tilh fei, der ihnen ebenfalls von Jugend auf sehr gut bekannt sei. Die meisten aher sagten aus, daß die '!" ?'(:; ffmr S i V"'fl:,! J'fcJ'i'L öv .'. ... grozze neyniianel! zwlm)en oen Vnoeir eS unmöglich mache, ein sicheres Gutachten abzugeben. , Inzwischen erklärte der erste Richter den Angeklagten sür schuldig und verurtheilte ihn , zum Galgen. Der Verurtheilte legte aber Berufung bei dem Gerichtshofe zu Toulouse, welcher anordnete daß er Bertrandeund , dem Oheim Pierre Guerre gegenübergestellt werden sollte. , ' ' Dies! geschah, aber der Gcnchtshok war, nicht im Stande,' eine Entscheidung zu treff en. - ' Eme neue ttnterlucynng folgte. Von den dreißig vernommenen erklärten zehn, daß er Martin Zeugen Guerre! sei, ebenso viel behanpietenLin ihm Armand du Tilh wiederzuerkennen, die Uebrigen ließen ihre Aussagen un gewiß. . . , , :' . In diesem Dllemma war der Gerichtshof schon tvillens, sich zn Gunsten des Angeklagten auszusprechen, als man vernahm, daß in Artigat wieder ein Fremder angekommen sei, der sich gleichfalls sür Martin Guerre ausgebe. Man nahm nun diesen ln's Verhörs fragte ihn nach allen möglichen Einzel heilen und mußte zu der Ueberzeugung kommen, daß seine Antworten nicht bei weitem so überzeugend klangen, wie die des Zuerst Vernommenen. Schließlich wurden die Beiden einander gegenübergestellt. Der Erste nennt den Andern einen Schurken, der durch Pierre Guerre Z gekauft sei, unl gegen ihn auszusagen. Die Fragen der Richter, die sich hauptsächlich auf besondere intime Einzelheiten erstrecken, werden von Beiden korrekt beantwortet. Der Gerichtshof war ganz und gar unschlüssig, nach welcher Seite hin er seinen Spruch fällen sollte, als einer der Rich' ter den Vorschlag machte, die Angehörigen und die Zeugen mit den Beiden ZU' sammen zu bringen. ' ' ' Die älteste Schwester, die zuerst gerufen wird, eilt weinend auf Martin Guerre zu und der ZürÜckaekehrke we mit ihr. 'Dieselbe Scene wiederholt sich be: den andern Schwestern. Was die Zeugen anlangt, so erkennen sie fast Alle Martin Guerre. , . . Endlich wird Bertrande de Rolfs geft rufen. Sie geht geraden Wegs auf Martin Guerre u und schließt DnAn die Anne, y ' , ., , . Armand dn Tilh stand ! verlegen daneben, ihm ward klä daß seine Sache h.sn.ii tmt ' t ' '!;.. yt'äish 1 ii": 4.Si nun viiiuitu Durch Urtheil vom 72, September 1560 entschied der Gerichtshof von Tonlonse. daß Armand du Tilh seine 's- ifc. n'f. ist r . f -er .... vscrniio vsseniim) veiennen wue vor oe? 5tirche von Arkigae, daß er dann nur mit ' einem Hemde bekleidet durch (den ganzen Ort geführt werden solle, um dann vor den! Hause Martin Guerres aufgeknüpft zu werden, worauf- sein Leichnam) auf einer Brandstätte ' in Rauch und Asche zergehen solle. . So endete dieser eigenartige Proceß, der in seinen Einzelheiten so merkwürdig ist, daß man fast an der Wahr heit derselben ' zweifeln möchte, wenn nicht Alles als historisch richtig erwiesen worden wäre. Mi:,; .1, Eine Familien-Reliqnie. Der berühmte englische Staatsmann Fox war , als junger Mann genöthigt, um einen Sitz im . Unterhause zu erlangen, sich persönlich bei allen Wählern des Ortes, den er vertreten wollte, vorzustellen und sich die Stimmen derselben zu erbitten. So kam er anch zn eineui als sehr grob und übellaunig verschrieenen Pächter, der ihm statt aller Antwort auf sein Gesuch einen Strick reichte, mit den höflichen Worten : .Diese? Strick hat eine gute Anzahl Schufte aus denk Leben befördert, hängen Sie sich nun auch damit!- . .O. behalten Sie ihn nur, lieber Freund," entgegnete Fox, .ich möchte Sie um keinen Preis der Welt einer so theuren FamilienReliquie berauben!" , , Seltsame Abweisung. Bettler: Ach bitte, lieber Herr, kosen Se mer was zu essen, ick habe feit intern nischt jeuossen! Herr: I wat, wenn. lck Ihnen och jetzt wat zn essen kofe, morgen haben Se doch wieder nischt. Sein Grund. Frau: Aber lieber Mann, Du wirst doch den alten Rock nicht mehr anziehen, der sieht doch zu toll aus ? Laß mich nur, liebes Frauchen, ich hänge einmal am alten, deshalb hänge ich ja auch so an Dir! Weltweisheit. Heimlich klug ist besser, als unheimlich dumm.
Msiür dle,MnaMsmahlzMS ;'S VrSpper. ;i ' ;fewtiEifft nfu ip pc. , Diese vortreffliche Suppe wird, wenn man nicht gerade Lordmayor von London ist, meistens aus in Büchsen, einmarinirtem Schildkrötenfleifch bereitet. Man nehme also eine Büchse marinirtes Schild krötenfleifch)' ein K Eßlöffel Mehl in 125 Gr. Butter braun, rühre es mit Bouillon an und koche, es mit ' einer halben, Flasche Madeira und einer Messerspitze Eayenne Pfeffer unter flcißigenl Abschäumen und' Abfetten zu einer klaren, gebundenen Suppe, wozu man etwa eine Stunde ger. jl ij v ' 't w i brauchen wird und m der man das zu Stückchen geschnittene Schildkrötenfleifch einmal , auskochen, läßt und mit den Schildkröteneiern .nachgeahmten Eierkloßchen . anrichtet. Zu dieser treibt man fünf hartgekochte 5 Eidotter durch ein Haarsieb, rührt sie mit drei rohen Eidotterii. l Salz ' und Mus katnun ab. formt l mit der t Hand, die man ö fterS mit Mehl bestäubt, hasi'.lnußartige Eierchen und kocht sie einige Minute in ge salzenem,Massey.zM g A u st e r n p a st e t ch en. Man thue die Austern, nachdem die Bärte entfernt worden, nebst ihrem Wasser in kochend heißen weißen Wein, bis sie steif,sind, lasseaber ja nicht 'köcheun? emeOe mit dem Schaumlöffel heraus, gebe . "I .jy. S'!f'!,,i.,',iliiill!i"t -r ,:,: , i l!'f! dann zu dem , Wem etwas kraftige Bouillon, Eitronensaft und Salz, bringe es zilm Kochen und legiere es mit einigen, mit etwas Mehl verquirlten Eidotteru, so i daß es eine recht seimige
.Sauce gibt,' welche man nun vom Feuer schiebt, die Austern und Kapern darunter mischt und kurz vor dem Anrichten in kleine Blätterteig vasteichen füllt. Eine große oder zwei kleine Austern genügen für ein Pastetchen. nu Rindsfilet auf englische Art. AU brate ein schön gespicktes Rindssilet in Butter und, gieße, wenn es Farbe genommen hat, nach , und nach etwas kochendes Wasser daran ; mache dann etwas braune Einbrenne s Mehlschwitze), rühre sie mit dem vorher abgefctteten Bratensaste des Filets . an, gebe : es durch ein Sieb und koche es etwas dicklich ein; sette nochmals ab ' und . vermische die Sauce mit der doppelten Menge Johannisbcergelee f lasse damit einigemal aufkochen, füge ein Stück sehr frischer Butter hinzu, wonach sie nicht mehr kochen darf, und, gieße sie in eine Sauriere. Den Braten umlege man mit geschabtem Ingwer und serviere sehr heitz. s , B lü menk oh l m l t Wien e 'S chni tze l n. Man nehme recht schöne, feste, weiße Blnmenkoblrosen, lasse sie 'ganz uud koche sie in gesalzenem, kochen chendem Wasser ab. thue sie in einen Selber und stelle diesen über heißes Wasser, i damit der Blumenkohl warm bleibe. ;- Dann rühre man einen halben Eßlöffel Mehl mit kaltem W-isser sein ab und füge 60 GrI recht frische, in Stückchen zerbröckelte Butter Und drei Eidotter hinzu." gieße von dem Blumenkohlwasser daran und rühre es auf gelindem Feuer zu einer cremeartigen Sauce, richte nun die Blumenkoblrosen dicht aneinander liegend an, daß sie nur eine einzige Rose bilden, gebe die Sauce darüber und serviere die Schnitzel dazu. WienerSchnitzel. Man schneide aus der Kalbsnunha7tdgroße und bald-, singerdtcke Scheiben, lege sie auf ein Brett und schlage , sie mit einem Hölzer nen Fleischhammer -sv, stark, daß die Scheibe durchsichtig dünn wird, wobei man den ' Hammer - immer mit etwas Wasser benetzen muß. welches man sich in' einem flachen Teller zur Seite stellt. Hierauf bestreue man die Scheiben mit ein wenig seinem Salz und brate sie in steigender Butter in höchstens ztoei Mlnuten auf beiden Seiten. , Beim Zer schneiden muß der Saft hcrauslaufen imd sie inüssen ganz zart sein. , ' 1 S ch n c e p n n f ch. Man koche I K Zucker mit 1 1 Wasser zum kurzen Faden (kleine Perle), gieße , es über die aufs feinste abgeschälte Schale und den Saft von drei Orangen m lasse es, fest, zugedeckt eine Stunde , stehen; gebe es dann, mit dem Saft von vier Citronen, durch ein Sieb in die Gesrierbüchfe und stelle es auf,,Eis, , füge kurz vor dem Servieren noch daS Weiße von sechs sehr frischen Eiern hinzn, und schlage nun das ,, Ganze mit einer SÄneeruthe recht kräftig, bis es durchweg tschaumig ist., thue zuletzt unter fortwährendem Schlag eil sechs LiqueurgläSchen feinsten Rum hinein und , serviere sofort in gehäuft angefüllten Ehampag-nergiäserii-5 Farci er ter Trnthahn Man backe k zartes Schweinefleisch mit k Speck sehr fein, füge die gehackte uud diirch ein 1 Sieb getriebene Lebe?, des Trnthahns, sechs gehackte Sardellen, ein en Eßlöffel Kapern, zwei verklapste Eier, vier Eßlöffel sauren Rahm, den Saft eine? Citrone und j. bis k in Fleischbrühe gedämpft; Trüffeln hinzu, verrühre es gut mit deni Trüffesnde und fülle diese Farce in den Truthahn,. brate ihn mit Butter unter , fleißigem Begicßen zwei bis drei Stunden lay .snm und ferri.'re die abgcfettete und durch ein Sieb gegebene Sauce in eine? Sanciue dazu. t ' A e p fe l s cb a r l o t t e. Man schäle ein paar Dutzend kleine Aepfel, schneide sie in vier Theile und nachdem das Kernhans cntftrnt worden, jeden Theil der Quere nach ,in sechs Theile und dämpfe ske nnt l 5 Gr. seh? frischer Butter. 180 Gr. Zucker nnd ISO Gr. Avriloscnmarmelade, bis sie von der Hitze ganz durchdrungen sind, nnd stelle sie dann kalt. Bestreichc nun eine etwa handhohe, riinde, alatte Forn: stark mit Butter und lege sie mit dünnen, langviereckigen Wcißbrotschnitten ohne Kruste und in zerlassene Butter getaucht, sorg fUtig ans, fülle sie mit den Aepfeln und belege sie oben auch mit Weivbrotfchnitten, bespritze mit zerlassener Butter und lasse bei guter Hitze im Backofen (Röhre) eine halbe Stunde lang backen, wo dann daS Weißbrot schön gelb und spröde sein muß und die Scharlotte nun ge stürzt und gleich servirt wird.
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i 'lElmKatechiGiU'MdeKScheMlS isi m. unseres Wissens bislang , noch nicht erschienen. Dennoch würde jur ein iol ches Büchlein ein gar reiches MatcnaZ vorhanden sein wld für 'deMN'ÄbsüZ brauchte eben auch keinem Ber.e zer e!k , - .sei : - - crnNllch bange zu )tui. Denn das Schenken ist in vielen Fällen, wo es sich nicht um praktische Bedürfnisse handelt, wo man Nicht Jemandem gerade da? nur geben will, das er braucht, keine se leichte Sache, wie man sich' gemeinig t,!!!!.- r'i-.."i1,:..!'i J" ;' M , , ' jWW'r' f f ich vorstellt. In der Regel ! sch'.cßZ man , unter, über und neben das Ziel. den Kcrnschuß hat' man selten und die meisten Uebcrraschunge laufen auf End täuchungc hinaus. , Allerdings ist ei eine schwere Sache ums Errathen, sons: würden ja , auch , mehr Tcrnos gemach! werden, als die Lottodirektion jahraus, jahrein auszuzahlen ' hat ; aber noch immer ist es oft leichter, eine Nummer, die der Waisenknabe zu erHaschen , hat. zu ersinnen, als in's Wunschkämmerleir iDszEttvartendeii leicht käme man in schwankenden Fället ;öMI'bc heit. daß man in die Menge von Preis' büchcrn üüd Kata stens , unsere Firmen o TrefflicheZ bieten und die einem besonders zu, Weihnachts-, also zur Schenkzeit mit jeder Post in's Hans fliegen, aus's Gerathewohl hincingrisse und ; sich somit IvOItt könnte eS dann pafsiren, da dieser Zw fall dem Junggesellen ' eine Puppe, der Schwiegermutter einen Stock, ' denr jüw' zen , Mädchen die sämmtlichen Werke von Zola uud dem aus Freiersfüß gehenden , jungen , Mann ein Körbchen uwendel Also Hazard darj weder gespielt noch geschenkt werden. Praktisch oder nicht praktisch dal ist die! FrageP zweckmäßig oder überflüssig - das istdas Räthsel. . Kind pflegen iW Hßett?MWbchen darüber zu verziehen, lvenn inan ihnen zu- ihrem Namens- oder Geburtstage oder zu Weihnachten, kurz ; zu . allen jenen goldenen ' Zeiten, wo der geheiligte Ge. brauch ihnen das Recht gibt. Etwas zu 'erwartenFeine'' rade brauchen, etwa ein Paar Pelz t, u ni.f i, 'c. !';.? stiefelchen, em neues Kleld, lvell die alten , Sticselchen und.. das Kleidchen vom vergangenen Jahre, bereits nahezu unbrauchbar geworden sind. Mit der unschuldigsten Miene von der Welt konnen sie dann in den weinerlichen Aus rus verfallen: .DaS hätt' ich ja ohnedies bekommen müssen." Aber noch eine Puppcnkassette, noch ein .unnützes Necessaire", noch ein Porzcllanservice und noch eine Lüche das ist ihnen recht; das füllt die Nindcrstube zur Verzweif lung der Mutter und des Stubcnmäd, chcns, das jeden Morgen nicht weiß, wc eS deu ittrimskramS unterbringen soll, bis an die Decke, und das füllt ihre be gehrlichen Herzchen aus. , Aehnlich und nur durch den Verstand und den dunkle Drang nach Nützlich keit einigermaßen eingedämmt, ist , es ja auch bei den Großen und Alten. Der Luxus, die Pikanterie, das noch Nicht Gesehene das zieht an und erfreut, daS Alltägliche laßt kalt. Ein unpraktisches Tintenfaß, da?, bevor man, nu: einen Tropfen Tinte herausbringt, zehn mal umgegossen wird, eine , neuartig, Zigarettenmaschine, die den Tabak zer quetscht statt ihn zu rollen, ein schweres Bierservice, dessen Gebrauch die Kraft eines ' Hausknechtes, verlangt, ein Blei stift, der so ost man ihn ansetzt, ,! bricht daS ist daS Genre, das in den meisten Fällen und am nachhaltigsten imponirt. Kurz ist die Freude und lang der5katzen jammer i , , Eine Art zu schenken,, die ,!n, wi, wollen nicht sagen, vordenklichen, nichi einmal vormärzlichen Zeiten, aber doch vor wenigen Dezennien noch stark im Schwange war, ist fast gänzlich verschwunden. Diese Art war namentlich bei den Damen beliebt, die lihren Herren" eine rechte Freude bereite wollten.' Die zärtliche Gattin stickte ihrem zärt licheil Gatten ein Paar Hosenträger. ein Hauskäppchen oder, wenn sie nicht davor scheute, dem Manne den Staar zn stechen, ein Paar Pantoffeln; die Schwester stickte dem Bruder eine Ei', I
garrentascbe und die Braut ' dem Bräu- mahnt wurde. Xer o Äpsuropmne tigam ein Portefeuille mit ihrem, ' von j hatte sich noch nicht von seinem Schrek-Silber-und Goldfäden oval umrahm- ken erholt, als ein gewisser Jgnaz Roth ten Bilde. Das ist fast ganz außer ! ihm, eiuen wuchtigen Schlag, cnf seine . Mode gekommen, und wenn heutzutage schöne Frisur versetzte. , Dir beiden funge Mädchen im Geheimen durch die .Kränzler" sielen nun ebenfalls übe? -Geschicklichkeit ihrer Hände und, durch ihn her Kundin xmcm Augenblicke lag ' ihre Ausdauer der Mutter eine Freude 1 der junge Masn mit zerschundenem Ge. machen wollen, so wird's eine elegante sicht und zerrissener Hose im Entsetzen Tischdecke, der den Tisch absonderlich der Gäste auf der Erde. In nicht eben ziert und den die Gäste ebenso- abson- zarter Weise wurde Trebttsch aus dem
derlich bewundern, oder ein Dutzend j Dcssertscrviettchen mit zierlichem Monogräm'm".HM; Und ist bei der Jugend der- moderrn Kunstsinn zu Hause, so werden Teller. Platten und Kästchen bemnlc. Der in nock älteren Traditionen befanaem Z
Papa schüttelt daS graue Haupt, wenn Bin ich doch selbe? der Tanzmecher!" ihm zugemntbet wird, eine Delsst ' Die ans'S Höchste verblüfften ttünsttcr oder Vieur Saxe lmalte Schüssel ar ' versuchien nun de?r geprügelten Tan;die Wand zu hängen, denn für ihn hatte" meister nach Möglichkeit zu besänsligcn. bisher diese Art von Porzellan oder Ein Blick ans die zerrmme Hose geMajolika lediglich den Zweck, daraus zu ! nügte indeß, um Trebitsch in fnnem esieil, aber Man,a hat sich nach brauen Entschlüsse, Genugthuung zu nehmen, art rasch in den Geist der neuen Zeit ! zu bestarkeit. , Er klagte wegen Ehren- ' . , . .:,.;..,.. . w J. i 1 WH . : X if
hineingelebt und , treur a) ungemein : darüber, daß die Roco, 'costgürchen , au, deni Tellerrand so ausnehmend gelun gen, daß das Köpfchen des kleinen Rattlers Putzi ode? Bijou auf dem Grund de5 HundeunrscherlS so ernst und der springende Pagat auf der Spiclkassctte so spaßig dreinschaut. Die Aufgabe ! des SchenkenS ist in de Maße complicirter und ihre LSfunc schwieriger geworden, als die Anspruch, an die offene Hand .stark gewachsen sind und die Auswahl der Gegenstände in den letzten Jahrzehnten sich in'S Tausendfache gesteigert hat. Büchhandel, Photographie,Holzschneide?unst, Kupferdruck, Heliogravüre alles arbeitet auf Weihnachten los, und waS früher, wie beispielsweise eiu Galeriewerk, nur dem Millionär zuganglich war, ist heute
dem Mittelstände erschwinglich gemacht. So iM uchMt den Arbeiten der Pta stik. Für einige Thäler laust man ganze Länder nnd für denselben Betrag einen griechischen Licbttngkgolt, und die Gcfammtwcrkc eines Möart, Beethoven nnd Schubert, die dereinst nur in Be sitze von Bibliotheken, Fachgclclntcn , ,, ,,G .u, ,r, ,. '''w'-'m . wy-.-r ""';i'::!"t;!;iiilj. und, besonders begünstigte Familien warm, finden heute erleichterten gang in jede bürgerliche Familienbiblio thck. ,, Es . schwinden Einein die Sinne, wenn man in einen modern äusgestatie' ' ten Buch.. Kunst- .und Mnsilladcn ein. tritt : man ivciß nicht, lZTvvon man zuerst geblendet wird, von den Werken, den Titeln oder den Einbänden! Das ist aber alles, nichts gegen eine Uhr und gegen ; die Invasion und Umwälzung die das ursprüngliche Nürnberger Ei ans dem Markt der lleberraschungcn her vorgehracht. Früher war die Uhr lediglich beim ührnlachcr zn finden. Der Uhrznacher verfertigte, verkaufte uW repar!rt e sie. Heute findet man die Uhr beim Juwe -1, .:i:r: . 'jiKii iiüi V , :;i . -iij- 'i .l- "!' Iter rn einem Bracelet oder sogar M einer , Brochc und Busennadel, beim Stockfabrikanlen !n einem Pfefferrohre, im Schirmladcn unter dem Griff eines Parasols; man findet sie im Galante' riemagazin in einem Portemonnaie odet einem Fächer, beim Silberarbeitkl in ein Fe-nerzeug eingelassen, und wez weiß, ob nicht auch ein Pfcifenschneidcr auf den Gedanken verfällt, ein Minia. turwerk an einem Meerschaumkopf nzubringen. Wenn dann derbcdächtigi Raucher auf die warme Uhr blickt. Zanr er zugleich eonstatiren, um wie viel! Schattirungen der edle Kopf tiefer an. , geraucht erscheint. W Z f.jf'l 1 1 1 1 j 'Z - Die Pariser Ausstcllungszril hat d Uhr eine neue Perspective erschlossen, die - Perspektive in die Hosentasche. Man ist dort nämlich auf die Idee ver fallen, Alles fiöicii? ifitnebiSjtitst wohl ausgerüsteter Herr brmuht, h einem Bündel zu vereinigen: Messer. Feuerzeug und Uhr. Dieses Bünde: wird in die Tasche gesteckt und mittels: Sicherheitskettchen an oem äußeren Ta schenknopftbefestig'ellHv ist diese Ausrüstung ' so unpraktisch w denkbar, aber sie ist modern und daruw vom Standpunkte der Industrie auck -berechtigt. Das Feld fir'S Schenke, ---'-'Aj'r.vkrA,,,:-.",i. . V't, n 1 kaun ja nicht groß genug sein. Der geprügelie Tazmtifter
Eine en komischen Details reichhal' tige: Verhandlung fand jüngst vor de BezirNrichter in HudapeMatt. ' Tel Thatbestand ist folgender: Am 10. September d. I. sühne der Altofene, Einwohner Eleazar Weiß das Fräuleiu Sidonie Seemann zum Altar. Nach dek Trauung wurde - im Brodischen Easmt in der Mokusgasse ein großer Ball gegeben, welchem IbO Paare beiwohnten. Eine' aus sieben braunen Gesellen be' stehende Zigeunerkapelle spielte den San zenden auf, welche sich unter der Lutung eines direct cngagirten Tanzmeistett sorglos dem Tanzvergnügen Hingaben. Die. Zigeuner und der Tanzmeister wurden von deii Gästen bezahlt." Die wich' tige Function des EinsammelnS wurdi von zwei Kranzelhcrren" besser. Un ter den Gästen siel besonders ein svrg fältig gekleideter und frisirter ! junger Mann Namens Rudolf Trebitsch auf. welcher mit' bewunderungSwürdigeT Eleganz tanzte und' fast jede bei dem Balle anwesende Mädchen zum Tanze aufforderte. Die Kranzelherren Ealv' mon Roth und Isidor Landauer hatten 1 auf den jungen Mann ein.Auge- geor fen.. Sie nahten sich ihm zu wieder holten Malen mit dem Teller. ' wurden indeß von ihm stets Übergängen. Schließ ' lich. riß den Beiden der Faden, der Ge-' butd. . giiiil j .efßi m &m$? 1 Hören Sie," redete ihn ' Roth an, , .wenn.Sie schon so wüthend tanzen, s können Sie doch wenigstens mit Etwas für die Musik beisteuern." Der Ange redete, welcher eben eine hübsche Nahe',,, rin auf, Leben und Tod hosirte.' faßte statt jeder Antwort seine Schon um die Hüfte und mischte sich unter die-Tanzen-den."'' Die Sammler ließen, ihn indeß nicht los. Kaum war der Tanzzn Ende, als- Trebitsch von einem der Kränzler lil durch einen machtigen Rippenstoß aber-' mals an' die Pflicht teS Zahlcns erSaal entfernt. Erst draußen siel eö ihm ein, sich um öie eigentliche Ursache der erhaltenen Schläge eingehend zu crknndizen. Wa-' rnm haben Sie denn nicht für den Tcnzmeiste? zahlen wollen?" lautete die Ge genfragc der noch immer Wüthenden. veieioigung, icijcy lorcriici crSetzung nu? eaokgung freuiM vi genthumS. Beider Schlußverhaudlung erklärte sich Trebitsch berett, über die Vergangenheit den Schleier der Äe? gessenheit zu werfen, wenn man ihm für seine zerrissene Hose 6 fl. 50 kr. erlege. Die Angeklagten zahlten die g wünschte Summe und Trebitsch entscrnte sich mit der Erkläriing. ein gutes Geschäft gemacht zu haben, da er für die Hose blos 3 fl. gegeben hatte. Die Prügel scheint Trebitsch ganz vergesse zu haben. Fachmannisches Eomyl, en t. Artillerie-Lieutenant : Aber gnädiges Fräulein haben Augen A. en jeder Blick 'n Treffer
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