Indiana Tribüne, Volume 14, Number 64, Indianapolis, Marion County, 23 November 1890 — Page 6

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Vom Arbeiterparlament zu Halle, TchKyff.

' Dm pvluischen Reichstag nannten et wge Halle'fche Loealölätter mit befon derer UehZMgknr den Arbeitercongreß. D!e vierhundert Delegirten. die im Saale anwesend waren, gehörten zum größten Theile dem junzernl Mannes alter an. Ihre Kopfe zeugen zumeist jür gute Durchschnittsmtelligenzz in nicht wenigen verläugnet sich der Cha - raltcr, daß sie der Arbeiterklasse an gehören oder angehört haben, vollstäw big. (Bon den sogenannten akademisch Gebildeten' in der Versammlung sehe ich 7)ier ab.) - Wie Tränmer oder Schwärme? Sehen die Wenigsten aus, Demo' .irakische Schlapphüte lieben Viele zu tragen, die vielbesprochenen rothen Shlipse 'sieht man nur ganz vereinzelt ZUeberraschend gut lst die Ausdrucksweisk !der meipen Sprecher gewesen, frei von !schicsön Bildern, frei von Pathos vml Emphase, selbst da, wo revolutionäre Themata angeschlagen wurden. Celten findet sich die Neigung, von der Sacht 'abzuschweifen und große allgemeine Ge isichtspunkte aufzusindenvielmehr herrsch! feie Lust vor, mit aller llmständlichfeil Äas Detail einer Sache zu erörtern, imd darin, wie in dielen anderen Diw Zgen, sind die Bekenne? der Jnternatio inale, manchem Voructheil zum Trotz echte Kinder ihres Volkes wie ihre, Zeit. Sie grübeln eher, als daß sie in Phantastische Träume sich verlieren, ihn Methode ist, philosophisch gesprochen ,inductiv, nicht dednctiv. Und wcnr Liebknecht beispielsweise sagte, in dei joeialdemokratischen Partei findet mal -Jum Glück echte Gläubigkeit, so wäre es ,irrthüm!.ich, anzunehmen, diese Gläubige seit sei etwa eine Art von Mystik, du ncbelfernen Idealen sehnsuchtsvoll strebt; nein, diese Gläubigkeit meint, Lieb!necht in b e m Sinne, man glaub, 'innerhalb der socialdemokratischen Par ttl an die Wahrheit, an die Erfüllbar seit, die Realität der Parteiziele, di. wan.fventuell schrittweise erreiche; maz. Nichts wäre unkluger, vorausgesetzt; daß man das Wirken der Sozialdems kraten nach den Erörterungen' ihre: Vertrauensmänner, der Delegirten messen will, als die sozialdemokratlschk iLehre etwa für eine Heilslehre zu hat' "ten, von deutschen Ideologen erfunden Fnd von inbrünstigen. Massen nachgebe tet? das wäre ein ähnlicher Irrthum, wie der es war, der Jahrzehnte lang im Auslande die Teutschen als kein Thatenmenschen anschaute und die aV ' berne Frage erfand, Teutschland ist Hamlet. Ob Herr Schwärs aus Ham bürg mit aller Gründlichkeit in seinen, Platt die Frage der Speiserolle sin .Seefahrer erörterte, denen man auf der. 'Schiffen die abscheuliche Margarink statt der ausbedungcnen Butter verab reiche, ode? oö ein Mecklenburger Telegirier auseinandersetzte, wo die kleiner Leute der Schuh drücke, ob ein Süd' deutscher das Wort von der positiver Kleinarbeit in der Partei mit Abzich und Bewußtsein hinwarf, überall dal gleiche Bestreben, das naheliegende zu msassen und so vorwärts zu schrei len. . Nicht ohne Bedeutung erscheint e! .demnach, daß die romanischen Gäste auj dem Congreß, denen der Inhalt d Verhandlungen mitgetheilt wurde, mii Änem gewissen Staunen über die, nach !ihren Anschauung? zu sehr maßvolle ;nnd ein wenig kleinlichcu Erörterung 'sich aö sprachen; und was vollends jene mnruhigen Austritte anbelangt, für die lman den Congreß mit dem Namen i.polnischer Reichstag" belegte, da wa. .'ren sie ganz überrascht, sie, die gewohnt (sind, sich einander in der Hitze des Kampfe., ganz andere Worte entgegen-j-zuschleudern. als hier in Halle ge , 'schah. Vebel erzählte wohl in seiner drastijchen Weise, wie sich die Reichs tagsmit lieder der Partei während der fixat :-: monssitzungen in den Haaren zu liegen Pflegen, wie es Funken setze, wenn Stah! ,und Stein aneinandergerathen, aber dit formen, in denen sichrer zähe Kleinkrieg äußert, sind selten stürmisch hev 'verbrechender , Natur, und so war es auch während des Parteitages. Im Allgemeinen natürlich gesprochen, den an einzelnen, brutal losplatzenden Red itern kehlte es nicht und ihrem Äuftw ten hauptsachlich ist es zuzuschreiben, , wenn so tiese Mißstimmung gegen eine .Theil, der Berliner Genossen sich zeigte. Es hat sich förmlich bei Man . , chen ein Spürsinn ausgebildet, der hinz ter jedem Vergehen ein Verbrechen, hin ter jedem . Satz eine versteckte Beleidi. gung wittert. Es wurden um ein be- "! zeichnendes kleines Vorkommnis her '! auözuheben, Stimmzettel vertheilt. Au! ! Verschen erhielt Herr Klein, der Vcrlr D, ncr Stadtverordnete keinen Zettel ode: -vielleicht sie! das Blatt unter den Tisch n ,, 25is wüthend springt er nun auf mii j' schreit in die Versammlung in seinen heiseren Berlinischen Jarzon,,der o$m Mdies das Ohr beleidigt, in dem maßlo MhernZHe Ton, der seine nächsten Gest' jANÄlgsgenosstn auszeichnet ,: Ich cow Mlkalir daß wir hier keine Stiuimzette! erhalten ijä&it:' Das sagte er in einen , brohnirt" Ten? "H:--;h)ate:ie?tiTentIi4 Mh!e bi:L:rsteTergewaltigung an ihm vev ufcttrordeiil :n xcicastt aus 'ctwn jf J" - iii- l: m. " ! , V , m vracu:e wcoer c:ne Vezcyivcroe ln u heulend hervorgestoßenem Ton vor daß hr Inhalt ganz un) gar nicht verztan ven wurde. Tie Berlinische,, Art, dll für sich das Sprichwort - gefunden' Hai uns kann keiner", kam wieber einmal in chrcm auschwenendenExceNe zur Er schcinunq. Man Zoll sich nicht die Butte? vom Brod nehmen lassen, aber der rauhe. .. ' r i f . (. nt . uer;r,cyr, lief in oen crunern wn Wnbe Unterossicierston müßte verstiW inen. Gegen ihn vorzugsweise, gegen seine Ausschreitungen wandten sich 'dii Anklagen der Provinzvertreter, nicht sc V- " . . j '' i . .,-. ' i! " ' ;l" aeacn oit mttwmtuug oer Partnver HÄltnisse im Großen. Nicht der Partie kulartsmus, das Kirchthurmrennen, wie wohl eS nach aut deutscher Art. unzwel-

selsast in der Versammlung seine Ver. treter hatte, oder hämischer Neid ' gegen die Großstadt, der seitens der Social demokratie eine grobe Undankbarkeit wäre, haben es verschuldet, haß von illen Seiten w heftiz gegen-die Zoge

nannte Berliner Opposition losgehämknert wurde. Von gut deutscher Wesenheit selten Ntch jene Vorgänge ein gewichtiges Zeugniß ab, die sich auf die Erörterung religiöser Fragen bezogen. Wenn Liebknccht's Citat von der .geschichtlichen Entwicklung als einer Kette von Compromissen Geltung hat, so trifft dies Citat auf den vergangenen Parteitag ganz besonders zu. Die Behandlung der Parteistelluug zur Kirche beruht, ja gleichfalls auf einem Compromiß, und interessant war es zu beobachten, wie alsbald die Anfmerkiamkeit der Tellqirten intensiver wurde, wenn man das Thema der kirchlichen Fragen anschlug. Das bewegte Alle ohne Ausnahme. Flauer schon stand es um die Franenfrage. . Ihr, einem integrirendcn Bestandtheil oer socialen, Frage, widmete man nicht entfernt so viel Aufmerksam' keit mehr und be! manchem Spreec bemerkte man immer noch eine kleine, ketzerische Hinneigung zu AnscnanungeZ der Bourgeoisie", Das verschnupfte l f. :t . .1. ... .I. oenn aucy o:e weivucyen eicgirlm ein wenig. Frau Ihrer, die in der zungen Berliner Arbeiterinuenbcwegung so viel genannt wird, gab ihrer Verstimmung darübe? mehr Ausdruck. Die Apothckersfrau auö Velten be. Berlin ist eine üypiae Dame. St? eine wohlgeschulte Sprecherin und ihr Neigung zur Wcitzchwelstgkeit rann man ihr nicht so sehr zum Vottvnrf machen. dort, wo Dutzende von Mänuern ver gaöcn, daß die Redner vor, der weitesten Oestentlichkeit dastünden und es ich! ts . ... err ' c 4 . ci05 gelte, oaycttn vor zttnen ayicr? paraöiren zu können. Frau Ihrer iw dessen spricht mit größerer Selbstkritik. als ihre schlanke Collegin Frau Stein dach. Naivetäten, wie Frau tcmbach. brachte sie nicht vor. Herr Ancrbach war es, der die weiblichen Delegirten mit kräftigem Pathos unterstützen zr müssen meinte. Herr Aucrbach ist Beo 1 n . t !. . ! ilner uns Äguaeor m oen sireiicu zun qer Kaufleute. Er ist einer von denen, die durch Wortschwall zu blenden suchen, wie der Heidelberger Dr. Ruedt auch jr.i. r.t i. r: vit iuuii umyiii luuiuc, tiu viuuv Germanenthnm zu betonen. Beid, aber sind die richtigen Männer d Schlagworte. Rnedt ' tragt sie mit ve haglicher Wärme vor und klopft sich bicdermänrnsch auf die Brust. Auer bachs Temperament ist heißer, ih strömten die Redensarten beflügelte! von den Lippen. Beide weichen sachlichen Erörterungen in weitem Böge aus ; der eine im Stolze auf seine afo demifche Würde reitet sein Steckenpferd, die Freidenkern, und macht vermuthlich em ganz betrübte Gesicht, wenn er emmal zum Gabelfrühstück nicht eine Pfaffen die Confession ist i.hm gleich giltig verspeist hat, der andere, nach Art der Halbgebildeten, trägt seine Tb raden in jenem Selbstbewußtsein vor. wie ein Mann, der neue Wahrheiten entdeckthat. Das sind die Leute mi1 dem kurzen Gedärm, Herrscher vielleich in tumultuosen Volksversammlungen, unerfreulich als Typen in einer so ernsten Versammlung, wie trotz Allem rntf Allem der Parteitag doch war. Den denkbar schroffsten Gegensatz zt diesen Worthelden, leicht aufbrausenden, aber wenig nachdrücklichen Leuten, bib det rin Äkann der alten Schule, d greise Toelke, der Altmeister der Pav tei-Örgani'a!ionen," so nannte ihn Auer Mit seinem Eingreifen zum Schluß d Debatten sollte ein sentimentalijcheZ Motiv die Versammlung bewegen. AR Märtyrer und Patriarch der Parte sprach er den Scheidegrun, jedes Worz mit langsam eindringlicher Kraft; jede, Satz war ausgeprägt, wie von heißen Haß geboren, und wiewohl der Spreche, sich selber als gebrochenen Mann dar. stellte, der zu Grabe gehe, so wat eZ doch, als streckte und weckte sich der hohl breitschultrige Mann noch einmal tha tenlustig und trotzig emporund aus den harten, massigen Kopf, den schlichtel, weißes Haar deckt, blickten die Auge? stechend, durchdringend, sinster, als von seinem Martyrium im Gefängniß sprach. Seine Tochter, eine hohe, schlanke Fraueugestalt mit blassem ern, stem Gesicht, war eine der fleißigster Besncherinncn des Parteitages. Te5 inodischen Shawl um den Hals ge. schlungeu, hatte sie ihren Platz am Elu , gang links roni Saale, und dort verharrte sie ausdauernd. Sonst wechselt, das, besuchende Publikum, das auf de! Galerie oder auch in den Seitengängeu vom Saale sich cinsand, häufig : nebe Izohen Beamten fanden sich auch einzelm Proleijorim der Halle zchen Untvcrzltaj eilt. Die fremden Gäste folgten 'dck Verhandlungen anNau.rnd mit j starken Interesse; Frau Dr. Avcling, die Doch ter von Marx, eine mittelgroße, brn nette üppige Dame, von gefunder rot hei Gesichtsfarbe, : eine Frau bewegliche, Temperaments, die man. ihrer äußern Erscheinung nach recht gut für eine wohl habende Bewohnerin des Thiergarten Viertels halten könnte, war die ganz Zeit über auj iyrcm, Platze. 7 Bald musterte sie durch das Lorgnor irgend einen Sprecher, bald trüg sii cijriz in ihre Etappe Notijen ein. Von den . Führern der Socialdemokratie, fremden ' wie einheimischen, wurde sie ? mit größter Aufmerksamkeit behan delt. Herr Mnndbcrg, der Däne, un Hjalmar Branunz, der Schwede, saßen meist stumnl da und verwandten feie Auge vom Bureau und den Zkcdnern. Desgleichen hatten die Vorgänge auj dem Con g ren ein en aufm crksame n or cher m Domcla Nieuvenhuis, dem Man mit dem in sich gekehrten sinnendeu Blick. Unruhigere Elemente Ware Herr Inseele und dle Franzosen Diese, die der deutschen Sprache nicht machtig sind, ließen sich von Liebknecht häufi Erläuterungen geben., Am spätei Abend verketten sie viel im Cäse Baue,

mit den französischen Publizisten, di, auf dem Congreß vertreten waren Die französische Presse legte dem Par teitag wichtige Bedeutung bei, so Haiti ein Pariser Blatt . zweiter Ordnung. BatailiV, einen eigenen Berlchterstad ter, ein Luxus, den sich außer dem osy ciellen socialdemokratischen Organ fers ekinizes Berliner Blatt gestattete., J)n Cüse Vaurr,- c?nem?errehr?cen. rum von Halle, einem wirklich groß.städtischen Etablissement, ging es über. Haupt während der Congreßtage leben dig und international -zu. Halle iß eine fteundliche, lebenslustige, um nich! zu sagen, genußsüchtige Stadt. ! Wie wohl sie Berliner Einfluß durchdringt scheint sie alte, trauliche Besonderheiten sich doch noch bewahrt zu haben. Wen man Berichterstatter, Delegirte, fremd Gäste und heimische Studenten mit de, naiven Anmaßlichkeit, die, so, scheint es, die jungen Herrchen hier besonders lie ben, bcisammcn sah, so gab das ein Bild, kunterbnnt genug. Herr Guesdl soll in seiner Heimath noch mehr auf. fallen, als hier. Ein kleiner, engbrü. stiger, schmächtiger Mann mit Pech schwarzem glänzenden langen Haar, das magere, ausdrucksvolle Gesicht von .fafl olivenfarbenem Teint, ein hcrabwallen. der dunkler Bart, d!e Stirn hoch unb gewölbt, die Augen beredt, der ganze Mann wie aus Nerv ' und Sehnen be stehend, das ist Guesda. Er klagt bitter und erzählt gern -von seiner Gefängniß' zeit in Montpellier. ' Darnach' scheint die französische Art,, politische Gefan,

aene zu behandeln, mcht minder hart, als sie anderswo geübt wird. Ferroul sieht wie ein behäbiger Bourgeois aus. ein Smger, in's Französische übertra gen. In Kleidung und Haltung 'gni bürgerlich, solide. Als Art hat er ein Steckenpferd, die Vorliebe für hypnoti sche Verzuche. Früher hat er vom Bou langismus sich blenden lassen, jetzt geräth er in Zorn und Galle, wenn er m -M r S tt k rv aus oen uomoomnlen Voutanger zu sprechen kommt. f, ff Von den deutschen Delegirten kam wohl ein oder das andere Mal die größte Mehrzahl zu Wort. In den verschiedensten Mundarten, aber fast durchgehends in flüssigem Deutsch und ln gewandter Ausdrucksweise wurde gesprochen. Der Hauptantheil blieb na türlich den Fraktionsfülrern vorbehal teu; die Jungen",.' die Führer der Berliner Opposition- waren nicht in ihren markantesten Erscheinungen vertreten, ihr Name und ihr Wirken aber wurden ost erwähnt. ' Es fehlten Wille, der das vielangegrissene Wort vom Heerdenbewnßtsein und dem Autoritätss glauben gesagt, den das Spießbürgerthum in der Socialdemokratie den Alten, den Führern, entgegenbringe, es fehlte Vogthcrr, der die Versammlung zur Propaganda des Austritts aus der Landeskirche einberief, es fehlten die VolksversammlungsredUer " Baginsky, Wildberger n. A. und Schippel, der in diesem Sommer, als er in Friedrichs Hagen am Müggelsee saß, , wie ein aufgehendes Gestirn betrachtet wurde, verhielt sich passiv. Nur zum Schluß trat er mit einer ErNärung hervor, die Wer ner, den unglücklichen Wortführer der Opposition betraf. Werner machte eher den Eindruck eines eitlen Gernegroßen, ß&,fr fiatS. dytfni4utt Es "ist ganz"dieÄrt"öeselbstgcfälligen Menschen, wie Werner selbstironisi rend immer ' wieder hervorhob: ' Ich bin beschränkt; ich Verstehe von den Angclegenheiteu nichts u. s. w." Aus Schippels Worten, die in der nihigen, Überlegenen Weise eines feinerzogenen, unplebejischen Mannes gesprochen wurden, klang es wie wehmüthige, echte Resignation. Laßt den Streit bcgraben sein, auch die, denen Unrecht geschehen ist, so sagte er mit seinem weichen, sympatischen Organ. Er ist Gentleman in seinem Acußeren, und hak einen feindurchgeistigten gefälligen Kopf; es war, als fasse ihn Ueberdruß an persönlichem Gezänke, au persönlichen Verdächtigun' gen, die so leichthin ausgesprochen wer den, der Frucht des Socialistengesetzes, und er ließ es durchblicken,' daß auch er darunter gelitten habe.- - Wie Schippel der Sohn des Schuldireltors aus Chemnitz, so geHort auch Bruno Wille zu den Studenten und Literaten" der Partei, denen Bebel in feiner persönlichen M denschastlichkeit und in seinem Bewußt sein, durch hartes Ringen starkaeistige Bildung erworben zn haben, ': manchen Seitenhieb austheilte in seiner Weise, die in der Erregung die übersprudeln den i Worte hastig hervorstößt. Wille sieht sanftmüthig aus, wie ein blonde: Schnlamtskandidat. : Vebel bezeichnet ihn als einen Maun, der dem Geschäfts' Socialismus nahe stände. Auf mich machte er wenigstens in der, Versammlungen, in denen ich . ihn sah und, reden hörte, den Eindruck eines nach Auszcn ,,hin , ruhigen Schwärmers. In seinen Anfsützen' finden sich Stellen von ; tvarmer, Innerlichkeit. Stadtver ordncter Vogthcrr, ' ein geschniegeltes und gebügeltes Männchen, das jetzt in Atheismus und moderner Kunst macht, ist . mir immer .mit seiuem ,Phrasenschwall ,wc!t lnsympathischcr, gewesen. Eonrad Schmidt, der jetzige R exaktem der Volkstribüne, ist in den letzten Mo natcn ' erst in den Vordergrund ' dcz so ci aldemolrat isch en Bewegulig g edräng 'worhenAA.'HrZ ein Ostpreuße von Geburt und ein scharfgeistiger, kritisch bcanlagter Kopf. , Ursprünglich tvolltt er dem nationalökonomischen Lehrsiich an einer deutschen Universität sich widmen. aber man versperrte ihm die Do centenlausbahn, weil , er eine wissen schastlich statistische Arbeit verössentlicht hatte, deren Ergebnisse der Socialdemo.kratie'?'HiUkoiiinlttr zählte, daß er Eonrad Schmidt in jüngster Zeit zn sich geladen und ihn übel manchen Streitpunkt insormirt habe, sc daß Schmidt bekanntes nun sei er zu srieden gestellt. Von jüngeren Männern in der Delegirtenversammlung siel noch Oertel aus Nürnberg durch Klar heit seiner Darlegungen auf. Er wird dielleicht berufen sein, noch eine größere Rolle in feartej zn ;spc

Von deJraktiosführernHatte'Be. bei die Hauptausgabe übernommen sei' nen eindriicksvollen Darlegungen zu meist wich die Opposition; wenn er sich in den Zorn sprach und seine Wort, immer schroffer, energischer nnd härte? klangen, wenn er dann mit wuchtigen Armbewegungen die Lust durchsägte unt mit dem Zeigefinger auf Werner ode: sonst einen Vertreter Hinweis, als wollt, er ihn ächten, da war es klar, wie diese, starke, bestimmte Wille gefangen nehmen kann. Vollmar' hüllte seine 'Opposition in ein ' Dämmerlicht ; er gab sich all melancholischen OppositionZmantt zr dem schreienden, cholerischen Berliner Genosse,'. Seine Sprache klane wie bei Bebel energisch, ode, wie Auer frisch von der Leber weg sondern er liebte - es, geheininißvollt Andeutungen zu machen. .Erquicklich war Herr Auer; das ist ein ernster un ein warmblütiger Mann, llernig xi seiner Ansdruckweise, stehen ihm Bitt und Spruchwort rasch zur Versügnng Präzise decken sich Form und Jnhal; seiner Darlegungen und mit Zwischen-, bemerkungen, kleinen Sarkasmen weif er seine Rede meisterlich zn bchben. Schlagfertiger Witz, nicht der gallige. oder Ichnaddrig-beriinifche, sondern de, schneidige Witz seiner bayerischen He! Math, stehen ihm allzeit zn Gebote Siebknecht ist-der alte geblieben; det lehrhafte Redner der Partei. Der Parteitag hat mit einem Sieg ,der Rcichstagsfraktion und ,nit einem -Sieg der zur Mäßigung mahnniden Elemente geendigt. Ob damit auch die Bitterkeit, die im Kamps der Verlinc, Opposition" in den letzten Monaten vorherrschend war, verschwunden sein wird? Komödiantisch cm wenig klang es und doch wieder wie eine Drohung, als Werner, der geschlagene Wortfüh rer der Jungen, ausrief: Ich sage mit Bruno Wille: Noch gibt es einen Ort, wohin man sich zurückziehe

kann!". a-1 - m m m .rf j ä Pariser Taschendlebmuen. In der jüngsten Zeit sind in den Po-lizei-Commissariaten von Paris die verschiedensten Klagen eingelaufen gegen kecke Taschendiebe, welche namentlich in den Theatern und in den großen Moddladen ihr Unwesen trieben. Die Sicherheitsbeyorde ordnete die strenge Ueberwachung dieser Lokalitäten an, uud man entdeckte, daß die Diebe hübsche Mädchen im : Alter von sechszehn bis zwanzig Jahren von englischerund deutscher Ab kunft seien. Gewöhnlich arbeiten" zwei oder drei Diebinnen zusammen. Das erhöht sür sie die Möglichkeit zu fliehen, wenn ihnen ihre Geschäfte mißlingen und sie arretirt werden sollen. Au einem Tage rief plötzlich eine Käuferin in einem der großen Magazine, ein neben ihr stehendes, sehr elegantes Mädchen habe ihr das Portemonnaie gestoh' len. Man verhaftete das Mädchen und führte es in das Jnspectionszimmcr. Trotz des lebhaftesten Protestes durchsuchte man die Verhaftete, aber man fand, daß die für eine Diebin Gehaltene selbst das Opfer eines Diebstahls gcwe sen. Ihr Kleid war nämlich in der Taschenhöhe zerschnitten, und das Portemonnaie, in welchem sich nach ihrer Aussage mehrere Geldstücke bemnden crschwnndcn. Man entschuldigte sich bei der Arretirten nnd ließ sie natürlich frei. ' Wie es sich nachträglich herausstellte, hatte sich die Geschichte folgenderinaßen abgespielt: Die Schwester der jungen Diebin, welche mit ihr gemeinschaftlich operirte, hatte, als sie dieselbe verhaftet sah, nicht 'gezögert, die Spitzbübin zu deren Rettung zn bestehlen,, indem sie rasch deren Tasche aufschnitt und die gestohlenen Gegenstände blitzschnell tnU lernte. Am selben Abend noch entdeckte derselbe Inspektor, der Vormittags in das Magazin berufen worden , war, die beiden Schwester tm Theatre Frangais just iu dem Augenblick, als sie die Taschcn ihrer Nachbarin ausleerten. Die ingeniösen Schwestern werden demnächst vor' Gericht gestellt werden. Fast gleichzeitig wurde eine andere, Diebin unter ähnlichen Umständen, verhaftet. Es war dieMutter der beiden Mädchen. Wie man sieht, 'scheint das Stehlen in der Familie zu liegen. Die würdige Mutter sagte in ihrer Entsckuldiauna vor Gericht aus, dan auch ihre Mutter mit? Kleptomanie jehaftct gewesen sei. Z)ie,,,Damcn" heißen Zürcher und sind erst, vor ungefähr zwei Monaten aus Teutschland nach Paris gekommen. Von dem Richter befragt, was sie veranlaßt habe, Nach Paris zn übersiedeln, theilte Mama Zürcher mit, daß sie we gen . mißlicher Familienverhältnissc sich habe, nach Paris flüchten müssen. Die Untersuchung der drei Diebinnen ergab ZI, Portemonnaies mit denl Gesammtinhalt von 2000 Frcs., zwei goldene Damenuhrcn mit Ketten und fünf Herrcnllhren. Die ehrenwerthe . Familie wurde dem Gericht eingeliefert, woselbst mittlerweile ans dett vcrschicdenett Eommissarialcn 17 andere Diebinnen ringet grossen waren. ' Ei n 8 ui w c re n ö kh e r' oonnns U saut. 1. Dame : t, .'Herr Lieuic nant, machen Sie 'sich nur nicht klüger, als Sie sind ; ich glaube, Sie haben ebenso viel von , Ihrer Schulweiöheij "t'js. "!!!"' l " JL .Jl. . !-" '' t IM ''i'j.'.'- '':! .. '!: neu !" Lieutenant: -t Pardon, mciac nen, wäge ;u widersprechen werde Tamen sofort eclatauteu Beweis liefern. (Pflückt zwei Rosen ah) t .'Biitc, erlauben Sie: Di erlöse der Rose d er Rose die Bi tiMii Ä ei anntsch a f t. Haussrau : Nun, Anna, wo ist denn , Dein Lockenkopf geblieben? Stubenmädchen : ' Ach, ja, gnädige Frau, das Regiment hat heut' die Stadt verlassen and da mußte ich einigen Bekannten eine Locke inai Andenken , v - , r.. ;l:1f !,: ..Jffi':'

iu;u:i utrtierni wir:" ame: Gewißich glaube sogar daß Sie niän mehr ein einfaches Wort decliniren !ön-

Der Herr Tverförfier als Freiers , . . mann und Gatte.

Herr W., der Oberförster eines pol? nischen Magnaten in der Provinz Posen, entdeckte eines Tages es war im Winter 188 in der Schlesischen, Zeitung" ein Inserat, welches sein größtez , Interesse in Anspruch nahm. Eine Breslauer Heirat hsvermittlerin machte bekannt, daß sie in der Lage f cir Heiraths lustigen Herren glänzende Pariien zu vermitteln. Eine stattliche Reihe, von Damen, reich, schon und jung zw, gleich, könne sie zur beliebigen Auswahl empfehlen. . Man möge sich vertrauensvoll an sie wenden und dürfe der strengsten Diskretion, versichert sein. Der Oberförster, dem sich an der waldigen Grenze des Zarenreiches leme Gelegen heit bot, , die BekanMichaft junger deutscher Damen u machen, betrachtete das Inserat als einen Wink des Schicksals, schnitt es sorgfältig aus und steckte es in die Westentasche. Nach einiger Zeit zog er es hervor und schrieb der VerMittlerin,. daß er geneigt sei, von ihrem Anerbieten in der Schlesischen Zeitung" Gebrauch zu machen. Er schilderte ihr sein Verhältniß und betonte, daß ihm weniger an reiche? Mitgift als an einer tüchtigen, Wirthin gelegen sei. Seine Stellung sei glanzend uud vollkommen gesichert. Er beziehe dreitausend Rubel Jahresgehalt und betreibe tiebenbei eine ausgedehnte Landwirthschast, besitze vier Pferde und einen prächtigen Rindviehstand. Da er den ganzen Tag im Walde zu thun habe, müsse er eine Frau haben, die sich fähig fühle, die Landwirthschast und den großen Hausstaud zu beaufsichtigen. Obwohl er. wie gesagt, auf reiche Mitgift nicht rechne, dürfe die Braut doch nicht' ganzlich vermögenslos sein, sondern müsse zum Mindesten dreitausend Thaler -in die Ehe bringen uud zwar ":?-r. ?jsl..-v. ' aus loigcnoeni vjjiuucei Der Vater seiner ersten Frau besitze auf der Jnfel Rügen ein großes Grnndstuck, . welches, sobald der hochbetagte Mann, die , Augen schließe, ihm. dem Schwiegersohne, erblich zufalle, doch müsse er sofort bei der Uebernahme drei tausend Thaler an die Geschwister der verstorbenen Frau anzahlen. 'Dieses Geld, so habe er beschlossen, wolle er sich erheirathen.Die Vermittlerin schrieb Znrück, sie wolle sich sogleich mit geeigneten Damen in Verbindung setzen, doch müsse sie zu. vor um Zusendung eines zur Deckung ihrer Unkosten bestimmten Betrages bitten. Der Obersörster entgegnete. er wolle die Angelegenheit ruhen lassen.dis er wieder Gelegenheit habe, nach Schle sien zu kommen, alsdann wolle er so frei sein, bei der Dame vorzusprechen. Eine solche Gelegenheit fügte sich im Frühjahre 1887. Herr W. machte von Oberschlesien aus, wo er dienstlich zu tbun hatte, einen Abstecher nach Bres lan und stellte sich der Vermittlerin vor. Diese knüpfte an ihr Schreiben an, indem sie den erwähnten Vorschuß znr Deckung der Kosten in Erinnerung brachte. Der Oberförster legte ihr ein Zehnmarkstück hin und sagte, als er be merkte, daß die Dame ein sehr enttäuschtes Gesicht machte: Liebe Madam, halten Sie mich nicht für geizig; ich bin, offen gejagt, nur vorsichtig. Sobald Sie mir eine Frau verschafft, haben, zahle ich Ihnen von der Mltgist fünf Procent. Auf Ehrenwort! Eher aber zahle ich nichts!" D'e Dame erklärte sich nach einigem Zögern einverstanden und ließ sich noch Näheres über die Verhältnisse ihres Gastes mittheilen. So erfuhr sie n. A., daß er preußischer Reserveosficicr und Ritter mehrerer Orden sei. Darauf er griff sie ein Album, zeigte ihm'die Portratts mehrerer Damen und pries ihm die Tugenden und Vorzüge der Origi nale an. Das Ende vom Liede war, daß Beide zum Bahnhof fuhren und in die Provinz: dampften, um Brautfchau zu halten. Der Oberförster unterzog einige der Heirathseandidatinnen einer persönlichen' Controlle, doch fchien ihm keine davon zu behagen, wenuzstens kam als Folge dieser Reise kein Geschäft zu Stande, ffr versprach aber, bald wiederzu kommen und, andere . Damen in Llugenschein zu nehmen. Nun entspann sich zwischen Breslan und der russischen Grenze ein lebhafter Briefwechsel, der damit endete, daß der Oberförster abermals nach Schlesien Xani. und in Begleitung der Vermittleri zum zweiten Male auf die Braut suche fuhr. Da jedoch auch diese Reise resultatlos war, ie.lor der Freiersmann zn der Dame, die ihm fo oft löersichert hatte, daß sie das Handwerk Cupidos aus- dem Grunde verstehe, das Vertrauen; er ' gab ihr noch, zwanzig Mark für veranslagte Spesen, erklärte, daß er weitere Versuche anigebe und fuhr zurück nach der Polakei. : Die Vermittlerin aber, die in, ihre Kunst großes Vertrauen letzte, rastete nicht, sondern forschte fo lange, bis sie endlich im?' Herbst 1887. an: den Ober-förstcr-folgendes. Schreiben richten konnte: ! r - ,71- rv. Ich theile Ihnen mit. daß , ich eine sehr feine Dame für Sie habe. Es ist die Tochter eines Baumeisters. 24 Jahr, evangelisch, Won sehr angenehmem !!Acu ! ßern. Mitgift 0000 Thaler. , Die Dame wünscht, Ihre Bekanntschaft zu mach?!?.".. .i.Mlfi'-'JU Dieses Schreiben erschien dem Obcr: sörster so verlockend, das; er sich Urlaub uahnl und nach ' Breslan ' kani. Die Vermittlerin führte, ihn in die Familie des Baumeisters ein und er sah und siegte. Es währte nicht lange, so war er mit den , Eltern der jnngen Dame und bald auch mit dieser selbst handelseins, und die Verlobung fand im Stillen statt. , Man vereinbarte, dasz zunächst die ganze Familie. Vater, Mutter und Tochter, den Bräutigam besuchen sollten; alsdann wollte nmn die Verlobung .öffentlich neigen und mit berHochieit.' nicht mehr lange zögern. Wie vereinbart worden, so geschah es auch: die zchzei: fand noch im Herbst 1887 statt

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und die junge Frau folate dem Gatten

,. die rnssi sche.. Grenze. TaS rosige i- . ' 'A " . Hm'm K ')'' t . ii)iutt oer üieve üver wahrte nur kurze Zeit. Die Frau entfloh ihrem Gatten und kehrte klagenß und trostlos zurück in das Haus ihrer Eltenu Das tragische Geschick, welches zu dieser Flucht führte. wird dem Leser aus der nachstehend geschilderten Gerichtsverhandlung klar iverden. Der Herr Obersörster, welcher etwa ein Jahr nach der Hochzeit seine Stcb lung, sowie seine Besitzungen in Posen ausgab und nach Runland zog, wo er leme Stellung a:s Förster fand, zeigte der Staatsanwaltschaft in BreSlau an. daß er von der in Rede stehenden Heirat hsvermittlerin geradezu furchtbar betrogen worden sei. und beantragte, daß die Dame nach aller Schärfe des Gesetzes bestraft werde. Die Staatsanwaltschaft ordnete Untersuchung der Geschichte an und das Ergebniß dieser Untersuchung sührte zu einer Anklage gegen die Ver Mittlerin wegen Betruges. Bevor wir zur Schilderung des eigentlichen Processes übergehen, sei noch ein interessanter Vorfall erwähnt, von dem selbst der ergraute Vorsilcnde des Schöffengerichts meinte, er sei ihm in seiner Praxis noch nicht vorgekom wen. Der Proceß schwebt nämlich schon seit zwei Jahren, es konnte aber zn keiner Hauptverhandlung kommen weil der Haüptzeuge, Herr W., niemals Ivl erreichen war. Da erschienen an einem Tage, ohne dast eine La' dung an sie ergangen war, plötzlich die Angeklagte, der Förster aus Rußland und die Frau und die Schwiegereltern . rr r ' , , ? t r ocijciocn 1 Vegieirung eines ytea;i?an walts vor dem Schöffengencht. Der Letztere stellte unter Bcrutuug auf F zu ?lraiproceßoronung oen An t. . i .f 5 , . - itag.oaii man oieangeiegcnijeu zumau trag bringen möge, damit sie endlich aus der Welt geschasst werde. Der Herr Förster sei eigens nach Breslan gekommen, um zu erfahren, wie es mit dem Processe stehe. Der Staatsanwalt be merkte, daß er mit dem Antrage des Vertheidigers einverstanden sei. Der Vorsitzende meinte, daß er leider nicht insormirt ,e,. doch ließ er die Akten her beiholen und erklärte, daß nach Been d'lgung der übrigen Strafsachen die Ve? Handlung beginnen könne. In der Verhaudlung erklärte die An geklagte, daß .sie unschuldig sei. Sie habe dem Herrn Oberförster bezüglich des Vermögens der Braut nur diejeni gen Mittheilungen gemacht, die sie selbst von der Mutter derselben empfangen habe. Als erster Zeuge wurde der Forster, ein schoner Mann von Hünen hajter Gestalt, vernommen. Nachdem er ; seinen, bereits oben geschilderten Verkehr mit der Vermittlerin erzählt hatte, fnhr er fort: Also sechstausend Thaler Mitgift sollte ich erhalten, in rv r .v nz,rk!laz:ell yave icn zeoocy lemen Psew uig bekommenkeinen Pfennig! Kurz nach der Verlobung schrieb mir der Herr Baumeister dazz er mir am Tage der Hochzeit zunächst dreitausend Thaler auszahlen wurde; meine Braut selbst hatte von fünftausend Thalern zu mir gesprochen. Am Polterabend aber, mitten in der größten Fröhlichkeit, zupfte mich der Schwiegervater plötzlich am Aennel und lud mich in sein Uahinct ein. Dort begann er: Liebe Sohn, brauchst Du Geld?" Nein", entgegnete ich, aber ich war der Mei uung. daß ich welches bekommen sollte." -Ganz recht", sagte er, aber wenn es nicht direct heute sein muß. so ist mir's lieb. Heute in drei Monaten zahle ich es Dir bestimmt aus." Ich habe diesen Worten geglaubt' ich habe Alles geglaubt und bin in ein namenloses Unglück gerannt.... Nach der Hochzeit, erfuhr ich, daß der Mann den Offenbaningseid geleistet hat daß er nichts .besitzt. Ich bin in entsetzlicher Weise betrogen worden. Und nicht genug damit es sollte noch weit schrecklicher kommen. Nachdem meine Frau mir fortgelaufen war, verfolgten mich die Leute mit ihrem Haffe und reichten Denunziation aus Denunziation gegen mich ein und brachten es so weit, daß ich mein ganzes großes Vermögen und meine Stellung verlor. Ich mußte gewissermaßen ins Ausland flüchten. ..." . Warum ist Ihre Frau von Ihnen gegangen?" unterbrach ihn der Vor sitzende. Ich weiß eS nicht. Ihre Eltern scheinen ihr mehr werth zu sein, als ihr ! QiX)j iSX Yf it ViIVfiot' ism, I muii, oV Vuvfc vv ivttvfcii'i yt: schrieben, sie habe ihre Pflicht,' zu mir nach Nußland zu kommen, sie weigerte sich jedoch." Haben Sie etwa die Scheidung beantragt?" Gewiß habe ich das gethan, aber ich bin abgewiesen worden; das Gericht nahm an, eine solche Verulögensvorspie' gelung sei kein Scheidungsgrund. So bleiben wir denn aneinander gefesselt. Als zweite Zeugin wird die Schwiegermutter, eine hohe, stattliche, äußerst elegant uud auffällig gekleidete Dame vernommen. ' ' - Auf Befragen des Richters erklärt sie, daß sie allerdings zu der Heiraths Vermittlerin geäußert habe, sie sei im Stande, ihrer Tochter LOOO Thaler mit in die Ehe zu geben." : , ' , " Aber wie kommen Sie denn dazu,, so etwas zu sagen?" fragt der Richter Sie, wußten doch, daß Sie kein Ver-' mögen besaßen!" Ich habe' es nicht ernst gemeint," entgegnete die würdige Dame. Sie konnten es unmöglich ernst gemeint haben," spricht der Vertheidiger,! denn ij habe genau um jene Zeit gegen Ihren Herrn Gemahl einen Proceß um zehn Mark geführt ; dieser kleine Be-' trag war wegen gänzlicher Vermögens' losigkeit nicht bcizutreiben." ' , ' ster" vernommen. Sie ist eine schlanke. Däme'flonl; schönes schönen Gesichtszügen, in der Kleidungganz das Ebenbild ihrer Mntter. Unter heftigem Schluchzen erzählt sie sorgendes: .Ich verlor eines Tages eines mel '" j;jf :.;- "-r---: Jf-f:'f.;l!-ä;:":lj"?f;:,,i!ji:j'f''11 "tii'-U8'---"" -s'"!iä!;!! :; '' :;:!ij;:!r! :! ' "

nix kostbaren Armbander und war na nientlich sehr traurig darüber, weil ein ähnliches Armband es mußte Zum andern passen gar nicht zu haben ist. Da sagte man mir. die Frau R. befäde einen ganz ähnlichen Schmuck. Ich be suchte deshalb die Dame und.. meine Herren, ich bctheure aufs Heiligste, ich habe damals nicht gewußt, oaß grau N. Heirathen vermittelt, sonst wäre ich UM keinen Preis der Welt hingegangen! ich besuchte sie also und trug ihr mein Anliegen vor. Fräulein." sagte sie. Goldzachen sühre ich nicht, aber einen prächtigen Bräutigam habe ich für Sie. Ober, sörster Reservelieutenant Ritte: hoher Orden was meinen Sie wohl? Ich mußte laut lachen, weil ist glaubte, die Dame mache Scherz, Solch? Heirathsvorschläge wurden mir sehr oft gemacht, ich habe sie aber stets scherzhaft genommen. Frau N. ging , jedoch -zu meiner Mutter und so kam die Sachz allmälig in Gang. Herr W. besuchte uns, gesiel mir ganz gut und " sollen Ihrem damaligen Bräutigam gesagt haben, daß Sie eine Mitgift von fünftausend Thaler mit in die Ehe bringen würden. Ist das richtig?" Es ist richtig." Wie konnten Sie denn das sagen: Wußten Sie nicht, daß Ihr Herr Vate, gänzlich vermögenslos war?" Ja, ich wußte es. Aber ich habe reiche und einflußreiche Verwandte, die an meinem Schicksal den größten Antheil nehmen und die mir mit Freuden fünf tausend Thaler gegeben hätten." Und warum haben Ihnen die An verwandten das Geld nicht gegeben? Weil weil (die junge Frar brach hier m heftiges und anhaltendes Schluchzen aus) weil vor der Hoch zeit an meine Eltern und' Verwandten von' allen Seiten anonyme Briefe kamen, Briefe, in denen entsetzlich, Dinge ständen." ' Was stand in den Briefen?" Daß mein Bräutigam ein viel fach bestrafter Mensch sei txn Be trüger.... es wär entsetzlicht Meine Verwandten zogen sich von mir zurück und meine Eltern waren arm.. . . Der Vorsitzende erklärte, daß er ge nug wisse, und ersuchte die von höchster Aufregung übermannte Dame Platz zu nehmen. - Als letzter Zeuge trat der Herr Bau' meiste? selbst auf. Er wiederholte nun in aller Kürze das Hauptsächlichste, was die Tochter bekundet hatte. Der Staatsanwalt beantragte die Freisprechung der angeklagten Hnraths Vermittlerin. Sie habe dem Förster lediglich diejenigen Angaben gemacht, die sie von der Mutter der jungen Dame empfangen habe. Als vorsichtige Ver Mittlerin hätte sie allerdings genaue Erkundigungen über die Verhältnisse der Familie einziehen müssen, diese Fahrlässigkeit aber sei nicht strafbar. Der Gerichtshof erkannte gleichfalls auf Freisprechung, betonte aber, daß die Vermittlerin auch nicht der Vorwurs der Fahrlässigkeit träfe. Sie habe die Familienmitglieder des Baumeisters als angesehene und in dem Rufe der Wohlhabenheit stehende Leute gekannt, und wenn ihr von solchen Leuten versichert 'werde, daß sie im Stande seien, der Tochter fünftausend Thaler Mitgift zu geben, so durste sie es ohne weiteres glauben.

Chinesische Anschauungen. AuS einem Aufsatz des zu Shanghai erscheinenden North China Herald" theilt die englische Nature" einige Stellen mit, aus denen man ersieht, was für merkwürdige Anschauungen die Chi nesen über den Urstirung der Wissens schasten haben. Die Gebildeten des himmlischen Reiches sind nämlich fest überzeugt, daß die Kenntnisse ihrer Vorfahren zu den westlichen Völkern durchsickerten und von diesen nur weiter ausgebildet und entwickelt worden sind. Diese Meinung wurdevonMei Wun gan unter der Regierung Kanghis (um 1700) aufgebracht und ist seitdem mit Hartnäckigkeit festgehalten worden ; seit zwei Jahrhunderten bildet sie den Trost der. gebildeten Klassen. Diejenigen, welche der Einführung fremder Kennknisse und -Erfindungen in China günstig sind, begründen dies damit, daß sie sagen: Wir wollen die Kenntnifstc, der abendländischen Völker nützen,' weil wir wissen, daß sie ihre Wissenschaften und Ersindungen nur mit Hilfe unsern Weifen erlangt haben.' Wir haben da her ein gutes Recht darauf. , Wenn wir Europa nicht die Wissenschaft selbst gaben, so gaben wir ihnen doch den tnU wickelten Keim dazu. : Sie haben die Wissenschaft der Op tik, aber in unsern: Motsz" finden wir, daß die Reflection des Lichts durch Spiegel schon in den Tagen des Men eins (im 4. Jahrh.' v Ehr.)! bekanilt war. Die Leute deS Westens glauben, daß die Erde rund ist. Aber schon im i ser Dichter Chu Auen vertheidigte , diese Lehre in seiner Ode aus die Astronomie, und das war nicht lange nach Meucius, Da dem so ist, so sollten wir uns deS Studiums der abendländischen Wissenschaft nicht schämen. Wir sind die Ne. . benbuhlcr der abendländischen Reiche, und es ist eiue gute Politik, ihre Speere zu gebrauchen, um ihre Schilde zu durch, bohren. Wir sollten unsere Jugend in abendländischer Wissenschä'tzuntcrrichM ten, damit sie lernt, wie Anmaßung jzen der westlichen Völker äD besten zu bcgegnen.ist." - ? st-- i -. : :'!': : A.:-, m 5? ';'fsf,.i'' .. " '"' ' '"1 ' ' "-'li . """ t D er Stro hwit twer. Frau. ( bei der Abreise zum l,MämeMNimm j Dichur!!jamitdem Du weißt, das viele Bier bekommt Dir nicht., Gehe . immeW elf Uhr nach Hause. Ich verspreche es Dir. AIS sich der Zug schon in Keweguag seht, ruft der Gatte: Frau, wo hast Tu die sauren Haringe hir ,n,m? rmm: . .,..,. Bl"" :ft,;:S's

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